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Ein Praxisbeispiel für ein Programm zur Förderung leistungsstarker

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Praxisberichte
Future Power – Förderung leistungsstarker Azubis
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Praxisbeispiel 14
Future Power – Förderprogramm
für leistungsstarke Auszubildende
bei der RWE Power AG
Themenübersicht
Seite
■
Ausbildung bei der RWE Power AG
3
■
Entwicklung eines Förderprogramms für leistungsstarke Auszubildende
– Analyse und Begriffsdefinition
– Zielsetzung
– Konzeptionsphase
– Modul 1 bis 3
4
4
7
8
9
■
Future Power – Erfahrungen aus den ersten Durchführungen
11
Die Autorin
Reinhild Niehoff ist Referentin im RWE Development Center.
Anschrift: Opernplatz 1, 45128 Essen, Tel.: 02 01/1 21 67 44,
E-Mail: Reinhild.Niehoff@rwe.com
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Praxisberichte
Future Power – Förderung leistungsstarker Azubis
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Praxisberichte
Future Power – Förderung leistungsstarker Azubis
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Ausbildung bei der RWE Power AG
Der RWE Konzern zählt zu den führenden Strom- und Gas- RWE Konzern
versorgern in Europa. Die Aktivitäten des Konzerns umfassen
Erzeugung, Handel, Transport und Vertrieb von Strom und
Gas. Der RWE Konzern ist international ausgerichtet, sein
Fokus liegt auf dem europäischen Markt, hier sind neben
Deutschland insbesondere Großbritannien, Niederlande, Polen sowie Zentral- und Südosteuropa zu nennen. Aktuell beschäftigt der RWE Konzern ca. 70.000 Mitarbeiter.
Ingesamt wendet RWE ca. 70 Millionen Euro pro Jahr für die 1.000 Ausberufliche Erstausbildung auf. Pro Jahr werden 1.000 Aus- zubildende
zubildende in 30 verschiedenen Ausbildungsberufen einge- pro Jahr
stellt.
Die RWE Power AG ist die Erzeugungsgesellschaft im RWE RWE Power
Konzern. Mit ca. 34.000 Megawatt (MW) installierter Kraft- AG
werksleistung werden jährlich 180 Terrawattstunden (TWh)
Strom erzeugt, damit ist das Unternehmen der größte
Stromerzeuger in Deutschland. Hierzu werden ca. 100 Mio.
Tonnen Braunkohle gefördert.
Neben ca. 15.000 Mitarbeitern in Deutschland beschäftigt die 280 AuszuRWE Power AG mit Sitz in Köln und Essen ca. 1.000 Aus- bildende
zubildende. Pro Jahr werden bei der RWE Power AG ca. 280 pro Jahr
Auszubildende eingestellt. Es werden 23 verschiedene Berufe ausgebildet.
Die Ausbildung ist dezentral organisiert, erstreckt sich Dezentrale
deutschlandweit und wird über acht Ausbildungsstützpunkte Ausbildung
gesteuert. Hinzu kommen vier überbetriebliche Ausbildungszentren im sogenannten Rheinischen Revier in der Nähe von
Köln.
Neben der betrieblichen Ausbildung engagiert sich RWE Projekt „Ich
auch in einem Projekt zur Ausbildungsvorbereitung. „Ich pack das!“
pack das!“ ist eine Maßnahme für Jugendliche und junge Erwachsene, die eine Berufsausbildung anstreben, aber noch
nicht die notwendigen praktischen und theoretischen Fähigkeiten besitzen, diese zu beginnen, oder die noch nicht ver-
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Praxisberichte
Future Power – Förderung leistungsstarker Azubis
mittelt werden konnten. Bei jährlich 100 Teilnehmern liegt die
Vermittlungsquote im Durchschnitt bei ca. 75 Prozent.
Entwicklung eines Förderprogramms für
leistungsstarke Auszubildende
Im RWE Konzern gibt es individuelle Fördermaßnahmen für
leistungsschwache Auszubildende (z. B. Zusatzunterricht).
Leistungsstarke Auszubildende wurden bis 2007 nicht systematisch gefördert. Die Förderung leistungsstarker Führungskräfte und Mitarbeiter ist in Unternehmen selbstverständlich.
In der Ausbildung wird dieser Weg seltener beschritten, wird
doch unterstellt, dass sich die Auswahl von Auszubildenden
schon auf „die Guten“ konzentriert. Engagierte und lerninteressierte Auszubildende werden sogar häufig mit zusätzlichen Aufgaben betraut, welche von den Auszubildenden als
reine Mehrarbeit empfunden und weniger als Lernchance
oder Herausforderung oder gar als „Belohnung“ bewertet
wird.
Programm zur
Förderung
leistungsstarker Auszubildender
Im Sinne einer strategischen und zukunftsorientierten Nachwuchssicherung wurde 2006 bei der RWE Power AG die
Entscheidung getroffen, ein Programm zur Förderung leistungsstarker Auszubildender zu entwickeln mit dem Ziel,
diese in ihren Potenzialen früh zu fördern und wichtige Kompetenzen für ihre weitere berufliche Entwicklung auszubauen.
Analyse und Begriffsdefinition
Zunächst galt es, hierfür folgende Fragen zu beantworten:
* Wann genau kann ein Auszubildender als leistungsstark
definiert werden? Wodurch zeichnet er sich aus?
* Ist dies über alle angebotenen Ausbildungsberufe bei der
RWE Power AG gleich?
* Was interessiert und beschäftigt diese Auszubildenden?
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Future Power – Förderung leistungsstarker Azubis
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* Was benötigen sie für ihre Entwicklung?
* Wie kann die Förderung leistungsstarker Auszubildender
in das Unternehmen integriert werden?
Nach umfangreicher Sichtung externer Quellen (Literatur, Internet) wurden Workshops mit Ausbildungsverantwortlichen
innerhalb der RWE Power AG durchgeführt. Abgerundet
wurde die Analyse durch Interviews von Führungskräften unterschiedlicher Ebenen sowie ehemaligen Auszubildenden,
die ihre Ausbildung mit guten Ergebnissen abgeschlossen
hatten.
Externe
Quellen,
Durchführung
von Workshops
Fragen an ehemalige Auszubildende (Beispiele):
* Wie war der Übergang aus der Ausbildung in das Berufs-
*
*
*
*
leben/in den Alltag einer Fachabteilung? Welche neuen
besonderen Herausforderungen gab es?
Was ist Euch dabei schwer gefallen? Gab es Probleme,
Schwierigkeiten, Dinge, wo Ihr Euch noch mehr Unterstützung gewünscht hättet?
Die RWE Power bietet eine Vielzahl von Maßnahmen
während der Ausbildung an. Was hat noch gefehlt, bzw.
welche Maßnahmen hättet Ihr Euch gewünscht, um den
jetzigen Arbeitsplatz noch besser auszufüllen oder Euch
optimaler vorbereiten zu können?
Welche Themen/Inhalte/Elemente/Qualifizierungen würdet Ihr Euch im Rahmen eines Förderprogramms wünschen? Und warum?
Was sollte nicht enthalten sein?
Fragen an Führungskräfte (Beispiele):
* Haben Sie schon einmal einen Auszubildenden gehabt,
den Sie als besonders leistungsstark empfunden haben?
Wenn ja, wie war der? Wenn nein, wie würden Sie sich ihn
vorstellen?
* Auf welche Stellen werden ehemalige Azubis eingestellt?
Was sind typische Stellenanforderungen und Tätigkeiten?
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Future Power – Förderung leistungsstarker Azubis
* Was würde sich daran bei besonderer Leistung ändern?
Wäre eine besondere Position möglich? Besondere Perspektiven? Andere Tätigkeiten?
* Was sind aus Ihrer Sicht herausfordernde Situationen, in
denen sich ein ehemaliger Azubi bewähren muss?
* Wo sehen Sie bei dieser speziellen Gruppe leistungsstarker Azubis besondere Stärken? Wo Entwicklungsbedarf?
* Wie könnte das vorhandene Potenzial der Azubis während und nach der Ausbildung noch besser genutzt werden?
Eins wurde schnell deutlich: Der Begriff leistungsstark in
Verbindung mit Azubis meint nicht eine rein kognitive Hochbegabung, sondern umfasst vielmehr Kompetenzen, die in
der täglichen Arbeit bedeutsam sind.
!
Definition „Leistungsstarke Auszubildende“
Fachliche Kenntnisse: Gute bis sehr gute Leistungen im
Ausbildungszentrum, in den Betrieben und Verwaltungen
sowie in der Berufsschule (Referenzgröße: Leistungsdurchschnitt innerhalb einzelner Ausbildungsjahrgänge)
Leistungsmotivation: Engagement, Initiative, Interesse
und auch Zielorientierung
Selbstständigkeit: Aktiv Arbeit und Erklärungen einfordern, Fragen stellen, Zusammenhänge erkennen,
Transfer leisten
Soziale Kompetenz: Integrationsfähigkeit, Hilfsbereitschaft, Offenheit, Kontaktfreude
Gewissenhaftigkeit: Verantwortungsbewusstsein, Ordnung, Sorgfalt, Pünktlichkeit
Zielgruppe
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Auf Basis dieser Definition wurde als Zielgruppe für das Programm das zweite Ausbildungsjahr sowie eine Gruppengröße von zwölf Teilnehmern/-innen pro Jahr ausgewählt.
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Future Power – Förderung leistungsstarker Azubis
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Die Auswahlkriterien orientieren sich an den Beurteilungs- Auswahldimensionen in der Ausbildung. Neben den Noten der Be- kriterien
rufsschule werden die Beurteilungen der Ausbilder beziehungsweise der Abteilungen herangezogen, diese Kombination ergibt ein – im Sinne der o. g. Definition – differenziertes
Bild der potenziellen Kandidaten. Auf der Basis der Leistungen vorangegangener Ausbildungsjahrgänge wurden
Mindestpunktzahlen als Zugangsvoraussetzung für das Programm definiert.
Die Teilnahme am Programm ist freiwillig.
Auf eine mögliche Trennung nach gewerblich-technischen
und kaufmännischen Ausbildungshintergründen wurde verzichtet, da die Eigenschaften eines leistungsstarken Auszubildenden sich stringent durch alle Berufssparten hindurchziehen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung.
Zielsetzung
Es galt zu prüfen, welche Teile der Förderung ein zentral gesteuertes Programm sinnvoll übernehmen kann. Das Programm ist ein Personalentwicklungsinstrument, welches als
ein Element der Förderung in die Ausbildungszeit integriert
werden kann. Während die intensive fachliche Weiterentwicklung der Auszubildenden nur über die Ausbilder direkt
sinnvoll gesteuert werden kann, liegt der Schwerpunkt des
Programms auf der Förderung fachübergreifender Kompetenzen.
Förderung
fachübergreifender
Kompetenzen
Es wurde daher auch bewusst darauf verzichtet, eine Übernahmemöglichkeit nach Abschluss des Programms zu installieren, da die persönliche Entwicklung im Vordergrund
steht. Dieser differenzierte Ansatz führte maßgeblich dazu,
dass eine breite Zustimmung innerhalb des Unternehmens
(u. a. auch bei der Mitbestimmung) für das Programm erzielt
werden konnte.
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Future Power – Förderung leistungsstarker Azubis
Ziele des Programms
Fördern
* Veränderungsbereitschaft stärken
* Gespür für Menschen und Situationen weiter stärken
* Eigene Stärken und Entwicklungsfelder besser kennenlernen
* Durchsetzungsvermögen stärken
Fordern
* Herausforderungen annehmen
* Leistung zeigen können
* Sich im Unternehmen präsentieren können
Unternehmensziele
* Wertschätzung zeigen
* Transparenz über Potenziale innerhalb des Unternehmens herstellen
* Vorhandenes Potenzial besser ausschöpfen
* Identifikation mit RWE Power gesamt stärken
* Marketing für die Ausbildung bei RWE
Konzeptionsphase
Enge
Ausrichtung
an der
Zielgruppe
Um ein erfolgreiches Programm zu gestalten, ist es unabdingbar, die Umsetzung in konkrete Inhalte und Methoden
sehr eng an den Bedürfnissen der Zielgruppe auszurichten,
ihr etwas Neues zu bieten, sie aber dennoch in ihrer Alltagswelt abzuholen; keine schlichte Aneinanderreihung unterschiedlicher Seminare, sondern im Rahmen einer prozesshaften Arbeit Entwicklung zu ermöglichen, Themen zu
vernetzen und individuelle Beratung anzubieten.
So sind neun Präsenztage verteilt auf drei Module entstanden, die innerhalb eines Dreivierteljahres stattfinden.
Die zwölf
Besten
nehmen teil
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Die Auszubildenden des zweiten Lehrjahres, die die Zugangsvoraussetzungen erfüllen, werden über das Programm
durch ihre Ausbilder informiert und können sich bei Interesse
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Praxisberichte
Future Power – Förderung leistungsstarker Azubis
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bewerben. Die zwölf besten Bewerber nehmen an dem Programm teil.
Das Grobkonzept und die Zielstellung des Programms wur- Ausgestaltung
den intern durch die Personalentwicklung und die zentrale des
Ausbildungsabteilung erarbeitet. Für die weitere inhaltliche Programms
und methodische Ausgestaltung des Formats sowie für die
Durchführung wurde ein externes Trainingsinstitut hinzugezogen. Die einzelnen Durchführungen werden ebenfalls über
die zentrale Ausbildungsabteilung der RWE Power gesteuert
und begleitet.
Inhalte und Aufbau
Future Power
2. Modul: Persönliches
3. Modul: Zukünftiges
Gegenseitiges Kennenlernen,
Unternehmenspräsentation
RWE Power-Standort kennenlernen
Weiteren RWE PowerStandort kennenlernen
- Feedback zu den Präsentationen
Verantwortungsvoller Umgang
mit mir und anderen
Rückkopplung 2. Modul:
Umgang mit Veränderungen
- Kennenlernen von eigenen Stärken
- durch die Auszubildenden in kreativer
Form
- Erleben einer ungewohnten Situation
- Ref lexion: Was geschieht, wenn ich
mich vor und in einer Veränderung
bef inde?
Projektstart
Projektvoraussetzung:
- Mehrwert f ür die Ausbildung und/oder
und Entwicklungsf eldern
- Wie trete ich mit anderen in Kontakt?
Wie bemerke ich auch versteckte
Signale?
Entwicklungsschritte?
Projekt- und
Programmabschluss
- Wie gelingt es mir, mich
durchzusetzen?
Vorbereiten des Projekttages
- abschließendes Arbeiten am Projekt
- Generalprobe
- Feedback
- Präsentation in einer f eierlichen
3 Tage
3 Tage
Unternehmen
- anspruchsvoll
3 Tage
Reflexion und
Kompetenzberatung
- Wo stehe ich jetzt?
- Was wären sinnvolle weitere
Individuelle Kompetenzentwicklung
1. Modul: Neues
Abschlussveranstaltung vor Gästen
Vorbereitung
Projekttag
Arbeit am Projekt
Abb. 1: Das Programm „Future Power“
Modul 1 bis 3
Das erste Modul steht unter dem Titel „Neues“. Neu ist zum Modul 1:
einen die Gruppe, neu sind aber auch viele Situationen, auf Neues
die die Auszubildenden nach der Ausbildung treffen werden,
weswegen der Umgang mit Veränderungen zum Thema wird.
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Future Power – Förderung leistungsstarker Azubis
Die Auszubildenden stellen sich und ihren Standort in kreativen Selbstpräsentationen vor und erhalten Feedback sowie
Input zu Präsentationstechniken. Auf den Ansatz des Improvisationstheaters reagieren die Gruppen zunächst immer
eher skeptisch und reserviert, können sich jedoch gut auf die
ungewohnte Situation einlassen. Am Ende werden die gemachten Erfahrungen gemeinsam in das Modell der Veränderungskurve übertragen.
Neu ist auch das Projekt, welches die Teilnehmer gemeinsam
suchen. Dabei soll jeder die Möglichkeit haben, sein (Fach-)
Wissen und seine Fähigkeiten einzubringen. Es muss dem
Unternehmen einen Mehrwert liefern und zeigen, was die
Auszubildenden leisten können.
Ein weiteres Element, um die Verantwortungsbereitschaft
und Selbstständigkeit der Teilnehmer zu fördern, ist die Entscheidung, in der Nähe welches Standorts der RWE Power
AG die weiteren Module stattfinden sollen. Die Besichtigung
der gewählten Betriebsstätten wird in den Ablauf integriert,
damit die Auszubildenden für das Unternehmen einen umfassenderen Blick bekommen.
2. Modul:
Persönliches
Im zweiten Modul steht „Persönliches“ im Vordergrund: Wo
liegen die persönlichen Stärken? Wie gut kennt man sich
selbst und andere? Was möchte man noch besser können?
Wie tritt man mit anderen in Kontakt? Wie gelingt es, sich
durchzusetzen? Die Auszubildenden stehen am Anfang ihres
beruflichen Weges und haben oft noch Schwierigkeiten in der
Einschätzung der eigenen Person. Das Programm führt an
das Thema Selbstreflexion heran und unterstützt dabei, sich
selber besser kennenzulernen.
Anhand des Modells der Teamrollen von Belbin skizzieren die
Teilnehmer beispielsweise in Bildern die unterschiedlichen
Rollen innerhalb ihrer Gruppe. Außerdem wird das Thema
„Feedback geben und nehmen“ sowie verschiedene Kommunikationsmodelle und die Übertragung in den Berufsalltag
der Teilnehmer erarbeitet.
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Die Reflexion über das eigene Engagement im Projekt und
das gemeinsame Weiterarbeiten daran bilden die Brücke
zwischen den beiden ersten Modulen.
Unter dem Stichwort „Zukünftiges“ wird im dritten Modul das 3. Modul:
Projekt beendet und im Rahmen einer feierlichen Abschluss- „Zukünftiges“
veranstaltung vor hochrangigen Unternehmensvertretern
präsentiert.
Des Weiteren ziehen die Auszubildenden Bilanz, indem sie
zurückblicken und festhalten, was sich seit dem ersten Modul für sie verändert hat. Sie bilanzieren, wo sie inzwischen
stehen, und planen die nächsten Schritte für die eigene Entwicklung über das Förderprogramm hinaus. Dieser Prozess
wird durch individuelle Beratung und persönliches Feedback
durch die Trainerin und die interne Programmbegleitung unterstützt. Zur Vorbereitung wird eine Generalprobe der Abschlusspräsentation durchgeführt.
Future Power – Erfahrungen aus den ersten
Durchführungen
Mit ca. 30 Bewerbungen pro Jahr ist die Nachfrage für Future
Power seit der ersten Durchführung 2007 konstant geblieben.
Das Verhältnis zwischen kaufmännischen und gewerblichtechnischen Bewerbungen innerhalb der Gruppen ist hierbei
ausgeglichen.
Auch die Zusammensetzung der Teilnehmergruppen ist sehr Heterogene
heterogen. Es herrscht sowohl eine breite Streuung über Zusammendie verschiedenen Ausbildungsberufe, die verschiedenen setzung
Standorte der RWE Power als auch hinsichtlich des Geschlechts der Teilnehmer.
So nahmen beispielsweise an der Durchführung in 2008 fünf
gewerblich-technische Azubis und sieben kaufmännische
Azubis teil, die sich wiederum in sieben männliche und fünf
weibliche Azubis aufteilten, während es in 2010 acht gewerblich-technische Azubis und vier kaufmännische Azubis
waren, die aus acht männlichen und vier weiblichen Azubis
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Future Power – Förderung leistungsstarker Azubis
bestanden. Frühere Bedenken bezüglich einer möglichen
Bevorteilung kaufmännischer Auszubildender durch eventuell bessere Noten o. Ä. haben sich erfreulicherweise nicht
bestätigt.
Rückblickend auf die vergangenen vier Durchführungen lassen sich folgende Aspekte als charakteristisch für die Zielgruppe des Programms beschreiben:
Viele der Themen und vor allem der Methoden (z. B. Videofeedback und persönliches Lerntagebuch) sind für die Teilnehmer neu und ungewohnt.
!
Inhaltliches Niveau: Anspruchsvoll, aber nicht überfordernd gestalten.
Die Stimmung innerhalb der Gruppen war von Beginn an gut
und es herrschte eine konstruktive Arbeitsatmosphäre. Vorbehalte zwischen den Ausbildungsberufen wurden schnell
abgebaut
!
Sinnvoll ist eine Mischung von kaufmännischen und gewerblich-technischen Ausbildungsberufen.
Die Teilnehmer sind sehr neugierig, lassen sich auf neue
Dinge ein, machen mit und probieren gerne aus. Neue und
innovative Methoden kommen gut an. Die Teilnehmer sind
sehr auf der Suche nach Feedback, auch über ihre Rolle im
Team. Sie sind begeisterungsfähig und wollen gefordert werden. Der bunte Methodenmix hat sich durchaus bewährt und
über alle Module ausgezahlt.
!
Kreative und aktivierende Methoden passen zur Zielgruppe.
Kritische Nachfragen der Teilnehmer – beispielsweise bezogen auf Modelle oder spielerische Situationen – verdeutli-
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chen immer wieder einen ganz wesentlichen Punkt: Diese
Zielgruppe ist es noch nicht gewohnt, Erfahrungen zu abstrahieren und auf alltägliche Situationen zu projizieren. Sie
brauchen intensive Unterstützung, um den Transfer des Erlebten in den Alltag herzustellen. Erhalten sie diese Unterstützung, dann setzen sie Erlerntes sehr schnell um und
Lernfortschritte werden unmittelbar sichtbar.
Transferunterstützung in den Alltag sehr wichtig.
!
Die größte Herausforderung für die Gruppe stellt die selbstständige Organisation der gemeinsamen Projektarbeit dar.
Von der Ideenfindung und Auswahl über die Identifizierung
von Arbeitspaketen bis zur eigentlichen Umsetzung ist es ein
langer Weg. Besonders schwer fällt den Gruppen, sich komplett selbst zu organisieren, mit unerwarteten Rückschlägen
umzugehen, zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen
und mit dem inneren Konflikt zwischen hohem eigenen Anspruch und begrenzter Zeit zurechtzukommen. Dennoch bezeichnen fast alle im Rückblick die Projektarbeit als höchste
Lernerfahrung, die sie nicht missen möchten.
Hohe Selbstständigkeit in der Projektarbeit zulassen.
!
Die Gruppen planten, organisierten und führten die folgenden
Projekte durch:
* Schulstunde zum Thema regenerative Energien für eine
5. Klasse einer Gesamtschule,
* Aktionstag für Auszubildende im Rahmen des Betrieb-
lichen Gesundheitsmanagements – neben sportlichen
Aktivitäten wurden Informationen und Beratung zu Gesundheit und Ernährung angeboten,
* Energierallye für die 1. bis 4. Klasse einer Grundschule –
ein Stationslauf, bei dem die Schüler sich mit den verschiedenen Energieformen (Wasser, Wind, Kohle, Sonne
etc.) spielerisch auseinandersetzen können,
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Praxisberichte
Future Power – Förderung leistungsstarker Azubis
* RWE-Safety-Day für eine 9. Klasse einer Realschule – eine
interaktive Ausstellung zu den Themen Sicherheit im Büro,
im Alltag und im Beruf.
Abschlussfeier:
hohe Wertschätzung
Die feierlichen Abschlussveranstaltungen erleben die Teilnehmergruppen als hohe Wertschätzung. Als Gäste werden
u. a. Betriebsleiter, Personalleiter, Betriebsräte und Ausbildungsverantwortliche der teilnehmenden Auszubildenden
eingeladen – nicht oft haben Azubis die Gelegenheit, sich und
ihre Leistungen einem derart „prominenten“ Plenum zu präsentieren. Sie stellen ihr Projekt sowie ihre Erfahrungen im
Verlaufe des Programms vor und erhalten die Abschlusszertifikate.
Hoher
Aufwand
zahlt
sich aus
Abschließend ist festzuhalten, dass die Förderung leistungsstarker Auszubildender in Form eines Programms betreuungs- und arbeitsintensiv ist, da eine hohe Flexibilität und ein
enger Kontakt über den Programmverlauf erforderlich sind.
Gleichzeitig stellt jede einzelne Durchführung das Potenzial
des leistungsstarken Unternehmensnachwuchses auf so abwechslungsreiche und überzeugende Weise dar, dass sich
Aufwand und Investition aus Sicht von RWE Power auszahlen.
Die teilnehmenden Auszubildenden erhalten wichtige Impulse für ihre persönliche Weiterentwicklung, welche ihnen
bei der Orientierung und Gestaltung ihrer beruflichen Zukunft
nutzen. Die Mehrheit der Absolventen des Programms
konnte nach Beendigung der Ausbildung in einen unbefristeten Vertrag bei der RWE Power übernommen werden,
einige kombinieren hierzu ein berufsbegleitendes Studium.
Um das mit den Worten eines ehemaligen Teilnehmers zu
sagen:
„Future Power – eine krasse Herausforderung, aber es hat
sich gelohnt.“
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