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Da weiß man, wie man testet

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In Regal RL 122 warten 44 Teetassen darauf, in die Spülmaschine geräumt zu
werden. Unappetitliche braune Teeränder
haben sich gebildet. Auf dem Boden der
Tassen sammeln sich Reste von Teehaut. In
einer Maschine sind die Tassen zuvor angeschmutzt worden, alle mit der gleichen
Wasserhärte und der gleichen Teesorte aus
dem gleichen Anbaugebiet. In fünf Schritten hat die Maschine die Tassen gleichzeitig
leergeschlürft. Identische Voraussetzungen
spielen eine wichtige Rolle, denn das Spülergebnis dieser Tassen bestimmt möglicherweise über millionenschwere Werbeetats.
Es kann Gerichtsverfahren entscheiden.
tensioconsult Gmbh, rheinbach
Da weiß man, wie man testet
Die Tassen stehen in einer Halle voller Spülmaschinen
der tensioconsult GmbH in Rheinbach. Das Unternehmen begutachtet alles, was der Verbraucher sich
an Reinigungsmitteln wünschen kann: Spülmaschinentabs und Klarspüler, Colorwaschmittel und Weichspüler, Taschentücher und Toilettenpapier. Die Produktvielfalt ist unermesslich. Eine Basisrecherche zu
Fleckentfernen hat ergeben, dass allein in Deutschland
120 verschiedene Fleckentferner auf dem Markt sind.
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Die Kunden des Unternehmens kommen aus der Chemiebranche ganz Europas. Es handelt sich um die
Hersteller von Wasch- und Reinigungsmitteln sowie
die Hersteller der benötigten Rohstoffe. Henkel, Reckitt Benckiser, Unilever, Procter & Gamble und BASF
sind die großen Namen, viele kleinere Unternehmen
kommen hinzu. Sie brauchen Gutachten, bevor sie
ein neues Produkt auf den Markt bringen. Sie wollen
ihre Werbeaussagen untermauern. Und sie wollen
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reportaGe
wissen, ob das Vollwaschmittel des Wettbewerbers
tatsächlich besser reinigt als das eigene. Falls der
Wettbewerber das fälschlicherweise behauptet, wird
gerichtlich gegen seine Werbeaussage vorgegangen.
tropfen
zählt
IJeder
„Geschirrspülmittel testen wir mit Anschmutzungen
von Tee, Milch, Hackfleisch, Eigelb, Ei/Milch, Haferflocken und Stärke“, erläutert Dr. Joachim Weißen,
geschäftsführender Gesellschafter der tensioconsult
GmbH, im Labor des Unternehmens.
Hackfleisch ist eine
Schmutzart, mit der
Geschirrspülmittel
getestet werden. Engagierte Mitarbeiterinnen
bewerten dann die frisch
gespülten Teller.
In einer benachbarten Kammer mit spezieller Beleuchtung zeigt er das Ergebnis eines Klarspülertests. „Hier ist der Mundrand noch oben am Glas
zu sehen. Außerdem sehen wir lauter Kalkflecken“,
sagt er wertfrei. Das Glas bekommt nur die Note 2
Wettbewerbsvorteil Klimaschutz – NRW.BANK.Effizienzkredit
fördert umweltschonende Produktionsverfahren
Energie- und Rohstoffkosten sind für jedes Unternehmen ein erheblicher Faktor. Und sie werden weiter steigen. Die intensive Kontrolle und Optimierung der
Ressourcen und Prozesse werden deshalb immer wichtiger – nicht nur, um Klimaschutzziele zu erreichen, sondern auch, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Förderbanken übernehmen Verantwortung
In diesem Umfeld sind Förderbanken besonders
gefragt. Die NRW.BANK hat deshalb mit dem
NRW.BANK.Effizienzkredit ein Finanzierungsprogramm entwickelt, das den Unternehmen im
Land den Weg zu Effizienzsteigerungen ebnet.
Dieses Darlehensprogramm ist schlank in der
Abwicklung und entspricht gleichzeitig den
Anforderungen der ehrgeizigen Klimaschutzziele des Landes.
Klare Kriterien für Kreditnehmer
Transparenz schafft ein klarer Kriterienkatalog
für die Bewilligung des Darlehens – gemessen an
der Ressourcen- oder Energieeffizienz, die aus
der Investition resultiert. Wird zum Beispiel in
einem Unternehmen eine Produktionsanlage
ausgetauscht, muss die neue Anlage einen um
mindestens 20 Prozent geringeren Stromverbrauch aufweisen. Im Bereich der Ressourceneffizienz ist der Maßstab, dass der reine, in Kilogramm gemessene Rohstoffverbrauch durch eine
Verfahrensumstellung bei der Herstellung der
gleichen Stückzahl um mindestens zehn Prozent
reduziert wird.
Transparenz für mehr Effizienz
Das rechnet sich schnell: Investitionen in Effizienzsteigerungen machen sich zumeist schon nach
wenigen Jahren bezahlt – nicht zuletzt, weil das
Darlehen mit einem attraktiven Zins ausgestattet
ist. Beschränkungen bei der Unternehmensgröße
gibt es nicht. Voraussetzung: Der Investitionsort
muss in Nordrhein-Westfalen liegen. Ab einem
Investitionsvolumen von 500.000 Euro ist zudem
eine 50-prozentige Haftungsfreistellung für die Hausbank des Unternehmens möglich; finanziert werden
Vorhaben mit einem Volumen bis fünf Millionen
Euro.
Mehr Informationen unter www.nrwbank.de.
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reportaGe
„Wir schauen mit den Augen des Verbrauchers”, sagt
Dr. Joachim Weißen, geschäftsführender Gesellschafter der tensioconsult GmbH. Weißen entwickelt
und führt Testverfahren für Wasch-, Spül- und Reinigungsmittel durch.
kaum
risikofreudig
IBanken
auf der Skala mit der Bestnote 10. Zufriedener ist
Weißen mit einem nahezu fleckenfreien Glas: „Das
ist ein sehr gutes Spülergebnis.“ Es erhält die Note 8.
Über ein ausgeklügeltes Nummernsystem lässt sich
zurückverfolgen, welches Glas mit welchem Produkt
klargespült wurde.
Drei seiner ganz in Weiß gekleideten Mitarbeiterinnen räumen Besteck aus einer Spülmaschine.
Zwei von ihnen betrachten jedes einzelne Messer
und jede einzelne Gabel, um der dritten zu diktieren:
„Trocken“, „Ein Tropfen“, „Trocken“, „Zwei Tropfen“.
Jede Zahl wird in einem Statistikbogen festgehalten.
Ein akribisches Verfahren, das tausende von Zahlen
erfasst und die Testergebnisse valide macht. „Wenn
man etwas nicht messen kann, kann man es nicht
verbessern“, sagt Weißen.
Besondere Unternehmen aus der region
In unregelmäßigen Abständen stellen wir in „Die Wirtschaft“ besondere
Unternehmen mit dem „etwas anderen Produktportfolio“ oder außergewöhnliche Standorte vor.
tensioconsult GmbH
Sitz/Hauptverwaltung: Rheinbach
Geschäftsführender Gesellschafter:
Dr. Joachim Weißen
Gründungsjahr: 2004
Mitarbeiterzahl: 20um Beip
Internet: www.tensioconsult.com
Branche: Chemie
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Geschäftsfelder: Begutachtung
von Verbraucherprodukten wie
Waschmitteln, Geschirrspülmitteln,
Hygienepapier
Kunden: Chemische Industrie - zum
Beispiel Henkel, Procter & Gamble,
Unilever und Verbraucherorganisationen wie die Stiftung Warentest
Bevor er sein Testinstitut im Januar 2004 gründete,
hatte der promovierte Chemiker 18 Jahre lang bei
Akzo Nobel in Düren gearbeitet und zuletzt die Forschungs- und Entwicklungsabteilung für Waschund Reinigungsmittel geleitet. Akzo Nobel schloss
den Standort und Weißen sattelte um. „Ich hatte
mich als Entwickler sehr oft über die Qualität externer Gutachten geärgert“, erinnert er sich. „Die
Testmethoden waren veraltet, die Präsentation war
schwer verständlich und es dauerte zu lang, bis ein
Gutachten erstellt war.“ Also gründete er das unabhängige Testinstitut tensioconsult, den Vorläufer
der heutigen GmbH.
Die Existenzgründungsberatung der IHK in Aachen habe ihm dank ihrer pragmatischen Tipps sehr
geholfen. In Rheinbach fand er im Gründer- und
Technologiezentrum die geeigneten Räume. Nur
mit der Finanzierung haperte es. „Bei den Banken
habe ich nur eine geringe Risikobereitschaft erlebt.
Das war sehr ernüchternd.“ Schließlich überzeugte
er doch eine Bank.
Von da an ging es aufwärts. Mit zwei Mitarbeitern hat er begonnen, inzwischen sind es 20. Die
Wirtschaftskrise Ende 2008 wurde zur Durststrecke
für das junge Unternehmen, doch das Team hielt fest
zusammen. „Wir haben gute, engagierte Leute“, sagt
der Geschäftsführer. „Die muss man erst mal finden.“
Im Jahr 2010 wurde die tensioconsult GmbH mit dem
Gründerpreis der Kreissparkasse Köln ausgezeichnet.
den augen
der Verbraucher
Imit
Inzwischen ist die tensioconsult GmbH auch bei Verbraucherorganisationen eine feste Größe. Wenn die
Stiftung Warentest in ihrem „test“-Heft titelt „Eine
kleine Sensation – Waschpulver bekommen echte
Konkurrenz von Flüssigwaschmitteln“, dann beruhen die Qualitätsurteile von gut (2,1) bis ausreichend
(3,7) auf Testergebnissen aus Rheinbach.
Ganz differenziert lauten die Beurteilungen im
Artikel über Geschirrspülpulver. Zum Verlierer mit
der Note ausreichend (4,5) heißt es klipp und klar:
„Sanft zur Umwelt, zum Schmutz aber auch.“
„Wir schauen mit den Augen des Verbrauchers“,
sagt Weißen. „Sonst nützt es unseren Kunden
nichts.“ Den kritischen Blick einer peniblen Hausfrau hat eine Mitarbeiterin, die im Bewertungsraum
für Waschergebnisse quadratische Wäschestücke
mit kreisrunden Lippenstiftflecken begutachtet.
Das Tageslicht könnte ablenken, deshalb sind die
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Genau dosiert werden zum Beispiel frische Ketchupflecken auf Stoffproben aufgetragen. Bevor es in die
Waschmaschine geht, müssen die Flecken richtig
eintrocknen. Über ein ausgeklügeltes Nummernsystem lässt sich danach zurückverfolgen, welcher
Fleck mit welchem Produkt gewaschen wurde.
Fenster mit Jalousien verhängt. Neonröhren geben
genormtes Licht.
Auch beim Lippenstift gilt die Skala von 1 bis
10 ebenso wie bei Flecken von Ketchup und Motoröl, Schokoladenpudding und Bratensoße, Gras und
Frittierfett. Wobei Dr. Joachim Weißen überlegt,
das Frittierfett durch Hähnchenfett zu ersetzen.
„Man kann nicht dauernd die Testverfahren ändern“, sagt er. „Doch die Verbraucher wechseln ihre
Gewohnheiten, die Industrie ändert die Zusammensetzung der Waschmittel, die Maschinenbauer
entwickeln energiesparende Elektrogeräte und der
Gesetzgeber senkt zum Beispiel die zugelassene
Phosphatmenge. Diesen Änderungen müssen wir
unsere Methoden anpassen.“
spülen anders
Isingles
So hat die gestiegene Anzahl der Singlehaushalte
dazu geführt, dass die Spülmaschinen seltener laufen.
Das hat zur Folge, dass der Schmutz fester antrocknet, was wiederum eine andere Zusammensetzung
des Spülmittels erfordert. Parallel hat die Chemieindustrie schmutzlösende Eiweißkörper (Enzyme) für
Reinigungsmittel entwickelt. Die Gerätehersteller
bringen Spülmaschinen, die mit einer Temperatur von
unter 50 Grad Celsius spülen, auf den Markt. Kurz:
Das Geschirrspülen hat sich seit den 90er Jahren komplett verändert.
Eine Herausforderung, die Weißen gerne annimmt. Mit Erfolg entwickelt er neue Testverfahren,
deren Ergebnisse wiederum das zukünftige Kaufverhalten der Verbraucher verändern könnten.
Ursula Katthöfer
freie Journalistin, Bonn
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