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Artikel: Soweit die Beinchen tragen ola1-wie ist / lah - HappyTime24

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WIE IST ES EIGENTLICH...
. . . seinen ersten Marathon zu laufen
Soweit die Beinchen tragen
LAHR/BUDAPEST. Wer regelmäßig
seine Runden durch die Wälder rund
um Lahr joggt, will irgendwann mehr.
Die Herausforderung Marathon ist
zu verlockend. Das sagte sich auch
die 42-jährige Lahrerin Gabriele Tilk.
Nach einem Halb-Marathon im Frühjahr in Freiburg stellte sie sich am 5.
Oktober in Budapest zum ersten Mal
der vollen Marathon-Distanz: 42,195
Kilometer durch Ungarns Hauptstadt.
Ich habe nicht geahnt, dass ein Kilometer so lange sein kann. Und zwar
jener, der nach dem 41. kommt, um
die Marathon-Strecke voll zu machen.
In Budapest bin ich zum ersten Mal die
volle Distanz gelaufen. In der Vorbereitung war ein 35-Kilometer-Lauf zwei
Wochen vorher die längste Strecke. Ich
laufe ja schon seit Jahren, aber für einen
Marathon zu trainieren ist dann doch
noch mal eine Steigerung. Drei Monate
vorher galt es, einen strengen Trainings-
plan mit Läufen zwischen zehn und
eben jenen 35 Kilometer herunter zu
spulen.
Vor dem Start in Budapest fühle ich
die Gemeinschaft, die unter Läufern
so legendär ist. In Budapest tummeln
sich rund 8000 Marathon-Verrückte.
Alle sind glücklich – endlich geht’s los.
Fremde Menschen lachen einen an.
Auch wenn ich die Leistung alleine
bringen muss, erlebe ich den Marathon
als großes Gemeinschaftserlebnis im
Team. Besonders mit meinen Lahrer
Mitläufern aus der Lauftruppe „Unter
ferner liefen“. Bei den erfahrenen Marathonläufern Rainer Beneke, Andreas
Riemer, Peter Spindler und Elke Obenland stand in diesem Herbst Budapest
auf dem Programm. Für Judith Erb,
Heike Schinke und mich war das die
Gelegenheit für unseren ersten Marathon. Wir sind über die Tage in Budapest zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen gewachsen, die
Gabriele Tilk mit der Laufgruppe „Unter ferner liefen“ nach dem BudapestMarathon: (von links) Elke Obenland, Rainer Beneke, Gabriele Tilk, Heike
Schinke, Andreas Riemer und Judith Erb. Nicht auf dem Foto ist Peter Spindler.
FOTO: PRIVAT
mehr verbindet, als nur das Laufen. So
weit, so schön, aber die 42,195 Kilometer liegen immer noch vor mir. Auf
den ersten 20 Kilometern schießt mir
ständig durch den Kopf: „War das An-
fangstempo zu schnell?“ Das wäre fatal
auf so einer Distanz. Und prompt kommt
bei Kilometer 21 ein kleiner Einbruch.
Jetzt ist die Psyche entscheidend. Ich
denke an meine Trainingsstrecke zu
Hause – noch einmal bis Schuttertal
und wieder zurück, dann habe ich es
geschafft. Kilometer für Kilometer geht
es vorwärts. Immer an meiner Seite
ist meine beste Freundin Judith, die
mich während des Laufes unterstützt.
Die Zeit wird egal, Marathon heißt
zusammen halten. Das Durchkommen
ist das Wichtigste. Ich hätte erst aufgegeben, wenn ich auf dem Boden
gelegen wäre und meine Beinchen mich
nicht mehr getragen hätten. Aber nach
vier Stunden und 42 Minuten, dem
verfluchten letzten Kilometer, zahllosen
Bananenstücken, Kraftriegeln und Wasserbechern entdecke ich das Banner
mit der Aufschrift „Ziel“ auf dem Heldenplatz in Budapest.
Ein sehr angenehmes Gefühl der
Erleichterung durchflutet mich. Zufriedenheit. Freude. Die, die an mich
geglaubt haben, habe ich nicht enttäuscht. Vor dem Lauf sagte ich immer:
Einen Marathon muss man gemacht
haben. Das reicht dann. Aber keine
zwei Minuten nach dem Zieleinlauf
kam schon der Gedanke. Der nächste
Marathon muss kommen.
Protokolliert von Jörg Reitmayer
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