close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Harmonie verblödet. Wie man Konflikte erkennt und - Pressekatalog

EinbettenHerunterladen
6. Jahrgang Heft 01 Februar 2004
brand eins
Wirtschaftsmagazin
Harmonie verblödet. Wie man Konflikte erkennt
und austrägt. Oder auch nicht
Wirtschaftswunder: C&A nach der Auferstehung
Wunderwirtschaft: Der afrikanische Diktator und das Öl
LAUTER!
4 195069 806000
01
Schwerpunkt Konflikt C&A Personalmanagement Peace Counts Äquatorialguinea Danziger Werft
¶ 6 sfr 9,30
brand eins
www.brandeins.de brand eins 6. Jahrgang Heft 01 Februar 2004 6 Euro C 50777
EDITORIAL
Lasset uns streiten
• Die CSU will nun doch die Pendlerpauschale kürzen. Morgen wird die SPD Friedrich Merz
um ein, na, sagen wir drei Promille bei der Steuerreform entgegenkommen. Und in ein paar
Tagen werden Ulla Schmidt und Horst Seehofer in einer langen gemeinsamen Nacht den
nächsten Praxisgebühr-Kompromiss ausgearbeitet haben.
Halten Sie das noch aus?
Deutschland quält sich durch den härtesten Veränderungsprozess der jüngeren Geschichte,
es knirscht und bricht. Und auf allen Kanälen: Scheindebatten, Spiegelgefechte, Rhetorik. Oder
könnten Sie spontan und in drei Sätzen sagen, was Angela Merkel und Gerhard Schröder trennt?
Außer der Tatsache natürlich, dass es nur einen Kanzlerposten gibt.
Andererseits: Streit kommt nicht gut in einem Land, das den Kompromiss weit vor dem Konflikt anpeilt und in dem Geräuschlosigkeit als Führungseigenschaft gilt. Wer wie Ekkehard Wenger, Professor der Betriebswirtschaftslehre und ungern gesehener Gast auf vielen Hauptversammlungen, die Auseinandersetzung sucht, gilt schnell als Querulant (S. 64). Und auch Ronald
Baummeyer, Problemlöser in Afrika, wird zwar von Vorständen gern gebucht, wenn der NordSüd-Konflikt die eigene Firma erschüttert; vorzeigen will man ihn lieber nicht (S. 60).
Mit Friedensliebe hat die Konfliktscheu wenig zu tun. Denn Frieden entsteht nicht, indem man
das Trennende einfach ignoriert. Das wissen alle, bei denen es um mehr geht als um Steuerprozente oder Praxisgebühr. Jugendliche in Israel zum Beispiel (S. 96) oder in den Favelas von Rio
de Janeiro (S. 88). Wie dort mit Konflikten umgegangen wird, ist ein Lehrstück für jeden Politiker und jeden Chef: Sie werden analysiert, in Einzelteile zerlegt, zum Teil gelöst, zum Teil auch
nicht. Denn dort geht es nicht um Konsens um jeden Preis, es geht ums Überleben.
Überall, wo sich etwas verändert, bewegt, entwickelt, gehört der Konflikt dazu. Wer ihn
nicht will, bringt nichts voran. David Lange war davon schon überzeugt, als er 1984 Premierminister in Neuseeland wurde, just, als dem Schafzüchterparadies das Geld ausging (S. 78). Sein
wichtigster Rat an alle Reformer: „Sichern Sie sich ab für die Zeit danach.“ Denn wer echte
Veränderung wolle, müsse bereit sein, sich politisch das Genick zu brechen.
Und: sich Feinde zu machen, beispielsweise die Anhänger von Attac. Für die Globalisierungsgegner sind Neoliberale wie David Lange das personifizierte Böse, ebenso schlimm wie
Konzerne und der Markt. Konfliktscheu kann man der streitbaren Bewegung sicher nicht vorwerfen. Aber ob sie konfliktfähig sind? Lesen Sie selbst (S. 74).
Mit Konflikten zu wachsen ist kein leichtes Geschäft, die israelische School for Peace
könnte auch hier zu Lande nicht schaden. Aber vielleicht hilft fürs Erste ein neuer Spaß am
Streit: Freuen Sie sich über Meinungsverschiedenheiten. Gönnen Sie sich das Recht auf Empörung. Und sagen Sie ruhig laut, was Sie denken. Die Friedhofsruhe kommt früh genug.
-
Gabriele Fischer, Chefredakteurin, gabriele_fischer@brandeins.de
Redaktion brand eins, Schauenburgerstraße 21, 20095 Hamburg
Foto: Julia Knop
Titelbild: Frieder Blickle
BRAND EINS 01/04
3
INHALT
Inhalt
8
10
12
14
16
Mikroökonomie: Ein Hummerfischer in den USA
Marketing-Kolumne: Moneten, Mafia und Mediapläne
Vision Deutschland: Agonie oder Aufbruch Von Meinhard Miegel
Das geht: Die Gründerväter
Die Welt in Zahlen
Was Wirtschaft treibt
18
DIE UNMODERNEN
C&A war modisch nie Avantgarde. Dafür ist die Haltung der Eigentümer zukunftsweisend
Von Jens Bergmann
26
NEUE ARBEITS-ZEIT
Selbstständig arbeiten und denken wollten Mitarbeiter schon immer. Seitdem das Geld fehlt,
dürfen sie das auch. Drei Beispiele Von Christiane Sommer
36
SCHMIERSTOFF
Ein raffgieriger Diktator ist schlecht fürs Volk, aber immer noch beliebter Verbündeter der Ölindustrie:
das Beispiel Äquatorialguinea Von Johannes Dieterich
Schwerpunkt: Konflikt
BRAND EINS 01/04
43
PROLOG
44
HEISS-KALT
Konflikte sind die Tür zur Realität. Wer sich nicht streitet, hat nichts begriffen Von Wolf Lotter
56
GERECHTIGKEIT = KLARHEIT
Darf die Kirche streiten? Bischof Wolfgang Huber, Chef der deutschen Protestanten, ist überzeugt,
dass sie das sogar muss Von Wolf Lotter
60
DER WÜSTENFUCHS
Ronald Baummeyer lebt von Firmen, die meinen, Afrika sei ein investorenfreundliches Umfeld
Von Johannes Dieterich
64
DER BESSER-WISSER
Ekkehard Wenger ist der akademische Albtraum deutscher Vorstände. Zu Recht Von Christian Litz
5
INHALT
70
VIEL NICHTS UM RAUCH (UND HARIBO)
Freunde sind sie nicht, der Zentralverband der Werber und die zuständige EU-Kommission.
Aber worüber streiten sie eigentlich? Von Ralf Grauel
74
MEINE FEINDE UND ICH
Attac ist eine Bewegung gegen den freien Markt, Sven Giegold ist ihr Prophet. Ein Interview über den Konflikt
als Sinn und Zweck politischen Handelns Von Gabriele Fischer und Wolf Lotter
78
„VIELE HABEN UNS GEHASST.“
David Lange hat Mitte der achtziger Jahre Neuseeland radikal reformiert.
Im Konsens ging das nicht Von Ingo Petz
84
FRIEDEN IST
Alle Welt kümmert sich um Konflikte – niemand um die Grundlagen des Friedens Von Peter Lau
88
RIO ÜBERLEBEN
In den Slums von Rio de Janeiro ist es ein Fortschritt, nicht getötet zu werden Von Tilman Wörtz
96
STREITEN LERNEN FÜR DEN FRIEDEN
In der School for Peace suchen Juden und Araber den Konflikt, um Schlimmeres zu verhindern Von Tilman Wörtz
102
BRIEF AN SOPHIE Wer sich dem Konflikt nicht entzieht, ist ihn nicht wert Von C. P. Seibt
104
GLOSSAR
Was Unternehmen nützt
106
AUF EIGENE RECHNUNG
Handwerker sind Einzelkämpfer. Die Leipziger Tectonet bringt sie zusammen Von Frank Pollack
110
EINIGKEIT MACHT STARR Kolumne Von Reinhard K. Sprenger
112
WAS IST EIGENTLICH … das Subsidiaritätsprinzip? Von Julia Wesseloh
Was Menschen bewegt
6
114
DAS NEUE LAND UND DIE ALTEN ARBEITER
Die Männer von der Danziger Werft veränderten die Welt. In dem, was daraus wurde, ist für sie kein Platz
Von Søren Harms
124
126
128
130
Kultur-Kolumne: Und ich mache ihn gern
Leserbriefe
Impressum
Letzte Seite: Wer hat’s gesagt? Das brand eins-Gewinnspiel
BRAND EINS 01/04
FIRMEN- UND
PERSONENREGISTER
BRAND EINS 01/2004
Armerada Hess 36
C&A 18
ChevronTexaco 36
Continental 26
DaimlerChrysler 26
Deutsche Bank 26
ExxonMobil 36
Impuls Soziales Management 14
Siac Brasserie Isenbeck 60
Stocznia Gdanska 114
Synergia 99 114
Tectonet 106
„… auch die Bauern hatten irgendwann verstanden, dass die Zeit der
Subventionen vorbei war, dass sie ihr Geld selbst verdienen mussten. Sie begriffen,
dass das bisherige Ausmaß an sozialer Sicherheit sie und ihre Schafe früher
oder später nicht mehr schützen, sondern umbringen würde.“
David Lange, Ex-Premierminister von Neuseeland, Seite 79
Foto: Paul Hahn
Baummeyer, Ronald 60
Becker, Uwe 10
Beutel, Klaus 26
Bibehe, Alphonse Joseph 60
Brecht, Michael 26
Brenninkmeyer, Dominic 18
Brenninkmeyer, Lucas 18
Brümmer, Ralf 26
Byrne, David 70
Chassé, Günter 44
Dahrendorf, Ralf 44
De Grave, Albert 26
Deister, Michael 26
Fischer, Heinz 26
Gandhi, Mahatma 44
Giegold, Sven 74
Gleich, Michael 84
Groth, Kirsten 26
Huber, Wolfgang 56
Hilverkus, Wilfried 26
Kliemann, Dieter 106
Lange, David 78
Lipinski, Janusz 114
Lock, Peter 44
Lyle, Dominic 70
Münch, Thorsten 70
Nguema, Teodoro Ubiang 36
Nickel, Volker 70
Nolte, Paul 44
Salzberger, Rafael 106
Sattelberger, Thomas 26
Scheitz, Alfons 14
Strube, Oliver 14
Von Heydebreck, Tessen 26
Walesa, Lech 114
Wenger, Ekkehard 64
Wunderlich, Leo 26
EINSTIEG _MIKROÖKONOMIE
Zur Lage der kleinsten wirtschaftlichen Einheit, dem Menschen
Ein Hummerfischer in den USA
Text: Marc-Stefan Andres Foto: Thorsten Arendt
Mark Rand ist Lobsterman, also Hummerfischer, in Portland/Maine, wie es bereits sein
Vater und sein Großvater waren. Der 28-Jährige fährt in der Saison von Juni bis Dezember
an durchschnittlich 22 Tagen im Monat hinaus aufs Meer, um seine 800 Fallen zu leeren.
Mit seinem neuen Fiberglas-Boot „Miss Amanda“, das er nach seiner Frau benannt hat,
bringt er täglich bis zu 350 Pfund Hummer an Land.
USA
Einwohner: 290,3 Millionen
Währung: 1 US-Dollar = 100 Cents
BIP pro Kopf: 37 600 Dollar
Human Development Index: Platz 7 von 175
Nationen
Monatlicher Verdienst: In der vergangenen Saison hat Mark rund 100 000 Dollar eingenommen, durchschnittlich 14 000 Dollar im Monat. Den Großteil seines Fangs liefert
er an einen Großhändler, den Rest direkt an Restaurants. Seit dem 11. September, als
der Hummer-Preis auf 2,70 Dollar pro Pfund gesunken war, freut er sich über stetig
steigende Gewinne. Im Moment erhält er 3,50 Dollar pro Pfund.
Aktuelle Durchschnittskosten
1 Kinobesuch: 6 Euro
1 Liter Normalbenzin: 0,40 Euro
1 Hummer mit Pommes frites
und Gemüse im Diner in Portland: 10 Euro
Monatliche Grundkosten: Pro Saison braucht Mark etwa 41 000 Dollar, um seine
Kosten zu decken. 18 000 Dollar verdient sein Gehilfe an Bord, Öl und Diesel kosten 3000
Dollar, Hummerköder und Bootsversicherung 20 000 Dollar. Hinzu kommen 9000
Dollar Steuern im Jahr. In den restlichen fünf Monaten entfallen diese Kosten – aber auch
die Einnahmen. Marks Frau arbeitet ebenfalls, sie ist Rechtsanwältin.
Haben Sie Zeit für Urlaub? „Wenn ein Freund heiratet, mache ich einen Tag frei. Das
kommt während der Saison zwei-, dreimal vor.“ Außerhalb der Fangmonate fährt Mark
mit seiner Frau für zwei Wochen nach Florida, in der übrigen Zeit repariert er das Boot
und die Fallen.
Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben? Meine Familie. Mein Sohn Jake Stephen ist fast
ein Jahr alt und hält uns ordentlich auf Trab. Darüber hinaus verbringen wir viel Zeit mit
meinen fünf Geschwistern.“
Sind noch genug Hummer für alle Fischer da? „Eigentlich schon. Aber manchmal hat
man auch Pech in seinem Fanggebiet.“ Man sollte aber besser nicht versuchen, bei den
Kollegen zu wildern. „Da gibt es eine Art interne Polizei. Wenn man in falschen Gewässern fischt, dann gibt es richtig Ärger.“
8
BRAND EINS 01/04
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
3
Dateigröße
438 KB
Tags
1/--Seiten
melden