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BVD-Eradikation in der Schweiz: Eine logistische wie auch - AGES

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AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
BVD-Eradikation in der Schweiz:
Eine logistische wie auch wissenschaftliche Herausforderung
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Inhalt
• BVD Virus
• BVDV in der Schweiz
• Die Schweizer Strategie
• Logistische und wissenschaftliche Herausforderungen
• Abklärungen durch das Referenzlabor
• Einige Zahlen
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
BVD Virus
• Genus Pestivirus, Familie Flaviviridae
• + ssRNA, 12.5kb
100 nm
• 2 Genotypen: BVDV 1 und 2
• 2 Biotypen: Nicht-zytopathogen (ncp)
Zytopathogen (cp)
• Weltweite Verbreitung
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
• Aktue / transiente Infektion
Antikörper neg → pos
Antikörper neg → pos
• Persistente infektion (nur ncp Biotyp)
Befruchtung
Umrindern
Geburt
2. – 4. month
Persistent infiziertes
(PI) Kalb
Ak-
ncp Æ cp
MUCOSAL DISEASE
Abort / Missbildungen /
normales Kalb
Ak+
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
BVD in der Schweiz
Prävalenz:
Tiere
Herden
Antikörper
PI-Tiere
~ 60%
~1%
100%
(keine Herde Ak-frei)
~ 12%
Epidemiologische Studie (Rüfenacht et al., 2000): 3440 Tiere 21 Herden
Jährliche Verluste: ca. 10 Mio CHF (6.6 Mio €)
...1.6 Mio Tiere
... Durchschnittliche Herdengrösse: 35 Tiere
- Häufig traditionelle Viehhaltung:
Æ Sehr aktiver Viehhandel, -Schauen und -Märkte
Æ Sommerliche Alpung von ~25% der Population
Æ Vertrags-Aufzucht von Rindern
Ideale Bedingungen für BVDV-Ausbreitung!
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
BVD Eradikation in der Schweiz:
- Generell hohe Seroprävalenz
Æ Skandinavisches Modell (Vorselektion aufgrund des Ak-Status)
nicht effizient einsetzbar
- Keine bereits bestehenden, regionalen Bekämpfungs-Massnahmen
→
Entwicklung einer neuen Eradikationsstrategie
- Direkter Virus-Nachweis
- Alle Tiere / Herden testen
- in allen Regionen gleichzeitig
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Die Schweizer Strategie
2008
Vorphase:
BVD-freie Sömmerung
Frühling 2008
Initialphase:
Alle noch nicht getesteten Tiere
2009
Okt.-Dez. 2008
Kontrollphase:
Alle neugeborenen Kälber
2010
2011
VirusNachweis
Jan. 2009-Dez. 2010
Überwachungsphase:
Erstlaktierende Kühe (Milch-Serologie)
ab 2011
AntikörperNachweis
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Die Schweizer Strategie
2008
Vorphase:
BVD-freie Sömmerung
Frühling 2008
Initialphase:
Alle noch nicht getesteten Tiere
2009
Okt.-Dez. 2008
VirusNachweis
Kontrollphase:
Alle neugeborenen Kälber
Jan. 2009-Dez. 2010
2010
Überwachungsphase:
Jungrinder 6-12 Monate
(Blut-Serologie)
2011
ab 2010
AntikörperNachweis
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Diagnostischer Ablauf:
Initiale Massenuntersuchungen:
7 Laboratorien (12 zugelassen)
Ohrstanz-Proben
Æ Ag-ELISA / qRT-PCR
(je nach Alter, Labor b.z.w. Kanton)
positiv
BVD status: positiv
Freiwilliger
Bestätigungstest:
3 Laboratorien
Blutprobe Æ qRT-PCR
negativ
BVD status: negativ
positiv
BVD status: positiv
negativ
BVD status: negativ
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Logistische und wissenschaftliche Herausforderungen
- Logistische Herausforderung:
ƒ Neue Strategie
ƒ Massenscreening mit Ohrstanzen
ƒ 1.6 Mio Tiere in ca. 6-8 Monaten zu testen
ƒ Kantonale Unterschiede
ƒ .......
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Logistische und wissenschaftliche Herausforderungen
- Wissenschaftliche Herausforderungen:
ƒ Schweizer BVD Viren sind genetisch variabel
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Logistische und wissenschaftliche Herausforderungen
- Wissenschaftliche Herausforderungen:
ƒ Schweizer BVD Viren sind genetisch variabel
ƒ Schweizer BVD Viren sind antigenetisch variabel
R-Wert <= 25 Æ signifikanter antigenetischer Unterschied
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Logistische und wissenschaftliche Herausforderungen
- Wissenschaftliche Herausforderungen:
ƒ Schweizer BVD Viren sind genetisch variabel
ƒ Schweizer BVD Viren sind antigenetisch variabel
ƒ Immer häufiger werden „exotische“ Pestiviren entdeckt (z.B. in Italien)
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Logistische und wissenschaftliche Herausforderungen
- Wissenschaftliche Herausforderungen:
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Schweizer BVD Viren sind genetisch variabel
Schweizer BVD Viren sind antigenetisch variabel
Immer häufiger werden „exotische“ Pestiviren entdeckt (z.B. in Italien)
Border Disease Virus in Rindern
Cranwell et al., 2007, Veterinary Record
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Logistische und wissenschaftliche Herausforderungen
- Wissenschaftliche Herausforderungen:
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Schweizer BVD Viren sind genetisch variabel
Schweizer BVD Viren sind antigenetisch variabel
Immer häufiger werden „exotische“ Pestiviren entdeckt (z.B. in Italien)
Border Disease Virus in Rindern
Kein Test kann 100% Sensitivität und Spezifität aufweisen
Æ Potentielle Gefährdung einer langfristig erfolgreichen BVD-Eradikation?
Æ Frühzeitige Erkennung wichtig!
(Gefahr der diagnostisch bedingten Virus-Selektion)
Æ Aufgaben des Referenzlabors
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Abklärungen durch das Referenzlabor
- Untersuchung auffälliger Situationen
- Virus-Sequenzierung von positiven Proben
- Einfluss von Border-Disease Virus (BDV)?
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Abklärungen durch das Referenzlabor
- Untersuchung auffälliger Situationen
Was sind auffällige Situationen?
ƒ Widersprüchliche Resultate des selben Tieres (z.B. ELISA pos. / qRT-PCR neg.)
ƒ Widersprüchliche Resultate bei verwandten Tieren (KuhÆKalb, Zwillinge)
ƒ Epidemiologische Auffälligkeiten/Widersprüche
ƒ Klinische Auffälligkeiten (z.B. Erhöhte Abortrate, Haemorrhagic Syndrome)
Was sind mögliche Ursachen?
ƒ Falsches Tier, Proben vertauscht, Fehler im Diagnostik-Labor
(Mensch/Maschine/Computer)
ƒ Tier ist/war nicht persistent, sondern akut infiziert
ƒ Verwendeter Test reagiert unspezifisch positiv Æ Falsch positiv
ƒ Verwendeter Test erkennt Virus nicht/schlecht Æ Falsch negativ
ƒ Biologie...
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Fall „Malta“
- „Malta“, 2.5 j., vor kurzem 2x den Besitzer gewechselt:
Thrombozytopenie, blutiger Durchfall, Erosionen Æ Euthanasie
Post-mortem Diagnose (Immunhistochemie): BVD positiv
+
-
- „Millenium“, 3 M, Kalb von „Malta“: BVD negativ (Blut qRT-PCR)
Vorgehen zur Abklärung:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
Wiederholung des Tests von „Millenium“ (qRT-PCR) Æ erneut negativ
Neue Probe von „Millenium“ und 5 Altersgenossen (Verwechslung?)
Æ alle qRT-PCR negativ
Aus Organmaterial von „Malta“ virale RNA isoliert und sequenziert
Æ „normales“ BVD-1e Virus
Genetische Abstammungskontrolle: „Millenium“ stammt wirklich von „Malta“
Aus Organmaterial von „Malta“ Biotyp Untersuchung vorgenommen:
nur ncp Virus, kein cp Virus Æ keine Mucosal Disease!
Serologische Untersuchung des Herkunftsbetriebes: nur 2 von 23 Tieren sind Ak-pos.
Æ Persistente Infektion von „Malta“ unwahrscheinlich
Möglicherweise wurde Malta bei einem der Händler mit virulentem BVD-1 transient infiziert.
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Fazit aus bisherigen Untersuchungen:
- Häufig sorgen transiente Infektionen für Verwirrung
ƒ Virämie kann z.T. sehr hoch sein und relativ lange andauern
45.00
120.0596.1182.7
120.0596.1184.1
40.00
CT-Value
35.00
30.00
25.00
20.00
15.00
18.4.07 23.5.07 30.5.07 19.6.07 17.7.07 10.8.07
Æ Serologie essentiell für die Abklärung
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Abklärungen durch das Referenzlabor
- Virus-Sequenzierung von positiven Proben
ƒ Erkennung „neuer“, ev. exotischer Viren, BVD-2, BDV, …
Æ Anpassung der diagnostischen Mittel nötig?
ƒ Molekulare Epidemiologie/ Verfolgung von Infektionsketten
v.a. in Kontroll- und Überwachungsphase hilfreich
ƒ Einmalige Gelegenheit für die Forschung:
Momentaufnahme des Schweizer BVD „Viroms“
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Abklärungen durch das Referenzlabor
- Einfluss von Border-Disease Virus (BDV)?
Zusammenarbeit mit Prof. U. Braun (Nutztierklinik der Universität Zürich)
Æ 3 Dissertationen:
ƒ Einfluss von natürlicher und experimenteller Infektion mit BDV auf Rinder
(Klinik, Serokonversion)
ƒ Einfluss der gemeinsamen Sömmerung von Schafen und Rindern
auf die Serokonversion bei Rindern.
4 Alpen
1163 Schafe
957 BVD-freie Rinder
44% Ak-frei
Virus:
8 qRT-PCR positiv,
davon 4 stark ÆPI?
Ak-Status nach der Sömmerung
mit/ohne PI-Schafe
Antikörper:
17-24% pos.
Herdenprävalenz: 0-58%
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Resultate der Vorphase
(Vor-Sömmerungs Untersuchungen)
Zahlen des Bundesamtes für Veterinärwesen
- 571‘900 Tiere getestet (Jan. – Jun.), davon 206‘232 allein im April
(63% mehr, als anhand vorjähriger Daten geplant...)
- 0.4-2% leere Ohrstanzen Æ erneute Probenahme (Stanze oder Blut)
- 6330 Initial Positive, davon wurden 3573 (56%) nachgetestet
396 (11%) davon waren negativ
Æ 5‘934 (1.04 %) PI Tiere
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
Initialphase
1.10. – 31.12.2008
- Noch ca. 1 Mio Tiere zu testen
- Einbezug der Erfahrungen aus der Vorphase!
AGES-Tagung, Veterinärdiagnostik für die Praxis, 16.-17.10.2008
h
c
.
o
f
n
i
d
v
b
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