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06 Vortrag - Wie wird ALK zum KULT - DrWolfgang Settertobulte

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Dr. Wolfgang Settertobulte
Alkohol
im Alltag junger Menschen
Freiburg im Breisgau, 13.02.2008
Aktueller regelmäßiger Alkoholkonsum bei
11- bis 15-jährigen Jungen und Mädchen
Wie oft trinkst du derzeit alkoholische Getränke?
Regelmäßiger Konsum: Mindestens einmal pro Woche oder täglich
(Gesamtstichprobe, Angaben in Prozent)
Altersgruppen
Stichprobengröße
11
N = 1107
Jungen
13
N = 1211
15
N = 1260
11
N = 1092
Mädchen
13
N = 1189
15
N = 1275
Quelle: HBSC Deutschland 2006 (N=7274)
Gesamt
2,2
5,9
24,8
0,6
3,4
14,9
Entwicklung des regelmäßigen Alkoholkonsums
(Angaben in %, gesamtdeutsche Daten)
Quelle: HBSC Deutschland 2006 (N=7274)
Aktueller regelmäßiger Alkoholkonsum bei 15-jährigen
Jungen und Mädchen, aufgeschlüsselt nach Getränken
(Daten für NRW, Angaben in Prozent)
Jungen
Mädchen
Bier
19,5 (33*)
8,8 (18*)
Biermixgetränke
13,0
8,1
Wein/Sekt
2,2 (5*)
2,8 (8*)
Spirituosen
6,7 (11*)
4,8 (7*)
Alkopops
9,6 (22*)
5,8 (14*)
anderes alkoholisches Getränk
10,0
6,5
(* HBSC Ergebnisse 2002)
Wie oft trinkst du derzeit alkoholische Getränke
wie Bier, Wein oder Spirituosen?
Regelmäßiger Konsum: Mindestens einmal pro
Woche oder täglich
Durchschnittliches Alter
der ersten Trunkenheit
15-Jährige:
2006:
2002:
13,9 Jahre
13,8 Jahre
Alkoholbedingte Rauscherfahrungen
bei 11- bis 15-jährigen Jungen und Mädchen
Hast du jemals so viel Alkohol getrunken,
dass du betrunken warst?
Gültige
Prozente
11
Einmal
5,0 (8)
N = 1109
2 mal und öfter
1,7 (2)
13
Einmal
8,4 (13)
N = 1223
2 mal und öfter
7,2 (10)
Einmal
15,8 (14)
N = 1256
2 mal und öfter
31,3 (43)
11
Einmal
1,7 (3)
N = 1095
2 mal und öfter
0,5 (1)
13
Einmal
9,1 (14)
N = 1203
2 mal und öfter
5,6 (10)
Einmal
19,2 (20)
2 mal und öfter
27,7 (35)
Alter
Stichprobe
Jungen
15
Mädchen
15
N = 1278
(HBSC Ergebnisse 2002 in Klammern)
Anteil regelmäßig Alkohol* konsumierender Schüler/-innen
in den HBSC –Surveys seit 1994.
Daten für Nordrhein – Westfalen, Angaben in Prozent
*ausschließlich Bier, Wein und Spirituosen
36
15-Jährige
29
15-Jährige
25
Jungen
22 Jungen
22
Mädchen
18
10
Jungen
13-Jährige
Mädchen
1994
4
5
1994
22
13-Jährige
1998
2002
5
1998
12 Mädchen
9
8
2002
2006
4 Jungen
3 Mädchen
2006
Häufige Trunkenheitserfahrungen in Abhängigkeit von verschiedenen
Faktoren aus der Gleichaltrigengruppe sowie der sozialen Lage bei
13- und 15-Jährigen (Jungen und Mädchen gemeinsam), Odds Ratios
Odds Ratio, Signifikanzniveau
(95 % Konfidenzintervall)s
Die meisten Freunde betrinken sich oft
Häufige Treffen am Abend
13-Jährige
15-Jährige
Nicht abgefragt
4,2 ***
(3,0-5,9)
4,9 ***
2,1 ***
(2,9- 8,3)
(1,6-2,8)
Drei oder mehr andersgeschlechtliche
Freunde
3,3 ***
1,9 ***
(1,9-5,95)
(1,5-2,5)
Hoher familiärer Wohlstand vs. niedriger
Wohlstand
0,4 *
(0,2-0,8)
1,3 ns
(0,9-1,9)
Regelmäßige Teilnahme vs. Nicht-Teilnahme
an organisierten Freizeitaktivitäten
0,7 ns
(0,3-1,5)
1,2 ns
(0,8-1,7)
Konstante
0,03 ***
0,15 ***
Eva geküsst
Nicole geküsst
Petra geküsst
Türsteher geküsst
Bordstein geküsst
Funktion des Alkohols in der Entwicklung
vom Kind zum Erwachsenen
Entwicklungsaufgabe:
Funktion des Alkoholkonsums:
Erwachsen werden
Symbole des Erwachsenen verwenden
Unabhängigkeit demonstrieren
Lebensgestaltung, -planung
subkultureller Lebensstil, Spass haben,
geniessen
Identität finden: Wer bin ich? Experimente mit Grenzerfahrungen
Freundschaften und Liebe
Erleichterung des Gruppenzugangs,
soziale Rituale, Kontaktaufnahme mit
dem anderen Geschlecht
Entwicklungsprobleme
Statuskompensation, Ersatzziel
Stress- und Gefühlsbewältigung
Alkohol als Flirtfaktor
Ursachen für den
jugendlichen Substanzmißbrauch:
Jugendliche Subkulturen
(Quelle: Lange Elmar: Jugendkonsum im Wandel, 1997)
Konsummuster: „Party-People“
•sind häufiger Jungen als Mädchen
•unabhängig von Schulbildung und Schulerfolg
•unabhängig von der sozialen Lage
•verfügen über überdurchschnittliche Einkünfte
•sind stark hedonistisch orientiert (Abenteuer, Party, Sex)
•lehnen klassische Tugenden ab (Disziplin, Ordnung etc.)
•lehnen bürgerliche Werte ab (Treue, Gott, Heimat etc.)
•besitzen geringe Leistungsmotivation
•kaufen wenig rational und kaum Bereitschaft zum Konsumverzicht
Sie wollen ...
- beliebt sein
- interessant sein
- bekannt sein
- witzig sein
-cool sein
•Prognose: Hohe Suchtgefährdung
Ursachen für den Alkoholkonsum Jugendlicher :
Mehrfache Trunkenheit
bei 15-Jährigen nach Orten der Freizeitgestaltung
(HBSC - Daten für Deutschland, 2002; Angaben in %)
Disco
66
Strasse
61
Sportstätten
61
Organisation/JZ
46
Zu Hause
41
Kirche
13
0
10
20
30
40
50
60
70
(Quelle: Lange Elmar: Jugendkonsum im Wandel, 1997)
Konsummuster: „Fashion-People“
•sind überwiegend Mädchen
•niedrige Schulbildung
•stammen aus unteren und mittleren sozialen Lagen
•Erziehungsstil: Wenig schwierige Aufgaben und eigene Entscheidungen
•Persönliche Werte: Treue, Familie, Aussehen, Freunde Ansehen,
politisches Desinteresse
•sind stark materialistisch orientiert
•haben hohes Interesse an Unterhaltung
•haben kaum Bereitschaft zum Konsumverzicht
•tendieren zu kompensatorischem Konsum und Kaufsucht
Sie wollen ...
- Erfahrungen haben
- schlank sein
- im Trend sein
- erwachsen sein
Prognose: hohe Suchtgefährdung
(Quelle: Lange Elmar: Jugendkonsum im Wandel, 1997)
Konsummuster: „Bildung und Kultur“
•sind Mädchen und Jungen mit höherer Schulbildung
•oder mit Erfolg in der Schule
•stammen aus mittlerer und oberer Mittelschicht
•sind sozial, politisch, ökologisch und familiär orientiert
•legen viel Wert auf Selbstverwirklichung
•kaufen rational, Qualitäts- und Preisbewusst
•haben eine starke Bereitschaft zum Konsumverzicht
Sie wollen ...
- nicht arm sein
- intelligent sein
- erfolgreich sein
- leistungsfähig sein
Prognose: Geringe Suchtgefährdung
Die Unauffälligen wollen ...
?
Ursachen für den
jugendlichen Substanzmißbrauch:
Kompensationsbedürfnisse
Zum Abschluss:
Wie kann und sollte Suchtprävention heute aussehen?
Das Erlernen des Umgangs mit Alkohol,
gehört zum Erwachsen werden dazu.
„Man muss alles mal ausprobiert haben.“
Ziel für die Prävention:
Die Jugendlichen sollen unter kontrollierten
Bedingungen Erfahrungen mit Alkohol sammeln.
Im beratenden Gespräch sollte der Alkohol mit
seinen Gefahren und seiner sozialen Bedeutung
reflektiert werden.
Problem:
Was ist das adäquate Alter für diese Erfahrungen?
Daten aus: Hurrelmann, K., Klocke, A., Melzer, W. & Ravens-Sieberer, U. (2003). Jugendgesundheitssurvey. Juventa Verlag
Als Leitsatz für die Prävention gilt:
Je später in der Entwicklung vom
Kind zum Erwachsenen der Konsum
von Alkohol einsetzt, um so
unwahrscheinlicher wird die
Entwicklung eines Alkoholproblems!
(Individuell und kollektiv)
Es ist die Entscheidung jedes Einzelnen,
ob er zum Alkohol greift oder nicht.
„Jeder ist seines Glückes Schmied“
Ziel für die Prävention:
Das Individuum muss befähigt werden diese
Entscheidung eigenverantwortlich zu treffen
und gegenüber Anderen zu vertreten.
(Gesundheitserziehung, Kompetenzförderung, Persönlichkeitsbildung)
Problem:
Opfer werden zu Tätern gemacht!
Person
Persönlichkeit
Bedürfnisse/Motive
Kompetenzen
Suchtveranlagung
Abstinenz
Genuss
Missbrauch
Abhängigkeit
Umwelt
Droge
(Sub-) Kultur
Lebensbedingungen
Soziales Klima
Chancen und Risiken
Wirkungen / Risiken
Verfügbarkeit / Preis
kulturelle und soziale
Bedeutung
Jugendliche können die Gefahren des
Alkohols noch nicht abschätzen und müssen
daher vor sich selbst geschützt werden.
„Gelegenheit macht Diebe“
Ziel für die Prävention:
Die Abgabe von Alkohol an Jugendliche sowie
deren Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit
ist durch gesetzliche Maßnahmen zu unterbinden.
Problem:
„Reaktanz“: Was verboten ist, wird umso attraktiver.
Effekte von Aufklärungskampagnen:
- Aufklärungskampagnen haben nur einen sehr begrenzten
Effekt auf die Einstellungen und das Verhalten (Ausnahme:
Alkohol im Strassenverkehr)
- Kampagnen verändern mittelfristig das „soziale Klima zum
Alkoholkonsum“ und unterstützen daher andere Maßnahmen
- Warnhinweise und Beschriftungen haben kurz- und mittelfristige Effekte, langfristig aber nicht.
- Schulische Programme führen zu Wissenszuwachs, verändern aber nur geringfügig die Einstellungen und kaum
das Verhalten.
Quelle: Griffith Edwards (Hrsg.)(1997): Alkoholkonsum und Gemeinwohl - Strategien zur
Reduktion des schädlichen Gebrauchs in der Bevölkerung. Stuttgart: Enke Verlag.
Effekte von Altersbeschränkungen auf der Alkoholerwerb:
- Altersbeschränkungen reduzieren die Anzahl von alkoholbedingten Verkehrsunfällen.
- Die Einführung von Altersbeschränkungen reduziert die
Häufigkeit des Alkoholkonsums, jedoch nicht die jeweils
konsumierte Menge.
- Altersbeschränkungen sind nur so effektiv wie ihre Durchsetzung und Kontrolle.
- Altersbeschränkungen orientieren sich an den kulturellen
Vorstellungen zum adäquaten Alter für den Alkoholkonsum.
Quelle: Griffith Edwards (Hrsg.)(1997): Alkoholkonsum und Gemeinwohl - Strategien zur
Reduktion des schädlichen Gebrauchs in der Bevölkerung. Stuttgart: Enke Verlag.
Effekte der Steuerung der Verfügbarkeit für Alkohol:
- Die Einführung von spezifischen alkoholischen Getränken
steigerte in allen Fällen die Konsumrate.
- Das Angebot von Produkten mit niedrigerem Alkoholgehalt
kann den Pro-Kopf-Verbrauch von reinem Alkohol verringern
- Die Einschränkung des Verkaufsnetzes für Alkoholika wirkt
nur begrenzt auf die Konsumrate.
- Beschränkte Öffnungszeiten für den Alkoholverkauf reduzierten den den Alkoholkonsum und dessen Folgen.
Quelle: Griffith Edwards (Hrsg.)(1997): Alkoholkonsum und Gemeinwohl - Strategien zur
Reduktion des schädlichen Gebrauchs in der Bevölkerung. Stuttgart: Enke Verlag.
Effekte der Steuerung des Preises für Alkohol:
- Der Preis des Alkohols im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen ist entscheidend für die Konsumrate.
- Preiserhöhungen verringern immer den Konsum von Alkohol,
wenn die übrigen Bedingungen gleich bleiben.
- Die Preiselastizität für verschiedene Getränke ist vom
Kulturkreis abhängig.
- Der Substitutionseffekt ist in der Regel gering, da Geschmackspräferenzen und Trinkgewohnheiten ausschlaggebend sind
Quelle: Griffith Edwards (Hrsg.)(1997): Alkoholkonsum und Gemeinwohl - Strategien zur
Reduktion des schädlichen Gebrauchs in der Bevölkerung. Stuttgart: Enke Verlag.
Universität Bielefeld
Suchtprävention
Verhältnisprävention:
Sozialpolitik
Verbesserung der
Lebensbedingungen,
soziale Sicherheit,
Jugendhilfe
Umwelt
Lebensbedingungen
Soziales Klima
Chancen und Risiken
Person
Risiko
Bedürfnisse
Motive
Kompetenzen
VerhaltensPrävention
+
Gesundheitsförderung
Verhältnisprävention:
Bevölkerungsbezogene
Prävention
Jugendschutz
Werbebeschränkung,
Aufklärung,
Droge
Verfügbarkeit / Preis
kulturelle und soziale
Bedeutung
Drogenpolitik
Konsumbeschränkung
Besteuerung,
Handelskontrolle
Verhältnisprävention
Dr. Wolfgang Settertobulte
Sie finden uns im Internet unter:
www.uni-bielefeld.de/gesundhw/whocc/index.html
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