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Bali – mal tropisches Paradies wie aus dem Buch der - bali-resort.de

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05.11.2007
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BALI MIT DE
Bali – mal tropisches
Paradies wie aus dem
Buch der Schöpfung,
mal Verkehrschaos
pur. Ist da eine ausgewachsene Harley
als Reisebegleiter
nicht etwas fehl am
Platz? Nein, meinte
unser Autor Ulf
Böhringer (Text und
Fotos) und zwängte
sich zwischen zigtausende Mopeds
Palmen, Mangobäume und Reisfelder
sieht man vom Motorrad aus am
häufigsten (oben), die Blumenpracht ist
exotisch (re.). Vier Personen auf einem
Roller sind normal (Mitte), die
Kunstfertigkeit der Balinesen sprichwörtlich (ganz rechts ).
Die Frauen beim Palasttanz in
Ubud beeindrucken durch
Anmut, Grazie und die Farbenpracht ihrer Gewänder (limks).
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R HARLEY
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gus Juniarta, Manager des Rental-Departments beim Harley-Davidson-Vertragshändler in Denpasar, will
nach dem korrekten Ausfüllen
sämtlicher Vermiet-Formulare
noch eine kleine Fahrdemonstration sehen. »Dort hinten
wenden und dann bremsen«,
lautet die Aufgabenstellung.
Die Softail Classic ist mit noch
nicht einmal 300 Kilometern
auf dem Tacho nagelneu; ein
07er-Modell mit dem durchzugsstarken, 96 Kubikzoll
großen TwinCam-Motor. Also
den Anlasser gedrückt, den ersten Gang eingeklonkt, auf
Tempo 25 beschleunigt, eine
Rechtskurve, auf Agus zu und
den Anker geworfen. Der Vorderreifen wimmert, das Hinterrad blockiert und Agus’ Augen
vergrößern sich wahrnehmbar.
Sooo viel Demo wollte er ja gar
nicht; Nicht-Umfallen beim
Wenden und eine Verzögerung
von einem Meter pro Sekundenquadrat hätten ihm offenbar
als Befähigungsnachweis zum
Ausreiten mit der Harley schon
gereicht. »Perfect, good luck!«
Und er fügt hinzu: »See you in
a few days.«
Viel Glück, das kann man gebrauchen als Zweirad fahrender Besucher der Insel Bali.
Denn der Verkehrsablauf ist,
milde formuliert, chaotisch. Er
entspricht ungefähr dem von
Ägyptens Hauptstadt Kairo vor
gut 20 Jahren. Neapel heute,
dem einen oder anderen viel-
A
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leicht besser bekannt, ist dagegen Kindergeburtstag. Jetzt
fragen Sie natürlich: Warum?
Bali ist dicht besiedelt. Durchschnittlich leben mehr als 520
Menschen auf einem Quadratkilometer, in Deutschland sind
es 231. Weil aber Bali ein vulkanisches und damit ziemlich
gebirgiges Eiland ist, sind weite Gebiete kaum oder extrem
dünn besiedelt. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass es
dort, wo die Siedlungsmöglichkeiten gut sind, richtig wuselt. Und
weil das Inselreich Indonesien wiederum ein so genanntes
Schwellenland
ist, dessen Infrastruktur eben
bei weitem nicht westeuropäischen Standard aufweist, sind
Eigeninitiative und Improvisation gefragt. Massenverkehrsmittel sind, abgesehen von
Kleinbussen und wenigen größeren Überlandbussen, unbekannt. Die Folge …
… ist unübersehbar: Weil
Autos für den Durchschnittsbalinesen (und die Durchschnittsbalinesin) noch unerschwinglich sind, sind Roller und
Leichtkraftrad die Gefährte der
Wahl. Dort, wo es Ampeln gibt,
drängeln sich oft mehr als 50,
ja 100 davon um die beste Startposition – sofern ihre
Fahrer
beim
Aufleuchten des
Rotlichts überhaupt stehengeblieben sind.
Zu dieser unglaublichen
Zweiraddichte
kommen noch die
Besonderheiten
des Linksverkehrs.
So
richtig
abwechslungsreich werden die
Verkehrsabläufe aber dadurch,
dass viele Balinesen es nicht für
nötig halten, nach dem Einbiegen wegen einer 100-MeterDistanz auf die richtige, die linke Fahrbahn zu fahren; sie
kommen dir also links entgegen. Rechts der reguläre Gegenverkehr, links der irreguläre – das will schon geistig verarbeitet werden.
Fühlen Sie sich jetzt abgeschreckt? Oder herausgefordert? Ist letzteres der Fall, dann
nichts wie hin nach Bali! Ob Sie
sich dort dann, wie der Autor,
auf einer großmächtigen Harley den warmen Wind um die
Nase wehen lassen oder einen
viertaktenden
125er-Roller
wählen, spielt eigentlich keine
große Rolle. Hauptsache, dass.
Fühlen Sie sich aber tatsächlich
ein wenig abgeschreckt, dann
fahren Sie ebenfalls hin. Falls
Sie länger als eine Woche bleiben können, was angesichts der
doch enorm großen Distanz
und der damit verbundenen
langen Flugzeit mehr als empfehlenswert ist, bekommen Sie
vielleicht trotzdem Appetit auf
den einen oder anderen Zweirad-Ausflug. Schöner, landestypischer, einfach eindrucksvoller kann man in Bali
nicht unterwegs sein!
Bevor wir starten, nehmen
wir aber erst einmal Logis. Bali bietet ein breites Angebot an
Markant: Teilnehmer einer
Tempel-Prozession.
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Im vulkanischen Inneren der
Insel sind Balis Wälder ein steter Reisebegleiter (li. außen).
Kleinmotorräder und Roller
dominieren das Straßenbild
(Mitte), Helme sind dabei kein
Muss. Bei Tempelfesten (links)
bringen die Gläubigen
Opfergaben und erflehen
damit den Segen der Götter.
Gästeunterkünften: Von der
Billigst-Bude ohne jeglichen
Komfort, dafür mit vier- oder
mehrfüßigen Mitbewohnern,
bis hin zum Sechssterne-Luxushotel, bei dem jede Villa einen eigenen Swimmingpool
besitzt, gibt es eine breite Auswahl. Primäres Touristenziel
ist der Süden der Insel, wo die
Sandstrände heller sind als im
vulkanischen Norden. Dort haben auch alle international bekannten Hotelmarken von Holiday Inn über Marriott bis Melia ein Domizil, meist mit 300
bis 600 Zimmern, also höchst
individuell. Man spürt im Süden, dass Australien nicht mehr
weit entfernt ist; die vier Flugstunden ab Australiens Nordo-
sten sind offenbar gerade recht
für ein verlängertes Wochenende …
Gänzlich anders zeigt sich
Balis Norden. Nicht nur, dass
die Strände weniger attraktiv
sind – das gesamte Erscheinungsbild links und rechts der
Straßen ist nicht so verwestlicht, sondern landestypischer,
traditioneller. Zudem ist die
Luft ein wenig kühler, vor allem aber deutlich weniger
schwül. Bei tagsüber meist 30
bis 35 Grad durchaus ein Argument. Singaraja, ungefähr drei
Auto-Transferstunden nördlich von Balis einzigem Flughafen Denpasar gelegen, war
einst Insel-Hauptstadt und ist
noch heute eine der größten und
wichtigsten Siedlungen. Ungefähr zehn Kilometer westlich
liegt mit Lovina ein Tourismusdorf; es zieht sich ungefähr
fünf Kilometer entlang der
Küstenstraße auseinander. Eine Polizeistation am Ortsanfang signalisiert die Anwesenheit der Staatsmacht. Ob sie auf
Kriminelle Eindruck macht,
blieb unklar – vor allem deshalb, weil Bali auf uns total sicher wirkte. Freundliche, liebenswürdige Menschen, frei
von Aggressionen. Ein schöner
Schein oder eine globale Ausnahme? Wir müssen die Antwort schuldig bleiben.
Während sich vor Lovina ein
viele Kilometer langer, dunkler, lavinöser Sandstrand er-
streckt, der uns nicht wirklich
zum Baden im 30 Grad warmen
Meer verführt, steigt hinter
dem Dorf die Landschaft deutlich an. Der Urwald, vor allem
aus Palmen und Mangobäumen
bestehend, wird immer wieder
von kleinen Siedlungen und
terrassierten
Reisfeldern
durchbrochen. Eine Asphaltstraße, für zwei Einspurfahrzeuge üppig, für zwei Autos
aber arg schmal, schlängelt
sich kurvenreich und schlaglochverziert bergauf. Ungefähr
200 Höhenmeter oberhalb Lovinas, etwa drei Kilometer
Luftlinie entfernt, liegt ein
Auch das Vespa-Beinschild
kann zum Kunstwerk werden;
vordere Kennzeichen sind bei
Zweirädern Pflicht (u. li.). Farbenfrohe Pflanzen zieren die
unter freiem Himmel befindliche »Bali-Dusche« (Mitte).
Luxus pur findet sich im Hotel
Pita Maha in Ubud (unten).
Schwäbische Sorgfalt und balinesische Freundlichkeit
gehen eine überaus beeindruckende Verbindung ein
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Auch Balis Frauen schätzen
Kleinmotorräder (re.). Vom
Pool des Puri Mangga reicht
der Blick über vorgelagerte
Reisfelder bis zur Nordküste der
Insel (Mitte). Die Straßenränder
auf dem Land sind immer wieder farbenprächtig markiert, um
auf Tempelfeste hinweisen
(ganz rechts).
Urlaubsparadies, das in der Kategorie Geheimtipp siegverdächtig ist. Es heißt Puri Mangga, gehört einem deutschen
Ehepaar und wird, natürlich
von balinesischen Mitarbeitern, in gelebter balinesischer
Tradition und Liebenswürdigkeit bewirtschaftet. Puri Mangga bedeutet zu deutsch MangoPalast.
Die Besonderheit dieses kleinen, erst Ende 2005 erbauten
Ferienresorts, das seinen Gästen auch einen viertaktenden
Kymco-Roller zur Miete anbietet (pro Tag ca. 5 Euro), liegt
in der wirklich seltenen Mischung aus Intimität, Diskretion und Familiarität. Denn das
Puri Mangga bietet in vier kleinen, aus Stein erbauten und mit
Reisstroh gedeckten Villen gerade zehn Gästen Platz; zwei
weitere finden im nichtklimatisierten, dafür zweistöckigen
»balinesischen
Reishaus«
Raum. Dazu addieren sich ein
Restaurantgebäude, das dank
der Nähe zum Äquator ohne
jegliche Wände und Fenster
auskommt, ein Bade- und Massagegebäude sowie ein überaus
gepflegter
Swimmingpool.
Auch ohne Heizung ist dessen
Wasser, wen wundert’s, stets
angenehm warm, aber nicht so
heiß wie das in Sichtweite
befindliche Meer. Maximal
zwölf Personen können sich also zeitgleich im Puri Mangga
aufhalten.
Dieser Luxus wird noch gesteigert durch die Tatsache,
dass der sehr engagierte Manager Ganaesa, ein 25jähriges
Multitalent, fast ein Dutzend
Mitarbeiter im Puri Mangga
vorzüglich zu koordinieren
versteht. Gärtner, Zimmer-
mädchen, Service-Mitarbeiterinnen und nicht zuletzt der
Koch bemühen sich ums Wohlbefinden der Gäste, ohne dabei
aufdringlich zu wirken. Dass
sich schwäbische Gründlichkeit – das seit kurzem in Niederbayern wohnende BesitzerEhepaar stammt aus BadenWürttemberg – und balinesische Liebenswürdigkeit hier
aufs Beste vereinen, löst bei
den Gästen täglich aufs Neue
Freude aus. 300 Euro pro Person und Woche kostet der liebevoll-exklusive Spaß, damit
kommt man anderswo mitunter
keine zwei Tage aus – bei weitaus weniger Leistung.
Von hier aus bieten sich
schöne Ausflüge an. Beispielsweise ins Weinanbaugebiet
Wer Kairo und Neapel kennt, kann sich eine ungefähre
Vorstellung vom Verkehrsablauf auf Bali machen
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beim Dorf Gerokgak, etwa 50
Kilometer westlich von Lovina. Während anderswo Reis
angebaut wird, der mancherorts sogar dreimal im Jahr geerntet werden kann, gedeihen
hier Trauben. Aus ihnen entsteht ein leicht gewöhnungsbedürftiger,
aber
durchaus
schmackhafter und verträglicher Wein, der weitaus preiswerter ist als Import-Wein. Der
wird nämlich vom indonesiStets im Mittelpunkt: Geparkte
Softail Classic (unten links).
Juni, siebenjährige Tochter von
Ayu (gr. Foto rechts), blickt in
eine ungewisse Zukunft (Mitte).
Mit Opfergaben auf dem Kopf
werden die Umzüge bei Tempelfesten begangen (unten).
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schen Staat mit sage und schreibe 300 Prozent Zoll belegt, was
ihn extrem teuer macht. Hier,
rund um Gerokgak, liegt eine
der kleinen und noch immer
seltenen Keimzellen der balinesischen Weinproduktion.
Nochmals etwa 30 Kilometer
weiter westlich finden sich die
beliebtesten Tauchplätze der
Insel im Bereich einiger schöner Korallenriffe.
Auch die Gegend ostwärts
von Lovina, jenseits der einstigen Hauptstadt Singaraja, ist
lohnenswert. Hier wird der
fruchtbare Küstenstreifen
deutlich schmaler, weil die
Gegend von den Vulkanen Gunung Batur
(1730 Meter) und
Gunung
Agung
(3142 Meter) dominiert wird. Das Grün
der über weite Strecken noch urwaldartigen Vegetation changiert von giftig-hell bis
satt-dunkel. Insbesondere
im Bereich des Batur häufen
sich die hinduistischen Tempelbauten. Wer das Glück hat,
ein Tempelfest miterleben zu
können, wird die farbenprächtigen Eindrücke der Prozessionen, untermalt von den Klängen der Gamelanorchester,
wohl nie wieder vergessen! Sie
mit Worten zu schildern, würde
ein halbes Buch füllen.
Einen am besten mehrtägigen Besuch wert ist die etwa 25
Kilometer von der Inselhauptstadt gelegene Kleinstadt
Ubud. Sie gilt als kulturelles
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Zentrum Balis. Dort
finden sich zahlreiche Werkstätten und
Ateliers von Malern,
Holzschnitzern und Steinmetzen. Sind die Balinesen generell schon überdurchschnittlich
fantasievoll und künstlerisch
veranlagt, so kulminiert das in
Ubud in kaum glaublicher Art
und Weise. Allerdings ist es
nicht leicht, echte Kunstwerke
von Plagiaten zu unterscheiden, wie es sie in zahllosen
Souvenirshops entlang der
Straßen in schier unendlicher
Auswahl gibt. Wer ein gewisses kunsthandwerkliches Interesse hat, wird nach einigem Suchen die Unterschiede
festzustellen
wissen.
Ubud hat aber nicht
nur in punkto Handwerk und Kunsthandwerk eine lange Tradition, sondern auch als Tourismusort. Hier finden sich
einige der prächtigsten Hotels
der gesamten Insel, beispielsweise das »Royal Pita Maha«,
das zu den Tjamputan Relaxation Resorts gehört. Hinter diesem Namen steckt Tjokorda
Gede Putra Sukawati, derzeit
»amtierender« Fürst von Ubud.
Amtierend steht deshalb in Anführungszeichen, weil – so
lacht Mr. Tjok Putra, wie er allgemein genannt wird – »ein
Fürst in der Republik Indonesien ein Titel ohne Wert ist«.
Tjok Putra, bis vor kurzem
noch Besitzer einer Harley-Davidson Dyna Wide Glide, hat
den TF-Autor zu einem ausführlichen Gespräch in seinen
Palast eingeladen, in dem er unter anderem seine Meinung zur
touristischen Situation Balis
darlegt.
Wie spielt sich das Motorradfahren auf Bali nun in der
Praxis ab? Linksverkehr, klar.
Allerdings mit den schon genannten Einschränkungen, die
eine stark erhöhte Vorsicht erfordern. Die Straßen sind
außerhalb des Ballungsraumes
Denpasar-Kuta-Sanur nicht
dramatisch stark befahren,
doch besteht ein Problem in der
Mischung höchst unterschiedlicher und verschieden schneller Fahrzeuge. Da gibt es voll
beladene Lkw, die an Steigungen – nicht ungewöhnlich auf
dieser vulkanischen Insel – oftmals über Tempo 20 nicht mehr
hinauskommen. Dazu kommen voll besetzte Bemos; diese
Menschentransportwagen der
Einheimischen in Form von
stets überladenen Kleinbussen
sind auch nicht gerade temperamentvoll unterwegs. Fährt
ein Pkw auf kurviger Straße
hinter einem Bemo, das wiederum einem Lkw folgt, dann
liegt es auf der Hand, dass nur
eine entschlossene Fahrweise
vorwärts führt. Wem diesbezüglich Routine fehlt, der wird
auf Bali wenig Freude am Motorrad haben.
Ungetrübt ist in jedem Fall
die Freude, die künstlerischen
Fähigkeiten der balinesischen
Bevölkerung zu erleben. Egal,
ob man einen Mitarbeiter des
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Puri Mangga dabei beobachtet,
wie er zusammen mit einem
Kollegen den Raum für neu ankommende Gäste mit Blütenblättern dekoriert, oder ob man
eine abendliche Tanzvorführung im Fürstenpalast zu
Ubud verfolgt: Stets springt der
häufig zitierte Funke über, niemals wird einem das Tun der
Akteure egal sein, weil sie ihr
Engagement so fröhlich auszudrücken wissen.
Keine Gefühlsregung ist dagegen den Musikern der Gamelanorchester anzusehen. Diese
höchst eigenartige Musik, ein
Klimpern, Klappern, Gongen
und Hämmern, gehört zu Bali
wie die Sonne oder auch Hahnenkämpfe.
Hauptsächlich
sind es Schlaginstrumente wie
Trommeln, Gongs, Metallophone, Rasseln und Zimbeln,
mitunter auch ergänzt durch
Saiteninstrumente und Flöten,
auf denen die Musiker eine Art
Klangteppich erzeugen. Mal
kann dieser Sound, der frei von
Soli und jeder Melodie zum
Mitsingen ist, dem Plätschern
eines Baches gleichen, mal einem wildgewordenen HornisSchwäbisch gründlich und balinesisch-freundlich gibt sich die
Ferienanlage Puri Mangga (li.
unten). Die farbenprächtige
Götterstatue steht in einem
Tempel (Mitte), das MarmorDenkmal mitten in Kuta (r. u.).
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senschwarm oder auch einem
Gewitter ähneln. Ein Gamelanorchester, meist mindestens 30
Personen umfassend, in Aktion
zu erleben, ist faszinierend –
und ein übendes Kinder-Gamelanensemble zu beobachten,
äußerst vergnüglich.
Wer allerdings behaupten
würde, dass Bali ausschließlich
liebenswerte Seiten aufweist,
würde lügen. So können mancherorts die Souvenirverkäufer
ganz schön nerven. Insbesondere an einigen Stränden, aber
auch im Umkreis mancher
Tempel tun sich Gäste mitunter
schwer, sich der drängenden
Anbieter zu erwehren. Wer
kein Interesse an Holzschnitzarbeiten,
Büchern oder T-Shirts
hat, kann lediglich schon
beim ersten Annäherungsversuch konsequent nein sagen
und dabei jeden Blickkontakt
vermeiden. Sich erst – wenn
auch nur beiläufig oder höflichkeitshalber – für einen Artikel
zu interessieren und danach einen Kauf abzulehnen, wird als
Aufforderung zum endlosen
Handeln betrachtet.
Wer in Bali über Land fährt,
wird immer wieder zumeist
hölzerne Gestelle sehen, auf
denen ein Dutzend oder auch
mehr Glasgefäße mit gelblichtransparentem Inhalt stehen.
Hier handelt es sich um »Roller-Tankstellen«. Da die Tank-
stellendichte
insbesondere
außerhalb der Städte mäßig und
das Fassungsvermögen mancher Rollertanks gering bemessen ist, erfreuen sich diese
Hilfstankstellen durchaus einer
gewissen Nachfrage. Der Literpreis ist geringfügig höher
als an regulären Tankstellen,
doch hört man immer wieder,
der in den Glasbehältern befindliche Sprit sei teils mit
Wasser gestreckt. Wir haben
nur einmal die Hilfe einer solchen Alternativ-Tankstelle in
Anspruch genommen, und
zwar
ohne irgendwelche
Nachteile.
Wer aufmerksam durch Bali
fährt, wird natürlich bald bemerken, dass auf
dieser
wirtschaftlich nach
wie
vor
schwachen
Insel das Fahren einer Harley irgendwie
unangemes-
Auch wenn eine Harley irgendwie unangemessen
wirkt: Sie fördert die Kommunikation ungemein
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sen ist. Andererseits ermöglicht ihr vorübergehender Besitz zahlreiche Kontakte; es ist
fast unmöglich, beim Parken
vor einem Tempel oder anderswo nicht bewundernd auf das
chromglänzende Stück angesprochen zu werden. Das gewaltige Drehmoment des 96
Kubikzoll-Motors sowie seine
Spitzenleistung lassen sich auf
Bali kaum einmal wirklich in
Geschwindigkeit umsetzen –
Tempo 100 zu erreichen ist
schon eine Seltenheit. Andererseits: Jede Rupie
mehr, die Mitteleuropäer auf Bali ausgeben, ist
gut für die
Wirtschaft der
Insel. Deshalb
zu sparen, weil
die Einheimischen sich bestimmte Dinge nicht leisten können, ist kein hilfreicher Ansatz. Eher schon der, die Urlaubskasse – wenn möglich – ein bisschen praller zu füllen; Tourismus ist seit jeher
ein recht guter
Entwicklungshelfer. Erst
recht auf
einer
HarleyDavidson.
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BALI
Allgemeines: Bali stellt eine
Besonderheit des riesigen indonesischen Inselreiches dar.
Während sonst der Islam dominiert, sind die Balinesen ganz
überwiegend Hindus. Ihren
Traditionen, ihrem Glauben und
ihrer Kultur sind sie nach wie
vor treu. Die tiefe Religiosität
wie auch die überdurchschnittliche künstlerische und kreative
Begabung der Menschen spiegelt
sich in zahllosen Tempeln und
Schreinen, macht es aber auch
leicht, Kontakte zu knüpfen.
Bali liegt nur wenig südlich
des Äquators, besitzt eine
Gesamtfläche von 5561 qkm
(etwa 50 % mehr als Mallorca)
und hat rund 3 Millionen
Einwohner. Die Insel ist vulkanisch; der Gunung Agung, mit
3142 Metern Balis höchster
Berg, ist zuletzt 1963 ausgebrochen.
Klima und Reisezeit: Von
November bis etwa Anfang April
herrscht Regenzeit mit teils starken, auch länger anhaltenden
Niederschlägen. Der Zeitraum
von April bis Ende Oktober ist
günstiger für eine Reise. Tagestemperaturen in Küstennähe liegen das ganze Jahr über bei 25
bis 35 °C, nachts leichte, im
Bergland auch deutliche
Abkühlung. Im Süden der Insel
ist es schwüler als im Norden.
Impfungen: Tetanus, evtl.
auch Malaria-Prophylaxe,
Typhus. Hausarzt fragen!
Parkgebühr für Motorräder/Roller am Einkaufszentrum
500 IR*
1 Hühnerei im Supermarkt
521 IR
1 Liter Benzin
ca. 5.000 IR
1 Packung Marlboro
8.200 IR
1 Fl. Bier im Puri Mangga u. in Straßenrand-Kneipen
12.000 IR
1 Regenponcho für Rollerfahrer
17.000 IR
Longdrink in einfacher Touristen-Bar
20.000 IR
Verdienst eines Tagelöhners im Wegebau, Untergrenze
20.000 IR
Verdienst eines erfahrenen Tagelöhners, Obergrenze
50.000 IR
Tagesmiete für einen koreanischen Minivan (5 Sitze)
ca. 115.000 IR
Dreigang-Abendmenü im Puri Mangga
120.000 IR
Einstündige Massage im Puri Mangga
150.000 IR
1 Flasche chilenischer Wein Marke »Salsa«, Supermarkt
165.000 IR
derselbe Wein im Puri Mangga mit Service
245.000 IR
Monatsverdienst eines Lehrers
700.000 IR
Monatsverdienst eines Kleinbus-Fahrers (Tourismus)
900.000 IR
Monatsverdienst einer Bürokraft
600.000 bis 1,5 Millionen IR
Tagesmiete Harley Heritage Softail Classic, neu, vor Ort
1,4 Millionen IR
Ausflüge/begleitete Reisen:
Die Agentur »Tunas Indonesia«
in Sanur/Bali hat ein deutschsprachiges Programm aufgelegt, das
von Deutsch sprechenden Führern
sehr gut umgesetzt wird. Madé
Gross, einer der beiden Chefs,
spricht ebenfalls gut Deutsch
(tunas@denpasar.wasantara.net.id,
Tel. +62/361/288581).
Literatur/Karten:
Unübertroffen ist nach wie vor
»Bali, die Trauminsel« von Peter
Rump und Gunda Urban, Verlag
Reise Know-how, 15,50 Euro.
Eine dritte Auflage wird es wohl
leider nicht geben.
Vom Informationswert her gut
und zudem unverwüstlich (reißund wasserfest) ist die 2007 neu
aufgelegte Karte »Bali, Lombok
und Komodo«, Maßstab
1:150.000, ebenfalls aus dem
Verlag Reise Know-how, zum
Preis von 8,90 Euro.
* Wechselkurs: 1 Euro = ca. 12.300 Indonesische Rupies (IR, Stand Juli 2007)
Tipp: Bei vormittäglichem
Rückflug ab Bali und Aufenthalt
im Insel-Norden die letzte Nacht
in Flughafennähe (Nusa Dua,
Kuta, Sanur) buchen, sonst
kommt wegen des DreistundenTransfers Hektik auf.
Streckenlänge/Zeitaufwand:
circa 400 km / drei bis vier Tage
Motorradmiete: »Bike-thebest« (www.bikethebest.de) bietet gemeinsam mit dem HarleyHändler in Kuta kombinierte
Reisen, bestehend aus einer
Ferienwoche mit einwöchiger
Miete einer Harley (ab ca. 1600
Euro für insgesamt 14 Tage).
Kleinmotorräder (125 bis
200 cm3 Hubraum) gibt es in
allen größeren Orten zu mieten;
Preise sind Verhandlungssache.
Verkehr: Es herrscht
Linksverkehr. Das Straßennetz
ist dicht, die Güte des Belags
schwankt stark. Motorräder bis
etwa 200 cm3 Hubraum sowie
125er-Roller dominieren das
Straßenbild.
UN-Weltklimakonferenz: Zu der
internationalen Veranstaltung, die
vom 3. bis 14. Dezember 2007
stattfindet, werden mehr als 5.000
Teilnehmer aus über 180 Ländern
erwartet. Der Kongress geht in
Nusa Dua im äußersten Süden
der Insel über die Bühne.
Unterkunft: Wer
Entspannung mit gelegentlichen
Zweirad-Ausflügen verbinden
will, ist im kleinen, gediegenen
Ferienresort Puri Mangga
(www.puri-mangga.com) bestens
BALI SEE
Singaraja
Pemuteran
Gondol
Gerokgak
Seririt
Lovina
Gitgit
Gunung Batur
ab
Weinanbaugebiet
up
aten
Jembrana
Hindu-Tempel
Pura Ulun
Danu Batur
Kayuputih
Mayong
Danau Buyan
Gunung Agung
Hindu-Tempel
Pura Besakih
Payangan
Luwus
Reisterrassen Bangli
Ubud
Hindu-Tempel
Pura Taman Ayun
INDISCHER
OZEAN
Danau Batur
Danau
Beratan
Tamantanda
BALI
Reisterrassen
Anreise: Kürzeste Flugzeit
bei hohem Economy-Komfort
mit sehr guten Stop-overMöglichkeiten in Singapur mit
Singapore Airlines ab Frankfurt.
Qatar Airways bietet eine relativ
schnelle Verbindung ab
München. Preise für Hin- und
Rückflug ab ca. 700 Euro.
aufgehoben. Eine Woche mit
Frühstück im DZ kostet 300
Euro. Buchbar über www.goatravel.de, Tel. 02241/846440.
Preisbeispiele
K
Formalitäten: Reisepass,
Visumpflicht auf Bali (wird am
Flughafen erteilt, 25 US-$);
Ausreisegebühr am Flughafen
100.000 Ind. Rupies (nur in
bar!). Für Motorrad-Miete ist der
internationale Führerschein erforderlich.
DOKUMENTATION
Sukawati
Rendang
Webereizentrum
Gianyar
Blahbatuh
20 km
Denpasar
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Reisen
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