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(V)erBAUliches So wie schon in der letzten Ausgabe - Der Kranich

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(V)erBAUliches
So wie schon in der letzten Ausgabe versprochen, widme ich mich in dieser Ausgabe DER KRANICH
der großen Baumaßnahme Sanierung der Start- und Landebahn (SLB). Um alle Leser auf den
gleichen Wissensstand zu bringen, beginne ich meine Ausführung mit einem kurzen chronologischen
Ablauf dieser Ereignisse. Wie viele von Ihnen wissen, wurde der Mittelteil der SLB im Zeitraum März
bis Oktober 2006 grundsaniert. Dieses erfolgte im "Frankfurter Modell", sprich: nachts arbeiten und
tagsüber fliegen. Was für die Logistik und den Bauablauf nicht so ganz einfach war. Für die damalige
Grundsanierung ist der Mittelteil der SLB in mehrere Abschnitte geteilt worden, in denen jeweils
nachts der Bauabschnitt abgefräst und mit mehreren Asphaltschichten auf die Höhe der restlichen
SLB aufgebaut wurde. Am Ende der Maßnahme wurde die gesamte Oberfläche nochmals abgefräst
und mit einer vollflächigen Deckschicht versehen. Das einzubauende Asphaltmischgut wurde hier
tagsüber angeliefert und eingelagert, nachtsüber verbaut.
Schon im April/Mai 2007 traten die ersten Schadensbilder in Form von Blasen auf, die sich aber im
Sommer durch die warmen Temperaturen zurückbildeten. Das Auftreten und die Rückbildung der
Blasen wiederholte sich dann auch in den Jahren 2008 und 2009. Dazu kam dann über die Jahre,
dass sich netzartige Risse auf der Oberfläche bildeten. Durch JG 73 "S" -Infra-, den Betrieb für Bau
und Liegenschaften (BBL) und einem eingeschalteten Gutachter wurde ein Notfallkonzept für die
Schadensbeseitigung erarbeitet. Dieses sah vor, die Oberfläche der Schadensfelder leicht abzufräsen
und neu zu beschichten. Warum, wieso und wer das zu verantworten hatte, ist bis heute nicht geklärt.
Im Januar 2010 kam es dann schon zu den ersten Besprechungen für die erneute Sanierung des
Mittelteils. In den Besprechungen wurde zusammen mit der Flughafen Rostock-Laage-Güstrow GmbH
(FRLG GmbH) ein möglicher Sanierungszeitraum eruiert. Dieser war erst einmal der "DECI"-Zeitraum
2011. Durch mehrere noch offene Rahmenbedingungen (eventuelle Kostenübernahme durch
Verursacher, Kostendeckung der Baumaßnahme durchs BMVg und Erarbeitung der Bauunterlagen)
konnte am Sanierungszeitraum 2011 nicht mehr festgehalten werden. Somit wurde im November
2011 begonnen, die ganze Baumaßnahme für den "DECI"-Zeitraum 2012 zu planen - siehe Ausgabe
3/2012. Zig Eckpunkte mussten beachtet werden:
- Sanierung im Zeitraum "DECI" 2012
- Sanierung an zehn zusammenhängenden Tagen (Platzschließung)
- vor dem Sanierungszeitraum musste beidseitig ein Drainage eingearbeitet werden.
Ja und dann standen alle Beteiligten da und wir mussten zusammen ein großes Programm
abarbeiten. Das begann mit der Findung des Sanierungszeitraumes (3. bis 13. September 2012), das
Erstellen der Ausführungsplanung, der Ausschreibungen der Maßnahmen (geteilt in Drainagearbeiten
und Sanierung SLB) und der Auftragsvergabe. Dieses geschah alles durch den hiesigen Betrieb für
Bau und Liegenschaften MV. Schnell verging die Zeit und es war Juni 2012 als die Drainagearbeiten
im Vorfeld der Sanierung begannen. Weshalb Drainage? Sie soll das Grund- und Tiefenwasser von
der SLB fernhalten. Dazu wurden jeweils parallel im Abstand von drei Metern zur Außenkante der SLB
Drainagerohre verlegt und an das Abwassersystem der Liegenschaft angeschlossen. Dieses erfolgte
alles in Nacht- und Wochenendarbeit, was im Vorfeld eine gute Abstimmung der Zeitfenster zwischen
Militär und der FRLG erforderlich machte. Ohne nennenswerte Schäden am sich seitlich der SLB
befindlichen Kabelwirrwarr aus Elektro-, Fernmelde- und weiteren Kabeln die zu den
Flugsicherungsanlagen laufen, fanden die Drainagearbeiten Ende August ihren Abschluss.
Gleichzeitig lief auch die Vergabe der Sanierungsmaßnahme an die ausführende Firma sowie die
Vorstellung des Sanierungsverfahrens und weitere Abstimmungen, die die Maßnahme betrafen. Als
Verfahren für die Sanierung kristallisierte sich das "Heiß auf Heiß"-Verfahren heraus. Darauf gehe ich
in meinen weiteren Ausführungen noch genauer ein.
Wir schrieben den 3. September 2012, das Hauptkommando und der letzte EUROFIGHTER haben
Laage Richtung "DECI" verlassen. Im Bereich der Delta-Schleife standen die Baufirmen in den
Startlöchern, die Lkw liefen und jedem Beteiligten war die Anspannung, angesichts der
bevorstehenden Herausforderungen, ins Gesicht geschrieben. Um 7.30 Uhr fiel dann der
"Startschuss" zur Sanierung und die Baumaschinen nahmen die SLB in Besitz. In den nächsten
Tagen haben vier Großfräsen, vier Asphaltfertiger, zwei Beschicker für die Asphaltfertiger, acht
Tandem-Walzen und unzähliges Kleingerät die SLB bearbeitet.
Noch etwas Allgemeines zur Sanierung: Das Baufeld erstreckte sich über eine Länge von 1835
Metern und einer Breite von mehr als 52 Metern. Der erste Arbeitsschritt befasste sich mit dem
Abfräsen der Markierung sowie den Flächen, die aus der Notfallreparatur stammten, bevor die Firma
mit den eigentlichen Fräsarbeiten beginnen konnte. Für die Baumaßnahme wurde die SLB in sechs
Bahnen unterteilt. Damit Sie mir in den weiteren Ausführung folgen können, liste ich Ihnen die Bahnen
kurz auf. Sie beginnen auf der nördlichen Seite mit der Bahn drei (Breite 3,50 m), dann Bahn zwei
(Breite 8,00 m), dann Bahn eins (Breite 14,50 m), es folgt Bahn vier (Breite 14,50 m), dann Bahn fünf
(Breite 8,00 m) und zum Abschluss Bahn sechs mit einer Breite von 3,50 m. Warum diese
Reihenfolge? Bitte nicht nachfragen. Als Erstes kamen die Bahnen zwei und fünf unter die Fräse und
verloren 14 cm an Höhe innerhalb von 14 Stunden, das waren ca. 530 m² pro Stunde. Am zweiten
Tag musste die Bahn eins und anschließend Bahn vier "dran glauben" - hier sei angemerkt, dass die
Fräsen nur zum Essen der Bediener still standen. Gleichzeitig begann man aber schon wieder auf den
Bahnen zwei und fünf den Asphalt für den Profilausgleich aufzutragen, was dann auch für die Bahnen
eins und vier am dritten und vierten Tag auf den Plan stand. Am 7. September 2012, unserem fünften
Tag, begann die Firma mit dem Einbau des Kompaktasphalts (heiß auf heiß), beginnend mit Bahn
zwei und fünf, Bahn eins und vier folgten.
Wie erkläre ich das jetzt am besten mit dem Kompaktasphalt? OK. So ein Asphaltierzug bestand aus
zwei Fertigern, die mit einem Förderband verbunden waren und einem davor fahrenden Beschicker.
Der hintere Fertiger war für das Aufbringen der obersten 2,5 cm Asphaltdecke zuständig, der davor
fahrende Fertiger für die 6,0 cm Binderschicht und die Beschickung des hinteren Fertigers
vorgesehen. Der Beschicker nahm den unterschiedlichen Asphalt aus dem Lkw auf und förderte ihn in
weiter in den zweiten Fertiger. Die hohe Kunst war es hier, das kein Fertiger leer lief und dass das
richtige Mischgut am Fertiger ankam. Bei diesem Arbeitsschritt wurden pro Bahn 15 Stunden
veranschlagt. Gleichzeitig während der Asphaltierungsarbeiten sind die Bahnen drei und sechs
abgefräst worden. Am Dienstag, den 11. September 2012 erfolgte die Asphaltierung der Bahnen drei
und sechs. Jetzt hatten die Firmen nur noch einen Tag und ein paar Stunden bis Donnerstag, den 13.
September 2012 um 8.00 Uhr, an dem die Abnahme erfolgen sollte. Es wurde stressig auf der Bahn,
der Fugenverguss musste nochmal hergestellt werden, ein Teil der Markierung fehlte noch, die
restlichen Bohrkerne für die Prüfungen mussten noch gezogen und wieder verschlossen werden und
gereinigt war auch noch nichts. Aber wie Sie sicher mitbekommen haben, haben die Firmen es
geschafft und im leichten Nebel mit durchdringenden Sonnenstrahlen wurde die SLB durch ein großes
Gremium abgenommen und für FERTIG befunden.
Hier nochmal nennenswerte Fakten zur Baumaßnahme:
- Abfräsen von 111800 m² Asphalt (der entstandene Abraum wurde in den Asphaltwerken als
Zuschlagsmaterial für neuen Asphalt genutzt)
- Einbau von ca. 18000 t Asphalt für den Profilausgleich
- Fertigung von 107800 m² im Kompaktasphalt
- 400 Fahrzeugbewegungen an den Spitzentagen
- Herstellung von 13200 lfm Fugen
Meine letzten Zeilen möchte ich nutzen, um mich bei allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit
und den Wettermann für das gute Wetter zu bedanken.
Wir wünschen allen Lesern ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2013.
Lt Torsten Gebhardt
Stab JG 73 "S"
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Seele and Geist
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