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Häuser wie Bäume - M.O.O.CON

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Häuser wie Bäume
Bericht vom zweiten Bauherrenkongress von M.O.O.CON und ÖGNI am 26.01.2012
Wir brauchen Häuser wie Bäume und Städte wie Wälder. Mit dieser Vision eröffnete
der Chemiker Michael Braungart den zweiten Bauherrenkongress von M.O.O.CON
und ÖGNI. Erstmalig im Rahmen einer breiten Immobilienöffentlichkeit in Österreich
setzten sich rund 200 Teilnehmer mit dem Thema Cradle-to-Cradle® (C2C) im
Neubau und Bestand auseinander.
Michael Braungart hat die Vorstellung, dass Häuser nicht nur nicht schädlich, sondern
organisch und nützlich sind. Sie bieten Lebensräume für andere Arten und reinigen Luft
und Wasser. Sie wechseln Farbe und Aussehen mit den Jahreszeiten und stellen
hochwertige Substanzen her, die in Kreisläufe zurückgeführt werden. So gibt es Teppiche
und Zement, die die Luft reinigen und sich damit in einen biologischen Kreislauf
integrieren; oder Fenster und Türen, die nach Abnutzung über ein Rückgabe- und
Recyclingsystem im technischen Kreislauf bleiben. Das ist jedoch nur der Anfang.
Innovationen für die vielen anderen Bestandteile eines Hauses stehen noch aus.
„Es reicht nicht, ökoeffizient zu sein, wir müssen ökoeffektiv werden“, betont der
Chemiker und erklärt dies so: Es nützt nichts, Reifen auf den Markt zu bringen, die länger
halten, wenn diese nach wie vor für die Feinstaubbelastung verantwortlich sind. Demnach
ist ein Passivhaus nicht ausreichend und die Nachhaltigkeitsdebatte zu wenig visionär, so
Braungart. Es zeigt im besten Fall nur auf, wo es Einsparungspotenziale gibt, aber nicht
welche Innovationen es geben kann. Selbst Kritiker sind damit einverstanden. Für Dr.
Ursula Schneider, die sich wie kaum ein anderer Architekt in Österreich dem
Nachhaltigkeitsthema verschrieben hat, sind Passivhäuser schon sinnvoll. „Was wir aber
sicher brauchen, sind Bauherren, die Innovationen fordern. Nur so können wir
weiterdenken.“ Ein erster Bauherr, der kreislauffähig baut, ist die Druckerei gugler*.
Nachdem das Unternehmen als weltweit erste Druckerei ihren Betrieb C2C-zertifizieren
ließ, soll auch der Zubau für die Zentrale in Melk ein C2C-Gebäude werden.
Neue Modelle – lebenszyklisch denken
„Neben innovativen Materialien brauchen wir innovative Prozesse“, ergänzte Karl Friedl,
CEO bei M.O.O.CON. Das Unternehmen hat sich der lebenszyklischen Betrachtungsweise
von Immobilien verschrieben. Die kürzlich von M.O.O.CON und ÖGNI zusammen mit
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M.O.O.CON GmbH | Wipplingerstraße 12/2 | 1010 Wien | Österreich
Telefon: +43 (0)1 532 633-0 | Fax: +43 (0)1 532 6330-2180 | E-Mail: office@moo-con.com | www.moo-con.com
weiteren Partnern gegründete IG Lebenszyklus Hochbau unterstützt Bauherren dabei,
Gesamtverantwortung zu übernehmen – von der Planung, über die Errichtung bis hin zum
Betrieb einer Immobilie. „Zukunftsfähige Immobilien brauchen das lebenszyklische
Verständnis und die Bestellqualität des Bauherrn.“
Um eine Bestellung abgeben zu können, muss man jedoch wissen, was der Status Quo ist
und welche Optimierung zu welchen Kosten möglich ist. Mit epiqr hat die Firma CalCon
eine Software entwickelt, die den Zustand von Immobilienbeständen erfasst und
erforderliche Instandhaltungsmaßnahmen aufzeigt. Der Vorteil: Eine hohe Kostengenauigkeit
auf Grund eines Benchmarks von rund100 Millionen Quadratmetern Fläche, die epiqr bereits
erfasst hat. Und dies in kürzester Zeit: Die Daten eines Gebäudes können in nur einem Tag
aufgenommen werden. Mit diesem Tool kann auch das Thema Sanierung systematisch und
mit Vollkostenverantwortung angegangen werden.
Sanierung heißt Revitalisierung
Über Sanierung nachzudenken ist im Sinne einer ehrlichen Nachhaltigkeitsdebatte
wichtiger denn je. Universitätsprofessor Wolfgang Streicher brachte diese Notwendigkeit
wie folgt auf den Punkt: „85 Prozent des Heizwärmebedarfs werden in Gebäuden mit
einem Baujahr vor 1990 verursacht. Eine Reduzierung des Energieverbrauchs benötigt
also eine ambitionierte Sanierungsstrategie.“ Dabei muss aber berücksichtigt werden,
dass nicht nur technische, sondern auch organisatorische Optimierungen vorgenommen
werden. „Deshalb wäre es besser, von Revitalisierung zu sprechen“, so Friedl. „Wir
müssen uns immer auch eine mögliche Nachnutzung vor Augen halten, die
organisatorische Veränderungen impliziert.“
Von der babylonische Sprachverwirrung zum Haus der Zukunft
Ebenso visionär wie der Anfang war auch das Ende des zweiten Bauherrenkongresses. Auf
die Frage nach einem Haus der Zukunft kamen so viele Antworten wie Menschen anwesend
waren. Eine gemeinsame Erkenntnis gab es dennoch: Um kreislauffähige Gebäude entwickeln
zu können, bedarf es einer neuen Kommunikationskultur. Mehr Interdisziplinarität sowohl in
der Ausbildung als auch in der Praxis sowie der stärkere Austausch aller Experten sind
notwendig. Nur so können wir die „babylonische Sprachverwirrung überwinden“, die
momentan in der Bau- und Immobilienbranche herrscht. Mit dieser Metapher von Prof.
Streicher endete der spannende Kongress.
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