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Rubrik
Mitteilungen
September 2014
Cartell
RUPERT
MAYER
Rubrik
Gottgeschenkte Hoffnung
Cartell
RUPERT
MAYER
Cartell
RUPERT
MAYER
Forderungen
in ungewöhnlicher Zeit
„Denn ich, ich kenne meine Pläne,
die ich für euch habe
– Spruch des Herrn –,
Pläne des Heils und nicht des Unheils;
denn ich will euch eine Zukunft geben
3•Autor
unter
der
und
eine
Hoffnung
geben.
Headline
Wenn ihr mich ruft, wenn ihr kommt
und zu mir betet, so erhöre ich euch.
Sucht ihr mich, so findet ihr mich.
Wenn ihr von ganzem Herzen
nach mir fragt,
lasse ich mich von euch finden –
Spruch des Herrn.“
Liebe Freundinnen,
liebe Freunde,
Unser Leben als katholische Christen erfährt
Veränderungsschübe,
die Cartell-Versammlung
den Aufbau bisher unbein Nürnberg liegt hinter
kannter und unerkannter
uns. Und ich nehme an,
sozialer und kirchlicher
dass es Ihnen so geht
Strukturen, die wir anwie mir: Es war ein
nehmen oder zurückweigroßes Fest mit vielen
sen können. Doch wir
Gesprächen und vielen
Dr. Jürgen Fiedler
werden – nolens volens –
wichtigen Anregungen,
in neue Ordnungen hindie gerade durch den Vortrag von Dr. einleben – oder hineingelebt werden.
Teufel initiiert wurden. Mir ist klar, Wir werden in Berlin anlässlich
dass nicht alle Cartell-Freunde den unseres Herbstkapitels wieder und
Urteilen und Visionen folgen wer- wieder auf die eine Frage stoßen: „Wo
den, die Dr. Teufel uns nahebringen ist Gottes Raum?“ Und diese Frage
wollte: Provokante Formulierungen, ist eine Frage an den Menschen – :
zugespitzte Behauptungen, äußerst „Wo ist er in Gottes Raum?“ Und wir
ungewöhnliche Forderungen ...
werden immer wieder mehr Fragen
haben, als wir Antworten geben können.
Aber die Zeit, in der wir in unserer Darum schien mir das, was in
Kirche und für unsere Kirche leben, Nürnberg uns „zugemutet“ wurde, zu
ist auch ungewöhnlich. Wenn ich lese, Recht gesagt.
dass unser Papst in die Kantine der
Mitarbeiter der Vatikan-Verwaltung Heute nun nehme ich Karl Rahners
geht, um dort seine Mahlzeit einzu- „Grundkurs des Glaubens“ wieder in
nehmen, und dazu auch noch wie die Hand. Ich habe ihn nie wirklich
jeder andere sofort bezahlen will (was durchgearbeitet, da er so recht sperrig
man ihm aber entrüstet verwehrte) ist. Aber ich fand: „Der Mensch kommt
und dies glaubwürdig attitüdenfrei nur wirklich in echtem Selbstvollzug
bewerkstelligt, dann ist auch dies zu sich, wenn er sich radikal an den
irritierend.
anderen wegwagt. (sic! FD) Tut er g
Jeremia 29, 11 ff.
Zum Geleit
CRM Mitteilungen 3•2014
CRM Mitteilungen 3•2014
Zum Geleit
dies, ergreift er (...) das, was mit Gott
als Horizont, Garant und Radikalität
solcher Liebe gemeint ist, der sich
in Selbstmitteilung (...) zum Raum
der Möglichkeit solcher Liebe macht.
Diese Liebe ist intim und gesellschaftlich gemeint und ist in radikaler
Einheit dieser beiden Momente Grund
und Wesen der Kirche.“
Darüber immer wieder und nie nachlassend miteinander zu sprechen – das
wird – so meine ich – eine unserer
großen Aufgaben in unseren Freundeskreisen und in unseren CartellVersammlungen sein.
Ich blicke mit großen Erwartungen
auf unsere Gespräche in Berlin.
Herzliche Grüße aus Schwerin!
Ihr Kapitelvorsitzender
J. Fiedler
Cartell
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Inhalt
Lebenszeichen: Geschenkte Hoffnung................................... 2
Zum Geleit:
Forderungen in ungewöhnlicher Zeit........... 3
Aus dem Leben der Kirche:
Die Werke der Jesuiten................................ 5
Geistliches Leben:
Vortrag P. Kunz SJ: Barmherzigkeit............. 7
Cartellversammlung:
Gilde Protokoll Cartellversammlung............11
Vortrag MP a.D.Teufel................................... 17
Herbstkapitel:
Ankündigung..................................................19
Aus den Regionen:
Nordgilde: Reise nach Istanbul.....................20
Baden Württemberg: Regionaltreffen..........26
Südwest: Einkehrtag Gilden der Region.......28
Hinweis der Redaktion:
Präsenz in Farbe!
Alle Informationen, auch alle Mitteilungshefte
(im Internet ab jetzt mit farbigen Fotos)
sind im Internet abrufbar unter:
www.cartell-rupert-mayer.de/informationen/
magazin/
Wir freuen uns, wenn Sie viele Beiträge und
Fotos fürs nächste Heft per E-Mail senden:
(Fotos möglichst als eigene Dateien)
barjohkonny@gmx.de
Das Geschehen in den Gilden:
Frankfurt a. M.: Von Ketteler-Gilde..............28
Aachen: Karls-Gilde
..............................30
Essen: Altfried-Gilde
..............................35
Gedenken an Verstorbene ...........................40
Impressum/Termine........................................43
Buchbesprechung/-vorstellung:
Franziskus,
Vom Einwandererkind zum Pabst .............. 44
Titelbild: Feierlicher Festgottesdienst in der
Frauenkirche Nürnberg mit Bischof Dr. Schick
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Aus dem Leben der Kirche
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Die Werke der Jesuiten
in Deutschland
Seit einigen Jahren haben wir Jesuiten weltweit drei Akzente in unserer Arbeit:
Spiritualität, Bildung und Soziales.
Beim Stichwort Spiritualität denken wir vor allem an die geistlichen Übungen
des heiligen Ignatius, an die „Exerzitien“. Wir pflegen seit einigen Jahrzehnten
wieder die ganz persönliche geistliche Begleitung derer, die echte Exerzitien
machen wollen. Dabei lernt der Exerzitant die geistliche Unterscheidung. Das
bedeutet die Unterscheidung, welche Gedanken ihm oder ihr vom heiligen Geist
eingegeben werden, und welche anderswoher kommen. Der Exerzitant sucht den
Plan Gottes für sich persönlich. Der geistliche Begleiter braucht dazu natürlich
Zeit und Ruhe. Es gibt also kaum mehr Exerzitien mit „Vorträgen“, wie das früher üblich war, sondern das persönliche Gespräch zwischen dem Exerzitanten
und dem Begleiter. Um diese spirituelle Arbeit zu tun, führen wir auch einige
„Exerzitienhäuser“, vor allem die zwei grossen in Dresden und München. Aber
Exerzitien finden auch an vielen anderen Orten statt. Auch ältere Mitbrüder können diese geistliche Begleitung leisten. Dabei entsteht keine Massenbewegung,
aber eben eine tiefe innere Glaubenserneuerung und -vertiefung.
Der zweite Akzent ist die „Bildungsarbeit“. Wir führen in Deutschland zwei
Hochschulen, drei Gymnasien, zwei Bildungshäuser und in Schweden eine Hochschule. In Frankfurt am Main gibt es die Philosophisch-Theologische Hochchule,
an der rund 500 junge Leute studieren, die sich zum Teil auf kirchliche Arbeit
vorbereiten, zum anderen Teil auf verschiedene akademische Berufe als Mediziner,
Juristen, Wirtschaftsleute etc. Sie erhalten dort eine breite und tiefe Ausbildung,
damit sie nicht nur gute Profis sind in ihrem Fach, sondern eine wahre humanistische und christliche Bildung haben.
Ähnliches tun wir in München an unserer Philosophischen Hochschule. Hier
studieren rund 500 junge Leute, die später in zivilen Berufen arbeiten. Es gibt
keine Theologie, sondern nur Philosophie. Einige Lehrstühle können das deutlich
machen. So gibt es neben den streng philosophischen Lehrstühlen den Lehrstuhl
für „Religionsphilosophie“, für „Völkerverständigung“, für „Motivation“.
Die drei Gymnasien in Berlin, Bonn-Bad Godesberg und St. Blasien sind außerordentlich gefragt und führen Schüler bis zum Abitur. Ihnen sind teilweise auch
Internate angeschlossen. In den Bildungshäusern in Nürnberg und Ludwigshafen g
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Aus dem Leben der Kirche
Cartell
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geht es meist um Erwachsenenbildung. Neu ist in Ludwigshafen das „Zentrum
für Ignatianische Pädagogik“, das verschiedenen Bildungseinrichtungen, die das
wollen, hilft, Menschen im Sinne des heiligen Ignatius zu bilden und zu erziehen.
im schwedischen Uppsala führen wir eine Hochschule, die sich allergrösster
Beliebtheit erfreut und daher auch staatlich getragen wird.
Unter dem Stichwort „Soziales“ führen die Jesuiten weltweit seit dreißig
Jahren den Jesuitenflüchtlingsdienst.
Er wird gerade jetzt vor allem auch im
Nahen Osten sehr gebraucht. Jesuiten
und Hunderte von Mitarbeitern helfen
Fliehenden nicht nur zum Ueberleben,
sondern versuchen auch, ihnen rechtlich zu helfen, soweit das nötig und
möglich ist, damit sie in den Ländern
ihrer Flucht Aufnahme finden.
In einigen afrikanischen FlüchtlingsBr. Dieter Müller mit Abschiebungshäftlingen lagern organisieren wir Jesuiten auch
Schulbildung und universitäre Studien
durch digitalen Kontakt vor allem zu us-amerikanischen Jesuitenuniversitäten.
Der derzeitige Leiter des weltweiten Jesuitenflüchlingsdienstes stammt aus
Deutschland. Junge Jesuiten machen oft während ihrer Ausbildung Praktika in
Flüchtlingslagern.
In Deutschland selbst bieten wir Asylsuchenden Rechtsbeistand. In München
führen wir zudem das “Institut fuer Gesellschaftspolitik”, das im Sinne etwa von
Pater Nell-Breuning vor allem den Ländern Afrikas und Asiens zu einer vernünftigen Gesellschaftspolitik helfen möchte.
Neu ist in der “Gesellschaft Jesu” außer der Pflege der geistlichen Übungen des
heiligen Ignatius und des „Zentrums für Ignatianische Pädagogik” vor allem die
intensive Zusammenarbeit mit Nicht-Jesuiten. So ist beispielsweise der Präsident
der Philosophischen Hochschule in München ein Nicht-Jesuit. Schulleiter an den
drei Gymnasien sind Nicht-Jesuiten. Neu sind auch die digitalen Auftritte der
Jesuitenwerke und neu ist vielleicht auch die moderne Pflege des Fundraisings,
das ich selbst betreue.
P. Eberhard v. Gemmingen SJ
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Geistliches Leben
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Barmherzigkeit als Mitte christlichen Lebens
in den Herausforderungen unserer Zeit
Vortrag von Pater Kunz
1. Benedikt XVI sieht eine Grundgefährdung
unserer Zeit in der „Diktatur des Relativismus“. Wir
leben „in einem sozialen und kulturellen Umfeld,
das die Wahrheit relativiert und ihr gegenüber oft
gleichgültig und ablehnend eingestellt ist“ (Caritas
in veritate, Nr.2).
Als Konsequenz dieser Einstellung ergibt sich:
„Ohne Wahrheit, ohne Vertrauen und Liebe gegenüber dem Wahren gibt es kein Gewissen und keine
soziale Verantwortung: Das soziale Handeln wird
ein Spiel privater Interessen und Logiken der Macht,
mit zersetzenden Folgen für die Gesellschaft, um
so mehr in einer Gesellschaft auf dem Weg der
Globalisierung und in schwierigen Situationen wie
P. Erhardt Kunz SJ
der augenblicklichen“ (ebd. Nr.5). - Dieses kritische
Urteil darf aber den Einsatz zahlloser Menschen
für das Wohl der Mitmenschen und für Gerechtigkeit und Frieden nicht übersehen. „Alle Menschen spüren den inneren Impuls, wahrhaft zu lieben: Liebe und
Wahrheit weichen niemals gänzlich von ihnen; denn sie sind die Berufung, die
Gott ins Herz und in den Geist eines jeden Menschen gelegt hat“ (ebd. Nr.1).
2. Auf diese tiefe Sehnsucht nach Wahrheit und Liebe antwortet der christliche
Glaube. Er verkündet die Liebe als Wahrheit, die Liebe als den tiefsten tragenden
Grund der Welt: „Gott ist die Liebe.“
Das Vertrauen in Gottes Liebe ist nicht Ergebnis rationaler Reflexion, sondern
beruht auf der Erfahrung des Beschenktseins; es ist „Antwort auf das Geschenk
des Geliebtseins, mit dem Gott uns entgegengeht“ (Deus Caritas est, Nr.1). „Am
Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee,
sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben
einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt“ (ebd.). Die
Person, in der uns zutiefst Gottes Liebe aufleuchtet, ist Jesus Christus. In seiner
Hingabe „bis hin zu dem am Kreuz durchbohrten Herzen“ (ebd. Nr.17) geschieht
Liebe „in ihrer radikalsten Form“ (ebd. Nr.12).. Aus diesem „Zuerst“ der Liebe
Gottes „kann als Antwort auch in uns die Liebe aufkeimen“ (ebd. Nr.17). Zu dieser antwortenden Liebe gehört wesentlich die Nächstenliebe hinzu. Zwischen g
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Geistliches Leben
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Gottes- und Nächstenliebe besteht eine „notwendige Wechselwirkung“. „Nur meine
Bereitschaft, auf den Nächsten zuzugehen, ihm Liebe zu erweisen, macht mich
auch fühlsam Gott gegenüber. Nur der Dienst am Nächsten öffnet mir die Augen
dafür, was Gott für mich tut und wie er mich liebt“ (ebd. Nr.18). „Von der Übung
der Liebestätigkeit als gemeinschaftlich geordneter Aktivität kann die Kirche nie
dispensiert werden“ (ebd. Nr. 29). „Die Kirche ist Gottes Familie in der Welt. In
dieser Familie darf es keine Notleidenden geben“ (ebd. Nr25). Indem so in der
Kirche Liebe gelebt wird, gewinnt die Botschaft von Gottes Liebe Glaubwürdigkeit.
Der von der „Diktatur des Relativismus“ angefochtene moderne Mensch empfängt
einen Zugang zur grundlegenden Wahrheit: „Gott ist die Liebe.“
3. Wie sieht Papst Franziskus die Situation und die Herausforderungen unserer
Zeit? In einer seiner ersten Ansprachen (am 23.März 2013) spricht auch er von der
Diktatur des Relativismus, der „jeden sein eigener Maßstab sein lässt und so das
Zusammenleben unter den Menschen gefährdet“. Er bezeichnet diesen Zustand als
„geistliche Armut“.
Der Verlust des Vertrauens in eine letzte sich schenkende Liebe zerstört die innere
Freude und führt zu einer Leere, die man dann gewaltsam auszufüllen sucht. Es
entsteht eine „individualistische Traurigkeit“. In ihr sieht Papst Franziskus die
eigentliche Gefährdung unsere heutigen Welt: „Die große Gefahr der Welt von
heute mit ihrem vielfältigen und erdrückenden Konsumangebot ist eine individualistische Traurigkeit, die aus einem bequemen, begehrlichen Herzen hervorgeht,...
Wenn das innere Leben sich in den eigenen Interessen verschließt, gibt es keinen
Raum mehr für die anderen, finden die Armen keinen Einlass mehr, hört man
nicht mehr die Stimme Gottes, genießt man nicht mehr die innige Freude über
seine Liebe, regt sich nicht die Begeisterung, das Gute zu tun. Auch die Gläubigen
laufen nachweislich und fortwährend diese Gefahr...“ (Evangelii gaudium, Nr.2).
Auch die in der Seelsorge Tätigen können bei aller Korrektheit in der Lehre einem
„praktischen Relativismus“ verfallen, einem Lebensstil, „der dazu führt. sich an
wirtschaftliche Sicherheiten oder an Räume der Macht und des menschlichen
Ruhms zu klammern, die man sich auf jede beliebige Weise verschafft, anstatt das
Leben für die anderen in der Mission hinzugeben“ (ebd. Nr.80).
Geistliches Leben
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Leben jedes Menschen. Auch wenn das Leben eines Menschen eine Katastrophe
war, wenn es von Lastern zerstört ist, von Drogen oder anderen Dingen: Gott ist
in seinem Leben. Man kann und muss ihn in jedem menschlichen Leben suchen.
Auch wenn das Leben einer Person ein Land voller Dornen und Unkraut ist, so
ist doch immer ein Platz, auf dem der gute Samen wachsen kann. Man muss auf
Gott vertrauen“ (Interview, S.67).
Diejenigen, die sich von Jesus Christus ansprechen lassen, „sind befreit von
der Sünde, von der Traurigkeit, von der inneren Leere und von der Einsamkeit“
(Evangelii gaudium, Nr1). Im Hören der frohen Botschaft, in Gebet und
Kontemplation, in der Feier der Sakramente dürfen wir uns diese Barmherzigkeit
Gottes schenken lassen. Dadurch aber werden wir selbst bewegt, barmherzig zu
sein und zu den Mitmenschen, zumal zu den Armen, aufzubrechen. Papst
Franziskus wird nicht müde, zu solchem Aufbruch aufzurufen (z.B. ebd. Nr.20
– 24; 46 – 49). „Die Kirche muss der Ort uneingeschränkter Barmherzigkeit sein,
wo alle sich aufgenommen und geliebt fühlen können, wo sie Verzeihung erfahren und sich ermutigt fühlen können, gemäß dem guten Leben des Evangeliums
zu leben“ (ebd. Nr.114). „Die erste Reform (der Kirche) muss die der Einstellung
sein. Die Diener der Kirche müssen in der Lage sein, die Herzen der Menschen
zu erwärmen, in der Nacht mit ihnen zu gehen...“ (Interview, S. 48). „Häufig
verhalten wir uns wie Kontrolleure der Gnade und nicht wie ihre Förderer. Doch
die Kirche ist keine Zollstation; sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit
seinem mühevollen Leben“ (Evangelii gaudium, Nr.47) – Muss aber eine solche
Haltung der Öffnung, des Aufbruchs nicht zur Auflösung vorgegebener Strukturen
und schließlich zum Zerfall führen? Wird nicht dadurch gerade der Relativismus
gefördert? Dies würde gelten, wenn man ein weiteres Grundanliegen von Papst
Franziskus übersieht, nämlich die Unterscheidung der Geister.
4. Die erste und wichtigste Antwort, welche die Kirche nach Papst Franziskus
auf die individualistische Traurigkeit und relativistische Gleichgültigkeit zu geben
hat, ist es, sich von der uneingeschränkten Liebe und Barmherzigkeit Gottes bewegen zu lassen. So wird das Herz mit Freude erfüllt. „Unsere unendliche Traurigkeit
kann nur durch eine unendliche Liebe geheilt werden“ (ebd. Nr.265).
Diese unendliche Liebe Gottes wird in Jesus Christus offenbar und sie gilt jedem
Menschen, in welcher Situation oder Schuldverflochtenheit er sich auch vorfindet:
„Ich habe eine dogmatische Sicherheit: Gott ist im Leben jeder Person. Gott ist im
5. Wie finden wir in unserer unübersichtlichen Welt den Weg, welcher der
barmherzigen Liebe Gottes entspricht? Wie antworten wir in der Kirche etwa auf
die Spannung, die zwischen vorgegebenen allgemeinen Normen und der konkreten Notsituation eines Menschen bestehen kann?
Für Papst Franziskus ist die Unterscheidung der Geister von grundlegender
Bedeutung. Dabei ist er als Jesuit natürlich von der ignatianischen Spiritualität
inspiriert. Es gilt, „mit einem großen und für Gott und für die anderen offenen
Herzen“ (Interview. S.32) die spannungsreiche Realität mit ihren Bewegungen
wahrzunehmen, ohne sich von vornherein auf eine Alternative festzulegen. Das
Suchen des Weges geschieht im Blick auf Jesus. „Die Unterscheidung erfolgt
immer in der Gegenwart des Herrn, indem wir auf die Zeichen achten, die Dinge,
die geschehen, hören, und mit den Menschen, besonders mit den Armen, fühlen“ (ebd. S.33). Unterscheidung ist kein individualistischer Vorgang, sondern
geschieht in innerer Verbundenheit mit dem Volk Gottes, in der Haltung des g
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Geistliches Leben
Cartell
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Hörens, des Dialogs. „Alleingänge“ sind zu vermeiden (Evangelii gaudium, Nr.33).
Die Vorgaben der Kirche sind wertzuschätzen, - wissend, dass auch die Kirche
selbst auf dem Weg ist und auch der Erneuerung bedarf. Auch Normen bedürfen gegebenenfalls der Revision. Tief verwurzelte kirchliche Bräuche „mögen
schön sein, leisten jedoch jetzt nicht mehr denselben Dienst im Hinblick auf
die Weitergabe des Evangeliums. Haben wir keine Angst, sie zu revidieren!“
(ebd. Nr.43; vgl. Interview, S. 51). Unterscheidung geschieht also in einem Geist
nicht der Willkür, sondern der Freiheit, die aus dem Vertrauen in Gottes barmherzige Liebe entspringt. In diesem Vertrauen gilt es, Lösungen abzuwägen und
den Schritt zu wählen, der jetzt der Liebe Gottes entspricht. „Ein kleiner Schritt
inmitten großer menschlicher Begrenzungen kann Gott wohlgefälliger sein als das
äußerlich korrekte Leben dessen, der seine Tage verbringt, ohne auf menschliche
Schwierigkeiten zu stoßen“ (Evangelii gaudium, Nr.44).
Unterscheidung ist also auch ein Vorgang auf dem Weg. „Unterscheidung braucht
Zeit. Viele meinen zum Beispiel, dass Veränderungen und Reformen kurzfristig
erfolgen können. Ich glaube, dass man immer genügend Zeit braucht, um die
Grundlage für eine echte, wirksame Veränderung zu legen. Und dies ist die Zeit
der Unterscheidung“ (Interview, S.33).
***
Wie unterscheiden sich die Antworten von Papst Benedikt XVI und Papst
Franziskus voneinander?
Sicher gibt es in Stil und Akzentsetzung Unterschiede. Mit „Besonnenheit und
Wagemut“ seien pastorale Konsequenzen in Betracht zu ziehen, schreibt Papst
Franziskus (Evangelii gaudium, Nr. 47). Bei Benedikt XVI ist sicherlich die
Besonnenheit ausgeprägt, wobei ihm der Mut zu herausfordernden Aussagen
keineswegs fehlt. Bei Papst Franziskus tritt der Wagemut stärker hervor, der Mut,
auch innerkirchlich strittige Fragen deutlicher anzugehen. In den Grundpositionen
aber besteht eine tiefe erfreuliche Übereinstimmung. Die entscheidende Antwort
auf die Herausforderungen unserer Zeit ist barmherzige Liebe: von Gott vorbehaltlos geschenkt – in Jesus offenbart und vorgelebt – von uns selbst in der
Gemeinschaft des Volkes Gottes dankbar zu empfangen und in liebender
Zuwendung zu den Mitmenschen, zumal zu den Notleidenden, zu leben.
P. Erhardt Kunz SJ
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Cartellversammlung
Cartell
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In der Kirche St. Elisabeth
„… ehe alles zu spät ist“
Cartellversammlung des Cartells Rupert Mayer
vom 19.-21. Juni 2014 in Nürnberg
Die Gilde Gesellschaft St. Sebald hat eingeladen.
Donnerstag, 19.06.
Beim Eröffnungsgottesdienst ist die Elisabethkirche, ein stattlicher Kuppelbau
des Deutschen Ordens, von unseren Freunden bis auf den letzten Platz gefüllt.
Zelebrant Weihbischof em. Werner Radspieler stellt Tradition und Glauben in den
Mittelpunkt seiner Ansprache. Familie, Freunde, Landschaft und vertraute Riten
sind der geeignete Humus, auf dem der Baum des Glaubens sich entfalten und
wachsen kann. Trotzend auch widrigen Winden steht er alsbald als stattliches und
ansehnliches Gewächs in seiner Umwelt, bietet Schutz und Anhalt allen, denen er
als Vorbild dienen möge.
Nach dem Gottesdienst begeben wir uns ins Sheraton Carlton Hotel, wo in dem
festlich gedeckten Saal zunächst Dr. Hans Seibold (Gesellschaft St. Sebald) alle
Freunde und Gäste begrüßt. Kapitelvorsitzender Dr. Jürgen Fiedler bedankt sich
bei den Freunden der Nürnberger Gilde für die präzise Organisation des Treffens g
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Cartellversammlung
Cartell
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und überreicht den Freunden Lederer
und Dr. Lugert und ihren Ehefrauen ein
kleines Geschenk.
Sodann stimmt uns die TheaterGruppe des Maria-Ward-Gymnasiums
unter der Leitung von Freund Dr. Hess
mit einigen sehr witzigen und geistreichen Sketchen von Nestroy, Rompa
u.a. auf einen recht lockeren, fröhlichen
Abend ein, bei dem die kulinarischen
Genüsse, welche die Hotelküche am
Buffet aufgebaut hat, nicht fehlen. Da
schwillt der Lautstärkepegel schnell an,
bei Gesprächen und Gelächter werden
viele Erinnerungen ausgetauscht.
Freitag, 20.06.2014
Gemeinsamer Beginn ist das
Morgenlob in St. Klara, in dem P. Peter
Zelebrant P. Peter Linster SJ
Linster die Teilnehmer auf den Tag einstimmt.
Während die Delegierten ihr vorgegebenes Programm abarbeiten, fällt es den anderen Teilnehmern wegen des vielfältigen, reizvollen und optisch hervorragend präsentierten Programms schwer, sich notgedrungen für ein bis zwei Besuchspunkte
am Vormittag und Nachmittag zu entscheiden. Vom Hochseilgarten im nahen
Betzenstein bis zu allgemeinen Stadtführung, vom Germanischen Museum bis
zum Verkehrsmuseum, von Liebe und Laster im mittelalterlichen Nürnberg bis
zum nazistischen Größenwahn, aufgezeigt im Doku-Zentrum des ehemaligen
Reichsparteitagsgeländes, vom Tucher-Patrizierschloss bis zum Gerichtssaal
der Nürnberger Prozesse u.v.a. – für alle Cartell-Freunde wurde die passende
Attraktion angeboten.
Abends treffen sich dann müde und hungrig unsere Freunde mit ihren Damen
im „Bratwurst-Röslein“, dem zentral gelegenen Lokal mit seinem historischen
Ambiente, um hier noch einmal die Ereignisse des Tages durchzusprechen.
Das Abendprogramm erfreute mit einem romantischen Ausklang in der Frauenkirche
mit seinen sehr besinnlich vorgetragenen Texten von Freundin Lugert und Freund
Dr. Hess. Das Orgelspiel von Prof. Bernhard Meier unterstrich mit seinen einfühlsamen und fulminanten Improvisationen die Stimmung in besonderer Weise.
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CRM Mitteilungen 3•2014
Cartellversammlung
Cartell
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Samstag, 21.06.2014
Dieser Tag ist geprägt von Festakt, Festgottesdienst und Festabend. Der Morgen
beginnt mit einem ökumenischen Impuls in St. Sebald durch Pfarrer Gerhard
Schorr.
Zur Cartellversammlung im Historischen Rathaussaal kann Freund Lederer
mehrere hohe Persönlichkeiten begrüßen, vor allen die Ministerpräsidenten a.D.
Günther Beckstein (Bayern) und Erwin Teufel (Baden-Württemberg). Bürgermeister
Christian Vogel weist in seinem Grußwort auf die historische Bedeutung des
Saales hin, in dem 1525 in den Nürnberger Religionsgesprächen ein Ausgleich
zwischen Katholiken und Protestanten gesucht wurde sowie 1649, als hier mit
dem Friedensmahl der unselige Religionskrieg beendet wurde. Pater Rupert Mayer
sei auch heute noch ein Vorbild, die jeweiligen Aufgaben mit Mut anzugehen und
die eigenen Fähigkeiten in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen.
Kapitel-Vorsitzender Dr. Fiedler weist in seinem Dankeswort auch auf das Wort
von Papst Franziskus hin, dass heute immer mehr Menschen in sich verschließen,
was zu einer individualistischen Traurigkeit führe und kein menschenwürdiges
Dasein mehr bedeute.
MP a.D. Teufel fordert in seiner engagierten und temperamentvollen Festansprache, dass wir – gestützt auf Jesu Worte (Lk 12,54) – hinter den Wolken die
Zeichen der Zeit erkennen mögen und handeln, ehe alles zu spät ist. Er zieht
diese Parallele vor allem auf die heute Organisation der Amtskirche, deren aktu-
Staatssekretär Albert Füracker mit dem
Cartellvorsitz. Dr. Fiedler und den Nürnberger
Gildevorsitzenden Herrn Lederer und Herrn
Seibold
CRM Mitteilungen 3•2014
Ministerpräsidenten a.D. Dr. Beckstein
und Dr. Teufel
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Cartellversammlung
Spendenaufruf von Frau Lederer
Cartell
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Cartellversammlung
in der Frauenkirche: Bischof Dr. Schick
elle Probleme in Deutschland nur mit einer mutigen Veränderung zu lindern
seien. Der Priestermangel sei nicht durch immer größer „Seel-sorge-einheiten“ zu
beheben, sondern durch Einsatz von „viri probati“. Ein Pflichtzölibat könne
ohnehin nicht auf das Evangelium gestützt werden, wobei die Amtskirche die
verheirateten Priester anderer christlicher Kirchen (Orthodoxe, Anglikaner u.a.)
brüderlich anerkenne. Ebenso müsse den Frauen, ohne deren Mitarbeit kein
geordneter Ablauf in der Kirche mehr denkbar sei, eine angemessene Stellung
auch im Pastoral-Bereich eingeräumt werden.
Zur stärkeren Verankerung in der Gesellschaft müsse die Kirche wieder glaubwürdiger werden. Dies könne vor allem durch das von der Kirche selbst in der
Enzyklika Quadragesimo anno 1931 postulierte Subsidiaritätsprinzip bewirkt
werden, die aktuellen Entscheidungen müsste vermehrt – soweit wie möglich
– vor Ort, und nicht in einer fernen Zentrale gelöst werden.
Lang anhaltender und starker Applaus zeigt, dass diese Gedanken bei engagierten
Katholiken eine breite Akzeptanz finden.
Cartell
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Jugend im Cartell
stärken. Staatssekretär Albert Füracker bedankt sich in seinem Grußwort beim
Cartell für dessen jahrzehntelangen Einsatz, Menschen auf der Schattenseite des
Lebens gleichfalls eine Heimat zu geben.
In der Mittagspause können sich die Teilnehmer in Bayer. Heimatmuseum auf
Einladung von Minister Dr. Markus Söder, mit einem reichhaltigen Mittagessen
Im folgenden Festgottesdienst in der Frauenkirche fordert Erzbischof Prof.
Dr. Ludwig Schick (Bamberg) von allen Katholiken ein furchtloses Bekenntnis
für eine gute Zukunft, die gestützt auf das Evangelium nur mit den christlichen
Werten von Glaube, Liebe und Hoffnung, von Freiheit und Gerechtigkeit die
Menschenwürde bewahren könne .
Wir gehen dann zum Sheraton Hotel, wo im festlich geschmückten Saal ein
Galadiner auf uns wartet.
Die leiblichen Genüsse werden noch getoppt durch ein ökumenisches Ka-Barett,
das in lupenreinem Fränkisch liebevoll-satirisch das „Menscheln“ in der Kirche
aufs Korn nimmt (Geltungssucht, Besserwisserei, Kostenkürzung u.a.)
CV. Dr. Fiedler dankt allen Helfern der Gilde St. Sebald, die hier mit viel Kreativität
und einer hervorragenden Organisation ein fröhliches freundschaftliches Treffen
organisiert haben, er dankt zwölf Personen, vom Vorsitzenden Lederer bis hin zur
Barbara für ganz persönliches Engagement und übergibt jedem von ihnen ein Blume. g
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CRM Mitteilungen 3•2014
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Cartellversammlung
Cartell
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Cartellversammlung
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Auszüge aus dem Festvortrag
„… ehe alles zu spät ist – unsere Kirche muss die Zeichen der Zeit erkennen“
Unser Cartellvorsitzender Dr. Fiedler
der Fußball zog alle in seinen Bann
Danksagung an die Nürnberger
Gildevorsitzenden und ihre Helfer
Unsere jüngsten Teilnehmer
Freund Lederer übergibt ihm zum Andenken eine Festschrift an Weihbischof
Radspieler.
Dr. Bassier lädt abschließend zur nächsten CV im Oktober 2014 nach Berlin ein.
Mit vielen Gesprächen, Verabredungen und einem Blick auf den Fernsehschirm
(Fußball!) endet unser CV-Treffen in Nürnberg.
Dr. Peter Müller-Fassbender
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Als meine Frau und ich vor zwei Jahren wieder einmal den Marienwallfahrtsort
Lourdes besuchten, haben wir nicht nur an der beeindruckenden Lichterprozession
am Abend teilgenommen, mit tausend behinderten Menschen in Rollstühlen. Wir
haben auch am nächsten Morgen den deutschen Pilgergottesdienst an der Grotte
der Erscheinungen besucht. Nach der Messfeier hat mich der deutsche Pfarrer
angesprochen, der die Messe zelebrierte. Er sagte zu mir: „Ich bete jeden Tag für
Sie“. Als ich mit der Antwort zögerte, weil ich ihn gar nicht kannte, fuhr er fort:
„Es ist wirklich wahr. Ich bete täglich für Sie, weil Sie Dinge sagen können, die
ich nicht sagen kann“.
Das hat mir Mut gemacht, weiterhin in Vorträgen und Beiträgen offen meine
Meinung zur Situation der Katholischen Kirche und zu notwendigen Reformen zu
sagen. Ich teile nicht die Einschätzung, die Kirche befinde sich aktuell in einem
Verteidigungskampf gegen eine aufgeheizte, antikirchliche Öffentlichkeit. Ich habe
eher den Eindruck, dass die Brandung sich nicht mehr die Mühe macht, gegen die
Dämme anzulaufen. Die Gleichgültigkeit ist das größere Problem.(…)
Meine Kritik ist nicht die Kritik eines Außenstehenden, welcher der Kirche nicht
wohlwollend gegenübersteht. Es geht mir nicht um Abbau, sondern um Aufbau.
Jetzt ist die Zeit der Reformen, die den Abbau verhindern und den Aufbau voranbringen – es ist allerdings höchste Zeit! Ich stehe mitten in meiner Kirche und liebe
sie. Ich habe mich ein Leben lang und bis zum heutigen Tag in dieser Kirche engagiert. Zuerst in der Katholischen Jugend als Dekanatsjugendführer und in einigen
Verbänden. Dann in dem ersten nach dem Konzil gebildeten Pfarrgemeinderat
meiner Gemeinde, im ersten nach dem Konzil gebildeten Diözesanrat meiner
Diözese Rottenburg-Stuttgart und 25 Jahre als Mitglied des Zentralkomitees der
deutschen Katholiken.
Gerade deshalb bin ich so betroffen, dass in unserer Kirche überfällige Reformen
jahrzehntelang nicht auf den Weg gebracht wurden. Die Themen sind alle von
Theologen längst aufgearbeitet und biblisch fundiert. Konkrete Reformen werden
von aktiven Christen ungeduldig erwartet. Nicht irgendwann, sondern jetzt.
Aber viele drängende Fragen werden nicht entschieden. Teilweise wird immer noch
versucht, eine Diskussion zu unterdrücken. Aber heute gelingt das nicht mehr.
Die Kirche muss die Zeichen der Zeit erkennen. (…) Den Kairos, die erfüllte Zeit,
den richtigen Zeitpunkt gilt es zu erkennen. Wenn er versäumt wir, dümpeln die
Dinge dahin. Jede Zeit ist Entscheidungszeit. (…)
Das gilt auch und besonders für unsere Kirche. Auch unsere Kirche braucht
deshalb Öffentlichkeit. Von unten bis oben, von der Basis in den Gemeinden bis g
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Cartellversammlung
Cartell
RUPERT
MAYER
zu den verschiedenen Ebenen der Leitungsämter gilt: Wir brauchen Transparenz
für kirchliche Entscheidungsprozesse. Wir brauchen Meinungsfreiheit. Sie ist ein
Menschenrecht. Wir brauchen auch die aktive Beteiligung des ganzen Gottesvolkes,
das die Kirche bildet. So hat es auch das Zweite Vatikanische Konzil definiert. Und
zur Beteiligung gehört, dass man aufeinander hört, sich über Erfahrungen austauscht und auch kritisches Engagement zulässt.
Verzagtheit und Sprengkraft, das beschreibt ein starkes Gegensatzpaar.
Verzagtheit und mangelnder Mut sehe ich nicht nur bei Bischöfen gegenüber
der römischen Kurie oder in einer zu stark ausgeprägten Autoritätshaltung
mancher Gläubiger. Verzagtheit wird zur wirklichen Gefahr, wenn man der eigenen Botschaft zu wenig zutraut, wenn man sie zu
allererst und vor allem defensiv absichern möchte,
statt ihrer verändernden und lebensgestaltenden
Kraft zu vertrauen. (…)
Große Erwartungen richten sich jetzt auf unseren
neuen Papst Franziskus. Es ist erfreulich, dass ein
Papst aus Lateinamerika gewählt wurde und dass er
vorrangig die Armen sieht und selbst einen bescheidenen Lebensstil vorlebt. (…)
Der neue Papst schreibt, dass die Kirche zu lange viel
zu sehr Moral gepredigt hat und nicht das Kerygma,
die Frohbotschaft, ins Zentrum gestellt hat.
Es ist also auch eine Konzentration auf das
Eigentliche, den Kern des Glaubens. Man macht
sich unglaubwürdig, wenn man ständig von der
Grundbotschaft spricht, aber nicht so, dass es an die
Festredner Ministerpräsident a.D.
Lebenserfahrung der Menschen anknüpft und darin
Dr. Erwin Teufel
ankert. Man muss ein Leben lang einladen, auch in
der Verkündigung. (…)
„Die Welt gehört denjenigen, die die größere Hoffnung anbieten“, schreibt Teilhard
de Chardin, der in seinem Werk versuchte, Glauben und Wissenschaft zu versöhnen – im Übrigen auch er zu seiner Zeit von kirchlichen Behörden mit einem
Publikationsverbot belegt. Wer an Gott glaubt, hat eine Perspektive für sein Leben
und eine Hoffnung über dieses Leben hinaus und einen Sinn. Unsere Zuversicht
und Hoffnung liegt in der Bitte: „Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf in unserer
Zeit. Brich in Deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann, erbarm Dich, Herr.“
Herbstkapitel
Einladung zum Herbstkapitel in Berlin
Programm Herbstkapitel 17./18. Oktober in Berlin
Freitag, 17. Oktober 2014
Samstag 18. Oktober 2014
ab 18 Uhr
Ausgabe der Tagungsunterlagen
in der katholischen Akademie in
Berlin, Hannoversche Str. 5,
10115 Berlin
14 - 16 Uhr Kapitelsitzung für Delegierte und
Regionssprecher in der
Konrad-Adenauer-Stiftung
19 Uhr
Begrüßungsabend in der
Katholischen Akademie in Berlin
Samstag 18. Oktober 2014
ab 9 Uhr
Ausgabe der Tagungsunterlagen
in der Konrad-Adenauer-Stiftung,
Tiergartenstr. 35, 10785 Berlin
10 - 12 Uhr
Podiumsdiskussion
in Kooperation mit der
Konrad-Adenauer-Stiftung
zum Thema „Wo ist Gottes Raum?
Antworten der Kirche auf den
gesellschaftlichen und demografischen Wandel”
MP a.D. Erwin Teufel
Podium:
• Weihbischof
Dr. Matthias Heinrich, Berlin
• Prof. Dr. Hans Joachim Meyer,
Präsident des ZdK
von 1997 bis 2009
• Arnd Brechmann,
Altfried-Gilde Essen
• Dr. Karlies Abmeier,
Konrad-Adenauer-Stiftung
• Moderation: Volker Resing,
Chefredakteur
der Herder Korrespondenz
An dieser Stelle sei auf das Buch: „Ehe alles zu spät ist – Kirchliche Verzagtheit und christliche Sprengkraft“ von
Erwin Teufel, Freiburg im Breisgau 2013, ISB 978-3-451-30907-6, verwiesen (Hinweis der Redaktion)
Ort: Konrad-Adenauer-Stiftung,
Tiergartenstr. 35 10785 Berlin
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Cartell
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14 - 16 Uhr
Führungen
(Treffpunkt jeweils vor Ort)
• Denkmal für die ermordeten
Juden Europas nahe dem
Brandenburger Tor,
Cora-Berliner-Str. 1
• Gedenkstätte Berliner Mauer
und Kapelle der Versöhnung,
Bernauer Str. 119
• Deutsches historisches Museum,
Unter den Linden 2
18 Uhr
Abendmesse in der
Hedwigskathedrale
Zelebrant: Prälat Dr. Karl Jüsten,
Leiter des Kommissariats der
deutschen Bischöfe, Berlin
19.30 Uhr
Festlicher Abend
im Hotel
The Westin Grand,
Friedrichstr. 158–164,
10117 Berlin
Sonntag 19. Oktober 2014
Individuelle Abreise
Anmeldeformular
und weitere Auskünfte
auf der Webseite
des Cartells
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Aus den Regionen
Cartell
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MAYER
… Reise der Nord-Gilden vom 9. bis 17.5.2014
nach Konstantinopel, Neu-Rom, Istanbul
Christen in der Türkei oder Angst vor 0,1 Prozent?
Einführung von Wilhelm Tacke, Ansgar-Gilde Bremen:
Im Mai traten 14 Damen und Herren aus den nördlichen Gilden eine Reise nach
Istanbul an, die sich von üblichen Istanbul-Reisen dadurch unterschied, dass sie
einem Seminar durch die Kirchengeschichte von Ost- und West-Kirche glich. Die
Situation des kleinen Häufleins der noch übrig geblieben Christen erläuterte der
Freund Tacke als Reiseleiter auf dem Dach des Hotels am Goldenen Horn vor der
fantastischen Kulisse der Stadt, die viele Namen hat:
In den letzten Jahren wurden gleich drei katholische Geistliche in der Türkei
Opfer von tätlichen Angriffen und 2007 wird der armenische Journalist Hrant
Dink mitten in Istanbul erschossen. Der Täter ruft: „Ich habe den Ungläubigen
erschossen“. Und 2010 wird der Vorsitzende der kath. Bischofskonferenz, Msgr.
Luigi Padovese, in Iskenderun von seinem Fahrer unter Allahu-akbar-Rufen
bestialisch abgestochen.
„In der Türkei haben die religiösen Minderheiten mehr Rechte als in Europa. Was
können sie hier nicht ausleben in ihrem Glauben? Reißen wir etwa ihre Kirchen
ab?“, fragt der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bei seinem
Deutschland besuch provokativ die Presse. Hat er keine Ahnung oder lügt er
dreist?
Beginnen wir mit den Tatsachen: 150.700 Christen leben in der Türkei. Noch!
Das ist weniger als ein Prozent der Gesamtbevölkerung. Muss man vor 0,1 Prozent
Angst haben? Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts leben noch rund 2 Millionen
Christen in der Türkei. Und anders, als Erdogan keck behauptet, ist die Lage der
christlichen Minderheit heute überhaupt nicht rosig.
Es stimmt zwar, dass die Christen auf Grund der kemalistischen, laizistischen
Verfassung der Türkei faktisch Religionsfreiheit besitzen. Doch die steht häufig
eher auf dem sprichwörtlichen Blatt Papier, als dass sie mit der Realität vieles
gemein hätte: Christliche Kirchen haben keinen Rechtsstatus. Sie sind in Stiftungen
organisiert, denen oft gar ein Moslem vorsteht. „Der Grundwasserspiegel antichristlicher Stimmung ist gestiegen“, behauptet der deutsche Jesuit Felix Körner.
Er ist als Professor in Ankara im christlich-islamischen Dialog engagiert. Dass die
Türkei Aufnahme in die EU sucht, rufe nationalistische Gegenreaktionen hervor,
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CRM Mitteilungen 3•2014
Aus den Regionen
Cartell
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sagt Körner. „Selbst in gebildeten Kreisen heißt es, die Einheit der Türkei und die
nationale Souveränität seien in Gefahr.“
Um das alles und auch
die Angst vor 0,1% zu verstehen, muss man ein wenig
in der Geschichte zurückblättern: Mit der Eroberung
Konstantinopels 1454 ist
die osmanische Besetzung
der Türkei abgeschlossen.
Das heißt aber nicht, dass am
nächsten Tag alle Menschen
Moslems
sind.
Viele
bleiben Christen; zunächst.
Deshalb
geraten
die Kirchen sind wie Festungen gesichert:
Herrscher des Osmanischen Hier das Ökumenische Patriarchat
Reiches in den Geruch der
Toleranz gegenüber anderen Religionen, vor allem gegenüber denen der „Familie
des Buches“, den Juden und Christen. Die sind laut Koran nicht Ungläubige, sondern Schutzbefohlene. In der Tat nehmen die osmanischen Kalifen etwa nach der
Reconquista spanische Juden auf. Aber gleichberechtigt sind Christen wie Juden
nie - hohe Staatsämter werden ihnen zumeist vorenthalten.
Die Fama von der Toleranz stammt aus Zeiten der Orientbegeisterung, des
Goetheschen „west-östlichen Diwans“. Richtig ist, die Christen werden nicht zum
Übertritt zum Islam gezwungen. Doch das hat weniger mit der Hochherzigkeit
der Sultane als mit der Steuergesetzgebung zu tun. Die führt im Laufe der
Jahrhunderte zu einem ständigen Aderlass an Christen. Denn Christen tragen die
Haupt-Steuerlast.
Die verschiedenen Konfessionen sind in so genannten „Millets“ organisiert,
das die Christen unter den Osmanen zu selbstverwalteten Völkern macht mit
ihrem Patriarchen als obersten Repräsentanten und Richtern. Dieses System beruht
nicht auf Gnade, die der Sultan den „Schutzbefohlenen“ Armeniern und Griechen
gewährt. So lassen sich vielmehr weitere Abgaben aus den Christen herauspressen,
wenn man Bedarf hat. Und den hat der Sultan immer: Viele der bewundernswerten Moscheen in Istanbul sind nicht nur von ehemaligen Christen wie dem
großen Baumeister Sinan, einem armenisch-getauften Janitscharen, entworfen
und gebaut, nein, sie werden auch mit von Christen erpresstem Geld finanziert.
Kein Wunder, dass viele Christen im Laufe der Jahrhunderte resignieren. Ihre Lage
ändert sich schlagartig, wenn sie zum Islam konvertieren.
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Aus den Regionen
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MAYER
Die Erinnerung an den Völkermord an den Armeniern wird bis vor kurzen als
„Beleidigung des Türkentums“ gerichtlich verfolgt. Außerdem löschte man die
Erinnerung an die Armenier dadurch aus, dass man deren Kirchen in den ehemaligen Siedlungsgebieten bewusst beseitigte.
Der Genozid an den Armeniern war ein Dschihad. Er wurde ausschließlich von
Moslems ausgeführt. Nur sie teilten sich die Beute. Er ist trotz der inzwischen
erfolgten Beseitigung des Paragrafens, der „Beleidigung des Türkentums“,
d a s Tabu in der Türkei. Bei einer intensiven Beschäftigung mit dem Thema
käme nämlich heraus, dass die erste Garde der Republikgründer um Atatürk in
dieses Verbrechen involviert ist. Und das darf nicht sein.
Geistliche Akademie auf Chalki
Hinzu kommt der ständige Aderlass durch die „Knabenlese“. Der Sultan füllt die
Reihen der Janitscharen mit in den Balkan-Dörfern requirierten Christenjungen
auf. Sie werden oft durch Gehirnwäsche zu wütenden Christenhassern.
Anfang des 19. Jahrhunderts bringt der Druck, der europäischen Mächte auf den
„kranken Mann am Bosporus“ für die Christen Erleichterungen. Ja, 1856, in der
Periode des Tanzimat, der Reformen, werden Christen und Juden gar gleichberechtigt, nominell. Dieses Zugeständnis ist von den europäischen Mächten erzwungen,
die sich zu Schutzmächten der christlichen Kirchen aufschwingen: Der Zar hält
seine Hand über die Orthodoxen, die Briten über die Protestanten und Franzosen
wie Österreicher antichambrieren bei der „Hohen Pforte“ für die Katholiken.
Die Großmächte erzwingen die Errichtung von Konsulaten. Anfang des 20.
Jahrhunderts ist der Einfluss der europäischen Konsuln teilweise gigantisch. Das
erklärt u. U. in wenig die „Angst vor 0,1 Prozent“, denn hier liegt begründet,
warum türkische Nationalisten so allergisch auf von außen unterstützte christliche
Gemeinden reagieren.
Einen weit größeren Aderlass an Christen bewirkt der aufkommende
Nationalismus des 19. Jahrhunderts. Als Griechen, Bulgaren, Serben und
Armenier das türkische Joch abschütteln wollen, bringen sie den „kranken Mann
am Bosporus“ in die Defensive. Der schlägt mit Pogromen und dem Genozid
an Armeniern und syrischen Christen von 1915/16 zurück. Rund 1,5 Millionen
Armenier werden systematisch umgebracht. - Das türkische Innenministerium
geht 1919 immerhin von 800.000 Ermordeten aus. Diese erste „Endlösung“ des
20. Jahrhunderts dient Adolf Hitler als Vorbild; vor allem wegen der mangelnden
Resonanz in Europa –
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Die Vertreibung der Griechen
1923 aus Kleinasien ist eine
Folge ihrer Hybris. Sie glaubten,
sich damals die kleinasiatische
Küste einverleiben zu können.
Anlass war der unselige Vertrag
von Sévres. Er wurde niemals
ratifiziert, versprach den Griechen
aber Ost-Thrakien und Smyrna/
Izmir und den Armeniern einen
Staat in Kilikien unter USMandat. Die Jungtürken lehnen
sich militärisch gegen dieses
Diktat auf und gewinnen. Die
Türkei wird somit „zu ersten Kathedrale des armenischen Patriarchen
Besiegten des ersten Weltkriegs,
der bewiesen hat, dass man Diktate nicht annehmen muss“, so Essad Bey. Die
Folge ist der „Bevölkerungsaustausch“. 1,3 Mio. griechische Christen werden aus
Kleinasien vertrieben und 400.000 Türken müssen Kreta und Nordgriechenland
verlassen.
Kein Wunder, dass es seitdem mit den Christen in der Türkei rapide bergab geht.
Nur in Istanbul und auf den Inseln Imbross und Tenedos behält Kemal Atatürk
Griechen als Faustpfand für die Türken, die im griechischen Thrakien bleiben
dürfen. Die Griechen auf Imbross und Tenedos vertreibt man dann im 20. Jhd.,
indem man dort Häftlinge freilässt, die die Griechen erfolgreich vergraulen.
Nach der Zypernkrise 1974, den griechisch-türkischen Spannungen danach
und der Gastarbeiterwelle des 20. Jahrhunderts sind noch ganze 2.000 - 3.000
Griechen und, wenn es hoch kommt, insgesamt 87.000 einheimische Christen aller
Konfessionen in der Türkei übrig geblieben.
g
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Die haben heute nicht nur mit den Nationalisten, sondern seit den 70er Jahren des
20. Jahrhunderts noch mit den Islamisten zu tun: Beide halten jeden, der kein sunnitischer, Türkisch sprechender Muslim ist, für einen Fremden. Dementsprechend
werden auch die einheimischen Christen als Ausländer behandelt, selbst wenn sie
einen türkischen Pass besitzen.
Im Südosten der Türkei wird die Minderheit der syrisch-orthodoxen Christen
bedrängt, wenn sie nicht längst mit der Gastarbeiterwelle in Mitteleuropa gelandet
sind. In ihrer Heimat kühlten erst die Türken und dann die Kurden ihr Mütchen
an dieser christlichen Minderheit und später geriet sie zwischen die Stühle des
türkischen Militärs wie der PKK. Man kann mithin ohne Skrupel von Verfolgung
sprechen. Der Hauptvorwurf besteht darin: Man würde Mission betreiben.
Hinzu kommt: Islamisten geilen sich an Verschwörungstheorien auf: Der
Papst, der griechisch-orthodoxe Patriarch, der sich laut Gerichtsbeschluss nicht
„Ökumenischer Patriarch“ nennen darf, und der amerikanische Präsident stehen
mit dem Bösen im Bunde. Priestern wird in der Türkei nachgesagt, sie verführten in ihren Kirchen Frauen oder verleiteten Jugendliche zu sündigem Tun.
Unterfüttert wird das Ganze nicht selten von staatlichen Stellen. Die staatliche
Religionsbehörde ist ausschließlich für Sunniten zuständig. Aleviten oder Christen
hoffen hier vergeblich auf finanzielle Unterstützung. – Und das geschieht alles,
wohl gemerkt, in einem laizistischen Staat!!! Die meisten heute noch lebenden Christen in der Türkei gehören einem der
orthodoxen oder altorientalischen Patriarchate an. Außerdem gibt es rund 27.000
Katholiken. Die zahlenmäßig stärkste Gruppe sind die etwa 60.000 Armenier.
Sie bekommen in jüngster Zeit Zuwachs aus der Republik Armenien wie der
Südost-Türkei. Aus dem Osten kommen Armenier, die sich durch Konversion zum
Islam 1918 vor dem Genozid retteten, in ihrem Herzen aber auch in der dritten
Generation Christen blieben. Im Patriarchat outen sie sich nun, um zu ihrem
angestammten Christentum zurück zu konvertieren. Das geht in der laizistischen
Türkei, wie der armenische Patriarch bei einem Besuch 2004 versicherte.
Die Reise trug übrigens nicht umsonst den Titel Neu-Rom – Konstantinopel
– Istanbul, sondern das war Programm. Die Reste des Mosaikfußbodens des kaiserlichen Palastes und die Binbirdirek-Zisterne verkörperten Neu-Rom. In der IrenenKirche und der Hagia Sophia wurden die Konzilien der frühen Kirche wie unser
Glaubensbekenntnis lebendig und in der St.-Euphemia-Kirche in Kadiköy, dem
antiken Chalcedon, kam die zweite Kirchenspaltung zur Sprache, weil man sich
nicht einig wurde, wie man die Gottheit und Menschheit Jesu definieren sollte.
Anhand der Mosaiken des Pamakristos- wie des Chora-Klosters wurde die einstige
Pracht Konstantinopels vor Augen geführt und man ahnte, was seit 1434 verloren
gegangen ist. Die Teilnahme an griechisch-orthodoxen Gottesdiensten vermittelte
einen Eindruck von der Andersartigkeit in Architektur, Liturgie wie Kirchenkunst
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CRM Mitteilungen 3•2014
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der Orthodoxie. In den armenischen und syrischen Kirchen kam man in Kontakt
zu den „Alt-Orientalischen Kirchen“, die einst als Monophysiten geschmäht wurden. Auch in ihren Kirchen lernten die Nordlichter die Besonderheiten in Liturgie
und Kirchenausstattung kennen, gibt es hier doch z.B. statt einer Ikonostase einen
Vorhang. Und am Beispiel der armenisch-katholischen Bischofskirche bekamen sie
die Folgen der endgültigen Trennung von Ost- und Westkirche anno 1725 mit, als
der Papst die communicatio in sacris mit den Orthodoxen verbat und Rom sich
daran machte durch Proselythenmachen bzw. das Herausbrechen von Bistümern
etc. unierte Patriarchate zu schaffen; Kirchen, die den Papst anerkannten, dafür
aber ihre Traditionen behalten durften. Dass das nicht klappte, sah man an der
armenisch-katholischen Kathedrale. Sie war von einer römisch-katholischen kaum
zu unterscheiden. Insofern waren die Unierte kaum in der Lage, eine Brücke zu
den orthodox gebliebenen Geschwistern zu schlagen. Aus Solidarität mit den
Griechen, besuchte man auch die Geistliche Akademie auf Chalki. Sie ist immer
noch geschlossen. Auf die Frage an den örtlichen Führer: Aus welchem Grund?“
gab er die lakonische Antwort: „Keinem“. Trotzdem hofft man jetzt wieder, die
Öffnung bestehe kurz bevor....
Freund Tacke erläutert der Gilde-Gruppe nach der sonntäglichen Liturgie
die Probleme des Ökumenischen Patriarchats
In der nächsten Ausgabe der CRM-Mitteilungen folgt ein Reisebericht.
Wilhelm Tacke
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Aus den Regionen
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Regionaltreffen im Erdenreich und Himmelsgarten
Aus den Regionen
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Zu einem Treffen der Region Baden Württemberg versammelten sich die
Mitglieder des Club Cornelia Heilbronn und der Staufer Gilde Stuttgart am 12. Juli
in Schwäbisch Gmünd. 36 Teilnehmer und Teilnehmerinnen trafen sich pünktlich
um 10 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz, darunter drei Mitglieder vom Club Delphin
Basel und zwei Mitglieder der Lambertus-Gilde Düsseldorf.
Regionssprecher Bernhard Unger und seine Frau Krista hatten anlässlich der
Landesgartenschau zu dem Treffen eingeladen.
Zu Beginn erwartete die Teilnehmer ein kleines Sekt-Brezelfrühstück, das sie nach
teilweise weiter Reise gerne zur Stärkung annahmen.
Dann ging es gleich hinein in die Gartenschau. Wir teilten uns in zwei Gruppen
auf und erfuhren gleich, dass erst die unterirdische Verlegung der B29 in einen
2,2 km langen Tunnel den Weg für die heutige Gestaltung der Gartenschau möglich machte. Wo früher 50.000 Autos täglich durch Gmünd fuhren, war nun ein
wunderbarer Landschaftspark entstanden. Dieser Park nennt sich „Erdenreich“, im
Unterschied zum höher gelegenen Teil der Gartenschau, dem „Himmelsgarten“.
Beide Teile sind durch ein großes Waldstück, „Himmelsleiter“ genannt, verbunden.
Beim Gang über die Remsbrücke eröffnete
sich der Blick auf den völlig neu gestalteten Bereich des Zusammenflusses von
Rems und Josefsbach. Der Blick fällt sofort
auf einen neu gestalteten Sandstrand am
Ufer der Rems. Dort leuchten eine Menge
Strandkörbe mit den Überschriften der an
der Rems liegenden Städte. Im Sand und
im Wasser spielende Kinder und in den
Strandkörben ruhende Angehörige bieten
ein Bild wie im Urlaub an der See.
Dann näherten sich die Teilnehmer dem
Treffen der Teilnehmer auf dem
Rokoko-Schlösschen, das um 1780 ein
Bahnhofsplatz vor dem Eingang zur
Gmünder Fabrikant seiner Frau als LustLandesgartenschau
schloss gebaut hatte. Das schmucke rosa
Gebäude liegt von farbenprächtigen
Blumenbeeten und barocken Wasserspielen umgeben in der Mitte des Parks.
In der anschließenden großen Blumenhalle durften die Besucher unter dem Thema
“Fremd gehen…“ eine Ausstellung exotischer Blumen bewundern. Schwerpunkt
waren Orchideen der verschiedensten Arten. Eine Farbenpracht ohnegleichen.
Die Remsparkbühne mit bis zu 450 Sitzplätzen ist Mittelpunkt für Events aller Art.
Während unserer Führung konnten wir ein Blaskonzert genießen.
Auf dem Weg zum Mittagessen besichtigte man noch das „Forum Gold und
Silber“. Ein Gebäude, das mit einer freistehenden Aluminiumfassade umgeben
wurde. Diese Fassade leuchtet je nach Sonnenlicht und Tageszeit in gold- und
silberfarbigen Tönen. Eingearbeitet in die Fassade sind 850 offene Fensterrahmen.
Sie leiten das Tageslicht in die Fenster des Gebäudes und ihre Zahl erinnert an
die 850 Jahrfeier der Stadt Schwäbisch Gmünd als älteste Stauferstadt vor zwei
Jahren.
Nach dem Mittagessen fuhr uns ein Shuttle Bus zum oberen Bereich der Gartenschau, dem Himmelsgarten. Dort erwarteten uns die Weleda-Gärten. Die Firma
Weleda hat hier eine großzügige Gartenlandschaft angelegt und mit einer
Blumenpracht versehen. Im dortigen Weleda-Café traf man sich bei Kaffee und
Kuchen.
Im weiteren Gartenschaugelände ragt ein 38 Meter hoher Turm, der „Himmelsstürmer“ in die Höhe. Die Konstruktion wurde extra für die Landesgartenschau
entworfen und in einem Holzverarbeitungsbetrieb aus der Gmünder Region hergestellt. Wenn man die 209 Stufen erklommen hat, wird man durch eine herrliche
Aussicht auf die drei Kaiserberge Rechberg, Stuifen und Hohenstaufen sowie die
wunderbare Umgebung Schwäbisch Gmünds belohnt. Angeregt und finanziert
wurde das Bauwerk von einer Bürgerinitiative.
Auch im Himmelsgarten befindet sich eine große Veranstaltungsbühne, hier mit
bis zu 1000 Sitzplätzen.
Ein Paradies für Kinder ist ein See, auf dem sie mit kleinen Floßen rudern und
spielen können. In dem Wald zwischen Himmelsgarten und Erdenreich befindet
sich ein Hochseilgarten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden für Kinder
und Jugendliche und auch eine Murmelbahn zum Spaß für Jung und Alt.
Zwischendurch wurde noch bekannt, dass sich 1300 Schwäbisch Gmünder
Bürgerinnen und Bürger zum ehrenamtlichen Einsatz für die Landesgartenschau
zur Verfügung stellen. So werden z.B. die Gäste an allen Eingängen zur Gartenschau von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern empfangen.
Es gab noch viel zu erleben, aber der Gottesdienst, der in der zur Gartenschau
gehörenden St. Colomankirche stattfinden sollte, stand bevor. Er bildete den
spirituellen Abschluss des Regionaltreffens. Pfarrer i.R. Eberhard Kraus aus
Stuttgart zelebrierte die hl. Messe in dem traditionsreichen Kirchlein, dessen
Ursprünge bis in das 13. Jahrhundert zurückgehen.
Zum Abschluss traf sich die Cartell-Rupert-Mayer Familie im Hause Unger zu
einem Vesper mit gemütlichem Beisammensein. Viele lernten sich neu kennen
oder es wurden alte Verbindungen gefestigt. Es zeigte sich wieder der gute,
freundschaftliche Geist, der im Cartell herrscht.
Dann machten sich die Teilnehmer nach einem gelungenen, erlebnisreichen Tag
auf die Heimreise.
Bernhard Unger
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Aus den Regionen
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Aus den Gilden
Cartell
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Regionaltagung der Region SW
Auch in diesem Jahr haben sich in der Zeit 28. – 30.04.2014 wiederum etwa
30 Mitglieder der Region SW zu ihrer alljährlichen Regionaltagung in Form
einer Einkehrzeit im Bildungshaus der Missionsbenediktiner auf dem Jakobsberg,
Ockenheim getroffen. Geführt durch diese Zeit hat sie diesmal Pater Prof. Dr.
Erhard Kunz SJ, ehedem Professor für Dogmatik an der Phil.-Theol. Hochschule
Sankt Georgen, Frankfurt. Seine Ausführungen hatte er unter das Thema
„Barmherzigkeit als Mitte christlichen Lebens in den Herausforderungen unserer
Zeit“ gestellt.
Grundlage der Impulse und Gespräche waren Texte von Papst Benedikt XVI
(vornehmlich seine beiden Enzykliken „Deus Caritas est“ >2006< und „Caritas in
veritate“ >2009<) und von Papst Franziskus (vornehmlich sein Interview für die
Jesuitenzeitschriften vom August 2013 >veröffentlicht Freiburg 2013< und sein
Apostolisches Schreiben „Evangelii gaudium“ vom November 2013). Wie sehen
beide Päpste die Situation, durch die die Kirche in unserer Zeit besonders herausgefordert wird, und welche grundlegende Antwort gibt der christliche Glaube auf
diese Herausforderungen? Was bedeutet das für uns? Diese Fragen bestimmten die
Einkehrtage. Vorangegangen wurde in 5 Schritten, die im Folgenden von P. Kunz
SJ kurz zusammengefaßt und jeweils mit einigen Zitaten aus den päpstlichen
Texten versehen sind.
Horst-Dieter Mennigmann
Der Vortrag von Prof. Dr. Erhard Kunz SJ findet sich unter: Geistliches Leben S.7
Das Geschehen in den Gilden
Frankfurt a.M.: Von-Ketteler-Gilde
Natur erleben – Gott begegnen
Gottesdienstplatz im Grünen
Pater Rodrique Naortanger SJ
Einwilligung durch das zuständige Dekanat konnte die Von-Ketteler-Gilde dort
am 12.07.2014 einen Gottesdienst feiern.
Am Anfang der Messe fiel ein kräftiger Sonnenstrahl genau auf das Gesicht
des Zelebranten, Pater Rodrique Naortanger SJ aus dem Tschad, (der zur Zeit an
seiner Doktorarbeit in Sankt Georgen feilt). Bei den hiesigen Wetterverhältnissen
bleibt es immer ein gewisses Risiko, kirchliche Veranstaltungen im Freien durchzuführen. Wir hatten jedoch Glück: Bis auf einen drohenden Gewitterdonner aus
der Ferne am Ende des Gottesdienstes hatte sich das Wetter gehalten, so daß die
heilige Messe in aller Andacht und Würde durchgeführt werden konnte.
Der liebe Gott war allen Teilnehmern ganz nahe durch die wunderschöne
Natur und durch die heilige Eucharistie. Alle Teilnehmer waren dankbar für diese
Geschenke und die Gelegenheit, Gott in dieser Umgebung zu begegnen und ihn
zu loben. Nicht nur das Lied „Das ist der Tag, den Gott gemacht“ wurde vereint
gesungen, sondern auch viele andere Lieder aus dem Gotteslob.
Die Erinnerung an diesen Tag mit dem „Waldgottesdienst“ wird allen
Teilnehmern lange in guter Erinnerung bleiben, auch wegen des stabilen Wetters
und des anschließenden gemütlichen Beisammenseins in einem traditionellen
Landgasthof.
Claus E. Blach
Die VON-KETTELER-GILDE feiert Gottesdienst im Taunus
Die EKHN unterhält in Hessen zahlreiche „Gottesdienstplätze im Grünen“, so
auch einen in der Waldung des Feldbergs nahe Königstein/Ts. Mit gerne gegebener
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Aus den Gilden
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Aachen: Karls-Gilde
Vor der Wahl zum Europaparlament konnte die Karls-Gilde Aachen
Frau Sabine Verheyen, MdEP (CDU), dafür gewinnen, am 10. April 2014 einen Vortrag zum
Thema
„Christliche Werte in der europäischen Politik“
zu halten.
Europa fußt historisch und kulturell auf einem
Menschenbild, das aus der jüdisch-christlichen
Tradition, der griechischen Philosophie, dem
römischen Rechtsdenken und der Aufklärung
stammt. Nach christlicher Auffassung müssen wir
uns vor einer höheren Instanz verantworten und
sind nicht die letzten Entscheider.
Dieses Bewußtsein muss in der Politik, Wirtschaft
und Kirche verankert sein. Es führt zu einer
gewissen Demut und dazu, dass wir bei unserem
Handeln auch die eigene Begrenztheit erkennen
und berücksichtigen. Wir müssen uns bewusst
machen, dass wir nicht alles regeln können und Sabine Verheyen MdEP (CDU)
das das, was wir regeln, immer auch ein Stück
unvollkommen bleibt.
Dennoch fehlt in der Präambel des Vertrags von Lissabon, der 2009 in Kraft getreten ist, trotz vieler Bemühungen einzelner Regierungen und der christ-demokratischen Parteien in der EVP Fraktion ein Gottesbezug und eine Nennung des
christlichen Glaubens. Die Möglichkeiten der Politik sind begrenzt und das wird
uns durch einen Gottesbezug vor Augen geführt, der in der Verfassung heute vor
allem in Frankreich nicht mehr durchsetzbar wäre.
Aus den Gilden
Cartell
RUPERT
MAYER
In der Präambel des jetzigen EU-Vertrags heißt es unter anderem:
„...Schöpfend aus dem kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas,
aus dem sich die unverletzlichen und unveräußerlichen Rechte des Menschen
sowie Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit als universelle
Werte entwickelt haben...“
Die Charta der Grundrechte des Lissabonner Vertrag enthält einen Hinweis
auf die religiösen Werte der Europäischen Union (Artikel 2 des Vertrages über die
Europäische Union in der Fassung des Vertrags von Lissabon):
„In dem Bewusstsein ihres geistig-religiösen und sittlichen Erbes gründet sich die
Union auf die unteilbaren und universellen Werte der Würde des Menschen, der
Freiheit, der Gleichheitund der Solidarität.
Sie beruht auf den Grundsätzen der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit.
Sie stellt die Person in den Mittelpunkt ihres Handelns, indem sie die Unionsbürgerschaft und einen Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts begründet.“
Und im Artikel 17 des Vertrags über die Arbeistweise der europäischen Union
heißt es:
(1) Die Union achtet den Status, den Kirchen und religiöse Vereinigungen oder
Gemeinschaften in den Mitgliedstaaten nach deren Rechtsvorschriften genießen,
und beeinträchtigt ihn nicht.
(2) Die Union achtet in gleicher Weise den Status, den weltanschauliche
Gemeinschaften nach den einzelstaatlichen Rechtsvorschriften genießen.
(3) Die Union pflegt mit diesen Kirchen und Gemeinschaften in Anerkennung
ihrer Identität und ihres besonderen Beitrags einen offenen, transparenten und
regelmäßigen Dialog.
Seit 150 Jahren hat der politische Liberalismus in fast allen EU-Ländern die
komplette Trennung von Staat und Kirche durchgesetzt. In der EU haben nur 5
Länder den Gottesbezug in der Verfassung und selbst in den Länderverfassungen
der Bundesländer der Bundesrepublik sind es nur 8 der 16.
Unter dem Eindruck des totalitären NS-Staates und der Folgen des 2. Weltkrieges
wurde 1949 der Gottesbezug in die Verfassung geschrieben. Es ist fraglich, ob
auf Grund der geschichtlichen Entwicklung in den letzten 50 Jahren in Europa in
einer neuen Verfassung der Gottesbezug noch Platz finden würde.
Dies bedeutet, dass die Kirchen einen Rechtsanspruch darauf haben, von der
Politik gehört zu werden, ohne dass ihnen eine Mitentscheidung zukommt. Sie
sind wie andere Interessenvertreter zu hören, haben diesen Anspruch allerdings
explizit und unterscheiden sich damit von anderen Interessengruppen.
Trotzdem, darauf wies Frau Verheyen hin, fällt es der EU manchmal schwer, die
Kirche und mit ihr auch die kirchlichen Feiertage als Teil unserer europäischen
Idendität zu akzeptieren.
Sie belegt ihre Aussage mit folgendem Ereignis: Vor drei Jahren wurde ein europäischer Schülerkalender veröffentlicht, in dem kein christlicher Feiertag zu finden war, wohl aber die wichtigsten jüdischen, muslimischen und hinduistischen
und anderer Religions- und Glaubensgemeinschaften. Der Kalender wurde mit
einer Auflage von 3 Millionen Exemplaren in den Mitgliedsstaaten für 5 Millionen
Euro produziert und in der EU verteilt, auch in Deutschland. Die Reaktion der EUKommission war eher hilflos.
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Ein weiteres und sicher brisanteres Thema in der EU ist das Recht auf Leben.
Dürfen wir in eine Ordnung eingreifen, die wir nicht selbst geschaffen haben?
Dürfen wir uns als Menschen anmaßen, Leben nach unseren eigenen Wünschen
zu produzieren? Das Leben ist auch ein Geschenk. Ist damit alles erlaubt, was
auch möglich ist?
Der Europäische Gerichtshof hat vor 2 Jahren entschieden, das embryonale
Stammzellen nicht für wissenschaftliche Forschung patentiert und vermarktet werden dürfen. Das Patentverbot verbietet die industrielle Nutzung und
Weiterverwertung von Embryonen. Das Patentverbot für Stammzellen wurde
vor einem Jahr in deutsches Recht überführt. Die damalige Werte-Debatte im
Bundestag wurde auf hohem Niveau geführt und war ein Höhepunkt des deutschen Parlamentarismus. Es wurde begrüßt, dass der EuGH das menschliche Leben
in seiner frühen Form schützt und die Würde des Menschen hervorhebt.
Ethisch vertretbare Alternativen wurden inzwischen entwickelt, nämlich
die Gewinnung von Stammzellen aus Nabelschnurblut und die Züchtung von
Stammzellen aus Hautzellen. Das EuGH-Urteil hat dazu geführt, dass das menschliche Leben geschützt wird und bietet einen Anreiz, die Forschung auf diesem
ethisch vertretbaren Gebiet weiter zu betreiben und zu vertiefen, sodass andere
Forschungsansätze nicht mehr notwendig sind.
Es gilt aber auch, Liberalisierungstendenzen und Freiheitsgedanken zu verhindern, die nicht mit dem christlichen Menschenbild in Einklang zu bringen sind.
Als Beispiel nennt Frau Verheyen den Bericht von Edite Estrela (Entschließung
über „Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte“), in dem ein europaweites Recht auf Abtreibung und ein Sexualkundeunterricht bereits in der
Grundschule gefordert wird.
Die von der Berichterstatterin des Ausschusses für die „Rechte der Frau
und Gleichstellung der Geschlechter“ vorgeschlagene Entschließung wurde
durch eine vorgezogene Resolution eines Alternativvorschlages von der
EVP- (Christdemokraten) und EKR- Fraktion (Konservative und Reformisten),
zu Fall gebracht. Inhaltlich wurde der Estrela-Bericht auch von der deutschen Bischofskonferenz abgelehnt, da er elementare Menschenrechte wie die
Menschenwürde, das Recht auf Leben und Gewissensfreiheit marginalisiere und
ein Recht auf Abtreibung und die schulische Sexualerziehung propagiere.
Es gibt in Europa Bereiche, die nicht pauschal und vom Staat entschieden
werden müssen, sondern in der Gesellschaft der einzelnen Mitgliedsstaaten.
Zu diesen Bereichen gehöre das Recht auf künstliche Befruchtung für homosexuelle und lesbische Paare oder das grundsätzliche Recht auf Abtreibung auch
für minderjährige Mädchen ohne Zustimmung der Eltern. Es sei wichtig, das
Selbstbestimmungsrecht einer schwangeren Frau zu respektieren.
Aber auch das Recht des ungeborenen Kindes muss beachtet werden. Beide
Rechtsansprüche müssen abgewogen und können nicht pauschal entschieden
werden. Entscheidungen in diesen Bereichen müsse jeder vor seinem Gewissen
für sich und vor Gott selbst treffen. In diesem Sinn seien Beratungsangebote und
Hilfestellungen notwendig.
Die schulische Sexualerziehung sei kein Gebiet, was man europaweit einheitlich regeln müsse. Zwar gebe es noch Länder, wo keine Sexualerziehung
stattfindet. Dennoch würde das europäische Parlament mit diesem Anspruch
der Sexualerziehung Kompetenzen an sich ziehen, die eindeutig über seine
Zuständigkeit hinaus gehen.
Stattdessen gäbe es in Europa Probleme, die gemeinsam gelöst werden müssten,
obwohl auch diese nicht pauschal gelöst werden könnten:
- die Finanz- und Bankenkrise,
- die großen Wohlstandsunterschiede zwischen den Staaten,
- die Jugendarbeitslosigkeit im Süden und Osten Europas.
Die Ausgangssituation und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Mitgliedstaaten sei unterschiedlich, ebenso wie die sozialen Standards.
Die EU unterstütze die Bemühungen der Mitgliedstaaten auch finanziell, aber
Solidarität sei keine Einbahnstraße. Erforderlich sei, über vorhandene Strukturen
die Förderung effizienter zu machen, um eine nachhaltige Verbesserung in den
Ländern zu erzeugen. Damit würden sich auch Zukunftsperspektiven für junge
Menschen ergeben. Jeder in der Solidargemeinschft sollte das tun, was er für ein
Gelingen tun kann. Die Talsohle sei inzwischen durchschritten.
In der Bundesrepublik wird ein Bevölkerungszuwachs gebraucht. Eine menschenwürdige und vorurteilsfreie Aufnahme von jungen Auszubildenden aus
EU-Ländern, aber auch von Flüchtlingen oder Migranten in unser Land helfe uns,
unsere Probleme zu meistern und wir sollten den Neubürgern vermitteln, dass sie
willkommen sind. Wir erwarteten von den Aufzunehmenden, dass sie sich ein
Stück auf unsere Mentalität und unser Umfeld einlassen, müssten unsererseits
aber auch Verständnis und Geduld für die Ankömmlinge aufbringen. Dabei muss
die Stabilität und Struktur des aufnehmenden Landes beachtet werden und die
Aufnahmepolitik eines Staates darf nicht zu dessen Schieflage führen.
Kritisch äußerte sie sich dagegen zum Thema der EU-Aufnahme der Türkei
wegen der dortigen konservativen Politik mit der stärkeren Verbindung zwischen
Staat und Religion.
Das Europäische Parlament versuche im politischen Handeln Grundwerte zu
erhalten und orientiere sich nicht unbedingt an Kirche und Religion als allein
gültigem Maßstab. Freie journalistische Meinungsäußerung und Berichterstattung
seien in der Türkei nicht gewährleistet, die darüberhinaus
als das weltweit
größte Journalistengefängnis gelte. Christen würden verfolgt. Überall, wo Kritik
am Regime geübt wird, wird diese unterbunden und die sozialen Plattformen im
Internet werden abgeschaltet ( z.B. Facebook und Twitter). Es gibt auch Berichte,
wonach Polizeibeamte auf Grund ihrer Religion und ethnischen Zugehörigkeit g
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oder politischen Meinung abgewählt bzw. ausgetauscht wurden.
Die Christdemokraten im europäischen Parlament sind bestrebt, eine Politik
zu gestalten, die sich an christlichen Wertvorstellungen orientiert und stehen
vor der schwierigen Aufgabe, das „C“ in unserem Partei-Namen zu bewahren in
einer Gesellschaft, die schon nicht mehr nur unchristlich ist, sondern immer mehr
antichristlich wird. Das Recht der Scharia findet bei manchen Richtern inzwischen
mehr Anerkennung als christliche Moralvorstellungen und Grundwerte.
Haben wir in der Politik das Recht, die Freiheit, die Gott uns geschenkt
hat, durch politische Entscheidungen zu beschränken? Das Christliche und das
Politische überschneiden sich, bedingen einander, ohne identisch zu sein.
Die Menschenrechte und auch unser Grundgesetz gründen auf dem Wissen,
dass wir Menschen ausgerichtet sind auf ein höheres Wesen und nur im Respekt
voreinander als von Gott geliebte Wesen miteinander leben können. Nur wenn wir
die Einzigartigkeit eines jeden Menschen, der von Gott geliebt wird, reflektieren,
können wir unser Zusammenleben menschlich gestalten. Wir Christen sind dazu
aufgerufen, in Politik und Gesellschaft, auch in der Kirche, dem Auftrag Gottes
zu folgen, der Grund alles Lebens ist. Wir haben den Auftrag, im Wissen um die
Begrenztheit unserer Existenz, Leben überall dort zu schützen, wo es bedroht ist.
Gerade in der heutigen Zeit stehen Fragen zur Diskussion, z.B. der Gentechnologie
oder der Abtreibung, aber auch Sterbehilfe und Todesstrafe, die zutiefst in die
Schöpfung Gottes einzugreifen drohen und die göttliche Ordnung und das
menschliche Miteinander zerstören können.
Nach dem göttlichen Auftrag: “macht euch die Erde untertan“ müssen wir
unser christliches und politisches Handeln ausrichten. Wir sind als Menschen
zunächst alle gleich und alle von einem höheren Wesen begründet und geliebt.
Gottes Liebe und Zusage gilt für das beginnende Leben genauso wie für das sich
vollendende Leben. Zu Beginn und zum Ende haben wir nicht das Recht zu entscheiden, was geschieht, sondern eigentlich nur Gott allein.
Gott sagt auch ja zu dem Leben, das einen falschen Weg einschlägt, einen Weg,
der zur Selbstmissachtung und Selbstzerstörung führt. Er sagt ja zu körperlichen,
geistigen und psychischen Behinderungen. Wir haben kein Recht, diese Leben
abzulehnen. Wir haben die Freiheit, uns für oder gegen etwas zu entscheiden. Gott
hat uns auf sich gegründet und uns dennoch die Freiheit der Entscheidung auch
gegen ihn geschenkt als größten Akt der Liebe.
Wir werden die Gesellschaft im 21.Jahrhindert nicht zu einer christlich orientierten Gesellschaft machen können. Aber wir haben die Chance, an jeden
Menschen das weiterzugeben, was uns ausmacht und insoweit auch den Auftrag
Gottes zu erfüllen.
Die Politiker und -innen haben die Verantwortung auch auf europäischer Ebene
übernommen, für alle Menschen des Gemeinwesens realisierbare Möglichkeiten
des Zusammenlebens zu begründen. Dabei stehen sie im Spannungsfeld zwischen
Christsein, Gesellschaft und Staat.
Die Bürgerinnen und Bürger geben den Auftrag, eine Politik zu betreiben,
die sich dem „C“ im Namen verpflichtet. Im politischen Handeln können wir uns
aber nicht nur für die Christen in unserer Gesellschaft einsetzen, sondern für alle
Menschen, die der EVP-Fraktion im Parlament ihr Vertrauen gegeben haben.
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Frau Verheyen schloss ihren Vortrag mit einem Zitat des verstorbenen
Bischofs von Aachen, Dr. Klaus Hemmerle, der zu dem Thema der politischen
Verantwortung eines Christen ausgeführt hat:
„Daß der Christ, weil er Christ ist, nicht an der politischen Verantwortung
vorbeigehen kann, versteht sich von selbst; daß christliche Hoffnung, die sich
nicht im Maß des Machbaren und Erreichbaren erschöpft, den Realismus, die
Menschlichkeit und den unenttäuschbaren Mut zu immer neuem Handeln für den
Menschen in der Politik nährt, steht vom Wesen und Anspruch des Christlichen
ebenfalls außer Zweifel. Gleichwohl ist das Politische mehr als bloße „Anwendung“
des Christlichen und erschöpft sich das Christliche nicht in dem, was Politik für
den Menschen erreichen kann und versuchen darf. Politisches und Christliches
können nur dann füreinander fruchtbar werden, wenn sie sich aneinander freigeben, wenn sie sich voneinander unterscheiden, um in solcher Unterscheidung
Impuls füreinander zu werden. Impuls füreinander: denn auch das Christliche
kann in seinem Verständnis und in seiner Realisierung vom Politischen lernen“
(Klaus Hemmerle: Unterscheidung des Politischen, 1972)
Essen: Altfried-Gilde
Altfrid-Gilde Essen feiert 60 Jahre
Die Altfrid-Gilde ein besonderes Jahr, feierte ihr 60jähriges Bestehen. In
den 60 Jahren ihres Wirkens waren die Essener zwei Mal Gastgeber einer
Cartellversammlung (zuletzt 2003) und ein Mal eines Herbstkapitels. Für 2016
lädt die Gilde zum Herbstkapitel ein, geplanter Termin ist der 30.09. bis zum
02.10.2016.
Gründung der Altfrid-Gilde
Die Gründung einer Gilde war keine Essener Erfindung. Bereits nach dem ersten
Weltkrieg hatten sich verschiedene Gruppen gebildet, die sich mit einer ähnlichen
Zielsetzung den damaligen Aufgaben stellten. Nach dem zweiten Weltkrieg fanden sich 1946 die ersten Gemeinschaften in München und Frankfurt. Nachdem g
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Dortmund befasste sich ein Tagesordnungspunkt mit der „Diskussion über den
Titel >Loge<“. Die Dortmunder Gruppe hatte sich schon bei der Gründung 1950
für den Namen >Michael-Gilde< entschieden.
Der Begriff „Loge“, ursprünglich der Versammlungssaal der mittelalterlichen
Bauhütte, ist heute im allgemeinen Sprachgebrauch vorrangig von den Freimaurern
besetzt. Argwohn, üble, weitgehend ungerechtfertigte Verdächtigungen führten in
früheren Jahrhunderten zwischen den Freimaurern und der katholischen Kirche
zeitweise zu oft leidenschaftlichen Auseinandersetzungen. Im 18. Jahrhundert
ging die Kirche mit Kirchenstrafen (Exkommunikation) gegen die Freimaurer vor.
Trotz starker innerer Gegentendenzen hält die Kirche aber auch heute noch immer
an der Unvereinbarkeit der Freimaurerei und der kirchlichen Lehre fest.
Altfrid und Essen
Festlicher Gottesdienst in St. Lucius in Essen-Werden
in den Folgejahren weitere gleichgesinnte Bünde entstanden waren, und eine
Abstimmung untereinander sinnvoll erschien, schlossen sich diese 1949 zu einem
>Cartell der Christlichen Logen< zusammen.
Auch die zwei wesentlich älteren Gruppen aus Berlin (gegründet 1921) und
Münster (gegründet 1926) schlossen sich dieser Vereinigung an.
Freund Jakobs berichtet in seiner Chronik von 1978, dass der Anstoß zur Gründung
der Essener Altfrid-Gilde von Dortmund kam. Der dortigen Michaels-Gilde gehörten P. Ludger Born SJ und Franz Meyer an. Sie hielten auch in Essen Umschau
nach Männern, die für die Idee des Cartells und dessen Ziele zu gewinnen waren.
Das geschah zunächst in Einzelgesprächen und lockeren Zusammenkünften, bei
denen bereits namhafte Redner zu Wort kamen. Im Januar 1953 besprach man
die Satzungen und am 7. März des gleichen Jahres beschloss ein vorbereitender
Vorstand in der Wohnung von Rechtsanwalt Dr. Wolters die Gründung der Essener
Gilde.
Die Gründungsversammlung, der ein Gottesdienst vorausging, fand dann bereits
am 13. April 1953 statt. Dabei legten die Mitglieder das Gelöbnis ab. Die regelmäßigen Zusammenkünfte begannen mit einem Treffen im Handelshof am 4. Mai.
Den Vorsitz übernahm Otto Stewens, Schriftführer wurde Franz Wolters, geistlicher Beirat P. Ludger Born SJ. Am 15./16. Mai des gleichen Jahres wurde die Gilde
auf der Kapitelsitzung in Hattenheim (Rheingau) in das Cartell aufgenommen.
Loge, Club oder Gilde
Die Männer der ersten Stunde wählten für die Gruppen den Namen >Christliche
Loge (CL)<. Aber schon in der Kapitelsitzung der Christlichen Logen 1951 in
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Der heilige Altfrid ist für Essen von vorrangiger Bedeutung. In den historischen Beschreibungen über die Stadt Essen ist zu lesen, dass Altfrid, Bischof von
Hildesheim, im Jahre 852 auf seinem Gut Astnide (im Laufe der Jahrhunderte
auch die Namen Astnidum, Astanidum, Asnidi, Asnid, Assinde, Asnida, Assindia,
Essendia, Esnede, Essende, Essend, Essen) ein Kanonissenstift für hochgestellte Damen gründete. Dieses Damenstift sollte bald zu einer der vornehmsten
Reichsabteien werden und hat bis zur Säkularisation 1803 bestanden.
Die im Jahre 870 vollendete Münster-Kirche weihte Altfrid der Gottesmutter und
dem Brüderpaar Cosmas und Damian. Sie wurde nach Bränden und Zerstörungen
in den Jahren 946, 1275 und 1943 teilweise mit Veränderungen und Erweiterungen
wieder aufgebaut und dient heute als Hohe Domkirche dem Bischof von Essen. Die
Stadt betrachtet Cosmas und Damian als ihre Stadtpatrone.
An der Kreuzung von „Hellweg“ (West-Ost-Straße) und „Strata Coloniensis“
(Nord-Süd-Straße) gelegen, wurde die Reichsabtei mehrfach von Königen auf
ihren Reisen als Station gewählt. Von besonderer Bedeutung war der Besuch
König Heinrich III. im Jahre 1041. Er verlieh der Äbtissin ein Marktprivileg. Da
solche Märkte Kaufleute und Gewerbe anzogen, übten sie einen großen Einfluss
auf die Entwicklung von Siedlungen aus. Es entstand neben dem Stift die bürgerliche Stadt. So wurde das von Altfrid gegründete Essener Damenstift zum
Ausgangspunkt für Stift und Stadt Essen. Dass die Essener Gilde den Namen
>Altfrid-Gilde< erwählte, ist also mehr als verständlich.
Der heilige Altfrid fand 874 in dem von ihm vier Jahre vorher geweihten
Münster seine letzte Ruhestätte. Seit 1985 feiert die Altfrid-Gilde alljährlich ein
Patronatsfest, in der Regel beginnend mit einem Gottesdienst in der Ostkrypta des
Domes, heute „Altfrid-Krypta“ genannt, am gotischen Hochgrab mit dem Schrein,
in dem die Reliquien des heiligen Altfrid beigesetzt sind.
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Die Vorsitzenden seit Gründung
Otto Stevens 1953 bis 1960
Heinz Spitznas 1961 und 1962
Elmar Oehm 1963 und 1964
Karl Jacobs 1965 und 1966
Heinz Uekötter 1967 und 1968
Heinrich Buchholz 1969 und 1970
Klaus Ewers 1971 und 1972
Hermann Backs 1973 und 1974
Rainer Kolligs 1975 und 1976
Hans Georg Feldhege 1977 bis 1979
Rainer M. Kampschulte 1980 bis 1982
Helmut Schäfer 1983 und 1984
Olaf Wagner 1985 und 1986
Paul Rebbelmund 1987 und 1988
Theo Sponheuer 1989 und 1990
Klaus Metzelder 1991 und 1992
Norbert Küpper 1993 und 1994
Bernd-Michael Althaus 1995 und 1996
Alfred Lütkenhaus 1997
Wilhelm Astrath 1998
Hans-Wilhelm Froitzheim 1999
Peter Schumacher 2000
Hans-Dieter Schilling 2001 und 2002
Arnd Brechmann 2003 und 2004
Ansgar Rebbelmund 2005 und 2006
Martin Alberts 2007 und 2008
Heinrich Stöcker 2009 und 2010
Benedikt Schmidt-Waechter 2011 und 2012
Norbert Boddenberg 2013 und 2014
2003: Aufbruch im Jubiläumsjahr und Cartellversammlung in Essen
Das fünfzigjährige Jubiläum feierte die Altfrid-Gilde mit dem CRM gemeinsam
in Essen. 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei bestem Wetter machten die
Cartellversammlung zu einem besonderen Erlebnis. Essen präsentierte sich von
seiner herzlichsten Seite, die Gäste strömten in die Ruhrmetropole und erlebten
einen Gastgeber im Aufbruch. Freund Olaf Wagner hatte eine exzellente Chronik
erstellt, die auch heute noch aktuell ist und mehr als als eine Festschrift ist.
Zudem entschied die Gilde für das Jubiläum und die Folgejahre den Vorstand
in die „jüngsten Hände“ zu legen, um auch und gerade für jüngere Menschen
attraktiver zu werden. In den Folgejahre konnten viele Freunde neu gewonnen
werden, darunter auch erstmals mit Monika Klapperich eine Dame. Familienfeste
wurden erstmalig ins Leben gerufen, auch das steigerte die Attraktivität gerade für
Freunde mit kleineren Kindern.
2006/07: Verantwortung für das Cartell Rupert Mayer
Eine besondere Herausforderung aber auch Ehre für die Altfrid-Gilde Essen
waren das WM-Jahr 2006 und 2007. Dr. Michael Dörnemann als geistlicher Rat,
Andreas Rosner als Schatzmeister, Dr. Martin Alberts als Schriftführer und Arnd
Brechmann als Kapitelvorsitzer lenkten die Geschicke des Cartells Rupert Mayer.
Die finanzielle Konsolidierung war dabei ebenso ein Thema wie die Ausrichtung
des CRM auf die Zukunftsfähigkeit mittels der Gewinnung neuer Mitglieder.
Dazu wurde auch der erste Internet-Auftritt des CRM realisiert, nach Jahrzehnten
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bewusster öffentlicher Zurückhaltung Aufbruch und Meilenstein für das Cartell
zugleich.
2011: Gildenfahrt in das Heilige Land
Gemeinsame Reisen gehören in das Programm der Altfrid-Gilde bereits traditionell. Diese Reisen wurden stets als Quell engerer persönlicher Freundschaften
verstanden. Ein absoluter Höhepunkt war indes die Fahrt in das Heilige Land im
Herbst 2011. 10 Tage Israel mit „Kind und Kegel“ im Altersspektrum von 10 bis
fast 80, waren für die Altfrid-Gilde ein wirklicher Höhepunkt in der Geschichte des
Essener Freundeskreises. Ein wunderbares Fotobuch hat die Tage festgehalten, die
sowohl religiös als auch touristisch unvergesslich bleiben werden.
„Omnia ad maiorem dei gloriam“ – “Alles zur größeren Ehre Gottes” –
Das Jubiläumsfest 2003
Die Altfrid-Gilde feierte ihr Stiftungsfest mit einem festlichen Gottesdienst,
den Gildefreund Monsignore Dr. Michael Dörnemann zelebrierte. In seiner Predigt
stellte er die folgende Frage:
„Am 5. März 1953 stirbt bei Moskau Josef Wissarionowitsch Stalin, der sowjetische Staats- und Parteichef, einer der großen Diktatoren des 20. Jahrhunderts, der
unzählige Menschenleben auf dem Gewissen hat. Zwei Tage später, am 7. März
1953 traf sich ein vorbereitender Vorstand in der Wohnung von Rechtsanwalt
Dr. Wolters in Essen zur Gründung der Essener Altfrid-Gilde. Hängt das zusammen?“
Er spannte einen interessanten und bemerkenswerten Bogen, um zum Fazit zu
gelangen:
„Viele Glaubende bieten bis heute Diktatoren die Stirn, weil sie sich vom österlichen Geheimnis haben bewegen und verändern lassen. Vom österlichen Geheimnis
geprägt sollten wir auch die innerkirchlichen Herausforderungen unserer
Tage annehmen und gestalten, die in den kommenden Jahren sicherlich noch größer
werden. Die Einladung des Guten Hirten steht auch für uns: Folgt mir! Ich will,
dass keiner zugrunde geht, sondern Leben in Fülle erfährt. Für diese Botschaft
stehen auch die Mitglieder der Altfrid-Gilde, zu denen – Gott sei Dank - seit
einigen Jahren auch Frauen gehören.“
Der Vorsitzender der Altfrid-Gilde Essen, Norbert Boddenberg, machte in seiner
Ansprache deutlich, was in Dankbarkeit für 60 Jahre in den Blick zu nehmen sei:
Wurzeln unseres Freundeskreises, den Auftrag, aus unserem Gelöbnis und unsere
Zukunftsgestaltung!
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Wir folgen unserer gemeinsamen Berufung, so Boddenberg:
„Liebende und geliebte Menschen zu sein.“
Dadurch, dass wir die sind als die wir geschaffen wurden, ehren wir unseren
Herrn und Gott am allermeisten. Nicht dadurch, dass wir große Taten vollbringen,
ehren wir ihn, sondern dadurch, dass wir lieben. „Omnia ad maiorem dei gloriam“
– “Alles zur größeren Ehre Gottes”.
Gildefreund Dr. Norbert Küpper mit einer faszinierenden historischen Rückblende
sowie Arnd Brechmann mit einer humorigen Damenrede rundeten das Jubiläumsfest
ab. Der Blick nach vorne bedeutet vor allem auch, immer wieder neue Freundinnen
und Freunde zu begeistern. So ist das Jubiläum auch Aufbruch wie damals im
März des Jahres 1953.
Arnd Brechmann
Wir gedenken unserer Verstorbenen:
Edith – Stein – Kreis Weimar
Wir trauern um unseren Freund Prof. Karl Dietrich.
Er starb am 6. Februar 2014 im Alter von 86 Jahren
nach langer, schwerer Krankheit im Kreise seiner
Familie.
Als am 15. April 1991, also kurz nach der Wende,
der Edith-SteinKreis ins Leben gerufen wurde, gehörte Karl Dietrich zu den Gründungsmitgliedern. Von
1992 – 1995 war er der erste mehrjährige Vorsitzende
unseres Kreises. In dieser Zeit wurde seitens einiger Mitglieder der Gruppe der Wunsch geäußert, in Prof. Karl Dietrich
Weimar eine Cartellversammlung durchzuführen. Mit
Begeisterung nahm er diese Bitte auf. Alle seine Kräfte und vor allem seine künstlerischen Fähigkeiten setzte er für die Vorbereitung und Durchführung dieser
Veranstaltung ein. 1994 fand dann auch die 1. Cartellversammlung in den neuen
Bundesländern statt. Es wurde ein voller Erfolg für die noch junge Gruppe auch
dank des großen künstlerischen Engagements unseres Freundes Karl Dietrich.
Viele Cartellmitglieder kamen; Menschen aus Ost und West waren sich einander
in großer Herzlichkeit begegnet.
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Prof. Karl Dietrichs Komposition des 49. Psalms für Orgel und Gesang
„Die Vergänglichkeit des Menschen“
„Hört dies an ihr Völker alle,
vernehmt es, alle Bewohner der Erde…“,
uraufgeführt im Festgottesdienst dieser Veranstaltung, beeindruckte die Zuhörer
und machte sie nachdenklich. Viele zeigten sich auch tief bewegt.
Solange es seine Kräfte zuließen, begleitete er unsere Gottesdienste und die
der Gemeinde Herz Jesu Weimar an der Orgel. Er bereicherte unsere Gruppenfeierlichkeiten oft mit eigenen Kompositionen, z. B. Liedvertonungen. Bekannt
ist auch seine Vertonung des Lieblingsgebetes von Pater Rupert Mayer. Seine
Freundlichkeit, immer zu Scherzen aufgelegte Art, werden wir vermissen.
Karl Dietrich wurde am 9. Juli 1927 in Wachstedt im Eichsfeld / Thüringen
geboren. Seine musikalische Begabung wurde früh erkannt und von seinen
Eltern mit Umsicht gefördert. Nach amerikanischer Kriegsgefangenschaft begann
er 1947 zunächst an der Universität Jena Philosophie und Musikwissenschaft zu
studieren und an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar Schulmusik
und Komposition. Als Dozent für Musiktheorie, Gehörbildung und Partiturspiel
an der Hochschule für Musik in Weimar formte er Generationen von angehenden
Musikern und Komponisten. 1984 wurde er zum Professor und Leiter der Abteilung
Komposition und Tonsatz berufen. 1992 erfolgte seine Emeritierung. Er war
Mitglied des Deutschen Komponisten-Interessenverbandes, Gründungsmitglied
1998 des Landesverbandes Thüringen im Deutschen Komponisten-Verband und
stellvertretender Vorsitzender.
Als Komponist hinterlässt Karl Dietrich ein reiches, musikalisches Erbe, das
ihn über Thüringens Grenzen hinaus bekannt gemacht hat. Es umfasst neben
Liedern, Kammermusik jeder Art, Kirchenmusik, Chor- und Klaviermusik, zwei
heitere Opern, die nationale und internationale Aufmerksamkeit erregten und 8
Sinfonien, darunter die 1982 uraufgeführte 4. Sinfonie „contra bellum“ nach dem
cantus firmus von Balthasar Resinarius „ Verleih uns Frieden gnädiglich“, 1986
die 5. Sinfonie „Die Weimarische“ nach einem Gedicht von Friedrich Schiller „Die
Größe der Welt“, 1992 die 7. Sinfonie „Sinfonia Erfordia“ anlässlich der 1250Jahrfeier der Stadt Erfurt und 2001 die 8. Sinfonie „Porträt eines Schauspielers“
in memoriam Conrad Eckhof anlässlich des 350-jährigen Jubiläums des
Landessinfonieorchesters Gotha.
Karl Dietrich nicht mehr unter uns zu haben, erfüllt uns mit großer Trauer.
Er war uns ein guter Freund und Mitstreiter.
Unser besonderes Mitgefühl gilt seiner Familie, seiner Frau Gerda und seinen
beiden Töchtern mit ihren Familien.
Dr. Karl Heinz Lisiecki
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Impressum
Impressum
Wir gedenken unserer Verstorbenen:
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Termine,
Termine...
...zur Erinnerung:
Prof. em. Dr. phil. habil. Gerd Zimmermann 05.08.2013 Kaiser Heinrich Gilde, Bamberg
Paul Hatebur
Prof. Dr. phil.
Robert Schröter Lambert Sommerhäuser 03.04.2013 Martins-Gilde Lambert, Bonn Studiendirektor i. R. Rudolf Wensing 19.02.2014 Club Delphin, Basel
2013 Gilde Alfred Delp, Bochum 16.08.2013 Michael-Gilde, Dortmund Adelheid Böhringer
Juni 2014 Lambertus-Gilde, Düsseldorf
Dipl.-Ing. Hans Peter Merz 29.04.2014 Von-Ketteler-Gilde, Frankfurt a. M.
Dr. jur.
Gerhard Rohnfelder
02.05.2014 Von-Ketteler-Gilde, Frankfurt a. M.
Pater
Lutz Hoffmann SJ 05.11.2013 CL Thomas-Gilde, Hamburg
Assessor
Adolf Brockhoff
28.11.2013 Dreikönigs-Gilde, Köln Edith Ruf
18.03.2014 Gesellschaft St. Sebald, Nürnberg
Dr. med. Klaus Benedikt Lampe 21.10.2013 Carolus-Gilde, Osnabrück
Kaufmann Adolf Fels 16.05.2013 Petrus-Gilde, Recklinghausen
Prof.
Karl Dietrich 06.02.2014 Edith-Stein-Kreis, Weimar
Prälat
Berthold Lutz Fachkrankenschwester Irmgard Bacher-Müller 42
Cartell
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17.10. – 18.10.2014
Herbstkapitel in Berlin
„Wo ist Gottes Raum?“
15.05. – 17.05.2015
Cartellversammlung
in Würzburg
23.10. – 25.10.2015
Herbstkapitel
in Dortmund
30.09. – 02.10.2016
Herbstkapitel
in Essen
Herausgeber der CRM Mitteilungen
Dr. Barbara Konrad
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Jesuiten: S. 6, S. 7
Günther Hess: S. 13, S. 18
Michael Driessen: S. 11, S. 14, S. 16
Ulrich Thiele: S. 21, S. 22, S. 23, S. 25
Bernhard Unger: S. 26
Dr. Sawa Ganowsky: S. 29
S. Verheyen: S. 30
Arnd Brechmann: S. 36
Karl Heinz Lisiecki: S. 40
Verlag Styria: S. 44
Layout:
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Cartell Rupert Mayer:
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Arnd Brechmann
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2013 CL Julius-Echter-Gilde, Würzburg
Redaktionsschluss für die
Dezember-Ausgabe 2014:
Samstag, 2. November 2014
2013 CL Julius-Echter-Gilde, Würzburg
Herstellung:
Druckerei Hans Ott, Plauen
CRM Mitteilungen 3•2014
CRM Mitteilungen 3•2014
43
Buchbesprechung
Franziskus
Vom Einwandererkind zum Papst
Mit einem Vorwort von Bischof Erwin Kräutler
Als Freund, Lehrer, spiritueller Vater und
Fußballfan ist Jorge Mario Bergoglio den
Menschen jetzt nicht nur in Argentinien,
sondern auch in der ganzen Welt bekannt.
Als Papst Franziskus, der im Amt klare Akzente
setzt und die Probleme der Zeit eindeutig beim
Namen nennt, erlebt ihn jeder in den Medien
oder auch in der unmittelbaren Begegnung.
Esther-Marie Merz und Mathilde Schwabeneder
begeben sich auf die Spuren von Franziskus. Sie
beschreiben den Weg Jorge Mario Bergoglio,
beginnend mit der Kindheit als Nachkomme
piemontesischer Einwanderer bis zur Papstwahl.
So zeigen sich bei Gesprächen mit Weggefährten
zwischen Südamerika und Europa, in den
Interviews und Predigten und in persönlichen
Episoden soziale Gerechtigkeit, Freundschaft
Esther-Marie Merz
Dr. Mathilde Schwabeneder-Hain
und Bescheidenheit als persönliche Anliegen
Franziskus
und programmatische Schwerpunkte des
Vom Einwandererkind zum Pabst
Papstes ab. Die beiden Journalistinnen zeichnen
240 Seiten, 13,5 x 21,5 cm, Hardcover
sich durch ihre Beherrschung ihres Handwerks
mit SU
aus: Sie haben ausgiebig und ausgezeichnet
Styria premium 2013
recherchiert, vor Ort, in direktem Kontakt
ISBN 978-3-222-13415-9
mit Verwandten, Freunden, Weggefährten,
24,99 Euro
Bewundern und auch Kritikern, mit Journalisten
und Politikern.
Esther-Marie Merz lebt in Lima und war als Südamerika-Korrespondentin des Österreichischen
Rundfunks neun Jahre in Argentinien tätig. Mathilde Schwabeneder arbeitet seit 2007 als Auslandskorrespondentin des Österreichischen Rundfunks in Rom.
Papst Franziskus schickt die Kirche an die „Ränder“. Er überrascht mit Initiativen und Gesten, aber
verknüpft damit auch Inhalte. Dieser vielschichtigen Biographie gelingt es darzulegen, dass er sich
damit selber treu bleibt. Das ausführliche und bereichernde Vorwort des brasilianischen Bischofs
Erwin Kräutler vom Xingu zeigt, was sich Bischöfe aus Südamerika vom Aufruf zur „existentiellen
Peripheri“ aufzubrechen, versprechen.
Dr. Barbara Konrad
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Seele and Geist
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