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Februar 2013 - FiNet Asset Management AG

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Marktkommentar für den Februar 2013
Was erlauben Italien? Gewählt wie Flasche leer!1
Da ist sie wieder – die Eurokrise. „Schuld“ daran ist die Wahl in Italien am 24. und 25. Februar. Den
Wahlausgang kann man am besten mit dem aktuellen Wetter vergleichen. Da war der Frühling schon
fast da und plötzlich kommt noch einmal ein Wintereinbruch. Es war zwar an Hand von Prognosen
abzusehen, dass es für Pier Luigi Bersani und Mario Monti knapp wird, dass allerdings der Komiker
Beppe Grillo und ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi – die beiden Clowns2 – so viele Stimmen
bekommen, war doch etwas überraschend. Während im Abgeordnetenhaus die Mitte-Links-Koalition
von Bersani eine Mehrheit und die Mitte-Rechts-Koalition von Berlusconi das Nachsehen hat, konnte
sich keiner der angetretenen Koalitionen oder Parteien eindeutig im Senat durchsetzen. Als dritte
große Kraft konnte sich die Fünf- Sterne-Bewegung von Grillo etablieren, Montis Partei wurde nur
viertstärkste Kraft. Die unklaren Mehrheitsverhältnisse im Senat führten zu einer Patt-Situation und
erschweren die Regierungsbildung in einer Zeit, die für Italien kritisch ist. Dazu später mehr.
Italien steht stellvertretend für das wahre Problem in Europa. Die derzeitigen Regierungen und die
EZB sind zwar gewillt, alles zu tun, um die Krise zu lösen, doch die große Unbekannte ist das Volk.
Sollten die Regierungen in den „Club Med“ Ländern abgewählt werden und durch „Euro-feindliche“
Regierungen ersetzt werden, kann auch eine EZB nicht mehr helfen. Beispielsweise überlegt Beppe
Grillo eine Online-Befragung zum Verbleib Italiens im Euro zu initiieren. Auch wenn das Ergebnis
nicht bindend ist, hätte ein „Nein“ einen gewissen Signalcharakter. Die Wahl in Italien war mehr als
ein Warnschuss vor den Bug des schwerfälligen europäischen Dampfers. Merkel, Hollande, Draghi &
Co. müssen nun endlich Reformen in Europa ergreifen. Denn seit der Rede Draghis im Sommer ist
wenig Konkretes unternommen worden.
Auch in den USA gab es Ende des Monats eine folgenschwere „Nicht-Entscheidung“. Demokraten
und Republikaner konnten sich anders als zum Jahresende im Budgetstreit nicht einigen und der
„Sequester“ schlug am 1. März zu. Übersetzt bedeutet dies „Beschlagnahmung“, im übertragenen
Sinne automatische Ausgabenkürzungen des Staates in Höhe von 85 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
Die Kürzungen werden nach der Rasenmähermethode vorgenommen. Betroffen ist vor allem der
Verteidigungsetat, auf den rund die Hälfte der Einsparungen entfällt. Der Verteidigungsminister hatte
bereits zuvor angekündigt, dass die 800.000 Mitarbeiter 22 Tage Zwangsurlaub verordnet bekommen
werden, verbunden mit einer Gehaltskürzung von 20 %. Aber auch die übrigen Verwaltungsbereiche
sind betroffen. Das Justizministerium wird 1.000 Beamte und 1.300 Gefängniswärter freisetzen,
illegale Einwanderer wurden zu deren Freude bereits aus den Gefängnissen entlassen und werden
nun mit elektronischen Fußfesseln überwacht. Und selbst die Wetter- und Ozeanografie-Behörde
müssen 2.700 Stellen abbauen. Eine solche Sparpolitik wird nach Schätzungen der Citigroup die USWirtschaft allein in diesem Jahr mindestens ein halbes Prozent Wachstum kosten. Und das in einer
Zeit, in der die Wirtschaft nach wie vor noch sehr langsam wächst.
1
Frei nach Bayern Münchens Trainer Giovanni Trapattoni, der vor 15 Jahren am 10. März 1998 die legendäre "Flasche-leerRede" hielt
2
So nannte Kanzlerkandidat Peer Steinbrück u.a. Beppe Grillo auf einer Veranstaltung namens „Klartext mit Peer
Steinbrück“
Seite 1
Hinzu kommt, dass es mit dem „Sequester“ nicht vorbei ist. Am 27. März folgt die nächste
sogenannte Todeslinie. Denn bis dahin muss ein Gesetz verabschiedet werden, das es der Regierung
erlaubt, ihre Ausgabenpolitik in der bisherigen Weise fortzusetzen, eine sogenannte "continuing
resolution". Können sich Präsident Obama und seine Demokraten mit den Republikanern nicht
darauf einigen, so hätte dies zur Folge, dass die Bundesbehörden ihre Arbeit einstellen müssten. So
etwas gab es zwar schon einmal (Ende 1995/Anfang 1996) und alle Ämter waren damals 28 Tage lang
geschlossen, ohne dass dies allzu große Auswirkungen auf Wachstum und Börsen gehabt hätte. Doch
im Gegensatz zu heute wuchs die Wirtschaft, und die Verschuldung des Staates betrug weniger als 50
% des Bruttoinlandsprodukts. Derzeit sind es aber über 70 % mit stark steigender Tendenz, und die
Wirtschaft wächst nur im Schneckentempo. Und als wenn das noch nicht reicht, naht auch noch der
19. Mai 2013. Dann ist spätestens wieder die Schuldenobergrenze erreicht und eine Einigung unter
den beiden Parteien fraglich. Die Republikaner nutzen die Grenze als "nukleare Option", um ihre
Forderungen nach Kürzung der Sozialausgaben durchzusetzen. Und in der Tat würde bei NichtEinigung eine finanzielle Atombombe explodieren inkl. Herabstufung des Ratings durch die
Agenturen etc.
Alle guten Dinge sind drei. In diesem Jahr fiel das einwöchige chinesische Neujahrsfest in den
Februar und begann am 10. Februar 2013. Während der Feierlichkeiten ruht die Arbeit im ganzen
Land für mehrere Tage und Millionen von Chinesen reisen nach Hause. Das Jahr des Drachen wird
nun durch das Jahr der schwarzen Wasser-Schlange abgelöst. Die Wasser-Schlange gilt in China als
herausragend klug, logisch denkend und kreativ. Durch ihre Nähe zur Erde ist sie ein Symbol der
Weiblichkeit und eine Verbindung zur weiblichen Gottheit. Sie gilt aber auch als undurchsichtig und
listig, als ein Wesen, das nach Außen etwas anderes zeigt, als sich im Inneren verbirgt. So waren die
letzten fünf Jahre im Zeichen der Wasserschlange seit 1953 oft herausfordernde und ereignisreiche
Jahre. Nur in einem Jahr stieg die Börse und die letzten drei Jahre (2001, 1989, 1977) waren wirklich
schlecht. Schlangenjahre sind meist Transformationsjahre und Jahre des Wechsels - passend zu
einem Tier, das sich häutet. Das zeigt sich auch an Ereignissen, die in diesen Jahren passierten:
Russische Oktoberrevolution (1917), Große Rezession (1929), Pearl Harbour (1941), Tiananmen
Massaker in Peking und Fall der Berliner Mauer (1989) sowie 9/11 (2001).
In 2013 stehen die Zeichen jedoch besser und es könnte mit der neuen Regierung erneut ein Jahr des
Umbruchs werden. Die sehr traditionellen Chinesen glauben stark an die Tierkreiszeichen und an die
unterschiedlichen Elemente. In diesem Jahr sind alle fünf Elemente, auch „energies“ genannt, im
Tierkreiszeichen der Schlange enthalten, also auch das Feuer – der Treiber für den Aktienmarkt!
Allerdings erlischt dieses ab der zweiten Jahreshälfte, weil es vom Wasser gelöscht wird.
Das angesehene asiatische Research-Haus CLSA erstellt jedes Jahr den Feng Shui Index mit
Prognosen u.a. zur Börse und Persönlichkeiten. Wer sich für diese Studie interessiert, kann sich diese
hier herunterladen. Auch wenn diese Analyse mit einem Augenzwinkern erstellt wird, sind die
Aussagen oft besser als die von klassischen Analysten. Zusammenfassend kann man sagen, dass die
Börse solange steigt, wie das Feuer brennt. Ab Ende Juli kann es zu einem kurzen heftigen Einbruch
kommen, der bis Ende September dauert. Dann geht es aber wieder unter Schwankungen aufwärts,
so der Feng Shui Index. Lassen wir uns also überraschen.
Fazit: Ein ereignisreicher Februar liegt hinter uns. Und das war bei weitem noch nicht alles. Die
Ratingagentur Moody’s hat Großbritanniens Schulden erstmals nach 1978 von AAA auf AA1
Seite 2
herabgestuft, was die Schwäche des britischen Pfundes verstärkte. Somit ist ein weiteres AAA-Land
von der Landkarte der „safe havens“ verschwunden.
Haben diese Ereignisse die Börse auf Talfahrt geschickt? Nicht wirklich. Die Aktienmärkte schütteln
sich kurz und streben weiter nach oben. Der Anlagenotstand ist unverändert groß und die
Ungläubigkeit vieler Marktteilnehmer ebenso.
Konjunktur
Der Ifo-Index steigt erneut deutlich!
Die Grafik im Anhang zeigt den Verlauf des aktuellen Konjunkturzyklus. Der derzeitige Zyklus ist eher
untypisch, da er nach der Abschwung-Phase nicht in die Rezessions-Phase überging, sondern im
Februar wieder in die Boom-Phase einmündete.
„Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im Februar um mehr als
drei Punkte gestiegen. Dies ist das stärkste Plus seit Juli 2010. Die Zufriedenheit mit der aktuellen
Geschäftslage hat erneut zugenommen. Mit Blick auf den künftigen Geschäftsverlauf breitet sich der
Optimismus weiter aus. Die deutsche Wirtschaft nimmt Fahrt auf.
Seite 3
Im Verarbeitenden Gewerbe ist das Geschäftsklima deutlich gestiegen. Dies ist insbesondere auf
wesentlich optimistischere Geschäftsaussichten zurückzuführen. Darüber hinaus zeigten sich die
Industriefirmen zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Auch die Exporterwartungen sind
weiter gestiegen und liegen nun über ihrem langfristigen Durchschnitt.
Im Großhandel hat sich nach der Eintrübung im Vormonat das Geschäftsklima deutlich erholt. Die
Großhändler sind erheblich zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage und spürbar weniger
pessimistisch mit Blick auf den weiteren Geschäftsverlauf. Im Einzelhandel blieb hingegen das
Geschäftsklima unverändert. Die Urteile zur Geschäftslage sind zwar im Vergleich zum Vormonat
positiver ausgefallen, jedoch nahm die Skepsis bezüglich des künftigen Geschäftsverlaufs wieder
etwas zu.
Im Bauhauptgewerbe ist der Geschäftsklimaindex erneut kräftig gestiegen, vor allem weil die
Geschäftsaussichten erheblich optimistischer ausfielen. Diese erreichten den höchsten Wert seit der
Wiedervereinigung. Auch die Zufriedenheit mit der gegenwärtigen Lage nahm weiter zu“, so HansWerner Sinn, Präsident des ifo Instituts.
Spezial Italien3
Italiens Arbeitslosenquote liegt mit 11,2 % auf dem höchsten Stand seit 1998. Die fiskalischen
Einschnitte belasten den privaten Konsum und drücken auf die Stimmung sowie Investitionstätigkeit
der italienischen Industrie – Italiens Wirtschaft, die drittgrößte Volkswirtschaft des Euroraums,
scheint in einer tiefgreifenden Rezession gefangen zu sein. So ist das nominale Wirtschaftswachstum
über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich gesunken. Lag es in den 1980er Jahren noch bei nominal
ca. 3,0 % p. a., sank es in der darauffolgenden Dekade auf 1,4 % pro Jahr. Nach der
Jahrtausendwende
lag
das
nominale
Wirtschaftswachstum Italiens bei nur noch 0,6 % p. a.
Umso erstaunlicher, dass Silvio Berlusconi so viele
Stimmen bei der Wahl bekommen hat, obwohl er für
das schwache Wachstum der letzten Jahre
mitverantwortlich war.
Um unter anderem die öffentlichen Finanzen nachhaltig
zu verbessern sowie die Wettbewerbsfähigkeit und das
Wirtschaftswachstum Italiens zu stärken, beschloss die
Übergangsregierung um Mario Monti, die seit
November 2011 im Amt ist, eine Anzahl an
strukturellen Reformen:
„Save Italy“, ein Fiskalpaket, das Sparmaßnahmen in Höhe von insgesamt fast 80 Mrd. EUR über die
Jahre 2012 bis 2014 beinhaltet, wurde bereits im Sommer 2011 durch die Vorgängerregierung
beschlossen. Darin enthalten sind folgende Aspekte: Steuervergünstigen zugunsten der
Beschäftigung junger Arbeitnehmer und Frauen, Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung und eine
Steuer auf Immobilienbesitz (IMU = Imposta Municipale Unica). Der zentrale Fokus lag allerdings auf
3
Quelle: Allianz Global Investors, Analysen und Trends, Februar 2013
Seite 4
einer Rentenreform, die das Rentensystem für die kommenden Jahrzehnte auf ein solides
Fundament stellen dürfte. So soll u. a. das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre heraufgesetzt werden –
mit eventuell weiteren Anstiegen in den Folgejahren, entsprechend der Lebenserwartung. Aktuell
liegt das Renteneintrittsalter für Männer bei 66 Jahren und für Frauen bei 62 Jahren.
„Simplify Italy“: ein Programm, das vorwiegend ausgerichtet ist, um den Bürokratieabbau zu
forcieren.
„Grow Italy“: ein Paket zur Marktliberalisierung, um die Wettbewerbsfähigkeit und das
Wirtschaftswachstum Italiens zu fördern. Inbegriffen sind eine Liberalisierung des Energiesektors
bzw. reglementierter Berufe (z. B. Apotheker, Notare), eine Reduktion der Anzahl von
unternehmensbezogenen Gerichtsverfahren und die Übernahme von Nachzahlungen durch die
öffentliche Verwaltung gegen Austausch von Sicherheiten der Unternehmen. Dadurch wird den
Unternehmen der Zugang zu Bankkrediten erleichtert.
Im Juli 2012 beschloss das Parlament zudem eine Arbeitsmarktreform, die auf mehr Flexibilität bei
Einstellungen und Kündigungen setzt.
Refinanzierungsbedarf Italiens
Vor Herausforderungen dürfte der italienische Staat stehen, wenn sich der Fokus der
Marktteilnehmer auf die Refinanzierungskosten der kommenden Jahre richtet. Für 2013 und 2014
sieht sich das Land einer Gesamtrefinanzierung von über 450 Mrd. EUR gegenüber. Davon werden
2013 etwa 280 Mrd. EUR fällig, im Folgejahr mehr als 180 Mrd. EUR. Dieser steht allerdings unter
Vorbehalt, denn mögliche Revisionen des Haushaltsbudgets durch eventuell höhere Ausgaben oder
geringere Einnahmen in Folge von zu optimistischen Wachstumsannahmen könnten den
Gesamtrefinanzierungsbedarf des Landes noch erhöhen.
Italiens Problem ist u. a. in der geringen Produktivität und damit in der schwachen
Wettbewerbsfähigkeit nicht nur gegenüber Deutschland, sondern auch gegenüber den anderen EUPeripheriestaaten zu sehen. Kontinuierliche Lohnzuwächse ließen die Lohnstückkosten ansteigen –
seit dem Jahr 2000 um nominal über 30 %, während sie in Deutschland nur um knapp 10 % stiegen.
Die im Vergleich schwächere Wettbewerbsfähigkeit Italiens zeigt sich mitunter auch in dem „Ease of
Doing Business“-Index der Weltbank, in dem Italien bezüglich seiner Standortbedingungen auf Rang
73 von 185 Ländern steht.4 Auch gemäß dem „Global Competitiveness Report“ des World Economic
Forum liegt Italien 2012 auf Rang 42 von 144 Staaten, hinter Panama oder Kuwait. Vor allem die
Ineffizienz des Arbeitsmarktes wird als große Schwäche des Landes bewertet (Platz 127).5
Zuletzt deuteten realökonomische Daten aus Italien eine konjunkturelle Verbesserung an und die
politische Unsicherheitsprämie – nicht nur im Zuge des OMT-Programms („Outright Monetary
Transactions“) der Europäischen Zentralbank (EZB), sondern auch durch die angestoßenen
strukturellen Reformen der Monti-Regierung – ist in den letzten Monaten gesunken. Der bis dato
eingeschlagene Weg scheint der richtige gewesen zu sein. Doch nach der Wahl herrscht nun
Unsicherheit. Wer wird das Land in Zukunft regieren und werden die Reformen fortgeführt?
Stillstand ist Rückschritt, das gilt besonders für Italien. Investoren werden daher die weitere
4
5
Quelle: Weltbank, „Doing Business 2013 – Smarter Regulations for Small and Medium-Size Enterprises”, Oktober 2012
Quelle: World Economic Forum, „The Global Competitiveness Report 2012 – 2013”
Seite 5
Entwicklung in Italien genau beobachten und ggfs. den Druck mit Verkäufen von Anleihen erhöhen.
Aber noch herrscht Ruhe – die Ruhe vor dem Sturm?
USA
Während in Europa mit der Italien-Wahl die Krise wieder aufkeimt, haben sich in den USA die
Wirtschaftsdaten durchgängig im Februar verbessert. Ob Immobilienmarkt, Stimmungswerte der
Konsumenten, ISM-Daten (sowohl Dienstleistung als auch verarbeitendes Gewerbe) oder der
Arbeitsmarkt, viele Werte konnten zulegen und
die Erwartungen teilweise deutlich übertreffen.
Neben dem Immobilienmarkt ist aber der
Arbeitsmarkt von entscheidender Bedeutung. In
den letzten zwei Jahren schuf die amerikanische
Wirtschaft durchschnittlich 180.000 Stellen pro
Monat, was zu einem Rückgang der
Arbeitslosenquote von 9,1 % auf aktuell 7,9 %
führte. Mehrere Indikatoren wiesen sogar
darauf hin, dass sich diese bisher moderate
Besserung demnächst beschleunigen könnte: Die Zahl der wöchentlich neu gemeldeten Arbeitslosen
ist am Anfang 2013 noch einmal rückläufig und hat den tiefsten Stand seit 2008 erreicht. Der ISMBeschäftigungsindex hat in den jüngsten ISM-Umfragen deutlich zugelegt und ist mit 57,2 auf den
höchsten Stand seit 2006 gestiegen. So lässt sich für die kommenden Monate erstmals seit langem
eine „echte positive Überraschung“ bei neu geschaffenen Stellen nicht ausschließen. Es bleibt zu
hoffen, dass der Sequester keine zu tiefen Spuren in der Wirtschaft hinterlässt.
Dies sind zwar gute Nachrichten für die Bürger und die Wirtschaft, doch gibt es einen „kleinen“
Haken: fällt die Arbeitslosenquote Richtung 6,5 %, so „muss“ die Fed ihre Ankündigung (vielleicht
schneller als gedacht) wahrmachen und die Zinsen anheben. Auch der Aufkauf von Staatsanleihen
wird mittlerweile von einigen Fed-Mitgliedern in Frage gestellt. Dies sind für Anleihemärkte keine
guten Nachrichten.
Japan
Es ist kaum zu glauben, aber das Erdbeben von
Fukushima mit den bekannten Folgen hat sich zum
Zeitpunkt des Schreibens zum zweiten Mal
gejährt. Für die Wirtschaft waren und sind die
Folgen noch immer spürbar, aber mittlerweile
spielen andere Faktoren eine Rolle. Die Wahl von
Shinzo Abe zum Premierminister mit seinem
Programm für einen radikalen Wechsel in der
Wirtschaftspolitik hat nicht nur spektakuläre
Auswirkungen auf den Yen-Kurs, sondern auch auf
die Stimmung der japanischen Wirtschaftsakteure.
Es fällt schwer zu beurteilen, ob sich dieser
Optimismus auf ein echtes Vertrauen in die angekündigten Maßnahmen (Ankurbelung durch
Seite 6
Staatsausgaben, Reform des Auftrags der Bank of Japan) stützt oder nur darauf, dass sechs Jahre der
Unentschlossenheit an der Spitze Japans nach der Ära Koizumi beendet ist. Jedenfalls erholte sich das
Verbrauchervertrauen im Januar und erreichte seinen höchsten Stand seit Ende 2007, während der
Indikator für Konjunkturaussichten sogar den höchsten Stand seit Anfang 2006 erreichte. Jetzt
müssen nur noch die Hoffnungen in Erfüllung gehen!
Für eine Besserung der Unternehmensgewinne spricht zumindest der derzeit schwache Yen.
Japanische Exporteure haben in den letzen Jahren - durch Kostensenkungen und Steigerung der
Effizienz - den Breakeven-Wechselkurs (linke Grafik) nach unten anpassen müssen. Da nun der Yen
zur Schwäche neigt, sprudeln die Gewinne bei einem Kurs von 95 JPY/US$. Konkret lässt sich dies am
japanischen Reifenhersteller Bridgestone zeigen, der für das Jahr 2013 eine Steigerung beim
operativen Gewinn von 33,6 % vorhersagt. Dabei wird ein Wechselkurs von 89 JPY/USD bzw. 119
JPY/EUR angenommen. Bei derzeitigen Kursen wäre der Gewinn also noch höher! Bei einem
Rückgang von 1 Yen steigen die Einnahmen um 3,9 Mrd. Yen. Ähnliche Aussagen hat auch Toyota auf
einer Pressekonferenz gegeben. Auch wenn nicht alle Unternehmen von einem schwachen Yen
profitieren, vor allem die, die einen hohen Anteil an importierten Gütern, wie Rohstoffe oder
Vorprodukte haben, wirkt dies positiv auf das japanische Wachstum.
China
Einige Daten für China waren
diesen Monat schwächer als
erwartet, aber auch oft verzerrt
durch das Neujahrsfest. Daher
werden wir die Daten erst wieder
im nächsten Monat beleuchten.
Interessant ist allerdings, dass die
chinesische
Regierung
seit
kurzem die Geldmenge etwas
deutlicher erhöht, was in der
Regel positiv für chinesische Aktien ist. Solange die Inflation niedrig bleibt, wird die Notenbank weiter
auf diese Weise die Wirtschaft stimulieren.
Seite 7
Aktienmärkte - Dax nimmt Anlauf auf 8.000 Punkte
Wir werden diesen Monat auf eine ausführliche Kommentierung der Charts verzichten. Viele
Entwicklungen sind oft selbstredend. Einige Kommentare finden Sie jedoch im Anhang.
Dax
MDax
VDax
Februar
-0,44 %
5,81 %
19,76 %
Quartal
1,70 %
11,64 %
0,81 %
2013
1,70 %
11,64 %
0,81 %
DJ Euro Stoxx 50
Stoxx 600 Banken
Februar
-2,57 %
-2,07 %
Quartal
0,24 %
6,96 %
2013
0,24 %
6,96 %
Seite 8
S&P 500
Nasdaq 100
Russell 2000
Februar
1,11 %
0,26 %
1,00 %
Quartal
6,20 %
2,92 %
7,21 %
2013
6,20 %
2,92 %
7,21 %
Nikkei 225
USD/JPY
EUR/JPY
Februar
3,78 %
0,97 %
-2,89 %
Quartal
11,20 %
7,78 %
5,72 %
2013
11,20 %
7,78 %
5,72 %
Zum Nikkei möchte ich aber kurz eine Bemerkung machen: Am zweiten Februar-Wochenende gab
der japanische Wirtschaftsminister Akira Amrai ein Nikkei-Ziel von 13.000 Punkten bis Ende März ab.
Dies ist bis jetzt einzigartig, dass ein hochrangiger Wirtschaftspolitiker der industrialisierten Welt
solch eine Aussage getroffen hat.
Seite 9
Shanghai B
Shenzen A
MSCI EM
MSCI FM
BRIC
Februar
-0,05 %
3,31 %
-1,34 %
-0,36 %
-4,32 %
Quartal
13,35 %
9,57 %
0,30 %
7,50 %
0,05 %
2013
13,35 %
9,57 %
0,30 %
7,50 %
0,05 %
Fazit: Unsere Einschätzung zu Aktien bleibt
mittelfristig unverändert positiv. Daran
kann und konnte bis jetzt weder der
Ausgang der Italienwahl noch der Sequester
in den USA etwas ändern. Die Märkte haben
zwar kurz reagiert, aber die Ereignisse
schnell ad acta gelegt. Viele Indizes
erreichen neue Hochs (Dow Jones Industrial)
oder stehen kurz davor.
Schaut man sich den Dax Kursindex an, zieht
also die Dividenden ab, befindet sich dieser
Index deutlich unter seinen Höchstständen,
und das, obwohl die Unternehmen deutlich
solider aufgestellt sind. Daher präferieren
wir weiter Europa inkl. der Peripherie. China
bleibt ebenfalls unsere Top-Empfehlung für 2013. Japan bleibt einer der heißesten Märkte der
letzten Monate, birgt aber aktuell ein gewisses Rückschlagpotential. 2013 sollte ein weiteres
«Aktienjahr» werden.
Seite 10
Rentenmärkte – Es riecht nach 1994 – US-Arbeitsmarkt als Gefahr
Rex Performance
Februar
1,27 %
Quartal
1,27 %
2013
-0,07 %
Fazit: Das Risiko bei Staatsanleihen steigt. Das gilt für US-Staatsanleihen wie auch für Bunds & Co.
Vor allem der sich bessernde US-Arbeitsmarkt könnte die Fed unter Zugzwang setzen, ihr
Versprechen einzulösen.
Währungen – Wer gewinnt im Währungskrieg?
EUR/USD
Februar
-3,83 %
Quartal
-0,97 %
2013
-0,97 %
Seite 11
USD/JPY
Februar
0,97 %
Quartal
7,78 %
2013
7,78 %
Fazit: Bei den Währungen spielt momentan die Musik. Am spannendsten ist der Yen. Man sollte sich
vor Augen halten, dass Japans Währung Ende der 1990er Jahre einmal bei 150 US$ stand.
Edelmetalle – Gold mit Stabilisierungsversuch auf niedrigem Niveau
Gold
Silber
Februar
-5,02 %
-10,60 %
Quartal
-5,73 %
-6,07 %
2013
-5,73 %
-6,07 %
Seite 12
Fazit: Nachdem beim Gold ein „impulsiver“ Ausbruch nach unten kam, wurde das „Ziel“ bei 1.530 USDollar fast erreicht. Nun scheint eine Stabilisierung einzutreten. Das gleiche gilt für Goldminen. Man
muss allerdings im Hinterkopf behalten, dass steigende Zinsen negativ für Gold sind. Diese Gefahr
nimmt zu. Außerdem ist eine Versachlichung beim Gold nicht von Nachteil.
Rohstoffe – Auf und nieder immer wieder
Brent Crude Oil (Nordsee)
WTI Crude Oil (USA)
Februar
-3,24 %
-5,82 %
Quartal
1,19 %
-0,63 %
2013
1,19 %
-0,63 %
Fazit: Wir vermuteten schon letzten Monat, dass der Preis für Öl derzeit sein Gleichgewicht gefunden
hat. Ohne eine Änderung in der geopolitischen Gesamtwetterlage (Iran, Syrien, etc.) sollte der
Ölpreis Unterstützung erhalten, während die Lager in den USA aber gut gefüllt sind und eher auf den
Preis drücken. Auch Kupfer (siehe letzter Marktkommentar) hat seinen Ausbruch nicht bestätigt und
ist wieder zurückgefallen. Rohstoffe machen derzeit keine Freude.
Seite 13
Tabelle mit ausgewählten Performancezahlen per 28. Februar 2013
EM = Emerging Markets, FM = Frontier Markets
Ausblick
Es mag zwar etwas langweilig erscheinen, aber wir sind unverändert positiv für Aktien. Die
Bewertungen sind weiterhin günstig bis neutral und relativ zu Anleihen deutlich unterbewertet.
Positiv ist, dass sich die Stimmung in den letzten Tagen und Wochen durch Italienwahl & Co.
abgekühlt hat. Dies lässt wieder Raum für Kurssteigerungen. Der gute alte Dow Jones Industrial Index
ist hier Vorbild. Allzeithochs muss man kaufen!
Nutzen Sie die Chancen von Aktien für Ihre Kunden. Festgeld ist Geldvernichtung!
Bei Fragen stehe ich Ihnen wie immer gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Frank Huttel
Seite 14
Markteinschätzung
Taktik
Strategie
Aktien
Europa
Deutschland
USA
Japan
Emerging Markets
Renten
Staatsanleihen G7
Staatsanleihen EM
Inflationsanleihen
Unternehmensanleihen und
High Yield Anleihen
Globale Wandelanleihen
EUR/US$
Gold (Edelmetalle)
Öl (Brent)
?
Seite 15
Chartgalerie (Stand 14.03.2013)
S&P 500 in US$
Nasdaq 100 in US$
Shanghai B, logarithmisch
Die 1.500 ist überwunden. Das Allzeithoch bei
1.576 Punkte ist nicht mehr weit entfernt.
Der Nasdaq leidet noch immer unter Apple.
Ruhe vor der Attacke auf die Trendlinie? Beim Bruch
prozyklisch mitkaufen.
Nikkei 225
EuroStoxx 50
Europäischer Bankenindex
Die erwähnte 13.000 Punkte-Marke ist nicht mehr
fern.
Nach erfolglosem Test der 2.600 Punkte-Marke
bleibt das Ziel bei 3.000 Punkten.
Nach der derzeitigen Konsolidierung kann es weiter
gehen. Unterstützung bei 340 Punkten.
MDAX
Gold in Euro
Platin in US$
MDax eilt von Allzeithoch zu Allzeithoch. Der
Trendkanal wird „oben“ bei knapp 13.770
Punkten begrenzt.
Gold in Euro ist angeschlagen, so lange die Marke
von 1.251 Euro nicht überschritten wird.
Der erste Versuch, die 1.770 US-Dollar zu
überwinden, ist gescheitert.
Volatilität (VDax)
USA – Verschuldung vor dem Ende?
Ifo Index - Entwicklung
Die Volatilität zuckte nur kurz „dank“ Italien-Wahl.
Vielleicht führt der Sequester notgedrungen zu
einem Rückgang der Schulden.
Der ifo-Index ist nun wieder in der „Boomphase“.
© Copyright FiNet Asset Management AG. Stand: 28. Februar 2013, Charts: 14.03.2013
Dieser Marktkommentar oder Auszüge davon dürfen von Partnern der FiNet Asset Management AG unter Angabe der Quelle verwendet
werden. Die Performancedaten wurden aus Quellen entnommen, die wir für zuverlässig halten. Eine Garantie für die Richtigkeit können wir
aber nicht übernehmen.
Seite 16
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Seele and Geist
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