close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Fischen wie einst die Väter - Migros

EinbettenHerunterladen
aktuell | neues aus der migros
52 |
| Nr. 11, 11. März 2013 | Migros-Magazin |
Fischen wie einst die Väter
Im Kampf gegen die Überfischung der Meere haben die Malediver die Nase vorn, denn sie fischen
begleitete die Fischer beim nachhaltigen Fang des besonders beliebten rosa Thunfischs.
I
m kleinen Hafen von Koodoo, zwei
Flugstunden südlich gelegen von Malé, der Hauptstadt der Malediven,
herrscht mitten in der Nacht geschäftiges Treiben. «Wir laden gerade das
Eis,mit dem wir unseren Fang frisch halten werden», erläutert der erste Offizier
des Schiffes, Ali Areef, der Migros-Delegation. Sie wird 20 Stunden auf See
verbringen, um mit eigenen Augen zu
sehen, wie die Malediver den echten Bonito mit seinen typischen Streifen auf
der Bauchseite, bei uns besser bekannt
als rosa Thunfisch, umweltverträglich
fangen werden.
Trotz später Stunde ist es immer noch
heiss bei fast 30 Grad. Der sternenklare
Himmel verspricht den rund 20 Fischern, die an Bord des Schiffes auf die
Ausfahrt warten, eine ruhige Nacht auf
dem Indischen Ozean.
Sobald die Leinen gelöst sind, wollen wir
mehr über die Arbeit dieser Männer erfahren, die sich stets geweigert haben,
die Meeresgründe mit Fangtechniken
auszubeuten, die zwar äusserst rentabel
sind, aber gleichzeitig auch die Fischbestände stark belasten.
aktuell | neues aus der migros
| 53
| Migros-Magazin | Nr. 11, 11. März 2013 |
auschliesslich mit der Angelrute. Das Migros-Magazin
«Diese Fangmethode
ist besser als andere»
Migros-Chef
Herbert Bolliger
überzeugt sich vor
Ort, wie die rosa
Thunfische
gefangen werden.
Nach dem Fang
werden die
Fische unter strengen hygienischen
Bedingungen für
das Abpacken in
die Konservendosen vorbereitet
(unten).
Sari Tolvanen, warum setzt sich Greenpeace International
für die Angelfischerei ein?
Diese Fangmethode ist - insbesondere beim rosa
Thunfisch - viel selektiver und nachhaltiger als andere Methoden wie etwa die Ringwadenfischerei, die
riesige Netze benutzt. Ausserdem erfordert die Angelfischerei nur geringe Kapitalinvestitionen und ist
daher auch für kleine Küstengemeinden leicht realisierbar. Zudem kommt diesen Gemeinschaften der
Gewinn ihrer Arbeit unmittelbar zugute, vor allem,
wenn die Arbeit direkt vor Ort erfolgt.
Den Fischen steht auf Deck ein langer Todeskampf bevor.
Ist das nicht problematisch?
Es ist nie angenehm, einem Tier beim Leiden zuzusehen. Aus diesem Blickwinkel kann der Fischfang
tatsächlich grausam sein. Wir glauben aber nicht,
dass Thunfische, die auf dem Deck eines solchen
Schiffs sterben, mehr leiden als in einer Ringwade,
wo sie in panischer Angst stundenlang auf ihren sicheren Tod warten.
Bei der Angelfischerei werden lebende Köder eingesetzt.
Besteht dadurch nicht die Gefahr der Überfischung?
Die einfache Losung: Ein Mann,
eine Angel, ein Fisch
Seit je haben die Malediver der Angelrutenfischerei den Vorzug gegeben vor der
sogenannten Ringwadenfischerei, bei
der riesige Netze auch Delfine, Haie oder
Schildkröten mitschleppen und Meeresboden und Korallenriffe beschädigen.
Bei der Angelrutenfischerei gilt die
einfache Losung: Ein Mann, eine Angel,
ein Fisch. Diese handwerkliche Methode, die einen zehnmal höheren Arbeitsaufwand erfordert als die industrielle
Variante, gibt annähernd 20000 Inselbewohnern Arbeit. Und sie bietet den
Vorteil, dass wirklich ausschliesslich
Thunfisch gefangen wird. Ein weiterer
positiver Aspekt: die selektive Fischerei mit der Angelrute lässt Delfine und
Haie zur grossen Freude der Touristen
in Ruhe.
Natürlich kann diese seit sechs Jahrhunderten von kleinen Fischergruppen
an den Küsten praktizierte Methode
Sari Tolvanen,
Meeresschützerin
bei Greenpeace
International,
über die Angelrutenfischerei.
Wir meinen, dass diese Fangmethode zu den besten
zählt. Letztlich müssen die Abnehmer und die Regierung der Malediven gewährleisten, dass der Köderfang den Kriterien der Nachhaltigkeit entspricht.
Nach unserer Ansicht kann das Endprodukt nur dann
nachhaltig sein, wenn sowohl der Köder- als auch
der Thunfischfang artgerecht erfolgen.
Wie beurteilen Sie die Zukunft der Meere?
Ali Areef und seine
Crew fischen so,
wie es schon ihre
Vorfahren taten:
Mit Angel und Leine, aber ohne Widerhaken.
nicht die Volumen bieten, die von der Fischereinidustrie auf den Weltmärkten
verlangt werden. Trotzdem formiert sich
Widerstand gegen die industriellen
Fangmethoden.
An der Spitze dieser Bewegung steht
die International Pole and Line Foundation (IPNLF), die sich für ein stärkeres
Ausbreiten der traditionellen Fischermethode einsetzt. «Das ist ganz im Sinne der Konsumentinnen und Konsumenten, die immer mehr nachhaltigen
Fisch verlangen», sagt John Burton,
Gründungsmitglied der Stiftung.
Die hohe Kunst des Jagens auf
dem Meer verlangt Geduld
Als die Lichter des Hafens am Horizont
verschwinden, werden zunächst junge
Milchfische, die anschliessend als Beute
für den Thun dienen sollen, lebend gefangen. Dazu werden grosse Scheinwerfer eingeschaltet. Angezogen vom Lichtschein, drehen sich bald einige silbrig
glänzende, kleine Fische im hell erleuchteten Wasser. Vier Stunden später sind
sie umringt von Tausenden ihrer Artgenossen. «Sie haben es wahrscheinlich
gar nicht bemerkt, aber wir haben uns
sehr langsam weiterbewegt bis zu einer
seichten Stelle des Atolls, damit der
Milchfischschwarm so dicht wie möglich zusammen bleibt», erklärt Ali Areef, während er geschickt sein Mashdoni
steuert - so heissen die Fischerboote mit
ihrer langen, flachen Brücke am Heck.
Nach ein paar Anweisungen in Divehi,
der Sprache der Malediven, ziehen zwei
Männer ruckartig ein Netz mit den Ködern ein. Sofort befördern andere Fischer mithilfe von Käschern den Fang in
den mit Wasser bedeckten Kielbereich
des Bootes. Kurz danach setzt sich das
Schiff in Bewegung, um im offenen Meer
Jagd auf den rosa Thunfisch zu machen.
Um Fischschwärme auszumachen, achten die Männer auf andere Mashdonis,
die bereits fündig geworden zu sein
Unser Ziel ist, das ökologische Gleichgewicht der
Meere wiederherzustellen. Dazu ist es erforderlich,
die Kapazität der industrielle Fischerei massiv zu reduzieren, Regeln einzuführen, die destruktiven
Praktiken Einhalt gebieten, und so rasch wie möglich
40 Prozent der Ozeane zu Meeresschutzgebieten zu
erklären. Nur so wird es möglich sein, die Artenvielfalt der Meere zu schützen und die Fischbestände zu
vergrössern.
www.greenpeace.org
aktuell | neues aus der migros
54 |
| Nr. 11, 11. März 2013 | Migros-Magazin |
BRING IT ON
| Migros-Magazin | Nr. 11, 11. März 2013 |
«Die Bestände der rosa Thunfische erneuern
sich auf natürliche Weise.»
aktuell | neues aus der migros
| 55
Mariann Breu,
Projektleiterin im
Bereich Konsum
und Wirtschaft
beim WWF
Schweiz, zur
MSC-Zertifizierung
der Angelrutenfischerei.
scheinen, ebenso wie auf Vögel,
die Jagd auf die kleinsten Fische
machen. Dazu starren auf der
Heckbrücke die Männer mit ihren Ferngläsern auf den nächtlichen Horizont.
Kurz nach Sonnenaufgang
sind plötzlich Freudenschreie zu
vernehmen: Ein Fischschwarm
ist entdeckt worden. Nach wenigen Sekunden trifft das knappe Dutzend eben noch dösender
Mariann Breu, warum hat der WWF die MSC-Zertifizierung
der Angelrutenfischerei vor der Küste der Malediven unterFischer auf der Brücke ein. Die
Männer greifen nach ihren Anstützt, wo diese Fangmethode doch ohnehin nachhaltig
gelruten aus Bambus oder
ist?
Kunststoff, setzen sich SchirmDie Fangmethode ist nur ein Aspekt der Fischerei.
mützen und Sonnenbrillen auf
Auch die Bewirtschaftung und der Zustand der
und gehen in Position. Während
Fischgründe müssen berücksichtigt werden. Zudem
ist die Zertifizierung durch ein Label deshalb wichaus mehreren Rohren hinter
tig, weil nur eine unabhängige Kontrolle vor Ort gedem Heck Wasser ausströmt
und kleine glitzernde Strudel
währleisten kann, dass sämtliche Kriterien erfüllt
bildet, kippen die Fischer an Migros-Chef Herbert Bolliger trifft Ahmed Shafeeu,
werden.
Back- und Steuerbord lebende Fischerei- und Landwirtschaftsminister der Malediven.
Milchfische ins Wasser. AngeDas MSC-Label wird auch kritisiert. Ist das für den WWF kein
lockt von den Ködern und dabei
Problem?
verwirrt vom sprudelnden Wasser, ma- Nach der Ankunft am Kai werden die
Der WWF unterstützt das MSC-Label, weil es im Bechen die Thunfische keinen Unterschied Thunfische in den Kühlhallen gelagert,
reich nachhaltiger Fischerei am verlässlichsten ist.
mehr zwischen Beute und Angelhaken. bevor sie in die auf einem nördlicheren
Die Fanggründe werden jedes Jahr kontrolliert, die
Beide schimmern silbrig im Wasser.
Atoll befindlichen Konservenfabriken
Kriterien für eine Zertifizierung alle fünf Jahre angebracht werden. Der später von der Mihand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse akEin einzelner Fisch wiegt
gros verkaufte Thunfisch wird zwar dertualisiert. Das bietet den Vorteil, kritische Punkte
zwischen fünf und zehn Kilo
zeit noch in Thailand abgepackt, soll
stets entspreechend zu berücksichtigen.
Schnell gelingt es den Männern, die ers- künftig aber direkt vor Ort in die Dosen
ten Fische zu fangen. Mit einer geschick- abgefüllt werden. In beiden Fällen erKann man den mit der Angelrute gefangenen Thunfisch wieten, präzisen Handbewegung ziehen sie folgt der Transport auf der gleichen
der ohne schlechtes Geweissen geniessen?
den Thunfisch im Schwung aus dem Strecke: Die Konserven werden per
Ja, wenn die Fischgründe nachhaltig bewirtschaftet
Wasser und legen ihn auf die Brücke. Schiff nach Rotterdam gebracht, dann
werden, was auf den Malediven der Fall ist. Im Zweifelsfall hilft unser Einkaufsratgeber. Wir empfehlen,
«Da die Angelhaken keinen Widerhaken per Lastkahn nach Basel und schliesslich
haben, lassen sie sich leicht wieder aus per Zug ins Verteilzentrum. Dadurch
bevorzugt Fisch mit MSC-Zertifizierung zu kaufen
dem Fleisch des Fisches lösen», erklärt wird bei jedem einzelnen Schritt - von
und nicht täglich Fisch zu konsumieren.
einer der Männer. Zudem ist der Haken der Fischerei auf dem Meer bis zum Eingross genug, damit die Jungfische, die räumen in die Regale - strengstens auf
www.wwf.ch/fisch
sich noch vermehren sollen, nicht an- den Umweltschutz geachtet.
beissen. So können sich die Bestände auf
Wie die Technik von gestern eine
natürliche Weise erneuern.
Nach drei Stunden harter Arbeit - im- Lösung für morgen bringt
rutenfischerei begrüsst. Auch Greenmerhin wiegt jeder Fisch zwischen fünf Nach einem Treffen mit Fischerei- und peace international unterstützt die Meund zehn Kilogramm - ist das Heck des Landwirtschaftsminister Ahmed Sha- thode. Der WWF wiederum hatte sich
Mashdoni voller Thun. Es ist ein gelun- feeu sieht sich auch Migros-Chef Her- aktiv dafür eingesetzt, dass der Fang des
gener Fang, Ali Areef schätzt ihn auf bert Bolliger die Arbeit der Fischer aus rosa Thunfisch mit Angelruten seit dem
rund drei Tonnen. Während die Fische der Nähe an: «Ich bin sehr beeindruckt, 1. November 2012 MSC-zertifiziert ist.
Die Bewohner der Malediven freuen
im Kühlbereich lagern und das Schiff wie die Malediver im absoluten Einklang
zum Hafen zurückkehrt, wird es von gut mit der Natur arbeiten», sagt Bolliger. sich über die internationale Anerkenhundert Delfinen umschwärmt. Ein be- «Und es ist interessant zu beobachten, nung. Sie bestätigt ihnen, was sie schon
wegender Moment, den man fast schon wie die Fangmethoden von gestern eine seit langem wissen: Nur einer verantals Dankeschön der Meeressäuger ver- Lösung für die Probleme von heute und wortungsvollen, nachhaltigen Fischerei
stehen will, die dank der althergebrach- sogar morgen bieten.» Herbert Bolliger gehört die Zukunft.
ten Fangmethode dem sicheren Tod ent- ist nicht der Einzige, der die ökologiTexte: Pierre Wuthrich
Fotos: Monika Flückiger
gangen sind.
schen und sozialen Vorteile der Angel-
«MSC steht für
nachhaltige Fischerei»
NEU
Maximale Energie am Morgen - Starbucks Doubleshot® Espresso.
Ein köstlicher Mix aus Starbucks® Espresso und Milch.
Hergestellt aus 100 % Fairtrade Espresso Roast Kaffeebohnen.
Starbucks Discoveries® gibts in Ihrer Migros
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
1
Dateigröße
1 419 KB
Tags
1/--Seiten
melden