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Gewusst wie: Lagerung von Pflanzenschutzmitteln

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Gewusst wie: Lagerung
von Pflanzenschutzmitteln
„Wie lagere ich meine Pflanzenschutzmittel ordnungsgemäß?“
Spätestens seitdem die Cross-Compliance-Kontrollen im Jahr
2005 auf den landwirtschaftlichen Betrieben begonnen haben,
sind Landwirte für diese Frage sensibilisiert. Schließlich drohen
bei Verstößen empfindliche Abzüge der EU-Betriebsprämien.
Der folgende Beitrag reißt einige rechtliche Aspekte an und gibt
wichtige Hilfestellungen, wie ein Lager aussehen sollte.
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D
ie Lagerung von Pflanzenschutzmitteln
ist gesetzlich geregelt. Bau- und Anlagenverordnungen der Länder, Wasserhaushaltsgesetz, Verwaltungsvorschriften für
Wasser gefährdende Stoffe, Gefahrstoffverordnung, Bundesimmissionsschutzgesetz, Pflanzenschutzgesetz – die Liste ließe
sich noch ausdehnen – enthalten Aussagen
dazu. Hinzu kommt, dass die Vorgaben von
Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind und wiederum von Landkreis zu
Landkreis individuell ausgelegt werden.
Das stellt Landwirte, die nicht mit dem
Gesetz in Konflikt geraten wollen, zunächst vor eine unübersichtliche Situation.
Werner und Arend Kokemüller, Landwirte aus Wunstorf (Niedersachsen)
„Bis vor einiger Zeit haben wir unsere
Pflanzenschutzmittel in einem kleinen
abgetrennten Raum aufbewahrt. Der
war zwar beheizt und belüftet, allerdings genügte der Boden nicht mehr
den Anforderungen. Zwecks Neuinvestition haben uns der Landhandel
und das Pflanzenschutzamt Hannover
beraten. Unsere Wahl ist schließlich auf
den Kleincontainer einer Spezialfirma
gefallen. Arbeitswirtschaftlich günstig
steht der jetzt in der Nähe der
Spritzenbefüllstelle.“
Wer kontrolliert?
Die Landkreise überprüfen stichprobenartig die Einhaltung der Vorschriften. Dazu
sagt Claudia Deppe von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen: „In der
Vergangenheit lag der Fokus der Kontrollen zwar bei der Diesellagerung, aber
Pflanzenschutz rückt zunehmend in den
Vordergrund.“ Dabei werden auch immer
wieder „schwarze Schafe“ entdeckt. So haben Kontrolleure im Raum Hildesheim ein
wildes Lager in einer offenen Scheune vorgefunden, wo verschiedene Pflanzenschutzmittel, Öle und Schmierstoffe bereits ins Erdreich eingedrungen waren.
„Der Landwirt musste insgesamt 18.000
Euro Bußgeld zahlen“, so Deppe.
Seit Beginn der flächendeckenden
Cross-Compliance (CC)-Kontrollen hat
die Fragestellung für viele Landwirte eine
neue Dimension erhalten. In der CCGrundwasserrichtlinie steht: „…Auf dem
landwirtschaftlichen Betrieb sind diese
Stoffe (Mineralölprodukte und chemische
Pflanzenschutzmittelwirkstoffe) so zu lagern
und zu handhaben, dass Ableitungen ins
Grundwasser nicht stattfinden...“ Auch
hier geht es bei Verstößen ums Geld. Erstmalige leichte Zuwiderhandlungen kommen vergleichsweise glimpflich mit einem
Prozent Prämienkürzung davon, Wiederholungstätern kann bei schweren Verstößen
die Direktzahlung für ein Jahr komplett gestrichen werden.
Während die CC-Anforderungen im
Normalfall leicht zu erfüllen sind, gehen die
Vorgaben der QS- und EurepGAP-Prüfzeichen, mit denen Gemüse-, Obst- und Kartoffelanbauer bereits seit längerer Zeit befasst sind, deutlich weiter und zum Teil auch
über das Fachrecht hinaus. Bei groben Zuwiderhandlungen (Beispiel: Pflanzenschutzmittelgebinde stehen mitten im Kartoffellager) droht ein unbegrenzter Ausschluss.
Sichere Lagerung ist Pflicht
Diese Ausführungen verdeutlichen, dass
Verstöße keine Kavaliersdelikte sind. Ganz
abgesehen von möglichen Sanktionen sollten
die sichere Lagerung und der ordnungsgemäße Umgang mit Pflanzenschutzmitteln
eine Selbstverständlichkeit sein, um Risiken
für Mensch und Umwelt zu vermeiden.
Wer von der Öffentlichkeit als verantwortungsbewusster Landwirt wahrgenommen
werden will, der muss Umweltaspekte –
und hier insbesondere den Wasserschutz –
ernst nehmen. Auch der Personenschutz ist
ein Muss. Dazu gehört beispielsweise, dass
ein Lager abschließbar ist. Damit sinkt die
Gefahr, dass Unbefugte Schaden nehmen
oder Mittel entwendet werden können.
Planmäßig vorgehen
Wer seine Lagerung neu organisieren
möchte, sollte nach Meinung der Kammermitarbeiterin zunächst einmal die Mengen
abschätzen. Denn der Gesetzgeber legt hier
unterschiedliche Maßstäbe an. „Je größer
die Mengen, desto umfangreicher die Anforderungen“, so Claudia Deppe. „Schon
bei Lagermengen über 100 kg muss laut
Gesetz eine Anzeige bei der unteren Wasserbehörde erfolgen, bei mehr als 1.000 kg
greift unter anderem die Löschwasserrückhalte-Richtlinie.“
Welche Anforderungen muss ein Lager grundsätzlich in allen Bundesländern erfüllen?
Der Industrieverband Agrar hat dafür 10 Regeln aufgestellt.
• Pflanzenschutzmittel getrennt von
Nahrungsmitteln, Futtermitteln, Dünger,
Branntkalk und brennbaren Stoffen
lagern.
• Lagerraum als Rückhalteeinrichtung
mit dichtem Fußboden und Türschwelle
anlegen, um ausgelaufenes Produkt
auffangen zu können. Kein Anschluss
an die Kanalisation.
• Stabile, abschließbare Tür und einbruchsichere Fenster anbringen.
• Für gute Belüftbarkeit sorgen.
• Stabile, standfeste Regale aus nicht
brennbarem Material verwenden, möglichst mit integrierter Auffangwanne.
• Lichtschalter außen anbringen. Keine
Elektrogeräte, Heizlüfter
oder Gasstrahler im Lagerraum verwenden. Wenn nötig, mit Ölradiator
heizen.
• Vor der Eingangstür Schaumlöscher
bereithalten (6 kg, TÜV alle 2 Jahre).
• Aufnahmebehälter und saugfähiges
Material für ausgelaufene Flüssigkeiten
bereithalten, z.B. Chemikalienbinder
oder trockener Sand.
• Waschgelegenheit in der Nähe des
Lagerraums einrichten.
• Ab 5 t Lagerkapazität immissionsschutzrechtliche Genehmigung
einholen.
Die Auflistung erhebt keinen Anspruch
auf Vollständigkeit. Betriebe, die
Pflanzenschutzmittel lagern, sind für die
Einhaltung der jeweiligen rechtlichen
Bestimmungen verantwortlich.
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Lagerschrank mit Warnaufschrift
(Metallschrank aus nicht brennbarem Material)
Entlüftung (ggf. über Abzug)
Sicherheitskennzeichnung
Türinnenwand: Anbringung von
Betriebsanweisung und
Pflanzenschutzmittelverzeichnis
Sicherheitsschloss
Auffangblech
Belüftung
Nach ihrer Erfahrung wird das Mengenaufkommen in der Praxis häufig unterschätzt: „Bereits Ackerbaubetriebe mit 100
Hektar kommen im Normalfall nicht mehr
mit einem Umweltschrank für rund 100 kg
Lagermenge hin.“ Denn der Gesetzgeber
definiert Lagerung als eine Aufbewahrung,
die länger als 24 Stunden erfolgt. Sämtliche umfangreicheren Vorratskäufe, die
Landwirte zum Beispiel im Rahmen von
Einkaufsgemeinschaften vor der Saison
tätigen, könnten damit schon nicht mehr
ordnungsgemäß gelagert werden. Daher ist
ein zukunftsorientierter Landwirt gut beraten, eine solide und langfristige Lösung
anzustreben.
Bei der Planung sollte weiterhin berücksichtigt werden, wie die zu lagernden
Pflanzenschutzmittel hinsichtlich Giftigkeit, Brennbarkeit und Wassergefährdung
eingestuft sind (siehe Gebinde). Je nach
Menge greifen hier die bereits eingangs
erwähnten Gesetze und Verordnungen.
Schrank, Container, Lagerraum?
Für die Mehrzahl kommen nach Einschätzung von Claudia Deppe Container oder
abgetrennte Lagerräume in Frage. Während
Umweltschränke für Kleinbetriebe rund
500 Euro kosten, vertreiben Fachfirmen
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Auffangwanne
Kleincontainer (2,35 m Breite x 0,91 m
Tiefe x 2,34 m Höhe) für circa 1.100 bis
2.500 Euro. Großcontainer können bis zu
mehreren tausend Kilogramm aufnehmen,
sind aber mit ca. 4.000 bis 8.000 Euro auch
deutlich teurer. Falls geeignete Betriebsgebäude vorhanden sind, bietet es sich an, einen gesonderten Raum abzumauern und
einzurichten. Die Landwirtschaftskammer
Niedersachsen hat den Aufwand für einen
7 m2 großen Musterraum kalkuliert. Müssen
zwei Außenwände errichtet, eine Decke
eingezogen, Fußboden-Beton mit Versiegelung sowie Regale und eine Feuerschutztür angeschafft werden, ist mit Materialkosten von knapp 2.000 Euro zu rechnen. Je nach Aufwand und Größe können
die Kosten bis auf über 10.000 Euro ansteigen.
Mario Köhl, Verwalter auf einem
Ackerbaubetrieb in Gladbach (Rheinland)
„Selbst ein 20-Fuß-Container hätte für unseren Lagerbedarf nicht ausgereicht. Mit
dem neuen Lagerraum besteht jetzt reichlich
Puffer, auch wenn der Betrieb, der momentan gut 500 Hektar umfasst, weiter wachsen
sollte. Die Kosten für diese Zukunftslösung
waren etwa so hoch wie für den Container.
Meine Mitarbeiter und ich haben zusätzlich
einiges an Eigenleistung hineingesteckt. Die
feuerfeste Tür ist mit Absicht so groß gewählt worden, um Paletten hindurch fahren
zu können. Mein Landhändler hat mir bei
der Planung geholfen. Vorsorglich haben wir
alles so konzipiert, dass wir mit dem Lager
die strengen QS- und EurepGAP-Vorgaben
erfüllen können, auch wenn wir zurzeit
keine zu zertifizierenden Kulturen anbauen.“
Lagerraum mit Warnaufschrift
Schaumlöscher
Waschmöglichkeit
Augendusche
Auffangmöglichkeit
(Bodenschwelle)
Sicherheitsschloss
Sicherheitskennzeichnung
Lagermanagement beachten
Ist der Lagerraum eingerichtet, gilt es verschiedene weitere Vorgaben zu erfüllen. So
muss von außen unter anderem ein Warnschild gegen unbefugtes Betreten angebracht werden. Im Lager verlangt der Gesetzgeber geordnete Verhältnisse. Der Industrieverband Agrar (IVA) hat daher folgende Checkliste erstellt, die auch aus
Gründen des Anwenderschutzes beachtet
werden sollte.
• Lagerraum immer abschließen. Ordentlich und sauber halten. Lagerliste führen
zur Bestandsüberwachung.
• Produkte trocken lagern, ordentlich und
sauber halten.
• Lagerhinweise der Hersteller beachten
(z.B. Raum-Temperatur)
• Lagergut einmal wöchentlich auf Undichtigkeit kontrollieren. Anbruchgebinde gut
verschließen.
• Bei beschädigten Gebinden das Produkt in
geeigneten Behälter umfüllen und diesen
kennzeichnen.
• Ausgelaufene Flüssigkeit mit Chemikalienbinder aufnehmen, Pulver oder Granulat mit Lappen aufnehmen, Staubbildung
vermeiden. Über die Schadstoffsammlung
entsorgen.
• Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) und
Schutzanzug (Pflanzenschutz), Schutzbrille, Gummischürze und Gummistiefel bereithalten und nutzen.
• Leergebinde im Lagerraum aufbewahren
und zur PAMIRA-Sammlung bringen.
• Diese Mengen dürfen genehmigungsfrei
gelagert werden: bis 200 kg T und T+ (giftige bzw. sehr giftige Mittel) davon maximal 50 kg T+.
Claudia Deppe ergänzt diese Punkte um einen weiteren: „Ab und zu muss das Lager
entrümpelt werden – nicht mehr zugelassene oder bereits überlagerte Mittel gehören
aussortiert und ordnungsgemäß entsorgt.“
Erst informieren, dann planen
Zusammenfassend sagt die Beraterin:
„Patentlösungen, die auf alle Betriebe passen, gibt es leider nicht.“ Die betriebliche
Situation müsse ebenso wie die jeweilige
Rechtslage der einzelnen Bundesländer
berücksichtigt werden. Letztendlich zuständig für die Genehmigung der Läger
seien die Landkreise. Damit das möglichst
reibungslos und schnell gelingt, empfiehlt
sie, sich vor der Planung gezielt zu informieren. Vorzugsweise bei kompetenten
Beratern der Kammern oder der Industrie
und anerkannten Fachfirmen für den Bau
von Gefahrstofflägern. ■
Matthias Wiedenau, agro-kontakt
Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie bei:
• Industrieverband Agrar: Checklisten und Poster „Pflanzenschutzmittel sicher
lagern“, detaillierte Orientierungshilfe „Sichere Lagerung von Pflanzenschutzund Schädlingsbekämpfungsmitteln“, Excel-Anwendung „PflanzenschutzmittelBestandsliste“; Kontakt: www.iva.de
• Produktliste Pflanzenschutzmittel 2007 Bayer CropScience: Kapitel Musterbetriebsanweisung und Hinweise zur Pflanzenschutzmittellagerung; zu beziehen
über den Landhandel
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