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hgk Z intern erstes junior design departement wie riecht tokio

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hgk Z
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Forum für die Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich,
für das Museum für Gestaltung Zürich und die Hochschule Musik und Theater Zürich
Nummer 4/06 Oktober 2006
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04
erstes junior design departement
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19
wie riecht tokio?
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20
bundesrat im toni-areal
—
22–29
diplomausstellung und festival der künste: die bilder
intern
0
hgkzintern4/06 szenografie –
wegbereiterin eines
doktor artis?
Interview mit Thea Brejzek und Lawrence Wallen, die das neue praxisbasierte Doktoratsprogramm Szenografie leiten. Das Programm
ist in den neuen MAS1) Szenografie eingebettet,
welcher das bisherige Nachdiplomstudium
Szenische Gestaltung ersetzt. Die Fragen stellte
Annette Vogel*
Zunächst einmal: Weshalb die Änderung von „NDS Szenisches Gestalten“ zu „MAS Szenografie“?
Wallen: Der Begriff „Szenografie“ reflektiert den aktuellen
Fokus unserer Programme präziser und stellt diese in direkte
Beziehung zu verwandten internationalen forschungs- und
praxisbasierten Programmen. Gleichzeitig sind die Programme so kompatibel mit den Konzepten und Zielsetzungen unserer internationalen Partnerinstitutionen.
Ihr beginnt im Oktober 06. Wer hat sich beworben?
Brejzek: Aus ca. 25 internationalen Bewerbungen hat sich
nun eine erste DoktorandInnengruppe von 12 Personen
herauskristallisiert. Der typische Kandidat, die typische
Kandidatin ist in einer leitenden Position im Universitätsund Forschungskontext sowie im Architektur-, Medien-,
Kunst- und Designkontext tätig und zwischen 35 und 50
Jahre alt. Die KandidatInnen, die aus Grossbritannien,
Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Singapur kommen, werden neben ihrer Forschungstätigkeit auch im
MAS-Studiengang unterrichten, ebenso wie Wolfgang Greisenegger, Prof. Lawrence Wallen und ich. Im Februar 2007
stellt sich das Doktoratsprogramm im Rahmen unseres
Symposiums „Macht und Raum“ an der hgkz erstmals der
Öffentlichkeit vor.
Gibt es vergleichbare Programme in Europa?
Brejzek: Unseres Wissens ist unser Programm das einzige praxisbasierte Doktoratsprogramm für Szenografie in
Europa. Sowohl in Grossbritannien als auch in Skandinavien – insbesondere in Helsinki, Finnland – existiert das
Modell des praxisbasierten PhD seit mehreren Jahren in
Design, Drama und Performance sowie Kunst, allerdings
nicht in der Art des wissenschaftlich-künstlerischen Austausches zwischen zwei spezialisierten Institutionen, wie
dies bei uns der Fall ist. Um den akademischen Standard
des MAS-Doktorats-Programms und den Erfolg allgemein
zu beurteilen, wird in zwei Jahren eine von der Universität
Wien eingesetzte externe Evaluierung stattfinden. Das wird
uns die Möglichkeit geben, das Programm weiter zu optimieren.
Wie wichtig sind die internationalen Partner für euch?
Wallen: Wir arbeiten mit zwei Partnerinstitutionen zusammen: eine in Barcelona, die andere, zentrale Partnerschaft
in Wien. Die Kooperation mit dem Institut für Theater-,
Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien ermöglichte die gemeinsame Entwicklung eines praxisbasierten
Weshalb brauchen Künstlerinnen und Designer ein DoktoDoktoratsprogramms in Szenografie.
rat?
Wie funktioniert die Partnerschaft mit dem Wiener Institut? Wallen: Nun, wahrscheinlich brauchen sie es nicht ... Nur:
Brejzek: Doktoratskandidatinnen und -kandidaten immat- Das Programm ermöglicht etablierten Praktikerinnen und
rikulieren sich gleichzeitig an der Universität Wien für das Praktikern, einen Schritt weg von den täglichen AnforDoktorat und an der hgkz für den MAS Szenografie. Das derungen der eigenen Praxis zu machen und ihre Arbeit
Programm vereint die unterschiedlichen Kompetenzen der akademisch zu reflektieren. Das ist sicherlich nicht für alle
beiden Institutionen: die künstlerische Kompetenz der hgkz erstrebenswert oder auch möglich. Für diejenigen jedoch,
und die wissenschaftliche Kompetenz der Universität Wien, die bereits lehren und forschen, ist das Doktorat oft die Vordie auf eine lange akademische Tradition zurückblicken aussetzung für eine weitere akademische Karriere.
kann.
Brejzek: Im Design ist es der Architekturkontext, in dem das
Wallen: Die Teilnehmenden realisieren ein umfassendes Doktorat am weitesten verbreitet ist. Auch gibt es immer
künstlerisches Projekt innerhalb der MAS-Struktur und mehr Stimmen, die sich für den „Doktor artis“, also nicht
absolvieren dort Theorie- und Designseminare. Die the- den Dr. arch. oder Dr. phil., sondern den „Doktor der Künsoretische Dissertation wird von den Wiener KollegInnen te“ aussprechen. Und es ist gut denkbar, dass wir uns in
supervidiert und beinhaltet eine Reflexion und Kontextuali- diese Richtung hin entwickeln werden.
sierung der künstlerischen Praxis. Der MAS-Abschluss wird
Zum Schluss: Wie viele Studierende habt ihr?
aufgrund der künstlerischen Arbeit an der hgkz verliehen,
Brejzek: 20 MAS-Studierende sind im 2.Studienjahr, 15 neue
der Doktorgrad – „Dr. phil.“ - aufgrund der theoretischen
MAS-Studierende starten im Oktober. Das sind dann also 35
Arbeit an der Universität Wien.
Studierende. Hinzu kommen ab Herbst 12 Doktorandinnen
und Doktoranden, es sind also insgesamt 47 Studierende.
Welche Personen stehen hinter der Partnerschaft?
Wallen: Unsere direkten Partner in Wien sind Prof. Dr.
Wolfgang Greisenegger, langjähriger Leiter des Instituts 1) MAS = Master of Advanced Studies
und ehemaliger Rektor der Universität Wien, und Prof. Dr. Links: http://sceno.hgkz.ch
www.univie.ac.at
Brigitte Marschall, Studienprogrammleiterin des Instituts.
Wolfgang Greisenegger übernimmt die wissenschaftliche
* Annette Vogel ist Kunsthistorikerin und Geschäftsführerin der Serge
Leitung des Programms, Dr. Thea Brejzek ist künstlerische Sabarsky Stiftung, New York, sie war Mitglied der NDS-Szenografie-Diplomjury 05.
Leiterin und ich selber bin Studienleiter.
0
inhalt
hgkzintern4/06
2
Szenografie – Wegbereiterin eines Doktor artis?
31
4
Jugendliche für Design begeistern. Das Junior
Design Department
Ausstellungen im Museum für Gestaltung Zürich unter
neuer Leitung – Strategien und Programm
32
Juriert – Prämiert – der Eidgenössische Wettbewerb für
Design 2006
33
Die Museumskonferenz Muscon zu Gast im Museum
für Gestaltung
Departement Lehrberufe unterwegs: Tatort Bellaluna –
Bahnerlebnis Albula
6
Strika, Caminada, Varone,
Shabazi, Prill, Vieceli
Förder- und Leistungspreise 2006
8
Livemusik zum Nulltarif – über 600 Veranstaltungen pro Jahr an der HMT
34
9
Tanzen, lernen und wohnen – Jugendliche ab 12
in der Tanzausbildung
35 Viele Falten statt der einen. Filmförderungspolitik zwischen Popularität und Qualität?
10
Toni-Areal – Kompetenzen ins Spiel bringen
36
12
Zürcher Hochschule der Künste: News, Termine,
neue Jahresstruktur
Einmal Cannes und zurück und einfach weitermachen: Interview mit Matthias Huser
37
Ein Netz für Ehemalige – Alumni der HMT und hgkz
13
Intensiv, diskursiv, atmosphärisch: Symposion
„Supervisionen“ am Studienbereich Fotografie
38
I did it my way – Gespräch mit dem wissenschaftlichen
Illustrator Marco Wyss
15
Gilbert Bretterbauer Vernetzungen –
die neue Ausstellung im Museum Bellerive
39
Wechsel bei der Leitung der Stabsdienste
16
Andern in die Töpfe schauen – Ein interdiszipli­
näres Projekt des Studienbereichs Industrial Design
18
Die Un_Schuld der Bilder. Kunst und Kultur­
analyse – eine Stellungnahme
19
Wie riecht Tokio? Das Forschungsprojekt city_
space_transitions
20
Die Landesregierung zu Besuch in Zürich:
Bundesrat im Toni-Areal
22
Bildstrecke in Farbe: Diplomausstellung und
Festival der Künste im Toni-Areal
30
Das „High“ ist wie ein Schwamm, der alles in sich
aufsaugt – das high-low-Symposium im November
40 Im Plakatraum: Zürich HB – Milano Centrale
41 Kurzmeldungen
42 Who is who: Forschung und Entwicklung
43 Leiter für zukünftiges ZHdK-Departement Kulturwissenschaft und ästhetische Vermittlung gewählt
44
Die Soirée Design 2006 des Departementes Design
45
Carte Blanche der Studierendenvereinigung Organ
46
Agenda
0
0
hgkzintern4/06
lichkeit, ein Designstudium und den Designberuf hautnah
kennenzulernen. Und das Interesse war gross – doppelt so
viele Interessenten meldeten sich für die verfügbaren Plätze
an, beide Wochen waren rasch ausgebucht.
„Jugendliche früh abholen und für Designberufe sensibilisieren“, so umschreibt der Projektleiter Michael Krohn das
Ziel des Pilotprojektes. Die Teilnahmegebühren betrugen
pro Woche 75 Franken, finanziert wurde das Pilotprojekt
durch einen Sonderkredit der Schulleitung.
Jeder der sechs Studienbereiche des Departements Design
bot einen einwöchigen Workshop und begleitende Vorlesungen an, geleitet von den jeweiligen Dozierenden und
Assistierenden. Felix Eggmann, Dozent Game Design, entschied sich z.B. für das Thema „Virtuelle Welten“ und führte
mit einem tragischen Fischermärchen in die 3-D-Software
„Blender“ ein: Am ersten Tag bauten die TeilnehmerInnen
aus Schuhschachteln die Räume für die einzelnen Szenen
und bauten sie nachher im Computer nach. Michael Krohn,
Industrial Design, vermittelte den ZuhörerInnen seiner Vorlesung „Tatidesign“ auf spielerische Art, dass auch Objekte
im Film ein Design haben.
Lieber kopieren als studieren
Für die am Junior Design Departement teilnehmenden
Dozierenden war es eine Herausforderung, Jugendliche
zu unterrichten. „Die Betreuung ist aufwendig, weil die
Jugendlichen weniger selbstständig arbeiten als Studierende“, sagte Shusa Niederberger, Assistentin des Workshops
„Virtuelle Welten“. Auch gestalterische Vorgehensweisen
und Vorlieben unterschieden sich im Vergleich zu den
regulär Studierenden: „Die Jugendlichen kamen mit einer
‚Bravo-Ästhetik‘ in den Kurs“, beobachtete Rudolf Barmettler, der den Workshop „Design by handmade“ leitete und
Plakatentwürfe mit Bleisatz, Holzbuchstaben und Abziehpresse umsetzte. Andreas Saxer, Assistent beim Workshop
„Lampenfieber“, stellte erstaunt fest, dass für 12- bis 16-Jährige andere Gestaltungsgrundsätze gelten als bei den Studierenden: Nicht die eigene Idee und der individuelle Entwurf stand im Vordergrund, sondern die TeilnehmerInnen
kopierten Ideen voneinander, wenn sie ihnen gefielen.
Beliebt war zum Beispiel das Flechten, um die Leuchte
Im Junior Design Departement konnten
aus Kunststoff herzustellen. „Es ging wie Wellen durch den
Jugendliche erstmals während der SommerRaum“, bestätigte Nicole Kind, die für den Studienbereich
ferien ein Schnupperstudium in Design
Industrial Design den Workshop plante. Sie zog eine posimachen. Stefanie Hablützel*, Fotos: Regula
tive Bilanz – sie habe es sehr geschätzt, diese Altersgruppe
Bearth, Betty Fleck
zu unterrichten, und fände es schön, die Jugendlichen über
Sorgfältig legt Dshamila (14) das Sieb mit dem Bild der mehrere Jahre zu begleiten.
Band „Black Eyed Peas” auf ein rotes Shirt und druckt ihre
Viele TeilnehmerInnen zeigten sich beeindruckt von der
Zeichnung in schwarzer Farbe. Sie besucht den Workshop
Ernsthaftigkeit der Auseinandersetzung mit ihren Ideen
„My favorite shirt“ und ist eine der 79 TeilnehmerInnen des
und äusserten sich positiv zum Schnupperstudium an einer
Junior Design Departements. Zur gleichen Zeit malt eine
Gestaltungshochschule. Rund die Hälfte gab an, das Junior
Gruppe Jugendlicher im vierten Stock die letzten Korallen
Design Departement für die Studien- und Berufsorientieund Fische einer wandfüllenden Unterwasserlandschaft.
rung besucht zu haben. Zum Abschluss präsentierten die
Einen Stock höher besprechen die jungen Scenographical
Junior-DesignerInnen ihre Arbeiten in einer Ausstellung im
DesignerInnen das Modell für eine Ausstellung, mit der sie
5. Stock. Rund 150 Personen – Eltern, Freunde und Bekanndie Stadt Zürich aus ihrer persönlichen Perspektive zeigen
te – besuchten die Vernissage.
wollen.
jugendliche für
design begeistern
Ausgebucht
Alle Workshops und Vorlesungen unter http://junior.hgkz.ch
Unter dem Motto „Entdecke dein Talent!“ gab das Departement Design zum ersten Mal 12- bis 16-Jährigen die Mög-
* Stefanie Hablützel ist Koordinatorin Junior Design Departement.
0
oben: „30 Grad im Schatten“ von Ana Strika, Bildende Kunst
links: Ausstellung Leistungspreis mit zwei grossformatigen Bildern der Fotografin
Shirana Shahbazi, die mit dem 1. Leistungspreis ausgezeichnet wurde
links unten: Leistungspreis für die Arbeiten der visuellen Gestalter Tanja Prill und
Alberto Vieceli
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hgkzintern4/06
förder- und
leistungspreise 2006
Im Rahmen des Festivals der Künste hat die
hgkz am 9. Juli im Toni-Areal den Förderpreis
und den Leistungspreis 2006 vergeben.
Heike Pohl, Fotos: Regula Bearth, Betty Fleck
Förderungswürdige Diplomierte
Den Förderpreis erhalten jedes Jahr AbsolventInnen für
Diplomarbeiten, die sich durch schöpferische Intensität,
Eigenständigkeit, gestalterische Intelligenz und Komplexität
auszeichnen. Mit 8000 Franken wurde diesmal die Arbeit „30
Grad im Schatten“ der jungen Künstlerin Ana Strika prämiert,
eine grossräumige Installation mit einem Scherenschnitt,
Licht und Dunkelheit, Alltagsgeräuschen und Traumtexten. Ebenfalls 8000 Franken erhielten die beiden visuellen
Gestalter Remo Caminada und Ludovic Varone für ihr Projekt „Type Generator“, die Erfindung einer Entwurfsmaschine, die es Schriftgestaltern möglich macht, mit vergleichsweise geringem Aufwand selber Schriften nach den eigenen
Bedürfnissen zu generieren – eine Arbeit mit dem Potenzial,
den Umgang mit digitalen Schriften zu revolutionieren. Die
Förderpreis-Jury waren: Tiziana Mona, Schulrätin hgkz, Ellen
Meyrat-Schlee, ehemalige Direktorin der FH Gestaltung
und Kunst Aarau, die Medienkunstspezialistin Villö Huszai, die Kunstpädagogin Susanne Mann aus Wien und die
Luzerner Künstlerin Bessie Nager.
Erfolgreiche Ehemalige
Alle zwei Jahre vergibt die hgkz den Leistungspreis (total
30’000 Franken) für exemplarische Arbeiten von AbsolventInnen, die frühestens drei und spätestens zehn Jahre nach
Abschluss der Ausbildung entstanden sind. Der Preis ist
eine Anerkennung für wegweisende Leistungen im Bereich
Design, Kunst, Medien und Vermittlung. Dieses Jahr wurde
die international bekannte Fotografin Shirana Shahbazi für
ihre Fotoarbeiten, ihre Fotobücher und ihre raumgreifenden
Fotoinstallationen mit dem ersten Preis von 20’000 Franken
gewürdigt. Shahbazi erhielt bereits im Jahr 2000 den Förderpreis der hgkz für ihre Diplomarbeit. Den zweiten, mit
10’000 Franken dotierten Preis hat die Jury dem Gestalterteam Tania Prill und Alberto Vieceli zugesprochen für ihre
auch in der Schweiz bereits vielfach preisgekrönten Buchgestaltungen, Plakatentwürfe und typografischen Konzepte.
Jury: Dorothee Messmer, Gianni Jetzer, Peter Christian
Fueter, Petra Eisele, Jules Keyser und Hans-Peter Schwarz.
Alle Arbeiten waren vom 30. Juni bis 13. Juli 06 im Toni-Areal ausgestellt.
oben: „Type-Generator“ von Remo Caminada und Ludovic Varone
Portaits der FörderpreisträgerIn:
oben: Ana Strika, Bildende Kunst
unten: Remo Caminada und Ludovic Varone, Visuelle Kommunikation
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livemusik zum
nulltarif
Augen zu – schweben im Klangraum eines Sinfonieorchesters. Ohren auf – eintauchen in den
intimen Dialog eines Kammerensembles. Oder
abtanzen zu funky music, kongenialen Jazzimprovisationen, südamerikanischen Rhythmuskaskaden. Musik ganz unmittelbar erleben, live
und ohne das Portemonnaie zu belasten: Die
HMT macht’s möglich. Daniela Huser*
Die Hochschule Musik und Theater Zürich (HMT) bietet der
musikinteressierten Öffentlichkeit jährlich über 600 Veranstaltungen, die eine stilistische Bandbreite umfassen, die
kaum Wünsche offen lässt. Sie ermöglicht den kostenlosen
Besuch von Veranstaltungen auf hohem künstlerischem
Niveau und lässt so die Bevölkerung an der Hochschule teilhaben und sozusagen die Sahne der Ausbildung abschöpfen. Für die Musikstudierenden sind die Veranstaltungen
eine willkommene Herausforderung, ihr Können vor Publikum unter Beweis zu stellen. Nicht zuletzt bieten die Konzerte den renommierten Kulturhäusern einen permanenten
Einblick in den Nachwuchspool der HMT.
Musik auf einen Blick
Damit alle Musikinteressierten in den Genuss dieser Veranstaltungen gelangen, ohne sich einer Informationsflut
aussetzen zu müssen, bietet die HMT einen kostenlosen
Service an: Ein Newsletter, der per E-Mail verschickt wird,
informiert gezielt über einzelne Veranstaltungen oder liefert auf Wunsch die Daten aller Musikveranstaltungen.
Die Agenda, das musikalische Monatsprogramm, bietet
einen Überblick und wird kostenlos per Post nach Hause
geschickt.
Auf der Website der HMT kann man sich für den Newsletter
einschreiben und die musikalischen Sparten oder Formationen, die einen interessieren, auswählen. Auch die Agenda abonniert man am einfachsten direkt auf der Website
(www.hmt.edu, Link „Veranstaltungen“).
Theater und Tanz
Ebenfalls online kann man sich für Informationen über
das Ausbildungs- und Veranstaltungsangebot der Departemente Theater und Tanz einschreiben. Theaterinteressierte
lassen sich den Monatsspielplan ins Haus liefern oder
sich zu den Theaterproduktionen einladen. Tanzbegeisterte
bestellen Informationen über die Ausbildungsangebote der
Tanz Akademie (für Kinder und Jugendliche), die Berufsausbildung sowie über Veranstaltungen.
* Daniela Huser ist verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit Departement
Musik HMT. daniela.huser@hmt.edu
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hgkzintern4/06
tanzen, lernen und
wohnen
Wenn andere Jugendliche anfangen, sich über
ihre berufliche Zukunft Gedanken zu machen,
sind die Absolventinnen und Absolventen
der Tanzausbildung bereits am Ziel. Wer das
Diplom für Bühnentanz in den Händen halten
will, muss sich schon sehr früh für dieses
Ziel entscheiden. Um dies zu ermöglichen,
bietet die Tanz Akademie Zürich (HMT)
neu eine betreute Wohngemeinschaft für
Jugendliche ab zwölf Jahren an.
Gabriele Spiller*, Foto: Andreas Zihler
Dass der Einstieg in die professionelle Tanzausbildung nicht
gleich den Abschied von der Kindheit bedeutet, beweist ein
Besuch in der Wohngemeinschaft der sechs jungen Tanzschülerinnen und -schüler. Angespornt von den „Grossen“,
besuchen sie neben der Sekundarschule des Lernstudios
täglich den Ballettunterricht. Als Belastung empfinden
die Eleven dies nicht. „Der Schulunterricht im Lernstudio
macht Spass“, sagt Antonia aus Schaffhausen, gerade dreizehn geworden. Benoît aus dem Kanton Waadt hat sogar ein
Fernstudium aufgenommen, das ihn auf das französische
Baccalauréat vorbereitet. Im Augenblick muss er aber noch
an seinen Deutschkenntnissen arbeiten …
Training und Tränen
Obwohl die sechs Jugendlichen gut miteinander auskommen, fliesst in den ersten Tagen, fern von Zuhause, manche
Träne. Fiona Possa, 45, die Betreuerin der WG, bemüht sich,
den Sechs das Einleben so leicht wie möglich zu machen.
Sie ist, um ihrer zwölfjährigen Tochter Ryana eine professionelle Tanzausbildung zu ermöglichen, aus dem Wallis
nach Zürich gezogen und betreut unter der Woche die
kleine Wohngemeinschaft. Freitagabends treten Mutter und
Tochter die vierstündige Zugreise nach Hause an, denn das
Wochenende verbringen alle daheim. Jedoch bereits am
Sonntagabend geht es wieder zurück nach Zürich. Damit
die Handyrechnungen der Jugendlichen nicht ins Exorbitante steigen, wird in der Wohnung nun ein Internet-Telefonie-Anschluss eingerichtet.
Ein Ziel vor Augen
Kritischer als die tanzbegeisterten Jugendlichen sehen
meistens die Eltern den Berufswunsch Tänzerin/Tänzer.
Die harte Konkurrenz, das Verletzungsrisiko und die Ungewissheit darüber, was nach der Tanzkarriere folgt, sind Faktoren, die es nicht leicht machen, die Spezialisierung der
Kinder zu einem so frühen Zeitpunkt zuzulassen. Andere
Hobbys und Familienaktivitäten müssen zudem oft zurückgestellt werden. Ein klares Ziel vor Augen zu haben und sich
voll und ganz auf etwas einzulassen sind jedoch Werte, die
auch heute noch zählen. Den Anstrengungen im Ballettsaal
stehen die Auftritte auf der Bühne und die Erfolge vor einem
grossen Publikum gegenüber. Sina, 13, Mitglied der TanzWohngemeinschaft, hat ein grosses Vorbild: „Céline Weder,
bei der ich schon Unterricht hatte und die in der Companie
des Ballett Basel tanzt. Ich möchte auch klassische Tänzerin
werden.“ Das Projekt „Tanzen, lernen und wohnen“ ist für
alle Beteiligten eine Herausforderung, eine Vision, die mit
dem Internat für den Schweizer Tanznachwuchs auf dem
Toni-Areal die Vollendung finden soll.
extremer ansporn
Drei Fragen an Fiona Possa, Betreuerin der
Tanz-Wohngemeinschaft, in der auch ihre
12-jährige Tochter Ryana lebt.
Frau Possa, was erwarten Sie für sich und Ihre Tochter Ryana
vom Umzug nach Zürich?
Nun, es ist eine grosse Chance, wenn Tanztalente so früh
entdeckt und gefördert werden. Hier, in der Wohngemeinschaft, treffen viele Begabte zusammen und es entsteht
ein ganz besonderes Lernklima. Der Vergleich mit anderen
hoch motivierten Schülerinnen und Schülern spornt extrem
an. Und selbst wenn später alles ganz anders kommen
sollte, wird Ryana doch immer von dieser Zeit profitieren
können.
Welche Herausforderungen sehen Sie in der nächsten Zeit
auf sich zukommen?
Die Wohngemeinschaft wird zusammenwachsen und die
Jugendlichen werden sich im Laufe der Zeit in der neuen
Lebenssituation zurechtfinden müssen. Im Augenblick
fliessen noch viele Tränen, auch wenn wir ein Probewohnen
hatten und beim gemeinsamen Abendessen gute Stimmung
herrschte. Psychologische Unterstützung ist, gerade in diesem Alter, sehr wichtig. Einfühlungsvermögen steht an erster
Stelle. Es ist für die Jugendlichen eine herausfordernde Zeit.
Fühlen Sie sich für diese Aufgabe gewappnet?
Abgesehen davon, dass ich schon zwei ältere Kinder grossgezogen habe, bin ich medizinisch ausgebildet und war
lange sehr aktiv in der Schulkommission und im Vorstand
einer Tanzschule.
* Gabriele Spiller ist verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit/Organisationsmanagement Tanz Akademie Zürich, Departement Tanz HMT
10
Längsschnitt B 1:500
hgkzintern4/06 toni-areal –
kompetenzen ins
spiel bringen
Künftige Nutzerinnen und Nutzer mögen sich fragen, wo sie
dereinst ihr Quartier finden werden, an welchen Orten sie
sich hoffentlich heimisch fühlen, wie sie sich in der Anlage
bewegen werden, ja überhaupt orientieren können. Obwohl
in den vergangenen drei Monaten mit hoher Intensität ge­plant wurde, können solche Fragen heute noch nicht verlässlich beantwortet werden.
Die Komplexität des Projekts Toni-Areal erfordert einen noch stärkeren Einbezug der Nutzerinnen und Nutzer, was eine Neuorganisation
ihrer Mitarbeit zur Folge hat. Ein Projektbericht Neu: Acht Arbeitsgruppen
von Ende August. Peter Eberhard*
Die Komplexität des Vorhabens erfordert, dass die proDie Dimensionen des Toni-Projekts, in räumlicher, organisatorischer und finanzieller Hinsicht, drohen auch dem
Vorstellungsvermögen geschulter Planer manchmal zu entgleiten. Damit Sie sich als Leserin oder Leser die Dimensionen dieser Bauaufgabe besser vorstellen können, werden
hier zum Vergleich das Hauptgebäude der hgkz und das alte
Konservatorium Zürich der HMT in repräsentativen Schnitten und im gleichen Massstab abgebildet.
jektbezogenen Kompetenzen der künftigen Nutzerinnen
und Nutzer, ihr Wissen und ihre Erfahrungen möglichst
umfassend in den Planungsprozess einbezogen werden
können. Dazu werden die bestehenden vier Arbeitsgruppen aufgelöst und an deren Stelle acht neue gebildet. Jede
Arbeitsgruppe setzt sich zusammen aus ausgewiesenen
Fachpersonen der Hochschulen, Bauverantwortlichen aus
dem kantonalen Hochschulamt HSA und dem Hochbauamt
HBA sowie einem Mitglied der Projektleitung Mieter.
HMT-Stammhaus, Florhofgasse 6
11
Die Arbeitsgruppen befassen sich je mit folgenden Sachgebieten:
— Ausstattung sowohl der spezifischen wie der
polyvalenten Räume
— Arbeitsplatzgestaltung der Dozierenden und der
Verwaltung
— Betriebsabläufe in den Bereichen Darstellende Künste,
Theater und Film
— Betriebsabläufe in den Bereichen Medien, Kunst,
Design und Musik
— Betriebsabläufe in der Lehre
— Bibliothek
— Informationstechnologien
— Aussenraumnutzungen
hgkzintern4/06
Die Projektsteuerung liegt auf Seite der Mieter – der Kanton mit den Hochschulen der Künste ZHdK, Soziale Arbeit
HSSAZ und Angewandte Psychologie HAP mietet sich bei
der Kantonalbank ein – also bei den Rektoren Hans-Peter
Schwarz, hgkz, Daniel Fueter, HMT, Roland Käser, HAP
und der Rektorin Ursula Blosser, HSSAZ, bei Wolfgang
Annighöfer, HSA als Projektleiter Mieter, Peter Eberhard als
Einzelaufträge werden an Studiengruppen erteilt zu den folNutzervertreter der Hochschulen sowie bei Wilhelm Natrup
genden Themen: Arbeitsplätze der Zürcher Hochschule für
(mit Sandra Jung, Assistenz) von Ernst Basler und Partner,
angewandte Wissenschaften ZHAW; Ballettausbildung; TonVerantwortlicher für den Raumplanungsvorgang.
meisterausbildung / Institute Computer Music and Sound
Technology; Facility Management; Verpflegung / Leben der Zeithorizont
Studierenden im Haus; Sport; Krippe.
Die Arbeitsgruppen stehen unter einem enormen Zeitdruck, soll das Toni-Areal wie vorgesehen im Herbst 2009
In verschiedenen Arbeits- und Studiengruppen wirken
in Betrieb genommen werden. Ihre Arbeit haben sie Ende
Architekten des mit dem Umbau beauftragten ArchitekAugust / Anfang September begonnen, und Ende Oktober
turbüros EM2N unter der Leitung von Christoph Zollinger
2006 soll den Vertretern der Organisationen ( Dozierende,
unmittelbar mit.
Studierende, Mittelbau und Mitarbeiter) erstmals über den
Informationsveranstaltungen
Projektierungsstand berichtet werden.
Über die Ergebnisse der Arbeits- und Studiengruppen
werden Vertreter der Organisationen der Dozierenden, des * Peter Eberhard ist Architekt und Dozent, war bis Herbst 2005 Leiter dpt
Lehrberufe und ist heute Beauftragter der hgkz für die Vertretung der Anliegen
Mittelbaus, der Studierenden und der Mitarbeitenden in der zukünftigen NutzerInnen im Toni-Areal.
Verwaltung und Technik in wiederkehrenden Orientierungsveranstaltungen ins Bild gesetzt.
Abbildung: Alle Schnitte im Masstab 1:600
hgkz-Hauptgebäude, Ausstellungsstrasse 60
unten: Toni-Areal, Förrlibuckstrasse 109
0
5
10
20
30 Meter
12
hgkzintern4/06 zhdk: news, termine,
neue jahresstruktur
Mitteilungen der designierten Schulleitung
ZHdK
Die designierte Schulleitung der ZHdK hat einen Antrag des
Senats der hgkz und des Konvents der HMT auf eine Vertretung der Dozierendenschaft in ihrem Gremium gutgeheissen. Ab Oktober 2006 vertritt demnach Martin Schlumpf
die Dozierenden der hgkz und der HMT in der designierten
Schulleitung ZHdK mit beratender Stimme. Gleichzeitig
wird er auch die Anliegen der Studierenden, der Angehörigen des Mittelbaus und des administrativ-technischen
Betriebspersonals einbringen.
Festakt ZHdK: Datum reservieren!
Der offizielle Eröffnungsakt der Zürcher Hochschule der
Künste findet am Samstag, 29. September 2007, in der Tonhalle Zürich statt, umrahmt von einem Konzert, an dem
u.a. ein eigens in Auftrag gegebenes Werk gespielt wird.
Rund um dieses Datum wird an den verschiedenen Standorten der hgkz und der HMT ein Festival der Künste durchgeführt werden.
Jahresstruktur ZHdK ab Studienjahr 2007
Wie bereits angekündigt, beginnt ab Herbst 2007 das neue
Semester jeweils in der Woche 38 bzw. in der Woche 8. Dieser Rhythmus ist gesamtschweizerisch harmonisiert und
verbindlich.
Semesterbeginn
— Beginn Herbstsemester ist in der 38. Woche;
administratives Stichdatum 1. August.
— Beginn Frühlingssemester in der 8. Woche;
administratives Stichdatum 1. Februar.
Semesterdauer
— Die Semester dauern an der künftigen ZHdK
16 Wochen.
— Es steht den Departementen frei, zusätzliche
Prüfungen in der 17. Woche anzusetzen.
— Ebenso sind die Departemente frei, im Frühlings-
semester rund um die häufigen Feiertage Ferientage
zu bestimmen und das Semester dafür eine Woche
länger dauern zu lassen. Daran dürfen dann allerdings
nicht noch Prüfungswochen angehängt werden.
Logistik
— In den Wochen 29 bis 33 sowie 52 und 1 führt die
Hochschule einen stark reduzierten Betrieb.
Die Schliessung der Gebäude kann dann vorgesehen
werden.
ZHdK-Projektwochen
— Projektwochen der ZHdK finden in der 7. und der
37. Woche statt.
— Diese Wochen gelten als Sperrzeiten für andere
Aktivitäten.
— Eine Teilnahme wird mit 3 ECTS-Punkten entschädigt.
— Darüber hinaus können und sollen zwar einzelne
Module der Departemente ZHdK-weit geöffnet werden;
von Sperrzeiten mit Gültigkeit für die ganze ZHdK
ist während des curriculären Unterrichts aber
abzusehen.
Aufnahmeprüfungen
— Die Departemente Kunst und Medien, Design sowie
Kulturwissenschaft und ästhetische Vermittlung
verlegen die Aufnahmeprüfungen vom Mai zurück
auf April.
— Das Departement Musik belässt die Aufnahme
prüfungen vorderhand in der Woche 22.
— Das Departement Darstellende Künste hat noch keine
Festlegung vorgenommen.
— An allen Departementen sind die Aufnahmeverfahren
jeweils bis spätestens 1. Juli abgeschlossen.
13
hgkzintern4/06
Arbeit vorstellen und so Berichte aus der Praxis liefern.
Gemeinsam mit ihnen wollten wir reden, diskutieren, essen
und trinken und uns über aktuelle Themen austauschen.
Vorbereitungen
Dazu verwandelten wir die 2. Etage im Studienbereich
Fotografie so, dass individuelle Räume mit unterschiedlichen Atmosphären entstanden: Es gab einen Kiosk-Raum,
mit Theke, Tischen und Bänken, wo in den Pausen Kaffee,
Sandwiches und Snacks und Mittags wechselnde Suppen
serviert wurden. Aus dem Möbelfundus des Schauspielhauses wurde eine gemütliche Stube eingerichtet, die Rückzugsmöglichkeit für Gespräche in kleinen Gruppen bot.
Zentraler Raum war das Sääli, in dem die Präsentationen
und Diskussionsrunden stattfanden und wo abends, nach
einer Umbaupause, das gemeinsame Abendessen eingenommen wurde.
Die Organisationsgruppe
Angeregte Stimmung am Fotografie-Symposion
intensiv, diskursiv,
atmosphärisch
Teil der Grundkonzeption war, eine studentische Organisationsgruppe zu bilden, die unter meiner Leitung viele der
organisatorischen Aufgaben selbständig bewältigen sollte.
Wie sich später zeigte, meisterte die Gruppe dies bravourös.
Alexandra Hermann organisierte und vermittelte Unterkünfte für die Gäste. Rita Peters kümmerte sich intensiv um
alle Fragen des Caterings. Mathias Walther war für Einkäufe
und Getränke zuständig. Ornella Cacaces konzipierte die
Verwandlung der Räumlichkeiten. Patrick Hari entwarf das
Plakat und kümmerte sich um weitere organisatorische
Aufgaben. Ich stellte vor allem den Kontakt zu den Gästen her und moderierte die Diskussionsrunden. Über die
spezifischen Aufgaben hinaus haben sich alle Beteiligten
gegenseitig tatkräftig unterstützt und als Team sehr gut
harmoniert.
Die Gäste
Unsere insgesamt elf Gäste aus Deutschland, Österreich
und der Schweiz, die für ein kleines Honorar für drei Tage
„Supervisionen“, ein Symposion, das vom 31.
vor Ort waren, bei Studierenden wohnten und viel von
Mai bis zum 2. Juni am Studienbereich Fotograihren Positionen und Lebensentwürfen mitteilten, waren
fie stattgefunden hat, war für alle Beteiligten
Zentrum und Ausgangspunkt von „Supervisionen“. Es wurein beeindruckendes Ereignis. Es wurde von
den bewusst Künstlerinnen und Fotografen ausgewählt,
einer fünfköpfigen studentischen Gruppe mitdie in unterschiedlichsten Bereichen der Auseinandersetorganisiert und war so auch eine Veranstaltung
zung mit Fotografie und Kunst tätig sind. Sie sollten über
von Studierenden für Studierende. Elmar
ihre persönliche, künstlerische und berufliche Entwicklung
Mauch, Fotos: Ueli Alder*
berichten. Diese Präsentationen der unterschiedlichsten
Herangehensweisen an das Medium Fotografie, gepaart mit
Im alten Griechenland wurde eine Mahlzeit mit gemeinden Berichten über individuelle Lebensentwürfe und Biosamem Umtrunk, an den sich auch Reden anschlossen, als
grafien, waren die Grundlage des Diskurses, der sich über
Symposion bezeichnet. Heute versteht man unter diesem
die drei Tage immer mehr entwickeln sollte.
Begriff die Erörterung aktueller Themen bei einer wissenschaftlichen Fachtagung. Für drei Tage versuchten wir im Symposion – die Praxis
Studienbereich Fotografie der hgkz, eine Melange dieser Die dezidierten Vorbereitungen mussten nun in der Praxis
zwei Definitionen herzustellen.
funktionieren. Wie viele Personen kommen? Halten die Vorträge der Referentinnen und Referenten, was wir uns von
Das Konzept
ihnen versprochen haben? Liegen wir mit den MengenkalGeplant war ein Symposion mit hohem Nutzwert für die
kulationen beim Catering richtig? Kommen Diskussionen
Studierenden. Dazu sollten zehn bis zwölf Gäste aus unterin Gang?
schiedlichen Bereichen der Fotografie und Kunst für drei
Tage nach Zürich eingeladen werden, um mit den Studieren- Bei der Ankunft der Gäste und des Publikums gab es erste
den des Studienbereichs Fotografie und einer interessierten positive Rückmeldungen zum gelungenen Ambiente. Nach
Öffentlichkeit zusammenzutreffen. In einer angenehmen den ersten beiden Vorträgen von André Mailänder und
Atmosphäre sollten die Referentinnen und Referenten ihre Rockmaster K sowie den anschliessenden Diskussionen war
14
hgkzintern4/06 absehbar, dass die Sache auch auf der inhaltlichen Ebene ins
Rollen kommt. Durch die stimmigen Rahmenbedingungen,
die Unterschiedlichkeit der Referentinnen und Referenten
sowie die spannungsreichen Diskussionen entstand eine
besondere Atmosphäre des Miteinanders.
Der Diskurs
Wir waren also mit unseren Gästen drei ganze Tagen am
Reden, Diskutieren und Austauschen. Deren Positionen
waren sehr unterschiedlich. Sie reichten vom Kunstmarktbediener, für den der finanzielle Erfolg im Mittelpunkt steht,
über den sensiblen Künstler, der Fotos in Zeichnungen
überträgt und seine Arbeitsweise mit seinem Familienleben
in Einklang zu bringen versucht, bis zur Autodidaktin, die
erzählte, wie sie immer wieder Mittel und Wege findet, ihre
Arbeiten in unterschiedlichsten Medien zu präsentieren. Im
Laufe der Veranstaltung lernten sich die Beteiligten bei der
Mittagssuppe oder beim gemeinsamen Abendessen besser
kennen. Dabei wurden verschiedene Punkte nochmals im
kleinen Kreis besprochen und bei nächster Gelegenheit in
den Diskurs eingeworfen. Die vorherrschende Intensität
machte allen Beteiligten klar, bei etwas ganz Besonderem
teilhaben zu dürfen. So war eines der Merkmale dieses Symposions, dass die ausdauernden und intensiv geführten Diskussionsrunden den Zeitplan immer wieder pulverisierten.
Die Studierenden
Wie wir gehofft hatten, waren die Studierenden mit viel Elan
Teil des Geschehens. Wann hat man schon die Möglichkeit,
der Entwicklung so vieler unterschiedlicher künstlerischer
Strategien und ihrer Etablierung im Markt lauschen zu können? Wann kann man die Problematiken der beruflichen
Praxis mit so vielen Praktikern im direkten Austausch diskutieren? Die Studierenden des Studienbereichs und die
auswärtigen Studierenden, die u.a. aus Berlin und Leipzig
angereist waren, nutzten diese Gelegenheit ausgiebig. In
späteren Mails gab es viele Rückmeldungen, dass die Veranstaltung als sehr bereichernd empfunden worden war.
Fazit
„Supervisionen“ war also eine Gelegenheit, aus der Position
des Studierenden heraus einen Beobachterstandpunkt einzunehmen, Dinge und Statements auf sich wirken zu lassen
und gegebenenfalls diese sichere Position zu verlassen und
aktiv in die Diskussionen und den Diskurs einzugreifen.
Diese Gelegenheit machte den Anlass zu einer Veranstaltung für die Studierenden. Sie konnten auf Augenhöhe und
unhierarchisch den direkten Austausch mit den Gästen
suchen.
Aus den Rückmeldungen der Referierenden wurde deutlich,
dass es für sie spannend war, Teil dieses Diskurses zu sein.
Die Form der Diskussion in der Gruppe, die ja ausserhalb
des Hochschulrahmens eher selten zu finden ist, gab ihnen
neuen Input. Sie hatten übereinstimmend das Gefühl, nicht
nur gegeben, sondern auch bekommen zu haben.
Für das Organisationsteam und mich war es eine Freude zu
sehen, dass durch diese so gelungene Veranstaltung bei vielen Beteiligten neue Impulse geweckt worden waren. Und
trotz der grossen Anstrengung, die ein solches Projekt mit
sich bringt, hat es Spass gemacht, Teil dieses Teams zu sein
und gemeinsam die komplexen Aufgaben zu meistern. Ein
schöner Nebeneffekt ist auch, dass durch die aktive Mithilfe
vieler Studierender während der drei Veranstaltungstage,
das soziale Miteinander im Studienbereich entscheidend
gestärkt wurde. Sicherlich führt „Supervisionen“ beim einen
oder bei der anderen dazu, dass sich Vorstellungen über die
eigene berufliche Zukunft konkretisiert haben.
Epilog
Rockmaster K, einer der Gäste von „Supervisionen“, hat
die Organisationsgruppe in seinen Ausstellungsraum „Neuropa“ an der Militärstrasse 84 in Zürich eingeladen. Am 11.
Januar 2007 findet dort die Vernissage zu folgender Ausstellung statt: „Die Supervisionisten, dirigiert von Dr. Mauch“.
Die Referenten von „Supervisionen“: Götz Diergarten, Frankfurt, Sissi Farassat, Wien, Marcel Gähler, Winterthur, Melanie Hofmann, Kapstadt/ Zürich,
Wiebke Loeper, Berlin, André Mailänder, Saarbrücken, Heike Mutter und
Ulrich Gent, Köln/ Duisburg, Sascha Reichstein, Wien, Rockmaster K, Zürich,
Nick Widmer, Zürich
* Elmar Mauch konzipierte und leitete das Symposion. Er ist Unterrichtsassistent und Dozent am Studienbereich Fotografie. Ueli Alder ist Student am
Studienbereich Fotografie.
15
und die Textilsammlung des Museum für Gestaltung Zürich
bilden die beiden Reibungsflächen, um unterschiedliche
Positionen zeitgenössischer KünstlerInnen zu zeigen.
gilbert bretterbauer
vernetzungen
Der Wiener Künstler und Designer Gilbert
Bretterbauer inszeniert und hinterfragt
im Museum Bellerive Positionen des „Textilen“
in einer spannenden Gegenüberstellung von
historischen und zeitgenössischen Objekten.
Eva Afuhs*
Die Ausstellung im Museum Bellerive konfrontiert historisches Material mit völlig neuen Interpretationen des
Begriffs Textil und stellt somit eine neue Form der Vernetzung von Gegenwart und Vergangenheit her. Im Spannungsfeld von Unikat, Prototyp und Produktion sind grenzgängerische Positionen, welche sich gleichzeitig Design,
Raumskulptur, Raumobjekt, Dekorelement oder Kunst
zuwenden, wieder ins Zentrum des allgemeinen Interesses
gerückt. Davon zeugen auch Auseinandersetzungen zum
Thema „Textil“ in anderen Museen.
Gilbert Bretterbauer ist einer derjenigen Künstler, die gleichsam schwebend, ohne hierarchisches Denken, die Grenzen
zwischen den einzelnen Disziplinen überschreiten und sich
zwischen den verschiedenen Welten hin- und herbewegen.
Er wurde als Kurator ausgewählt, weil er die Frage nach dem
Verhältnis von Kunst zu Design innerhalb seiner Arbeiten
klar beantwortet.
Bretterbauer macht die zwei wichtigsten Schweizer Textilsammlungen des 20. Jahrhunderts zum Ausgangspunkt
der Ausstellung. Die Sammlung Tom Pauli aus Lausanne
Das Museum Bellerive beherbergt die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Textilsammlung des Museum
für Gestaltung Zürich. Das Spektrum dieses umfangreichen
Sammlungsbereiches reicht von koptischen Geweben des
4. bis 6. Jahrhunderts über Kostüme des 19. und 20. Jahrhunderts bis hin zur Textilkunst, die in den fünfziger Jahren einsetzte und zu einer neuen, raumgreifenden Kunstrichtung
geführt hat. In dieser Abteilung mit über 50 Tapisserien,
textilen Skulpturen und sogar grossräumigen Installationen
sind KünstlerInnen aus ganz Europa, den USA und Japan
vertreten. Es liegt auf der Hand, dass sich das Museum
Bellerive, als Haus für angewandte Kunst im Unikat- und
Kleinserienbereich, an der aktuellen Diskussion über „das
Textile“ aktiv beteiligt.
Virtuos wird der zur Verfügung stehende Ausstellungsraum
durch den vielfältigen Umgang mit Textilem in verschiedene Kontexte gesetzt. Wo ist ein Werk Kunst, wo ist es
Architektur oder Design, Gestaltung oder Kunsthandwerk?
Die Frage zieht sich als roter Faden durch die Ausstellung.
Diese gibt keine Antworten sondern stellt zur Diskussion,
wieso überhaupt diese Frage gestellt wird.
Gilbert Bretterbauer Vernetzungen
Museum Bellerive, Höschgasse 3, 8008 Zürich
13. Oktober 2006 bis 21. Januar 2007
Open House
Sonntag, 12. November 2006, 10–17 Uhr
15 Uhr Lesung mit Gilbert Bretterbauer und Gast
Sonntag, 14. Januar 2007, 10–17 Uhr
Öffentliche Führungen jeden Sonntag, 14 Uhr.
Museumspädagogische Workshops finden in Zusammenarbeit mit dem
Departement Lehrberufe für Gestaltung und Kunst der hgkz statt. Private Führungen auf Anfrage: christina.wellinger@hgkz.ch
oder Tel. 043 446 44 69. www.museum-bellerive.ch
* Eva Afuhs ist leitende Kuratorin am Museum Bellerive.
16
hgkzintern4/06 Interkulturelle Kommunikation
andern
in die töpfe
schauen
Was passiert, wenn Ökonomen und Industriedesigner zusammenarbeiten? Ein
interdisziplinäres Unterrichtsprojekt in
Zusammenarbeit mit Kuhn Rikon AG.
Franziska Nyffenegger*
Neue Pfannen, Töpfe und andere Kochutensilien entwerfen: Keine allzu schwierige Aufgabe für angehende Industrial Designer, dachten sich die Studierenden aufgrund der
Ausschreibung des Projekts „Centre Culinaire“ im hgkzVorlesungsverzeichnis. Doch die Tücke des Objekts lag für
einmal nicht im Objekt selbst.
„Centre Culinaire“ heisst der Treffpunkt von Kuhn Rikon,
der wohl bekanntesten Schweizer Pfannenherstellerin.
Hier finden Kochkurse für GeniesserInnen statt, Fachleute
testen zukunftsträchtige Garmethoden und Küchengeräte
oder stellen die neuesten ernährungswissenschaftlichen
Erkenntnisse vor. Und hier werden demnächst rund zwanzig Studierende der hgkz und der Zürcher Hochschule Winterthur (ZHW) Platz nehmen, um sich mit einem zehngängigen Gourmetmenü verwöhnen zu lassen. Damit prämiert
Kuhn Rikon die besten Resultate eines interdisziplinären
Unterrichtsprojekts, das die hgkz im Sommersemester 2006
gemeinsam mit der School of Management ZHW durchgeführt hat. Ausgezeichnet werden allerdings nicht in erster
Linie die Designleistungen, sondern die Qualität der Teamarbeit. Denn diese ist nicht selbstverständlich gegeben,
wenn unterschiedliche Sichtweisen und Lernkulturen aufeinandertreffen. Herbert Pauser, hgkz-Dozent und Produktdesigner mit langjähriger Praxiserfahrung, erklärt: „Ökonomen interessieren sich im Gegensatz zu uns Designern
nicht für Produkte. Ihr Blick auf die Welt ist ein grundsätzlich anderer. Sie wollen Fakten, Zahlen, Beweise, Belege;
gute Ideen und schöne Bilder genügen ihnen nicht. Die
Herausforderung in diesem Projekt lag denn auch weniger
auf der gestalterischen als vielmehr auf der kommunikativen Ebene.“
Die Zusammensetzung der insgesamt zwölf Arbeitsgruppen –
jeweils einE Industrial-Design-StudentIn auf vier bis fünf
Studierende der School of Management – entspricht durchaus der Realität: In grossen Unternehmen sind die GestalterInnen den Marketingfachleuten zahlenmässig häufig
unterlegen und müssen sich schon deswegen in Sachen
Kommunikation besonders bewähren. „Wie muss ich vorgehen, damit mein Vorschlag richtig verstanden und akzeptiert wird?“, war für die DesignerInnen denn auch die zentrale Frage und viel schwieriger zu lösen als die eigentliche
Gestaltungsaufgabe. Sandro Macchi, Industrial-Design-Student im 4. Semester, meint: „In diesem Projekt habe ich
gelernt, dass ich meine Skizzen nicht zu früh zeigen darf
und dass ich bestimmte Stilmittel ganz bewusst einsetzen
muss, wenn meine Idee Erfolg haben soll. Mir wurde auch
klar, wie wichtig eine geschickte Verhandlungstechnik in
einem solchen Kontext ist.“
Verhandlungsgeschick als Designkompetenz
Nach einem ersten Briefing – Kuhn Rikon suchte neue Produktideen, insbesondere zur Fortsetzung des erfolgreichen
Konzepts von „Hot Pan“, einer farbenfrohen Kochtopflinie,
die Zubereitung und Warmhalten im selben Gefäss ermöglicht – entwickelten die DesignerInnen je drei Ideen und
stellten diese „ihren“ Ökonomen vor. Die Studierenden aus
Winterthur analysierten das Marktpotenzial der verschiedenen Vorschläge und empfahlen daraufhin, verbunden mit
konkreten Forderungen, eines der Konzepte zur Weiterentwicklung. Schritt für Schritt und in gegenseitiger Absprache
nahmen die neuen Produkte danach Form an. Ein anstrengender Prozess, darin waren sich alle einig, aber auch ein
sehr lehrreicher: in Sachen Selbstreflexion – „Weshalb kommen meine Ideen nicht an?“ –, bezüglich Präsentationstechnik – „Wie muss ich meine Idee visualisieren, damit sie
fachfremdes Publikum überzeugt?“ – und Sprachkompetenz
– „Welche Schlagworte aus dem Grundwortschatz der anderen Disziplin muss ich kennen und einsetzen können?“ –
und natürlich auch als Spielübung mit Situationen des
künftigen Arbeitsalltags als Industrial DesignerInnen.
www.kuhnrikon.ch
www.zhwin.ch
* Franziska Nyffenegger ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studienbereich
Industrial Design.
17
Das Konzept von Sarah Küng vermochte die Marketingspezialisten zu überzeugen: Kellen aus verschiedenen Hölzern verleihen den damit zubereiteten
Speisen eine besondere Geschmacksnote.
Jenny Hultman, Austauschstudentin aus Oslo, analysierte die Produktelinie
„Hot Pan“ und erweiterte sie für den Takeaway-Gebrauch. Integraler Bestandteil der „Hot Box“, einem Gefäss für den Transport von zu Hause vorbereiteten
Mahlzeiten, ist ein Kombibesteck bestehend aus Löffel und Chopstick.
Die „Hot Bottle“ von Sandro Macchi überträgt Funktionalität und Ästhetik
der Kuhn-Rikon-Linie „Hot Pan“ auf die Kinderwelt. Das gut durchdachte
Konzept mit grossem Marktpotenzial gewann den ersten Preis.
18
hgkzintern4/06 2.
die un_schuld
der bilder
Kunst und Kulturanalyse – eine Stellungnahme.
Sigrid Adorf*
„Ein anderer, wichtiger Auslöser war, dass ich mich seit
einiger Zeit mit jungen Künstlern konfrontiert sehe, die
voller Unschuld Bilder malen – noch dazu in unmittelbarer Nähe meiner sächsischen Heimat. Ich betone: voller
Unschuld. Weil sie offensichtlich noch nicht gehört haben,
dass man keine Bilder mehr braucht.“1 Der sich verwundert
Zeigende ist der zu den expressiven Altmeistern zählende
Maler Georg Baselitz (*1938). Ohne an die wiederkehrende Legitimationsfrage der Malerei anknüpfen zu wollen, möchte ich seine Irritation nutzen, die Frage eines
bewussten Umgangs mit Bildern und ihren Latenzen – oder
„Echoräumen“, wie Aleida Assmann es so treffend nennt –
zu diskutieren.
1.
Die angesprochene, scheinbare Unschuld bezieht sich nicht
auf die Frage, ob Bilder lügen können, wie sie gegenwärtig
erneut am Beispiel manipulierter Kriegsberichterstattungen
diskutiert wird.2 Vielmehr ist der aufgeklärte Zweifel an der
Tauglichkeit von Bildern, die Kritik an der Repräsentation,
bereits der Hintergrund für die Irritation. Baselitz zeigt sich
verwundert über das scheinbar unwissende Verhältnis zur
Geschichte (dieses Zweifels). Dass er „noch dazu“ die Nähe
zu seiner sächsischen Heimat betont (Stichwort „Neue Leipziger Schule“), ist als Hinweis auf den Bruch der Generationen zu lesen: Hatten die KünstlerInnen der Nachkriegszeit
noch politisch instrumentalisierte Bilder und Ästhetiken im
Kopf – sowohl nationalsozialistischer als auch realsozialistischer Propaganda –, welche sie nach einem freien, ebenso
unvorbelasteten wie nicht zu vereinnahmenden, originären
Ausdruck suchen liessen, so scheint die Ausgangssituation
heute eine andere: Nach der Dekonstruktion der Politisierung von Autonomie und Authentizität schien das Ideal der
Abstraktion als politische Aussage nicht mehr dienlich.
Aber ebenso wenig traut man den Strategien des Kopierens, Zitierens, Simulierens usw. noch zu, eine massgeblich
subversive Stimme in den Bilderwald zu rufen. Denn wer
das bewusste Arbeiten mit Versatzstücken aus Konsumund Zeichenkultur mindestens immer schon ebenso gut
beherrscht, um diese zu verschieben, zu resignifizieren, zu
(miss)deuten, sich anzueignen ... sind Medien und Werbung selbst. Welcher Handlungsspielraum also bleibt einer
künstlerischen Praxis, der einen gegenüber der kalkulierten
Verwertbarkeit differenten Umgang mit Bildern erkennen
lässt? Auch wenn diese Frage selbstredend eine Antwort
verbietet und ihr Potenzial nur in ihrer insistierenden Wiederholung entwickeln kann, sei ein Hinweis gestattet: Erst
eine kulturanalytische Reflexion und Kontextualisierung
ästhetischer Praktiken macht es möglich, den Echoraum
der Bilder kritisch zu durchmessen und Bilder als eine
Handlung wahrzunehmen.
Was kann das Bild dafür, dass es so schön ist? Gegenwärtig
sprechen bereits einige von einem erneuten Rückzug in die
scheinbar sicheren Gefilde ästhetischer Autonomie und
künstlerischer Hoheitsansprüche – Gebiete, in denen Bilder
frei von ihrer repräsentationspolitischen Kontamination
sein sollen. Was kann das Bild dafür, dass man es liebt? In
ihrem Eröffnungsvortrag zu der Tagung Visuelles Gedächtnis3 am Fotomuseum Winterthur erinnerte Aleida Assmann
daran, dass Bilder – wie seit der Antike bekannt – einen
besonderen Affektgehalt haben und gerade deswegen einen
privilegierten Zugang zum Unbewussten und zur Erinnerung bieten. Aufgrund der Dominanz des visuellen Sinns für
die menschliche Orientierung in der Welt und aufgrund der
möglichen Signifikanz von Bildern, das heisst der Fähigkeit,
eine Fülle komplexer Informationen in einem Bild oder zu
einem Bild zu verdichten, kommt Bildern eine hohe kulturelle Bedeutung zu. Bildspeicher – weniger die virtuellen der
konkreten (digitalen) Bildarchive einer Gesellschaft als vielmehr die unbewussten Anreicherungen des Gedächtnisses –
stellen permanente Abgleiche und Vergleiche her, die darüber entscheiden, was sichtbar werden kann und soll. Die
Kulturanalytikerin Mieke Bal spricht von einer „Ökologie
des Sehens“: „Bilder kommen auf das Subjekt von aussen
zu, aber sie kommen in einem Umfeld von Erinnerungen
an.“4 Dass dieses Umfeld mitnichten ein statisches ist, verdeutlicht ihre Anspielung auf die Ökologie – ein Begriff, der
ebenso für die naturwissenschaftliche Lehre von komplexen, lebendigen Bezugssystemen und die sich darin manifestierenden Einflussfaktoren steht wie für die politische
Sorge um die Erhaltung von Lebensräumen. Mit der, wie sie
schreibt, utopisch denkenden Theoretikerin Kaja Silverman
(The Threshold of the Visible World, 1996) plädiert Bal dafür,
die eigenen – wenn auch sehr eingeschränkten – Einflussmöglichkeiten darin geltend zu machen und an dem nur
scheinbaren Wiedererkennen und der Möglichkeit zu Verschiebungen zu arbeiten, d.h. zum verwechseln ähnliche
Bilder in der Nähe des Bekannten zu produzieren – damit
sie auf Echo stossen – und gleichzeitig an ihrer semantischen Aufladung etwas zu korrigieren. Bilder selbst handeln, wie Assmann mit Verweis auf den rhetorischen und
mnemotechnischen Terminus technicus imagines agentes
verdeutlicht. Und dabei handeln sie nicht einfach von oder
über etwas – wie es die fortdauernde Abbildlogik glauben
machen will – sondern sie sind selbst aktiv als Agenten,
Komplizen5, Operateure6 in unseren zum grossen Teil virtuellen, also latenten, Gedächtnisräumen an der Schnittstelle
zwischen individueller Psyche und Kultur. Diese Aktivität
der Bilder im komplexen System des Sehens, den Echoraum
und das, was sie in ihn hineinrufen, zu reflektieren, ist eines
der Hauptanliegen einer (selbst)kritischen Kulturanalyse.7
Nicht der Aufruf zur Befreiung des Bildes aus den Fesseln
der Geschichte, sondern im Gegenteil, ein genaues Hinhören und Aufhorchen auf ihr Echo.8
1 Baselitz (Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“) zitiert nach einem
kunst-blog Beitrag von Lars Roth (25.07.06), http://kunst.germanblogs.
de/archive/2006/07/25/1f327fnjkssmh.htm.
2 Der Fälschungsskandal eines Fotos, das photoshopverstärkten Raketenrauch über Beirut zeigt, ist nur eines der letzten Beispiele in der anhaltenden
Diskussion um den Krieg mit Bildern, die Frage ihrer Zeugenschaft und
Instrumentalisierung – welche den Zweifel an der Abbildlogik des Bildes und
19
wie riecht tokio?
Das interkulturell ausgerichtete Forschungsprojekt city_space_transitions vereint Theorie,
Feldforschung und Produktion. Neben
Tagung und Ausstellung finden auch zwei
künstlerische Interventionen in Zürich und
Tokio statt. Jürgen Krusche*
Hat eine Stadt einen spezifischen, wieder erkennbaren
Geruch? Könnte ein Geruch eine Stadt repräsentieren? Das
Projekt smells & sounds kreist unter anderem um solche
Fragestellungen. Smells & sounds sind zwei künstlerische
Interventionen des Landschaftsarchitekten Günther Vogt
(Zürich) und des Künstlers Takuro Osaka (Tokio), die im
Rahmen des Forschungsprojekts city_space_transitions diesen Herbst im öffentlichen Raum von Zürich und Tokio
durchgeführt werden.
Smells & sounds – the invisible in public space
Beide Interventionen werden das Unsichtbare thematisieren. Für einmal wird nicht das sichtbare Bild im Zentrum
stehen, sondern das Hören und vor allem auch das Riechen.
Smells & sounds stellt einen Beitrag zum Thema Kunst und
öffentlicher Raum dar und soll die Diskussion darüber anregen, welche Rolle die nicht-visuellen Sinne für die Konzeption von Raum spielen.
der University of Tsukuba ist, wird unhörbare Frequenzen
aus dem Erdinneren dazu nutzen, um Alltagsgeräusche zu
steuern. Die Gerüche und Geräusche werden zwischen den
beiden Städten Tokio und Zürich ausgetauscht, sodass in
Zürich ungewohnte oder befremdende Düfte und Klänge
Günther Vogt interessiert vor allem die Frage, was Gerüche
aus Tokio wahrzunehmen sein werden und umgekehrt.
und Düfte von Pflanzen zur Wahrnehmung des öffentlichen
Raums beitragen und in welcher Weise das Olfaktorische City_space_transitions
bewusst in die Gestaltung von öffentlichen Räumen einge- Der Austausch zwischen Zürich und Tokio betont den interhen könnte. Takuro Osaka, der auch Professor für Kunst an kulturellen Aspekt des gesamten Forschungsprojekts, das
am Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst ith der
hgkz läuft (April 2005 bis Dezember 2006). City_space_transitions thematisiert in interkultureller Perspektive zwischen
dem Westen und Japan Theorien des Raums auf theoreseines Wahrheitsanspruchs auf das Pressebild ausdehnte. Die Zunahme der
tisch-philosophischer Ebene wie auch auf der konkreten
diskutierten Fälle aber hat die öffentliche wie bildtheoretische Diskussion
über die Wirksamkeit und Treffsicherheit von Bildeinsätzen – nicht nur in
Ebene des urbanen Raums. Im Sommer und Herbst verganKriegszeiten – wesentlich vorangebracht.
genen Jahres wurden Feldstudien in der Form eines Image3 Die Tagung entstand in Zusammenarbeit mit Matthias Vogel (ics/ith). Er
based Research (Fotografie, Jürgen Krusche; Video, Angela
präsentierte hier die Ergebnisse seines Forschungsprojektes Das Menschenbild im Bildarchiv. Untersuchung zum visuellen Gedächtnis der Schweiz (zus.
Sanders) in Zürich, Berlin und Tokio durchgeführt. Der
mit Flavia Caviezel und Ulrich Binder).
theoretische Teil des Forschungsprojekts wird im Oktober
4 Mieke Bal: Schweben zwischen Gegenstand und Ereignis: Begegnungen
mit einem internationalen Symposium am Japanisch-Deutmit Lili Dujourie, Fink: München 1998, S. 66.
schen Zentrum in Berlin abgeschlossen. Das Tagungspro5 Knowing you. Knowing me. Zur Komplizenschaft mit Bildern, aktuelle Ausstellung Camera Austria, Graz, anlässlich des Steirischen Herbstes. Ausserdem gramm und weitere Informationen sind auf der Website des
untersucht ein Forschungsprojekt, geleitet von Gesa Ziemer (ith), derzeit
Projekts nachzulesen.
den Begriff der Komplizenschaft an den Schnittstellen der Kulturproduktion.
6 In meinem eigenen Forschungsprojekt am ics, Operation Video. Körperkonzepte von Medienkünstlerinnen der 1970er Jahre, untersuche ich die repräsentationskritische Bildarbeit von VideokünstlerInnen mit der Perspektive
eines operativen Bild- und Medienbegriffes (in Anlehung an Walter Benjamin).
7 Vgl. Sigrid Schade, Profil Institut Cultural Studies in Art, Media and Design,
(ics.hgkz.ch/d/institut/profil.html) und Marion Strunk, Studieninhalte MAS
CGS (culturalgenderstudies.hgkz.ch/de/studium/studieninhalte.html)
8 Die Frage nach dem Echo ist oft eine nach der Rezeptionsgeschichte und
einer entsprechenden Kontextualisierung ästhetischer Praktiken und ihrer
institutionellen Repräsentation, was für viele der Forschungsprojekte am ics
zentral ist, beispielsweise in dem Forschungsprojekt von Jennifer John, White
Cubes – Gendered Cubes. Die Repräsentation von Geschlecht in Museen für
moderne und zeitgenössische Kunst.
* Sigrid Adorf ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Cultural Studies
in Art, Media and Design und Co-Leiterin des Nachdiplomstudienganges MAS
Cultural & Gender Studies.
Smells & sounds
— 10. bis 14.10.2006, an drei Orten der Langstrasse, Kreis 4, in Zürich
— 31.10. bis 5.11.2006, an drei Orten im Stadtteil Yanaka in Tokio
Galerie Römerapotheke, Langstrasse 136, 8004 Zürich
— 11. bis 14.10.2006, Skizzen und Pläne von Vogt – Landschaftsarchitekten
und Takuro Osaka
Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin
— 5. bis 20.10. 2006, Ausstellung city_space_transitions / Berlin, Tokio, Zürich
— 19./20.10.2006, Internationales Symposium Der Raum der Stadt – Raum theorien zwischen Architektur, Soziologie, Kunst und Philosophie in Japan
und im Westen
Tagungsprogramm und weitere Infos: http://city_space_transitions.hgkz.ch
* Jürgen Krusche ist Projektleiter von city_space_transitions und arbeitet am
Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst ith.
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1 Die Bundesräte Cristoph Blocher, Pascal Couchepin, Joseph Deiss,
Micheline Calmy-Rey, Regierungsrätin Regine Aeppli, Bundespräsident
Moritz Leuenberger und Bundesrat Hans-Rudolf Merz (verdeckt)
sind soeben eingetroffen.
2 Der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber als Apérogastgeber mit
Bundeskanzlerin Annemarie Huber Hotz.
3 Stadtrat Gerold Lauber, neuer hgkz-Schulrat, wird beschwört von
Bundesrat Couchepin. Stadträtin Monika Stocker, Hans-Peter Schwarz:
Was gibt es zu lachen?
4 Die HMT-Studentinnen Catriona Bühler, Anna Steiner und Simone Keller
im angeregten Gespräch mit Bundesrätin Calmy-Rey und den Bundesräten
Merz und Schmid.
5 Der Rektor erklärt dem Bundesrat die wirtschaftliche Bedeutung von
Design: Joseph Deiss, Hans-Peter Schwarz, Moritz Leuenberger und Pascal
Couche­pin.
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6 Freuen sich über das Interesse für ihr preisgekröntes Projekt: die Architekten Mathias Müller und Daniel Niggli mit Bundesrat Couchepin vor einem
Modell des Toni-Umbaus.
7 Le Conseiller fédéral Couchepin est impressionné par les paroles d’accueil
françaises du recteur Daniel Fueter.
8 Dreimal Christian und einmal Christoph am Stammtisch: Diplomanden
Iten, Lehmann und Kägi mit Bundesrat Blocher.
9 Vorsichtige Tastversuche: Pascal Couchepin und Christoph Blocher lassen
sich von Christian Iten die Diplomarbeit „tangent“ erklären.
10 Regierungsrätin Aeppli lobt das Toni-Projekt und rügt den Bundesrat für
seinen Sparentscheid im Bildungswesen.
11 Voll dabei: Bundesrat Deiss und Rektor Schwarz vor der Diplomarbeit
über die schwindenden Gletscher von Martin Blättler, Visuelle Kommunikation.
12 Froh, dass auch das Kooperationsprojekt „Bundesratsbesuch“ gut
gelaufen ist: Marianne Böckli, hgkz, Ursula Akmann, HMT, Heike Pohl, hgkz,
und Adriana Bognar, HMT.
bundesrat im
toni-areal
Am 6. Juli 2006 machte der Gesamtbundesrat auf seiner traditionellen jährlichen „Schulreise“ einen längeren Besuch
im Toni-Areal. Die Bundesregierung informierte sich über
das Umbauprojekt zur Zürcher Hochschule der Künste,
besuchte die Diplomausstellung und hörte eine erste Kostprobe vom Festival der Künste, das um Mitternacht dieses
Tages beginnen würde. Begleitet wurde der Bundesrat von
Regierungsrätin Regine Aeppli; zum Apéro stiessen die Mitglieder des Zürcher Stadtrats dazu.
Hans-Peter Schwarz begrüsste die Gäste auf Deutsch, Daniel Fueter auf Französisch. Die Studenten Christian Iten
und Daniel Lüthi, Interaction Design, sowie Christian Kägi
und Christian Lehmann, Industrial Design, präsentierten
ihre Diplomarbeiten „tangent“ und „Machs dir selber“; die
HMT-Studentinnen Catriona Bühler, Leila Elmer, Ingrid
Lukas und Anna Steiner trugen Songs aus dem Kabarett „Pfeffermühle“ von Erika Mann vor, dazu musizierten
Sandra Weiss, Simone Keller, Stephanie Sulzer und Yvette
Sullivan-Hutter.
Beim anschliessenden Apéro nahmen alle Anwesenden
die Gelegenheit wahr, die Bundesrätin und die Bundesräte, Regierungsrätin Aeppli sowie die Stadträtinnen und
Stadträte aus der Nähe zu erleben und mit dem einen oder
der anderen ein persönliches Gespräch zu führen.
Marianne Böckli, Fotos: Regula Bearth
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diplom und
festival der künste
im toni-areal
1 Der imposante Eingangsbereich des Toni-Areals mit Rampe
2 Der Milchsee, die von Style und Design gestaltete Festivalbar
3 Studierende der HMT spielen „Bond-Age“
4 Die Leute aus dem Studienbereich Theorie – Studien zur Medien-, Kunstund Designpraxis imitieren Leonardo da Vincis grosse Tafel zu Ehren Michel
Foucaults: „Voulez vous Foucault?“
5 Unter der Eisenbahntangente: das grosse Sommerfest zum Abschluss der
Diplomausstellung
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Im Juli 2006 verwandelte sich das Toni-Areal dank mehr als
600 Mitwirkenden aus hgkz und HMT während 14 Tagen
in einen Treffpunkt für Kunst- und Kulturinteressierte.
Die bisher grössten Ausstellung von hgkz-Diplomarbeiten, die Leistungspreisausstellung und das Festival der
Künste, das vom 7. – 9. Juli einen Kulturmarathon mit 140
Veranstaltungen bot, lockten rund 10’000 Besucherinnen
und Besucher in die ehemalige Milchfabrik im Kreis 5,
darunter auch den gesamten Bundesrat. Es war eine gelungene Inbesitznahme des Ortes, der in Zukunft zum Campus
der Zürcher Hochschule der Künste werden soll.
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1 An der Eröffnung der Diplomausstellung
2 „Curating Library“
3 In der Lounge unter der Brücke
4 24h „Vexations“ von Erik Satie zwischen Theorie und Betrachtung
5 Leseinsel
6 Vernissage der Diplomausstellung: Fotografie
7 „Bach-Standards – Eigenes“
8 „Geschlossene Gesellschaft“: Sartre in 15 Minuten
9 Vernissage der Diplomausstellung: Interaction Design
10Spidernet am Reiterbett
Viele weitere Bilder in der Webgalerie:
services.hgkz.ch/festivalfotos
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1 „Musique brute“ im Konzertsaal
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3 „Haben Perlen eine Lebensphilosophie?“ – ein Theater
4 Lange Nächte im mehrspur music club in der Tonimolkerei
5 Bläserensemble der HMT
6 Die Opernklasse und MusikerInnen der HMT spielen
„Il ritorno d’Ulisse in Patria“
7 „Ungarn“ – ein musikalisches Erzähltheater
1
8 1 ⁄2 Hauptakteure des Backstage-Bereiches
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1 Ophelia – ein Suizid
2 „Medial handeln“ mit dem Studienbereich Neue Medien
3 Die Tanz Akademie Zürich, Solo auf der Bühne 3
4 Im MedienKunstRaum
5 „U(h)stimmen“ A-cappella-Chor von Schauspielstudierenden
6 Im mehrspur music club
Fotos: Regula Bearth, Betty Fleck,
Eliane Rutishauser
3
29
hgkzintern4/06
4
5
6
30
hgkzintern4/06 das „high“ ist wie ein
schwamm, der alles
in sich aufsaugt
Ein Symposion zu high art and low culture
in Musik und visuellen Künsten am 24. und
25. November 2006 an der hgkz.
Corina Caduff, Sabine Gebhardt Fink, Florian
Keller und Steffen Schmidt*
High und low? Beethoven und Madonna, Geige und Gitarre, Museum und Strassenperformance, elitär und populär
usw.? Schon längst geht high-low nicht mehr auf in solchen
Gegensetzungen, schon längst sind die Grenzen zwischen
high art und low culture aufgeweicht. Eine Debatte von
high-low ist deswegen allerdings nicht hinfällig, und gerade
auch der Vergleich der Künste ist hier interessant, denn in
Musik, visuellen Künsten und Literatur hat high-low ganz
verschiedene Entwicklungsgeschichten hinter sich. So hat
sich etwa in der Literatur die Trennung von Hoch- und
Unterhaltungsliteratur im 18. Jahrhundert etabliert, in den
visuellen Künsten wurde die Dichotomie von high-low
erstmals um 1850 debattiert, und in der Musik gibt es die
musikindustriell begründete Scheidung von U- und EMusik seit 1900.
Wie wird etwas, das heute der Hochkultur zugewiesen wird,
morgen schon zum Kult­objekt der Alltags- und Massenkultur? Was für eine Rolle spielt dabei die Ökonomie, und wie
unterscheidet sich high-low heute in den verschiedenen
Künsten? Diesen Fragen gehen Künstler und Wissenschaftler aus den Bereichen Musik, visuelle Künste und Literatur
nach, das 2-tägige Symposion bietet Referate, Filmvorführungen, Performances und Gespräche. Am Freitagabend
steht zudem ein Karaoke mit Opernarien, Belcanto und
Fetenhits auf dem Programm. Ein offenes Mikrofon bietet
Gelegenheit zur angewandten Überschreitung von high
und low.
Zu Gast sind unter anderen der Ex-Musikproduzent Bill
Drummond (GB), der Aktionskünstler San Keller (CH) und
die Berliner Künstlerin Alice Creischer, die ihre Videoarbeit
„Eine Flussfahrt wie am Tellerrand“ vorstellt. Das Video
zeigt eine als venezianische Karnevalsgesellschaft verkleidete Gruppe, die im Jahr 2003 in Buenos Aires einen Fluss
befährt, der ständig von der Polizei kontrolliert wird, um
arme Zuzüger an der Einreise in die Stadt zu hindern. Die
künstlerische Auseinandersetzung mit anderen Kulturen
gehört für Creischer immer mit dazu: „Wer sich nur mit
seiner eigenen Geschichte beschäftigt, kommt nicht über
den nächsten Supermarkt hinaus.“ Indem sie den anderen
realen Ort und dessen Politik mit artifiziellen (High-)Bil-
dern der Karnevalsgesellschaft kombiniert, ergibt sich eine
ständige Durchlässigkeit zwischen high und low: „Das High
ist wie ein Schwamm, der alles in sich aufsaugt. Ohne das
andere, das Low, wäre gar nichts in der Kunst vorhanden!“
highLOW – Internationales Symposion mit Musik, Film und Performance, in
Zusammenarbeit mit dem Departement Musik der HMT.
Fr–Sa, 24.–25. November 2006, hgkz, Vortragssaal
Programm Freitag, 24. November
10.00–12.30 — Isabel Mundry: High und Low in der Musik/ Alice Creischer:
Eine Flussfahrt wie am Tellerrand
13.30–16.00 — Performance: San Keller: Absolute Beginners/ Podium zur
Performance Mit L. Bader, B. Colomina, San Keller, Ph. Ursprung/ Philip
Ursprung: Das lange Ende von High und Low
16.30–18.30 — Performance: Bill Drummond: Money Money Money/ Elke
Schmitter: Das Sprechen macht das Schreiben high
ab 20.30 — Karaoke-Abend: OperaBelcantoFetenhits
Samstag, 25. November
10.00–12.30 — Sebastian Klotz: Play it again, Steve/ Nele Hertling: Zwischen
Schwanensee und Hiphop
13.30–15.30 — Film: The amazing Mr. Bickford (1987) Musik: Frank Zappa/
Podium zum Film: Mit D. Fueter, N. Hertling, S. Klotz
16.00–18.00 — Beatriz Colomina: Media as architecture/ Abschlusspodium
Mit A. Creischer, I. Mundry und E. Schmitter
Organisation: Corina Caduff, Sabine Gebhardt Fink, Florian Keller und Steffen
Schmidt.
http://ics.hgkz.ch >Veranstaltungen
* Corina Caduff ist Professorin am Institute Cultural Studies (ics), Sabine
Gebhardt Fink, Florian Keller und Steffen Schmidt sind wissenschaftliche
MitarbeiterInnen am ics.
unten: Alice Creischer, Zeitpersonal „Fire“ and „Manpower“ (2001)
darunter: „Cinderella Karaoke“, Disney Electronics
31
hgkzintern4/06
ausstellungen
museum für
gestaltung zürich –
strategien und
programm
Seit Februar 2006 arbeite ich als Leiterin Ausstellungen für das Museum für Gestaltung
Zürich. Es war eine besondere Freude, an eine
Institution zu kommen, die ich schon während
meines ersten Aufenthalts in Zürich (1995 –
2000) schätzen gelernt habe. Angeli Sachs*
Das Museum verfügt mit seinem auf Grafik- und Produktdesign, Architektur, Fotografie und Film ausgerichteten
Themenspektrum und seinen bedeutenden Sammlungen
über eine erfolgreiche Tradition und ein enormes Potenzial
für ein breit gefächertes und innovatives Ausstellungsprogramm. Dieses bildet nicht nur einen festen und unverzichtbaren Bestandteil der Zürcher Kulturlandschaft, sondern entfaltet seine Wirkung auch weit über Zürich hinaus.
Schweizer Positionen und internationale
Tendenzen
Die Schweiz gilt heute, sowohl in der Ausbildung wie auch
in der Produktion, weltweit unbestritten als eines der qualitativ interessantesten Länder für Design und Architektur.
Der Anspruch an die Gestaltung wird auch in vielen Bereichen des Alltags spürbar. Dieses Potenzial thematisch aufzuarbeiten und dabei sowohl etablierte wie neue Schweizer
Tendenzen und Positionen aufzuzeigen und zu repräsentieren, ist eine der zentralen Aufgaben des vor allem modern
und zeitgenössisch ausgerichteten Ausstellungsprogramms
des Museum für Gestaltung Zürich. Gleichzeitig leben wir
in einer globalisierten Welt, in der wir auf Informationen
und den internationalen Austausch angewiesen sind, die
die eigene Arbeit inspirieren. Daher ist es wichtig, dass auch
das Museum für Gestaltung Zürich in seinem Programm
internationale Themen, Bewegungen und Protagonisten
vorstellt. Dieser Austausch ist nicht nur aus thematischen
Gründen erstrebenswert, sondern auch, um die internationale Positionierung von Museum und Hochschule für
Gestaltung Zürich zu stärken und bei Ausstellungen, die
nur mit hohem Aufwand zu produzieren sind, logistische
wie materielle Synergieeffekte zu erreichen, was in Zeiten
knapperer Budgets ein wichtiger Faktor ist.
Strategien der Programmplanung
Insgesamt streben wir für die acht Ausstellungen, die wir
neben weiteren Interventionen jedes Jahr an der Ausstellungsstrasse und im Museum Bellerive zeigen, eine
Dreijahresplanung an. Dies dient einer besseren Planbarkeit unserer Ressourcen, der langfristigeren Erarbeitung
anspruchsvoller Ausstellungsthemen bis zur Etablierung
von Forschungsprojekten – ein Bereich, in dem das Museum und die Sammlungen bereits in der Vergangenheit sehr
erfolgreich waren – und dem bereits zuvor erwähnten inter-
nationalen Austausch. Dort wollen wir Kooperationen mit
anderen Museen vertiefen, geeignete Ausstellungen wandern lassen und selbst Ausstellungen anderer Museen, die
für das Programm eine Bereicherung sind, übernehmen.
Vermehrt Themenausstellungen im Programm
Im kommenden Jahr zeigt „Nature Design“ ein internationales Spektrum von Möglichkeiten, wie die Formen und
Gesetzmässigkeiten der Natur Designer und Architekten
zu innovativen Lösungen inspirieren (dies wird auch mein
erster Beitrag als Kuratorin für das Museum für Gestaltung
Zürich sein), oder „On Time“ (Kurator Norbert Wild) aus der
Reihe Design Collection, in der das mit der Schweiz besonders verbundene Thema der Zeitmessung näher untersucht
wird. Wir beginnen im Januar 2007 mit dem in München
arbeitenden Produktgestalter Konstantin Grcic eine monographische Reihe, in der wir wichtige internationale Designer vorstellen. 2008 folgt eine Ausstellung mit Alfredo
Häberli, der 1991 die Hochschule für Gestaltung Zürich
abgeschlossen hat. Auf dem Gebiet der Architektur hat das
Museum für Gestaltung Zürich immer wieder wichtige Ausstellungen gezeigt. Jetzt wird das Thema Architektur kontinuierlich ein Schwerpunkt des Ausstellungsprogramms:
In Kooperation mit der ETH Zürich wurde ein Kompetenzzentrum Architektur und Design gegründet, in dem in den
Jahren 2008 bis 2010 jährlich eine international ausgerichtete thematische Architekturausstellung realisiert wird.
* Biografie Angeli Sachs
Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Soziologie an den Universitäten Augsburg und Frankfurt am Main. 1992 Abschluss mit Magister Artium.
Die Magisterarbeit wurde mit dem Wissenschaftspreis der Stiftung Mitteldeutscher Kulturrat ausgezeichnet. Vor und während des Studiums journalistische
und redaktionelle Tätigkeit, Projekte in den Bereichen Literatur, Theater, Fernsehen und bildende Kunst, Mitarbeit in einer Galerie. Von 1990 bis 1993 Pressereferentin des Frankfurter Kunstvereins. 1994 bis 1995 freiberufliche wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Architektur Museums in Frankfurt am
Main. 1995 bis 2000 Assistentin an der ETH Zürich, Institut für Geschichte und
Theorie der Architektur (gta). Dort u.a. Leitung des Forschungsprojekts Das
Modell der Stadt. Bausteine zu einer Ideengeschichte des Städtebaus 1750–1990
an der Professur für Geschichte des Städtebaus, Prof. Dr. Vittorio Magnago
Lampugnani, sowie Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskoordination für
das Institut gta. Ab 2001 zuerst Lektorin, von 2002 bis 2005 Programmleiterin
für den Bereich Architektur und Design des Prestel Verlages, München, Berlin,
London, New York. Aufbau eines international ausgerichteten Buchprogramms
in den Bereichen Architektur und Design.
Zahlreiche Ausstellungen und Publikationen zur Architektur und Kunst des 20.
Jahrhunderts und der Gegenwart: zuletzt Museen für ein neues Jahrtausend.
Ideen, Projekte, Bauten (mit Vittorio Magnago Lampugnani), Minimal Architecture (mit Ilka und Andreas Ruby, Philip Ursprung) und Jewish Identity in Contemporary Architecture (mit Edward van Voolen).
32
hgkzintern4/06 verschiedenen Gestaltungsbereichen. Neben den immer
wieder stark vertretenen Berufsgruppen der FotografInnen
und GrafikerInnen sind dieses Jahr auch Industrie- und
ModedesignerInnen sowie KeramikerInnen sowohl unter
den BewerberInnen als auch unter den PreisträgerInnen
anzutreffen. Ausgezeichnet wurden in der Schlussrunde des
Wettbewerbs 18 Objekte und Projekte aus den Bereichen
Fotografie, Industriedesign, Grafik, Typografie, Illustration,
Modedesign und Keramik, wobei die Ausstellung nicht nur
die prämierten, sondern alle in der Endrunde jurierten
Arbeiten vorstellt.
Eidgenössische Designkommission
Insgesamt hatten sich 231 DesignerInnen mit 196 Eingaben
für den Eidgenössischen Wettbewerb für Design beworben.
Die PreisträgerInnen können nun zwischen einem Geldpreis – 20’000 Franken –, einem Praktikum oder einem
Atelieraufenthalt im Ausland wählen. Vergeben haben die
Preise in diesem Jahr die Mitglieder der Eidgenössischen
Designkommission 06 (Lorette Coen, Jury-Präsidentin,
Redakteurin von „Le Temps“, Lausanne; Martin Leuthold,
Textildesigner, Jakob Schläpfer, St. Gallen; François Rappo,
Graphiste et typographe, Lausanne; Annette Schindler,
Kunstwissenschaftlerin, Leiterin [Plug in], Basel, und Christophe Marchand, Produktdesigner, Zürich) sowie eine dreiköpfige Expertengruppe (Christian Muhr, Liquid Frontiers,
Wien; Emily King, „Frieze Magazine“, London, und Maurice
Scheltens, Fotograf, Amsterdam).
Ausstellung als Auseinandersetzung mit der
Jurierung
Jurierte und prämierte Projekte eines Wettbewerbes auszustellen, ist an sich eine gängige Form der Präsentation.
Was sich die Architekten des Zürcher Architekturbüros
„Holzer Kobler Architekturen“ ausgedacht haben, geht aber
weit über die Darstellung der Projekte hinaus. In einem
fast klinischen Nebeneinander wird denn auch keines der
Projekte in irgendeiner Form hervorgehoben. So werden
nicht nur die prämierten Arbeiten gezeigt, sondern alle
Eingaben, welche es in die 2. Runde des Wettbewerbes
geschafft haben. Somit wird die Situation anlässlich der
Jurierung wertfrei wiedergegeben. Es bleibt dem Besuchenden überlassen, eine eigene Jurierung durchzuführen – und
diese am Ende des Rundganges mit der realen Prämierung
zu vergleichen.
juriert – prämiert
Das Museum für Gestaltung Zürich zeigt die
Ergebnisse des Eidgenössischen Wettbewerbs
für Design 2006. Sabine Trieloff, Fotos: Claudia
Röthlisberger und Marie Lusa
Im Blickpunkt der Ausstellung „Juriert – Prämiert“ stehen
die Arbeiten der Gewinnerinnen und Gewinner des seit
1917 vom Bundesamt für Kultur (BAK) veranstalteten Wettbewerbs für Design, einem der wichtigsten Instrumente der
zeitgenössischen Designförderung. Die Ausstellung gewährt
Einblicke in das aktuelle Schweizer Designschaffen in ganz
Weitere Ausstellungsteile widmen sich der Geschichte des
seit 1917 bestehenden Preises des Bundesamtes für Kultur
sowie den Biografien der Teilnehmenden. Für die Grafik
in der Ausstellung sowie für Publikation, Plakat und Einladungskarte zeichnen Marie Lusa und Claudia Röthlisberger
verantwortlich. Das Kuratorium für die Ausstellung haben
Patrizia Crivelli (BAK) und Christian Brändle inne.
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, die ebenfalls sowohl prämierte als
auch jurierte Arbeiten sowie die hinter den Projekten stehenden KünstlerInnen in ihren Ateliers zeigt. ISBN 987-3-7643-7641-3, 39.90 CHF
Juriert – Prämiert. Eidgenössischer Wettbewerb für Design 2006
28. Oktober 2006 bis 11. Februar 2007, Museum für Gestaltung Zürich, Halle
Vernissage: 27. Oktober 2006, 19 Uhr, Vortragssaal hgkz
Es sprechen Jean Frédéric Jauslin, Direktor Bundesamt für Kultur, und Christian Brändle, Direktor Museum für Gestaltung Zürich
33
hgkzintern4/06
Mudac Lausanne, CH) verkauft. Als „Nebenerscheinung“
der Muscon gastierten die „Falschen Chalets“ in Chur (2005)
und aktuell ist die Plakatausstellung „black&white“ in der
ddd Gallery in Osaka, Japan, zu sehen. Mit dieser Wanderausstellungs-Aktivität sind Museum als auch Hochschule
bei einem internationalen Publikum zusätzlich präsent.
Initiiert vom Vitra Design Museum
museumskonferenz
muscon erstmals zu
gast in der schweiz
Vom 8. bis 11. November 2006 ist das Museum
für Gestaltung Zürich Gastgeber für eine der
wichtigsten europäischen Museumskonferenzen: die European Museum Network
Conference Muscon. Christian Brändle*
Die European Museum Network Conference geht auf eine
Initiative des Vitra Design Museum (Weil am Rhein und Berlin) zurück. Seit ihrer Gründung im Jahr 1995 findet die Konferenz mit grossem Erfolg alljährlich statt. Dabei gastiert
die Muscon in ganz Europa, die letzten Stationen waren
Rotterdam (2003), Prag (2004) und Mailand (2005). Die
Konferenz nach Zürich zu holen, ist auf hartnäckige Lobbyarbeit zurückzuführen und eine grosse Ehre sowohl für das
Museum für Gestaltung Zürich als auch für die hgkz.
Hochkarätige Eröffnung
Die Konferenz wird am Mittwoch, 8. November, um 18 Uhr
durch Stadtpräsident Elmar Ledergerber eröffnet, weitere
Repräsentanten aus der Hochschule und Museum werden
Über 50 Repräsentanten – DirektorInnen und KuratorInnen – begrüssen. Die Eröffnung und die Konferenz sind allerdings
der bedeutendsten Design- und Architekturmuseen Euro- nur den eingeschriebenen TeilnehmerInnen vorbehalten.
pas werden während drei Tagen aktuelle Themen der Museumsarbeit debattieren und Erfahrungen sowie Know-how Voraussichtlich teilnehmende Museen:
austauschen. Aufgrund der rasant ansteigenden Kosten Kunsthalle Wien; MAK Wien; Design Museum Gent ; Moravska Galerie, Brno;
für Reproduktionsrechte (für Publikationen etc.) standen Museum of Decorative Arts, Praha; Danish Design Center, Kopenhagen; Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek; Design Museum, Helsinki; Centre
in den letzten Jahren vor allem Fragen rund um die Urhe- Pompidou, Paris; Deutsches Architektur Museum, Frankfurt; Architekturmuber- und Bildrechte im Vordergrund der Diskussion. Aktu- seum NRW, Gelsenkirchen ; The Lighthouse Museum, Glasgow; Barbican
elles Konferenzthema wird die Vermittlungsarbeit und das Art Gallery, London; Victoria & Albert Museum, London; Design Museum,
London; RIBA Trust, London; The Israel Museum, Jerusalem; Stedelijk Mu„Museum für alle Generationen“ sein, steht doch die Muse- seum, Amsterdam; Museum Hilversum; Nederlands Architectuurinstituut,
umspädagogik bei allen führenden Häusern ganz oben auf Rotterdam; Kunsthal, Rotterdam; Modern Design Center, Warschau ; Centrum
Sztuki Wspólczesnej, Warschau ; Centro Cultural de Belém, Lisboa; Fundación
der strategischen Prioritätenliste.
Ausstellungen auf Tour bringen
Neben diesen inhaltlichen Diskussionen bilden der Austausch von Projektideen und der Verkauf von bestehenden
Ausstellungen das Schwergewicht der Konferenzarbeit. Beinahe alle teilnehmenden Museen präsentieren nicht nur
das aktuelle Programm, sondern geben auch einen Ausblick
auf kommende Projekte. Und dabei kommt es nicht selten
zu Kooperationen, die immer wichtiger werden, auch um
Kosten zu sparen. Durch die Zusammenarbeit werden nicht
nur die Kosten (in der Regel etwa 15 – 20% der Projektkosten) unter den teilnehmenden Museen aufgeteilt, sondern
es entstehen namentlich in der Kommunikation und in der
Produktion einer Begleitpublikation inhaltlich wie wirtschaftlich interessante Allianzen. Während der ersten drei
Konferenztage werden somit weit über 100 Ausstellungsprojekte präsentiert und schätzungsweise 15% der Projekte
finden mindestens eine weitere Spielstätte.
Erfolgreiche Ausstellungsverkäufe
Das Museum für Gestaltung Zürich hat an dieser Konferenz
in den vergangenen Jahren die Projekte „Ladislav Sutnar“
und „Communicate“ akquiriert und gleichzeitig die Ausstellungen „handmade“ (The Lighthouse Glasgow, GB) und
„Trickraum“ (Farnham, GB, Museum Hilversum, NL, und
Pedro Barrié de la Maza, la Coruña; Museo Reina Sofia, Madrid; Arkitekturmuseet, Stockholm; Museum für Gestaltung Zürich; Mudac Lausanne; Vitra
Design Museum, Weil am Rhein.
* Christian Brändle ist Direktor Museum für Gestaltung Zürich
Bild: Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, Dänemark
34
hgkzintern4/06 tatort bellaluna –
bahnerlebnis
albula
Ein Projekt der Zürcher Hochschule Winterthur,
Departement Architektur, und der hgkz,
Departement Lehrberufe für Gestaltung und
Kunst. Stefan Wettstein*
Seit inzwischen drei Jahren arbeiten wir im Rahmen des
vom Bund lancierten und mitfinanzierten Regio-Plus-Projektes mit Studierenden des Studienganges Lehrberufe für
Gestaltung und Kunst in fünf Unterrichtsprojekten im Albulatal. Dabei haben drei Projekte einen direkten Bezug zur
Albulabahn, zwei Projekte entstehen in Zusammenarbeit
mit Filisur Tourismus. Resultat ist ein unverwechselbares
Produkt: das Bahnerlebnis Albula. Es setzt sich aus insgesamt sechs Teilprojekten an sechs Orten, den „Schnittstellen“, zusammen, die in der Landschaft des Tals mit einer
übergrossen Stecknadel bezeichnet sind.
Ausstellung in Flims
Die bisher während des Studiums erarbeiteten Projektideen
werden zurzeit schrittweise umgesetzt und waren unlängst
in der Ausstellung Werdende Wahrzeichen in Graubünden Rote Stecknadel in Filisur. Bild: Stefan Wettstein
im Gelben Haus Flims zu sehen. Als neuartige und innovative Tourismusförderung sollen sie nachhaltig Wirkung
zeigen. Die Beleuchtung des Landwasserviadukts – eine
Diplomarbeit von Milena Laneve – wird in diesem Herbst
eröffnet, der Ort der Geschichten im Bahnhof Stuls – eine
Diplomarbeit von Giuliana Mani – wird im Frühjahr 2007
eröffnet. Die Bahnhofstrasse Stuls, die Verbauung, Pensch
Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen stattfinden. Diese
sowie der Tatort Bellaluna sind in der Planungsphase.
Kurse werden von den Studierenden des lgk, den zukünfSchnittstelle: Tatort Bellaluna als Experimentigen Vermittlerinnen und Vermittlern für Gestaltung und
tierfeld
Kunst, durchgeführt. Erste Themen dafür sind: die ErzverDie Bauten der Schnittstelle Tatort Bellaluna wurden in hüttung, der Bau der Kugelbahn Bellaluna/Filisur, der Bau
diesem Frühjahr von Architekturstudierenden der Zür- der Albulabahn im Modell ... Auf dem Experimentierfeld
cher Hochschule Winterthur (ZHW) unter der Leitung der werden Holz und Eisen verarbeitet oder es wird mit den
Dozentin Kaschka Knapkiewic entworfen und projektiert. Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft experimentiert.
Im Vorfeld dazu haben sich 60 Studierende des FachbeDie Infrastruktur des Experimentierfeldes soll diesen mulreiches Architektur in Teams in einem jurierten Wettbetifunktionalen Bedürfnissen entsprechen. Die Gebäude,
werb mit dem Tatort Bellaluna auseinandergesetzt. Die
Unterstände etc. des Tatorts Bellaluna sollen so aufeinanJury nahm acht Projekte in die engere Wahl und hat nach
der bezogen und baulich ausformuliert sein, dass sie im
intensiven Diskussionen den Vorschlag der Studierenden
architektonischen Sinne einen Ort definieren, der wirtlich
Rico Traxler, Martin Schiess, Thomas Schläpfer und Thomas
ist, d.h. auch im emotionalen Sinne Schutz bietet, und
Rutishauser ausgewählt.
sowohl zum Verweilen als auch zum handwerklichen und
Die Begründung der Jury hält fest, dass dieser Entwurf den gestalterischen Tätigsein anregt.
Begriff des Experiments am radikalsten umsetzt. Durch
die Verwendung der Gerüstbauweise mit Wellblech und Weitere Informationen zu den Projekten und dem Prozess der Umsetzung:
Absperrfolie wird dem Ort eine ganz spezielle Atmosphäre www.bahnerlebnis-albula.ch
gegeben. Der Bau nimmt zudem den Wanderweg sowie den Der Jury des Architekturwettbewerbs Tatort Bellaluna gehörten folgende Personen an: Thomas Schregenberger, Architekt und Dozent Hochschule Vaduz,
Start der Kugelbahn in sich auf, die sich von der Bellaluna Kaschka Knapkiewicz, Dozentin ZHW, Bruno Bossert, Dozent ZHW, Marcel
bis nach Filisur erstrecken wird.
Ferrier, Dozent ZHW, Hans Futer, Dozent ZHW, Jaqueline Fosco, Dozentin
Die Schnittstelle Tatort Bellaluna versteht sich als Experimentierfeld. Hier sollen jeweils in den Sommermonaten
3- bis 7-tägige handwerkliche und gestalterische Kurse mit
ZHW, Lorenzo Giuliani, Dozent ZHW, Karl Felix, Dozent hgkz, und Stefan
Wettstein, Dozent hgkz.
* Stefan Wettstein ist Dozent Lehrberufe für Gestaltung und Kunst an der hgkz.
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hgkzintern4/06
viele falten statt der
einen
Ansprache zur Premiere der Diplomfilme 2006
des Studiengangs Film am 29. Juni 06 im Filmpodium Zürich. Giaco Schiesser*
Bideau einem „NZZ am Sonntag“-Journalisten am letzten
Wochenende in die Feder. Dabei gilt seine Liebe zu Paris
ganz offensichtlich dessen Modell überzentralistischer
Machtbündelung. Dass wir in Europa gerade das Auseinanderbrechen dieses zentralistischen Modells in Frankreich als
Farce erleben, scheint ihn nicht nachdenklich zu stimmen.
Vielleicht besteht dennoch Hoffnung: Frankreichs Kultur
und seine Kulturförderung war immer vielfältig, low stand
neben high – high und low haben sich schon früh gemixt –,
und dem Intellektuellen, sogenannt Verstiegenen wird Platz
in den Tageszeitungen eingeräumt. Tin-Tin, das französische Kino und Lacan existieren gleichberechtigt nebeneinander. Vielfalt statt Einfalt als gelebte Kultur. Vielleicht
entdeckt Herr Bideau diese französische Tradition noch.
Liebe Gäste, liebe Studierende, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich habe zunächst den Rektor der hgkz, Hans-Peter
Schwarz, den zu vertreten ich die Ehre habe, zu entschuldigen. Er fehlt aus dem einzigen Grund, aus dem man an
einem solch gewichtigen Anlass fehlen kann: Er hat an einer
Schulratssitzung teilzunehmen, an der es – wie könnte es
Ihnen, liebe Diplomandinnen und Diplomanden, die hier
heute anders sein – auch und zentral um Geld geht.
und heute unterschiedlich-vielfältige Abschlussfilme vorleLiebe Diplomandinnen und Diplomanden. Mit dem heu- gen, die – welcher Zufall – von „Totengräbern“, „Überflüstigen Tag schliessen Sie Ihre Ausbildung auf dem Spiel- sigen“, von „Einweichern“, „Big Size“ und vom „Magic Cut“
und Experimentierfeld Hochschule ab. Vor Ihnen steht und von „Schnäbi“ handeln, wünsche ich, dass Sie weiterhin
der Übertritt in eine Arbeitswelt, Teile von ihr kennen Sie Filme machen, wie Sie es hier gelernt haben: eigensinnig,
bereits. „Popularität und Qualität“ heisst das neue Förde- scharfsinnig, unendlich neugierig. Dass Sie nie die Qualität
rungsschlagwort für diese Arbeitswelt. Es tritt – als zen- aus den Augen verlieren, dass Sie in Zukunft also populäre,
traler Bestandteil der neuen Filmverordnung – am 1. Juli, viertels-, halbpopuläre und unpopuläre Filme gleichermasalso übermorgen, in Kraft. Der neue Filmchef des Bundes sen machen. Kurz: dass Sie zu einer vielfältigen filmischen
und selbsternannte „Inkarnation des Schweizer Filmes“ (!), Kultur in diesem Lande und über dieses hinaus beitragen.
Nicolas Bideau, hat es letztes Jahr in Locarno in Umlauf
gebracht. Die Filmbranche und Filmszene ist seither aufge- * Giaco Schiesser ist Leiter Departement Medien & Kunst hgkz.
schreckt – doch zum Teil bereits wieder beruhigt.
„Popularität und Qualität“ ist bei genauerem Hinsehen ein
einfältiger Slogan. Ein-fältig im ganz buchstäblichen Sinne:
Er besteht aus einer Falte. Selbstverständlich schliessen sich
Popularität und Qualität nicht aus! Selbstverständlich ist es
wunderbar, wenn beides zusammenkommt. Für den Film
belegen das etwa Chaplin und Buster Keaton aus ferner und
die Serie „24“ aus jüngerer Zeit eindrücklich.
Allerdings ist der Umkehrschluss „Qualität muss populär
sein“ fatal. Wo stünde die Kultur in der Schweiz heute, wenn
ein Literat wie Robert Walser, ein Maler wie Adolf Wölfli oder
ein Filmemacher wie Jean Luc Godard gezwungen worden
wären, populär zu sein. Die Schweiz hätte wahrhaftig eine
einfältige Kultur.
Es ist die vornehmste Aufgabe der Kunst, Terrae incognitae unserer Sinne, unserer Begehren und Erfahrungen in
aller Breite und Tiefe auszuloten. Eine vielfältige – also
spannende – Kultur, die den vielfältigen Bedürfnissen ihrer
vielfältigen Publika Rechnung trägt, wird der Popularität,
der Spezialisierung, dem Intellektuellen, ja selbst dem Verstiegenen gleichermassen Rechnung tragen. Aus Erfahrung
wissen wir nicht nur, dass das Publikum eine Chimäre ist,
dass es – zum Glück – nur unterschiedliche Publika gibt.
Wir wissen auch, dass die künstlerischen Spezialisierungen,
Verstörungen und Verstiegenheiten von heute mitunter die
Alltagserfahrungen von morgen vorwegnehmen und die
Navigationsinstrumente für die Verarbeitung der Welt von
morgen zur Verfügung stellen. Kafkas Schloss und Bunuels
Le chien andalou mögen als Hinweis genügen. „Ich komme
aus der Romandie und habe in Paris studiert – da herrscht
ein völlig anderes Verständnis: Der Staat kann im Kulturbereich auch eine positive Rolle spielen“, diktierte Nicolas
einmal cannes und
zurück und einfach
weitermachen
Matthias Huser, Absolvent des Studiengangs
Film 2005, zeigte im Mai 2006 seinen Diplomfilm „Hunde“ am Festival von Cannes.
Ein Interview von Graziella Bomio*
Wie kam es dazu, dass dein Diplomfilm „Hunde“ in Cannes
gezeigt wurde?
Den Film habe ich als DVD eingeschickt und ein Formular
ausgefüllt. Cinéfondation wählt nur Filme von Film-Hochschulabsolventen aus. Sie ist 1998 gegründet worden, um
Hochschulfilme zu fördern. Schon immer wünschte ich,
den Film in Cannes zeigen zu können. „Einmal Cannes
und zurück!“, witzelte ich in der Hochschule. Es war 11 Uhr
abends, da läutete das Telefon. Aus Paris meldete sich der
Präsident der Auswahljury, Andrei Konchalovsky. Er sagte
mir, er hätte bei meinem Film sehr viel gelacht und er gratuliere mir, ich sei eingeladen. Sehr erfreut und aufgeregt
habe ich geantwortet: „Je suis très heureuse“, was grammatikalisch überhaupt nicht stimmt.
Was hat dich dann in Cannes erwartet?
Meine Regieassistentin, Carmen Stadler, mein Kamermann,
Nicolò Settegrana, Nicole Hoesli und ich fuhren hin. Nicole
war eigentlich die wichtigste Person bei der Entstehung des
36
hgkzintern4/06 Films. Sie hat mit mir das Drehbuch geschrieben und mich
immer unterstützt. – In Cannes wurden wir von einem sehr
freundlichen Mann im Anzug empfangen. Ein RichardGere-Verschnitt: unser Chauffeur. Wie Filmstars sahen alle
Chauffeure und Securitas-Leute aus. Man brachte uns zu
einem riesigen Hotelkomplex mit Swimmingpool, der aussah wie ein Termitenhügel mit vielen winzigen Apartments.
Später ging ich über den roten Teppich ins Grand Lumière.
Das ist das grösste Kino in Cannes und dort werden die Premieren der grossen Kinofilme gezeigt. Beim Schauspielhaus
hatte ich für eine Flasche Denner-Rotwein einen Smoking
ausgeliehen. Vor dem Grand Lumière gab es so viele Leute
und Fotografen: Die Securitas musste uns da durchboxen.
Ich stand neben Vincent Cassel und Monica Bellucci und
bin mit Tim Burton über den roten Teppich gelaufen.
Kann man zu solchen Vorstellungen als Filmemacher gehen?
Einladungen sind in Cannes das Allerwichtigste. Nur damit
kommt man zu Partys oder Filmvorführungen. Wir bekamen über Cinéfondation Einladungen für drei Partys und
die Abschlussparty mit Preisverleihung.
Gibt es am Schluss des Filmblocks ein Gespräch mit dem
Publikum?
Nein, das fand ich schade. Weder mit dem Publikum noch
mit der Jury wurde je über die Filme gesprochen. Ich habe
an den Reaktionen und Gesichtern gesehen, ob mein Film
gefallen hat oder nicht.
Hast du Leute getroffen, die dir das Weiterkommen ermöglichen?
Ich habe immer gedacht, das sei die Chance. Doch da man
niemanden kennt, ist es sehr schwierig, wirklich an Professionelle, z.B. Produzentinnen oder Produzenten, heran­
zukommen. An einer Party lernte ich jemanden vom iFA
[Independent Filmmakers Alliance, die Red.] in Los Angeles
kennen. Sie riet mir, mich unbedingt zu melden. Nach
Cannes kamen Anfragen ausländischer Festivals: Peking,
Los Angeles und Kalkutta. In Brasilien lief der Film schon.
Nächstens läuft er am Palm Springs International Festival
of Shortfilms, Kalifornien. – Auch das Sundance Institute
hatte Gutes über meinen Film gehört und forderte mich
auf, bis im Juli 2006 ein Drehbuch zu einem 90-minütigen
Spielfilm mit meinen Filmen zu- zusenden. Eine Jury hätte
dies bewertet und entschieden, ob ich dafür Geld erhalte.
Da ich nichts geschrieben hatte, habe ich angefragt, ob es
nächstes Jahr ebenfalls möglich sei. Ich weiss, dass ich nicht
der Schnellste im Schreiben bin. Ich habe nun einen neuen
Termin für Juli 2007 und werde bis dahin versuchen, einen
First Draft, also eine erste Drehbuchfassung zu schreiben.
Was ist der grösste Unterschied zu einem hiesigen Filmfestival?
Filmemachen ist in Cannes das Wichtigste auf der Welt. Es
ist quasi hohe Kunst und Götterarbeit. Sie ziehen das so
auf, dass man das Gefühl hat: Es ist das Grösste, was man
machen kann. In der Schweiz oder an kleineren Festivals
findet man es super, einen Film zu zeigen oder wenn Filmemacher anwesend sind. In Cannes erwarten sie, dass man
kommen will. Zudem ist das Publikum sehr hart. Die Leute
verlassen den Kinosaal, wenn ihnen ein Film nicht gefällt.
Hast du seit dem Diplomfilm Neues realisiert?
Ich habe bei verschiedenen Projekten mitgearbeitet und
kürzlich bei der Theatergruppe „400 ASA“ bei einem Filmprojekt als Kameramann. Es hat Zeit gebraucht, sich nach
der Schule auf das Geldverdienen, Schreiben und die Festivals zu konzentrieren. Inzwischen habe ich Ideen gesammelt. Vielleicht klappt es noch nicht ganz, nur beim Film zu
arbeiten. Vielleicht muss ich wieder in einer Bar arbeiten
oder bei der Post, damit ich über die Runden komme. Wer
weiss, was morgen ist?
Möchtest du auch als Regisseur weiterarbeiten?
Das würde ich am allerliebsten machen, ja! Davon träume
ich und ich bin fest davon überzeugt, dass ich weiterhin
Filme machen werde, die mir gefallen. Jemand fragte mich:
„Was machst du jetzt? Du hast ja schon Cannes?“ Eben,
weiter Filme machen.
Was hast du während des Studiums als besonders positiv für
deine Arbeit empfunden?
Der Auslandaufenthalt in Sydney am College of Fine Arts
war sehr anregend. An einem völlig fremden Ort allein
sein, niemanden kennen und die Weite der Landschaft: Das
hat mir neue Bilder geschenkt und mein Selbstvertrauen
gestärkt. Dies hat mich danach bewogen, an der hgkz den
Film „Das schwarze Boot“ zu drehen. Den habe ich nur
machen können, weil ich realisiert habe, was ich eigentlich
will, was mich interessiert – und weil ich mich schliesslich
getraut habe. Noch immer sind Unsicherheit und Angst da;
mach ich es richtig oder ist es schlecht? Als ich in die Schule
kam, dachte ich, alle Dozierenden wissen, wie man Filme
macht, ihnen muss ich zuhören. So habe ich zugehört und
zugehört, bis ich mich verloren habe.
Gibt es etwas, was du Studienabgängern fürs Berufsleben
mitgeben möchtest?
Das Wichtigste ist, dass man seine Ideen oder das, was man
sich am wenigsten traut, probiert. Das eigene Bauchgefühl
hilft einem. Eigentlich gibt es keinen anderen Weg, als sich
selber zu vertrauen. Wenn mir „Hunde“ nicht gefallen hätte,
dann hätte ich ihn nicht eingeschickt. Vielleicht hat man
Glück und es gefällt auch anderen, und sonst ist es auch
nicht so schlimm. Einfach weitermachen.
* Graziella Bomio ist wissenschaftliche Unterrichtsassistentin am Studiengang
Film
Matthias Huser auf dem roten Teppich beim Kino Grand Lumière
37
hgkzintern4/06
ein netz für
ehemalige
Alumni der HMT und hgkz – gestern an der
Hochschule, heute im Beruf. Und morgen?
Adriana Bognar und Christina von Rotz*
Gleich zwei Porträts von Alumni sind in dieser Ausgabe
des „hgkz/hmt intern“ zu finden. Ergänzt werden sie durch
Gratulationen an Ehemalige, die am Filmfestival in Locarno
brillierten (>Seite 41). Dies ist kein Zufall. Hochschulen fühlen sich mit ihren vormaligen Studierenden stark verbunden
und nehmen mit Interesse und Stolz an deren beruflichen
Entwicklungen und Erfolgen teil. Eine Alumni-Organisation
erleichtert den Kontakt der Ehemaligen untereinander und
zur Hochschule.
Organisation Befragungen zur Situation der Absolventinnen
und Absolventen im Berufsfeld. Ziel ist es, Brücken zu
bauen zwischen den einzelnen Disziplinen und zwischen
den Generationen – das Gestern mit dem Heute und dem
Morgen zu verbinden.
Vorgänger-Institutionen hgkz und HMT
— Kunstgewerbeschule der Stadt Zürich, KGSZ (Gründung 1878)
— Schule für Gestaltung Zürich, SfGZ
— Höhere Schule für Gestaltung Zürich, HfGZ
— Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich, hgkz
— Musikschule Musikkollegium Winterthur (Gründung 1873)
— Konservatorium Zürich (Gründung 1875),
— Musikhochschule Winterthur Zürich,
— Hochschule Musik und Theater Zürich HMT
— Jazzschule Zürich (Gründung 1977), HMT
— Schweizerisches Computermusik Studio (Gründung 1985), HMT
— Bühnenstudio (Gründung 1937), Schauspielakademie Zürich
— Theaterhochschule, HMT
— Schweizerischen Ballettberufsschule (Gründung 1986), HMT
* Adriana Bognar und Christina von Rotz sind Co-Projektleiterinnen der
Alumni-Organisation
Kunst und Berufsalltag
Ungefähr 400 Personen schliessen pro Jahr mit einem Hochschuldiplom an der hgkz oder der HMT ab. 400 künstlerisch
und gestalterisch tätige junge Menschen sind bereit, ihre
Vorstellungen und Ideen kreativ umzusetzen. 400 unterschiedliche Lebenswege werden eingeschlagen, die in 400
verschiedene Richtungen führen. Ohne den Hochschulalltag mit seinen vielen Kontaktmöglichkeiten verlieren
sich die meisten ehemaligen Studierenden schnell aus den
Augen. Draussen, im Berufsalltag, stellt man mit einem Mal
fest, wie anspruchsvoll und zeit raubend es sein kann, das
während der Studienzeit aufgebaut Beziehungsnetz zu pflegen. Es wird einem bewusst, dass ein gut funktionierendes
berufliches Netz oft Voraussetzung für Arbeit und interessante Projekte ist. Und man vermisst die in der Studienzeit
erlebte, einzigartige Gemeinschaft, mit deren Werten und
Ideen man sich identifizieren oder kritisch auseinander­
setzen konnte. Wer draussen ist, merkt vielleicht, dass er
gerne weiterhin an der Ausbildungsstätte partizipieren
möchte und sich dieser immer noch verbunden fühlt.
Alumni-Organisation
Auf diese Bedürfnisse geht die geplante Alumni-Organisa­
tion ein. Im Jahr 2007 soll es soweit sein. Bereits diesen
Sommer erhielten alle austretenden Absolventinnen und
Absolventen von HMT und hgkz das Angebot, die Hochschul-Mail-Adressen weiterhin zu gebrauchen. Zudem können austretende hgkz-AbsolventInnen auf Wunsch kostenlos die Plattform „Webspace“ benützen. Das Alumni-Projektteam erarbeitet zurzeit eine eigene Website,, in
der Informationen über die neue Organisation abgerufen
werden können.
Brücken bauen
Die Alumni-Organisation versteht sich einerseits als Bindeglied zwischen Ehemaligen und den beiden Kunsthochschulen HMT und hgkz und anderseits als Plattform für die
„zukünftigen Ehemaligen“ der geplanten Zürcher Hochschule der Künste. Ein weiteres Anliegen ist es, sich im
Bereich Fundraising zu engagieren. Zudem ermöglicht die
i did it my way
Vom Untergrund-Sprayer zum vielseitigen
wissenschaftlichen Illustrator: Marco Wyss aus
Winterthur, Absolvent der hgkz und ursprünglich gelernter Schriftenmaler, ist freier Gestalter.
Interview und Foto: Chandra Brandenberger
Bereits ein halbes Jahr nach dem Abschluss an der hgkz
im Jahr 2003 kamen die ersten interessanten Aufträge für
Marco Wyss. Dies vor allem dank seines grossen Bekanntenkreises in Winterthur. Dort sprach sich die Zweitausbildung
des 30-Jährigen schnell herum. Die Bandbreite der Aufträge
reicht von Schriftenmalerei über das Malen eines Bühnenbildes bis zu gesprayten Bildern für einen Videoclip. Kein
klassischer Illustratoren-Lebenslauf also.
In einem Artikel im Züritipp 1) stand, dass du früher viel illegal gesprayt hast, was nicht immer folgenlos blieb.
Marco Wyss: Ja, ich habe acht Jahre lang gesprayt. Ich
zeichnete schon immer viel und da in der Oberstufe die
Gestaltung der Hefte auch benotet wurde, begann ich, die
Schriften der Titel immer mehr auszufeilen. Andere machten dies auch so und fragten mich, ob ich zum Sprayen
mitkommen wolle. Leider wurden wir einige Male erwischt. Einer der „Geschädigten“ gab uns aber nachträglich
sogar den offiziellen Auftrag, sein Restaurant zu beschriften.
Anschliessend gab es einen Apéro mit Medienpräsenz.
Leider lief es nicht immer so glücklich ab. Einmal wurden
wir verhört, kamen vor Gericht und bekamen eine grössere
Geldbusse. So fielen für mich natürlich gewisse Pläne ins
Wasser, zum Beispiel ein Auslandaufenthalt. Andere Male
mussten wir Bussen abarbeiten. All diese Konsequenzen
hielten mich künftig vom illegalen Sprayen ab und ich
suchte andere Ausdrucksarten. Das räumliche Zeichnen
38
hgkzintern4/06 und Malen begann mich immer mehr zu interessieren, was
schliesslich zum Studium führte. Heute kann ich allerdings
Graffitikurse an der Berufsfortbildungsschule in Winterthur
durchführen.
Kannst du bei deinen Aufträgen die beiden Berufe ineinander fliessen lassen?
Eigentlich trenne ich sie. Schriftenmalerei ist eher ein
handwerklicher Beruf, das Gestalten steht dort nicht so im
Vordergrund. Mein Ziel ist es, von der Schriftenmalerei ganz
wegzukommen. Natürlich ist das auch immer eine Frage
des Auftragsvolumens und somit der Finanzen.
Wann war dir klar, dass du freiberuflich arbeiten wolltest?
Der Wunsch war schon früh da. Das Wichtigste war für mich
immer, Spass an der Arbeit zu haben. Ich konnte mir nie
vorstellen, in einem der klassischen Illustratorenbereiche
wie der Medizin oder der Archäologie zu arbeiten. Es musste etwas Freieres und für mein Gefühl Kreativeres sein.
Dank meiner vielen Bekanntschaften war dies auch sehr
schnell möglich.
Welche Aufträge sind denn eher in der wissenschaftlichen
Illustration anzusiedeln?
Für Greenpeace konnte ich zum Beispiel ein Aquarell zum
Thema Feinstaub malen2). Für einen Architekten mache ich
die Visuals, das heisst, ich fotografiere die Umgebung und
zeichne das geplante Gebäude, wie es aussehen könnte. Ich
versuch, diese Bilder sehr naturalistisch zu erstellen, indem
ich nur ein Bild festhalte und dieses von Hand ausarbeite,
also nicht mit 3-D-Gestaltungsprogrammen. Für mich wirken solche Computerbilder zu steril.
Für das Abschlusstheater einer Schulklasse habe ich ein
Bühnenbild gemalt. Ein Schreiner baute dort die 3-DObjekte, welche ich dann bemalte.
Durch einen Bekannten von mir, der Videoclips für Schweizer Bands macht, konnte ich für die Rapper „Sektion Kuchikäschtli“ die Hintergrundbilder zu einem Clip sprayen.
Persönlich war das eine der wichtigsten Arbeiten für mich.
Ich war sehr frei in der Gestaltung, aber auch die Zusammenarbeit mit dem Team, das am Clip mitarbeitete, und
Marco Wyss mit seinen Transformer-Feuerzeugen
die gesamte Atmosphäre waren gut. Es ist sehr wichtig,
solche Kontakte zu knüpfen, denn so erhalte ich oft weitere
Anfragen.
Du arbeitest also vielseitig. Weisst du, ob das deine StudienkollegInnen auch so machen?
Bereits das Studium war sehr breit gefächert, aber die
eigenen Interessensgebiete konnten von den Studierenden intensiver verfolgt werden. Die Leute, zu denen ich
noch Kontakt habe, konzentrieren sich auf das, was sie
am meisten interessiert: arbeiten also nicht als klassische
Illustratoren. Das vielseitige Arbeiten ist schön und interessant, andererseits denke ich oft, mich auf etwas festlegen
zu müssen.
Weil die Qualität deiner Arbeit darunter leiden könnte?
Mittlerweile bin ich so weit, dass ich Aufträge gar nicht
mehr annehme, wenn es nur um die genaue Ausführung
nach Wunsch des Kunden geht, ohne jegliche eigene Kreativität. Es geht mir mehr um die Möglichkeit, gewisse Gebiete
noch zu vertiefen.
Wie gefiel dir die Ausbildung an der hgkz?
Gesamthaft sehr gut, die Lehrkräfte im Vorkurs und im Studienbereich fand ich grösstenteils sehr kompetent. Was mir
fehlte war, von den Dozierenden konkrete Feedbacks zur
eigenen Arbeit zu erhalten. Wir mussten jeweils Fragebogen
zur Beurteilung der Dozierenden ausfüllen. Umgekehrt
gab es kein solches Instrument oder keine Gespräche, die
mir helfen konnten, meinen Standort zu bestimmen. Auch
fehlte die Vorbereitung auf das Berufsleben. Da konnte ich
viel aus meiner Lehrzeit als Schriftenmaler profitieren.
Präsentation und Verkauf der Arbeit sind ebenso wichtig,
wie das Handwerk selbst. Vielleicht ist das ja im heutigen
Studium anders.
Gibt es etwas, das du noch erreichen möchtest?
Ich würde gerne wieder ein grosses Bühnenbild erstellen,
und dies mit der Technik Weisshöhung – das ist Schichtenmalerei –, welche ich auch für meine eigenen Bilder verwende. Natürlich ist mir bewusst, dass Bühnenbildner bereits
ein eigenständiger Beruf ist, in dem die Möglichkeiten rar
sind. Ansonsten bin ich zufrieden, wenn ich genug Aufträge
habe, also selbständig bleiben kann, und genug Zeit zum
Zeichnen und Malen habe.
Wie siehst du deine Zukunft?
Vorerst wünsche ich mir, weiterhin Zusammenarbeiten mit
interessanten Menschen zu erleben, aus denen ich lernen
kann. Und wenn ich weiterhin einmal pro Jahr eine Ausstellung mit meinen persönlichen Arbeiten machen kann
– dieses Jahr war es eine Gemeinschaftsausstellung in Aarau
zum Thema Roboter – bin ich zufrieden. Ich will kein Superkünstler werden.
1) Züritipp Nr. 42
2) Greenpeace Zeitung 1/06
39
hgkzintern4/06
wechsel
bei den
stabsdiensten
Die Leiterin der Stabsdienste hgkz, Marianne
Böckli, wird per Ende Oktober 2006 pensioniert.
Ihre Nachfolge übernimmt Ursula Akmann,
bisher Stabschefin der Hochschule Musik und
Theater Zürich HMT. Heike Pohl, Fotos: Regula
Bearth
Der Zusammenschluss von HMT und hgkz zur Zürcher
Hochschule der Künste wird bereits ganz praxisnah auf
der Ebene des Rektorats und der Stabsdienste erprobt:
Marianne Böckli geht in Pension und Dr. Ursula Akmann,
seit 1999 Leiterin der Stabsdienste HMT, übernimmt die
beiden Stabsdienste, dh. die künftigen Stabsdienste ZHdK
in Personalunion.*
Chefdiplomatin, Protokollchefin
Marianne Böckli wurde 1991 vom Rektor von Schule und
Museum für Gestaltung Zürich, Rudolf Schilling** als Stabschefin eingestellt. Schilling hatte von der damaligen Verwaltungschefin Heidi Wegener den Tip bekommen, dass sich
die Politikerin und stadtzürcher Gemeinderätin Böckli für
die Stelle eignen würde. Er erzählt, dass er sich damals mit
Marianne Böckli zu einem Kaffee im Cooperativo traf und
nach zehn Minuten wusste „Die ist es.“ Als Stabschefin im
Rektorat war sie zuerst bei Rektor Schilling und später beim
neuen Rektor Hans-Peter Schwarz zuständig für die Sitzungsvorbereitung und das Protokoll des Schulrates und für
die Pflege von Kontakten zum Hochschulamt und zu politischen Gremien und Behörden. Sie organisierte Besuche
der Bildungsdirektion, des Kantonsrates, des Stadt- und
Gemeinderates an der Hochschule und im Museum für
Gestaltung Zürich und führte dabei so wohldosiert Regie,
dass die Politikerinnen und Politiker sowohl mit positiven
Eindrücken als auch in ausgewogenem Masse bewirtet
wieder von dannen zogen und die hgkz in guter Erinnerung
behielten. Höhepunkte dieser „Staatsbesuche“ waren 1993
der Besuch der damaligen Bundesrätin Ruth Dreifuss, die
Festrede von Bundesrat Moritz Leuenberger zum 125-jährigen Jubiläum der Hochschule im Jahr 2003 und in diesem
Juli der Besuch des Gesamtbundesrates in der Diplomausstellung und am Festival der Künste im Toni-Areal (siehe
Bericht auf Seite 20/21).
Stabsübergabe von Marianne Böckli an Ursula Akmann
Nebst diesen öffentlichen Aufgaben, bei denen Marianne
Böckli stets im Hintergrund geschickt die Fäden zog, war
sie innerhalb der hgkz zuständig für besondere Veranstaltungen wie beispielsweise den Dozierenden- und den
Mitarbeitendentag, das Qualitätsmanagement, die Internationalen Kontakte, die Kommunikation mit Grafik- und
Fotoatelier und für die Dokumentationsstelle, welche sie
in Vorbereitung auf die ZHdK an die Bibliothek übergeben
hat. Marianne Böckli war eine grosszügige Chefin, die ihren
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel Spielraum liess.
Sie hatte immer eine offene Tür und ein offenes Ohr. Ihre
diplomatischen Tips und ihr Humor wirkten Wunder bei
der Bewältigung von kniffligen Situationen und ihre spontane Bereitschaft, aktuelle Fragen in einem mündlichen
Ping-Pong zu diskutieren, erfrischte und erleichterte den
Arbeitstag. Marianne, du wirst uns fehlen!
Doppelte Stabschefin
Ursula Akmann (1959) wurde per Oktober 2006 zur neuen
Stabschefin der hgkz ernannt. Sie bleibt gleichzeitig Leiterin der Stabsstelle HMT, hat ihren Arbeitsplatz jedoch vom
Florhof ins Rektorat der hgkz an die Ausstellungsstrasse 60
verlegt. Ursula Akmann ist promovierte Historikerin und
absolvierte ausserdem ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft. Sie arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der ETH Zürich, war sieben Jahre Projektleiterin
beim Migros-Genossenschafts-Bund, dann bei der Credit
Suisse / Winterthur-Versicherung. Seit 2001 ist sie Leiterin
der Stabsstelle Hochschule Musik und Theater Zürich. Als
Co-Leiterin des Projektes Zürcher Hochschule der Künste
konnte sie in den vergangenen Jahren einen guten Einblick
in die hgkz gewinnen und sie ist aus dieser Tätigkeit auch
vielen Mitarbeitenden und Dozierenden bereits bekannt.
Herzlich willkommen!
* im Hinblick darauf sind die Stabsdienste hgkz neu strukturiert worden:
Die Dokumentationsstelle ging an die Bibliothek, das Qualitätsmanagement
ZHdK an Daniel Fueter. Weitere Informationen über das laufende Qualitätsmanagement hgkz sind im Intranet unter QM zu finden.
** Dr. Rudolf Schilling war bis 1990–2000 Rektor der hgkz. Seine Erinnerungen
waren mir beim Verfassen dieses Artikels sehr hilfreich, wofür ich ihm herzlich
danke.
40
museum, musik, plakate
hgkzintern4/06 zürich hb–milano
centrale
Die neue Ausstellung im
Plakatraum zeigt Beispiele der
fruchtbaren Begegnung
schweizerischen und italienischen Grafikdesigns im
Milano der Nachkriegszeit.
Bettina Richter*
In den Jahren 1945 bis 1970 schrieb Milano ein neues Kapitel in der Geschichte
des Gra­fikdesigns. Schweizer Grafiker und
Fotografen hatten massgeblichen Anteil
daran. Aus­gestattet mit einer fundierten
Ausbildung, die Italien seinerzeit nicht
anbieten konnte, sowie einem am Swiss
Style geschulten Auge, trafen sie in Milano
auf eine inspirierende, undog­matische Haltung. Der Bedarf an visueller Kommunikation war dort in der Phase des Wie­deraufbaus
und des wirtschaftlichen Aufschwungs im
Wachsen begriffen. Der am Konstruktivismus geschulte Albe Steiner gestaltete Plakate und Gebrauchsgrafik in einer für Italien bislang unbekannten Ästhetik. In dem
aus der Schweiz stammenden Grafiker Max
Huber fand er wertvolle Verstärkung, beide
arbeiteten bald im Studio Boggeri. Das von
Antonio Boggeri geführte Studio wurde
neben dem Studio Grignani zu einem Gravitationszentrum des neuen Grafikdesigns.
Milano war Aufbruch
Im Gefolge von Huber fanden viele weitere Schweizer den Weg nach Milano,
unter ihnen Walter Ballmer, Lora Lamm
und Serge Libiszewski. Die Stadt bot ein
gestalterisch animieren­des Klima, geprägt
von optimistischer Aufbruchstimmung und
Neuanfang, wie es in der Schweiz in diesen Jahren fehlte. In den wirtschaftlichen
Boomjahren um 1960 ver­stärkte sich diese
Situation nochmals. Olivetti, Pirelli und
La Rinascente, um nur einige hervorzuheben, investierten in die visuelle Kommunikation und liessen Plakate, Broschü­ren,
Kataloge und Zeitschriften gestalten. Mit
einem einheitlichen Erscheinungsbild, der
„immagine coordinata“, galt es nicht nur,
sich als innovatives Unternehmen zu präsentieren, sondern auch eine Philosophie
zu ver­körpern, die von sozialpolitischen
Visionen und Erneuerungswillen innerhalb der Firmen­strukturen sprach. Ungewöhnliche Gestaltungskonzepte als visuelle
Umsetzung einer neuen Unternehmenskultur wurden daher ausdrücklich begrüsst
und unterstützt.
Wechselspiel gestalterischer Tendenzen
Wurden bislang bereits einzelne Gestalterinnen und Gestalter dieser Hochphase der
Unter­nehmenskommunikation monografisch gewürdigt, so wird in der Ausstellung
Zürich HB–Milano Centrale erstmals der
fruchtbare Austausch und das Wechselspiel
verschiedener gestalterischer Tendenzen
italienischer und schweizerischer Prägung
ins Zentrum gerückt. Ausgewählte Arbeiten
aus den Beständen der Plakatsammlung
und der Grafiksammlung des Museum für
Gestaltung Zürich, die vom Plakat bis zum
Firmenprospekt reichen, zeigen die Vielfalt
in inhaltlicher als auch formaler Hinsicht
auf.
Zürich HB – Milano Centrale
Plakatraum, Limmatstrasse 55, 24. Oktober 06 bis
23. Februar 07, Dienstag – Samstag, 13–17 h
Publikation: „Poster Collection“ 14, mit einem
Essay von Hans Höger, Museum für Gestaltung
Zürich (Hg.) und Lars Müller Publishers.
Konzept: Bettina Richter und Barbara Junod
* Bettina Richter ist Kuratorin der Plakatsammlung.
bam – zwanzig jahre
musiktherapie
Bam steht für Berufsbegleitendes Aufbaustudium Musiktherapie und blickt auf eine
zwanzigjährige Entwicklung zurück. Beinahe 100 Diplomierte arbeiten an unzähligen rehabilitativen und präventiven Einrichtungen und Stellen. Ab 2008 soll an
der HMT ein Ausbildungsgang zum/zur
klinischen Musiktherapeut/in mit einem
Abschluss „Master of Advanced Studies“
beginnen und die Musiktherapie auf quartärer Hochschulstufe als heilpädagogisches
und psychotherapeutisches Verfahren positionieren.
Der öffentliche Festanlass zum Jubiläum
findet am Samstag, 4.November, ab 13.30
Uhr in der HMT an der Florhofgasse 6
in Zürich statt. Neben der Präsentation
von Projektarbeiten ist das Konzert „Das
herzwarme Braun der Erde – Novembrig“,
eine Uraufführung, mit Peter Roth und dem
Chorprojekt St. Gallen zu hören (19.00 Uhr).
41
blick- und leopardenfänge
sonntagsführungen
im museum für
gestaltung zürich
Jeweils am ersten Sonntag im Monat
In der Halle jeweils um 14 Uhr,
in der Galerie jeweils um 15 Uhr.
Nächste Daten: 5.11., 3.12.2006,
7.1., 4.2. und 4.3.2007
sigi odermatt:
plakate
Sigi Odermatt, der am 13. September seinen 80. Geburtstag feierte, gilt als einer der
wichtigsten Vertreter der Schweizer Grafik des 20. Jahrhunderts. Als Grafiker ist
er Autodidakt. Er besuchte verschiedene
Kurse an der damaligen Kunstgewerbeschule Zürich und machte sich 1950 selbständig.
Seit 1968 arbeitete Odermatt in einer Ateliergemeinschaft mit Rosmarie Tissi. Beide
sind seit 1974 Mitglieder der AGI (Alliance
Graphic Internationale) und leisten insbesondere in der typografischen Gestaltung
Pionierarbeit. Sigi Odermatts Plakate sind
in vielen Privatsammlungen, Galerien und
Museen in Europa, Asien und den USA vertreten. Ein grosser Teil seines Werkes ist in
den Sammlungen des Museum für Gestaltung Zürich einsehbar.
Christian Brändle
rechts: Sigi Odermatt, Foto: René Wanner, 2006.
unten: Vom 28. August bis 17. September war im
Vestibül der hgkz eine Auswahl mit 14 Plakaten
von Sigi Odermatt zu sehen.
blickfang
Im Zürcher Kongresshaus findet vom 24.
bis 26. November die zehnte Auflage der
Designmesse „Blickfang“ statt. Der Studienbereich Industrial Design ist wieder mit
einem eigenen Stand präsent und stellt
dort das langfristig angelegte Projekt „Pro
Pueblo Design“ vor (siehe hgkzintern 3/06).
Erstmals werden Produkte, die in den letzten beiden Jahren aus der Zusammenarbeit
von Zürcher Studierenden mit ecuadorianischen KunsthandwerkerInnen entstanden sind, in der Schweiz zum Kauf angeboten. Ein Vortrag von Ruedi Widmer, Initiant des Projekts, und Christoph Zellweger,
zuständiger Dozent, zum Thema „Design
als Medium der Entwicklungszusammenarbeit“ ergänzt den Auftritt.
www.blickfang.hma.de
hgkzintern4/06
eine positive
rückmeldung zu den
diplomfilmen
Nach der Vorpremiere der Diplomfilme
2006 erhielt der Studiengang Film von Kantonsrat Matthias Hauser eine sehr erfreuliche und positive Rückmeldung:
„Zum dritten Mal habe ich diese Veranstaltung gestern Abend besucht, und wiederum bin ich von den Arbeiten beeindruckt.
Überraschende, witzige – aber vor allem
auch immer wieder gefühlsfeine (im Sinn
von durch Feinheiten betroffen machende
oder berührende) Filme wurden gezeigt.
Privat verfolge ich das Schweizer Filmschaffen ein wenig und bin stolz, dass im Kanton
Zürich ein Studiengang angeboten wird,
welcher zu derartigen Resultaten bildet.
Gratulation allen Diplomanden!“
drei leoparden aus
locarno
Das internationale Filmfestival Locarno
hat vier AbsolventInnen des Studiengangs
Film mit folgenden Preisen ausgezeichnet:
— „Pardo d’Oro“ des internationalen
Wettbewerbes für „Das Fräulein“ von
Andrea Staka (Absolventin 1998 mit dem
Diplomfilm „Hotel Belgrad“), Produktion
Dschoint Ventschr — „Pardino d‘Oro“ des
Kurzfilmwettbewerbes für „Nachtflattern“
von Carmen Stadler, Diplomfilm 2006, Produktion hgkz,
— „Pardino d’Argento“ des Kurzfilmwettbewerbes und den Preis der Jugendjury für
„Aschenbrüder“ von Steve Walker und
Markus Heiniger, Diplomfilm 2006, Produktion hgkz,
(gb)
Bilder oben:
— Carmen Stadler mit dem goldenen „Pardino“
für „Nachtflattern“
— Steve Walker und Markus Heiniger mit dem
silbernen „Pardino“ für „Aschenbrüder“ bei der
Preisverleihung auf der Piazza Grande
Fotos: Fotofestival/Abram
42
forschung und vernetzung
hgkzintern4/06 internationale
vernetzung des
studiengangs film
Vom 16. bis 18. September 06 hat die CINEC –
die 6. Internationale Fachmesse für Filmtechnik, Postproduktion und Veranstaltungstechnik – in München stattgefunden.
Die Studiengangsleitung Film, vertreten
durch die ProfessorInnen Lucie Bader,
Marille Hahne und Bernhard Lehner,
hat anlässlich des „Hochschultages“ am
18. September die Kameraausbildung im
Bachelor- und Masterstudiengang unserer
Hochschule vorgestellt.
Zusammen mit den VertreterInnen der
hgkz werden Prof. Slansky von der Hochschule für Fernsehen und Film München
(Partner-Hochschule der hgkz im Zusammenhang mit dem Masterstudiengang in
Filmrealisation) und die Professoren Wozniak und Lewandowski der renommierten
polnischen Filmhochschule in Lodz die
Kameraausbildungen an ihren Institutionen präsentieren.
Dieser Anlass wird die europäische Zusammenarbeit auf Hochschulebene weiter stärken und ist ein wichtiger Austausch für
Fachkräfte (gb)
who is who?
der Fähigkeiten und Kompetenzen
aller Mitarbeitenden. Aktiv setze ich
In dieser Nummer stellen wir
mich für die Anliegen und Qualifiziedas Team von Forschung + Ent- rungsmöglichkeiten des Mittelbaus
wicklung (f+e) der hgkz vor.
ein, einer Personalkategorie, die an
Serie von Renata Pakosta
den unterschiedlichsten Schaltstellen
Fotos: Betty Fleck
in den Bereichen Lehre, f & e, Institute,
Museum, Verwaltung und Stabsdienste
Gerhard Blechinger
arbeitet und mit über 90 Angestellten
Bild 2 Prorektor Forschung und Ent- ein wesentlicher Faktor an der hgkz
wicklung bis nächstes Jahr. Beruf/Ausbil- ist. Ich wünsche mir Anstellungsbedindung Kunsthistoriker. An der hgkz seit 2000. gungen, die eine Laufbahnentwicklung
Ausserberufliche Interessen Meine Familie, mit gezielten Fördermassnahmen und
neuerdings: Motorradfahren. Was mir mit Weiterbildung erlauben.
gefällt an der hgkz Die Möglichkeit, Neues
auszuprobieren. Was ich verändern würde
Christine Domkowski Besson
Ich habe schon einiges verändert. Das
Bild 3 60% als wissenschaftliche Mitarwürde ich jetzt nicht mehr ändern wolbeiterin im Rektorat bei Prof. Urs Fanlen.
ger, Projektleiter, 40% administrative
Assistentin des Prorektors f & e, Prof.
Aracely Uzeda
Dr. Gerhard Blechinger. Beruf/Ausbildung
Bild 1
Administrative Koordination Abitur, Fachschule für Erzieherinnen,
f & e. Beruf/Ausbildung lic. phil. I. An der 5 Jahre in diesem Beruf tätig. Studium
hgkz seit April 2006. Ausserberufliche Inter- Filmemacherin an der Film- und Fernessen Viele. Was mir gefällt an der hgkz Blick sehakademie Berlin (dffb), Abschlussans Meer. Was ich verändern würde Blick an film. Alles in Berlin. Viele Jahre im Filmdie Hauswand.
geschäft gearbeitet in verschiedenen
Funktionen: Drehbuch, Regie, Kamera,
Schnitt, Ausstattung, Styling, ProdukJanine Schiller
tion. Nach Übersiedlung und Heirat
Bild 4 Wissenschaftliche Mitarbeiterin;
in der Schweiz, Mitbegründung einer
Präsidentin der Mittelbau-Vertretung.
freien Tanzkompanie Libretti für TanzBeruf/Ausbildung Kulturwissenschafterin.
theater, Videos, Kostüme. In all den
Nach Lehre und Praxis im ReisebüJahren immer wieder als Alleinsekrero: Matura, Studium der Volkskunde,
tärin in administrativen Bereichen
Sozialgeschichte und Philosophie. An
gearbeitet. An der hgkz seit 2003–2004.
der hgkz seit 2002. Ausserberufliche Interessen
Schwangerschaftsvertretung für ein
Stadt und Spiele, Sport und Stricken,
Jahr als wissenschaftliche MitarbeiteSchlemmen und Schweden. Was mir
rin in der Koordination NDS. Seit Sepgefällt an der hgkz Mir gefällt meine Arbeit,
tember 2005 resp. Februar 2006, in den
der Arbeitsplatz mitten in der Stadt,
oben beschriebenen Funktionen. Ausdas Foyer mit Cafeteria und Museumsserberufliche Interessen Meine Familie, Reishop, die Bibliothek. Die vielfältigen
sen, kulturelles und politisches WeltgeVeranstaltungen, die ich dann doch
schehen, Kurzgeschichten schreiben,
nicht besuche. Die MitbestimmungsMenschen fotografieren. Was mir gefällt
und Mitwirkungsmöglichkeiten. Was ich
an der hgkz Meine Kolleginnen und Kolverändern würde Eine bessere Vernetzung
1
2
3
43
preise und erfolge
hgkzintern4/06
leiter für zukünftiges
zhdk-departement
kulturwissenschaft
und ästhetische
vermittlung gewählt
legen, meine beiden Chefs, das saisonbedingte Auf und Ab, die gleitende
Arbeitszeit, Amarettli und GaspariniStängeliglacé in der Cafeteria im Foyer.
Was ich verändern würde Zentralisierung
des (Ab-)Rechnungswesens oder obligatorische Teilnahme – vor Dienstantritt – an einem Kurs über Rechnungswesen, Spesenreglement und Budgetverwaltung an der hgkz.
prix janus de
l’etudiant 2006
eidgenössischer
wettbewerb
für kunst 2006
Auch dieses Jahr sind unter den Preisträgerinnen und Preisträgern des eidgenössischen Kunstwettbewerbs wieder Absolventinnen und Absolventen der hgkz.
Die Auszeichnung öffnet jeweils nicht
wenigen der rund 30 Preisträgerinnen und
Preisträger die Türen zum Kunstbetrieb,
Galerien und Kunsthallen. Die Preissumme
beträgt je zwischen 18’000 und 25’000 CHF.
Die Arbeiten wurden vom 13. bis 17. Juni 06
unter dem Titel „Swiss Art Awards“ parallel
zur Art in Basel gezeigt.
Preisträgerinnen und Preisträger der hgkz
im Bereich Kunst:
— Albert Judith (sbk)
— Häusermann Pascal (Student sth)
— Keller San (sbk)
— Netzhammer Yves (svg)
— Streuli Christine (sbk)
PreisträgerInnen der hgkz im Bereich
Kunst- und Architekturvermittlung :
— Baltzer Nanni (ehem. Mitarbeiterin)
— Kurjakovic Daniel (Dozent sbk)
Nächster Einsendeschluss ist der 31. Januar
2007: www.bak.admin.ch
Anlässlich der Cumulus-Ausstellung
„European Ways of Life“ in Nantes (17.6.–
10.9.2006) erhielten Oliver Franz und Christian Eisenegger, Industrial Design Diplomjahrgang 2005, den Nachwuchspreis des
französischen Instituts für Design. Ausgezeichnet wurde ihr Diplomprojekt „LEAF“,
ein Wohnmobil, das Mobilität, Lifestyle und
Naturgenuss verbindet und einer neuen
Generation von Reisenden eine echte Alternative zu herkömmlichen Fahrzeugen dieser Art bietet.
www.cumulus-ewol.org
„LEAF“ im Wohnzustand: Durch das Herausfahren
der Rückwand und das Entfalten des Sonnendaches entsteht ein grosszügiger und stilvoller
Raum.
kiefer hablitzel preis
Unter den ausgewählten Bewerberinnen
und Bewerbern waren auch dieses Jahr wieder zwei hgkz-Absolventen. Beide erhielten
ein Preisgeld von 7000 CHF
— Galic Goran (sfo)
— Zaccheo Zilioli (sbk)
Herzliche Gratulation an alle Preisträgerinnen und Preisträger! (cb)
4
Auf Antrag der Hochschulleitung hat der
Schulrat der hgkz Christoph Weckerle zum
Leiter des zukünftigen Departementes
Kulturwissenschaft und ästhetische Vermittlung und damit zum Mitglied der
designierten Schulleitung der geplanten
Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK)
ernannt. Der Fachhochschulrat hat diese
Ernennung an seiner Sitzung vom 26. September 2006 bestätigt.
Christoph Weckerle (1963) ist ab sofort
zuständig für alle Geschäfte und Entscheide, die im Rahmen der ZHdK das
zukünftige Departement Kulturwissenschaft und ästhetische Vermittlung betreffen. In diesem Departement soll eine enge
Verbindung von Kulturanalyse und Vermittlung hergestellt werden. Es enthält ab dem
Start der ZHdK, der auf September 2007
vorgesehen ist, eine Vielzahl von Lehrangeboten und Forschungsschwerpunkten wie
den Bachelor und den Master of Arts in
Vermittlung, das Institute Cultural Studies
in Art, Media and Design, spezifisch transdisziplinäre Module sowie das Museum für
Gestaltung Zürich.
Der neue Departementsleiter ist seit 1999
an der hgkz tätig, zuerst als Forschungskoordinator und Dozent. Seit dem Jahr 2002
leitet er zudem strategische Projekte der
hgkz, wie die Umsetzung der Deklaration
von Bologna oder das Projekt ZHdK (CoLeitung). Weitere Stationen des beruflichen
Werdegangs von Christoph Weckerle sind:
Romanistik-Studium in Zürich, Madrid und
Paris, Postgraduate Studium und Assistenz
am Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft der Universität für Musik
und Darstellende Kunst in Wien, Lehr- und
Beratungstätigkeit im In- und Ausland. Für
das Forschungsprojekt „Kulturwirtschaft
Schweiz“ wurde er im Jahr 2005 mit dem
Design Preis Schweiz ausgezeichnet. Er ist
Verfasser und Mitverfasser verschiedener
Publikationen im Bereich Kulturwirtschaft
und Kulturpolitik. (hp)
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bonsoir
hgkzintern4/06 soirée design 2006
An der ersten Soirée Design
vom 4. Juli 2006 wurden Projekte vorgestellt, die den Gästen
aus Wirtschaft, Industrie und
Politik einen Überblick verschaffen sollten über die generelle Ausrichtung des Departements Design. Jacqueline Otten*
Die Aufgabe des „Designens“ geht weit über
die Gestaltung einer Oberfläche hinaus. Sie
fängt an mit Fragestellungen zu Kommunikationsstrukturen und Kommunikationsverhalten, sie berücksichtigt die Implementierung von Technologien, verarbeitet neueste Materialien und zählt Marketingstrategien und Öffentlichkeitsarbeit genauso zu
ihren herausfordernden Aufgaben.
Die Veranstaltung machte diese neuen Wirkungsfelder transparent und verdeutlichte
zugleich, wo das Departement sich positioniert. Eine herausragende Ausbildung leistet den Aufbruch in neue Fachgebiete, aber
nicht, ohne das Verhältnis zur Tradition
und den „klassischen“ Disziplinen neu auszuloten. Damit oszilliert das Lehrangebot
gewissermassen zwischen verschiedenen
Polen, und gerade dies, das bestätigt unser
Ruf im In- und Ausland, macht die herausragende Qualität des Departements aus.
Die verschiedenen Präsentationen an der
Soirée Design zeigten, wie eine Ausbildung einer starken Tradition gerecht werden kann und wie daraus Inspirationen
für innovative Prozesse generiert werden.
Deutlich wurde auch, wie sehr Öffentlichkeit und Praxis für unsere Arbeit gebraucht
werden. Als Partner, die uns fordern, und
als Freunde, die uns fördern.
* Jacqueline Otten ist Leiterin des Departements
Design
1. Bild (v.l.n.r.): Caroline Breitenmoser und Debora
Biffi, Studentinnen Style & Design, Heidi Zollinger
und Dr. Martin Zollinger, Zürcher Kantonalbank
2. Bild: Martin Herb, Herb Takata Rechtsanwälte,
und Frank Bodin, Euro RSCG
3. Bild: Jean-Jacques Becciolini, Swiss Medical
Solutions, Karin Rehbock-Zur Eich und
Dr. Lucrezia Meier-Schatz, Nationalrätin
4. Bild: Prof. Dr. Jacqueline Otten, Leiterin
Departement Design, Arthur Bolliger, Privatbank
Maerki Baumann & Co. AG, Dr. Martin Zollinger,
Zürcher Kantonalbank und Daniel Gutenberg,
Unternehmer
impressum
hgkz intern: Forum für Hochschule für Gestaltung
und Kunst Zürich, Museum für Gestaltung Zürich
und Hochschule Musik und Theater Zürich.
Erscheint viermal ­jährlich. Herausgeberin: Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich, Zürcher
Fachhochschule. Verantwortung: Hans-Peter
Schwarz, Rektor.
Redaktion: Heike Pohl (Leitung), Chandra
Brandenberger Cortes (hgkzintern@hgkz.ch).
Redaktionsteam: Ursula Akmann (HMT),
Marianne Böckli (Stabschefin), Graziella Bomio
(dpt Medien & Kunst), Renata Pakosta
(Verwaltung), Karin Epp (ics), Roman Jurt (Organ),
Elisabeth Krüsi (dpt Design), Reto Jäger (dpt
Weiterbildung), Sabine Trieloff (Museum), Kristina Trolle (dpt Lehrberufe). Cartoon: Raphael
Gschwind.
Die von den Autorinnen und Autoren in diesem
Heft geäusserten Ansichten decken sich
nicht unbedingt mit der ­Meinung der Redaktion.
Gestaltung und Produktion:
Layout und Bildredaktion: Tobias Strebel Contin,
Grafikatelier hgkz, Regula Bearth, Fotoatelier hgkz.
Papier: Luxo Samt 100 g/m2
Schriften: Neue Helvetica, Utopia
Druck: Ropress Genossenschaft Zürich
fsc logo
Copyright: Der Nachdruck von Artikeln ist unter
Quellenangabe gestattet. Belegexemplare
er­wünscht.
hgkz intern ist auch digital als PDF-Datei
erhältlich: http://intranet.hgkz.ch
Redaktionsschluss 1/07: 10. November 6
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interessieren uns. Bitte schreibt,
schreiben Sie, direkt an
heike.pohl@hgkz.ch, wenn euch
etwas gefällt oder euch ärgert,
wenn ihr eine gute Idee für
einen Beitrag habt oder wenn
ihr der Redaktion sonst etwas
sagen wollt. Vielen Dank!
umschlag
6. Juli 2006: Vier Bundesräte, eine Bundesrätin,
eine Bundeskanzlerin, ein Rektor, Security
und Zaungäste an der Diplomausstellung im
Toni-Areal: Bundespräsident Moritz Leuenberger,
Samuel Schmid, Christoph Blocher, Annemarie
Huber Hotz, Micheline Calmy-Rey, Hans-Peter
Schwarz und Hans-Rudolf Merz. Foto: Regula
Bearth
Linke Seite: Carte Blanche der Studierendenvereinigung Organ – by Raphael Gschwind
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46 hgkzintern4/06
30.08.06 – 03.12.06 — Ausstellung: Japanische Plakate – heute/
>>Museum für Gestaltung Zürich, Galerie, Ausstellungsstr. 60,
8005 Zürich/ www.museum-gestaltung.ch
13.10. – 21.01,06 — Ausstellung Gilbert Bretterbauer Vernetzungen Museum Bellerive, Höschgasse 3, 8008 Zürich,
www.museum-bellerive.ch
Fr, 20.10.06, 20.00 — Theater: Auf der langen Strasse von Anton
Tschechow, Regie: Jo-Anna Hamann/ >>Theater an der Sihl,
Bühne B, Gessnerallee 13, Zürich (weitere Vorstellungsdaten
siehe www.theaterandersihl.ch)
So, 22.10.06, 16.00 — Kiwanis Preisträgerkonzert 2006/ >>Tonhalle Zürich, kleiner Saal/ www.hmt.edu
So, 22.10.06, 19.30 — Orchesterkonzert: Solistendiplom, Werke von
Brahms und Rimskij-Korsakow/ >>Tonhalle Zürich, grosser
Saal/ www.hmt.edu
23.10.06 – 27.10.06 — Film/TV/Radio: Schulfilmtage mit drei
Diplomfilmen. Das filmON!-Festival für zeitgenössisches
Filmschaffen zeigt während den Schulfilmtagen die Diplomfilme „Floh!“ von Christine Wiederkehr (2005), „Haru Ichiban“
von Aya Domenig (2005) und „Pizza Canzone“ von Jacqueline
Falk/ >>Filmhaus Luzern, Stattkino, Löwenplatz 11, 6004 Luzern/ www.filmon.ch/Deutsch/filmon.html
Mo, 23.10.06, 11.00 — Semestereröffnung hgkz >>Vortragssaal/ mit
Rektor Hans-Peter Schwarz, Christian Brändle ua. Anschliessend
Kürbissuppe im Foyer.
Mo, 23.10.06, 18.00 — Vernissage: Zürich HB – Milano Centrale
24.10.06 – 23.02.07 — Ausstellung: Zürich HB – Milano Centrale/
Museum für Gestaltung Zürich/ >>Plakatraum, Limmatstr. 55,
8005 Zürich/ www.museum-gestaltung.ch
Di, 24.10.06, 20.00 — Rahmenprogramm: Japanisches Plakatdesign –
Tradition und Innovation: Vortrag von Catherine Bürer
(Poster Art Consultant, Genf )/ >>Museum für Gestaltung Zürich, Vortragssaal/ www.museum-gestaltung.ch
Mi, 25.10.06 — Film/TV/Radio: CH-Filmszene zeigt Diplomfilm. Das
SF 1 zeigt den Diplomfilm 2003 „Züri Ost“ von Bela Batthyany/
www.sf.tv
Fr, 27.10.06, 18.00 — Vernissage: 7. Festival für Medienkunst Dialog 06. Mit Laptop-Sounds & Visuals von incite (Hamburg) und
Live-Illectronic-Jamband von Lychee Lassi (Berlin).
Anschliessend Party!
agenda
27.10.06 – 28.10.06 7. Festival für Medienkunst Dialog 06 Das
Dialog Festival 2006 präsentiert dieses Jahr in Zusammenarbeit
mit StudentInnen der hgkz und FHNW eine Ausstellung und ein
Musikprogramm mit internationalen Künstlern!/ Neue Medien/
>>Alte Kaserne, Technikumstrasse 8, 8402 Winterthur/
www.dialog-festival.ch/index.php?l=1&s=2&sub=1
Fr, 27.10.06, 19.00 — Vernissage: Juriert – Prämiert. Eidgenössischer Wettbewerb für Design 2006/ >>Museum für Gestaltung Zürich, Halle/ www.museum-gestaltung.ch
28.10.06 – 11.02.07 — Ausstellung: Juriert – Prämiert. Eidgenössischer Wettbewerb für Design 2006/ >>Museum für Gestaltung Zürich, Halle/ www.museum-gestaltung.ch
30.10.06 – 05.11.06 — Film/TV/Radio: Diplomfilme am Filmfestival
Cinéma Tout Ecran. Gezeigt werden die beiden Diplomfilme
2006 „Nachtflattern“ von Carmen Stadler und „Aschenbrüder“ von Steve Walker und Markus Heiniger/ >>Cinéma Tout
Ecran, Maison des Arts du Grütli, CP 5759-1211 Genève 11/
www.cinema-tout-ecran.ch
02.11.06 – 11.11.06 — Film/TV/Radio: Diplomfilme im Kulturforum
Illnau/Effretikon. Gezeigt werden die beiden Diplomfilme 2006
„Big Size“ von Thomas Waidelich und „Sonnenhalb“ von Martina Fischbacher/ >>8307 Effretikon/ www.ilef.ch
Do, 02.11.06, 19.30 — Orchesterkonzert: Ensemble Arc an Ciel/
HMTZ/ >>Schiffbau Box, Zürich, 2. Konzert am Fr., 03.11.06,
17.00/ >>im Florhof, grosser Saal/ www.hmt.edu
Fr, 03.11.06 — Film/TV/Radio: Filmgilde Biel zeigt Diplomfilm 2005
„Concluzie“ von Gabriel Sandru/ >>Cinéma Apollo, Filmgilde
Biel, Zentralplatz, 2502 Biel/ www.filmgilde.ch
Fr, 03.11.06 — Film/TV/Radio: Gemeindezentrum Loogarten zeigt
Diplomfilme. Die Filmbar Etoile des GZ Loogarten zeigt die
beiden Diplomfilme 2006 „Aschenbrüder“ von Steve Walker &
Markus Heiniger und „Sonnenhalb“ von Martina Fischbacher,
Film/ >>GZ Loorgarten, Salzweg 1, 8048 Zürich/
www.gz-zh.ch/veranstaltungen/index.php?gz=10
So, 05.11.06 — Film/TV/Radio: Filmgilde Biel zeigt Diplomfilm 2005
„Concluzie“ von Gabriel Sandru/ >>Cinéma Apollo; Filmgilde
Biel, Zentralplatz, 2502 Biel/ www.filmgilde.ch
oktober 006 bis januar 007
08.11.06 – 12.11.06 — Film/TV/Radio: Internationale Kurzfilmtage
Winterthur zeigen drei Diplomfilme 2006 “Nachtflattern“
von Carmen Stadler, „Schnäbi“ von Luzius Wespe und „Die
Überflüssigen“ von Andrea Bürgi/ >>Internationale Kurzfilmtage Winterthur, Steiggasse 2, 8402 Winterthur/ www.cinematout-ecran.ch
14.11.06 – 12.03.07 — Ausstellung: Film ab! Filmplakate der CSSR/
im Rahmen der „Plakatsammlung zu Gast bei der Schweizerischen Nationalbank“/ >>Schaufenster der Schweizerischen
Nationalbank, Fraumünsterstrasse, Stadthausquai (gegenüber
Bauschänzli)
Mi, 15.11.06, 20.00 — Rahmenprogramm: Juriert – Prämiert, Eidgenössischer Wettbewerb für Design 2006 – Qualität im Design:
Jurys, Kriterien und Märkte. Podiumsgespräch mit Heidi
Wegener, Kuratorin Design Preis Schweiz, Meilen, Max Küng,
Journalist, „Das Magazin“, Zürich und Jacqueline Otten, CEO
Looxgood Medien+Design, Berlin, Leiterin Departement Design,
hgkz. Moderation Barbara Basting, Redaktorin Kultur „Tages-Anzeiger“, Zürich/ >>Museum für Gestaltung Zürich, Halle/
www.museum-gestaltung.ch
Mi, 8.11.06, 17.30 — Schlusspräsentation: Summer School, Wuxi
– Zürich 2006, Design in China: Tradition and Modernity/
>>Panorama, hgkz-Hauptgebäude, 5. St., Ausstellungsstr. 60, Zürich/ http://web.mac.com/urbanwuersch/iWeb/%20WuZu-Blog
Do, 23.11.06 19.00 — Informationsveranstaltung: Gestalterische
Orientierungsstufe KOMPASS. Departement Weiterbildung/
>>hgkz Hauptgebäude, Zi 510/ www.dranbleiben.ch/kompass
Di, 28.11.06, 20.00 — Rahmenprogramm: Japan – ein ästhetischer
Dauertrend? Podiumsgespräch mit Christa de Carouge (Modedesignerin, Zürich), Philip Jodidio (Autor, Lausanne) und Jürgen
Krusche (Künstler und Kulturwissenschaftler, Zürich)/ Moderation: Christoph Neidhart (Ostasienkorrespondent, Tokyo)/
>>Museum für Gestaltung Zürich, Vortragssaal/
www.museum-gestaltung.ch
Fr–Sa, 24.–25.11.06 — highLOW – Zum Verhältnis von Hoch- und
Alltagskultur. Internationales Symposion mit Musik, Film und
Performance/ in Zusammenarbeit mit dem Departement Musik
der HMT/ Vortragssaal hgkz/ genaues Programm und Zeiten
siehe S. 30/ http://ics.hgkz.ch
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hgkzintern4/06
Mi, 06.12.06, 20.00 — Rahmenprogramm: Juriert – Prämiert. Eidgenössischer Wettbewerb für Design 2006 – Meet the Jury!,
Podiumsgespräch mit: Lorette Coen, Journalistin/Publizistin,
„Le Temps“, Lausanne, Präsidentin der Eidg. Designkommission, Emily King, Designhistorikerin, „Frieze Magazine“, London, Martin Leuthold, Art Director Jakob Schlaepfer, St. Gallen,
François Rappo, Grafiker und Typograf, Lausanne und Annette
Schindler, Kunstwissenschaftlerin, Leiterin [plug.in], Basel. Moderation: Christian Brändle und Patrizia Crivelli/ >>Museum für
Gestaltung Zürich, Halle/ www.museum-gestaltung.ch
Mo, 11.12.06, 19.30 — Orchesterkonzert: Werke von Schostakowitsch und Penderecki/ >>Tonhalle Zürich, Grosser Saal/
www.hmt.edu
Mi,10.01.07, 20.00 — Rahmenprogramm: Juriert – Prämiert. Eidgenössischer Wettbewerb für Design 2006 – Designpublizistik:
Denken und Schreiben über Design. Podiumsgespräch
mit: Meret Ernst, Redaktorin Kultur und Design „Hochparterre“,
Zürich, Alfredo Häberli, Produktdesigner, Design Development,
Zürich, Erik Spiekermann, Fachautor, Typografischer Gestalter
und Schriftenentwerfer, Berlin, und Gerrit Terstiege, Chefredaktor „form – The Making of Design“, Offenbach am Main.
Moderation: Ralf Michel, Geschäftsführer Swiss Design Network,
Zürich/ >> Museum für Gestaltung Zürich, Halle/
www.museum-gestaltung.ch
31.01.07, 20.00 — Rahmenprogramm: Juriert – Prämiert. Eidgenössischer Wettbewerb für Design 2006 – Designproduktion:
Skizzen, Produktion, Marketing. Podiumsgespräch mit:
Hanns-Peter Cohn, CEO Vitra, Basel, Markus Freitag, Gestalter,
Freitag lab. ag, Zürich, und Valentin Spiess, Geschäftsführer iart
interactive ag, Basel. Moderation: Christian Brändle/ >> Museum für Gestaltung Zürich, Halle/ www.museum-gestaltung.ch
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