close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Mein Teil des Referats bezieht sich darauf, wie die österreichische

EinbettenHerunterladen
Mozartkugeln, Lipizzaner und
Faustpfandprinzip als Trias der
österreichischen Identität?
Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Faustpfandprinzip anhand des Umgangs mit
dem Sicherungseigentum in Deutschland und Österreich unter besonderer
Berücksichtigung der Geschichte des Faustpfandprinzips
Diplomseminararbeit zum Seminar: Rechtsvereinheitlichung im Zivilrecht
Lehrveranstaltungsleiter: Univ. Prof. Dr. Brigitta Jud und Univ. Prof. Dr. Martin Schauer
Eingereicht von Nicole Hofmann
(9707765)
Wien, am 24.2.2005
1
INHALTSVERZEICHNIS:
EINLEITUNG ................................................................................................................................4
I.
SICHERUNGSEIGENTUM IM ÖSTERREICHISCHEN UND IM DEUTSCHEN RECHT.................7
1.
2.
3.
4.
Als Rechtsinstitut in Deutschland und Österreich bekannt ............................................7
Zulässigkeit der Sicherungsübereignung ........................................................................7
Stellung des Sicherungsnehmers im Konkurs- und Exekutionsverfahren......................8
Unterschiedliche Behandlung im Hinblick auf die Publizität ......................................10
4.1. Analoge Anwendung der pfandrechtlichen Publizitätsbestimmungen......................10
4.2. Begründung: Umgehungsabsicht...............................................................................12
4.3. Überblick über die teleologische und systematische Kritik an der analogen
Anwendung................................................................................................................13
4.3.1. Teleologische Einwände ................................................................................13
4.3.2. Systematische Einwände................................................................................15
5. Unterschiedliche Bedeutung in der Praxis in Deutschland und Österreich ..................16
Exkurs: Die kollisionsrechtliche Behandlung des von Deutschland nach Österreich
verbrachten Sicherungseigentums.........................................................................................17
II. DAS FAUSTPFANDPRINZIP IM ÖSTERREICHISCHEN RECHT ............................................20
1.
Historische Entwicklung...............................................................................................20
1.1. Grundlagen im deutschen Recht:...............................................................................21
1.1.1. Der Grundsatz „Ohne Faust kein Pfand“.......................................................21
1.1.2. Das Abgehen vom Übergabeerfordernis im deutschen Recht .......................23
1.2. Grundlagen im römischen Recht ...............................................................................23
1.3. Resümee des Vergleichs ............................................................................................25
1.4. Die Entwicklung im gemeinen Recht ........................................................................27
1.5. Das Faustpfand in den Vorentwürfen zum ABGB ....................................................28
1.6. Zunehmende Strenge seit dem ABGB.......................................................................29
2. Das Problem des Faustpfandprinzips und seiner analogen Anwendung auf
andere Sicherungsgeschäfte in wirtschaftlicher Hinsicht .............................................31
3. Rechtfertigung des strengen Faustpfandprinzips in Literatur und Judikatur................33
3.1. Gläubigerschutz .........................................................................................................33
3.1.1. Der Schutz des gesicherten Gläubigers vor Verlust seiner Sicherung...........34
3.1.2. Kritik am Argument des Sicherungsgläubigerschutzes .................................35
3.1.3. Der Schutz des nachfolgenden Gläubigers ....................................................35
3.1.4. Kritik am Argument des Schutzes potentieller Gläubiger .............................36
3.2. Schuldnerschutz .........................................................................................................38
3.3. Masseschutz ...............................................................................................................39
3.3.1. Kritik am Argument des Masseschutzes........................................................40
Exkurs: Das Alternativmodell der Teilbesicherung von Peter von Wilmowsky ...................42
2
4.Durchbrechungen des Faustpfands im österreichischen Recht und deren Argumentation
4.1. Der Eigentumsvorbehalt ............................................................................................44
4.1.1. Das Institut des Eigentumsvorbehalts im österreichischen und
deutschen Recht .............................................................................................44
4.1.2. Die Unterschiede im Einzelnen .....................................................................46
4.1.2.1. Die nachträgliche Vereinbarung eines Eigentumsvorbehalts nach
Abschluss des Kaufvertrags, aber vor Übergabe der Sache ....................46
4.1.2.2. Der Anwendungsbereich des Eigentumsvorbehalts auch zur
Sicherung von Geldkreditgebern .............................................................47
4.1.2.3. Die Zulässigkeit des erweiterten Eigentumsvorbehalts ...........................49
4.1.3. Zusammenfassung des Vergleiches zwischen den beiden
Rechtsordnungen: ..........................................................................................50
4.1.4. Rechtfertigung der Ungleichbehandlung von Eigentumsvorbehalt und
Sicherungsübereignung im Hinblick auf die Publizität .................................52
4.1.5. Die Argumente im Einzelnen: .......................................................................52
4.1.5.1. Das Argument des Synallagmas: .............................................................52
4.1.5.2. Das Argument der geringeren Täuschungsgefahr: ..................................53
Exkurs: Ist das Vertrauen des Rechtsverkehrs als Argument für die
Unveränderlichkeit von Rechtsnormen heranzuziehen?............................................55
4.2. Sale and lease back ....................................................................................................56
5. Kritische Prüfung der Argumente anhand der deutschen Praxis ..................................58
5.1. Zeigen sich in Deutschland jene Auswirkungen der Publizitätslosigkeit, die in
Österreich befürchtet werden? ...................................................................................58
III. FAZIT ................................................................................................................................63
1.
2.
De lege lata ...................................................................................................................63
De lege ferenda .............................................................................................................64
LITERATURVERZEICHNIS .........................................................................................................65
3
Einleitung
Die Diskussion über das Faustpfandprinzip und seine Anwendung auf die
Sicherungsübereignung scheint in Österreich seit den 80er Jahren des vorigen
Jahrhunderts abgeschlossen, trotzdem möchte ich mich in dieser Arbeit diesem Thema
aus drei Gründen widmen:
Erstens sei es einer „neuen Generation“ nicht verwehrt, das „alte Thema“ neu zu
diskutieren, zweitens ist der Blick nach Deutschland inklusive der Überprüfung der
österreichischen Argumente anhand der deutschen Erfahrungen mE bisher zu kurz
gekommen und drittens gewinnen dingliche Sicherheiten durch Basel II wieder an
Bedeutung:
Da die Banken angehalten sind, ihr Risiko bei Kreditvergaben weitgehend zu
reduzieren, werden Unternehmen neben dem Management ihrer eigenen Bonität
hinkünftig auch der aktiven Beschäftigung mit Sicherheiten große Aufmerksamkeit
schenken müssen.1 Wenn die Bank immer schwerer ohne Sicherheiten Kredite vergeben
kann, erhält der Kreditnehmer ohne entsprechende Sicherheiten auch schwerer Kredit.
Es soll gezeigt werden, dass das österreichische System des Faustpfandprinzips nicht
nur überholt ist, sondern die Aufgaben, die ihm zugesprochen werden seit seinem
Bestehen nur ungenügend zu erfüllen vermag.
Zur Illustrierung der Argumente für und wider das Faustpfandprinzip eignet sich ein
historischer Rückblick besonders, weshalb dieser auch ausführlicher ausgefallen ist.
Außerdem soll die Frage gestellt werden, ob die dem Faustpfand zugeschriebenen
Aufgaben nicht anders besser und für alle Beteiligten wirtschaftlich sinnvoller gelöst
werden könnten.
Die Diskussion mag veraltet und „längst gegessen“ erscheinen, doch lohnt es sich mE
gerade jetzt, die Frage aufzuwerfen, ob man sich tatsächlich mit dem – wie gezeigt
werden soll – in Österreich doch recht zusammengestückelten, manchmal zweifelhaft
argumentierten und an allen Ecken und Enden mit Widersprüchen behafteten System
des Faustpfandes abfinden muss. Es lohnt sich darüber nachzudenken, ob sich nach
Basel II die Unmöglichkeit der Mobiliarhypothek gepaart mit dem Fehlen eines
Mobiliarregisterpfandrechts nicht als größerer Hemmschuh für die Kreditwirtschaft
herausstellen wird und ob diese wirtschaftlichen Nachteile tatsächlich durch die
1
Bruckner, Ratingleitfaden Basel II, Institut für Steuerberater 2004, 20.
4
Schutzzwecke des Faustpfandprinzips gerechtfertigt erscheinen. Es soll beleuchtet
werden, ob das Faustpfandprinzip, das die Kreditwirtschaft schützen soll dieser nicht in
der Realität eher schadet.
Es wird für Klein- und Mittelbetriebe immer schwerer Kredit zu erhalten2, vor allem
dann, wenn sie keine dinglichen Sicherheiten anbieten können. Gleichzeitig
verschwindet damit, dass die Banken verpflichtet sein werden, sich die wirtschaftlichen
Verhältnisse des Kreditwerbers offen legen zu lassen, die wichtigste Begründung für
das Faustpfandprinzip zumindest für die Gläubigerbanken: Der Kreditgeber darf gar
nicht mehr auf den äußeren Anschein vertrauen3 – er muss in diesem Vertrauen auch
nicht (mehr) geschützt werden.
In diesem Zusammenhang ist auch interessant, inwieweit sich die für Österreich
befürchteten Folgen einer eventuellen Aufgabe des Faustpfandprinzips in Deutschland
zeigen. Deutschland hat ja mit der Zulassung der besitzlosen Sicherungsübereignung
eine Möglichkeit der Mobiliarhypothek praktisch geschaffen und das Pfandrecht und
mit ihm das Faustpfandprinzip aus dem Wirtschaftsverkehr weitgehend verdrängt. Es
stellt sich daher die Frage, ob es nicht Zeit wird, das Faustpfandprinzip grundlegend in
Frage zu stellen.
An diesen Fragestellungen orientiert sich auch der Aufbau meiner Arbeit:
Zunächst soll das Institut der Sicherungsübereignung in Deutschland und Österreich
kurz dargestellt und auf die Inkonsistenzen der Handhabung dieses Rechtsinstituts, das
zwischen Vollrecht und Pfandrecht angesiedelt ist, eingegangen werden.
Da die Sicherungsübereignung in Österreich im Wesentlichen wie ein Pfandrecht
behandelt werden soll, und dies mit dem Faustpfandprinzip begründet wird, wird in
einem zweiten Teil auf das Faustpfandprinzip grundsätzlich eingegangen.
Die historische Entwicklung zeigt sehr schön, wie eine Norm zum Prinzip werden kann,
wie sich Schutzzwecke im Lauf der Geschichte ändern können und wie das
Faustpfandprinzip eher „zufällig“ zum Retter der Kreditwirtschaft wurde.
Die wirtschaftlichen Probleme, die das Faustpfandprinzip mit sich bringt werden im
Anschluss, mit einem Schwergewicht auf der Entwicklung, die durch die
Implementierung von Basel II zu erwarten ist, dargestellt.
2
3
Vgl Thonabauer, Umfrage der ÖNB über das Kreditgeschäft vom Jänner 2005,
www.oenb.at/de/presse-pub/aussendungen.
Siehe unten II. 2, 31.
5
Ob diese Nachteile durch die Schutzzwecke gerechtfertigt sind, die dem
Faustpfandprinzip unterstellt werden, soll danach beleuchtet werden. Insbesondere
werden kritisch die drei häufigsten Argumente Gläubigerschutz, Schuldnerschutz und
Masseschutz geprüft.
Auf
Durchbrechungen
österreichischen
und
Inkonsistenzen
Faustpfandprinzips
wird
mit
innerhalb
einem
der
Handhabung
Schwerpunkt
auf
des
den
Eigentumsvorbehalt danach eingegangen, wodurch gezeigt werden soll, wie
argumentiert wird, ob eine Durchbrechung des Faustpfandprinzips zulässig sein soll
(wie beim Eigentumsvorbehalt), oder eine Umgehung vorliegt, die nach einer Analogie
verlangt (wie bei der Sicherungsübereignung).
Danach soll die Frage gestellt werden, ob die Auswirkungen der Zulassung der
publizitätslosen Sicherungsübereignung in Deutschland für Österreich Rückschlüsse
darauf zulassen, welches Risiko mit einem Abgehen vom Publizitätsgrundsatz in
Österreich verbunden wäre. Lässt die deutsche Praxis den Schluss zu, dass die Publizität
bei dinglichen Sicherheiten ohne wesentliche Nachteile ganz aufgegeben werden
könnte, oder schließt man daraus, dass zwar die Publizität aufrechterhalten werden soll,
aber nicht mit jenen als nachteilig erkannten Auswirkungen des Faustpfandprinzips –
also einem Registerpfand?
Zur Beantwortung dieser Fragen hoffe ich mit dieser Arbeit ein wenig beizutragen.
Drei Personen möchte ich im Zusammenhang mit dem Entstehen dieser Arbeit
besonders danken: Dr. Bernulf Bruckner, der mich in die Geheimnisse von Basel II
eingeführt hat, Dr. Lothar Classen, der mir bei der Fragen zum BGB zur Seite gestanden
hat und vor allem Mag. Judith Schacherreiter für die zahllosen Diskussionen im Zuge
der Entwicklung des Themas.
6
I. Sicherungseigentum im österreichischen und im deutschen Recht
1. Als Rechtsinstitut in Deutschland und Österreich bekannt
Sowohl die deutsche als auch die österreichische Rechtsordnung kennen grundsätzlich
das Institut der Sicherungsübereignung. Nach beiden Rechtsordnungen soll eine
Sicherung des Gläubigers dadurch erreicht werden, dass der Schuldner dem Gläubiger
an einer beweglichen Sache das Eigentum als Vollrecht überträgt, der Vertrag aber die
schuldrechtliche Absprache enthält, dass der Gläubiger dieses Eigentum nicht ausüben
darf, solange der Schuldner seine Kreditraten zahlt.4
Das Sicherungseigentum ist eine Form der eigennützigen Treuhand. Bei der Zahlung
der gesicherten Forderung fällt es – je nach dem Inhalt der Vereinbarung – entweder an
den Sicherungsgeber zurück, oder muss rückübereignet werden. Ersteres wenn der
Sicherungsabrede (dem Sicherungsvertrag) dingliche Wirkung zukommt, weil damit die
Eigentumsübertragung unter die auflösende Bedingung der Forderungsbegleichung
gestellt wurde; Zweiteres wenn die Eigentumsübertragung nicht bedingt war. Im
Zweifel ist dingliche Wirkung aber anzunehmen.5
Die Bedeutung der Sicherungsübereignung liegt vor allem darin, dass eine bestimmte
Sache für den Gläubiger haftungsrechtlich reserviert wird. Der Gläubiger einer
Forderung will sich eine dingliche, also gegen jedermann wirkende, Sicherheit an einer
beweglichen Sache einräumen lassen. Mit der Übertragung des Eigentums auf den
Gläubiger wird die Sache dem Zugriff anderer Gläubiger ganz oder teilweise entzogen,
und auch der Schuldner kann nicht mehr über sie verfügen.6
2. Zulässigkeit der Sicherungsübereignung
Weder der österreichische noch der deutsche Gesetzgeber dachten ursprünglich bei dem
Institut des Eigentums an ein mögliches Sicherungsrecht. Das Institut der
Sicherungsübereignung, das sich das Eigentum als Vollrecht zu einem Zweck dienlich
4
5
6
Koziol in Koziol/Welser12 , 365; MünchKomm/Oechsler VI4 Rz 1 zu Anhang § 929-936.
MünchKomm/Quack, Anh. §§929-936, Rz 51; Spielbüchler in Rummel3, Rz 3 zu 360.
Brehm/Berger, Sachenrecht. 484.
7
macht, den der Gesetzgeber eigentlich dem beschränkten Pfandrecht zugeordnet hat,
wurde von der Praxis entwickelt.
Gesetzlich ist es in Österreich nicht ausdrücklich geregelt, in § 10 Abs 3 KO und § 10
Abs 3 AO wird es jedoch erwähnt. Der geschlossene Katalog des § 308 ABGB
verhindert nicht, das dingliche Vollrecht Eigentum zur Sicherung von Forderungen zu
verwenden.7 Rechtssprechung und Literatur haben daher gegen die Übereignung zu
bloßen Sicherungszwecken keine Bedenken und erkennen die Sicherungsübereignung
als zulässiges Sicherungsmittel an.8
Auch in Deutschland ist die Sicherungsübereignung gesetzlich nicht ausdrücklich
geregelt. An ihrer rechtlichen bestehen aber heute keine Zweifel mehr. Sie wird
allgemein als Ergebnis richterlicher Rechtsfortbildung und als Gewohnheitsrecht
anerkannt.9
3. Stellung des Sicherungsnehmers im Konkurs- und Exekutionsverfahren
Nach vollständiger Bezahlung des Kredites wird das Eigentum an den Sicherungsgeber
– also den Kreditnehmer – vom Gläubiger, der meist ein Kreditinstitut ist,
zurückübertragen. Verweigert der Sicherungsgeber die Rückzahlung oder fällt er in
Konkurs, kann sich der Sicherungsnehmer an dem Sicherungsgut befriedigen.
Das Sicherungseigentum enthält – je nach Betrachtungswinkel – Elemente des
Eigentums und solche des Pfandrechts.
Der Sicherungsnehmer hat einerseits das Vollrecht Eigentum, andererseits erfüllt die
Übertragung des Eigentumsrechtes vom Sicherungsgeber auf den Kreditgeber aber nicht
jenen wirtschaftlichen Zweck, zu dem eine Eigentumsübertragung klassischer Weise
vorgenommen wird: Das Sicherungseigentum wird nicht zu dem Zweck eingerichtet,
dauerhaft eine Sache jemandem anderen zuzuordnen, sondern es soll eine Forderung
besichern, wofür beide Rechtsordnungen eigentlich das Institut des Pfandrechts
vorsehen und nicht jenes des Eigentums.
7
8
9
Hoyer, Mobiliarsicherheiten und Grenzübertritt des Sicherungsgutes im österreichischen Recht,
Quartalshefte der GZ IV/86, 21. Jg, 57.
SZ 7/46; SZ 38/190; JBl 1980, 435; Spielbüchler in Rummel3, RZ3 zu § 360.
Vgl Staudinger /Wiegand, Anh. Zu §§ 929ff, Rz 52.
8
Sowohl die deutsche als auch die österreichische Rechtsordnung behandeln
grundsätzlich den Eigentümer und den Pfandgläubiger sowohl im Insolvenzfall als auch
im Zwangsvollstreckungsfall unterschiedlich.
Im Insolvenzfall ist der Pfandgläubiger in Österreich ebenso wie in Deutschland
absonderungsberechtigt, der Eigentümer hingegen aussonderungsberechtigt.
Im Zwangsvollstreckungsverfahren hat der Pfandgläubiger nach österreichischem und
deutschem Recht die Möglichkeit, die vorzugsweise Befriedigung zu verlangen, der
Eigentümer hingegen kann mit der österreichischen Exszindierungsklage (37 EO) oder
der deutschen Drittwiderspruchsklage (771 dt ZPO) verhindern, dass die Sache
überhaupt in fremde Zwangsvollstreckungen gezogen wird.
Die Frage ist nun, wie die beiden Rechtsordnungen die Sicherungsübereignung im
Insolvenz- bzw Exekutionsfall einordnen. Da die Sicherungsübereignung den
Kreditgeber dinglich besichern, ihm also ein vorzugsweises Befriedigungsrecht an einer
bestimmten Sache einräumen soll, erfüllt sie, wie erwähnt, den gleichen
wirtschaftlichen Zweck, wie die Verpfändung einer Sache. Auf der anderen Seite ist der
Gläubiger Eigentümer der Sache.
Im
Konkursverfahren
kommt
dem
Sicherungsnehmer
nach
deutschem
und
österreichischem Recht dieselbe Stellung wie dem Pfandgläubiger zu. Er ist gemäß den
§§ 10 Abs 3 KO und 10 Abs 3 AO ebenso absonderungsberechtigt10, wie nach § 51Abs
1 iVm §50 dt InsO.11 Im Konkursverfahren scheint also sowohl in der österreichischen
als auch in der deutschen Rechtsordnung der Zweck der Eigentumsverschiebung durch.
Im Zwangsvollstreckungsfall hingegen wird der Sicherungsgläubiger nach beiden
Rechtsordnungen nicht wie ein Pfandgläubiger, sondern wie ein „normaler“ Eigentümer
behandelt: Er hat nach deutschem Recht die Drittwiderspruchsklage und nach
österreichischem die Exszindierungsklage.12 Hier tritt also der sachenrechtliche
Charakter vor den Zweck der Übereignung.
Diese Lösung ist nicht unumstritten: Ein Teil der Lehre in Österreich will dem
Sicherungsgläubiger nur die Pfandvorrechtsklage nach § 258 EO13 zugestehen und ein
Teil der deutschen Lehre widerspricht der Anwendung der Drittwiderspruchsklage auf
10
11
12
13
Koziol in Kozil/Welser I12, 366.
Brehm/Berger, Sachenrecht, 492.
Schoneweg, Der Eigentumsvobehalt und die Sicherungübereignung im deutsch-österreichischen
Rechtsverkehr, 163f.
Vgl Frotz, Kreditsicherungsrecht, 126f; Koziol in Koziol/Welser, I12, 366; Hoyer, Sind
Sicherungseigentum und Pfandrecht gleich zu behandeln?, JBl 1984, 545.
9
den Sicherungseigentümer und will ihm ebenfalls nur einen vorzugsweisen
Befriedigungsanspruch gewähren.14
Insgesamt zeigt sich im Insolvenz- und Einzelvollstreckungsrecht sehr schön die
Zwitterstellung, die das Sicherungseigentum in beiden Rechtsordnungen einnimmt:
Das rechtliche Eigentum, das wirtschaftlich kein Eigentum ist, wird im Gegenzug
rechtlich doch nicht voll als Eigentum behandelt.
4. Unterschiedliche Behandlung im Hinblick auf die Publizität
4.1. Analoge Anwendung der pfandrechtlichen Publizitätsbestimmungen
Die Sicherungsübereignung nach österreichischem Recht unterscheidet sich –
abgesehen von Detailfragen – von der Sicherungsübereignung nach deutschem Recht
nur in einem Punkt: Zur Begründung und Aufrechterhaltung sind im österreichischen
Recht die Regeln bezüglich Begründung und Aufrechterhaltung des Faustpfandes
analog heranzuziehen.15
Das Faustpfand „schwebt wie ein Damoklesschwert über der Sicherungsübereignung“.16
§ 451 ABGB verlangt für die Begründung eines Pfandrechtes, dass der Pfandgläubiger
die Sache „wirklich in Verwahrung nimmt“. Daraus geht zweifellos hervor, dass für die
Einräumung eines Pfandrechtes die Übergabeform des Besitzkonstitutes des § 428 1.
HS ABGB nicht zulässig ist.17 Der Kreditgeber muss die Sache also an sich nehmen,
und kann sie nach der herrschenden Lehre auch nicht, trotz des Wortlautes des § 467 3.
Fall ABGB, an den Schuldner zurückstellen, ohne sein Pfandrecht zu verlieren.18
Für die Übertragung von Eigentum ist an sich das Besitzkonstitut als mögliche
Übergabeform in § 428 1. HS ABGB vorgesehen und anerkannt. Die herrschende Lehre
geht aber davon aus, dass nicht diese Regelungen über den Modus des
14
15
16
17
18
MünchKomm ZPO/K. Schmidt, § 771, Rz 29.
Hofmann in Rummel3 , Rz 1 zu § 451 ABGB; Koziol in Koziol/Welser I12, 366; Hoyer, QuHGZ
IV/1996, 53; SZ 8/200; SZ 9/279; SZ 10/26; SZ 20/24; SZ 25/138; SZ 27/18; SZ 28/72; JBl 1958,
309; EvBl 1967/357; 1972/37; JBl 1980, 435; NZ 1992, 14; EvBl 1997/121.
Schoneweg, 132.
Hofmann in Rummel3 , Rz 3 zu § 451.
Hofmann in Rummel3, Rz 4 und Rz 5 zu § 467; ausführlich zum Stand der Diskussion bezüglich der
Pfandrückstellung unter Vorbehalt bei Schacherreiter, Publizitätsloses Sicherungseigentum im
deutsch-österreichischen Grenzverkehr, in Veröffentlichung.
10
Eigentumsüberganges für die Begründung von Sicherungseigentum einschlägig sind,
sondern eben jene über die Begründung eines Pfandrechtes.19
Das führt zum entscheidenden Unterschied zwischen dem österreichischen und dem
deutschen Sicherungseigentum:
In Deutschland wird Sicherungseigentum wie in Österreich durch Einigung und
Übergabe begründet. Ein Übergabesourrogat nach § 930 BGB ist aber zulässig, da die
Begründungsmöglichkeiten der Sicherungsübereignung nach deutscher Lehre und
Rechtsprechung nicht von jenen des „normalen“ Eigentums abweichen.
Die Rechte und Pflichten der Parteien müssen in einem Sicherungsvertrag festgelegt
sein. Dieser Sicherungsvertrag bildet dann das Besitzmittlungsverhältnis zwischen den
Parteien, welches die Begründung von Sicherungseigentum durch Besitzkonstitut
ermöglicht. Auch eine Begründung durch körperliche Übergabe und spätere
Rückstellung an den Sicherungsgeber mit der Abrede, dass der Sicherungsnehmer ab
nun für den Sicherungsgeber innehaben soll, bereitet im deutschen Recht keine
Schwierigkeiten.
In Österreich bildet die Sicherungsabrede zwar einen den Eigentumsübergang
rechtfertigenden Titel (im Sinn der kausalen Tradition), als Modus kommen aber nur die
für die Begründung eines Pfandrechtes zulässigen Übergabearten in Betracht. Die
Begründung von Sicherungseigentum mittels Besitzkonstitut wird in Österreich also
von der herrschenden Meinung nicht zugelassen. Auch eine Rückstellung des
Sicherungsgutes an den Schuldner unter Vorbehalt führt in Österreich, analog zur
Interpretation des § 467 3. Fall ABGB, zu einem Erlöschen der dinglichen Sicherheit.20
Im Ergebnis kann in Deutschland also der Sicherungsschuldner mit dem Sicherungsgut
weiter wirtschaften, da er es für den Sicherungseigentümer (also den Kreditgeber) als
Besitzmittler innehaben und nutzen darf; in Österreich muss der Gläubiger die Sache
hingegen in Verwahrung nehmen – sie der Nutzung durch den Schuldner also entziehen.
19
20
Koziol in Koziol/Welser I12, 367; Wellspacher, Sicherungsübereignung, 51ff; Frotz,
Kreditsicherungsrecht, 104ff.
Spielbüchler in Rummel3, Rz 3 zu § 360.
11
4.2. Begründung: Umgehungsabsicht
Entwickelt wurde diese Konstruktion Anfang des letzten Jahrhunderts von Wellspacher.
Das Argument lautet wie folgt: Wenn in der Erkennbarkeit des Pfandrechts für Dritte
eine Wirksamkeitsvoraussetzung desselben liegt, dann liegt in der nur durch
Besitzkonstitut vorgenommenen Sicherungsübereignung, die den Sicherungszweck
ohne Erkennbarkeit durch Dritte erreichen will, eine Umgehung des Gesetzes. Um diese
Umgehung zu verhindern müssen die pfandrechtlichen Publizitätsbestimmungen analog
angewandt werden, denn Umgehung verlange nach Analogie.
Der Sicherungszweck der Sicherungsübereignung steht also im Vordergrund vor der
sachenrechtlichen Form. Es ist nicht ausschlaggebend, dass es sich um ein Vollrecht
handelt, das hier übertragen werden soll, sondern dass diese Übertragung die gleichen
wirtschaftlichen Zwecke verfolgt, wie das beschränkte dingliche Recht Pfandrecht: Es
soll dadurch eine dingliche Sicherheit für den Fall, dass der Schuldner
vereinbarungswidrig nicht zahlt, eingeräumt werden. Ließe man nun zu, dass dieses
Sicherungsrecht publizitätslos möglich ist, so würde das zu einer Vermeidbarkeit des
Faustpfandprinzips führen. 21
Dieser Einwand ist zweifellos richtig. Genau zu diesem Zweck wurde die
Sicherungsübereignung von der Praxis entwickelt. Die Bindung an die Übergabe
entsprach nicht den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Kreditwirtschaft. Bei gleicher
Ausgangslage würden sich die Parteien für die Begründung eines Sicherungseigentums
entscheiden und gegen die Einräumung eines Pfandrechts, da der Verbleib des
Sicherungsgutes beim Schuldner beiden Interessen besser entgegenkommt: Der
Sicherungsgeber und Kreditnehmer kann die Sache wirtschaftlich nutzen um seinen
Kredit zurückzahlen, der Kreditgeber erspart es sich, die Sache in Verwahrung zu
nehmen.
21
Wellspacher, Sicherungsübereignung und Konkursordnung, GZ 1918, 49.
12
4.3. Überblick über die teleologische und systematische Kritik an der analogen
Anwendung
Grundsätzlich möchte ich in meiner Arbeit in erster Linie die Notwendigkeit eines
Publizitätsprinzips überhaupt zur Diskussion stellen und auf einer zweiten Ebene, ob
man ein eventuell gewünschtes Publizitätsprinzip im Sicherungsrecht – de lege ferenda
–
mit
anderen
Mitteln
sachgerechter
verwirklichen
könnte,
als
mit
dem
Faustpfandprinzip. Trotzdem will ich hier – also auf einer dritten Ebene – die
teleologischen und systematischen Kritikpunkte an der derzeitige Konstruktion der
analogen
Anwendung
der
pfandrechtlichen
Publizitätserfordernisse
auf
die
Sicherungsübereignung kurz darstellen.
4.3.1. Teleologische Einwände
Die Entwicklung der Sicherungsübereignung durch die Praxis geschah zu dem Zwecke
der Vermeidung der strengen Publizitätsvorschriften des Pfandrechtes. Sie wurde
geschaffen, um nicht dem Erfordernis der Übergabe des Sicherungsgutes an den
Sicherungsnehmer zu unterliegen, denn mit der Einführung der Sicherungsübereignung
sollte gerade von diesem Grundelement des Pfandrechtes abgewichen werden. Denn das
Pfandrecht – in seiner Form als Faustpfand – erfüllte die wirtschaftlichen Bedürfnisse
der Kreditwirtschaft denkbar schlecht. Die österreichische Lehre und Rechtssprechung
nahm das in Deutschland entwickelte Rechtsinstitut der Sicherungsübereignung an und
der österreichische Gesetzgeber verschaffte ihr in den §§ 10 Abs 3 AO und 10 Abs 3
KO auch gesetzliche Anerkennung.
Auf der anderen Seite geht die österreichische Lehre und Rechtsprechung davon aus,
dass die Sicherungsübereignung nicht zu dem Zweck „der Umgehung“ angewendet
werden darf. Sie wendet daher – wie oben beschrieben – die Regelungen der strengen
Pfandrechtsprinzipien auf die Sicherungsübereignung analog an. Dies führt zu dem
Ergebnis, dass in Österreich die Sicherungsübereignung – obwohl als Institut anerkannt
– nur dann ermöglicht wird, „wenn man sie nicht braucht“.22 Man lässt also die
22
Schwind, Hinkendes Eigentum im österreichischen Rechtsverkehr – Ein juristischer Alptraum, in
Festschrift Kegel 1987 ,602.
13
Sicherungsübereignung nur unter den Umständen und mit weitgehend den Rechtsfolgen
zu wie das Pfandrecht.23
Teleologisch stellt sich hier aber die Frage, warum ein Rechtsinstitut zugelassen werden
soll, dem im Effekt keine eigenständige Bedeutung zukommen kann.24 Denn wenn man
kein Rechtsinstitut will, das vom Pfandrecht abweicht, so könnte man sich entscheiden,
die Sicherungsübereignung nicht zuzulassen. In rechtsdogmatisch „sauberer“ Weise
hätte man der Sicherungsabrede die Eigenschaft eines für die Übereignung zulässigen
Titels (etwa wegen §879 ABGB) absprechen und damit der Sicherungsübereignung die
Anerkennung versagen können.
Sie auf der einen Seite anzuerkennen, ihr aber auf der anderen Seite praktisch jeglichen
Anwendungsbereich zu entziehen, scheint teleologisch fragwürdig.25 Hoyer26 will
diesen Widerspruch auflösen, indem er aus den §§ 10 Abs 3 AO und KO den Willen des
Gesetzgebers herausliest, das Sicherungseigentum wie ein Pfandrecht zu behandeln, da
in diesen §§ wie oben dargestellt, dem Sicherungsgläubiger wie dem Pfandgläubiger der
Absonderungsanspruch und nicht wie dem Eigentümer der Aussonderungsanspruch
gewährt wird. Dem kann aber entgegengehalten werden, dass daraus, dass das Gesetz
eine Rechtsfolge explizit gleich regelt wie im Pfandrecht noch nicht geschlossen werden
kann, dass diese Norm die Basis dafür bietet, darin eine „auf alle Fälle erweiterte
Fiktion des Gesetzes zu sehen, im sachenrechtlichen und obligatorischen Außenbereich
das Sicherungseigentum (nur) als Pfandrecht anzusehen.“27
Wird ein neues Rechtsinstitut vom Gesetz anerkannt, das noch dazu entwickelt wurde,
um den Rechtsfolgen eines bereits bestehenden Instituts auszuweichen, so kann diese
Anerkennung teleologisch mE nicht so interpretiert werden, dass diesem neuen Institut
jeder (ursprünglich intendierte) Anwendungsbereich entzogen wird.
23
24
25
26
27
Die einzigen relevanten Unteschiede bestehen in einer etwas leichteren Verwertbarkeit in der
Einzelexekution s.o. und in der von manchen bei der Sicherungsübereignung im Gegensatz zum
Pfandrecht nicht geforderten Akzessorietät , siehe dazu mwN Hoyer, Mobiliarsicherheiten und
Grenzübertritt des Sicherungsgutes im österreichischem Recht, Quartalshefte der GZ IV/86, 21.Jg, 59.
Koziol in Koziol/Welser, I12, 366: „Diese zutreffende Auffassung (analoge Anwendung – NH) (…)
hat die praktische Bedeutung der Sicherungsübereignung stark gemindert.“
Vgl Schoneweg, Der Eigentumsvorbehalt und die Sicherungsübereignung im deutsch-österreichischen
Rechtsverkehr, 170.
Hoyer, Sind Sicherungseigentum und Pfandrecht gleich zu behandeln?, JBl 1984, 545.
Hoyer, Sind Sicherungseigentum und Pfandrecht gleich zu behandeln?, JBl 1984, 545.
14
Schwind zitiert bezüglich dieser „unglücklichen Verschmelzung von Faustpfand und
Sicherungsübereignung“ zutreffend Grillparzers „Bruderzwist im Hause Habsburg“:
„der Fluch von unsrem edlen Hause mit halben Mitteln und zu halber Tat auf halbem
Wege zauderhaft zu streben“.28
4.3.2. Systematische Einwände
Durch die Sicherungsübereignung soll nach unstreitiger österreichischer Ansicht
Eigentum übertragen werden. Die Voraussetzungen für den Eigentumserwerb regelt das
ABGB in den §§ 380 und 423ff. Demnach sind Titel und Modus nötig um Eigentum zu
übertragen, wobei die Sicherungsabrede – wie oben dargestellt – als für die
Übereignung gültiger Titel in Österreich weitgehend unwidersprochen anerkannt wird.
Der 2. Teil des 5. Hauptstückes des ABGB (§§ 423 – 446) enthält eine abschließende
Regelung über den Eigentumserwerb durch Übergabe. Diese Vorschriften lassen auch
das Besitzkonstitut als Übergabeform in § 428 Satz 1 zu.29
Diese Vorschriften über die Übertragung des Eigentums enthalten weder hinsichtlich
des Titels noch des Modus Sonderregelungen für den Fall, dass die Übertragung des
Eigentums lediglich zur Sicherung von Ansprüchen erfolgen soll. Es wird in diesem
Abschnitt nicht hinsichtlich der Motive unterschieden die dem Eigentumserwerb
zugrunde liegen. Die herrschende Ansicht fordert aber über diese Modi hinaus die
Anwendung der pfandrechtlichen Erwerbsformen, also des § 451 ABGB. Damit liegt es
aber im Willen der Parteien, ob trotz Titel und Modus Eigentum übertragen werden soll:
Vereinbaren sie eine Übereignung zu Sicherungszwecken müssen sie die Vorschriften
des Pfandrechts berücksichtigen, bei einer Übereignung zu einem anderen Zweck nicht.
Die beiden Parteien des Rechtsgeschäftes bestimmen also nur mit ihren Motiven, ob ein
sachenrechtlicher Übergang klappt oder nicht. Es ist aber mit dem Wesen des
Sachenrechts
wohl
nur
schwer
vereinbar,
dass
die
Voraussetzungen
der
Eigentumsübertragung vom Willen der Parteien abhängen.30
Bei aller Ähnlichkeit mit dem Pfandrecht im wirtschaftlichen Zweck darf systematisch
also nicht vergessen werden, dass es Eigentum ist, das hier übertragen wird. Will man
28
29
30
Schwind, „Hinkendes Eigentum“, FS Kegel, 600.
Koziol in Koziol/Welser I12, 236ff.
Schoneweg, Der Eigentumsvorbehalt und die Sicherungsübereignung im deutsch-österreichischen
Grenzverkehr, 172.
15
Eigentum in all seinen Übertragungsmöglichkeiten zu einem solchen Zweck – einem
Sicherungszweck – nicht zulassen, muss man am Titel ansetzen und nicht am Modus.
5. Unterschiedliche Bedeutung in der Praxis in Deutschland und Österreich
Die unterschiedliche Behandlung der Sicherungsübereignung im Hinblick auf den
Modus führt in Deutschland und Österreich zu sehr unterschiedlichen Bedeutungen, die
diesem Rechtsinstitut in der jeweiligen Praxis zukommen.
Während die Sicherungsübereignung in Deutschland neben dem Eigentumsvorbehalt
eine eigenständige Rolle spielt31 und das Pfandrecht fast völlig in den privaten Bereich
der Pfandleihanstalten zurückgedrängt hat,32 kommt ihr in Österreich kaum eine
eigenständige Bedeutung zu.33
Für Deutschland lässt sich verallgemeinernd sagen, dass der Eigentumsvorbehalt die
Interessen des Warenkreditgebers, die Sicherungsübereignung die Interessen des
Geldkreditgebers sichert.34 Bei Investitionskrediten übernimmt in Österreich der
abgetretene Eigentumsvorbehalt teilweise diese Funktion.35 In Deutschland ist hingegen
ohne das Institut der besitzlosen Sicherungsübereignung die drittfinanzierte Investition
kaum mehr vorstellbar.36 Die Sicherungsübereignung hat wegen ihrer Einfachheit,
Zuverlässigkeit
und
der
für
die
Vertragsparteien
wirtschaftlich
sinnvollen
Nutzungsverhältnisse während der Sicherungszeit in der deutschen Kreditwirtschaft das
vertragliche Pfandrecht fast völlig verdrängt.37
In Österreich kommt der Sicherungsübereignung nur eine untergeordnete Rolle zu. Da
sie zu dem Zweck entwickelt wurde, ein dingliches Sicherungsmittel zu schaffen, das
das Pfandrecht und seine strengen Publizitätsvorschriften ersetzt, dieser Versuch von
der österreichischen Lehre und Rechtssprechung aber unterbunden wurde, gibt es kaum
einen Grund, die Sicherungsübereignung dem Pfandrecht vorzuziehen. Eine Bank wird
31
32
33
34
35
36
37
Schoneweg, Der Eigentumsvorbehalt und die Sicherungsübereignung im deutsch-österreichischen
Rechtsverkehr, 109f.
Serick, Eigentumsvorbehalt und Sicherungsübereignung, Neue Rechtsentwicklung2, § 1 I.1.b.
Koziol in Koziol/Welser I12 , 366.
Serick, Eigentumsvorbehalt und Sicherungsübereignung, Neue Rechtsentwicklung2, § 1 I. 1 b.
Siehe unten I. 4.1.2.2, 47.
Schoneweg, Der Eigentumsvorbehalt und die Sicherungsübereignung im deutsch-österreichischen
Rechtsverkehr, 110.
Serick, Eigentumsvorbehalt und Sicherungsübereignung, Neue Rechtsentwicklung2, § 1 I. 1. b.
16
einerseits wenig Interesse haben, einen 30 Tonnen schweren Kran in ihrem Keller bis
zur Erfüllung der Forderung zwischenzulagern, der Kreditnehmer kann andererseits
ohne seinen Kran die Kreditraten nicht optimal erwirtschaften.38
Exkurs: Die kollisionsrechtliche Behandlung des von Deutschland nach Österreich
verbrachten Sicherungseigentums
In Deutschland kann also Sicherungseigentum in der Form begründet werden, dass der
Schuldner und Sicherungsgeber die Sache weiter verwenden kann, während in
Österreich nicht nur eine solche Begründung unzulässig ist, sondern auch korrekt
begründetes Sicherungseigentum bei Rückstellung an den Schuldner analog der
Interpretation von § 467 3. Fall ABGB untergeht.
Im grenzüberschreitenden Verkehr stellt sich nun die Frage, was passiert, wenn in
Deutschland zulässig durch Besitzkonstitut begründetes Sicherungseigentum vom
Sicherungsgeber nach Österreich verbracht wird. Ein solcher Fall lag dem OGH 1983
vor:39
Der Sicherungsgeber verbrachte die Sache (einen PKW), die er zuvor in Deutschland
seinem Gläubiger zur Sicherung übereignet hatte, über die Grenze nach Österreich. In
Österreich wurde die Sache in eine Einzelexekution gezogen, wogegen der deutsche
Gläubiger, der sich in Deutschland zuvor das Sicherungseigentum einräumen hatte
lassen, mit Exszindierungsklage vorgehen wollte.
Der OGH verwehrte ihm diese Klage mit der Begründung, dass dem deutschen
publizitätslosen Sicherungseigentum in Österreich keine Wirkung zukomme.
Die
entscheidende
Bestimmung
zur
kollisionsrechtlichen
Behandlung
von
Sachenrechten ist § 31 IPRG, wonach der Erwerb und der Verlust dinglicher Rechte an
körperlichen Sachen nach dem Recht jenes Staates zu beurteilen ist, in dem sich die
Sache bei Vollendung des dem Erwerb oder Verlust zugrunde liegenden Sachverhalts
befindet (Abs 1), der Inhalt des Sachenrechts nach der jeweiligen lex rei sitae, also
38
39
Schoneweg, Der Eigentumsvorbehalt und die Sicherungsübereignung im deutsch-österreichischen
Rechtsverkehr, 126.
OGH 3 Ob 134/83, SZ 56/188.
17
jenem Ort, an dem sich die Sache jeweils befindet (Abs 2). Grundlage für § 31 IPRG ist
§ 7IPRG, wonach die nachträgliche Änderung der für die Anknüpfung an eine
bestimmte Rechtsordnung maßgebenden Voraussetzungen auf bereits vollendete
Tatbestände keinen Einfluss hat.40
Nun könnte man versucht sein, diese Normen folgendermaßen auf den dem OGH
vorliegenden Sachverhalt anzuwenden:
Sicherungsgeber
und
Sicherungsnehmer
haben
in
Deutschland
wirksam
Sicherungseigentum begründet: sie haben einen Sicherungsvertrag unterzeichnet, in
dem die wesentlichen Rechte und Pflichten festgelegt waren und haben damit ein
wirksames
Besitzmittlungsverhältnis
begründet.
Sie
haben
mittels
dieses
Besitzmittlungsverhältnisses Eigentum übertragen. Unbestritten ist Sicherungseigentum
auf den Sicherungsnehmer in Deutschland übergegangen. Gem. § 31 Abs 1 IPRG ist der
Sicherungsnehmer Eigentümer, da der Sachverhalt, der dem Erwerb zugrunde gelegen
ist, in Deutschland vollendet wurde und dort die Einräumung eines besitzlosen
Sicherungseigentums zulässig ist. Gem § 31 Abs 2 IPRG bestimmt sich der Inhalt des
Rechtes nach österreichischem Recht, weil sich hier die Sache zum beobachteten
Zeitpunkt befindet. Wie in den ersten Kapiteln dieser Arbeit gezeigt, unterscheidet sich
der Inhalt des Sicherungseigentums in Österreich und Deutschland nicht wesentlich –
eben nur die Art der Begründung. Bliebe zu prüfen, ob sich in Österreich ein
Sachverhalt ereignet hat, der gem § 31 Abs 1 einen Tatbestand des Verlustes des
Eigentums erfüllt. Verloren würde in Österreich Sicherungseigentum in analoger
Anwendung des § 467 3. Fall ABGB durch eine Rückstellung des Sicherungsgutes
durch den Sicherungsnehmer an den Sicherungsgeber.41 Nicht verloren gehen würde
dieses Recht aber, wenn die Sache unfreiwillig an den Sicherungsgeber zurückgelangt.42
Wenn man wirklich im Grenzübertritt der Sache eine Rückstellung der Sache an den
Sicherungsgeber sehen will, so muss man wenigstens prüfen, ob die Sache im
Einverständnis mit dem Sicherungsnehmer nach Österreich verbracht wurde. Denn
sonst wäre sie wohl unfreiwillig an den Sicherungsgeber zurückgelangt und daher kein
Verluststatbestand gegeben.
Bei all diesen Konstruktionen der Rückstellung durch Grenzübertritt fällt aber auf, dass
sich für Gläubiger und Schuldner eigentlich nichts ändert: vorher hatte der Schuldner
40
41
42
Sog Wohlerworbene Rechte.
Hofmann in Rummel3 Rz 5 zu §467.
Hofmann in Rummel3 Rz 4 zu § 467.
18
die Sache und nachher hat er sie. Das einzige was sich ändert, ist das Staatsgebiet, auf
dem sich die Sache befindet. Hier von einer Rückstellung zu sprechen deckt sich
zumindest auf den ersten Blick nicht mit dem allgemeinen Wortverständnis.
Die österreichische Lehre und Rechtsprechung hat in diesem Zusammenhang das
Kriterium der sog Dauervoraussetzung entwickelt.43 Das österreichische Pfandrecht und
mit ihm das Recht der Sicherungsübereignung sei geprägt vom Erfordernis der
Dauervoraussetzung der Publizität. Diese solle nun den Grundsatz der wohlerworbenen
Rechte der §§ 31, 7 IPRG durchbrechen44. Denn ob diese Dauervoraussetzung gegeben
sei, müsse wieder nach der lex rei sitae – also in unserem Fall nach österreichischem
materiellen Recht beurteilt werden. Weil diese Dauervoraussetzung dann nach
österreichischem Recht nicht erfüllt sei, wenn der Sicherungsschuldner im Besitz des
Sicherungsgutes sei, sei das Sicherungseigentum in einem solchen Fall wirkungslos,
lebe aber wieder auf, wenn die Sache wieder nach Deutschland verbracht werde.45
Folglich verwehrte der OGH dem Gläubiger auch die Exszindierungsklage. Wie
Schacherreiter46 zeigt, „oszilliert“ die Dauervoraussetzung zwischen den Entstehensund Erlöschensgründen – beim Sicherungseigentum also zwischen § 451 und 467 3.
Fall ABGB. Die Frage kehrt also zurück, ob es sich beim Grenzübertritt um eine
Rückstellung47 im Sinn des § 467 3. Fall handelt. Dazu kommt der OGH jedenfalls im
Ergebnis.
Diese Rechtsprechung führt zu der eigentümlichen Lösung, dass ein Gläubiger, der sich
in Deutschland gesetzeskonform Sicherungseigentum einräumen lässt, damit rechnen
muss, dass, wenn die Sache nach Österreich verbracht wird, diese dingliche
Besicherung für ihn wertlos ist.48
43
44
45
46
47
48
Verschragen in Rummel3, Rz 29 zu § 31 IPRG.
Hoyer, Sind Sicherungseigentum und Pfandrecht gleich zu behandeln?, JBl 1984, 543f.
OGH 3 Ob 126,83, SZ 56/188.
Schacherreiter, Publizitätsloses Sicherungseigentum im deutsch-österreichischen Grenzverkehr, in
Veröffentlichung.
Zum Problem der Rückstellung unter Vorbehalt siehe Martiny, ZfRV 1973; Markl/Niedermayer, ÖJZ
1994; P Bydlinski; ÖJZ 1986; Schacherreiter, in Veröffentlichung.
Zur Kritik an dieser Lösung vgl u a Schwind, „Hinkendes Eigentum“, FS Kegel II 599f.
19
II. Das Faustpfandprinzip im österreichischen Recht
1. Historische Entwicklung
Die Diskussion über Sinn und Unsinn des Faustpfandprinzips erfolgt oft unter
Zuhilfenahme von Argumenten aus der Geschichte.
So
hätten
etwa
die
schlechten
Erfahrungen
mit
der
römischrechtlichen
Mobiliarhypothek das Kreditgeschäft fast zum Erliegen gebracht.49 Ob und inwiefern
die Besitzlosigkeit alleine oder (auch) andere Faktoren dafür verantwortlich waren, dass
die „ganze Kreditwirtschaft in Misskredit gebracht wurde“,50 ist also durchaus
entscheidend für die Diskussion über die Publizitätsbedürftigkeit des Pfandrechtes und
in weiterer Folge anderer dinglicher Mobiliarsicherheiten.
Das Faustpfandprinzip zu verstehen und sich mit seinen aktuellen Problemen
auseinanderzusetzen erfordert die Berücksichtigung historischer Grundlagen der
pfandrechtlichen Sicherstellung, weshalb ich zu Beginn einen kurzen geschichtlichen
Überblick bieten will.
Das Faustpfandprinzip ist einerseits sehr alt, galt aber andererseits nicht unverändert
während der ganzen Zeit seit seinem ersten Aufkommen. Es soll gezeigt werden, dass
sich hinter ähnlichen Regelungen durch die Zeit mitunter sehr verschiedene
Schutzgedanken wiederfinden: Von der Sicherheit für den aktuellen Pfandgläubiger, der
sich nicht auf ein staatliches Zwangsvollstreckungswesen verlassen kann, über den
Schutz des nachkommenden Gläubigers bis zum Übereilungsschutz für den Schuldner,
oder den Schutz ungesicherter Gläubiger in der Insolvenz des Schuldners, werden dem
Faustpfandprinzip durch die Zeit durchaus verschiedene Schutzzwecke unterstellt. Führt
man sich das vor Augen, so kann es helfen, das Faustpfandprinzip nicht mehr als
„heilige Kuh“ unserer Rechtsordnung zu betrachten, sondern sich kritisch damit
auseinander zu setzen, ob die heutige Rechts-, Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung
des Faustpfandprinzips in dieser Form (noch) bedarf.
49
50
Für viele: Frotz, Zur Fortbildung des Kreditsicherungsrechts durch Einführung neuer Formen der
Begründung von Mobiliarpfandrechten, FS Demelius, 323, der dieses Argument allerdings nur für die
Publizitätsbedürftigkeit heranzieht und nicht für die Notwendigkeit des Faustpfandprinzips.
Floßmann, Österreichische Privatrechtsentwicklung5, 178.
20
1.1. Grundlagen im deutschen Recht:
Die Pfandnahme war bereits in ältester Zeit bekannt, ursprünglich wohl in Form des
zwangsweise
begründeten
sog.
Genommenen
Pfandes
im
Rahmen
von
Fehdehandlungen. Das Pfand war Rache- und nicht Befriedigungsobjekt, das Recht des
Gläubigers daher nur Zurückbehaltungsrecht.51 Erst im Laufe des Mittelalters
entwickelte sich daraus ein wirkliches Pfandrecht zu Befriedigungszwecken.52
1.1.1. Der Grundsatz „Ohne Faust kein Pfand“
Anfänglich erforderte im deutschen Recht jedes Pfandrecht – also auch das
Liegenschaftspfand – den tatsächlichen Besitz, die leiblich Gewere des Gläubigers.53
Das Fahrnispfand war ursprünglich und blieb lange Zeit hindurch ausschließlich ein
Faustpfand. Die Pfandgegenstände, mochten es ein Kisten- oder Schreinpfand, also
leblose Dinge oder ein essendes oder abessendes Pfand, also Tiere sein, mussten in die
leibliche Gewere des Pfandgläubigers gelangen.54
Die Notwendigkeit der Sachhingabe fand ihre Begründung in den tatsächlichen
Schwierigkeiten bei der Rechtsdurchsetzung. Dem Gedanken des Schutzes von
Dritterwerbern und ungesicherten Gläubigern wurde erst im 18. Jahrhundert größere
Bedeutung beigemessen. Dieser Zweck der leichteren Rechtsdurchsetzung hängt auch
mit dem Prinzip Hand muss Hand wahren zusammen: Der Gläubiger setzt sich so nicht
dem Risiko aus, dass der Schuldner die Sache an einen Dritten weitergibt. An diesen
könnte er sich nämlich, im Effekt ähnlich unserem Gutglaubenserwerb, nicht halten.
Mit dem Gutglaubenserwerb in den Kodifikationen wird auch dieses Argument des
Schutzes des gesicherten Gläubigers demnach wieder auftauchen.
Das Faustpfand entstand durch vertragsgemäße Pfandbestellung (Satzung), welche als
Wette bezeichnet wurde.55 Die ursprüngliche Funktion war die einer provisorischen
Barzahlung. Dem Schuldner blieb zwar ein Lösungsrecht, eine Lösungspflicht hatte er
51
52
53
54
55
Floßmann, Österreichische Privatrechtsgeschichte5, 171f.
Hübner, Grundzüge des deutschen Privatrechts5, § 65, 471.
Erler/Kaufmann (Hrsg), Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte III, 1686.
Hübner, Grundzüge des deutschen Privatrechts5, § 65, 470.
Floßmann, Österreichische Privatrechtsentwicklung5, 177.
21
aber nicht. Wurde das Pfand nicht rechtzeitig ausgelöst, fiel es dem Pfandgläubiger zu.
Das ältere Fahrnispfand war also ein Verfallspfand.56
Auf der anderen Seite wurde mit dem Pfandrecht eine reine Sachhaftung begründet. Der
Gläubiger musste sich an das Pfand halten und konnte für eventuelle Ausfälle nicht auf
das restliche Vermögen des Schuldners greifen.57 Dem entsprechend trug auch der
Pfandgläubiger als Inhaber der Gewehre die Gefahr der Verschlechterung und des
Untergangs der Pfandsache.58
Ob der Schuldner, der das Pfand bestellt hatte, selbst Eigentümer der Pfandsache war,
war hingegen für den Pfandgläubiger unerheblich, denn der Grundsatz Hand muss Hand
wahren bewirkte, dass der Pfandgläubiger, auch wenn er die Pfandgewere von einem
anderen als dem Eigentümer erhalten hatte, gegen den Herausgabeanspruch eines
Dritten geschützt war. Im deutschen Recht gilt also eine frühe Form des Schutzes des
gutgläubigen Dritten, der von dem im römischen Recht umfassend geltenden Satz nemo
plus iuris transferre potest quam ipse habet sehr abweicht.
Ab dem 13. Jahrhundert änderte sich einiges beim Fahrnispfand:
Zunächst ergaben sich Anzeichen für die Entwicklung zu einem Verkaufspfand hin: Der
Pfandgläubiger musste bei Pfandverwertung das Pfand verkaufen und den Mehrerlös an
den Schuldner herausgeben. Im Gegenzug gelobte der Schuldner bei Pfandbestellung zu
allem Gut. Das heißt der Schuldner haftete mit seinem ganzen Vermögen für den Fall,
dass das Pfand zur Tilgung der Schuld nicht ausreiche. Das heißt aber nicht, dass am
Vermögen des Schuldners dadurch ein Generalpfandrecht begründet wurde, wie es im
römischen Recht möglich war. Das germanische Recht war vom Grundsatz der
Spezialität geprägt59.
Es wurde nämlich kein dingliches Recht, sondern nur eine Verfügungsbeschränkung
mit Wirkung eines Arrestes am Schuldnergut begründet.60 Diese persönliche Haftung
des Schuldners für einen etwaigen Schuldanteil, der durch die Verwertung des Pfandes
nicht gedeckt ist, korrespondiert mit einer Änderung der Regelungen bezüglich der
Gefahrtragung. Nunmehr war es der Schuldner, der die Gefahr für die Wertminderung
des Pfandes oder dessen Untergang zu tragen hatte. Eben darum wurde von seiten der
56
57
58
59
60
Floßmann, Österreichische Privatrechtsentwicklung5, 177.
Hübner, Grundzüge des deutschen Privatrechts5, § 65, 473.
Floßmann, Österreichische Privatrechtsgeschichte5, 177.
Vgl Flossmann, Österreichische Privatrechtsgeschichte5, 177.
Vgl Wesener, Zur Entwicklung des Pfandrechts in den altösterreichsichen Ländern, FS Demelius
1973, 262.
22
Kirche darauf geachtet, dass der Pfandgläubiger sich jeder Pfandnutzung enthalte; sie
wurde als wucherisch angesehen, während beim alten Verfallspfand der Schuldner sich
ja gegen die Einlösung entscheiden konnte und somit der Gläubiger die Gefahr des
Untergangs zu tragen hatte und daher auch niemand Anstoß an der Pfandnutzung durch
den Gläubiger nahm.61
1.1.2. Das Abgehen vom Übergabeerfordernis im deutschen Recht
Ende des 13. Jahrhunderts wurde weiters in ersten Anzeichen von der Voraussetzung
der Gewehre des Gläubigers abgegangen, nicht jedoch von jeglicher Förmlichkeit. Das
Pfandrecht konnte teilweise nicht mehr nur durch leibliche Gewere, sondern auch durch
die Übertragung einer ideellen, der sog. Zinsgewere, oder gar völlig ohne
Gewereübertragung begründet werden. Der Konsens der Parteien reichte aber in keinem
Fall. Die Erklärungen der am Pfandgeschäft beteiligten Parteien mussten vor einer
Behörde abgegeben werden und zur Beweissicherung wurden Zeugen62 hinzugezogen,
deren Namen in den Stadtbüchern notiert wurden.63 Dieser Formalakt konnte an die
Stelle der Einräumung der leiblichen Gewere treten. Das Faustpfandprinzip wurde also
durch andere Formalakte, die teilweise, aber nicht immer auch Publizitätsakte waren,
ergänzt.
Jedenfalls galt im germanischen Recht der Grundsatz der Spezialität. Das heißt jedes
Pfand musste eine bestimmte Forderung sichern.
1.2. Grundlagen im römischen Recht
Für den Einfluss des römischen Rechtes auf das deutsche Recht ist jener Stand
interessant, der im Zuge der Rezeption zur Entwicklung des Gemeinen Rechts beitrug.
Darauf möchte ich mich auch beschränken.
Im römischen Recht konnte eine Sache sowohl durch körperliche Übergabe als auch
ohne Einräumung des Besitzes verpfändet werden.64 Das Faustpfand trug den Namen
61
62
63
64
Vgl Schröder/Künßberg, Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte7, § 61, 781.
Sog Solemmnitätszeugen.
Floßmann, österreichische Privatrechtsgeschichte5, 177.
Kaser, Das römische Privatrecht I2, § 111 IV.
23
pignus datum, für das besitzlose Pfand bürgerte sich der aus dem Griechischen
stammende Name hypotheca ein.65 Die Anerkennung besitzloser Pfandrechte
erleichterte die Begründung von Pfandrechten an ganzen Vermögensmassen.66 Diese
Generalhypotheken wurden durch die Verpfändung des gesamten Vermögens
begründet:
Der
Pfandschuldner
räumte
dem
Pfandgläubiger
ein
besitzloses
Generalpfandrecht an seinem gegenwärtigen und künftigen Vermögen ein.67 Die
Sicherungsübereignung als fiducia cum creditore contracta war noch in der klassischen
Zeit weit verbreitet und konnte auch mit Besitzkonstitut begründet werden. Sie
verschwand aber mit Einführung der mancipatio und in iure cessio.68
Das besitzlose Pfand war dem Besitzpfand gleichgestellt. Neben den rechtsgeschäftlich
begründeten gab es als stillschweigend vereinbart geltende Hypotheken: bei einigen
Verträgen wurde die Bestellung von Pfändern so sehr zur Regel, dass sie als
stillschweigend ausbedungen galt (pignus tacitum). Außerdem entwickelten sich eine
Reihe von auf dem objektiven Recht beruhenden, also gesetzlichen Pfandrechten
(pignus legale).69 Diese besitzlosen gesetzlichen Generalhypotheken wurden dadurch
zum Problem, dass sie vor allem dann, wenn sie sich mit den zahlreichen
Pfandprivilegien verbanden, also auch keinem durchschaubaren Rangprinzip mehr
folgten, zu einem für den Verkehr und die Beteiligten völlig undurchschaubaren und
unvorhersehbaren Gewirr an Sicherheiten führten. Denn grundsätzlich galt zwar im
Römischen Recht der Satz prior tempore potior iure, doch wurde dieser Grundsatz, der
besagt dass bei mehrfacher Verpfändung das ältere Pfandrecht dem jüngeren vorgeht,
ab der Spätklassik immer öfter durchbrochen. Einerseits gab es eine Reihe von
Rangprivilegien für den Fiskus, andererseits gewährte man auch bestimmten
Geldgläubigern70 einen bevorzugten Rang. Später folgten – kurioser Weise aus dem
Problem der Unsicherheit durch die bestehenden Rangprivilegien heraus – eine
inflationäre Zunahme dieser Privilegien etwa für Ehefrau oder Kinder. Diese
65
66
67
68
69
70
Mayer-Maly, Römisches Privatrecht2, 66.
Mayer-Maly, Römisches Privatrecht2, 66.
Eicher, Ausgewählte Probleme des Mobiliarpfandrechts, 2, FN 6.
Mayer-Maly, Römisches Privatrecht2, 62f.
Ausführlich über die verschiedenen Fälle: Mayer-Maly, Römisches Privatrecht2, 67.
Es genießt jenes Pfandrecht den Vorrang, das für die Rückforderung von Geld bestellt wurde, das zur
Anschaffung, Erhaltung oder Ausbesserung einer Sache kreditiert worden war, die auch dem im Rang
an sich vorgehenden Gläubiger zugute kam (Vgl Ulpian D 20, 4, 5 f zitiert nach Mayer-Maly, 69).
24
Entwicklung führte dann auch dazu, dass es zu einer Bevorzugung der Bürgschaft als
Sicherungsmittel kam.71
Zusammenfassend kann man sagen, dass das römische Pfandrecht eine Reihe von
Aspekten aufweist, die grundsätzlich geeignet sind, das Funktionieren einer
Kreditwirtschaft
zu
gefährden.
Neben
dem
besitzlosen
Pfand
erschütterten
Generalhypotheken, Rangvorzugsrechte und gesetzliche Hypotheken (die teilweise
selbst wieder mit Rangprivilegien ausgestattet waren) den römischen Realkredit.72 Da
die Mobiliarhypothek wie oben dargestellt73 dem germanischen Recht im Gegensatz zu
den anderen genannten Besonderheiten nicht fremd war, kann man aus dem Schaden,
den das System des römischen Pfandrechtes der Kreditwirtschaft zugefügt hat, nicht
ohne weiteres folgern, dass gerade die Möglichkeit der Bestellung eines besitzlosen
Pfandes dafür ausschlaggebend war.
1.3. Resümee des Vergleichs
Im Lichte des Verkehrsschutzargumentes,74 fällt beim Vergleich der Geschichte der
römischen
und
der
deutschen
Rechtsordnungen
auf,
dass
hier
die
Publizitätsbedürftigkeit genau konträr zur historischen Entwicklung des Faustpfandes
verläuft:
Wie oben ausgeführt, stammt das Faustpfandprinzip, das in weiterer Folge durch die
Ermöglichung anderer Formakte zu einem Publizitätsprinzip erweitert wurde, aus dem
alten deutschen Recht. Aus diesem Recht stammt die Grundsätze: ohne Faust kein
Pfand bezüglich der Begründung und mit der Hand stirbt das Pfand bezüglich des
Verlustes des Pfandrechtes.75
71
72
73
74
75
Mayer-Maly, Römisches Privatrecht, 61.
Mayer-Maly, 69. Mayer-Maly nennt in diesem Zusammenhang das Faustpfandprinzip
interessanterweise gar nicht.
Siehe oben II. 1.1.2, 23.
Gemeint ist hier die Argumentation des Faustpfandprinzips über die Schutzbedürftigkeit des
nachkommenden Gläubigers, der in seinem Vertrauen, dass die beim Schuldner angetroffene Sache
auch wirklich zu dessen Vermögen zu zählen ist, bzw. zumindest daran noch niemand anderer ein
dingliches Sicherungsrecht erworben hat, zu schützen ist.
Auch wenn es wie erwähnt teilweise die Möglichkeit der Einräumung besitzloser Pfänder gab, diese
Grundsätze also nicht durch die ganze Zeit streng galten.
25
Gleichzeitig kennt das deutsche Recht einen Schutz des Dritten im Vertrauen auf den
äußeren Anschein. Gemäß dem Grundsatz Hand muss Hand wahren kann ein
Berechtigter von einem Dritten die Sache nur herausverlangen, wenn es sich bei diesem
um den eigenen Vertragspartner handelt. Ansonsten muss er sich an seinen
„Vertrauensmann“ halten: Wo du dein Vertrauen gelassen hast, dort sollst du es
suchen.76
Die römische Rechtsordnung lässt, zumindest in späterer Zeit, das völlig publizitätslose
und formlose Pfand zu – ermöglichte also ein reines Vertragspfand ohne jede
Erkennbarkeit für den Verkehr. Gleichzeitig kennt das römische Recht aber auch nicht
den ausgeprägten Schutz des gutgläubigen Dritten, wie ihn das deutsche Recht kennt.
Im Gegenteil: Es gilt der Satz nemo plus iuris transferre potest quam ipse habet –
zumindest in späterer Zeit – in seiner vollen Strenge. Der Dritte muss gegen sich vom
tatsächlich dinglich Berechtigten den Herausgabeanspruch gelten lassen, da das
dingliche Recht an der Sache haftet.
Es ist auffällig, dass jene Rechtsordnung, die das Sachenrecht als auf der Sache haftend
ansieht, nämlich die römische, die also einen Schutz des Verkehrs eher nötig gehabt
hätte, die Begründung eines völlig formlosen Pfandes kannte, während das
Faustpfandprinzip oder doch zumindest das Publizitätsprinzip aus jener Rechtsordnung
stammt, die eine Art Gutglaubenserwerb kennt, des Schutzes des Verkehrs also an sich
weniger bedarf.
Tatsächlich hat wohl die Besitzübertragung sowohl im römischen als auch im deutschen
Recht – sei sie nun Erfordernis oder nicht – die Hauptfunktion, den Pfandgläubiger im
Verhältnis zu seinem Schuldner zu schützen. Eine Funktion, die heute nicht dem
Sachenrecht zukommt, sondern vom Schuldrecht wahrzunehmen ist.77
76
77
Floßmann, Österreichisches Privatrecht5, 168.
Hromadka, Geschichtliche Beiträge zu Fragen des Faustpfandprinzips im schweizerischen
Zivilgesetzbuch, ZSR NF 89 (1970),20ff, 31ff, zit nach Girsberger, Ist das Faustpfandprinzip noch
zeitgemäss?, SJZ, 1997, 99.
26
1.4. Die Entwicklung im gemeinen Recht
Die Rezeption brachte es mit sich, dass nun ein Pfandrecht auch formlos begründet
werden konnte. Erst die Auseinandersetzung mit dem römischen Recht ließ den
Gedanken aufkommen, dass ein Pfandrecht ohne jede Förmlichkeit nur durch
Willensübereinstimmung begründet werden konnte. Es machten allerdings nur wenige
Rechte von der Möglichkeit der gemeinrechtlichen Mobiliarhypothek Gebrauch.78 Die
meisten verlangten weiter verschiedene Formalakte, etwa die Zuziehung von Zeugen
oder die Ausstellung von Urkunden, die Mitwirkung von Behörden oder die Eintragung
in Bücher. Das Faustpfandprinzip blieb jedoch überall als Möglichkeit erhalten. Da die
Gefahr weiterbestand, dass dem Gläubiger die Sache dadurch abhanden kommt, dass
der Schuldner sie an einen Dritten, gegen den der Pfandgläubiger keinen
Herausgabeanspruch hat, weitergibt, wird es für den Pfandgläubiger auch attraktiv
gewesen sein, sich die Pfandsache übergeben zu lassen.79
Überhaupt wurde von der römischen Mobiliarhypothek in der Praxis nach und nach
wieder abgegangen. Dass dem Gläubiger ein gegen einen redlichen dritten Besitzer
nicht durchsetzbares dingliches Recht als Nachwirkung des Hand muss Hand wahren
Prinzipes gegeben wurde, führte in der Praxis zu einem Pfandrecht minderer Güte in
Form des besitzlosen Pfandes. Manchen Rechten war auch gesetzlich die
Mobiliarhypothek als Pfand minderen Rechts bekannt.80
Übernommen wurden aber die gesetzlichen und stillschweigenden sowie die
Generalhypotheken des römischen Rechts mit all ihren Spielarten an Rangprivilegien.
Insbesondere
durch
die
privilegierten
Generalhypotheken
entstand
eine
Rechtsunsicherheit, die den Ruf nach dem Guten alten Faustpfand im 18. Jh laut werden
ließ.81
Doch – wie gezeigt – war es nicht die Besitzlosigkeit, die diese Entwicklung hervorrief,
sondern der Abgang vom Spezialitäts- und Prioritätsprinzip. Denn jeder Gläubiger war
dem Risiko ausgesetzt, dass ein Dritter am Pfandgegenstand eine rangbessere
(gesetzliche) Hypothek am gesamten Vermögen erwerben könnte, die noch dazu nicht
nur für eine bestimmte Forderung, sondern für alle bestehenden und zukünftigen
Forderungen
78
79
80
81
haften
sollte.
Diese
unerwünschten
Floßmann, Österreichische Privatrechtsentwicklung5, 177.
Hübner, Grundzüge des deutschen Privatrechts5, § 66, 478.
Hübner, Grundzüge des deutschen Privatrechts5, §66, 478.
Vgl. Floßmann, Österreichische Privatrechtsentwicklung5,178.
27
Entwicklungen
sind
zwar
ausgeschlossen wenn ein strenges Faustpfandprinzip gilt, doch heißt das nicht
notwendig, dass ein Abgehen vom Übergabeerfordernis zu diesen Ergebnissen führen
würde.
Die
Zulässigkeit
von
Generalhypotheken,
das
Abgehen
vom
Spezialitätsgrundsatz und die Einführung von privilegierten gesetzlichen Hypotheken
ist
keine
logische
Folge
der
Mobiliarhypothek.
Das
kurze
Gastspiel
der
Mobiliarhypothek ging zu Ende, weil sie gepaart mit eben diesen Phänomenen auftrat.
Bereits im 18. Jahrhundert wurde die Mobiliarhypothek wieder verdrängt. Die
preußische Hypotheken- und Konkursordnung von 1722 beseitigte sie.82 Im 19.
Jahrhundert war es allgemeiner Grundsatz, dass ein vertragliches Pfand an beweglichen
Sachen nur durch tatsächliche Übergabe, also als Faustpfand begründet werden konnte.
1.5. Das Faustpfand in den Vorentwürfen zum ABGB
In den Vorentwürfen zum ABGB entwickeln sich die, für die Kreditwirtschaft belastend
empfundenen Aspekte des Pfandrechts, nach und nach zurück. So ist dem Entwurf
Martini, anders als noch dem Codex Theresianus der Begriff der Generalhypothek
fremd.83 Auch ist in diesem Entwurf nur noch ein knapper Verweis auf einzelne
gesetzliche Pfandrechte enthalten.84 Das Pfandrecht endet mit der gesicherten
Forderung und kann keine zukünftigen Forderungen mehr sichern. Diese Rückkehr zum
Spezialitätsprinzip wurde ebenfalls schon im Codex Theresianus vollzogen, wobei sie
allen folgenden Entwürfen zugrunde liegt.85
82
83
84
85
Hübner, Grundzüge des deutschen Privatrechts5, 478; In § 29 wurde folgendes statuiert (Hromadka,
Die Entwicklung des Faustpfandprinzips im 18. und 19. Jh, 51, zitiert nach Eicher, Ausgewählte
Probleme des Mobiliarpfandrechts FN 18): „Und ob wohl sonsten gewöhnlich, daß in die
Obligationen gesetzet worden, der Schuldner verpfände und hypothecire dem Gläubiger alles sein
Vermögen, beweg- und unbewegliches; Daraus aber nur beschwerliche Processe entstanden, wenn der
Schuldner die in Handen behaltene bewegliche Güter veräussert, und der Gläubiger selbige, vermöge
seines generalen Pfand-Rechts, von dem Käuffer, der solche bona fide an sich gebracht, wieder zurück
und für sich haben wollen; so ordnen Wir hiermit, daß hinkünftig, es sey Gerichtlich oder ausser
Gerichtlich, kein Pfand-Recht in beweglichen Vermögen constituieret werden solle, es wäre dann das
Pfand dem Creditori würklich zu Händen gestellet...“
Demelius, Das Pfandrecht an beweglichen Sachen nach österreichischem bürgerlichen Recht. Mit
besonderer Berücksichtigung des bürgerlichen Gesetzbuches für das deutsche Reich, 144.
Schon im Codex Theresianus war ein solches gesetzliches Pfandrecht nur noch für zur Sicherung von
Steuern und Grundabgaben und zum Schutz von Miet- und Pachtabgaben zugelassen. Vgl dazu vor
allem als Abgrenzung zur bömischen Praxis: Harrasowsky, Gesichte der Codification des
österreichischen Civilrechts, 111.
Codex Teresianus III 7 n 79ff, zit nach Harrasowsky, Der Codex Theresianus und seine
Umarbeitungen.
28
Was das Erfordernis der körperlichen Übergabe bei beweglichen Sachen betraf, so
hielten aber seit dem Codex Theresianus trotz weitgehender Beseitigung der
eigentlichen Problemfelder alle Entwürfe daran fest, dass ein Fahrnispfand nur
Faustpfand sein kann.86
1.6. Zunehmende Strenge seit dem ABGB
Im ABGB manifestiert sich das Erfordernis zur Übergabe in § 451. § 467 3. Fall spricht
aber davon, dass das Pfandrecht erlischt, wenn der Gläubiger die Sache dem Schuldner
ohne Vorbehalt zurückstellt. Diese Formulierung war, wie Markl und Niedermayer87
zeigen, kein Versehen. Zeiller selbst hat darauf hingewiesen, dass „...unstreitig die
Zurückstellung unter der Bedingung geschehen könne, die das Pfandrecht nicht
aufhebt“.88 Später wurde in dem Verhältnis zwischen dem Begründenstatbestand des §
451 ABGB und dem Erlöschenstatbestand des § 467 3. Fall ABGB ein Widerspruch
gesehen, der einen „mechanischen Umkehrschluss“89 des Wortlauts des § 467 3. Fall
ABGB nicht zulasse. Die Möglichkeit ein einmal wirksam durch körperliche Übergabe
eingeräumtes Pfandrecht dem Schuldner unter Vorbehalt zurückzustellen, ohne dass das
Pfandrecht untergeht, stelle eine Umgehungsmöglichkeit von § 451 ABGB dar und
widerspreche daher dem Faustpfandprinzip.90 Heute ist in Lehre und Rechtsprechung
weitgehend unumstritten, dass eine (dauernde, freiwillige) Rückstellung der Pfandsache
– mit oder ohne Vorbehalt – zum Untergang des Pfandrechts führt.91
Auch bei der Behandlung der Sicherungsübereignung ist die zunehmende Strenge, mit
der das Faustpfandprinzip in Lehre und Rechtsprechung seit 1811 behandelt wird, zu
erkennen. Die Bindung der Sicherungsübereignung an die Publizitätsvorschriften des
Pfandrechts wurde nämlich zunächst nicht gefordert. Ende des 19. Jahrhunderts war die
Sicherungsübereignung als besitzloses Sicherungsmittel gebräuchlich und wurde von
der Rechtsprechung akzeptiert.92
86
87
88
89
90
91
92
Der Entwurf Martini sieht jedoch erstmals, wie heute auch das ABGB, eine Übergabe durch Zeichen
vor, wenn bewegliche Gegenstände die körperliche Übergabe nicht zulassen.
Markl/Niedermayer, zur Rückgabe des Mobiliarpfandes unter Vorbehalt, ÖJZ 1994, 191.
Ofner, Ur-Entwurf und die Berathungs-Protokolle des Oesterreichischen Allgemeinen bürgerlichen
Gesetzbuches I (1888) 298, zit nach Markl/Niedermayer, 191, FN 93.
P Bydlinski, Durchbrechungen des Publizitätsprinzips im Mobiliarpfand?, ÖJZ 1986, 328.
Hofmann in Rummel3, RZ 5 zu § 467.
Koziol in Koziol/Welser I12, 340f.
Frotz, Kreditsicherungsrecht, 104f.
29
Nach einigen Jahren sprach die Rechtsprechung der Sicherungsübereignung überhaupt
die Qualität als tauglichen Rechtsgrund für den Eigentumserwerb ab.93 Wenige Jahre
später revidierten die Gerichte ihre Rechtsprechung und kamen zu der noch heute
herrschenden Ansicht, dass die Sicherungsübereignung zwar einen tauglichen
Rechtsgrund darstellt, die Voraussetzungen für Begründung und Aufrechterhaltung sich
aber nach dem Pfandrecht richten. Die Begründung für diese Ansicht war wieder die
drohende Umgehung des Faustpfandprinzips.94
Seit Mitte der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts ist außerdem klargestellt, dass die
österreichische Rechtsprechung in Übereinstimmung mit großen Teilen der Lehre der in
Deutschland wirksam publizitätslos begründeten Sicherungsübereignung in Österreich
die Anerkennung versagt.95
Zusammenfassend
sehen
wir
seit
1811
also
folgende
Verschärfungen
der
österreichischen Sicht des Faustpfandes:
1. Die Rückstellung unter Vorbehalt ist nicht mehr möglich, Begründung:
Faustpfandprinzip;
2. Die Sicherungsübereignung ist an den Maßstäben des Pfandrechts zu messen,
Begründung: Faustpfandprinzip;
3. Der in Deutschland begründeten Sicherungsübereignung wird die Anerkennung
versagt, Begründung: Faustpfandprinzip.
Gesetzliche Grundlage hat das Prinzip nur in § 451 ABGB – durch § 467 3. Fall ABGB
wird es zumindest dem Wortlaut und der Ansicht Zeillers nach wieder abgeschwächt.
Es drängt sich der Eindruck auf, dass diese Norm über den Modus bei der
Pfandbestellung (§ 451 ABGB) erst dadurch zum umfassenden Faustpfandprinzip
wurde, dass der Bereich ihrer Anwendung als immer weiter interpretiert wurde. In einer
Tautologie wird aber ebendieses Prinzip seinerseits als Argument für die breite
Anwendung dieser Norm (mit an sich klar umgrenztem Anwendungsbereich)
herangezogen.
93
94
95
Vgl u a OGH, JBl 1916, 255.
Siehe oben I. 4.2, 12.
siehe oben den Exkurs zur kollisionsrechtliche Behandlung, 17.
30
Mit anderen Worten: die Norm wird zum Prinzip durch ihre analoge Anwendung, was
wiederum mit der Prinzipeigenschaft begründet wird.
2. Das Problem des Faustpfandprinzips und seiner analogen Anwendung auf
andere Sicherungsgeschäfte in wirtschaftlicher Hinsicht
In Österreich muss also eine Sache, wenn sie zur Besicherung verwendet werden soll
und nicht neu angeschafft wird, vom Sicherungsnehmer in Verwahrung genommen
werden. Das widerspricht in vielen Fällen den wirtschaftlichen Interessen beider
Parteien des Sicherungsgeschäftes.
Der Nachteil der strengen Handhabung des Faustpfandprinzips in Österreich stellt sich
zunächst für die Parteien des Sicherungsgeschäftes unmittelbar dergestalt dar, dass die
mit einer Sicherheit belegte Sache (verpfändet oder zur Sicherung übereignet) vom
Kreditnehmer nicht dazu verwendet werden kann, die Mittel zur Kreditrückzahlung zu
erwirtschaften, den Kreditgeber auf der anderen Seite Verwahrungskosten treffen – für
eine Sache die er nicht nutzen darf. Volkswirtschaftlich wird so die Sache in der Zeit, in
der die Sicherung besteht überhaupt jeglichem Produktionsprozess entzogen: Der
Sicherungsgeber darf die Sache nicht mehr nutzen, der Sicherungsnehmer muss sich der
Nutzung ebenfalls enthalten, da er sich vertraglich verpflichtet, sein Eigentumsrecht erst
im Verzugsfall auszuüben. Die Verwahrungskosten treffen den Kreditgeber oder er
wälzt diese auf den Kreditnehmer ab, was dessen Kreditkosten erhöht, wohlgemerkt
ohne dass er die Sache hat, um die Kreditkosten zu erwirtschaften.
Für die Parteien des Sicherungsgeschäftes stellt sich diese Lösung also oft als lose-loseSituation dar.
Schon 1973 hat Frotz96 das Problem genannt, dass technische Veralterung und
Modellwechsel den Wert der Sache selbst bei Nichtgebrauch allein durch Zeitablauf
mindern können. Wenn man diese Einschätzung aus dem Jahr 1973 auf die heutige
Schnelllebigkeit der technischen Entwicklung überträgt, zeichnet sich ein noch viel
drastischeres Bild: Eine Computeranlage etwa heute ein bis zwei Jahre dem
Produktionsprozess zu entziehen kommt einer beträchtlichen Wertvernichtung gleich.
96
Frotz, Zur Fortbildung des Kreditsicherungsrechts durch Einführung neuer Formen der Begründung
von Mobiliarpfandrechten, FS Demelius 1973, 323.
31
Die genannten Nachteile haben dazu geführt, dass bewegliche Sachen, die sich bereits
im Eigentum des Kreditnehmers befinden, der Besicherung in der Praxis kaum
zugänglich sind. Im Effekt führt dies dazu, dass diese beweglichen Sachen dem
Kreditsuchenden nicht zur Verfügung stehen, sie als Sicherheiten anzubieten und den
Kreditinstituten diese Sachen nicht als mögliche Sicherheiten zugänglich sind. Wenn
aber Klein- und Mittelbetriebe nicht über eigene Betriebsgrundstücke verfügen,
erschwert sich die Kreditsuche bzw verschlechtern sich die Kreditkonditionen für diese
ua dadurch, dass sie ihr bewegliches Vermögen nicht als Sicherheit anbieten können.
Die Bedeutung dieser Kreditsicherheiten wird durch Basel II97 aber wesentlich
steigen.98 Durch die neuen Basler Eigenkapitalrichtlinien sind die Banken angehalten,
sich bezüglich des Risikos bei Kreditvergabe wesentlich weitgehender abzusichern, als
bisher. Je höher das Risiko, umso mehr Eigenkapitalunterlegung wird von der Bank
verlangt. Faktisch führt das zurzeit dazu, dass das Kreditvolumen insgesamt rückläufig
ist.99 Basel II bindet zwar nur die Banken, doch führt diese Bindung der Banken dazu,
dass dingliche Sicherheiten für Kreditwerber immer unverzichtbarer werden.
Dazu kommt, dass die österreichische Kreditwirtschaft zwar gegenüber Deutschland bei
den dinglichen Sicherheiten benachteiligt war, die unterschiedlichen Kreditvolumina, ab
denen die Bank die Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Schuldners
verlangen musste (§18 d KWG: ab 250 000 Euro gegenüber § 27 Abs 8 ö BWG: 750
000 Euro), aber zu einem gewissen Ausgleich führten.100 Dieser Ausgleich wird aber
durch Basel II verschwinden, denn die Bank muss sich ab Inkrafttreten101 die
wirtschaftlichen Verhältnisse bei jeder Kreditsumme offen legen lassen.102 Es kommt zu
einer flächendeckenden Einführung von Ratings im Zuge der Implementierung von
Basel II, das heißt, dass sich die Banken die Verhältnisse ihrer (potentiellen) Schuldner
sehr genau offen legen lassen. Dadurch, dass der Vorteil, den die österreichischen
Banken durch § 27 (8) BWG hatten, durch Basel II obsolet wird, gewinnt
97
Neue Basler Eigenkapitalrichtlinien: „International Convergence of Capital Measurement and Capital
Standards: a Revised Framework“, download auf www.basel-ii.info.
98
Bruckner, Ratingleitfaden Basel II, Institut der österreichischen Steuerberater 2004, 20.
99
Vgl. die Monatsstatistiken bzgl des Ausleihvolumens auf www.oenb.at
100
Siehe zu diesem Unterschied unten II. 5.1, 59.
101
Voraussichtlich 2007 – Basel II wirft aber seinen Schatten schon voraus: viele Banken verhalten sich
schon jetzt Basel II–konform.
102
Es sind für jedes kreditsuchende Unternehmen sog. Ratings vorgesehen, die sich sehr detailliert mit
den wirtschaftlichen Verhältnissen und Aussichten beschäftigen, Vgl Bruckner, Ratingleitfaden Basel
II, Institut der Steuerberater, Wien 2004.
32
voraussichtlich der Nachteil, dass weniger Sachen zur Besicherung zur Verfügung
stehen an Virulenz.
Es wäre also gerade im Zuge der Diskussion um Basel II von Interesse, die Zulässigkeit
von besitzlosen Sicherheiten neu zu überdenken. Wenn sich die Kreditwirtschaften
durch internationale Prozesse wie Basel II angleichen und als einer der wenigen
Unterschiede die Möglichkeit oder Unmöglichkeit der besitzlosen Sicherheit bleibt, so
sollte zumindest über die Sinnhaftigkeit dieser Unterscheidung diskutiert werden, was
aber leider nur unzureichend geschieht.
3. Rechtfertigung des strengen Faustpfandprinzips in Literatur und Judikatur
Dass das Faustpfandprinzip wirtschaftlichen Nachteile nach sich zieht, reicht allein
klarerweise noch nicht dafür aus, es als unsachlich zu kritisieren. Die Frage ist
vielmehr, ob die Begründungen für die Notwendigkeit des Faustpfandprinzips diese
wirtschaftlichen Nachteile rechtfertigen. Mit andern Worten: Sind die Gründe, die für
das Faustpfandprinzip ins Treffen geführt werden, so zwingend und ist die
Argumentation so schlüssig, dass diese wirtschaftlichen Nachteile dafür in Kauf
genommen werden müssen?
Für die Rechtfertigung des Faustpfandprinzips werden in der Diskussion drei Zwecke
genannt: der Gläubigerschutz, der Schuldnerschutz und der Masseschutz.
3.1. Gläubigerschutz
Das häufigste Argument ist der Gläubigerschutz. Er macht den Kern der Argumentation
für die Notwendigkeit des Faustpfandprinzips aus. Zu unterscheiden ist bei diesem
Zweck jedoch, welcher Gläubiger konkret geschützt werden soll. Nach diesem
Kriterium kann man zwei Schutzbereiche unterscheiden:
1. Der Schutz des gesicherten Gläubigers vor Verlust seiner Sicherung
2. Der Schutz eines nachkommenden Gläubigers in seinem Vertrauen auf den
Haftungsfonds
33
3.1.1. Der Schutz des gesicherten Gläubigers vor Verlust seiner Sicherung
Angesprochen ist hier der Schutz des aktuellen Pfandgläubigers. Der aktuelle
Pfandgläubiger, der sich seine Forderung mit der Pfandsache besichern hat lassen, soll
davor geschützt werden, dass der Sicherungsschuldner Verfügungen über die Sache
vornehmen kann, die das Sicherungsrecht des Gläubigers beeinträchtigen können.
Derjenige, der sich mit einer Sache besichern lässt, soll nicht dem Risiko ausgesetzt
sein, dass sein Schuldner die Sache einem gutgläubigen Dritten veräußert, bzw diesem
eine neuerliche Sicherheit einräumt. Denn diese Möglichkeit könnte zu einer Umkehr
des Prioritätsprinzips in der Praxis führen: der nachkommende Sicherungsgläubiger
hätte auf Grund der Möglichkeit des gutgläubigen Pfandrechtserwerbs jeweils das
bessere Sicherungsrecht. Wie im historischen Teil gezeigt, steht eben dieser Schutz des
aktuellen Sicherungsgläubigers an der Wiege des Faustpfandes: Die mangelnden
Möglichkeiten seine Forderung zu vollstrecken gepaart mit dem Hand muss Hand
wahren Prinzip und der damit einhergehenden Gefahr seine Sicherung an Dritte zu
verlieren, standen am Anfang der Entwicklung des Faustpfandes.103 In der Literatur
wird
generell
diese
„Bestandskraft
des
Pfandrechts“
als
ratio
legis
des
Faustpfandprinzips angesehen – und zwar neben dem Publizitätsprinzip.104 Das zeige
sich daran, dass andere Formen der Publizität nicht ausreichen würden – das Pfandrecht
etwa
bei
Rückstellung
trotz
ausreichender
für
jedermann
ersichtlichen
Zeichenanbringung untergehen würde.105 Durch Entzug der Sache aus der
Verfügungsgewalt des Schuldners würde bestmöglich erreicht, dass der Schuldner
weder durch faktische (etwa Entfernung von Hinweiszeichen) noch durch rechtliche
(Veräußerung,
Neuverpfändung)
Handlungen
die
Sicherung
des
Gläubigers
106
beeinträchtigen könne.
103
104
105
106
Siehe oben II. 1.1.2, 24.
Eicher, Ausgewählte Probleme des Mobiliarpfandes, 119.
Eicher, 119.
P Bydlinski, Durchbrechung des Publizitätsprinzips im Mobiliarpfandrecht?, ÖJZ 1986, 332.
34
3.1.2. Kritik am Argument des Sicherungsgläubigerschutzes
Zunächst fällt auf, dass hier der Schutz eines Vertragspartners verwirklicht werden soll:
Der Sicherungsgläubiger soll vor nachteiligen Handlungen seines Schuldners geschützt
werden. Dieser Schutz soll zwingend sein, das heißt auch gegen den ausdrücklichen
Willen beider Vertragspartner gewährt werden. Der Kreditgeber ist aber in der Regel
nicht einmal der wirtschaftlich Schwächere, was einen derartigen Zwangsschutz
rechtfertigen könnte. Im Gegenteil: die Rechtsordnung schützt die Kreditinstitute, meist
wohl gegen deren Willen. Denn hätten die Kreditinstitute die genannten Befürchtungen,
nichts spräche dagegen, die Übergabe vertraglich zu vereinbaren. Lässt man ein
Pfandrecht aber, sofern die Erfordernisse des Faustpfandprinzips nicht erfüllt sind,
untergehen oder gar nicht entstehen, so richtet sich diese Wirkung sogar explizit gegen
die Interessen dessen, der sich besichern lassen wollte.
Dieser Schutz soll darüber hinaus mit den Mitteln des Sachenrechts verwirklicht
werden, was weitere Fragen aufwirft. Aufgabe des Sachenrechtes ist es, Klarheit über
die Rechte an Sachen zu schaffen, und zwar in erster Linie zum Schutz des Verkehrs,
also von Personen, die an solchen Rechtsgeschäften nicht als Parteien beteiligt sind. Die
Klarheit an den Rechtsverhältnissen ist für die Parteien eines Sicherungsgeschäftes aber
genau nicht das Problem. Es ist nicht Aufgabe des Sachenrechts, Vertragsparteien in
ihrem gegenseitigen Verhältnis zu schützen. Dies ist Aufgabe des Schuldrechts, das den
Parteien für solche Fälle vertragliche und außervertragliche Ansprüche zur Verfügung
stellt.107
Die Rechtsordnung nimmt außerdem in Kauf, dass der Sicherungsnehmer seinerseits
vertragswidrig mit dem Sicherungsgut verfahren kann: Auch er kann an der Sache
Gutgläubigen dingliche Rechte einräumen, die ihm selbst als Pfandgläubiger nicht
zustehen.
3.1.3. Der Schutz des nachfolgenden Gläubigers
Dadurch, dass die Sache dem Besitz des Pfandbestellers entzogen ist, kann einem
nachfolgenden Gläubiger nicht der falsche Eindruck entstehen, die Sache hafte seiner
107
Girsberger, Ist das Faustpfandprinzip noch zeitgemäss?, SJZ 1997, 100f.
35
Forderung.108 Gläubiger die später die Verhältnisse des Schuldners beurteilen sollen,
um die Risiken für eine Kreditgewährung an den Schuldner einzuschätzen, könnten
durch den Anschein der Bonität getäuscht werden, den sich der Sicherungsschuldner
gibt,
wenn
er
im
Besitz
des
Sicherungsobjektes
bleibt.109
Dieser
Schutz
nachkommender Gläubiger findet sich als Zweck schon bei Zeiller:110 „ … damit
jedermann auf die Einschränkung des Eigenthümers aufmerksam gemacht und gewarnt
werde“.
Mit dem Faustpfandprinzip soll also verhindert werden, dass Dritte in dem Vertrauen
auf den Haftungsfonds des innehabenden Eigentümers, also darauf, dass die bei ihm
befindlichen Sachen unbelastet sind, enttäuscht werden.111
3.1.4. Kritik am Argument des Schutzes potentieller Gläubiger
Dass ein Gläubiger, wenn er erwägt einem Schuldner Kredit zu gewähren, derart auf
den äußeren Anschein vertraut, dass es ihm unzumutbar wäre, weitere Nachforschungen
anzustellen, wie es um die sachenrechtlichen Verhältnisse an den gesehenen Sachen
bestellt ist, scheint zweifelhaft.
Denn schon heute kann sich ein potentieller Gläubiger nicht darauf verlassen, dass
Fahrnis, so sie sich im Besitz des potentiellen Schuldners befindet, in den
Haftungsfonds fällt. Es gibt unzählige von der Rechtsordnung tolerierte Fälle, in denen
jemand in Besitz von Fahrnis ist, ohne ihr Eigentümer zu sein: Eine Sache kann
gemietet, geleast, zum Gebrauch entlehnt oder unter Eigentumsvorbehalt gekauft sein.
Davon, dass der bloße Besitz die Rechtscheinwirkung haben soll, dass sich jeder darauf
verlassen kann, dass die Sache haftungsmäßig dem Besitzer zugeordnet werden kann,
kann also keine Rede mehr sein.
Dem hat die Kreditwirtschaft auch durchaus Rechnung getragen. Keine Vertragspartei
beurteilt in der heutigen Zeit die Solvenz seines Geschäftspartners nach den
108
109
110
111
Koziol in Koziol/Welser I12, 339.
Girsberger, Ist das Faustpfandprinzip noch zeitgemäss?, SJZ 1997, 100.
Zeiller, Commentar II/1, 256.
P Bydlinski, Durchbrechungen des Faustpfandprinzips im Mobiliarpfandrecht?, 328.
36
Vermögenswerten, die sie bei ihm sieht. Mit anderen Worten: Kein Kreditinstitut
vergibt heute ein Darlehen nur nach einem Lokalaugenschein.112
Vielmehr ist an die Stelle des „Blicks auf den Flur und Maschinenpark“113 die
Auskunftseinholung bei Kreditschutzverbänden und anderen Informationsquellen wie
durch das Vorlegenlassen von Jahresabschlüssen getreten.
Durch Basel II114 wird die Möglichkeit des bloßen Vertrauens auch rechtlich
schwinden: Ein ausführliches Rating115 wird jeder Kreditgewährung vorangehen. Die
Eigenkapitalausstattung des Unternehmens wird im Zuge dessen umfassend geprüft
werden. Für enttäuschtes Vertrauen auf Haftungsfonds bleibt dann – abseits des
Betruges – kein Raum mehr.
Weiters kann ins Treffen geführt werden, dass sich ein Kreditgeber, selbst wenn die
Sache im Darlehenszeitpunkt in den Haftungsfonds fällt, nicht darauf verlassen kann,
dass sie diesem auch im haftungsrelevanten Zeitpunkt noch zur Verfügung stehen wird.
Der Schuldner hätte völlig zulässig in der Zwischenzeit die Sache etwa veräußern oder
jemandem ein Pfandrecht daran einräumen können. Unbelastete Vermögenswerte
können also allein deswegen nicht als Kreditbasis gelten, weil der Schuldner nicht daran
gehindert ist, nach Krediteinräumung darüber zu verfügen.116 Will sich der Gläubiger
völlig sicher sein, dass eine bestimmte Sache für seine Forderung hafte, so muss er sich
daran eine dingliche Sicherheit einräumen lassen. Diese Möglichkeit bleibt ihm
jedenfalls unbenommen.
Die Information über bestehende Sicherungsrechte versetzt die ungesicherten Gläubiger
zudem nicht in die Lage, die zukünftige Kreditquote abzuschätzen: Denn über diese
entscheidet nicht nur die Höhe des als Sicherheit vergeben Anteils am
Schuldnervermögen, sondern auch die Höhe der unbesicherten Kreditforderungen.
Ersteres bestimmt die zur Verteilung bestehende Restmasse, zweiteres entscheidet über
die tatsächliche Quote. Verstünde man das Publizitätsprinzip in dem Sinne, dass es die
Einschätzung des Kreditrisikos verbessern soll, so müsste man mit gleichem Recht auch
die Publizierung der ungesicherten Kredite in einem Schuldenregister verlangen.117
112
113
114
115
116
117
Schoneweg, Der Eigentumsvorbehalt und die Sicherungsübereignung im deutsch-österreichischen
Rechtsverkehr, 194.
Schoneweg, 194.
Siehe oben II. 2, 32f.
Vgl Bruckner, Ratingleitfaden Basel II, Institut der Steuerberater, Wien 2004,
Wilmowsky, Europäisches Kreditsicherungsrecht, 142.
Wilmowsky, Europäisches Kreditsicherungsrecht, 142.
37
Abschließend sei in diesem Zusammenhang noch auf den Exkurs: „Ist das Vertrauen
des Rechtsverkehrs als Argument für die Unveränderlichkeit von Rechtsnormen
heranzuziehen?“ unten in dieser Arbeit118 hingewiesen: Denn der Umgang mit der
besitzlosen Sicherungsübereignung in Deutschland zeigt, dass dort eben niemand mehr
darauf vertraut, dass Besitz auch Vermögen bedeutet. Erst das Faustpfandprinzip schafft
–
wenn
überhaupt
–
ein
solches
Vertrauen,
die
Durchbrechungen
des
Faustpfandprinzips sowie die Komplexheit des Wirtschaftsverkehrs allgemein
erschüttern dieses Vertrauen wieder. Würde man sich vom Faustpfandprinzip
abwenden, so gäbe es noch weniger Vertrauen in den Anschein, damit aber auch
weniger Vertrauen, das enttäuscht werden könnte.
3.2. Schuldnerschutz
Selten aber gelegentlich119 wird argumentiert, dass ein Zweck des Faustpfandprinzips
sei, den Schuldner vor sich selbst zu schützen, indem man ihn daran hindere, leichtfertig
Kredit
zu
suchen.
Denkt
man
beispielsweise
an
die
wohl
häufig
zu
Besicherungszwecken in Betracht kommende Mobilie Auto, so ist dieser Effekt
zumindest bei Verbraucherkrediten sicher gegeben. Ein Kreditsuchender (Verbraucher)
wird es sich wohl zweimal überlegen, wenn er für einen Kredit sein Auto aus der Hand
geben muss.
Doch darf auch hier nicht übersehen werden, dass wieder zugunsten eines
Vertragspartners mit Mitteln des Sachenrechts eingegriffen wird. Dieser Schutz – und
insbesondere die Verhinderung leichtfertiger Kreditsuche durch Verbraucher – ist
Aufgabe des Schuldrechts und hier insbesondere des Verbraucherschutzrechts. Die
Wirksamkeit solcher Schutzbestimmungen wird kaum beeinträchtigt sein, wenn sie auf
das Verhältnis zwischen den beiden Vertragspartnern beschränkt wird. Zu denken wäre
hier etwa an Formvorschriften oder Höchstzinsvorschriften sowie umfangreiche
Informationspflichten des Kreditgebers. Diese Schutzmechanismen kämen den
Interessen des Verbrauchers auch eher entgegen, da nicht vergessen werden darf, dass
die Verwahrungskosten, die dem Kreditgeber durch das Faustpfandprinzip entstehen, in
118
119
Siehe unten 55f.
Girsberger, Ist das Faustpfandprinzip noch zeitgemäss?, SJZ 1997, 101 mwN.
38
der Regel wohl dem Kreditnehmer in Rechnung gestellt werden, und dessen Kredit
dadurch mitunter empfindlich verteuern.120
3.3. Masseschutz
Das Argument des Masseschutzes kommt in der österreichischen Diskussion eher selten
vor,121 spielt aber in Deutschland bei der Diskussion über Probleme besitzloser
Mobiliarsicherheiten – vor allem im Zuge der Reform des Insolvenzrechts - eine
entscheidende Rolle.
Ob man als Gläubiger dinglich gesichert ist oder nicht, spielt naturgemäß im Fall der
Insolvenz des Schuldners eine entscheidende Rolle: Der besicherte Gläubiger hat an
seinem Sicherungsgut ein vorzugsweises Befriedigungsrecht und bekommt seine
Forderung im Insolvenzfall des Schuldners122 voll zurück. Anders der unbesicherte
Gläubiger: Er muss sich mit den anderen unbesicherten Gläubigern die Masse teilen. Es
steht ihm nur ein Anspruch auf die Quote zu. Wie hoch diese Quote ausfällt, hängt vom
Umfang der Masse im Verhältnis zu den offenen Forderungen ab.123 Wie groß die
Masse wiederum ist, hängt unter anderem davon ab, wie viele Werte daraus für einzelne
Gläubiger reserviert sind. Denn ein Wert, an dem ein einzelner Gläubiger ein dingliches
Sicherungsrecht hat, fällt in Höhe der gesicherten Forderung aus der Masse.124
Ist es nun möglich, an beweglichen Sachen dingliche Sicherheiten einzuräumen, die
weiterhin von Schuldner verwendet werden können, so steht einerseits dem Schuldner
ein größerer Pool an Sachen zur Verfügung, den er als Sicherheit anbieten kann,
andererseits natürlich der Bank mehr Möglichkeiten, sich Kredite besichern zu lassen.
Ist eine Mobiliarhypothek – wie in Österreich – nicht zulässig, so besteht jener Teil der
Masse, der zur quotenmäßigen Aufteilung zur Verfügung steht, zumindest aus jenen
beweglichen Sachen, die der Schuldner zuletzt selbst genutzt hat, sofern sie nicht
gemietet, geleast oder unter Eigentumsvorbehalt gekauft und nicht abbezahlt sind.
Zumindest auf diese Sachen kann ein ungesicherter Gläubiger im Insolvenzfall seines
120
121
122
123
124
Vgl die AGB diverser Autopfandleihanstalten.
Vgl aber Bydlinski in Klang ABGB 2 VI/2, 460 über den „Konkurs des Konkurses“ durch die
Aushöhlung der Masse in Deutschland.
Wenn der Wert des Sicherungsgutes hoch genug, die Forderung also voll besichert ist.
Deixler-Hübner/Klicka, Zivilverfahren3, 288f.
Er ist absonderungsberechtigt und kann so die Sache bis zum Wert der gesicherten Forderung von der
Masse trennen, siehe oben I. 3, 8f.
39
Schuldners (quotenmäßig) greifen. In Deutschland sind wegen der Möglichkeit der
besitzlosen Sicherungsübereignung auch diese Gegenstände einer dinglichen Sicherheit
zugänglich. Im Zuge der Reform des deutschen Insolvenzrechts war dieser Aspekt der
besitzlosen Mobiliarsicherheit der umstrittenste: Weil Unternehmen nicht nur
Grundstücke, sondern auch Maschinen und ganze Warenlager als Sicherungsmittel
einsetzen, zeige sich im Insolvenzfall, dass das Vermögen des Insolvenzschuldners
durch rechtsgeschäftliche Absprachen weitgehend für bestimmte Gläubiger reserviert
sei. Da also die Voraussetzung der wirtschaftlichen Übergabe des Sicherungsgutes an
den Sicherungsnehmer der Bestellung von Mobiliarsicherheiten in den meisten Fällen
die wirtschaftliche Grundlage entzieht, erreicht sie, dass ein erheblicher Teil des
beweglichen Schuldnervermögens nicht belastet wird und im Insolvenzfall pro rata an
alle Gläubiger verteilt werden kann.125 Der Einsatz aller Vermögenswerte zu
Sicherungszwecken führe hingegen dazu, dass die Eröffnung des Konkurses häufig an
Massearmut scheitere und ungesicherte Gläubiger weitgehend leer ausgehen.126
Der Name Masseschutz ist daher hier irreführend, denn geschützt soll ja nicht die Masse
als Selbstzweck werden, sondern die im Insolvenzfall ungesicherten Gläubiger.127
Klassischer Weise sind dies kleine Dienstleister, da sie einerseits keine körperlichen
Sachen liefern, die sie unter Eigentumsvorbehalt stellen könnten, und auf der anderen
Seite oft nicht in der wirtschaftlichen Verhandlungsposition sind, sich an anderen
Gegenständen oder Grundstücken des Schuldners besichern zu lassen.
3.3.1. Kritik am Argument des Masseschutzes
Der Erhalt einer Restmasse für unbesicherte Gläubiger ist zweifellos eine Auswirkung
des Faustpfandprinzips, eine ratio legis ist dieser Effekt aber nicht. Denn
Publizitätserwägungen sind nicht in der Lage, Verbote und Zulassungsbeschränkungen
für Sicherungsrechte zu begründen; sie legen vielmehr nahe, eine Veröffentlichung von
Sicherungsrechten zu verlangen.128 Eine Publizitätsvorschrift soll Dritten die Rechte
and einer Sache kundtun. Ungesicherte Gläubiger sind im Regelfall aber wohl nicht
125
Wilmovsky, Europäisches Kreditsicherungsrecht, 127.
Brehm/Berger, Sachenrecht, 458f.
127
Oder weitergehend das Prinzip der Gläubigergleichbehandlung im Insolvenzfall (par conditio
creditorum).
128
Wilmowsky, Europäisches Kreditsicherungssrecht, 142.
126
40
deshalb ungesichert, weil sie nicht wissen, dass sich die großen Kreditgeber besichern
lassen. Mit anderen Worten: Selbst wenn der kleine Dienstleister weiß – und in
Deutschland kann er davon ausgehen – dass die Banken und großen Zulieferer sich die
Masse reserviert haben, hat er wenig Möglichkeit zu reagieren. Denn wenn er sich von
seinem Vertragsstandpunkt aus besichern lassen könnte, so würde er das tun. Es ist das
Problem der ungesicherten Gläubiger also eben kein Problem der mangelnden
Offenkundigkeit, sondern ein Problem der mangelnden Vertragsgerechtigkeit.129 Dass
es sich um kein Publizitätsproblem handelt, wird auch dann klar, wenn man sich vor
Augen führt, dass sich dieses Problem auch dann nicht lösen wird, wenn man den Besitz
durch ein anderes Publizitätsinstrument, etwa das Registerpfand, ersetzen würde.
Denn „Letztlich handelt es sich um historisch gewachsene, rational zum großen Teil
nicht nachvollziehbare Zulassungsbeschränkungen, die die Wirkung haben, eine Reihe
von Vermögensgegenständen frei von Sicherungsrechten zu halten. Ein weitergehender
dogmatischer Zusammenhang ist nicht auszumachen“.130
Faktisch wird durch die umfassende Interpretation des Faustpfandprinzips in Österreich
zweifellos ein gewisser Schutz schwächerer Vertragspartner im Insolvenzfall erreicht.
Er schafft dem ungesicherten Gläubiger ein – wenn auch kaum bezifferbares – Polster
sicherungsrechtsfreien Vermögens.131 Dieser Schutz ist aber nicht Aufgabe einer
sachenrechtlichen Publizitätsvorschrift und kann wohl durch andere Mechanismen
besser erreicht werden, wenn man sich politisch dafür entscheidet, dass ein solcher
Schutz wünschenswert ist. Dieser könnte auch durch folgendes von Wilmowsky132
entwickeltes Alternativmodell der Kreditsicherung erreicht werden.
129
130
131
132
Brehm/Berger, Sachenrecht, 459f.
Wilmowsky, Europäisches Kreditsicherungsrecht, 133.
Wilmowsky, Europäisches Kreditsicherungsrecht, 133.
Peter von Wilmowsky, Europäisches Kreditsicherungsrecht, Sachenrecht und Insolvenzrecht unter
dem EG-Vertrag, Frankfurt/Main 1996.
41
Exkurs: Das Alternativmodell der Teilbesicherung von Peter von Wilmowsky
Laut Wilmowsky verwundert es, dass Rechtsordnungen, die privilegierte Zugriffsrechte
ablehnen, ungesicherte Gläubiger für schutzwürdig halten und eine pro-rata-Verteilung
des Schuldnervermögens im Insolvenzfall anstreben, allein Teile des beweglichen
Vermögens frei von Belastungen halten, es aber zulassen, dass das oft viel wertvollere
Grundeigentum restlos zugunsten der gesicherten Gläubiger vorweg verteilt werden
kann.133 Jedoch ist für den Gläubiger und die ganze Kreditwirtschaft schwer
voraussehbar, wie viel nun nicht zur Sicherung zur Verfügung steht und daher im
Insolvenzfall jedenfalls in die Masse fällt. Dies hängt von einer Reihe sehr wandelbarer
Faktoren ab: Handelt es sich beim Schuldnerunternehmen um eines mit hohem
Immobilienanteil oder besteht das Vermögen hauptsächlich aus beweglichen Sachen?
Sind diese beweglichen Sachen geleast oder unter Eigentumsvorbehalt angeschafft? All
diese Faktoren haben Einfluss darauf, wie sich die Nichtzulassung der besitzlosen
Sicherungsübereignung im konkreten Fall auf die Ausstattung der Restmasse auswirkt.
Da noch nicht einmal mit Schätzungen zu beantworten versucht worden sei, welcher
Anteil des Schuldnervermögens für die ungesicherten Forderungen im Insolvenzfall als
Haftungsmasse, indem man die Sicherungsübereignung besitzlos verbietet, gewonnen
werden soll, dränge sich der Eindruck auf, dass mit Zulassungsbeschränkungen, die
willkürlich zusammengewürfelte Vermögenswerte belastungsfrei halten, allenfalls
diffuse Schutzeffekte zu erzielen seien, „die kaum als Schutzkonzept bezeichnet zu
werden verdienen“.134
Es kommt laut Wilmowsky als alternative Maßnahme in Betracht, die Belastung
sämtlicher Gegenstände des Schuldnervermögens zuzulassen und die ungesicherten
Gläubiger dadurch zu schützen, dass jeder Gegenstand nicht vollständig, sondern nur zu
einem bestimmten Anteil belastet werden kann. Die Belastung von Gegenständen würde
dadurch nicht qualitativ – also nach der Art der Sache (beweglich – unbeweglich) –
sondern quantitativ – also nach einem bestimmten Anteil jeder Sache – beschränkt.
Jeder Gegenstand, Immobilien genauso wie Mobilien – eines Kreditnehmers stünde
dann für die Belastung mit Sicherheiten wertmäßig nicht im vollen Umfang, sondern
nur zu einem bestimmten Prozentsatz zur Verfügung.
133
134
Wilmowsky, Europäisches Kreditsicherungsrecht, 135.
Wilmowsky, Europäisches Kreditsicherungsrecht, 135.
42
Ungesicherten Gläubigern stünde nach diesem Modell im Insolvenzfall in jedem Fall,
unabhängig von der Zusammensetzung des Schuldnervermögens ein bestimmter Anteil
der Masse zu. Ein Gläubiger könnte sich aber weiterhin voll besichern lassen. Reicht
der zur Besicherung zugelassene Anteil einer Sache nicht zur Besicherung der ganzen
Forderung aus, so kann er sich auch durch andere Sachen des Schuldners besichern
lassen – wieder jedoch nur bis zum erlaubten Prozentsatz des Wertes (nicht der
Forderung sondern der Sache).
Wenn in Österreich also beispielsweise im Durchschnitt 30 % der Insolvenzmassen
durch das Verbot des besitzlosen Sicherungseigentums für die ungesicherten Gläubiger
frei blieben,135 so könnte dieser Effekt durch das beschriebene Alternativmodell der
Teilbesicherung dadurch erreicht werden, dass jede Immobilie sowie jede bewegliche
Sache der Reservierung für einzelne Gläubiger nur bis zu einem Anteil von 70 %
zugänglich ist. 30 % verblieben danach den ungesicherten Gläubigern.136
Dieses Modell würde auch explizit dem Ziel des Schutzes unbesicherter Gläubiger
dienen, und diesen nicht als Nebenprodukt einer Publizitätsvorschrift verwirklichen.137
Es muss also nicht aus dem Effekt, den die analoge Anwendung der pfandrechtlichen
Publizitätsvorschriften auf die Sicherungsübereignung hat, der Schluss gezogen werden,
diese mehr zufällige Folge rechtfertige im Rückschluss die Publizitätsvorschrift.
Es überrascht, dass die beschriebene quantitative Beschränkung von Sicherungsrechten
– mit einer Ausnahme138 – bislang noch nirgendwo praktiziert wird, obwohl es sich
dabei um eine wirkungsvolle und einfache Verbesserung der Position der ungesicherten
Gläubiger handelt.139
135
136
137
138
139
Entsprechende Berechnungen gibt es mW nicht.
Vgl Wilmowsky, Europäisches Kreditsicherungsrecht, 139.
Rechtsvergleichend kann sich dieses Modell auf die amerikanische Reformdiskussion stützen. Dort
wird zwar die oft lückenlose Belastung des Gemeinschuldnervermögens beklagt. Daraus hat sich aber
nicht etwa der Ruf nach Wiedereinführung der alten Erschwernisse der Sicherungsrechtsbestellung
entwickelt, sondern vielmehr die Forderung, die leichte Bestellbarkeit von Sicherungsrechten zu
erhalten, diese aber um Teilhaberansprüche der ungesicherten Gläubiger zu ergänzen, Wilmowsky,
Europäisches Kreditsicherungsrecht, 139.
Im Belgischen Sachenrecht, vgl Wilmowsky, Europäisches Kreditsicherungsrecht, 136, FN 130.
Wilmowsky, Europäisches Kreditsicherungsrecht, 136.
43
4. Durchbrechungen des Faustpfands im österreichischen Recht und deren
Argumentation
Das Faustpfandprinzip gilt in Österreich trotz aller Strenge nicht undurchbrochen. Vor
allem die Strenge beim Pfandrecht und damit auch bei der Sicherungsübereignung
einerseits und die Ermöglichung der besitzlosen dinglichen Sicherheit des
Eigentumsvorbehaltes andererseits fallen auf und bedürfen einer Rechtfertigung. Auch
die im Folgenden ausgeführten Durchbrechungen des Faustpfandprinzips wurden von
der Praxis entwickelt, weil die Kreditwirtschaft versucht hat, die strengen
Publizitätsbestimmungen des Pfandrechts zu umgehen.140 Anders als bei der
Sicherungsübereignung wurde die Durchbrechung des Faustpfandprinzips durch den
Eigentumsvorbehalt aber zugelassen.
Sich diese Institute und die Rechtfertigung ihrer Zulässigkeit anzusehen, kann helfen,
die
Schlüssigkeit
von
Argumenten
gegen
die
Zulässigkeit
der
besitzlosen
Sicherungsübereignung kritisch zu hinterfragen.
4.1. Der Eigentumsvorbehalt
4.1.1. Das Institut des Eigentumsvorbehalts im österreichischen und deutschen
Recht
Sowohl die deutsche als auch die österreichische Rechtsordnung gehen grundsätzlich
von dem Fall aus, dass Käufer und Verkäufer die Pflichten aus dem Kaufvertrag Zug
um Zug zu erfüllen haben. Dieser Grundgedanke findet sich im BGB in den §§ 320ff in
Verbindung mit §433 und im ABGB in § 1052 S1.
Ist der Käufer aber nicht in der Lage, den Kaufpreis sofort zu zahlen und möchte der
Verkäufer das Geschäft trotzdem abschließen, so steht ihm, wenn er trotz Vorleistung
das Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners nicht eingehen will, nach beiden
Rechtsordnungen das dingliche Sicherungsrecht des Eigentumsvorbehaltes zur
Verfügung. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Vorleistungsverpflichtete stundet
zwar den Kaufpreis, trägt aber dadurch nicht das Risiko der Insolvenz des Schuldners.
140
Koziol in Koziol/Welser I12, 373.
44
Der Schuldner kann eine Sache nutzen, die er sich noch nicht leisten kann, hat damit
aber die Möglichkeit die Sache zur Erwirtschaftung des Kaufpreises heranzuziehen.141
Der (einfache) Eigentumsvorbehalt ist in beiden Rechtsordnungen gleichermaßen
anerkannt:
In Deutschland regelt § 449 BGB (vor der Schuldrechtsreform: § 455 BGB) den im
Kaufvertrag
vereinbarten
Eigentumsvorbehalt.142
In
Österreich
ist
der
Eigentumsvorbehalt zwar nicht gesetzlich geregelt, aber unumstritten anerkannt. Das
war nicht immer so,143 da der Wortlaut des § 1063 ABGB gegen die Zulässigkeit eines
Eigentumsvorbehaltes zu sprechen scheint. § 1063 ABGB spricht davon, dass das
Eigentum selbst dann auf den Käufer übergeht, wenn diesem der Kaufpreis gestundet
wird. Diese Vorschrift ist aber inzwischen unstrittig als disponibel anzusehen und steht
damit der Vereinbarung eines Eigentumsvorbehalts nicht entgegen.144 Gegen die
Zulässigkeit des (einfachen) Eigentumsvorbehaltes bestehen demnach ebenso wie im
deutschen Recht keine Bedenken mehr.
Nach beiden Rechtsordnungen entsteht der Eigentumsvorbehalt dadurch, dass beim
Kauf die Eigentumsübertragung unter die aufschiebende Bedingung der vollständigen
Kaufpreiszahlung gestellt wird. Bedingt ist also nicht der Kauf selbst als
Verpflichtungsgeschäft, sondern der Übergang des Eigentums als Verfügungsgeschäft.
Im Vergleich mit der deutschen Rechtsordnung zeigen sich trotz dieser sehr starken
Ähnlichkeit jedoch drei Abweichungen:
1.
Der Umgang mit dem zwischen einem Kaufvertrag und der Übergabe der
Kaufsache vom Verkäufer einseitig erklärten Eigentumsvorbehalt
2.
Die Üblichkeit der Praxis der Verwendung des Eigentumsvorbehalts zur
Besicherung eines Geldkreditgebers durch Übertragung des vorbehaltenen
Eigentums vom Verkäufer an den Finanzierer im Fall der Drittfinanzierung
3.
141
142
143
144
Die Zulässigkeit des erweiterten Eigentumsvorbehalts
MünchKomm/Westermann, §449, RZ 1; Koziol in Koziol/Welser I12, 371.
§ 449 BGB: (1) „Hat sich der Verkäufer einer beweglichen Sache das Eigentum bis zur Zahlung des
Kaufpreises vorbehalten, so ist im Zweifel anzunehmen, dass das Eigentum unter der aufschiebenden
Bedingung vollständiger Zahlung des Kaufpreises Übertragen wird (Eigentumsvorbehalt).“
Bydlinski in Klang, § 1063 IV. A. 1., mwN.
Aicher in Rummel3, RZ24 zu § 1063; Koziol in Koziol/Welser I12, 371.
45
Während der erste Unterschied darauf beruht, dass im deutschen Zivilrecht das
Abstraktionsprinzip und in Österreich das Prinzip der kausalen Tradition gilt, sind die
beiden anderen Abweichungen mittelbarer Ausfluss der unterschiedlichen Ausdehnung
des Faustpfands in den beiden Rechtsordnungen und interessieren hier deshalb
besonders. Trotzdem möchte ich auch auf die erste Unterscheidung etwas genauer
eingehen, da sie einen kleinen Einblick in die unterschiedlichen Traditionen des
Sachenrechts der beiden betrachteten Rechtsordnungen bietet.
4.1.2. Die Unterschiede im Einzelnen
4.1.2.1. Die
nachträgliche
Vereinbarung
eines
Eigentumsvorbehalts
nach
Abschluss des Kaufvertrags, aber vor Übergabe der Sache
In Deutschland gilt das Abstraktionsprinzip im Sachenrecht der §§ 929ff BGB. Im
Unterschied zum Prinzip der kausalen Tradition sind also Verpflichtungsgeschäft und
Verfügungsgeschäft in Deutschland als voneinander unabhängig zu betrachten: Die
wirksame Eigentumsübertragung braucht im Unterschied zum österreichischen Recht
keinen sie rechtfertigenden Titel. Die Wirksamkeit einer sachenrechtlichen Verfügung
ist also einerseits unabhängig von der Wirksamkeit einer ihr zugrunde liegenden
schuldrechtlichen Absprache, andererseits kann durch die gesonderte Betrachtung des
Verfügungsgeschäfts auch der Inhalt der sachenrechtlichen Verfügung vom Inhalt des
schuldrechtlichen Vertrages abweichen, zu dessen Erfüllung die Verfügung
vorgenommen wird. Es bleibt in diesem Fall zwar ein schuldrechtlicher Anspruch auf
die vereinbarte Verfügung, das Verpflichtungsgeschäft selbst muss aber unabhängig
betrachtet werden.145
Aufgrund des in Deutschland geltenden Abstraktionsprinzips wird dort zwar bei der
Begründung des Eigentumsvorbehalts ein besonderes Augenmerk auf die Bedingung
des Verfügungsgeschäfts gelegt, zu einem echten Unterschied mit der österreichischen
Lösung kommt es hier aber nur im Fall des unbedingten Kaufvertrages und des nach
Kaufvertrag aber vor Übergabe einseitig erklärten Eigentumsvorbehaltes.
145
Brehm/Berger, Sachenrecht, 12f.
46
Angesprochen
ist
hier
also
jener
Fall,
in
dem
die
Parteien
sich
im
Verpflichtungsgeschäft darauf einigen, dass sofort bei Übergabe der Sache Eigentum
übergehen soll, der Verkäufer aber vor oder bei Ablieferung der Sache erklärt, nur
bedingtes Eigentum übertragen zu wollen und der Käufer die Sache zwar annimmt, aber
erklärt, auf unbedingte Eigentumsübertragung zu bestehen. In Deutschland ist eben
wegen des Abstraktionsprinzips in einem solchen Fall vollkommen unstrittig, dass
sachenrechtlich nur bedingtes Eigentum übergehen kann.146 Ob dieser Fall in Österreich
anders gelöst wird, hängt von der jeweiligen Lehrmeinung ab. Folgt man dem Teil der
Lehre, der die für den Eigentumswechsel erforderliche dingliche Einigung als im
Kaufvertrag bereits enthalten ansieht,147 kommt es hier zu einem Unterschied zum
deutschen Recht: Da nämlich in diesem Fall die im Verpflichtungsgeschäft enthaltene
Einigung, Eigentum solle unbedingt übergehen, nicht nachträglich einseitig geändert
werden kann, kommt es trotz ausdrücklicher Erklärung des Verkäufers im
Übergabezeitpunkt, er wolle eben kein Eigentum übertragen, sachenrechtlich zu einem
Eigentumsübergang.
4.1.2.2. Der Anwendungsbereich des Eigentumsvorbehalts auch zur Sicherung von
Geldkreditgebern
Für den in der Praxis häufig vorkommenden Fall, dass zwar der Käufer den Kaufpreis
nicht sofort zu zahlen in der Lage ist, es dem Verkäufer aber andererseits nicht möglich
ist längere Zeit auf die Bezahlung des Kaufpreises zu warten, hat sich in Österreich die
Übertragung des Eigentumsvorbehaltes an einen Finanzierer etabliert: Anlässlich der
Zession der Kaufpreisforderung an den Dritten Geldgeber wird diesem also auch das
vorbehaltene Eigentum übertragen.148 Diese Möglichkeit ist vor allem in zwei Varianten
gebräuchlich:
Der
Verkaufsfinanzierung
(Abtretungskonstruktion)
149
Ankaufsfinanzierung (Darlehenskonstruktion).
und
der
Gemeinsam ist beiden Varianten, dass
aus Anlass der Abtretung einer schuldrechtlichen Forderung – nämlich des Kaufpreises
– auch das diesen sichernde Sachenrecht – eben das vorbehaltene Eigentum übertragen
146
Schoneweg, Der Eigentumsvorbehalt und die Sicherungsübereignung im deutsch-österreichischen
Rechtsverkehr, 21f.
147
Aicher in Rummel3, Rz 30 zu § 1063; F Bydlinski in Klang § 1063 IV. A. 3.c.
148
Koziol in Koziol/Welser I12, 375.
149
Welser in Koziol/Welser II12, 165.
47
werden soll. Die grundsätzliche Zulässigkeit dieser Konstruktionen ist unbestritten.150
Uneinigkeit herrscht nur darüber, ob es für die Übertragung des vorbehaltenen
Eigentums zu einem Verfügungsgeschäft kommen muss, oder die Abtretung der
Kaufpreisforderung
an
den
dritten
(Kaufpreis-)Darlehensgeber
eo
ipso
den
Eigentumsübergang bewirken soll. Die herrschende Rechtssprechung verlangt keine
besondere Traditionshandlung. Der überwiegende Teil der Lehre kritisiert daran zu
recht, dass es zur Übertragung eines Sachenrechts ohne Modus – in diesem Fall käme
dafür die Besitzanweisung in Betracht – nicht kommen kann151 und bezeichnet die
Lösung der Rechtsprechung daher als verfehlt152. Abseits dieser Unklarheiten lässt sich
aber feststellen, dass der Eigentumsvorbehalt in Österreich ein Mittel ist, das häufig
auch Dritte sichert, sofern diese die Kreditierung des Kaufpreises übernehmen.
Diese
Möglichkeit
der
dinglichen
Sicherung
von
Geldkreditgebern
mittels
153
Eigentumsvorbehalt ist in Deutschland nicht gebräuchlich.
Das ist wohl darauf zurückzuführen, dass dem Geldkreditnehmer das Institut der
Sicherungsübereignung zur Verfügung steht und er deshalb nicht auf die Übertragung
des vorbehaltenen Eigentumsrechts durch den Kreditgeber angewiesen ist: Er kann sich
eigens eine dingliche Sicherheit einräumen lassen und zwar direkt von dem, dem er
kreditiert. Des Umwegs der Übertragung der Sicherung vom Verkäufer, der ja einer
Sicherung an sich gar nicht bedarf, da er den Kaufpreis ja sofort erhält, auf den
eigentlich zu Besichernden, bedarf es in Deutschland daher nicht.
Verallgemeinernd lässt sich also für Deutschland sagen, dass der Eigentumsvorbehalt
die Interessen des Warenkreditgebers sichert und die Sicherungsübereignung jene des
Geldkreditgebers.154
Dieser Unterschied in der Praxis ist daher, wie oben bereits angedeutet, auf den
unterschiedlichen Umgang beider Rechtsordnungen mit der Publizitätsbedürftigkeit der
Sicherungsübereignung zurückzuführen.
150
151
152
153
154
Aicher in Rummel3, RZ 104 zu §1063.
Koziol in Koziol/Welser I12, 375.
So Aicher in Rummel3, RZ 104 zu § 1063.
Schoneweg, Der Eigentumsvorbehalt und die Sicherungsübereignung im deutsch-österreichischen
Grenzverkehr, 43.
Serick, Eigentumsvorbehalt und Sicherungsübereignung, Neue Rechtsentwicklung2, § 1 I.1.
48
4.1.2.3. Die Zulässigkeit des erweiterten Eigentumsvorbehalts
Begriff: Der erweiterte Eigentumsvorbehalt soll dem Veräußerer das Eigentumsrecht
am Kaufgegenstand als Sicherung auch dann belassen, wenn der Käufer den Kaufpreis
bereits bezahlt hat. Gesichert soll durch diese Bedingung nämlich nicht nur die
korrespondierende Kaufpreisforderung des Verkäufers gegen den Käufer sein, sondern
jede beliebige Verbindlichkeit des Käufers gegenüber dem Verkäufer.
Der erweiterte Eigentumsvorbehalt ist in Deutschland unstrittig zulässig.155
In Österreich kommt die Lehre für den erweiterten Eigentumsvorbehalt zu einem
anderen Ergebnis: Der erweiterte Eigentumsvorbehalt sei im Erfordernis der Publizität
dem Sicherungseigentum gleichzustellen.156 Argumentiert wird, dass die Erweiterung
der dinglichen Sicherung auf andere Forderungen als Umgehung der pfandrechtlichen
Publizitätsvorschriften (also § 451f ABGB) unzulässig ist, weil gegen die
Erweiterungsabrede die gleichen Gründe sprechen wie gegen die publizitätslose
Sicherungsübereignung.157
Im einfachen Eigentumsvorbehalt wird also keine Umgehung der pfandrechtlichen
Publizitätsvorschriften gesehen, wohl aber in der Abrede, die Sache solle nicht nur die
Kaufpreisforderung, sondern auch andere Forderungen sichern. Während also beim
einfachen Eigentumsvorbehalt schon unstrittig darauf verzichtet wird, den dritten
Gläubiger davor zu schützen, dass er durch den Anschein der höheren wirtschaftlichen
Potenz getäuscht wird, soll nun dadurch eine Umgehung des Faustpfandprinzips
stattfinden, dass das in der Sache verkörperte Kreditvolumen nicht durch den
Kaufpreisanspruch ausgeschöpft wird, sondern durch eine andere Verbindlichkeit des
Käufers gegenüber dem Verkäufer. Der Gläubigerschutz kann daher mE unmittelbar
nicht als Argument dafür herangezogen werden, dass der erweiterte Eigentumsvorbehalt
nicht, der einfache aber sehr wohl als zulässig erachtet wird. Es ist nämlich nicht
einsichtig, warum der dritte zu schützende Gläubiger mehr in seinem Vertrauen darauf
geschützt sein soll, dass die Sache keine weiteren Forderungen sichert als die
Kaufpreisforderung, als in seinem – auch den Gedanken der pfandrechtlichen
Publizitätsvorschriften zugrunde liegenden – Vertrauen, die Sache gehöre dem
155
156
157
Brehm/Berger, Sachenrecht, 473.
Koziol in Koziol/Welser I12, 379.
Aicher in Rummel3, Rz 108 zu § 1063 mwN.
49
Schuldner und falle daher in den Haftungsfonds.158 Dogmatisch soll die Unterscheidung
damit begründet werden, dass beim einfachen Eigentumsvorbehalt (auch bei
Drittfinanzierung) die zur Übereignung synallagmatische Kaufpreisforderung gesichert
wird. Warum aber gerade die Trennung vom Synallagma eine analoge Anwendung der
pfandrechtlichen Publizitätsvorschriften gebietet, obwohl der Gläubigerschutz ja nicht
dadurch gewährleistet ist, dass die gesicherte Forderung mit dem Sicherungsgut
korrespondiert, ist zumindest auf den ersten Blick nicht schlüssig.
Faktisch kann allerdings die Möglichkeit beliebige Forderungen mit einem
Eigentumsvorbehalt zu sichern gemeinsam mit der Möglichkeit, das vorbehaltene
Eigentums auf einen dritten Darlehnsgeber zu übertragen, dazu führen, dass durch
laufende Forderungsauswechslung tatsächlich ein ähnliches Sicherungsrecht wie das der
Sicherungsübereignung geschaffen werden könnte.159 Aus dieser Möglichkeit könnten
sich auch tatsächlich die Bedenken gegen den erweiterten Eigentumsvorbehalt in
Österreich ergeben.
Auch im Fall des erweiterten Eigentumsvorbehalts rührt also die unterschiedliche
Behandlung in Deutschland und Österreich aus der unterschiedlichen Weite des
Anwendungsbereiches des Faustpfandprinzips.
4.1.3. Zusammenfassung des Vergleiches zwischen den beiden Rechtsordnungen:
Es bestehen zwischen der deutschen und der österreichischen Rechtsordnung im
Bereich des Eigentumsvorbehalts Unterschiede. Die zwei letztgenannten Unterschiede
sind mittelbar auf den unterschiedlichen Publizitätsgrad, der für besitzlose dingliche
Sicherheiten verlangt wird, zurückzuführen: Der Geldkreditgeber muss sich in
Österreich mit dem Eigentumsvorbehalt sichern, weil die Sicherungsübereignung
besitzlos in Österreich nicht zugelassen wird, der Erweiterte Eigentumsvorbehalt wird
wegen seines der Sicherungsübereignung ähnlichen Effektes in Österreich nicht
zugelassen.
158
159
So auch Rauscher, Sicherungsübereignung im deutsch-österreichischen Rechtsverkehr, JBl 1985, 322.
Rauscher, Sicherungsübereignung im deutsch-österreichischen Rechtsverkehr, JBl 1985, 322.
50
Aufrecht bleibt aber die Frage, warum diese graduellen Fragen zwar unterschiedlich
gehandhabt werden, der (einfache) Eigentumsvorbehalt aber in beiden Rechtsordnungen
gleichermaßen anerkannt ist, obwohl der Umgang mit dem Instrument der
Sicherungsübereignung so unterschiedlich ist.
Ein besonderer Publizitätsakt zur Begründung wird in keiner der beiden
Rechtsordnungen verlangt. Auch in Österreich ist also unbestritten, dass die
Wirksamkeit des Eigentumsvorbehaltes nicht von der Setzung eines Publizitätsaktes
abhängt. Damit ist eine publizitätslose dingliche Sicherung eines Waren- – und wie wir
gesehen haben – auch Geldkreditgebers im österreichischen Recht anerkannt.
Was rechtfertigt aber, dass die Sicherungsübereignung einerseits zwar in Österreich
unzulässig ist, weil sonst die pfandrechtlichen Publizitätsvorschriften umgangen werden
würden, der Eigentumsvorbehalt andererseits als besitzlose dingliche Sicherheit (eine
dingliche Sicherheit also, die nicht nach außen erkennbar ist) eine solche Umgehung
nicht befürchten lässt und daher nach keiner Analogie der pfandrechtlichen
Publizitätsvorschriften verlangt?
Warum ist also die Wirksamkeit eines Eigentumsvorbehaltes nicht von der Setzung
eines Publizitätsaktes abhängig, die Sicherungsübereignung aber sehr wohl?
51
4.1.4. Rechtfertigung der Ungleichbehandlung von Eigentumsvorbehalt und
Sicherungsübereignung im Hinblick auf die Publizität
Dass diese Ungleichbehandlung einer Rechtfertigung bedarf, ist unstrittig.160
Die
genannten
Rechtfertigungsgründe
lassen
sich
grob
in
zwei
Gruppen
zusammenfassen:
1. Das Synallagma des Kaufes rechtfertigt wegen des Zug-um-Zug-Prinzips eine
besondere Stellung des Kaufpreisgläubigers (Verkäufer oder Drittfinanzierer).161
2. Die Täuschungsgefahr des Gläubigers durch einen äußeren Anschein ist
geringer, der Gläubigerschutz daher weniger notwendig, als bei der
Sicherungsübereignung.162
4.1.5. Die Argumente im Einzelnen:
4.1.5.1. Das Argument des Synallagmas:
Das vom Gesetz selbst aufgestellte Zug-um-Zug-Prinzip spräche für eine bevorzugte
Sicherung
des
Kaufpreisgläubigers:
Während
dieses
nämlich
durch
die
Vorleistungspflicht des Verkäufers in den Hintergrund gedrängt würde, führe der
Eigentumsvorbehalt wieder dazu zurück: Wenigstens das Eigentum geht erst bei
vollständiger Gegenleistung über.163
Wenn ansonsten die Situation aber mit jener der Sicherungsübereignung vergleichbar
ist, insbesondere der wirtschaftliche Zweck – eine kreditierte Forderung dinglich, aber
besitzlos zu sichern – derselbe ist, stellt sich die Frage, warum bei der
Sicherungsübereignung dieser wirtschaftliche Zweck als mit dem Pfandrecht soweit
160
161
162
163
Aicher in Rummel3, Rz 27 zu § 1063; Koziol in Koziol/Welser I12, 373; jeweils mwN.
Für viele Bydlinski in Klang, 436ff.
Für viele Frotz, Kreditsicherungsrecht, 166f.
Koziol in Koziol/Welser I12, 373.
52
vergleichbar angesehen wird, dass eine Analogie angebracht ist, um dem
Faustpfandprinzip genüge zu tun, beim Eigentumsvorbehalt aber durch die
Zurückholung des zuvor zulässigerweise gelockerten Synallagmas dem Zug-um-ZugPrinzip zum Durchbruch geholfen werden muss.
Es stehen sich damit zwei Prinzipien gegenüber: Das Faustpfandprinzip einerseits und
das Zug-um-Zug-Prinzip andererseits. Es wird aber nicht begründet, warum hier dem
Zug-um-Zug-Prinzip, das im Gegensatz zum Faustpfandprinzip dispositiv ist, soviel
Gewicht beigemessen wird, das es das zwingende Faustpfandprinzip aushebeln kann.
4.1.5.2. Das Argument der geringeren Täuschungsgefahr:
Da beim Eigentumsvorbehalt dem Haftungsfonds ja keine Sache entzogen wird,
sondern nur eine neue nicht hinzukommt und überdies der Verkehr bei neu
angeschafften Sachen damit rechne, dass sie unter Eigentumsvorbehalt stehen, sei die
Gefahr der Täuschung dritter Gläubiger herabgesetzt164.
Unklar bleibt bei diesem Argument, auf welche Situation es konkret abzielt. Denkbar
sind zwei Varianten:
1. Der Gläubiger vertraut darauf, dass eine Sache, die er bei Kreditgewährung
korrekterweise als im Haftungsfonds befindlich erkennt, dem Haftungsfonds
auch später nicht mehr entzogen werden kann. Gegenstand des Argumentes ist
also der Schutz des Gläubigers vor zukünftigen Entwicklungen.
Der Eigentumsvorbehalt ermöglicht im Gegensatz zur Sicherungsübereignung
nicht, dass eine Sache, die sich schon einmal im Haftungsfonds befunden hat,
dieser wieder entzogen wird.
Was bei diesem Argument aber auffällt ist, dass ein Kreditgeber im Zeitpunkt
der Kreditgewährung wohl eine Momentaufnahme der wirtschaftlichen
Verhältnisse und eine Prognose der Entwicklungsmöglichkeiten des Schuldners
anstellt, aber keinesfalls davon ausgehen kann, dass eine bestimmte Sache
164
Koziol in Koziol/Welser I12, 373.
53
jedenfalls als solche dem Haftungsfonds erhalten bleibt. Der Schuldner ist ja
bezüglich der in seinem Eigentum befindlichen Sachen völlig frei zu verfügen.
Er kann die Sache beispielsweise völlig berechtigt verkaufen oder jemandem ein
Pfandrecht daran einräumen. Sichert sich der Gläubiger nicht selbst eine Sache,
kann er nicht gesichert davon ausgehen, dass die Sache nicht veräußert oder
sonst wie entzogen wird. Ausgeschlossen ist lediglich der Entzug durch die
Sicherung eines späteren Gläubigers mit dieser Sache und das auch nur dann,
wenn dem späteren Gläubiger die Sache nicht übergeben wird.
2. Der Gläubiger vertraut darauf, dass die Sache, die er bei Kreditgewährung beim
Schuldner antrifft, auch dem Haftungsfonds tatsächlich zur Verfügung steht, er
also im Exekutionsfall auf die Sache greifen kann. Gegenstand dieses
Argumentes ist also der Schutz des Gläubigers vor Täuschung über die
gegenwärtigen Verhältnisse des Schuldners.
Hier soll also der Kreditgeber bei Kreditgewährung eher davon ausgehen
können, dass Sachen, die er als neu angeschafft erkennt, unter Umständen nicht
in den Haftungsfonds fallen. Allerdings ist fraglich, ob hier das Argument, die
Sache käme erst zum Haftungsfonds dazu, einschlägig ist. Denn für den
Kreditgeber im Kreditvergabezeitpunkt geht es ja nicht um die Frage, ob eine
Sache zum Haftungsfonds hinzutritt oder diesem entzogen wird. Er sieht die
Sache im Besitz des Schuldners und steht lediglich vor der Frage, wie er das
Alter dieser Sache subjektiv einschätzt. Glaubt er, diese Sache sei in jüngerer
Zeit angeschafft worden, muss er eher mit einer darauf lastenden dinglichen
Sicherheit rechnen, als bei einer, von der er glaubt, sie sei bereits abbezahlt.
Eher greift hier also das Argument, der Verkehr rechne ohnehin damit, dass neu
angeschaffte Sachen unter Eigentumsvorbehalt stehen. Ob die Sache aber neu
angeschafft wurde oder nicht, kann der Gläubiger aus seiner Sicht vielleicht
vermuten, aber nicht wissen. Sie wurde ja jedenfalls vor seinem Hinzutreten
angeschafft.
54
Exkurs: Ist das Vertrauen des Rechtsverkehrs als Argument für die
Unveränderlichkeit von Rechtsnormen heranzuziehen?
An dieser Stelle möchte ich eine grundsätzliche Überlegung zum Argument des
Vertrauensschutzes anstellen:
Wie
man
an
den
Ausführungen
zur
Rechtfertigung
des
besitzlosen
Eigentumsvorbehaltes gegenüber der publizitätsbedürftigen Sicherungsübereignung
beispielhaft sehen kann, wird oft argumentiert, eine bestimmte Vorschrift (hier der
Eigentumsvorbehalt) sei deshalb vom Vertrauensschutzstandpunkt gerechtfertigt, weil
der Verkehr mit dieser Vorschrift rechne.165
Das Vertrauen, das jeweils existiert, kann aber nur beschränkt als Argument gegen eine
Änderung der Rechtslage verwendet werden. Denn eben diese Rechtslage schafft ja
wieder das Vertrauen, gewisse Tatsachen dürften als Anhaltspunkte für bestimmte
Rechtsverhältnisse verstanden werden. Ausgenommen davon wäre nur die Behauptung,
eine gewisse Tatsache würde ohne Vertrauen auf eine bestimmte Rechtslage als
praktisch „natürlicher Ausdruck“ eines bestimmten rechtlichen Zustandes verstanden
werden. Dass man aber nicht verteidigen will, dass der Besitz praktisch außerrechtlich
als Ausdruck des Eigentums verstanden werden darf, wird durch die Aussage, der
Verkehr müsse mit Vorliegen eines Eigentumsvorbehaltes rechnen, klar. Damit ist als
einziger Grund dafür, warum der Verkehr mit einem Eigentumsvorbehalt rechnen muss,
klargestellt – weil es ihn rechtlich gibt. Es ist also schon richtig, dass der Verkehr in
Österreich eher damit rechnen kann, dass eine Sache unter Eigentumsvorbehalt steht, als
dass sie besitzlos zur Sicherung übereignet wird. Ersteres ist nämlich zulässig und
zweiteres nicht. Dieses Vertrauen aber als Argument dafür heranzuziehen zu erklären,
Gläubiger würden so stark darauf vertrauen, dass es keine Sicherungsübereignung gibt,
dass man sie nicht zulassen kann, bedeutet einen Zirkelschluss. Denn führte man die
Sicherungsübereignung ein, würden die Gläubiger nicht mehr darauf vertrauen, dass sie
nicht möglich ist. Dieses Ergebnis zeigt sich auch bei näherer Betrachtung des Umgangs
der Gläubiger mit der deutschen Rechtslage.
Die entscheidende Frage muss also nicht lauten: Welches Vertrauen gibt es?, sondern:
Welches Vertrauen will man?
165
„Dafür (für die Ungleichbehandlung gegenüber dem Sicherungseigentum – NH) spricht eine Reihe von
Gründen: (…) Bei neu angeschafften Sachen rechnet überdies der Verkehr damit, das sie einige Zeit
unter Eigentumsvorbehalt stehen“, Koziol in Koziol/Welser I12, 373.
55
4.2. Sale and lease back166
Bei der Konstruktion des Sale-and-lease-back wird eine Sache aus dem Vermögen des
Leasingnehmers an den Leasinggeber übereignet um sofort darauf von diesem zur
weiteren Nutzung geleast zu werden. Das Sale-and-lease-back-Geschäft ist eine
Sonderform des Finanzierungsleasings. Sonderform deshalb, weil anders als beim
klassischen Leasing die Sache aus dem Vermögen des Leasingnehmers stammt und dem
Leasinggeber übereignet wird.167 Da sich beim Leasing ganz allgemein eine Sache beim
Leasingnehmer befindet, die dessen Haftungsfonds nicht zugerechnet werden kann,
stellt sich die Frage, inwiefern die pfandrechtlichen Publizitätsvorschriften auch auf das
Leasinggeschäft angewandt werden sollen. Beim klassischen Finanzierungsleasing ist
die geleaste Sache dem Haftungsfonds zwar nicht zurechenbar obwohl sie sich im
Besitz
des
Leasingnehmers
befindet,
sie
kommt
aber
genau
wie
beim
Eigentumsvorbehalt erst zu diesem hinzu und ist daher nach den selben Argumenten
wie beim Eigentumsvorbehalt168 nicht in der Form geeignet den Verkehr zu täuschen
wie die Sicherungsübereignung.169 Eine analoge Anwendung des § 451 ABGB wird
daher in sich konsistent von der Lehre in diesem Fall nicht verlangt. Anders verhält sich
die Sache beim Sale-and-lease-back-Geschäft: Die Sache wird dem Haftungsfonds des
Gläubigers entzogen, bleibt aber in dessen Besitz. Die Frage ist also, ob sich dieses
Geschäft bei näherem Hinsehen als Sicherungsübereignung entpuppt, oder eine
„normale“ Übereignung mittels Besitzkonstitut mit anschließender Sachmiete vorliegt.
Diese Frage ist dafür entscheidend, ob man – will man die Konzeptionen der dinglichen
Sicherheiten wie sie bei Pfandrecht, Sicherungsübereignung und Eigentumsvorbehalt
entwickelt wurden beim Leasing weiterführen – auf das Sale-and-lease-back-Geschäft
die
pfandrechtlichen
Publizitätsvorschriften
analog
der
Lösung
bei
der
Sicherungsübereignung anwenden soll, oder nicht. Mit anderen Worten ist also zu
fragen, ob diese Konstruktion demselben Zweck dient wie eine Sicherungsübereignung
und
166
167
168
169
170
im
weiteren
Sinn
wie
eine
Pfandrechtsbestellung.170
Auf
Ich orientiere mich im Folgenden an dem Standardtext von Czermak, Das Besitzkonstitut im Saleand-lease-back-Verfahren, ÖBA 4/87, 232ff.
Czermak, Das Besitzkonstitut beim Sale-and-lease-back-Verfahren, ÖBA 4/87,232.
Siehe oben II. 4.1.5. Ad 2, 54.
Frotz in FS Hämmerle, 122 zit nach Czermak, 233.
Czermak, Das Besitzkonstitut beim Sale-and-lease-back-Verfahren, 234.
56
die
Sicherungsübereignung werden die pfandrechtlichen Begründungsvorschriften mit dem
Argument angewandt, dass diese Konstruktion denselben Zweck habe, wie eine
Pfandrechtsbestellung. Es ist daher zu fragen, welche Beweggründe die Parteien zu
einer solchen Konstruktion greifen lassen. Diese Beweggründe sind für die rechtliche
Beurteilung aber nur insofern entscheidend, als sie sich in den konkreten
Vertragsbedingungen wieder finden. Czermak nennt hier verschiedene Elemente, die
auf das Vorliegen einer Sicherungsübereignung im Gewand des Leasings hindeuten:
etwa die Bindung an den Vertrag, die gegen das Vorliegen eines Mietvertrages
spricht171 oder die Regelung der Gefahrtragung, die dagegen spricht, dass hier eine
endgültige Zuordnung zum Vermögen des Leasinggebers gewünscht ist.172 Ich will hier
aber vor allem auf die Vereinbarung für die Zeit nach Vertragsablauf eingehen.
Entscheidend für die rechtliche Beurteilung ist, was die Parteien für die Zeit nach dem
Ablauf ihres Leasingvertrages vorsehen und wünschen. Denn entscheidend ist, ob es
sich dem Wesen nach eher um eine Veräußerung des Leasinggegenstandes durch den
Leasingnehmer an den Leasinggeber handelt, oder ob es sich eher um ein
Sicherungsgeschäft zu Kreditzwecken (wie eben die Sicherungsübereignung) handelt.
Ist also eine dauernde Zuordnung der Sache zum Vermögen des Leasinggebers
gewünscht und entspricht damit das Geschäft in seinen Wirkungen eher einem
Kaufvertrag oder ist in weiterer Folge nach Ende des Leasingvertrages doch die
Möglichkeit in Betracht gezogen, dass der Leasingnehmer wieder Eigentümer der Sache
wird. Das hätte dann dieselbe Wirkung wie die Rückübereignung oder der Rückfall des
Eigentums bei der Sicherungsübereignung nach der letzten Rate. Wenn der
Leasingnehmer nach Vertragsablauf eine Kaufoption zu einem Preis eingeräumt
bekommt, der deutlich unter dem Verkehrswert der Sache liegt, kann man schon bei
Vertragsabschluss davon ausgehen, dass er sie ausüben wird, vorausgesetzt der
Leasingnehmer handelt „halbwegs vernünftig“.173 Die Vereinbarung einer solchen
Kaufoption zeigt, gemeinsam mit den Gefahrtragungsregeln, dass die Sache nicht wie
bei einem normalen Verkauf endgültig aus dem Vermögen des Verkäufers ausscheiden
soll, sondern dass der Leasinggeber an der Sache nur ein Sicherungsinteresse hat.
171
Czermak, 237.
Czermak, 240.
173
Czermak, 244.
172
57
Nach
Czermak
ist
daher
in
solchen
Fällen
die
Ähnlichkeit
mit
der
Sicherungsübereignung groß genug, um eine Übereignung durch Besitzkonstitut als
unzulässig zu erklären.174
Diese Argumentation ist innerhalb des Systems der dinglichen Mobiliarsicherheiten in
Österreich stimmig. Will man die Sicherungsübereignung nicht zulassen, weil man eine
Umgehung des Faustpfandprinzips befürchtet, ist es auch konsistent, die Sale-and-leaseback-Konstruktion nicht zuzulassen, wenn sie im Wesentlichen denselben Zweck
verfolgt.
Es
zeigt
sich
aber
das
Bedürfnis
des
Kreditverkehrs
nach
besitzlosen
Mobiliarsicherheiten. Und es stellt sich die Frage, ob man nicht besser an einem
Konzept arbeiten sollte, das diesem Bedürfnis nachkommt, als alle neuen Versuche der
Praxis wegen Umgehungsabsicht immer wieder aufs neue zu unterbinden zu versuchen.
5. Kritische Prüfung der Argumente anhand der deutschen Praxis
5.1. Zeigen sich in Deutschland jene Auswirkungen der Publizitätslosigkeit, die in
Österreich befürchtet werden?
Da in Deutschland das Pfandrecht an Mobilien zugunsten der Sicherungsübereignung
an Bedeutung verloren hat und daher ein großer Teil der dinglichen Sicherheiten an
Mobilien besitzlos begründet und aufrechterhalten wird, bietet sich im Lichte der
österreichischen Diskussion über die Sinnhaftigkeit des Faustpfandprinzips ein
Vergleich an.
Die Diskussion in Deutschland zeigt, dass von den drei Argumenten Gläubigerschutz,
Schuldnerschutz und Masseschutz nur der Masseschutz in jüngerer Zeit breiter
diskutiert wurde.175 Wie oben ausgeführt, wurde der Effekt der Zulässigkeit besitzloser
Mobiliarsicherheiten, dass die Masse weitgehender ausgehöhlt werden kann, in
Deutschland im Zuge der Insolvenzrechtsreform diskutiert.176 Ein Argument
interessanterweise, das in Österreich bei der Rechtfertigung des Faustpfandprinzips nur
eine untergeordnete Rolle spielt. Weder Lehre noch Rechtsprechung beklagen in
174
Czermak, 244.
Vgl Brehm/Berger, Sachenrecht, 459.
176
Siehe oben II. 3.3, 39f.
175
58
Deutschland in größerem Umfang die Erschütterung der Gläubigerordnung durch die
Aufweichung des Gläubigerschutzes, obwohl dieses Element in der österreichischen
Diskussion zentral ist.
Es stellt sich also die Frage, welches die Gründe dafür sein könnten, dass eine
befürchtete Folge, die in Österreich als zentrale Begründung für die Beibehaltung des
Faustpfandes (trotz aller wirtschaftlichen Unzulänglichkeiten) genannt wird, in
Deutschland offensichtlich nicht (mehr) problematisiert wird.
An drei mögliche Gründe ist hier zu denken:
1. Das Problem existiert in der Praxis auch in Österreich gar nicht in der
befürchteten Schwere: Aufgrund der Durchbrechungen des Faustpfandes durch
Finanzierungsleasing und Eigentumsvorbehalt sowie durch die allgemeine
Verkomplizierung des Wirtschaftslebens ist ein Vertrauen auf den äußeren
Anschein nicht (mehr) gegeben und andere Mechanismen haben auch in
Österreich den „Lokalaugenschein“ ersetzt.
2. Dass sich das Sicherheitenwesen umgestellt hat, hat in Deutschland auch zu
einer
Änderung
bei
den
Gläubigererwartungen
geführt.
Da
es
die
Sicherungsübereignung besitzlos gibt, rechnet der Verkehr nicht damit, dass
Sachen, die er beim Schuldner sieht, in dessen Haftungsfonds fallen. Die
Gläubiger lassen sich vielmehr selbst besichern, da sie damit rechnen, dass uU
alles bewegliche und unbewegliche Vermögen bereits reserviert ist.177
3. In Deutschland existiert das Problem nicht in der Form, weil andere
Mechanismen der Rechtsordnung, die in Österreich vielleicht nicht gegeben
sind, diesen Gläubigerschutz fördern.
177
Siehe oben den Exkurs über die Zusammenwirkung von Rechtsnorm und Vertrauen des
Rechtsverkehrs, 55f
59
Mit diesem dritten Punkt lohnt es, sich ein wenig näher zu beschäftigen. Denn bestünde
nun in Österreich der politische Wille, das Sicherungseigentum unter den selben
Bedingungen zuzulassen wie in Deutschland, so könnte man durch einen Blick nach
Deutschland versucht sein zu argumentieren, man wüsste dadurch, worauf man sich
einließe. Der Schluss liegt nahe, die Probleme, die man sich einzuhandeln riskiert, als
mit den in Deutschland erkennbaren Problemen begrenzt anzusehen. Eine solche
Betrachtungsweise kann aber voreilig sein, wenn man sich nicht in einer vergleichenden
Zusammenschau der deutschen und der österreichischen Rechtsordnung davon
überzeugt, dass nicht andere Rechtsbereiche in Deutschland (explizit oder nicht)
diejenigen Funktionen erfüllen, die in Österreich dem Faustpfandprinzip in seiner
strengen Handhabung zufallen.
Eine solche abschließende Zusammenschau kann im Rahmen dieser Arbeit nicht
geboten werden. Zwei Bereiche möchte ich aber exemplarisch nennen, obwohl es sich
auch hier nur um Denkanstöße handeln kann:
1. Unterschiedlich strenge Voraussetzungen bezüglich der Offenlegungspflicht bei
Kreditgewährungen (§18 KWG178 vgl mit § 27 (3) BWG179)
2. Die unterschiedliche Handhabung der Haftungsbestimmungen bezüglich
vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung (§ 826 BGB vgl mit § 1295 ABGB)
Ad 1:
Bei der Frage, welche Möglichkeiten ein Gläubiger hat, sich davor zu schützen, auf
einen nicht vorhandenen Haftungsfonds zu vertrauen, liegt der Gedanke der
Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse durch den Schuldner nahe. In beiden
Rechtsordnungen ist kein Gläubiger daran gehindert, eine solche Offenlegung zu
verlangen. Ab welcher Kreditsumme sich eine Gläubigerbank aber die wirtschaftlichen
Verhältnisse des Schuldners offen legen lassen muss, ist in Deutschland und Österreich
durchaus unterschiedlich geregelt. Der jüngste Streit zwischen den in Bayern aktiven
österreichischen und den deutschen Banken zeigt, dass diese unterschiedlich strengen
Kreditvergaberichtlinien auch nicht ohne wirtschaftliche Auswirkungen bleiben.180
178
179
180
Deutsches Kreditwesengesetz.
Österreichisches Bankwesengesetz.
ZIB 1, 14. 12. 2004.
60
Zu nennen sind hier zwei korrespondierende Normen, die die Offenlegungspflicht in
Deutschland und Österreich regeln.
§ 18 KWG181 in Deutschland verlangt von der Bank, sich diese Verhältnisse
insbesondere durch Jahresabschlüsse ab einer Kreditgewährung von 250 000 Euro offen
legen zu lassen, § 27 Abs 8 BWG182 in Österreich verlangt eine solche Offenlegung erst
ab einer Kreditsumme von 750 000 Euro.
Diese Bestimmungen binden allerdings nur die Banken und dienen insofern ihrem
Zweck nach nicht dem Schutz des gemäß diesen Bestimmungen handelnden Gläubigers.
Der Zweck dieser Bestimmung ist ein Ähnlicher wie der von Basel II, nämlich der
Schutz der Gläubiger des Kreditgebers: Die Bank muss sich die wirtschaftlichen
Verhältnisse des Kreditwerbers offen legen lassen, um für die Gläubiger der Bank das
Risiko eine so hohe Investition zu verlieren und für die gesamte Volkswirtschaft das
Risiko der Bankeninsolvenz zu minimieren. Das Wesen dieser Bestimmungen liegt also
nicht darin, dass hier ein Mittel gefunden wurde, dass Publizitätserfordernis bei
Sicherungsübereignungen zu ersetzen.
Trotzdem ist diese Bestimmungen für die Einschätzung der Unterschiede in
Deutschland und Österreich bezüglich der Zulässigkeit besitzloser Mobiliarsicherheiten
von Bedeutung. Der eigentliche Effekt wird nämlich wohl in dem unterschiedlichen
wirtschaftlichen Druck gelegen sein, der für die Zulassung besitzloser Sicherheiten
entwickelt wird: Je strenger die Kreditvergaberichtlinien sind – je schwieriger Kredite
also zu bekommen sind – desto dringender benötigen Kreditwerber die Möglichkeit,
Mobilien dinglich besichern zu lassen um damit ihre Bonität zu erhöhen. Diese
unterschiedlich strengen Kreditvergaberegelungen führen also möglicherweise zu einer
Art Ausgleich dafür, dass dem deutschen Kreditwesen bewegliche Sachen als möglich
dingliche Sicherheiten zur Verfügung stehen und dem österreichischen nicht. Wie oben
in dieser Arbeit erläutert, wird dieser Ausgleich aber durch Basel II fallen. Es wird also
spannend, ob dadurch auch in Österreich der wirtschaftliche Druck steigen wird,
besitzlose Mobiliarsicherheiten zuzulassen.
181
182
§ 18 KWG S 1: „Ein Kreditinstitut darf einen Kredit von insgesamt mehr als 250 000 Euro nur
gewähren, wenn es sich von dem Kreditnehmer die wirtschaftlichen Verhältnisse, insbesondere durch
die Vorlage von Jahresabschlüssen, offen legen lässt.“
§ 27 Abs 8 BWG: „ Überschreitet die gemäß Abs 2 ermittelte Großveranlagung 10vH der
anrechenbaren Eigenmittel des Kreditinstitutes oder beträgt sie mindestens 750 000 Euro, so haben
sich die Geschäftsleiter des Kreditinstitutes vor Einräumung einer solchen Veranlagung an einen
Kunden oder eine Gruppe verbundener Kunden über die wirtschaftlichen Verhältnisse der
Verpflichteten und Haftenden sowie über die Werthaltigkeit und Durchsetzbarkeit von Sicherheiten
ausreichend zu informieren sowie laufende Vorlage von Jahresabschlüssen zu verlangen. (…)“
61
Ad 2:
Der Gefahr, dass sich ein Gläubiger das gesamte Vermögen eines Schuldners als
Sicherheit aneignet und damit die Interessen Dritter in krasser Weise missachtet, trägt
nach deutschen und österreichischen Recht das Anfechtungsrecht Rechnung. Dazu
kommt aber, dass die deutsche Lehre und Rechtsprechung § 826 BGB, der die Haftung
für vorsätzliche sittenwidrige Schädigung regelt, in weit umfassender Weise zum
Ausgleich für Drittgläubiger schädigendes Gläubigerverhalten dienstbar gemacht hat,183
als das für Österreich bezüglich § 1295 gesagt werden kann.184
Ohne hier genauer darauf einzugehen, erscheint interessant, dass diese unterschiedliche
Handhabung der vorsätzlichen sittenwidrigen Schädigung wohl auch als eine Art
Ausgleich für das höhere Risiko des Drittgläubigers durch die Zulassung besitzloser
Mobiliarsicherheiten in Deutschland entstanden ist. So führt Wagner im Münchner
Kommentar aus: „Es entspricht guter (bank-)kaufmännischer Praxis, einen Kredit oder
eine sonstige Zahlungsforderung durch Inanspruchnahme des Schuldnervermögens für
Sicherungsrechte abzusichern. Die damit gegebene Gefahr einer Täuschung des
Rechtsverkehrs über die tatsächlich (noch) vorhandene Haftungsmasse sollte das
sachenrechtliche Publizitätsprinzip im Zaum halten, das für die Entstehung von
Sicherungsrechten an Immobilien wie an Fahrnis stets einen Publizitätsakt (Eintragung,
Übergabe) verlangt (§§ 1113, 1205). In der Realität hat sich dieses Konzept nur für die
Immobiliensicherheiten durchhalten lassen, während im Bereich der Sicherungsrechte
an
Fahrnis
sein
langem
die
heimlichen
Sicherungsrechte,
nämlich
die
Sicherungsübereignung, Sicherungszession und Eigentumsvorbehalt dominieren.“185
Wagner führt weiter aus, dass daher der Schluss für § 826 gezogen werden muss, dass
allein Inanspruchnahme besitzloser Mobiliarsicherheiten natürlich noch keine
Irreführung des Rechtsverkehrs liegt. Trotzdem kann bei Hinzutreten weiterer
Umstände die Grenze zur Sittenwidrigkeit überschritten werden und dadurch eine
Haftung des Gläubigers nach § 826 BGB begründet werden.186
183
Münchkomm/Wagner4 , § 826, Rz 69ff.
184
Reischauer in Rummel2, §1295.
185
Münchkomm/Wagner4, § 826, Rz 70.
186
Münchkomm/Wagner4, § 826, Rz 71ff.
62
Zusammenfassend bleibt die oben gestellte Frage, warum sich das Problem der
Erschütterung der Gläubigerordnung in Deutschland offensichtlich nicht in dem für
Österreich – für den Fall der Aufgabe des Faustpfandprinzips – befürchteten Ausmaß
stellt, offen. Alle drei genannten Gründe haben ihre Berechtigung:
Zum Einen vertrauen auch in Österreich die Gläubiger nicht (mehr) in dem in der
Argumentation angenommenen Ausmaß auf den „Lokalaugenschein“, zum anderen hat
sich die Erwartung der Gläubiger in Deutschland durch die Zulassung der besitzlosen
Sicherungsübereignung derart geändert, dass ohnehin kaum noch jemand im
Wirtschaftsverkehr glaubt, davon ausgehen zu dürfen, dass Sachen die er beim
Schuldner sieht in dessen Haftungsfonds fallen.
Drittens sind für den verbleibenden Rest an Risiko in anderen Teilen der deutschen
Rechtsordnung
Mechanismen
gewachsen,
die
den
Gläubigerschutz
des
Faustpfandprinzips wo notwendig entsprechend ersetzen.
III. Fazit
1. De lege lata
Das Faustpfandprinzip ist gesetzlich im ABGB nur durch eine Norm gestützt. Es hat
sich durch Lehre und Rechtsprechung im Lauf der Geschichte immer weiter verschärft
und so erst als Prinzip herausgebildet. Die Sicherungsübereignung ist wirtschaftlich
Sicherungsrecht und rechtliche Eigentum. Aus dieser Zwitterstellung ergeben sich
Probleme der Behandlung im Zusammenhang mit der Publizität. Gegen die analoge
Anwendung der pfandrechtlichen Publizitätsbestimmungen sprechen aber mE
gewichtige systematische und teleologische Gründe. Wirtschaftlich hat diese
Konstruktion schwerwiegende Auswirkungen, die sich durch die Implementierung von
Basel II unter Umständen noch verstärken werden. Die kollisionsrechtliche Behandlung
führt zu dem – in einem Binnenmarkt Europa doch seltsam anmutenden – Ergebnis,
dass der deutsche Sicherungsnehmer seine Sicherung durch einen Grenzübertritt der
Sache nach Österreich verliert. Die Rechtfertigung des Faustpfandprinzips nach seinen
Schutzzwecken kann diesen wirtschaftlichen Nachteilen mE keine überzeugenden
Gründe entgegenstellen, was vor allem durch einen Blick nach Deutschland klar wird.
63
Der einzige relevante Nachteil, der sich in Deutschland zu zeigen scheint ist jener der
Ausblutung der Masse187. Die Durchbrechung des Faustpfandprinzips in Österreich
durch den Eigentumsvorbehalt führt darüber hinaus dazu, dass in Österreich eine
publizitätslose dingliche Sicherung eines Waren- und – beim drittfinanzierten Kauf –
Geldkreditgebers
anerkannt
ist.
Die
unterschiedliche
Behandlung
von
Eigentumsvorbehalt und Sicherungsübereignung kann mE nur schwer gerechtfertigt
werden.
2. De lege ferenda
Es stellt sich die Frage, ob Publizität bei dinglichen Sicherheiten überhaupt notwendig
ist. Der Blick nach Deutschland, der Umgang mit dem Eigentumsvorbehalt und die
Entwicklungen durch Basel II lassen durchaus den Schluss zu, dass auf eine solche
Publizität, ohne dadurch große Nachteile befürchten zu müssen, verzichtet werden
könnte. Effekte die durch das Faustpfandprinzip zwar erreicht werden, aber eigentlich
nicht zu dessen Zwecken gehören, wie der Schutz der unbesicherten Gläubiger in der
Insolvenz,
lassen
sich
durch
stringente
Alternativmodelle,
wie
das
Teilbesicherungsmodell von Wilmowsky, wahrscheinlich besser und ohne die
wirtschaftlichen Nachteile des Faustpfandprinzips erreichen.
Will man sich von der Publizität als Voraussetzung für die Begründung und
Aufrechterhaltung dinglicher Sicherheiten an Mobilien nicht ganz verabschieden, so ist
jedenfalls zu berücksichtigen, dass das Faustpfandprinzip nicht die einzige Möglichkeit
ist, eine solche Publizität zu gewährleisten. In diesem Fall sollte die Einführung eines
Registerpfandrechts rasch betrieben werden, da sich das Faustpfandprinzip, das die
Kreditwirtschaft einst schützen sollte, immer mehr als dessen Hemmschuh herausstellen
wird.
187
Diese Auswirkung könnte durch das vorgestellte Teilbesicherungsmodell von Wilmowsky effektiver
und dogmatisch sauberer, weil nicht als Nebeneffekt einer Publizitätsvorschrift, erreicht werden.
64
Literaturverzeichnis
Brehm/Berger, Sachenrecht, 2000.
Bruckner, Bernulf: Ratingleitfaden Basel II, Institut der Steuerberater, 2004.
Bydlinski, Peter: Durchbrechungen des Publizitätsprinzips im Mobiliarpfandrecht?, ÖJZ
1986, 327.
Czermak, Constanze: Das Besitzkonstitut beim Sale-and-lease-back-Verfahren, ÖBA
1987, 232.
Deixler-Hübner, Astrid/Klicka, Thomas: Zivilverfahren3, 2003.
Demelius, Ernst: Das Pfandrecht an beweglichen Sachen nach österreichischem Recht.
Mit besonderer Berücksichtigung des bürgerlichen Gesetzbuches für das deutsche
Reich, 1897.
Eicher, Gernot: Ausgewählte Probleme des Mobiliarpfandrechts, 1999.
Erler/Kaufmann (Hrsg), Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte III, 1971.
Flossmann, Ursula: Österreichische Privatrechtsgeschichte5, 2005.
Frotz, Gerhard: Aktuelle Probleme des Kreditsicherungsrechts, 1970.
Frotz, Gerhard: Zur Fortbildung des Kreditsicherungsrechts durch neue Formen der
Begründung von Mobiliarpfandrechten; in FS f Heinrich Demelius zum 80. Geburtstag,
1973, 323.
Girsberger, Daniel: Ist das Faustpfandprinzip noch zeitgemäss?, SJZ 1997, 97.
Harrasowsky, Philipp Harras Ritter
österreichischen Civilrechts, 1868.
von:
Geschichte
der
Codification
des
Harrasowsky, Philipp Harras Ritter von: Der Codex Theresianus und seine
Umarbeitungen I-III, 1883/1884.
Hoyer, Hans: Sind Sicherungseigentum und Pfandrecht gleich zu behandeln?, JBl 1984,
543.
Hoyer, Hans: Mobiliarsicherheiten und Grenzübertritt des Sicherungsgutes im
österreichischen Recht, Quartalshefte der GZ IV/86, 21. Jg., 1986, 53.
Hübner, Rudolf: Grundzüge des deutschen Privatrechts5,1930.
Kaser, Max: Das Römische Privatrecht2, 1971.
Klang: Kommentar zum ABGB, II2, IV2 1950.
65
Koziol, Helmut: Koziol/Welser, Bürgerliches Recht I12, 2001.
Markl, Christian; Niedermayer, Monika: Zur Rückgabe des Mobiliarpfands unter
Vorbehalt, ÖJZ 1994, 185.
Martiny, Dieter: Nichtanerkennung deutscher Sicherungsübereignung in Österreich,
IPrax 1985, 168.
Mayer-Maly, Theo: Römisches Privatrecht2, 1999.
Münchner Kommentar zum BGB, V4, VI4, 2001.
Münchner Kommentar zur ZPO2, 2004.
Ofner, Julius: Der Ur-Entwurf und die Beratungsprotokolle des Österreichischen
Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches II, 1889.
Rauscher, Thomas: Sicherungsübereignung im deutsch-österreichischen Rechtsverkehr,
JBl 1985, 321.
Rummel: Kommentar zum ABGB, I3, 2000.
Rummel: Kommentar zum ABGB, II2, 1992.
Schacherreiter, Judith: Publizitätsloses Sicherungseigentum im deutsch-österreichischen
Grenzverkehr, 2005.
Schoneweg, Hans: Der Eigentumsvorbehalt und die Sicherungsübereignung im deutschösterreichischen Rechtsverkehr, 1997
Schröder, Richard/Künßberg, Eberhard, Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte7,
1932.
Schwind, Fritz: „Hinkendes Eigentum“ im österreichisch-deutschen Rechtsverkehr –
Ein juristischer Alptraum; in FS f Gerhard Kegel zum 75. Geburtstag, 1987.
Serick,
Rolf:
Eigentumsvorbehalt
Rechtsentwicklung2 , 1997.
und
Sicherungsübereignung.
Neue
Staudinger Kommentar zum BGB III, 2004.
Thonabauer, Günther: Umfrage der ÖNB über das Kreditgeschäft vom Jänner 2005,
www.oenb.at/de/presse-pub/aussendungen, Stand 10.2.2005.
Wellspacher, Moriz: Sicherungsübereignung und Konkursordnung, GZ 1918.
Welser, Rudolf: Koziol/Welser, Bürgerliches Recht II12, 2001.
Wesener, Gunter: Zur Entwicklung des Pfandrechts in den altösterreichischen Ländern,
in Festschrift f Heinrich Demelius zum 80. Geburtstag, 1973, 257.
66
Wilmowsky, Peter von: Europäisches Kreditsicherungsrecht, Sachenrecht und
Insolvenzrecht unter dem EG-Vertrag, 1996.
Zeiller, Franz von: Commentar über das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch für die
gesamten Deutschen Erbländer der Österreichischen Monarchie II, 1812.
67
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
11
Dateigröße
497 KB
Tags
1/--Seiten
melden