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110 Jahre und wie neugeboren - IHK Regensburg

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REGION
Franz Kassecker GmbH
110 Jahre und
wie neugeboren
Nach Jahren in einem Konzern nahm die Franz Kassecker GmbH
2010 ihre Geschicke wieder in die eigenen Hände. Zwei Jahre später
gibt es gleich mehrere Gründe zum Feiern.
Die Baufirma mit dem roten „K“
gehört zu den ältesten
Unternehmen in Waldsassen.
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WIKO I 09 I 2012
Neuer Bürobau ...
... zum 110. Jahrestag (Firmenfotos)
von Astrid Gamez
sungen in Hof, Chemnitz, Leipzig und eine
Beteiligung in Tschechien, die das Unternehmen aber bis auf die tschechische Tochter bei
Einbruch des Bau-Booms 1995 rechtzeitig
wieder aufgab. „Wir haben in den ersten Jahren sehr viel gelernt von diesem Konzern“,
sagt Fürbringer in der Rückschau, „wir haben
aber als Kassecker unseren mittelständischen Charakter nie verloren.“
D
ie Wurzeln reichen tief. Wer Waldsassen sagt, assoziiert auch das
rote K und umgekehrt. Das Bauunternehmen Franz Kassecker GmbH
ist einer der ältesten Betriebe und
mit 400 Mitarbeitern größter Arbeitgeber in
der Klosterstadt. Heuer feiert das Unternehmen sein 110-jähriges Bestehen und legt
gleichzeitig ein starkes Bekenntnis zum
Standort in der nördlichen Oberpfalz ab: mit
der Einweihung eines 1,7 Millionen Euro teuren Büroneubaus mit 800 Quadratmetern
Nutzfläche und einem hochmodernen Energie-Konzept. „Wir wollen ein Zeichen für die
Zukunft setzen. In Waldsassen soll ein neues
Wahrzeichen entstehen“, sagt Bernd Fürbringer, einer der vier Gesellschafter.
Gründer des Unternehmens, das im laufenden Jahr eine Bauleistung von 65 Millionen
Euro anpeilt, war 1902 der aus Böhmen
stammende Baumeister Franz Kassecker.
Sein Neffe Emil Engel machte die Firma in
den 60er Jahren zu einem bedeutenden Erdbau-Spezialisten. So war Kassecker am Bau
des Rhein-Main-Donau-Kanals und am Ausbau des deutschen Autobahnnetzes beteiligt.
Engels Söhne Wolfgang und Reinhard übernahmen das gut gehende Unternehmen
Ende der 60er Jahre. Als Reinhard 1991 ausstieg, kaufte der Baukonzern Bilfinger Berger AG mit 60 Prozent die Mehrheitsanteile
auf. Die Entwicklung des Gesamtkonzerns
prägte in den weiteren Jahren auch den Betrieb in Waldsassen. Es folgten Niederlas-
Im Schlepptau des Bauriesen
Mit den Jahren traten die Differenzen immer deutlicher zutage. „Wir haben nie in die
Gesamtstrategie gepasst. Bilfinger versteht
sich als Baudienstleister. Wir bei Kassecker
sind ein Bauunternehmen“, erklärt Fürbringer. Der Betrieb im bayerischen Grenzgebiet
entfremdete sich dem Konzern immer mehr
und Schließungsgerüchte machen die Runde.
„Wir standen auf dem Standstreifen und die
haben uns nur noch mitgezogen“, so das
Empfinden des 48-jährigen Diplomkaufmanns. In dieser Situation nahmen 2010
vier langjährige Führungskräfte der Firma
die Zügel in die Hand: Die Geschäftsführer
Manfred Rosner, Ewald Weber und Bernd
Fürbringer sowie Josef Andritzky als Mitglied der Geschäftsleitung gründeten eine
Investmentgesellschaft und übernahmen
100 Prozent der Anteile. Im Unternehmensklima schlug sich die Erleichterung sofort
nieder: „Da war eine kleine Euphorie, wir
sind wieder wir!“
„Dieser Schritt war der richtige“, sagt Bernd
Fürbringer auch zwei Jahre später. Der Betrieb konnte sich seine Struktur bewahren
und statt Kündigungen gab es sogar einen
leichten Mitarbeiterzuwachs. „Wir haben die
Vorteile des Konzerns übernommen“, erklärt
sein Mit-Geschäftsführer Ewald Weber. Dazu
gehört das Controlling und die Struktur der
vier Unternehmensbereiche Tiefbau, Bahn
und Ingenieursbau, Hoch- und Industriebau
sowie Stahl- und Metallbau mit jeweils einem technischen und einem kaufmännischen Leiter. Anders als früher tragen nun
kurze Entscheidungswege zu einer leichten,
aber stetigen Umsatzsteigerung bei. Das Unternehmen entdeckt neue Freiheiten und
Geschäftsfelder für sich, etwa die Betonsanierung oder den Ausbau des Stromnetzes
zur Energiewende. In der Sparte Hochbau
betreibt eine neu gegründete Projekt-GmbH
die Grundstücksbebauung, Investorensuche
und den Verkauf von lohnenden WohnbauProjekten, etwa in der Wöhrdstraße in Regensburg. „Die Mischung macht es“, erklärt
Weber die Erfolgsstrategie. Zehn Prozent
Wachstum verzeichne die deutsche Bauwirtschaft für dieses Jahr, getrieben vor allem
vom privaten Wohnungsbau und der
Service
Podcast
Den Audiobeitrag
können Sie downloaden:
www.ihk-regensburg.de/
podcast
WIKO I 09 I 2012
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Geschäftsführer seit 2010 (v. l.): Josef Andritzky,
Bernd Fürbringer, Manfred Rosner und Ewald Weber
Privatwirtschaft. Die Franz Kassecker GmbH
reagierte darauf mit neuen Geschäftsstellen
in Ballungszentren wie München.
„Über den Tarif diskutieren wir nicht“
ren durchlässige Aufstiegswege, Karriereförderung, eine offene Informationskultur und
das selbstverantwortliche Arbeiten im Team
genauso wie ein Vertrauensarbeitszeitmodell, familienfreundliche Teilzeitarbeitsplätze, ein Altersteilzeitsystem mit Lebensarbeitszeitkonten und das Einbinden von
Ehemaligen im Ruhestand bei Festen und
Ausflügen. „Über den Tarif diskutieren wir
nicht, den zahlen wir“, sagt Weber, das sei
der Unterschied zu vielen anderen Branchen
und Regionen. Fürbringer: „Bei Kassecker
kann man gute Einkommen erzielen.“ In
Waldsassen, der nördlichen Oberpfalz und
dem angrenzenden fränkischen Raum hat
sich das längst herumgesprochen. Nachwuchssorgen habe der Betrieb nicht, sagt der
Arzberger.
Der Konkurrenzdruck aber bleibt: „Den
Kunden interessiert der Preis, sonst nichts“,
konstatiert Weber, „das ist das deutsche
System und auch das Marktgeschehen in der
Bauwirtschaft.“ Zwar gebe es immer wieder
Nischenprodukte, aber ansonsten habe
Kassecker kaum Alleinstellungsmerkmale
im Kampf um Aufträge im Schwerpunkt-Bereich von einer bis zehn Millionen Euro Auftragssumme. Weh tut dem Unternehmen
daher das öffentliche Vergaberecht, das allein den Preis berücksichtigt. „Der Günstigste sollte den Zuschlag bekommen und
nicht der Billigste“, lautet Fürbringers
Wunsch.
„Der Mensch steht im Mittelpunkt“, lautet
die Unternehmensphilosophie. Dazu gehö-
Zwar sieht Weber die deutsche Bauwirtschaft, die sich nach längerer Talfahrt seit
etwa fünf Jahren stabilisiert hat, „in den
nächsten Jahren eher auf der Sonnenseite.“
„Wir haben die Absicht, uns durch stetiges
Wachstum zu einem der bedeutendsten mittelständischen Bauunternehmen in Bayern
zu entwickeln“, skizziert Fürbringer das mittelfristige Unternehmensziel. Schaffen kann
das der Waldsassener Betrieb, der sich in den
letzten Jahren vor allem im Bereich Hotelund Schulbauten Kompetenz erworben hat,
durch den Ausbau seiner Stärken. Fürbringer
nennt Termintreue, Qualitätssicherung und
die Abwicklung von komplexen Projekten
aus einer Hand. Sein Kollege Weber fügt
hinzu: „Ich vergleiche den Bauvertrag mit
Schulnoten. Laut Bauvertrag schuldet der
Bauunternehmer eine Drei. Einen Einser
können wir uns nicht leisten, ab einem Vierer kostet uns das im Nachgang zu viel Geld.
Kassecker hat es sich auf die Fahnen geschrieben, immer einen Zweier abzuliefern“,
also gute Arbeit. ■
Kassecker-Projekte: Realschule Helmbrechts ...
... Bürogebäude der Dennree GmbH in Töpen ...
... Gymnasium Münchberg
Der Stammsitz in Waldsassen steht und
stand dabei nie zur Diskussion. 80 Prozent
der Belegschaft stammen aus der Region und
sind dem Unternehmen seit vielen Jahren
treu. Nachteile, wie die weiten Wege, würden
durch niedrige Lebenshaltungskosten wieder
ausgeglichen, sagt Weber. Sieben unterschiedliche Berufe bildet der Betrieb aus und
die Azubi-Quote in der Gesamtbelegschaft
liegt bei zehn Prozent. „In den letzten Jahren haben wir außerdem fünf duale Studenten eingestellt“, so der diplomierte Bauingenieur (50). Attraktiv sei das Unternehmen
durch sein familiäres Betriebsklima. „Wir gehen verstärkt auf Schulen zu und haben
enormen Zuspruch“, sagt Weber.
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WIKO I 09 I 2012
Geiz nicht immer günstig
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