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Einfach kein Tag wie jeder andere - Cham-St.Josef

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Einfach kein Tag wie jeder andere
SOZIALES Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kirche
diskutierten in Cham über
den Sonntag und seine Bedeutung für Familien.
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VON KARIN SUFT
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Auf großes Interesse ist die Podiumsdiskussion der Pfarrei St. Josef
zum Thema „Sonntag gestern – heute
– morgen“ am Donnerstagabend gestoßen. Pfarrgemeinderatssprecher
Dr. Thomas Frisch freute sich, zahlreiche Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Kirche, Angehörige der
Pfarrgemeinde sowie Mitglieder der
Katholischen
Arbeiterbewegung
(KAB) aus dem ganzen Landkreis begrüßen zu dürfen.
Die Tatsache, dass der Sonntag seine religiöse und soziale Bedeutung
immer mehr verliere, habe die Pfarrgemeinde in den letzten Jahren schon
häufiger beschäftigt, sagte Dr. Frisch.
Ziel dieses Abends sei es, nachzudenken, wie und warum sich die Sonntagskultur verändert habe, und was
die Entwertung des Sonntages für Arbeitnehmer, für die Familie und für
die Kirche bedeute.
Pfarrer Dr. Kazimierz Pajor ging
auf das christliche Verständnis des
Sonntags ein. Der Sonntag stehe den
Menschen nicht zur freien Verfügung. Quellen, dass der Sonntag als
Tag des Herrn gilt, fänden sich im
Schöpfungsbericht und in der jüdischen Theologie, die den Sabbat heilige. Der Sonntag als Ruhetag sei für die
Gesundheit wichtig, die sonntägliche
Unterbrechung diene aber auch der
Freiheit – äußerlich und innerlich.
„Diese Freiheit will uns Gott schenken“, sagte Pfarrer Pajor.
Seit mehreren Jahren entferne sich
die Gesellschaft immer mehr von der
christlichen Kultur. Schleichend werde die religiöse Bedeutung des Sonntags ausgehöhlt, die Tendenz gehe hin
zur „Kultur des Wochenendes“, in der
individuelle Zwänge überwiegen.
Deshalb hätten es sich Allianzen von
Gesellschaft und Kirchenverbänden –
wenn auch aus unterschiedlichen
Motiven – zum Ziel gesetzt, Grenzen
zu setzen. Der arbeitsfreie Sonntag
solle auch ein Zeichen sein, dass Leben mehr als Arbeit bedeute, und Gesellschaft mehr als Wirtschaft.
CHAM.
Bürgermeisterin Karin Bucher erklärte, dass sich die Tage ohne den Sonntag wie Perlen einer Kette aneinanderreihen würden, ohne sich zu unterscheiden. Grundsätzlich sei sie der
Meinung, dass man den Sonntag ehren sollte. Ein Tag der absoluten Ruhe
könne er aber nie werden. Zum Beispiel Krankenschwestern, Polizisten
oder Beschäftigte in der Gastronomie
müssten zwangsläufig am Sonntag arbeiten. Gerade auch an den verkaufsoffenen Sonntagen sehe man mehr
Familien zusammen in der Stadt als
an anderen Tagen. Sie böten den Familien die Möglichkeit, „einen schönen Tag in der Stadt Cham zu verbringen“. Vier Sonntage würden dafür
aber ausreichen, sagte Bucher.
Dazu meldete sich aus dem Publikum KDA-Sozialsekretärin Ute Meier
zu Wort und erklärte dazu, dass es
eben nicht nur vier Sonntage seien,
sondern dass ihr bayernweit eine riesige Liste vorliege. Damit werde verhindert, dass sich die Familien miteinander beschäftigten und zum Beispiel
einmal ein Würfelspiel spielen könnten. Ganz zu schweigen von den Familienangehörigen, die im Verkauf
beschäftigt seien und deshalb eben
nichts mit ihren Familien unternehmen könnten.
Foto: Archiv
Die Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Kirche (v. li): Unternehmer Paul Baumgartner und Günter Salzberger,
Dekan Walter Kotschenreuther, Pfarrer Dr. Kazimierz Pajor, Bürgermeisterin Karin Bucher, KAB-Landesvorsitzender Edgar Schiedermeier, Christian Dietl vom DGB und Pfarrgemeinderatssprecher Dr. Thomas Frisch Foto: Suft
Landrat Franz Löffler zeigte drei
Aspekte des „Spannungsfeldes“ arbeitsfreier Sonntag auf. Die Zahl der
Kirchgänger sei rückläufig. Die Frage,
ob sich am Sonntag Geld verdienen
lasse und das wirtschaftliche Interesse stünden ebenso zur Diskussion wie
der soziale Schutz der Bevölkerung
mit dem Sonntag als Ruhetag. Nicht
ohne Grund hätten die Väter der Verfassung den Sonntag besonders geschützt. Löffler merkte an: „Letztlich
liegt es an uns, wie wir mit dem Sonntag umgehen. Ob wir die Familie mit
einbeziehen, ob wir an den Aufweichungen teilnehmen.“
KAB-Landesvorsitzender
Edgar
Schiedermeier sagte: „Ich trete für den
arbeitsfreien Sonntag ein, wo immer
es möglich ist.“ Als Vertreter der Arbeitnehmer und aus politischer wie
christlicher Sicht halte er es für wichtig, dass die Menschen nicht mehr als
nötig an Sonntagen arbeiten. Die Entwicklung zeige, dass immer mehr
Menschen an Sonntagen arbeiten
müssten. Die Kaufkraft nehme nicht
zu, es stehe nicht mehr Geld zur Verfügung, weil die Ladenschlusszeiten
länger sind. „Deshalb verstehe ich
nicht, warum das ausgeweitet wird.“
DGB-Regionsvorsitzender Christian Dietl führte aus, dass die Stadt
Cham und die Allianz für den freien
Sonntag verschiedene Rechtsauffassung hätten. Deshalb habe er die
Rechtsaufsicht bei der Regierung der
Oberpfalz eingeschaltet. Verkaufsoffene Sonntage schadeten den Beschäftigten, sagte er: „Aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, machen die
Menschen Zugeständnisse.“
Dem widersprach Günter Salzberger, Geschäftsführer des Modehauses
Heilingbrunner: Seine Angestellten
würden am Sonntag doppelt entlohnt
und seien gerne bereit, an diesem Tag
zu arbeiten. Er stellte fest, dass auch
an Samstagen die Leute immer später
zum Einkaufen gehen würden und
morgens fast niemand unterwegs sei.
Paul Baumgartner, Seniorchef des
gleichnamigen
Busunternehmens,
stellte dar, dass seine Mitarbeiter gerade an Sonntagen und Wochenenden
länger arbeiten, zum Wohl der Gäste:
„Es müssen auch in Zukunft Menschen da sein, die zum Wohl der Erholungssuchenden Dienst tun.“
Zwischen Gott und Mammon
Dekan Walter Kotschenreuther führte aus, er wolle keine „Theokratie“:
Die Kirche habe nicht das Recht, einen freien Sonntag anzuordnen. Diese Zeiten seien vorbei. Er wolle mit
Argumenten überzeugen. Es müsse
einen Tag geben, an dem wir das erledigen können, „was Gott von uns
möchte, einen Tag, an dem wir selbst
sind“, sagte er. Die Grundfrage laute:
„Wem wollen wir gehören: Gott oder
dem Mammon?“
Aufgrund der langen Statements
blieb nicht mehr viel Zeit für die Diskussion. Dennoch wurde auf verschiedene Fragen aus dem Publikum
eingegangen: Wie sieht der Sonntag
der Zukunft aus, sollte man den Sonntag besser schützen, um die Familien
nicht zu zerreißen? Wenn jeder an einem anderen Tag frei hätte, wo bliebe
da die Familie? Eine Zuhörerin zeigte
sich enttäuscht über den verkaufsoffenen Sonntag der Stadt Cham gerade
am Palmsonntag, den sie als Christin
nicht entehrt sehen wollte. Bürgermeisterin Bucher antwortete, es sei in
diesem Jahr aufgrund der Messe in
Furth im Wald kein anderer Termin
mehr möglich gewesen.
Abschließend fasste Schiedermeier
zusammen, dass fast alle Anwesenden
der Meinung seien, der Sonntag sei
nicht nur aus religiösen Gründen
wichtig. Es gehe nicht um die verkaufsoffenen Sonntage, sondern um
mehr, sagt er. Er appellierte an die Anwesenden, sich politisch zu engagieren. „Wir müssen sagen, was wir wollen, sonst sagen die anderen: Wir können tun, was wir wollen.“
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Herzlich willkommen
zur Pfingstfestwoche
2011
DTP
Gelegenheit für einen schönen Tag
Der verkaufsoffene Sonntag als Familien-Erlebnis – Gewerkschaften und Kirche sind da skeptisch.
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Seele and Geist
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