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Interview Staatsanzeiger BW - Jan Arndt Consulting

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Motivation
„Ein Lob ist wie ein Wegweiser
auf der Straße des Erfolgs“
solle er ihm aber nochmals persönlich seine Anerkennung aussprechen und das mit einem
Handschlag unterstreichen.
„Nichts gesagt ist genug gelobt“,
lautet ein viel zitierter Satz, der
Experten allerdings nachdenklich stimmt. Denn auch ein Lob
zur rechten Zeit kann Beschäftigte zu Höchstleistungen motivieren und die Identifikation mit
dem Arbeitgeber stärken.
Das Besondere an der Leistung
hervorheben
Von Daniela Haußmann
STUTTGART/FILDERSTADT.
Wertschätzung und Anerkennung
von Leistungen sind laut Knigge-Expertin Silke Schneider-Flaig wichtige Komponenten der Mitarbeiterführung. Ein Lob funktioniere wie
ein Wegweiser auf der Straße des Erfolgs. Es hilft den Beschäftigten, ihre
Leistung einzuschätzen und signalisiert ihnen, dass sie mit ihrer Arbeit
auf dem richtigen Weg sind. Das erhöht die Motivation. Daher sollte ein
Lob stets positiv formuliert werden,
wie die Expertin aus Stuttgart erklärt. Der Satz „Ihr Vorschlag klingt
vielversprechend“, drücke das unmissverständlich aus, während die
Äußerung „Das klingt nicht uninteressant“ schon eher Zweifel beim
Gegenüber aufkommen lasse.
Nicht zu lange
mit dem Loben warten
Wichtig sei auch, Mitarbeitern unmittelbar die Anerkennung auszusprechen. Schneider-Flaig betont,
dass spontane und zeitnahe Anerkennung die Authentizität unterstreiche. Das gebe Angestellten Sicherheit, fördere ihr Selbstbewusstsein und verleihe ihnen den Ansporn, noch ein wenig besser zu werden. Führungskräfte sollten daher
auch in konkreten Situationen, bei
denen sie einen Mitarbeiter bei seiner Aufgabenerfüllung beobachtet
haben, sofort ein Lob aussprechen.
Beispielsweise dann, wenn die Beschwerde eines Bürgers auf dem
Rathaus zuvorkommend und erfolgreich abgewickelt werden konnte.
Um einem Lob Nachdruck zu
verleihen, darf es der Autorin zufolge auch emotionalisiert werden.
Auch Begeisterung dürfe darin zum
Ausdruck kommen. Aussagen wie
Lob fördert nicht bloß die Motivation des Einzelnen, sondern auch die Stimmung im Team. FOTO: DPA
„Da war ich ganz stolz auf Sie“, „Ich
habe mich über Ihren Einsatz gefreut“, „Ich schätze Ihre Meinung
sehr“ oder „Es macht richtig Spaß
mit Ihnen zusammenzuarbeiten“
können Schneider-Flaig zufolge die
Anerkennung einer Leistung unterstreichen. Die Angestellten erfahren so eine besondere Wertschätzung und bemerken, dass ihre Arbeit wichtig ist und ihre Leistung
wahrgenommen wird.
Übertriebenes Lob hingegen fördert das Misstrauen. Führungskräfte, die permanent den gleichen Mitarbeiter loben und alles toll finden,
was dieser macht, machen die Wertschätzung, die zum Ausdruck kommen soll, zunichte. „Wer vor versammelter Mannschaft Selbstverständlichkeiten betont wie beispielsweise, dass der Gelobte immer
pünktlich zur Arbeit erscheint oder
Anträge genau bearbeitet, untergräbt die eigene Glaubwürdigkeit“,
so Schneider-Flaig. „Das nährt eher
den Eindruck, dass der Betreffende
weggelobt werden soll.“ Gleichzeitig
werde das Vertrauen des Teams in
die Führungskraft erschüttert.
Aber auch wenn ein Einwohner
sich für die eingehende Beratung
bedankt, die er von einem Verwaltungsmitarbeiter erhalten hat, sollten Amtsleiter oder Bürgermeister
diese Wertschätzung an die entsprechende Fachabteilung oder an den
betreffenden Beamten weiterleiten.
Ein unabhängiges Lob ist laut
Schneider-Flaig eine Bestätigung
dafür, dass die Dienstleistungsqua-
„Wer einen Mitarbeiter vor den Kollegen lobt, um sie damit unter Leistungsdruck zu setzen, erreicht genau
das Gegenteil.“
Jan Arndt, Personalberater
lität stimme und fördere das Bestreben, diese zu erhalten oder weiter
auszubauen.
Ein Lob ist ein Lob, wie die Beraterin erklärt: „Keinesfalls sollte es relativiert werden“. Aussagen wie „Das
war eigentlich schon ganz anständig“, „Recht gute Arbeit, aber versuchen Sie das nächste Mal, darauf zu
achten“ oder „Ganz ordentlich, früher war das ja nicht immer so“,gilt es
zu vermeiden. „Lob sollte nicht mit
Kritik verbunden werden“, meint
Schneider-Flaig. „So etwas verwirrt
nur. Das Lob wird neutralisiert und
der positive Effekt ist dahin.“
Die verbale Honorierung einer
Leistung sollte Jan Arndt zufolge
nicht strategisch eingesetzt werden.
Beschäftigte erkennen instinktiv, ob
ein Lob aufrichtig gemeint ist oder
nicht. „Wer beispielsweise einen
Mitarbeiter vor den Kollegen lobt
und betont, dass sich die anderen
ein Beispiel an ihm nehmen sollen,
um sie damit unter Leistungsdruck
zu setzen, erreicht genau das Gegenteil“, so der Berater aus Filderstadt
(Landkreis Esslingen).
Wichtig ist auch, dass ein Lob
nicht durch Dritte überbracht wird,
denn durch je mehr Filter es geht,
desto unpräziser wird es. „Sicherlich
hat der Oberbürgermeister einer
großen Stadt nicht die Zeit, ein Lob
direkt zu überbringen“, so Arndt.
„Hier kann der entsprechende
Amtsleiter beauftragt werden, stellvertretend ein Lob zu übermitteln.“
Wenn der Oberbürgermeister dem
Beschäftigten im Rathaus begegne,
Grundsätzlich sollte die verbale
Wertschätzung einer Leistung begründet werden. „Wer ein Team
lobt, das beispielsweise erfolgreich ein Qualitäts- oder Organisationsmanagement
eingeführt
hat“, sagt Arndt, „sollte das Besondere an der Leistung hervorheben
und deutlich machen, was diese
für die Verwaltung insgesamt bedeutet. Beispielsweise, dass durch
die optimierte Organisation Kollegen entlastet werden, Anträge
schneller bearbeitet werden können oder die Dienstleistungsqualität in einem bestimmten Bereich
steigt.“ Auch die herausragende
Leistung Einzelner im Team könne hervorgehoben werden. Sie
sollten aber laut Arndt ebenso begründet werden. Das erhöhe die
Glaubwürdigkeit des Lobs und
vermeide Konflikte.
Wer ein Anerkennungsgespräch unter vier Augen führen
möchte, sollte dies ankündigen.
„Denn häufig geht der Mitarbeiter
vom Schlimmsten aus, wenn der
Vorgesetzte zum Gespräch bittet“,
so Arndt. „Daher ist es ratsam, zu
sagen, dass den Mitarbeiter nichts
Schlimmes erwartet, sondern dass
es darum gehe, zu sehen, welche
Ziele in den nächsten Monaten für
ihn entwickelt werden können.“
Der Beschäftigte muss also keine
Angst haben, sondern kann sich
auf das Gespräch vorbereiten. Daher sollte es auch nicht kurzfristig
anberaumt werden, wie Jan Arndt
betont. Das gebe beiden Seiten die
Möglichkeit, sich Gedanken zu
machen. Und der Beschäftigte bemerke, dass der Vorgesetzte sich
mit seiner Arbeit, aber auch seinen
Stärken und Schwächen befasse.
Führungskräfte, die darauf achten, wen sie loben, wofür sie loben
und wie sie ihr Lob dosieren, werden daher mit dem Ausdruck ihrer
Wertschätzung keinen Schiffbruch erleiden.
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Seele and Geist
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