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Fast wie zu Zeiten des Kalten Krieges - Europäische Sicherheit

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Kommentar
Fast wie zu Zeiten des
Kalten Krieges
Natürlich spielte bei der Münchner Sicherheitskonferenz die dramatische Entwicklung in Syrien
eine herausragende Rolle. Waren doch wichtige
Persönlichkeiten wie die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton, der amerikanische
Verteidigungsminister Leon Panetta und der
russische Außenminister Sergey Lavrov neben
etlichen anderen Regierungschefs und Ministern
aus der arabischen Region vor Ort. Doch bei
den Vorträgen und Diskussionen zur Situation in
Syrien mit der am Wochenende der Konferenz
in München bevorstehenden Abstimmung im
UN-Sicherheitsrat fühlte man sich an die Zeiten
des Kalten Krieges erinnert. Minister Lavrov
stellte bei seinem Vortrag vor den versammelten
Teilnehmern klar, dass Russland jede Resolution
des Sicherheitsrats ablehne, die das Regime
des syrischen Präsidenten Assad verurteile.
Die gewaltbereiten Oppositionsgruppen seien
genauso verantwortlich für die Eskalation und
die zahlreichen Toten und Verletzten wie die
syrische Regierung. Russland werde keiner
Resolution zustimmen, die sich in die inneren
Angelegenheiten eines souveränen Staates
einmische und den Vorwand zu einer ausländischen Intervention biete. Bei der UN-Resolution
zum Eingreifen und zur Unterstützung in Libyen
hatte die Haltung Russlands noch ganz anders
ausgesehen. Lavrov betonte, Russland betreibe
eine eigenständige Außenpolitik. Richtiger wäre
wohl gewesen zu argumentieren, dass Russland
gegenüber Syrien eine klare Interessenpolitik
betreibe, denn in der gleichen Rede verteidigte
er auch die russischen Rüstungslieferungen an
Syrien. „Dies ändere nichts am Stärkeverhältnis
in der Region“, so Lavrov. Die weitere Ankündigung Lavrovs, dass er gemeinsam mit dem Chef
des Auslandsnachrichtendienstes nach Damaskus reisen werde, zeigte deutlich die unnachgiebige Haltung Russlands in der Syrienfrage.
Die Worte Lavrovs machten schon in München
wenig Hoffnung, und nach seinem Besuch in
Damaskus konnte Syriens Präsident Assad sicher
sein, dass Russland ihn weiter unterstützen
werde.
Hinter den Kulissen in München wurde bilateral
heftig verhandelt, doch letztlich ohne Erfolg.
Versuche der amerikanischen Außenministerin
Clinton und auch von Bundesaußenminister
Westerwelle, Lavrov noch vor der Abstimmung
in New York umzustimmen, schlugen fehl.
Nach Aussagen amerikanischer Diplomaten in
München seien die Begegnungen zwischen
Clinton und Lavrov sehr heftig verlaufen. Das
war dann auch an der hoch emotionalen Reaktion der amerikanischen Außenministerin
bei der kurzfristig am Samstagabend im Bayerischen Hof anberaumten Pressekonferenz zu
erkennen, nachdem Russland und China die
Resolution des UN-Sicherheitsrats durch ihr Veto blockiert hatten. Mit dramatischen Worten
machte sie Russland und China mitverantwortlich für das Fortschreiten des Mordens in Syrien. Sie schloss aber gleichzeitig ein militärisches
Eingreifen aus.
Gleichzeitig zeigte sich in München auch die
Hilflosigkeit der Staatengemeinschaft bei diesem Konflikt. Was in anderen Ländern des
Arabischen Frühlings zur Unterstützung der
Demokratiebewegungen zum Erfolg geführt
hat, scheint in Syrien nicht möglich zu sein. In
Paris erklärten Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premier David Cameron,
warum die Situation beispielsweise in Syrien
anders ist als seinerzeit in Libyen, wo westliche
Staaten in den Konflikt militärisch eingegriffen
hätten. Dies sei mit Genehmigung der Vereinten
Nationen und der Arabischen Liga geschehen.
Außerdem habe es eine Oppositionsbewegung
gegeben, die im Auftrag des ganzen Landes gearbeitet habe. Diese drei Bedingungen seien im
Fall Syrien nicht gegeben. Und solange Russland
und China weiter zum syrischen Präsidenten
Assad und der übrigen Herrscherfamilie stehen,
werden das Morden und die Unterdrückung der
Protestbewegung weitergehen.
Auch Chinas Haltung trägt eher zur Stärkung
des Assad-Regimes bei, wenn man den chinesischen Vizeaußenminister vor seiner Reise nach
Damaskus hört: „Wir rufen die syrische Regierung auf, das legitime Streben des Volkes nach
Reform und Entwicklung zu beherzigen, und
wir appellieren an die verschiedenen politischen
Fraktionen, ihre politischen Ziele gewaltlos und
gesetzmäßig auszudrücken.“ Der Konflikt solle
unter Beteiligung der Arabischen Liga gelöst
werden. Sanktionen seien nicht hilfreich. Die
Vereinten Nationen sollten darauf hinwirken,
Spannungen abzubauen.
Präsident Assad fühlt sich durch Russlands und
Chinas Haltung eher bestärkt, noch gewaltsamer gegen die Protestbewegungen vorzugehen.
Er weiß zwar, dass er mit dem Rücken zur Wand
kämpft. Es kann für ihn nur ein Überleben als
brutaler Unterdrücker und Diktator geben. Einzig Russland und China könnten das Leid des syrischen Volkes beenden, wenn sie Assad endlich
fallen ließen.
Henning Bartels
März 2012 · Europäische Sicherheit & Technik
3
Inhalt
Seite 54
Seite 61
Ausbildungszentrum U-Boote
Streit um die Sicherheitsstrategie
Typspezifische System- und Einsatzausbildung mit
hochmoderner U-Boottechnologie.
Droht Österreich die verteidigungspolitische
Marginalisierung in Europa?
SICHERHEIT & POLITIK
ES&T Spezial: rheitsMünchner Siche
konferenz 2012
10 Der zentrale Ort für den globalen Dialog
Henning Bartels
12 Die Rolle Deutschlands in der Welt
Thomas de Maizière
14 Zu viel oder zu wenig Führung?
Tobias Bunde
15 Ein neuer Blick auf die Sicherheit
Tatjana Vogt
16„Wir können die Krise des Klimawandels
in eine Chance umwandeln“
Kumi Naidoo
20Auf dem Weg zu einer euro-atlantischen
Sicherheitsgemeinschaft
Guido Westerwelle
21„Wir wollen die Fehler, die in der Vergangenheit bei
Kürzungen gemacht wurden, nicht wiederholen“
Leon Panetta
24„Europa bleibt erste Wahl als Partner für Amerika“
Hillary Rodham Clinton
27Die euro-atlantische Sicherheit ist ein Eckpfeiler
der globalen Sicherheit
Anders Fogh Rasmussen
29 „It´s banks, not tanks“: Die Schuldenkrise in Europa
Tatjana Vogt
31„Ohne demokratischen Wandel gibt es keine
Stabilität im Nahen Osten“
Tawakkul Karman
33Freiheit oder Sicherheit – der Clash of
Civilisations im World Wide Web
Tanja Vogt
34 Sicherheit kann nur noch vernetzt gedacht werden
Rolf Clement
4
Europäische Sicherheit & Technik · März 2012
BUNDESWEHR & STREITKRÄFTE International
36 Die neue Struktur des Heeres:
Das Kommando Heer
Peter Grundhoff
39 Die Neuausrichtung der Streitkräftebasis
Dirk Eugen Metz und Autorenteam FüS VI 7
43 Air Maneuver Tactical Leadership Training
Christoph Hegele
46 Das Maritime Sicherheitszentrum
Jan Hackstein
50 Fernausbildung im Gefahrgutwesen Ralf Henning
54 Ausbildungszentrum U-Boote
Richard Ernst Kesten
58Das Informationsumfeld im Blick:
Operative Kommunikation der Bundeswehr
Michael Mattes
61 Kampfunterstützung im Einsatz
Dietmar Klos
66 Bundesheer vor der Marginalisierung?
Thomas Bauer
Seite 72
Seite 112
Kampfunterstützung
Chicago 2012
Die Einsätze haben gezeigt, was unabdingbar
für den Erfolg ist.
Vom NATO-Gipfel im Mai ist kein „großer Wurf“
zu erwarten.
ÄUSSERE & ZIVILE SICHERHEIT
RÜSTUNG & TECHNOLOGIE
69Waffenstationen für leichte und mittelschwere
Fahrzeuge
Hans Joachim Wagner
77Elektromagnetisches Spektrum:
Teil des Informationsraums
Michael Arlt
86 Neues aus der Schutztechnologie
Michael Horst
90 Vor-Ort-Analytik von biologischen Agenzien
Hans-Peter Weinheimer
93 SeaSpider: Anti-Torpedo-Torpedo
Hans-Dieter Ehrenberg und Torsten Bochentin
WIRTSCHAFT & INDUSTRIE
1 00 Anpassung der Ausstattung
Bernd Siebert
1 04 Rafale für Indien?
Ulrich Rapreger
106 „Starke Präsenz auf allen Kontinenten“
Interview mit Lutz Bertling, Präsident und
CEO von Eurocopter
1 12 Chicago 2012 – Ein Gipfel ohne Höhepunkt?
Michael Sömmer
1 17 Ein Jahr „Arabischer Frühling“
Martin Pabst
RUBRIKEN
3
6
49
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Kommentar
Umschau
Impressum
Typenblatt
IT News & Trends
Fraunhofer INT: Neue Technologien
Blick nach Amerika
Informationen – Nachrichten – Neuigkeiten aus aller Welt
Unternehmen & Personen
Blick nach Berlin
Nachrichten aus Brüssel
Clausewitz-Gesellschaft
Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik
Bücher
Gastkommentar
„Meint man es allerdings ernst mit technologischer Führerschaft und nationaler
Unabhängigkeit, muss man die Unternehmen auf diesem Wege auch politisch unterstützen. Hier gibt es mehrere gangbare Alternativen, die möglichst kombiniert
werden sollten. Es spräche beispielsweise nichts dagegen, Entwicklungen von
gesamtwirtschaftlicher Relevanz mit Mitteln zu unterstützen, die nicht aus dem
Verteidigungsetat stammen. Die Kenntnisse aus der wehrtechnischen Forschung
finden sehr häufig den Weg in die zivile Verwendbarkeit. Die unbemannte Luftfahrt ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich militärischer und ziviler Nutzen von
technologischen Revolutionen ergänzen.“
Bernd Siebert MdB: Anpassung der Ausstattung, S.100
Umschau
ein Sprachmittler und ein Rechtsberater.
Zur Ausrüstung des EGV gehören auch zwei
Bordhubschrauber vom Typ Sea King. Die
BERLIN wird vier Monate bis Mai 2012 am
Horn von Afrika operieren. (ds)
DOLPHIN (2. Los) schwimmt
Bei Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW)
in Kiel wurde das erste von zwei im Bau
befindlichen U-Booten der modifizierten DOLPHIN-Klasse (2. Los) für Israel zu
Wasser gelassen. Israel hat bereits drei
diesel-elektrische U-Boote der DOLPHIN-
Der NATO-Einsatzverband „Standing NATO
MCM Group 1“ (SNMCMG) absolvierte
kürzlich ein umfangreiches zweiwöchiges
Ausbildungsprogramm am Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Marine
(EAZS) in Neustadt/Holstein. Zum NATOVerband unter norwegischer Führung gehören Minenjagdboote aus den Niederlanden,
(Foto: Michael Nitz)
(Foto: PIZ/Marine)
Mit der BERLIN hat die Deutsche Marine
erstmals einen Einsatzgruppenversorger
(EGV) zur EU-geführten Anti-Piraterie-Operation „Atalanta“ am Horn von Afrika ent-
Standing NATO MCM
Group 1
(Foto: Archiv ES&T)
EGV BERLIN zur Operation
„Atalanta“
Klasse (1. Los) bei HDW bauen lassen und
1999/2000 in Dienst gestellt. Die U-Boote
(2. Los) erhalten einen außenluftunabhängigen Brennstoffzellenantrieb und sind ca.
10 m länger als ihre drei Vorgänger und
verdrängen ca. 2.300 t. Es sind die bislang
größten in Deutschland gebauten U-Boote. Die U-Boote sollen 2012 bzw. 2014 an
Israel ausgeliefert werden.
(ds)
A400M in Serie
(Foto: Airbus)
Nachdem im April 2011 der Startschuss für den Beginn der Serienfertigung des Militärtransporters A400M gegeben worden ist, befindet sich das erste Serienflugzeug
unter der Bezeichnung MSN07 in der Endfertigung im Werk von Airbus Military bei
Sevilla. Seit November 2011 erfolgt in einer festgelegten Taktung die Anlieferung der
Großteile per Luftfracht mit dem firmeneigenen A300-600 Super Transporter Beluga
aus u.a. Bremen, Filton, Getafe und Toulouse. An getrennten Dockplätzen müssen die
Großteile durch weitere Hauptkomponenten wie z.B. Fahrwerk ergänzt, inspiziert und
auf die Endmontage vorbereitet werden. Ob alle Rumpfteile passgenau sind, zeigt sich
im Dock 40, wo diese zusammengebaut, alle Haupt- und Subsysteme installiert und
an den Schnittstellen zu den Hauptgruppen miteinander verbunden werden. Nach
intensiven Tests verlässt die Maschine das Dock und wird an die Bodentestsektion
übergeben. Diese erste Serien-A400M erhält die französische Luftwaffe, die sich
mindestens noch bis Ende 2012 gedulden muss. (ur)
Norwegen und aus Deutschland mit dem
Minenjagdboot HOMBURG der Klasse 332
(s. Foto). Seit vielen Jahren nutzt die NATO
das EAZS in Neustadt für die Einsatzausbildung der NATO-Verbände. Zur Einsatzausbildung gehören u.a. zwei Großschadenslagen mit der Berufsfeuerwehr Hamburg auf
See und im Hafen sowie zahlreiche Szenarien unter asymmetrischen Bedrohungen
in der Lübecker Bucht. Die SNMCMG legt
jedes Jahr ca. 20.000 sm zurück und nimmt
vom Mittelmeer bis zur Norwegensee an
fast allen NATO- sowie nationalen Minenabwehroperationen teil. (ds)
Letzter Einsatz der
RHEINLAND-PFALZ
Die Fregatte RHEINLAND-PFALZ der Klasse
122 ist zu ihrem letzten Einsatz ausgelaufen, um am NATO-Einsatzverband „Stan(Foto: Archiv ES&T)
sandt, um die Fregatte LÜBECK dort abzulösen. Mit ca. 20.240 t zählt der EGV zu den
größten Schiffen der Marine. Gemessen an
dem Auftrag verfügt die BERLIN über das
Fähigkeitsspektrum einer Fregatte. Der EGV
besitzt ein Marineeinsatzrettungszentrum
(MERZ) zur medizinischen Versorgung in
See auf dem Niveau eines Kreiskrankenhauses. Zusätzlich an Bord befinden sich ein
Boarding Sicherungsteam (BST), ein Vessel
Protection Detachment (VDP), Feldjäger,
ding NATO Maritime Group 1“ (SNMG 1)
teilzunehmen. Die SNMG 1 ist Bestandteil
der „NATO Response Force“ (NRF) und
kann bei Bedarf aus dem Stand heraus
flexibel weltweit für NATO-Einsätze herangezogen werden. Die SNMG 1 operiert im
Mittelmeer, nimmt an den Seemanövern
„Proud Manta“ teil und verlegt dann in
die Nordsee, um sich am Manöver „ Joint
Warrior“ zu beteiligen. Die RHEINLANDPFALZ kehrt Ende Juni nach Wilhelmshaven
zurück. Sie soll als zweite Fregatte Klasse
122 am 31. März 2013 außer Dienst gestellt
werden. (ds)
Die Deutsche Marine stellt zum 31. März
2012 die Minenjagdboote der Klasse 333
LABOE und KULMBACH des 3. Minensuchgeschwaders in Kiel außer Dienst. Es
ist vorgesehen, demnächst auch die drei
verbleibenden Boote der Klasse 333 schrittweise außer Dienst zu stellen. Die modernen Minenjagdboote wurden 1989/1990
in Dienst gestellt und befinden sich in einem
guten Zustand. Sie verdrängen 635 t, sind
54,50 m lang und 9,20 m breit; Besatzung:
37 Personen; Antrieb: 2 x Dieselmotoren;
Geschwindigkeit: 18 kn; Bewaffnung:
1 x 27-mm-Geschütz, 2 x Stinger, 3 x
12,7-mm-MG, 60 Minen, Minenjagd-Sonar, Minenjagd-Drohnen. Es ist vorgesehen,
die voll einsatzfähigen Minenjagdboote an
befreundete Marinen zu verkaufen. (ds)
Erster NH90 TTH FOC ausgeliefert
In Anwesenheit des französischen Verteidigungsministers Gérard Longuet hat Eurocopter im Werk Marignane den ersten Taktischen Transporthubschrauber NH90 in
der endgültigen Konfiguration (Final Operational Configuration, FOC) an die französische Beschaffungsbehörde Direction Générale de l‘Armement (DGA) übergeben. Erst
im November 2010 hatte die NATO Helicopter Management Agency (NAHEMA) die
Qualifikation des Hubschraubers bestätigt. Die französischen Heeresflieger (Aviation
(Foto: CAnthony Pecchi/Eurocopter)
Minenjagdboote außer
Dienst gestellt
60.000 Flugstunden EC135
an der Heeresfliegerwaffenschule
(Foto: Eurocopter)
Vertreter der Bundeswehr, befreundeter
Streitkräfte und der Industrie feierten am
2. Februar die 60.000. Flugstunde mit
der EC135-Schulungshubschrauberflotte
an der Heeresfliegerwaffenschule in Bü-
ckeburg. Seit 2000 betreibt die Bundeswehr 14 Maschinen dieses Typs als Schulungshubschrauber (SHS) der neuesten
Generation und setzt beim Betrieb auf
ein spezifisches Betreuungsmodell von
Eurocopter. Dabei stehen die EC135 mit
knapp 100-prozentiger Erfüllungsquote
dem Heer im In- und Ausland für Tagesund Nachtflüge zur Verfügung. Eurocopter
stellt am Standort Bückeburg mit seinem
innovativen Betreuungskonzept durchgehend eine umfassende Serviceleistung der
14 Maschinen von der Vorflugkontrolle
über Betankungen, Debriefings bis hin zu
allen planmäßigen Wartungen und Reparaturen sicher. Ferner zählt auch eine umfassende Betreuung bei Ausbildungseinsätzen wie zum Beispiel bei Gebirgsfluglehrgängen in Österreich oder Frankreich
zu den Aufgaben. Darüber hinaus gehört
zum kooperativen Modell auch der Betrieb
von acht EC135-Simulatoren, auf denen
die zukünftigen Hubschrauberpiloten 60
Prozent ihrer erforderlichen Flugstunden
absolvieren. (gwh)
Légère de l‘Armée de Terre, ALAT) werden den neuen Hubschrauber für die taktischen
Transportaufgaben einsetzen, für die der NH90 speziell ausgelegt ist. Hierzu gehören
neben Personen- und Materialtransport der Such- und Rettungsdienst, Verwundetentransport (MedEvac) sowie Operationen der Spezialkräfte und Anti-TerrorismusEinsätze. In der FOC-Konfiguration ist der NH90 mit einer Avionik ausgestattet, die
den Hubschrauber zu Tag- und Nacht-Einsätzen befähigen. Er verfügt neben einer
leistungsfähigen Selbstschutzausstattung über interoperable militärische Kommunikationseinrichtungen für Operationen im internationalen Umfeld sowie eine Ausrüstung
für schiffsgestützten Einsatz. Frankreich hat 34 NH90 TTH bestellt mit einer Option auf
weitere 34 Hubschrauber und will damit die 40 Jahre alten SA 330 Puma ablösen. Minister Longuet hat angekündigt, dass Frankreich die Option in den nächsten Wochen
auslösen wird. (ghw)
CT-ClipCom Digital für
Infanteriekräfte
Für die Kommunikation unter besonders
schwierigen Bedingungen, wie sie bei
Infanteristen und Spezialkräften häufig
vorkommen, hat die Bundeswehr das binaurale Hör-/Sprechsystem CT-ClipCom
Digital von CeoTronics eingeführt. Die Systeme laufen derzeit zu. Das CT-ClipCom
Digital ist das erste Headset zum Anschluss
an Funkgeräte, das eine komplette digitale
Sprachverarbeitung ermöglicht. Ein digitaler Sprachprozessor (DSP) und digitale Geräuschunterdrückung von Stör- und Umgebungsgeräuschen (auch impulsartigen)
sorgen für klare und leicht verständliche
Sprachübertragung. Die Bedienung erfolgt
über eine wasser- und staubgeschützte
Sendetaste (push-to-talk, PTT) mit Lautstärkeregelung. Der Anwender trägt in
beiden Ohren jeweils individuell geformte
Ohrpassteile aus sehr weichem Silikon, die
(Foto: CeoTronics)
schmerzfrei unterm Schutzhelm lange getragen werden können. Die Ohrpassteile
verfügen über eine Nanolackbeschichtung
mit antibakteriellem und antifungizidem
Silber-Ionen-Anteil für einen dauerhaften
Schutz vor Bakterien und Pilzen im Gehörgang. Das CT-ClipCom Digital FS in der Version für den IdZ-ES erfüllt Mil-STD 810G für
elektromagnetische Verträglichkeit sowie
mechanische und klimatische Eigenschaften. Die gesamte komplexe Elektronik wurde hierfür in ein kleines Gehäuse aus CNCgefrästem Aluminium integriert. (gwh)
März 2012 · Europäische Sicherheit & Technik
7
Umschau
Neue Navigationssysteme
für MLRS
OHB liefert 22 Navigationssatelliten für Galileo
Der EU-Industriekommissar Antonio Tajani hat am 2. Februar 2012 bekannt gegeben, dass die ESA mit der Orbitale Hochtechnologie Bremen System AG (OHB) einen
Vertrag über den Bau der Satelliten Nr. 15 bis 22 für das europäische Navigationssystem Galileo abgeschlossen hat. Mit dem Zuschlag für den 250-Millionen-EuroAuftrag hat sich OHB erneut gegen den Mitbewerber Astrium durchgesetzt. Partner
der OHB ist die britische Surrey Satellite Technology Ltd. (SSTL), eine Tochter von Astrium. Außerdem wurde mit zwei weiteren Verträgen die Vorbereitung von Ariane
5-Raketen für den Transport von je vier Satelliten in Auftrag gegeben. Die derzeit von
(Grafik: ESA)
(Abbildung: Sagem)
Sagem liefert im Auftrag von Cassidian das
Navigations- und Feuerleitsystem Sigma
30 für die Ausstattung der Mehrfachrake-
tensysteme M270 MLRS (Multiple Launch
Rocket System), mit denen die deutsche,
italienische und französische Artillerie ausgestattet sind. Sigma 30 ist ein digitales
Laser-Gyro-System, das in das gemeinsame
European Fire Control System (EFCS) integriert ist. Es ist entscheidend für die Treffgenauigkeit der neuen Unitary Gefechtsköpfe mit einer Reichweite von mehreren
Dutzend Kilometern. (gwh)
Neuer Jammer von
Cassidian
(Foto: Cassidian)
Cassidian hat mit dem „Vehicle Protection
Jammer“ ein hochmodernes Störsystem
entwickelt, das den Schutz von Militärfahrzeugen gegen funkferngezündete improvisierte Sprengsätze (RCIEDs) erheblich steigert. Nach erfolgreichem Abschluss umfassender Feldversuche ist im Dezember 2011
die Serienproduktion für einen Regierungs-
auftrag angelaufen. Der Vehicle Protection
Jammer von Cassidian basiert auf der neuen
superschnellen intelligenten Störautomatik
„Smart Responsive Jamming Technology“.
Das System erfasst und klassifiziert Funksignale, die zur Zündung von Straßenbomben gesendet werden. Daraufhin emittiert
es in Echtzeit Störsignale, die exakt auf das
feindliche Frequenzband zugeschnitten
sind. Dank neuer digitaler Empfänger- und
Signalverarbeitungstechnologien lassen
sich so Reaktionszeiten von deutlich unter
einer Mikrosekunde erreichen. Dadurch
entfällt der enorme frequenzbandbedingte
Ausgangsleistungsverlust von konventionellen Störsystemen, so dass die Störener-
8
Arianespace genutzten Sojus-Raketen haben nur Platz für zwei Satelliten. Im Januar
2010 wurde OHB mit der Lieferung der ersten Tranche von 14 Navigationssatelliten
beauftragt. Die Produktion ist angelaufen, und die ersten beiden Satelliten werden
noch in diesem Jahr ausgeliefert. Die weiteren folgen mit einer Taktrate von sechs
Wochen. Nach der Abnahmeprüfung werden die Satelliten nach Korou (Französisch-Guyana) transportiert, von wo sie mit Raketen auf ihre Umlaufbahn in 24.000
km Höhe gebracht werden. Ab 2014/2015 sollen die Galileo-Navigationsdienste
nutzbar sein. Im All kreisen seit Oktober 2010 zwei Galileo-Satelliten (gebaut von
Astrium), die für Betriebsversuche genutzt werden und später Vermittlungsaufgaben übernehmen sollen. Der Start von zwei weiteren Vermittlungssatelliten ist in
den nächsten Wochen vorgesehen. Ende Dezember lieferten die Satelliten erstmals
Nutzsignale, mit denen die Testmannschaft in Redu (Belgien) die ordnungsgemäße
Funktion in den verschiedenen Services (Open, Commercial und Safety-of-life service) aus Sicht der Nutzer überprüft. (gwh)
gie allein auf die im jeweiligen Moment
aktiven Bedrohungen konzentriert werden
kann. Das Kernelement des Vehicle Protection Jammer besitzt eine plattformunabhängige Zertifizierung nach deutschen
Sicherheitsvorschriften, unter anderem für
den Schutz von Bedien- und Wartungspersonal. Das System kann problemlos auch in
kleine Fahrzeuge eingebaut werden und ist
daher die ideale Ersatzlösung für veraltete
Geräte. (gwh)
Europäische Sicherheit & Technik · März 2012
Tiger und NH90 werden für
Afghanistan vorbereitet
Bisher sind CH-53 die einzigen Hubschrauber des deutschen Heeres, die in Afghanistan wichtige Transportaufgaben – u.a.
den schonenden Transport von Verletzten
– durchführen. Nach den Planungen des
Bundesministeriums der Verteidigung werden Tiger und NH90 so vorbereitet, dass
sie für den Einsatz in Afghanistan noch in
diesem Jahr zur Verfügung stehen. Eine
ne Fläche von ungefähr 1 km² ab. Dabei
können detaillierte Mosaik-Datensätze mit
bis zu fünf cm Auflösung erstellt werden.
Durch den Einsatz der microdrones Plattform kann UNOSAT nun die Durchführung
von Luftaufnahmen und deren direkte Verarbeitung unmittelbar zum UNOSAT Einsatzort übertragen. (gwh)
fort. Insgesamt leistet der Hubschrauber
weniger als es die Triebwerke zuließen.
Forscher des Deutschen Zentrums für Luftund Raumfahrt (DLR) in Göttingen haben
eine Möglichkeit, die Manövrierfähigkeit
zu erhöhen, dem Buckelwal abgeschaut
und bereits im Flug erprobt. An den Ro(Foto: DLR)
(Foto: Eurocopter)
Entscheidung über den Einsatz ist noch
nicht getroffen. Kampfhubschrauber Tiger
werden mit der ASGARD-Ausstattung (Afghanistan ISAF German Army Rapid Deployment) für die Einsatzbedingungen in
Afghanistan modifiziert und erhalten u.a.
Wendigere Hubschrauber
zusätzliche Sandfilter für die Triebwerke,
Ergänzungen der Funkausstattung, ballistischen Schutz für die Besatzung, Schutz für
Rotoren und Heck sowie Anpassungen der
Avionik und Außenleuchten, die kompatibel mit Nachtsichtgeräten sind. Trainingsversionen des angepassten Tiger dienen
bereits der Ausbildung. Im August sollen
die ersten vier Tiger in ASGARD-F (Full)
Version an die Truppe ausgeliefert werden.
Insgesamt werden acht Tiger umgerüstet.
Für den Einsatz sind zwei Tiger vorgesehen mit einer Reserve vor Ort von weiteren
zwei. Nachdem die NAHEMA kürzlich die
Final Operational Capability (FOC) für den
NH90 festgestellt hat, ist der Weg offen,
die taktischen Transporthubschrauber mit
den bestellten Forward-Air-MedEvac-Rüstsätzen auszustatten. Ab Mitte des Jahres
laufen die Rüstsätze mit zwei Intensivarbeitsplätzen zur Versorgung von Verwundeten sowie Sitzen für das Sanitätsteam zu.
Danach stehen die NH90 für Afghanistan
bereit und können dort die MedEvac-Rolle
von den USA übernehmen. (gwh)
UNOSAT nutzt microdrones
für Kartierung
Der Rotor verleiht dem Hubschrauber
die Fähigkeit senkrecht zu starten und zu
landen. Er hat aber auch aerodynamische
Nachteile. An dem Blatt des Hauptrotors,
das sich gerade nach hinten bewegt, reißt
im schnellen Vorwärts- oder Manöverflug
die Luftströmung ab – es kommt zum sogenannten Dynamic Stall. Dadurch entstehen
Wirbel, Auftrieb geht verloren und große
Kräfte wirken auf den Rotor. Der Luftwiderstand erhöht sich, und die auftretenden
Vibrationen mindern den Passagierkom-
torblättern wurden kleine Beulen (sechs
Millimeter) angebracht, ähnlich denen, die
der Buckelwal an den Brustflossen hat. Bei
dem Flugversuch mit der Bo 105 des DLR
(Foto) stellten die Piloten bereits ein anderes Verhalten der Rotorblätter fest. (pp)
100 Boxer ausgeliefert
Am 20. Januar 2012 verließ das 100. Gepanzerte Transportkraftfahrzeug Boxer die
Produktionsstraße in München und wurde an den Auftraggeber übergeben. Noch
ist die Auslieferungsquote beim ARTEC-Konsortium nicht auf voller Höhe, aber es
konnten genügend Boxer in die Truppe gegeben werden, um die vorbereitende Ausbildung für den Einsatz in Afghanistan zu unterstützen. Seit August 2011 sind fünf
Boxer in der Version Transportpanzer in Mazar-e Sharif im Einsatz und haben sich
vor allem hinsichtlich Schutz und Beweglichkeit voll bewährt. Lediglich mangelnder
Stauraum wurde beklagt. Im Januar 2012 sind weitere fünf Boxer nach Afghanistan
geflogen worden. Diese Boxer sind Führungsfahrzeuge, die mit umfangreichen Kommunikations- und Informationssystemen ausgestattet sind. Insgesamt 20 Boxer sind
zunächst für den Einsatz unter ISAF-Kommando vorgesehen. Alle Boxer-Versionen
verfügen über eine ferngesteuerte schwere Waffenstation FLW 200, die für ein schweres Maschinengewehr (cal .50) oder die 40-mm-Granatmaschinenwaffe geeignet ist.
Stabilisierte Tag-/Nachtsichtoptiken bzw. Wärmebildgerät und Fahrernachtsichtgerät
erlauben Patrouillen- und andere Einsatzfahrten unabhängig von der Tageszeit. Im
Laufe des Jahres sollen weitere 75 Boxer in drei verschiedenen Versionen an die Truppe
in Deutschland ausgeliefert werden. Die Produktion der Fahrzeuge für die Niederlande
hat begonnen. Zum Jahresende sollen die ersten fünf Fahrzeuge in drei Versionen an
das niederländische Heer übergeben werden. (gwh)
(Foto: microdrones)
(Foto: Bundeswehr)
UNOSAT arbeitet mit der md4-200 microdrones Plattform und wird diese insbesondere in den Bereichen Katastrophenschutz,
Katastrophenvorsorge, Notfallmaßnahmen, Umweltverträglichkeitsprüfungen
oder der Erstellung von Basisdaten für ein
digitales Höhenmodell intensiv einsetzen.
Die durchschnittliche Flugzeit beträgt ca.
30 Minuten und deckt in dieser Zeit eiMärz 2012 · Europäische Sicherheit & Technik
9
B und e swehr & S treitkräf te i nternati o nal 
Die Neuausrichtung der
Streitkräftebasis
(Fotos: Bundeswehr)
Dirk Eugen Metz und Autorenteam FüS VI 7
Im Jahr 2000 wurde die Streitkräftebasis als neuer militärischer Organisationsbereich mit dem Ziel
aufgestellt, die bis dahin in den Teilstreitkräften wahrgenommenen querschnittlichen Aufgaben
zusammenzuführen. Durch den konsequenten Abbau von Redundanzen und die effiziente Ausnutzung von
Synergieeffekten hat sich dieser zentrale Unterstützungsansatz als überaus erfolgreich, innovativ
und zukunftsfähig erwiesen.
M
it der 2010 getroffenen Entscheidung zur Neuausrichtung der
Bundeswehr hat die Streitkräftebasis die Chance genutzt, die Erfahrungen der vergangenen Jahre umzusetzen.
Damit wird das Prinzip der Zentralisierung
von Kräften, Mitteln und Verantwortlichkeiten in den Fähigkeitskommandos nun
auch strukturell und organisatorisch umgesetzt.
Au to r
Oberstleutnant i.G. Dirk Eugen
Metz ist Referent im Bundesministerium der Verteidigung FüS VI 7.
Die Neuausrichtung der Streitkräftebasis
stellt damit die kontinuierliche Weiterentwicklung einer Erfolgsgeschichte dar.
Dies führt in der neuen Struktur zu einem
Paradigmenwechsel von einem bisher
strukturbestimmten Ansatz hin zu einer
fähigkeitsorientierten Organisation. Das
Ergebnis sind klare Verantwortlichkeiten,
eindeutig definierte Schnittstellen und
eine deutliche Straffung von Führungsebenen (z.B. Wegfall der Wehrbereichskommandos sowie Brigadeebene). Dieser Ansatz optimiert die Nutzung der
zur Verfügung stehenden Ressourcen
auch für die Bundeswehr insgesamt. Er
ist zukunftsfähig und konsequent auf die
Erfüllung des Auftrages im Einsatz hin
ausgerichtet.
Auftrag der Streitkräftebasis
der Zukunft
Die Streitkräftebasis wird unverändert ihren
Auftrag als zuverlässiger Leistungserbringer (Force Enabler/Force Provider) für die
Bundeswehr und die Streitkräfte erfüllen.
Für die Streitkräftebasis, mit ihren rund
36.800 militärischen und 8.600 zivilen
Dienstposten, erfolgt die Auftragserfüllung
für und im Einsatz unverändert in folgenden wesentlichen Bereichen:
• Leistungen in den Einsatzgebieten, z.B.
durch die logistischen Basen,
• Leistungen zur Unterstützung des Einsatzes aus dem Inland, z.B. durch die
Sicherstellung der Führungsfähigkeit in
alle Einsatzgebiete,
März 2012 · Europäische Sicherheit & Technik
39
 B und e swehr & S treitkräf te i nternati o nal
gen und den Reformzielen der Neuausrichtung der Bundeswehr. Darüber hinaus berücksichtigt sie die Erkenntnisse der bereits
im Jahr 2009 begonnenen umfangreichen
Defizitanalyse der Streitkräftebasis. Die Philosophie der Streitkräftebasis, die sich auch
in der Neustrukturierung widerspiegelt, ist
charakterisiert durch sechs Grundprinzipi-
Das Fähigkeitsprofil der Streitkräftebasis
der Zukunft ist dabei konsequent auf die
nationale Zielvorgabe hin ausgerichtet.
Im Einzelnen bedeutet dies:
• In einem Einsatzgebiet erfolgt die Unterstützung insbesondere im Rahmen
einer Anfangsoperation überwiegend
mit militärischen Kräften.
• In einem weiteren Einsatzgebiet unterstützt die Streitkräftebasis im Schwerpunkt mit den militärischen Kräften,
die nicht durch Dritte erbracht werden
können, z.B. mit Feldjägern, mit dem
Militärischen Nachrichtenwesen sowie
militärischen Kernfähigkeiten in den
Bereichen Führung, Logistik und Führungsunterstützung und weiterer.
Die verbleibenden Leistungen sind verstärkt durch Host Nation Support, Partner
oder kommerzielle Anbieter zu erbringen,
um die Kräfte der Streitkräftebasis frühzeitig wieder für Folgeaufträge frei zu setzen. Dieser Rückgriff auf marktverfügbare
Leistungen gilt im nationalen wie auch im
multinationalen Bereich als geübte und bewährte Praxis. Wo immer möglich und erforderlich wird es darauf ankommen, Vorhalteverträge wie z.B. für den strategischen
Luft- und Seetransport zu schließen. In der
Summe ist die Streitkräftebasis mit den zur
Verfügung stehenden Ressourcen entlang
der Nationalen Zielvorgabe aufgestellt.
Ein Mitglied des Einsatzkameratrupps bei der Arbeit
Einsatzkräften über eine Basis im Einsatzgebiet bis hin zu den vorgeschobenen
Truppenteilen auf taktischer Ebene. Hinzu
kommt die Konzentration der in der Durchführung zu leistenden Territorialen Aufgaben der Bundeswehr in einem Kommando.
Durch die Bündelung von Fähigkeiten, die
für den subsidiären Einsatz im Rahmen
von Katastrophenhilfen besonders geeignet sind, wird der gestiegenen Bedeutung
des Schutzes der Bürgerinnen und Bürger
Deutschlands Rechnung getragen. Das
bewährte territoriale Netzwerk wird dabei
erhalten und weiter entwickelt. Die wesentlichen Leistungen im Bereich der Bundeswehr-/Streitkräfteaufgaben werden
auch in Zukunft durch das Streitkräfteamt
sichergestellt. Ergänzt wird dieser Bereich
unter anderem durch das neue Planungsamt der Bundeswehr, das weiterentwickelte Zentrum Innere Führung und die Führungsakademie der Bundeswehr.
en. Sie bestimmen das Denken und Handeln aller Angehörigen der Streitkräftebasis
und reflektieren das Selbstverständnis der
Streitkräftebasis:
• Einsatzorientierung,
• Konzentration auf Kernfähigkeiten,
• Prozessorientierung,
• Streitkräftegemeinsamkeit,
• Fähigkeitsorientierung,
• Zusammenführung von Kräften, Mitteln
und Verantwortung in einer Hand.
40
In den neu aufzustellenden Fähigkeitskommandos und Zentren wird Verantwortung
und Kompetenz für alle fachlichen Aufgaben in Bw/SK-gemeinsamer Verantwortung, den Einsatz, die Ausbildung sowie die
Weiterentwicklung für die jeweiligen AufXXXX
KdoSKB
XX
XX
XX
XX
XX
LogKdoBw
FüUstg
KdoBw
KdoStrat
Aufkl
Kdo
TerrAufgBw
SKA
15x
6x
Auf nationale Zielvorgabe
ausgerichtet
Die Entscheidungen des Bundesministers
der Verteidigung zur Neuausrichtung der
Bundeswehr und die Verteidigungspolitischen Richtlinien vom Mai 2011 sind Vorgaben und politischer Rahmen für die Neuausrichtung der Streitkräftebasis. Die Ausplanung der Streitkräftebasis orientiert sich
somit am Auftrag, den Rahmenbedingun-
Neues
II
II
II
Log
FüUstg
EloKa
6x
II
II
SpezPi
1st NSB
LogS
Bw
FüUstg
SBw
4x
ZU-Stelle
Bw TAufkl
12x
SpFördGrp
Bw
ZVBw
IFAZ
SASPF Bw
MilAtt
Stäbe
SDst
HundeBw
NKS / NSE
ZMilMusBw
Bi/MN
Beziehungen
SportSBw
DDO/DtA
GCMC
RSU
Kdo
FJgBw
III
3x
bis zu
25x
X
X
SchStrat
AufklBw
ABCAbw
KdoBw
II
LogZ
Bw
BtrbZ
IT-SysBw
Ausw
ZentrEloKa
2x
ABC
Abw
ZOpKomBw
ZAbbAufkl
Einsatzkräfte
ZGeoBw
inkl. organische
Ausbildungsorganisation
Zentr
ZMZBw
ABC/SeS
TrÜbPl
II
2x
SpFördGrp
Bw
Wach
Btl
Nationale territoriale
Führungsorganisation &
Einsatzkräfte
Die Grobstruktur der Streitkräftebasis der Zukunft
Europäische Sicherheit & Technik · März 2012
DMV MC/
NATO und EU
KdoOpFü
EingrKr
PlgABw
SFJg/
StDstBw
FJg
BAk
SichhPol
AKBw
InfoKom
LKdo
MAD-Amt
ZDigInh
AMK
ZInFü
SWInstBw
& MGFA
MilHist
MuseumBw
FüAkBw
Bundeswehr- und
Streitkräfteaufgaben
Stand: 21.09.2011
(Grafiken: BMVg FüS VI 7)
• sowie die Leistung der Basis Inland, z.B.
in den ortsfesten Einrichtungen der Logistik.
Gestaltungsprinzip für Einsatzaufgaben ist
der Verbund der Fähigkeiten der Streitkräftebasis aus Deutschland heraus bis in die
Einsatzgebiete. Dies geschieht in einem
vernetzten Ansatz mit eigenen mobilen
Die clevere
Fuhrparklösung.
Iveco bietet eine der weltweit größten Produktpaletten militärischer
Fahrzeuge für eine breite Missionsvielfalt moderner Streitkräfte.
Iveco Fahrzeuge zeichnen sich aus durch enorme Mobilität, kraftvolle
und sparsame Motoren, beispielhafte Manövrierfähigkeit, hohe Nutzlast
und Zuverlässigkeit bei besonderer Wirtschaftlichkeit. Ein umfassender
Schutz der Mannschaft hat höchste Priorität und bestimmt entscheidend schon von Anfang an bei jeder vorgesehenen Verwendung das
Iveco Magirus AG
Militär- und Sonderfahrzeuge
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Fahrzeugkonzept und die Detailkonstruktion. Fahrzeugausstattung und
Bedienung belegen eindrucksvoll, was typenübergreifend der Begriff
‚Lkw-Familie‘ wirklich bedeuten kann. Intensive Forschung und Entwicklung im Verbund mit Kompetenz und Erfahrung aus der Partnerschaft
mit Streitkräften in aller Welt sichern dabei den hohen Standard und die
Qualität der Produkte.
Iveco - Mobilität, Schutz und Funktionalität aus einer Hand.
2
1
2012/2013
Führungsfähigkeit herstellen
BMVg
Truppe
SKUKdo
Ausbildungseinrichtungen
KSA
Die Realisierung der Streitkräftebasis der
Zukunft erfolgt in wesentlichen Teilen als
Neuaufstellung, insbesondere im Bereich
der Fähigkeitskommandos. Wie bei den
42
LogKdo
Bw
SKA
Dienststellen
FüUstg
KdoBw
KSA (Ziel)
Aufbau einer SatCom-Anlage
Realisierungweg
KdoSKB
ab 2013
Umgliederung,
Aufstellung, Verlegung
Fü S
WBK
gabenbereiche unter einheitlicher Verantwortung zusammengeführt. Damit können
z.B. aktuellste Erkenntnisse und Erfahrungen aus Einsätzen verzugslos in Ausbildung
und Weiterentwicklung umgesetzt werden.
Eine geringere Anzahl von Verbänden, die
jedoch personell und materiell deutlich robuster sein werden als in der Vergangenheit,
wird direkt durch das jeweilige Fähigkeitskommando geführt. Bisher dazwischen
liegende Führungsebenen entfallen und die
Führungsstruktur wird schlanker.
Für die Einsatzaufgaben werden mobile
Einsatzkräfte auftrags- und bedarfsgerecht,
modular sowie skalierbar aus dem gesamten Fähigkeitsspektrum der Streitkräftebasis
bereitgestellt.
Die Durchhaltefähigkeit wurde grundsätzlich differenziert ausgeplant. Bei ausgewählten Fähigkeiten, wie z.B. ABC-Abwehr,
Spezialpionieren oder Brandschutz, erfolgte
aufgrund der möglichen Substituierbarkeit
oder einer anzunehmenden geringeren
bzw. kürzeren Einsatzwahrscheinlichkeit
und -notwendigkeit eine breite, aber begrenzte Ausplanung und damit eine angepasste Durchhaltefähigkeit.
Zudem wird die Territoriale Organisation der
Bundeswehr insgesamt gestärkt. Das Kommando Territoriale Aufgaben nimmt alle Territorialen Aufgaben der Bundeswehr sowie
allgemeine Aufgaben, z.B. die Organisation und Steuerung der Familienbetreuung,
wahr. Dieses Beispiel zeigt, wie eng in der
Streitkräftebasis Aufgaben im In- und Ausland, für den Einsatz und in der Basis Inland,
zusammen liegen.
Neues Element der Streitkräftebasis, als Teil
der Territorialen Reserve, sind die Regionalen
Sicherungs- und Unterstützungskräfte. Mit
diesen Einheiten und Verbänden werden die
Beorderungsmöglichkeiten für Reservisten
in der Territorialen Reserve erweitert. Die
Streitkräftebasis leistet so einen wesentlichen Beitrag zum Schutz Deutschlands.
3
2013/2014
Unterstellungswechsel
Reserve
OrgElemente
SKB
KdoTerr
AufgBw
KdoFJg
Bw
ABCAbwKd
oBw
SKA (Ziel)
Kdo ABC
4
OrgBereich
ab 2013
Auflösung
Heer
OrgBereich
OrgBereich
Personal
IUD
OrgBereich
Bereich
Rüstung
Einsatz
SKUKdo
Truppe
WBK
DSt
Vorgehensmodell zur Realisierung der Struktur Streitkräftebasis der Zukunft
Teilstreitkräften und dem Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr wird auch die
Führungsorganisation der Streitkräftebasis mit der Herauslösung des Inspekteurs
aus dem BMVg und der Aufstellung des
Kommandos Streitkräftebasis in Bonn neu
geordnet. Dies geschieht unter Rückgriff
auf bislang ministerielles Personal sowie
Personal des aufzulösenden Streitkräfteunterstützungskommandos und des
umzugliedernden Streitkräfteamtes. Als
neu aufzustellende Fähigkeitskommandos werden das Logistikkommando der
Bundeswehr in Erfurt, das Führungsunterstützungskommando der Bundeswehr
in Bonn und das Kommando Territoriale
Aufgaben der Bundeswehr in Berlin stationiert sein. Dem Kommando Territoriale Aufgaben in Berlin unterstehen zukünftig das Kommando Feldjägerwesen
der Bundeswehr in Hannover sowie das
ABC-Abwehrkommando der Bundeswehr
in Bruchsal. Das bereits bestehende Kommando Strategische Aufklärung wird umgegliedert, verbleibt aber am derzeitigen
Standort Grafschaft. Das Streitkräfteamt
in Bonn bleibt als „fünftes Fähigkeitskommando“ für die Sicherstellung von bundeswehr- und streitkräftegemeinsamen
Aufgaben bestehen, wird jedoch den
neuen Erfordernissen der Streitkräftebasis
der Zukunft angepasst.
Während die Neustrukturierung der Streitkräftebasis der Zukunft umgesetzt wird,
müssen die Unterstützungsaufträge im Einsatz und in der Basis Inland unverändert sichergestellt bleiben. Dies kommt einer Umgliederung im laufenden Gefecht gleich.
Die Übergangszeit muss daher so kurz wie
möglich und unter Beibehaltung des hohen Anspruchs, den die Streitkräftebasis
Europäische Sicherheit & Technik · März 2012
an sich selbst stellt, vollzogen werden. Die
Einnahme der neuen Organisationsstruktur
erfolgt dabei in vier ineinandergreifenden
Schritten:
1.Aufstellung der Führungsorganisation
mit frühzeitiger Übertragung der Verantwortung und durchgängiger Steuerung auf der Ebene der Kommandobehörden.
2.
Unterstellung von Truppenteilen und
Dienststellen in bisheriger Gliederung
ab 2013 entsprechend der organisationsbereichsübergreifend abgestimmten Realisierungsplanung – wie
beispielsweise die Überführung der
ABC-Abwehr aus dem Heer in die Streitkräftebasis oder der Personal führenden
Dienststellen in den Organisationsbereich Personal.
3.
Die Umgliederung von Truppenteilen
und Dienststellen in die Zielstruktur von
2012 bis 2016.
4.Die Auflösung von Altstrukturen nach
Wegfall bisheriger Aufgaben – parallel
ab 2012.
Entlang dieser Zeitlinien kann die Aufstellung der Streitkräftebasis der Zukunft unter
gleichzeitiger Beibehaltung der laufenden
Verpflichtungen sichergestellt werden.
Die Steuerung der Realisierung der Streitkräftebasis der Zukunft erfolgt in einem
geordneten und transparenten Prozess im
Sinne des seit Beginn der Planungen praktizierten kontinuierlichen Veränderungsmanagements und der dabei wesentlichen
unmittelbaren Einbindung und dadurch
Mitwirkung der Angehörigen der Streitkräftebasis. Kreativ – Effizient – Modern.
Im Einsatz erfolgreich! Dies wird auch in
Zukunft die Philosophie der Streitkräftebasis sein.
L
 B und e swehr & S treitkräf te i nternati o nal
Bundesheer vor der Marginalisierung?
(Fotos: Bundesheer)
Thomas Bauer
Noch gilt die Wehrpflicht, doch der seit Januar
2007 amtierende Verteidigungsminister Norbert
Darabos verfolgt die Vision einer Umstellung des
Bundesheeres auf eine reine Freiwilligenarmee
Am 1. März 2011 wurde dem Ministerrat in Wien eine Analyse über neue Bedrohungsszenarien vorgelegt.
Darauf aufbauend sollte eine neue Sicherheitsstrategie für Österreich entwickelt werden, welche die alte
Doktrin aus dem Jahr 2001 ablöst. Seit Jahresbeginn 2012 ist der Streit um den Strategieentwurf wieder voll
entbrannt. Gegenseitige Vorwürfe bis hin zu persönlichen Anfeindungen zwischen ÖVP, SPÖ und Grünen
verzögern die Fertigstellung des Vorhabens und tragen damit zu einer weiteren Marginalisierung Österreichs
im Kontext der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik bei. Dabei stellt das kleine Land bereits
seit den 1960er Jahren Soldaten für internationale Friedenseinsätze bereit.
H
intergrund der aktuellen auch über
die Medien ausgetragenen Auseinandersetzungen sind der Wegfall
einer NATO-Option Österreichs im Entwurf für die neue Strategie, wie sie noch
in der Doktrin von 2001 vorhanden war.
Gleichzeitig fehlt eine Festlegung auf die
Wehrpflicht. Vor allem die SPÖ und der seit
Januar 2007 amtierende Verteidigungsminister Norbert Darabos verfolgen die Vision einer Umstellung des Österreichischen
Bundesheeres (ÖBH) auf eine reine Freiwilligenarmee. Die Grünen im Parlament in
Wien werfen der Regierung vor allem vor,
dass die neue Strategie nur zwischen den
betroffenen Ministerien der Verteidigung,
des Inneren und des Äußeren abgestimmt
werde, nicht aber mit dem Parlament. Zusätzlich beklagen Experten die fehlende
strategische Konzeption des gerade einmal neun Seiten langen Entwurfs. Die vage
Zielformulierung passe sich damit jedoch
66
des Landes sank zwischen
dem Fehlen einer ösGrunddaten Österreichisches
2008 und 2010 von 0,9
terreichischen AußenBundesheer
Prozent auf gerade noch
und Europapolitik an.
Anzahl aktive Soldaten
0,7 Prozent, womit ÖsterVon außen betrachtet
36.400
reich in der EU nur noch
muss man zumindest
von Malta, Luxemburg
den Kritikern zustimVerteidigungsbudget 2010
und Irland unterboten
men, die in der aktu2,03 Mrd Euro
wird. Besondere Brisanz
ellen Entwicklung dem
Anteil Verteidigungsbudget
erhält die Lage dadurch,
Bundesheer mit seinen
2010 am BIP
dass über 65 Prozent der
36.400 Soldaten eine
0,7%
wenigen finanziellen Mitweitere Schwächung
tel in das militärische und zivile Personal
bis hin zur bedingten Einsatzbereitschaft
investiert werden. Somit stehen nur weniattestieren. Dabei stehen Österreich die
ge Mittel für Forschung und Entwicklung
größten Herausforderungen für die Reform
oder die Beschaffung dringend benötigter
der eigenen Streitkräfte bei stetig sinkenmoderner Waffen und Ausrüstung bereit.
den Verteidigungsausgaben noch bevor.
Zum Vergleich: der Anteil der PersonalkosEin Blick in die National Defence Data alten an den Verteidigungsausgaben bei den
ler 26 an der Europäischen VerteidigungsEDA-Staaten beträgt im Durchschnitt etwa
agentur (EDA) beteiligten EU-Staaten of50 Prozent. Dabei sind vor allem die Staafenbart die problematische Situation. Der
ten erfolgreich in ihren ModernisierungsAnteil des österreichischen Verteidigungsbestrebungen, die den Anteil der Personalhaushalts am Bruttoinlandsprodukt (BIP)
Europäische Sicherheit & Technik · März 2012
B und e swehr & S treitkräf te i nternati o nal 
kosten gegenüber früheren Jahren deutlich
reduzieren konnten. Dies betrifft auch und
vor allem die personelle Ausstattung der
Zentralstelle, im Falle Österreichs des Bundesministeriums für Landesverteidigung
und Sport (BMLVS).
Strategische Grundlagen
Die aktuelle Debatte um eine neue Sicherheitsstrategie findet nicht im kontextfreien
Raum statt. Basierend auf einem Entschluss
zur Sicherheits- und Verteidigungsdoktrin
wurde zum 12. Dezember 2001 ein Nationaler Sicherheitsrat (NSR) gegründet,
der als zentrales Beratungsorgan der österreichischen Bundesregierung bei allen
Fragen der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik fungiert. Ein Sekretariat
für die Geschäftsführung des NSR wurde
beim Bundeskanzleramt eingerichtet. Mit
der Entschließung zur Sicherheits- und
Verteidigungsdoktrin von 2001 wurde
auch festgelegt, dass alle zwei Jahre ein
Weißbuch des Bundesheeres veröffentlicht
wird, in dem Zustand und Anforderungen
an das ÖBH im Kontext des sich verändernden geostrategischen Umfelds dargelegt
werden. Im Frühjahr 2011 erschein das
Weißbuch 2010, welches sich vornehmlich
mit dem Berichtszeitraum 2009/2010 be-
schäftigt. Wie bei Weißbüchern üblich, fehlen jedoch klare strategische Zielvorgaben
oder Konzepte. Vielmehr entsprechen sie
Lageberichten und Zusammenfassungen
der Ereignisse in den Berichtsjahren. Dieses
Defizit sollte mit einem umfassenden Reformkonzept für das Bundesheer und das
Ministerium sowie einer Überarbeitung der
Sicherheitsdoktrin behoben werden.
Eine Reformkommission hatte bereits
im Juni 2004 einen Bericht mit dem Titel
„Bundesheer 2010“ an den damaligen
Minister Günther Platter (ÖVP) übergeben,
in dem die Ergebnisse einer umfassenden
Auseinandersetzung mit den sich verändernden sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen und den damit verbundenen
Schlussfolgerungen für das ÖBH zusammengefasst waren. Kern des Berichts war
eine Umstrukturierung des BMLVS und
des Bundesheeres in Richtung einer verstärkt auf Auslandseinsätze ausgerichteten
Armee. Viele der Empfehlungen der aus
militärischen Experten zusammengesetzten Kommission wurden jedoch ebenso
wie im Fall der Weizsäcker-Kommission in
Deutschland nur teilweise oder gar nicht
aufgegriffen. Zumindest hinsichtlich der
Umstrukturierung der militärischen Verbände konnten bereits Fortschritte erreicht
werden. In der Grobstruktur setzte sich das
Bei KFOR und EUFOR-Althea waren zeitweise bis zu 900 österreichische
Soldaten eingesetzt, …
Österreichische Bundesheer unterhalb des
Streitkräfteführungskommandos seit 2008
wie folgt zusammen:
• 2 Panzergrenadierbrigaden,
• 2 Jägerbrigaden,
• Luftraumüberwachung (inklusive Überwachungsgeschwader und zwei Fliegerabwehrbataillone),
• Luftunterstützung (inklusive Lufttransportstaffel und zwei leichten Transporthubschrauberstaffeln) sowie
• Militärkommandos der einzelnen Bundesländer.
Hinzu kommen noch die so genannten
„unmittelbare Truppen“, zu denen neben
den Führungsunterstützungsbataillone,
Jägerkommando und Militärpolizei auch
die neue Auslandseinsatzbasis zählt, die
aus den aufgelösten Zentren Einsatzvorbereitung und Internationale Kooperation
hervorgegangen ist.
Internationales Engagement
Zu den Aufgaben der Auslandsbasis gehört
die einsatzraumspezifische bzw. UN-spezifische Ausbildung der Einsatzkräfte. Zudem
sorgt sie für die Rotation der Einsatzkräfte.
Für die Auslandseinsätze werden zwei Kategorien von Kräften bereit gehalten. Zum
einen die aus Berufssoldaten oder länger
dienenden Freiwilligen zusammengestellten Kaderpräsenzeinheiten (KPE), zum
anderen so genannte Formierte Einheiten
(FORMEIN). Bei den KPE konnten mit der
seit 2003 laufenden personellen und materiellen Aufstellung mehrere Jäger-, Pionierbau-, Panzergrenadier-, ABC-Abwehr- und
Aufklärungskompanien sowie Unterstützungskräfte aus den Bereichen Kampfmittelabwehr, Lufttransport und Personal für
die zivil-militärische Zusammenarbeit bereit
gehalten werden. Mit diesen Einheiten unterstützt Österreich auch das Konzept der
EU-Battlegroups. Denn trotz der Betonung
der Neutralität im Neutralitätsgesetz von
1955 und in vielen zentralen Dokumenten
hat sich die Republik Österreich schon sehr
früh an internationalen Friedenseinsätzen
beteiligt, zum ersten Mal bei der UNOperation ONUC in der damaligen Demokratischen Republik Kongo von 1960 bis
1963. Das kleine Land war bereits drei Mal
als nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat vertreten, das letzte Mal 2009. Für
den Zeitraum 2011 bis 2014 ist Österreich
Mitglied im UN-Menschenrechtsrat. In den
Jahren 2009 und 2010 waren jeweils etwa
1.200 Soldaten des Bundesheeres an über
14 Einsätzen weltweit beteiligt; 2011 sogar
über 1.500. Das Hauptaugenmerk Wiens
liegt dabei auf dem Westbalkan, wo das
ÖBH bis zu 900 Soldaten an den beiden
Operationen KFOR und EUFOR-Althea ein-
März 2012 · Europäische Sicherheit & Technik
67
 B und e swehr & S treitkräf te i nternati o nal
setzt. Bereits seit 1974 beteiligt sich Österreich mit im Schnitt 375 Soldaten an der
UN-Mission UNDOG auf den Golanhöhen.
Bei allen Missionen hatte Österreich zwischenzeitlich auch das Force Command
übernommen.
Die nächsten Schritte
Bis 2014 wird neben weiteren Umstrukturierungen vor allem die angestrebte Personalreduktion im Bundesministerium für
An die Beschaffung weiterer geschützter
Fahrzeuge oder neuer Ausrüstung für den
einzelnen Soldaten ist nicht zu denken. Der
Eingriff in die Substanz des Bundesheeres
ist so umfangreich, dass sich die Opposition im Parlament genötigt sah, aufgeweckt
durch Berichte über marode Kasernen
und dem Ausfall von über der Hälfte der
Kampfpanzer vom Typ Leopard 2, die Einsatzbereitschaft des ÖBH im Generellen
in Frage zu stellen. Während im Inland im
zunehmenden Maße die Streitkräfte als
… und auch bei ISAF war das Bundesheer im Einsatz
Landesverteidigung viel Aufmerksamkeit
auf sich ziehen. Gerade hier und bei den
nachgeordneten Dienststellen erwartet
man sich Einsparungen, die zur Freisetzung
von mehr finanziellen Mitteln für die Modernisierung der Streitkräfte herangezogen
werden sollen, will man auch in Zukunft
seinen Beitrag auf der internationalen
Bühne leisten können. Zusätzlich belastet
wird das karge Budget durch weitere Kürzungen für Konsolidierungsprogramme im
Rahmen der Finanzkrise. Dies hat bereits
jetzt schon dazu geführt, dass lediglich für
1.100 der etwa 1.600 im Ausland eingesetzten Soldaten des ÖBH Mittel im Budget bis 2014 angesetzt werden konnten.
Dringend benötigte Modernisierungsprogramme für die Pandur-Radpanzer oder
die Hubschrauber vom Typ Bell 212 müssen
zurückgestellt werden. Ministeriumsintern
wird bereits über eine Einstellung des Eurofighter-Flugbetriebs diskutiert. Und weitere Sparpakete zeichnen sich bereits ab.
68
Ersatz für den Katastrophenschutz eingesetzt werden, verlagern sich die Tätigkeiten
in den Einsatzgebieten im Ausland mehr
und mehr auf polizeiliche Aufgaben.
Ausblick
Gerade deshalb zeigen sich Beobachter
und Kommentatoren enttäuscht vom Entwurf der neuen Sicherheitsstrategie. Er liefert wenig neue Erkenntnisse und kann den
gefühlten Widerspruch zwischen Einsatzszenario und Bestand nicht auflösen. Zudem pendelt das Papier zwischen Neutralität und verstärkter Beteiligung an EU-Krisenmanagement-Operationen. Hinsichtlich
der Frage der immerwährenden Neutralität
zeigt sich jedoch bei genauerer Betrachtung der Geschichte des Österreichischen
Bundesheeres der Pragmatismus, mit dem
man in Wien auf veränderte Rahmenbedingungen reagiert. Denn die Neutralität Österreichs basiert auf einer Perspektive des
Europäische Sicherheit & Technik · März 2012
Kalten Krieges, was sich deutlich von der
Definition einer sicherheitspolitischen Neutralität aus heutiger Sicht unterscheidet.
Anders ist der Beitritt Österreichs zur EU im
Jahr 1995 sowie die über eine Beteiligung
an der Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU erfolgte Zustimmung
Österreichs zu den Petersberg-Aufgaben
von 1992 nicht zu erklären. Für letzteres
wurde sogar ein zusätzlicher Artikel in der
Bundesverfassung geschaffen. Seit 1995
ist Österreich zudem Mitglied beim Partnership for Peace-Programm der NATO,
und hatte sich damit eine Option auf eine
NATO-Mitgliedschaft eröffnet, die im neuen Strategiepapier nicht mehr enthalten ist.
Dieser Vorgang symbolisiert den Wandel
von der Neutralität Österreichs zur militärischen Bündnisfreiheit, oder wie Kritiker
sagen, zur Konzeptlosigkeit.
Die Beteiligung des Landes an internationalen Einsätzen sollte zuallererst die
Bereitschaft Wiens zur Übernahme internationaler Verantwortung unterstreichen.
Über dieses Zeichen wollte man sich einen
Stuhl am Tisch sichern, wenn es um die
weitere Entwicklung der Europäischen Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik
geht. Die aktuelle budgetäre Entwicklung
und die Warnungen der Generäle und der
Beobachter zeichnen jedoch ein anderes
Bild. Weder hinsichtlich des strategischen
Grundgerüsts noch hinsichtlich der militärischen Kapazitäten und Fähigkeiten zeigt
sich Österreich für die Herausforderungen der Sicherheitspolitik zu Beginn des
zweiten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert
gewappnet. Ausgerechnet auf der letzten
Etappe auf dem Weg von der Raumverteidigung aus den 1970er und 1980er Jahren
hin zur Beteiligung an internationalen Kriseneinsätzen geht dem BMLVS und dem
Bundesheer die Puste aus. Dadurch könnten nicht nur die großen sicherheits- und
europapolitischen Erfolge und Fortschritte
unter Verteidigungsminister Fasslabend
(1990-2000) aufs Spiel gesetzt werden,
sondern auch die Existenz des Bundesheeres als Ganzes. Ein verheerendes Signal an
die Streitkräfte der anderen kleineren Staaten in Europa, die sich mit einer ähnlichen
Gemengelage aus finanziellem Engpass
und fehlender strategischer Zielvorstellung
bei gleichzeitiger parteipolitischer Profilierungsversuche der beteiligten Akteure
und deren Bestrebung zur Aufrechterhaltung eines möglichst breiten Bestands an
Truppengattungen und Waffensystemen
konfrontiert sehen. Kurzfristige Kompromisse können in dieser Situation den Abstieg einer Armee über den Status einer
Bonsai-Streitkraft bis hin zur militärischen
wie sicherheitspolitischen Marginalisierung
nur verzögern, nicht jedoch aufhalten. L
 W i rtsc h af t & Ind us t r i e
Anpassung der Ausstattung
Rüstungspolitische Konsequenzen der
Neuausrichtung der Bundeswehr
Bernd Siebert MdB
Die Neuausrichtung der Bundeswehr ist in die Umsetzungsphase eingetreten. Die Zeiten von Meinungsaustausch und allgemeinen Planungen sind damit vorbei, jetzt werden konkrete Fakten geschaffen.
Die organisatorische Neuordnung wird die Bundeswehr genauso wie die wehrtechnische Industrie in
Deutschland über Jahre hinaus prägen.
W
eichenstellungen, die
jetzt vorgenommen werden, besitzen die normative
Kraft des Faktischen,
darüber darf sich
niemand hinwegtäuschen. Umso wichtiger ist es, dass die
Führung des Verteidigungsministeriums
die wehrtechnische
Industrie bei diesem
Umstellungsprozess
mitnimmt. Auf der
anderen Seite müssen
die betroffenen Unternehmen auch bereit
sein, Veränderungen
mitzutragen. Nur in einer vertrauensvollen Partnerschaft können beide Seiten
profitieren und die Bundeswehr zu einer
schlagkräftigen und modernen Armee weiterentwickeln.
Begrenzter Materialpool
Die Bundeswehr der Zukunft ist von einem Phänomen gekennzeichnet, wie es
in den Jahrzehnten zuvor unbekannt war.
Aufgrund der knappen finanziellen Ausstattung des Einzelplans 14 verabschieden
sich die Streitkräfte von dem Prinzip der
materiellen Vollausstattung. Dieser Schritt
ist in jeder Hinsicht bemerkenswert, heißt
er doch nichts anderes, als dass nur noch
ein begrenzter Materialpool zur Verfü-
Au to r
Bernd Siebert MdB (CDU) ist Mitglied des Verteidigungsausschusses
des Deutschen Bundestages.
100
gung steht, auf den
mehrere Nutzer zugreifen müssen. Der
neue Ansatz bringt
eine Reihe von Konsequenzen mit sich,
die eine genauere Betrachtung wert sind.
Jahrzehntelang war
es gerade beim Heer
üblich, Gerät in die
Obhut von Materialverantwortlichen zu
geben. Davon muss
sich die Bundeswehr
zwangsläufig verabschieden. Es ist ein
grundlegender Systemwechsel notwendig. Diese Neuerung
muss so umgesetzt werden, dass nicht unerwünschte Effekte erzeugt werden. Die
Erfahrungen in der Truppe zeigen häufig,
dass Material, welches nicht in klarer Verantwortung liegt, suboptimal behandelt
wird. Diese Erkenntnis muss berücksichtigt
werden. Die Reihenfolge des Zugriffs hingegen ist klar. In erster Wichtigkeit müssen
die laufenden Einsätze bedient werden.
In gefährlicher Umgebung und unter Bedrohung muss das bestmögliche Material verfügbar sein. Hier verbieten sich alle
Kompromisse. In zweiter Priorität müssen
diejenigen Verbände Zugriff bekommen,
die in der unmittelbaren Einsatzvorbereitung stehen, denn im Einsatzgebiet ist es
zu spät für riskante Experimente mit bislang
unbekanntem Material. Diese nachvollziehbare Reihenfolge führt zwangsweise dazu,
dass Einheiten und Soldaten, die weder im
Einsatz sind noch unmittelbar dafür üben,
deutliche Engpässe hinnehmen müssen. In
punkto Attraktivität des Dienstes ist diese
Lücke potentiell gefährlich. Junge Menschen, die beim Arbeitgeber Bundeswehr
Europäische Sicherheit & Technik · März 2012
ihre berufliche Laufbahn beginnen, werden
erst nach einer gewissen Zeit in der Lage
sein, an Einsätzen teilzunehmen oder dafür zu trainieren. Sie würden bis dahin die
Bundeswehr als einen Arbeitgeber erleben,
der materiellen Mangel verwaltet. Wie sich
das auswirken würde, muss vorher bedacht
werden. Der verstärkte Einsatz von Simulatoren kann Lücken abfedern, ersetzt aber
die praktische Erfahrung am tatsächlichen
Gerät nicht umfänglich. Für die wehrtechnischen Unternehmen bedeutet die Umstellung auf eine Teilausstattung vor allem
den Aufwuchs von Wartungstätigkeiten
bei einem weiteren Rückgang der Stückzahlen. Erste Erfahrungen in dieser Konstellation konnte die Industrie bereits mit
dem Projekt Heeresinstandsetzungslogistik
(HIL) machen.
Überprüfung laufender
Programme
Um Spielraum für notwendige Neuanschaffungen zu generieren, ist die Überprüfung von laufenden Programmen unerlässlich. Es kann nicht im Sinne der wehrtechnischen Unternehmen liegen, wenn
an bestehenden Verträgen auf Biegen und
Brechen festgehalten wird. Es würde in
letzter Konsequenz bedeuten, dass über
Jahre hinaus jeglicher Spielraum für Neuentwicklungen blockiert wäre. Das schadet
der Industrie in ihrer Innovationskraft. Der
Bedarfsdecker sollte auf der anderen Seite
die Neuausrichtung nicht als Gelegenheit
für Schuldzuweisungen nutzen.
Neben den üblichen Kriterien zur künftigen
Relevanz von Systemen müssen Zusammenhänge berücksichtigt werden, wenn
über Kürzungen gesprochen wird. Häufig
sind einzelne Waffensysteme in einen übergeordneten Verbund integriert, der als Gesamtarchitektur entworfen wurde. Einzelprojekte herauszugreifen, um finanziellen
(Fotos: Bundeswehr)
Wi rtschaf t & Ind us tr i e 
bliebenen deutschen Kampfpanzerflotte.
Hier besteht erheblicher Handlungsbedarf
in Richtung Einsatzbereitschaft. Viele ausländische Streitkräfte besitzen mittlerweile
Kampfpanzer aus deutscher Produktion,
die wesentlich leistungsstärker sind, als die
in der Bundeswehr eingeführten.
Herausforderungen für
Unterstützungskräfte
In gefährlicher Umgebung und unter Bedrohung muss das bestmögliche
Material verfügbar sein
Die ambitionierte nationale Zielvorgabe
stellt gerade die Unterstützungskräfte
der Bundeswehr vor große Herausforderungen. Es steht zu befürchten, dass die
Streitkräftebasis ihre Dienstleitungen nicht
so einschränkungslos bereitstellen kann,
wie es im Zweifel notwendig wäre. Dies
ist eine Konsequenz der Umfangszahlen
und wurde bewusst in Kauf genommen,
um Lücken im militärischen Kernbereich
der Kampfbefähigung zu vermeiden. Ein
möglicher Engpass von Unterstützungsleistungen im Einsatz kann meines Erachtens
deshalb nur durch den Rückgriff auf externe Ressourcen vermieden werden. Neben
der zivilen Vergabe der Logistik und Wartung, beispielsweise HIL, scheint besonders der Feldlageraufbau und -betrieb ein
ideales Betätigungsfeld für Partnerschaften
zu sein. Auch die angespannte Führungsunterstützungsleiste könnte durch Zusammenarbeit mit der Wirtschaft deutlich entlastet werden. Hier gilt es für beide Seiten,
bereits frühzeitig Optionen auszuloten, um
rechtzeitig gut aufgestellt zu sein.
Internationale Rahmenbedingungen
Der verstärkte Einsatz von Simulatoren kann Lücken abfedern, ersetzt
aber die praktische Erfahrung am tatsächlichen Gerät nicht umfänglich
Spielraum zu schaffen, führt so mitunter
und mit Infanterist der Zukunft (IdZ) 2 auszu schweren Verwerfungen. Ein Paradebeigestatteten Infanteristen eingesetzt wird.
spiel dafür findet sich bei einem der zenDie Vernetzung der Einzelkomponenten
tralen Beschaffungsprozeichnet diese Teilsysteme
gramme des Heeres, dem
aus. Nur im Dreiklang brin„Viele ausländische
neuen Schützenpanzer.
gen sie die gesamte Kraft
Der Puma ist ein hervorrader modernen Infanterie
Streitkräfte
gendes Gefechtsfahrzeug
„auf die Straße“. Verzichbesitzen mittlerder neuesten Generation
tet man auf einen Aspekt,
und bietet der Panzerist das Ganze nicht nur
weile Kampfpanzer
grenadiertruppe höchsweniger als die Summe
aus deutscher
tes Schutzniveau, beste
seiner Teile, es bleibt unBeweglichkeit und überausgegorenes Stückwerk
Produktion, die welegene Waffenwirkung.
und setzt die Soldaten eisentlich leistungsEr ist allerdings nur dann
nem überflüssigen Risiko
voll leistungsfähig, wenn
für ihr Leben aus. Ganz
stärker sind, als die
er im Verbund mit dem
zu schweigen von der
in der Bundeswehr
Gepanzerten Transporthinter den technischen
Kraftfahrzeug (GTK) Boxer
Möglichkeiten zurückge-
eingeführten.“
Auf der europäischen und internationalen
Ebene gibt es bemerkenswerte politische
Entwicklungen, die sich auch auf die militärische Ausrüstungsplanung in Deutschland
auswirken können. Die USA haben sehr
deutlich gemacht, wohin sie im 21. Jahrhundert ihren geopolitischen Fokus richten,
nach Asien und in den pazifischen Raum.
Das ist in der Auswertung globaler Trends
konsequent und sollte in Europa nicht mit
beleidigten Mienen, sondern mit einer echten Aufbruchstimmung quittiert werden.
Es ist Zeit, sicherheitspolitisch auf eigenen
Beinen zu stehen und Verantwortung zu
übernehmen. Bereits bei der Luftoperation in Libyen ist deutlich geworden, dass
die US-Streitkräfte vor der europäischen
Haustür die europäischen Streitkräfte in der
Führungsfunktion sehen. Auch jenseits des
Atlantiks lasten die Schulden schwer auf
den Finanzspielräumen des Staates, und es
gibt keinen Grund, auf baldige Änderung
zu hoffen. Die Abkehr der Vereinigten Staaten von der Fähigkeit, zwei große Kriege
März 2012 · Europäische Sicherheit & Technik
101
 Wi rtschaf t & Ind us tr i e
in der Pflicht. Das bedeutet allerdings, sich
von der Wunschvorstellung zu lösen, man
müsse in der ganzen Welt beliebt sein. Führungsmächte waren und sind in der Geschichte nie überall beliebt gewesen.
Konsequenzen für die
Industrie
Der Puma ist ein hervorragendes Gefechtsfahrzeug der neuesten Generation und bietet der Panzergrenadiertruppe höchstes Schutzniveau, beste
Beweglichkeit und überlegene Waffenwirkung
gleichzeitig zu führen, wird von einigen
nen Schwächen, aber auch seinen großen
bereits genutzt, um einer Beendigung der
Chancen. In diesem Lichte stellt sich für
militärischen Unterstützung Europas das
mich nicht nur die Frage nach der ZusamWort zu reden. Die Planung, zwei Brigamenarbeit im Bereich des unbemannten
den aus Deutschland abzuziehen, zeigt die
Fliegens neu. Die Tür für ein gemeinsames
Richtung deutlich auf. Auch der überproProjekt steht Frankreich nach wie vor offen.
portional hohe Beitrag Nordamerikas in der
Der deutschen Industrie empfehle ich, den
NATO steht absehbar
französischen Unterauf dem Prüfstand.
nehmen mit offenem
„Wenn andere Nationen
Für Europa bedeutet
Visier zu begegnen
das, mehr politische
und vielleicht sogar
ihren Streitkräften die
und auch militärische
den ersten Schritt zu
vielfältigen Möglichkeiten
Initiative zu übernehwagen.
men oder aber künfIn der bemerkenswerdeutscher Technik ebentig marginalisiert zu
ten Veröffentlichung
falls eröffnen möchten,
werden und in der
der Stiftung Wissenist das für mich daher
Konsequenz Gestalschaft und Politik
tungsspielraum für
(SWP) „Europa ohne
zunächst kein Grund,
die Welt von morVerteidigung“ vom
reflexartig abzublocken.
gen zu verlieren. Invergangenen Novemnerhalb der Europäiber wird beschrieben,
Die Regularien, die wir in
schen Union könnte
dass der Abbau der
Deutschland für diesen
der selbstgewählte
militärischen Fähigkeibritische Isolationisten in Europa bereits
Fall haben, sind jedenfalls
mus bei unserem
begonnen hat und
mehr als ausreichend, die
wichtigsten eurosich weiter verschärderzeitige strenge Auspäischen Partner
fen wird. Wir dürfen
Frankreich zur Überes nicht soweit komlegung bisweilen sogar
prüfung bisheriger
men lassen, dass die
diskussionswürdig. Was
Positionen im Verteiskizzierten „Bonsaidigungsbereich fühArmeen“, „rüstungsbei unseren Partnernatioren. Wir können unpolitischer Exodus“
nen bereits gang und gäbe
seren französischen
und „technologische
Freunden anbieten,
Zweitklassigkeit“ Reist, die Unterstützung von
sich auf die bewähralität werden. Die GeRüstungsvorhaben von
te Partnerschaft mit
fahr besteht durchaus.
höchster politischer Stelle,
Deutschland zu beNoch lässt sich aber
sinnen. Wir stehen
mit vernünftiger Politik
ist in Deutschland noch
für das Projekt Eugegensteuern. Gerade
Neuland.“
ropa ein, mit all seiDeutschland steht hier
102
Europäische Sicherheit & Technik · März 2012
Bilanziert man sämtliche Effekte der künftigen Ausrüstungsplanung der Bundeswehr, so steht fest, dass die nationalen
Budgets für die wehrtechnische Industrie
schlicht nicht mehr ausreichen werden,
um den jetzigen Bestand an Unternehmen
und ihr qualifiziertes Personal zu erhalten.
Auch die Tendenz in den traditionellen
Exportmärkten zeigt nach unten. In der
Konsequenz steht die mittelständische
Prägung der deutschen Wehrtechnik vor
einer Zerreißprobe. Richtigerweise stellen
sich die Unternehmen längst auf die neue
Situation auf dem Markt für wehrtechnische Produkte ein. Neben der weiter
zunehmenden Internationalisierung des
Geschäfts erschließen sie auch den Markt
für zivile Sicherheitstechnik. Der vielbeschworene Referenzkunde Bundeswehr
ist bislang ein entscheidender Baustein
für glaubwürdiges Auftreten der Industrie
vor möglichen ausländischen Kunden. Es
ist schwer, eine andere Nation vom Wert
des eigenen Produktes zu überzeugen,
wenn die nationalen Streitkräfte es nicht
selbst beschaffen. Dennoch sind die Unternehmen gut beraten, sich auf diesen
Fall einzustellen.
Politische Unterstützung
Eigeninitiative zeichnet deutsche Unternehmen seit jeher aus, das zeigt das
neu gegründete Joint Venture für unbemanntes Fliegen deutlich. Meint man es
allerdings ernst mit technologischer Führerschaft und nationaler Unabhängigkeit,
und das ist mein Petitum, muss man die
Unternehmen auf diesem Wege auch
politisch unterstützen. Hier gibt es mehrere gangbare Alternativen, die möglichst
kombiniert werden sollten. Es spräche
beispielsweise nichts dagegen, Entwicklungen von gesamtwirtschaftlicher Relevanz mit Mitteln zu unterstützen, die nicht
aus dem Verteidigungsetat stammen. Die
Kenntnisse aus der wehrtechnischen Forschung finden sehr häufig den Weg in die
zivile Verwendbarkeit. Die unbemannte
Luftfahrt ist ein Paradebeispiel dafür, wie
sich militärischer und ziviler Nutzen von
technologischen Revolutionen ergänzen.
Ein Unmanned Aircraft System (UAS)
kann eine Vielzahl von Aufträgen erfüllen, von militärischer Aufklärung über die
Überwachung von Grenzen bis hin zur Beobachtung von Waldbrandgebieten und
den Transport von Gütern. Grundlagenforschung für unbemannte Großflugzeuge existiert bereits, der europäische Flugzeugbauer Airbus könnte davon in Zukunft
sehr konkret profitieren. Daher ist auch das
Vorhaben der Bundesregierung, den öffentlichen Luftraum sukzessive für die unbemannte Luftfahrt zu öffnen, zukunftsweisend. Ein weiteres Betätigungsfeld
ist die sinnvolle Förderung des Exportgeschäfts der deutschen Industrie. Für mich
ist klar, welche Bedeutung die deutschen
wehrtechnischen Unternehmen haben:
Sie schützen unsere Soldaten und ermöglichen es ihnen, ihren politisch vorgegebenen Auftrag optimal durchzuführen. Sie
sichern nationale technologische Unabhängigkeit und Ingenieurskompetenz von
Weltrang. Sie sind vor allem wesentlich
mehr als die rund 80.000 Beschäftigten
dieser Branche vermuten lassen. Sie sind
ein wirkliches Asset in einer unwägbaren,
globalisierten Welt voller Konfliktpotential.
Wenn andere Nationen ihren Streitkräften
die vielfältigen Möglichkeiten deutscher
Technik ebenfalls eröffnen möchten, ist
das für mich daher zunächst kein Grund,
reflexartig abzublocken. Die Regularien,
die wir in Deutschland für diesen Fall haben, sind jedenfalls mehr als ausreichend,
(Foto: Cassidian)
Wi rtschaf t & Ind us tr i e 
Eigeninitiative zeichnet deutsche Unternehmen seit jeher aus, das zeigt
das neu gegründete Joint Venture von EADS Cassidian und Rheinmetall
für unbemanntes Fliegen deutlich
die derzeitige strenge Auslegung bisweilen
sogar diskussionswürdig. Was bei unseren
Partnernationen bereits gang und gäbe
ist, die Unterstützung von Rüstungsvorhaben von höchster politischer Stelle, ist
in Deutschland noch Neuland. Insofern ist
es bemerkenswert, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sich persönlich in Entscheidungsprozesse eingeschaltet hat. In
jedem Fall ist politische Unterstützung der
richtige Weg, denn nicht immer entscheidet das beste Produkt den Wettbewerb
für sich. Diese leidvolle Erfahrung mussten und müssen deutsche Unternehmen
immer wieder machen. Gerade im Markt
der wehrtechnischen Produkte ist die po-
litische Flankierung besonders notwendig,
manchmal sogar unumgänglich.
Die Neuausrichtung hält für alle Beteiligten
noch eine Menge Herausforderungen parat. Uns Politiker sehe ich hier zuvorderst
in der Pflicht. Wir müssen gestalten, den
Rahmen setzen und Freiräume gewähren,
aber wo nötig auch beherzt eingreifen. Das
Ziel muss ein gemeinsames sein: Sicherheit
für Deutschland und seine Bürger, national
und weltweit. Wenn sich alle beteiligten
Akteure an diese Maxime halten, wird die
Neuausrichtung der Bundeswehr gelingen,
eine schlagkräftige Armee für künftige Risiken entstehen und die leistungsfähige
Wehrtechnik in Deutschland erhalten. L
Von industrieller Serienfertigung über
kundenspezifische Anwendungen bis hin
zur Raumfahrttechnologie.
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hohe Energiedichte
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maximale Leistung auch bei langer
Lagerung und extremer Temperatur
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Nominierung für EADS Spitzenpositionen
Am 26. Januar 2012 hat der EADS-Verwaltungsrat die Nominierung für Spitzenposten im Konzern vorgenommen. Mit Spannung
wurde erwartet, wie die deutsch-französische Balance im Management erreicht wird.
Vorsitzender des Vorstands (Chief Executive Officer, CEO) soll zum
1. Juni 2012 Tom Enders werden, in der Nachfolge von Louis Gallois. Den Vorsitz im Verwaltungsrat wird Arnaud Lagardère übernehmen und Bodo Uebber in dieser Funktion ablösen. Damit sind
Frankreich und Deutschland in den beiden wichtigsten Positionen
der EADS vertreten.
Weitere Positionen im Top-Management
• Fabrice Brégier wird Tom Enders als Vorstandsvorsitzender (CEO) von Airbus, der
größten EADS-Division, nachfolgen; Günter Butschek, derzeit Head of Operations bei Airbus, wird zum COO (Chief Operating Officer) von Airbus ernannt.
• Harald Wilhelm übernimmt – zusätzlich zu seiner derzeitigen Funktion als CFO
(Chief Financial Officer) von Airbus – die Position des CFO von EADS.
• Marwan Lahoud bleibt Strategie- und Marketingvorstand (Chief Strategy and
Marketing Officer) des Konzerns.
• Thierry Baril wird Personalvorstand (Head of Human Resources) von EADS und
behält seine jetzigen Aufgaben als Personalvorstand von Airbus bei.
Verwaltungsrat
Für den Verwaltungsrat steht die überwiegende Zahl der derzeitigen Mitglieder für
eine Wiederwahl zur Verfügung; damit wird sichergestellt, dass der in den letzten
fünf Jahren gesammelte Erfahrungsschatz auch im neuen Verwaltungsrat erhalten
bleibt. Zu den neu vorgeschlagenen Mitgliedern gehört Jean-Claude Trichet, der
ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank. (gwh)
(Foto: Berner & Mattner)
Dr. Klaus Eder neuer CEO
Berner & Mattner
Neuer Vorsitzender
der Geschäftsführung
bei Berner & Mattner
Systemtechnik GmbH
ist seit Jahresbeginn
Dr. Klaus Eder, bisher
Geschäftsführer in
dem Unternehmen.
Er folgt in dieser
Funktion dem Firmenmitgründer Hans Berner, der die Mutter-Gesellschaft Assystem bei Aufbau der
Organisation in Deutschland unterstützt.
In dem auf Spezifikation, Entwicklung und
Test komplexer Elektroniksysteme spezialisierten Unternehmen ist Eder weiterhin für
Vertrieb, Marketing, Produktentwicklung
und das gesamte Dienstleistungsangebot
verantwortlich. (gwh)
Feuerunterdrückung mit neuem
Verfahren
Um die Menschen und auch die Anlagen
wirkungsvoller vor Brandschäden zu schützen und Sekundärschäden weitgehend
zu vermeiden, hat die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA),
die Forschungsagentur des US-Verteidigungsministeriums, die Untersuchung und
Erschließung alternativer Feuerlöschmethoden in Auftrag gegeben. In dem In110
stant Fire Suppression Program (IFS) der
DRAPA, das kürzlich zu Ende ging, hat ein
Team der Harvard Universität Möglichkeiten zur Destabilisierung des in der Flamme
entstehenden Plasmas mit einem elektromagnetischen Feld und mit akustischen
Techniken entwickelt. In einer Demonstration konnten kleine Flammen aus Methangas
und Kraftstoff mit einer in der Hand gehaltenen Elektrode bzw. einem Stab unterdrückt
werden. Auf wissenschaftlicher Seite ist damit ein Durchbruch im Verständnis und der
Quantifizierung der Interaktion zwischen
elektromagnetischen und akustischen Wellen und dem Plasma der Flamme dokumentiert. Jetzt kommt es darauf an, solche Verfahren in der Praxis anwendbar zu gestalten.
(gwh)
Jenoptik verbessert Umsatz und
Gewinn
Im „besten Geschäftsjahr der jüngeren
Unternehmensgeschichte“ steigerte Jenoptik das Betriebsergebnis um mehr als
60 Prozent auf 48 Millionen Euro. Auch
der Umsatz wuchs – um 13 Prozent auf
540 Millionen Euro. Mit 20 Prozent mehr
wurden 2010 für 650 Millionen Euro Aufträge hereingeholt, die Basis sind für ein
erfolgreiches Geschäftsjahr 2012. Hauptträger sind die Segmente Laser & Optische
Systeme sowie Messtechnik. Das Segment
Verteidigung & Zivile Systeme leistete einen
Europäische Sicherheit & Technik · März 2012
leicht gestiegenen Umsatz- (180 Millionen
Euro) und Ergebnisbeitrag. Der Auftragsrekord in diesem Segment (250 Millionen
Euro) wird langfristig zu Umsatz und Ergebnis des Konzerns beitragen. Jenoptik
ist mit vorsichtigem Optimismus ins neue
Geschäftsjahr gegangen. (gwh)
KMW übernimmt zivile Schutzsparte von EDAG
Krauss-Maffei Wegmann (KMW) hat den
Produktionsbereich für zivile Fahrzeugpanzerungen vom Automotive-Entwicklungsspeziallisten EDAG Engineeering +
Design AG übernommen und wird somit
seine Schlüsselstellung auf dem Markt für
geschützte Fahrzeuge entscheidend stärken. Eine entsprechende Vereinbarung haben beide Unternehmen vorbehaltlich der
Zustimmung der Kartellbehörden miteinander getroffen. Die EDAG-Schutzsparte
entwickelt und realisiert ballistische Schutzsysteme zur Integration in die Fahrzeuge
weltweit führender Fahrzeughersteller.
Die EDAG fertigt ihre Schutzsysteme an
Standorten in Ingolstadt und in Mexiko.
An beiden Orten wird KMW zukünftig diese Aktivitäten der EDAG übernehmen und
fortführen. (gwh)
Rekordumsatz 2011
Eurocopter konnte im Jahr 2011 einen Rekordumsatz verbuchen. Zu verdanken ist
dieser Erfolg der langfristig angelegten
Strategie des Unternehmens, insbesondere seinen Investitionen in innovative,
zukunftsweisende Hubschraubertechnik,
dem Ausbau der internationalen Präsenz,
seiner Entwicklung im Servicegeschäft sowie der Optimierung der unternehmenseigenen Prozessabläufe. Die Auslieferung
von 503 Hubschraubern im Jahr 2011,
erweitert durch Eurocopters Support- und
Service-Tätigkeiten, erbrachte Einnahmen
von 5,4 Milliarden Euro. Dies entspricht
einem Wachstum von 12,5 Prozent im Vorjahresvergleich und übertrifft erstmals in
der Geschichte von Eurocopter die FünfMilliarden-Euro-Marke. Auch der Auftragseingang des vergangenen Jahres erholte
sich mit 457 Maschinen im Wert von 4,7
Milliarden Euro im Vergleich zu 346 Hubschraubern im Jahr 2010. In diesem Auftragsvolumen enthalten sind Erstaufträge
für die neue EC175, bedeutende Abschlüsse für die EC225 mit CHC Helicopter, CITIC
Offshore Helicopter Co., Bristow Helicopters und RTE; ferner eine Erweiterung des
Großauftrags der U.S. Army für die UH72A Lakota und der erste große Vertragsabschluss für Eurocopters leistungsgesteigerten Hubschraubertyp EC145 T2 mit der
deutschen DRF Luftrettung. (wb)
Wi rtschaf t & I nd us tr i e 
Personalveränderungen in
militärischen Spitzenstellen
Designstudie für Joint Support
Ship (JSS)
ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS)
und die kanadische Beschaffungsbehörde
PWGSC haben in Hamburg eine mehrphasige Designstudie für ein JSS der Royal Canadian Navy (RCN) unterzeichnet. Im Rahmen eines Modernisierungsprogramms
plant die RCN, ihre beiden Versorgungseinheiten durch zwei oder drei JSS zu ersetzen.
Ein mögliches Design der neuen Versorger
ist eine Version des Einsatzgruppenversorgers (EGV) der Deutschen Marine, die
speziell an die kanadischen Anforderungen
anzupassen ist. Die Vereinbarung zwischen
PWGSC und ThyssenKrupp Marine Systems Canada (TKMSC) enthält die Bestimmungen einer Lizenzvereinbarung zur Nutzung des EGV-Designs zum Bau der Schiffe
in Kanada und zum dortigen Einsatz, falls
das EGV-Design ausgewählt wird. Das modifizierte Design von TKMSC und Blohm +
Voss Naval steht in Konkurrenz zu einem
kanadischen Design. Wird das EGV-Design
ausgewählt, ist ein Functional Design geplant, das die Grundlage für den Bau der
Schiffe in Kanada bilden wird. (ds)
Pietro Borgo ist Geschäftsführer
RMMV
Pietro Borgo hat zum 1. Februar 2012 den
Vorsitz der Geschäftsführung der Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH (RMMV)
in München übernommen. Zugleich wurde er Mitglied im Bereichsvorstand Defence
von Rheinmetall. Borgo kommt vom IVECO-Geschäftsbereich Defence Vehicles in
Bozen, den er seit 2006 als Generaldirektor
geführt hat. Er tritt bei RMMV die Nachfolge von Klaus Sander an, der Ende des Jahres in den Ruhestand wechseln wird. (gwh)
Dezentrale Serversegmente
Einsatz
Die ESG Elektroniksystem- und LogistikGmbH wurde vom IT-Amt der Bundeswehr
mit der Realisierung des Projekts „Dezentrale Serversegmente Einsatz“ beauftragt.
Damit zeichnet die ESG als Hauptauftragnehmer für die Fertigung, Lieferung und
Betreuung von 118 Servermodulen in militärisch gehärteten und klimatisierten Betriebs- und Transportbehältern verantwortlich. Die Systeme dienen als einheitliche,
verlegefähige, dezentrale und autarkiefähige Server-Plattformen für die Informationsversorgung. Zu den Hauptaufgaben der
Serversegmente zählen: Bereitstellung von
Standardsoftware und von technischen Fähigkeiten zum Zugang zu Zentralen Diensten sowie Zugriff auf Fachinformationen;
Plattform zur Installation von Anwendungen zur Unterstützung der Abbildung der
Zum 1. Februar 2012 wurden folgende Personalveränderungen wirksam:
Streitkräftebasis: Brigadegeneral
Walter Schmidt-Bleker, Amtschef
Amt für Geoinformationswesen, tritt
in den Ruhestand. Ihm folgt Oberst
Roland Brunnern, Referatsleiter II 6
im FüS im BMVg. Flottillenadmiral
Manfred Hartmann, Chef des Stabes Einsatzführungskdo der Bundeswehr, tritt in den Ruhestand. Sein
Nachfolger wird Brigadegeneral Peter Georg Stütz, stellv. Kdr und Chef
des Stabes Kommando Operative
Führung Luftstreitkräfte.
Heer: Brigadegeneral Klaus Feldmann, General der Panzertruppen
und Kdr Ausbildungszentrum Munster, tritt in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Brigadegeneral Bernd
Schütt, Kdr Panzerlehrbrigade 9, wie
bereits in der Ausgabe 2 gemeldet.
Diesem folgt Oberst i.G. Norbert
Wagner, Referatsleiter III 3 im FüH
im BMVg. Oberst i.G. Andreas Hannemann, Arbeitsbereichsleiter im
Planungsstab des BMVg, wird neuer
Kommandeur Luftlandebrigade 26.
Bundesministerium der Verteidigung: Brigadegeneral Eberhard
Zorn, bisher Kommandeur Luftlandebrigade 26, leistet in Vorbereitung
auf seine Aufgaben als Leiter der
Stabsgruppe des Generalinspekteurs
Dienst im BMVg. (gwh)
neun Hauptprozesse der Bw (Logistik, Rüstung, Personal, Organisation, Infrastruktur,
Umwelt, Controlling, Gesundheitsversorgung, Bundeswehrplanung), insbesondere der Standard-Anwendungs-Software
Produkt-Familien (SASPF). (ds)
Luftverteidigung 2020+
Die AFCEA München bot in einer gut besuchten Vortragsveranstaltung von Cassidian die Gelegenheit, Grundüberlegungen zu einer „Luftverteidigung 2020+“
zu präsentieren – ein im Hinblick auf den
geplanten NATO-Raketenschild und die
Umstrukturierung der deutschen Luftverteidigung und Flugabwehr hoch aktuelles
Thema. Ausgehend von einer Bedrohungsanalyse, die sich auf ballistische Raketen,
RAM, Drohnen aller Art und Cruise Missiles
konzentriert, ist das aktuell vorhandene
Abwehrpotential (Patriot, Stinger, leFlaSys
und Mantis) offensichtlich unzureichend.
Perspektivisch bieten die haushälterisch
begründeten Entscheidungen zur Restent-
wicklung und Nichtbeschaffung MEADS
sowie die Ungewissheit bei den Entwicklungsvorhaben IRIS-T und LFK-NG keine
Basis für zielgerichtete Neuansätze. Die industriellen Überlegungen fokussieren sich
daher auf den Aufbau eines europäischen
Aufklärungsverbundes, der mit einer integrierten Battle-Management-Software in
einem rollenbasierten Gefechtsstand Aufklärung, Führung und Wirkung zusammenfasst.(hgb)
ThyssenKrupp Marine Systems
ohne zivilen Schiffbau
Die Gesellschaften Blohm + Voss Shipyards, Blohm + Voss Repair (inklusive Blohm
+ Voss Oil Tools) und Blohm + Voss Industries sowie deren Tochtergesellschaften
und insgesamt rund 1.500 Mitarbeiter sind
nach Rechtswirksamkeit des Kaufvertrags
an den britischen Finanzinvestor Star Capital Partners übergegangen. ThyssenKrupp
Marine Systems wird sich künftig mit ca.
3.600 Mitarbeitern auf den Marine- Überwasser- und Unterwasserschiffsbau konzentrieren. (gwh)
Mustafa H. Baspinar neuer
Vertriebsleiter bei HYTORC
Bei HYTORC, einem der weltweit führenden Anbieter von hydraulischer und pneumatischer Verschraubungstechnik, leitet
Mustafa Hakan Baspinar den Vertrieb für
HYTORC Deutschland und die Türkei.
Baspinar war zuvor Mitglied der Geschäftsleitung bei Plarad (Maschinenfabrik Wagner GmbH & Co. KG). (gwh)
Mobile Security für viele
Anwender
Der IT-Sicherheitsspezialist GeNUA hat Lösungen zur Anbindung mobiler Anwender
an Firmen- und Behördennetze entwickelt:
Die Firewall & VNP-Appliance GeNUScreen
ermöglicht in der neuen Version 3.0 sichere
Zugriffe von Smart Devices auf Firmennetze, ohne zusätzliche Client-Software zu installieren, und ein Key Server beschleunigt
die Schlüsseloperationen zur Anbindung
mehrerer tausend mobiler Anwender. Als
weitere Neuheit bietet GenUA die zweistufige Firewall GeNUAGate 7,2 mit SSHRelay, das verschlüsselte Administrationsverbindungen an Netzwerk-Übergänge
analysieren und filtern kann. Bei mobilen
Zugriffen auf Behördennetze müssen sich
Anwender meist mit Smartcard authentisieren. Um mehrere tausend mobile Mitarbeiter anzubinden, kann GenNUScreen 3.0
mit einem Key Server erweitert werden, der
dann die Prüfung der Schlüssel übernimmt
und bei hohen Zugriffszahlen eine schnelle
Anbindung bietet. (ds)
März 2012 · Europäische Sicherheit & Technik
umb_ES+T_03_2012.indd 111
111
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