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Ein Wald wie im Märchen - Naturum Göhrde

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Dienstag, 26. Juli 2011 · Nr. 172
9
Lokales
Ein Wald wie im Märchen
LZ-Serie (3): Naturum zeigt mit Museum und Wanderpfad die Einzigartigkeit der Göhrde
S
ommerzeit ist Reisezeit.
Doch nicht jeder kann
oder will sich einen Urlaub
in der Ferne leisten. Für
diejenigen, die in den Ferien
zu Hause bleiben, hat sich
die LZ umgesehen – von der
Elbe bis zur Heide. Der
dritte Teil der gleichnamigen Serie führt in die Göhrde, zur Naturerlebnis-Einrichtung „Naturum“ mit ihrem angrenzenden Lehrpfad durch den größten
zusammenhängenden
Mischwald
Norddeutschlands.
Peter Pabel
mit Dackelhündin Fine an
Station 4 des
Wanderpfades, der Wiekau-Kuhle. Es
ist die Wasserstelle des
einstigen Dorfes Wickow.
Das Naturum
Göhrde (unten) wurde im
April eröffnet.
Fotos: dax
Von der
ELBE
bis zur
HEIDE
dax Göhrde. Fine will nicht
hören. Zu schön ist das Herumtollen im dichten Unterholz. Zu viel gibt es zu entdecken. „Na, komm her“, lockt
Peter Pabel seine Dackelhündin. Der Förster ist auf Visite in
seinem Märchenwald, wie er
die Göhrde liebevoll nennt.
„Hinter jedem Baum vermute
ich Rübezahl zwar nicht, aber
zumindest hinter jedem dritten“, sagt er und schmunzelt.
Vielleicht lauert der Berggeist
hinter der knorrigen, 350 Jahre
alten Eiche. Oder an der Wiekau-Kuhle, der einstigen Wasserstelle des Dorfes Wickow aus
dem hohen Mittelalter. Pabel ist
fasziniert von der Geschichte.
Wie einzigartig der 10 000 Hektar große Wald ist, zeigt er
Besuchern seit April dieses Jahres im Naturum Göhrde – einer
Naturerlebnis-Einrichtung mit
angrenzendem, rund fünf Kilometer langem Wanderpfad.
Peter Pabel steht an Station
4. „Alte Veteranen im Märchenwald“ nennt sich dieser Teil des
Naturlehrpfades. Die Nadelund Laubbäume sind mehrere
hundert Jahre alt, strecken ihre
knorrigen ¾ste verschnörkelt
von sich. „Die würden in einem
Wirtschaftswald abgeholzt werden. Hier bieten sie Unmengen
von Tieren einen Lebensraum
und bleiben der Natur bis in die
Verfallsphase erhalten.“ Habi-
tat-Bäume heißen die Wohnzimmer für Käfer und Co. in
der Fachsprache. Allein 600
verschiedene Arten der Krabbeltiere gibt es in der Göhrde.
Berühmtester Untermieter ist
zweifelsohne Hirschkäfer „Luca“, das Maskottchen des Naturums. Während der rund zweistündigen Wanderung begegnet
sein Bild den Besuchern immer
wieder – zum Beispiel als
Schnitzerei an den hölzernen
Schaufenstern, die insgesamt elf
Stationen markieren.
Für den Förster ist die Göhrde ein Goldstück mit seltenen
Tierarten und zahlreichen Urwaldrelikten. „Das Gebiet war
nie waldfrei.“ Überleben konnte
so zum Beispiel der Igelstachelbart – ein Pilz, der in Norddeutschland sonst nicht mehr
vorkommt. Auch das älteste
deutsche Muffelwild-Vorkommen ist hier Zuhause, rund
160 bis 180 Tiere leben in der
Göhrde. Damit Flora und Fauna in Einklang sind, setzt Pabel
auf das Programm zur „Langfristigen ökologischen Waldentwicklung“, kurz LÖWE. Das,
was die Natur hergibt, wird vor
künstlichen Pflanzen bevorzugt.
Die naturnahe Forstwirtschaft begegnet den Besuchern
auch im Naturum Göhrde –
einer Einrichtung der Gemeinde in Kooperation mit den Niedersächsischen Landesforsten
und dem Naturpark ElbhöhenWendland. Einst beherbergte
das historische Fachwerkgebäude in der König-Georg-Allee 5
ein Museum zur Schloss- und
Jagdgeschichte. Doch die Besucher blieben aus. „Eine Schließung hätte ich sehr bedauert“,
sagt Peter Pabel. Auf seine Idee
hin entstand schließlich die
neue Erlebniswelt inmitten des
15-Seelen-Ortes.
Ob Seeadler, Schwarzstorch
oder Hohltaube – die Tierpräparate zeigen, dass die Göhrde
seltene Arten beheimatet. Wälder zum Selberbauen stehen
direkt nebenan. Mit einem
Stecksystem aus Kiefern, Eichen, Buchen und Fichten in
I
n der Göhrde gingen die
Landesherren ihrer Jagdleidenschaft nach. 1685 fand
die erste größere Parforcejagd
statt, Jagdrouten wurden angelegt. Eine erste umfassende
Forstordnung gab es 1654.
Von 1706 bis 1709 wurde das
Jagdschloss mit Ställen für
rund 500 Pferde errichtet – es
war einer der größten Barockbauten im Nordosten Niedersachsens. Zum Ende des 18.
Jahrhunderts
verfiel
das
Schloss, es fehlten die Mittel
zur Unterhaltung. 1827 wurde
es abgerissen.
Ab 1837 jagte König ErnstAugust in der Göhrde, 1869
ließ Kaiser Wilhelm I. den
Marstall des ehemaligen Jagdschlosses zum kleineren „Ersatz-Schloss“ umbauen. Er
kam in der Folge regelmäßig
zur Jagd, ebenso wie später
Wilhelm II. Bis 1918 war die
Göhrde Hofjagdrevier.
dax
Miniaturgröße wird der forstwirtschaftliche Wandel verdeutlicht. Für Peter Pabel ist und
bleibt die Göhrde vor allem
eines: sein Märchenwald.
A Informationen zum Naturum finden Interessierte unter
www.naturum-goehrde.de im
Internet. Ein Video und Impressionen gibt es heute ab 12
Uhr: www.landeszeitung.de.
Ausflugstipps in der Region
können auch Sie geben. Schreiben Sie einfach eine E-Mail an
landredaktion@landeszeitung.
de, Betreff „Elbe/Heide“.
Im vierten Teil der LZ-Serie
geht es am Donnerstag ins Naherholungsgebiet Hambörn bei
Südergellersen.
Kleine Riesentukane
Der Verlust innerer Heimat
Erste Naturzucht in Walsrode gelungen
Dritte Auflage des Buches „Heimatsehnen“ über Zwangsaussiedlungen in Neuhaus
Im Weltvogelpark Walsrode können Besucher die ersten Flugversuche der Riesentukane erleben.
Foto: dpa
lni Walsrode. Auffällig ist ihr
riesengroßer gelb-orangefarbener Schnabel – und den reißen
drei junge Riesentukanküken
im Weltvogelpark Walsrode
mächtig auf. Vor wenigen Wochen sind die zur Spechtfamilie
gehörenden Küken geschlüpft,
sagte ein Sprecher des Vogelparks. Besucher könnten sie
jetzt bei ihren Flugversuchen
beobachten. Zum ersten Mal sei
mit diesen Vögeln eine Naturzucht gelungen: Die Eier sind
im Nest geblieben und anstelle
von Tierpflegern haben sich die
Vogeleltern um den Nachwuchs
gekümmert.
Riesentukane leben im tropischen Mittel- und Südamerika.
Von der Weltnaturschutzunion
IUCN werden sie nach Angaben der Tierschutzorganisation
WWF in der Roten Liste unter
„Gefährdung anzunehmen“ geführt.
Bunte Mischung
Stadtfest in Bad Bevensen
ki Bad Bevensen. Am letzten Juli-Wochenende findet in
der Innenstadt und im südlichen Kurparkbereich das Stadtfest statt. Los geht es am Freitag,
29. Juli, um 16 Uhr mit dem
Fassbieranstich auf dem Kirchplatz. Im Anschluss startet ein
buntes Bühnenprogramm: Es
beginnt mit Bauchtanz, um 19
Uhr spielt die Gruppe „Feetback“ Rock, dann heizt die
Band „Whatzz“ ein. Auf der
Bühne im Kurpark treten um
20.30 Uhr „Fräulein Rika und
ihr Swing-Bubi“ auf.
Am Sonnabend, 11 Uhr, versprüht der Shantychor „Helgoländer Jungs“ Fernweh auf der
Bühne am Kirchplatz. Mit keltischem Rock, Soul und Tanz
geht es weiter. Von 13 bis 17
Uhr gibt es einen Kinderflohmarkt. Am Sonntag gibt es um
11.30 Uhr einen Frühschoppen
auf dem Kirchplatz.
lz Neuhaus. Am 13. August
jährt sich der Mauerbau an der
innerdeutschen Grenze zum 50.
Mal. In der nunmehr 3. Auflage
des Buches „Heimatsehnen“ beschäftigt sich der Verein für
Bürgerbewegung Amt Neuhaus
mit der Geschichte der Zwangsaussiedlung in der Region. Die
Journalistin Karin Toben re-
cherchierte
Einzelschicksale
und zeigte an 20 Familiengeschichten, dass ein Stück innerer Heimat mit Vertrauen und
Sicherheit brutal genommen
wurde. Zu lesen ist auch das
Porträt des Stapeler Gemeindepastors Axel Beste. Der Historiker Rainer Potratz leistete einen wissenschaftlichen Beitrag.
Mit Unterstützung des Landkreises und der Friedensstiftung
Günter Manzke brachte der
Verein jetzt eine dritte Auflage
heraus. Sie ist ab sofort bei der
Tourismusinformation Dömitz
und in folgenden Buchhandlungen der Region erhältlich:
Amts-Buchhandlung Neuhaus,
Elbe-Buchhandlung
Boizen-
burg, Buchhandlung Homann
Bleckede, Buchhandlung Am
Markt Lüneburg, Buchhandlung Hilscher Dannenberg und
Haus des Gastes Neuhaus. Auf
Wunsch wird das Buch auch
zugesandt.
A Weitere Infos gibt es unter
www.buergerverein-neuhaus.de
Internet.
Der erste Frosch in der Hand
Mädchen und Jungen erleben Natur pur auf dem Waldhof Böhmsholz
ol Lüneburg. Einen Tag lang
hatten die Schüler der 3a und
ihre Klassenlehrerin Debora
Hobel von der Hermann-LönsSchule in Lüneburg noch vor
den Ferien ihren Klassenraum
mit dem landschaftlich reizvollen Stadtforst Böhmsholz getauscht. Sie waren Gäste von
Hubertus Schmidt vom Waldhof Böhmsholz. Bereits die
Wanderung dorthin führte die
Schüler durch eines der schönsten Naherholungsgebiete am
Rande der Stadt.
Spannend wurde es jedoch,
als sie das kleine, private Naturmuseum betraten. Hier erklärte der passionierte Jäger die
Flora und Fauna des Stadtforsts. Hase, Fuchs, Dachs und
Rehkitz als anschauliches Präparat vermittelten einen naturnahen Eindruck. „Ist das Reh
die Frau vom Hirsch?“ war eine
der gestellten Fragen an den
Waidmann. Die Kinder staunten, als Schmidt ihnen erklärte,
dass das Reh nur 20 Kilogramm
wiegt, der Hirsch dagegen ein
Gewicht von 200 Kilogramm
erreichen kann. „Im Stadtforst
lebte vor 40 Jahren auch Rotwild. Heute ist es durch die
vielen Besucher zu unruhig geworden. Rehe und Wildschweine fühlen hier sich dagegen wohl“, erklärte Schmidt.
Durch die gute Vorbereitung
auf das Thema Wald konnten
fast alle Schüler die Baumarten
benennen. Auch der Osterbach
wurde unter die „Lupe“ genommen. Dort fanden Lara und
Antka einen Frosch. „Wir kannten bisher Frösche nur von
Bildern – jetzt haben wir einen
echten Frosch in der Hand
gehabt“, freuten sich die Mädchen. Spannend wurde es, als
die kleinen „Naturforscher“ mit
einer Becherlupe das „Totholz“
untersuchten. Es wimmelte nur
so von Spinnen, Larven und
Käfern. „Totholz ist gar nicht
tot“, stellten die Schüler fest.
Lara (l.) und Antka freuen sich über den gefundenen Frosch bei ihrem
Klassenausflug in den Stadtforst Böhmsholz.
Foto: ol
Die Waldluft und das Toben
auf dem Spielplatz machten
nicht nur müde, sondern auch
hungrig. Hier konnte Schmidt
mit einer Wild-Bratwurst vom
Grill helfen. Natur in Böhmsholz erleben werden heute, 28.
Juli, auch 30 Fresh!-Gewinner.
Dann sind sie ebenfalls zu Gast
bei Hubertus Schmidt.
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Seele and Geist
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