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Das Bedürfnis nach Licht in der Dunkelheit ist so alt wie die

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Lieber eine Leuchte als ein unscheinbares Licht („Die Lampe auf dem Leuchter“)
Q 11,33; Mk 4,21; Mt 5,15; Lk 8,16; 11,33, EvThom 33,2f.
Q: Niemand zündet eine Lampe an und stellt sie in ein Versteck, sondern auf den Leuchter
und sie leuchtet allen im Haus.
Sprachlich-narrative Analyse
Das Wort von der Lampe auf dem Leuchter steht in der Logienquelle Q und bildet – sofern
der Reihenfolge bei Lukas gefolgt wird – den Auftakt zu einer Spruchgruppe (Q 11,33-35), in
der die Thematik des Lichtes und des Leuchtens bestimmend ist. Der Spruch ist parataktisch
formuliert und in Aussageform gefasst. Am Schluss findet sich eine ‚finale Parataxe’, die das
Ergebnis formuliert. Im einleitenden Hauptsatz wird die erste Stellmöglichkeit für eine Lampe
genannt und im darauf folgenden mit der adversativen Konjunktion avlla, (alla = sondern)
eingeleiteten Satzteil wird die zweite, gegenteilige Stellmöglichkeit eingeführt. Nicht der
Gegensatz von Anzünden und Auslöschen steht im Zentrum des Spruches (gegen Jeremias
1940, 240), sondern der zweckmäßige versus unzweckmäßige Stellort für eine brennende
Lampe (Schneider 1970, 192).
Diese Miniatur-Erzählung fordert eine bestimmte epistemische Perspektive, nämlich eine
lebensweltlich-praktische, die an die ‚Alltagslogik’ (Ebner 1998, 71) der Angesprochenen
appelliert, die wissen, wie eine Lampe zweckmäßig gebraucht wird. Deshalb können sie die
unterschiedlichen Stellorte der Lampe qualitativ bewerten: Eine brennende Lampe gehört
nicht in ein Versteck, sondern auf den Leuchter, so dass die erste Stellmöglichkeit negativ und
die zweite hingegen positiv bewertet werden soll. Es ergibt sich eine Handlungsstruktur von
negativ zu positiv. Dies wird noch unterstrichen durch die Einführung eines allgemeinen,
exklusorischen Subjekts zu Beginn des Logions, zu dem ein allgemeines, inklusorisches
Subjekt im mit „sondern“ beginnenden Teil des Satzes zu ergänzen ist – nämlich „jede(r)“.
Deshalb leistet der Spruch mehr, als im Sinne einer offenkundigen Alltagsgewissheit eine
Konklusion zu demonstrieren. Vielmehr werden die Rezipientinnen und Rezipienten in die
Parabel involviert, indem sie sich zu der nicht explizit genannten, aber zu ergänzenden
Gruppe derer zählen sollen, die eine Lampe auf den Leuchter stellen.
Die Behauptung, dass an ein fensterloses, palästinisches Ein-Zimmer-Haus gedacht sei (z.B.
Jülicher 1898, 80), weil die Lampe allen im Haus scheint, verkennt die narrative Inszenierung
des Logions. Der finale Schlusssatz, nach dem alle etwas vom Licht haben, verstärkt vielmehr
die Handlungsstruktur des Logions, die auf ein positives Ergebnis zuläuft. Die allen
scheinenden Lampe ist eine kontrapunktische positive Bestätigung gegenüber dem
einleitenden Satzteil.
Sozialgeschichtliche Analyse
Lampen werden vor allem hergestellt, um im täglichen Leben die praktische Funktion des
Lichtmachens in der Dunkelheit zu erfüllen. Eine solche Lichtquelle ist auch die antike
Öllampe (gr. lu,cnoj, lychnos oder lampa,j, lampas) deren Gebräuchlichkeit von der
Verfügbarkeit des Brennstoffes Öl abhing. Als Brennstoff der antiken Öllampe diente in erster
Linie Olivenöl, welches im Mittelmeerbecken mit seinen zahlreichen Olivenöl
produzierenden Regionen ausreichend zur Verfügung stand. Zwar waren in ärmlichen
Haushalten nur wenige Lampen im Gebrauch, aber es handelt sich dennoch um einen
alltäglichen, hauptsächlich aus Ton hergestellten Gebrauchsgegenstand. Da die Versorgung
mit Licht ein Grundbedürfnis jeder menschlichen Behausung ist, wurden die Öllampen
vorwiegend in den Innenräumen der Häuser genutzt (vgl. 2 Kön 4,10) und als tragbares
Mobiliar je nach Bedarf eingesetzt (vgl. z.B. die Rolle der Lampe in Lk 15,8). Das Licht der
Lampe war optimal auszunutzen, denn das Verbrennen von Öl bedeutete immer auch das
Verbrennen von Nahrung – und Öl gehörte nicht zu den billigsten Gütern der Antike (Bailey
1972, 11). Deshalb sind brennende Lampen immer auch ein Zeichen für Gedeihen und
Wohlstand (vgl. z.B. Hiob 18,5f.; Spr 13,9; 31,18; Jer 25,10).
Neben diesem profanen Gebrauch fanden Lampen Verwendung als Grabbeigabe, außerdem –
sowohl im antiken Judentum wie auch in der hellenistisch-römischen Welt – in kultischen
Zusammenhängen (dazu Galling 1923; Hug 1927; Meyers 1992).
Der einzige technische Fortschritt, der bei der antiken Öllampe erzielt worden ist, war die
Überbrückung der offenen Schnauze und damit die Bildung eines Loches, durch das der
Docht gezogen wurde. Der Docht bestand aus Flachswerg, Hanf, Binsen und Blättern des
Wollkrautes oder der Papyrusstaude, wie von dem römischen Schriftsteller Plinius d. Ä. zu
erfahren ist (Nat Hist 19,17; 21,114; 25,121; 27,168).Während die ältesten Beispiele von
Lampen (aus der frühen Bronzezeit) flache Tonschalen mit eingekniffener Schnauze zur
Einlage des Dochtes waren, die noch von Hand getöpfert wurden, so waren die Lampen seit
der frühhellenistischen Zeit (seit dem 3. Jh. v.Chr.) überwiegend aus Formen, aus
sogenannten Matrizen, hergestellt. Mit diesen aus der Form gewonnenen Lampen kamen auch
neue Lampenformen mit einer geschlossenen, langen Schnauze auf, die ganz generell
hellenistische Lampen genannt werden (Galling 1923, 14f.). Etwa in der Regierungszeit des
Kaisers Augustus vollzog sich ein Umbruch zur römischen Formlampe. Dieser neue
Lampentyp unterschied sich von der hellenistischen Lampe besonders dadurch, dass nicht
mehr die Schulter breit angelegt war, sondern die ganze Oberseite der Lampe flach oder leicht
eingesengt war und damit für bildliche Darstellungen zur Verfügung stand.
Um den Lichtschein zu vergrößern, wurden die Lampen gerne erhöht, indem sie auf einen
Lampenständer oder Leuchter (gr. lucni,a, lychnia) gestellt oder gehängt wurden. Dieser war
vermutlich ein eiserner Halter mit hohem Fuß (Jeremias 1940, 239). Wenn man
berücksichtigt, dass eine normale einflammige Öllampe in etwa knapp doppelt so viel Licht
erzeugt wie eine heutige Haushaltskerze (Scheibler 1976, 143), so wird noch einmal die
Sinnlosigkeit alternativer Stellorte für eine Lampe unterstrichen. Die Parabel zielt also auf die
funktionale Aufgabe eines alltäglichen Gegenstandes, der seine Funktionalität nur erfüllen
kann, wenn er zweckmäßig eingesetzt wird – alles andere ist widersinnig. An die Funktion
des Lichtspendens kann das mit der Lampe aufgerufene Bildfeld positiv anknüpfen.
Das Bildfeld
Im Alten Testament und in der Septuaginta wird Lampe häufig bildlich verwendet: Es ist ein
Bild für Lebensdauer und -kraft (2 Sam 21,17; Ps 18,29; Ps 132,17) sowie für eine
Helfermacht und Kraftquelle (Hiob 29,3; 2 Sam 22,29). Das Erlöschen der Lampe bedeutet,
dass es mit der Hoffnung auf eine glückliche Zukunft aus ist (Spr 20,20; 24,20; Hiob 21,17).
Häufig kommt die Lampe als Symbol auf den König und sein Geschlecht zur Anwendung: So
ist es in 1 Kön 15,4; 2 Kön 8,19 sowie 2 Chr 21,7 der Fortbestand des Königsgeschlechtes,
der durch die Lampe symbolisiert wird (vgl. auch 1 Kön 11,36; Ps 132,17).
Die Lampe ist besonders ein Zeichen von Gottes Orientierung gebender Gegenwart (vgl. 2
Sam 22,29; Hiob 29,3; Ps 18,29). Diese Funktion übernimmt auch die Thora (vgl. Ps 119,105;
Spr 6,23), die besonders in der zwischentestamentlichen Literatur als Lampe verstanden wird
(vgl. syrBar 18,1f.; 38,1; 59,2). In syrBar 17,4 wird das Werk des Mose dadurch
gekennzeichnet, dass er „dem Samen Jakobs das Gesetz brachte und dem Geschlecht Israels
eine Lampe anzündete“. Um das Licht der Lampe des Gesetzes zu erhalten bedient sich Gott
gewisser Personen, die dann wiederum selbst als Lampen bezeichnet werden (syrBar 77,13;
46,2).
Immer ist bei diesen bildlichen Verwendungen an eine Lichtquelle zu denken, die dem
Menschen zugute kommt (Aalen 1951, 63ff.). Sie schafft Orientierung in der Dunkelheit und
ermöglicht ein Zurechtfinden des Einzelnen und der Gemeinschaft.
Im neutestamentlichen Kontext fällt die Zurückhaltung des bildlichen Gebrauchs der Lampe
gegenüber dem Gebrauch von „Licht“ auf. Lampe wird bildlich verwendet für Johannes den
Täufer (Joh 5,35), für das Lamm (Offb 21,23) und für die in der Offenbarung genannten zwei
Zeugen (Offb 11,4).
Verstehensangebote
Die Parabel von der Lampe auf dem Leuchter zielt in ihrer Argumentation darauf, die
Angesprochenen als von der visuellen Wahrnehmung beeinflusste darzustellen. Dabei ist das
von einer Lampe gespendete Licht der wichtigste Orientierungspunkt, denn erst durch dieses
wird ihre Umgebung wahrnehmbar. Es geht also nicht um eine Lampe als Leuchtinstrument,
sondern um die zweckmäßige und optimale Nutzung dieses Alltagsgegenstandes, damit sie
ihre Wirkung als Leuchtinstrument bestmöglich entfalten kann.
Der Spruch ist auf Zustimmung angelegt und knüpft dafür an eine Alltagslogik an. Die
Angesprochenen sind aufgefordert, sich dieser Alltagslogik entsprechend zu denen zu zählen,
die eine Lampe auf den Leuchter stellen. Ansonsten würden nicht nur sie, sondern auch alle
anderen im Haus im Dunkeln sitzen. Dieser auf zustimmende Eindeutigkeit angelegten
narrativen Inszenierung korreliert eine Ambiguität auf der Ebene der Referenz. Wer oder was
unter der Lampe verstanden werden soll, das lässt die Parabel offen. Hier sind die
Angesprochenen gefragt, einerseits an den positiv besetzten bildlichen Gebrauch der Lampe
kreativ anzuknüpfen, andererseits forciert die Parabel über den Weg der vorausgesetzten
Zustimmung hinsichtlich des richtigen Ortes für eine brennende Lampe einen
interpretatorischen Prozess, bei dem die Angesprochenen zu einem kontextualisierten
Verständnis der Parabel gelangen sollen (Robbins 1994, 210). Ein Blick auf die
Textparallelen zeigt, dass je verschiedene Bedeutungsaspekte hervorgehoben werden können.
Dabei fällt auf, dass der Spruch häufig in Kontexten verwendet wird, deren Evidenz
keineswegs so einleuchtend ist wie die Parabel von der Lampe auf dem Leuchter.
Aspekte der Textparallelen und Wirkungsgeschichte
Mk 4,21: Kommt etwa die Lampe, damit sie unter den Scheffel oder unter das Bett gestellt
werde? Nicht damit sie auf den Leuchter gestellt werde?
Im markinischen Gleichniskapitel findet sich im Anschluss an die Auslegung der
Sämannsparabel (Mk 4,14-20) eine Spruchgruppe (Mk 4,21-25), deren Auftakt die Parabel
von der Lampe auf dem Leuchter bildet und die – im Gegensatz zu den anderen Sprüchen in
4,21-25 – in einer Frageform vorliegt, die als Verstärkung einer zustimmungspflichtigen
Behauptung dient (Eckey 1998, 144; Robbins 1994, 209). Die finale Formulierung („damit“)
hebt die Sichtbarkeit der Lampe hervor. Der folgende V.22 verallgemeinert den Sachverhalt
der Sichtbarkeit (Schenke 2005, 131). Im Zusammenhang mit V.11f. soll das dort gegebene
Geheimnis der Basileia nicht verborgen bleiben, sondern sichtbar gemacht werden. Während
im Rahmen der Verstockungsaussage von V.11f. die nach innen gerichtete Kritik zum
Ausdruck gebracht wurde, steht in V.21f. die nach innen gerichtete Aufgabe hinsichtlich des
Sichtbarmachens des gegebenen Geheimnisses der Basileia im Vordergrund. Allerdings ohne
zu erläutern, was unter diesem Geheimnis zu verstehen ist (van Iersel 1993, 126). Plausibel ist
ein Bezug zur Evangeliumskommunikation (Mk 1,1), die aller Welt sichtbar gemacht werden
muss (Mk 13,10) und so ihr Geheimnis des Reiches Gottes offenbart. Deshalb ist es von
entscheidender Wichtigkeit, darauf zu achten, was man hört (Mk 4,24a diff Lk 8,18).
Mt 5,15: Man zündet auch nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf
den Leuchter, und sie leuchtet allen in dem Haus.
Im Matthäusevangelium steht die Parabel im Kontext der Bergpredigt. Der sich in der letzten
Seligpreisung (Mt 5,11) findende Wechsel von der 3. Pers. zur 2. Pers. bestimmt auch das Mt
5,13-16 mit der pragmatischen Konsequenz, dass nun auch die Leserinnen und Leser – neben
den Jüngern – die direkten Adressaten der Worte Jesu sind. An die emphatische Aussage „Ihr
seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14a) schließt die Parabel von der Bergstadt (Mt 5,14b) an und
von der Lampe auf dem Leuchter (Mt 5,15) an. Beide Sprüche werden unter dem
einheitlichen Gesichtspunkt der Unmöglichkeit des Verborgenbleibens rezipiert (Schröter
1997, 338) und dienen einerseits der Konkretisierung der Aussage von Mt 5,14a. Andererseits
bereiten sie V.16 mit der dort gestellten imperativischen Aufforderung an die
Angesprochenen, das Licht leuchten zu lassen vor den Menschen – also Licht für andere zu
geben – vor. In dieser kontextuellen Verzahnung wird die Parabel in eine Dialektik zwischen
Indikativ und Imperativ einbezogen, die den in der 2. Pers. Angesprochenen gilt
(Stiewe/Vouga 2001, 38). Sie werden einerseits aufgefordert zu bleiben, was sie sind –
nämlich ein sichtbares Licht, das allen leuchtet. Andererseits werden sie aufgefordert, die an
sie gestellte Anforderung nicht zu unterschätzen: Ein Licht, das nicht leuchtet, ist
wirkungslos. Da es nur wenige Verse zuvor in Mt 4,15f. in einem Erfüllungszitat heißt, dass
Jesu Aufgabe darin besteht, für das jüdische Kernland und für das ‚Galiläa der Heiden’ Licht
zu sein, wird die Funktion der Angeredeten, welche durch die Parabel sinnbildlich
unterstrichen wird, mit der Sendung Christi parallelisiert (Luz 52002, 300; Frankemölle 1994,
215; Fiedler 2006, 120).
Lk 8,16: Aber niemand, der eine Lampe angezündet hat, verbirgt sie unter ein Gefäß oder
stellt sie unter ein Bett, sondern stellt sie auf einen Leuchter, damit die Hereinkommenden das
Licht sehen.
In Lk 8,16 findet sich das Logion ebenfalls im Anschluss der Deutung der Sämannsparabel
(Lk 8,11-15). Während es im markinischen Kontext um die Lampe an sich geht, steht hier die
die Lampe handhabende Person im Vordergrund, deren Aktivität darin zum Ziel kommt, dass
die Hereinkommenden das Lampenlicht sehen. Durch die nahtlose Aneinanderreihung der
beiden Parabeln werden die Texte eng aneinander gebunden und Lk 8,16 ist zu verstehen als
eine paränetische Weiterführung der in Lk 8,15 begegnenden Deutung des auf guten Boden
gefallenen Samens auf diejenigen, die das gehörte Wort „festhalten und Frucht bringen in
Geduld“. Das zweckmäßige Aufstellen einer Lampe mit dem Ziel der Sichtbarkeit ihres
Lichtes bezieht sich auf das Hören des Wortes und das missionarische Wirken der Jünger
(Hahn 1973, 122). Das Licht der Lampe ist das Wort Gottes, das nun sichtbar gemacht
werden muss für die „Hereinkommenden“. Bei diesen handelt es sich um die mit der JesusBotschaft Sympathisierenden, die sich als neue Familie dadurch konstituieren, dass sie das
Wort Gottes hören und tun (vgl. Lk 8,21). Die Parabel wird so zu einer dringlichen
Verpflichtung, das Gehörte weiterzugeben (Radl 2003, 530).
Lk 11,33: Niemand, der eine Lampe angezündet hat, stellt sie in ein Versteck auch nicht unter
einen Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit die Hereinkommenden das Licht sehen.
Lukas bringt die Parabel ein weiteres Mal, nun jedoch in der Fassung von Q. Nachdem zuvor
Jesus Zeichenforderungen zurückgewiesen hat, folgt die Parabel, die über die Stichworte
Lampe/Licht mit Lk 11,34-36 verknüpft ist und in diesem Kontext einen mahnenden
Charakter erhält, weil der paränetische Aspekt des inneren Lichtes, das nicht zur Finsternis
werden darf, im Mittelpunkt steht. Nach der Zurückweisung der Zeichenforderung erfolgt hier
eine Mahnung an diejenigen, die schon zur Gemeinschaft gehören (Schröter 1997, 347).
EvThom 33,2-3: Denn niemand zündet eine Lampe an (und) stellt sie unter ein Trockenmaß
noch in ein Versteck, sondern stellt sie auf den Leuchter, damit jeder, der hineinkommt und
der hinausgeht, ihr Licht sieht.
Ähnlich wie im matthäischen Kontext finden sich auch im Thomasevangelium die Worte von
der Stadt auf dem Berg und der Lampe auf dem Leuchter hintereinander, allerdings steht
zwischen beiden ein Aufruf, das Gehörte zu verkündigen. Dadurch ist die Parabel als
Aufforderung zu verstehen, die Worte Jesu weiterzugeben, sie als Licht zu verbreiten. Diese
Weitergabe ist aber nach der Konzeption des Thomasevangeliums nicht bei jedermann
erfolgreich, sondern nur bei den Personen, die Zugang zur Bedeutung der Worte haben
(EvThom 1). Es ist deshalb bei der Verkündigung keine geheime ‚Flüsterpropaganda’
vorauszusetzen (gegen Schneider 1970, 207), sondern – wie die spezifische Wendung vom
Hinein- und Hinausgehen anzeigt – das Verkündigungsgeschehen erreicht einen Kreis von
privilegierten „Erwählten“ (EvThom 49), denen es vorbehalten ist, aus dem Licht zu kommen
und auch dorthin wieder zurückzukehren (vgl. EvThom 50).
Während in der Alten Kirche Leuchter und Lampe als Begriffe für verschiedene theologische
Aussagen (christologisch, sakramental, moralisch oder ekklesiologisch) gedeutet wurden, fällt
mit Blick auf die weitere Kirchengeschichte eine Vereinseitigung bei der Deutung auf. In den
Mittelpunkt rückt das von der Lampe gespendete Licht, welches mit der Verkündigung
gleichgesetzt wird. Besonders auf protestantischem Boden hat diese Auslegung eine deutliche
Ausprägung gefunden (Luz 52002, 302f.).
Literatur zum Weiterlesen
A. Hug, Art. Lucerna, in: Paulys Realencyclopädie der Classischen Altertumswissenschaft
Bd. 13.2, Stuttgart 1927, 1566-1613.
G. Schneider, Das Bildwort von der Lampe. Zur Traditionsgeschichte eines Jesus-Wortes,
ZNW 61 (1970), 183-209.
Kristina Dronsch
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