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Interview Gr?ndungsv? - Stiftung Deutscher Architekten

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WIE KAM ES ZUR GRÜNDUNG
DER STIFTUNG DEUTSCHER ARCHITEKTEN?
ERINNERUNGEN DER GRÜNDUNGSVÄTER
Elke Beccard
I
m Gespräch mit Hermannjosef Beu, Präsident der Architektenkammer NRW von
1976–2001 sowie Ehrenpräsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen
und Nikolaus Rosiny Vizepräsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen
von 1984–1993 sowie Vorsitzender des Gründungsausschusses der Architektenkammer NRW von 1970–1972.
Ein Jubiläum bietet einen guten Anlass, von den Zwängen des Tagesgeschehens
Abstand zu nehmen und einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Betrachtet
man die 25-jährige Geschichte der Stiftung Deutscher Architekten, so tauchen
viele offene Fragen auf: Woher kam die Idee, als Kammer eine Stiftung zu gründen? Wie kam es zur Festlegung des Stiftungszwecks? Wie konnte ein solches
Projekt umgesetzt werden? Es ist erfreulich, wenn darauf Zeitzeugen Antworten
geben können. Hermannjosef Beu hat als Präsident der Architektenkammer NRW
von 1976–2001 nicht nur die Kammer maßgeblich geprägt, sondern auch die
Stiftung mit ins Leben gerufen. Heute ist Herr Beu Ehrenpräsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Nikolaus Rosiny unterstützte als Vizepräsident
der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen von 1984–1993 die Gründung einer
Stiftung und engagierte sich insbesondere für die Auslobung eines Förderpreises.
„Um den jungen Berufsnachwuchs mit seinen kreativen Potentialen zu fördern
und die Diskussion um die Baukultur zu beleben, reifte die Idee heran, eine
Stiftung ins Leben zu rufen“, erinnert sich Hermannjosef Beu. „Die Stiftung
sollte Raum bieten für das ideelle und künstlerische Arbeiten in der Architektur
und somit ein freizügigeres Agieren losgelöst vom Berufsalltag ermöglichen.“
Hermannjosef Beu gehört gemeinsam mit den damaligen Vizepräsidenten KarlHeinz Volkmann (†) und Nikolaus Rosiny zu den Gründungsvätern der Stiftung
Deutscher Architekten. „Wunsch war es, eine bundesweite Stiftung für alle
Architekten ins Leben zu rufen“, erzählt Nikolaus Rosiny. „Die zuständige Bundesarchitektenkammer in Berlin“, so Hermannjosef Beu, „konnte sich zu der Zeit
eine Stiftungsgründung nicht vorstellen und überließ es der Architektenkammer
in Nordrhein-Westfalen, den guten Vorschlag alleine umzusetzen.“ Immerhin war
seinerzeit eine Summe von 230.000 DM für die Gründung einer Stiftung notwendig. In Nordrhein-Westfalen hielten die Gründungsväter bei der Namensgebung
an der Idee fest, eine Stiftung für alle Architekten zu schaffen.
1985 war es so weit! Am 19. November genehmigte der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen die Satzung der Stiftung Deutscher Architekten. Bereits
1986 konnte der erste Förderpreis für Studierende und Absolventen aller Fach9
richtungen der Architektur und der Stadtplanung in Kooperation mit den Hochschulen ausgelobt werden. „Eine Auszeichnung, die den Preisträgern neben der
finanziellen insbesondere eine ideelle Anerkennung geben sollte, um den Einstieg
ins Berufsleben zu erleichtern“, berichtet Nikolaus Rosiny. Er hatte in seinen Studienzeiten nach dem Krieg selber verschiedene Förderungen erfahren. So war es
ihm immer auch ein persönliches Anliegen, junge Menschen mit ihren Begabungen zu unterstützen.
Von oben: 1.Förderpreisverleihung 1986; 1.Sommerseminar 1990 in Bottrop im Rahmen der IBA
Emscher Park; Pressekonferenz Sommerseminar
1999 in Pömbsen
Das zweite Projektangebot der Stiftung Deutscher Architekten konnte 1990 mit
Beginn der „Internationalen Bauausstellung IBA Emscher Park“ ins Leben gerufen werden, das sogenannte Sommerseminar. „Dieser mehrtägige Workshop
bietet Raum zum freien, kreativen Entwerfen und schult die Zusammenarbeit
in interdisziplinären Teams – eine Arbeitsweise, die gerade in heutiger Zeit von
immenser Bedeutung ist“, erläutert Hermannjosef Beu den Konzeptgedanken der
Veranstaltungsreihe. Gemeinsam mit dem Leiter der IBA Emscher Park, Prof. Karl
Ganser, fand das erste Sommerseminar zum Thema „Haldenereignis Emscherblick“ in Bottrop statt. 30 angehende Architekten und Stadtplaner entwickelten
auf der Abraumhalde des Kohlebergbaus Ideen für einen Aussichtspunkt. Die
interessanten Lösungsansätze beflügelten seinerzeit die Diskussion über die
Entwicklungspotentiale dieses spezifischen Ortes. Fünf Jahre später, 1995, wurde
nach Auslobung eines Wettbewerbs hier der Tetraeder nach einem Entwurf von
Architekt Wolfgang Christ errichtet.
„Annähernd zwanzig Jahre, von 1989 bis 2008, hat sich Hans-Ulrich Ruf als Geschäftsführer der Stiftung und Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer
Nordrhein-Westfalen für die Stiftungsprojekte in besonderem Maße verdient gemacht“, heben Hermannjosef Beu und Nikolaus Rosiny hervor.
Die Anfangszeiten der Stiftung Deutscher Architekten und ihre Möglichkeiten,
Projekte durchzuführen, waren natürlich durch die finanzielle Situation bestimmt.
Die Stiftung sollte sich als gemeinnützige Einrichtung selbst tragen. Ziel sei es
darum, sowohl Spenden als auch Zustiftungen einzuwerben. Da das Stammkapital und zusätzliche finanzielle Zuwendungen bisher aus Nordrhein-Westfalen kommen, konzentriert sich die Stiftung mit ihren Projektangeboten überwiegend auf
das eigene Bundesland. „Die Spendenfreudigkeit der Architekten für den eigenen
Berufsnachwuchs ist nicht besonders ausgeprägt“, bedauert Hermannjosef Beu
und fügt hinzu: „Alle Menschen denken an Rendite, und das nur noch in Form
von Zahlen bzw. monetären Gewinnen. Aber Rendite kann auch ein Gewinn ganz
anderer Art sein: ein Kunstobjekt, eine Skulptur, wertvolle Lernprozesse, gute
Ergebnisse oder auch das Wohlbefinden der Menschen.“
In der Arbeit der Stiftung Deutscher Architekten liege die Rendite darin, junge
Menschen zu fördern und in ihrem Beruf glücklich zu machen. Aus diesem Grund
haben Hermannjosef Beu und Nikolaus Rosiny ihr ehrenamtliches Engagement
für die Stiftung immer als persönliche Bereicherung empfunden.
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