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Bericht eines Jenseitigen Wie sich der Herr mitteilt Jarah und ihre

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Bericht eines Jenseitigen
Wie sich der Herr mitteilt
Jarah und ihre große Liebe
Himmlische und irdische Liebe
Er wird kommen zu richten
Über die Todesfurcht
Über das Segnen
Heilkraft aus der Sonne
Himmel und Hölle im Menschen
INHALT
Otto Hillig
Klaus W. Kardelke
Jakob Lorber
Gisela Fräntzki
Jakob Lorber
Hans-Gerd Fischer
Jakob Lorber
Jochen Stübner
Sebastian Franck
Thomas von Kempen
Christoph Blumhardt
Georg Riehle
Schrifttexterklärung
Ellen Paetsch
Maja Daum
Jakob Lorber
Jakob Lorber
Max Ehrmann
Das Kind
Editorial
Bericht eines Jenseitigen
Wie sich der Herr mitteilt
Der vergangene, zukünftige und
gegenwärtige Christus
Jarah und ihre große Liebe - Schluss
Himmlische und irdische Liebe
Er wird kommen zu richten ...
Christus in uns
Christus spricht im Innern zur gläubigen Seele
Die Selbstprüfung vor Gott
Des Vaters Sehnen nach Seinen Kindern
Über die Todesfurcht
Über das Segnen
Heilkraft aus der Sonne
Himmel und Hölle im Menschen
Weisheitsgeschichten
In die Ruhe des Geistes eingehen
Desiderata
Verschiedenes
S. 2
S. 3
S. 5
S. 12
S. 20
S. 22
S. 31
S. 33
S. 39
S. 40
S. 40
S. 41
S. 42
S. 45
S. 48
S. 53
S. 54
S. 58
S. 59
S. 60
Mit Namen des Verfassers versehene Beiträge müssen nicht mit der Auffassung
der Schriftleitung übereinstimmen.
Die Zeitschrift erscheint zweimonatlich auf freiwilliger Spendenbasis.
Beiträge richten Sie bitte an die Schriftleitung.
IMPRESSUM
Herausgeber:
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Redaktion:
Lorber-Gesellschaft e.V.
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83731 Hausham / Deutschland
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Klaus W. Kardelke
Hans-Gerd Fischer, Angelika Penkin,
Michael Nolten
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Kto 01873 312 101
BLZ 12 000
Postscheckkonto Basel (CH)
Kto. 80-50414-3
- Zeitschrift im Geiste christlicher Mystik Jahrgang 25
2005
Heft 4
„Wahrlich ich sage euch:
Es sei denn, dass ihr umkehret und werdet wie die Kinder,
so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“
(Matth. 18,3)
„Im Himmel wird nur der der Erste und Größte sein,
der sich der Geringste und Kleinste dünken wird;
denn das werde euer Ruhm, dass ihr alle den Kindlein
gleich werdet in eurem Gemüte!
Wer in seinem Gemüte nicht wird wie die Kinder,
der wird ins Reich Gottes nicht eingehen können.“
(Gr.Ev.Joh. Bd. 6 Kap. 236,11)
2
Das Kind
GL 4/2005
Das Kind
Otto Hillig
1. Kindlich will ich Dir vertrauen,
bin ich doch, o Herr, Dein Kind!
Kindlich, Vater, auf Dich schauen
dort, wo leis die Träne rinnt.
Im Tal der Leiden
find ew'ge Freuden
ich durch Dein Wort.
Dein Wort hat mir gegeben die
Kraft, dass ich kann leben in
Deinem Geist - mein Jesus!
2. Wunderbar hat sich enthüllet,
was mir Deine Liebe gab,
die sich uns auch oft verhüllet
von der Wiege bis zum Grab.
Ich schaute Keime
im Lebenshaine,
im Herzen mein.
Du, Herr, hast sie gegeben
fürs wahrhaft ew'ge Leben
in Deiner Gnad' - mein Jesus!
3. Flehend hab ich Dich gebeten,
trat an mich heran die Not,
bis ich, Vater, Dich hört' reden:
„Kind! Du trägst in dir ,Mein Wort'.
Ich will Dich führen,
bist du wirst spüren
in dir die Kraft!
Die ewig dich soll speisen,
dann wirst du dankend preisen
Mich, deinen Vater Jesus.“
4. Liebend hast Du mir enthüllet,
was Du in Dein Kind gelegt,
oft hat Dich schon Schmerz erfüllet,
eh' er noch mein Herz bewegt.
Du lächelst weise
und weinst doch leise kein Auge schaut's.
Die Träne fließt nach innen,
Dein Kind nur sieht sie rinnen in Lieb' zu Dir - mein Jesus!
GL 4/2005
Editorial
3
Editorial
Leicht neigen wir bei den heutigen, immer schlechter werdenden
Verhältnissen dazu, in den Chor der Klagenden mit einzustimmen. Wenn
wir unser Vertrauen nicht in Gott setzen, sondern in die Welt und ihrem
scheinbaren Glück, geben wir der Hoffnungslosigkeit in unserem Herzen
Raum und klagen und jammern über die schlechten Zeiten.
Und so „sind allerlei Klagen unter den Menschen. Dem einen sind die
Zeiten zu schlecht; es wird alles teurer und dabei auch schlechter. Wieder
andere haben eine förmliche Wut auf die Regierungen und wälzen alle
Schuld auf sie. Ein jeder sucht den Grund des Übels dieser Zeit bald bei
einem, bald im andern; aber dass sich einer von all diesen Klägern bei der
eigenen Nase nähme und sich fragen möchte, ob nicht etwa auch er irgend
zur Verschlimmerung solcher Zeit irgendwann beigetragen habe und
vielleicht noch beiträgt, das fällt keinem ein! Ein jeder empfindet das
Übel nur von außen; aber in sich selbst erschaut er es nicht.“ (Erde 64,01)
Dabei warnt uns schon die Heilige Schrift die Untugend des Klagens
und Murrens abzulegen. „Was murren denn die Leute im Leben? Ein jeder
murre wieder seine Sünde.“ (Klagelieder 3,39)
„Die Gottlosen murren und klagen mit ihrem Geschick, aber wandeln
dabei nach ihren Lüsten.“ (Judas 16)
Im Klagen und Murren wohnt kein Vertrauen und keine Liebe, der
Klagende und Murrende entfernt sich von sich selbst und von Gott, er
wandelt seine Wege in Angst und Furcht vor dem Kommenden und fühlt
sich als Opfer der Umstände, nicht ahnend, dass er dessen Herr sein sollte.
„Wer da ungeduldig wird und über dies und jenes, das er doch nicht
ändern kann, murrt und oft sogar in seinem gemeinen Grimme
Lästerungen über die ihn widrig vorkommenden Erscheinungen in dieser
Welt denkt und offen ausspricht, der eignet sich die Liebe Gottes nicht an,
sondern entfernt sich nur mehr und mehr von ihr, und das gibt keinem
Menschen weder eine irdische und noch weniger eine jenseitige Ruhe und
Glückseligkeit.“ (Gr.Ev.Joh. Bd. 8 Kap. 140, 4-7)
Paulus rät uns: „Murret auch nicht, gleichwie jener etliche murrten und
wurden umgebracht durch den Verderber.“ (l. Kor. 10,10) und „Tut alles ohne
Murren und Zweifel, auf dass ihr seid ohne Tadel und lauter und Gottes
Kinder.“ (Philli.2,14-15)
Murren und Klagen sind destruktive zerstörende Emotionen. Wir
zerstören mit diesen nicht nur uns selbst, unser Selbstwertgefühl, sondern
verletzen auch unsere Mitmenschen und tragen zu einer geistigen
Umweltverschmutzung bei. Negative Gefühle verschließen unser Herz
und Gemüt vor Gott und dem Nächsten und führen letztendlich in die
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Editorial
GL 4/2005
Hoffnungs- und Sinnlosigkeit, in Unglauben und Sünden. Und somit
geben wir den schlechten Umständen weitere Nahrung und tragen unseren
Anteil an der Verschlimmerung bei, die wir in unserem Inneren durch
unsere negativen Gefühle mit hervorgerufen haben.
Als Nachfolger Christi sind wir jedoch aufgerufen diese Gefühle des
Klagens und Anklagens zu bekämpfen, uns darin selbst zu verleugnen und
den Geist Christi in unseren Herzen wieder Raum zu geben,
Eine Möglichkeit, um unsere negativen Gefühle wieder in Harmonie zu
bringen ist die Dankbarkeit. Entwickeln wir ein Gefühl der Dankbarkeit
für die vielen guten Dinge und Freunde, die wir haben. Richten wir unsere
Aufmerksamkeit nicht auf unseren Mangel und unsere Mängel, sondern
auf das, was Gott uns gegeben und mitgegeben hat, und wir werden bald
wieder feststellen, wie gesegnet wir trotz alledem sind.
Dankbarkeit öffnet das Herz wieder weit für den göttlichen Einstrom
und die Freude im Herrn. Denn in einem heiteren und munteren und
dadurch auch dankbaren Herzen wohnen Liebe, Hoffnung und
ungezweifelte Zuversicht. So erleben wir, dass die Dankbarkeit ein Gefühl
der Freude gebiert und die Freude wiederum die Dankbarkeit.
Paulus erkannte die große Macht des Frohsinns und der Dankbarkeit,
wenn er uns rät: „Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar
in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an
euch.“ (1. Thess. 5,16-18) und „Saget Dank allezeit für alles, Gott, dem
Vater, in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus.“ (Eph. 5,20)
Für alles, was uns im Leben begegnet, sollten wir ein Gefühl der
Dankbarkeit in unseren Herzen entwickeln, denn auch Leid und Krankheit,
sowie die schweren Zeiten im Leben lassen sich mit einem dankbar
vertrauendem Herzen wesentlich leichter tragen und erst dann erkennen
wir den Segen in ihnen.
Denn denjenigen, die Gott lieben, dient ja alles zum Besten, denn
„alles geschieht ja nur durch die Liebe Gottes zum wahren Wohle des
Menschen. Erkennt der Mensch das dankbar in seinem Gemüte an, so
nähert er sich auch stets der Liebe und der Ordnung Gottes und geht dann
bald und leicht ganz in dieselbe über und wird dadurch selbst weise und
mächtig.“ (Gr.Ev.Joh. Bd. 8; Kap. 140, 4-7)
Wir haben die Möglichkeit unsere Welt durch gläubige Gedanken und
Gefühle der Dankbarkeit und des Vertrauens zu erhellen und somit unser
Licht scheinen zu lassen.
Ihr Klaus W. Kardelke
GL 4/2005
Bericht eines Jenseitigen
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Bericht eines Jenseitigen
(Der Herr:) „Siehe aber, Ich habe als ein wahrer Herr des Lebens die
Gabe, dich in dein Inneres zurückzuführen und auf einige Momente deine
innere Sehe zu stärken, und du wirst dich dann alsogleich überzeugen, was
es mit dem Fortbestehen der Seele nach ihres Leibes Tod für eine
Bewandtnis hat!
Sage Mir, wen aus deiner früheren Zeit du nun sehen und sprechen
willst, und er wird im Augenblick kommen und dir Rede und Antwort
geben, und du wirst ihn auch als den erkennen, als den du ihn bei seinen
Lebzeiten gekannt hast!“
Und der Oberstadtrichter sagte: „So lasse mich meinen Vater sehen und
sprechen, der schon vor zwölf Jahren verstorben ist und ich um ihn auch
sehr viel getrauert habe, weil er mir ein überaus lieber und biederer Vater
war!“
Sagte Ich zum Oberstadtrichter: „Dir geschehe nach deinem Wunsche!“
Und siehe da, in demselben Augenblick stand der Vater des
Oberstadtrichters, allen Anwesenden sichtbar, im Gastzimmer.
Und der Sohn erkannte ihn auch alsogleich und sagte zu ihm: „Also
lebst du wirklich nach dem Tode deines Leibes fort?“
Sagte der Vater: „Du glaubst wohl nun, weil ich dir also zu erscheinen
durch die Macht Dessen, der bei dir ist, genötigt worden bin, und du siehst
mich nun, weil dir Dieser deine innere Sehe eröffnet hat; warum glaubtest
denn du deiner noch lebenden Mutter und deinen drei Geschwistern nicht,
die mich bald nach meinem Hintritt gesehen und gesprochen haben und ich
ihnen mit kurzen Worten eröffnete, dass es mit dem Leben der Seele nach
dem Tode des Leibes ganz anders aussieht, als die Menschen in diesem
kurzen Erdenleben davon, so oder so, urteilen?
Am übelsten für diese kurze Lebenszeit sind diejenigen daran, die an
ein Fortleben der Seele nach dem Abfalle des Leibes gar nicht glauben;
denn sie behalten den Glauben, den sie von hier mitgenommen haben,
jenseits noch lange fort und erwarten noch immer die ewige Vernichtung,
die aber nimmer erfolgen kann und will.
Und infolge solch ihres Irrglaubens sind sie auch faul und träge, für ihr
jenseitiges Weiterkommen etwas zu unternehmen, und so leben sie jenseits
noch – wie ich solches schon erfahren habe – oft ein paar tausend Jahre
hindurch und lassen sich von ihrem unsinnigen Glauben selbst durch die
lichtesten Geister nicht abwendig machen. Siehe daher du, mein Sohn, zu,
dass du nicht in einem solchen Irrglauben aus der Welt scheidest!“
Hierauf sagte der Oberstadtrichter: „Wahrlich, Vater, du bist es! Denn
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Bericht eines Jenseitigen
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du hast nun dieselben Worte zu mir gesprochen, welche du zu der Mutter
und meinen Geschwistern gesprochen hast, die ich mir denn auch
aufgezeichnet habe und noch als ein Heiligtum bei mir aufbewahre,
obschon ich an sie bis jetzt nur einen kleinen Glauben hatte. Ich wollte
dich auch selbst sehen und sprechen; aber mir wollte dieses Glück nicht
zuteil werden.“
Darauf sagte zu ihm der Vater: „Wie hätte denn dieses auch geschehen
können? Denn wie oft ich auch zu dir kam, warst du nie zu Hause und
hattest immer zu tun in der Außenwelt und ihrem Lichte, und da ist es für
uns unmöglich, jemandem zu erscheinen und ihn zu belehren; denn wir
sind nun in unserem Sein nicht mehr die Erscheinung, bewirkt durch eine
andere Kraft, und sind demnach die Kraft selbst, die innerlich in allen
Elementen wirkt, die der sinnliche Mensch wohl erschauen kann, – aber
die wirkende Kraft, als das eigentliche, wahre Sein in sich selbst, kann ein
äußerer, dir gleicher Weltmensch ebenso wenig erschauen wie jede andere
in der materiellen Welt wirkende Kraft, – er müsste denn nur in sein
wahres Sein in sich zurückkehren, dadurch seine innere Sehe erschließen,
und er würde dann auch des wahren Seins der wirkenden Kräfte gewahr
werden, sie in ihrem wahren Sein beschauen und sich mit ihnen auch in
Verkehr setzen können!“
Hierauf fragte der Oberstadtrichter den Vater: „Wo ist denn der Ort, wo
du dich aufhältst, und wie sieht er aus?“
Sagte der Vater: „In unserem Reiche gibt es gar keinen Ort, von dem
man sagen könnte: ,Siehe hier, oder dort ist er, und so sieht er aus, und so
ist er beschaffen!‘; denn bei uns ist ein jeder der Ort, den er bewohnt, für
sich selbst, und das Aussehen und die Beschaffenheit des Ortes
entspricht in allem und jedem der inneren Beschaffenheit des
Menschen.
Ich bin nun nach irdischer Rechnung doch schon eine solche Zeit
drüben, in der man doch etwas Besonderes sehen und erfahren kann; aber
ich habe bis jetzt noch nichts gesehen, was dem irgend gleichkäme, was
man in dieser Welt vom Jenseits geglaubt, gemeint und gefabelt hat. Ich
suchte den Fluss Styx und seinen Schiffer Charon und fand keines von
beiden. Ich hatte schon eine Weile Tartarusangst vor einer Furie oder vor
den drei unerbittlichen Richtern Minos, Äakus und Rhadamantus – allein,
nichts von allem dem! Ich wollte das Elysium aufsuchen, ging weit und
breit wie in einer großen Sandsteppe umher, und siehe, es wollte sich auch
kein Elysium finden lassen, – kurz, ich sah und fand außer mir nichts und
niemanden außer mich selbst und den sehr lockeren Boden, auf dem ich
mich befand.
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Bericht eines Jenseitigen
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Etwa nach ein paar Jahren meines Suchens – nach diesirdischer
Zeitrechnung –, in welcher Zeit ich noch immer diese endlose Sandsteppe
nach allen Richtungen hin durchzog, entdeckte ich in einer ziemlich
bedeutenden Ferne endlich doch jemanden, der sich ganz in demselben
Zustande zu befinden schien, in dem ich mich befand. Ich ging schnellen
Schrittes auf diesen Jemand zu und war bald vollends bei ihm.
Als ich zu ihm kam, fragte ich ihn sogleich, sagend: ,Du scheinst dich
eben auch in einem mir ähnlichen Zustande zu befinden! Unter den Füßen
nichts als eine unendlich fortzudauern scheinende Fläche Sandes, über
dem Haupte ein mehr dunkel- als lichtgraues Genebel, und man sieht sonst
nichts als sich selbst und seine in den Sand eingedrückten Tritte. Es geht
auch kein Wind, und von einem Wasser oder einem andern Objekte ist gar
keine Rede. Bei zwei Jahre irdischer Rechnung irre ich in dieser
Sandwüste umher und finde auch nichts, davon man sich sättigen und
einen allfälligen Durst stillen könnte. Ich weiß, dass ich das Zeitliche
verlassen habe und als eine wahrlich arme Seele in dieser Wüste
umherwandere, was mir schon wirklich im höchsten Grade unangenehm
ist. Ich habe mir die größte Mühe gegeben, hier in dieser sein sollenden
Geister- oder Seelenwelt alles das aufzusuchen und aufzufinden, an das ich
in der Welt so halbwegs geglaubt habe, aber nichts von allem - - -.
Du bist nun nach zwei Jahren die erste mir ähnliche Erscheinung.
Weißt du mir vielleicht zu sagen, was man hier tun und anfangen soll, um
denn doch endlich einmal einen Ort zu finden, in welchem so halbwegs zu
bestehen wäre? Denn ich bin des Suchens in dieser weiten Sandsteppe
schon müde geworden und habe wahrlich keine Lust mehr, weitere
Schritte vor- und rückwärts zu machen!‘
Darauf sagte der mir ähnlich Scheinende und sich in gleichen
Zuständen Befindende: ,Ja, mein Freund, wie dir, so geht es gar zahllos
vielen in diesem Reiche, die das, was du suchst, schon viele Jahrhunderte
lang suchen! Wenn du hier etwas finden willst, so musst du es nicht so
anstellen, wie auf der materiellen Welt, in der man alles nur außer sich
sucht. Wer hier das tut, der findet ewig nichts! Denn hier gibt es außer ihm
keinen Ort und keine Gegend mehr, und würde er diese auch auf allen
Punkten des unendlichen Raumes irgend finden wollen.
Du musst also mit deinen Sinnen, mit deinem Trachten und Wollen
in dich selbst zurückgehen und in dir selbst zu suchen, zu denken und zu
formen anfangen, dann erst wirst du einen Ort finden, der deinem
Denken, Formen, Wollen und deiner Liebe entsprechen wird! Daher tue,
als sähest du diese Sandsteppe nicht, wie auch nicht das Graugenebel über
dir, sondern begib dich in die Phantasie deines inneren Gemütes, so wird
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Bericht eines Jenseitigen
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sich vor dir bald alles anders gestalten! Ich habe mich darum von dir
finden lassen, um dir solches zu verkünden.‘
Auf diese Worte verließ mich der Jemand plötzlich wieder und ließ
mich auf meiner Sandsteppe stehen. Ich beherzigte seine Worte und fing
an, in mich zu gehen und so recht lebhaft zu denken, und zeichnete mir
in meiner Phantasie so gut es ging eine Gegend und einen Ort, – und
siehe da, es währte gar nicht lange und ich ersah bald meine Phantasie
vor mir tatsächlich ausgebreitet.
Sie bestand in einem Tal, das von einem Bache durchfurcht war. Links
und rechts befanden sich Wiesen und auch Bäume und Sträucher, und in
einiger Entfernung entdeckte ich auch einen Ort, bestehend aus niedrigen
Bauernhütten, worauf es mir vorkam, dass ich diesem Orte näher kommen
sollte.
Ich dachte mir aber: ,So ich wieder werde zu gehen anfangen, da werde
ich am Ende alles wieder verlieren, was ich mir mühsam geschaffen habe!
Ich werde dafür versuchen, mir in meiner nächsten Nähe nur eine solche
Hütte zu formen, – diese will ich dann recht gern für immer bewohnen und
behalten!‘
Ich dachte mir so etwas, und die Hütte stand auch bald da, umgeben mit
einem Garten voller Obstbäume, womit ich vollkommen zufrieden war.
Ich ging denn in die Hütte, um gewisserart in mir selbst zu erfahren,
was sich da weiterhin ergeben werde. Als ich in die Hütte kam, fand ich
sie vollkommen leer und fing wieder an, noch tiefer in mich zu gehen und
zu denken, worauf bald aller Art Gerätschaften in dieser Hütte sich mir
darzustellen anfingen: Stühle, Bänke, Tische und auch ein Ruhebett, ganz
so, wie ich es mir gedacht hatte.
Und ich dachte weiter: ,Der Tisch wäre nun da; aber es gibt auf ihm
noch kein Brot und keinen Wein und sonstige Speisen!‘
Wie ich daran lebhaft zu denken anfing, da befand sich auch bald des
Brotes und Weines zur Genüge auf dem Tisch, und ich machte bei diesem
Anblick nicht viel Säumens, griff bald nach dem Brote und so auch nach
dem Weine, denn ich war schon sehr hungrig und durstig, – und siehe, ich
fand mich bald darauf sehr gestärkt, und mit meinem Denken und
Phantasieren fing es an, viel lebhafter und kräftiger zu gehen!“
(Der Vater): „Ich trat darauf wieder aus meiner Hütte und fand alles
noch so wie früher. Da dachte ich mir aber: ,Es wäre alles recht also; aber
ich bin und bleibe dennoch allein! Wenn ich nur jenen früheren Freund mir
jetzt herbeiwünschen könnte, damit ich ihm meinen Dank abstatten könnte
für seinen mir gegebenen guten Rat!‘ – und sah bei diesem Wunsche nach
jenem schon vorher erwähnten entfernten Orte hin, und sah, wie sich bald
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Bericht eines Jenseitigen
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darauf von jenem Ort mehrere Menschen in der Richtung zu mir zu
bewegen anfingen.
Sie kamen bald in meine Nähe, und unter ihnen erkannte ich auch bald
jenen Freund, der mir in der früheren Sandwüste den guten Rat erteilt
hatte, und er sagte zu mir: ,Nun erwecke du in dir recht lebendig das
Gefühl der Liebe, des Mitleids, der Erbarmung und des Wohltuns, und es
werden bald mehrere zu dir kommen, denen es jetzt noch so geht, wie es
dir ergangen ist! Teile dann mit ihnen dein Lebensbrot und deinen
Lebenswein, und sie werden bald darauf deine glücklicheren Nachbarn
werden! Die aber von dir nichts annehmen werden wollen, die lasse du
nach ihrem Willen wieder weiterziehen und einen Ort und ein
Unterkommen suchen, und es wird ihnen fürder geradeso ergehen, wie es
dir ergangen ist bei deinem Suchen! Du aber bleibe von nun an
fortwährend wachsend in der Liebe, in der Erbarmung und in der
lebendigen Sehnsucht, den armen Blinden nach Möglichkeit Gutes zu
erweisen; dadurch wirst du selbst fort und fort reicher und dadurch auch
glücklicher werden!‘
Darauf kehrten die mich in meiner Einsamkeit Besuchenden wieder
zurück, und ich befolgte abermals meines noch unbekannten Freundes
weiteren Rat. Und siehe, es kam bald darauf eine recht große Menge
dürftiger Seelen zu mir, und ich fragte sie, ob sie etwas sähen und
wahrnähmen.
Und sie antworteten: ,Bis jetzt noch nichts als unter unseren Füßen eine
endlose Sandsteppe und über uns ein graues Genebel!‘
Ich aber ging in meine Hütte und brachte ihnen Brot und Wein.
Einige von ihnen ersahen alsbald das Brot und den Wein, als ich zu
ihnen sagte: ,Da habt ihr Brot und Wein, und stärket euch!‘
Viele andere aber merkten es nicht, da sie in sich der Meinung waren,
ich treibe mit ihnen etwa einen mutwilligen Scherz, und zogen wieder
weiter.
Die aber Brot und Wein nahmen, ersahen auch alsbald meine Hütte und
die ganze schöne Landschaft und blieben bei mir, und ich unterwies sie in
der Weise, wie ich selbst unterwiesen worden war, und bald ward meine
früher einsame Hütte mit einer Menge anderer wohleingerichteter Hütten
umgeben, und ich fand und kam dadurch zu meinem ersten Orte und zu
meiner ersten Gesellschaft und blieb so lange daselbst, bis ich mein
Inneres durch die Liebe zu meinem Nächsten stets mehr und mehr
erweitert hatte.
Nach solcher Erweiterung erweiterte sich auch bald die Gegend, wurde
lebhafter und schöner und ich in ihr stets glücklicher und erleuchteter; und
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Bericht eines Jenseitigen
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je mehr sich das innere Licht in mir ausbreitete und mir etwas vorstellte, so
war es auch schon bald da.
In solchem Zustande fing ich auch an, meiner in der Welt
zurückgelassenen Angehörigen zu gedenken und mich ihnen mitzuteilen,
dass es nach dem Abfalle des Leibes ein unverwüstbares Fortleben der
Seele gibt.
Und siehe, bald darauf kamen deine Mutter und etliche Geschwister zu
mir, und ich konnte mich ihnen ebenso mitteilen, wie nun dir! Sie glaubten
meinen Worten, teilten dir solches auch mit, was aber bei dir bis jetzt
keinen Glauben fand, indem du zu sehr mit allem deinem Denken, Lieben
und Wollen dich in die starre und tote Außenwelt begeben hast.
Schließlich mache ich dir noch diese Bemerkung, dass eben derjenige
gute Freund, der mir in der Wüste zuerst den guten Rat erteilte, diesem
Herrn, an dessen Seite du sitzest, in der Physiognomie sehr ähnlich sieht,
und ich in mir bei Seinem ersten Anblick eine lichte Idee entstehen sah,
dass Er der Herr von dieser und auch von unserer Welt sei. Ich rede zwar
nun mit dir, – aber nicht als in einem andern Ort, sondern nur in dem, den
ich bewohne, und du kannst daraus für dich den Schluss machen, dass ich
es nicht notwendig habe, um mit jemandem in dieser Welt zu verkehren,
meinen Ort zu verlassen, – sondern wo ich bin und rede, da ist auch der
Ort mit mir.
Übrigens mache ich dich nun noch darauf aufmerksam, dass du auf der
Außenwelt, deiner Seele nach, nun auch auf lauter Sand einherwandelst
und über dir, das heißt in deinem Verstande, nichts hast als dunkelgraues
Genebel.
Diese Erde aber, und was du auf ihr und über ihr siehst, ist auch nur ein
von einem allerhöchsten Geiste aus geschaffener Ort, geradeso, wie im
kleinen Maßstabe mein kleiner Ort von mir aus geschaffen ist.
Die Liebe des großen Geistes, Seine überaus hellen Lichtgedanken,
Sein allmächtiges Wollen und Seine große Barmherzigkeit sind die
Urelemente, aus denen Er solche wunderbaren Orte herstellt und sie auch
erhält, solange Er will. Du siehst demnach in dieser Welt nichts anderes als
einen solchen Ort, der aus dem großen Geiste in einer gewissen Ordnung
ins Dasein gesetzt wurde; für deine Seele aber bleibt er nur so lange
ersichtlich und ein Etwas, solange deine Seele noch mit einer Materie
umhülst ist.
Wird dir diese Umhülsung genommen, dann bist du ohne Ort, ohne
irgendeinen festen Boden und ohne ein bestimmtes Licht über dir, – außer
du hast schon in dieser Welt den Weg in dein Inneres gefunden. Dann
geht es jenseits freilich anders; denn da kommt alles, der Ort und was dir
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Bericht eines Jenseitigen
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nötig ist, schon mit dir herüber, und du brauchst da nicht erst jenseits durch
einen Freund zu erfahren, wie man jenseits bei uns zu einem Wohnorte
und zu einer Gesellschaft gelangt. – Das merke dir, du mein Sohn!“
Hier wollte der Sohn noch weiter mit seinem Vater sprechen.
Dieser aber sagte noch im Scheiden (der Vater): „Um alles andere, um
was du noch weiter wissen willst, wende dich im Herzen an Den, der
neben dir sitzt; denn Ihm sind alle Dinge bekannt, auf dieser Welt und in
der unsrigen!“ Auf diese Worte verschwand der Geist.
(Gr. Ev. Joh. Bd. 10 Kap. 172,12-175,19)
„O Freunde, die ihr noch in euren Leibern wandelt auf der harten Erde,
fasset, fasset das Leben in seinem Grunde! Es ist unendlich, und seine
Fülle ist unermesslich! Der Grund des Lebens ist die Liebe des Vaters in
Christo in uns! Diesen unendlichen Grund fasset allertiefst in euren
Herzen, so werdet ihr in euch dasselbe finden, was ihr in meiner Sphäre
gefunden habt. Was ihr geschaut habt, war einfach nur; aber in dem
Grunde des Lebens liegt Unendliches über Unendliches!
Es sind noch kaum fünfzig Erdjahre verflossen, da ich gleich euch als
ein Bürger des harten Lebens auf der Erde herumwandelte. Oft hat mich
der Gedanke an den einstigen Tod des Leibes erschüttert! Doch glaubt es
mir, meine Furcht war eitel und leer, denn da der Tod über meinen Leib
kam, und ich der Meinung war, für ewig zugrunde zu gehen und zunichte
zu werden, da erst erwachte ich wie aus einem tiefen Traume und ging
alsogleich erst in dieses wahre und vollkommene Leben über.
Habe ich bis jetzt auch des eigentlichsten Lebens Vollendung bei
weitem noch nicht erreicht, so bin ich aber doch der stets klarer und klarer
werdenden Vollendung desselben näher. Wie groß und wie herrlich diese
sein muss, kann ich euch noch nicht zeigen; nur kann ich aus der Fülle
meiner inneren Anschauung wohl schließen, dass des Lebens Vollendung
im Vater durch die reine Liebe zu Ihm etwas sein muss, was kein Geist in
dieser meiner Sphäre nur im unendlich kleinsten Teile zu fassen vermag!
Wohl demjenigen, ja unendlichmal wohl, der auf der Erde sich die
Liebe zum Herrn zum einzigen Bedürfnisse gemacht hat; denn der hat
zu solcher Vollendung des Lebens den kürzesten Weg eingeschlagen!
Denn, glaubet es mir, meine lieben irdischen Brüder und Freunde! Wer in
sich auf der Erde die Liebe zum Herrn trägt, der trägt auch die Vollendung
des Lebens in sich; denn er hat dasjenige allerheiligste und allerwundergrößt-vollkommenste Ziel in sich und bei sich, zu dem ich erst
(Geistige Sonne Bd. 1 Kap. 7,11-14)
langen und weiten Weges bin.“
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Wie sich der Herr mitteilt
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Wie sich der Herr mitteilt
Gisela Fräntzki
Nach der Lektüre der Abhandlung „Jakob Lorber und die
Entsprechungskunde“ (Geistiges Leben 3/05) mit den vielen Belegstellen
aus den Texten des Lorberwerkes war ich von dem Nachweis der von
dem Autor aufgestellten These, dass Gott nur in der Sprache der
Entsprechung zu Seinen Geschöpfen spricht, so sehr beeindruckt, dass ich
zunächst schier sprachlos war und mir dazu noch viele andere Textstellen
durch den Kopf gingen (z. B. Gr.Ev.Joh. Bd. 4; 43-45), wo die Menschen
murrten, als Jesus davon sprach, ihnen sein Fleisch und Blut zur Speise
und zum Tranke geben zu wollen und viele sich deshalb verärgert von
Ihm abwandten. Jesus erklärte den Jüngern später den Sinn Seiner Rede,
(Gr.Ev.Joh. Bd. 9 Kap. 72,14ff), worauf ein Jünger sich wunderte und
bemerkte: „Herr und Meister, diese Deine Belehrung an uns ist wohl
verständlich, - aber als Du einmal in Kapernaum eine ähnliche
Lehre.... geredet hast, da war das offenbar eine harte Lehre,
besonders für jene Menschen..., die Dein Wort nicht so verstanden haben,
wie es dem wahren Sinne nach zu verstehen war.“ Weiter fiel mir ein, dass
Jesus oftmals über den Unverstand Seiner Jünger klagte, wenn sie nicht
verstanden, dass Er von geistigen Vorgängen sprach (Gr.Ev.Joh. Bd. 3;
184,8).
So muss ich mich an die Seite dieser Jünger stellen und auch klagen:
„Herr, ich verstehe Dich nicht. Ich habe keinen Zugang zu dieser
Entsprechungslehre. Ich vernehme die Erklärungen in der Schrift, wäre
aber selbständig nicht dahinter gekommen.“ Ich entnehme der vorliegenden
Abhandlung auch, dass ich wohl mit dieser Not nicht alleine dastehe. Ferner
bedrückt mich die Erkenntnis, dass es sich mit dem Erlernen der
Entsprechungswissenschaft so schwer tut, dass ich gewiss nicht zu
den Begnadeten zähle, die über diesen Weg sich mit der Gottheit
austauschen. Was also tun?
Nehme ich die Werke Swedenborgs zur Hand und versuche mit
seiner Entsprechungslehre die Texte von den Auslegungen her
aufzuschlüsseln, komme ich mir vor, wie sich wohl ein Hund fühlen wird,
wenn er an einem leeren Knochen nagt und dabei nicht satt wird. Es bleibt
mir nur resigniert festzustellen, dass ich so meinen Schöpfer und Herrn
gewiss nicht verstehen kann und dass ich mit meinen Bemühungen auf
diese Weise wohl am Ende bin. Daher muss ich mich in die Reihe der
Menschen stellen, die weder Moses noch Elias verstanden, die die Texte
von den Schriftgelehrten ausgelegt bekamen, und über die doch Jesus sagte,
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Wie sich der Herr mitteilt
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dass sie von allem nichts verstehen.
Diesem vernichtenden Resultat und meiner gefühlsmäßigen Abneigung
gegen die Auslegung der Schrift durch die Entsprechungslehre steht aber
zum Glück eine ganz andere Lebenserfahrung gegenüber.
Als ich nach langen Wegen, Umwegen und Irrwegen endlich auf das
Lorberwerk stieß, und hier speziell auf „Das große Evangelium Johannis“,
nahm mich in diesem Werk Jesus Christus ganz persönlich an Seine Hand
und ich durfte Ihn, meinen Schöpfer, von Seiner irdischen Geburt bis zu
Seiner Auferstehung und Himmelfahrt begleiten und Ihn in Seiner Lehre,
Seinen Worten und Werken, Seiner Liebe zu Seinen Kindern schätzen und
lieben lernen. Entflammte doch mein Herz in Liebe zu Ihm und wie
wohltuend empfand ich Seine Lehre und Seine Erklärungen, die mir
Antwort gaben auf viele Fragen, die ich mir in meinem Leben gestellt hatte
und die mir niemand bisher beantwortet hatte. Wie oft dachte ich, wenn ich
an mir bekannte Bibelstellen erinnert wurde: „Ach, so ist das zu
verstehen.“ Wie befreiend und erhebend wirkte das auf mich. Mit den
Jesus begleitenden Menschen konnte ich mit leiden, mit verstehen, mit
lieben, mit fragen auch mit hadern und manche Belehrung und Erfahrung
drang so tief in mich ein, dass ich von nun an nach dieser neuen
Erkenntnis leben wollte. Jesus lehrte Seine Jünger und damit auch mich,
den inneren Kontakt und die Zwiesprache im Herzen mit dem Gottgeist
im Inneren des Herzens zu pflegen. Immer wieder ermutigte er die
Jünger weniger in der äußeren Sprache, als vielmehr durch die
Herzenssprache mit Ihm zu sprechen (Gr.Ev.Joh. Bd. 8; 158,5; 16-18. Hi. 184).
Auch machte Jesus immer wieder Seinen Jüngern klar, dass sie die
Dinge des Geistes derzeit noch nicht in der Fülle verstehen konnten bis zu
der Zeit, da Er den Geist der Erkenntnis über alle Menschen guten
Willens ausgießen würde. „Wenn Ich Selbst aber jüngst wieder diese
Erde persönlich werde verlassen haben, dann werde Ich den heiligen Geist
aller Wahrheit über alle meine getreuen Jünger und Brüder ausgießen.
Dieser wird sie dann in alle Wahrheit, Weisheit, Macht und Kraft lenken,
leiten, führen und erheben und wird eure Seelen mit dem jenseitigen
Geiste der Liebe aus Gott einen und also die Wiedergeburt des Geistes in
euch zustande bringen, ohne die es kein wahres und freies, ewiges Leben
geben kann, sondern nur ein gebundenes und gerichtetes, das dem wahren
freiesten Leben des Geistes gegenüber ein wahrer Tod ist.“ (Gr.Ev.Joh. Bd.
6 ; 142,8)
Um den Jüngern zu zeigen, dass die Liebe zu Gott die Weisheit nach
sich zieht, macht Er sie des öfteren auf die große Liebe einzelner
Menschen, die Ihm begegnen aufmerksam oder auf deren schlichten,
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Wie sich der Herr mitteilt
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selbständigen Glauben. So steht bei den Kleinen die Liebe und der Glaube
vor dem Verstehen. (Gr.Ev.Joh. Bd. 5; 246,3).
Betrachten wir aus mehreren Beispielen die Jarah. Als Jesus wünschte,
die Kinder herbeizubringen, kam das jüngste Mädchen „setzte sich flugs
zu Mir (Jesus) hin und fing an, Mich zu kosen und zu herzen.“ Ihr Vater
verwies ihr das als Unart. Darauf spricht Jesus: „Freund, lass ihr das; denn
sie hat sich schon den allerbesten Teil erwählt! Ich sage es dir und euch
allen: Wer nicht zu Mir kommt wie dies Mägdlein, wird den Weg ins Reich
Gottes nicht finden! Dieses aber hat ihn bereits gefunden! - Mit Liebe,
und das mit heißester Liebe, müsst ihr zu Mir kommen, so ihr das ewige
Leben ernten wollet! Dies Mägdlein beweist es in der Tat, was es im
Herzen fühlt; ihr aber machet kluge Reden und haltet kühl euer Herz! ...
Sie hat euch den Mut gemacht, Mich zu lieben! Oh, dies Mägdlein ist
denn aber auch Mir überaus lieb! Es hat schon, was ihr noch zu suchen
habt und nicht so bald finden werdet! Bestrebet euch aber der wahren,
lebendigen Liebe zu Gott und dem Nächsten, so werdet ihr der Gnade
und des Segens in Fülle haben! ... Sehet sie nur an, ob sie nicht förmlich
glüht vor Liebe zu Mir! ... Siehe, die Jarah liebt - und fragt nicht, ob sie
wiedergeliebt wird! Freund und Feind sind ihr gleich; sie ist ganz
glückselig, dass sie nur alles mit Liebe umfassen kann. Daran zu denken
nur, ob auch sie geliebt werde, ist noch nie in ihren Sinn gekommen; sie
liebt dich und alle ihre Geschwister sowie ihre Eltern mehr, als sie von allen
geliebt wird! Sie steht in eurer Liebe aber als die Letzte, was sie noch nie
in ihrer großen Liebe zu euch beirrt hat! Siehe, das heißt wahrhaft lieben! ...
Aus dem Grunde aber darf sie Mich denn nun auch lieben, was nur immer
ihr Herz vermag!! Denn allein dieser zuliebe kam Ich hierher, und ihr
zuliebe werde Ich noch etliche Tage hier verweilen.... Bestrebet euch
darum, so zu sein, wie da ist die liebe Jarah.“ (Gr.Ev.Joh. Bd. 2; 112 u. 113).
Jarah übertrifft in ihrer großen Liebe zu Jesus aber auch alle anderen
Dabeiseienden in der Weisheit, was die folgenden Kapitel aufweisen,
wovon wir nur das Urteil Jesu hier zitieren mit dem Er Jarah versichert,
dass sie Ihn nie mehr verlieren kann: „Nein, nein, du Mein Herz! Dich
verlasse Ich ewig nimmer und sage dir auch, dass du den Tod weder sehen
noch fühlen wirst; Meine Engel werden dich von dieser Welt dereinst
holen und werden dich bringen zu Mir, deinem Vater von Ewigkeit!
Denn sieh, du Meine allerliebste Jarah, zu dem du um Meine Hierherkunft
gar so herzlich gebetet hast, Der sitzt nun in Meiner Person bei dir und liebt
dich mit all der rein göttlichsten Flamme aller Himmel, und du hattest
Recht zu sagen, dass du seliger bist denn die vollkommensten Engel
aller Himmel!“ (Gr.Ev.Joh. Bd. 2; 114,11)
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Die Liebe zu Gott in Jesus ist also der direkte Weg zum Herzen Gottes
und damit auch der Weg in die Weisheit, denn wer Gott hat, dem ist auch
alles andere dazugegeben.
Richtig ist, dass der Mensch mit dem Geiste Gottes nicht unmittelbar
verkehren konnte. Bei Moses heißt es: „Gott kann niemand sehen und
leben.“ (2.Mose 33,20) Daher bedurfte es auch, wie wir in der „Haushaltung
Gottes“ hören, im Umgang Gottes mit den „Hohen Vätern“ einer
Vermittlung in Gestalt des „Hohen Abedam“, einem hohen Engel, durch
den der Geist Gottes sich ihnen mitteilte. In Jesus aber erhielt die
Zuwendung Gottes zu Seinen Kindern eine gänzlich andere Qualität.
Er lässt Sein Herniederkommen zu uns Menschen durch Mathael
folgendermaßen begründen: „Um für uns Menschen dieser Erde, für
euch Engel aller Himmel und für alle Geschöpfe der ganzen Unendlichkeit
eine desto größere Seligkeit zu bereiten, kam Er Selbst als ein Mensch zu
uns auf diese Erde, um Sich und förmlich als Selbst Mensch mit Fleisch und
Blut wie ein Mensch dem andern zu offenbaren. ...das tut der Herr nicht nur
unsertwegen, das tut Er auch Seinetwegen; denn Er müsste mit den
Zeiten vor Langeweile vergehen, so Er mit Seiner Allwissenheit denn
doch in Sich höchst klar gewahren müsste, dass Er als eine im höchsten
Grade formlose, ewige, wenn auch vollendetste Intelligenz von Seinen
Geschöpfen nie geschaut und noch weniger angesprochen werden könnte
und somit auch unerkannt bleiben müsste!
Wäre es denn nicht im höchsten Grade traurig für einen irdischen
Vater, so er zum Beispiel zwanzig Kinder von großer Lieblichkeit hätte,
alle aber wären Blinde und Taube, mit denen der liebevollste Vater nie ein
Wort reden und sich ihnen auch als Mensch nicht zeigen könnte?! ...Frage:
Würde solch ein Vater nicht die größten Summen darauf verwenden, um
seine sonst gar so lieben Kindlein hörend und sehend zu machen?!
Welche Trauer aber wird er empfinden, so es dafür in der ganzen Welt
kein Mittel gäbe, um seine Kinder hörend und sehend zu machen?! Nun, wir
Menschen sind zwar hörend und sehend für uns gegenseitig und finden
aneinander ein großes Vergnügen - manchmal sogar mehr als nötig - , dass
wir sogar darüber des Schöpfers vergessen können; aber der heilig gute
Schöpfer, der allweiseste Vater, müsste dieses seligsten Vergnügens für
immer völlig entbehren, von Seinen Kindern je erkannt, gehört und
gesehen zu werden! Das ginge für einen ewigen Vater voll der höchsten und
reinsten Liebe zu Seinen Kindern gar nicht an! In Ihm ist sicher die
größere Sehnsucht, uns, Seine Kinder, in dem Stande zu ersehen, der
nach Seiner Ordnung uns fähig macht, Ihn zu sehen, persönlich zu
lieben und sich Ihm mitzuteilen ohne Schaden für unsere Existenz, - als
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in uns Kinder zu sehen, die wir noch keinen Begriff vom eigentlichen
Grundsein des ewigen Vaters haben.... so sage ich: Der Herr hat nicht
unsertwegen allein, sondern auch Seinetwegen Fleisch und Blut
angezogen und Sich also begeben auf diese Erde zu uns, Seinen noch
freilich stark ungehobelten Kindern! Er hatte dieses schon Ewigkeiten
vorausgesehen, was Er tun werde; wir aber sind nun Zeugen der
Ausführung des ewig großen Planes!“ (Gr.Ev.Joh. Bd. 3; 238,7ff.)
Unser Gott wurde also in Jesus für alle Zeiten und für die ganze
Schöpfung ein schaubarer Gott, um mit Seinen Kindern umgehen zu
können wie ein Vater mit seinen Kindern, ein Bruder mit seinen
Geschwistern, und spricht mit Seiner Familie und Seinen Jüngern von
Mensch zu Mensch.
Das Transferieren geistiger Vorgänge und Erscheinungen aber,
muss Er dem Verstehen Seiner Zuhörer anpassen. In Seiner Lehre aber
versucht Er den Menschen beizubringen, dass er auf seinem irdischen
Lebensweg sich nicht ausschließlich der Materie zuwenden soll, sondern
seine eigentliche Aufgabe darin erkennen soll, sich dem Gottesgeist, der die
Liebe und das Leben im Menschen ist, im eigenen Herzen zuzuwenden.
Denn im Menschen lebt ein unbestechlicher Ratgeber (Gewissen), dessen
Urteil der Mensch sich nicht entziehen kann. Folgt der Mensch der Lehre
Jesu und berät sich mit Gott in seinem Herzen, so geschieht durch diese
Umkehr ins Innere des Menschen Gotteserfahrung. Diese besteht
zunächst darin, dass der Mensch sein eigenes Tun als nichtig Gott
gegenüber erfährt. In innerer Demütigung vor Gott legt er sein ganzes
bisheriges Denken und Meinen zu Füßen des Vaters nieder, erhebt
Hände und Herz und bittet: „Vater, fülle Du meine Leere aus.“ Diesen
Vorgang der Umkehr, nennen wir auch Buße. In dieser Haltung sollte der
Mensch bleiben oder immer wieder in sie zurückkehren, bis sie ihm
dauerhaft zueigen ist, denn alles anerzogene, gesellschaftlich materielle
Wissen und Handeln gehört dem Tode an und ist nichtig.
Deshalb sagt Jesus: „So ihr saget: ‚Wir haben dieses oder jenes Gute
gewirkt!’, da lüget ihr erstens euch selbst, dann Gott und auch eure
Nächsten an, weil kein Mensch aus sich etwas Gutes zu wirken vermag,
und das darum, weil erstens schon sein Naturleben nur ein von Gott ihm
gegebenes ist - und zweitens aber auch die Lehre, nach der er zu leben
und zu handeln hat. Wenn ein Mensch das nicht einsieht und begreift, so
ist er für sich auch so viel wie nichts, und es ist bei ihm von einer
Selbständigkeit noch lange keine Rede, weil er zwischen seinem eigenen
Wirken und dem Wirken Gottes in ihm und durch ihn noch nicht
unterscheiden und beides als ein und dasselbe fühlt und betrachtet; nur
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dann erst tritt der Mensch in den Kreis der Lebensselbständigkeit, so
er es wahrnimmt, dass sein eigenes Lebenswirken ein eitel nichtiges ist
und nur das göttliche Wirken in ihm allein gut ist.
Sieht der Mensch das ein, so wird er sich auch sicher stets mehr und
mehr bestreben, sein eigenes Wirken mit dem wohlerkannten göttlichen zu
vereinen und sich so nach und nach völlig mit der Lebenskraft Gottes in ihm
zu einen, durch welches Einen dann der Mensch erst zur wahren
Lebensselbständigkeit gelangt, da er dann weiß und klar einsieht, dass das
göttliche, früher wie ein fremdes Wirken also nun zu seinem eigenen
geworden ist durch die Demut vor Gott und durch die rechte Liebe zu Gott.
Und darin liegt der eigentliche Grund, warum Ich vorhin zu euch gesagt habe:
Und so ihr auch alles getan habt, so saget und bekennet dennoch: „Herr, nur
Du hast das alles getan; wir aber waren aus unserm Selbstischen nur faule
und unnütze Knechte!“
So ihr das in euch selbst wohlerkenntlich saget, dann wird euch die
Gotteskraft unter die Arme greifen und wird euch vollenden; wenn ihr das
aber nicht wohleinsichtlich in euch selbst bekennet und dafür nur euch selbst
auf den Altar der Ehre erhebet, da ihr euch als selbst stark fühlet, dann wird
euch die Kraft Gottes nicht unter die Arme greifen und eure höchst mühsame
Lebensvollendung euch selbst anheim stellen, und es wird sich dann bald
zeigen, wieweit ihr mit eurer eigenen Kraft ausreichen werdet. Und darum
sagte Ich euch denn auch, dass ihr ohne Mich nichts Verdienstliches und
Endzweckliches tun könnet.“ (Gr.Ev.Joh. Bd. 6; 144,4-6)
Bei einer anderen Gelegenheit fordert Jesus Seine Jünger auf, vom eigenen
Guten abzulassen: „Wer in seinem Herzen Gott verlässt und Seiner wenig oder
oft gar nicht achtet, sich selbst ein Herr zu sein dünkt und nach seinem
Weltverstande handelt, und so ihm etwas gelungen ist, sich nur dafür ehren lässt
und von seiner Klugheit und von seinen edlen Taten spricht, der belohnt sich
auch selbst und hat von Gott keinen Lohn zu erwarten.“ (Gr.Ev.Joh. Bd. 9; 159,4)
Sein Wort (Impuls) aber sollen wir im Herzen erlauschen, um dann Seinen
Willen in Wort und Tat in der Welt zu leben. Auf diese Weise geschieht die
Rückbindung des „verlorenen Sohnes“ an den Geist Gottes in einem
kontinuierlichen Wachstumsprozess, der in der Wiedergeburt des Geistes
seine Vollendung findet. Dann erst ist die Trennung von Gott durch den Sturz
aus der Geistwelt in die materielle Finsternis rückgängig gemacht. Die Umkehr
und die Heimkehr aber müssen wir mit großer Entschiedenheit antreten, steht
doch Alles für uns auf dem Spiel. Durch Gott in Jesus wurde der Weg geebnet,
gehen müssen wir ihn mit Seiner Hilfe selbst.
Das Ablegen des eigenen Denkens und Wollens zugunsten des Vernehmens
des Gotteswillens lässt die Eigenliebe absterben. Diesen Raum ergreift dann
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die Ewige Liebe und entzündet mit Ihrem Feuer den ganzen Menschen und
nimmt so dauerhaft Wohnung in ihm. Dann geht das Wort Jesu in Erfüllung:
„Wer Meine Gebote hält. Der ist's, der Mich liebt; wer aber Mich liebt, der
liebt auch Den, der Mich gesandt hat, nämlich den heiligen Vater, und Wir
werden zu ihm kommen und Wohnung nehmen bei ihm und Uns ihm selbst
offenbaren!“ (Weg zur Wiedergeburt S. 95)
Die vornehmste Aufgabe des Menschen ist daher, diesen Prozess im
Inneren des eigenen Herzens Tag für Tag zu befördern und die Gnade Jesu in
unserem Herzen wirken zu lassen, damit wir wachsen und der Vollendung
Tag für Tag mehr entgegengehen. Erst mit der Herabkunft des heiligen
Geistes, in der Durchflutung unseres ganzen Wesens, werden wir durch
diesen Geist in alle Wahrheit und Weisheit eingeführt.
Grundvoraussetzungen für dieses Ereignis aber sind: Die
Abtötung unseres Eigenwillens; das Entflammen der Liebe zu unserem
Gott und Heiland Jesus Christus, in der demütigen Annahme dessen, was
Er mit uns will; im sehnsüchtigen Erwarten Seines Kommens zu uns, wann
es Seiner Liebe und Gnade gefällt, um in der Unio Mystika uns wieder für
immer mit Ihm eins werden zu lassen. Seien wir also stets darauf
bedacht, dass der Herr uns zu Hause antrifft, in der Hütte der Purista
(eigenes Herz), wo die heilige Flamme der Liebe zu Gott auf unserem
Herde brennt, gespeist von unserer Liebe zu Gott und den Menschen. Dann
kann der Herr kommen, wie ein Dieb in der Nacht und wird die Braut
wachend und betend und liebeentbrannt vorfinden und sie werden sich auf
ewig einen. Dazu spricht der Herr: „In dieser Liebe wird es Licht im
Menschen, da die Weisheit des Vaters nie getrennt ist von dessen Liebe:
so wird dann auch der Mensch wie voll Liebe, voll Weisheit und Macht,
und dadurch nun völlig wiedergeboren in aller Liebe und Weisheit.
Sehet nun, welche Mühe, Langmut und große Geduld es Mich allezeit
kostet, aus Tausenden kaum einen erlösen zu können. Wie oft werden
selbst von einem solchen Meine Bemühungen verkannt, verachtet,
geflucht und mit Füßen getreten; - und sehet, doch lasse Ich nie ab, euch
beständig zuzurufen: „Kommet alle zu Mir, die ihr Mühselig und Beladen
seid, Ich will euch erquicken!“ (Weg zur Wiedergeburt S.84. )
Die Liebe bringt also die Weisheit mit sich, denn Liebe und Weisheit
ergänzen einander. Die Liebe ist die Wärme und der Quell der Weisheit,
die Weisheit aber ist das Licht der Liebe.
Zu welcher Größe aber sich unsere Liebe aufschwingen sollte,
vernehmen wir beispielhaft von Pura:
„O Du ewige, unendliche Liebe und Weisheit, welch ein endlos tiefer
Sinn liegt doch in jeglichem dieser Worte! O Du heiliges Leben alles
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Lebens, Du endlos heiliger Urgrund alles Seins, wer kann fassen Deiner
Weisheit Tiefe und wer erforschen den Rat Deiner Liebe?! O mein Gott,
mein Gott - wie groß und erhaben bist Du doch! Jehova! Du, der sich vom
schwachen Menschen sogar ‚Vater‘ nennen lässt, ja - nicht nur nennen,
sondern will, dass Er im Herzen eines jeden Menschen im vollsten
kindlichen Liebeernste als solcher treulichst und wahrhaftigst bekannt
werde, - wie soll ich, ein allerpurstes Nichts vor Dir, Dich denn nun
loben und preisen, wie Dir danken für diese Deine übergroße Erbarmung
und Gnade?! Denn einen solchen Trost hast Du jetzt in mein Herz gleich
einem übergroßen Lichtstrome gegossen, dass ich mir nun vor lauter
überhimmlischer Entzückung nicht zu helfen weiß. O ihr größeren Freunde
dieses überheilig guten Vaters, helfet doch, helfet mir Schwachen tragen die
übergroße Wonnebürde, und lobet mit einer Stimme Den, der dahier unter
uns weilt, so heilig, so gut und so liebevollst gnädig und barmherzig! O Du
mein Jehova, welche Seligkeit ist es, bei Dir zu sein; welche lebendige
Nahrung fürs schwache, liebehungrige Herz, so es gesättigt wird von
Deiner unendlichen Vatermilde! O lasse Dich lieben von mir, lasse mich
sterben vor Liebe zu Dir! O wie süß müsste der Tod sein, Dir zu sterben
aus Liebe! Jehova, Gott, Vater! Bis jetzt habe ich mein Herz
zurückgehalten vor zu großer heiliger Scheu vor Dir; allein nun vermag
ich‘s nicht mehr! So lass Dich denn von mir umfassen und Dich also stark
lieben, dass mich das Feuer meiner Liebe zu Dir auflösen und verzehren
soll wie einen dürren Strohhalm! Denn siehe, nun ist alle Scheu von mir
entwichen, - auch habe ich keine Angst und Furcht mehr vor Dir! O Du,
mein unaussprechlich liebesüßester Jehova!“
Hier warf sie ihre Hände mit großer Hast um den Abedam, presste Ihn
förmlich an ihr ganzes Wesen mit aller ihrer Kraft und machte mit
einer Hand oft eine Bewegung an die Seite ihres Herzens, als wollte sie
sich's aus dem Leibe reißen und dann hindrücken an die Brust des
Allerhöchsten. In solcher Liebe aber wurde auch bald ihr ganzes Wesen
also lieblich leuchtend wie da der Sonne Licht, wenn es gesänftet ein
allerherrlichstes Rosenblättchen durchleuchtet. ...
Die Väter aber bekennen: „Ja, ja wahrlich, die ist uns gesetzt zu
einem großen Lehrer; denn jetzt erst ist uns allen ein Maßstab der Liebe
gegeben, nach dem wir die hinfällige Schwäche unseres Herzens gar
(Haushaltung Gottes Bd. 2 Kap. 122,2)
wohl bemessen können!“
„Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren!“
(Luk 11,28)
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Der vergangene, zukünftige und gegenwärtige Christus
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Der vergangene, zukünftige und
gegenwärtige Christus
„Siehe, du hast wohl einen recht festen Glauben; aber deine Liebe in
deinem Herzen ist noch bei weitem nicht so fest wie dein Glaube - und das
darum, weil du noch stets deine Liebe an Meine sichtbare Persönlichkeit
hängst und suchest Mich irgend zu vernehmen und zu erschauen. Und erst
so du Mich irgend erschautest oder wenigstens vernähmest, da würde dann
auch dein Herz für Mich vollkräftig entflammen.
Und siehe, gerade also steht es auch mit deiner Familie! Ihr liebt alle
den Christus, der einst lehrte auf der Welt oder der da wiederkommen
möchte, zu richten die Welt - also den vergangenen oder den zukünftigen
Christus liebet ihr nur!
Aber das ist gefehlt! Denn bei solcher Verfassung kann Ich Mich euch
nicht nahen als euer Vater in der Gegenwart, sondern nur als der der
Vergangenheit oder der der Zukunft, und kann euch nicht kräftigen, weil
ihr Mich nur in eurer Erinnerung ehret, aber nicht in eurem Herzen
lebendig liebet!
Wie aber die Erinnerung ihre Gegenstände bald recht lebhaft erfasst
und bald wieder ganz fallen lässt, also ist es auch bei euch mit Mir der
Fall! - Leset ihr gerade etwas Erbauliches von Mir, dann seid ihr wie voll
Liebe zu Mir - aber das ist nicht Liebe, sondern nur eine zeitweilige
Aufregung eures Erinnerungsvermögens. - Sobald ihr euch umkehret
und etwas anderes erschauet, da schließt sich eure Erinnerungskammer
im Kopfe, und Ich bin draußen, als wäre Ich kaum je darin gewesen.
Ihr könnt dann Besuche machen, mit der Welt verkehren, euch
belustigen mit weltlichen Dingen, allerlei Zeug plaudern, euren Leib
zierlich bekleiden. Und so irgendein Freund oder eine Freundin euch
besucht, da könnet ihr mehr Freude haben, als je irgend in der kurz
dauernden Erinnerung an Mich!
Denn an alledem hindert euch der vergangene wie der zukünftige
Christus nicht, der wohl in euerer Erinnerung, aber nicht in euren Herzen
wohnet! - Ich aber sage dir und deiner Familie und euch allen: Der
vergangene und der zukünftige Christus wird euch wenig nützen, so ihr
nicht den gegenwärtigen lebendig in euren Herzen traget!
Ihr freuet euch nun wohl allezeit, wenn ihr von Mir etwas vernehmet.
Aber eure Freude ist nicht bleibend, weil sie mit eurer Erinnerung gleichen
Schritt geht. Und ihr freut euch dann bald darnach auf irgendein
vorhabendes weltliches Vergnügen mehr als auf Mich und machet Pläne,
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Der vergangene, zukünftige und gegenwärtige Christus
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was ihr tun werdet, ohne zu bedenken, dass ihr ohne Mich nie etwas tun
könnet und noch viel weniger tun sollet.
Und so Ich euch daran hindern möchte, dann könnet ihr darob sogar
traurig werden und sagen: Aber dürfen wir denn gar keine Freude haben?!
Ich aber sage: Ihr sollet ja Freude haben, und nimmer soll die Freude
von euch genommen werden - aber Ich sollte stets eure größte Freude
sein!
Fraget euch selbst: Was bietet euch wohl eure eigengemachte Freude?
Wie lange dauert sie? - Wenige Stunden habt ihr wieder unnütz mit der
dummen Welt vergeudet, dumm verplaudert und verlacht. Dann steht ihr
wieder am alten Flecke! Und nur Meiner endlosen Liebe und Geduld habt
ihr es zu verdanken, dass ihr nach einer jeden weltlichen Freude nicht
zurück, also dem Tode näher gekommen seid!
Bei solchen Verhältnissen ist von einem merklichen Fortschritte zu Mir
noch lange keine Rede, und Ich bleibe stets noch euer „vergangener“ oder
„zukünftiger“ Christus.
Du kennst die Wege zu Mir. Willst du aus dem vergangenen oder
zukünftigen Christus dir einen gegenwärtigen, lebendigen Christus
bereiten, so musst du vollernstlich auf diesen Wegen wandeln und dein
Haus mit dir! - So wirst du Mich von deiner Erinnerung in dein Herz
bringen und wirst dann erst jene Freude überkommen, die dir keine Welt
und keine Ewigkeit mehr wird nehmen können auch nur auf einen
allerkürzesten Augenblick!
Diese endlose Freude aber wirst du nicht eher überkommen, als bis du
mit Paulus wirst sagen können: „Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus
lebet in mir!“
Siehe, alle Welt ist Mein Feind; wie aber kann jemand sagen, dass er
Mich liebe, so er andererseits dennoch der Welt die Hand zum Gruße
bietet?!
Beachte daher diese Meine neue Belehrung und Vermahnung, so wirst
du bald zu jener Freude gelangen, die niemand mehr von dir nehmen
(Himmelsgaben Bd. 2; 44.04.21,03-19)
wird!“
„Jesus Christus gestern und heute
und derselbe auch in Ewigkeit.“
(Hebr. 13,8)
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Jarah und ihre große Liebe
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Menschen auf dem Wege zu Jesus
Jarah und ihre große Liebe
Hans-Gerd Fischer
Fortsetzung und Schluss
In Kapitel 127 des Gr. Ev. Joh. Bd. 2 kommt Jesus von rückwärts still
zur Jarah, hebt sie vom Boden auf und sagt: „Aber du Mein allerliebstes
Kindchen, wie wirst du Mich wohl halten können? Siehe, Ich bin ja viel
stärker denn du!“
Sagt die Kleine, als Er sie wieder auf den Boden stellt: „Das weiß ich
wohl, dass Du endlos stärker bist als ich, kaum ein Mücklein vor Dir; denn
Du trägst mit Deiner allmächtigen Willenskraft Himmel und Erde und
hältst das Meer in seiner Tiefe; wie sollte ich mich in der Stärke mit Dir
messen wollen?! Aber das meine ich, dass Du, weil ich Dich gar so
unbeschreiblich lieb habe, meiner Liebe zu Dir zulieb Dich wirst ein wenig
über die Zeit halten lassen!“
Sagt Jesus: „Ja, da hast du wieder recht; denn mit der Liebe richtet man
bei Mir alles aus! Die Liebe zu euch Menschen zog Mich ja auf diese
Erde! Wer aber Liebe hat wie du, der kann mit Mir dann freilich schon
machen, was er will! Denn solche Liebe ist ja eben Mein Geist in dem
Herzen des Menschen. Und was solche Liebe verlangt und will, das geht
aus aller Tiefe der göttlichen Ordnung, und du kannst Mich deshalb mit
deinem Herzen schon so hübsch festhalten, und Ich werde Mich von
deinem Herzen ewig nimmer trennen! Jedoch an Meiner erscheinlichen
Person liegt nichts, sondern allein nur an Meinem Geiste! Was Ich tue,
siehe, das tut nicht Meine Person, sondern allein nur Mein Geist; aber dir
zuliebe werde Ich dennoch ein paar Tage hier verweilen, - denn morgen ist
Sabbat und übermorgen ein Nachsabbat! Diese beiden Tage werde Ich
noch hier verweilen, dann aber werde Ich weiterziehen, und zwar nach
Sidon und Tyrus, - werde aber dann schon wieder kommen und vielleicht
den halben Winter bei euch zubringen.“
Sagt ganz entzückt die Kleine: „Oh, Gott dem heiligen Vater alles Lob
darum! Nun bin ich schon zufrieden!“
In der Folge erlebt nun unsere liebe Jarah eine Bergbesteigung
besonderer Art. Wer war eher reisefertig als unsere Jarah?
Das Mägdlein war, wie wir ab Kapitel 130 lesen, gehüllt in ein blaues
Faltenkleid; die Füße mit leichten Schnürschuhen beschuht und das Haupt
mit einem aus Stroh recht kunstvoll geflochtenen Hute bedeckt. Sie ergriff
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Jarah und ihre große Liebe
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die Hand Jesu und sagte, weil Jesus ihr auf die erste Rede die Antwort
nicht gar zu geschwinde gegeben hatte: „Aber Herr, Du mein Leben, ich
bitte Dich, sage mir doch, ob ich Dir so genehm bin?“
Sagte Jesus: „Das siehst du ja, Meine allerliebste Jarah! Du bist Mir ja
über alles angenehm! O wären Mir alle Menschen so angenehm wie du,
dann wäre es schon gut und recht; aber es gibt in der Welt gar viele
Tausende und abermals so viele tausendmal Tausende, die Mir nicht so
angenehm sind wie du! Aber das sind die puren Weltmenschen, und du
bist ein Engel! Aber nun heißt es gehen; denn es ist bereits um des Tages
dritten Teil!“
Es würde den Rahmen unserer kleinen Liebesbetrachtung sprengen,
wollten wir hier alles aufzeigen, was die liebe Jarah auf der Bergkuppe
des Morgenkopfes erlebt hat. Während die ganze Gesellschaft schlief
erlebte sie durch ihre wirklich große Liebe zu Jesus an Seiner Seite tiefste
Einblicke in Seine Schöpfung, Seine Liebe und Seine Führung der
Menschen, wobei der Engel Raphael sie führte und unterwies.
Gegen Morgen wurden die Jünger und darauf die anderen Anwesenden
geweckt, und unsere Jarah umklammerte die Füße Jesu und weinte vor
übergroßer Freude und Seligkeit! Als sie bei einer halben Stunde zu Seinen
Füßen vor Seligkeit geweint und die Jünger ihren Morgengruß beendet
hatten, da richtete sich die Kleine auf und sagte mit einer bedeutungsvollen
Stimme: „O Erde, wann, wann wirst du wieder so glücklich sein, von
diesen Füßen betreten zu werden? Fühlst du stumme Mutter der Laster
wohl, wer Der ist, der dich nun betritt? Nein, nein, du fühlst es nicht, du
kannst es nicht fühlen; denn du bist zu tot und zu klein! Wie solltest du das
fassen, was für den unendlichen Raum und für alle die zahllosen Myriaden
Wesen in ihm zu undenkbar groß und heilig ist!? Wo soll ich anfangen und
wo enden, um Seine Herrlichkeit nur in einem Tautropfen zu besingen?
Denn Er, Gott der Ewige, ist es ja, der den Tautropfen so gut wie jene
endlos großen Lichtwelten schuf! O Herr, o mein Gott, vernichte mich
doch; denn nimmer erträgt mein Herz die zu glühende Liebe zu Dir!
Als ich Deine Herrlichkeit noch nicht kannte, da liebte ich Dich wie
einen vollkommensten Menschen. Ich ahnte in Dir wohl den reingöttlichen
Geist, und mein Herz liebte diesen heiligsten Geist in Dir unaussprechlich;
aber dennoch dachte ich mir Dich als einen Sohn des Allerhöchsten! Aber
nun hat alles eine andere Gestaltung angenommen! Du bist der
Allerhöchste Selbst! Außer Dir gibt es keinen mehr! Vergib daher mir
kleinstem Würmchen des Staubes, das da in seiner angestammten
Blindheit gewagt hatte, Dich zu lieben wie einen Menschen!“
Sagt darauf Jesus: „Mein Kindchen, da gibt es nichts zu vergeben;
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Jarah und ihre große Liebe
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bleibe du bei dieser Liebe! Denn Ich sage es nun euch allen: Wer Mich
nicht liebt, wie du, Meine allerliebste Jarah, Mich geliebt hast und noch
liebst, dessen Liebe wird von Mir als gar keine angesehen!
Wer Gott nicht liebt als den vollkommensten Menschen, der kann um
desto weniger seinen Nächsten lieben, der ein noch höchst
unvollkommener Mensch ist! So es aber geschrieben steht, dass Gott den
Menschen nach Seinem Ebenmaße geschaffen hat, was sollte dann Gott
anderes sein - so der Mensch Sein Ebenmaß ist - als eben auch ein, aber
ganz natürlich vollkommenster Mensch!? Oder sehe Ich nun anders aus
denn ein Mensch, weil du, Mein Kindchen, von Meiner Herrlichkeit ein
paar kleinste Tröpfchen gesehen hast?“
Sagt die Jarah: „O nein, Du siehst noch immer gleich aus, und in
meinem Herzen ist es auch nicht anders geworden! Ja, ich möchte Dich
schon lieber ganz im Herzen haben vor lauter Liebesdrang! Ich möchte
Dich so kräftig umarmen, dass mir die Adern zerreißen könnten, und Dich
dann nimmer auslassen; ja, ich möchte Dein Angesicht mit zahllosen
Küssen bedecken und gar nimmer aufhören, Dich zu küssen! Kurz, ich
weiß gar nicht auszusprechen, was ich aus purer Liebe zu Dir alles tun
möchte! Aber Du bist nun das allerheiligste, allerhöchste Gottwesen, und
ich denke mir denn also in meinem Herzen, dass ich viel zu unwürdig bin,
Dich also zu lieben, als wärest Du ein Mensch; aber ich kann mir nun
schon denken, was ich kann und mag, so nimmt mein Herz darauf dennoch
keine Rücksicht und liebt Dich nur noch heftiger denn zuvor!“
Sagt Jesus: „Das ist schon recht also! Es folge deine Seele nur allzeit
dem lautern Zuge des Herzens und fache darin eine rechte helle Flamme
an, so wird es in der ganzen Seele bald helle werden, und der Geist
Gottes wird in ihr aufgehen wie eine Sonne, und in seinem Lichte und in
seiner Lebenswärme wird erst die Saat Gottes aufgehen und die Seele
versehen mit den Früchten des Lebens für die Ewigkeit!
Aber es kann der Geist Gottes im Menschen nicht geweckt werden
anders denn durch die Liebe zu Gott, und aus solcher Liebe heraus in
der Liebe zum Nächsten. Darum bleibe du nur gleichfort in deiner
Liebe; denn diese ist mehr wert für Mich und dich als alle
Herrlichkeiten, die du mit deinen Augen geschaut hast!“ ( Kap.144)
Unsere Jarah verbringt mit Jesus und den anderen Anwesenden noch
den Morgen auf dem herrlichen Berg, wobei sich bei allen Anwesenden
durch das Erlebte die Liebe zu Jesus immer mehr vertieft. Nach einer Zeit
begeben sich nun alle wieder in die Stadt zurück in das Haus des Ebahls.
Jesus verweilte noch einen Tag bei Ebahl, heilte weiter Kranke und
unterrichtete alle in vielen das Herz bewegenden Dingen. Er legte mit
GL 4/2005
Jarah und ihre große Liebe
25
Seinen Jüngern für die Jarah einen kleinen Küchengarten an, bepflanzte
ihn mit allerlei nützlichen Pflanzen, Kräutern und Wurzelgewächsen und
empfahl ihr, diesen Garten recht sorgsam zu pflegen. Sie versprach dies
auch unter vielen Freudentränen, und wenn Jesus jüngst wiederkäme, so
solle Er den Garten schon in dem blühendsten Zustande antreffen. (Kap.
167,02)
Dieser kleine Garten spielt auch im Gespräch mit Raphael eine
bedeutende Rolle. Im weiteren Verlauf erklärt der Raphael der Jarah die
Pflege des menschlichen Herzens mit folgenden Worten: „Weißt du, meine
lieblichste Jungfrau Jarah, als der Herr in Genezareth Sich aufhielt, da
unterwies Er Selbst dich in allerlei Gartenkultur! Er lehrte dich allerlei
nützliche Pflanzen kennen, zeigte dir, wie sie zu bearbeiten sind und wie
zu gebrauchen. Er legte für dich einen kleinen Garten an und bepflanzte
ihn mit allerlei nützlichen Pflanzen und sagte dir von einer jeden
insbesondere, welche Gestalt sie haben werde, wie sie wachse, wann und
wie sie blühe, welche Früchte sie zum Vorscheine bringen werde, wozu
diese gut seien, wie man sie genießen und wie man von ihnen eine reichere
Ernte aufbewahren könne, dass sie nicht verderbe. Kurz, der Herr Selbst
gab dir den nötigen Unterricht in allem, wie dein Gärtchen zu bestellen sei.
Nun, du hattest darob eine überaus große Freude! Wäre es aber mit der
Freude allein schon abgetan?! Hätte dir das Gärtchen des Segens Früchte
getragen ohne die tatsächliche fleißige Bearbeitung?! Wegen deines
großen Wohlgefallens und wegen deiner Freude an solcher Lehre aus dem
Munde des Herrn wäre in deinem Gärtchen dennoch nichts gewachsen außer einiges Unkraut! Dieweil du aber fleißig Hand anlegtest nach der
Lehre, so erblühte dein Gärtchen bald zu einem kleinen irdischen
Paradiese, und du hast die sichere Aussicht, eine recht reiche Ernte aus
dem Gärtchen zu machen!
Und sieh nun! Eben also ist auch des Menschen Herz ein zwar kleines
Gärtchen; wenn man es aber nach der Lehre aus dem Munde des Herrn
recht fleißig bearbeitet und keine Mühe scheut, alles, was man vernommen
hat, in die Tat zu verkehren, so wird man auch ehest so viel alles Segens
und aller Gnade aus den Himmeln im eigenen Herzen besitzen, dass man
am Ende für Seele und Geist schon ganz aus eigenen Mitteln wird leben
können und wird nicht stets unseres Rates und unserer Hilfe benötigen!
Denn das eben will ja der Herr mit dem Menschen bezwecken, dass er
ein ganz selbständiger Bürger der Himmel werde nach der ewig
unwandelbaren Ordnung Gottes; wer das erreicht hat, der hat dann aber
auch schon alles erreicht.
Dem Mathael sagte sie später einmal in einem Gespräch: ,,Wer Gott
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Jarah und ihre große Liebe
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den Herrn über alles liebt, der wird bald und leicht erweckt; wer Ihn
aber mit dem Verstande sucht, um Ihn zu lieben, wenn er Ihn mit dem
Verstande erst so recht kernfest gefunden hat, der hat sich eine große
und sehr vergebliche Arbeit vorgenommen, mit der er nimmer zum
erwünschten Ziele auf dieser Welt gelangen wird.
Und über ihre Gebetspraxis sagt sie: ,,Ich versetze mich mit allen
meinen Gedanken und Gefühlen in die tiefste Tiefe meines Herzens, worin
die Liebe zu Gott zu Hause ist. Dadurch bekommt diese heilige Liebe eben
also Nahrung, als wenn Du auf eine stille Glut, die nicht mehr flammt,
gutes, dürres und sehr leicht brennbares Holz legst. Das Holz wird die
stille Glut gar bald dahin erwecken, dass sie über sich ganz kleine
Flämmchen wird zu treiben anfangen; diese Flämmchen werden dann
alsbald das Holz ergreifen, und es wird darauf dasselbe ganz in die hellsten
Flammen übergehen. Ebenso wird's dann überlicht und vollends
lebenswarm auch werden im Herzen; und darauf erst spricht der dadurch
im selben erweckte gottähnliche Geist.
,O Du mein heiliger Vater in den Himmeln! Dein Name werde
geheiligt! Zu uns armen tot- und nachtvollen Sündern komme Deine
Vaterliebe! Dein allein heiliger Wille geschehe hier auf dieser Deiner Erde
wie in allen Deinen Himmeln! Haben wir gesündigt wider Deine ewige,
heilige Ordnung, so vergib uns solche Torheit und habe Geduld und
Nachsicht mit uns, wie auch wir mit denen Geduld und Nachsicht haben,
die sich gegen uns irgend versündigt haben! Lass es ja nicht zu, dass wir in
unserer fleischlichen Schwachheit irgend über unsere Kraft von der Welt
und vom Teufel versucht werden, sondern erlöse Du uns durch Deine
große Gnade, Liebe und Erbarmung von den tausenderlei Übeln, durch die
unsere Liebe zu Dir, o heiliger, großer, lieber Vater, getrübt und
geschwächt werden könnte! Wenn es uns aber hungert und dürstet, geistig
und leiblich, dann gib uns, Du guter, lieber Vater, nach Deinem heiligen
Ermessen, was wir täglich vonnöten haben! Dir allein alle meine Liebe,
alle Ehre und alles Lob ewig, ewig!'
„Sieh, das heiße ich beten, welches Beten aber vor Gott erst offenbar
nur dann etwas gilt, wenn zuvor in aller Tiefe des Herzens auf die
vorbeschriebene Art und Weise die Liebe zu Gott in die lichten und heißen
Flammen übergeschlagen hatte durch die Einigung aller Gedanken und
Gefühle im göttlichen Zentrum des Herzens; fehlet dieser Voraktus, so ist
jedes Gebet mit bloßen noch so schönen Worten vor Gott ein Gräuel und
wird nicht angesehen und nicht angehört. Denn Gott in Sich ist ein Geist
und muss darum im Geiste der Liebe und im flammenhellsten Lichte der
Wahrheit angebetet werden. - Verstehst Du nun, was da der vollsten
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Jarah und ihre große Liebe
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Wahrheit nach Beten heißt nach meinem Sinne und nach meinem
Verstande?“ (Gr.Ev.Joh. Bd. 3; 123)
Hier sei noch eine kleine, aber wichtige Begebenheit aufgeführt, die im
Bd. 3 Kap. 120,13 beginnt und sich dann bis Kap. 131 fortsetzt. Jesus
macht darauf aufmerksam, dass alle sich auf den morgigen Tag wohl
vorbereiten sollen, da es ein heißer Tag werde. Er verabschiedet sich von
der Gesellschaft mit den Worten: „Wer aber einen Schlaf hat, der schlafe;
Ich aber muss wachen und beten.“ Mit diesen Worten verließ Jesus die
Gesellschaft und ging auf dem Berge fürbass, um allein zu sein und um
Sein ganzes Wesen mit Seinem ewigen Vatergeist inniger zu vereinen.
In den folgenden Kapiteln sprechen die Zurückgebliebenen ausgiebig
über das Wesen Jesu, über Engel und andere sie bewegenden Fragen
wobei die Jarah viel Weisheit zeigt. Am Ende des Kapitel 130 macht
Raphael darauf aufmerksam, dass nun Jesus mit dem nahenden
Sonnenaufgang zurück kommt. Springt die Jarah eiligst auf und fragt mit
einer leidenschaftlich liebevollsten Heftigkeit: „Von wo, von wo kommt
Er, die Liebe aller Liebe!? Meine Augen sehen noch nichts!“
Sagt Raphael lächelnd: „Macht nichts; wenn nur dein Herz Ihn sieht,
so werden bald darauf deine Augen auch nicht zu kurz kommen! Er wird
mit dem vollen Aufgange hier sein!“
Sagt Helena, die auch wach blieb: „Jarah, eilen wir Ihm entgegen! Oh,
welch eine Seligkeit, Ihm entgegenzugehen!“
Sagt Jarah: „Ja, ja, Freundin, gehe du nur fein mit! Oh, welch eine
Freude wird das sein, wenn wir Ihn schon irgend von weitem her werden
auf uns zugehend erblicken!“
Darauf eilen die beiden flugs gegen den Wald gen Westen zu und
verlieren sich bald in demselben, wobei der Vater der Helena sich Sorgen
macht, ob sie sich wohl im Wald verirren, und Raphael ihn beruhigt.
In Kapitel 133 kommt nun Jesus alleine aus dem Wald auf die
Wartenden zu, und Ebahl fragt Jesus ängstlich wo denn seine Jarah sei.
Sagt darauf Jesus: „Warum sorget ihr euch denn um diese, die Mich
suchen? Meinet ihr denn, dass Ich jemanden nur dann vor Gefahren
beschützen kann, so Ich leiblich in seiner Nähe bin? Als du, Ouran, in
großer Gefahr warst, wer sagte es Mir denn, dass Ich dich ansah und
rettete? Weiß Ich etwa nicht, wo die beiden nun sind und Mich suchen?
Lasset sie nur, sie werden schon wiederkommen!
Die beiden haben Mich auch gefunden in ihren Herzen, was da ein
leichtes ist für jedermann. Wer aber Mich äußerlich suchen geht,
obgleich er weiß, dass Ich nur innerlich zu suchen bin, der muss auch
diese Lektion bekommen, hier freilich beispielsweise nur die, dass ihn
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Jarah und ihre große Liebe
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ein bloß äußeres Suchen und Mir-Entgegengehen nicht in den Stand
setzt, Mir näher zu kommen, sondern Mich nur mehr und mehr zu
verlieren! Das könnt ihr als am Morgen des Sabbats euch recht wohl zu
Gemüte nehmen! - Im übrigen sind die beiden Mir doch auf die Spur
gekommen und werden nun bald da sein.“
Im Gr..Ev.Joh. Bd. 5 ab Kap. 7 befindet sich Jesus mit Cyrenius in
einem Gespräch über die Verhältnisse in Rom und Jerusalem. Alle
Anwesenden lauschen seinen Vorhersagen für diese beiden Städte, und
einige machten ein paar Einwendungen, die die Jarah vorlaut zurückwies,
wobei sie von den Vortragenden ermahnt wurde und sich bei Jesus darüber
beklagte.
Jesus geht liebevoll auf sie ein und gibt ihr eine sehr wichtige Lehre
über das richtige Verhalten einer liebevollen Frau.
Um nun nicht unsere lieben Schwestern hier zu verprellen gebe ich nur
die genaue Quellenangabe zum nachlesen an. Das Kapitel 10 des 5.
Bandes trägt die Überschrift: Ein Evangelium für das weibliche
Geschlecht.
Jesus spricht mit Jarah über ihre Zukunft und erklärt ihr: „.....denn dich
trug Mein Engel sichtlich auf seinen Händen, und du machtest
Erfahrungen, die bis jetzt noch kein Mensch gemacht hat. Und dazu hattest
du wohl die größte und mächtigste Liebe zu Mir, in der wohl auch stets das
größte Vertrauen waltet. Darum wundere dich darob nicht zu sehr, dieweil
dein Vertrauen zu Mir stärker ist denn das der übrigen Menschen; denn das
gibt dir deine große Liebe!
Aber, wie Ich dir schon in Genezareth bemerkt habe, so werden in
etlichen Jahren auch über dich noch so manche Versuchungen kommen,
mit denen du trotz des größten Vertrauens zu Mir zu kämpfen haben wirst.
Aber durch die Kraft und Macht Meines Namens wirst du alle
Versuchungen zu Boden schlagen und wirst von da an erst frei wandeln
in Meinem Lichte.
Denn was ein Mensch aus Mir für sich frei haben will, das muss er sich
durch die eigene Kraft erkämpfen! Du, Mein liebstes Töchterchen, hast bis
jetzt keinen eigentlichen Kampf bestanden, und es war dazu die eigentliche
Zeit und die wahre Gelegenheit nicht da; das alles wird jedem Menschen
erst werden, so Mein Tagewerk auf dieser Erde vollendet sein wird.
Ich bin nun nur Sämann und lege das gute Weizenkorn in den
lebendigen Acker eurer Herzen. Der Same wird da erst keimen und dann
zur segensreichsten Fruchtbringung aufgehen; dann erst werdet ihr für
euch selbst die Frucht auf eurem eigenen Lebensboden zu pflegen haben
mit mancher Mühe und Selbstverleugnung! Wohl dem, der die Frucht, die
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Jarah und ihre große Liebe
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Ich in sein Herz gesät habe, rein und reichlichst in die von Mir in ihm
errichteten Scheuern Meines Geistes bringen wird! Wahrlich, den wird es
fürder ewig weder hungern noch dürsten!
Also, was du, Meine liebste Jarah, nun hast, ist nur der von Mir in dein
Herz gelegte Same. Nach etlichen Jahren wird er als ein wogendes Saatfeld
dastehen und allerlei Stürmen ausgesetzt sein; aber da heißt es dann
kräftigst und volltrauigst durch Meinen Namen und durch große, sich selbst
ganz verleugnende Liebe zu Mir das wogende Saatfeld vor den drohenden
Stürmen bewahren, dass sie nicht zum verderblichen Ausbruche kommen
und zugrunde richten das herrliche Saatfeld, das Ich Selbst bestens bebaut
habe! Denn ist über ein solches Feld einmal ein verheerender Sturm
ausgebrochen, da ist es nahe unmöglich, ihm einen Einhalt zu tun.
Du wirst dich wohl noch auf die etlichen Wochen rückerinnern, wie Ich
dir in Genezareth ein Gärtchen angelegt habe und habe es bestellt mit
allerlei nützlichen Pflanzen!? Die Pflanzen wachsen gut und sehr üppig;
aber das Gärtchen und die Pflanzen müssen gepflegt, das Unkraut, so es
irgend aufschießt, muss ausgerottet werden, und so es sehr heiß und trocken
wird, darf die Gießkanne nicht außer acht gelassen werden.
Und siehe, ein ähnliches Gärtchen habe Ich auch in deinem Herzen
angelegt und habe es reichlichst bestellt mit allerlei nützlichen Gewächsen;
die Wartung und weitere Pflege dieses Gärtchens ist nun schon dir allein
anheimgestellt. Habe alle Aufmerksamkeit und allen Fleiß auf die Wartung
und Pflege dieses Gärtchens, so wirst du jüngst aus ihm eine reiche Ernte
machen! - Verstehst du wohl dieses Bild?“ (Gr.Ev.Joh. Bd. 3; 210)
Sagt die Jarah: „Ja, Herr, Du meine alleinige Liebe, ich verstehe es
ganz, möchte aber darob wohl etwas traurig werden, weil ich noch so
manche Stürme bis zur Ernte soll zu bestehen haben! Aber ich hoffe und
glaube: Du wirst Deine arme Magd nicht zugrunde gehen lassen, so sie in
einer Not zu Dir um Hilfe rufen wird; denn Du hast ja mein Flehen gehört
und erhört, als ich Dich nicht gesehen und erkannt habe wie nun!“
Sagte Jesus: „Alle, die Mich erkennen und anrufen im Herzen und
vertrauen auf die Macht Meines Namens, werden ewig nie zu Schanden
und Schaden kommen; des kannst du vollauf versichert sein!
Im 38 Kap. des 7. Bandes nehmen wir Abschied von unserer
Liebesperle. Jesus ist im Dialog mit der Helias, einer schönen jungen Jüdin
armer Eltern. In der Herberge auf dem Ölberge erkennt sie den Herrn und
erhält samt ihrer Familie große Wohltaten. Sie möchte gerne Jesus nach
draußen begleiten, was aber Jesus ihr verwehrt.
Sagt nun die Helias mit einer etwas trüben Stimme: „O Herr und
Meister, warum darf denn ich nun nicht mit hinaus ins Freie? Und ich
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Jarah und ihre große Liebe
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möchte doch gar so sehnlichst gerne immer in Deiner nächsten Nähe sein!“
Sagt Jesus: „Das ist wahrlich gar sehr löblich von dir; aber du kannst
auch ohne Meine Persönlichkeit stets in Meiner nächsten Nähe sein,
wenn du Mir nur im Herzen nahe bist! Siehe, in Genezareth befindet sich
auch ein gar liebliches Mägdlein, dessen Namen Jarah ist; die hat Meine
Person schon beinahe ein ganzes Jahr lang nicht mehr gesehen, und
dennoch ist sie Mir in ihrem Herzen noch um ein bedeutendes näher als du
nun! Ich kann Mich in jedem Augenblick mit ihr besprechen, und sie
vernimmt jedes Meiner Worte genaust in ihrem Herzen und richtet sich
strenge danach. Tue du desgleichen, so wirst auch du gleich jener Jarah
dich stets in Meiner nächsten Nähe befinden, und das auch dann, wenn Ich
nicht mehr in diesem Leib und Fleisch auf dieser Erde umherwandeln
werde! Verstehe solches und richte dein Leben danach ein, so wirst du das
ewige Leben haben in dir!“
Lasst uns dieses Liebesevangelium immer wieder in unseren Herzen
bewegen, dann werden auch wir Jesus sehr nahe sein.
Der Herr unter uns
„Siehe, es war auf der Erde einmal ein großer und mächtiger Herr und
Gebieter. Da es ihm darum zu tun war, seine Untertanen persönlich
kennen zu lernen, verkleidete er sich oft zu einem ganz gewöhnlichen
Menschen und besuchte sogar öfters als Bettler die Häuser besonders der
Reichen, die mit der Obsorge für die Armen von ihm aus betraut waren.
Wohl denen, die er als Unerkannter in der von ihm gegebenen gesetzlichen
Ordnung traf! Jedem aber war ein starkes Wehe vorbehalten, den er nicht
in dieser Ordnung fand.
Und siehe, der Herr des Himmels und aller Welten scheint ein
Ähnliches zu tun. Freilich nicht in der Absicht, um Seine Menschen zu
prüfen und daraus erst zu ersehen, wie sie beschaffen sind, sondern um
ihnen Gelegenheit zu geben, sich selbst zu prüfen, wozu Er ihnen durch
Seine Liebe und Weisheit handgreiflich Gelegenheit gibt.
Aber ich möchte beinahe auch hier sagen: Wehe jenen, die durch ihren
Eigensinn, durch ihre absichtliche Blindheit und Stumpfheit Ihn bezüglich
Seiner Langmut auf eine zu empfindliche Probe stellen!“
(Jakob Lorber - Von der Hölle bis zum Himmel Bd. 1 Kap. 147,10)
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Himmlische und irdische Liebe
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Himmlische und irdische Liebe
„Die erste Bedingung alles Seins ist und bleibt ewig die Liebe – aber
wohlgemerkt, die rechte Liebe nur, wie Ich, als die Ewige Liebe Selbst, sie
alle Menschen gelehrt und uranfänglich jedem Menschen für sich selbst in
das Herz gelegt habe. So jemand diese wahre Liebe in seinem Herzen
auszubilden sucht nach Meiner Lehre, dann wandelt er den vollkommen
rechten Weg zur wahren Wiedergeburt seines Geistes.
Hat jemand diese erreicht, so hat er auch das eigentliche, wahre Ziel
seines Lebens erreicht. – Um aber dieses allerwichtigste Ziel zu erreichen,
muss man auf dem Bildungswege seines Herzens recht sehr behutsam sein
und muss sich bei jeder Neigung seines Herzens fragen, ob in solch einer
Neigung nicht irgend etwas vom bösen Samen der Eigenliebe neben der
rechten Liebe enthalten ist.
Rechte Liebe ist durchgehends leidenschaftslos. Sie ergreift wohl alles
mit der größten Macht und Kraft und lässt, was sie einmal ergriffen, ewig
nimmer aus. Aber dessen ungeachtet ist solcher wahren Liebe Wirken
durchgehends ein überaus sanftes, begleitet von der größten Duldsamkeit.
Das Wirken der Eigenliebe, obschon an und für sich höchst
ohnmächtig, tritt aber nur zu bald als ein Handeln auf, dass da sogleich
alles zerstören möchte, was ihm ungünstig in den selbstsüchtigen Weg
treten möchte. Und dieses Benehmen ist eben die Leidenschaftlichkeit, die
da in der Eigenliebe zuhause ist.
Daher, wie gesagt, muss jeder bei der Bildung seines Herzens sehr
behutsam sein, ob dasselbe wohl mit wahrer Liebe oder ob mitunter auch
mit kleinen Portionen von Eigenliebe genährt wird. – Und eben darauf
musst auch du recht sehr bedacht sein, so du ehestens den wahren
Geburtstag deines Geistes erleben willst.
Siehe, Menschenliebe ist wohl gut und recht, wenn man die Menschen
liebt, weil sie Menschen sind, und nicht Unterschiede macht – außer
insofern, ob jemand zufolge seines geistigen Standpunktes Mir näher oder
ferner ist. Denn da ist ein Unterschied gerecht. Es kann ja niemand zwei
Herren dienen, d.h. einem guten und einem schlechten zugleich! – Aber
irgendwie aus weltlichen Gründen entstandene Bevorzugung wegen
gewisser weltlicher Würden und Werte des Menschen ist schon
Eigenliebe, weil das Herz darin am Ende, wenn schon ganz heimlich, aber
dennoch sicher seine eigene Erhöhung sucht. Und wo ein solches
Bestreben, wenn auch noch so leise, sich kundgibt, da ist schon nicht mehr
die Demut, sondern ein in solcher Liebe versteckter Hochmut die
Triebfeder der sittlichen Bewegung des Herzens.
Wenn daher dein Herz etwas ergreift, so frage du allezeit, ob damit
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Himmlische und irdische Liebe
GL 4/2005
nicht dein irdisches, der so genannten höheren Welt untergeordnetes
Ehrgefühl in Anspruch genommen wird. Findet dieses bei einem
Unternehmen deines Herzens seine Sättigung, so ist das schon ein
Zeichen der Eigenliebe, die sich auf dem Bildungswege deines Herzens
wie ein arger Buschklepper hinter einem Dickichte gelagert hat und mit
der Weile als ein geheimer Abgesandter der Hölle alles Edle verderben
will.
Denn die Eigenliebe ist selbst in ihren unscheinbarsten Vorkommnissen
nichts als ein böser Same, den der Feind des Lebens unter den edlen
Weizen streut, damit dieser in seinem Emporkeimen verkümmert oder
womöglich wohl auch ganz und gar vernichtet werde.
Daher muss man bei der Liebe der Menschen sorgfältig prüfen und das
Herz in einem fort fragen: Warum liebst du diesen und jenen, diese und
jene, oder auch (bei Sachen) dieses und jenes?
Wird dabei das Herz aus der Demut antworten, dann ist die Liebe recht
und führt dich der geistigen Vollendung zu. – Antwortet das Herz aber aus
einer angestammten weltlichen Eitelkeit heraus, dann ist die Liebe nicht
mehr Liebe, sondern eitle Selbstsucht nur, die wohl zum Scheine mit dem
Lämmergewande der Liebe angetan, inwendig aber nur ein reißender Wolf
ist, der am Ende alles Edle im Herzen zerreißt und den Geist, wo möglich,
zu erdrücken strebt.
Ich gebe dir diese kleine, aber dabei dennoch überaus wichtige Lehre
und wahre Lebensregel als dein überaus guter Vater wie einen guten
Zehrpfennig auf deiner irdischen Lebensreise, auf dass du mit sorglicher
Benützung desselben gar leicht das eigentliche und wahre Ziel deiner
irdischen Lebensreise erreichen kannst.
Hast du dieses erreicht, dann erst wirst du in aller Fülle einsehen, wie
endlos gut Der ist, der dir nun dieses Wörtlein zu deinem leiblichen
Geburtstage gibt, auf dass du desto eher den Geburtstag deines Geistes
erreichen möchtest.
Liebe Mich über alles, wie Ich dich über alles liebe, und lass dein
Herz nicht verblenden von der Welt, so wirst du einen leichten und sanften
Weg zu wandeln haben! Das sage dir Ich, dein guter Vater! Amen.
(Himmelsgaben Bd. 2, 48.03.12,1-14)
„Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe
treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht
ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie
rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie
freut sich aber der Wahrheit; 7sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie
hoffet alles, sie duldet alles.“ (1. Kor. 13,5-7)
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ER wird kommen, zu richten
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„ER wird kommen, zu richten
die Lebenden und die Toten“
Jochen Stübner
Diese Worte aus dem apostolischen Glaubensbekenntnis werden in
jeder christlichen Kirche und in jedem ihrer Gottesdienste gebetet, obwohl
der Glaube daran sich im Laufe der vergangenen fast 2000 Jahre sehr
verändert hat. Die Christen der ersten Zeit rechneten fest damit, dass sie es
selbst erleben würden, wie Paulus es auch bekennt: „Er wird
wiederkommen vom Himmel, danach wir, die wir leben und übrig bleiben,
werden zugleich mit ihnen hingerückt werden.“ (1. Thess. 4,16f) Hatte Jesus
ihnen doch versprochen: „Nur eine kurze Zeit, so werdet ihr mich
sehen.“ (Joh. 16,16)
Nun ist die früher so heiß ersehnte Ankunftserwartung mehr und mehr
verblasst. Der Glaube daran ist weitgehend von Aufklärung und historisch
kritischer Exegese entmythologisiert. Bei nicht wenigen Priestern, nicht
nur der Juden, die ihren Messias noch immer erwarten, gibt es zunehmend
solche, die darüber lächeln und etwas murmeln, was nach Mythos und
alten Geschichten klingt. Sie weisen darauf hin, dass der moderne Mensch
sich auf den Boden der Wirklichkeit stellen müsse und keinen Phantasien
nachlaufen dürfe - und schizophren deklamieren sie nach wie vor ihr
apostolisches Glaubensbekenntnis.
Aber was wäre, wenn ER tatsächlich käme? Ich bin sicher, die
nichtchristlichen Kirchen und die weltlichen Herrscher würden alles tun
ihn zu hindern.
Und unsere christlichen Kirchen? Was würden sie wohl tun? Ob sie ihn
überhaupt erkennen wollten und ihn willkommen hießen, wenn er
tatsächlich käme?
Die Geschichte vom Großinquisitor fiel mir ein. Der russische Dichter
Fjodor Michailowitsch Dostojewskij schrieb sie in seinem Roman: „Die
Brüder Karamasoff“ nieder. Nun nehme ich an, dass im Zeitalter von
Rundfunk und Fernsehen kaum noch jemand Lust verspürt, die über
tausend Seiten dieses großartigen Werkes zu studieren. So habe ich die
betreffenden Passagen herausgezogen. Ich übernahm den Text ganz
unverändert, nur etwas gekürzt. Selbst setzte ich lediglich eine kleine
Einführung voran und am Schluss ein Nachwort.
Einführung: In der folgenden Betrachtung geht es um zwei Söhne des
Karamasoff, Alexander, liebevoll Alescha genannt, und Ivan, den etwa
drei Jahre älteren Bruder. Beide sind gerade erst erwachsen, so um die 20
bis 25 Jahre, aber es gibt kaum einen größeren Gegensatz. Alescha lebt aus
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ER wird kommen, zu richten
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der Seele, feinfühlig, sanftmütig, allem in Liebe, und der Kirche so
bedingungslos ergeben, dass er als Mönch ins Kloster ging. Ivan dagegen
ist, wie wir heute sagen würden, ein Macho, dem sinnlichen Leben
zugeneigt, sehr intelligent, betonter Atheist, doch im Innern voller, nach
außen hin geleugneter Zweifel. Beide sind sich weit über das bei Brüdern
übliche Maß hinaus zugetan. Bei ihren Gesprächen provoziert oft schon
die Kutte des Mönchs, dass Gott und als Gegensatz die Welt, ihre
bevorzugten Themen sind. Dies musste ich vorausschicken, weil es dazu
führt, dass der Gottesleugner Ivan eine von ihm erfundene Geschichte,
eben die vom Großinquisitor erzählt:
„Die Handlung spielt im sechzehnten Jahrhundert, zur Zeit der
Inquisition und der Ketzerverbrennungen. Fünfzehn Jahrhunderte sind
schon vergangen, da Er, Jesus, die Verheißung gab, und seit sein Prophet
von Ihm schrieb, Er werde wiederkommen.
Die Menschheit erwartet Ihn mit derselben Sehnsucht wie vordem,
sogar mit noch innigerem Glauben, denn fünfzehn Jahrhunderte sind es
auch seit eben jener Zeit, dass der Himmel aufhörte, den Menschen
sichtbare Unterpfande zu geben.
In Ivans Geschichte war Sein Wiederkommen natürlich nicht jenes
Herabsteigen am Ende aller Zeiten in seinem ganzen himmlischen Ruhm,
wie ein Blitz, der leuchtet vom Osten zum Westen. Nein, hier wird
geschildert, dass es Ihn verlangte, wenn auch nur für einen Augenblick,
Seine Kinder zu besuchen, und eben dort, wo gerade die Scheiterhaufen
der Ketzer prasselten. In Seinem maßlosen Mitleid kommt er noch einmal
zu dem Volke in derselben menschlichen Gestalt, in der Er vor
fünfzehnhundert Jahren dreiunddreißig Jahre lang unter den Leuten
wandelte. Er schreitet hinab zu den heißesten Plätzen der südlichen Stadt
Sevilla, in der gerade erst tags vorher auf einen herrlichen Autodafe in
Gegenwart des Königs, des Hofs, der Ritter, Kardinäle und der
lieblichsten Damen vom Hofe, in Gegenwart von zahllosen Bewohnern
Sevillas durch den Kardinal-Großinquisitor fast ein ganzes Hundert
Ketzer auf einmal verbrannt worden war, - ad majorem gloriam Dei -.
Er kam still daher, unbemerkt - und seltsam: alle erkennen Ihn! Mit
unwiderstehlicher Gewalt drängt sich das Volk zu Ihm, es wächst um Ihn
herum und folgt seinen Schritten. Schweigend wandelt Er unter ihnen mit
dem stillen Lächeln unendlichen Mitgefühls. Die Sonne der Liebe brennt
in Seinem Herzen, Strahlen von Licht und Kraft fließen aus Seinen Augen,
strömen über die Masse hin und entzünden aller Herzen in Gegenliebe. Er
streckt die Hände nach ihnen aus. Er segnet sie, und von Seiner
Berührung, ja vom Saume Seines Gewandes geht heilende Kraft aus.
GL 4/2005
ER wird kommen, zu richten
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Und siehe! In der Menge ein Greis, blind von Kindestagen an, ruft Ihm
zu: „Herr, heile mich, und auch ich werde Dich schauen!“ Da fällt es dem
Blinden wie Schuppen von den Augen und er sieht Ihn. Das Volk weint und
küsst die Erde, über welche Er schreitet. Sie jauchzen Ihm zu: ‚Hosianna!
Das ist Er! Das ist Er selber! Das muss Er sein, das ist niemand anders
als Er!‘
An der Pforte des Domes bleibt Er stehen, gerade in dem Augenblick,
als unter Weinen und Klagen ein offener, kleiner, weißer Kindersarg
herein getragen wird. In ihm liegt ein siebenjähriges Mädchen, das einzige
Töchterchen eines angesehenen Bürgers. Das tote Kind ist ganz in Blumen
gebettet.
„Er wird dein Kind erwecken!“, so ruft man aus der Menge der Mutter
zu. Der Geistliche, der dem Sarg entgegen schreitet, bleibt stehen und
blickt ratlos umher. Da wirft sich die Mutter des toten Kindes schluchzend
Ihm zu Füßen:
‚Wenn Du es bist, so erwecke mein Kind!‘ so ruft sie aus und erhebt
bittend die Hände zu Ihm. Der Zug hält an, der Sarg wird in der Vorhalle
nieder gestellt zu Seinen Füßen. Er schaut in Mitleid auf das Kind und
Seine Lippen sprechen leise: „Talithe kumi! Stehe auf, meine Tochter!“
Das Mädchen erhebt sich im Sarge, es setzt sich aufrecht und blickt
lächelnd umher aus weit geöffneten, erstaunten Äuglein. In seinen Händen
hält es den Strauß weißer Rosen, mit dem es im Sarge lag.
Und das Volk steht bestürzt und schreit und schluchzt - und da, gerade
in diesem Augenblick, schreitet über den Platz an der Kathedrale vorüber
der Kardinal-Großinquisitor. Ein fast neunzigjähriger Greis, groß und
aufrecht, mit vertrocknetem Gesicht und tief liegenden Augen, daraus
immer noch Funken sprühen. Nicht im prächtigen Kardinalsgewand
kommt er gegangen, wie gestern, da man die Feinde des römischen
Glaubens verbrannte vor allem Volke - nein, heute umhüllt ihn seine grobe
Mönchskutte. Ihm folgen in einiger Entfernung seine finsteren Gehilfen,
seine Diener und die ‚heilige Hermandad’ (Bruderschaft). Er bleibt vor
der Masse stehen und beobachtet von ferne. Er sah alles, sah, wie man den
Sarg Ihm zu Füßen stellte, sah, wie das Mägdlein erwachte und sein
Gesicht verfinsterte sich. Er verzieht die buschigen Brauen. Unheilvoll
leuchtet sein Blick. Er streckt den Finger aus und gebietet der Wache, Ihn
festzunehmen.
Und so groß ist seine Macht, so unterwürfig und angstvoll gehorsam
das Volk, das die Menge unverzüglich auseinanderweicht vor den
Häschern. Und die legen unter plötzlicher Grabesstille Hand an Ihn und
führen Ihn ab.
36
ER wird kommen, zu richten
GL 4/2005
Und sogleich beugt sich die Menge wie ein Mann mit dem Haupte zur
Erde vor dem greisen Inquisitor. Der segnet schweigend das Volk und geht
vorüber. Die Wache führt den Gefangenen in ein enges, finsteres
Gefängnisgewölbe im alten Bau des Heiligen Gerichts und schließt Ihn
dort ein. Der Tag verrinnt, die finstere, heiße leblose Nacht von Sevilla
bricht herein.
Da - im tiefen Dunkel - öffnet sich plötzlich die Eisenpforte des
Kerkers, und mit einem Lichte in der Hand tritt langsam der greise
Großinquisitor hinein. Er ist allein. Die Tür fällt hinter ihm ins Schloss. An
der Schwelle bleibt er stehen und blickt lange - eine Minute oder zwei Ihm ins Gesicht. Endlich tritt er leise hinzu, stellt die Kerze auf den Tisch
und spricht zu Ihm:
„Das bist Du? Du?“ und da er keine Antwort erhält, so fügt er rasch
hinzu: „Antworte nicht! Schweige! Ja, und was könntest Du auch
antworten? Ich weiß nur zu gut, was Du sagen wirst. Auch hast Du gar
kein Recht, irgendetwas dem zuzufügen, was Du damals sagtest! Weshalb
bist Du gekommen uns zu stören? Denn Du bist gekommen uns zu stören.
Das weißt Du selber. Aber weißt Du auch, was morgen sein wird?
Ich weiß nicht, wer Du bist, und will das gar nicht wissen. Ob Du es
aber selber bist oder nur ein Doppelgänger von Ihm. Morgen werde ich
Dich verurteilen, und ich werde Dich auf dem Scheiterhaufen verbrennen
wie den schlimmsten Ketzer.
Und dasselbe Volk, das heute Dir die Füße küsste, wird morgen auf
einen Wink von mir herbeistürzen und Kohlen zusammenscharren für
Deinen Scheiterhaufen, weißt Du das? Ja, Du weißt das vielleicht!“ fügte
er hinzu in tiefem Nachdenken, unverwandt den Blick auf seinen
Gefangenen gerichtet.
Aber dieser schweigt. Er blickt auf Ihn und spricht kein einziges Wort.
Der Greis sagt Ihm, dass er auch gar kein Recht habe, irgendetwas
dem zuzufügen, was Er schon vorher verkündet habe:
„Alles ist von Dir dem Papste übergeben worden und alles ist demnach
jetzt beim Papste, Du aber komme überhaupt nicht mehr, störe wenigstens
nicht vor der Zeit!
Nein, Du hast kein Recht dazu. Du darfst nichts hinzufügen dem, was
schon früher gesagt wurde. Du würdest sonst den Menschen die Freiheit
rauben, für die Du so eintratest damals, als Du noch auf Erden wandeltest.
Alles was Du neu verkünden würdest, müsste ja wie ein Wunder
erscheinen und wäre darum ein Attentat auf die Glaubensfreiheit der
Menschen; die aber war Dir teurer als alles andere. Schon damals, vor
eineinhalbtausend Jahren, - hast Du nicht damals oft gesprochen: ‚Ich will
GL 4/2005
ER wird kommen, zu richten
37
euch frei machen!‘ Aber jetzt hast Du diese freien Menschen gesehen!“ spricht der Greis nachdenklich lächelnd und fährt dann fort mit einem
strengen Blick auf Ihn: „Ja, das ist uns teuer zu stehen gekommen! Wir
haben es aber dennoch zu Ende geführt und in Deinem Namen.
Fünfzehn Jahrhunderte quälten wir uns mit dieser Deiner Freiheit, jetzt
aber ist es aus damit, aus für immer! Du glaubst das nicht? Du blickst
freundlich auf mich und würdigst mich nicht einmal deines Unwillens?
So wisse denn, jetzt und eben jetzt sind diese Menschen mehr als je
davon überzeugt, dass sie völlige Freiheit genießen. Und dabei haben sie
uns selber ihre Freiheit ergeben zu Füßen gelegt.
Du gabst uns das Recht, zu binden und zu lösen, und Du kannst schon
gar nicht mehr daran denken, uns dieses Recht wieder zu nehmen. Wozu
bist Du dann aber gekommen, uns zu stören?
Und wir werden ihnen sagen, dass sie Dir gehorchen, und werden in
Deinem Namen herrschen über sie, und so wird es sein: Unser Reich wird
kommen. Morgen noch wirst Du sehen, wie diese gehorsame Herde auf
einen Wink von mir herbeistürzen wird, Kohlen zu schaufeln für den
Scheiterhaufen, auf dem ich Dich verbrennen werde, weil Du gekommen
bist, uns zu stören. Denn wer verdient wohl eher den Scheiterhaufen von
unserer Hand als Du? Morgen werde ich Dich verbrennen! Dixi!“
Als der Inquisitor geendet hatte, wartete er eine Weile, was sein
Gefangener ihm antworten werde. Dessen Schweigen lastete auf ihm. Der
Gefangene hatte ihn die ganze Zeit über angehört, durchdringend und still
ihm gerade in die Augen schauend und offenbar ohne jedes Verlangen,
irgendetwas zu entgegnen.
Der Greis aber hätte gewünscht, Er möchte ihm etwas sagen, sei es
auch etwas Bitteres, etwas Furchtbares. Er aber nähert sich dem Greise
und küsst ihn schweigend auf die blutlosen neunzigjährigen Lippen. Der
Greis erzittert. Irgendetwas regt sich in seinen Mundwinkeln. Er geht zur
Türe, öffnet sie und spricht zu Ihm: „Geh! und komm nicht wieder, komm
überhaupt nicht mehr, niemals, niemals!“
Und er lässt Ihn hinaus in die dunklen Gassen der Stadt. Der
Gefangene geht. Sein Kuss aber brennt im Herzen des Greises - und doch
blieb er bei dem, was er gesagt hatte.“
Nachwort: Was ich bis hierher dem Roman Dostojewskijs entnommen
habe, das ist, stark gekürzt, die Geschichte, die der Atheist dem Mönch
erzählte. Im Buch steht vieles mehr von dem dramatischen Monolog in
temperamentvoll-spannender Rede, in der sowohl der Erzähler, als auch
der Inquisitor zwischen den Zeilen erkennen lassen, dass es ja keine
Lästerung, im Gegenteil ein Lobgesang auf Jesus ist.
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ER wird kommen, zu richten
GL 4/2005
Worauf ich hinaus will, ist der Gegensatz zwischen dem ‚Beharren auf
dem, was gesagt war‘ einerseits und dem ‚Geh und komm niemals wieder‘
andererseits. Es geht mir hier ergänzend noch um etwas anderes, nämlich
um die Behauptung, die damals wie heute eine ebenso beharrliche
Aussage der Kirche bestimmt: ‚Gott schweigt‘.
Fünfzehn Jahrhunderte sind vergangen, seit der Himmel aufhörte, den
Menschen sichtbare Unterpfand zu geben. So, wie Iwan dies sagte, so ist
es nach Ansicht der Kirche noch heute, inzwischen schon seit fast zwanzig
Jahrhunderten. Es ist wie ein beherrschender Lehrsatz. Wie anders sollten
Briefe verstanden werden, die ich unter anderen von sehr einflussreichen
evangelischen Kirchenmännern vorliegen habe, wo sie es fast wörtlich
übereinstimmend sagen : ‚...dass es einer Offenbarung nicht bedarf, da wir
die Offenbarung Gottes in Christus als ein für allemal gültige Offenbarung
haben... oder ...Ich bin der Überzeugung, dass ich Neuoffenbarungen aller
Art im Hinblick auf die Aussage der Bibel sehr skeptisch sehen muss.
Nach meiner Ansicht hat sich Gott in Jesus Christus vollkommen offenbart
- und weitere Offenbarungen sind demnach nicht nötig.‘
Christus wurde von der herrschenden Kirche gekreuzigt, die Propheten
wurden erschlagen. Heute herrscht die Kirche nicht mehr, kann also nicht
mehr kreuzigen, nicht erschlagen und nicht verbrennen. Dennoch hat sie
Mittel und Wege, das Wort am Wirken zu hindern. Namen werden
achtungsvoll genannt: Hildegard von Bingen (1098-1179), Mechthild von
Magdeburg, (1212-1280), Meister Eckhart (1260-1327) und seine Schüler
Heinrich Seuse (1295-1366) und Johannes Tauler (1300-1361), Jakob
Böhme (1572-1624), Emanuel Swedenborg (1688-1772). Sie verschwinden im Bücherschrank, Fatima wird ängstlich verdrängt, Jakob Lorber
(1800-1864) gar nicht erst zur Kenntnis genommen.
Darf ich es so sehen: „Ich will gar nicht wissen, ob Du es bist. Geh und
komme niemals wieder, niemals.“
„So wachet nun,
da ihr nicht wisset, zu welcher Stunde euer Herr kommt!
Darum seid auch ihr bereit!
Denn des Menschen Sohn kommt zu der Stunde,
da ihr es nicht meinet.“
(Mt. 24,42+44)
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Christus in uns
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Christus in uns
Sebastian Franck (1499-1542)
Christus ist nicht, weil er außer uns ist und von ferne angebetet wird,
gerühmt. Er muss in unserem Herzen lebendig werden und muss in uns
mit unserer Seele vereint werden, damit er in uns herrschen und das
Wort in uns wie in ihm Fleisch werden kann. Dann erst ist Christus in
uns geboren, dann erst ist er das Wort in uns, ist er unser Leben.
Christus im Fleische außer uns, ja Gott selbst außer uns ist nichts nütz.
Die Arznei muss, wenn sie heilen soll, eingenommen werden, außer uns
wirkt sie nicht. Ein gleiches gilt von Christus, von Gott und vom Reiche
Gottes. Das Wort muss in uns lebendig werden, auf dass wir eins und ein
Christus mit ihm werden, der darum unser Fleisch geworden ist, dass er's
vergeistige und in sich ziehe, auf dass wir sein Fleisch und Blut würden.
Das nennt die Schrift: Christum in unsere Seele nehmen im Glauben und
Geist, in ihn versetzt und verwandelt werden.
Das Reich Christi besteht durchaus nicht in äußerlichem Wesen,
Zeremonien, Pomp und Titeln, weder im Raum noch in der Zeit, sondern
frei im Geiste und Glauben in uns und nicht außer uns, wie Christus
spricht: „Das Reich Gottes ist inwendig in euch!“
Wahres Christentum ist darum Cristustum: Reinheit des Herzens,
gotterfülltes Leben, Gerechtigkeit, schrankenlose Liebe und
unerschütterliche Gläubigkeit und Gottgewissheit. Daher hatten die ersten
Christen keine Tempel, weil sie Christum in sich trugen. Erst als der
Glaube verfiel, entstanden Tempel, Zeremonien und Bekenntnisse.
Gott, der ein Geist ist, achtet der äußerlichen Übungen nicht, sondern
sieht allein auf ein gelassenes, ihm hingegebenes Herz. Christus lehrt uns,
wie wir zu ihm kommen sollen. Und auch der heilige Cato lehrt: Ist Gott
Geist, so ehrt ihn mit dem Geiste, mit dem, was er ist. Wer auf das innere
Wort Gottes in seinem Herzen acht hat und auf das Licht, das in ihm
entzündet ist, der wird vor Freude und Seligkeit in seinem Herzen
entbrennen und durch sein Sein und Tun vom Christus in ihm und von
Gott zeugen, dass es selbst ein Gottloser nicht übersehen kann.
Eben darum nennt Christus sich selbst und die Seinen nicht Lehrer und
Meister, sondern Zeugen, die von der Gegenwart Gottes und der Wahrheit,
die Gott im gelassenen Menschen und durch ihn kündet, Zeugnis geben und eben dadurch überzeugen.
„Der, der in euch ist, ist größer als der, der in der Welt ist.“
(1. Joh. 4,4)
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Christus spricht im Innern
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Christus spricht im Innern zur gläubigen Seele
Thomas von Kempen (1380-1471)
„Ich will hören, was Gott, der Herr, in mir spricht“ (Ps. 85,9).
Selig die Seele, die Gottes Stimme in sich vernimmt und aus seinem
Munde ein Wort des Trostes empfängt.
Selig die Ohren, die offen sind „für das leise göttliche Flüstern“ (vgl.
Hiob 4,12), von den Geräuschen dieser Welt aber nichts auffangen.
Ja, selig die Ohren, die sich der Stimme von draußen nicht öffnen,
dafür aber nach innen lauschen, wo die Wahrheit lehrt.
Selig die Augen, die, dem Äußeren verschlossen, ihre Blicke nach
innen richten.
Selig, die da eindringen in die innere Welt und täglich in
wachsendem Eifer bemüht sind, die himmlischen Geheimnisse zu
erfassen, indem sie sich durch Übungen dazu bereiten.
Selig, die alles, was sie an die Welt fesselt, abschütteln, um sich dann
ganz Gott hinzugeben.
Bedenke das, meine Seele, und schließe die Tore deiner Sinne, damit
du zu hören vermagst, was der Herr, dein Gott, in dir spricht.
Dein Geliebter spricht: „Dein Heil bin ich“ (Ps. 35,3), dein Friede und
dein Leben. Halte dich an mich, und du wirst Frieden finden. Lass alles
Vergängliche, suche das Ewige!
Was sind alle zeitlichen Dinge anders als eine Verführung? Und was
nützen alle Geschöpfe, wenn du vom Schöpfer verlassen bist?
Lös dich also von allem los, und schenke dich willig und treu deinem
Schöpfer, und du wirst imstande sein, zur wahren Glückseligkeit zu
(Von der Nachfolge Christi, Buch 3 Kap. 1)
gelangen.
Die Selbstprüfung vor Gott
Christoph Blumhardt (1842-1919)
„Das Gebet ist kein Zwangsmittel, mit dem wir den lieben Gott
zwingen können, uns zu bedienen. Wir sollten vielmehr schüchtern werden
im Gebet, als unartige Kinder; denn was hat der liebe Gott an uns?
Viele meinen, der liebe Gott müsse noch froh sein, wenn sie ihn
überhaupt zur Hilfe haben wollen in ihren Wünschen, und wenige
besinnen sich, ob sie auch das Recht haben, alles nur geschwind von Gott
zu erwarten für sich.
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Des Vaters Sehnen nach Seinen Kinder
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Es wäre aber ein viel besseres Gebet, wenn man sich besinnen würde,
warum wir in so viel Not stecken bleiben. Wir haben die Schuld, und nicht
Gott. Und nicht am Beten fehlt's, sondern an der rechten Haltung zu
Gott.
Wir tun immer, als ob alles in Ordnung wäre, wenn wir nur beten. Aber
nach unserem Beten fragt Gott nichts, wenn wir nicht andere Leute werden
wollen. Wo das Reich Gottes hinreicht, da ist Gottes Hilfe; stehen wir aber
draußen, so haben wir nichts zu erwarten.“
Des Vaters Sehnen nach Seinen Kindern
Georg Riehle (1872-1962)
Ich schaute vor Jahren einmal ein Bild, da waren die höchsten
himmlischen Würdenträger versammelt. Da sah ich, wie unser guter
herrlicher Vater so bitterlich weinte. Sein Angesicht war ganz zerflossen.
Da sprachen die Erzengel: „Vater, liebster, bester Vater, warum weinst
Du so bitterlich?“
Und Er zeigte zur Erde: „Was soll Ich nun noch tun? Alles habe Ich
schon getan. Ich sandte Meine Engel auf die Erde, dass sie Meine Kinder
zur Umkehr bewegen sollten. Ich ging Selbst zur Erde, Ich verließ alle
Herrlichkeiten, um bei Meinen Kindern zu sein. Ich zeigte ihnen den Weg
der Liebe durch Meinen Lebenswandel. Ich ließ allen das Evangelium
verkünden und heute haben sie Mich fast alle verlassen, was soll Ich noch
tun?“
Da sprachen die hohen Würdenträger: „O Vater, du liebster, guter,
bester Vater, o erfülle uns unsere Bitte, o lass uns zur Erde gehen. Wenn
wir auf der Erde sind, da soll die Erde in Liebe zu Dir in Flammen stehen.“
Und der Vater gewährte ihnen diese Bitte, und heute, liebe
Geschwister, stehen sie im Kampf gegen den Weltsinn. Von der großen
Liebesflamme ist aber nur noch ein kleiner Schein übrig geblieben. Wieder
ist unser heiliger Vater allein.
Er spricht jetzt in meinem Herzen: „Würde Ich nur ein Atom Meiner
Allmacht benutzen, so würde wohl alles zurückkehren; aber Ich hätte keine
Kinder mehr. Was soll Ich nun noch beginnen? Ich will noch warten,
vielleicht finden Meine Kinder doch noch heim zu ihrem heiligen Vater.
O Kinder Meiner Liebe, kehret wieder; auf euch liegt Mein ganzes
(Bahnbrecher der göttlichen Liebe, S.36)
Hoffen. Amen.“
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Über die Todesfurcht
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Über die Todesfurcht
Text des Neuen Testamentes
„So fürchtet euch nun nicht vor ihnen! Denn es ist nichts verdeckt, das
nicht aufgedeckt werden wird, und nichts verborgen, das man nicht
erfahren wird. Was ich euch im Finstern sage, das redet am Licht, und was
ihr ins Ohr höret, das prediget auf den Dächern. Und fürchtet euch nicht
vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen,
fürchtet vielmehr den, welcher Seele und Leib verderben kann in der
Hölle. Verkauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Und doch
fällt keiner derselben auf die Erde ohne euren Vater. Bei euch aber sind
auch die Haare des Hauptes alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht! Ihr
seid mehr wert als viele Sperlinge. Jeder nun, der mich bekennt vor den
Menschen, den will auch ich bekennen vor meinem himmlischen Vater;
wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will auch ich verleugnen
vor meinem himmlischen Vater.“ (Mt 10,26-33)
Offenbarungstext
(Der Herr:) „Glaubet es Mir, dass einer, der wahrhaft ein Herr seiner
selbst geworden ist, auch gar leicht ein Herr über ein ganzes Volk werden
kann; und niemand wird zu ihm sagen: ,Freund, wie magst du solches
tun?‘ Denn die Menschen werden ihn selbst dazu machen, indem sie
scharenweise zu ihm hineilen werden und werden sich Rates erholen. Was
ist aber ein weiser Ratgeber anderes als ein weiser Gesetzgeber? Wer aber
Gesetze gibt, der wird doch ein Herr sein über die, die von ihm die Gesetze
überkommen haben! Oder sind Ouran, Mathael, hier Mein edler Freund
Cyrenius, Kornelius, Faustus und Julius nicht Machthaber und Gebieter
und haben dennoch Gesetze von Mir angenommen und nennen Mich ihren
Herrn? Warum taten sie denn das? Weil sie die Wahrheit und ihre Kraft
und Macht an Mir mehr denn zur Genüge haben ganz hellst kennengelernt!
Was Ich aber nun rede und tue, das und noch ein Mehreres und Größeres
werdet auch ihr in jüngster Zeit schon tun und werdet somit auch auf der
ganzen lieben Erde ganz dieselben Wirkungen hervorbringen müssen.
Freilich gehört dazu auch jener entschiedene Mut, der sich vor dem Tode
des Leibes nicht fürchtet; wie aber sollte sich der davor auch fürchten, der
in der höchsten Klarheit das ewige Leben in sich trägt und ganz
vollkommenst ein Herr des Lebens in sich selbst geworden ist und gar
wohl wissen muß, dass erstens diejenigen, die wohl den Leib töten können,
der Seele und ihrem ewigen Lebensgeiste durchaus keinen Schaden mehr
zuzufügen vermögen, und dass zweitens die Seele mit dem Wegfalle des
GL 4/2005
Über die Todesfurcht
43
schweren Leibes für ewig einen nie aussprechbaren Gewinn macht, den alle
Schätze dieser Erde ewig nimmer aufzuwiegen irgend imstande wären!
Wer aber solches in sich selbst in höchster und tiefster Lebensgrundklarheit erschaut, nun, der wird dann ja doch etwa keine Furcht vor dem
Tode des Leibes haben?! Und hätte er dann noch welche, so gliche er ja
doch offenbar einem Toren, der darum weinen möchte, dass man ihn von
der Zwangsjacke befreie und ihn an Stelle derselben bekleide mit dem
Kleide der höchsten und ungezwungensten Freiheit und Klarheit des
ewigen Lebens! Das aber ist nicht denkbar möglich, daher es euch auch zur
rechten Zeit am erforderlichen Mute sicherst nicht gebrechen wird.
Sehet also vor allem vollkommen Herren über euch selbst zu werden, so
werdet ihr auch Herren sein über alle Gesetze und über alles Gericht und
fern von jedem Fluche irgendeines dummen Weltgesetzes!“
(Gr.Ev.Joh. Bd. 5; 133,6-9; vgl. auch Bd. 6 Kap. 196,8f)
Kommentar: Das Wort Jesu von der – eigentlich nicht erforderlichen –
Furcht vor dem Leibestod findet sich im Matthäusevangelium – und auch
im Lukasevangelium (vgl. Lk 12,4-12). - im Zusammenhang mit der
Aufforderung zum furchtlosen Bekenntnis. Nachdem der Herr die zwölf
Apostel ausgewählt und sie für die anstehende Mission zugerüstet hat,
offenbart Er ihnen klar und unmissverständlich auch die Gefahren ihrer
Sendung: Verfolgung, Hass und schließlich sogar der Leibestod können die
Konsequenzen der Verkündigung des Evangeliums sein, das von den
Menschen oftmals nicht nur nicht angenommen, sondern aus verschiedenen
Gründen sogar strikt abgelehnt und zurückgewiesen wird. Gerade bei aller
Schonungslosigkeit und Härte, die ein solcher Weg im Äußeren mit sich
bringen kann, darf der Jünger aber den Blick auf den Herrn nicht aus den
Augen verlieren. Auch wenn er vielleicht im Extremfall sein äußerliches
Leben verlieren wird, aber er weiß sich letztlich doch in der liebenden
Hand Gottes geborgen: Wer sich zum Herrn bekennt, kann von Ihm nicht
getrennt werden. „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?“ fragt der
Apostel Paulus aus eigener Erfahrung heraus (vgl. Röm 8,35) und kommt zu
der sicheren Überzeugung, dass nichts, aber auch gar nichts
(eingeschlossen der leibliche Tod) den wirklichen Christen von der Liebe
Gottes in Jesus Christus trennen kann (vgl. Röm. 8,38f)
Auch im „Großen Evangelium“ spricht Jesus von der möglichen
Todesfurcht der Menschen, die dem leiblichen Leben eine sehr hohe
Bedeutung zumessen und an diesem entsprechend stark hängen (vgl.
Gr.Ev.Joh. Bd. 7; 140,09). Immer wieder aber weist Er darauf hin, dass es
vielmehr darauf ankommt, den zu fürchten, der Herr über Leib und Seele
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Über die Todesfurcht
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ist (vgl. Gr.Ev.Joh. Bd. 7;184,14. Bd. 9;101,09. u. 148,10. Bd. 10; 110,06)
Der oben zitierte Offenbarungstext ist ein Ausschnitt aus einem Gespräch,
das der Herr mit dem Griechen Roklus über die politischen Staatsgesetze
führte. Die Ausführungen des Herrn machen ein Mehrfaches deutlich:
Zunächst einmal ist Er der Herr der Lebens, der während Seines
Erdenwandels auch von bestimmten irdischen Machthabern anerkannt
wurde, und zwar deshalb, weil sie durch Sein Auftreten und Seine (Voll-)
Macht von Ihm überzeugt wurden. Zum anderen weist der Herr darauf hin,
dass in den Jüngern die gleiche Lebenskraft wie bei Ihm wachsen kann. Bei
wem das geschehen ist, der hat das – geistige und unzerstörbare – Leben in
sich gesammelt und gewonnen. Dieses bedingt schließlich, dass der
mögliche Leibestod keine Furcht mehr auslöst: Vielmehr spürt der Jünger
in sich eine so deutliche und starke Sicherheit und Zuversicht, dass er die
leibliche Umhüllung eher als eine Belastung denn als etwas für immer zu
Bewahrendes empfindet.
Auch wenn wir zumeist wohl kein Martyrium zu befürchten haben, so
werden uns doch oftmals die Grenzen unseres Leibeslebens aufgewiesen:
Krankheitserfahrungen und Alterungsprozesse lassen uns nicht selten die
Gebrechlichkeit unseres Körpers spüren. Von daher kommt es auch bei uns
auf das geistige Wachstum der Seele an, das Stabilität und Sicherheit
verleiht und schließlich sogar dem (leiblichen) Tod den Stachel und die
Bedrohung nimmt. (M.N.)
„Viel Wissen macht den Kopf schwer und das Erdenleben
unbehaglich!
Aber viel Liebe im Herzen zu Gott und deinen Brüdern macht das
Erdenleben angenehm und benimmt alle Furcht vor dem Tode!
Denn diese Liebe ist ja in sich selbst das ewige Leben; wer aber das
hat, der wird dereinst auch zu schauen bekommen alle Schöpfung!
Denn die wahren Liebhaber Gottes werden anschauen Sein
Angesicht! –
Das aber ist das Angesicht Gottes, was Er erschaffen hat durch Seine
Weisheit und durch Seine ewige Allmacht!
Denn die Weisheit und die Allmacht ist das Angesicht Gottes, also
wie die Liebe Sein Grundwesen ist von Ewigkeit!“
(Jugend Jesu 174,13-17)
GL 4/2005
Über das Segnen
45
Über das Segnen
Ellen Paetsch
„Segnet, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbet.“
(1. Petr. 3,9)
Ja, wir dürfen segnen und nicht nur um Segen bitten. In der Bibel heißt es:
„Segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen!“ (Mt. 5,44).
Dies hat eine wunderbare Wirkung. Zum einen werden wir selber den Ärger
schneller los und zum anderen erreichen wir damit die Seele des anderen.
Ich habe mir vorgenommen, - alle, über die ich mich ärgere, zu segnen.
Manchmal passierte es mir schon, wenn einer im Straßenverkehr so
rücksichtslos verkehrt fuhr, dass ich voll Ärger ausrief: „Du Kaffer!“
Da hörte ich die Stimme meines Engels: „Aber, Ellen!“ - Ich sagte dann:
„Ich segne dich, - du Kaffer.“ Aber damit war er nicht zufrieden, bis ich in
Gedanken sagen konnte: „Ich segne dich - ohne Kaffer.“ Und damit war
mein ganzer Ärger verflogen.
So leicht ist es nicht immer, oh nein: Wenn uns ein Mensch tief verletzt
hat, von dem wir annehmen, dass er unser Freund ist, oder den man liebt und
von dem man sich geliebt glaubte, dann fällt es besonders schwer.
Als wir nach einer Meditationswoche auf dem Bahnhof auf den Zug
warteten, der uns heimbringen sollte, hörte ich neben mir ein Gespräch: „Es
war eine so schöne Woche und nun muss ich wieder ins Büro, wo ein
Vorgesetzter ist, der mich nicht leiden kann. Ich bekomme jetzt schon
Herzklopfen, wenn ich nur daran denke.“
Ich drehte mich zu dem jungen Mädchen um und sagte: „Da gibt es ein
ganz einfaches Rezept: Immer, wenn Sie diesen Menschen sehen oder an
ihn denken, segnen Sie ihn in Gedanken mit den Worten: Ich segne dich,
du liebes Menschenkind, im Namen Jesu Christi.“ Sie sah mich etwas
ungläubig an und meinte: „Ich will es versuchen.“ Im Jahr darauf kam dieses Mädchen auf mich zu, um sich für den Rat zu
bedanken. Es sei nicht zu fassen, aber es habe wunderbar geholfen. Sie
habe keinerlei Schwierigkeiten mehr.
Einer Freundin riet ich es, deren Schwiegertochter sich öfter vor sie
stellte und sie beschimpfte. Sie meinte: „Das hilft doch bei der nicht!“
Aber ich blieb dabei: „Versuch es doch!“ - Als es wieder einmal so weit
gewesen war, rief sie mich an und erzählte, sie habe die junge Frau nur
lieb angeschaut und in Gedanken gesagt: „Ich segne dich, du liebes
Menschenkind, im Namen Jesu Christi.“ Da habe sie plötzlich mitten im
Satz aufgehört, sei ihr weinend um den Hals gefallen und habe sie um
Verzeihung gebeten.“ Was war geschehen? Meine Freundin hatte ihr aus
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Über das Segnen
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ihrem Herzen ein tiefes Mitgefühl, eine Liebesstrahlung, zugesandt,
welches das Herz der Schimpfenden erreicht hat.
Wenn es auch nicht gleich hilft, es wird eine Wandlung eintreten.
Geduld tut oft not. Haben wir die nicht alle nötig? Das ist es, was die Bibel
meint mit: „Haltet an im Gebet!“ Gebt nicht auf, auch nicht, wenn es so
aussieht, als sei es vergeblich!
Wie oft erlebe ich bei meinen Patienten, dass die Ursache ihrer
Krankheit eine schwere seelische Verletzung ist, die sie nicht vergeben
können. Manchmal ist es ihnen nicht einmal bewusst. Auch Hass, den
jemand in sich trägt, vergiftet die Körperzellen und kann Krebs auslösen.
Einer Kranken, die ihren Mann hasste, riet ich, ihn zu segnen, worauf sie
empört aufsprang und schrie: „Was, den soll ich auch noch segnen, der mir
das alles angetan hat?“ Ich bat sie liebevoll, es doch zu versuchen, es
einfach erst einmal so daherzuplappern: „Ich segne Dich, Du liebes
Menschenkind, im Namen Jesu Christi!“ Immer wieder, immer wieder ... Nach ein paar Wochen rief sie mich an und erzählte: „Ich habe Ihnen
zuliebe diesen Segen erst mal nur so dahergeplappert, weil Sie sich doch so
viele Mühe mit mir gegeben haben und ich Sie nicht enttäuschen wollte.
Und dann habe ich gemerkt, dass es immer leichter ging und immer ein
bisschen mehr Herz mit hineinkam. Und nun kann ich es aus tiefstem
Herzen sagen. - Mein Mann hat sich sehr gewandelt; es ist alles leichter
geworden.“
Früher hatte das Wort an sich eine magische Kraft, die leider verloren
gegangen ist. An zwei Sätzen können wir diese auch heute noch erkennen,
an dem: „Ich verfluche Dich“ und „Ich segne Dich.“ Ein Fluch wird auch einen
Ungläubigen heute noch hart treffen. Und ein „Ich segne Dich“ kann einen
Menschen beglücken, ihn einhüllen in einen Mantel aus Liebe.
Wie schön war es doch früher, wenn junge Menschen ins Leben
entlassen wurden mit dem Segen ihrer Eltern! Über dem allem werden wir
nicht vergessen, unseren lieben Vater im Himmel zu bitten, uns die Kraft zu
geben für diese schwere Aufgabe, Vergebung und Frieden zu stiften. Er wird
uns dabei bestimmt helfen und seinen Segen hinzutun, ohne den unser Vorhaben nicht gelingen kann.
Aber wir müssen auch selbst etwas dazu tun, etwas aus uns herausgeben,
das einem Opfer gleichkommt. Es wäre ja leichter zu sagen: „Herr, segne
Du diesen, unseren Feind, - - Du wirst es schon machen, dass er sich
ändert.“ Wenn unsere Liebe nicht dahinter steht und unser
Vergebenwollen, dann wird auch Gott seinen Segen nicht dazugeben.
Was mich am Leben immer wieder so fasziniert, ist, dass wir an jedem
Morgen die Gelegenheit bekommen, neu zu beginnen, dass wir jeden Tag
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Über das Segnen
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einen Blankoscheck bekommen, den wir selbst ausfüllen dürfen, dass wir die
Fehler, die wir gemacht haben, nicht wieder zu machen brauchen, dass wir
die Verheißung haben: „Das Alte ist vergangen; siehe, ich mache alles neu.“
So wollen wir in die Stille gehen und all den Menschen vergeben, die uns
verletzt haben, und sie aus der Tiefe unseres Herzens segnen mit den
Worten: „Ich segne Dich, Du liebes Menschenkind, im Namen Jesu
Christi.“
Lieber Vater, Du bist der größte Vergeber. Wir sollten es von Dir
gelernt haben. Du hast noch denen vergeben, die Dich am Kreuz
gemartert haben. Du hast Dich zu uns herabgeneigt, um uns Vergebung zu
schenken für all unsere Lieblosigkeit, die wir begehen. Hilf uns, alle unsere
guten Vorsätze zu erfüllen und mehr zu lieben. Wir bitten Dich um Frieden
in der Welt, um Frieden in den Herzen aller Menschen, um Frieden für
dieses Haus, für alle, die darin wohnen und ein- und ausgehen. Wir bitten
Dich für alle Kranken, Verzweifelten und Sterbenden, sende Du ihnen Deine
Engel des Trostes, der Hoffnung und des Lichtes. Lass Dein Segenszelt auch
weiterhin über uns als Schutz ausgebreitet sein. Amen.
Altchristliches Segensgebet
Der Herr sei vor dir,
um dir den rechten Weg zu zeigen.
Der Herr sei neben dir,
um dich in die Arme zu schließen und dich zu beschützen.
Der Herr sei hinter dir,
um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen.
Der Herr sei unter dir,
um dich aufzufangen, wenn du fällst,
und dich aus der Schlinge zu ziehen.
Der Herr sei in dir,
um dich zu trösten, wenn du traurig bist.
Der Herr sei um dich herum,
um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.
Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.
So segne dich der gütige Gott.
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Heilkraft aus der Sonne
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Heilkraft aus der Sonne
Maja Daum
Jakob Lorber war, wie Hildegard von Bingen, ein inspirierter Theosoph
und Mystiker. Er beschrieb im Jahre 1851, neben vielen anderen
Eingebungen, in seinem Werk „Die Heilkraft des Sonnenlichts“ anhand
mehrerer Heilmittelrezepte, wie das heilsame Spektrum des Sonnelichts an
materielle Trägersubstanzen gebunden werden kann. Nach Lorber handelt
es sich um eine Art von „Sonnenhomöopathie“, die er auch mit dem
Begriff „Heliopathie“ bezeichnet. Die Heliopathie bildet die Brücke
zwischen der Homöopathie mit ihren hunderten von Mitteln und
verschiedenen Potenzen und dem Heilmagnetismus, der ganz ohne
stoffliches Mittel über die Hände, Aura und Willenskraft des Behandlers
ausgeführt wird. Die vielen Mittel der Homöopathie werden bei der
Heliopathie auf etwa 15 reduziert, wovon derzeit 9 hergestellt werden, die
bei den unterschiedlichsten Krankheiten seit 20 Jahren mit Erfolg
eingesetzt werden. Wie kann Heilen mit dem Sonnenlicht funktionieren?
Klingt das nicht wie Übertreibung oder gar Humbug?
Der Wissenschaftler Dr. Fritz Albert Popp behauptet, er habe einen
Schlüssel gefunden, der den elementaren Code des Lebens – die
Kommunikation zwischen allen Lebewesen – erklären kann. Und dieser
Schlüssel heißt ganz einfach: Licht. Zur Darstellung dieses
„Lebenslichtes“ haben Popp und seine Mitarbeiter eine Art
Energieverstärker entwickelt: „Mit diesem Gerät kann ich die winzigste
Energie sichtbar machen, die in jedem Lebewesen vorhanden ist“, erklärt
der Biophysiker. Dieses Licht lebender Zellen, das mittlerweile weltweit
von vielen Forschergruppen nachgewiesen wurde, ist so schwach, dass es
erst seit der Erfindung hochempfindlicher Geräte (Fotodetektoren)
gemessen werden kann. Popps Apparat reagiert derart sensibel, dass er ein
Glühwürmchen in zehn Kilometer Entfernung registrieren könnte. Was der
Forscher messen kann, sind die Lichtquanten der Strahlung lebender
Zellen. Popp nennt sie „Biophotonen“ (griechisch bios = Leben). Seiner
Meinung nach stammt dieses Licht aus den Genen, aus der DNS. Und weil
alle Lebewesen identische DNS-Anteile besitzen, könnten auch alle
Lebewesen miteinander Informationen austauschen. „Jeder Organismus
sendet Licht aus. Und Licht ist die geschickteste Weise, Informationen zu
übertragen. Es gibt nichts Besseres“, so der Wissenschaftler Popp. Als
Beweis führt er einen spannenden Versuch an: Zwei Gläser mit frischem
Schweineblut werden nebeneinander gestellt. In das eine Glas träufelt er
einen Erreger, das Blut reagiert mit der Bildung von Antikörpern. Soweit
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Heilkraft aus der Sonne
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ist alles ganz normal. Doch dann kann man im Labor beobachten, dass
auch das Blut im zweiten Glas Antikörper produziert – obwohl keine
Erreger hinzugefügt wurden. Wie ist das möglich? Antwort: Das Blut in
den Gläsern hat Informationen ausgetauscht. Der Informationsträger ist
Licht! Beweis: Wenn man eine lichtundurchlässige Wand zwischen die
Gläser stellt, wird die Information, Antikörper zu bilden, nicht übertragen.
„Jede Krankheit ist auf einen Lichtmangel in den Zellen zurückzuführen“,
so die Worte Dr. Fritz Albert Popps.
Auch der britische Biologe Dr. Rupert Sheldrake vermutet als
Hintergrund „entgleister“ Zellfunktionen mangelnde Lichtenergie im
Zellkörper. Der Schweizer Biochemiker Dr. Hugo Niggli wies in seinen
Studien am dermatologischen Institut des Universitätsspitals Lausanne
nach, dass mit jedem Krebs massive Energieverluste (er sprach vom
„Versiegen des Zellenlichtes!“) einhergehen. Die Zelle verliert also Licht,
wenn sie außer Kontrolle gerät. Das internationale Institut für Biophysik in
Kaiserslautern unter der Leitung von Dr. Fritz Albert Popp untersuchte
besonnte Zuckerkügelchen (Globuli) nach Lorber und konnte starke
Biophotonen-Anreicherungen (im Gegensatz zu unbesonnten Globuli)
feststellen. Heliopathie wirkt genauso wie Bachblüten, Homöopathie und
Spagyrik auf den verdichteten Teil des aus reiner Energie bestehenden
Seelenkörpers. Egal, ob Asthma, Ekzem, Tumor, Erbkrankheit, Depression
oder eine Erkältung, fast immer ist die Ursache der Krankheit zuerst ein
Seelen-Thema und jedes körperliche Symptom eine unweigerliche
Konsequenz daraus.
Jakob Lorber beschrieb, dass lang anhaltende Energiemängel die Seele
dazu nötigen, die mangelnde ätherähnliche Substanz aus dem ihr
verwandten Nervenfluidum (ätherischer Teil der Nervensubstanz)
„herauszuziehen“. Das Nervenfluidum wiederum „ersetzt“ sich seinen
Mangel aus dem Nervenstoff und dieser entzieht das Fehlende dem Blut
(schlechte Blutwerte usw.), was in der Folge zu Stoffwechsel- und
Organerkrankungen führen kann. „Die Sonne hat die Kraft und Fähigkeit,
alle Störungen auszugleichen und, wo ein Mangel ist, das Fehlende zu
ersetzen. Und ebendeswegen ist die Sonnenkur (Heliopathie) eine der
einfachsten, aber auch wirksamsten, weil sie, wie die Homöopathie, mit
einfachen geistigen Schöpfungselementen der Seele wiedergibt, was diese
durch Verirrungen eingebüßt hatte.“ (Gottfried Mayerhofer, 1873).
Der englische Arzt Dr. Edward Bach war ebenfalls der Überzeugung,
dass durch die Kraft der Sonne Heilinformationen übertragen werden
können, in seinem Falle von Pflanzen auf Wasser (Bachblüten!). Er
schrieb dazu. „Lasst euch nicht von der Einfachheit der Methode von
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Heilkraft aus der Sonne
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ihrem Gebrauch abhalten. In der Einfachheit liegt das Geheimnis jeden
Erfolgs.“
Sämtliche
Grundsubstanzen,
welche
zur
Herstellung
der
heliopathischen Mittel verwendet werden, stammen aus biologischem
Anbau oder werden wildwachsend geerntet. Die Heilmittelherstellung wird
ausschließlich von Menschenhänden getätigt. Sie folgt damit einem
Urprinzip der alten Medizinlehre, wonach nicht nur der Wirkstoff einer
Substanz, sondern vor allem auch die Energie des Menschen, der die
Substanz selbst herstellt, eine im positiven Fall heilsame Wirkung ausübt.
Die Grundsubstanzen (Öl, Zucker, Salz, Rhabarber, Wacholder, Kampfer
usw.) werden in speziellen violetten Schalen oder auf großen violetten
Glasplatten über einige Wochen dem Sonnenlicht ausgesetzt. In dieser Zeit
wird das heilende Licht, begünstigt durch das violette Glas, von den
materiellen Trägersubstanzen aufgenommen und kann durch die spätere
innere oder äußere Anwendung seine heilende Wirkung entfalten. Die
Trägersubstanz wird dann über Nacht luftdicht abgeschlossen, kühl
aufbewahrt und am nächsten Sonnentag wieder dem Licht ausgesetzt.
Nach Beendigung dieser mehrwöchigen Besonnungsarbeit werden die
besonnten Mittel in speziellen violetten oder kobaltblauen Gläsern
aufbewahrt. Die spezielle blauviolette Tönung der Ausstellgefäße und
Flaschen spielt (mit Ausnahme der flüssigen Mittel) bei Lorber eine
wichtige Rolle. Seit den Anfängen der Glasherstellung (3500 v. Chr.)
wurden zur Konservierung edler Salben, Öle, Essenzen und Heilmittel
nicht braune, grüne oder weiße, sondern ausschließlich violette, blaue oder
goldene Behälter eingesetzt. Schon damals wusste man, dass kein anderer
Spektralbereich außerhalb des Violetts Leben (Energie) besser erhalten
lässt. Dieses Glas hat die Eigenschaften, die inne liegenden Substanzen zu
konservieren, zu veredeln und vor äußeren Einflüssen zu schützen – dies
über viele Jahre hinweg! So wurde festgestellt, dass ZwetschgenholzZahncreme und Mohnblütenöl (beides ohne jegliche Zusatz- oder
Konservierungsstoffe!) in diesem Glas nach 5 Jahren noch in absolut
frischem Zustand waren. Auch Wasser, das zum Testen über 3 Jahre im
Violettglas aufbewahrt wurde, war so frisch wie am Tag der Einfüllung.
Salatkeimlinge, die im Kühlschrank in weißen Gefäßen schon nach einer
Woche verfault waren, behielten in den violetten Gefäßen selbst nach 3
Wochen noch ihre Frische. Violettglas wird aus diesen Gründen bereits
auch von vielen anderen Firmen eingesetzt, die ihre natürlichen Produkte,
wie etwa Spirulina, ohne Konservierungsstoffe und Energieverluste
anbieten wollen. Massive Energieverluste und damit eine
Qualitätsminderung aller Produkte treten bei Aufbewahrung in
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Heilkraft aus der Sonne
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Braungläsern schon eindeutig nach vier Wochen Lagerung auf (dies
beweisen Elektrografieuntersuchungen nach Dr. Dieter Knapp).
Die Sonnenglobuli sind eines der Hauptmittel der Sonnenmedizin. Sie
haben als einziges Mittel der gesamten Palette die Fähigkeit, alle sieben
Spektralfarben aus dem Sonnenlicht zu gleichen Anteilen aufzunehmen.
Die Globuli bestehen aus Zucker (Saccharose), die über 30 Sonnentage in
speziellen, violetten Glasschalen intensiv dem Sonnenlicht ausgesetzt
werden. Über Nacht werden die Globuli mit einem hermetisch
abschließenden, violetten Glasdeckel abgedeckt, damit die gespeicherten
Biophotonen bei ihrer Trägersubstanz, dem Zucker, bleiben und nicht
entweichen. Nach 30 Sonnentagen hat der Zucker die Sonnenenergie aus
allen sieben Licht-Spektren aufgenommen und die Globuli werden in
dunkelviolette Spezial-Gläser abgefüllt. Erfahrungsgemäß ist die Wirkung
besonders gut bei: Depressionen, hyperaktiven Kindern (ADS),
Angstzuständen jeder Art, in der Schwangerschaft, während Geburten, vor
und nach Operationen, bei allen Formen von Entzündungen, sowie bei
Sterbenden, um den Übergang zu erleichtern. Sie können bei jeder
psychischen oder körperlichen Krankheit unterstützend eingesetzt werden!
Es kann zu Erstreaktionen mit leichtem Magen- und Kopfdruck oder
Durchfall kommen. Dies sind erwünschte Entgiftungsreaktionen. Sie
wirken, wie alle Sonnenkonzentrate auch hervorragend bei psychisch oder
körperlich erkrankten Tieren, insbesondere bei Katzen, Hunden und
Pferden.
Sehr beliebt ist aber auch das Mohnblütenöl. In naturbelassenem
Walnussöl oder Olivenöl werden frisch gesammelte wild wachsende
Mohnblüten eingelegt und etwa drei Wochen in uv-durchlässigen 2-LiterFlaschen an der Sonne 5x täglich geschüttelt. Dadurch entsteht ein
Matzerat aus dem Öl und den Mohnblüten. Die Sonnenlichtenergieteilchen
(Biophotonen) werden durch die Dauer der Besonnung und das
rhythmische Schütteln in dem Mohnblütenöl eingespeichert.. Die Wirkung
ist schmerzstillend, harmonisierend und sanft wärmend bei jeder Form von
Gelenk- und Muskelschmerzen wie etwa bei entzündlichen Prozessen des
Muskelgewebes, bei Gelenkschwellungen, rheumatischen, gichtigen und
arthritischen Erkrankungen. Unterstützend bei allen Wirbelsäuletherapien
und schmerzlindernd bei Knochenbrüchen, lösend bei Wadenkrämpfen,
lindernd bei Hämorrhoiden, leichten Verbrennungen, Geschwüre,
Seitenstechen, Venenentzündung, bei schmerzenden Dornwarzen. Mit
großem Nutzen wird das Mohnblütenöl bei Heil-, Organ- und
Fußreflexzonenmassagen angewendet, mit Erfolg bei Kleinkindern mit
Haltungsschäden und in der Schwangerschaft zur Vermeidung von
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Heilkraft aus der Sonne
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Schwangerschaftsstreifen. Bei Säuglingen mit Verdauungsstörungen
(Verstopfung!) haben sich Einreibungen von Bauch- und Sonnengeflecht
bewährt. Es eignet sich hervorragend zur Dekubitusprophylaxe
(Wundliegen) sowie zur Behebung von Narbenstörungen. Wichtig zu
beachten ist, dass die Wirkung des Mohnblütenöles verstärkt wird, wenn
es nicht nur eingerieben wird, sondern mit möglichst besonnten weißen
Leinentüchern als Umschlag aufgelegt wird. Jakob Lorber weist im
Zusammenhang mit der Heliopathie auf zwei wichtige Bedingungen hin,
damit eine optimalen Heilwirkung der Mittel erreicht werden kann: Erstens
sollte der Behandler selbst so weit als möglich heil sein, weil eine
Genesung sehr viel mit dem Aspekt des Glaubens und Vertrauens zu tun
hat. Es werden z. Bsp. in der Krebsklinik in Greiz anstatt der
Chemotherapien
Gebetstherapien
eingesetzt,
kombiniert
mit
Naturheilmethoden und das mit herausragenden Erfolgen!
Die Energie und spirituelle Ausrichtung des Arztes, Therapeuten oder
Helfers spielt eine wichtige Rolle. Das zweite ist das Thema der
Entgiftung. Hier wird die Wichtigkeit einer Diät erwähnt, vor allem
Verzicht auf: Bohnenkaffee, Bier, scharfe und saure Speisen, alle
denaturierte,
genmanipulierte
Kost,
wie
Weißzuckerund
Weißmehlprodukte usw. Es ist in der Naturheilkunde hinlänglich bekannt,
dass Feinstoffmedizin seine Heilwirkung in einem übersäuerten und
verschlackten Organismus nur schwer entfalten kann.
Die Mittel, sowie das Buch „Heilkraft aus der Sonne und Solamias
Weg ins Licht“ mit weiteren Details zu den einzelnen Mitteln, wie
Herstellung, Wirkung, Anwendung, Diät und geistige Hintergründe sind
erhältlich bei:
SONNENOASE MARYAM, Maja Daum, Schulstrasse 6, 86825 Bad Wörishofen,
Tel. 08247-998388, Fax: 08247 998344 e-mail: maryam-sonnenheilmittel@web.de
(auch im Buchhandel erhältlich unter: ISBN: 3-8334-2733-7)
„In den ältesten Zeiten, in denen schon Menschen diese Erde
bewohnt haben, benützten eben diese Menschen, so sie irgendein
Unbehagen in ihrem Leibe verspürten, die Sonne, das heißt ihr Licht
und ihre Wärme als das einzige Heilmittel zur Wiederherstellung ihrer
Gesundheit.“
(Die Heilkraft des Sonnenlichts 1,4)
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Weisheitsgeschichten
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Himmel und Hölle im Menschen
„Siehe, in einem Hause wohnen zwei Menschen. Der eine ist mit allem
zufrieden, was er im Schweiße seines Angesichtes unter dem Segen Gottes
dem Erdboden entlockt. Zufrieden und heiter genießt er den spärlichen
Ertrag seines Fleißes, und seine größte Freude ist es, mit den noch ärmeren
Brüdern seinen mühsam erworbenen Vorrat zu teilen. So ein Hungriger zu
ihm kommt, da hat er eine Freude, ihn sättigen zu können, und fragt ihn
nie mit ärgerlichem Gemüte um den Grund seiner Armut und verbietet ihm
nicht, dass er wiederkommen dürfe, so es ihn etwa wieder hungern sollte.
Er murret nicht über irdische Staatseinrichtungen und sagt, so ihm
irgendeine Steuer abgenommen wird, allzeit mit Hiob: ,Herr! Du hast es
mir gegeben; Dein ist alles! Was Du gabst, kannst Du allzeit wieder
nehmen; Dein allzeit allein heiliger Wille geschehe!‘
Kurz, diesen Menschen kann nichts in seiner Heiterkeit sowohl als auch
in seiner Liebe und in seinem Vertrauen zu Gott, sowie daraus in der Liebe
zu seinen irdischen Brüdern, stören; Zorn, Neid, Hader, Hass und
Hochmut sind für ihn fremde Begriffe.
Aber sein Bruder ist dafür der unzufriedenste Mensch. Er glaubt an
keinen Gott und sagt: ,Gott ist ein leerer Begriff, durch den die Menschen
den höchsten Grad der diesirdischen Helden bezeichnen. In der Dürftigkeit
kann nur ein dümmster Mensch glücklich sein, gleichwie auch die
vernunft- und verstandlosen Tiere glücklich sind, wenn sie nur das spärlich
erhalten, was ihr stummer und stumpfer Naturtrieb verlangt. Ein Mensch
aber, der sich mit seinem Verstande weit übers Tierische emporgehoben
hat, der muss sich nicht mehr mit der gemeinen Schweinskost begnügen,
muss nicht mit den eigenen, zu etwas Besserem bestimmten Händen in der
Erde herumwühlen – was sich nur für Tiere und Sklaven geziemt –,
sondern man muss das Schwert ergreifen, sich zum mächtigen Feldherrn
emporschwingen und durch Triumphpforten in die großen Weltstädte
einziehen, die man erobert hat. Die Erde muss erbeben unter den Huftritten
des Rosses, das von Gold und Edelsteinen strotzend stolz den Herrn der
mächtigen Heerscharen trägt.‘
Mit solchen Gesinnungen verwünscht dann ein solcher Mensch sein
ärmliches Sein, verflucht die Armut in seinem Herzen und sinnt auf Mittel,
wie er sich große Schätze und Reichtümer verschafft, um mit ihrer Hilfe
seine herrschsüchtigen Ideen zu realisieren.
Seinen zufriedenen Bruder verachtet er, und jeder noch Ärmere ist ihm
ein Gräuel. Von der Barmherzigkeit ist bei ihm gar keine Spur; bei ihm gilt
sie als lächerliche Eigenschaft feiger Sklaven und der Gesellschaftsaffen.
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Weisheitsgeschichten
GL 4/2005
Dem Menschen gezieme nur Großmut, – aber diese so selten wie möglich!
Kommt ein Armer zu ihm, so fährt er ihn an mit allerlei Scheltworten und
sagt: ,Weiche von mir, du faule Bestie, du gefräßiges Ungeheuer mit der
zerlumpten Larve eines Menschen! Arbeite, Tier, so du einen Fraß haben
willst! Gehe zum ungeratenen Bruder meines Leibes, aber nimmer meines
erhabenen Geistes; dieser, als selbst ein gemeines Lasttier, arbeitet für
seinesgleichen und ist barmherzig wie ein Gesellschaftsaffe! Ich bin nur
großmütig – und schenke dir diesmal noch dein gemeinstes Erdwurmleben.‘
Siehe nun, diese beiden Brüder, Kinder eines Vaters und einer Mutter,
leben in einem Hause beisammen. Der erste ist ein Engel, der zweite nahe
ein vollendeter Teufel. Dem ersten ist die ärmliche Hütte ein Himmel, dem
zweiten dieselbe Hütte ohne irgendeine Veränderung eine allerbarste Hölle
voll der bittersten Qual. Siehst du nun, wie Himmel und Hölle auf einem
Flecke beisammen sein können?!“
(Gr.Ev.Joh. Bd.2; Kap. 9,2-8)
Der Messias ist unter Euch
Ein in seiner Klause meditierender weiser Einsiedler öffnete die Augen
und erblickte einen unerwarteten Besucher - den Abt eines wohlbekannten
Klosters.
„Was sucht ihr“, fragte der Weise.
Der Abt erzählte eine leidvolle Geschichte. Sein Kloster war einst in
der ganzen westlichen Welt berühmt. Junge Aspiranten füllten die Zellen
und seine Kirche hallte wider vom Gesang der Mönche. Aber das Kloster
hatte schwere Zeiten durchzumachen. Die Menschen strömten nicht mehr
herbei um geistige Nahrung aufzunehmen, der Zustrom junger Aspiranten
war versiegt, in der Kirche war es still geworden. Nur ein paar Mönche
waren geblieben, und sie gingen schweren Herzens ihren Aufgaben nach.
Der Abt wollte nun wissen: „Ist das Kloster um unserer Sünde willen in
einen solchen Zustand verfallen?“
„Ja“, sagte der Einsiedler, „die Sünde der Ahnungslosigkeit.“
„Und was ist das für eine Sünde?“
„Einer von euch ist der Messias - verkleidet - und ihr merkt es nicht.“
Nachdem er das gesagt hatte, schloss der Einsiedler die Augen und
versank wieder in Meditation.
Während der beschwerlichen Rückreise zum Kloster schlug das Herz
des Abtes bei dem Gedanken, dass der Messias - der Messias in Person auf die Erde zurückgekehrt war und sich in seinem Kloster befand. War es
möglich, dass er ihn nicht erkannt hatte? Und wer konnte es sein?
GL 4/2005
Weisheitsgeschichten
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Der Bruder Koch? Der Bruder Sakristan? Der Bruder Verwalter? Der
Bruder Prior? Nein, er hatte leider zu viele Fehler.
Aber der Meister hatte doch gesagt, der Messias wäre da in
Verkleidung. Konnten gerade diese Fehler seine Verkleidung sein? Bei
genauerer Überlegung hatte jeder im Kloster seine Fehler. Und einer von
ihnen musste der Messias sein.
Als er wieder im Kloster war, versammelte er die Mönche und sagte
ihnen, was er gehört hatte. Der Messias? Hier? Unglaublich! Wenn es nun
der und der wäre? Oder der dort drüben? Oder …
Eine Sache war sicher: wenn der Messias sich hier verkleidet befand,
war es nicht wahrscheinlich, dass sie ihn erkennen würden. Also ließen sie
es sich angelegen sein, jeden respektvoll und mit Rücksicht zu behandeln.
„Man kann nie wissen“; sagten sie sich, wenn sie miteinander zu tun
hatten, „Vielleicht ist es gerade der.“
Die Folge war, dass im Kloster eine ansteckend fröhliche Stimmung
herrschte. Aspiranten bemühten sich bald wieder um Aufnahme in den
Orden und erneut hallte die Kirche wider von dem frommen und
frohgemuten Gesang der Mönche, die vom Geist der Liebe beseelt waren.
Wer ist der Blinde!
Ein junger Mann, blind von Geburt, verliebte sich in ein Mädchen.
Alles ging gut, bis ihm ein Freund sagte, dass das Mädchen nicht sehr
hübsch war. Von da an verlor er jedes Interesse an ihr. Schlimm genug!
Er hatte sie richtig „gesehen“, der Freund war blind gewesen.
An uns liegt es
Ein Wanderer: „Wie wird das Wetter heute?“
Der Schäfer: „So, wie ich es gerne habe.“
„Woher wisst Ihr, dass das Wetter so sein wird, wie Ihr es liebt?“
„Ich habe die Erfahrung gemacht, mein Freund, dass ich nicht immer
das bekommen kann, was ich gerne möchte. Also habe ich gelernt,
immer das zu mögen, was ich bekomme.
Deshalb bin ich ganz sicher: das Wetter wird heute so sein, wie ich es
mag.“
Was immer geschieht, an uns liegt es, Glück oder Unglück darin zu sehen.
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Weisheitsgeschichten
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Nicht alles auf einmal
Ein Prediger kam in einen Saal, um zu sprechen. Der Saal war leer, bis
auf einen jungen Stallmeister, der in der ersten Reihe saß.
Der Prediger überlegte sich: „Soll ich sprechen oder es lieber bleiben
lassen?“
Schließlich fragte er den Stallmeister: „Es ist niemand außer dir da, soll
ich deiner Meinung nach sprechen oder nicht?“
Der Stallmeister antwortete: „Herr, ich bin ein einfacher Mann, davon
verstehe ich nichts. Aber wenn ich in einen Stall komme und sehe, dass
alle Pferde weggelaufen sind und nur ein einziges dageblieben ist, werde
ich es trotzdem füttern.“
Der Prediger nahm sich das zu Herzen und begann seine Predigt. Er
sprach über zwei Stunden lang. Danach fühlte er sich sehr erleichtert und
glücklich und wollte durch den Zuhörer bestätigt wissen, wie gut seine
Rede war.
Er fragte: „Wie hat dir meine Predigt gefallen?“
Der Stallmeister antwortete: „Ich habe bereits gesagt, dass ich ein einfacher Mann bin und von so etwas nicht viel verstehe. Aber wenn ich in
einen Stall komme und sehe, dass alle Pferde außer einem weggelaufen
sind, werde ich es trotzdem füttern. Ich würde ihm aber nicht das ganze
Futter geben, das für alle Pferde gedacht war.“
Wie man mit dem Herzen betet
Wie man mit dem Herzen betet, zeigt dieses beeindruckende Beispiel
eines einfachen Clochard aus Paris, wie es in einer Pariser Lokalzeitung
abgedruckt wurde:
„Paul verbrachte die meiste Zeit im Freien. Er hatte eine große Vorliebe
für die Kirche St. Jakob in Paris, an deren Eingangstor er um Almosen
bettelte. Die Weinflasche war ihm eine treue Begleiterin, und die
Leberzirrhose und andere Krankheiten fraßen an ihm. Seine Gesichtsfarbe
ließ nichts Gutes ahnen, und die Leute dieses Wohnviertels warteten nur
noch darauf, dass er von heute auf morgen nicht mehr da wäre, ohne sich
jedoch besonders für ihn zu interessieren.
Doch da war eine gute Seele in der Gemeinde, Frau N. Sie war sehr
traurig darüber, ihn so schrecklich allein zu sehen und sprach daher öfter
mit ihm. Sie hatte bemerkt, dass Paul am Morgen seinen Stammplatz am
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Weisheitsgeschichten
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Eingangsportal eine Zeitlang verließ und in die Kirche ging. Dort setzte er
sich auf einen Stuhl in der ersten Reihe, direkt vor dem Tabernakel.
Einfach so ... scheinbar, ohne etwas zu tun. Eines Tages fragte ihn Frau N.:
„Ich habe gesehen, dass du oft in die Kirche gehst. Was machst du denn,
wenn du eine Stunde dort sitzt, einfach so, ohne etwas zu tun? Du hast
weder einen Rosenkranz noch ein Gebetbuch, und manchmal nickst du nur
ein bisschen ein. Was machst du da? Betest du?“
„Wie soll ich denn beten können! Seit der Zeit, als ich noch klein war
und in den Religionsunterricht ging, habe ich alle Gebete vergessen. Ich
kann keines mehr! Was ich da mache? Das ist ganz einfach: Ich gehe zum
Tabernakel, dort wo Jesus ganz allein in Seinem Häuschen wohnt, und sage
zu ihm: „Jesus, ich bin’s, Paul! Ich komme Dich besuchen!“, und dann
bleibe ich noch ein bisschen, damit halt jemand da ist.“
Frau N. bringt keinen Ton heraus. Sie vergisst nicht, was sie gerade
gehört hat. Die Tage vergehen, einer gleicht dem anderen. Aber, was
kommen musste, kam: Eines Tages ist Paul vom Eingangsportal
verschwunden. War er krank? Vielleicht gestorben? Sie erkundigt sich und
findet seine Spur im Krankenhaus wieder. Sie geht ihn besuchen. Dem
armen Paul geht es sehr schlecht, er hängt an vielen Schläuchen und hat
diese für Sterbende typische graue Gesichtsfarbe. Die ärztliche Prognose
könnte nicht schlechter sein. Am nächsten Tag kommt Frau N. wieder und
ist schon darauf gefasst, die traurige Nachricht zu bekommen.
Aber nein! Paul sitzt ganz aufrecht in seinem Bett, ist frisch rasiert, hat
einen lebendigen Blick und sieht völlig verwandelt aus! Ein Ausdruck
unbeschreiblichen Glücks strahlt aus seinem leuchtendem Gesicht.
Madame N. reibt sich die Augen ... Doch, er ist es wirklich!
„Paul, das ist unglaublich, du bist ja auferstanden! Du bist nicht mehr
derselbe, was ist nur mit dir passiert?“
„Na, ja, es war heute morgen, da ging es mir gar nicht gut; dann habe
ich plötzlich jemand hier am Fußende meine Bettes stehen sehen. Er war
schön, unbeschreiblich schön ... Das kannst du dir gar nicht vorstellen!
Er lächelte mich an und sagte: „Paul! Ich bin’s, Jesus! Ich komme
dich besuchen!“
„Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden;
denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viel Worte machen.
Darum sollt ihr euch ihnen nicht gleichstellen.
Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr ihn bittet.“
(Mt. 6,7-8)
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In die Ruhe des Geistes eingehen
GL 4/2005
In die Ruhe des Geistes eingehen
„Also muss ja notwendig ein jeder, der in das Leben seines Geistes
eingehen will, sich tagtäglich auf eine Zeitlang in die vollkommene
Ruhe seines Geistes begeben und muss in dieser nicht etwa mit allerlei
Gedanken umherschweifen, sondern er muss einen Gedanken nur fassen
und diesen als ein bestimmtes Objekt unverwandt betrachten.
Der beste Gedanke ist hier freilich der Herr. Und wenn jemand
solches mit Eifer und aller möglichen Selbstverleugnung fort und fort tun
wird, so wird dadurch die Sehe wie das Gehör seines Geistes stets mehr
und mehr an innerer Schärfe gewinnen, und nach einer eben nicht zu
langen Zeit werden diese beiden Sinneswerkzeuge des Geistes so sehr
erhöht werden, dass er mit der größten Leichtigkeit dort geistige Formen
von der wunderbarsten Art erblicken wird, wo er vorher nichts als eine
formlose Leere zu erschauen wähnte. Und so wird er auch mit eben der
Leichtigkeit Töne und Worte vernehmen, wo ihm ehedem eine ewige
Stille zu sein schien.
Ist denn nicht ein einziger Gedanke an Jesum hinreichend, um das
Herz für Ihn überhell aufflammen zu machen? – O Brüder und Freunde!
Könntet ihr es fassen, was dieser Name aller Namen besagt, was er ist,
und welch eine Wirkung in Ihm, ihr müsstet ja augenblicklich in eine so
mächtige Liebe zu Jesu übergehen, deren Feuer hinreichend wäre, ein
ganzes Heer von Sonnen zu entzünden, dass sie darob noch ums
Tausendfache heller flammen möchten in ihren endlos weiten
Raumgebieten, als solches bis jetzt der Fall ist.
Ich sage euch: Jesus ist etwas so ungeheuer Großes, dass, so dieser
Name ausgesprochen wird, die ganze Unendlichkeit von zu großer
Ehrfurcht erbebt.
Daher genügt zur Erweckung unserer Liebe zu Jesu ja doch sicher
schon ein einziger Gedanke – nur Sein Name in unseren Herzen
ausgesprochen sollte ewig genug sein, um in aller Liebe für Ihn zu
erbrennen! Daher sprechet auch ihr in euren Herzen diesen Namen
würdig aus, und ihr werdet es selbst erschauen, in welcher Fülle das Feuer
der Liebe aus euren Herzen hervorbrechen wird, zu entzünden das Holz
des Lebens.
Ihr brauchet nur in eurem Herzen „Vater“ zu rufen, und ihr habt genug
getan! Und der Vater wird euer Herz allezeit, insoweit es Not tut, sättigen
und kräftigen mit Seiner Liebe.
Ihr brauchet nicht einmal ein Bild, sondern nur die Erkenntnis in eurem
Herzen von Gott, und ihr habt genug der Liebe.“
(Geistige Sonne Bd. 2 Kap. 44,16-17;13,1-2,16; 50,17-18)
GL 4/2005
Desiderata
ei ruhig inmitten Lärm
und Hast und bedenke,
welch ein Segen in der Stille liegen
kann. Steh' auf gutem Fuß mit allen
Menschen, ohne Dir selbst Gewalt
anzutun. Sag' Deine Wahrheit ruhig
und deutlich. Höre Deine Mitmenschen
an. Auch sie erzählen ihre Geschichte.
Meide lärmende und aggressive
Menschen, sie belasten den Geist.
ergleichst Du Dich mit
anderen, könntest Du eitel
und verbittert werden.
Denn es wird immer
kleinere und größere Menschen geben
als Dich. Freue Dich Deiner eigenen
Leistungen wie auch Deiner Pläne.
Hüte Dich vor Selbstgerechtigkeit.
Habe Interesse für Deine Arbeit, wie
niedrig sie auch sein möge; sie ist ein
echter Besitz im veränderlichen Glück
der Zeiten. Verhalte Dich vorsichtig
bei Geschäften, denn die Welt ist
voller Betrug. Aber dies soll Dich nicht
blind machen gegen vorhandene
Rechtschaffenheit. Viele Menschen
streben höheren Idealen nach, und die
Welt ist voller Eiferer - sei Du selbst.
Heuchle vor allem keine Zuneigung,
noch sei zynisch, was die Liebe
betrifft; denn bei aller
Unzufriedenheit und Leere ist die
Liebe ewig wie das Gras.
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Folg' dem Lauf der Jahre anmutig,
verlang' nicht nach einer Zeit, die
hinter Dir liegt. Stärke die Kraft des
Geistes, damit sie Dich in plötzlich
hereinbrechendem Unglück
schütze. Aber verdrieß' Dich nicht
mit Spukbildern. Viele Ängste
werden aus Müdigkeit und
Einsamkeit geboten. Leg' Dir eine
gesunde Disziplin auf, aber sei
dabei lieb zu Dir selbst.
u bist ein Kind des
Universums, nicht weniger
als die Bäume und Sterne.
Du hast das Recht, hier zu
sein. Und ist es Dir klar oder
nicht, das Universum entfaltet
sich doch so, wie es sich entfaltet
- und es ist gut so. Habe darum
Frieden mit Gott, wie Du auch
denkst, dass er sein möge. Was
Deine Umgebungen und Deine
Arbeit auch sein mögen, halte
Frieden mit Deiner Seele in der
lärmenden Verwirrung des
Lebens. Trotz all ihrem
Flittergold, ihrer Düsterheit und
den verflogenen Träumen, ist
diese Welt doch wunderschön.
Sei behutsam.
Strebe danach, glücklich zu sein!
Max Ehrmann
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Verschiedenes
GL 4/2005
Inseratenwerbung der Werke Jakob Lorbers
Geistesbruder Helmut Betsch inseriert aus eigener Initiative seit Jahren
in Zeitungen und Zeitschriften für die Werke Jakob Lorbers.
Die erfolgreiche Zeitschriftenwerbung im letzten Jahr, bei der fast 1200
neue Interessenten für das Schriftwerk gewonnen werden konnten,
bestätigt diese segensvolle Arbeit. Um diese auch zukünftig
weiterführen zu können, ist er auf unsere finanzielle Unterstützung
angewiesen.
Wer diese segensvolle Arbeit finanziell unterstützen möchte, kann
seinen Beitrag auf untenstehendes Konto überweisen.
Helmut Betsch, Postbank-Konto-Nr. 237410-705, BLZ 60010070
Lorber-Heilpraktiker im Raum Saarbrücken gesucht
Ich suche im Raum Saarbrücken einen Heilpraktiker, der die Heil- und
Gesundheitshinweise des Lorber-Schriftwerkes berücksichtigt.
Kontaktadresse: Brigitte Thier, Pfählerstr. 48, 66125 Saarbrücken
Geistesbruder sucht Briefkontakt
Mittelloser und einsamer Bruder (57 Jahre), der die Werke Jakob Lorbers durch Inserate erst jetzt kennen lernen durfte, sucht geistigen Austausch durch Briefkontakt zu Glaubensgeschwistern.
Kontaktadresse: Paul Terlutter, Züricherstr. 40, 28325 Bremen
Lorber-Freundin sucht Gleichgesinnte
Lorber-Freundin aus Künzelsau sucht Geistesfreunde im Gebiet Schwäbisch-Hall / Bad Mergentheim.
Kontakt: Ursel Wickert, Telefon-Nr. 0 79 40/93 9979
Alte Schrift gesucht
Ich suche eine alte Schrift aus den 30er bzw. 40er Jahren mit dem Titel:
„Geisteskampf um Jesus Christus“. Wer kann mir darüber Auskunft geben? Marga Kittelmann Tel.: 08841-8344
Vortrags-Kassetten-Dienst
Tonbandkassetten der Vorträge der Lorber-Tagungen können bestellt
werden beim:
Kassettendienst Lothar Schuller,
Anton-Beilhackstr. 11, D-83278 Traunstein
GL 4/2005
Tagung der Schweizer Lorberfreunde
61
Herbst-Tagung der Schweizer Lorberfreunde
im Bildungszentrum Matt, CH 6103 Schwarzenberg
Tel.: +41 (0) 499 70 99
vom 29. Sept. bis 2. Oktober 2005
Wir konnten uns für diese Tagung wiederum in das schöne und ruhig
gelegene Haus am Schwarzenberg einmieten. Das Bildungszentrum liegt
auf 850 Meter Höhe in voralpiner Landschaft, ca. 20 Kilometer von
Luzern entfernt mit Blick auf die Berge des Pilatusgebiets.
Geplante Vorträge:
Gisela Fräntzki - Jakob Böhme, Lebens-Not-wendig für dich und mich
Dr. Walter Meili - Besessenheit, Umsessenheit
Franz Schnyder - Das Weltall, ein Laufgitter
Karl Ulrich - Islam, Mohammed, Jesus
Dr. Clemens Bartscht - Das Wesen des Menschen
Rita Steinemann - Die Unendlichkeit der Klänge
Anreise mit dem Auto: Autobahn Luzern Ri. Bern, Ausfahrt Emmen
Süd / Malters / Schwarzenberg
Öffentl. Verkehrsmittel: ab Bahnhof Luzern mit SBB nach Malters, dann
mit dem Postauto nach Schwarzenberg, Haltestelle direkt vor dem Haus.
Anmeldung bis 10. September 2005 und Auskunft:
Maria Tanner, Am Sientalweg 8
CH-6343 Rotkreuz ZG
Tel.: (0041) (0) 41 311 16 42
Anmeldebogen zur
Tagung der Schweizer Lorberfreunde
vom 29.09. - 2.10.2005 im Bildungszentrum Matt
Anreisetag:
Abreisetag:
Donnerstag, den 29. Sept. 2005 (nachmittags)
Sonntag, den 2. Okt. 2005 (nach dem Mittagessen)
Hiermit melde(n) ich mich / wir uns verbindlich zur obigen Veranstaltung an:
Ich / wir reisen an am: ……………...…und reisen ab am: …..……………..…
Vorname, Name: ............................................................................................
Straße, Nr., PLZ, Ort: .......................................................................................
Telefon-Nr. .....................................................................................................
Zimmerpreise pro Person und Tag inkl. Vollpension
Einzelzimmer
Dusche / WC
133,- Fr.
84,20 €
Einzelzimmer
WC/Etagendusche
118,- Fr.
74,70 €
Doppelzimmer
Dusche / WC
108,- Fr.
68,35 €
Doppelzimmer
WC/Etagendusche
93,- Fr.
58,90 €
Appartement ab
3 Pers.
Bad / WC
93,- Fr.
58,90 €
Vollpension vegetarisch
Zutreffendes bitte ankreuzen
Die Hotelrechnung ist vor der Abreise direkt dem Bildungshaus zu entrichten.
Die Reservierungen werden nach Eingang der schriftlichen Anmeldung und Einzahlung der
Tagungskosten berücksichtigt.
Die schriftliche Anmeldung gilt als verbindlich und wird nicht extra bestätigt.
Abmeldungen müssen mindestens 5 Tage vor Tagungsbeginn erfolgen, ansonsten muss
leider 75% des Hotelpreises in Rechnung gestellt werden.
Datum / Unterschrift: ......................................................................................................................
Anmeldung bis 10. September 2005 und Auskunft:
Maria Tanner, Am Sientalweg 8
CH-6343 Rotkreuz ZG
Tel.: (0041) (0) 41 311 16 42
Tagung der Lorber-Gesellschaft
Tagung der Lorber-Gesellschaft e.V.
im Bildungshaus Mariatrost
Kirchbergstrasse 18
in A-8044 Graz / Österreich
vom 18. bis 23. September 2005
Das Bildungshaus Mariatrost - das offene Forum für Weiterbildung und
Dialog der Diözese Graz-Seckau - steht uns während der Tagung mit
seinen 63 Betten, einem Speisesaal für 100 Personen, einem
Vortragssaal für 150 Personen und sieben Gruppenräumen zur freien
Verfügung. Weitere Unterbringungsmöglichkeiten gibt es in den
verschiedenen Pensionen und Hotels in unmittelbarer Nähe der
Tagungsstätte.
Weitere Informationen über das Bildungshaus Mariatrost sind auch über
das Internet abrufbar unter: http://www.mariatrost.at
Das Anmeldeformular befindet sich umseitig (bitte ausschneiden oder
kopieren, ausfüllen und einsenden).
Anmeldungen über
Lorber-Gesellschaft e.V.
Anita Strattner
Pfarrhofstr. 7
D-83132 Pittenhart
Tel./Fax: 08624-4114
Anmeldebogen zur
Tagung der Lorber-Gesellschaft e.V.
vom 18.09. - 23.09.2005 im Bildungshaus Mariatrost / Graz
Anreisetag:
Abreisetag:
Sonntag, den 18. Sept. 2005 (nachmittags)
Freitag, den 23. Sept. 2005 (nach dem Frühstück)
Hiermit melde(n) ich mich / wir uns verbindlich zur obigen Veranstaltung an:
Ich / wir reisen an am: ……………Sept. und reisen ab am: …..………Sept.
1. Vorname, Name: ............................................................................................
Straße, Nr., PLZ, Ort: .......................................................................................
Telefon-Nr. .....................................................................................................
2. Vorname, Name: ............................................................................................
Straße, Nr., PLZ, Ort: .......................................................................................
3. Kinder, Name, Alter: .......................................................................
Ich bin bereit, bei Platzmangel mit einer/m anderen Teilnehmer/in
mein Zimmer zu teilen.
Ich bin Tagesgast ohne Übernachtung am
Tagungskosten
So
Mo
Di
Mi
Do
Fr
275,- € pro Person für die gesamte Tagung
inkl. Übernachtung und Vollpension,
sowie Raumpauschale und Tagungsgebühr
(Die Kosten für das Mittagessen am Ausflugtag sind separat zu bezahlen.)
Die Tagungskosten sind im voraus auf das Konto der Lorber-Gesellschaft e.V. zu
überweisen. Benutzen Sie hierfür bitte die Überweisungsträger in der Heftmitte und
vermerken als Überweisungszweck: Tagung Graz
Die Anmeldung wird erst durch den Eingang der Tagungskosten wirksam.
Teilnehmer, die nicht die ganze Tagung bleiben, werden bei Überbelegung außerhalb des
Hauses untergebracht. Tagesgäste mögen sich für eine evtl. Verpflegung (Mi. 8,50 € / Ab.
5,80 €) bei der Verwaltung des Seminarhauses melden. Die Tagungsgebühr für
Tagesgäste von 5,- € / Pers. u. Tag erbitten wir in Form einer Spende.
Datum / Unterschrift: ......................................................................................................................
Anmeldung: Lorber-Gesellschaft e.V.
Anita Strattner, Pfarrhofstr. 7
D-83132 Pittenhart, Tel./Fax: 08624-4114
Die Hauptwerke des Mystikers Jakob Lorber (1800-1864)
Das große Evangelium Johannes (10 Bände, je 450 Seiten) - In diesem großen und
herrlichen Offenbarungswerk erhalten wir nach der Verheißung Joh. 14,26 eine genaue,
eingehende und tief gedankenvolle Schilderung alles dessen, was Jesus in den drei Jahren Seiner irdischen Lehrtätigkeit getan und gesprochen hat. Von der Fülle des in Joh.
21,25 Angedeuteten hat die Liebe und Gnade des Himmlischen Vaters hier den Menschen zu ihrer Erleuchtung und Rettung endlos Großes geoffenbart.
Die Haushaltung Gottes (3 Bände, je 450 Seiten) - Dieses Werk entrollt in machtvoller
Sprache ein gewaltiges Bild des göttlichen Weltplanes, der Schöpfungsgeschichte und
der Urgeschichte der Menschheit von der Erschaffung Adams bis zur Sündflut.
Die Jugend Jesu (420 Seiten) - Dies ist die Wiedergabe der verschollenen, von Jakobus, dem Stiefbruder des Herrn, verfassten Jugendgeschichte Jesu, des sog. JakobusEvangeliums. Enthaltend die wunderbare Schilderung der Kindheit Jesu, gibt sie uns
auch zugleich ein helles Licht über das Rätsel von Gott und Mensch in der Person Jesu.
Die geistige Sonne (2 Bände, je 500 Seiten) - Grundsätzliche Belehrung über die Zustände im Jenseits und die dortige Weiterentwicklung der Seelen. Ein hoch bedeutendes
Werk für Fortgeschrittene.
Bischof Martin (500 Seiten) - Entwicklungswege eines in menschlicher Unvollkommenheit abgeschiedenen Bischofs im Jenseits bis zu seiner Vollendung.
Von der Hölle bis zum Himmel (Robert Blum) (2 Bände, je 500 Seiten) - Erfahrungen
und Erlebnisse des 1848 erschossenen Revolutionärs Robert Blum im Jenseits. Dieses
Werk gibt ein überaus lebendiges, vielseitig aufgeklärtes Bild der jenseitigen Weiterentwicklung dieser politischen Persönlichkeit zum Gotteskind.
Erde und Mond (250 Seiten) - Wichtiges Hauptwerk über die geistige Welterklärung.
Umfassende Darstellung des Baues und der Bedeutung von Erde und Mond.
Die natürliche Sonne (1 Band, 320 Seiten) - Mehr als die Werke der gelehrten Sternkunde enthüllt uns dieses Buch die Schöpfungen unseres Sonnensystems. Die Hauptsache aber dieser Sonnen- und Sternenkunde führt uns zu Gott und zum Leben aus Gott.
Schrifttexterklärungen (112 Seiten) - Lichtvolle, aufschlussreiche Erklärung wichtiger
Bibelstellen.
Die drei Tage im Tempel (96 Seiten) - Der zwölfjährige Jesus im Tempel zu Jerusalem.
Briefwechsel Jesu mit Abgarus (40 Seiten) - Wiedergabe des einzigen, echten Briefwechsels Jesu, von welchem das Geschichtswerk des Kirchenvaters Eusebius Kunde
gibt.
Der Großglockner (80 Seiten) - Ein Evangelium der Berge, behandelnd die natürliche
und geistige Bedeutung der Gebirge und das Wesen und Walten der Naturgeister in der
Bergwelt.
Heilung und Gesundheitspflege (240 Seiten) – Zusammenstellung von Ratschlägen für
die Heilung und Gesunderhaltung von Leib und Seele.
Kurt Eggenstein – Der unbekannte Prophet Jakob Lorber. Ein Einführungsbüchlein.
Gesamtprospekt und Bücher sind zu beziehen durch den LORBER-Verlag
Postfach 1851, 74308 Bietigheim, Deutschland
E-Mail: info@lorber-verlag.de
http://www.lorber-verlag.de
Besinnliche Texte zur Meditation
„Wir wissen aber auch, dass jedes Ding in der Welt
entsprechend gut oder schlecht sein kann, und dazu
wird es von der Liebe (des Menschen) gemacht. Ist die
Liebe nach der Ordnung Gottes, so wird durch sie
alles gut; ist diese gegen die Ordnung Gottes, so wird
durch sie alles schlecht.
Auf diese Weise entwickelt dann ein jeder Mensch in
sich entweder den Himmel oder die Hölle.
Aus dem aber geht hervor, dass ein jeder Mensch durch die Art
seiner Liebe der Schöpfer seiner eigenen inneren Welt wird, und
dass er nie in irgendeinen Himmel oder in irgendeine Hölle kommen
kann, sondern nur in das Werk seiner Liebe.“
(GS II 119,10+13)
Jakob Lorber (1800-1864)
Was dein Auge an andern sah,
Wird andern nicht an dir entgehen,
Wir stehen uns selber viel zu nah,
um unsere Fehler selbst zu sehen.
Christoph August Tiedge (1752-1841)
„Einem gelang es - er hob den Schleier der Göttin
zu Sais. - Aber was sah er? Es sah - Wunder des Wunders, sich selbst.“
Novalis (1772-1801)
„Hast du dich selbst lieb, so hast du alle Menschen
lieb wie dich selbst. Solange du einen einzigen
Menschen weniger lieb hast als dich selbst, so hast
du dich selbst nie wahrhaft lieb gewonnen.“
Meister Eckhart (1260 – 1328)
„Die Seele hat einen Funken, einen Grund in sich,
dessen Durst Gott, der doch alle Dinge vermag, mit
nichts anderem zu löschen vermag als mit sich selber.“
Johannes Tauler (1300-1361)
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Seele and Geist
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