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Cybermobbing – Wie soll auf anonyme Gewalt im - AvenirSocial

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Cybermobbing – Wie soll auf anonyme Gewalt im Internet reagiert werden? Vortrag vom 19.06.2014 Fachtagung 2014 der Fachgruppe Schulsozialarbeit Institut für Medienbildung, PH Bern Dr. phil. Regula Berger Fachhochschule Nordwestschweiz Hochschule für Soziale Arbeit Institut für Kinder-­‐ und Jugendhilfe Thiersteinerallee 57 CH-­‐4057 Basel regula.berger@Jnw.ch Programm Inhalt 1.  Cybermobbing -­‐ Gefahren neuer Medien und anonyme Gewalt im Internet 2.  Sensibilisierung -­‐ Klassisches Mobbing und Cybermobbing – Ähnlichkeiten und Unterschiede 3.  Prävention – Gute Kontextbedingungen in Schule und Familie schaffen 4.  Intervention – Eskalationsspirale zwischen Konflikt und Krisenintervention Neue Medien und Cybermobbing Internetnutzung CH nach Alter Soziale Medien bieten Chancen: * Soziale Beziehungen auYauen und pflegen * Sich zugehörig fühlen * Sich selbst darstellen und dabei testen, was bei anderen ankommt und was nicht * Rückmeldungen von Gleichaltrigen sind für die Identitätsbildung wichtig * Eigene Interessen mit anderen teilen und Informationen einholen. … und bergen Gefahren: *  Fehlendes Bewusstsein über die Zugänglichkeit von Kommentaren, Fotos etc. für andere *  Gefahr von Datenmissbrauch. Einmal im Netz zirkulierende Bilder können kaum mehr gelöscht werden. *  Online Sucht *  Ablenkung von den Hausaufgaben, wenn Jugendliche diese am Computer machen und gleichzeitig im Sozialen Netzwerk eingeloggt sind. *  Unerwünschte Kontakte und sexuelle Übergriffe: Pädosexuelle können über Soziale Netzwerke Kontakt mit potenziellen Opfern aufnehmen. *  Von anderen «Usern» bloss gestellt, beleidigt oder belästigt werden => Cybermobbing Marc (14) musste die Schule wechseln Freunde haben von Marc (14) mit der iPhone-­‐
Kamera peinliche Bilder geknipst und gedacht, die wird ja eh niemand sehen. Doch das Smartphone war nicht passwortgeschützt und in einem Moment der Unachtsamkeit konnte sich ein Mitschüler Zugang zum Handy und somit den Bildern verschaffen: Die Fotos wurden auf Facebook geladen, unzählige Male runtergeladen und neu gepostet. Marc traute sich schliesslich nicht mehr in die Schule und nach vielen Gesprächen mit der Schulleitung beschloss man, dass er besser die Schule wechsle. www.feel-­‐ok.ch Sandra (16) schenkte ihrem Freund ein Oben-­‐Ohne-­‐Bild Sandra (16) schickte ihrem Freund als Liebesbeweis ein Oben-­‐Ohne-­‐Bild. So lange die beiden ein Paar waren, behielt er dieses Foto für sich, doch bald gerieten die beiden sich gehörig in die Haare und kamen nicht mehr aus dem Streiten heraus. In der Folge verschickte er das private Foto mit fiesen Kommentaren versehen via Handy an mehrere Freunde. www.feel-­‐ok.ch Sensibilisierung Soziale Zusammenhänge von Cybermobbing erkennen Was ist Cybermobbing? Cybermobbing wird als aggressiver Akt definiert, bei dem elektronische Kommunikationsmöglichkeiten wiederholt und über die Zeit hinweg dazu genutzt werden, Opfer anzugreifen, die sich kaum dagegen zur Wehr setzen können (Smith et al., 2008, Übers. RB). Rollen in einer (Cyber)Mobbing-­‐
Situation Alsaker (2013) Unterschied zwischen Konflikt und klassischem Mobbing Normaler Konflikt zwischen Gleichaltrigen *  Gleichverteilung von Macht *  Gelegentlicher Streit ist normal, passiert aus Versehen, nicht ernsthaft *  Meinungsverschiedenheiten *  Beide Parteien fühlen sich schuldig, nicht wohl im Streit *  Beteiligte bemühen sich, Problem zu lösen Mobbing *  Machtunterschiede/-­‐gefälle *  Wiederholte, gezielte, aggressive Handlungen gegen eine Person/ Gruppe *  bereitet dem Mobbenden Spass, *  Kein Schuldgefühl, weist Schuld dem Opfer zu *  Opfer erlebt Gefühle der Unterlegenheit und Hilflosigkeit *  Keine Bemühungen der Mobbenden, das Problem zu lösen Unterschied zwischen klassischem Mobbing und Cybermobbing Klassisches Mobbing Cybermobbing *  Reale Situation (z.B. Schulhof) *  Gruppendynamiken wichtig: Anfeuern, der enthemmende Einfluss der Gruppe, Zuschauende als Verstärker *  Täterschaft ist bekannt und sichtbar, Machtunterschied. *  Öffentlichkeit beschränkt auf Zuschauende und Täterschaft *  Wiederholungscharakter *  Virtueller Raum / Cyberspace *  Gruppendynamiken wichtig: Zusammen etwas aufs Internet aufschalten, der enthemmende Einfluss der Gruppe, Mitwissende als Verstärker. *  Anonymität häufig *  Öffentlichkeit unkontrollierbar. *  Rasend schnelle Verbreitung von diffamierendem Material. Ist Cybermobbing schlimmer als klassisches Mobbing? (Sticca & Perren, 2013) Fazit *  Betroffene und Täterschaft sind einander nicht gleichgestellt. *  Mobbing und Cybermobbing unterscheiden sich klar von einem Konflikt. *  Geringe Medienkompetenz: Kinder und Jugendliche => sind sich der Risiken, Gefahren, Rechten und Regeln zu wenig bewusst. *  Erwachsene (Eltern, Erziehungsverantwortliche, Lehrpersonen etc.) => sind oft weniger geübt im Umgang mit neuen Medien und Internet-­‐Kommunikationstechniken Prävention Rolle der Schulsozialarbeit Ø Primäre Prävention: *  Wie kann die Auftretenswahrscheinlichkeit von Cybermobbing-­‐Ereignissen gesenkt werden? Ø Sekundäre Prävention: *  Wie kann ein schon eingetretenes Ereignis möglichst früh erkannt und behandelt werden? Ø Tertiäre Prävention: *  Wie können Folgeschäden vermieden werden? Strategien der Prävention bei Cybermobbing(Steiner 2011) Ebene Schule (Schulleitung, Lehrpersonen): *  Früherkennung durch Lehrpersonen *  Sensibilisierungskampagnen *  Massnahmen zur Konfliktlösung *  Schaffen von Reglementen und Verhaltenscodices Ebene Elternhaus: *  Förderung der Medienkompetenz der Eltern *  Förderung der medienerzieherischen Aktivitäten der Eltern *  Sinn für Privatsphäre der Jugendlichen vergrössern. Auulärung über rechtliche Situation (www.feel-­‐ok.ch) *  Gesetze, durch welche Cybermobbing bestraft werden kann: 1.  Beschimpfung (StGB Art. 177) 2.  Üble Nachrede (StGB Art. 173) 3.  Drohung (StGB Art. 180) Ø  z.B. jemanden via Messenger fertig machen oder üble Gerüchte verbreiten. *  Ab dem 10. Altersjahr können Kinder mit erzieherischen/strafrechtlichen Massnahmen zur Verantwortung gezogen werden. *  Etwas härter werden folgende zwei Handlungen bestraft: 1.  Unbefugtes Eindringen in Datenverarbeitungssysteme (StGB Art. 143) 2.  Datenbeschädigung (StGB Art. 144) Ø  Artikel 143 meint damit z.B. das „Hacken“ eines Facebook-­‐Accounts und die Verwendung des Profils ohne die Erlaubnis des Freundes bzw. der Freundin. Präventions-­‐ und Medienkampagnen zu Cybermobbing *  Nationales Programm zur Förderung von Medienkompetenz: Übersicht der Informations-­‐, Schulungs-­‐ und Beratungsangebote in der Schweiz. *  JAMES Studie: Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften bietet seit 2010 eine empirische Grundlage mit repräsentative Zahlen zur Mediennutzung und zu Freizeitaktivitäten von Schweizer Jugendlichen. *  Pro Juventute Kampagne gegen Sexting/Cybermobbing: Telefon #147 Empfehlungen an Jugendliche als Antwort auf Cyberbullying (Hinduja/Patchin 2012) 1. 
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Nimm klar Stellung, wenn jem. Opfer von Cyberbullying wird! Ignoriere die Täterschaft! Nimm keine Rache! Teile dem Bully unmissverständlich mit, dass er/sie auJören soll! Teile jem. mit, dass du das Ziel von Cyberbullying geworden bist! Mach Sicherheitskopien/Screen Shots der bedrohlichen/
diffamierenden Nachrichten! 7.  Blockiere den Zugang zu deinem Profil für Cyberbullies! 8.  Teile dem Provider der Plattform mit, dass du gemobbt wirst! 9.  Leite nie Mitteilungen von Cyberbullies an andere weiter! 10.  Ruf die Polizei, wenn deine Sicherheit oder diejenige einer anderen Person in Gefahr scheint! Intervention Mobbing-­‐Spirale Hiller/Weber (2007: 4-­‐11) Ausstiegsmöglichkeiten Vormobbing (Konflikt-­‐) Phase: 1. Anderssein: *  Empathietraining, Soziale Kompetenz fördern, Umgang mit Werten, Kinder-­‐/Menschenrechte 2. Streit – Konflikt: *  Konfliktlösekompetenzen stärken 3. Feindschaft – Abwehr: *  Positives, konstruktives Feedback übern Ausstiegsmöglichkeiten Mobbing-­‐Phase: 4. Übergriffe – Verunsicherung: *  Einer erwachsenen Person vom Übergriff erzählen *  Zivilcourage: Vertrauensperson informiert Schule, Institution 5. Ausgrenzung – Dauerstress: *  Intervention von Seiten Eltern – Lehrerschaft – Schule: z.B. Elterngespräch mit Schulpersonal *  Opfer wird gestärkt und begleitet; lernt sich wehren 6. Ausschluss – Krankheit: *  Externe Fachpersonen beiziehen; Psychotherapie; Schulwechsel Fazit Präventive Massnahmen einsetzen (Berger/
Steiner 2013): 1.  Fördern einer konstruktiven Feedbackkultur, Sensibilisierung und Soziales Lernen in Bildungsinstitutionen. 2.  Frühzeitige Auilärung über Gesetze und Umgang mit Neuen Medien. 3.  Coaching und Beratung/Therapie von Betroffenen und Täterschaft. 4.  Informationsmaterial auf Internet; Präventionsprogramme wie z.B. «Medienhelden» (Schultze-­‐Krumbholz et al.) empfehlenswert Literatur *  Alsaker, F. (2013). Vortrag im Rahmen des *  Berger, R.P./Steiner, O. (2013). Beratung bei Cyberbullying. In: Pauls, H./Stockmann, P./Reicherts, M. (Hg.). Beratungskompetenzen für die psychosoziale Fallarbeit. Ein sozialtherapeutisches Profil (S. 261-­‐276). Lambertus-­‐Verlag. *  Dambach, Karl (2011). Wenn Schüler im Internet mobben. Präventions-­‐ und Interventionsstrategien gegen Cyber-­‐Bullying. München: Reinhardt. *  Hinduja/Patchin (2012). *  Smith, P. K., Mahdavi, J., Carvalho, M., Fisher, S., Russell, S. & Tippett, N. (2008). Cyberbullying: its nature and impact in secondary school pupils. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 49, 4, 376–385. *  Steiner, Olivier (2011). Cyberbullying – Unsichtbare Gewaltvollzüge im Jugendalter. In: Suchtmagazin. 6/2011. *  Sticca/Perren (2013). *  Willemse, I./Waller, G./Süss, D./Genner, S./Huber, A.-­‐L. (2012). JAMES -­‐ Jugend, Aktivitäten, Medien -­‐ Erhebung Schweiz. Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Zürich. HERZLICHEN DANK FÜR IHRE AUFMERKSAMKEIT 
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