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Die Gretchenfrage: «Und wie hast dus mit der Stabübergabe?» - BSO

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Der Interviewpartner Stefan Geissbühler ist dipl. Sozialpädagoge und Sozialversicherungsfachmann. 1990 Gründung der «Unabhängige Vorsorgeberatung», einer
Beratungsstelle für alle Fragen rund um Vorsorge und Versicherung. Er berät Privatpersonen, Selbständigerwerbende und Arbeitgeber unabhängig und kompetent auf
Honorarbasis. Eine seiner Spezialitäten ist die Pensionsplanung.
E-Mail: unabhaengig@vorsorgen.ch
Die Gretchenfrage:
«Und wie hast du’s mit der
Stabübergabe?»
Harte Worte eines Vorsorgeberaters nach der
Zukunft von Beratern gefragt: Einige würden im
Alter zum Sozialfall werden. Vor allem wenn man
als Klein- und Kleinstunternehmer in der Selbständigkeit die Vorsorge nicht ordnen wollte.
«Wer jetzt nicht diszipliniert lebt, tut dies auf Kosten der Allgemeinheit, wenn er später dann Fürsorge bezieht».
Dezember 2004: Sein Büro in der Maulbeergasse in Bern
erreiche ich durch den Hallenbadeingang, Treppe rauf,
Berner Altbau. Es riecht kurz noch nach Chlor und Freizeit und verliert sich dann.
Ich habe die Adresse über den BSO-Verband erhalten. Eine Firmengründung ist schliesslich eine grosse
Sache, da will ich sicher sein, dass ich in keine rechtlichen «Fettnäpfli» trete oder mir sonst meine Zukunft
verbaue.
«Was werde ich dafür zahlen müssen? Finanzberatungen sind sehr teuer. Ich habe eine GmbH gegründet, weil dies die Buchhalterin so empfohlen hat. Was
verstehe ich schon von der Sache? Ich habe auch keine
Zeit, um mich gründlich einzulesen. Nun bin ich drauf
angewiesen, dass er ehrlich ist und mich nicht übers
Ohr zieht.» Mit diesen Gedanken betrete ich das einfache Büro. «Es gilt, ich breche alle Stützen mit Teilzeitjobs hinter mir ab, denn dann gibt es keine Ausreden
mehr, keine Halbherzigkeiten.»
kosten oder fast nichts – nämlich netto 300 Franken?
Er verrechne seine Kosten direkt mit den Ver­
sicherungen? Das glaube ich erst, wenn die Sache unter Dach und Fach ist. Er empfiehlt mir:
Haftpflichtversicherung für das Büro und allfällige
unversicherte Kursräume, denn wenn dort jemand stolpert und sich das Bein bricht, zahlt der Berater und
nicht der Hauswart, der vergessen hat, die Teppichfalten zu glätten oder das Kabel wegzuräumen.
Ich denke nach – zögere ein wenig.
Da gibt es nichts zu überlegen. Der Versicherungsschutz
von 140.–/Jahr inkl. Straf-Rechtsschutz ist wirklich «geschenkt».
Taggeldversicherung und Erwerbsunfähigkeit,
denn keiner kann eine allfällige Arbeitsunfähigkeit materiell alleine tragen. Die Taggeldversicherung deckt die
Periode von ungefähr zwei Jahren, die durchgestanden
werden muss, bis eine IV überhaupt zum Tragen kommt,
wenn etwas passiert.
Uuh – die sind doch so teuer. Aber, wenn ich wirklich
längere Zeit krank werde, dann ist das schlicht eine Katastrophe.
Meine Stabübergabe regeln?
Fortsetzung 2009 im selben Büro. Meine Frage an Stefan
Geissbühler: Sollten sich BSO-Berater/innen um eine Nachfolge-
Nun sitze ich also dem Berater gegenüber und lasse mir
erklären, worauf es ankommt. Er ist vorbereitet und
kann mir sehr schnell aufzeigen, was für mich in Frage
kommt, was nicht. Es geht mir fast zu schnell. Nur eine
Sitzung von 1 Stunde soll nötig sein? Und sie soll nichts
regelung kümmern?
Berater können ihre Unternehmen nicht verkaufen. Die
sind nichts wert auf dem Markt. Der Wert ist immateriell – liegt in der Persönlichkeit.
Dann ist das wichtige Thema bei der Selbständigkeit oder
Firmengründung die Vorsorge für das Alter?
Ein kleiner Blick hinter die Kulissen:
Der BSO hat momentan 1300 Einzel-Mitglieder und 130 haben das Angebot einer Haftpflichtversicherung über den Verband angenommen. 40 Personen haben eine Taggeldversicherung, 10 eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung und 25 Personen liessen sich umfassend zur Vorsorge über das BSO-Angebot von Stefan Geissbühler beraten.
Genau. Ich befürchte, dass einige Berater/innen und andere Einzelunternehmer/innen im Alter ein Fürsogefall
werden. Und da soll es dann der Staat richten, was man
als Klein- und Kleinstunternehmer in der Selbständigkeit nicht ordnen wollte. Wer jetzt nicht diszipliniert
lebt, tut dies auf Kosten der Allgemeinheit, wenn er später dann Fürsorge bezieht.
BSO – Journal 2 / 2009
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Das tönt aber richtig hart.
Ja, viele Berater sind etwas nachlässig, wenn es um die
eigene Zukunft geht. Sie träumen, es ginge dann schon
irgendwie. Aber beim Geld sind Wunder selten. Die un-
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versicherten Fälle kriege ich ja nur von Ferne mit, aber
das ist dann eine andere Härte als das Zurückstecken
jetzt.
Hart ist der Alltag mit der Fürsorge. Von 1500 Franken kann niemand so toll leben. Die Wohnung, die
dann noch bewilligt wird, lässt sich nicht mehr nach
Lage, Ruhe und Garten auswählen.
Wer gerne genug Geld im Alter hätte, der muss vor
50 mit dem Zurücklegen beginnen. Sonst ist es einfach
zu spät dafür.
Ja, was ich denn nun tun solle:
Sparen, egal wie. Es spielt letztlich keine Rolle, ob man
eine Lebensversicherung, eine 3. Säule oder in eine gute
Pensionskasse investiert. Egal, ob rollend oder mit grossen Einmal-Einlagen. Gespart muss werden. Wer es
nicht tut, handelt unverantwortlich. sich selbst und der
Gesellschaft gegenüber.
Aber Berater können doch länger tätig bleiben. Sie müssen
dann eben nach 65 noch Aufträge suchen und annehmen.
Das wird wohl die einzige Lösung sein. Angesichts der
demographischen Entwicklung könnte das sogar eine
sinnvolle Lösung sein. Das Pensionsalter müsste evtl.
eh auf 70 Jahre verlegt werden. Etwas anderes kann sich
unsere Gesellschaft kaum mehr leisten.
Der Beratermarkt ist schwierig einzuschätzen. Ich bin schon
oft angesprochen worden, um Berater anzustellen für Kooperationen. Ich bin da mittlerweile vorsichtig geworden und staune,
Nehmen dann die älteren Berater nicht den jungen die
wie grossspurig manch älterer Berater mit uralten Rezepten
Aufträge weg? Sollten sie nicht Platz machen?
auftritt und den Ruf der Beratergilde schädigt.
Ja und Nein. Wer nach 65 noch arbeitet, ist lockerer im
Umgang mit Aufträgen und Klienten. Das hat sicherlich auch qualitative Vorteile. Ob ein Berater seine «Praxis» übergeben kann, bezweifle ich. Aufträge und Anfragen kann man weiter geben und man kann gegenüber
Kunden Empfehlungen abgeben. Mehr liegt kaum
drin.
Im Beraterbereich gibt es viel Bluff. Ein guter Berater
muss jedoch beides können, überzeugend auftreten und
gute Arbeit machen. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn ältere Berater länger arbeiten möchten. Manche müssen länger arbeiten, weil eben zuwenig auf der
hohen Kante liegt. Sie müssen sich aber auch die Frage
stellen, ob sie genügend innovationsfähig sind und sich
auf dem Markt bis 70 halten können.
Könnten nicht Gemeinschaftspraxen eine Lösung sein?
Da bin ich skeptisch. Soweit ich Einblick habe, funktionieren bestehende Gemeinschaftspraxen nicht besonders gut. Berater müssen einander in der Andersartigkeit ertragen können. Bei Handwerkern ist das
sichtbarer, was anders gemacht wird.
Es gibt da meines Erachtens ein paar gut verheiratete Damen
als Beraterinnen, die finanziell versorgt sind.
Weiss denn jemand mit 45, ob die Ehe mit 73 noch besteht?
Gibt es noch einen Rat für BSO-Unternehmerinnen?
Bräuchte es dann ein einheitliches Konzept wie es
PWC und andere Beratungsfirmen kennen?
Vielleicht. Auch Berater müssen sich damit abfinden,
dass es jüngere Menschen anders angehen. Aber viele
Berater haben einfach Angst, sie könnten ihre Aufträge
verlieren, weil es die Jungen anders angehen. Und ich
glaube, dass wenig Berater wirklich lern- und teamfähig sind. Das wäre die Voraussetzung für ein gemeinsames Produkt.
BSO – Journal 2 / 2009
Frauen müssen daran denken, dass sie generell weniger
vom Vorsorgekuchen erhalten und sollten darum besonders darauf achten, wie ihr Alter aussieht.
Ganz herzlichen Dank für den anregenden Austausch!
Ich kann diese Beratung nur empfehlen!
Interview: Elisabeth Bachofen
Wer als selbst­
ständiger Berater
gerne genug Geld
im Alter hätte,
muss vor 50 mit
Sparen beginnen –
oder auf ein
Wunder hoffen.
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