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100-jährige Tellspiele so aktuell wie eh und je - Atelier Marti

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Interlaken: 100-jährige Tellspiele so aktuell wie eh und je - News Region: Thun & ...
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100-jährige Tellspiele so aktuell wie eh und je
Von Ueli Flück. Aktualisiert am 25.06.2012
Die Interlakner Tellspiele werden von einem Mann aus den eigenen Reihen –
Sven Allenbach – inszeniert. Und der stützt sich ausschliesslich auf den OriginalSchiller-Text. Die Ausgabe 2012 erlebte am Samstag eine glänzende Premiere.
7/9Bunt gemischt 2 (v.l.): Ex-Fussballstar Lars Lunde, Regisseur Sven Allenbach, Leo
Brücker, Präsident Tellspiele Altdorf, Peter Wenger, Präsident Tellspielverein, Dirk
Einbeck, Architekt.
Bild: Herbert Seiler
«Tellspiele gut gerüstet»
Die Tellspiele leben – und sind für die Zukunft
gerüstet. Da waren sich die rund 450 Gäste an
der 100-Jahr-Feier des Vereins einig. Rund 450
Leute nahmen am Samstag an den Führungen
durchs Tellspiel-Areal und am anschliessenden
Festakt in der Curlinghalle Matten teil. Peter
Wenger, Präsident des Tellspiel-Vereins und
Friedrich Schillers Schauspiel «Wilhelm Tell», seine
volkstümlichste Bühnendichtung und Krönung
seines Lebenswerks, hat seit seiner Uraufführung am
17.März 1804 im Weimarer Hoftheater nichts von
seiner Aktualität verloren. Der Kampf der Schweizer
gegen fremde Vögte ist längst zum Gleichnis für den
Freiheitskampf eines unterdrückten Volkes
geworden.
Moderator des Abends, rollte die letzten 100
Jahre nochmals auf. So ein grosser Anlass mit
Einer aus den eigenen Reihen
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05.12.2012
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derart vielen Mitwirkenden aus den eigenen
Reihen vor und hinter der Kulisse – «das gibt es
nirgends sonst in der Schweiz – und wohl auch
nicht in Europa», meinte Wenger mit Stolz und
einem Schmunzeln.
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Der Tellspiel-Verein ging (bewusst) ein Risiko ein,
als er mit dem in Ringgenberg aufgewachsenen und
in Wilderswil wohnenden Sven Allenbach einen aus
den eigenen Reihen zum Regisseur seiner
30'000 Besucher pro Jahr
Jubiläumsaufführungen wählte. Aber es sei
vorweggenommen: Das Risiko hat sich gelohnt!
Ständerat Werner Luginbühl (BDP, Krattigen)
Allenbach ist der 19.Regisseur des erstmals 1912 am
Rugen in Matten aufgeführten «Wilhelm Tell». Und
beglückwünschte die Tellspiele Interlaken zum
Jubiläum und zum grossen Einsatz der
Beteiligten. Sie machen es jeden Sommer
möglich, um die 30'000 Besucher ins TellspielAreal zu locken. Luginbühl machte der grossen
Tellspiel-Familie Mut, ihr Engagement
er ist mit den Tellspielen eng verbunden. Er spielte
ein Jahr im Volk, dann während sieben Spielzeiten
den Melchtal und vier Jahre den Tell. Im
vergangenen Jahr war er Regieassistent bei Monika
Wild.
fortzusetzen und weiterhin so viele Leute aus
der ganzen Schweiz aufs Bödeli zu locken.
Er habe selber in ganz jungen Jahren in einer
kleinen Sprechrolle bei den Tellspielen
mitgewirkt, verriet Peter Aeschimann,
Gemeindepräsident von Matten.
Sven Allenbach kennt also das Tellspiel und die
Tellspielerinnen und Tellspieler, kennt ihre Stärken,
weiss wie die Laiendarsteller – und die Interlakner
Tellspiele kennen nur solche – zu fördern, zu packen
und zu begeistern sind.
Später sei diese Rolle dann aber abgeschafft
worden. «Ich hoffe, es gehe der Gemeinde nicht
Wort gehalten
auch so» Ein Stück mit so einem grossen
Aufwand 100 Jahre zu spielen, das sei eine
Leistung, lobte Aeschlimann den TellspielVerein. Eine Tradition weiterzugeben, bedinge
auch, sich den veränderten Gegebenheiten
anzupassen und gegen die Konkurrenz anderer
Anbieter bestehen zu können. «Da sind die
Tellspiele für die nächsten Jahre gut gerüstet»,
gab sich Aeschimann überzeugt.
Und wie findet Interlakens Tourismusdirektor
Stefan Otz das rote Erscheinungsbild der
Neubauten: «Das ist eine spannende
Verbindung zwischen Tradition und Moderne.»
Und es zeuge vom Selbstbewusstsein, das die
«Es soll eine traditionelle Inszenierung mit Substanz
und Qualität, viel schillerscher Sprache und der
Musik von Rossini werden», versprach Allenbach an
der Hauptversammlung des Tellspiel-Vereins. Und
er hat Wort gehalten: Was das Premierenpublikum
am Samstagabend zu sehen und hören bekam, war
eine traditionelle Inszenierung, eine mit Substanz
und Qualität, abgestützt auf den schillerschen
Originaltext. Und mit den Interlakner Spezialitäten:
Alpabzug mit Kühen, Muni und Geissen und den
verwegen durchs Spielgelände preschenden
Gesslerreitern, dem Volk.
Tellspiele ausstrahlen.
Der alte Tell
Kurz vor der Pause erlitt ein älterer
Theaterbesucher eine Herzschwäche. Die
Ambulanz war sofort vor Ort und fuhr bis an die
Bühne. Weil der Besucherstrom umgeleitet
werden musste, verzögerte das den Beginn der
zweiten Spielhälfte um einige Minuten. Svend
Peternell
Nach bevor der Alpabzug, vom Publikum wie immer
mit Applaus begleitet, durchs Telldörfli zieht,
begegnen sich Gessler und Tell – «Ich bin’s Herr
Landvogt» – auf dem Felsensteig im Schä-chental.
Vor dem Tellhaus erinnert sich der «alte» Tell an die
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Leute an der Premiere
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Ereignisse, die sein Leben in den Grundfesten
erschüttert und verändert haben.
Wenn das Tellspiel 100 Jahre feiert, dann sind
auch Gäste dabei. Einen unmittelbaren Zugang
Der Regisseur Sven Allenbach setzt den «alten» Tell
zu Tell hat Grossrat Enea Martinelli: Er spielte
wohldosiert als Erzählfigur ein, welche durch das
Stück führt. Er setzt auch die Musik dezent, aber
als Kind den kleinen Willi Tell. «Mutter, ich
bleibe bei dir», sagt dieser, wenn Vater Tell und
Bruder Walter nach Altdorf aufbrechen.
Regisseur Sven Allenbach hat diesen Satz, im
effizient ein: Gioachino Rossinis Oper «Wilhelm
Tell». Eines fällt auf: Waren die Inszenierungen der
beim Publikum jeweils einen kollektiven Oh-
vergangenen Jahre jeweils sehr schnell gespielt, setzt
Allenbach bewusst sogenannte «Blacks», gibt dem
Publikum Zeit zum Nachdenken und zum
Effekt aus.
Applaudieren.
Gegensatz zu seiner Vorgängerin Monika Wild,
in die Neuinszenierung aufgenommen. Er löst
«Die Aufführung ist sehr emotional», fand
Nationalrätin Ursula Haller. Die Tellspiele
Die Parricida-Szene
zeigten den wichtigen Stellenwert von Tradition
und Kultur und würden ein eindrückliches
Erlebnis bieten, das so vielfältig sei, dass es
nicht in allen Facetten erfasst werden könne.
Grossrat Geri Fischer fand, dass mit der neuen
Inszenierung die Handlung des Theaterstücks
besser zum Tragen komme – eine
Einschätzung, die auch Peter Aeschimann,
Gemeindepräsident von Matten, mit ihm teilte.
Viel Lob gabs auch von Leo Brücker, Präsident
Tellspiel-Gesellschaft Altdorf: «Die Tellspiele
Interlaken bieten wunderbare Bilder und eine
grossartige Atmosphäre.» Fussballlegende Lars
Lunde freute sich über die Leistung seines
Freundes Sven Allenbach. Anne-Marie
Günter
Für Regisseur Sven Allenbach war von allem Anfang
an klar: «Die selten gespielte und in der
Literaturkritik umstrittene Parricida-Szene wird
gespielt.» Der flüchtige Kaisermörder Johannes
Parricida erscheint in Tells Haus und bittet um Hilfe.
Wie auch Tell habe er sich an seinem Feind gerächt.
Tell weist diese Argumentation zurück. In seinen
Augen ist Parricida ein Mörder, sein Tyrannenmord
gerechtfertigt, wo der Despot in seiner Willkür doch
Unmenschliches gefordert habe. Schliesslich hilft er
ihm aber doch, weist ihm den Weg gegen Süden und
rät ihm, beim Papst um Absolution zu bitten. Eine
eindrückliche Szene.
Begeistertes Publikum
Sven Allenbach und sein Assistent Lukas Zumstein (Brienzwiler), die 150 Spielerinnen und
Spieler, die Spezialisten von Ton, Technik und Licht sowie die vielen Helfer hinter den Kulissen
dürfen sich über eine gelungene Premiere freuen. Das Publikum zeigte sich begeistert und
honorierte die sowohl besinnliche wie dramatische Aufführung mit lang anhaltendem Applaus.
Die Tellspiele Interlaken sind glänzend ins zweite Jahrhundert gestartet.
Spieldaten: jeweils Donnerstag und Samstag (sowie Sonntag, 12.August, 14.30 Uhr, und
Freitag, 7. September), jeweils um 20 Uhr. Tickets: www.tellspiele.ch; Telefon 033
822'37'22; Mail: info@tellspiele.ch (Berner Oberländer)
Erstellt: 25.06.2012, 07:27 Uhr
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Die Interlakner Tellspiele werden von einem Mann aus den eigenen Reihen – Sven Allenbach –
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3/9Die Parricida-Szene. Tell unterhält sich mit seiner Familie. Der flüchtige Kaisermörder
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Johannes Parricida (links) bittet um Hilfe.
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