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Materielmappe Schwarz wie Tinte - Theater Lüneburg

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Schwarz wie Tinte
Schauspiel von Ruth De Gooijer
Materialien
7.Februar 2014
Liebe Lehrerinnen und Lehrer,
liebe Pädagogen, liebe Pädagoginnen,
liebe Leserinnen und Leser!
Wir möchten Sie herzlich zu unserer Inszenierung des Schauspiels „Schwarz wie Tinte“ von
Ruth De Gooijer einladen, und Ihren Besuch mit Materialien zur Vor- und Nachbereitung
bereichern.
Diese actionreiche und rasante Version von „Schneewittchen“ ist erst für Kinder ab 8 Jahren
geeignet.
Anbei finden Sie, neben Informationen über die Handlung, das Märchen, die Autorin und den
Regisseur, theaterpädagogische Übungen und ein paar Fragen für die Schulstunde nach
dem Theaterbesuch.
Da in „Schwarz wie Tinte“ immer wieder die Frage gestellt wird, ob die Königin nicht vielleicht
doch die leibliche Mutter ist, und ob alle Mütter ihre Kinder lieben, gibt es bei den Materialien
nicht nur Artikel über Stiefmütter, sondern auch einige über Mutter-Kind-Beziehungen und
Postpartale Stimmungskrisen.
In Gooijers Stück wird das junge Schneewittchen vom Schönheitsideal der Mutter
angesteckt, wodurch der Schönheitswahn bei Jugendlichen zum Thema wird. Und auch die
mediale Jugendkultur spielt eine Rolle, das sechsjährige Schneewittchen postet schon bei
Facebook.
Innerhalb des Landkreises Lüneburg bieten wir Ihnen gerne eine Einführung in der Schule
an. Bei Interesse kontaktieren Sie bitte Sabine.Bahnsen@theater-lueneburg.de .
Mit freundlichen Grüßen
Heidrun Kugel
Inhaltsverzeichnis:
Seite
Zur Inszenierung
3
Zum Inhalt
4
Zur Autorin
5
Zum Regisseur
6
Zum Märchen „Schneewittchen“
7
Zu Verfilmungen
12
Zu Stiefeltern
14
Zu Patchworkfamilien
16
Zu Mütter-Töchter-Beziehungen
20
Zu Postpartaler Stimmungskrisen
25
Zu Narzissmus
29
Zum Schönheitswahn bei Jugendlichen
32
Zu Internet- und Handynutzung von Jugendlichen
38
Fragen zur Nachbereitung
42
Theaterpädagogische Übungen
43
Quellen
45
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SCHWARZ WIE TINTE
Von Ruth de Gooijer / Nach dem Buch von Wim Hofman / Aus dem
Niederländischen von Rob Vriens und Susanne Freiling
Schauspielerin 1……….…… Olga Prokot
Schauspielerin 2…………… Ulrike Gronow
Inszenierung
Johan Heß
Ausstattung
Erwin Bode
Dramaturgische Unterstützung
Sabine Bahnsen
Assistenz/Abendspielleitung Laura Benetschik
Technische Leitung
Licht/Ton/Technik
Maske
Gewandmeisterin
Gewandmeister
Requisite
Tischlerei (Vorstand)
Malersaal
Ludger Niemeyer
Richard Busse
Britta Bannemann/Olga Sperling
Frauke Ollmann, Helena Wachauf
Kay Horsinka
Rolf Seichter, Heidi Böhm
Walter Zimmermann
Tamiko Unger, Gerhard Janz
Premiere: 07.02.2014 Junge Bühne/T.3
Spieldauer: ca. 75 Minuten
Hajo Fouquet
Intendant
Foto: Andreas Tamme
-3-
Schwarz wie Tinte
Zwei Schauspielerinnen erzählen und spielen das Märchen von Schneewittchen. Die ganze,
altbekannte Geschichte – und doch völlig anders. Von einer Frau, die sich nach einem Kind
sehnt. Vom Spiegel, der nicht lügen kann, und davon, was das für die Betrachterin bedeutet.
Von einer Mutter, die ihr Kind umbringen will – mit einem Gürtel, einem Kamm, einem Apfel.
Aber die beiden Schauspielerinnen erzählen auch von ihrem eigenen Leben heute und
verknüpfen dabei die gespielte Geschichte mit ihrem eigenen Erleben. Sie stellen die Frage,
ob es wirklich sein kann, dass eine Mutter ihrer Tochter nach dem Leben trachtet. Und
stellen fest: «Jede Mutter ist manchmal eine Hexe!» Sie wechseln die Rollen wie ihr Hemd,
verteilen sie neu. Die Frage nach Gut und Böse wird neu gestellt, das alte Märchen wird zum
Thriller und zum Fantasyfilm: Schneewittchen reloaded.
Ein altes Märchen, das zu einer neuen, jungen Geschichte wird, voll Spannung und Dramatik
und mit überraschenden Ergebnissen.
Foto: Andreas Tamme
-4-
Ruth de Gooijer
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Ruth de Gooijer (* 7. Februar 1953 in Utrecht/Niederlande; † 12. Februar 2008 in
Zeist/Niederlande) war eine niederländische Regisseurin, Dramaturgin und Theaterautorin.
Sie führte Regie bei zahlreichen Stücken, darunter mehrere Uraufführungen, so etwa bei
Heleen Verburgs Drama „Winterslaap“ (dt. Winterschlaf), das de Gooijer 1988 in Amsterdam
mit der Theatergruppe "Mevrouw Smit" inszenierte. Zudem war sie als Dramaturgin tätig,
etwa für das Stück „Zabibi und Muzalifa“ von Bente Jonker (2003). Als Regisseurin und
Dramaturgin arbeitete sie häufig mit Ad de Bont zusammen, beispielsweise bei der
Inszenierung von „Colofon“ von Barry Hofstede oder „Van de wind, de modder en een
kloppend hart“ (dt. „Vom Wind, vom Schlamm und einem schlagenden Herzen“), welches sie
gemeinsam mit Ad de Bont und Lies van de Wiel verfasste und auch Regie führte.
Im deutschen Sprachraum wurde sie durch ihr Stück „Schwarz wie Tinte“ bekannt, das von
Rob Vriens am Theaterhaus Frankfurt inszeniert wurde. Dieses Stück ist die Bearbeitung
eines Buches von Wim Hofmann „Schwarz wie Tinte - die Geschichte von Schneewittchen
und den 7 Zwergen“, eine Aktualisierung des gleichnamigen Märchens. Die
deutschsprachige Erstaufführung fand am 22. Februar 2007 im Theaterhaus Frankfurt statt.
Die Inszenierung gewann den Marburger Kinder- und Jugendtheaterpreis 2008[1] und wurde
für das Jahr 2009 zum 10. Deutschen Kinder- und Jugendtheater-Treffen „Augenblick mal!
2009“ in Berlin eingeladen
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ruth_de_Gooijer
Foto: Andreas Tamme
-5-
Johan Heß
Johan Heß studierte Germanistik, Theaterwissenschaft und Informatik. Er arbeitete von 1999
bis 2005 in der freien Szene in Leipzig und begründete dort die Theatergruppe
theaterbaustelle, in der er als Regisseur und Autor tätig war. Sein Stück Rosa, wie ein
bißchen rot wurde 2004 zum Stückemarkt der Berliner Festspiele eingeladen. Es folgte ein
Engagement als Regieassistenz am Staatstheater Nürnberg. Dort erarbeitete er 2006 unter
anderem eine eigene Produktion unter dem Titel Wir sind Weltmeister! (Ich wäre gern ein
Fußballfan). Von 2007 bis 2010 war Johan Heß am Schauspielhaus Hamburg tätig, ebenfalls
als Regieassistent. Neben dieser Arbeit inszenierte er dort 2009 unter anderem die
Koproduktion Kommander Börte und das Geheimnis um die verlassene Mondstation mit der
NDR-Bigband auf der großen Bühne und in Koproduktion mit den Ruhrfestspielen
Recklinghausen eine Fassung von Kleists Käthchen von Heilbronn.
Weitere Engagements als Regisseur führen ihn an die Theater Rudolstadt und Senftenberg,
an das Theater an der Rott sowie zu den Kreuzgangspielen Feuchtwangen. Außerdem
unterrichtete er an der Freien Schauspielschule Hamburg. 2010 erhielt Johan Heß für sein
Theaterstück Die Straße den Förderpreis für junge Dramatiker des Heidelberger
Stückemarktes.
Mit der T.3-Produktion Zigeuner-Boxer stellte sich Johan Heß in der Spielzeit 2012/2013
dem Lüneburger Publikum erstmals als Regisseur vor.
In der Spielzeit 2013/2014 inszeniert er
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SCHWARZ WIE TINTE
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Schneewittchen
Die Inhaltsangabe folgt der Ausgabe letzter Hand der Brüder Grimm von 1857 (siebte
Auflage der Kinder- und Hausmärchen).[1]
Die böse Königin beneidet das schöne Schneewittchen
Die Königin vor dem sprechenden Spiegel: »Spieglein, Spieglein an der Wand, / Wer ist die
Schönste im ganzen Land?«[2]
Illustration, wahrscheinlich von Theodor Hosemann (1852)
An einem Wintertag sitzt eine Königin am Fenster, das einen schwarzen Rahmen aus
Ebenholz hat, und näht. Versehentlich sticht sie sich mit der Nähnadel in den Finger. Als sie
drei Blutstropfen in den Schnee fallen sieht, denkt sie: „Hätt’ ich ein Kind, so weiß wie
Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen!“[3] Ihr Wunsch erfüllt
sich, und sie bekommt eine Tochter, die Schneewittchen genannt wird, weil sie helle Haut,
rote Wangen und schwarze Haare hat.[4]
Nach der Geburt stirbt die Königin, und der König nimmt sich eine neue Gemahlin. Diese ist
sehr schön, aber eitel und böse. Sie kann es nicht ertragen, an Schönheit übertroffen zu
werden. Als Schneewittchen sieben Jahre alt ist, nennt ihr sprechender und allwissender
Spiegel Schneewittchen und nicht sie die Schönste im ganzen Land. Von Neid geplagt
beauftragt sie einen Jäger, ihre Stieftochter im Wald umzubringen und ihr zum Beweis deren
Lunge und Leber zu bringen. Doch der Mann lässt das flehende Mädchen laufen und bringt
der Königin Lunge und Leber eines Frischlings, die diese im Glauben, es seien
Schneewittchens, kochen lässt und verspeist.
Schneewittchen und die sieben Zwerge
Schneewittchen flüchtet durch den Wald. Es kommt zu einem Häuschen, in dem ein Tisch
für sieben Personen gedeckt ist, und nimmt sich von jedem Platz ein wenig zu essen und zu
trinken. Dann probiert es die Betten aus, bis es ein passendes gefunden hat, und schläft
ein.[5] Als es dunkel ist, kommen die Hausbewohner, sieben Zwerge, die in den Bergen nach
Erz gegraben haben, heim. Sie bemerken erstaunt, dass jemand ihre Sachen angerührt hat.
Im Bett des siebten Zwerges finden sie das schlafende Kind und sind hingerissen von
dessen Schönheit. Am nächsten Morgen erklärt Schneewittchen ihnen seine Lage, und es
darf im Haus wohnen bleiben, wenn es die Hausarbeiten verrichtet. Schneewittchen willigt
ein und ist nun tagsüber immer alleine, weswegen die Zwerge das Mädchen vor der
Stiefmutter warnen und es ermahnen, niemanden hereinzulassen.
-7-
Die Königin vergiftet Schneewittchen
Schneewittchen isst vom vergifteten Apfel. Briefmarke der Deutschen Bundespost (1962)
Währenddessen befragt die böse Königin ihren Spiegel ein weiteres Mal nach der schönsten
Frau im Königreich. Er verrät ihr, dass Schneewittchen noch am Leben ist und sich hinter
den sieben Bergen im Haus der sieben Zwerge versteckt.
Dreimal verkleidet sich nun die Königin als Händlerin und bietet dem Mädchen unerkannt
Waren an, mittels derer sie ihm das Leben nehmen will: Einen Schnürriemen zurrt sie so
eng, dass Schneewittchen zu ersticken droht, einen Haarkamm und schließlich die rote
Hälfte eines Apfels präpariert sie mit Gift. Jedes Mal lässt sich Schneewittchen täuschen und
von den schönen Dingen betören, so dass es sie annimmt und wie tot hinfällt. Die ersten
beiden Male können die Zwerge Schneewittchen ins Leben zurückholen, indem sie Riemen
und Kamm entfernen. Beim dritten Mal finden sie die Ursache nicht und halten das Mädchen
für tot.
Weil es so schön ist, legen sie es in einen gläsernen, mit Schneewittchens Namen und Titel
beschrifteten Sarg, in dem es aussieht, als schliefe es nur. Sie stellen den Sarg auf einen
Berg, wo auch die Tiere des Waldes das Mädchen betrauern und es immer einer der Zwerge
bewacht. Die böse Königin erhält von ihrem Spiegel die Auskunft, dass nun sie die Schönste
sei.
Schneewittchens Erlösung und der Tod der Königin
Schneewittchen liegt sehr lange Zeit in dem Sarg und bleibt schön wie eh und je. Eines
Tages reitet ein Königssohn vorüber und verliebt sich in die scheinbar tote Prinzessin. Er
bittet die Zwerge, ihm den Sarg mit der schönen Königstochter zu überlassen, da er nicht
mehr ohne ihren Anblick leben könne. Aus Mitleid geben die Zwerge ihm schweren Herzens
Schneewittchen, doch als der Sarg auf sein Schloss getragen wird, stolpert einer der Diener,
und der Sarg fällt zu Boden. Durch den Aufprall rutscht das giftige Apfelstück aus
Schneewittchens Hals. Sie erwacht, und der Prinz und Schneewittchen halten Hochzeit, zu
der auch die böse Königin eingeladen wird. Voller Neugier, wer denn die junge Königin sei,
von deren Schönheit ihr der Spiegel berichtet hat, erscheint sie, erkennt Schneewittchen und
muss zur Strafe für ihre Taten in rotglühenden Eisenpantoffeln solange tanzen, bis sie tot
zusammenbricht.
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Motive und Deutungshorizonte
Schneewittchen ist eine Kulturikone. In dem Märchen fokussieren sich Gehalte
verschiedenster Erkenntnisse und Wahrnehmungen. So gibt es in Schneewittchen Aspekte
der Psychologie, der Soziologie, der Geschichte, der christlichen Theologie, der griechischen
Mythologie, der Kosmologie und der Symbolik. In dieser Verdichtung kultureller
Zugangsformen ist Schneewittchen Inspirationsquelle für Malerei, Musik, Skulptur, Film,
Literatur und Popkultur.
Zentrale Symbole und Motive von Schneewittchen sind der vergiftete Apfel, die Zahl Sieben,
der Spiegel, Gürtel und Kamm, die kontrastierenden Farben Schwarz, Rot und Weiß, das
Blut und der Winter.
Das Motiv des todesähnlichen Schlafes findet sich auch im Grimmschen Dornröschen.
Sieben
Die magische Märchenzahl Sieben, die in Schneewittchen den Zwergen und den Bergen
zugeordnet ist, verbindet dieses Märchen auch mit weiteren Märchen der Gebrüder Grimm:
Die sieben Raben und Der Wolf und die sieben jungen Geißlein. Die Überlegung, dass die
Siebenzahl der Zwerge auf eine Zeitordnung hindeutet, wurde z. B. in der Benennung der
Zwerge mit Wochentagsnamen filmisch[6] und theoretisch[7] dargestellt. Dieser
zeitmetaphorischen Bedeutung der Zahl Sieben folgend werden sieben Zwerge und sieben
Berge zu etwas Raum- und Zeitübergreifendem. Dieses weiterführend könnten die sieben
Begleiter Schneewittchens aber auch ein bildlicher Hinweis auf die Vorstellungen antiker
Sternenkunde sein: Der Mond in Begleitung der (damals bekannten) Sonne, Erde und fünf
Planeten auf der Ekliptik. Die Metaphorik der sieben Zwerge kann darüber hinaus auf die
antike Vorstellung der Koinzidenz von Sternordnung und Zeitordung hinweisen, also der
Koinzidenz der sieben Himmelskörper und der sieben Wochentage:[8]Schneewittchen und die
sieben Zwerge würden damit zu einem verschlüsselten Bild für die Erde, die von den sieben
wochentagnamensgebenden Himmelskörpern Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus
und Saturn begleitet wird.[9]
Blutstropfen
Blutstropfen im Schnee neben einem Rahmen aus Ebenholz sind in dem Märchen das
Ausgangsbild für die besondere Schönheit Schneewittchens. Die Dreizahl der Tropfen wurde
von den Gebrüdern Grimm als eine Variante unter anderen gewählt. Das Bild der drei
Blutstropfen auf weißem Untergrund verbindet Schneewittchen mit dem Grimm-Märchen Die
Gänsemagd: Hier sind drei Blutstropfen in einem Taschentuch neben dem Pferd Fallada das
einzige Unterpfand für Leben und Achtung der Prinzessin. In dem Grimm-Märchen Der
Liebste Roland haben drei Blutstropfen der feindlichen Hexentochter eine bannende und
rettende Wirkung. Die Dreizahl der Blutstropfen in Schneewittchen korrespondiert auch mit
den drei bedrohlichen Besuchen der Stiefmutter, bei denen sie in Form todbringender
Geschenke die drei Attribute der Venus überreicht.[10]
-9-
Stoff
Der Stoff des Märchens Schneewittchen und die sieben Zwerge ist geprägt von der
Plastizität, die sich aus einer langen multikulturellen, sowohl mündlichen als auch
schriftlichen Erzähltradition bilden kann.[11]
Als die Gebrüder Grimm im 19. Jahrhundert mit ihrer Märchensammlung eine Form für
Schneewittchen zu finden begannen, lagen in Buchform daneben zeitnah auch eine ähnliche
Fassung von Ludwig Bechstein und eine abweichende Fassung Johann Karl August
Musäus’ vor.
Genese der Grimmschen Fassung
Die Brüder Grimm haben sich mehrere Versionen des Märchens zusammengesucht und den
Wortlaut verbunden und dadurch teilweise auch verkürzt.[12] In der ersten Ausgabe von 1812
ist die Königin die leibliche Mutter. Schneewittchen erwacht, als ihr ein Diener des Prinzen
einen Schlag in den Rücken versetzt, aus Ärger, dass er das tote Mädchen den ganzen Tag
herumtragen muss. Darüber hinaus bestehen viele kleinere Unterschiede wie die
ausdrücklich erwähnten roten Backen des Mädchens oder das gemeinsame Mahl mit dem
Prinzen.
In zwei nicht veröffentlichten Versionen lässt die Königin das Kind auf einer Kutschfahrt im
Wald aussteigen, um sich Rosen pflücken zu lassen oder ihren Handschuh aufzuheben, und
fährt dann weg (ähnlich wie in Hänsel und Gretel). In der einen Version ist es der Vater, der
sich das Mägdlein wünscht, als sie an drei Schneehaufen, drei Gruben voll Blut und drei
Raben vorbeifahren.[13] Als Herkunft der Grimmschen Fassungen werden Marie Hassenpflug,
ferner Einflüsse von Ferdinand Siebert und Albert Ludewig Grimm (in Des Knaben
Wunderhorn, 1809) vermutet. Die Initiation des Schneewittchen-Märchens durch die
Blutstropfen der echten Mutter entspricht dem norddeutschen Märchen Vom
Machandelbaum nach dem Maler Philipp Otto Runge.
Variationen
Eine andere literarische Variante des Stoffes vor Grimms Fassung war Richilde[14] von
Johann Karl August Musäus (1782). Ludwig Bechstein nahm 1845 eine inhaltlich nur leicht
von der Grimmschen Geschichte abweichende Version als Schneeweißchen in sein
Deutsches Märchenbuch auf.
Mündliche Überlieferungen sind schon früh in fast allen Völkern Europas nachweisbar. Die
„sieben Zwerge“ gehören zu einer hessischen Variante. Es waren oft sieben Räuber, aber
auch Drachen oder Riesen. Besonders verbreitet war das Märchen in Italien; dort fallen die
Blutstropfen etwa auf Marmor oder Käse.[15]
Das Motiv, den Mord am eigenen Kind in der Wildnis in Auftrag zu geben und zum Beweis
Organe zu verlangen, woraufhin der angeheuerte Mörder stattdessen Tiere tötet, taucht auch
in Tausendundeine Nacht (224. Nacht) auf.
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Dichterisch und motivisch sind einige Erzählvarianten von Schneewittchen bemerkenswert:
das griechische Märchen Myrsina in der Sammlung von Georgios A. Megas,[16] das
italienische Märchen Bella Venezia,[17] herausgegeben von Italo Calvino, das schottische
Märchen Gold-Baum und Silber-Baum,[18] erzählt von Joseph Jacobs, das armenische
Märchen Nourie Hadig, gesammelt von Susie Hoogasian-Villa,[19] das russische
Zaubermärchen Das Zauberspiegelchen aus der Sammlung von Alexander Afanassjew[20]
und das italienische Märchen Die Küchenmagd, zusammengestellt von Giambattista
Basile.[21] In eigentümlicher Ambivalenz zwischen Schneewittchenmotiven einerseits und
Märchenmotiven aus Die Sieben Raben und Andersens Kunstmärchen Die zwölf Schwäne
andererseits bewegt sich ein norwegisches Märchen:[22] Die zwölf wilden Enten in der
Märchensammlung von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe. Vgl. in Giambattista
Basiles Pentameron II,8 Die kleine Sklavin, IV,9 Der Rabe, V,9 Die drei Zitronen.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Schneewittchen
Foto: Andreas Tamme
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Filme (Auswahl)
Es gibt zahlreiche Verfilmungen von Schneewittchen, darunter Märchenfilme,
Zeichentrickfilme, teilweise aber auch Parodien:
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Snow White (Stummfilm, 1916, USA), Regie: James Searle Dawley[54]
1937 brachten die Walt Disney Studios mit Snow White and the Seven Dwarfs ihren
ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm heraus. Die deutsche Uraufführung von
Schneewittchen und die sieben Zwerge fand 1950 in Köln statt
Schneewittchen und die sieben Zwerge (1939, Deutschland), Regie: Carl Heinz Wolff
Schneewittchen (Fernsehproduktion der Augsburger Puppenkiste, s/w, 1955)
Das Märchen von der toten Prinzessin und den sieben Recken (1951, Sowjetunion),
Zeichentrickfilm von Iwan Iwanow-Wano nach der Puschkinschen SchneewittchenVersion
Schneewittchen und die sieben Zwerge (1955, Bundesrepublik Deutschland), Regie:
Erich Kobler[55]
Schneewittchen (1961, DDR), Regie: Gottfried Kolditz[56]
Snow White and The Three Stooges (1961, USA)[57]
Schneewittchen und die sieben Gaukler (1962, Bundesrepublik
Deutschland/Schweiz), Regie: Kurt Hoffmann[58]
Grimms Märchen von lüsternen Pärchen / Schneewittchen … doch ein Flittchen
(1969, Bundesrepublik Deutschland), Regie: Rolf Thiele[59]
Dornwittchen und Schneeröschen (1969, Bundesrepublik Deutschland), Regie: Erwin
Klein[60]
Pamuk Prenses ve 7 cüceler (1970, Türkei), Regie: Ertem Göreç mit Zeynep
Değirmencioğlu[61]
Schneewittchen (1971, Bundesrepublik Deutschland), Regie: Rudolf Jugert[62]
Von der schönen Zarentochter und den sieben Recken (1979, UdSSR), Regie:
Wladimir Gorikker mit Irina Alfjorowa – aus Puschkins Sicht des Märchens[63]
Schneewittchen und die sieben Zwerge (OT: Faerie Tale Theatre – Snow White and
the seven dwarfs),1984, USA unter der Regie von Peter Medak mit Elizabeth
McGovern als Schneewittchen
Gurimu Meisaku Gekijō, japanische Zeichentrickserie 1987, Folge 10-13:
Schneewittchen
Schneewittchen (1987, U.S.A./Israel), Regie: Michael Berz mit Diana Rigg als Böse
Königin, Sarah Patterson als Schneewittchen, Nicola Stapleton als kleines
Schneewittchenmädchen und Ian James Wright als Prinz[64]
Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge (1992, Deutschland/Slowakei),
Regie: Ludvik Raza[65]
1994 Schneewittchen (Shirayuki-hime no Densetsu) 52-teilige TV-Serie (1994–1995,
Japan)
1996 Schneewittchen (TV) unter der Regie von Andreas Geiger mit Anne Tismer als
Schneewittchen[66]
1997 erschien mit Schneewittchen (Snow White: A Tale Of Terror) von Michael Cohn
und mit Sigourney Weaver und Sam Neill eine Fantasy/Horror-Fassung des Stoffes,
an die Disney-Version angelehnt
Schneewittchen und die sieben Zwerge bzw. Белоснежка и семь гномов; Russland,
1998 nach Schneewittchen von den Brüdern Grimm und Das Zauberspiegelchen von
Alexander Nikolajewitsch Afanassjew mit Marina Aleksandrova als Schneewittchen[67]
SimsalaGrimm, deutsche Zeichentrickserie 1999, Staffel 2, Folge 8: Schneewittchen
und die sieben Zwerge
2001 folgte ein weiterer Schneewittchen Film mit dem Titel „Snow White“ unter der
Regie von Caroline Thompson mit Miranda Richardson und Kristin Kreuk in den
Hauptrollen
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7 Zwerge – Männer allein im Wald (2004, Deutschland), mit Otto Waalkes, Nina
Hagen als böse Stiefmutter und Cosma Shiva Hagen als Schneewittchen
7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug (2006, Deutschland), mit Otto Waalkes
Schneewittchen – 7 Zipfel und ein Horst, Komödie aus Die ProSieben
Märchenstunde (Deutschland/Österreich, ab 2006)
Schneewittchen (ARD-Spielfilm aus der Reihe Acht auf einen Streich, Deutschland
2009, 60 min, Regie: Thomas Freundner)
Schneewittchen (Bambini-Videokassette, 21 Minuten, Deutschland, 2010)
Once Upon a Time – Es war einmal… (2011) Eine US-amerikanische Serie rund um
Snow white (Schneewittchen) Und Prince Charming, in der alle bekannten
Märchencharaktere durch einen Fluch der bösen Königin aus Schneewittchen in
unserer Welt ohne Happy ends gefangen sind. Schneewittchens und Prince
Charmings Tochter und ihr Enkelsohn müssen sie befreien
Grimm’s Snow White (2012, USA)
Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen (Mirror
Mirror, 2012, USA)
Snow White and the Huntsman (2012, USA)
Diverse Schauspielerinnen gaben der Schneewittchenrolle im Laufe der Jahre filmische
Gestalt: Marguerite Clark (1916); Aimee Ehrlich (1916); Elsie Albert (1917); Elke Arendt
(1955); Doris Weikow (1961); Zeynep Değirmencioğlu (1970); Maresa Hörbiger (1971); Irina
Iwanowna Alfjorowa (1978); Elizabeth McGovern (1984); Sarah Patterson verbunden mit
Nicola Stapleton als Kind (1987); Natalie Minko (1992); Anne Tismer (1996); Monica Keena
verbunden mit Taryn Davis als Kind (1997); Marina Aleksandrova (1998); Kristin Kreuk
(2001); Cosma Shiva Hagen (2004); Laura Berlin (2009); Ginnifer Goodwin verbunden mit
Bailee Madison als Kind (2011-?); Lily Collins (2012, Spieglein Spieglein); Kristen Stewart
verbunden mit Raffey Cassidy als Kind (2012, Huntsman).
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Schneewittchen#Filme_.28Auswahl.29
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Stiefeltern
Plötzlich Stiefvater oder Stiefmutter zu sein ist eine große Aufgabe. Viele Zweitfamilien
zerbrechen an den Konflikten, die durch das komplexe Beziehungsgefüge in einer
Patchwork-Familie entstehen können. Zu einer großen Herausforderung wird für viele
Stiefmütter und -väter auch die Auseinandersetzung mit dem weit verbreiteten negativen
Image von Stiefeltern.
Die böse Stiefmutter
"Und wie das Kind geboren war, starb die Königin. Nach einem Jahr nahm sich der König
eine andere Gemahlin…" – so beginnt Schneewittchens Leidensweg. Die "böse Stiefmutter"
ist ein häufiges literarisches Motiv, nicht nur in alten Volksmärchen. Das macht es für viele
ganz reale Stiefmütter schwer, sich in ihrer neuen Rolle zurechtzufinden.
Weil der Mythos der bösen Stiefmutter so stark ist, stehen Stiefmütter unter einem besonders hohen
Erwartungsdruck. Oft haben sie das Gefühl beweisen zu müssen, dass die Redewendung von der
"stiefmütterlichen Behandlung" in ihrer Familie fehl am Platz ist. Sie bemühen sich im Umgang mit den
Stiefkindern besonders liebevoll, besonders aufmerksam und freundlich zu sein und laufen in eine
Falle: Bei den meisten Kindern führt ein zu rasches und intensives Bemühen um Zuneigung zu
Abwehr. Aus der "Supermutter" wird dann in manchen Fällen doch die böse Stiefmutter, die sie nie
sein wollte: Eine überforderte Frau, die lange vergeblich um die Anerkennung und Liebe der Kinder
gekämpft hat und sich schließlich innerlich vor ihnen verschließt.
Stiefväter haben es leichter
Familientherapeuten haben festgestellt, dass überbemühte Stiefmütter weit häufiger
vorkommen als überbemühte Stiefväter. In der wissenschaftlichen Literatur heißt es, dass es
Stiefvätern im Allgemeinen leichter fällt als Stiefmüttern, eine gute Beziehung zu den Kindern
zu entwickeln. Paradoxerweise liegt dies auch darin begründet, dass Stiefväter meist mit
weniger Eifer in ihre neue Rolle schlüpfen. Durch diese Zurückhaltung fühlen sich die Kinder
weniger bedrängt und es fällt ihnen leichter, den neuen Erwachsenen im Haus als Partner
des Elternteils zu akzeptieren.
Böse Stiefväter
Der böse Stiefvater ist kein häufiges Märchenmotiv, auch deshalb, weil Männer lange Zeit
keinen so engen Kontakt zu den Kindern ihrer Familie hatten wie Frauen. Dennoch ist die
Gesellschaft auch Stiefvätern gegenüber oft misstrauisch. Während bei Stiefmüttern die
Sorge vor Vernachlässigung der Kinder ausschlaggebend ist, steht bei Stiefvätern die Angst
vor körperlichem und seelischem Missbrauch der nicht-leiblichen Kinder im Mittelpunkt.
Tatsächlich haben Studien immer wieder festgestellt, dass das Missbrauchsrisiko in Familien
durch einen Stiefvater höher ist als durch einen leiblichen Vater. Das fehlende Inzesttabu,
das normalerweise in der Kleinkindphase verinnerlicht wird, wird hier oft als Grund
angegeben. Falls der Stiefvater deutlich jünger ist als die Mutter, besteht auch die Gefahr,
dass die Generationengrenze nicht genug Schutz bietet. Eine mögliche Erklärung könnte
jedoch auch sein, dass Missbrauch in Stieffamilien nicht öfter vorkommt, sondern nur öfter
gemeldet wird, da sich die missbrauchten Kinder dem Stiefvater gegenüber weniger zu
Verschwiegenheit verpflichtet fühlen.
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Das biologische Band
Elternverhalten ist stark an biologische Verwandtschaft gebunden. In eigene Kinder wird
deshalb mehr investiert als in Stiefkinder – so sehen es die Vertreter der evolutionären
Theorie. Die emotionale Bindung zu einem eigenen Kind ist tatsächlich eine andere: Weil die
gemeinsame Geschichte von Elternteil und Stiefkind nicht bei der Geburt, sondern erst
später beginnt, sind Grundvertrauen und auch die körperliche Nähe zueinander weniger
stark ausgeprägt als bei eigenen Kindern. Andererseits erleben Stieffamilien eine neue
Geschichte und schaffen sich ihre eigene Vergangenheit.
Manche wachsen so eng zusammen, dass spätere Erfahrungen die biologische Grundlage
der Beziehung überlagern. Blutsverwandtschaft ist also keine Grundvoraussetzung für den
liebevollen Umgang in einer Familie.
Christine Buth, Stand vom 23.08.2013
Quelle:http://www.planetwissen.de/alltag_gesundheit/familie/stieffamilien/portraet_stiefeltern.
jsp
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PATCHWORKFAMILIEN Wie wird man eine gute Stiefmutter?
Das Märchen von der bösen Stiefmutter: Kinder können von einer Patchwork-Familie
profitieren. Foto: Disney
Wenn Papa eine neue Frau hat, bedeutet es für Kinder oft eine enorme Umstellung.
Für die ungewohnte Situation gibt es Lösungen. Psychologin Katharina Grünewald
spricht mit Gesa Mayr über moderne Stiefmütter und Patchworkfamilien.
Köln.
Frau Grünewald, im Märchen verkörpern Stiefmütter oft das Böse. Wie ist es im wirklichen
Leben?
Katharina Grünewald Stiefmütter können sehr bereichernd sein! Sie haben zum Beispiel
nicht den verklärten Blick der Mutter und sehen andere Dinge. Die gemeine Stiefmutter im
Märchen von Aschenputtel hat ja auch irgendwie Recht, wenn sie sie nicht mit zum Ball
nimmt: Aschenputtel hatte nichts zum Anziehen. Märchen sind aufgeschrieben worden, weil
sie zentrale Lebensmuster in ein Bild bringen. Bei Hänsel und Gretel kann man auch das
Pragmatische der Stiefmutter verstehen.
Aber in dem Märchen schickt die Stiefmutter die Kinder in den Wald!
Grünewald In den alten Märchen ist nachträglich dazugeschrieben worden, dass die Mutter
eine Stiefmutter war. Aber die Mutter ist gleichzeitig auch immer Stiefmutter, die Mutterfigur
hat zwei Seiten. Die eine schickt die Kinder weg. Sonst ist keine Entwicklung möglich. Die
Hexe nimmt die Kinder erst fürsorglich auf und will sie dann fressen. Die Kinder haben fast
keine Chance zu entkommen. Das passiert oft, wenn Mütter Kinder zu sehr behüten und
kontrollieren. Beide Seiten für sich alleine sind grausam, das Leben spielt sich aber
dazwischen oder in einem Hin und Her ab.
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Chaotisch aber liebevoll: Die Patchwork-Familie aus der ARD-Serie "Türkisch für Anfänger"
Foto: dpa/dpaweb
Sie haben in Ihrer Kölner Praxis zwei Jahre lang eine Gruppe Stiefmütter betreut. Wie wird
man denn eine gute Stiefmutter?
Grünewald Indem man als erstes akzeptiert, dass es die gute Stiefmutter nicht gibt. Das ist
der Zahn, den ich den Frauen als erstes ziehe. Wer weiß denn schon, was richtig und was
falsch ist? Diese Schablonen werden einem oft von der Gesellschaft aufgedrückt, dabei
kommt es auf die Situation und den Menschen an.
Welche Stiefmütter kommen zu Ihnen?
Grünewald Es kommen Frauen, die merken, dass sie sich irgendwie in der Klemme
befinden. Oft ist es so, dass die Beziehung zum Partner sehr gut funktioniert. Doch wenn
Kinder dazukommen, wird es total verkrampft.
Warum?
Grünewald Viele Stiefmütter haben einen perfektionistischen Anspruch an sich selbst und
gehen offen und mit großer Freude an ihre neue Rolle heran. Trotzdem kippt die Beziehung
mit dem Stiefkind. Das liegt meist daran, dass Stiefmütter ein ideales Bild davon haben, wie
sie sich das Kind wünschen. Sie kochen das Lieblingsessen, machen tolle Ausflüge und
gestalten die Kinderzimmer. Dabei orientieren sie sich meistens nicht an der Realität des
Kindes, sondern an der Vorstellung, was sie sich als Kind von ihrer Mutter gewünscht hätten.
Und dann kommen ganz schräge Dinge raus.
Prominente Patchwork-Eltern: Boris Becker und Stiefmutter Lily.
Foto: Getty Images
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Weil man das Lieblingsessen falsch zubereitet, wird man also zur bösen Stiefmutter?
Grünewald Häufig ist es so, dass das Kind das Essen ablehnt und die Stiefmutter das
persönlich nimmt. Sie denkt: "Das Kind will mich zur Weißglut treiben" und geht auch zum
Angriff über. Irgendwann kommt sie mit dem Partner in Konflikt, weil sie sich über das Kind
beschwert und er es in Schutz nimmt. Die Stiefmütter entdecken dann diese neuen,
wütenden Seiten an sich und verzweifeln, weil sie dem Kind gegenüber Abneigung
empfinden.
Wie kann man das umgehen?
Grünewald Die Falle ist, dass die Stiefmutter denkt, sie müsse einem bestimmten Bild
entsprechen. Ich empfehle, sich diese Rollenkorsetts bewusst zu machen und sich davon zu
lösen. Meine Beratung basiert darauf, dass im Alltag Bilder Regie führen. Wir haben Bilder
vom Muttersein, sei es durch die Gesellschaft oder unserer eigenen Mütter, die uns selbst
Mutter sein lassen.
Man agiert so lange danach, bis man merkt, dass das Kind das gar nicht will. Dann muss
man in seinem Bild etwas umbauen und überlegen: Wo finde ich einen Zugang zum Kind
und was möchte ich selbst? Wenn ich es hasse, ins Phantasialand zu gehen, dann muss ich
das dem Kind nicht anbieten. Auch ein Kind muss schließlich mit den Vorstellungen der
anderen Person leben.
Darf man denn als Stiefmutter überhaupt Regeln setzen und in die Erziehung eingreifen?
Grünewald Eine Erziehungsberechtigung muss man sich erst verdienen. Und die verdient
man sich, indem man authentisch Interesse am Kind zeigt. Kinder akzeptieren Regeln von
Menschen, die sie wertschätzen, die sie ernst nehmen und bei denen sie merken, dass sie
wohlwollend sind. Wenn sie denken, die Stiefmutter würde ihnen etwas wegnehmen, werden
sie misstrauisch. Dann kommt der Satz: Du hast mir gar nichts zu sagen.
Ein anderer Satz ist: Bei meiner Mama darf ich aber. . .
Grünewald Kinder haben kein Problem, zwischen den unterschiedlichen Regeln in den
Familien zu switchen. Die Regeln müssen nur klar sein. Wenn sie bei Mama eine Stunde
fernsehen dürfen und bei Papa nur eine halbe, dann verstehen sie das. Man hat eben diese
Eltern und Kinder nehmen das auch an.
Sind Stieffamilien ein neues Phänomen?
Grünewald Nein, früher war die klassische Stieffamiliensituation, dass jemand gestorben ist.
Obwohl es sie schon so lange gibt, sind Stieffamilien dennoch sozusagen das Stiefkind der
Familienforschung. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Österreich, ist man da schon viel
weiter. Bei uns ist es heute so, dass viele Menschen, die in verschiedenen Städten wohnen,
sich über das Internet kennenlernen. Die Elternteile ziehen mit ihren Kinder manchmal schon
sehr schnell zusammen. Dadurch gibt es heute mehr Patchworkfamilien.
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Das Wort klingt viel besser als Stieffamilie.
Grünewald Patchwork ist lebensfroh, mittlerweile en vogue, bunt, lebendig. Dieses Bild wird
dem Begriff von Vorzeige-Patchworkfamilien wie den Schweigers und Beckers in der
Öffentlichkeit angelastet. Oder in der ARD-Serie "Türkisch für Anfänger" hat das Chaotische
eine sehr liebevolle Konnotation. Doch die Arbeit - das "work", das in Patchwork steckt - wird
nie gezeigt. Auch nicht in der Literatur. Das finde ich bedenklich. Ich habe mein Angebot
bewusst "Stiefmüttergruppe" genannt. Viele Frauen hat das gestört, das klänge zu negativ.
Sie wollten nicht wahrhaben, dass das Schwierige auch dazu gehört. Aber die
Voraussetzung für eine Patchworkfamilie ist Lust auf Auseinandersetzung.
Was sollte denn die Popkultur mal thematisieren?
Grünewald Da ist nicht nur die Popkultur gefragt. Ich sehe es auch als Aufgabe der
Regierung an, diese Kinder aufzufangen - am besten schon direkt in der Schule. Oft ist es
gerade dort noch ein Tabu zu sagen: Ich bin traurig, weil ich meinen Papa nur selten sehe.
Und was muss sich in der Familie verändern?
Grünewald Für Kinder ist es schon ein schwerer Prozess zu akzeptieren, dass jetzt ein
neuer Mensch in der Familie ist, der eventuell sogar Aufgaben oder Privilegien übernimmt,
die es vorher vielleicht selbst hatte. Deswegen ist Struktur in einer Patchworkfamilie enorm
wichtig. Auch das Paar braucht Zeit für sich, schließlich basiert die ganze Familie auf diesem
Paar. Je selbstverständlicher und häufiger man das zelebriert, desto besser können das die
Kinder akzeptieren. Und wenn es unter den Kindern Eifersucht gibt, zum Beispiel aufgrund
eines neuen Geschwisterchens, dann muss man darauf ernsthaft reagieren und überlegen,
wie man mit dem Gefühl umgeht.
Das hört sich alles ein bisschen müßig an. Ist denn gar nichts an dem bunten Bild der
Patchworkfamilie dran?
Grünewald Doch, es gibt jede Menge Vorteile! Die Kinder haben eine erwachsene
Bezugsperson mehr und bekommen eine Vielfalt an Beziehungsformen mit. Das erweitert
den Horizont der Kinder und sie gestalten ihre eigenen Beziehungen reicher. Und die
Stiefmutter hat auch ein paar Privilegien: Sie kann sich die Rosinen rauspicken.
Das Gespräch führte Gesa Mayr
Quelle: http://www.ksta.de/psychologie/patchworkfamilien-wie-wird-man-eine-gutestiefmutter-,15938558,21464378.html
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Mütter und Töchter: zwischen Anbetung und
Ablehnung
Wie aus Vorwürfen Verzeihen wachsen kann
Das enge Band zwischen beiden besteht erst einmal, ob es nun heilsam oder
verdammenswert ist. In Befragungen fühlen sich zwei Drittel aller Töchter ihren Müttern sehr
eng verbunden. Sie sehen in ihnen Ratgeberinnen, Vorbilder und Stützen. Fehlt die Mutter,
hat das Mädchen meist mit einer lebenslangen Irritation, einem Bruch in ihrer weiblichen
Rolle zu kämpfen. Das unsichtbare Band zwischen Müttern und Töchtern scheint bereits im
Mutterleib zu existieren und die Nabelschnur ist geradezu eine starke Symbolik dafür. „Die
Biographie beginnt im Bauch der Mutter“, behauptet Buchautorin und Psychotherapeutin
Claudia Haarmann und weist damit auf die Auswirkungen frühkindlicher bis vorgeburtlicher
Lebensumstände hin, die einen Einfluss auf die Töchter haben. Als Beispiel führt sie unter
anderem eine beeindruckende Geschichte eines Adoptivmädchens an, das eine starke
Leidenschaft zu Schweden entwickelt. Sie sammelt alles über das Land, ja, will sogar dahin
auswandern. Als sie 18 Jahre wird, erfährt sie, dass ihre leibliche Mutter Schwedin ist.
Beziehung gemeinsam entdecken
Dieses Eins-Sein, diese enge Bindung kann Segen, aber auch Fluch bedeuten! Es hängt
davon ab, wie die Beziehung gestaltet wird, ob respektvoll, in einer Atmosphäre des offenen
Austausches oder einengend und manipulierend. Claudia Haarmann stellt in ihrem Buch
„Mütter sind auch Menschen. Mütter und Töchter begegnen sich neu“ fest, dass erwachsene
Töchter nicht immer schöne Erinnerungen an ihre Mutter hegen. Da kommen oft Wut und
Unverständnis, Trauer oder Enttäuschung hoch. Die Verantwortung von Müttern ihren
Töchtern gegenüber ist immens hoch, dennoch sind Mütter auch nur Menschen. Sie sollten
nicht dem Perfektionismus-Wahn verfallen, findet Haarmann. Bei dieser Diskussion müssen
sich auch die Mütter stark mit ihren eigenen Idealen auseinandersetzen. Eine große
Herausforderung für Mütter an ihre eigene Weiblichkeit, an Fragen zur Selbstannahme und
Akzeptanz. Denn nicht nur Mütter haben einen Einfluss auf ihre Töchter, sondern umgekehrt
werden sie auch von ihren Mädchen geprägt, ja manchmal verunsichert.
Niemand - auch keine Mutter - kann perfekt sein
Konnte ich meiner Tochter ein gutes Vorbild sein? Stand ich ihrer Entwicklung auch mal im
Weg? Warum lehnt sie mich ab? Mütter können einfach nicht perfekt sein, weil sie auch nur
Menschen sind. Gerne und häufig aber verfallen sie dem ewigen Mutter-Mythos, der in den
meisten Köpfen immer noch wie fest zementiert zu sein scheint. Der laut anklagt: Egal, was
du machst, du machst es falsch. In ihren Seminaren lässt Marianne Krüll die Töchter die
Lebensgeschichte ihrer Mütter in der Ich-Form erzählen. Erst aus dem Perspektivwechsel
heraus lösen sich alte Verkrustungen, kann Verständnis, ja Mitgefühl entstehen.
Seminarleiterin Krüll, selbst Mutter und Großmutter, stellt immer wieder fest, wie viel
Unkenntnis die Töchter über das Leben ihrer Mütter haben. Da klaffen nicht nur
Wissenslücken über Jahreszahlen, sondern nicht selten kommen dunkle
Familiengeheimnisse zutage, die auch das eigene Dasein überschatteten, im Nachhinein
aber vieles verständlicher machen.
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Wenn durch die Erzählungen Licht auf die Lebensgeschichte der Mutter fällt, passierte es
plötzlich, dass aus Vorwürfen Verzeihen wachsen kann. Teilnehmerin Marlies zeigt sich in
der Schlussrunde nach einem Seminar erleichtert: „Ich gehe nach Hause mit viel FrauenPower. Ich habe mitgekriegt, wie sich starke Frauen für andere aufgeopfert haben. Das hat
mein Frau-Sein so berührt (...) alles, was ich meiner Mutter vorwerfe – das wird auf einmal
so relativ.“
Seminarleiterin Krüll rät Töchtern, nicht in der Anklage-Haltung der Mutter gegenüber
hängen zu bleiben, sondern Zuhören zu lernen, sich auf die Suche nach der Geschichte der
Mutter zu machen und Verständnis zu entwickeln. „Mütter sind nicht perfekt, aber auch die
Töchter müssen es nicht besser machen als ihre Mütter. Die erwachsene Tochter sollte den
Mut haben, der Mutter als eigenständige Person gegenüberzutreten und sie von ihrer
Mutterrolle zu entbinden. Denn unsere Mutter braucht nicht mehr „Nur-Mutter“ für uns zu
sein. Damit geben wir ihr auch wieder ihre volle Würde als Frau zurück und begegnen ihr
von Frau zu Frau, was dem gemeinsamen Verhältnis neue Perspektiven eröffnet. Daraus
kann sich die fesselnde Bindung lösen und in ein echtes Gefühl von Verbundenheit münden“
so Buchautorin Krüll.
Es war ja doch nicht alles falsch
Wenn sich Rollen verändern, können sich auch Einstellungen verändern. Das hat Nina,
Mutter zweier Töchter, erfahren: „Erst als ich selber Mutter wurde, konnte ich meine eigene
Mutter plötzlich viel besser verstehen: Ihr genervt sein von meiner Schwester und mir, ihre
zeitweise große Strenge, die für mich manchmal nicht nachvollziehbar war. Auch in ihrem
Verhältnis zu meinem Vater bringe ich ihr heute viel mehr Verständnis entgegen. Jetzt, wo
ich eigene Kinder habe, kann ich ihr Verhalten besser nachvollziehen!“ Wenn man selbst
Mutter wird, ist die eigene Mutter präsenter denn je. Ihr Verhalten als man noch Kleinkind
war, ihre Wärme, aber auch ihre Härte. Ihre Erziehungsmethoden. Die Erinnerungen
scheinen wieder ganz frisch. „Früher dachte ich, meine Güte, immer diese Sorgen, wenn ich
mal etwas länger mit meiner Freundin unterwegs war. Heute komme ich ja selber vor Sorgen
fast um, wenn Paula nicht pünktlich zu Hause ist.“ Hat man eigene Kinder und wagt den
ehrlichen Rückblick, stellt man möglicherweise fest: Es war ja doch nicht alles falsch, was die
eigene Mutter getan oder gesagt hat. Das führt vielleicht zu einer neuen Gelassenheit, auch
im Umgang mit den eigenen Kindern. Und das Verständnis macht sogar dem verzeihen
Platz. Denn Mütter sind ja auch nur Menschen und genau das ist auch gut so!
Quelle: http://www.urbia.de/magazin/familienleben/muetter/muetter-und-toechter-zwischenanbetung-und-ablehnung?page=2
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Mutter-Tochter-Beziehung - zwischen Liebe und Konflikt
23.08.2013, 11:28 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de
Für ein Kind ist die Mutter immer die erste große Liebe. Die körperliche Verbundenheit durch
die Schwangerschaft und die enge Bindung im Kleinkindalter legen den Grundstein zu einer
großen Vertrautheit. Doch diese bedingungslose Nähe kann sich gerade zwischen Müttern
und Töchtern drastisch verändern, wenn die süßen Kleinen beginnen flügge zu werden. Wie
Mütter erreichen können, dass das Verhältnis zu ihren Töchtern trotz schmerzhafter Konflikte
langfristig keinen Schaden nimmt, erläutert eine Expertin.
Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist etwas ganz Besonderes. Die Psychologie
nennt sie auch die "Mutter aller Beziehungen" und charakterisiert sie als die komplexeste
zwischenmenschliche Bindung überhaupt, die sich im Laufe des Lebens in einem großen
Spannungsfeld zwischen Liebe, Fürsorge, Anerkennung, Stolz, Neid, Abhängigkeit und
Eifersucht bewegt.
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In der frühen Kindheit ist die Mutter das große Ideal
Zunächst identifizieren sich Mädchen vollkommen mit ihrer Mutter. Sie ahmen ihre Mamas
nach, schlüpfen in ihre viel zu großen Schuhe, probieren Mamas Schminke aus und machen
Modenschau mit ihren Kleidern. Kleine Töchter möchten sein wie ihr großes Vorbild. Im
weiteren Verlauf der Kindheit sind dann allerdings Reibungspunkte möglich: "Ab dem
Kindergartenalter kann es zum ersten Mal spannungsreicher zwischen Mutter und Tochter
werden", erklärt die Sozialpädagogin und Erziehungswissenschaftlerin Professor Renate
Zwicker-Pelzer von der Deutschen Gesellschaft für Systematische Therapie, Beratung und
Familientherapie (DGSF). "Das passiert vor allem dann, wenn die Töchter zu brav und
schüchtern oder zu trotzig und penetrant sind und nicht dem Mädchen-Ideal ihrer Mütter
entsprechen. Doch diese Konflikte sind sehr einseitig und werden noch nicht offen
ausgetragen."
Pubertät: Suche nach der eigenen Identität
Das ändert sich drastisch in der Pubertät. Plötzlich beginnt die Tochter zu rebellieren, lehnt
ihre Mutter ab und findet sie peinlich. Sie ist nun auf der Suche nach dem eigenen Ich, will
sich um jeden Preis abgrenzen und kämpft um ihr Ansehen als unabhängige Persönlichkeit.
Gleichgültig wie liebevoll das Verhältnis vorher war, wollen Töchter in dieser Zeit meist nur
eins, nämlich "nicht so wie Mama sein" - eine völlig natürliche Abnabelungsreaktion auf dem
Weg zum Erwachsenwerden. Da können schon beiläufige Fragen der Mutter zum Outfit wie
"willst du dich nicht noch umziehen?" oder "müsstest du nicht mal wieder zum Friseur?" die
Tochter zur Weißglut bringen, weil sie sich kritisiert und gegängelt fühlt und die mütterliche
Fürsorge als Kontrolle missversteht.
"In der Pubertät", kommentiert Zwicker-Pelzer, "geht es ja eigentlich um das Ringen um
Ebenbürtigkeit, um einen Konflikt auf Augenhöhe zwischen Mutter und Tochter."
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Und dieser Kampf werde in den letzten 15 bis 20 Jahren oftmals besonders intensiv geführt,
da die Mütter heute häufig sehr jugendlich aussähen und sich äußerlich kaum noch von ihren
Töchtern unterscheiden würden, ergänzt die Expertin: "Das ist ein Konkurrenzphänomen,
das es den Töchtern sehr schwer macht, sich abzugrenzen, sich zu befreien und sich selbst
zu finden. Irgendwie wird den Mädchen dadurch auch das Recht auf Pubertät geraubt."
Besonders Mütter leiden unter den Spannungen
Bei Auseinandersetzungen in dieser Phase sind meist die Töchter die Aktiveren, die unter
Umständen massiv gegen die in ihren Augen erdrückende Dominanz und Fürsorge ihrer
Mutter rebellieren. Ihre Gefühle wie etwa Wut oder Trauer äußern die jungen Frauen in
solchen Situationen zwar sehr heftig, reagieren dabei aber sehr unspezifisch und wollen
zumeist auch nicht die Konflikte reflektieren, geschweige denn mit ihrer Mutter darüber
reden.
Zurück bleiben häufig verletzte Mütter, die sich abgewertet fühlen und durch die Streitereien
mit ihren einstmals kleinen süßen Mädchen Emotionen wie Enttäuschung, Trauer, Zorn, aber
auch Eifersucht durchleben. "Das Problem ist, dass viele Mütter zwar sehr leiden, jedoch
nicht kämpfen", kommentiert Zwicker-Pelzer. "Sie sitzen dann auf einem riesigen
Gefühlspolster, aber die eigene Tochter versteht sie nicht und will sich auch nicht kognitiv mit
ihr auseinandersetzen, hat keinen Gesprächsbedarf. Das ist ein Wahnsinnsdilemma für eine
Mutter." Die Folge: Viele Mütter ziehen sich in der spannungsgeladenen Phase unsäglich
betrübt und resigniert zurück und laufen nicht selten auch Gefahr depressiv zu werden.
Väter können Mutter-Tochter-Konflikte oft abmildern
Besonders explosiv kann die Beziehung zwischen Mutter und Tochter werden, wenn der
Vater nicht in der Familie präsent ist. Dann fehle, erklärt die Erziehungswissenschaftlerin,
eine wichtige Projektionsfläche. "Sobald ein Vater in dieser schwierigen Zeit parat ist, ist das
oft eine riesige Erleichterung und das Ganze fährt erfahrungsgemäß in ein ruhigeres
Fahrwasser", so die Expertin. "Die Umleitung über den anderen Elternteil ist dann sehr
fruchtbar, vor allem wenn es um normative Themen wie etwa Ausgehen am Abend,
Zuspätkommen oder Alkohol geht." Väter seien eben meist nicht so eng wie Mütter mit ihrem
Nachwuchs vernabelt und könnten deshalb häufig mit Konflikten gelassener umgehen.
Gelassenheit und Fingerspitzengefühl helfen
Was aber kann man tun, damit ein über eine längere Phase schwieriges Mutter-TochterVerhältnis nicht auf Dauer großen Schaden nimmt? Hier sei es vor allem an den Müttern, die
richtigen Weichen zu stellen und gerade in den Augenblicken, in denen mal wieder die
Funken sprühen, den Ball flach zu halten und die Gelassenheit aufzubringen,
Konfliktsituationen einfach auszuhalten, so der Rat von Sozialpädagogin Zwicker-Pelzer:
"Außerdem sollen Mütter beim Streiten ruhig ihre Gefühle offen und genau ausdrücken, zum
Beispiel 'ich bin auch traurig', 'ich bin ratlos' oder 'mir geht es nicht gut' sagen. Dann
erreichen sie wahrscheinlich ihre Töchter."
Damit aber eine nachhaltige Annäherung möglich wird, auch wenn die pubertierenden
Mädchen fast ständig auf Konfrontationskurs gehen und sich wegen jeder Kleinigkeit
angegriffen fühlen, müssten gerade die Mütter an sich selbst arbeiten und mit viel
Fingerspitzengefühl vorgehen, rät die Expertin weiter: "Mütter sollten am besten die jeweilige
Situation erst mal so entspannt wie möglich auf sich zukommen lassen, dabei aber auch
alles sorgfältig beobachten und schon kleinste Signale wahrnehmen.
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Wenn die Kinder dann reden wollen, sollten ihre Mütter die Gelegenheit ergreifen und es als
Einladung sehen, ins Gespräch zu kommen, ohne sich dabei allerdings gleich zu
entschlacken oder ungefragt Ratschläge zu erteilen." Dann könne es nämlich passieren,
dass der Nachwuchs wieder wütend reagiere und sich sofort zurückziehe.
Statt Worte: Verbundenheit leben
Doch Beziehungspflege zwischen Mutter und Tochter muss nicht immer nur über
Kommunikation funktionieren: Gemütlich zusammen zu sitzen, vielleicht einen Film
zusammen anzuschauen, spazieren zu gehen oder gemeinsam einzukaufen, kann schon
erheblich Spannungen abbauen und mehr Nähe zwischen den Kontrahentinnen schaffen.
"Man kann Beziehung auch über wenig Worte leben. Es gibt so viele andere Möglichkeiten,
Verbundenheit zu leben. Um gut miteinander auszukommen, muss dabei auch nicht jeder
Konflikt ausgeräumt sein", erläutert Zwicker-Pelzer.
Als Trost gibt die Erziehungswissenschaftlerin allen geplagten Müttern mit auf den Weg:
"Miteinander zu kämpfen und sich zu reiben, ist ja eigentlich ein Liebesbeweis - man bleibt
so verbunden. Ich kämpfe ja nur mit jemandem, der mir etwas wert ist und der mich nicht
ignoriert. Und gerade Kinder in der Pubertät brauchen einen Resonanzboden, wo
Spannungen und Konflikte eine natürliche Gelegenheit bieten, miteinander zu raufen und
sich dabei aber trotzdem nicht zu verlieren."
Quelle: http://www.t-online.de/eltern/jugendliche/id_64856230/mutter-tochter-beziehungzwischen-liebe-und-konflikt.html
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Postpartale Stimmungskrisen beschreiben psychische Zustände oder Störungen,
die in einem zeitlichen Zusammenhang mit dem Wochenbett auftreten (lat. post = nach;
partus = Entbindung, Trennung).[1] Die Bandbreite der im Wochenbett auftretenden affektiven
Zustände reicht von einer leichten Traurigkeit über Depressionen bis hin zu schweren
psychotischen Erkrankungen.[2] Meist sind Frauen betroffen, in der neueren Forschung wird
aber auch von postpartalen Depressionen bei Männern berichtet.[3]
Bisher unterscheidet man grob drei Arten postpartaler Störungen, welche oft fließend
ineinander übergehen:
•
•
•
das Postpartale Stimmungstief (Baby-Blues oder Heultage),
die Postpartale Depression (PPD) und die
Postpartale Psychose (PPP).
Postpartales Stimmungstief
Das Postpartale Stimmungstief, auch als „Babyblues“ bezeichnet, ist die mildeste Form des
Krankheitsbildes. Es handelt sich hierbei um einen leichteren kurzfristigen
Verstimmungszustand in den ersten Wochen nach der Geburt, der meist innerhalb von
Stunden bis Tagen wieder abklingt.
Neben der subdepressiven Stimmungslage ist der Babyblues charakterisiert durch
ausgeprägte Stimmungslabilität, Traurigkeit, häufiges Weinen, allgemeine Irritierbarkeit,
übermäßige Sorgen (meist um das Kind), Erschöpfung, Ängstlichkeit, Reizbarkeit,
Appetitstörungen, Schlaf- und Ruhelosigkeit, und Konzentrationsschwierigkeiten. In der
Regel wird der Babyblues nicht als krankheitswertig betrachtet und vergeht von selbst.[4]
Diese milde postpartale Verstimmung tritt sehr häufig auf. Im DSM-IV wird der Babyblues
angegeben als vorübergehende Erscheinung, die 70 % aller Wöchnerinnen betrifft, als nicht
krankheitswertig einzustufen und von der postpartal affektiven Episode zu unterscheiden
ist.[5] Die Angaben schwanken in verschiedenen Studien zwischen 25 % und 80 %, diese
Schwankungsbreite hängt vor allem mit methodischen Unterschieden der verschiedenen
Studien zusammen. Als gesichert gilt, dass in der ersten Woche nach der Geburt viermal
häufiger eine dysphorische Verstimmung auftritt als bei einer Kontrollgruppe von Frauen
ohne Geburt.[6] Es erlebt also mindestens ein Viertel der Mütter eine depressiv-labile Phase.
Viele Experten bezeichnen diesen Zustand als gesunde Reaktion auf die vielschichtigen
Veränderungen durch die Geburt und die Mutterschaft. Es gibt aber auch
Verhaltensforscher, die argumentieren, dass in vielen Naturvölkern der Babyblues nicht
vorkomme und er eine Folge der Interventionen der modernen Industriegesellschaft rund um
die Geburt sei, da dadurch ein ungestörtes Kennenlernen von Mutter und Kind nicht möglich
sei.[7]
Die Angaben, welche Faktoren den Babyblues begünstigen, sind sehr uneinheitlich. Das
Risiko scheint erhöht bei depressiven Erkrankungen in der Vorgeschichte und wenig sozialer
Unterstützung.[8] Keine Rolle scheint der Geburtsmodus zu spielen. Die Häufigkeit bei
Frauen, die per Kaiserschnitt entbunden haben, unterscheidet sich nicht von der von Frauen,
die spontan entbunden haben, auch der Geburtsort scheint keine Rolle zu spielen. Lediglich
Frauen, die eine geplante außerklinische Geburt abbrechen mussten, wiesen eine
bedeutsam erhöhte Baby-Blues-Rate auf, was damit erklärt werden kann, dass die
Gebärende ihre Idealvorstellungen nicht in die Tat umsetzen konnte und dies zu
Enttäuschung und Versagensgefühlen führt.[9]
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Die Hauptursache für den Babyblues scheint in der hormonellen Umstellung nach der Geburt
zu liegen – die während der Schwangerschaft stark erhöhten Östrogen- und
Progesteronspiegel fallen mit Geburt des Mutterkuchens ab und Prolaktin steigt an.[10] Es
wird vermutet, dass Östrogen verschiedene Hirnfunktionen beeinflusst und einen
stimmungsstabilisierenden, antipsychotischen Effekt hat[11]; dieser Effekt fällt nun weg und
führt damit eventuell zu Stimmungseinbrüchen. Damit werden auch ähnliche Phänomene im
Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus (Prämenstruelles Syndrom) und der
Menopause erklärt.[12]
Postpartale Depression (PPD, Wochenbettdepression)
Eine PPD kann jederzeit in den ersten zwei Jahren nach der Geburt entstehen. Typisch für
die PPD ist eine schleichende Entwicklung; sie wird meist erst aufgrund von körperlichen
Symptomen erkannt. 10–20 % der Mütter sind von PPD betroffen; auch rund 4 % der Väter
leiden nach der Geburt unter PPD[13]. Risikofaktoren für die Entstehung einer postpartalen
Depression sind unter anderem psychische Erkrankungen vor der Schwangerschaft
(insbesondere Depressionen, Zwangsstörungen, Panikstörungen, generalisierte
Angststörungen, soziale Phobien, Agoraphobie), bei nahen Verwandten aufgetretene
psychische Erkrankungen, traumatische Erlebnisse und belastende Lebenssituationen wie
finanzielle Armut, soziale Isolation oder eine geringe Qualität oder Unterstützung in der
Partnerschaft.
Kennzeichen für die PPD sind Energiemangel, Traurigkeit, inneres Leeregefühl,
Schuldgefühle, ambivalente Gefühle dem Kind gegenüber, allgemeines Desinteresse,
Teilnahmslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Tötungsgedanken (auf sich, auf das Kind und/oder
andere Familienmitglieder bezogen), sexuelle Unlust, Kopfschmerzen, Herzbeschwerden,
extreme Reizbarkeit, Taubheitsgefühle, Zittern, Schwindel, Konzentrations- und
Schlafstörungen, Ängste und Panikattacken.
Zwangsgedanken treten bei 54 % der Frauen mit postpartaler Depression auf.[14]
Postpartale Angstzustände können als eigenständige Kategorie gesehen werden, da diverse
Angststörungen nicht zwangsläufig eine Depression bedeuten. Sie treten in den ersten zwei
bis drei Wochen auf und umfassen schwere, wiederkehrende Angst- und/oder Panikgefühle,
meist in Zusammenhang mit dem Wohlergehen des Babys. Unbehandelte Angstzustände
können zu einer Depression führen.
Die postpartale Depression ist wegen der Gefahr eines Suizids (Selbstmordes) dringend
behandlungsbedürftig. Eventuell kann eine stationäre Behandlung notwendig sein.[15]
Extrem selten (laut einer Studie 1–2 pro 100.000 depressive Mütter[16]) begehen Mütter mit
PPD den sog. Infantizid, d.h. sie töten ihr eigenes Kind. Der sogenannte Neonatizid, die
Tötung des Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt, steht dagegen nach heutiger
Erkenntnis nicht im Zusammenhang mit einer postpartalen Depression.[17]
Postpartale Psychose (PPP)
Die Wochenbettspsychose oder auch paranoid-halluzinatorische Puerperalpsychose ist die
schwerwiegendste psychiatrische Komplikation im Wochenbett. Sie hat meist einen abrupten
Beginn und sollte umgehend zu einer notfallmäßigen Einweisung in eine psychiatrische
Klinik führen.
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Die schwere paranoid-halluzinatorische Symptomatik mit Angst-, Erregungs- und
Verwirrtheitszuständen hat eine günstigere Prognose als psychotische Erkrankungen zu
einem anderen Zeitpunkt im Leben. Es kann zu einer vollständigen Ausheilung kommen,
kann aber ähnlich den manisch-depressiven Erkrankungen einen phasischen Verlauf
nehmen. Laut ICD-10 sind die meisten dieser postpartalen Psychosen diagnostisch als akutpolymorphe psychotische Störungen einzuordnen.[18]
Eine bis drei von 1000 Müttern (1–3 ‰) sind von einer postpartalen Psychose (PPP)
betroffen. Die PPP entsteht vorwiegend in den ersten 2 Wochen nach der Entbindung oder
kann sich aus einer Depression entwickeln.
Mischformen
Die drei Formen der PPP zeigen sich oft als Mischformen:
Manie: Es zeigen sich eine starke Antriebssteigerung, motorische Unruhe, Verworrenheit,
Größenwahn, gehobene Stimmungslage mit Euphorie, Enthemmung und ein vermindertes
Schlafbedürfnis. Eine Gefährdung resultiert in diesen Fällen durch falschen Umgang mit dem
Kind bzw. eine Störung der allgemeinen Urteilsfähigkeit.
Depression: Es äußern sich Angstzustände, Antriebs-, Bewegungs- und Teilnahmslosigkeit.
Schizophrenie: Zeigt sich durch Halluzinationen und Wahnvorstellungen, die betroffene
Frau glaubt Stimmen zu hören oder Dinge zu sehen, die nicht existieren.
Ursachen
Biologische Ursachen
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Die große körperliche Anstrengung während der Geburt ( physische Erschöpfung);
Die plötzliche körperliche Veränderung von Bauch, Brüsten, Stoffwechsel und
Verdauung nach der Geburt;
Das mögliche (Un-)Gleichgewicht der Hormone: das plötzliche Abfallen des
Progesteronspiegels kann depressionsartige Gefühle verursachen, und das Abfallen
des Östrogenspiegels kann zu erheblichen Schlafstörungen führen.
Auch ein Mangel an Schilddrüsenhormonen (Unterfunktion) kann zu depressiven
Symptomen und/oder Angst und Panikattacken nach der Geburt führen. Die
Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis bricht oft nach der Geburt aus (zum
Beispiel als Postpartum-Thyreoiditis) und führt zu einer Schilddrüsenunterfunktion
mitsamt ihrer Symptome Kraftlosigkeit, Müdigkeit/Erschöpfung, Depression usw.
Ebenfalls kann eine Schilddrüsenüberfunktion zu Angst und Panikattacken führen.
Meist wird sie durch die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow ausgelöst, die auch
postpartal ausbrechen kann.
Frauen, die am prämenstruellen Syndrom (PMS, besondere Reizbarkeit,
hervorgerufen durch Hormonveränderungen) leiden, bekommen mit größerer
Wahrscheinlichkeit eine PPD als Frauen ohne PMS. (Anmerkung: es gibt auch einen
statistischen Zusammenhang zwischen PMS und Borderline-Persönlichkeitsstörung;
diese wiederum korreliert allgemein mit Stimmungskrisen und Depressionen)
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Psychische Ursachen
•
•
•
Eine Geburt kann eine Frau mit ihren Ängsten (wie Versagens- oder Schmerzangst),
ihrer Unvollkommenheit (siehe Perfektionismus) und/oder einem unrealistischen und
überzogenen Mutterbild konfrontieren.
Geburt kann auch bedeuten, dass die Frau sich von ihrer eigenen Kindheit
verabschieden muss; noch vorhandene Defizite oder unverarbeitete Erlebnisse
erschweren diesen Prozess.
Neue soziale Strukturen können als psychische Belastung empfunden werden; war
die Frau z. B. zuvor berufstätig und bleibt nun als Mutter zu Hause, kann dies als
Isolation empfunden werden.
Frauen mit einem starken Kontrollbedürfnis, einem ausgeprägten Perfektionismus oder
solche, die früher schon Panikattacken oder Depressionen erlebt haben, sind eher gefährdet.
Psychosoziale Ursachen
Sie liegen besonders in dem Mutterbild begründet, das der „jungen Mutter“ (= der Frau mit
postpartaler Stimmungskrise) vermittelt wurde (v. a. in Kindheit und Jugend) bzw. das sie
verinnerlicht hat. Das Mutterbild beinhaltet (impliziert)
•
•
Erwartungen, die die junge Mutter an sich selbst hat, und
Vermutungen der jungen Mutter, was Dritte von ihr erwarten.
Zu diesen beiden Aspekten des Mutterbildes tragen u. a. das Umfeld (Eltern, Geschwister,
Verwandte, Freunde), die Erziehung (durch Eltern, Schule, evt. religiöse Institutionen) und
kulturelle Einflüsse (z. B. Werbung, Filme, Literatur) bei. Nicht selten fühlen sich Frauen dem
Bild einer immer perfekten, immer glücklichen Mutter nicht gewachsen, z. B. wenn Probleme
beim Stillen des Kindes auftreten. So geraten die Frauen unter psychischen Druck, der aus
der Wahrnehmung resultiert, den eigenen und fremden Erwartungen an die Situation nicht
gerecht zu werden.
Auch bei Männern kann es zu postpartalen Symptomen kommen, diese werden jedoch oft
nicht ernst genommen und/oder nicht erkannt.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Postpartale_Stimmungskrisen
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NARZISSMUS
Wenn der Schönheitswahn krankhaft ist
Alles dreht sich um mich: Narzissten haben eine extrem verengte Sichtweise auf sich selbst.
An anderen Menschen sind sie kaum interessiert.
Protzen, angeben, zeigen, dass man besser ist: Dieses Verhalten wird immer gern Männern
zugeschrieben. Doch es gibt auch die Form des weiblichen Narzissmus. Hat eine Frau
narzisstische Züge, neigt sie eher zu Perfektionismus, Leistungsdruck und einem extremen
Schönheitsideal.
Während narzisstische Männer sich meist als grandios empfinden, schwanken Frauen häufig
in ihrem Selbstwert hin und her zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitskomplexen.
Der Kern des männlich-offenen und weiblich-verdeckten Narzissmus sei aber gleich: „Das
ganze Leben dreht sich nur um die eigene Person“, sagt die Münchener Psychotherapeutin
und Buchautorin Bärbel Wardetzki.
Überzeugung von der eigenen Großartigkeit
Die Narzissus-Sage
Die Figur des „Narzissus“ ist in der griechischen Mythologie der Sohn des Flussgottes
Kephisos und der Nymphe Leirope. Der Flussgott umschlingt die Nymphe mit seinen
Mäandern und schwängert sie gegen ihren Willen.
Narzissus wächst als ungeliebtes Kind auf und kann selbst nicht lieben. Er ist eitel und
berauscht von seiner eigenen Schönheit. Verehrerinnen weist er zurück, darunter auch die
Bergnymphe Echo. Die Göttin Aphrodite verflucht ihn daraufhin.
Es ist sein Schicksal, sich unsterblich in sein Spiegelbild zu verlieben. Als er mal wieder am
See sitzt und ins Wasser schaut, fällt plötzlich ein Blatt ins Wasser und bringt sein
Spiegelbild durcheinander. Der Sage nach stirbt er daraufhin, schockiert von seiner
Hässlichkeit.
„Ich, icher, am ichsten“, beschreibt der österreichische Psychiatrie-Chefarzt Reinhard Haller
(Die Narzissmusfalle) das narzisstische Credo. „Ein normales Maß an Narzissmus, das jeder
braucht, um ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln, wird weit überschritten,“ sagt der
Leiter des Vorarlberger Behandlungszentrums für Suchtkranke.
Klassische Merkmale sind Egozentrismus, Eigennutz, Überschätzung der eigenen Person
und kritiklose Überzeugung von der eigenen Großartigkeit. „Der Narzisst braucht den
Applaus wie ein Süchtiger die Droge“, erklärt Haller. Deshalb sollte man dem Narzissten als
Freund oder Partner das Lob nicht komplett entziehen, sondern dosiert und authentisch
austeilen.
Hunger nach Anerkennung
„Narzisstische Frauen fahren ständig ihre Antennen aus, um herauszubekommen, wie sie
gut ankommen können“, beschreibt Bärbel Wardetzki. Wenn ihnen ihr Auftritt gelinge, fühlten
sie sich als die Tollsten, die Besten, die Schönsten. „Sie denken, dass sie nur gemocht
werden, wenn sie etwas Besonderes sind.“ Die äußere Fassade sei ihnen extrem wichtig.
Schönheit, Schlankheit, Jugendlichkeit - alles müsse perfekt sein.
Dieses Gefühl schlage jedoch schnell um in Minderwertigkeit, wenn sie nicht bestätigt
werden oder sogar Kritik ernten. Folge: Der gesamte Selbstwert breche zusammen.
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Der unstillbare Hunger nach Anerkennung werde oft auch mit Essattacken kompensiert.
Deshalb trifft Wardetzki in ihrer Praxis auf besonders viele essgestörte, bulimische
Narzisstinnen.
Ehrliches Interesse als Gegenmittel
Letztlich sei ehrlich gemeintes Interesse von Freunden, Partnern oder Therapeuten das
Gegenmittel zum Narzissmus, meint Psychotherapeutin Wardetzki. Es gehe beispielsweise
darum, der übereitlen oder überperfekten Freundin deutlich zu machen: „Ich mag dich, so
wie du bist - und nicht dafür, was du leistest oder wie du aussiehst.“
Das Dilemma: Oftmals interessiere sich ein Narzisst gar nicht wirklich für die andere Person.
Nähe wird eher abgelehnt, weil dadurch die Gefahr besteht, dass jemand hinter die Fassade
blickt.
„Das Zusammenleben mit Narzissten ist sehr anstrengend“, sagt Psychiater Haller. „Sie
pressen Anerkennung und Lob aus einem heraus, für sie ist der Mitmensch ein Instrument.“
Manchmal sei es daher am besten, einen großen Bogen um solche Menschen zu machen.
In Führungspositionen zu finden
Auch am Arbeitsplatz wollen Narzissten brillieren: Teamarbeit ist ein Fremdwort. Nicht selten
sind sie mit ihrem extremen Leistungsbedürfnis in Führungspositionen zu finden, sagt HansWerner Bierhoff, Professor für Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum.
Sozialkompetenz und Einfühlungsvermögen gehören nicht zu ihrem Profil. Im Gegenteil.
„Narzissten entwerten gerne andere, um sich selbst besser zu fühlen.“ Weil der Narzisst
dazu neige, sein Gegenüber auszubeuten, rät Bierhoff zur Distanz. Andererseits könne es
für einen Narzissten oder eine Narzisstin eine Chance sein, an einen nicht-narzisstischen
Chef zu geraten, meint Wardetzki. „Von ihm kann man lernen, wie man Wissen teilt, wie man
Menschen für Projekte gewinnt und auch die Leistung von anderen anerkennt - nicht nur die
eigene.“
Verwöhnte oder vernachlässigte Kinder
Für Mitmenschen sei es oft hilfreich, zu verstehen, was hinter der narzisstischen Fassade
steckt. Meist entwickelten sie sich aus verwöhnten oder vernachlässigten Kindern, erklärt
Sozialpsychiater Bierhoff. Wenn jemand wenig Liebe im Elternhaus erfahren habe, werde er
sich stets auf die Suche nach Anerkennung machen. Wenn andererseits ein Kind sehr
verwöhnt und überbehütet aufwächst, dann lernt es nicht, sich realistisch einzuschätzen.
Bierhoff empfiehlt als Narzissmus-Prophylaxe, Kinder nicht mit großartigen Erwartungen zu
überziehen - nur weil ein Kind eine Eins in Mathe schreibe, gehöre es noch nicht zu den
späteren Nobelpreiskandidaten. Kinder müssten dagegen lernen, zu verlieren und mit
Misserfolgen umzugehen.
Aus dem narzisstischen Gefängnis befreien
Insgesamt schätzt Bierhoff die Chancen als eher gering ein, dass Narzissten sich änderten.
Denn meist haben die anderen ein Problem mit ihnen, sie selbst mit sich aber nicht. Beim
verdeckten, weiblichen Narzissmus liegt der Fall laut Bärbel Wardetzki anders: Die Frauen
würden unter ihrem schwankenden Selbstwert sehr leiden. Sie könnten sich aus dem
narzisstischen Gefängnis befreien, wenn sie zur Selbsterfahrung und Selbstreflexion bereit
sind, etwa mit Hilfe eines Psychotherapeuten oder anderen Kursen.
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Ziel sei es, zum wahren Selbst vorzudringen - und wegzukommen von den Extremen.
Quelle: http://www.mopo.de/psychologie/-narzissmus-wenn-der-schoenheitswahn-krankhaftist,9594626,24636320.html
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Schönheitswahn im Kinderzimmer
Schlank um jeden Preis
Für junge Mädchen ist es mittlerweile ganz normal geworden, streng auf ihr Gewicht
zu achten. Sie fasten, bis es ungesund wird: Jugendliche wollen immer früher
zweifelhaften Schönheitsidealen entsprechen. Die Folgen können gefährlich sein.
Denn ständiges Fasten führt mitunter zu einer krankhaften Essstörung.
Von Sophie Burfeind
Ihre braunen Augen hat Sarah mit Wimperntusche betont, auf den Wangenknochen trägt sie
einen Hauch von Rouge. Die Augenbrauen sind sorgfältig gezupft, ihre Zähne weiß und
ebenmäßig. Der hellbraune Pullover harmoniert mit einer dunkelblauen Jeans und
schokobraunen Haaren. Aktuell trägt die 16-Jährige ihre Winterfrisur. Im Sommer sind ihre
Haare etwas heller.
Trotz sorgfältig aufgetragener Schminke sieht Sarah (Name geändert) natürlich aus. Eine
fröhliche Elftklässlerin, die am hölzernen Küchentisch im Haus ihrer Eltern sitzt und ein Glas
Limonade trinkt - kalorienreduziert natürlich. Die Dachauer Gymnasiastin achtet auf
ihr Äußeres.
Heute morgen hat Sarah nur zwanzig Minuten im Bad gebraucht. Wenn sie abends ausgeht,
können das schon mal eineinhalb Stunden sein. Denn dass sie gut aussieht, ist ihr
enorm wichtig.
Damit ist sie nicht allein: Für Jugendliche spielt das Aussehen eine immer größere Rolle.
Und der Zwang zur Makellosigkeit beginnt immer früher. Schließlich setzt die Pubertät heute
manchmal schon mit neun oder zehn Jahren ein. Bereits Mädchen mit elf Jahren schminken
sich jeden Morgen und achten peinlich genau auf ihr Gewicht. Der Schönheitswahn hat in die
Klassenzimmer Einzug gehalten.
Doch worüber Erwachsene erschrocken den Kopf schütteln, kommt Kindern und
Jugendlichen ganz normal vor - sie wachsen ja damit auf. Dass der Schönheitskult gerade in
Schulen mittlerweile ziemlich extrem ist, ist Sarah bewusst. "Mädchen, die sich nicht so gut
anziehen können oder wollen, werden oft ausgegrenzt", sagt sie. "Am schlimmsten war das
in der sechsten, siebten und achten Klasse. Aber es hat teilweise schon in der
Grundschule angefangen."
Mädchen reden ständig vom Abnehmen
Sarah würde niemals ohne Make-up in die Schule gehen. "Da würden einen ja sonst alle
komisch anschauen." Wer ungeschminkt oder mit einem unpassenden Outfit in die Schule
komme, über den werde gelästert. Komplimente erhalte, wer Klamotten von Abercrombie
oder Hollister trage - die Verkäufer dieser Marken werden wie Models gecastet.
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Auch im Streit gehe es um Äußerlichkeiten, erzählt die 16-Jährige: "Wenn man sich streitet,
heißt die erste Beschimpfung oft: Du bist fett und hässlich. Das trifft am meisten." Bei
Jugendlichen wie bei vielen Erwachsenen, die besessen davon sind, den eigenen Körper
durch ein Schönheitsregime von Diäten, Sport und notfalls plastischer Chirurgie den
Idealmaßen gemäß zu formen.
Mit dem Schönheitswahn bei Teenagern beschäftigt sich auch die Wissenschaft.
"Jugendliche in Deutschland wachsen heute in einer sozialen Wirklichkeit auf, die den Körper
viel stärker als einen zu bearbeitenden Rohstoff im Dienste der Selbstoptimierung
beziehungsweise der Gestaltung sieht als ihre Eltern", erklärt die Soziologin Paula-Irene
Villa, die an der LMU Gender Studies lehrt. Mit anderen Worten: Tattoos, Piercings, AcrylFingernägel, Brust-OPs oder Medikamente zur Leistungssteigerung seien fast schon normal.
Grundsätzlich hänge die Intensität, mit der man sich um seinen Körper bemühe, jedoch
stärker vom Milieu als von der Generation ab. So sei zum Beispiel erwiesen, dass
Fettleibigkeit häufiger in einkommensschwächeren Familien auftritt. Für Frauen ist Schönheit
häufig gleichbedeutend mit extremer Schlankheit. Im Rahmen der Studie "Health Behaviour
in School-aged Children (HBSC)" von 2012 schätzte sich bereits jedes zweite Mädchen in
Deutschland im Alter von elf bis 15 Jahren als zu dick ein. Bei den Jungen derselben
Altersstufe war es jeder Dritte. Trotz Normalgewicht der meisten.
Jungs geht es um gestählte Muskeln
Auch Sarah kennt das: "Selbst die ganz Dünnen sagen, dass sie sich zu dick finden. Ich
glaube, da fehlt das Realitätsbewusstsein." Während Sarahs Freundinnen ständig vom
Abnehmen reden, geht es bei den Jungs darum, einen durchtrainierten, muskulösen Körper
zu haben.
Problematisch wird es dann, wenn das Formen des eigenen Körpers exzessiv und zum
Zwang wird. So wie bei dem 16-jährigen Tobias Bauer (Name geändert) aus
Wolfratshausen. Mit 14 Jahren begann er mit dem Fitnesstraining, damals noch
unregelmäßig. Seit etwa zehn Monaten trainiert er täglich bis zu eineinhalb Stunden. "Mir
wurde oft von älteren Jungs gesagt, dass ich viel zu dünn bin und gar kein Mann", erzählt
Tobias. Er wollte ihnen das Gegenteil beweisen.
Mit Erfolg - wie man auf Bildern von ihm sieht, die er mit seinem Handy gemacht hat.
Muskelpakete an den Schultern, Armen, ein Sixpack: Sein schmaler Jungenkörper nimmt die
Gestalt eines Bodybuilders an. "Mein ganzes Leben richtet sich nach Fitness", sagt Tobias
freimütig. Dass das Training längst zur Sucht geworden ist, weiß er. Aber es kümmert ihn
nicht: "Es ist ja eine gesunde Sucht", behauptet er - ein erst 16-Jähriger, der ein
Ernährungstagebuch führt, keinen Alkohol trinkt, freiwillig auf Süßigkeiten und
Partys verzichtet.
Tobias und Sarah verwenden oft die Wörter "verbessern" oder "optimieren", wenn sie von
ihrem Körper sprechen. Unbewusst erklären sie damit, worauf der Schönheitswahn beruht.
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"Die Schönheitsideale in Deutschland spiegeln allgemeine soziale Normen wider: Es geht
um die Verkörperung von Selbstdisziplin, Kreativität, Flexibilität und Mobilität, also um
Fitness in einem ökonomischen Sinne", sagt Paula-Irene Villa. Am Körper werde die eigene
Leistungsfähigkeit zur Schau gestellt.
Castingshows und Schönheitswahn
Häufig geraten deshalb Castingshows wie Germany's Next Topmodel in die Kritik, wenn es
um Schönheitswahn bei Jugendlichen geht. Solche Sendungen sind unter den
Heranwachsenden nach wie vor das beliebteste Format, wobei Heidi Klums Topmodelserie
am häufigsten gesehen wird.
Studien des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI)
belegen, dass die Sendung die Unzufriedenheit vieler Zuschauerinnen mit dem eigenen
Körper verstärkt. Einige werden zu Diäten oder verstärktem Sporttreiben animiert.
Kritische Diskussionen mit Jugendlichen über Sendungen dieser Art gehören zu Albert
Kapfhammers Aufgaben. Der Kulturpädagoge vom Münchner Verein Kultur & Spielraum
organisiert seit vielen Jahren Projekte in Jugendeinrichtungen, Kulturzentren und Schulen, in
denen es um eine Auseinandersetzung mit den Themen Schönheit und Mode geht. Dabei
werden auch die in den Medien vermittelten Körperideale hinterfragt.
Seiner Erfahrung nach seien viele Jugendliche an einer Auseinandersetzung mit dem Thema
Schönheit interessiert. Doch nicht jeder lasse sich von den gängigen Idealen beeinflussen:
"Nicht alle, die Castingshows sehen, wollen auch so aussehen", bemerkt Kapfhammer und
ergänzt: "Genauso sind nicht alle fixiert auf Marken."
Regelmäßig lässt der Kulturpädagoge die Jugendlichen Illustrierte durchblättern.
Gemeinsam stellen sie fest, dass kaum ein Bild noch echt ist. "Dabei sieht man, wie absurd
das alles ist. Dass das ja eigentlich Kunstfiguren sind, die mit realen Menschen nichts mehr
zu tun haben", erklärt Kapfhammer.
Er versucht, die Heranwachsenden dabei zu unterstützen, sich mit dem eigenen Körper zu
versöhnen, ihre Individualität schätzen zu lernen: "Unser Anliegen ist es, zu zeigen, dass
Unterschiede spannender sind, als wenn alle gleich ausschauen." Jeder sei auf seine Art
schön und attraktiv. Das gelte es zu betonen.
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/schoenheitswahn-im-kinderzimmer-schlank-umjeden-preis-1.1856963
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Wenn der Schönheitswahn den Jugendkult
trifft
Ein neues Buch verurteilt die Jagd nach unerreichbaren und unrealistischen
Schönheitsidealen, es plädiert für eine Trendumkehr.
04.01.2010 | 18:18 | THOMAS HARTL (Die Presse)
Lange Beine, keine Hüften, kaum Busen, ein blasses Gesicht – auf den ersten Blick sieht sie aus wie das
perfekte Model unserer Zeit, die Kandidatin in der TV-Castingshow. Auf High Heels wackelt sie nervös in
Richtung Jurorentisch. Dort sitzen sie, die Richter über den Schönheitskult. Sie beurteilen Schönheit, wie
sie zu sein hat – Groß genug? Dünn genug? Devot genug? –, und sprechen jungen Mädchen dabei
regelmäßig ihre Persönlichkeitsrechte ab.
Entsprechend ängstlich ist der Blick, den das Möchtegernmodel den Leuten zuwirft, die ihr nach einigen
quälenden Minuten sagen werden, ob auch sie schön genug ist; ob auch sie vor dem Auge der
allmächtigen Betrachter bestehen kann. Eine untersetzte Dame, die Hauptjurorin, kommt rasch zum Punkt:
„Du hast leider keine Chance, in die nächste Runde zu kommen. Du hast nämlich ein großes Manko. Du
bist schon 23 Jahre alt.“ Bumm. Aus und vorbei. Das Mädchen verschwindet verstört hinter dem Vorhang.
Schönheitswahn trifft Jugendkult: Dass dieses aktuelle Beispiel aus einer österreichischen Fernsehshow
System hat, zeigt das Buch „Wahnsinnig schön“. Es beschäftigt sich mit einer besonderen Spielart des
„Wahnsinns“: mit dem Druck, schön und jung sein zu sollen. Dieser Imperativ schlägt einem aus Medien
und Werbung permanent entgegen. An jeder Hausecke thront eine Huldigung perfekter Schönheit, farbig
leuchtend und im Großformat. Ein Diktat, dem kaum jemand entgehen kann.
Pathologische Züge
Vor allem bei Jugendlichen wird aus diesem Soll schnell ein Muss. Selbstwert und Zugehörigkeit hängen
davon ab, ob man den äußeren Vorgaben entspricht. „Der Schönheitswahn nimmt pathologische Züge an.
Schönheitspflicht ist überall und immer, Cellulite und Bäuche werden zur Krankheit hochstilisiert“, schreibt
„Presse“-Gesundheitsredakteurin Claudia Richter, eine der fünf Autorinnen des Buches.
Es zeigt, dass die Jagd nach Schönheitsidealen krank macht. Denn man kann in diesem Spiel nicht
gewinnen. Versagensgefühle stellen sich zwangsläufig ein, wenn man so aussehen will wie jemand, den es
gar nicht gibt. Denn selbst die angeblich Schönsten der Schönen werden per Mausklick und Retusche in
Form gebracht, bevor sie von einem Cover lächeln dürfen. Hüften werden schmäler, der Busen wird ein
bisschen größer, das Weiß der Zähne verstärkt, das Blau in den Augen intensiviert. Niemand sieht so aus –
und dennoch glauben immer mehr junge Mädchen, genau so aussehen zu müssen.
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Wer es dennoch schafft, sich dem idealen Abbild anzunähern – durch Kasteiung, Verzicht auf Genuss und
Inanspruchnahme der teuersten Angebote von Kosmetikindustrie und Schönheitschirurgie –, der ist
vielleicht noch ärmer dran als diejenigen, die ihre Hoffnungen bald fahren ließen. Denn sie müssen
erkennen, dass der Grat an der Spitze sehr schmal ist, dass die Masse an noch hübscheren, perfekteren
und vor allem jüngeren „Klum-Klonen“ nachdrängt und sie von der Spitze stoßen wird. Junge Knospen sind
gefragt, eben erblühte Rosen sind schon verblüht.
Die Autorinnen zeigen diese und viele anderen Missstände auf, plädieren für einen Trendumkehr, für eine
andere Sicht der Dinge. Nicht die teuerste Creme der Welt, nicht Botox und nicht die gewetzten Messer der
Chirurgen garantieren Schönheit. Die Ausstrahlung des Menschen ist es, die ihn oder sie im Auge des
Betrachters als schön oder weniger schön erscheinen lässt.
Künstliche Eingriffe verhelfen zwar möglicherweise zu einer momentanen Veränderung, doch nach Ansicht
der Autoren ist es das Wesen des Menschen, das sich über kurz oder lang in jedes Gesicht einbrennt. Und
diese Charakterzüge, die das Gesicht formen, lassen sich nicht einfach so wegspritzen.
Quelle: http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/531039/Wenn-der-Schonheitswahnden-Jugendkult-trifft
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Schönheitswahn: Immer mehr Kinder und Jugendliche in
Niedersachsen wegen Essstörung in Klinik
geschrieben von Georg Mahn
Zu den häufigsten Essstörungen, die im Krankenhaus behandelt wurden, gehören vor allem
die Magersucht (Anorexie) und auch die Ess-Brech-Sucht (Bulimie). Die Ursachen für diese
Essstörungen sind vielfältig: Schlankheitswahn und unrealistische Schönheitsideale sind
wesentliche Faktoren. Foto: Techniker Krankenkasse (TK)
(FAN/GM) Die Zahl der Kinder und Jugendlichen zwischen zehn und 19 Jahren, die wegen einer
Essstörung im Krankenhaus behandelt wurden, stieg in Niedersachsen von 2008 bis 2012 um rund 39
Prozent an: 2012 waren rund 580 Kinder und Jugendliche betroffen. Im gesamten Bundesgebiet stieg
die Zahl der Fälle in dieser Zeit um 24 Prozent an, so die Techniker Krankenkasse (TK), die sich auf
Zahlen des Statistischen Bundesamtes bezieht.
Zu den häufigsten Essstörungen, die im Krankenhaus behandelt wurden, gehören vor allem die
Magersucht (Anorexie) und auch die Ess-Brech-Sucht (Bulimie).
Die Ursachen für diese Essstörungen sind vielfältig: Schlankheitswahn und unrealistische
Schönheitsideale sind wesentliche Faktoren. So hat eine Forsa-Umfrage im Auftrag der TK ergeben,
dass fünf Prozent der sechs bis 18-Jährigen schon einmal eine Diät gemacht haben.
Am häufigsten sind Mädchen betroffen: 2012 waren rund 89 Prozent, der wegen Essstörungen im
Krankenhaus behandelten Jugendlichen in Niedersachsen, Mädchen. Auch wenn weniger Jungen an
Essstörungen leiden als Mädchen, stehen auch sie häufig unter dem Druck ein Schönheitsideal zu
erfüllen. Statt zu hungern trainieren sie extrem, um möglichst viele Kalorien zu verbrennen. Wird
dieses Verhalten zu einem Zwang sprechen Experten von Sportsucht.
Quelle: http://www.fan-television.de/news/niedersachsen/schoenheitswahn-immer-mehrkinder-und-jugendliche-in-niedersachsen-wegen-essstoerung-in-klinik
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Internet- und Handynutzung von Kindern und Jugendlichen
INTERNETNUTZUNG
Immer mehr und immer jüngere Kinder nutzen das Internet
Die Anzahl der Kinder, die das Internet regelmäßig nutzen steigt an, und der Einstieg erfolgt
immer früher.
Während im Jahr 2006 erst 18% der 6-7-Jährigen im Internet unterwegs waren, nutzten im
Jahr 2010 schon 25% dieser Altersgruppe das Internet. (KIM-Studie 2010, S. 30 Entwicklung
Internet-Nutzer 2010/2008/2006).
Erste Erfahrungen mit dem Internet werden von immer jüngeren Kindern gemacht. Nicht nur
in Deutschland ist dies der Fall, sondern in ganz Europa. Dieser Trend zu häufigerer
Internetnutzung bei den jüngeren Kindern ist auch in der Studie EU Kids Online 2010
festgestellt worden: Das Durchschnittsalter der ersten Onlinenutzung liegt in Schweden
bereits bei sieben Jahren, in einigen anderen nordeuropäischen Ländern bei acht Jahren.
Europaweit nutzt bereits ein Drittel der 9- bis10-Jährigen Internetnutzer das Internet täglich,
bei den 15- bis 16-Jährigen sind es 77%. (EU Kids Online 2010, S. 28) Die Onlinenutzung ist
mittlerweile Bestandteil des Alltags der Kinder: 92% der 9- bis 16-Jährigen gehen zumindest
wöchentlich online (57% jeden Tag oder fast jeden Tag) (ebenda, S. 29).
Internet ist für Jugendliche eine Selbstverständlichkeit
In Deutschland stellt sich die Situation wie folgt dar: Handy und Computer (100 %) und
Internet (98 %) sind heute in fast allen Haushalten, in denen Jugendliche (12- bis 19 Jahre)
aufwachsen, vorhanden (JIM-Studie 2010, S. 6). Nahezu alle Jugendlichen (96 %) gehen ins
Internet: (Shell Jugendstudie 2010, S. 102), 79 % der Jugendlichen haben sogar einen
Computer oder Laptop im persönlichen Besitz (JIM-Studie 2010, S. 25). Vom eigenen
Zimmer aus kann mehr als jeder Zweite online gehen. Der Anteil der Intensivnutzer, die
täglich bzw. mehrmals pro Woche online sind, liegt seit Jahren bei über 90 Prozent, wobei
Jungen und Mädchen kaum einen Unterschied aufweisen (JIM-Studie 2010, S. 27). Die
durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer des Internets (Montag – Freitag) steigt weiter an
und liegt nach Selbsteinschätzung der Jugendlichen derzeit bei 138 Minuten – im Vergleich
zu 2008 ein Anstieg von 21 Minuten und zum Vorjahr von 4 Minuten“ (JIM-Studie 2010, S. 27
f.).
Jugendalltag vernetzt, mobil und kommunikativ
Das wichtigste Motiv für Jugendliche, das Internet zu nutzen, ist Kommunikation. Nach dem
heutigen Stand der Jugendforschung verbringen sie die Hälfte des gesamten Zeitbudgets mit
Kommunikation. Freunde sind so wichtig wie die Familie. Hundert und mehr Freunde in
Sozialen Netzwerken wie schülerVZ oder Facebook sind üblich. Dabei trifft die Befürchtung,
die jungen Leute würden zuhause vor dem Computer vereinsamen, nicht zu. Die OnlineKommunikation bereitet die Face-to-face-Kommunikation jeweils vor.
Soziale Netzwerke und Instant-Messenger sind zentrale Elemente der OnlineKommunikation Jugendlicher
84 Prozent der 12- bis 19-Jährigen kommunizieren inzwischen in Sozialen Netzwerken.
Communitys haben Instant-Messenger wie ICQ und MSN verdrängt. Dennoch liegt die
Internetnutzung unter dem europäischen Durchschnitt. Für die EU Kids Online-Studie
wurden die 11 – 16-Jährigen nach Kompetenzen gefragt, „z.B. nach der Verwendung von
Bookmarks, Filtern und Privatsphäreneinstellungen. Im europäischen Vergleich verfügen die
deutschen Befragten über unterdurchschnittliche Fähigkeiten“ (EU Kids Online, erste
Befunde 2010, Teil 2.).
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Datensparsamkeit und Sicherheit
„watch your web“ als gemeinsame Aktion dutzender Institutionen im Jahr 2009, die sich mit
der Medienkompetenzförderung von Kindern und Jugendlichen befassen, trägt Früchte:
Mittels der Privacy-Optionen lässt sich - mehr oder weniger aufwändig - der Nutzerkreis
persönlicher Daten einschränken. 2009 hatten nur 46 % aller Jugendlichen die PrivacyOption aktiviert, 2010 67 %! Mädchen von 50 % auf 72 %, Gymnasiasten von 50 % auf 73 %
und sogar 18 – 19-Jährige von 45 % auf 71 %. (JIM-Studie 2010, S. 45). Ein Beispiel für
Erfolge des deutschen Jugendmedienschutzes und der Kompetenzzunahme innerhalb der
Peer-group, so dass Erziehende mehr Vertrauen in die sichere Internetnutzung ihrer Kinder
haben können.
„Persönliche Daten wie die Adresse oder Telefonnummer geben nur 8 % in den OnlineNetzwerken preis. 7 % geben ein falsches Alter an; im europäischen Durchschnitt tun dies
immerhin 17 %“ (EU Kids Online, erste Befunde 2010, Teil 2.).
Onlinerisiken
„Nach eigenen Angaben haben 12% der europäischen Kinder und Jugendlichen zwischen 9
und 16 Jahren bereits Erfahrungen mit dem Internet gemacht, die sie unangenehm berührt
oder verletzt haben; unter den 9- bis 10-Jährigen sind dies 9%.“ (EU Kids Online, erste
Befunde 2010, Teil 1.2.). Die Kinder nennen am häufigsten die beiden Online-Risiken
Online-Kontakte mit Fremden sowie Kontakte mit belastenden oder verletzenden
nutzergenerierten Inhalten. „22% der 11- bis 16-Jährigen – diese Frage wurde nur den
älteren Kindern gestellt – haben bereits Kontakte mit belastenden oder verletzenden
nutzergenerierten Inhalten gemacht, darunter Hassforen (12%), Pro-Anorexia bzw.
Magersucht (11%), Selbstverletzung (8%), Drogen (7%) und Selbstmord (5%)“ (EU Kids
Online, erste Befunde 2010, Teil 1.3.).
Der strenge Jugendmedienschutz in Deutschland bis zur Indizierung jugendgefährdender
Inhalte zeigt auch hier Wirkung: „Im Hinblick auf Erfahrungen mit Bildern mit sexuellem oder
pornographischem Inhalt sind deutsche Kinder offenbar eher selten betroffen: 12% der 9- bis
12-Jährigen haben in den letzten 12 Monaten in irgendwelchen Medien solche Bilder
gesehen; nur 5% gaben an, sie im Internet gesehen zu haben. Alle anderen Länder weisen
höhere Werte auf“ (EU Kids Online, erste Befunde 2010, Teil 2.).
Kein Geschlechterunterschied in der Internetnutzung von Jungen und Mädchen
Geschlechtsspezifische Unterschiede, die in anderen Zusammenhängen bedeutsam sind,
sind in der Internetnutzung fast völlig verschwunden. Und auch der Digital gap, die geringere
Internetnutzung der Hauptschüler schleift sich ab: 12 % der Gymnasiasten und 25 % der
Hauptschüler sind nicht vernetzt (JIM-Studie 2010, S. 41).
Computer-/Konsolen- und Onlinespieler
Allein beim Spielen zeigen sich die größere Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen:
Unter Berücksichtigung aller Spielmöglichkeiten spielen 35 % der Jugendlichen täglich bzw.
mehrmals pro Woche elektronische Spiele. Mit 55 % sind es deutlich mehr Jungen als
Mädchen mit 14 %, die elektronische Spiele spielen. 20 % der Jugendlichen spielen
überhaupt keine elektronischen Spiele. Nur bei 7 % der Jungen, aber bei 31 % der Mädchen
ist dies der Fall. Mit zunehmendem Alter nehmen viele Jugendliche von der elektronischen
Spielewelt Abstand. „So zählen bei den 12- bis 13-Jährigen nur zehn Prozent zu den NichtSpielern, bei den 18- bis 19-Jährigen sind es dann schon 30 Prozent. Ihre tägliche
Spieldauer schätzen die Jugendlichen im Durchschnitt auf 65 Minuten unter der Woche (MoFr), am Wochenende wird eine gute Viertelstunde länger gespielt (82 Min.)“ (JIM-Studie
2010, S. 36).
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HANDYNUTZUNG
Jugend ohne Handy fast nicht mehr vorstellbar
Mit einer Ausstattungsquote von 97 % ist das Handy das am meisten verbreitete Medium
unter Kindern und Jugendlichen.
Aufgrund ihrer vielfältigen Funktionen können moderne Handys als Multimediageräte
bezeichnet werden. 90 % der Jugendlichen können Daten über die Bluetooth-Funktion
übermitteln und eine Kamera ist für sie selbstverständlich. Die Handys der meisten
Jugendlichen verfügen über MP3-Player bzw. Radio und werden entsprechend auch zum
Abspielen von Musik genutzt. 80 % besitzen einen Internetzugang auf ihrem Handy und 25
% eine Ortungsfunktion über GPS. „Etwa jeder Zehnte kann sogenannte „Apps“ (zusätzliche
Anwendungsprogramme, wie z.B. Fahrplandienste, Wettervorhersagen) auf das Handy
laden und sich damit weitere Anwendungsmöglichkeiten erschließen“ (JIM-Studie 2010, S.
55).
Handy: ein Multimediagerät, das vorwiegend zur Kommunikation genutzt wird
Fast 80 % der Besitzer von Handys nutzen regelmäßig die meistfrequentierten
Handyfunktionen SMS und Telefon. 63 % spielen mit dem Handy regelmäßig Musik ab und
37 % nutzen es mehrfach in der Woche zum Fotografieren oder Filmen. „Per Bluetooth
überträgt ein Viertel MP3-Dateien, ein Fünftel Fotos oder Filme auf andere Geräte.
Handyspiele nutzen 17 Prozent.“ (JIM-Studie 2010, S. 56).
Die technischen Möglichkeiten werden häufig auch mit Risiken in Verbindung gebracht,
beispielsweise mit Cyber-Mobbing oder Gewalt. Die schnelle und scheinbar anonyme
Verbreitung, der potentielle Personenkreis, die Permanenz über 24 Stunden pro Tag und die
nicht mögliche Rückholbarkeit von Daten können zur Eskalierung einer Situation beitragen.
Dennoch ist es eine wesentliche Erkenntnis der Studie EUKids online, dass das Risiko,
Opfer von Cyber-Mobbing zu werden, bei nur 4 % liegt, ein Gegensatz zum Mobbing „offline“
in der Klasse, auf dem Schulhof oder in der Gruppe der Gleichaltrigen mit 18 %. Im
europäischen Vergleich liegt Cyber-Mobbing bei 5 % wohingegen die sonstigen Formen des
Mobbing bei 19 % liegen (EU Kids Online 2010, S. 69).
Die Entwicklung durch die rasch zunehmende Verbreitung der vielseitigen Smartphones
muss von allem von den am Medienerziehungsprozess Beteiligten kritisch begleitet werden.
Literatur/Quellen:
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•
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.) (2011): KIM-Studie 2010.
Kinder + Medien, Computer + Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis
13-Jähriger in Deutschland. Stuttgart.
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.) (2010): JIM-Studie 2010.
Jugend, Information, (Multi-)Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis
19-Jähriger in Deutschland. Stuttgart.
EU Kids Online (2010): Risiken im Internet. Erste Befunde einer empirischen
Untersuchung zur Onlinenutzung von Kindern und Jugendlichen. Überblick über
europäische Ergebnisse und ausgewählte Befunde für Deutschland. Kap. 1.4. Zum
Kontext der Internetnutzung). URL http://www.hans-bredowinstitut.de/webfm_send/521 (31.1.2011)
Sonia Livingstone, Leslie Haddon, Anke Görzig and Kjartan Ólafsson, with members
of the EU (2010): The perspective of European children Initial findings from the EU
Kids Online survey of 9-16 year olds and their parents. Kids Online network. URL:
http://www.hans-bredow-institut.de/webfm_send/520 (31.1.2011)
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•
Shell Deutschland Holding (Hrsg.) (2010): 16. Shell Jugendstudie. Jugend 2010 Eine pragmatische Generation behauptet sich. Albert/Hurrelmann/Quenzel/TNS
Infratest. Frankfurt/Main.
Quelle: http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/JugendmedienschutzMedienerziehung/internet-handy,did=131860.html
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Fragen zur Nachbereitung:
Womit hat das Stück begonnen?
Welche Rollen spielt Schauspielerin 1?
Welche Rollen spielt Schauspielerin 2?
Welche Rolle hat euch am Besten gefallen? Warum?
Mit welcher Rolle könnt ihr euch am Stärksten identifizieren? Warum?
Was ist Schönheit? Was ist Schön?
Ist Aussehen für euch wichtig?
Was findet ihr an Anderen Schön? (Nicht nur Äußerlichkeiten)
Hättet ihr auch gerne einen Spiegel, der euch immer die Wahrheit sagt?
Welche Fragen würdet ihr dem Spiegel stellen?
Was denkt ihr über Castingshows, wie zum Beispiel „Germany`s next Topmodel“?
Habt ihr die Anspielung auf „DSDS“ entdeckt?
Habt ihr schon Erfahrung mit Facebook?
Wie fandet ihr das, dass Schneewittchen schon mit sechs Jahren bei Facebook war?
Wie fandet ihr die Musik?
Wie endet das Stück?
Könnt ihr euch ein anderes Ende vorstellen?
Wie haben euch die Kostüme und das Bühnenbild gefallen?
Was hat euch überrascht oder irritiert? Warum?
Gab es Szenen, die euch nicht so gut gefallen haben? Warum?
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Theaterpädagogische Übungen zu "Schwarz wie Tinte":
Damit Sie für die schauspielerischen Übungen Platz haben, räumen Sie die Tische im
Klassenraum zur Seite oder nutzen Sie einen Musikraum oder die Aula.
Thema: Die Geschichte erzählen
Alle stehen im Kreis, dann wird nacheinander und ganz schnell (ohne zu überlegen!) die
Geschichte von Schneewittchen erzählt - aber jeder darf nur einen Satz sagen, dann ist der
nächste dran. Wie "durcheinander" ist unsere Erzählung? Und wurde auch kein Aspekt der
Geschichte vergessen?
Hier ergeben sich oft interessante Diskussionen darüber, was in der Geschichte wichtig ist und auch darüber, wer der Vater von Schneewittchen ist ...
Thema: Szenen spielen
Zwerge spielen:
Wie spielt man Zwerge? Und wie kann man die sieben Zwerge unterscheiden?
Die Kinder werden aufgefordert, sich unterschiedliche Zwerge auszudenken und diese auch
vorzuspielen. Dabei sollten die Zwerge am besten nur mit einem Adjektiv beschrieben
werden, z.B. fröhlich, schüchtern, cool, muffelig ... Dabei kommt man am Ende häufig auf
mehr als sieben Zwerge. Zum Abschluss werden alle unterschiedlichen Zwerge gleichzeitig
vorgeführt und marschieren einmal durch den ganzen Raum.
Schneewittchen spielen:
Bilden Sie mit den Kindern jeweils Zweiergruppen.
Jede Gruppe soll nacheinander die ganze Geschichte im Schnelldurchlauf spielen möglichst ohne lange zu überlegen, ganz spontan. Dabei müssen die beiden alle Rollen
übernehmen.
Szenen darstellen:
Die Kinder werden in Gruppen eingeteilt, möglichst Zweier- oder Dreiergruppen, und sollen
verschiedene Standbilder zur Geschichte bauen (z.B. die Mutter und der Spiegel/
Schneewittchen und der Jäger/ Schneewittchen bei den Zwergen/ Schneewittchen und die
Hexe ...)
Szenen nachstellen:
Zwei oder drei Schüler/innen sollen eine Szene des gesehenen Stückes als Standbild
nachbilden. Die Übrigen müssen erraten, um welche Szene es sich handelt. Es können auch
Fragen an die Darstellenden gestellt werden, zum Beispiel: "Was fühlst du gerade?", "Was
hast du als nächstes vor?", " Was wünscht du dir?"
Thema: Ablehnung und Zuneigung
Die Schüler/innen bilden einen inneren und einen äußeren Kreis. Der Innere blickt nach
außen, der Äußere nach innen. Die dadurch entstandenen sich anblickende Paare wechseln
zwischen Ablehnung und Zuneigung ab.
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Die Ablehnung kann mit Ausrufen wie "Hau ab", "Ich mag dich nicht", "Geh weg", etc., die
Zuneigung mit liebevollen, aufmunternden oder verzeihenden Worten unterstützt werden.
Allerdings sollte nicht zu viel gesprochen werden, sondern lieber mit Blicken und Gesten
gearbeitet werden.
Auf ein Zeichen von Ihnen (Klatschen/Pfiff) wechselt der äußere Kreis im Uhrzeigersinn, so
entsteht ein Partnertausch.
Thema: Wettbewerb und Konkurrenz
Zeitlupenwettlauf:
Alle starten auf einer Seite des Saales. Man darf sich nur in Zeitlupe bewegen, so langsam
wie möglich, man muss sich aber ständig vorwärts bewegen. Gewonnen hat der, der als
Letzter ankommt.
Supertalent:
Jeder hat 5 Minuten Zeit, sich ein besonderes Talent, oder eine neuartige Entdeckung
auszudenken. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Es wird eine Jury mit ca. drei Teilnehmern gewählt. Nun präsentieren alle nacheinander in
einem kurzen Showauftritt ihr Talent etc. Am Ende wählt die Jury das Supertalent und
begründet ihre Entscheidung.
Thema: Spiel im Spiel
Wählen Sie eine allen bekannte Geschichte, oder ein Märchen aus. Bilden Sie anschließend
eine Gruppe von ca. sechs Mitspielern, die die Geschichte / das Märchen den Zuhörern
erzählen soll. Allerdings wird der Gruppe vorgegeben, welche Art von Gruppe sie darstellen,
zum Beispiel sind sie eine Kindergartengruppe, Bewohner eines Altersheim, Insassen einer
Nervenheilanstalt, oder Wissenschaftler.
Wie verändert sich die Geschichte durch die wechselnde Identität der Erzähler?
Was kennzeichnet das Spiel im Spiel?
Viel Spaß!
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Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ruth_de_Gooijer
http://de.wikipedia.org/wiki/Schneewittchen
http://de.wikipedia.org/wiki/Schneewittchen#Filme_.28Auswahl.29
http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/familie/stieffamilien/portraet_stiefeltern.jsp
http://www.ksta.de/psychologie/patchworkfamilien-wie-wird-man-eine-gute-stiefmutter,15938558,21464378.html
http://www.urbia.de/magazin/familienleben/muetter/muetter-und-toechter-zwischenanbetung-und-ablehnung?page=2
http://www.t-online.de/eltern/jugendliche/id_64856230/mutter-tochter-beziehung-zwischenliebe-und-konflikt.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Postpartale_Stimmungskrisen
http://www.mopo.de/psychologie/-narzissmus-wenn-der-schoenheitswahn-krankhaftist,9594626,24636320.html
http://www.sueddeutsche.de/bayern/schoenheitswahn-im-kinderzimmer-schlank-um-jedenpreis-1.1856963
http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/531039/Wenn-der-Schonheitswahn-denJugendkult-trifft
http://www.fan-television.de/news/niedersachsen/schoenheitswahn-immer-mehr-kinder-undjugendliche-in-niedersachsen-wegen-essstoerung-in-klinik
http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/Jugendmedienschutz-Medienerziehung/internethandy,did=131860.html
Fotos:
Inszenierung „Schwarz wie Tinte“ Theater Lüneburg: Andreas Tamme
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Seele and Geist
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