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Bettennotstand in Kinderkliniken: Zustände wie im Lazarett - Archiv

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HAMBURG
Dienstag, 29. Februar 2000
Altona: Überfall
auf Restaurant
Bei einem Überfall auf ein Restaurant an der Max-BrauerAllee (Altona) erbeuteten zwei
Räuber am Montagmorgen gegen 0.25 Uhr etwa 500 Mark.
Es saßen noch 25 Gäste in dem
Lokal, als die zwei mit Schals
maskierten Männer den Gastraum betraten. Einer der Täter blieb im Eingangsbereich
stehen und bedrohte die Anwesenden mit einer Pistole,
während der andere zum 31
Jahre alten Angestellten hinter den Tresen ging, ihm auf
die Nase schlug und das Geld
aus der Kasse nahm. Dann
flüchteten die beiden in Richtung Eimsbütteler Chaussee.
Das Raubdezernat des LKA ermittelt.
ph
Hamburger Abendblatt
Bettennotstand in Kinderkliniken:
Zustände wie im Lazarett
Hektik auch bei den Kinderkrankenschwestern: Natascha Mazurkiewicz
(31,2. v. l.) und Gabi Holst (42) mit Amina und ihrer Mutter.
LÜTT BETEN
PLATT MIT’T
ABENDBLATT
Von GÜNTER HARTE
Die Kinderkrankenschwestern haben viel zu tun: Agnes Gornowitz (22)
versorgt Nicole (18 Monate) auf dem Schoß der Mutter.
Dat weer
domools
kiebig!
Dree von mien Sportfrünnen, mit de ik ok mol en
Skoot kloppen do, sünd
op een School west. Se
sünd jünger as ik, üm de
soßtig rüm. − Nuletzt keem
Egon an: „Hebbt ji heurt,
dat Dr. Block storben is?“
Goot 80 Johr weer de
worrn, de Mathe- un Physiklehrer, den Egon un Peter ok mol as Klassenlehrer hatt harrn. Natürlich
vertellen se nu von den. . .
Een Sook holl ik hier mol
fast: Dat mutt in’n Winter
1954 west sien, meen
Egon, se stunnen in’n Hupen op’n Hoff, do smeet
een en Sneeball in de open
Finsterklapp von’t Lehrerzimmer. Se lachen sik bi’t
Hoochgohn noch kringelig; man Dr. Block smuuster nu keen beten in de
Klass’, freug kott: „Wer
war’s denn?“ As sik − natürlich − kener mellen dä,
kregen se rums de Order:
„Alle schreiben zu morgen
fünfzigmal auf ’Schneeballwerfen ist in der Schule verboten!’ − So, Mathematikbuch S. 42 aufschlagen!“
Do mell Egon sik: „Herr
Dr. Block!“
De wünk af: „Ich will darüber nicht diskutieren!“
Do sä Egon, un dat weer
domools groodto kiebig:
„Aber ich, mit Verlaub!“
Wo harr he as Eimsbuttler
Buttje düssen Utdruck
her? − De ganze Klass’
teuf nu op en Dunnerwetter. Man no so’n 10-15 Sekunnen sä Dr. Block: „Mit
Verlaub, Egon Buck, was
hat er denn vorzubringen?“
Wo sik dat nu anheur!
Wat weer denn nu −?! Domools worr veel von ’Kollektiv’ snackt, von ’Individuum’ un ’Gemeinschaft’
un dor mutt Egon wat in’n
Achterkopp hatt hebben;
denn he sä nu: „Was halten Sie denn von einer Kollektivstrafe? Darüber hätte ich gern diskutiert, mit
Verlaub.‘ − Dor mutt he bi
den Lehrer wat mit anreugt hebben; de seet an’t
Pult un keek, keek ober
mehr in sik rin as op de
Scheulers, un dat weer
ganz still.
In düsse Stillte rin sä nu
Thomas Schotte: „Ich hab’
übrigens den Schneeball
geworfen, Herr Dokter!“
Dr. Block nieckkopp
man so eben un sä denn:
„Ja, ein Fehler, die Kollektivstrafe! − Warum, Egon?
Warum, ihr alle?“ − Do
hebbt wi snackt un vertellt
un diskereert, sän Egon un
Peter, kemen op Enkelte
un Gruppen un Völker, op
Kollektivschuld oder nich,
un uns Lehrer heur to un
snack mit, un de Sneeball
weer vergeten un de Kollektiv-Stroofarbeit ok. Un
düssen Dag hebbt wi nie
vergeten, Dr. Block is en
wichtige Persoon for uns
worrn, „un in uns blifft he
lebennig“, sä Egon.
LL
Dr. Frank Baumann, Chefarzt der Kinderabteilung im Krankenhaus Mariahilf, untersucht den 17 Monate alten
Lukas Fabian Koch. Er wurde mit einem Fieberkrampf in der Klinik aufgenommen.
Betroffene Eltern sind empört − Chefärzte appellieren an die
Behörde, keine weiteren Streichungen vorzunehmen
Von ANNETTE WELCKER
und CORNELIA WERNER
Der Albtraum aller Eltern: Mitten
in der Nacht mit einem hochfiebrigen Kind durch Hamburg rasen. Für Mirko Krüger aus Rahlstedt wurde dieser Schrecken mit
seiner 21 Monate alten Tochter
Realität: „Wir fuhren mit unserer
Marike zum Wilhelmstift. Diagnose: Lungenentzündung. Aber
es war kein Bett in der Kinderklinik frei“, berichtet der junge Vater aufgebracht. Im Krankenhaus
Mariahilf sei jedoch ein Platz frei,
hieß es. Die Eltern packten ihr
Kind voller Angst wieder ins Auto
und rasten quer durch die Stadt
in den Süden Hamburgs. „Ich
wusste noch nicht einmal, wie ich
von Rahlstedt nach Harburg
kommen sollte. So etwas würde
ich nicht noch einmal machen.
Und wenn ich mit dem Kind auf
dem Flur übernachten muss“,
schimpft Mirko Krüger.
Marike ging es immer schlechter. Das kleine, zarte Mädchen
musste sich während der Fahrt
übergeben. Gegen vier Uhr morgens hatte die Odyssee im Krankenhaus Mariahilf ein Ende. Aber
auch in diesem Krankenhaus
sind alle Kinderbetten hoffnungslos überfüllt. Mirko Krüger
schläft jetzt auf einem mitge-
brachten Feldbett im Zimmer seiner Tochter − gemeinsam mit drei
weiteren kleinen Patienten und
deren Eltern. Um sich überhaupt
in dem Zimmer bewegen zu können, werden tagsüber alle Taschen und Betten zusammengerollt und unter die Gitterbetten
geschoben. Eine Situation wie im
Lazarett.
Weinende Kinder, besorgte Eltern, hastende Ärzte und Schwestern zwischen Gitterbetten, Kinderkarren und -spielzeug in den
Zimmern und Fluren der Hamburger Kinderkliniken − das ist
zurzeit bittere Realität in der
Hansestadt. Teilweise müssen
kranke Kinder bis nach Lüneburg, Lübeck oder Kiel geschickt
werden, weil nirgendwo ein Klinikbett für die Kleinen aufzutreiben ist. Weit weg von zu Hause.
Manche Eltern stellt das vor nahezu unlösbare Probleme. Vor allem, wenn noch weitere Kinder zu
betreuen sind, wie bei der Familie von Katharina Pauk.
Die junge Mutter aus Sülldorf
musste auch vom Altonaer Kinderkrankenhaus zum Mariahilf
quer durch Hamburg fahren, um
ihren kleinen Sohn Julian (2) mit
einer eitrigen Mandelentzündung
in der Klinik betreuen zu lassen.
Das Altonaer Kinderklinikum ist
randvoll. „Wir haben alle 200
Betten belegt und entlassen täglich bis zu 50 Kinder, um neue
aufnehmen zu können“, betont
Prof. Frank Riedel, Ärztlicher Direktor der Klinik. Der Kinderspezialist hat bereits ohne Pause
zwei Nächte durchgehend gearbeitet.
„Zwischen November und
März erkranken jedes Jahr vor
allem Säuglinge und Kleinkinder
unter drei Jahren so schwer an
Infektionen, dass sie in die Klinik
müssen, weil ihr Immunsystem
noch nicht so stark ist“, erklärt
Dr. Frank Baumann, Chefarzt der
Kinderabteilung im Krankenhaus Mariahilf, die schwierige Situation. Auch Schwestern und
Ärzte gehen bei der Betreuung
der kleinen Patienten bis an ihre
Belastungsgrenzen. Zehn Tage
ärztlicher Dauerdienst seien an
der Tagesordnung, da in diesem
Jahr besonders viele kleine Patienten an schweren Lungenentzündungen erkrankt seien und
deshalb künstlich beatmet werden müssten, ergänzt Priv.-Doz.
Dr. Hans-Dieter Frank, Chef der
Kinderabteilung im Kinderkrankenhaus Wilhelmstift. „Die niedergelassenen Kinderärzte telefonieren sich die Finger wund,
um ein Bett für ein krankes Kind
zu bekommen“, sagt Priv.-Doz.
Dr. Norbert Veelken, Chef der
Mirko Krüger tröstet seine kleine Tochter Marike (21 Monate). Taschen
und Klappbett sind unter dem Gitterbett verstaut.
Fotos: SAWATZKI
Charlyn Terpe, knapp drei Monate, liegt seit einigen Tagen auf der Kinderstation des Krankenhauses Mariahilf.
Kinderklinik
im
Klinikum
Nord / Heidberg.
Alle Chefärzte der Kinderkliniken und -abteilungen bitten bei
betroffenen Eltern um Verständnis für diese schlimme Situation.
Gleichzeitig appellieren sie an die
Behörde für Arbeit, Gesundheit
und Soziales, von weiteren Bettenstreichungen in ihrem Bereich
Abstand zu nehmen. Seit 1980
wurde bereits ein Drittel der Kinderklinikbetten abgebaut. Zurzeit gibt es für die 274 510 Kinder
unter 18 Jahren in Hamburg 652
Klinikbetten. Und in der Hansestadt werden viele Kinder aus
dem Hamburger Umland medizinisch versorgt. „Bei noch weniger
Betten in den Kinderkliniken hätten wir dann Zustände wie in
Großbritannien“, so Prof. Riedel.
15
Regenbogen:
Scharfe Kritik
an rot-grüner
Abschiebepraxis
Die Regenbogen-Gruppe in
der Bürgerschaft hat die „gnadenlose Hamburger Abschiebepraxis“ der rot-grünen Koalition erneut kritisiert. Die
GAL-Abspaltung fordert in einem Parlamentsantrag die
Zurücknahme „aller Verschlechterungen“ für ausreisepflichtige Ausländer seit Beginn des SPD/GAL-Bündnisses.
Im Zentrum der Regenbogen-Kritik stehen Abschiebungen trotz ärztlicher Atteste und die Trennung von Familien. Der Streit über rund 700
angebliche „Gefälligkeitsgutachten“ von Ärzten, häufig unmittelbar vor einer geplanten
Abschiebung vorgelegt, hatte
im vergangenen Jahr zu einem
Zwist zwischen der GAL und
Innensenator
Hartmuth
Wrocklage (SPD) geführt. Der
daraufhin gefundene rot-grüne Kompromiss sah vor, bei
der Ausländerbehörde einen
ärztlichen Dienst einzurichten. Die beiden seit Oktober
dort tätigen Mediziner sollen
Gutachten ihrer niedergelassenen Kollegen überprüfen
und gegebenenfalls bei Abschiebungen mitreisen.
„Wir appellieren an die Ärzte, sich nicht in den Dienst der
Ausländerbehörde zu stellen“,
sagte die Regenbogen-Abgeordnete Susanne Uhl. Die Tätigkeit der Behörden-Ärzte
stehe im Widerspruch zu einem Beschluss des Deutschen
Ärztetages in Cottbus, in dem
es unter anderem heißt: „Abschiebehilfe durch Ärzte in
Form von Flugbegleitung. . .
oder Ausstellung einer ‚Reisefähigkeitsbescheinigung‘ unter Missachtung fachärztlicher Abschiebehindernisse. . .
sind mit den in der ärztlichen
Berufsordnung verankerten
ethischen Grundsätzen nicht
vereinbar.“ Die RegenbogenGruppe verlangt ein Bleiberecht für alle Ausreisepflichtigen, solange ärztliche Atteste
vorliegen.
„Man muss mit Menschen
menschlich umgehen. Wenn
das dazu führt, dass mehr
Menschen hier bleiben, finde
ich das in Ordnung“, sagte
auch Jürgen Ebert von der
kirchlichen Beratungsstelle
„flucht.punkt“. Nach den Worten Eberts sind ausreisepflichtige Flüchtlinge in Hamburg
„vogelfrei“. In „Nacht- und
Nebelaktionen“ würden sie
„morgens um 6 Uhr“ abgeholt.
Es gebe eine „permanente
Rechtlosigkeit“, die den psychischen Druck auf die Flüchtlinge enorm erhöhe. „Die Situation der Hilfesuchenden,
die zu uns kommen, hat sich
drastisch verschlechtert“, betonte Ebert.
Die
Regenbogen-Gruppe
verlangt die rechtzeitige Ankündigung und Vorbereitung
von Abschiebungen, um den
Flüchtlingen Gelegenheit zu
geben, dagegen rechtlich vorzugehen. Aus Sicht der Innenbehörde würden geplante Abschiebungen nach vorherigen
Ankündigungen ins Leere laufen, weil viele Ausreisepflichtige untertauchen würden.
Die Maßnahmen der Innenbehörde haben die Zahl der
Abschiebungen offensichtlich
erhöht: von 110 bis 130 auf
140 bis 160 Menschen pro Monat.
pum
Fluch und Segen der Medienlandschaft
Abendblatt-Serie „Wie helfe ich meinem Kind“ − Teil 2
Von PETER STRUCK
Die Medienlandschaft an sich ist
nicht schädlich; auf den Umgang
mit ihr kommt es an. Fernsehgeräte, Videorekorder, Gameboys,
Spielkonsolen, Computer und Internet-Anschlüsse vermögen unser aller Leben zu bereichern und
zu vereinfachen, sie können aber
auch schädlich sein, wenn schon
kleine Kinder zu früh, zu oft und
ohne Gesprächsbegleitung das
Falsche sehen, ganz zu schweigen von der möglichen Schädigung der Augen, der Brüste
(durch die Strahlenbelastung) sowie der Organe und Funktionen,
die auf viel Bewegung angewiesen sind.
Deutsche Kinder sehen heute
täglich im Schnitt 101 Minuten
fern, und schon bei den Drei- bis
Fünfjährigen sind es 81 Minuten.
82 Prozent aller Kinder sitzen
täglich vor dem Bildschirm, und
im Hamburger Stadtteil Horn, so
haben die dortigen Vor- und
Grundschulpädagogen
ausgezählt, kommen schon Fünf- und
Sechsjährige auf bis zu neun
Stunden täglichen Bildschirmkonsums.
Während Vorschulprogramme
von Vorschülern immer seltener
gesehen werden, neigen sie
gleichzeitig dazu, immer häufiger
Programme für Erwachsene sehen zu wollen: Sie empfinden
Kindsein oft als Kindischsein und
wollen daher die so wichtigen
Entwicklungsstufen nicht altersentsprechend ausleben, sondern
einfach überspringen, was ihnen
nicht gut tut, so dass sie in der
Schule mit psychomotorischem
Extraturnen versorgt werden
müssen, das gegen ihre Defizite
in puncto Bewegung, Muskelkoordination, Gleichgewichtssinn,
Hautsinn, Rückwärtsgehenkönnen und beim Rechnen kompensatorisch zu wirken bemüht ist.
Für 94 Prozent der deutschen
Kinder ist das Fernsehen mittlerweile ebenso wichtig wie die
Freunde, hat die „Kids-Verbraucher-Analyse“ der Verlage Bastei, Bauer und Axel Springer ergeben. Es folgen Musikhören (90
Prozent), Radfahren (84 Prozent),
Videogucken (77 Prozent), Radio-
<>
Nr. 50
hören (76 Prozent) und Fußballspielen (70 Prozent).
48 Prozent der Sechs- bis 17Jährigen besitzen inzwischen
schon einen eigenen Fernseher
auf ihrem Zimmer und 72 Prozent einen eigenen Radiorekorder. Während jeder vierte Junge
in Deutschland täglich mindestens ein´ Computerspiel spielt,
macht das aber nur jedes achte
Mädchen. Umgekehrt arbeiten
Mädchen im Jugendalter wesentlich mehr am Computer als Jungen, die daran lieber spielen, so
dass die Mädchen die Jungen
mittlerweile in Bezug auf Informatikkompetenzen im Unterricht
der Schule eingeholt oder sogar
überholt haben.
Die Medienlandschaft hat sich
derart rasch verändert, dass wir
heute schon von dem „multimedial vernetzten Kinderzimmer“
sprechen, das dazu geführt hat,
dass junge Menschen mit ganz
anderen Hirnvernetzungen aufwachsen, als die Erwachsenen es
dermaleinst taten. Computerkids
haben eine andere Fehlerkultur
drauf als die meisten Erwachse-
Seite 15
2
nen: Sie sehen Fehler als Umwege
zu einem Ziel an, als Chance zum
Rückwärtsgehen und zum Nocheinmal-von-vorn-Anfangen, als
sinnvolles Element von Fortschrittsstrategien über Versuch
und Irrtum, während Erwachsene viel zu viel Angst vor Fehlern
haben und immer noch geneigt
sind, Fehlermachen zu bestrafen,
obwohl doch der Fehler an sich
schon Strafe genug sein könnte,
weil er immerhin Zeit auf dem
Weg zum Ziel kostet.
Viel fernsehende Kinder haben
oft Probleme mit stehenden
schwarz-weißen Bildern, die sie
nicht mehr so ohne weiteres
wahrnehmen und erfassen, weil
sie im Vergleich zum farbigen ac-
Schwarz
E-Blau
E-Rot
E-gelb
tionreichen Bild aus Kalifornien
zu reizschwach sind. Andererseits nehmen sie viel leichter als
Erwachsene komplexe Reize
wahr. Wenn in einem Film des
Regisseurs Oliver Stone neben
der Haupthandlung noch drei Nebenhandlungen in den Bildecken
spielen, bekommen Erwachsene
Erfassungs- und Verständigungsprobleme, Fernsehkids aber
nicht. Wenn Erwachsene im Urlaub einen Spielfilm zum Beispiel
auf Portugiesisch sehen, haben
sie Mühe, dem Inhalt des Films zu
folgen, Kinder aber eventuell
nicht, weil sie früh gelernt haben,
einen Film ausschließlich vom
Bild her zu verstehen, wenn sie
schon als Dreijährige stundenlang „vor der Glotze geparkt“
wurden, also die Sprache, die einem Film zu Grunde liegt, noch
nicht verstehen konnten.
Zusammenfassend lassen sich
folgende Empfehlungen geben:
Kinder bis zum Ende des dritten Lebensjahres sollten nie vor
dem Bildschirm sitzen, weil er ihren Augen nicht gut tut.
Kinder von vier bis fünf Jahren
sollten höchstens 20 Minuten täglich vor dem Bildschirm hocken.
Kinder von sechs bis neun Jah-
ren ertragen täglich eine halbe
Stunde Bildschirmkonsum zu
Hause und eine weitere vor dem
Lerncomputer in der Schule.
Zehn- bis 13-jährige Kinder
sollten nicht länger als eine Stunde zu Hause plus eine Stunde in
der Schule vor dem Fernsehbzw. Computerbildschirm sitzen.
Vom 14. Lebensjahr an können
es täglich zwei Stunden zu Hause
und zwei Stunden in der Schule
sein, vorausgesetzt, es finden
auch täglich mindestens zwei
Stunden Bewegungsherausforderungen durch Sport, Inlineskaten oder Wandern statt.
Ab Klasse 12 sollte der häusliche und schulische Gesamtumfang des Sitzens und Spielens vor
dem Bildschirm fünf Stunden im
Schnitt nicht überschreiten.
Bis zum elften Lebensjahr sollten Kinder keinen Fernseher und
keinen Computer auf ihrem Zimmer, aber schon im Haushalt zu
Verfügung haben.
Lesen Sie im dritten Teil der Serie morgen: „Lachen und paradoxe Intervention.“
!
Prof. Peter Struck ist Erziehungswissenschaftler an der Universität Hamburg.
L
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Seele and Geist
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