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09.03.2014 Predigt über Jakobus 1, 12-18 „Wie wir Prüfungen

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09.03.2014
Predigt über Jakobus 1, 12-18 „Wie wir Prüfungen bestehen“
Pfr. Michael Schaan
Da steht sie auf dem Schulhof, genauer gesagt, in der Ecke. Allein gelassen. Ihre beste
Freundin hat sie vor die Wahl gestellt: Entweder du machst heute Abend mit, oder du bist
für mich passé. Ist es eigentlich so schlimm, an der Party teilzunehmen? Feiern kann doch
nichts Schlechtes sein! Was kann sie dafür, dass einige Gras rauchen? Und nach dem
Urteil der anderen, so schlimm ist es gar nicht. Was die Eltern immer nur denken.
Die haben ja gar keine Ahnung. Sie verbieten nur. Ausprobieren kann man´s ja mal.
Deswegen ist man noch nicht nicht gleich ein Junkie. Und so leicht kommt man nicht
wieder dran – und dazu noch kostenlos. Wie wird sie sich entscheiden?
Und wie entscheidet sich ihr Vater? Er ist dabei ein Haus zu bauen. Jetzt hat er einen
größeren Auftrag zu vergeben – aber der finanzielle Spielraum ist ziemlich eng. Da kommt
ein Handwerksmeister und macht ein verlockendes Angebot: „Wir können den Auftrag
auch privat ausführen. (D.h. ohne Rechnung, ohne Mehrwertsteuer, auf gut deutsch:
schwarz). Immerhin ließen sich so einige Tausend Euro sparen....
Liebe Gemeinde!
Erfahrungen wie diese sind uns wohl allen geläufig – in der einen oder anderen Form.
Laufend sind wir Versuchungen ausgesetzt. Und das ist kein Novum unserer Zeit.
Zu allen Zeiten waren Christen Versuchungen ausgesetzt. Man könnte sagen: Zum
Christsein gehören Versuchungen.
1. Versuchungen sind „normal“
Den Begriff „Versuchung“ kennen wir aus unserer Alltagssprache. Ein Schokoladehersteller wirbt mit der „zartesten Versuchung, seit es Schokolade gibt“.
Wir reden von Versuchung, wenn die Sahne-Torte lockt oder wir doch länger vor dem
Fernseher sitzen bleiben als zunächst vorgehabt. Gerade das Stück Torte macht deutlich,
worum es bei Versuchung geht. Wir haben einen Vorsatz, einen Plan oder ein Ziel gefasst,
das wir einhalten wollen oder müssen: z.B. auf die schlanke Linie achten. Und das
Tortenstück ist nun der Auslöser (skandalon), durch den wir von diesem Ziel abgebracht
werden.
In der Versuchung werden wir auf die Probe gestellt, geprüft ob wir unserem Ziel treu
bleiben oder uns davon abbringen lassen. Von daher verstehen wir diesen Begriff negativ.
Lasse ich die Endsilbe weg, stellt sich der Begriff anders dar. Dann reden wir von einem
Versuch, einer Probe oder auch einer Prüfung - und das ist zunächst mal nicht Schlechtes.
Ein Auto muss erstmals nach drei und dann alle zwei Jahre zum TÜV, damit es verkehrstüchtig bleibt. Schüler müssen in der Schule Tests und Klassenarbeiten schreiben, damit
ihr wisst, ob ihr den Lernstoff kapiert habt.
Ihr Konfirmanden hattet vor kurzem einen Wissens-Check, damit wir sehen, ob ihr die
behandelten Themen auch einigermaßen verstanden habt und nicht nur blind irgendwelche Text auswendig lernt. Und Christen jeglichen Alters werden von Zeit zu Zeit einer
Prüfung untergezogen, damit erkennbar wird, ob der Glaube was taugt.
Von Gott heißt es: „Du, gerechter Gott, prüfst Herzen und Nieren“ (Psalm 7,10). Auch die
40 Jahre Israels in der Wüste werden als Prüfungszeit bezeichnet (5. Mose 8,2).
Bei einer Prüfung geht es darum, das Gute und Richtige ans Licht zu bringen, das was
man theoretisch gelernt hat – jetzt anzuwenden. Prüfungen gehören zum Leben, auch
wenn wir sie nicht unbedingt mögen.
Jakobus 1, 12-18
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Prüfungen müssen sein - aber jeder ist froh, wenn sie vorbei sind. Geht es uns mit den
Glaubensprüfungen nicht auch so? Doch nun schreibt Jakobus hier: Sei glücklich - danke
Gott dafür - freu dich darüber, dass dein Glaube auf den Prüfstand kommt.
Meine erste Reaktion: Vielen Dank dafür. Mir ist es lieber, die Prüfungen bleiben aus.
Ich fühle mich wohler, wenn alles seinen normalen Gang geht.
Aber Jakobus macht deutlich: mit Glaubensprüfungen stößt Gott uns nicht von sich weg.
Gott ist doch kein Teufel, der Böses mit uns im Schilde führt. Er ist der vollkommen Gute,
der uns vollkommen Gutes tun will. Er will uns nicht zum Bösen verführen, sondern er
zieht uns noch näher an sein Herz. Glaubensprüfungen sind ein Weg Gottes mit uns, um
unseren Glauben zu festigen.
Jakobus spricht hier eine Wahrheit aus, die in der Pädagogik schon längst erkannt ist:
Kinder, die zu sehr in Watte gepackt werden, packen das Leben nicht. Kinder, denen die
Eltern alle Steine aus dem Weg räumen, taugen nicht fürs Leben. Jugendliche, die um
nichts kämpfen müssen, kommen bei der ersten größeren Herausforderung unter die
Räder.
Eltern tun ihren Kindern nichts Gutes, sondern etwas Schlechtes, wenn sie ihnen jeden
Wunsch sofort erfüllen. Kinder, die nie warten gelernt haben - werden unerträgliche,
egozentrische Erwachsene. Jugendliche, die nie gelernt haben, wie schwer es ist, sein
eigenes Geld zu verdienen, lernen nie Sparen. Konfirmanden, die in ihren Zimmern alles
haben, was das Herz begehrt, werden Erwachsene, die unangemessene und unerfüllbare
Wünsche an das Leben haben - und im Grunde lebensuntauglich sind.
Es entspricht auch der Erfahrung vieler Christen von den ersten Jüngern angefangen bis
heute: Der Glaube, der nicht auf die Probe gestellt wird, ist kein echter Glaube. Das
Leben, das nicht erkämpft und teuer erkauft ist, taugt nicht für die Ewigkeit, taugt nicht für
den Himmel. Hart, aber wahr!
2. Prüfungen können bestanden werden
Die gute Nachricht lautet: Es ist keine Sünde, versucht zu werden. Egal, wie lange wir
schon Christ sind – wir werden niemals ein versuchungsfreies Leben führen können.
Nicht einmal, wenn wir allen irdischen Freuden entsagen und ins Kloster ziehen.
Versuchungen sind ein normaler Teil des menschlichen Lebens in einer gefallenen Welt.
Dass wir versucht werden, soll uns nicht schockieren oder überraschen. Luther sagte
sogar: „Nulla tentatio – summa tentatio“ – keine Prüfung ist die höchste Prüfung.
Es ist keine Sünde, versucht zu werden. Auch Jesus wurde immer wieder in Versuchung
geführt. Die größte Versuchung für Jesus bestand darin, der Retter zu sein, ohne leiden zu
müssen. In der Wüste stellte Satan ihm in Aussicht, er würde es ihm ermöglichen, seinen
Auftrag ohne Hunger, ohne Schmerz und ohne Widerstand zu erfüllen. Und später wollte
Petrus ihn davon abhalten, den Leidensweg zu gehen. Im Hebräerbrief heißt es: „Er wurde
ja genau wie wir auf die Probe gestellt - aber er blieb ohne Sünde“ (Hebräer 4, 15).
Versuchung wird nur dann zur Sünde, wenn wir ihr nachgeben. Martin Luther sagte:
„Du kannst die Vögel nicht davon abhalten, um deinen Kopf zu fliegen, aber du kannst sie
davon abhalten, ein Nest in deinen Haaren zu bauen.“ Wir können den Teufel nicht davon
abhalten, uns Gedanken einzugeben, aber wir können uns entscheiden, sie nicht dort
wohnen oder ihre Wirkung entfalten zu lassen.
Ich möchte im Folgenden zwei biblische Prinzipien aufzeigen, die uns helfen, gegen die
Versuchung anzugehen.
Jakobus 1, 12-18
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1. Konzentrieren Sie sich auf etwas anderes
Die Bibel sagt zwar, dass wir dem Teufel widerstehen sollen: „Deshalb ordnet euch Gott
unter. Leistet dem Teufel Widerstand und er wird vor euch fliehen“ (Jakobus 4,7). Aber
interessanterweise wird nicht gesagt, dass wir der Versuchung widerstehen sollen – in
dem Sinne, dass wir offen gegen sie kämpfen sollen.
Vielmehr wird uns geraten, unsere Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken, da es
nicht funktioniert, einem Gedanken zu widerstehen. Dadurch intensiviert sich lediglich
unsere Aufmerksamkeit für die falschen Dinge und diese verstärken ihre Anziehungskraft.
Versuchen Sie jetzt einmal, nicht an eine lila Kuh zu denken....
Jedes Mal, wenn wir den Versuch unternehmen, einen Gedanken zu blockieren, brennen
wir ihn dadurch nur tiefer in unser Gedächtnis ein.
Indem wir versuchen, ihm Widerstand zu leisten, verstärken wir ihn. Das gilt ganz
besonders für Versuchungen. Je mehr wir ein Gefühl bekämpfen, desto stärker
vereinnahmt und kontrolliert es uns.
Da Versuchungen immer mit einem Gedanken beginnen, besteht der schnellste Weg,
ihren Einfluss zu neutralisieren, darin, unsere Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu
lenken. Sich mit etwas anderem zu beschäftigen.
Der Kampf um die Sünde wird in unseren Gedanken gewonnen oder verloren. Was immer
unsere Aufmerksamkeit besitzt, wird auch uns besitzen. Deshalb sagte Hiob: „Mit meinen
Augen schloss ich den Vertrag, niemals ein Mädchen lüstern anzusehen“ (Hiob 31,1). Und
David betete: „Wende meine Augen ab, dass sie nicht sehen nach unnützer Lehre“ (Psalm
119,37a).
Haben Sie schon einmal eine Werbung für Pralinen im Fernsehen gesehen und auf einmal
waren Sie im Haus unterwegs und haben verzweifelt nach Schokolade gesucht? Haben
Sie schon einmal jemanden beobachtet, der ganz gewaltig gähnte, und den Drang
verspürt, ebenfalls zu gähnen? Ein Autofahrer, der gebannt auf den heruntergefallenen
Ast in der Straßenmitte schaut, fährt mit größter Wahrscheinlichkeit auf das Hindernis.
Wir bewegen uns unwillkürlich auf das zu, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.
Je mehr wir über etwas nachdenken, desto stärker nimmt es uns in Beschlag.
Deshalb ist ständiges Wiederholen von Sätzen wie: „Ich muss aufhören, so viel zu essen
...zu rauchen ...Fernsehen zu schauen“ eine sinnlose Strategie. Genauso sinnlos wie der
Vorsatz: „Ich will niemals so werden wie mein Vater.“ Wer das immer wieder sagt, ist auf
dem besten Weg, um dieseIben Verhaltensmuster zu wiederholen.
Die meisten Diäten funktionieren nicht, weil sie die Leute dazu bringen, die ganze Zeit
über Essen, Essenzeiten, Kalorien nachzudenken. Und dann werden sie hungrig, und
dann essen sie laufend.
Versuchung beginnt damit, dass sie unsere Aufmerksamkeit erregt. Was unsere
Aufmerksamkeit hat, weckt unsere Gefühle. Diese Gefühle aktivieren unsere Verhalten,
und wir handeln schließlich so, wie wir fühlen. Je mehr Sie sich auf „Ich will das nicht tun“
konzentrieren, desto stärker geraten Sie in seinen Bann. Eine Versuchung zu ignorieren
ist viel effektiver, als gegen sie anzukämpfen. Wenn die Versuchung also anruft,
argumentieren Sie nicht mit ihr, legen Sie einfach auf! (wie bei Staubsaugervertretern oder
Sektenmitgliedern an der Haustür).
Manchmal bedeutet dies, dass wir uns einer Situation physisch entziehen müssen. In
diesem Fall ist es in Ordnung wegzulaufen. Stehen Sie auf und schalten Sie den
Fernseher oder den Computer aus. Verlassen Sie eine Gruppe, die klatscht und tratscht.
Verlassen Sie das Kino während des Films.
Von der geistlichen Seite aus gesehen, ist unser Verstand das verletzbarste Organ. Um
die Gefahr von Versuchungen zu mindern, sollten wir unsere Gedanken mit Gottes Wort
und anderen guten Gedanken beschäftigen. Wir bekämpfen schädliche Gedanken am
besten dadurch, dass wir an etwas Besseres denken.
Jakobus 1, 12-18
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Deshalb ermahnt uns die Bibel immer wieder, unsere Gedanken auf Gott zu
konzentrieren: „Seht deshalb auf Jesus ...“ (Hebräer 3, 1), „Halte dir Jesus Christus vor
Augen ...“ (2. Timotheus 2,8), und: „Im Übrigen, meine Brüder und Schwestern: Richtet
eure Gedanken auf das, was schon bei euren Mitmenschen als rechtschaffen, ehrbar und
gerecht gilt, was rein, liebenswert und ansprechend ist, auf alles, was Tugend heißt und
Lob verdient“ (Philipper 4,8).
Wie wär´s, wenn Sie ab jetzt jede Woche einen Bibelvers auswendig lernen, z.B. den
Bibelvers, der Ihnen in der Woche in den Losungen am wichtigsten wurde. Dann haben
Sie in einem Jahr eine neues Repertoire von 52 Versen. Das wird unsere geistlichen
Abwehrkräfte deutlich stärken!
2. Bitten Sie Gott um Hilfe
Gott hat eine 24-Stunden-Hotline für Notfälle – auch für Versuchungs-Notfälle. Er sagt:
„Bist du in Not, so rufe mich zu Hilfe. Ich werde dir helfen, und du wirst mich preisen“
(Psalm 50,15).
Wenn ein Schiff oder eine Flugzeug in eine Notsituation wird die Kommunikation auf das
Wesentliche reduziert: „Hilfe! SOS! Mayday!“ Wenn die Versuchung anrückt, haben wir
keine Zeit für ein langes Gespräch mit Gott. Wir rufen einfach nur nach ihm: „Jesus, hilf
mir!“ Und da packen wir all unsere Not, unsere Sehnsucht, unsere Erwartung hinein.
Die Bibel garantiert uns, dass unser Schrei nach Hilfe gehört wird, denn Jesus kennt
unsere Nöte. Er erlebte dieselben Versuchungen, die wir erleben. „Jesus Christus musste
mit denselben Versuchungen kämpfen wie wir, doch im Gegensatz zu uns hat er nie
gesündigt“ (Hebräer 4,15).
Weshalb wenden wir uns nicht öfter an Gott, wenn er nur darauf wartet, uns zu helfen, die
Versuchungen zu bekämpfen? Ehrlich gesagt, wollen wir manchmal keine Hilfe. Wir wollen
den Versuchungen nachgeben, obwohl wir wissen, dass es falsch ist. In solchen
Momenten denken wir, dass wir besser als Gott wissen, was gut für uns ist.
Manchmal sind wir auch zu verlegen, um Gott um Hilfe zu bitten, denn wir geben immer
wieder derselben Versuchung nach. Doch Gott wird niemals mit Ärger oder Ungeduld
reagieren, wenn wir wieder zu ihm zurückkommen. ln der Bibel steht: „Darum wollen wir
mit Zuversicht vor den Thron unseres gnädigen Gottes treten. Dort werden wir, wenn wir
Hilfe brauchen, stets Liebe und Erbarmen finden“ (Hebräer 4, 16).
Und wenn wir Gott 200 Mal am Tag wegen der gleichen Versuchung um Hilfe bitten
müssen, wird er immer noch bereit sein, uns Gnade zu schenken.
Liebe Gemeinde!
Versuchungen lassen uns in Abhängigkeit von Gott bleiben. Genauso wie die Muskeln
stärker werden, wenn sie angestrengt werden, werden wir jedes Mal, wenn wir einer
Versuchung widerstanden haben, ein bisschen stärker. Wenn wir stolpern (was wir sicher
tun werden), ist das nicht das Ende. Es hat mal jemand gesagt: Ob wir als Sieger oder als
Verlierer am Ende dastehen, hängt nicht davon ab, wie oft wir gefallen sind, sondern ob
wir nach dem letzten Fall liegengeblieben oder wieder aufgestanden sind. Anstatt
aufzugeben oder nachzugeben, dürfen wir auf Gott schauen, erwarten, dass er uns hilft.
3. Bestandene Prüfungen werden belohnt
Jakobus erinnert uns daran, welche Belohnung auf uns wartet: „Glücklich der Mensch, der
in der Versuchung standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Siegeskranz des
Lebens erhalten, der denen verheißen ist, die Gott lieben.“
Wenn ich mich den Prüfungen stelle und siegreich daraus hervorgehe, wächst mein
Glaube. Mein Erbarmen mit anderen wird größer. Meine Liebe reicher, mein Vertrauen zu
Gott steigt.
Jakobus 1, 12-18
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Und am Ende kriegen wir die Goldmedaille. Nicht weil wir gedopt oder raffinierter betrogen
haben als die andern, oder dem vergänglichen Glück hinterher gejagt sind. Sondern weil
wir standhaft waren in den Prüfungen des Lebens. Weil wir treu geblieben sind.
Klar, wer in einer Prüfung drin steckt, wird nicht jubeln. Wer gerüttelt und geschüttelt wird,
wird gerade keine Loblieder singen.
Aber am Ende winkt allen, die durchgehalten haben, der Siegespreis.
Nein, Gott versucht uns nicht zum Bösen - er ist ja das Gute in Person, aber er prüft.
Und Gott sei Dank gibt er auch die Kraft dazu, seine Prüfungen zu bestehen.
Gott sei Dank.
Amen.
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