close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

(\273Krieg und Frieden\253 - daheim wie an der Front - Artikel Druck

EinbettenHerunterladen
»Krieg und Frieden« - daheim wie an der Front - Artikel Drucken - Gi...
1 von 1
http://www.giessener-allgemeine.de/index.php?Krieg-und-Frieden-dah...
Artikel vom 24.11.2008 - 17.06 Uhr
»Krieg und Frieden« - daheim wie an der Front
In Dortmund hat sich ein kleines Ballettwunder ereignet: während anderswo an deutschen Stadttheatern das Ballett
reduziert oder gar entlassen wird, spielt es in Dortmund eine immer prominentere Rolle und wurde jetzt gar als
eigenständige Sparte von der Oper abgekoppelt.
Zu danken ist dieser Erfolg in erster Linie Xin Peng Wang. Bei seinem Einstand als
Ballettdirektor in der Spielzeit 2003/04 hatte der Chinese vollmundig proklamiert, er
wolle mit seiner Truppe die Nummer eins in NRW werden. Diesem Ziel ist er dank
negativer Entwicklungen vor allem in Köln, Bonn und Essen ein ganzes Stück näher
gekommen, aber auch dank seiner publikumswirksamen Spielplangestaltung und der
weitsichtigen Personalpolitik. Keine Frage: Wang hat einen sicheren Blick für Talente
und beste Kontakte. Nicht zuletzt ist er unerbittlich strenger Lehrmeister für seine
neoklassische Compagnie, sodass international führende Choreografen wie der Italiener
Mauro Bigonzetti, der New Yorker Benjamin Millepied und William Forsythe ihm eigene
Stücke zur Aufführung anvertrauen. An erster Stelle aber steht Wang als
Chefchoreograf seiner Truppe.
Imponierende Sprung-Szene
(Foto: Theater)
Als erste Premiere dieser Spielzeit kündigte er wagemutig die Choreografie von Leo
Tolstojs »Krieg und Frieden« an. Auf knappe zwei Stunden Aufführungszeit (inklusive
Pause) und 15 teils nur wenige Minuten dauernde Szenen haben er und Dramaturg
Christian Baier das vier-bändige Roman-Epos des Russen eingedampft. Denn vier Filme und Prokofjews gleichnamige Oper
hätten gezeigt, dass diesem literarischen Monumentalwerk dramaturgisch nicht beizukommen sei. »Also bleibt nur die freie
Assoziationsebene«, so die Autoren.
Krieg und Frieden - das ist nicht neu - herrschen in jeder Ehe, jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Ergo wurden aus der
personenreichen, überaus vielschichtigen literarischen Vorlage Szenen zwischen zwei Paaren »herausdestilliert«, die sich über
Kreuz in einander vergucken. Die beiden Männer entziehen sich den prekären emotionalen Kämpfen, indem sie heldenhaft in
den Krieg ziehen. Zwei »Feste« umrahmen Soli, intime Duette, militärische Aufmärsche und Schlachten. Zu Beginn ein
»kaltes Fest« der High Society zum Jazz-Tango in edel schimmernder, eigenwillig geschnittener Garderobe der
Modedesignerin Elke Walter. Am Ende wanken die erschöpften, verletzten Heimkehrer in zerzausten »Rüstungen« im
Walzer-Takt über die Bühne. Dazwischen toben Verzweiflung und Rivalität der Frauen, ehrgeizige Heerführerambitionen,
Todesangst und Sterben. Auf der meist düsteren, schwarz ausgeschlagenen Bühne hat Bernd Damovsky 100 putzige
Vogelbauer oder Mini-Wiedertäuferkäfige wie Lampen installiert. Die sollen, so erfährt man in der Einführung zur Produktion,
Wäschekörbe einer Zechen-Waschkaue darstellen. Denn Krieg traf vor allem die Industriegebiete. Dortmund ist also ein
passender Schauplatz.
Sehr viel Mühe gaben sich die Autoren mit der Musikwahl - Häppchen meist aus Kammermusik, sinfonischen Werken und
Filmmusiken von Schostakowitsch, exquisit musiziert von den Dortmunder Philharmonikern unter dem jungen Japaner
Motonori Kobayashi. Getanzt wird durchweg technisch zuverlässig sowohl vom Corps de ballet wie auch von den vier Solisten
- in der gesehenen Vorstellung: Mark Radjapov als Andreji mit dynamisch herrischer Aura, Yuri Polkovodtsev als
jungenhafter, sensibler Pierre, Roberta Borges Vieira als kühl berechnende Natascha und besonders anrührend die erst
21-jährige Vittoria Valerio als Andrejis schwangere Ehefrau Lisa. Marieluise Jeitschko
www.theaterdo.de
© Gießener Allgemeine 2008 - www.giessener-allgemeine.de
25.11.2008 12:18
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
8
Dateigröße
43 KB
Tags
1/--Seiten
melden