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Ein Familienstück wie ein Bilderbuch - Kongress am Park - Augsburg

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Feuilleton regional
30
NUMMER 264
Feuilleton kompakt
Ansichtssache (24)
BARRIEREFREIES KONZERT
Das Rad der
Geschichte
Jazztrio Zahg
im Augustanasaal
Der Augsburger Schlagzeuger Matthias Fischer, der Augsburger Pianist Tobias Reinsch und der Bassist
Stefan Berger treten am heutigen
Freitag um 19 Uhr als Trio Zahg im
Augustanasaal in Augsburg auf. Es
ist das zweite barrierefreie Konzert,
das die Musiker in Augsburg geben. Mit dem Konzert möchte das
Trio Menschen mit und ohne Behinderung unter einem kulturellen
Rahmen zusammenbringen. Im
Konzert wird außerdem Lyrik von
Rebecca Klein spontan vertont
werden, während die Gedichte vorgetragen werden. Der Eintritt für
das Konzert ist frei. (rim)
E
s war einmal eine Zeit, als Autos locker 20 Liter Benzin
verbraucht haben und sich niemand daran störte, eine Zeit, als
die Fahrzeuge mit Chrom und
geschwungenen Heckformen
Charakter zeigten und niemand
über einen zu hohen Luftwiderstand redete, als die Vorderbänke durchgehend waren und
der Tankwart die Scheibe gewischt hat, eine Zeit, in der Stau
zu den Fremdwörtern zählte und
sich auf den blitzeblank polierten Radkappen Petticoats spiegelten.
Aber das Rad der Geschichte
hat sich weitergedreht. Nur
dann und wann schimmert wie in
einem Spiegel noch etwas Vergangenheit auf. (rim)
THEATER FRITZ UND FREUNDE
Hänsel und Gretel
im Kulturhaus Abraxas
Das Theater Fritz und Freunde
bringt am Sonntag, 17. November,
um 15 Uhr das berühmte GrimmMärchen „Hänsel und Gretel“ auf
die Bühne des Kulturhauses Abraxas. Nach der Devise „Irgendwie
anderes aber trotzdem wie im Märchen“ hat Detlef Winterberg Regie geführt und erzählt die Geschichte der beiden Geschwister,
die sich im Wald verlaufen. In der
Inszenierung hat Hänsel seine Gitarre dabei. Als Schauspieler treten
Angela Kersten, Fabio Esposito
und Fritz Weinert auf. (rim)
Foto: Silvio Wyszengrad
Jede Woche zeigen wir hier eine
neue Ansichtssache aus Augsburg.
Die Fotografen wechseln sich ab mit
ihrem Blick auf die Stadt.
Ein Familienstück wie ein Bilderbuch
Premiere Bettina Rehm inszeniert das diesjährige Weihnachtstheater „Das kalte Herz“
AUSSTELLUNG
„Friedwärts 2013“ für
die Kunstschule Friedberg
Die Ausstellung „Friedwärts 2013“
wird am morgigen Samstag um 19
Uhr im Kunstwerk Friedberg (Bauernbräustraße 50) eröffnet. Veranstaltet wird die Ausstellung von den
Freunden der Kunstschule Friedberg. Die Arbeiten vieler regional
und überregional bekannter
Künstler sind bis zum 24. November zu sehen, geöffnet ist die Schau
täglich von 14 bis 18 Uhr. Am 24.
November findet um 18 Uhr dann
eine Auktion zugunsten der Kunstschule statt. (rim)
KONZERTMITSCHNITT
Lackerschmid Connection
auf BR-Klassik
VON STEFANIE ROTH
Reich werden, und sich mit dem
Geld alle erdenklichen Wünsche erfüllen. Wer will das nicht? Darum
ist das Märchen „Das kalte Herz“
von Wilhelm Hauff aktueller denn
je, wie Regisseurin Bettina Rehm
findet. Der Stoff des diesjährigen
Weihnachtsstücks im Großen Haus
des Theaters Augsburg spricht zwar
hauptsächlich junge Zuschauer ab
sechs Jahren an, dürfte wohl aber
auch Erwachsenen ein nachdenkliches und zugleich spannendes Vergnügen bereiten.
Das Familienstück beschreibt
laut Rehm, was Geld mit Menschen
macht. So könne man das Märchen
aus dem Jahre 1827 auch als Kapita-
lismuskritik auffassen. Die Grundidee sei, dass es junge Menschen
gibt, die aus ihrer Welt fliehen wollen. Dem alten Leben für eine bessere Zukunft entkommen will zum
Beispiel Peter Munk, ein junger
Mann aus dem Schwarzwald.
Peter Munk ist auf den
reichen Ezechiel neidisch
Als Köhler ist es seine Aufgabe,
Holzkohle herzustellen. Doch die
Arbeit ist ihm zu schmutzig. Um so
mehr plagt ihn der Neid auf den reichen Ezechiel. Beim guten Waldgeist hat Peter Munk zwei Wünsche
frei. Geld und Glück sind aber nicht
von Dauer. Nur der böse Holländer-Michel kann ihm helfen. Doch
dieser fordert als Gegenleistung Pe-
Das Augsburg-Konzert der Lackerschmid Connection am 8. Oktober
wurde vom Bayerischen Rundfunk
mitgeschnitten. Am heutigen Freitag ist um 23.05 auf BR-Klassik in
der „Jazztime“ nun die Aufnahme
zu hören. (rim)
ters Herz. „Der Herztausch ist ein
ganz wichtiger Punkt“, sagt die Regisseurin. Danach ist Peter Munk
zwar reich, hat aber ein Herz aus
Stein. Wie gefühlskalt der junge
Mann dann ist, treibt Wilhelm
Hauff in seinem Märchen aus der
Zeit der Romantik auf die Spitze:
Dort schlägt der Kohlenmunk-Peter seine Frau sogar mit einer Peitsche tot (ehe sie später wieder zum
Leben erwacht). Diese Szene hat die
Regisseurin, die andernorts schon
bei mehreren Theaterstücken für
Kinder das Drehbuch geschrieben
hat, als Unfall umgesetzt.
Dadurch trägt sie wohl wesentlich
dazu bei, das Stück kinderfreundlich
zu gestalten. Grundsätzlich aber inszeniere die Regisseurin für kleine
Die Inszenierung
Leserbriefe
» HIER SAGEN SIE IHRE MEINUNG
Abwegig
Zum Artikel „Eine raubtierhaft schöne
Musik“ vom 14. November:
Seit wann machen Raubtiere Musik?
Finde ich sehr abwegig!
Josef Spreng, Obergriesbach
Im Schwarzwald spielt das Märchen „Das kalte Herz“. Auf dem Probenbild tanzen die
Schauspieler Alexander Darkow (l.) und Thomas Kitsche, oben sitzt Edith Konrath,
auf dem Podest steht Sarah Bonitz.
Foto: Nik Schoelzl/Theater Augsburg
● Premiere von „Das kalte Herz“ ist
am Sonntag, 17. November 2013,
um 15 Uhr im Großen Haus.
● Inszenierung Bettina Rehm
● Bühne, Kostüme Grit Dora von
Zeschau
● Musik Adrian Sieber
● Darsteller Thomas Kitsche (Peter
Munk), Edith Konrath (Munkin),
Sarah Bonitz (Lisbeth), Anton Koelbl
(Glasmännlein), Martin Herrmann
(Holländer-Michel), Anton Schneider
(Ezechiel/Wanderer 2), Alexander
Darkow (Tanzbodenkönig/Amtmann), Philipp von Mirbach (Der
lange Schlurker/Wanderer 1) (AZ)
Zuschauer nicht anders als für die
Großen. „Wenn Kinder Sachen
nicht verstehen, können sie fragen.
Kinder verstehen mehr, als wir vermuten“, meint die Regisseurin, die
das Märchen noch aus eigenen Kindertagen kennt.
Als sie vor zehn Jahren neben ihrem Mann im Auto saß und die beiden durch den Schwarzwald fuhren,
habe sie ihm das Märchen vorgelesen. Rehm faszinierte der unbedingte Wille des Jungen, reich zu werden.
Drei Musiker
spielen live
Und sie faszinierte der Schwarzwald: „Der Wald hat ein großes Geheimnis“, sagt sie. Dicht und dunkel
sei er. Mystisch kommt daher teils
das Bühnenbild daher – düster beim
Bösewicht, glitzernd beim guten
Geist. Der größte Anspruch der Regisseurin an das Stück: „Spannend
muss es sein.“ Drei Musiker spielen
live auf der Bühne. Damit will
Rehm die jungen Menschen „an die
Hand nehmen“. Denn sie weiß:
„Kinder sind radikal. Holen ihr
Handy raus, fangen an zu quatschen, wenn es ihnen nicht gefällt.“
Wie sie darum das Märchen, das
eine Liebesgeschichte beinhaltet,
umgesetzt hat, beschreibt Bettina
Rehm so: „Vom Gefühl her ist das
Stück gebaut wie ein Bilderbuch.
Man schlägt immer eine neue Seite
auf. Am Schluss wird sich die Geschichte für die Kinder zusammensetzen.“
Tonkunst von Amadé bis zum Zitherverein
Leopold-Mozart-Zentrum Eine umfassende Dokumentation über Projekte und Initiativen zur Musikvermittlung
VON MANFRED ENGELHARDT
Wie und in welcher Vielfalt es singt
und klingt in der Fuggerstadt und
ihrer nächsten Umgebung, wer dahinter steckt und den Betrieb in
Gang hält – diesen Überblick präsentiert ein neues stattliches Buch.
„Augsburger Projekte und Initiativen zur Musikvermittlung“, Versuch einer gründlichen Dokumentation, ist Band 1 der neuen Schriftenreihe „Vermitteln, Interpretieren,
Forschen, Fördern“ des LeopoldMozart-Zentrums der Uni Augsburg (LMZ). Die Herausgeber Daniel Mark Eberhard und RudolfDieter Kraemer (emeritierter Musikpädagogik-Ordinarius)
haben
eine Arbeit geleistet, die von einer
gewaltigen Fülle musikalischer Aktivitäten kündet. Entstanden ist ein
FREITAG, 15. NOVEMBER 2013
Kompendium, das mit tabellarischer Übersichtlichkeit wie wissenschaftlichem Basisgedanken die Materialflut der Institutionen, Ensembles und Themen kategorisiert.
Eine der Hauptsäulen des LMZ
ist die Musikpädagogik. Sie hat sich
die historische Bedeutung Augsburgs als ein früheres europäisches
Musikzentrum und des Namensgebers Leopold Mozart auf die Fahnen
geschrieben: Der Vater des Genius
Amadé hat mit seiner „Violinschule“ Pädagogik mit Wissenschaftlichkeit und Kunstausübung verbunden. So beinhaltet das Buch der Musikpädagogen Eberhard/Kraemer
nicht nur eine bloße Aufzählung von
Ensembles; vielmehr macht es deutlich, dass dem Konzertbetrieb Musikvermittlung im weitesten Sinn
vorausgehen muss.
Natürlich sind Schulen und Jugend das „Kerngeschäft“ der Musikvermittlung. Nicht weniger als 70
öffentliche und 11 private Schulen
listet das Buch auf. Als klassische
„Kaderschmieden“ gelten die Gymnasien Maria Stern und St. Stephan,
doch was sonst von Lehranstalten
(Grund- bis Mittelschulen usw.) an
Projekten initiiert wird, ist mehr als
erstaunlich: Es reicht vom Kompositionsprogramm für Kinder und
Gymnasiasten („G8 goes Concert“),
Entwickeln eigener Opernlibrettiund -musik bis zum Klangkunstprojekt. Das Buch umfasst alle Bereiche – Klassik, Pop, Jazz, Chorsingen, Musical, szenische Darstellungen. Eine große Rolle spielt die Initiative „Mehr Musik!“, deren Angebote an neuen, unverbrauchten
Klängen zusehends erfolgreich auch
an das erwachsene Publikum gerichtet sind.
Musikvermittlungsangebote machen auch die Stadt, das Theater
(Familien- und Jugendkonzerte,
Theatertruppe JTT u.a.), die großen Anstalten (Sing- und Musikschule Mozartstadt Augsburg), die
privaten Studios aller Richtungen;
es gibt die kirchliche Musikpflege
der Konfessionen ebenso wie Angebote im Bereich Volksmusik, Tanz
und Kunst/Museum/Musik. Man
staunt über fast 300 Chöre (von den
Domsingknaben bis zur Sängerrunde der Fleischer). Unter den Instrumentalensembles müssen Philharmoniker oder Bayerische Kammerphilharmonie nicht groß genannt
werden, die Palette reicht vom
Ärzteorchester bis zum Zitherverein
Bavaria. Das Wirken von Festivals
und Reihen (Mozart-Fest, 1000
Töne oder Modular), Wettbewerben (Leopold-Mozart) und engagierten Vereinen beschreibt eine
vielfältige Augsburger Musiklandschaft. Schwarz auf weiß – und
freundlich bebildert – kann man das
Buch nach Hause tragen, eine Herkulesarbeit der Wissenschaftler
Eberhard/Kraemer, die in der konzentrierten Darstellung ihrer eigenen Angebote, Studiengänge von
Musikvermittlung pro domo sprechen. Namen, Adressen und WebSites laden ein zum Kontaktieren.
» Augsburger Projekte und Initiativen zur Musikvermittlung. Hg: Daniel
Mark Eberhard, Rudolf-Dieter Kraemer. Schriften des Leopold-Mozart-Zentrums der Universität Augsburg, Band 1.
Wißner Verlag, 282 Seiten, 34,80 Euro.
Ovationen
für Fendrich
Ausverkaufte
Kongresshalle
VON ERIC ZWANG-ERIKSSON
Der rockende Wiener Pop-Barde
Rainhard Fendrich liebt sein Land
und seine Heimatstadt, auch wenn
er letztere viel zu selten zu sehen bekommt. Sein Konzert im ausverkauften Kongress am Park war gewürzt mit Anekdoten rund um
Wien und das Wiener-Wesen, aber
auch mit Geschichtchen, die nachdenklich stimmten. So nachdenklich
wie der Titel seiner im Mai veröffentlichten CD „Besser wird’s
nicht“. Den Titelsong führte Fendrich mit den Worten ein: „Wenn
wir nach dem von unseren Eltern so
eingebläuten Sprichwort ,Der Klügere gibt nach’ leben, dürfen wir uns
nicht wundern, wenn irgendwann
die Dümmeren am Ruder sitzen.“
Fendrichs Thema ist seit Beginn
seiner Karriere mit „Strada del
Sole“ das Leben mit seinen Schicksalsschlägen, oftmals biografisch gefärbt. Und es waren immer auch soziale und politische Missstände wie
im nachfolgenden Hit von 1982
„Schickeria“. Beide Songs fanden
sich im Repertoire seines zweistündigen Konzertes.
Fendrichs Show war eine perfekt
funktionierende Maschine, seine
Band mit Robby Musenbichler (Gitarre, Gesang), Dieter Kolbeck
(Keyboards), Willi Langer (Bass)
und Oliver Gattringer (Schlagzeug)
lieferte eine makellose Begleitung.
Die dargebotenen Hits reichten von
der „Männersache“ zum „Es lebe
der Sport“ und zur heimlichen Bundeshymne Österreichs „I am from
Austria“. War die Begrüßung des
58-Jährigen bereits frenetisch gewesen, gab es zum Ende seines Konzertes Stehapplaus für Fendrich.
Der belohnte sein Publikum mit unzähligen Zugaben und versprach:
„Solange Sie sich die Mühe machen,
in meine Konzerte zu kommen, so
lange werde ich mit meiner Musik
weitermachen.“
Rainhard Fendrich am Mittwochabend in
der Kongresshalle. Foto: Zwang-Eriksson
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