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Fleckvieh – Wie finde ich den passenden Bullen für meine Kühe?

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Bullenauswahl
Fleckvieh –
Wie finde ich den passenden
Bullen für meine Kühe?
l Thomas Pfaller
Dass Fleckvieh eine Rasse ist, die aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit auf der ganzen Welt
beheimatet ist, ist uns nicht erst aus den vielen Artikeln in der Fleckvieh Welt bekannt. Ob unter
teilweise wüstenähnlicher Hitze in Namibia auf dem afrikanischen Kontinent oder unter extremen
Temperaturen unter -30 °C im nördlichen Kanada beweist Fleckvieh, dass die Rasse mit allen
Umständen zurechtkommt.
Die große Variation innerhalb der
Rasse ist sicherlich die größte
Stärke des Fleckviehs. So reicht die
Spannweite von der eher umsatzbetonten, leistungsbereiten Fleckviehkuh über eine ausbalancierte
Produktionskuh mit Stärken sowohl
beim Fleisch als auch in der Milch
bis hin zur rein auf Fleischleistung
gezüchteten Mutterkuh.
In unseren vielen unterschiedlichen
Produktionssystemen passt jedoch
sicherlich nicht jeder Typ bzw. nicht
jeder Bulle zum jeweiligen System.
Als Hilfestellung wollen wir nachfolgend aufzeigen, was für Eigenschaften der jeweilige Bulle bzw.
die jeweilige Kuh haben sollte, um
im vorhandenen System den maximalen Erfolg zu erreichen.
Grundsätzlich gibt es Eigenschaften, die in jedem Produktionssystem unbedingt beachtet werden
sollten. Das Fundament spielt
hierbei wohl mit die entscheidendste Rolle überhaupt. Ob auf der
Weide, im Laufstall oder im Anbindestall führt kein Weg an einem
guten Fundament vorbei. Dabei ist
nach wie vor das etwas steilere
Hinterbein aufgrund der gleichmäßigen Belastung der Klauenfläche
zu favorisieren. Genauso zu beachten, unabhängig vom System, ist
ein funktionales Euter. Gut platzierte, optimal ausgeprägte Striche
und ein gut eingebautes und vor
allem drüsiges Euter erleichtern die
tägliche Melkarbeit und versprechen eine lange Haltbarkeit.
Andere Merkmale jedoch bedürfen
ebenfalls genauerer Bertachtung.
Ausgehend von dem örtlichen
Futterangebot und der betriebsindividuellen Fütterungsintensität
sollte auf das Leistungspotential
des jeweiligen Bullen geachtet
werden. Nur wenn das natürliche
Leistungspotential der Kuh vom
Betrieb auch erfüttert werden
kann, zahlt es die Kuh mit Leistung
auch zurück. Bei einem Energiedefizit kommen die bekannten, oft
hausgemachten Probleme wie
Unfruchtbarkeit, Eutererkrankungen oder Stoffwechselentgleisun-
l Paradebeispiel für nachhaltige Zuchtarbeit:
Vier Generationen aus der F-Kuhfamilie der Familie Ginter aus Haunshofen.
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FLECKVIEHWELT 3/2012
Bullenauswahl
gen zum Vorschein. Die richtige
Auswahl an Bullen kann dabei
entscheidend helfen.
Wichtigster Punkt, den jeder Betriebsleiter zu beachten hat, ist die
Bullenauswahl spezifisch für seinen
Betrieb. Welche Stallform, welches
Fütterungssystem, welche Futtergrundlage herrschen auf meinem
Betrieb vor. Nur wenn man die
Gegebenheiten seines Betriebes
kennt, kann man sein individuelles
Zuchtziel definieren. Paradebeispiel
aus der Praxis ist die immer wieder
beobachtete Vorliebe für extrem
großrahmige Tiere, obwohl der
Stall 25 Jahre alt ist und die Liegeboxenabmessung für solch große
Tiere nicht mehr passt. Dieses
Beispiel soll nur verdeutlichen, dass
man Tiere braucht, die in ihre
Umwelt passen.
Vor allem im Milchleistungspotential der Fleckviehbullen hat sich in
den letzten 10 Jahren eine gewaltige Entwicklung ergeben. Nicht
selten hört man Praktikerstimmen,
die mit den Einsatzleistungen der
Jungkühe fast überfordert sind.
Wir von der Bayern Genetik wollen
hier anknüpfen. Unser Ziel in der
Zukunft ist die Milchsicherheit der
Nachkommen unserer Bullen zu
erhöhen. Die wenigsten Praktiker
wollen Einsatzleistungen ihrer
Jungkühe weit über 30 Liter, da
sie genau wissen, dass die Probleme im Laktationsverlauf vorprogrammiert sind. Einschmelzen von
Körpersubstanz, Fruchtbarkeitsstörungen, Klauenprobleme und
nicht zu letzt das Absinken der
Milchleistung sind die Folgen von
zu hohen Leistungen am Beginn
der Laktation. Eine Jungkuh nach
unseren Vorstellungen sollte folgende Eigenschaften aufweisen:
Sichere Einsatzleistung zwischen
25 und 30 Litern je nach den
natürlichen Gegebenheiten, hohes
Durchhaltevermögen, gute Weiterentwicklung des Körpers, gute
Fruchtbarkeitsleistungen und vor
allem Problemlosigkeit. Vor allem
im Bereich der Leistungssicherheit
sehen wir für die Zukunft unser
größtes Potential. Den größten
wirtschaftlichen Schaden hat ein
Milchviehbetrieb mit Jungkühen
von Einsatzleistungen unter ca. 20
Litern. Die Aufzucht einer Kalbin
ist schlicht zu teuer.
Als grobe Orientierung und Hilfestellung über das Leistungspotential der Bullen empfehlen wir bei
der Auswahl den Milchwert zu
l Passion-Jungkuh von Familie Aigner, Arnstorf. Beste Futtergrundlage im niederbayerischen Ackerbaugebiet lässt das Doppelnutzungspotential des Fleckviehs
voll zur Geltung kommen.
beachten. Er fasst am besten die
Fett und Eiweißleistung zusammen und spiegelt damit die
Stoffwechselbelastung der Kuh
wieder.
So empfehlen wir für Betriebe mit
Herdenleistungen bis 7000 Liter,
Bullen mit Milchwerten bis zu
115 Punkten, 7000 l bis 8500
Liter Betrieben Bullen mit 115 bis
123 Milchwertpunkten und Betrieben darüber Bullen ab 123
MW, wobei die Grenzen fließend
zu verstehen sind.
Fazit
Das Potential der einzelnen Bullen
geht mittlerweile sehr weit auseinander. Deshalb ist es einzelbetrieblich unbedingt erforderlich, die
Bullen für den jeweiligen Betrieb
passend zu wählen. Dazu braucht
man vor allem eine Vorstellung, wie
die Kuh aussehen soll, um in ihrer
Umgebung zu funktionieren. Die
Produktionsfaktoren Genetik – Stall
– Fütterung – Management müssen
zwingend zueinander passen. 
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FLECKVIEHWELT 3/2012 25
Zeichenerklärung
Neue Darstellung der Bullen A bis Z
l Thomas Pfaller
Für die Bullenauswahl stehen uns mittlerweile sehr viele Daten zur Verfügung. So wird jeder einzelne
Bulle mit 4 Hauptzuchtwerten und 42 Unterzuchtwerten beschrieben. Eine immense Datenflut, die
manch einen kapitulieren lässt. Auf vielfachen Wunsch unserer Leser hin, haben wir deshalb bereits zur
letzten Ausgabe der Fleckvieh Welt die Darstellung der Bullen A-Z geändert. Da nun nur noch zwei
Bullen pro Seite abgebildet werden, können die Daten in etwas größerer Schrift gedruckt werden und
sind somit besser lesbar. Statt der Texte haben wir uns entschlossen, zu jedem Bullen drei Schlagworte
zu veröffentlichen, die die Vererbungsleistung kurz und prägnant beschreiben.
An das Tiermaterial für Betriebe
mit „besonderen“ Produktionsfaktoren wie Biobetriebe, Betriebe
mit Kurzrasenweide oder Melkroboterbetriebe ergeben sich ganz
spezielle, komplexe Anforderungen. Für diese Systeme versuchen
wir unserer Erfahrung nach passende Bullen vorzuselektieren. Sie
sind unter dem Foto mit AMS+,
Bio+ oder Weide+ gekennzeichnet.
AMS+
AMS+ steht für einen Bullen,
dessen Nachzucht besonders
Melkroboter-geeignete Kühe
hervorbringt. Diese Kühe sollten
in erster Linie Roboter-taugliche
Euter aufweisen. Besonders wichtig ist uns dabei die Euterhaltbarkeit in den späteren Laktationen,
so wird bei der Auswahl die Drittkalbskuhbewertung stark gewichtet. Auch achten wir bei der Auswahl der Bullen auf deren Merkmale in der Strichplatzierung und
-stellung, sowie deren Ausprägung, um dem Roboter das Anstecken zu ermöglichen.
Ein weiterer Punkt für Robotertaugliche Kühe ist der Platz zwischen Euter und Boden. Dies wird
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zum einen durch die Euterhaltbarkeit bestimmt, zum anderen durch
die Körpergröße. So fließt auch
die Rahmenvererbung mit ein.
Des Weiteren wird auf die Laufstalltauglichkeit im Allgemeinen
geachtet.
BIO+, WEIDE+
Unter BIO+ und WEIDE+ sind
Bullen zu finden mit besonderer
Eignung für Biobetriebe und Kurzrasenweidebetriebe. In diesen
Systemen ist der entscheidende
Faktor die flache Laktationskurve.
Hohe Leistungen zu Laktationsbeginn sind nur sehr schwer, bzw.
bei Kurzrasen und Weidegang
fast unmöglich zu erfüttern.
Auch der benötigte Typ von Kuh
ist ein ganz anderer. Eher knapper Rahmen, aber mit guter
Bemuskelung und Körpertiefe
sind hier erwünschte Merkmale.
Kleinere Kühe bewegen sich
leichter, haben einen geringeren
Erhaltungsbedarf und sind etwas
bodenschonender bei Weidegang.
Die gute Bemuskelung dient zu
Laktationsbeginn als Vorrat für
leicht abbaubare Energie. Beim
Abbau von Muskelgewebe wird
die Leber bei weitem weniger
belastet als dies beim Abbau von
Körperfett geschieht.
Extrem wichtig ist vor allem bei
saisonaler Blockabkalbung der
Bereich maternale Fruchtbarkeit.
Kompromisse hier führen zu
steigender Remontierung und
somit zusätzlichen Kosten.
Dass der Fundamentvererbung
ein hoher Stellenwert zukommt,
ist bei täglichem Weidegang
natürlich selbstverständlich.
Samenverfügbarkeit
0 = Kein Sperma verfügbar,
1 = Ausgabe nur über Paarungsempfehlung der Zuchtverbände,
2 = Ausgabe nur als Einzelportionen auf Bestellung, 3 = Bulle nur
begrenzt verfügbar, 4 = Engpässe
sind zu erwarten, 5 = Bulle in der
Regel unbegrenzt verfügbar.
QR-Code
Neu ist auch der viereckige QRCode, den Sie bei einigen Bullen
abgedruckt finden. Besitzer von
Smartphones können diesen
Code mit ihrem Handy einscannen und werden dann zu einem
Video zum jeweiligen Bullen
weitergeleitet. Falls Sie kein
Smartphone besitzen, können Sie
die Videos natürlich auf unserem
Kanal bei YouTube oder auch
direkt auf unserer Webseite
www.fleckvieh.de ansehen.
Mit der neuen Darstellung der
Vererbungsmerkmale wollen wir
Ihnen möglichst umfassende
Information zu den Bullen in
übersichtlicher Form an die Hand
geben. Wenn Sie weitere Hilfestellung bei der Auswahl der
Bullen oder der Anpaarung benötigen, stehen wir Ihnen natürlich
jederzeit gerne zur Verfügung.
Verbleiberate
Darüber hinaus werden wir in
Zukunft die absolute Verbleiberate angeben. Sie drückt in Prozent
aus, wie viele Töchter zum dritten
Kalb noch auf den Betrieben
sind. Alle Werte über 65 % sind
dabei als positiv zu beurteilen.

FLECKVIEHWELT 3/2012
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Seele and Geist
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