close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Gleich viel verdienen wie ein Chef - az.ch

EinbettenHerunterladen
So_WIR_1
Sonntag | Nr. 18 | 4. Mai 2008
Seite 1
1
STELLEN|SONNTAG
www.a-zjobs.ch
Gleich viel verdienen wie ein Chef
BILDER: HO, PHILIPP BAER
Alstom-Gas-Turbines-Chef Peter Rufli über das Angebot an Ingenieure, eine Fachkarriere einzuschlagen
Gute Fachleute sind nicht
zwangsläufig gute Führungskräfte. Doch das wird bei
Beförderungen oft ignoriert.
Der Technologiekonzern
Alstom bietet seinen besten
Ingenieuren eine Alternative
zum Chefsein: die Fachkarriere.
VON KARIN KOFLER
Herr Rufli, Alstom bietet seinen fähigsten Ingenieuren eine Fachkarriere an.
Eine Beförderung, die nicht mit einer
Cheffunktion, sondern mit mehr fachlicher Verantwortung verbunden ist.
Ein Karrieremodell für Eigenbrötler?
Peter Rufli: Nein. Technische Expertise
reicht nicht aus, um ins Programm aufgenommen zu werden. Fällt ein Ingenieur durch hervorragende Leistungen
in seinem Gebiet auf, schicken wir ihn
in ein Assessment. Im Rahmen dieses
Prozesses wird auch das Persönlichkeitsprofil, also die Soft Skills, getestet.
Ein Ingenieur muss heute teamfähig
sein und durchaus über gewisse kommunikative Eigenschaften verfügen.
Genau da dürfte es bei vielen hapern.
Wir stellen bei den Assessments tatsächlich fest, dass sich die meisten Kandidaten im Bereich der persönlichen Eigenschaften verbessern müssen. Ingenieure können sich oft schlecht verkaufen. Oder sie horten ihr Wissen für sich
und haben Mühe, dieses aufzuschreiben oder an Interessengruppen, die weniger von der Materie verstehen, weiterzugeben. Das ist heute aber von entscheidender Wichtigkeit, um effizient
arbeiten zu können.
Chefingenieur Peter Rufli (links), Gasturbinen-Fertigung bei Alstom.
sprechende Person zusammengestellt.
Sie durchläuft Trainings und wird gezielt mit technischen Aufgaben betraut. Zur Optimierung des Persönlichkeitsprofils wird meistens ein Coach
herbeigezogen. Im Schnitt erfolgt nach
rund zwei Jahren die erste Beförderung
zum «Principal Engineer». Dies entspricht der untersten Managementstufe. Nach einigen Jahren Berufserfahrung und bei guter Leistung kann man
sich für den nächsten Schritt in der Expertenlaufbahn qualifizieren. Es gilt erneut ein Programm zu durchlaufen,
das mit der Zertifizierung zum «Experten» endet.
Wie gestaltet sich so ein
Fachkarriere-Modell konkret?
Das heisst, ein «Principal Engineer»
und später ein «Experte» verdient
gleich viel wie eine Person mit Führungsverantwortung auf der unteren
bzw. mittleren Managementstufe?
Nach den Assessments wird ein massgeschneidertes Programm für die ent-
Ja. Die Fachkarriere beinhaltet dieselben Salärstufen wie die klassische Ma-
nagementkarriere. Das macht sie unter
anderem auch attraktiv.
Wie sind die Reaktionen der Kandidaten, wenn sie eine Fachlaufbahn vorgeschlagen bekommen? Gerade Männer sind oft ehrgeizig und glauben,
unbedingt Chef werden zu müssen.
Genau das sind die Diskussionen, die uns
dazu bewogen haben, die Fachkarriere
ins Leben zu rufen. Dass wir wenig enttäuschte Reaktionen registrieren, hat damit zu tun, dass das Programm inzwischen bestens verankert ist. Die Leute sehen, dass sie mit diesem Karrieremodell
dieselbe Anerkennung bekommen wie
in der klassischen Linienkarriere.
Der andere Weg
Alstom Schweiz hat vor
zehn Jahren im Bereich
Power Systems begonnen,
den besten Ingenieuren die
Fachkarriere als Alternative zur klassischen Managementkarriere zu bieten.
2006 wurde das Modell auf
den Sektor Power Service
ausgeweitet und wird nun
weltweit eingeführt. Insgesamt haben mehr als 400
Ingenieure das FachkarriereProgramm des Technologiekonzerns durchlaufen und
die Zertifizierung erreicht.
Alstom beschäftigt in der
Schweiz 5000 Angestellte,
weltweit 65 000.
viel höher als auch schon. Kandidaten
aus der Schweiz sind Mangelware. Momentan melden sich viele Bewerber aus
Italien, aber auch aus Mexiko und Südamerika sowie aus Asien.
Weshalb gerade aus diesen Regionen?
Die Leute sehen einfach bessere Verdienst- und Entwicklungsmöglichkeiten in der Schweiz.
Ist das Modell der Fachkarriere ein
Wettbewerbsvorteil im Rekrutierungskampf?
Die Industrie sucht händeringend
nach qualifizierten Ingenieuren.
Wie prekär ist die Lage bei Alstom?
Wenn sich eine gut qualifizierte Person
bei uns bewirbt, kann es schon mal sein,
dass wir ihr die Perspektive bieten, sofort als Kandidat ins Fachkarriere-Programm aufgenommen zu werden. Das
kann den Entscheid zugunsten von Alstom positiv beeinflussen.
In unserem Bereich sind derzeit 50 Stellen offen. Gute Leute zu finden, ist
schwierig, der Rekruktierungsaufwand
* Peter Rufli ist Chief Engineer Gas Turbines bei Alstom Power Systems in Baden.
Document
Kategorie
Reisen
Seitenansichten
6
Dateigröße
679 KB
Tags
1/--Seiten
melden