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3-4 Wie der Meister, so die Schule 5-7 Geschichte - Sucht Schweiz

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Hintergründe
und Positionen
Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme
zu legalen und
illegalen Drogen
6/07
STAND
«cool and clean»
Foto: swiss olympic
PUNKTE
3-4 Wie der Meister, so die Schule
50 000 Junge machen mit bei «cool and clean», dem grössten Präventionsprogramm im Schweizer Sport.
Es will Kinder und Jugendliche zu Leistung und Fairplay motivieren und dem Missbrauch von Alkohol,
Tabak und Cannabis vorbeugen. Besuch in einer Karate-Schule.
5-7 Geschichte einer kämpferischen Zeitschrift
1892 zur «Bekämpfung des Trinkzwanges» gegründet, hat sie schon öfter «ein neues Röckli»
und einen neuen Namen erhalten. Sie war Kampfblatt in bewegten Zeiten und legte sich später
mit der Wirtschaft an. Blick zurück auf «Die Freiheit», eine Vorgängerzeitschrift von «Standpunkte».
8-9 «Standpunkte» geht online
Monique Helfer ist Medienverantwortliche der SFA und schlägt 2008 mit «Standpunkte online»
ein neues Kapitel in der SFA-Mediengeschichte auf. Was will sie mit «Standpunkte online» bewirken
und worin sieht sie ihre Aufgaben als Medienverantwortliche? Interview zu Gegenwart und Zukunft.
IN EIGENER SACHE
«Standpunkte online»: ein neues Kapitel
Auf Monique Helfer, die neue SFA-Medienverantwortliche, warten heute zwei grosse Herausforderungen: die Zeitschrift «Standpunkte»
ab 2008 neu als «Standpunkte online» zu etablieren sowie die SFA-Medienarbeit weiterzuentwickeln. Sachliche Informationen und fundierte Stellungnahmen einer Fachstelle wie der
SFA sind wichtig, um das breite Publikum zu
sensibilisieren und um Veränderungen zu bewirken. Aber sie allein reichen nicht, damit Menschen ihr Verhalten im Umgang mit legalen und
illegalen Drogen verändern können. Wenn wir
die Situation verbessern wollen, müssen wir –
die SFA – auch unsere anderen Präventionsaktivitäten verstärken – und öffentlich darüber
reden.
Michel Graf
Direktor SFA
Liebe Leserinnen
Liebe Leser
Es tut sich Neues im Bereich der SFA-Medien!
Ich will hier gar nicht von der regelmässigen Präsenz der SFA in den Zeitungen, in Radio und
Fernsehen reden. Obwohl sie in meinen Augen
sehr erfreulich ist. Nein, es geht vielmehr um interne Änderungen: Ende Juli hat Mediensprecherin Janine Messerli von der SFA zur Pro Helvetia gewechselt, Anfang Oktober hat Monique
Helfer ihre Nachfolge als neue Leiterin der SFAMedienabteilung angetreten, und Ende Jahr
verlässt die Journalistin Gerlind Martin die SFA.
Diese personellen Bewegungen sind kein
schlechtes Zeichen, vielmehr Beleg für die hohe
fachliche Kompetenz unserer Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter, die sich neuen beruflichen Herausforderungen stellen.
Janine Messerli hat ihren Arbeitsbereich in den
letzten fünfeinhalb Jahren zu einer vielseitigen,
dynamischen und effizienten Medienabteilung
entwickelt und sich als SFA-Mediensprecherin
kenntnisreich an zahlreichen aktuellen Diskussionen beteiligt. Als Redaktorin ist Gerlind Martin für den vielseitigen «Standpunkte»-Jahrgang
2007 verantwortlich und hat mit interessanten
Artikeln die Diskussionen und Reflexionen über
Sucht und Abhängigkeit, über legale und illegale
Drogen bereichert. Herzlichen Dank den beiden
Mitarbeiterinnen für ihr grosses Engagement
und ihre Arbeit.
23
Mit «Freiheit» hat eine Vorgängerorganisation
der SFA 1892 die Reihe der Publikationen eröffnet (vgl. Seiten 5-7), mit «Standpunkte online»
beginnt 2008 ein neues Kapitel: «Standpunkte
online» will den Leserinnen und Lesern wie bisher fundierte und interessante Hintergrundinformationen bieten. Neu will die SFA ihre Stellungnahmen und Reflexionen einem grösseren
Publikum zur Kenntnis bringen. Mit dem Wechsel ins Internet ab Anfang 2008 kann die Redaktion auf aktuelle Themen eingehen und auch
Stellungnahmen und Einschätzungen der SFA
können rasch veröffentlicht werden. So wird
sich zwar der Erscheinungsrhythmus von
«Standpunkte online» leicht verändern und flexibler werden, doch unsere Analysen werden
seriös und kompetent bleiben. Ein kleines Team
von Journalistinnen, Journalisten und internen
Fachleuten unter der Leitung von Monique Helfer wird dafür verantwortlich sein. Mit dem
Wechsel aufs Internet kann die SFA Kosten sparen – gleichzeitig werden Sie «Standpunkte online» inskünftig gratis lesen können.
Ich freue mich, ab 2008 auch Sie zu den Leserinnen und Lesern von « Standpunkte online »
zählen zu dürfen.
Michel Graf
Direktor Schweizerische Fachstelle
für Alkohol- und andere Drogenprobleme, SFA
Weitere Informationen zu «Standpunkte
online» finden Sie auch auf den Seiten 8,
9 und 13.
PRÄVENTIONSPROGRAMM «COOL AND CLEAN»
Wie der Meister, so die Schule
Als «cool and clean» im Jahr 2002 startete, meldete Dominique Sigillò sein Team beim Präventionsprogramm
für junge Sportlerinnen und Sportler an. Augenfälligste Veränderung: Der Karate-Lehrer entfernte den
Aschenbecher vor dem Dojo in Biel. – Ein Besuch bei einem Sportclub aus der breiten Teilnehmer-Palette von
«cool and clean». Von Anita Cassese
cher Schweizer Meister in Karate, Vize-Weltmeister 1984, Vize-Europameister 1992. In einem Satz
erklärt er, warum seine Karate-Schule bei «cool
and clean» mitmacht: «Sport und Rauchen passen für mich nicht zusammen.» Als das Präventionsprogramm von Swiss Olympic vor fünf Jahren
startete (vgl. Kasten unten), war er sofort Feuer
und Flamme; es lag genau auf seiner Linie. Der
43-Jährige raucht nicht, trinkt nicht. Alle fünfzehn
Trainerinnen und Trainer seiner Schule, sagt er,
rauchen nicht. Um bei «sport rauchfrei» teilzunehmen, entfernte er den Aschenbecher vor dem
Eingang und verhängte ein Rauchverbot im Umkreis von dreihundert Metern. Die meisten Eltern,
die bis anhin rauchend auf ihre Kinder gewartet
hatten, so Sigillò, zeigten Verständnis. Inzwischen
ist das Verbotsschild verbleicht, kaum sichtbar
zwischen farbigen Plakaten.
Karate ist eine der
Sportarten im «cool
and clean»-Präventionsprogramm.
Foto: swiss olympic
wanzig weiss gekleidete Sprösslinge stehen
in Reih und Glied auf dem rot-blauen Tatami
(Fussmatte). Sie zupfen am Kimono, zappeln,
schupsen einander. Einige Mütter, auch zwei
Väter, haben hinten im Dojo (Übungsraum) auf
den Holzbänken Platz genommen. Es ist Freitagnachmittag, ein Viertel nach vier, Karatetraining
für die Fünf- bis Achtjährigen im Zentrum für
Kampfkunst und Gesundheit in Biel. Im Vorraum
des Dojos sitzt Dominique Sigillò, Lehrer in Karatedo, Kickboxing, Taiji-Quan und Qi-Gong; zehnfa-
Z
Positiver Dopingtest wegen Cannabis
In Sachen Alkohol herrscht im Dojo Nulltoleranz.
Wo früher Sigillòs Vater, ebenfalls Karatelehrer,
Bier verkaufte und manchmal selber trank, stehen Kaffeemaschine und Kühlschrank mit alkoholfreien Getränken. An der Bar sitzen die Ziegerlis, deren neunjähriger Sohn gerade trainiert.
«Dominique ist eine Respektperson. Wenn er
sagt, Rauchen ist ungesund, nützt es vielleicht
mehr, als wenn die Eltern es predigen», sagt die
Mutter. Ihr Mann, früher selbst Raucher, findet
50 000 Jugendliche machen mit
«cool and clean» ist mit 50 000 Teilnehmenden
das grösste Präventionsprogramm im Schweizer
Sport. Es richtet sich an Kinder und Jugendliche
im Alter zwischen zehn und zwanzig Jahren, an
deren Trainerinnen und Trainer, an Spitzensportler
sowie Organisatoren von Sportanlässen. Das
Programm will Jugendliche zu Leistung und Fairplay motivieren und dem Missbrauch von Alkohol, Tabak und Cannabis vorbeugen.
Die Trainerinnen, Trainer und die Jugendlichen verpflichten sich, verbindliche Abmachungen («Commitments», vgl. Seite 4, unten links) einzugehen
sowie Verantwortung für sich und die Gruppe zu
übernehmen. Das Programm will das Gemeinschaftsgefühl fördern und den Jugendlichen die
Möglichkeit geben, sich über Suchtmittel auszutauschen, sich positiv zu verhalten und mit Vor-
bildern zu identifizieren. 2002 startete «cool and
clean» im Nachwuchsleistungssport; seit 2006
können auch Jugendliche im Breitensport teilnehmen. Zwischenbilanz Ende 2007: rund
50000 teilnehmende junge Sportlerinnen und
Sportler; 182 «cool and clean»-Sportlager,
39 rauchfreie Sportveranstaltungen. 32 Sportvereine haben die Ethik-Charta in ihre Statuten aufgenommen und Massnahmen gegen das Rauchen eingeführt.
Träger von «cool and clean» sind Swiss Olympic,
das Bundesamt für Sport und das Bundesamt
für Gesundheit (www.coolandclean.ch). Finanziert wird es durch den Tabakpräventionsfonds.
Die Verantwortlichen entscheiden im Februar
2008, ob «cool and clean» in eine weitere Runde
geht. (ac)
PRÄVENTIONSPROGRAMM «COOL AND CLEAN»
Alkoholfreie Bars gehören
an «cool and clean»-Sportveranstaltungen dazu.
Foto: swiss olympic
«cool and clean» eine gute Sache, «weil ich
weiss, wie schwierig es ist, mit dem Rauchen
aufzuhören».
Mitte November 2007 organisierte die KarateSchule die Schweizermeisterschaft in Biel zum
ersten Mal unter dem Motto «cool and clean».
Hellgrüne Flaggen mit Logo standen an den vier
Ecken des Wettkampfplatzes, gegenüber der Tribüne hing das Banner «Sauber kämpfen, fair gewinnen», links und rechts die Banner, «Gemeinsam für rauchfreien Sport». Am Vip-Apéro gab
es Fruchtsäfte anstatt Champagner. Wie üblich
fanden auch Doping-Kontrollen statt. Doping im
Mehr Motivation
Commitments:
Fünf Abmachungen
1. Ich will meine Ziele
erreichen!
2. Ich verhalte mich fair!
3. Ich leiste ohne Doping!
4. Ich meide Tabak,
Alkohol und Cannabis!
5. Eigene selbst gewählte
Abmachung: Ich…/Wir…
45
Drei Forschungsinstitute, darunter die Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA), haben «cool and clean»
zwischen 2005 und 2007 wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Die Studie der SFA
über das Teilprogramm für Jugendliche zeigt
unter anderem: Junge Sportlerinnen und Sportler, die bei «cool and clean» mitmachen, sind
motivierter, ihre Leistung zu erbringen, und
haben einen besseren Teamgeist als Gleichaltrige, die nicht mitmachen. Dieses Resultat sei
vielversprechend, sagt Beatrice Annaheim, Mitautorin der SFA-Studie. Denn es zeige, dass das
Präventionsprogramm die Selbstverantwortung und -bestimmung der Jugendlichen stärken könne – beides wichtige Voraussetzungen
für den Umgang mit psychoaktiven Substanzen. Um nachzuweisen, ob das Programm das
Verhalten der Jugendlichen beeinflusst, wäre
allerdings eine Langzeitstudie nötig.
Fünf Experten aus dem In- und Ausland überprüften die Studien und beurteilten das Programm. Ihr Fazit laut Schlussbericht: Die Ziele
von «cool and clean» sind unbestritten, das
Programm «angemessen und notwendig»,
und «cool and clean» hat die angestrebten
Zahlen der Teilnehmenden und Veranstaltungen erreicht. Die Experten empfehlen die Fortsetzung des Programms. Laut Rita Bürgi, Gesamtprogrammleiterin von «cool and clean»,
fordern die Experten einen stärkeren Einbezug
von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im «cool and clean»-Projektteam und
mehr Klarheit in der Formulierung der vierten
Abmachung («Ich meide Tabak, Alkohol und
Cannabis»), da diese missverständlich sei. (ac)
Karate? – «Kein Thema», sagt Sigillò. Mit Karate
verdiene niemand Geld. Positiv getestete Karateka habe es schon gegeben, allerdings wegen
Cannabis-Konsum. Was würde er tun, wenn ein
Jugendlicher bekifft ins Training kommt? – «Mit
ihm reden», sagt Dominique Sigillò. Würde er
das Interventionskonzept anwenden, das «cool
and clean» den Trainern mit auf den Weg gibt?
Er überlegt. Er habe die Unterlagen angeschaut,
genau könne er sich aber nicht daran erinnern.
«cool and clean» bestätigt eigene Haltung
Inzwischen hat das Training der 12- bis 14-Jährigen mit Dominique Sigillò begonnen. Im Nebenraum wärmt sich Petra Hug fürs Wettkampftraining auf. Hält sie die vier Abmachungen, die
sogenannten Commitments (vgl. unten links),
ein und welches ist ihr eigenes Commitment?
«Ich kann mich im Moment nicht daran erinnern», sagt sie. Ob mit oder ohne «cool and
clean»: Für Petra ändert sich nichts, da sie sich
«sowieso daran halte», wie sie sagt. Dennoch
findet die 19-Jährige «cool and clean» eine gute
Sache, weil es ihre Haltung bestätige. Trainingskollege Julien Gauthey gefällt, dass «cool and
clean» Sponsoring für Sportarten wie Karate ermöglicht. Ob das Programm etwas nützt, kann
er nicht einschätzen. Sein eigenes Commitment? «Uh, das ist lange her.» So oder so habe
er beim Eintritt in den Club unterschreiben müssen, keine Drogen und Dopingmittel zu nehmen
– bevor «cool and clean» aufkam.
Er wollte an die Spitze
Draussen an der Bar wartet Roger Fricker, bis
das Kampftraining beginnt. «Mich hat der Sport
von den Drogen ferngehalten», sagt er. Als die
Kollegen mit fünfzehn zu kiffen begannen, habe
er sich gesagt: «Wenn ich jetzt kiffe, erreiche ich
meine Ziele nicht.» Er wollte an die Spitze und
schaffte es. Letztes Jahr wurde er Schweizer
Meister; bis vor einem Monat trainierte der
23-Jährige im Nationalkader. Natürlich habe auch
er früher Alkohol getrunken, aber nie «über die
Stränge geschlagen». Die Ziele von «cool and
clean» – unter anderem kein Alkoholmissbrauch
– seien für ihn selbstverständlich gewesen. Dominique sei für die Sportlerinnen und Sportler
ein Vorbild. «Wer mit seiner Einstellung nicht
leben kann, ist nicht in diesem Club», sagt Roger
Fricker, «der Club ist so wie Dominique.»
« S TA N D P U N K T E » G E H T O N L I N E
Rückblick auf die Geschichte einer kämpferischen
Zeitschrift
Nach fast 30-jähriger Existenz übersiedelt die SFA-Zeitschrift «Standpunkte» in die digitale Welt. Anlass für
einen Blick auf die über 100-jährige Geschichte der Publikationsorgane der Schweizerischen Fachstelle für
Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) und ihrer Vorgängerinnen. Von Hermann Fahrenkrug*
tandpunkte» wechselt das Kleid, wird
ein Webjournal und passt sich somit einmal mehr zeitgemässen Medienformen an (vgl.
dazu Seiten 2, 8 und 9). Diese Umstellung der
1978 erstmals so betitelten Zeitschrift der damaligen Schweizerischen Fachstelle für Alkoholprobleme (SFA) legt einen Rückblick nahe auf
die Geschichte der Publikationsorgane der über
100-jährigen SFA.**
«S
Von «Die Freiheit» 1892
zu «Standpunkte» 1978:
wechselndes
Erscheinungsbild,
veränderte Inhalte,
neue Sichtweisen.
Foto: Hermann Fahrenkrug
* Der Autor hat seit
nunmehr 20 Jahren
zeitweise als Interimsredaktor für «Standpunkte» gewirkt,
soziologische Artikel,
Kongressberichte und
Ironisches («St(r)andpunkte») über den
Alkoholkult verfasst
Am Anfang stand «Die Freiheit»
«Standpunkte» hat eine Vorgängerin: «Die Freiheit. Blätter zur Bekämpfung des Trinkzwanges.»,
erstmals erschienen im Jahre 1892. Genaueres
verzeichnet das «Schweizerische Taschenbuch
für Alkoholgegner» (1905). Unter der Überschrift
«Alkoholgegnerische Presse in der Schweiz»
steht zu lesen: «1. Die Freiheit. Offizielles Organ
der Landesgruppe Schweiz des Alkoholgegnerbundes. Herausgegeben vom Ortsverein Basel
(monatlich) – Redaktion: Hr. Ed. Blocher, Sitten.
Abonnementspreis per Jahr Fr. 1.50, Ausland
Fr. 2.–.»
und wird am Webjournal mitarbeiten.
** Der Autor dankt Eduard
Muster, früherer Redaktor der Zeitschrift und
Kenner der Geschichte
des Kampfes gegen
Alkoholprobleme
«Fördern Sie die Bewegung
gegen das Trinkelend, indem Sie
unsere sehr beliebte, äusserst
reichhaltige und billige Zeitschrift
‹Die Freiheit› abonnieren.»
(www.edimuster.ch/
alkoholgeschichte),
für seine Mitarbeit.
Im Chor der damals zwanzig deutsch- und französischsprachigen alkoholgegnerischen Organe
war «Die Freiheit» die Stimme der Verfechter
einer religiös und politisch «neutralen» Totalenthaltsamkeit von allen alkoholischen Getränken,
vereinigt im Alkoholgegnerbund. Unter dem Titel
«Was wir wollen» macht der erste Satz die Namenswahl klar: «Wer unter dem Banner der Freiheit ficht, bekämpft eine herrschende tyrannische Macht. Unser Feind, dem unser Angriff gilt,
ist der Alkoholgenuss: das Trinken und Saufen.»
«Propagandamittel» der Abstinenten
Es ging darum, die «Männerwelt aller Stände
und nicht zum mindesten der Gebildeten unter
ihnen» von der gedankenlosen «Volkssitte des
Trinkens» zu befreien. Der Weg dahin war klar:
die persönliche Abstinenz und die allmähliche
Beseitigung aller alkoholischen Getränke als Genussmittel aus der Gesellschaft. «Die Freiheit»
spielte in der ersten Phase die Rolle einer Vereinszeitung mit einer Auflage von zirka
1000 Exemplaren. Die Blätter «betrachten es
als ihre Aufgabe über den Alkohol, seine Natur
aufzuklären, vor ihm zu warnen (…), denn Irrsinn, Verbrechen, früher Tod, Krankheiten, Laster sind die Gaben, die der Alkohol aus seinem
Füllhorn über unsere Schweiz ausschüttet. Von
diesen Mächten das Vaterland zu befreien, ist
unsere höchste Aufgabe.»(1/1892, Seite 1).
«Du sollst deines Bruders
Hüter sein.»
Auf anfänglich vier Seiten wurden der Horror
des Alkoholkonsums und seine Folgen demonstriert, etwa in der ironischen Rubrik «Die Segnungen des Alkohols». Wissenschaftliche Beiträge belegten, wie sehr alle sozialen Probleme
der Zeit (Krankheit, Armut, Verbrechen) auf das
«Alkoholgift» zurückzuführen waren. Ärzte, Lehrer und sympathisierende Pastoren sahen sich
berufen, Volk und Vaterland – insbesondere «die
heranwachsende Schweizer Generation» – vor
alkoholbedingten Schäden zu bewahren. Nicht
über Mässigkeit im Umgang mit alkoholischen
Getränken (etwa Bier und Wein), wie andere
Fraktionen der Alkoholgegnerschaft glaubten,
konnte die unablässig in den Vordergrund gerückte «Alkoholfrage» gelöst werden, sondern
durch persönliche Abstinenz und «sozialhygienische Massnahmen» zum Schutze des Volkes.
« S TA N D P U N K T E » G E H T O N L I N E
«Die goldene Zeit» um die Jahrhundertwende
Die Abstinentenbewegung und damit auch «Die
Freiheit» gewannen um die Jahrhundertwende
in der Schweiz an Boden. Bald verdoppelte sich
der Umfang der Blätter (bei nur halber Erhöhung
des Abopreises), und «Die Freiheit» kam im
14-tägigen Rhythmus ins Haus. Zur Finanzierung wurden ab 1895 auch Anzeigen gebracht.
Geworben wurde für englischen Tee und Nichtalkoholisches: «Abstinenten, trinket Ingwer-Limonade, empfohlen von Prof. August Forel aus
Zürich.» Der Psychiater August Forel und der
Physiologe Wilhelm Bunge wurden mit ihren
Positionen zur «Alkoholfrage» zu Leitsternen
und lieferten die Kampfparolen der «Freiheit».
«Abstinenten,
trinket Ingwer-Limonade…»
1899 zum offiziellen Organ des internationalen
Alkoholgegnerbundes erklärt, wurde das Abonnement der «Freiheit» für alle Ortsvereine obligatorisch; etwa 2000 der geschätzten damaligen 20 000 bis 30 000 Abstinenten in der
Schweiz erhielten das Blatt.
Ein Kampfblatt in bewegten Zeiten
In den folgenden Jahrzehnten wechselten der
Redaktionsstandort (aus der Deutschschweiz
nach Lausanne) und die Herausgeberschaft der
«Freiheit». Zuerst das 1902 eingerichtete «Abstinentensekretariat / Sécretariat antialcoolique
Suisse / SAS», dann ab 1917 die «Zentralstelle
zur Bekämpfung des Alkoholismus» in Lausanne übernahmen die operativen Aufgaben.
Begeisterte Schriftleiter wie R. Hercod, M.
Oettli und vor allem ab 1919 Josef Odermatt
prägten das Blatt. «Die Freiheit» blieb sich inhaltlich und in der Aufmachung treu, wenn auch
die Untertitel variierten: «Blätter zur Bekämpfung des Alkoholismus», «Blätter zur Bekämpfung des Alkoholgenusses».
«Möbelschreiner, alleiniger
bewährter Abstinent in Weinbau
treibender Gemeinde, bittet edle
Abstinenten um Arbeit…»
67
Erste Fotos alkoholfreier Kurheime und mehr
Werbung (zum Beispiel für Sprüngli Schokolade
und Abstinenten-Versicherungen) sowie Stellenanzeigen für Abstinente kamen hinzu. Schon
damals sollten auch Nichtabstinente als Lesende gewonnen werden. Gleichzeitig begannen abstinente Eisenbahner, Frauen, Bauern,
Staatsangestellte und Velofahrer sich zu organisieren. Für ihre Vereinsmitteilungen hatten sie je
eigene Rubriken in der «Freiheit» und später in
«Standpunkte».
Hinzu kamen neue Themen wie alkoholfreie Obstverwertung, Enthaltsamkeitsunterricht und die
sich verbreitende Trinkerrettung. Viel Platz nahm
die Mobilisierung der Abstinentenbewegung ein
für die grossen alkoholpolitischen Kraftakte der
Zeit (Absinthverbot, Gemeindebestimmungsrecht
für eigene Massnahmen gegen Alkoholismus ).
«Die Freiheit» darf nicht untergehen
Die positive Entwicklung der Abstinenzbewegung und mit ihr der «Freiheit» wurde durch die
beiden Weltkriege und die wirtschaftlich schweren Zwischen- und Nachkriegszeiten gebremst.
«Die Alkoholfrage» und ihre Trägerschaft verloren trotz wichtiger neuer Themen wie «Wehrbereitschaft», «Nährmittelersatz», «Verkehrswesen und Alkohol», «Reklame für Alkohol in den
neuen Medien Radio und TV» an gesellschaftlichem Boden. Die Begeisterung der Alkoholgegner lasse nach, und die A-Bewegung werde
«rückläufig», klagt der Präsident des Alkoholgegnerbundes 1965 an der Feier des 75jährigen
Bestehens des Vereins. «Die Freiheit» hatte –
ähnlich wie die Zentralstelle – Mühe, sich ökonomisch über Wasser zu halten. Das zeigen
zum Beispiel die wiederholten Aufrufe zur
pünktlichen Bezahlung der Abonnemente und
die Bitte, Anzeigen nicht zu stornieren.
«Opfern Sie ‹Die Freiheit›
nicht dem Sparsinn.»
In den Jahren ab 1960 traten neue Redaktoren
ein (M. Wieser und E. Muster), um den Langzeit-Schriftleiter J. Odermatt (seit 1919) zu entlasten. Das SAS, die «Zentralstelle» und «Die
Freiheit» waren reif für eine Neuausrichtung.
Andere Verbündete und Themen mussten
gefunden werden, um die ermattete Abstinentenbewegung zu beleben. Die Kritik an der
Volkssitte des Trinkens genauso wie die «Alkoholfrage» blieben, doch statt des Elendsalkoholismus fürchtete man in der Nachkriegszeit den
Wohlstandsalkoholismus und die neuen amerikanischen Trinksitten (die Hausbar). Auch die Bedrohung der Schweiz durch illegale Drogen
wurde in der «Freiheit» vermehrt thematisiert.
Später kamen auf den auch optisch modernisierten Seiten langsam der Kampf gegen den
Tabak und die Förderung des Gesundheitsbewusstseins («Aktion Gesundes Volk» 1969)
dazu.
«Das Hauptgewicht wird
weiter auf die Alkoholfrage
gelegt werden.» (1971)
Geburt der «Standpunkte»
In den 70er Jahren überschlugen sich die Ereignisse. Aus dem SAS und der «Zentralstelle»
entstand 1976 die Schweizerische Fachstelle für
Alkoholprobleme (SFA), und auch «Die Freiheit»
erhielt «ein neues Röckli». Sie firmierte ab 1971
« S TA N D P U N K T E » G E H T O N L I N E
«Politisches Sprachrohr»
Richard Müller, bis 2002 Direktor der SFA, kommentiert heute den Weg der «Standpunkte» im
Sinne einer «sanften Ablösung der SFA von den
Ideen der Abstinenz» hin zu einer mehr wissenschaftlichen Public Health-Problemorientierung.
Dies habe auch zu einer Entideologisierung und
Professionalisierung der Zeitschrift und ihrer Inhalte geführt. Allerdings betont er auch, wie
wichtig ihm «Standpunkte» als «politisches
Sprachrohr» der SFA war, «das es mir gestattete, zum Beispiel den Bundesrat oder die Bundespolitik in Sachen Alkohol und Tabak anzugreifen oder mich mit den Interessengruppen
der Wirtschaft anzulegen».
Eduard Muster, ehemaliger
«Freiheit»-Redaktor, erinnert
sich an die Verjüngungskur
und den Paradigmenwechsel von 1971.
Foto: Hermann Fahrenkrug
unter dem Titel «Die Freiheit – neue A-Presse»
und bot «Informationen über Alkohol, Alkoholismus, Drogen und gesunde Lebensweise» im
Sinne eines «Paradigmenwechsels», wie es
Eduard Muster heute ausdrückt. Im Jahre 1966
als junger Redaktor der «Freiheit» eingetreten,
erinnert er sich im Rückblick an eine «Verjüngungskur» der «Freiheit». Das «Biedere» und
«Traktätchenhafte» der Abstinentenzeitschrift
sei zugunsten einer «spritzigeren» und «objektiveren Information» in Inhalt und Form abgelöst
worden.
Mehr Fotos, Karikaturen und Grafiken sowie
sozialmedizinische und sozialwissenschaftliche
Beiträge entsprachen auch der Neukonzeption
der SFA, die unter der Direktorenschaft von
Markus Wieser aus dem Sekretariat der Abstinentenbewegung eine moderne Fachstelle «zur
Verhütung von Alkoholproblemen» machte.
Nach einer Probe-Nummer im Jahre 1977, die
trotz Widerstands aus Abstinentenkreisen
genug Anklang gefunden hatte, startet 1978 die
nunmehr «Standpunkte» genannte «alte Zeitschrift im neuen Kleid». Beat Lehner, ab 1973
Schriftleiter bei der «Freiheit – Neue-A-Presse»,
betreute fortan die etwas pluralistischere Publikation «Standpunkte».
Was 1978 aufgegleist wurde, hielt den Kurs
über die achtziger und neunziger Jahre bis ins
neue Jahrtausend. Gelegentliches «Face-lifting» (1989, 1993) mit einem «neuen, lockeren
lesefreundlichen Kleid» sowie die regelmässige
Infusion jüngeren redaktionellen Blutes (Arthur
Phildius, Alain Knaus, Janine Messerli, Mathias
Morgenthaler und Gerlind Martin) haben «Standpunkte» zum heutigen Forum der kritischen
Berichterstattung und der konstruktiven Diskussion der vielschichtigen Alkohol- und Drogenprobleme werden lassen.
«Ab der nächsten Nummer
heissen wir ‹Standpunkte›. (…)
Lassen Sie sich durch die neue
Form und Aufmachung nicht
überraschen (…): die Zielsetzung
ist die gleiche geblieben.
‹Standpunkte› ist ein Instrument
in der Verhütung von Alkoholproblemen – allerdings ein
besseres Instrument, das zu
schaffen nötig war.»
Die Tatsache, dass der jetzige SFA-Direktor, Michel Graf, im künftigen, sogar wieder in zwei
Landessprachen erscheinenden Webjournal
«Standpunkte online» auch weiterhin die alkohol- und suchtpolitischen Positionen der SFA
vertreten wird, mag diejenigen beruhigen, die
mit der Abkehr von der Druckversion den Untergang der langjährigen und ehrwürdigen Tradition der kritischen Beobachtung und Analyse
des Umgangs mit Suchtmitteln befürchten. Im
Zeitalter des World Wide Web, das sich in der
Version des Web 2.0 durchaus den Idealen von
Aufklärung und «Freiheit» verpflichtet fühlt,
kann ein «Standpunkte online» diese Aufgabe
in kürzester Zeit und über hoffentlich zahlreiche
Links zudem grenzen- und kostenlos noch besser erfüllen.
«Neu will die SFA
ihre Stellungnahmen
und Reflexionen
einem grösseren Publikum
zur Kenntnis bringen.»
IM GESPRÄCH
«Standpunkte online» blickt bei vernachlässigten
Themen hinter die Kulissen
Monique Helfer hat im Oktober Janine Messerli als Mediensprecherin der SFA abgelöst, die dieses Amt
während fünfeinhalb Jahren ausgeübt hat. In einem Gespräch mit «Standpunkte» berichtet die neue
SFA-Medienverantwortliche, was ihr bei ihrer Arbeit wichtig ist und weshalb die Zeitschrift «Standpunkte»
ab 2008 als «Standpunkte online» erscheint. Interview: Gerlind Martin
Monique Helfer schloss ihr
Phil.I-Studium an der Universität Bern mit dem Lizentiat ab. Nach mehrjähriger
Tätigkeit als Journalistin
beim «Bieler Tagblatt» arbeitete sie bis Anfang 2001
als Leiterin Kommunikation
der Eidgenössischen Alkoholverwaltung (EAV). Die
diplomierte Public Relations Beraterin übte die gleiche Funktion bis im Herbst
2007 beim Schweizerischen
Heilmittelinstitut Swissmedic aus. Monique Helfer ist
39 Jahre alt und wohnt in
Biel.
89
«Standpunkte»: Monique Helfer, seit knapp drei Monaten leiten Sie die SFA-Medienabteilung. Was
wollen Sie an dieser Stelle bewirken?
Mein Anliegen ist, dass eine möglichst breite
Öffentlichkeit die Arbeit der SFA wahrnimmt.
Die Tagespresse und die Publikumsmedien stellen ein zentrales Bindeglied der SFA zur Bevölkerung dar. Wir setzen daher unsere Medienarbeit bewusst ein, um kontinuierlich über
die Ziele, die Forschungs- und Präventionsaktivitäten der SFA zu orientieren. Wir scheuen
auch den politischen Diskurs nicht und nehmen
in den Medien zu aktuellen gesundheitspolitischen Fragen Stellung. Wenn zum Beispiel eine
Stadt ein neues Gesetz einführen will, das ein
nächtliches Alkoholkonsumverbot vorsieht, werden wir von Medienschaffenden rasch zur Stellungnahme aufgefordert.
auch damit zusammen, dass die Konsumenten
und Konsumentinnen nicht am Rande, sondern
mitten in der Gesellschaft leben. Für Aufsehen
in den Medien sorgen Sportler, die zu leistungsfördernden Substanzen greifen, oder Jugendliche, die nach exzessivem Alkoholkonsum auf
der Notfallstation des Spitals landen oder gewalttätig sind.
Und was haben Sie in diesem Fall geantwortet?
Die Bestrafung des Alkoholkonsums erachten
wir als nicht zweckmässig. Kommt hinzu, dass
eine solche Massnahme in der Schweiz gesellschaftlich überhaupt nicht verankert ist. Es gibt
andere strukturelle Massnahmen, namentlich
auch zum Schutz der Jugend, die greifen. Voraussetzung ist, dass sie konsequent umgesetzt werden. Wir nutzen also auch die Medienauskünfte, um das breite Publikum für strukturelle und individuelle Präventionsmassnahmen
sowie für das Thema Abhängigkeit zu sensibilisieren…
Welches sind Ihre Aufgaben als Medienverantwortliche?
Zu meinem Alltag zählen die Redaktion von Medienmitteilungen und die Medienbeobachtung,
ich beantworte Anfragen von Medienschaffenden und begleite die SFA-eigenen Medien
«Standpunkte», «Abhängigkeiten», «Dépendances» und «Contact», welches sich an die Gönnerinnen und Gönner der SFA richtet. Wir wollen Wissen vermitteln und realisieren Präventionsprojekte, die auf Erkenntnissen aus der
Forschung basieren. Dies wollen wir für eine
breite Öffentlichkeit transparent machen. Ein
aktuelles Präventions-Beispiel sind die SFA-Elternbriefe, welche die Erziehungskompetenzen
von Müttern und Vätern stärken sollen. Ein Beispiel aus der Forschung ist die Evaluation des
Präventionsprogramms «cool and clean» im
Auftrag von Swiss Olympic: Wir befragten
Jugendliche im Breitensport sowie Nachwuchstalente zu Leistungsmotivation, Fairplay,
Doping und Substanzgebrauch. (Vgl. S. 3, 4;
Anm. der Red.)
…diese Themen sind zurzeit ja äusserst populär: Praktisch täglich berichten Zeitungen,
Radio und Fernsehen über Alkohol, Drogen
oder Tabak und die Auswirkungen dieser
Substanzen. Was verstehen Sie in diesem
Medienumfeld unter «Sensibilisieren»?
Mit Sensibilisieren meine ich, Informationen zu
liefern, die dem aktuellen Stand des Wissens
entsprechen. Damit leistet die SFA einen Beitrag zu einer sachlichen Diskussion. Gleichzeitig
wollen wir Lösungen aufzeigen und darstellen,
wo die Prävention ansetzen sollte. Wichtig ist
auch, Ängste weiter Bevölkerungskreise aufzugreifen. Solchen Ängsten begegnen wir am
besten, indem wir das verfügbare Wissen verständlich vermitteln.
Tatsächlich berichten die Medien häufig über legale und illegale Substanzen. Das hängt sicher
Während über sechs Jahren waren Sie Mediensprecherin der Heilmittelkontrollstelle
Swissmedic und mussten in den Medien oft
unpopuläre Entscheide vertreten – wie erleben Sie den Kontakt mit den Medien nun als
Sprecherin der SFA?
Die Medienschaffenden kontaktieren uns, um
eine spezifische Information zu erhalten. Die
SFA ist namentlich bei der Alkoholthematik,
aber auch bei anderen Suchtfragen, das Kompetenzzentrum der Schweiz. Und unser Fachwissen ist gefragt. Wenn wir dieses nachvollziehbar vermitteln, erfüllen wir die Erwartungen
der Journalistinnen und Journalisten. Andere
Fragen betreffen unsere Einschätzung zu politischen Entscheiden. Auch bei diesen Auskünften
berücksichtigen wir stets das Wissen aus der
Forschung sowie die Sicht der Prävention.
« S TA N D P U N K T E » G E H T O N L I N E
Informationsflut
und Medienhektik:
«Standpunkte online»
will dahinter kommen.
Fotos: Keystone
Die vorliegende ist die letzte Ausgabe von «Standpunkte» in dieser Form: Sie planen etwas Neues…
…ja, «Standpunkte online» wird ab dem nächsten Jahr für alle Leserinnen und Leser kostenlos
auf der SFA-Website zugänglich sein. Unser Ziel
ist es, den Kreis der bisherigen Abonnentinnen
und Abonnenten zu erweitern und gleichzeitig
die Stammleserschaft zu behalten. Ab 2008
wird «Standpunkte online» auch in Französisch
herausgegeben. Die Zeitschrift «Standpunkte»
hat eine lange Tradition (vgl. S. 5-7; Anm. d. Red)
und ist ein wichtiges Bindeglied der SFA zur
deutschen Schweiz. Mit dieser journalistisch
gemachten Zeitschrift liefern wir Hintergründe
zu wichtigen Themen, lassen andere Akteure zu
Wort kommen und sprechen sowohl Präventionsfachleute als auch interessierte Laien an.
Diesen Ansatz wird «Standpunkte online»
weiterführen. Gleichzeitig wird «Standpunkte
online» vermehrt die Position der SFA zu aktuellen Fragen aufzeigen.
Eben sagten Sie, die Medien würden häufig über
legale und illegale Substanzen, über Sucht und
Abhängigkeit berichten. Braucht es «Standpunkte»
beziehungsweise «Standpunkte online» überhaupt
noch?
Ja, denn die Medien vernachlässigen gewisse
Themen – vor allem Geschehnisse mit tiefem
Newsgehalt oder Entwicklungen, die nicht einzelnen Persönlichkeiten zugeordnet werden
können. Der Tagespresse fehlt oft die Zeit,
Zusammenhänge vertieft zu recherchieren, die
sich auf den ersten Blick nicht aufdrängen.
Deshalb werden in der Regel verschiedene
Exponenten befragt. Je kontroverser deren
Standpunkte sind, desto eher nehmen die
Medien die Positionen auf. Auffallend ist, dass
immer wieder die gleichen Personen Auskunft
geben, nämlich jene, die bereits von anderen
Medien zurate gezogen wurden.
Wie wird eine Droge zum Mainstream? Was
wissen wir über den gesellschaftlichen Wertewandel? Wie beeinflusst der internationale
Drogenhandel die Schweizer Kontrollaktivitäten? Weshalb interessiert sich die Forschung
kaum für den Substanzmissbrauch bei älteren
Menschen? Wie nutzt die Prävention das neue
Bewusstsein, wonach die eigene Gesundheit
persönliches Kapital darstellt? Wie verändert
sich die Suchthilfelandschaft? Dies sind Fragen,
die in Presse, Radio und Fernsehen meines Erachtens zu kurz kommen. Schon bisher hat
«Standpunkte» solche Fragen aufgegriffen, das
soll «Standpunkte online» verstärkt tun und bei
aktuellen, von den Medien aber vernachlässigten Themen gleichsam hinter die Kulissen
blicken. Bei derartigen Fragen drängen sich eine
vertiefte Analyse – und ein Positionsbezug der
SFA – auf.
Warum geben Sie die Papierversion zugunsten von «Standpunkte online» auf?
Die Publikation im Internet ist weniger aufwändig
als die gedruckte Zeitschrift. Sie ermöglicht es
uns, rascher als bisher auf aktuelle Themen einzugehen und Position zu beziehen. Ein Beispiel:
Verschiedene Schweizer Städte diskutieren Verkaufsverbote für Alkoholika oder gar Konsumverbote während der Nacht. Die Politik will heute
tendenziell mehr restriktive Massnahmen. Wie
denken Präventionsfachleute darüber?
«Standpunkte online» will weiterhin möglichst
neue Blickwinkel schaffen und Hintergründe
aufzeigen. Hier setzen wir unsere Ressourcen
ein. «Standpunkte online» wird hingegen auf
Kurzmeldungen verzichten, die meist bereits
von der Tagespresse aufgegriffen werden. Die
Position oder Einschätzung der SFA wird als
solche erkennbar sein. Dabei soll das bisher
befolgte journalistische Prinzip der Trennung
von Fakten und Kommentar beibehalten werden.
Wichtig sind mir eine möglichst differenzierte
Faktenlage und ein transparenter Positionsbezug.
Die formalen Voraussetzungen für eine OnlinePublikation – wie die Länge der Texte oder die
Farbgebung – unterscheiden sich von jenen für
eine gedruckte Zeitschrift. Wir wollen erreichen,
dass unsere Texte und deren Gestaltung der
raschen Lektüre am Bildschirm gerecht werden.
Selbstverständlich wird «Standpunkte online»
auch in einer druckfähigen Version zur Verfügung stehen, so dass man unsere Publikation
auch mitnehmen und zum Beispiel während
einer Zugfahrt lesen kann.
TA B A K P R Ä V E N T I O N
Kurze Interventionen helfen beim Rauchstopp
Die hausärztliche Rauchstopp-Kurzberatung feiert Erfolge. Gemäss aktuellen Studien ist sie ein wirksames
Instrument, um den Rauchstopp zu fördern. Wissenschaftler präsentierten an der europäischen Tabakkonferenz im Herbst in Basel weitere Einsatzgebiete für derartige Kurzinterventionen, zum Beispiel in der
Zahnarztpraxis oder bei der Begleitung werdender Mütter. Von Thomas Pfluger*
ls internationales Grossereignis fand die Europäische Konferenz zu «Tabak oder Gesundheit» (European Conference on Tobacco or
Health, ECToH) Mitte Oktober in Basel Anklang
bei den Massenmedien – und die Schweiz geriet
in die Schlagzeilen. Kaum hatte nämlich der belgische Tabak-Experte Luk Joossens seine
«Rangliste der Tabakkontrollpolitik» bekannt gegeben, vermeldeten die Zeitungen schon den
bescheidenen 18. Platz der Schweiz. Joossens
Rangliste basiert auf einer Studie, die von der
Krebsliga Schweiz in Auftrag gegeben worden
war. Die Studie beurteilt die europäischen Länder anhand von nachweislich wirksamen Tabakkontroll-Massnahmen, zum Beispiel Erhöhungen der Tabaksteuer und Werbeverboten. Auf
den ersten Rängen liegen Grossbritannien, Irland und Island.
Die Schweiz ist übers hintere Mittelfeld nicht hinausgekommen, weil sie die Tabakrahmenkonvention (Framework Convention on Tobacco
Control, FCTC) noch nicht ratifiziert hat und
kaum Werberestriktionen kennt. Positiv erwähnt
wurden immerhin der Tabakpräventionsfonds
und die ab nächstem Jahr vorgesehenen Bildwarnungen auf Tabakprodukten.
A
Die Zigarette in der Spritze:
Anti-Rauchen-Werbung
der Europäischen Union.
Foto: Thomas Pfluger
* Thomas Pfluger ist
freier Journalist in
Blauen (BL) und
spezialisiert auf die
Themen Gesundheit
und Medizin.
10 11
Ziel Rauchstopp
Eine Reihe von Referaten an der ECToH 2007
befasste sich mit der Rauchstopp-Beratung.
Vom Hausarzt durchgeführte Kurzinterventionen sind gemäss der aktuellen Studienlage ein
wirksames Instrument zur Förderung des
Rauchstopps (1, 2). Ein Studienteam um Jacques
Cornuz von der Universität Lausanne hat ihren
Nutzen auch für die Schweiz eindrücklich belegt (3). Seit 2002 wird die Ärzteschaft im Rahmen des Projekts «Frei von Tabak» entsprechend ausgebildet (www.frei-von-tabak.ch).
Praktizierende und in Ausbildung stehende Ärztinnen und Ärzte lernen dabei, ihre Patientinnen
und Patienten konsequent, gezielt und effizient
auf das Thema Rauchen und auf den Rauchstopp anzusprechen. Sie bestimmen die Rauchstopp-Motivation der Patienten, beraten diese
entsprechend und bieten ihnen Hilfe an. Mehr
als 3000 Ärztinnen und Ärzte haben schon an
Kursen von «Frei von Tabak» teilgenommen.
Das Projekt ist Teil des nationalen RauchstoppProgramms (www.letitbe.ch), das gemeinsam
von der Krebsliga, der Herzstiftung, der Arbeits-
gemeinschaft Tabakprävention und dem Bundesamt für Gesundheit geführt wird.
Die Referate an der Tabakkonferenz zeigten:
Kurzinterventionen werden heute in vielen Ländern Europas untersucht und genutzt. Es wird
erprobt, wie Zahnärzte, Apotheken und Hebammen zum Rauchstopp beitragen könnten. Projekte aus der Schweiz spielen dabei offenbar
eine Vorreiterrolle, denn die originellen Schweizer Ansätze und guten Teilnahmeraten brachten
mehrere Zuhörer dazu, ihre Bewunderung auszudrücken. Die Kurzintervention bei rauchenden
Jugendlichen ist gar ein Novum (siehe Kasten).
In der Hausarztpraxie
Isabelle Jacot Sadowski von der Universität Lausanne stellte in Basel die Resultate einer Umfrage zu «Frei von Tabak» vor. 1500 Schweizer
Allgemeinmediziner beschrieben in der Umfrage
ihre Angebote für aufhörwillige Patienten. 84
Prozent gaben an, Nikotinersatzprodukte zu verschreiben, und 65 Prozent das Antidepressivum
Bupropion. 70 Prozent der Ärzte bieten nach eigenen Angaben Beratung an. Dabei empfehlen
sie gemäss der Umfrage am häufigsten die Teilnahme an einer Rauchstoppgruppe, eine Akupunktur-Behandlung oder Rauchstopp-Broschüren. In der internationalen Literatur finden sich
jedoch keine Belege für die Wirksamkeit der beiden letztgenannten Methoden.
Noch sind offenbar nicht alle ärztlichen Empfehlungen zweckmässig. Die Lausanner Studie hat
ergeben, dass Ärztinnen und Ärzte, die ein
Rauchstopp-Trainingsprogramm von «Frei von
Tabak» besucht hatten, häufiger die nachweislich
wirksamen Methoden empfahlen und anwendeten. Die Forscher folgerten daraus, dass ein noch
grösserer Teil der Ärzteschaft im Rahmen von
«Frei von Tabak» ausgebildet werden sollte.
In der Zahnarztpraxis
Das Schweizer Projekt zur Förderung des
Rauchstopps beim Zahnarzt darf als Pionierleistung bezeichnet werden. Der Berner Zahnarzt
Christoph Ramseier gründete 2001 eine Taskforce, die ein Aus- und Fortbildungsprogramm
für die Zahnarztpraxis entwickelte. Ramseier
und seine Kollegen haben an der Basler Konferenz den Stand der Dinge aufgezeigt. Seit 2002
gehört die Rauchstopp-Beratung zur Ausbildung
von Zahnärztinnen, Dentalhygienikerinnen und
TA B A K P R Ä V E N T I O N
Information und Interesse an
der Europäischen Konferenz
zu «Tabak oder Gesundheit».
Foto: Thomas Pfluger
1. Silagy C, Stead LF.
Prophylaxe-Assistentinnen. Alle werden befähigt und motiviert, Kurzinterventionen und oft
auch Entwöhnungsberatungen durchzuführen.
Die Wissenschaftler bezeichneten an der
ECToH ihr Programm als «wichtigen Bestandteil
der Public-Health-Verantwortung von Schweizer
Zahnärzten». Inzwischen wird auch in anderen
Ländern erprobt, wie Zahnärzte in die Tabakentwöhnung einbezogen werden können. Die niederländische Zahnärztin J. P. Rosseel berichtete
an der Konferenz über ein erstaunliches Ergebnis ihrer Untersuchungen: Verfärbte Zähne
schrecken Raucherinnen und Raucher offenbar
mehr ab als Warnungen vor Mundhöhlenkrebs
und Zahnfleischerkrankungen.
Physician advice for
smoking cessation
(Cochrane Review).
Cochrane Database Syst
Rev. 2001;2: CD000165.
Bei der Hebamme
Rauchen während der Schwangerschaft erhöht
das Risiko einer Früh- oder Fehlgeburt, führt zu
einem verringerten Körpergewicht und einer
verschlechterten Lungenfunktion des Babys
und wird mit einem erhöhten Risiko für den
plötzlichen Kindstod in Verbindung gebracht.
Der Rauchstopp in den neun Monaten vor der
Geburt hat deshalb hohe Priorität. Hebammen
könnten dank ihres intensiven Kontakts mit den
werdenden Müttern dabei eine wichtige Rolle
spielen. Die britische Hebamme Jane Giles
schlägt vor, die Schwangeren mit einem KotininTest darauf aufmerksam zu machen, dass sich
der Tabakkonsum auf den ganzen Körper auswirkt. Kotinin ist ein Abbauprodukt von Nikotin
und ein guter Indikator für Tabakexposition.
Giles hat in einer kleinen Studie einen neuartigen Test erprobt, der im Gegensatz zu den herkömmlichen mit Urin statt Speichel funktioniert.
Der Test fand Kotinin im Urin von 47 Prozent der
Schwangeren – also weitaus mehr als den 17
Prozent, die gemäss britischer Statistik während der Schwangerschaft rauchen. Das Kotinin
kann laut Giles auch von einer Passivrauch-Exposition herrühren. Drei Viertel der Hebammen
konnten sich vorstellen, dass der Test bei der
Motivation zum Rauchstopp unterstützend
wirkt. Die Studie zeigte aber, dass die Fachfrauen genug Zeit und Ressourcen brauchen,
um in der Tabakentwöhnung aktiv zu werden.
…und an anderen Orten
Inzwischen sind in der Schweiz Bestrebungen
im Gang, Hebammen für Kurzinterventionen
auszubilden. Geplant sind ausserdem Programme für Herztherapeutinnen und Diabetesberaterinnen. Fachleute sind überzeugt, dass
alle diese Fachpersonen einen wertvollen Beitrag dazu leisten können, die Tabak-Epidemie
zurückzudrängen.
2. Fiore MC, Bailey WC,
Cohen SJ, et al.
KIM4U: Kurzintervention bei Jugendlichen
Treating Tobacco Use
and Dependence.
Clinical Practice
Guideline No. 18.
Rockville, MD: U.S.
Department of Health
and Human Services,
Public Health Service;
2000.
3. Cornuz J, Humair JP,
Seematter L et al.
Efficacy of Resident
Training in Smoking
Cessation:
A Randomized,
Controlled Trial
of a Program Based
on Application
of Behavioral Theory
and Practice with
Standardized Patients.
Ann Intern Med. 2002;
136:429-437.
Gemäss der Schweizer HBSC-Studie (Health Behavior in School-aged Children) rauchen 10 Prozent der 15-jährigen Jugendlichen täglich.
«KIM4U», ein Pilotprojekt des Zürcher Instituts für
Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF), beschreitet neue Wege in der Tabakprävention bei
rauchenden Jugendlichen. Mit einem niederschwelligen Vorgehen wurde die Wirksamkeit von
Kurzinterventionen in Kombination mit motivierender Gesprächsführung erprobt. Martin Neuenschwander vom ISGF hat KIM4U an der Europäischen Konferenz zu «Tabak oder Gesundheit»
2007 in Basel vorgestellt. «Das Projekt fokussiert
zusätzlich zur eigentlichen Tabakprävention auf die
Entwicklung von Selbstwirksamkeit und sozialen
Ressourcen», sagt er. In einer Studie, die Jugendliche aus sechs Kantonen erfasste (AG, BE, BL,
SG, SH, ZH), führten Fachleute nach einer entsprechenden Weiterbildung in ihren Settings Kurzinterventionen durch. Es beteiligten sich sowohl
medizinische Fachpersonen, vor allem aus schulärztlichen und schulzahnärztlichen Diensten,
als auch psychosoziale Fachleute aus der Schulso-
zialarbeit, der offenen Jugendarbeit und Jugendberatung.
Die Kurzinterventionen bauten gemäss Neuenschwander auf den gut erprobten hausärztlichen
Kurzinterventionen auf, berücksichtigten aber stärker die Besonderheiten der Adoleszenz und den
vorgegebenen Rahmen der verschiedenen Settings. Die eingeschränkten Möglichkeiten im beruflichen Alltag der Fachpersonen führten dazu,
dass die Interventionen in einem sehr engen zeitlichen Rahmen erfolgten, besonders in den medizinischen Settings. Eine Auswertung der Pilotphase
hat gezeigt, dass die Jugendlichen kaum zum Aufhören bewegt werden konnten. «Die Jugendlichen
werden schnell vom Tabakkonsum abhängig, und
der Rauchstopp fällt ihnen schwer», sagt Neuenschwander. «Aber immerhin erreichten wir eine
Reduktion der täglich gerauchten Zigarettenzahl.»
Trotz dieser Anfangsschwierigkeiten sehen die an
der Umsetzung beteiligten Fachleute im Vorgehen
mit Kurzintervention und motivierender Gesprächsführung ein grosses Potenzial für die Tabakprävention bei Jugendlichen. (tp)
V E R A N S TA LT U N G E N U N D W E I T E R B I L D U N G
Schweiz
Der Kitt bröckelt. Solidarität
und Ungleichheit in der Schweiz
Caritas-Forum 2008 als Treffpunkt für sozialpolitisch Interessierte
17. Januar 2008, Bern
Info/Anmeldung bis 7. Januar: Caritas Schweiz,
Tel. 041 419 22 22, E-mail: info@caritas.ch;
www.caritas.ch
AlcoFlop
Problematischer Alkoholkonsum bei jungen
Menschen – frühzeitig handeln
Berner Gesundheit und Beauftragter Jugend
der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn –
Möglichkeit, danach mit MOVE (motivierende
Kurzintervention) weiterzufahren.
Freitag, 25. Januar 2008, Bern
Info/Anmeldung bis 14. Januar: Gemeindedienste und
Bildung, Tel. 031 385 16 16, bildung@refbejuso.ch,
www.refbejuso.ch
Zertifikatskurs Grundlagen der Suchtarbeit
Weiterbildungsangebot, tertiäre Stufe, Möglichkeit eidg. anerkannten Master of Advanced
Studies (MAS) Spezialisierung in Suchtfragen zu
erwerben.
28. Januar – 15. Juli 2008, Olten
Infos/Anmeldung: Tanja Steiner, Fachhochschule
Nordwestschweiz, Hochschule für Soziale Arbeit,
Tel. 062 311 96 19, E-mail: tanja.steiner@fhnw.ch;
www.fhnw.ch/sozialearbeit/weiterbildung
Mit Überzeugung in die Zukunft!
10. Nationale Gesundheitsförderungs-Konferenz
24.+25. Januar 2008, Interlaken
Info/Anmeldung: Gesundheitsförderung Schweiz, Silvia
Moser Luthiger, Tel. 055 422 91 02, micons@bluewin.ch;
www.gesundheitsfoerderung.ch/konferenz
Voll ins Wochenende
Jugendliche zwischen Alkoholrausch, Langeweile, Spass und Risiko. Informationsabend mit
Theater, Zahlen, Fakten und Tipps für Eltern und
Jugendliche zu Alkohol und Rauschtrinken.
21. Februar 2008, Aarau
6. März 2008, Wettingen
Info/Anmeldung bis 14 Tage vor Veranstaltung:
ags, Suchtprävention Aargau. Tel. 062 832 40 90, E-mail:
info@suchtpraevention-aargau.ch; www.suchthilfe-ags.ch
Kinder unter Strom
Im Bann von Fernsehwelt, Games und Internet.
Informationsabend übers Zappen, Gamen,
Chatten und Surfen für Eltern von Schulkindern.
Informationen, Anregungen und Tipps im Umgang mit elektronischen Medien.
26. Februar 2008, Aarau
11. März 2008, Gansingen
Info/Anmeldung bis 14 Tage vor Veranstaltung:
ags, Suchtprävention Aargau. Tel. 062 832 40 90, E-mail:
info@suchtpraevention-aargau.ch; www.suchthilfe-ags.ch
12 13
Gesundheit nach Mass: Machbarkeit –
Finanzierbarkeit – Ethik
4. Luzerner Trendtage Gesundheit mit Themen
wie: individualisierte Medizin und massgeschneiderte Medikamente, Altersgesellschaft,
massgeschneiderte Finanzierungsmodelle (DRG).
Die Veranstaltung will den interdisziplinären Dialog zwischen EntscheidungsträgerInnen aus
allen Kreisen des Gesundheitssektors fördern.
5. + 6. März 2008, Luzern
Info: Forum Gesundheit Luzern, Tel. 041 318 37 97,
E-mail: info@trendtage-gesundheit.ch; www.trendtagegesundheit.ch
Ausland
Mediensucht: Computer, Fernsehen,
Handy... moderne Gefahren – Diagnostik,
Beratung und Therapie
An der Tagung für Fachkräfte aus Beratung und
Behandlung, Ärztinnen, Psychologen, Lehrerinnen und Interessierte soll das Spannungsfeld
von der Nutzung moderner kommunikationsfreudiger Medien bis hin zu einem selbst schädigenden Fehlverhalten mit hohem Leiden bei
den Betroffenen und ihren Angehörigen aufgezeigt werden. Die verschiedenen Kontexte der
Vorträge ermöglichen die Betrachtung des Störungsbildes aus für die klinische Forschung und
Praxis vor allem im Bereich der Prävention und
Therapie wichtigen Aspekten.
25. + 26. Januar 2008, Berlin-Mitte
Info: Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe im Diakonischen Werk der Ev. Kirche in Deutschland e.V. und
Johannes Gutenberg-Universität, E-mail: gvs@sucht.org
Mit dem Apfel fing alles an…
…Wege aus der Versuchung – Wege durch die
Versuchung
Frankfurter Konferenz zu einer integrierten
Drogenpolitik und Drogenarbeit
Die Frankfurter Konferenz für Entscheidungsträgerinnen aus Politik, Verwaltung, Polizei, Justiz,
Wissenschaft und Praxis will den drogenpolitischen Diskurs mit anderen europäischen Kommunen wieder aufnehmen. Wesentliches Ziel
ist, Impulse für die Gestaltung der Drogenpolitik
zu geben und sich über Empfehlungen für diese
Entwicklung zu verständigen. Themen: Drogenpolitik global, neue Forschungs-, Therapie- und
Präventionsansätze, Weiterentwicklung der
Drogenpolitik und Drogenarbeit auf kommunaler Ebene
28.+ 29. Februar 2008, Frankfurt am Main
Veranstalterinnen: Stadt Frankfurt am Main, Schweizer
Fachverband Sucht, Hertie Stiftung
Info: www.drogenkonferenz.de
I N S E R AT E
Impressum
Herausgegeben von der
Schweizerischen
Fachstelle für Alkoholund andere
Drogenprobleme SFA,
CAS Zielorientierte Beratung
bei Störungen der psychosozialen Gesundheit
Av. Ruchonnet 14, Lausanne
Briefadresse
SFA, Postfach 870,
Bei Störungen der psychosozialen Gesundheit mit spezifischen Methoden
beraten und intervenieren können. In
diesem CAS-Kurs (Certificate of Advanced
Studies) werden abhängig von den
Problemsituationen unter Einbezug
der individuellen Bereitschaften zielorientierte Beratungsinterventionen
vermittelt. Störungen der Gesundheit
können beispielsweise durch chronische somatische oder psychische Erkrankungen verursacht werden. Es
werden wissenschaftlich fundierte Methoden und Konzepte der psychosozialen
Arbeit vorgestellt und kritisch hinterfragt.
1001 Lausanne
Telefon 021 321 29 11
Fax 021 321 29 40
Erscheint
sechsmal jährlich
Verantwortliche Redaktorin
Gerlind Martin (gem)
standpunkte@sfa-ispa.ch
Mitarbeitende dieser Ausgabe
Anita Cassese
Hermann Fahrenkrug
Monique Helfer
Thomas Pfluger
Adressverwaltung und
Fakturierung
Claude Saunier
Abonnementspreis pro
Jahr (inkl. MWSt)
Schweiz: Fr. 24.–/Ausland:
Fr. 27.– (Vereine: Fr. 20.–)
Kündigungsfrist
30. November 2007
SFA-Elternbriefe
Die SFA-Elternbriefe richten sich
an Eltern von Jugendlichen im
Alter zwischen 12 und 16 Jahren.
Sie bieten Information, Unterstützung und Anregungen in Erziehungsfragen rund um das Thema
«Suchtmittelkonsum».
Die SFA greift dabei Themen auf,
die im Zusammenhang mit
Suchtmittelkonsum wichtig sind.
Im aktuellen Elternbrief geht es
um die Bedeutung und den Einfluss der Freunde: «Die anderen
tun es auch! – Wie Jugendliche
sich vom Freundeskreis beeinflussen lassen.»
Leitung
Prof. Dr. Günther Wüsten
Beginn
25. Januar 2008
Information und Anmeldung
Fachhochschule Nordwestschweiz
Hochschule für Soziale Arbeit
Tanja Steiner
Riggenbachstrasse 16
4600 Olten
+41 62 311 96 19
tanja.steiner@fhwn.ch
Interessierte Personen können
den Elternbrief jederzeit abonnieren
und erhalten ihn kostenlos per E-Mail
oder Post: Tel. 021 321 29 76,
E-Mail: eltern@sfa-ispa.ch,
www.sfa-ispa.ch/elternbriefe
www.fhnw.ch/sozialearbeit/weiterbildung
Inserate
Auf Anfrage
Gestaltungskonzept
«Standpunkte» geht online – abonnieren Sie jetzt den Newsletter!
René Habermacher
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Drogenprobleme (SFA), kostenlos: www.sfa-ispa.ch ■ Der gratis SFA-Newsletter kündigt Ihnen jede neue Ausgabe
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Visuelle Gestaltung, Zürich
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Name, Vorname:
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Im Jahr 2008 erscheint
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PLZ, Ort:
Datum, Unterschrift:
«Standpunkte online »,
zu lesen unter:
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Die SFA und der Fachverband Sucht geben mit «Abhängigkeiten» eine Fachzeitschrift mit Beiträgen aus Forschung
und Praxis der Prävention und Behandlung heraus; 3-mal jährlich, deutsch.
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zer Filme im EU-Raum – aber
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Foto: European Community
34 Massnahmen zur Diskussion gestellt
Ohne grösseres Medienaufsehen zu erregen, hat
das Bundesamt für Gesundheit (BAG) Ende Oktober das Nationale Programm Alkohol 2008-2012 in
die Vernehmlassung bei zahlreichen Interessengruppen geschickt. Ziel ist es laut BAG, «den problematischen Alkoholkonsum und insbesondere
das Rauschtrinken bei Jugendlichen zu reduzieren, und so Folgeerkrankungen, Unfälle und Gewalttaten einzudämmen». Das Programm enthält
34 Massnahmen und geriet im Sommer in die
Schlagzeilen: Vorzeitig war bekannt geworden,
dass das BAG eine Verkaufsbeschränkung für alkoholische Getränke vorsieht; es schlägt vor, den
Verkauf zwischen 21 und 7 Uhr für Tankstellenshops, Bahnhofsgeschäfte und über die Gasse zu
verbieten. Fördern will das BAG unter anderem
den Ausschank kostengünstiger alkoholfreier Getränke, aber auch die Weiterbildung von Suchtund Präventionsfachleuten. Die Vernehmlassung
dauert bis zum 21. Januar 2008. (pd/gem)
Gemeinsame Position
Fachverbände fordern kohärente Suchtpolitik
Mit ihrem gemeinsamen Positionspapier haben
sie im November nach eigenen Angaben «ein Zeichen für eine moderne multidisziplinäre Suchthilfe» gesetzt. Die drei grossen Fachverbände im
Suchtbereich – der Fachverband Sucht, die Groupement Romand d’Etudes des Addictions (GREA)
und die Schweizerische Gesellschaft für Suchtmedizin (SSAM) – fordern eine «kohärente Suchtpolitik». Damit stellen sie sich hinter den Bericht «psychoaktiv.ch» der Eidgenössischen Kommission für
Drogenfragen und bekennen sich zur bundesrätlichen Vier-Säulen-Politik. Von der Politik verlangen
sie, die Ungleichbehandlung von legalen und illegalen Substanzen zu stoppen. Das gemeinsame
Positionspapier von Fachleuten medizinischer, sozialarbeiterischer und psychologischer Ausrichtung sei ein Novum, heisst es in der Pressemitteilung. Moderne Suchthilfe werde damit fachlich
und politisch als multidisziplinäre Herausforderung positioniert und wende sich gegen die Tendenz, «die einzelnen Professionen und Ansätze
gegeneinander auszuspielen». (pd/gem)
h
0,0 Promille
14 15
kehr. Doch der Bundesrat hat «Via sicura» nach
wie vor nicht behandelt (vgl. «Standpunkte»
2/07). Ende November nun hat die BfU in Bern
eine Fachtagung durchgeführt und sich Schützenhilfe aus Deutschland geholt: Horst Schulze
von der deutschen Bundesanstalt für Strassenwesen erläuterte, warum Deutschland das Alkoholverbot für Neulenker eingeführt hat: «Für
junge Fahranfänger besteht bereits bei niedrigen Alkoholkonzentrationen ein erhöhtes Unfallrisiko», sagte Schulze. Die 18- bis 24-Jährigen,
die an Alkoholunfällen beteiligt sind, seien in
Deutschland proportional übervertreten. Zudem
seien Verkehrsunfälle unter Einfluss von Alkohol
meist mit überdurchschnittlich schweren Folgen
verbunden. Schulze sagte aber auch, eine noch
stärkere Gefährdung der Verkehrssicherheit
gehe von der bei jungen Erwachsenen immer
stärker verbreiteten Kombination von Alkoholund Cannabiskonsum aus. (pd/gem)
BFU wirbt mit deutscher Erfahrung
Seit August 2007 gilt in Deutschland die Vorschrift 0,0 Promille für Neulenker und -lenkerinnen – scharf beobachtet von der Schweizer Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), die sich
seit Jahren für ein Alkoholverbot für hiesige
Fahranfänger während der dreijährigen Probezeit einsetzt. Diese Massnahme ist zwar enthalten im «Via sicura»-Programm, dem nationalen
Programm für mehr Sicherheit im Strassenver-
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Media-Abkommen zurück an Bundesrat
Der Bundesrat soll mit der Europäischen Union
noch einmal über das EU-Filmförderungsprogramm «Media 2007» verhandeln und erreichen, dass die medienpolitischen Interessen
der Schweiz besser berücksichtigt werden. Mit
diesem Auftrag weisen der Stände- und der
Nationalrat das seit Oktober bereits provisorisch angewendete Abkommen an den Bundesrat zurück (vgl. «Standpunkte» 4/07). Sie stören
sich daran, dass mit «Media 2007» die im
Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) geregelten
Werbeeinschränkungen für Alkoholika, Politik
und Religion gelockert werden müssten. Ziel
von «Media 2007» ist es, Entwicklung, Vertrieb
und Vermarktung der europäischen Filmproduktion zu fördern. (pd/gem)
PUNKTUM
Blitzlicht
Aus für Teufelstüten
Der Kater aus dem UFO:
vielleicht ein Kater
der angenehmeren Sorte.
Foto: Keystone
Schenken Sie sich
den Kater
Teufelstüten:
Verbotenerweise
Jugendliche im Visier.
Foto: Lisa Schäublin
ᮣ
Die Feiertage stehen bevor, die Festivitäten
nehmen ihren Lauf und damit die Gelegenheiten, Alkoholisches zu trinken. Wer über den
Durst trinkt, kennt das Gefühl am nächsten
Morgen. Von Monique Helfer
JAB Lausanne 1
Der Kopf ist heiss und brummt, der Magen rumort,
die Glieder fühlen sich bleiern an. An Trinkgelegenheiten fehlt es während dem Festtagsschmaus
nicht. Wer einen Brummschädel davonträgt, greift
gerne zu abenteuerlichen Mitteln, den Kater zu vertreiben. Die einen schwören auf Bouillon und
Käse, andere trinken starken Kaffee mit Zitrone,
gönnen sich eine warme Honigmilch oder wünschen sich Linderung dank Tomatensaft mit Pfeffer. Sie alle hoffen, mit dem Katerfrühstück die körperlichen Symptome zu besänftigen und das Leiden rascher loszuwerden.
Nüchtern betrachtet, gibt es bloss drei Dinge, die
wirksam sind: Abstinenz, massvoller Konsum, Geduld im Nachhinein. Alle Versuche, mit Nahrungsmitteln, pflanzlichen oder chemischen Hilfsmitteln
den Alkoholabbau im Körper zu beschleunigen,
schlagen fehl. «Der beste Weg bleibt, sich im Voraus zu überlegen, wie viel man trinkt, wie man
nach Hause kommt und was am nächsten Tag auf
dem Programm steht», rät Jacqueline Sidler, Präventionsfachfrau der Schweizerischen Fachstelle
für Alkohol und andere Drogenprobleme (SFA).
Nachwirkungen
Selbst wenn der Alkohol im Blut abgebaut ist,
wirkt der übermässige Alkoholkonsum nach.
Symptome wie Kopfweh, Unwohlsein oder Durchfall können während des nächsten Tages die Leistungsfähigkeit sowie die Fahrtüchtigkeit einschränken. Wer über die Stränge schlägt, nimmt
somit auch am Folgetag eine verminderte Leistung bei der Arbeit oder im Alltag in Kauf. Auch
nach dem Alkoholabbau im Körper kann die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt bleiben. Die SFA rät
wegen des erhöhten Unfallrisikos grundsätzlich
davon ab, sich am Folgetag ans Steuer zu setzen.
Selbst wer lange geschlafen hat, fühlt sich am Tag
danach unwohl und übermüdet. Wer sich also den
Kater schenken will, verzichtet auf Alkoholisches
oder wählt einen massvollen Konsum.
Mit der ganzen Aufmachung werde «unbestrittenermassen vorwiegend eine jugendliche
Käuferschaft angesprochen», schreibt der Zuger
Lebensmittelinspektor Ueli Krasser in seinem
Untersuchungsbericht über die
«Schlauchbeutel-Verpackung
zum Aufreissen» Devil Bag,
die 20-ml-Spirituose (Gin oder
Rum oder anderes) enthält
(vgl. «Standpunkte» 5/07).
Durch die Anpreisung eines
zweiten und als «Antiserum»
bezeichneten Produktes würden jugendliche Konsumenten «geradezu aufgefordert, sich mit ‹Devil Bag›
die Birne volllaufen zu lassen, um anschliessend
ein unbekanntes ‹Antiserum› zu trinken und derart dem
Rausch entgegenzuwirken», stellt Krasser fest.
Die Kennzeichnung verstosse gegen die lebensmittelrechtliche Vorschrift, wonach alkoholische
Getränke nicht mit Angaben oder Abbildungen
versehen werden dürfen, die sich speziell an
Jugendliche unter 18 Jahren richten oder entsprechend aufgemacht sind. Im Oktober untersagte der Zuger Lebensmittelinspektor dem in
Risch tätigen Importeur der Teufelstüten die
Abgabe des Produktes und verlangte zudem,
die Lagerorte und Verkaufskanäle seien bekanntzugeben. (gem)
St(r)andpunkt
Pisa für Jugendschutz?
Wer denkt, es sei das Einfachste der Welt,
einen Blick auf den Ausweis eines Jugendlichen zu werfen und sogleich zu wissen, ob er
Alkoholisches kaufen darf oder nicht, denkt
falsch. Wenigstens wenn man den Testkäuferinnen glaubt, die dem «Tages-Anzeiger» kürzlich
von ihren Erlebnissen berichteten. Zwar verlange das Personal den Ausweis, «rechnet dann
aber falsch». Verkäuferinnen seien ihnen schon
nachgesprungen, weil sie beim Nachrechnen den
Fehler bemerkt hätten. Ein bekanntes Phänomen
im hektischen Verkaufsalltag – seit einem Jahr
vertreibt das Blaue Kreuz Kanton Zürich deshalb
den «Age Calculator». Diese «Parkscheibe» soll
das Personal vom Rechenstress befreien: Jahrgang einstellen, Alter ablesen, Farbe und Symbol beachten – Stopp- oder Achtungzeichen mit
Hinweis, Monat zu kontrollieren – Ware verkaufen oder behalten. So kommt das Verkaufspersonal vermutlich um Pisa herum. (gem)
www.blaueskreuzzuerich.ch
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Seele and Geist
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