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Häusliche Gewalt: Wie können Hebammen wirkungsvoll

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Häusliche Gewalt:
Wie können Hebammen wirkungsvoll intervenieren?
Eine systematische Literaturreview
Mira Ming und Tabea Rediger, Bachelor of Science Hebamme (BSc), Bachelor-Thesis 2012
Hintergrund
Methode
Häusliche Gewalt liegt vor, wenn eine Person in
einer bestehenden oder aufgelösten familiären,
ehelichen oder partnerschaftlichen Beziehung
physische, psychische oder sexuelle Gewalt
ausübt oder androht[1].
Elektronische Literatursuche auf drei verschiedenen
Online-Datenbanken im Zeitraum von 2002-2012.
Datenanalyse von neun randomisiert kontrollierten
Studien, zwei Reviews und zwei Leitlinien.
• Zwischen 1-28% Schwangere sind weltweit von
häuslicher Gewalt betroffen[2]
• Negative Gesundheitsfolgen betreffen schwan-gere
Frauen, Mütter und deren Kinder[3]
• Kosten pro Jahr: 445 Millionen CHF[4]
• Systematisches Erfassen von häuslicher Gewalt
(Screening), Handlungsmöglichkeiten in Akutsituationen und langfristige, wirkungsvolle Interventionen sind im schweizerischen Gesundheitswesen noch nicht etabliert[5].
Die Entstehung und der Fortbestand der häuslichen
Gewalt lässt sich anhand des Gewaltkreislaufs
erklären:
Spannungsaufbau
- Beschimpfungen,
Abwertungen
- Opfer richtet
Aufmerksamkeit auf Täter,
Versuch der
Gewaltvermeidung
Misshandlung
- Körperlicher und/ oder
psychischer
Gewaltausbruch
- Hilflosigkeit des Opfers
Honeymoon
- Reue des Täters, verspricht
Abbildung: Gewaltkreislauf[6]
sich zu ändern
- Verharmlosung und
Verdrängung
- Abschieben der
Verantwortung auf äussere
Ursachen
Fragestellungen
• Welche Interventionen existieren und sind wirksam
im Umgang mit Frauen, die vor, während und nach
der Geburt von häuslicher Gewalt betroffen sind?
• Wie können Hebammen betroffene Frauen evidenzbasiert und bedürfnisorientiert betreuen?
Ergebnisse
In fünf Studien mit mittlerer bis hoher Qualität konnte
eine statistisch signifikante Reduktion von häuslicher
Gewalt erreicht werden, beispielsweise durch:
• Hausbesuche während drei Jahren[7]
• Risikoorientierte Beratung in der Klinik[8]
• Kulturell angepasste Beratung in der Klinik[9]
Eine qualitativ hochstehende Leitlinie empfiehlt[10]
Personalschulung in Screeningmethoden, Protokollführung, Hilfsmöglichkeiten, Interdisziplinarität, Gewaltverletzungen und Gesprächsführung.
Diskussion
• Grundlegende Unterschiede der Publikationen in
Interventionsart und Qualität, eingeschränkte Vergleichbarkeit und zahlreiche Limitationen
• Früh angesetzte, langfristige, kulturell und individuell angepasste Interventionen durch geschulte
Personen erscheinen am wirksamsten
• Nötige Schulung der Interventionsdurchführenden
beinhalten Teilaspekte der Hebammenausbildung,
wie Vertrauensverhältnis aufbauen, wertneutrale,
individuelle und bedürfnisorientierte Betreuung
Schlussfolgerung
 Hebamme soll durch routinemässiges Erfassen
von häuslicher Gewalt und kontinuierlicher
Betreuung ihre Aufgabe in der Gesundheitsprävention wahrnehmen
 Früher Zugang zu den Frauen notwendig
 Schulungsbedarf und gezieltes Wissen im interdisziplinären Setting nötig
 Weiterer Forschungsbedarf von Interventionen
mit grösseren Stichproben und kultureller
Anpassung, bevor Implementierung in Praxis
Literatur: [1]Schwander, M. (2006). Häusliche Gewalt: Situation kantonaler Massnahmen aus rechtlicher Sicht. Eidgenössisches Departement des Innern (EDI). Bern: Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann [EBG]. [²] World Health Organization
(WHO). (2005). Summary report. WHO Multi-country study on women’s health and domestic violence against women. Initial results on prevalence, health outcomes and women’s responses. Genf. [3]Gloor, D. & Meier, H. (2007). Zahlen und Fakten zum Thema häusliche
Gewalt. In Fachstelle für Gleichstellung Stadt Zürich, Frauenklinik Maternité, Stadtspital Triemli Zürich und Verein Inselhof Triemli Zürich (Hrsg.), Häusliche Gewalt erkennen und richtig reagieren (S. 15-32). Bern: Hans Huber. [4]Godenzi, A. & Yodanis, C. (1998). Erster
Bericht zu den ökonomischen Kosten der Gewalt gegen Frauen. Universität Freiburg, Schweiz.[5]Egger, Th. & Schär Moser, M. (2008). Gewalt in Paarbeziehungen, Ursachen und in der Schweiz getroffene Massnahmen. Schlussbericht. Bern: EBG. [6]EBG (2007).
Informationsblatt: Gewaltspirale in Paarbeziehungen. Bern: EBG. [7]Bair-Merritt, M. H., Jennings, J. M., Chen R., Burrell, L., McFarlane, E. , Fuddy, L. et al. (2010). Reducing Maternal Intimate Partner Violence After the Birth of a Child: A Randomized Controlled Trial of
the Hawaii Healthy Start Home Visitation Program. Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine, 164(1). [8]Kiely, M., El-Mohandes, A., El-Korazaty, N. M. & Gantz, M.G. (2010). An Integrated Intervention to Reduce Intimate Partner Violence in Pregnancy: a ramdomized
Trial. Obstetrics and Gynecology. 115 (2 Pt 1), S. 273-283. [9]Tiwari, A., Leung, W. C., Leung, T. W., Humphreys, J., Parker, B. & Ho, P. C. (2005). A Randomized controlled Trial of Empowerment Training for Chinese Abused Pregnant Women in Hong Kong. BJOG: an
International Journal of Obstetrics and Gynaecolo-gy. 112, 1249-1256. [10]National Institute of Clinical Excellence (2010). Pregnancy and complex social factors: A model for service provision for pregnant women with complex social factors. London: National
Collaborating Centre Women’s an Children’s Health. Hintergrundbild: Rediger, T., 2012.
Kontakt: mingm2@bfh.ch, redit1@bfh.ch
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