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HEADHUNTER_2.0 // Hinter der Fassade So wie wir unsere Erde

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HEADHUNTER_2.0
// Hinter der Fassade
So wie wir unsere Erde aus
dem frühen 21. Jahrhundert
kennen ist sie heute schon
lange nicht mehr. Weite Teile
von Queens, Hoboken und
Jersey wurden von den zuständigen Verwaltungen ihrem Schicksal überlassen.
Viele Randgebiete von
Manhattan stehen meterhoch unter Wasser. In der
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Bronx, in Harlem und sogar in Washington Heights. Diese Teile der
Stadt waren zwar noch nicht akut in
Gefahr, dennoch wurden sie sich
selbst überlassen und nur die Geschäftsviertel wurden durch große
Dämme vor eventuellen Überflutungen geschützt. Mitten in der Stadt
verläuft ein großer 20 m hoher
Schutzdamm, der nur durch große
Schleusentore durchquert werden
kann. In den niederen Sektoren der
Stadt wurden die Gebäude einfach
sich selbst oder dem Wasser überlassen und große Straßen wurden angehoben oder verlaufen mittlerweile
als Highway quer durch die
Stadtviertel. Sie wirken wie Teile
einer Geisterstadt, die eine hochtechnisierte Stadt umzingelt und
das mitten in der Einöde. In den
Randgebieten der kapitalistischen Hochburg verwittern von
Jahr zu Jahr die Fassaden der Kleinstädte. Sie bröckeln unter dem Einfluss der Natur, die nach und nach
diese Gebiete zurückerobert und eine
Stimmung wie nach einem Nuklearunfall erzeugt.
Das Klima ist trocken. Durch die globale Erwärmung sind weite Teile der
Landschaft der Austrocknung nahe.
Nur bei besiedelten Städten herrscht
eine normale bis üppige Vegetation.
Aufrechtgehalten durch Brunnen,
Flussläufe, oder einfach durch die
Menschen selbst, die ihr Viertel nicht
der kargen Trockenheit preisgeben
wollen oder können. Das spärliche
Dach über ihrem Kopf ist alles was
sie haben. Dort wo einst saftige Wiesen und dichte Wälder waren sind
heute karge Steppen mit überschaubaren Gehölzen. Dichte Wälder findet man nur noch in Höhen von
mindestens 2.000 m über dem Meeresspiegel. Vorzugsweise dort, wo es
sehr häufig regnet.
Viele Aktivisten haben damals
Aufstände oder Proteste organisiert.
Menschen gingen auf die Straße mit
HINTERGRÜNDE
net. Und so wurden viele Gelegenheiten, das Klima unseres Planeten
zu schützen, zu einer Farce. Große
Städte entwickelten sich zu Metropolen und die Menschen fingen an sich
aus den Randgebieten zurückzuziehen. Sie flüchteten in den beklemmenden Schutz der Mega-Cities. Gigantische Städte aus Stahl, Beton und
Glas. Bauwerke die Macht und Reichtum der Konzerne spiegeln, türmen
sich dicht an dicht und verdunkeln
selbst an wolkenlosen Tagen die
Straßen der Stadt. Doch zu dunkel
ist es nie. Lichter, Reklamen und das
stetige Treiben der Menschen, in einer Stadt die niemals schläft, sorgen dafür, dass es nur sehr
wenige Orte der Ruhe gibt. In den
Straßen
Plakaten, Transparenten und anderen Gegenständen, um die Politiker
und Gesellschaft aufzurütteln. Doch
auch hier war der Arm der Konzerne
länger als der Arm der Regierungen.
Aufstände und Tumulte wurde mit
Wasserwerfern, Schlagstöcken oder
gar
mit
militärischem
Gerät
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HEADHUNTER_2.0
herrscht Korruption und Gewalt.
Konzerne ziehen im Hintergrund die
Fäden und versuchen sich gegenseitig durch Sabotage oder Betriebsspionage vom Markt zu drängen.
Es hat sich eine multikulturelle
Gesellschaft entwickelt. Androiden
sind offen auf den Straßen anzutreffen. Sie erledigen Einkäufe und andere Besorgungen. Sie werden als Putzkolonnen oder Terminal Drohnen
eingesetzt. Der Straßenverkehr hat
sich fast verdoppelt, wobei eine Hälfte auf den Straßen unterwegs ist und
die andere Hälfte in Gleitern ca.
Hundert Meter über dem Erdboden.
Die damalige Entwicklung von Antigrav-Pads war dafür eine zwingende Errungenschaft, die nachfolgend
solche Gleiter ermöglichte. Jedoch ist
die Leistung immer noch begrenzt
und die theoretische Höchstleistung
liegt bei 8.000 m über der Erdoberfläche. Vereinzelt gibt es noch alte
Triebwerke aus dem vorletz-
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ten Jahrhundert, diese sind aber als
Oldtimer zu betrachten, sehr schwer
und teuer in der Wartung. Die Raketentechnik hat sich ebenfalls weiterentwickelt. Mittlerweile kann der
Planet Mars vom Verhältnis her mit
bemannten Kapseln erreicht werden.
Jedoch fehlen noch die technischen
Möglichkeiten, die geforderten Distanzen kostengünstig zurückzulegen,
oder eine Schwerkraft auf Weltraumflügen zu ermöglichen, ohne dass
Raumschiffe in Rotation versetzt
werden. Jedoch wird immer weiter
geforscht und die Antigrav-Pads sind
schon ein großer Fortschritt in diese
Richtung. Gleiter sind frei erhältlich
und schon lang ein begehrtes Fortbewegungsmittel. Jedoch liegen die
Preise für den Normalbürger in unerreichbarer Höhe.
In Manhattan leben mittlerweile ungefähr 12 Mio. Einwohner.
Auch in Manhattan herrscht das Geburtengesetz von 2048. Da die Bio-
technologie und die Cyberware ein
längeres Leben ermöglicht, wurde
2048 ein strenges Geburtengesetz
erlassen. Jeder Bürger hat bei der
Verbindung mit einem Lebenspartner ein einmaliges Recht auf Nachwuchs. Dieses Gesetzt wurde eingeführt, um der drohenden Überbevölkerung entgegenzutreten. Ehemalige
Ein- oder
Zweifamilienhäuser sind nur
noch weit in der Provinz anzutreffen.
In einer Mega-City sind maximal
Wohnblöcke zu finden, die von ihrem Größenverhältnis einer Plattenbausiedlung aus dem 21. Jahrhundert
ähnelt.
HINTERGRÜNDE
Das Aussehen, Bauqualität und das
Ambiente sind natürlich den Anforderungen des 22. Jahrhunderts angeglichen. In den einzelnen Wohnungen herrscht eine Vielzahl von
technologischen Errungenschaften.
Bilder werden digital über ein HoloPatch erzeugt, oder man leistet sich
den Luxus eines WinVisDesk (ein
virtuelles Fenster) und kann sich
schöne Grünlandschaften hochladen.
Auch normale Fenster können für
den Einen oder anderen eine Art von
Luxus sein.
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HEADHUNTER_2.0
Zwar hat die Biotechnologie nichts
mit Cyberware oder einer anderen
Technisierung
des menschlichen
Körpers zu tun, behaupten Truetology-Anhänger trotzdem, dass das
Nachzüchten von Organen oder
Gliedmaßen ein Frevel ist und der
Mensch nicht anfangen soll Gott zu
spielen. Wenn man jedoch hinter
die Kulissen blickt, wird sich gerade ein „Truetologe“ eher zur
Biotechnologie bekennen, als
sich seine beispielhafte Erblindung durch Cyberaugen heilen zu lassen.
// Der Unfall,
oder die Schattenseiten
der Biotechnologie
Unter dem Druck immer
weitere Erfolge zu erzielen, und den Anforderungen des einzelnen
Aktionärs, des Militärs, anderer Regierungen oder dem
einfachen
Endkunden, machten
sich die Konzern
2128 daran mit Viren und der
menschlichen DNA zu experimentieren. Viren die es ermöglichten Cyberware und
Bioware auf unterschiedlichste Art und Weise miteinander zu verschmelzen, Verbesserungen zu erreichen, Leistung zu steigern oder einfach
die Verträglichkeit zu garantieren. Natürlich drängte das
Militär auch auf biologische
Waffen. Die Regierungen
dementierten jedoch die Benutzung
von biologischen Waffen, das Militär
gab kein Kommentar ab und so wurde die Moral immer mehr vernachlässigt. Der Mensch als unantastbare
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Gottesschöpfung pervertierte immer
mehr zum Forschungsobjekt, ungeachtet der moralischen Grundlage.
2130 ist dann etwas passiert,
was nicht hätte passieren dürfen. In
einem Forschungslabor brachen mutierte Viren aus und binnen kürzester
Zeit verbreitete sich das Virus immer
mehr in der Bevölkerung. Eine Pandemie mit katastrophalen Folgen. Ein
gezüchtetes Virus ohne Gegenmittel.
Was die Konzerne bisher nicht wussten war, dass das Virus nicht nur bei
jedem Wechsel des Wirtes dahingehend mutierte, das es artüberspringend infizierte. Es mutierte auch in
der Form seiner Auswirkungen und
körperlichen Veränderungen des Organismus in willkürlicher Art und
Weise. Wenn ein Infizierter neben
Hautausschlag und anderen typischen Symptomen geistig mutierte,
so mutierte der Nächste körperlich so
stark, dass Freunde und Bekannte
diesen Menschen nicht mehr als
Mensch erkannten. Mehrere Gliedmaßen, Klauen, Reiszähne, monströse Auswüchse oder andere körperlichen Mutationen ließen die Opfer in
groteske Monster mutieren. Die Mutationen waren so ausgeprägt, dass
Infizierte nicht nur leistungsfähiger
wurden, sondern auch körperliche
Veränderungen erlitten. Unterschiedlichste Missbildungen, insektenartige
oder monströse Körperformen waren
ebenso anzutreffen wie hauptsächlich
geistige Veränderungen. Wobei die
körperliche Mutation eher unscheinbar ausfiel. Gesteuert vom Virus haben dann diese Mutanten andere Opfer infiziert, um so eine Reproduktion
gewährleisten zu können. Das Virus
wollte überleben. Das Militär zog
sich zurück und dementierte jede Art
von Beteiligung oder Zuständigkeit.
Die Konzerne waren die Sündenbö-
HINTERGRÜNDE
cke und mussten Fehler eingestehen,
die so manchen einst mächtigen
Konzern in den Ruin trieb. Doch es
musste gehandelt werden. Das Virus
verbreitete sich immer schneller und
immer mehr Mutanten zogen durch
die Straßen der Städte, immer auf der
Suche nach Opfern.
Umso gefährlicher war es,
dass die Wissenschaftler nach einiger
Zeit erkennen mussten, dass es sogar
einen gewissen Grad an Intelligenz
aufwies. Nicht im Anfangsstadium.
Durch seine Anpassungsfähigkeit bei
jedem Wirtswechsel vermuteten die
Wissenschaftler dann letzten Endes
das Aufkommen eines „intelligenten
Virus“, was die Gesamtsituation
noch weiter verschlechterte. Die
Pandemie ging zwar zurück. Augenscheinlich war es willkürlich, aber so
aggressiv wie es den einen Menschen
verschlang und mutieren ließ, umso
defensiver verschonte es andere. Bis
heute können sich die Forscher dieses
Phänomen nicht erklären. Konzerne
versuchen immer noch einen Impfstoff zu finden, nur ob es ihnen gelingen wird kann keiner sagen. Was
sie wissen ist, dass sie Mutanten
brauchen um jede neue Mutation des
Virus zu erforschen und verstehen zu
können.
Die Konzerne zahlten viel
Geld, um diese Subjekte zu bekommen. Innerhalb der letzten fünf Jahre
wurden die Mutanten weitgehend
ausgerottet.
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HEADHUNTER_2.0
// Die Monarchie
Die Monarchie existiert noch. Doch
der Prunk ist nicht mehr so angesagt
wie noch vor 150 Jahren. Das englische Königshaus sowie die skandinavischen Königshäuser haben bis
heute ihren Stand gehalten. Sie bestehen letztlich nur noch auch zwei
Generationen, verteidigen jedoch ihre
Stellung mehr oder weniger erfolgreich. Kronprinzen und Kronprinzessinnen haben ihren Stand zwar nicht
vergessen, wandern aber schon seit
über hundert Jahren immer wieder in
den bürgerlichen Stand ab. Was damals nicht ins königliche Protokoll
passte, ist heute die letzte Möglichkeit für adligen Nachwuchs zu sorgen, selbst wenn die Mütter und Väter dieser Sprösslinge eingeheiratet
wurden. Aber auch andere Königshäuser wie das niederländische Königshaus ist am Trend der Zeit zu
Grunde gegangen. Ein Unfall hat die
letzten Monarchen des Königshauses
dahingerafft und selbst das in den
Königsstand heben eines entfernten
Verwandten half nicht, den Untergang aufzuhalten.
Ein weiterer schwerer Schlag in das
Gesicht der Monarchie ist der Verlust
des bürgerlichen Stolzes auf die eigene Monarchie. So stolz die Briten
noch Anfang des zweiten Milleniums
auf ihre Monarchie waren, umso
gleichgültiger sind sie es heute.
Die bekannteste Person der
heutigen Monarchie ist König Edward Windsor. Er und die Königin
Farris sind heute das amtierende Königspaar in England. Die Zeiten haben sich stark verändert. Was damals
noch ausreichte einfach nur König
und Königin zu sein um für das tägliche Brot zu sorgen, ist heute ein
"normaler" Job. Edward sitzt im Aufsichtsrat von zwei großen Konzernen
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in Mitteleuropa und Farris ist in drei
Stiftungen als Geschäftsführerin eingetragen. Sie haben zwei Söhne.
Prinz Charles der 2. und der jüngere
Prinz Arthur. Beide sind Ingeneure
und leiten die Entwicklung bei einem
Technologie- und Chemiekonzern.
Beide sind für ihr unrühmliches Verhalten bekannt und schüren nicht
besonders viel Zuneigung in der
bürgerlichen Bevölkerung. Familienschätze, teure Anwesen und
andere Statussymbole sind an
die Regierung oder an Private Investoren veräußert
worden um wichtige Immobilien wie den Buckingham-Palast weiterhin
finanziell tragen zu können. Doch wie kam es dazu?
Nach den Wahlen
zum neuen Premierminister im Jahr 2060, folgten
weitreichende Reformen
in der Regierungsbildung.
Ober und Unterhaus wurden zusammengelegt und
die Gelder für die Monarchie wurden stufenweise
eingestellt. England befand
sich zu diesem Zeitpunkt in
einer tiefen Wirtschaftskrise
und die Monarchie war die
letzte Instanz, die darunter
leiden sollte. Heute ist die Monarchie nur Repräsentant einer alternden Epoche, die in einigen alten
Teilen des Landes zurückgewünscht
wird. Aber der große Rest der Insel
hat den Trend der Zeit erkannt und
lebt in dieser neuen Ordnung.
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