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Im Landkreis Esslingen lernen Schüler, wie man Bäume schneidet

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Bildung & Wissenschaft
Staatsanzeiger · Freitag, 23. März 2012 · Nr. 11
15
Umwelt- und Naturerziehung
Projekt
Streuobstwiese
Im Landkreis Esslingen lernen Schüler,
wie man Bäume schneidet
Das Landratsamt Esslingen unterstützt Umwelt- und Naturerziehung in Schulen. In Wendlingen bietet eine Schule seit zehn
Jahren Projekte im Bereich
Streuobstwiesen an.
Paula hebt die Hand und sagt:
„Das sind Blütenknospen und das
andere Blattknospen“. Großmann
erklärt, dass die Blütenknospen
wichtig für den Ertrag sind, denn aus
ihnen bilden sich im Verlauf der Saison die Früchte. „Da dieser Ast aber
sehr viele Blütenknospen hat, können wir ihn abschneiden. Denn ansonsten würde der zu schwer werden.“ Angelo greift zur Säge. Er legt
das Sägeblatt an den Zweig und
schiebt es hin und her. Großmann
schüttelt den Kopf. „Der Zweig muss
nahe am tragenden Ast abgeschnitten werden. Ansonsten entsteht Totholz, durch das Bakterien in den
Baum eindringen können und ihn
krank machen“, erklärt er.
Klassenlehrerin Nadine Söll erklärt, dass alle Klassen der LudwigUhland-Schule das gesamte Schuljahr über regelmäßig die Schulobstwiese besuchen. Die Schüler erfahren hier nicht allein etwas über die
Tiere und Pflanzen, die es auf der
Obstwiese gibt. Sie lernen auch
mehr über deren Nahrungsquellen,
Nist-, Brut- und Paarungsverhalten
und über deren Lebensraum.
Im Verlauf der Saison gibt es auch
einen Sensenkurs. Damit werden
die Jugendlichen in die Pflege von
Streuobstwiesen eingeführt. Das
Projekt wird fächerübergreifend
thematisiert. „Im Deutschunterricht lesen wir beispielsweise Gedichte über den Apfel“, sagt Söll.
„Und in Mathematik lernen die
Schüler eine Kalkulation zu erstel-
Von Daniela Haußmann
WENDLINGEN. Angelo hat schon
oft im Garten seiner Großeltern mitgeholfen. Ob Rasenmähen, Samen
sähen, Blumen gießen oder Beete jäten, der 13-Jährige packt gerne mit
an. Seit zehn Jahren gibt es an seiner
Schule ein Streuobstwiesenprojekt.
An dem nehmen Angelo und seine
Klassenkameraden teil.
Nun lernen die Siebtklässler der
Ludwig-Uhland-Schule Wendlingen, wie Bäume zugeschnitten werden. Unterstützt wird das Projekt
vom Landratsamt Esslingen. Fachberater aus dem Landratsamt stehen den Schulen beratend zur Seite.
Jugendliche lernen, wie man
eine Streuobstwiesen pflegt
Ottmar Großmann, Vorsitzender
des Obst- und Gartenbauvereins
Unterboihingen, erklärt, welche
Äste abgesägt werden dürfen. Kranke oder abgestorbene Triebe müssen auf jeden Fall entfernt werden.
Der 70-Jährige zeigt auf einige Knospen an einem Ast. „Was für Knospen
erkennt ihr?“, fragt der Rentner.
Praxis-Leitfaden für Lehrer und Erzieher
Für viele Pflanzen und Tiere stellen Obstwiesen einen wichtigen Lebensraum
dar. Doch ohne die Pflege der Bäume
und das Mähen der Wiesen würde es
diesen nicht geben. Da viel Wissen um
die Obstgärten verloren gegangen ist, gilt
es der Umweltakademie Baden-Württemberg zufolge, Heranwachsende stär-
ker an die Welt der Streuobstwiesen heranzuführen. Die Umweltakademie hat
daher für Lehrer und Erzieher den Praxis-Leitfaden „Unsere Obstgärten. Mit
Kindern die wunderbare Welt der Streuobstwiesen entdecken“ herausgegeben.
www.um.baden-wuerttemberg.de/
servlet/is/32958/
len, denn nach der Ernte sollen sie
die Äpfel, den gekelterten Saft und
Apfelkuchen, den sie selbst gebacken haben, verkaufen.“ Dafür müssen Preise richtig kalkuliert werden,
Erträge und Aufwände ins Verhältnis gesetzt sowie Umsatz und Gewinn ermittelt werden. „Die Schüler
lernen im Projekt den gesamten
Wirtschaftskreislauf kennen, der mit
der Obstwiese in Verbindung steht.“
Landesregierung will Aktivitäten
mit Bezug zur Natur unterstützen
Aber auch Sozialkompetenz wird im
Streuobstprojekt vermittelt. „Die
Schüler lernen, zusammenzuarbeiten und ihre Eigenverantwortung
wird gestärkt“, so Söll. Vertreter unter anderem von Nabu, Obst- und
Gartenbauvereinen,
Mostereien
oder dem Bauhof unterstützen mit
ihrem Know-how das Projekt. Dadurch lernen die Schüler auch, auf
Fremde zuzugehen, das verbessere
ihre Kommunikationsfähigkeit.
„Letzten September haben die
Schüler 750 Kilo Äpfel gesammelt.
Einen Teil davon haben sie selbst gekeltert“, so die Lehrerin. Auch das
Umweltbewusstsein der Schüler
werde gefördert. „Als wir im vergangenen Jahr auf die Wiese kamen, lagen Tetrapacks herum, das hat die
Schüler ziemlich verärgert.“ Angelo
jedenfalls ist sich sicher, dass ihm
der Schnittkurs etwas bringt.
Dass Heranwachsende, die sich in
der freien Natur bewegen, lernen
und direkt erfahren können, wie
wertvoll die Natur- und Kulturlandschaft ist, bestätigt Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne):
„Die Schülerinnen und Schüler bauen Wissen so durch eigene Erfahrungen und Beobachtungen auf –
das ist eindrücklicher und bleibt
eher hängen als so manche theoretische Ausführung im Klassenzimmer.“ Daher sei es der Landesregierung ein Anliegen, Aktivitäten mit
direktem Bezug zur Natur- und Kulturlandschaft zu unterstützen.
Helmut Maier von der Nabu-Ortsgruppe
Wendlingen/Köngen reicht Schülerinnen
der Ludwig-Uhland-Schule ein leeres
Vogelnest und erklärt, welche Feinde
Vögel haben und wo die Unterschiede
zwischen einzelnen Nisthilfen liegen
(Foto oben). Schüler Angelo sägt einen Ast
ab (Foto rechts).
FOTOS: HAUSSMANN
Lernen, wie die
Agrarwirtschaft
funktioniert
Bewusstsein für die heimischen Fischarten
und deren Belange soll gestärkt werden
Bildungsangebot
von Ökomobilen
ist breit gefächert
STUTTGART. Auch Bauernhöfe
sind Bildungsorte, an denen junge
Menschen erfahren können, wie die
Agrarwirtschaft funktioniert. Durch
das landesweite Projekt „Lernort
Bauernhof“ werden Schülern neue
Erfahrungs- und außerschulische
Bildungsräume eröffnet.
Initiiert wurde das Projekt im
Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie vom Bund der Landjugend Württemberg-Hohenzollern. Durch die
Landwirtschaft zum Anfassen erhalten Schüler naturnahe Lernangebote und erfahren eine Sensibilisierung für die bäuerliche Kulturlandschaft als Lebensraum. Im direkten
Kontakt mit Anbauprodukten wie
Weizen oder Nutztieren erfahren
junge Menschen ein bewusstes Verständnis für den Ursprung und die
Verarbeitung von Lebensmitteln.
Mit dem Agrargymnasium Ravensburg wurde das Vorhaben
„Tierhaltung und Nachhaltigkeit“
durchgeführt. 29 Elftklässler erkundeten im Fächerverbund Agrar- und
Umwelttechnologie landwirtschaftliche Betriebe und präsentierten die
Ergebnisse ihren Mitschülern. (dh)
Umweltministerium, Regierungspräsidium Karlsruhe und Stiftung Naturschutzfonds initiieren Schulprojekt
STUTTGART. Das Ökomobil wird in
diesem Jahr 25 Jahre alt. 1987 nahm
das bundesweit erste mobile Naturschutzlabor des Regierungspräsidiums Tübingen seine Fahrt auf. Mit
seinem vielfältigen Angebot zu naturschutzorientierten Themen blieb
das Pioniergefährt nicht lange alleine: Bald waren auch in den Regierungsbezirken Stuttgart, Karlsruhe
und Freiburg Fahrzeuge unterwegs.
Das Bildungsangebot der landesweit vier Ökomobile ist breit gefächert. Direkt in der Natur ermöglichen die unter der Anleitung fachkundiger Betreuer Kindern und Jugendliche eindrückliche Naturerlebnisse und vermitteln Kenntnisse
über Tier- und Pflanzenarten sowie
Lebensräume. Ausgestattet mit Stereolupen, Bestimmungsbüchern,
Ferngläsern, Sammelgefäßen oder
Messgeräten für die Analyse von
Wasser und Böden werden Heranwachsende nicht bloß für Naturthemen sensibilisiert, sondern auch
entsprechendes Wissen rund um die
Flora und Fauna in Wald und Wiese,
Fluss und See vermittelt.
Rund 300 000 Schüler und Erwachsene haben die rollenden Naturschutzlabore besucht. Zwischenzeitlich sind die Ökomobile nicht
mehr aus der Umweltbildungsarbeit
wegzudenken. Sie sind Partner im
landesweiten Netzwerk Bildung für
eine nachhaltige Entwicklung. (dh)
MEHR ZUM THEMA
Weitere Informationen finden Sie unter:
www.landwirtschaft-bw.info/servlet/
PB/menu/1239343_l1/
index1221750829191.html
STUTTGART. Für über 50 Fischarten stellt der Rhein derzeit einen
wichtigen Lebensraum dar. Darunter auch bedrohte Arten wie Fluss-,
Bach- oder Meerneunauge. Deshalb
hat das Ministerium für ländlichen
Raum und Verbraucherschutz
(MLR), gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe und der
Stiftung Naturschutzfonds BadenWürttemberg, die ihren Sitz beim
MLR hat, das Life+-Projekt „Rheinauen bei Rastatt“ initiiert.
Im Rahmen einer Modellmaßnahme der Stiftung sollen Schüler
mehr über die im Rhein heimischen
Fischarten, deren Biologie und Lebensraum erfahren. Damit sollen
junge Menschen auch an den Naturschutz und seine Bedeutung herangeführt werden, wie Monika Baumhof-Pregitzer erklärt.
Kinder sollen heimische Fischarten
kennenlernen
Die Referentin der Stiftung Naturschutzfonds berichtet, dass es in vielen Schulen Aquarien gebe. In diesen würden aber ausschließlich Tropenfische gehalten. Um das Bewusstsein für die heimischen Fischarten und deren Belange bei jungen
Menschen zu stärken, sei deshalb
geplant, sechs Schulen mit Kaltwas-
angeschrieben und aufgefordert, an
einem Wettbewerb teilzunehmen,
indem sie ein Konzept einreichen,
wie sie die Kaltwasseraquarien in die
Bildungsarbeit integrieren wollen.
Ausgewählte Bildungseinrichtungen
sollen anderen Schulen helfen
Das Meerneunauge: Vielen unbekannt und vom Aussterben bedroht. FOTO: DPA
seraquarien auszustatten, in denen
ausschließlich Fische aus dem
Rhein zu sehen sind.
Die Kaltwasseraquarien müssen
von den Schülern eingerichtet und
unterhalten werden. Auf diese Weise setzen sich die Jugendlichen mit
dem Lebensraum der Flussbewohner und diversen Gefährdungsursachen auseinander. Das Projekt soll
an den Schulen im Zeitraum von
2012 bis 2015 umgesetzt werden.
Ziel ist laut Baumhof-Pregitzer,
schulisches und außerschulisches
Lernen miteinander zu verbinden.
Die Stiftung und ein von ihr beauftragter Gewässerbiologe stehen den
Schulen zur Seite. Mit den Schulen
werden auch bis zu 30 Exkursionen
unternommen, bei denen die Jugendlichen, Lehrer und Begleitpersonen direkt mit dem Lebensraum
der Fische in Kontakt kommen und
auch etwas über Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen an den Flüssen Rhein und Murg erfahren.
Das Projekt ist auf das Gebiet der
Rheinauen bei Rastatt begrenzt.
Nach Ostern werden daher Schulen
im Gebiet der Rheinauen bei Rastatt
„Es werden sechs Schulen ausgewählt“, so Baumhof-Pregitzer. „Diese verpflichten sich mit der Teilnahme, das Projekt nicht nur bis zum
Ende des Life+-Projekts im Jahr
2015, sondern darüber hinaus noch
weitere fünf Jahre durchzuführen.“
So könne eine nachhaltige Bildung
und Sensibilisierung für Natura
2000 erreicht werden.
Baumhof-Pregitzer erklärt, dass
die ausgewählten Bildungseinrichtungen für andere Schulen als Anlaufstellen dienen sollen. „Sie sollen
weitere Schulen ins Boot holen und
ihnen helfen Kaltwasseraquarien
einzurichten und mit ihnen gemeinsam Exkursionen machen und praktische Schutzmaßnahmen durchführen“, so die Referentin. (dh)
MEHR ZUM THEMA
Weitere Informationen zum Projekt
„Rheinauen bei Rastatt“ finden Sie unter:
www.rheinauen-rastatt.de
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