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1 Interview 1 EF: Beschreiben Sie bitte kurz, was sie machen– wie

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Interview 1
EF: Beschreiben Sie bitte kurz, was sie machen– wie sind Sie mit den Ohren von Braunschweig
beschäftigt?
Ich bin HNO-Arzt, und die Menschen kommen aus den unterschiedlichsten Gründen hierher. Die
Beschwerden im Ohrenbereich reichen von Entzündungen, Schmerzen, bis hin zu akuten
Hörstörungen oder Hörstürzen, dass heißt, plötzliches schlechter Hören ohne ersichtlichen Grund.
Das kann sowohl auftreten ohne ersichtlichen Anlass als auch durch einen Anlass wie z.B. laute
Geräusche, Lärmeinwirkung die wir früher eher beruflich kannten und seitdem die
Berufsgenossenschaft das kontrollieren, ist es halt schon mal so, dass so etwas auchmal auftritt
im Freizeitbereich. Da werden Menschen ja hohen Lautstärken ausgesetzt, oder Menschen setzen
sich hohen Lautstärken aus, bei Parties und Veranstaltungen, und dann treten solche Probleme
auf, und dann kommen die Leute hierher.
EF: Sie sind nicht nur Ohrenarzt sondern HNO-Arzt: wie wichtig sind die Zusammenhänge
zwischen diesen Sinnesorganen, bzw. wie beeinflussen unsere anderen Sinne das Hören?
Ja, es gibt einen sehr starken funktionellen Zusammenhang zwischen Nasenbeschwerden und
Ohrenbeschwerden, d.h., wenn eine Entzündung im Bereich der Nasennebenhöhlen oder der
Nasenhaupthöhle [vorliegt], dann ist oft das Hören mit beeinträchtigt, oder es gibt
Ohrenschmerzen, Entzündungen, Mittelohrentzündungen oder einfach Hörstörungen im Bereich
des Mittelohrs. Und natürlich gehört auch dazu, dass das Riechen beeinträchtigt ist, wenn
sozusagen Menschen Nasen-, Nasennebenhöhlenbeschwerden haben. Und wenn eine Infektion
im HNO-Bereich vorliegt, dann ist natürlich auch häufig das Sprechen mit beeinträchtigt, d.h. die
Menschen sind heiser und haben eine schlechte Stimmqualität, oder verlieren vorübergehend
ganz ihre Stimme. Also, es gibt einen sehr engen Zusammenhang, und deshalb ist dieses Fach
auch ein zusammenhängendes Fach.
EF: Aber würden Sie sagen, dass unsere Geruchseindrücke direkt unsere Höreindrücke
beeinflussen?
Nein, das sicher nicht, nein das nicht. Also, der Geruch beeinflusst nicht das Gehör, aber wenn
sie eine Entzündung in Nebenhöhlenbereich haben, dann haben Sie eine Geruchsbeeinträchtigung
und eventuell eine Hörbeeinträchtigung. Es gibt zwar neurologisch bestimmte Zusammenhänge,
aber das würde sicherlich zu weit führen, das hier beleuchten zu wollen.
EF: Was lernt man über Ohren/ Hören in Ihrem Bereich, was man normalerweise nicht wissen
würde? Z.B. was sie mit diesem Zusammenhang [angedeutet] haben.
Man lernt ganz schnell die Wichtigkeit des Gehörsinns. Meistens glauben die Menschen, dass das
Sehen der wichtigste Sinn ist, aber das ist nicht so. Also, wenn Menschen erblinden, bleiben [sie]
im Regelfall sozialintegriert. Wenn Menschen im Leben ertauben, dann fallen sie meistens,
sozusagen, durchs Raster, weil natürlich die Kommunikation sehr stark gestört ist. Es macht
– Braunschweiger Sound Space – Klangstaetten|Stadtklaenge Braunschweig – 2012 – Elen Flügge – #1
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unheimlich viel Mühe, sich mit gehörlosen Menschen zu verständigen. Und dieser Mühe
unterziehen sich natürlich die allerwenigsten, sodass diese Menschen sozial im Abseits stehen.
Also die Bedeutung des Hörens wird (mehr) erst dann völlig klar, wenn sozusagen eine
Gehörstörung oder gerade der Verlust des Gehörs eingetreten ist. Und das erlebt man in der HNO
natürlich ganz schnell und jeden Tag.
EF: Wie geht es den Ohren in Braunschweig, also, was ist der Status von den Ohren?
[Lacht]. Im Sommer sind es sicherlich die Gehörreizentzündungen durchs Baden, die eine Rolle
spielen – in diesem Sommer nicht, weil der ist so kalt, da gehen die wenigsten baden. Und im
Winter sind es sicherlich die Beeinträchtigungen durch Entzündungen im Lufteinlassbereich, in
Nasen, Nasennebenhöhlen, Nasenrachen, Rachen.
Ich denke, wir haben die ganze Spannbreite an Ohrproblematiken in Braunschweig, das eine sind
die ganz normalen Entzündungen und das andere sind natürlich Hörstörungen auf sehr hohem
Niveau, bei Menschen, die sehr sehr gut hören und sehr geschulte Ohren haben, weil wir ein
Theater in Braunschweig haben, und dort wird auch Oper, Operetten geboten, das heißt, da sind
Sängerinnen und Sänger, die natürlich auch zu Teilen sich aus dem Chören der Region und der
Stadt rekrutieren, und deshalb haben wir es natürlich auch auf sehr hohem Niveau teilweise mit
Hörstörungen zu tun, die nicht organischen sondern eher funktionellen Ursprungs sind.
Also insofern, das unterscheidet sich sicherlich von der ländlichen Bevölkerung, und das ist ein
typisches großstädtisches Phänomen, wie es sicherlich auch in Hannover, Berlin, irgendwoanders
anzutreffen ist.
EF: Was können oder sollten Leute machen für die Gesundheit ihrer Ohren?
Ja, es gibt zwei Dinge die man tun kann, das eine ist nicht Rauchen, weil das Rauchen einfach die
Durchblutung verschlechtert, und das Zweite ist, die Lärmeinwirkung in Dauer und Intensität
möglichst zu begrenzen. Das heißt, nicht zu lange – die Lärmeinwirkungen wie bei Konzerten
oder Party-Veranstaltungen und möglichst nicht zu laut. Das gehört zu einer Hygiene des Hörens
dazu, was natürlich schwierig zu vermitteln ist, weil, wie gesagt, das fällt meistens erst auf – die
Wichtigkeit des Hörens – wenn das Gehör gestört ist, und bis dahin macht sich eigentlich Keiner
Gedanken.
EF: Wie würden sie sich als Hörer einschätzen? Was sind Ihre Hörgewohnheiten? Würden Sie
sich selbst als jemanden beschreiben, der empfindlich ist für Klänge und Geräusche in Ihrer
Umgebung?
Ich habe als Kind im Chor gesungen und singe auch gegenwärtig im Chor bei bestimmten
Chorprojekten im Bachchor mit, hier in Braunschweig. Und dadurch hat man natürlich eine
gewisse Übung im Hören, die jetzt sicherlich weiter zu verbessern ist. Also, ein Orchestermusiker
hört sicherlich noch mal ganz anders, aber schon eine gewisse Schulung, die auch durch Besuch
von klassischen Veranstaltungen, Konzerte, Theater, etc. geübt ist, aber ansonsten das völlig
breite Spektrum. Also, ich höre natürlich auch Rock, klassische Musik, Folk ...alles
Mögliche...nicht Heavy Metal.
– Braunschweiger Sound Space – Klangstaetten|Stadtklaenge Braunschweig – 2012 – Elen Flügge – #1
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EF: Und wenn Sie an Klangräume denken? Also, beschreiben Sie, wie dieser Raum, in dem wir
uns befinden klingt, z.B., was für Klänge oder Geräusche vorhanden sind.
Ja also, in diesem Raum kann man gewissermaßen die Sinfonie des Alltags kennenlernen, wie sie
in einem büroartigen Arbeitsraum stattfindet. D.h., man hat gewisse Grundgeräusche des
Gebäudes, die Leitungsgeräusche, Fahrstuhlgeräusche und Geräusche, die eben, z.B. von Lüftern,
Kühlern und Rechnern kommen, und dann kommen wir zu den menschengemachten Geräuschen,
also wenn Menschen durch den Raum gehen, oder darin sich aufhalten. Das würde ich als, ja,
Sinfonie des Büroalltags bezeichnen.
EF: Was denken Sie über die Klangumgebung in Braunschweig? Der Klang der Stadt oder
Klänge in der Stadt. Welche Klänge oder Geräusche sind charakteristisch für sie? Oder welche
sind besonders wichtig?
Also, die dominierenden Geräusche sind sicherlich Pkw, Bus, und Straßenbahn, die so oft in
Hauptstraßen der Stadt unterwegs sind. Dann gibt es so ne Mischung in der Fußgängerzone, die
quasi ein gewisses Gemurmel ist, wo dann auch die Glocken der Stadt mit dazugehören, vor allen
Dingen der Martinikirche. Die würde ich als charakteristisch in der Geräuschkulisse der Stadt
einordnen, und der Dom. Das sind, denk ich mal, die hauptsächlichen Geräusche, die in der Stadt
im Alltag einzutreffen sind.
EF: Was ist Ihr Lieblingsstadtklang?
Der Kirchenglockenklang, wenn die Kirchenglocke schlägt.
Wieso?
Das hat irgendwas sehr beruhigendes, er erinnert an Kindheitstage. Weil sozusagen bestimmte
Abläufe dadurch auch zeitlich geordnet wurden. Beginn des Tages, oder Tageseinteilung, und am
Schluss des Tages und, ja, in gewisse Weise ist es Erinnerung an eine heile Kindheitswelt
EF: Wie würden sie den unterschied zwischen Private und Öffentliche Klänge oder Klangräume
beschreiben?
Also die privaten Klangräume sind natürlich die selbst geschaffenen, was man hören möchte,
wenn man das Fenster aufmacht, Vögel zwitschern, Blätter rauschen, Grillen zirpen. Oder wenn
man eben Musik hört. Hier in der Stadt ist es eher so die Mischung aus den
berufsalltagsbedingten Geräuschen. Das ist eben das, was sozusagen ist, wenn Leute zielgerichtet
durch die Strassen gehen, einkaufen, in Bus, Bahn, Autos fahren, also das ist so eine
Alltagsbetriebsamkeit, die in sich etwas beruhigendes hat, weil sie sozusagen eine normale
Alltagsaktivität darstellt... aber die auch wieder gut ist, wenn man es hinter sich lassen kann.
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