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Kindermitbestimmung ?! - Wie soll denn das gehen? Tja - KjG Mainz

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Kindermitbestimmung ?! Wie soll denn das gehen?
Tja, das ist die Frage, die du dir als Gruppenleiter/in sicher auch schon
gestellt hast. Denn oft ist es gar nicht so einfach, Kinder dazu anzuregen, ihre Ideen einzubringen; besonders, weil sie oft nicht gewöhnt
sind, nach ihrer Meinung gefragt zu werden.
Mit dieser Arbeitshilfe wollen wir, d.h. das Kinderstufenteam der Diözese Mainz, dir zeigen, dass Kindermitbestimmung funktionieren kann
und dazu auch noch viel Spaß macht!
Im ersten Teil der Arbeitshilfe beschreiben wir, was wir unter Kindermitbestimmung verstehen und was in dieser Hinsicht auch außerhalb der
KjG läuft.
Wusstest du z.B. schon, dass es vom Bundestag ratifizierte „Rechte des
Kindes“ gibt und dass manche Städte sogar Kinderparlamente und Kinderbüros eingerichtet haben?
Zum Beispiel gibt es verschiedene Städte (Köln, Groß-Umstadt...), die
während den Sommerferien sogenannte Kinderstädte einberufen, in
denen Kinder eigenverantwortlich eine Mini-Stadt führen können.
Der zweite Teil ist der sogenannte Praxisteil; hier findest du ganz konkrete Methoden, wie du mit Kindern Ideen finden und Projekte durchführen kannst. Oder wie wäre es einmal mit einem Lagerparlament oder
einer KjG-Mitgliederversammlung mit Kindern?
Es gibt wirklich ganz viele Möglichkeiten, Kinder mit einzubeziehen!
Also, wo hängt‘s noch? Viel Spaß beim Schmökern und Ausprobieren!
Deine Kiste
- neue Zeiten für Kinder -
Was ist die Kiste ?
KISTE ist die Abkürzung für Kinderstufenteam.
Wir bestehen zur Zeit aus zwölf Personen und beschäftigen uns vor
allem damit, wie Kinder in der KjG mehr Rechte und Möglichkeiten
zur Mitbestimmung bekommen können.
Von 1992 bis 2004 hat die Kiste regelmäßig BLUBBER-Wochenenden für ca. 150 Kinder organisiert, bei denen sie ihre Projekte selbst
bestimmen durften.
2010 wurden Kisten an jede Pfarrei verschickt, in denen die Kiste sich
dir vorgestellt und ihr neues Maskottchen, Kistian, eingeführt hat.
Und schließlich und endlich gibt es nun diese Arbeitshilfe, die dir jetzt
in der zweiten Auflage vorliegt.
Wenn du nun noch Fragen hast, kannst du uns gerne schreiben oder
mailen (kiste@KjG-mainz.de). Wir freuen uns über alle Anregungen,
Ideen und Kritik.
Kinderstufenteam der KjG Diözese Mainz
Am Fort Gonsenheim 54
55122 Mainz
Telefon: 0 61 31 - 25 36 37
2
Kinder haben Rechte! Haben Kinder Rechte ?
http://www.schilder-drucken.de
Eine Zusammenstellung der Verbotsschilder zeigt eindrücklich, was
Kinder alles nicht dürfen und was ihnen von Erwachsenen verboten
wird. Kinder werden in unserer Gesellschaft häufig als unmündig
und „unfertig“ angesehen, die keine eigene Meinung haben und erst
noch „geformt“ werden müssen.
Sie sollen das tun, was Erwachsene ihnen sagen und was diese für
richtig halten.
Dabei ist die Meinung der Kinder nicht gefragt. Sie werden mit Redewendungen wie „Das verstehst Du noch nicht, werde erst mal älter“
oder „Dazu bist Du noch viel zu klein“ abgefertigt.
Oft werden Fragen und Einwände von Kindern nicht ernst genommen und nicht berücksichtigt.
Haben Kinder aber nicht genauso wie Erwachsene das Recht, ernst
genommen zu werden, ihre Meinung zu äußern und mitzubestimmen? Wir meinen, diese Frage kann sehr einfach beantwortet werden: „Natürlich haben Kinder diese Rechte!!!“
3
- neue Zeiten für Kinder -
Diese sind sogar gesetzlich verankert und zwar in der UN-Konvention
„Über die Rechte des Kindes“!
1989 wurde sie von der UN-Generalversammlung angenommen,
1991 vom Deutschen Bundestag ratifiziert und ist seit 1992 auch bei
uns geltendes Recht!
Dieser sogenannten Kinderrechtskonvention sind mehr Staaten beigetreten als jeder anderen UN-Konvention, nämlich alle außer den
USA und Somalia!!
In 54 Artikeln werden die Rechte des Kindes festgeschrieben, dabei
gibt es vier wesentliche Bereiche:
1. Das Recht des Kindes auf eine intakte
soziale und ökologische Umwelt
2. Das Recht des Kindes auf familiale und
außerfamiliale Betreuung
3. Das Recht des Kindes auf Schutz vor
Ausbeutung und Misshandlung
4. Das Recht des Kindes auf Beteiligung
und Mitbestimmung
4
Der folgende Text stammt aus dem Buch „Die Rechte des Kindes“ von
Reinald Eichholz, dem ehemaligen Kinderbeauftragten des Landes
Nordrhein-Westfalen.
Er hat darin alle 54 Artikel der Konvention aufgelistet und jeweils mit
Beispielen erklärt, was die einzelnen Artikel konkret für die Kinder
bedeuten.
Wir haben zwei Artikel ausgewählt, in denen es um die freie Meinungsäußerung und Mitbestimmung von Kindern geht. Der Text ist
auch für Kinder sehr verständlich.
Artikel 12
(1)
Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das
fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden,
das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind
berührenden Angelegenheiten frei zu äußern,
und berücksichtigen die Meinung des Kindes
angemessen und entsprechend seinem Alter
und seiner Reife.
(2)
Zu diesem Zweck wird dem Kind insbesondere
Gelegenheit gegeben, in allen das Kind berührenden Gerichts- und Verwaltungsverfahren
entweder unmittelbar oder durch Vertreter
oder eine geeignete Stelle im Einklang mit
den innerstaatlichen Verfahrensvorschriften
gehört zu werden.
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- neue Zeiten für Kinder -
Artikel 13
(1)
Das Kind hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein,
ungeachtet der Staatsgrenzen Informationen
und Gedankengut jeder Art in Wort, Schrift
oder Druck, durch Kunstwerke oder andere
vom Kind gewählte Mittel sich zu beschaffen,
zu empfangen und weiterzugeben.
(2)
Die Ausübung dieses Rechts kann bestimmten,
gesetzlich vorgesehenen Einschränkungen unterworfen werden, die erforderlich sind
a) für die Achtung der Rechte oder des
Rufes anderer oder
b) für den Schutz der nationalen
Sicherheit, der öffentlichen Ordnung
(order public), der Volksgesundheit
oder der öffentlichen Sittlichkeit.
Vielleicht hast du beim Lesen gedacht: „Das klingt ja ganz gut, aber in
Wirklichkeit sieht doch alles ganz anders aus“.
In der Tat werden die Rechte der Kinder auch in Deutschland nicht
immer berücksichtigt:
•
6
Kinder werden geschlagen, misshandelt und sexuell
missbraucht
•
•
Umweltbelastungen gefährden die Gesundheit der Kinder
in den meisten Städten sind die Straßen für die Kinder lebensgefährlich und unbespielbar geworden. Es gibt zu wenig Spielplätze
und Freizeitanlagen, die den Wünschen der Kinder gerecht werden
An diesen wenigen Beispielen kannst du erkennen, dass Kinder häufig gar nicht selbst in der Lage sind, sich für Ihre Rechte einzusetzen,
sie durchzusetzen. Deshalb brauchen sie Menschen, die sie ernstnehmen und ihre Interessen in der Gesellschaft vertreten.
Ein Arbeitsfeld, in dem versucht wird, diesem Anspruch gerecht zu
werden, ist die Kinderpolitik, die in den letzten Jahren immer mehr
an Bedeutung gewonnen hat.
Kinderpolitik heißt, dass Kinder in ihren Wohnorten Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen können. Sie werden nach ihrer Meinung und nach ihren Vorstellungen gefragt.
Auch die KjG hat sich diese Ziele zu eigen gemacht und versucht, sich
für die Belange und Rechte der Kinder einzusetzen. Wir als Kinderstufenteam versuchen deshalb, die Kindermitbestimmung in der KjG
zu verankern!
7
- neue Zeiten für Kinder -
Grundlagen und Ziele für Kinder:
Haben deine Gruppenkinder tolle Ideen und Vorschläge oder erwarten sie, dass du immer ein tolles Programm aus dem Ärmel schüttelst
und sind ideen- und phantasielos?
In Gesprächen mit Gruppenleiter/innen haben wir immer wieder gehört, dass Kindermitbestimmung nicht realisierbar sei, weil sich die
Kinder oft so konsumorientiert verhalten und, wenn man sie nach
ihren Wünschen fragt, oft nur dasselbe sagen und machen wollen.
Diese Beobachtung ist ja auch durchaus richtig. Generell lässt sich
die Lebenssituation von Kindern heute nämlich mit folgenden Stichworten charakterisieren:
•
in der Schule und zu Hause müssen sie tun, was von ihnen
erwartet wird und haben nicht viel mitzubestimmen
•
anstatt frei zu spielen, verbringen sie ihre Freizeit oft mit
fernsehen, Video schauen, Computer spielen...
•
ihr Tagesablauf ist total durchgeplant, sogar in ihrer Freizeit
brauchen viele Kinder heute einen Terminkalender
•
in der Schule, in engen Wohnungen oder auf den stark
befahrenen Straßen haben Kinder oftmals keine Möglichkeit,
ihrem Bewegungsdrang freien Lauf zu lassen.
Überlege dir doch einmal, wie der Alltag deiner Gruppenkinder aussieht; ist es da nicht logisch, wenn sich die Kinder in den Gruppenstunden genauso verhalten, wie sie es gewohnt sind?
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Kindermitbestimmung kann nicht von heute auf morgen funktionieren. Die Kinder müssen erst lernen, ihre Ideen und Wünsche wahrzunehmen, zu äußern und in die Tat umzusetzen.
Kindermitbestimmung ist ein demokratischer Lernprozess, den
du schrittweise, gemeinsam mit deinen Gruppenkindern, einüben
kannst.
In den folgenden Thesen haben wir formuliert, was wir unter Kindermitbestimmung verstehen:
Kindermitbestimmung heißt nicht:
„Kinder an die Macht“ und ich als Gruppenleiter/in lege die Beine auf
den Tisch und kümmere mich um nichts mehr,
sondern
Kindermitbestimmung heißt:
Als Gruppenleiter/in betrachte ich die Kinder als Partner/innen und
schaffe Räume und Möglichkeiten, in denen sie ihre Interessen und
Bedürfnisse äußern und in Taten umsetzen können
Kindermitbestimmung heißt nicht:
Als Gruppenleiter/in muss ich der/die Alleinunterhalter/in sein und
jede Woche neue, immer bessere Ideen aus dem Handgelenk zaubern,
sondern
Kindermitbestimmung heißt:
Als Gruppenleiter/in versuche ich zwischen den Interessen der einzelnen Kinder zu vermitteln, sorge dafür, dass alle zu Wort kommen
können, achte auf die Gefühle der Kinder, versuche, Zwischentöne zu
hören, und arbeite unterstützend, möglichst im Hintergrund.
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- neue Zeiten für Kinder -
Kindermitbestimmung heißt nicht:
Als Gruppenleiter/in weiß ich im Voraus genau, wie die Gruppenstunde verläuft, stelle einen Plan auf und ziehe ihn durch,
sondern
Kindermitbestimmung heißt:
Als Gruppenleiter/in bin ich bereit, mich auf die Ideen und Wünsche
der Kinder einzulassen, und darauf zu vertrauen, mit ihnen gemeinsam Aktionen zu planen, auch wenn ich nicht weiß bzw. mir nicht
vorstellen kann, was dabei herauskommen wird.
Kindermitbestimmung heißt nicht:
In den Gruppenstunden, Ferienfreizeiten oder Zeltlagern dürfen die
Kinder mitbestimmen und Verantwortung übernehmen, doch in allen beschlussfassenden Gremien, z.B. in Mitgliederversammlungen,
Dekanats-, Diözesan- oder Bundeskonferenzen bestimmen die Jugendlichen und Erwachsenen über die Kinderstufenarbeit,
sondern
Kindermitbestimmung heißt:
Die Jugendlichen und Erwachsenen in der KjG müssen bereit sein,
den Kindern in allen sie betreffenden Angelegenheiten die Macht zu
überlassen, d.h. auf allen Ebenen des Verbandes müssen neue Formen gesucht und gefunden werden, in denen Kinder sinnvoll und ihren Möglichkeiten entsprechend die Kinderstufenarbeit bestimmen
können!
10
Kindermitbestimmung heißt also:
Die KjG darf nicht über die Köpfe der Kinder hinweg entscheiden,
sondern muss ihnen die Möglichkeit geben, die Kinderstufenarbeit
auf allen Ebenen des Verbandes mitzubestimmen, d.h. Kinder sollen
•
ihre Gruppenstunden, Freizeiten, Zeltlager
oder alle anderen verbandlichen
Aktivitäten mitgestalten und
mitbestimmen können
•
in der Mitgliederversammlung der Pfarrei
dabei sein und Stimmrecht erhalten
•
auf Dekanats- und Diözesanebene die Kinderstufenarbeit aktiv mitbestimmen
Wir hoffen, dass wir dich ein bisschen über die Hintergründe und
Ziele der Kindermitbestimmung informiert und dein Interesse dafür
etwas geweckt haben. Wenn du noch weitere Informationen suchst,
verweisen wir dich auf die Literatur am Schluss, es gibt noch viel zu
entdecken.
Falls du aber schon ungeduldig auf etwas mehr Praxis wartest, kann
dir auch sofort geholfen werden. Du brauchst einfach nur im Praxisteil weiter zu lesen!
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- neue Zeiten für Kinder -
Literaturliste:
•
„Die Rechte des Kindes“, Hrsg. Reinald Eichholz, Georg Bitter-Verlag, Recklinghausen, 1991
•
„Die 50 besten Spiele zu den Kinderrechten“ Rosemarie Portmann, Don Bosco-MiniSpielothek, 2010
•
„Kinderpolitik/Kinderbeteiligung“ - Konzepte - Modelle - Materialien, Hrsg. und Verlag Stiftung Mitarbeit
•
„Sagt, was Ihr wollt“, Anstöße zur KINDERMITBESTIMMUNG von
Kindern der KJG Mitgliederversammlungen
Bezug: KiG Diözese Freiburg
•
•
„KINDERMITBESTIMMUNG“ - Ein Lese- und Praxisbuch
Comic „Grundlagen und Ziele für Kinder“
KjG Diözese Köln
•
„Zukunftsentwurf“ - Funktionsbeschreibung bundesverbandlicher Kinderstufenarbeit
„Wir mischen mit“ - Kinder gestalten Politik, eine Aktion der KJG
zum Weltkindertag 1993
KiG Bundesstelle
•
12
•
„Gruppenstund nach Kindermund“ Kindermitbestimmung bei
der KjG - eine Arbeitshilfe für Gruppen- und PfarrleiterInnen
KjG Diözese Rottenburg-Stuttgart 2010
•
„Die Rechte der Kinder von logo einfach erklärt“, von Senioren,
Frauen und Jugend, Benno Schick, Andrea Kwasniok Bundesminister für Familie von PV Projekt Verlag, 2000
PRAXISTEIL
Wir haben den Praxisteil in vier Bereiche unterteilt, und zwar in:
Gruppenstunde
Pfarrei
Zeltlager/Freizeit
Dekanat und Diözese
Zu Beginn jedes Bereiches steht etwas Grundsätzliches zur Kindermitbestimmung, danach beschreiben wir verschiedene Modelle, wie
du Kindermitbestimmung in diesem Bereich verwirklichen kannst.
Zum Schluss sind viele Methoden aufgelistet, die dir hoffentlich bei
der Realisierung helfen werden.
Also, nichts wie ran und ausprobieren!
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- neue Zeiten für Kinder -
I.
MITBESTIMMUNG
M
IN DER GRUPPENSTUNDE
Kindermitbestimmu ist doch prima, die Kinder machen was sie
„Kindermitbestimmung
wollen und der/die Gruppenleiter/in setzt sich in die Ecke, legt die
Füße hoch und liest ein gutes Buch ...“
Das kann ja wohl nicht sein, aber wie soll Kindermitbestimmung
sonst funktionieren?
Zunächst ist es einmal notwendig, sich klarzumachen, dass es bei
Kindermitbestimmung eben um MIT-Bestimmung und nicht um
SELBST-Bestimmung geht.
Kinder brauchen Anleitung und Hilfestellung bei dem, was sie tun.
Mitbestimmung soll ihnen aber Räume eröffnen, in denen sie lernen,
Verantwortung zu übernehmen und eigenständig Entscheidungen
zu treffen.
Dies ist der zweite wesentliche Punkt:
Kindermitbestimmung ist ein Lernprozess, der über einen längeren
Zeitraum geführt werden muss. Als Gruppenleiter/in kann ich weder
sagen:
•
•
•
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die Gruppenstunde heute mache ich,
heute lasse ich die Kinder mit entscheiden und
bei der nächsten Gruppenstunde bestimme ich
wieder alleine,
noch kann ich die Kinder vor vollendete Tatsachen stellen,
nach dem Motto: „Ab heute entscheidet ihr!“
Die Gruppenstunde als Lernfeld und Lebenswelt
Ein Schritt auf dem Weg zur Kindermitbestimmung ist das Einbeziehen der Kinder in die Entscheidung WAS läuft. Die Kinder überlegen
gemeinsam, was sie in der Gruppenstunde machen wollen, z.B. spielen, basteln, Aktionen usw.
Aus diesen Möglichkeiten wählen sie dann einzelne Punkte aus und
entscheiden sich für konkrete Gruppenstundeninhalte.
Die Aufgabe des/der Gruppenleiter/s/in besteht u.a. darin
1. mit den Kindern Möglichkeiten zu erschließen
2. auf Konsensentscheidungen hinzuwirken
3. für die Umsetzung der Entscheidungen Sorge zu tragen
4. aber auch Rückschau zu halten
1. Mit den Kindern Möglichkeiten erschließen
Viele Gruppenleiter/innen wundern sich immer noch, dass auf die
Frage, was die Kinder machen wollen, mit Schweigen oder immer
den gleichen Vorschlägen reagiert wird. Dabei verhalten sich die Jungen und Mädchen aber nicht anders als Jugendliche oder Erwachsene. Die Frage ist einfach zu offen und gibt keine Orientierung.
Hilfreich für die Gruppenmitglieder ist dabei das Aufzeigen von Möglichkeiten, Methoden und Alternativen, die zusammen mit den Kindern erweitert werden können. Es ist einfacher, zu fünf Bastelideen
der Gruppenleiter/innen fünf weitere zu finden, als ohne Vorgabe
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- neue Zeiten für Kinder -
fünf Ideen zu suchen. Diese Vorgaben können durch Spielkarteien
bzw. Bastelbücher gegeben werden, aus denen die Kinder aussuchen
und z.B. ihr Spiel vorstellen, um es mit allen zu spielen. Schwieriger
wird es bei Themen und Inhalten.
In der Schule wird den Kindern in der Regel vorgeschrieben, welche
Themen und Inhalte sie zu bearbeiten haben. Die Gruppenstunde als
Freiraum für die Gruppenmitglieder muss hier andere Möglichkeiten
aufzeigen. Als Gruppenleiter/in wirst du sehr schnell merken, dass
die Jungen und Mädchen kein Interesse zeigen, wenn du Themen einfach vorsetzt. Du musst einen Bezug zur Lebenswelt herstellen, um
sie für das Thema zu begeistern.
Der bessere Weg ist jedoch, wenn das Thema von den Kindern selbst
vorgeschlagen wird. Um dies zu erreichen, ist es notwendig, zusammen mit der Gruppe deren Lebenswelt anzuschauen. Die Gruppenmitglieder müssen die Möglichkeit haben, die verschiedenen Bereiche ihres Lebens in der Gruppenstunde darzustellen. So erkennen sie,
dass auch andere Kinder ähnliche Probleme haben (Schule, Spielplatz,
Kindergottesdienst ...). Gemeinsam kann dann die Gruppe überlegen,
was und wie etwas verändert werden kann.
2. Auf Konsensentscheidungen hinwirken
Die einfachste Art, eine Gruppenentscheidung zu treffen, ist die Abstimmung, die Mehrheit entscheidet. Es stellt sich jedoch die Frage,
ob diese Möglichkeit bei der Gestaltung von Gruppenstunden auch
die Empfehlenswerteste ist, da es bei Abstimmungen auch immer
eine Gruppe der „Überstimmten“ gibt.
Wenn auch nicht zu erwarten ist, dass bei einem Thema alle Kinder
gleich begeistert sind, so sollte doch darauf geachtet werden, dass
Kompromisse gefunden werden, damit alle Kinder etwas mit dem
Thema anfangen können.
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3. Für die Umsetzung der Entscheidungen Sorge tragen
Hat sich die Gruppe für ein Thema entschieden, gibt es mehrere Möglichkeiten der Umsetzung.
Einmal kann die Gruppenleitung selbst etwas zum Thema vorbereiten und die Gruppenstunde durchführen. Gerade in Gruppen, die
bisher weniger mitentscheiden konnten, kann dies von Vorteil sein,
da Ideenfindung und Entscheidungen doch recht langwierig verlaufen können und durch die Vorbereitung der Gruppenleiter/innen nun
wieder eine Gruppenstunde zum „Konsumieren“ läuft.
Ist die Gruppe oder ein Einzelner jedoch so vom Thema begeistert,
bietet es sich an, die Kinder mit in die Vorbereitung einzubeziehen.
So ist einerseits eine Anleitung da, andererseits können die Kinder
aber direkt mitbestimmen, wie das Thema angegangen wird.
Gruppen, die schon etwas Übung in der Vorbereitung von Gruppenstunden haben, können diese auch eigenständig vorbereiten, in dem
jede/r eine Aufgabe übernimmt oder Einzelne abwechselnd die Gruppenleitung wahrnehmen.
Gerade bei Themen, die die Kinder direkt betreffen, ist es notwendig,
auf eine Veränderung der Situation hinzuwirken. Für die Kinder wird
dabei deutlich, dass sie sich nicht mit Gegebenheiten abfinden müssen und dass sie selbst Möglichkeiten haben, ihre eigene Situation zu
verbessern.
Als Gruppenleiter/in musst du jedoch darauf achten, dass du dir
nicht zu viel vornimmst und nach der Aktion der große Frust ausbricht, wenn zu wenig oder gar nichts verändert wurde.
Wesentlich ist auch den Erlebnischarakter einer Aktion im Auge zu
behalten; sie soll Spaß machen und das Gemeinschaftsgefühl der
Gruppe stärken. Im Methodenteil geben wir einige Anregungen, wie
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- neue Zeiten für Kinder -
solche Aktionen aussehen können. Du solltest diese allerdings nicht
einfach übernehmen, sondern die Vorschläge auf eure eigene Situation anpassen, ergänzen und verändern.
4. Rückschau halten
Grundsätzlich sollte nach jeder Gruppenstunde gemeinsam Rückschau gehalten, also reflektiert werden. Nur wenn die Kinder ihre Gefühle äußern, das Gelaufene bewerten und Veränderungswünsche
einbringen können, hast du die Möglichkeit, direkt zu reagieren und
deine Gruppenstunde darauf auszurichten.
Aber auch dies ist zunächst ein Lernprozess, in dem die Gruppenmitglieder daran gewöhnt werden müssen, ihre Meinung sagen zu können. Sei also nicht enttäuscht, wenn die ersten Male wenig gesagt
oder geschrieben wird, mit der Zeit wird dies sicher besser.
Wenn eine Reflexion schon für jede Gruppenstunde angestrebt werden sollte, so ist sie für Aktionen unumgänglich. Zwei Arten der Reflexion werden unterschieden: Die Zwischenreflexion, die nach jedem Aktionsschritt laufen sollte, um euer konkretes Handeln auf die
Kinder abstimmen zu können, und die Abschlussreflexion. Diese gibt
euch Hilfen bei künftigen Aktionen.
Auch solltest du zwischen dem, was die Gruppe geleistet hat (Veränderung, Aufwand...) und dem, wie die Gruppe die Aktion durchgeführt hat (Gefühl der Einzelnen, Wirgefühl der Gruppe), unterscheiden.
Im Methodenteil findest du dazu Anregungen.
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Aktionsideen
Parkplatz - Spielplatz
Mietet einen bzw. mehrere Parkplätze für eine Stunde und sperrt sie
mit Schnüren ab. Da ihr die Parkgebühren bezahlt habt, könnt ihr
nun Spiele auf der Fläche machen. Wichtig bei der Aktion ist, dass ihr
jemanden von der Zeitung einladet und vorher schon Flugblätter und
Plakate malt, die auf eure Aktion hinweisen.
Strafzettel
Entwerft in der Gruppenstunde Strafzettel für Autofahrer die sich
kinderfeindlich verhalten (Parken auf dem Bürgersteig, vor Spielplätzen, wo sie die Sicht behindern...). In der nächsten Gruppenstunde
könnt ihr die Strafzettel nun bei den Autos an die Windschutzscheibe heften. Überlegt auch, ob ihr ein Verwarnungsgeld erhebt, z.B. für
eure Gruppenkasse.
Kinderfreundlich - kinderfeindlich
Entwerft in der Gruppenstunde Aufkleber mit der Überschrift „Kinderfreundlich“ und „Kinderfeindlich“ (Spukies). Bis zur nächsten
Gruppenstunde sehen sich die Kinder in der Gemeinde um und überlegen dann gemeinsam, welche Sachen ihnen besonders aufgefallen
sind. Danach ziehst du mit der ganzen Gruppe los und ihr klebt die
Aufkleber dort, wo ihr es am wichtigsten findet, auf. Wenn die Möglichkeit besteht, sprecht die Verantwortlichen der „kinderfreundlichen“ oder „kinderfeindlichen“ Sachen direkt darauf an und fragt
nach Gründen.
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- neue Zeiten für Kinder -
Kindergottesdienst
In den meisten Pfarreien bereiten Gottesdienstkreise die Kindergottesdienste vor. Doch auch als Kindergruppe solltet ihr diese Möglichkeit nutzen, indem ihr einen eigenen Gottesdienst vorbereitet. Als
Erstes solltet ihr in der Gruppenstunde Ideen sammeln und ziemlich
konkret überlegen, wie der Gottesdienst aussehen soll. Im zweiten
Schritt sprecht ihr eure Vorstellungen dann mit dem Pfarrer ab, vielleicht ist er auch bereit, einen Gottesdienst nur für eure Gruppe zu
halten.
Schulhof
Gerade wenn ihr keinen Spielplatz in der Nähe habt, bietet sich eine
Schulhofbegehung an, bei der ihr überlegt, was alles aus der Fläche gemacht werden könnte. Zeichnet Pläne, um euren Schulhof
oder auch nur eine Ecke davon freundlicher zu gestalten. Diese Pläne schickt ihr dann dem Rektor oder dem Bürgermeister. Fragt auch
nach, ob ihr sie in der Schule aufhängen dürft, damit sie auch die
anderen Schüler sehen! Wenn nicht reagiert wird, gebt die Pläne an
die Zeitung weiter, vielleicht helfen euch ja Leute, die davon etwas
erfahren.
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II.
MITBESTIMMUNG IN DER PFARREI
„Kindermitbestimmung in der Pfarrei? Es reicht doch wirklich, wenn
die Kinder in ihrer Gruppenstunde nur noch machen, was sie wollen.
Die restlichen Angelegenheiten sollten doch wirklich von Erwachsenen bestimmt werden, sonst herrscht ja bald das reine Chaos!“
Solche oder ähnliche Begründungen bekommst du bestimmt zu hören, wenn du dich mit deiner Gruppe in Angelegenheiten einmischen
willst, die eben normalerweise nicht von Kindern mitbestimmt werden.
Unser Tipp: Nicht den Mut verlieren und ruhig Neues ausprobieren,
denn es gibt genügend Möglichkeiten bei Aktionen wie z.B. Pfarrfest,
Zeltlager oder Themen wie z.B. Kindergottesdienst, Spielplatz o.ä. mit
allen Gruppen der Pfarrei etwas auf die Beine zu stellen, sich einzumischen und auch die Kinder mitbestimmen zu lassen.
Natürlich geht so etwas nicht von heute auf morgen und du fragst
dich vielleicht, wie du eine solche Aktion mit deiner Gruppe auf die
Beine stellen sollst. Meistens seid ihr mit euren Ideen und Forderungen allerdings nicht alleine.
Deshalb ist es vor allem wichtig, dass ihr euch Partner/innen sucht,
mit denen ihr gemeinsam für eure Sache kämpfen könnt. Wenn ihr
z.B. beim Pfarrfest eine eigene Aktion plant, sprecht andere Gruppen an, fragt Leute aus dem Pfarrgemeinderat usw., die euch helfen
könnten.
Es gibt sehr viele verschiedene Formen von Kindermitbestimmung in
der Pfarrei, von denen wir dir einige vorstellen möchten. Am Anfang
eignet sich wohl am ehesten, gemeinsame Aktionen mehrerer Grup-
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- neue Zeiten für Kinder -
pen zu planen. Schon etwas schwieriger ist die Einbindung von Kindern in Gremien der Pfarrei und am Ende steht die Einrichtung von
selbständigen Kindergremien.
Gemeinsame Gruppenaktionen
Vorüberlegung in den einzelnen Gruppen
Ihr überlegt in eurer Gruppe, was ihr gerne mit den anderen Kindern aus eurer Pfarrei machen möchtet. Es ist ganz wichtig, dass du
als Gruppenleiter/in unterstützend zur Seite stehst, die Kinder aber
selbst nach Ideen suchen.
Damit bei der Entscheidung über eine Aktion nicht so ein großes Chaos entsteht, solltest du zwei Kinder aus deiner Gruppe delegieren, die
euren Vorschlag dann den Vertretern/innen der anderen Gruppen
vorstellen und mit ihnen die beliebtesten Aktionen auswählen.
Anschließend trefft ihr euch mit den anderen Gruppen und entscheidet euch endgültig für eine Aktion. Ihr legt fest, wann die Aktion laufen soll, plant und bereitet sie mit den Kindern vor und dann kann es
losgehen.
Nach der Aktion solltest du auch eine Reflexion machen, damit du
Rückmeldung erhältst, wie es lief und was du dir für die nächste Aktion vielleicht merken solltest.
Überlegung mit allen Gruppen zusammen
Du lädst alle Gruppen zu einem gemeinsamen Treffen in eure Jugendräume ein. Nun startet ihr wieder eine Ideensammlung, entweder in
der Großgruppe oder ihr teilt euch in Kleingruppen auf.
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Achte aber darauf, dass immer noch Kinder aus den einzelnen Gruppen zusammen bleiben und keiner alleine in einer Gruppe ist, denn
sonst fühlen die Kinder sich oft unsicher und bringen weniger ein.
Nachdem die Ideen gesammelt sind, kommen alle im Plenum zusammen und stellen sich gegenseitig ihre Ideen vor.
Anschließend folgt wiederum eine Entscheidung, dann Vorbereitung,
Durchführung und Reflexion der Aktion. Im Methodenteil findest du
verschiedene Methoden zu den einzelnen Teilabschnitten!
Vorbereitung und Durchführung - Umsetzungshilfen
Ihr habt eine Entscheidung gefällt und könnt euch nun an die Vorbereitung machen. Entweder überlegst du dir verschiedene Gruppen
(z.B. Gottesdienst, Organisation, Küche ...), die ihr für die Vorbereitung benötigt. Dann lass die Kinder sich in die Gruppen aufteilen, zu
denen sie Lust haben. Vergiss nicht verantwortliche Gruppenleiter zu
bestimmen, die die Gruppen beraten und unterstützen sollen.
Natürlich können die einzelnen Gruppen auch bestehen bleiben und
jede Gruppe übernimmt einen Vorbereitungsteil. Dabei wäre es ganz
geschickt, eine Koordinationsgruppe zu benennen. Dies könnte ein/e
Gruppenleiter/in mit 1-2 Kindern sein.
Nun kann es losgehen und jede Gruppe versucht durch die Umsetzung ihres vorbereiteten Teils zum Gelingen der Aktion beizutragen.
Wie solche Aktionen aussehen können, möchten wir dir im Folgenden
anhand einiger Beispiele vorstellen. Natürlich sind dies nur Vorschläge, die ihr in euren Gruppen ergänzen, verändern oder kombinieren
könnt. Bleibt flexibel und legt euch nicht gleich auf eine Aktion fest,
die ihr als GruppenleiterInnen toll findet, denn schließlich soll es ja in
erster Linie eine Aktion der Kinder sein.
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- neue Zeiten für Kinder -
Aktionsideen
Theater
Eine Aktion, die zu vielen Themen passt, aber auch einfach zum „Spaß
an der Freude“ durchgeführt werden kann, ist das Spielen eines Theaterstücks. Ihr solltet dabei zunächst festlegen, was alles hineingehört, wie viele Kinder daran teilnehmen sollen und vor welchen Personen ihr das Stück aufführen wollt. Wenn ihr das klar habt, kann es
ans Schreiben des Stücks gehen. Bei der Probe könnt ihr dann immer
noch Veränderungen vornehmen.
Vor der Aufführung müsst ihr euch eine gute Werbekampagne mit
Plakaten, persönlichen Einladungen, Handzetteln usw. überlegen,
damit sich eure Arbeit auch lohnt.
Ausländerfreundlichkeits - Aktion
Versucht doch einmal bewusst ausländische Kinder in eurer Klasse oder Schule anzusprechen und etwas über ihre Heimatländer zu
erfahren. Auch könnt ihr ein richtiges Fest in eurer Gruppenstunde
feiern, zu dem ihr die anderen Kinder (auch Kinder aus einem Asylbewerberheim) einladet. Dabei könnt ihr euch gegenseitig die Spiele
beibringen, die in den verschiedenen Ländern gespielt werden.
Mülldenkmal
Sammelt den Müll, der um das Pfarrheim und die Kirche herumliegt
und baut damit an einem öffentlichen Ort (z.B. auf dem Kirchenvorplatz) ein Mülldenkmal. Redet dann mit den Leuten, die nach dem
Gottesdienst vorbeikommen und sagt ihnen, wo ihr den Müll gefunden habt.
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Bastelaktion
Organisiert eine Bastelecke mit mehreren Angeboten am Pfarrfest,
wo Kinder kostenlos ihrer Kreativität freien Lauf lassen können.
Müllweg-Tag
Sammelt im ganzen Ort Müll, stellt Plakate auf für die Bewohner, um
sie darauf hinzuweisen, was sie an Müll überall liegen lassen!
Kinderspielplatz
Sucht einen Spielplatz in eurer Nähe aus und besucht ihn während
der Gruppenstunde. Überlegt, was euch gefällt, nicht gefällt und was
ihr gerne ändern würdet.
Ihr könnt auch eine Patenschaft für den Spielplatz übernehmen, ihn
mit der Gruppe säubern und wieder in Ordnung bringen oder sogar
neue Spielgeräte bauen. Vielleicht helfen ja einige Eltern oder Erwachsene aus der Pfarrei, auf jeden Fall solltet ihr dies bei der Stadtverwaltung melden.
Umweltaktion
Sammelt Spenden und pflanzt in eurem Ort, sei es auf Privatgrundstücken oder öffentlichen Plätzen, Bäume und Sträucher, um der Umwelt etwas Gutes zu tun.
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- neue Zeiten für Kinder -
Reflexion
Hier ist es sehr wichtig, im Anschluss an die Aktion ein Resümee zu
ziehen, um festzustellen, ob alles so gelaufen ist, wie es geplant war,
ob ihr euer Ziel erreicht habt, wie ihr euch bei der Aktion gefühlt habt
und wie es bei den Leuten angekommen ist. Für die nächste Aktion
könnt ihr daraus eine Menge lernen.
Einbindung von Kindern in Gremien der Pfarrei
Eine weitere Form von Kindermitbestimmung besteht darin, die Kinder in Gremien der Pfarrei mit einzubeziehen. Das ist natürlich nicht
ganz so einfach. Dennoch hat die KjG als Ziel, Kinder mitbestimmen
zu lassen, denn schließlich sind auch Kinder Mitglied der Pfarrei,
genau wie Jugendliche und junge Erwachsene und sollten genauso
Möglichkeiten haben, ihre Wünsche und Forderungen zu äußern.
Wir beschreiben euch im Folgenden zwei Möglichkeiten, wie ihr eure
Gruppenkinder auch auf Pfarreiebene mit in Entscheidungen einbeziehen könnt.
1. Kinder auf der Mitgliederversammlung
Die KjG-Satzung sieht vor, dass jede Pfarrgemeinschaft mindestens
einmal jährlich eine Mitgliederversammlung durchführt. Vielleicht
fragt Ihr euch, was das überhaupt soll und ob es nötig ist.
Wir denken schon, denn schließlich habt Ihr als KjG-Mitglieder auf
der Versammlung die Möglichkeit, im Rahmen der KjG eure Freizeit
selbst zu gestalten und selbst zu bestimmen, was im Verband laufen
soll und wer eure Interessen vertritt. Auf der Mitgliederversammlung
wird also erstens das zukünftige Programm beschlossen und zweitens wählt ihr dabei eure Pfarrleitung.
26
Die naheliegende Möglichkeit, auch die Kinder mit einzubeziehen, ist
ganz einfach:
Ihr ladet zunächst mal alle KjG-Mitglieder zur Mitgliederversammlung, also auch die Kinder, ein. Ihr solltet eventuell eine Einladung für
die Jüngeren und eine für die Älteren entwerfen. Auch den Entwurf
der Tagesordnung solltet ihr für die Kinder verständlicher machen.
Bei der Vollversammlung könntet ihr euch zunächst in zwei Gruppen
aufteilen. Eine Gruppe mit den über 14-jährigen und eine mit den
8- bis 13-jährigen Mitgliedern. Beide Gruppen können jetzt getrennt
die Tagesordnung und eigene Probleme besprechen.
Auch die Vorstellung der Kandidaten/innen für die Ämter im Leitungsteam sollte in beiden Gruppen getrennt ablaufen, da die Fragen
der „Erwachsenen“ die Kinder eher einschüchtern und beeinflussen
könnten.
In der Gruppe mit den jüngeren Kindern solltet ihr vor allem darauf
achten, dass sie sich nicht so lange konzentrieren können. Daher solltet ihr ein gutes Gleichgewicht zwischen Inhalt (anschaulich darstellen!), Spielen und Pausen finden.
Nachdem beide Gruppen die Tagesordnung abgehandelt haben,
könnt ihr alle zusammenkommen, über Anträge und Kandidaten/innen abstimmen und eventuell noch etwas gemeinsam spielen.
Vergesst nicht im Anschluss an die Versammlung die Reflexion, damit ihr die Meinungen über die erste Versammlung mit Kindern für
das kommende Jahr nutzen könnt.
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- neue Zeiten für Kinder -
Umsetzungshilfen
Im Folgenden wollen wir anhand des Ablaufplans einer Mitgliederversammlung (MGV) die Punkte besonders herausstellen, die ihr bei
der Vorbereitung und Durchführung berücksichtigen solltet.
Natürlich sind die Vorschläge nur als Orientierungshilfen zu sehen,
ihr müsst sie je nach eurer eigenen Situation ergänzen oder verändern.
Vorbereitungen im Vorfeld der Mitgliederversammlung
Wie wir schon öfter in der Arbeitshilfe deutlich gemacht haben, muss
die Mitbestimmung von Kindern gut durchdacht und vorbereitet
werden. Gerade im Vorfeld einer Mitgliederversammlung (MV) ist es
aber ebenso wichtig, die älteren KjGler/innen mit einzubeziehen, da
sich diese sonst überrollt fühlen und mit Unverständnis reagieren.
Im Leitungsteam der Gruppenleiterrunde, aber auch in den Jugendund Junge Erwachsenen-Gruppen, sollte die Idee daher vorgestellt
und besprochen werden. Wenn ihr euch innerhalb der KjG-Pfarrgemeinschaft darüber im Klaren seid, dass und wie die Kindermitbestimmung bei eurer Mitgliederversammlung umgesetzt wird, ist es
auch sinnvoll, die Regelung vorher dem Pfarrer und anderen Hauptamtlichen der Pfarrei vorzustellen, um unnötige Diskussionen über
Sinn und Zweck während der Mitgliederversammlung zu vermeiden.
•
Mit den Kindern
Der zweite Schritt ist dann die Vorbereitung mit den Kindern, wobei ihr darauf achten solltet, die Kinder langsam in die Mitgliederversammlung einzuführen und nicht gleich zu überfordern. In vielen
Pfarreien kommen die Kinder einmal wöchentlich zur Gruppenstun-
28
de, besuchen vielleicht noch die eine oder andere Veranstaltung,
wissen aber sonst recht wenig über die KjG. Um ein gewisses Verbandsbewusstsein zu fördern, ist es daher notwendig, die KjG und
ihre Aktivitäten vorzustellen. Anhand einer Collage, einer Geschichte
oder durch Erfahrungsberichte der Gruppenleiter/innen können sich
die Kinder am besten ein Bild über den Verband machen.
Im Anschluss daran wird die Bedeutung der Mitgliederversammlung
vorgestellt und ihre Aufgaben beschrieben, dabei solltet ihr verdeutlichen, dass es wichtig ist, dass alle, also auch Kinder, mitbestimmen.
Gemeinsam werden dann Ideen für das Jahresprogramm gesammelt
und Vorschläge für Aktionen überlegt (vgl. Kapitel Methoden). Damit
sich eure Gruppenmitglieder auch etwas unter der Pfarrleitung vorstellen können, müsst ihr auch deren Aufgaben, wie z.B. die Interessenvertretung von Kindern darstellen.
Die Kandidaten/innen können sich dabei direkt in der Gruppenstunde vorstellen oder ein Plakat mit Fotos gestalten, auf dem sie ihre
Arbeit und ihre Vorhaben beschreiben.
•
Einladung
Nachdem eure Mitgliederversammlung vorbesprochen wurde, solltet ihr noch an jedes Mitglied eine Einladung verschicken. Natürlich
ist auch diese in kindgerechter Form zu gestalten!
Um den Kindern einen persönlichen Bezug zu ermöglichen, wäre es
gut, wenn neben der Pfarrleitung auch die jeweiligen Gruppenleiter/
innen der Kinder unterschreiben. Auf der folgenden Seite findet ihr
ein Beispiel eines Einladungsbriefes.
29
- neue Zeiten für Kinder -
Liebe/Lieber _____________,
wir freuen uns, dass du zur KjG ____________ gehörst!
Damit du mitbestimmen kannst, was wir als KjG im nächsten Jahr
machen sollen und wie es weitergeht, laden wir dich zur
Mitgliederversammlung der KjG ____________
am ______________ um ______________ in _______________
herzlich ein.
Wir werden gemeinsam überlegen, was im vergangenen Jahr alles
passiert ist. Was davon gut oder nicht so gut war und was wir ändern sollten.
Daraus werden wir eine Planung für das nächste Jahr erstellen.
Dafür ist deine Meinung sehr wichtig!
Außerdem werden wir unsere Pfarrleitung (PL) wählen.
Du kennst bestimmt ______________ und ____________. Die
beiden sind zurzeit unsere PL. Sie kümmern sich um Absprachen
mit dem Pfarrer, wenn wir zum Beispiel am Pfarrfest ein Programm
anbieten wollen, und verwalten unser Geld.
Der Spaß wird in den ____ Stunden an der MGV auch nicht zu kurz
kommen. Wir wollen lustige Spiele spielen und es gibt natürlich
auch eine Kleinigkeit zu Essen.
Wir freuen uns auf dich und deine wichtige Meinung bei den Diskussionen.
Deine _______________ (PL)
Dein ________________ (PL)
---------------------------------------------------------------------------------------Rückmeldung:
Ja, ich ____________________________, komme.
30
Man kann die Mitgliedervollversammlung auch mit einer netten Aktion verbinden, damit es ansprechender wirkt, z.B. mit einem Grillfest, einer Party, einem Spielemittag, einem Workshop Tag…
Jetzt geht´s los
Die Mitgliederversammlung steht vor der Tür und mit ihr eure Kindergruppen, die nun mitbestimmen wollen. Dabei ist es wichtig eine
Atmosphäre zu schaffen, in der die Kinder Lust bekommen, sich einzumischen und nicht von Konferenz und Geschäftsordnungsstil abgeschreckt werden.
Dazu gehören eine Sitzordnung, in der jede/r jede/n sehen und verstehen kann, eine Moderation, die die Diskussionen leitet und immer erklärt, was gerade warum dran ist und ein auf die Kinder zugeschnittener Ablauf, der am besten auf einem Plakat an der Wand
dargestellt ist. Denkt bitte dabei auch an ausreichende Pausen, Spiele, Kleingruppenarbeit und einen Imbiss oder eine Kakaorunde.
Jahresrückblick
Mit dem Jahresrückblick gibt die Pfarrleitung Rechenschaft über ihre
Arbeit im vergangenen Jahr ab. Wesentlich ist dabei eine Bewertung,
was gut war oder anders gemacht werden sollte; dazu gibt es im Kapitel Methoden ein paar Vorschläge für die Umsetzung.
Finanzen
Entweder nehmen die Mitglieder den Kassenbericht gelangweilt zur
Kenntnis oder es werden heiße Diskussionen um einzelne Ausgaben
geführt. Beides ist für Kinder meist ermüdend und uninteressant.
31
- neue Zeiten für Kinder -
Ihr solltet deshalb überlegen, ob ihr den Finanzbericht nach Themen
besprecht, z.B. wie viel Geld wurde für die Kinderstufenarbeit ausgegeben? Was müsste dabei geändert werden?... Auch dies könnte in
Kleingruppen geschehen, deren Ergebnisse dann im Plenum vorgestellt werden.
Man kann den Finanzbericht auch anschaulich gestalten, z.B. mit
Spielgeld zeigen, wie viel für die jeweiligen Aktionen ausgegeben
wurde und was man eingenommen hat! Dadurch können dich die
Kinder besser vorstellen, wie viel Geld das eigentlich ist!
•
Kinderetat
Ein weiterer Schritt zur Kindermitbestimmung wäre auch die feste
Einrichtung eines Kinderetates, über den die Kinder selbst bestimmen können und der bei der nächsten Mitgliederversammlung auch
Rechenschaft abgeben muss.
Jahresplanung
Bei der Programmplanung für das laufende Jahr können sich die Kinder am besten einmischen, denn es geht um ihre eigenen Ideen und
Wünsche. Je stärker diese Berücksichtigung finden, desto höher wird
die Identifikation mit der KjG, es wird deutlich, dass die KjG „ihr“
Verband ist. Ihr solltet euch aber vorher entscheiden, ob das gesamte
Programm mit allen geplant wird, oder ob ihr die Ideenfindung wiederum in Kleingruppen durchführt.
Die Ergebnisse müssen dann in Form von Anträgen verabschiedet
werden. Dabei müsst ihr den Kindern natürlich bei der Formulierung
helfen und eure eigenen Anträge klar und einfach schreiben, damit
sie verstanden werden können.
32
Wahlen
Die Kandidaten/innen-Suche und -Vorstellung sollte, wie bereits erwähnt, vor der Mitgliederversammlung erfolgen, denn nur dann können sich alle, nicht nur die Kinder, Gedanken zu den Ämtern und Personen machen. Zusätzlich sollte aber noch mal direkt vor den Wahlen
eine Erklärung zu den jeweiligen Ämtern gegeben werden.
•
Urne
Auf ein Blatt werden alle Kandidaten/innen geschrieben. Dahinter ist
Platz für ein Kreuz. Dieses Blatt vervielfältigt ihr und sucht dann einen ruhigen Platz, an dem jeweils ein/e Wähler/in in Ruhe seine/ihre
Kreuze machen kann. Den zusammengefalteten Wahlzettel kann er/
sie dann in die Wahlurne werfen.
•
Stimmzettel
Jede/r Kandidat/in wird einzeln gewählt. Ihr schreibt auf den Stimmzettel entweder ein ja oder ein nein. Die Stimmzettel werden mit einem Hut o.ä. gesammelt.
Um die Kinder mehr einzubinden, können diese die Zettel einsammeln und mit Hilfe eines Gruppenleiters auswerten! Die Kinder können die Ergebnisse dann verkünden!
Nach den Wahlen solltet ihr nicht vergessen, eine Wahlparty mit
Limo und Kakao zu feiern. Das hebt die Stimmung und hilft als „Verschnaufpause“.
33
- neue Zeiten für Kinder -
Reflexion
Am Schluss der Mitgliederversammlung solltet ihr nicht vergessen,
dass jede/r Teilnehmer/in noch kurz formuliert oder aufschreibt, was
ihm/ihr gefallen bzw. nicht gefallen hat.
2. Mitgliederversammlungen mit Wahl von Kindervertretern
Bei dieser Form wählen die Kinder nicht nur mit, sondern es werden
auch Kindervertreter/innen gewählt, die dann mit dem KjG-Pfarrleitungsteam der Pfarrei zusammenarbeiten.
Diese Form ist natürlich sehr anspruchsvoll und zuerst sollte es in
eurer Pfarrei die Regel sein, dass Kinder überhaupt bei der Mitgliederversammlung dabei sind und mit wählen. Wenn das funktioniert,
könnt ihr es auch einmal mit der Wahl von Kindervertreter/innen
ausprobieren.
Teilt euren Entschluss vorher allen Mitgliedern mit, macht euch auf
die Suche nach geeigneten Kandidaten/innen und fragt in den Gruppen nach. Zieht auch in Erwägung, eine Listenwahl durchzuführen,
d.h. es stellen sich immer 2 - 3 Kandidaten/innen zur Wahl, die dann
später im Block gewählt werden.
Vorteil ist, dass die Kinder sich schon vorher überlegen können, mit
wem sie gerne zusammenarbeiten möchten.
Diese Mitgliederversammlung kann genauso ablaufen nur dass sich
auch Kinder als Kandidaten/innen aufstellen lassen können!
34
3. Selbständige Kindergremien
Eine sehr anspruchsvolle Form der Kindermitbestimmung ist die
Einrichtung von selbständigen Kindergremien, wie z.B. einer Kinderpfarrleitung oder einem Kinderpfarrgemeinderat.
Vollversammlung mit Wahl einer Kinderpfarrleitung
Die Vorbereitungen laufen wie bei der Wahl der Kindervertreter ab.
Kinderpfarrleitung
Die Kinderpfarrleitung kann aus 3 Kindern bestehen, wobei die Kinder sich noch einen Jugendlichen suchen sollten, den sie mit in ihre
Runde als Unterstützung aufnehmen sollten. Das heißt:
•
•
•
•
1 Kinderpfarrleiter/in
1 Finanzwart
1 Öffentlichkeitsmensch
1 Jugendlicher ohne Stimmrecht
Diese Kinderpfarrleitung kann sich einmal im Monat treffen. Mindestens halbjährlich, aber auch mit der Pfarrleitung. Aufgaben der Kinderpfarrleitung könnten sein:
•
•
•
•
•
Interessenvertretung der Kinder gegenüber Pfarrer, Pfarrleitung
etc.
Verwalten des ihm zur Verfügung gestellten Kinderetates
Mitvorbereitung von Kinderaktionen in der Pfarrei
Programmgestaltung des Kinderprogramms im laufenden Jahr
Vorbereitung der nächsten Vollversammlung
35
- neue Zeiten für Kinder -
Ganz wichtig für euch ist der Austausch mit der Kinderpfarrleitung.
Daher sollte die normale Pfarrleitung immer Kontakt zu den Kinder
selbst halten. Motivation ist besonders wichtig, da sonst die ganze
Sache wieder den Berg hinuntergeht.
Kinderpfarrgemeinderat
Auch hier besteht die Möglichkeit, neben dem normalen Pfarrgemeinderat einen Kinderpfarrgemeinderat zu wählen. Die Wahl sollte
alle zwei Jahre stattfinden und jedes Kind bis max. 14 Jahre darf mitwählen.
Die Kandidaten sollten auch nicht älter als 14 Jahre sein. Bei der ersten Wahl sollten noch Jugendliche für die Durchführung zuständig
sein, beim zweiten Versuch der größte Teil aber von den Kindern geleistet werden.
Die Aufgaben hier könnten sein:
•
•
•
•
36
Kindergottesdienst
Kinderprogramm Pfarrfest
Kinderaktionen vom Pfarrgemeinderat
Anhörung bei Kinderfragen in Pfarrgemeinderat
III..
M
MITBESTIMMUNG AUF FREIZEITEN
l
f
In vielen
KjG-Pfarrgemeinschaften
gehört die Durchführung von
Zeltlagern, Sommerfreizeiten oder Gruppenfahrten zum festen Programm. Daher werden bewährte Programmpunkte immer wieder
für die Gestaltung der Freizeit eingeplant und die Freizeit letztlich
von den Gruppenleiter/innen alleine vorbereitet.
Unser Verständnis ist jedoch nicht nur, Freizeiten für Kinder und Jugendliche anzubieten, sondern sie auch mit Kindern und Jugendlichen gemeinsam durchzuführen. Das bedeutet, die Gestaltung wird
gemeinsam von Kindern und Gruppenleiter/innen getragen.
Jeder von euch war bestimmt schon mal Teilnehmer/in oder Gruppenleiter/in einer Fahrt und weiß aus eigener Erfahrung, dass Freizeiten oft wie „Oasen“ sind. Zeitlich begrenzt, räumlich entfernt von
der „Alltagswelt“ und mit einer ganz eigenen Atmosphäre bilden sie
ein großes Experimentierfeld für Kindermitbestimmung, wie sie zu
Hause meist nicht durchgeführt werden kann.
Wir möchten euch Mut machen, dieses Experimentierfeld zu nutzen,
Neues auszuprobieren und gemeinsam mit den Kindern Schritte auf
dem Weg zur Kindermitbestimmung zu gehen.
Trotz ihrer Abgeschlossenheiten gehören Freizeiten aber auch zur Erfahrungswelt von Kindern. Es gehört daher auch zu euren Aufgaben
als Gruppenleiter/innen, schon im Vorfeld zu überlegen, wie ihr und
die Kinder die bei der Freizeit gemachten Erfahrungen in den Alltag
übertragen könnt. Während der Freizeit können Modelle und Ideen
zur Kindermitbestimmung gesammelt werden, durch die Freizeit
kann Kindermitbestimmung in der Pfarrgemeinschaft „eingeläutet“
werden.
37
- neue Zeiten für Kinder -
Auf jeden Fall darf die Freizeit nicht isoliert werden, sondern soll so in
eure Arbeit integriert werden, sodass Kindermitbestimmung zu Hause weitergeführt werden kann.
Wir wissen natürlich, dass die Umsetzung dieser Grundsätze nicht so
einfach ist. Die folgenden Anregungen sollen euch daher helfen, die
Kindermitbestimmung in euren Freizeiten durchzusetzen.
Vorbereitung im Vorfeld
Viele Gruppen schreiben ihre Freizeiten nur für die Mitglieder ihrer
Gruppenstunden aus oder haben zumindest einen festen Teilnehmer/innen-Stamm. Für sie bietet es sich an, die Ideenfindung bereits
vor der Freizeit durchzuführen, da dadurch die Planung und Vorbereitung (Material, Infos...) erheblich erleichtert wird.
Vorbereitung in der Gruppenstunde
Alle Gruppenleiter/innen entscheiden sich für eine einheitliche Methode, um mit den Kindern Vorschläge zum Programm zu sammeln.
In der jeweiligen Gruppenstunde werden die Vorschläge gesammelt
und fließen mit in eure Vorbereitung ein. Noch besser wäre es natürlich, wenn die Kinder nun selbst aktiv würden und zusammen mit
ihrem/r Gruppenleiter/in einen Programmpunkt vorbereiten und für
die Vorstellung und Durchführung in der Freizeit selbst tätig würden.
Jede Gruppe bereitet z. Bsp. einen Tag der Freizeit vor.
Vorbereitung in der Großgruppe
Auf dem Anmeldeabschnitt besteht für die Kinder die Möglichkeit,
Freunde, mit denen sie gerne in eine Gruppe möchten, einzutragen.
38
Dies wird bei der Einteilung von den Gruppenleiter/innen berücksichtigt.
Nachdem der größte Teil der Anmeldungen bei euch eingegangen ist,
trefft ihr euch mit allen Teilnehmern. Um Hemmungen abzubauen
und den Kindern zu ermöglichen, besser in Kontakt mit den anderen
Kindern und Jugendlichen zu kommen, solltet ihr zu Beginn einige
Spiele durchführen.
Danach sammelt ihr Ideen zur Programmgestaltung. Wenn ihr genug
gesammelt habt, könnt ihr zusammen mit den Kindern in Kleingruppen diese Aktionen vorbereiten. Für die Vorstellung und Durchführung in der Freizeit sind dann diese Kleingruppen zuständig.
Durchführung in der Freizeit
Solltet ihr im Vorfeld der Freizeit keine Möglichkeit haben, eine Ideenfindung durchzuführen, könnt ihr die Freizeit mit einer „Alles ist
möglich“-Phase eröffnen. Auch hier gilt, dass Kinder über ihre Freizeit
bestimmen und eigene Interessen einbringen können. Bei den Methoden findet ihr hierzu Anregungen.
Wer die Einbeziehung der Kinder klarer strukturieren möchte, kann
einen der folgenden Vorschläge aufgreifen, wobei sich das „Plenum“
eher für kleinere Freizeiten wie Gruppenfahrten eignet, während sich
der „Lagerrat“ für Freizeiten mit vielen Teilnehmer/innen empfiehlt.
Das „Kinderparlament“ für Freizeiten lässt sich bei jeder Gruppengröße durchführen und bietet die beste Möglichkeit der Mitbestimmung.
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- neue Zeiten für Kinder -
Plenum
Jeden Tag findet zu einer festgesetzten Zeit ein Plenum statt, in dem
die Kinder zusammen mit allen das Programm für den nächsten Tag
vorbereiten. Natürlich sollte man sich in der Gruppe vorher darüber
ausgetauscht und eine Gruppenentscheidung getroffen haben.
Eine Vorstellung durch ein Lied wäre sicherlich auch nicht schlecht,
um andere Gruppen für seinen Vorschlag zu begeistern. Auch hier
sollte die Möglichkeit gegeben werden zu meckern und zu loben.
Lagerrat
Am ersten Tag des Lagers stellt ihr allen Kindern eure Programmvorschläge vor und erklärt das Konzept des Lagerrates. Dies könnte folgendermaßen aussehen:
Jeden Tag findet zu einer festgesetzten Zeit der Lagerrat statt. Je 2
Vertreter aus den Gruppen, ein männlicher und weiblicher Gruppenleiter/in und ein/e Vertreter/in der Lagerleitung, der/die den Lagerrat
auch leiten sollte, nehmen daran teil.
Jede/r Gruppenleiter/in setzt sich am Abend zu einer festgesetzten
Zeit mit seinen Gruppenkindern zusammen und reflektiert den vergangenen Tag. Die Vertreter/innen des vergangenen Tages berichten
von dem Lagerrat und von den Vorschlägen der anderen Gruppen, die
nicht ins morgige Programm gekommen sind.
Dann überlegen sie ihren Programmvorschlag für den übernächsten
Tag und versuchen zu einem einstimmigen Gruppenentschluss zu
kommen. Die Vertreter/innen des nächsten Lagerrates stellen diesen
Vorschlag dann den anderen Kindern vor. Jede Gruppe kommt mit
ihrem Vorschlag, wobei es natürlich nicht möglich ist, alle Vorschläge
gleichzeitig durchzuführen.
40
Deshalb sollten nach der Vorstellung alle Vertreter im Auftrag ihrer
Gruppe noch mal überlegen, ob nicht vielleicht ein Vorschlag aus den
anderen Gruppen auch in Ordnung wäre.
Wichtig ist, dass versucht wird, eine Entscheidung nicht durch Abstimmung, sondern durch Überzeugung zu treffen. Wenn es zu einer
Entscheidung gekommen ist, sollte die Entscheidung allen Kindern
zum Beispiel beim Essen vorgestellt werden.
Kinderparlament
Am ersten Tag der Freizeit treffen sich alle Kinder und Gruppenleiter/
innen, um gemeinsam die Zusammensetzung des Kinderparlaments
festzulegen. Dabei besteht die Möglichkeit, einzelne „Ministerien“,
die bestimmte Aufgaben im Laufe der Freizeit übernehmen, einzurichten (z.B. Postministerium - Briefmarken und Postkartenverkauf
und tägl. Leerung des Briefkastens; Spieleministerium - Auswahl von
Spielen, die abends gespielt werden; Minister/in für religiöse Fragen
- Gestaltung von Morgen- und Abendimpulsen). Alle Minister/innen
zusammen bilden das Parlament, und können durch Berater/innen
(Gruppenleiter/innen) unterstützt werden.
Bei der ersten Sitzung solltet ihr dann festlegen, ob das Parlament
öffentlich tagt oder nur Mitglieder teilnehmen dürfen.
Die Programmpunkte, die ihr im Vorfeld alleine oder zusammen mit
den Kindern erarbeitet habt, stellt ihr den Kindern bei den Sitzungen
vor und entscheidet mit ihnen das Programm für den/die nächsten
Tag/e. Ideen und Vorschläge werden gesammelt und der vergangene
Tag reflektiert.
Weitere Aufgaben wären das Unterstützen der Gruppenleiter/innen
bei Aktionen, Mitentscheidung bei Bestrafungen und Vorbereitung
des nächsten Parlaments.
41
- neue Zeiten für Kinder -
Diese Auswahl an Aufgaben des Parlament ist natürlich nur ein kleiner Teil und kann nach Belieben ausgeweitet werden, je nachdem
wie mutig oder neugierig ihr seid.
Aktion
In Freizeiten besteht meist das Problem, dass das Umfeld nicht der
direkten Lebenswelt der Kinder entspricht. Der Anspruch, die Lebenswelt zu verändern, ist daher schwierig umzusetzen. Ihr solltet daher
immer im Hinterkopf haben, wie die Kinder die Aktion zu Hause umsetzen oder zumindest, welche Erfahrungen sie für zu Hause mitnehmen können.
Damit klar ist, dass die Aktion eine Sache der Gruppe ist, sollten die
Kinder eine Leitung wählen, die - ggf. von der Gruppenleitung unterstützt - für die Planung und Durchführung verantwortlich ist. Die
geplanten Projekte können dann im Kinderparlament vorgestellt und
auf einem großen Plakat in die Tagesplanungen eingetragen werden.
Eure Aufgaben als Gruppenleiter/innen sind:
•
•
•
42
äußere Voraussetzungen schaffen, d.h. Ruhe und Zuhörbereitschafft
bei Unruhe und fehlender Konzentration Pause/auflockerndes
Spiel vorschlagen
Übersicht für alle schaffen (Plakate mit Aufgaben und den entsprechenden Verantwortlichen gestalten, „Protokoll“ schreiben,
Zusammenhänge und Vergessenes einbringen)
Aktionsideen
Werkstätten
Es werden verschiedene Werkstätten eingerichtet, die während der
ganzen Freizeit oder nur an einzelnen Tagen laufen.
Eine Spielwerkstatt kann so für die Abendgestaltung mit verantwortlich sein; Spielekarteien werden ausgestellt und von Kindern nach
neuen Ideen durchforstet.
Eine Theaterwerkstatt schreibt ein Stück über die Freizeit und führt
es an einem Abend vor.
Umweltspaziergang
Da Freizeiten häufig eine stärkere Berührung mit der Natur mit sich
bringen, bietet sich eine Aktion zum Thema Umwelt an. Die Umweltdetektive suchen dabei Orte auf, die ihnen besonders gut gefallen
und kennzeichnen sie durch Schilder.
Nachdem jedes Kind oder jede Kleingruppe einen solchen Ort markiert hat, wird ein Spaziergang mit der ganzen Gruppe durchgeführt,
der an allen Markierungen (kleine Schilder) vorbeigeht und bei dem
jeweils das Kind/die Gruppe erklärt, warum es den Ort besonders
schön findet. Nach dem Spaziergang soll ein Auswertungsgespräch
stattfinden, in dem die Kinder ihre Ängste äußern oder malen können.
Gesundes Essen
Da bei Freizeiten gute Möglichkeiten bestehen, gemeinsam einzukaufen und zu kochen, kann auch dies zu einer Aktion führen. Gemeinsam überlegen sich die Kinder in Kleingruppen, welche gesun-
43
- neue Zeiten für Kinder -
den und umweltverträglichen Produkte es gibt und was sie daraus
kochen können. Immer eine Kleingruppe kann so eine Mahlzeit für
die anderen Teilnehmer/innen zubereiten
Reflexion
Bei Freizeiten solltet ihr darauf achten, dass täglich eine Reflexion
durchgeführt wird, da ihr Kritik und Wünsche direkt umsetzen könnt.
Außerdem spüren die Kinder, dass sie mit ihren Anliegen ernstgenommen werden und trauen sich mit der Zeit, auch neue Ideen vorzuschlagen.
Bei der Reflexion am Ende der Freizeit solltet ihr nach Möglichkeiten
suchen, wie ihr die Elemente der Kindermitbestimmung in der Gruppenstunde und in der Pfarrei umsetzen könnt.
44
IV.
V.
MITBESTIMMUNG AUF
DEKANATS- UND DIÖZESANEBENE
d
b
Wenn wir Kindermitbestimmung
im Verband ernst nehmen wollen,
werden wir nicht umhinkommen, Kindern auch Mitbestimmungsmöglichkeiten in der verbandlichen Struktur einzuräumen.
Doch Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, die einfach nur zu Dekanats- oder Diözesanleiter/innen gewählt werden müssen, um ihre
Interessen zu vertreten.
Gerade wenn Mitbestimmung aber über die Pfarreiebene hinausgeht, werden immer wieder zwei Varianten vorgeschlagen:
Kinder in Gremien
Dieses Modell sieht vor, dass Kinder als Vertreter von Kindern in bereits aus Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen bestehende Gremien gewählt werden. Praktisch heißt dies, in Dekanatsleitung, Diözesanausschuss und Diözesankonferenz werden Kinder gewählt, die
dort ihre Interessen vertreten sollen.
Alleine wenn wir bei uns selbst schauen, wie es uns mit Konferenzen,
Satzungen und Geschäftsordnungen geht, werden wir ein Gefühl dafür bekommen, wie es Kindern dabei gehen muss.
So einfach diese Lösung wäre, ist es doch illusorisch, Kinder in diese
Gremien so zu integrieren, dass eine tatsächliche Interessenvertretung stattfinden könnte.
45
- neue Zeiten für Kinder -
Kindergremien
Analog zu den bestehenden Gremien müssten in diesem Fall Kindergremien eingerichtet werden. Ist diese Idee für die Pfarreiebene noch
denkbar, setzen wir für die Dekanats- und Diözesanebene deutliche
Fragezeichen hinter dieses Modell:
•
Wie sollen die Kinder zusammenkommen?
•
Wer ist für die Begleitung zuständig?
und am Wesentlichsten:
• Wie sieht die Arbeitsform der Kinder in
diesen Gremien aus?
Kindertage und Kinderwochenenden
Eine kindgemäße Form der Mitbestimmung sind für uns Kindertage
und -wochenenden.
Ohne Gremien und langfristige Bindung der Kinder an bestimmte
Aufgaben, geben sie doch Möglichkeiten, dass Kinder ihre Wünsche
formulieren und Interessen deutlich zum Ausdruck bringen können.
Als Gruppenleiter/innen solltet ihr euch allerdings bewusst sein, dass
eine solche Aktion kaum alleine oder von nur einer Pfarrei durchgeführt werden kann. Schließt euch zusammen, sprecht in regionalen
Gruppenleiter/innen-Treffs die Idee an und bildet zusammen einen
Vorbereitungskreis. Über die KISTE und die Diözesanleitung bekommt
ihr dafür auch Hilfestellung.
Wenn die Vorbereitungsgruppe steht, kann es an die konkrete Planung gehen, wobei ihr euch genügend Zeit vom ersten Treffen bis zur
Veranstaltung lassen solltet.
46
Der erste Punkt bei der inhaltlichen Planung muss die Frage sein, wie
viel ihr vorgebt und was die Kinder von sich aus entscheiden sollen.
Da die Umsetzung sehr unterschiedlich sein kann, können wir euch
lediglich Tipps für die Veranstaltung geben:
Als Modell, das sicher auch noch nicht perfekt ist, möchten wir euch
noch kurz die Planung der Bundesaktion Lautstark von 2006 in Mainz
und 2010 in Karlsruhe vorstellen, die euch anregen soll, selbst die
Kindermitbestimmung voranzutreiben und eigene Wege zu gehen.
•
Achtet auf eine ausgewogene Mischung
zwischen Freizeit und Arbeitszeit.
•
Legt die Ziele, die ihr mit der Veranstaltung
verfolgt, am besten schriftlich fest.
•
Überlegt, wie ihr mit den Ergebnissen des
Kindertages/- wochenendes umgehen
wollt.
•
Nehmt euch für das erste Mal nicht zu viel
vor.
•
Sprecht mit Leuten, die schon einmal eine
solche Veranstaltung durchgeführt haben.
•
Denkt an die vier Schritte: Ideenfindung,
Entscheidungsfindung, Thema/Aktion und
Reflexion.
47
- neue Zeiten für Kinder -
Ideenfindung
In einzelnen Workshopgruppen untersuchen Kinder ihre Lebenswelt
in den Bereichen Schule, MultiKulti, Umwelt, Energie und Mitbestimmung. Dabei diskutieren die einzelnen Gruppen, spinnen Ideen und
entwickeln Forderungen an die Politik.
Entscheidungsfindung
Beim Kongress stellen sich die Kinder gegenseitig ihre Bereiche und
Aktionsideen vor. Gemeinsam läuft die Entscheidung zu verschiedenen Aktionen.
Aktion
Die Forderungen werden auf einem Gipfel Politikerinnen und Politikern verschiedener Parteien und Ebenen vorgestellt. Außerdem werden die Forderungen an die Fraktionen der Parteien geschickt.
Reflexion
Die Kinder bewerten das Wochenende und geben Arbeitsaufträge an
die Pfarr- und Diözesanleitungen, die diese dann gemeinsam mit den
Kindern umsetzen soll.
48
METHODENTEIL
Die folgenden Methoden sind mit den Symbolen für Gruppenstunde,
Pfarrei, Freizeit und Dekanats/Diözesanebene versehen und zeigen
an in welchen dieser Bereiche die jeweilige Methode einsetzbar ist.
Gruppenstunde
Pfarrei
Zeltlager/Freizeit
Dekanat und Diözese
49
- neue Zeiten für Kinder -
Ideenfindung
Reporter
In der Gruppe überlegt ihr euch Fragen und geht, mit einem Kassettenrecorder ausgerüstet, zu Plätzen, an denen ihr andere Kinder trefft
(Schule, Spielplätze, andere KjG-Gruppen...). Mit euren Fragen wollt
ihr herauskriegen, was anderen Kindern gefällt oder nicht gefällt.
Problemtischdecke
Auf den Tisch klebt ihr Plakate oder Packpapierrollen. Jede/r sitzt nun
vor einem freien Stück Papier und kann seine „kinderfeindlichen“ Erfahrungen aufschreiben. Dann können alle ihre Erkenntnisse austauschen und besprechen.
Bei der Besprechung fallen den Kids bestimmt Ideen ein, wie man auf
die kinderfeindlichen Situationen am besten reagiert.
Stadtplan
Gemeinsam malt ihr einen Stadtplan, in den alle Orte und Dinge eingezeichnet werden, die für Kinder wichtig sind (Spielplätze, Hauptverkehrsstraßen, Ampeln, Schulen ...). Wenn ihr so einen Überblick
habt, was es alles für euch Kinder gibt, könnt ihr überlegen, was verändert werden müsste, um eure Stadt oder das Gebiet, in dem ihr
wohnt, kinderfreundlicher zu gestalten.
Fußgängerrallye
Bei einer Fußgängerrallye lauft ihr anhand von Fragen durch eure Gemeinde und versucht verschiedene Aufgaben zu lösen, z.B.:
50
•
•
•
•
•
Wie viele Spielplätze gibt es?
Wie viele Autos befahren in 15 min. die Straße?
Wie viele Ampeln muss man bis zur Schule überqueren?
Wie lange ist eine Ampel grün und wie lange brauchen wir, um
die Straße zu überqueren?
Wo kann man Fußball spielen?
Kinder geprüft
Spuckis mit der Aufschrift „Kinderfreundlich“ und „Kinderfeindlich“
werden besorgt oder selbst gemacht. Damit ausgerüstet gehen die
Kinder durch den Ort oder das Wohngebiet und prüfen verschiedene
Einrichtungen. In der Gruppenstunde wird gesammelt, was wie bewertet wurde und welches „Kinderfeindlich“ verändert werden soll.
Fotosafari
Mit dem Fotoapparat geht ihr auf Entdeckungsreise und fotografiert
alles, was euch nicht gefällt. In der nächsten Gruppenstunde werden
die Bilder verglichen und entschieden, was euch am meisten stinkt.
Kistian-Fotos
Mit Kistian und einem Fotoapparat haltet ihr fest, welche Orte bzw.
Gegenstände Kistian fröhlich und welche ihn traurig machen. An den
Orten, an denen sich Kistian wohl fühlt, wirft er die Arme in die Luft.
An Orten an denen sich Kistian unwohl fühlt, lässt er die Arme traurig
nach unten hängen. Um Kistians Ansicht deutlich zu machen, könnt
ihr ihn ja auf manchen Bildern unterstützen.
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- neue Zeiten für Kinder -
Fragebogen
In der Gruppenstunde überlegt ihr euch Fragen, die ihr Erwachsenen
stellen wollt. Daraus macht ihr einen Fragebogen, den Eltern, Lehrer,
Pfarrer… ausfüllen sollen. Dabei kann es um ein bestimmtes Thema (z.B.
Umwelt) oder um die Situation der Kinder selbst gehen.
Luftballons
Jede/r bekommt einen Luftballon und schreibt darauf, was ihm zu einer
bestimmten Frage einfällt, z.B.:
•
•
•
•
Was stinkt mir in der Schule?
Was durfte ich noch nie?
Was würde ich im Kindergottesdienst anders machen?
Was sind meine größten Träume?
Zauberstab
Wer den Zauberstab in der Hand hat, kann seine Umwelt verwandeln.
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Nach höchstens drei Verwandlungen wird der Zauberstab weitergegeben. Dazu gibt es folgende Geschichte:
„Glaubt Ihr an Feen?“ „Nein!“ „Dann stellt es euch wenigstens einmal
vor. Ihr sitzt nichts ahnend in der Gruppenstunde und es erscheint euch
eine leibhaftige Fee. Eh´ ihr es euch verseht, drückt sie euch einen Zauberstab in die Hand und sagt: „Damit könnt Ihr die Welt so zaubern, wie
Ihr es euch wünscht“, sagt´s und ist verschwunden. Tja, setzt euch mal
hin und baut sie euch, eure Traumwelt.“
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Bewusster Spaziergang
Die Gruppe macht (geschlossen, in Kleingruppen oder einzeln) einen
Spaziergang durchs Dorf, die nähere Umgebung oder zu einem bestimmten Ziel (z.B. Spielplatz). Fragen wie z.B. „Was sehen wir?“, „Was
fällt mir auf?“, „Was macht uns nachdenklich?“ sollten mit auf den
Weg gegeben werden. Nach dem Spaziergang werden alle Themen
gesammelt.
Auswertungsfragen:
• Welche Strecke seid Ihr gegangen?
• Welche Interessen/Probleme habt ihr gefunden?
Variante:
Auf den Spaziergang Kassettenrecorder, Fotoapparat oder Videokamera mitnehmen (nach: Projektmethodenkartei, KjG Mainz)
Ideenbaum
Die Kinder schreiben ihre Ideen für die Gruppenstunde auf ausgeschnittene oder aufgemalte Früchte, die an einem Baum im Gruppenraum aufgehängt werden. Falls ihr keine Pflanze habt, malt einfach einen Baum auf ein Plakat.
Schatzkiste
Die Gruppe baut ihre Schatzkiste. Auf kleine Holzplättchen werden
Ideen aufgeschrieben und in die Kiste gelegt. Diese Ideen werden bei
Bedarf aus der Kiste geholt, Programmelemente, die keinen Spaß gemacht haben, werden nicht wieder in die Schatzkiste gelegt.
53
- neue Zeiten für Kinder -
Dalli Dalli
Im Wettstreit zwischen zwei Kleingruppen geht es darum innerhalb
von 90 Sekunden zu unterschiedlichen Themen (z.B. Freizeit, Sport,
Erntedank...) viele Ideen oder Begriffe zu sammeln . Oder ihr habt als
Aufgabenstellung „Wer hat als erstes das Alphabet mit Ideen zum
Thema voll?“.
Malen, Pinseln (für die Kleinen)
Jede Art von Malen (Wasser- oder Fingerfarbe...) auf alle möglichen
Gegenstände (Papier oder Pappe, Holz oder Tücher, Schachteln oder
Dosen, Gesichter oder Körper...) ist geeignet, um Ideen von Kindern
äußern und festhalten zu lassen. Auch in Liedern, Rollenspielen oder
Gedichten o.ä. können Kinder ihre Fantasie frei entfalten. Durch die
kreative Ausführung kommen den Kindern evtl. Immer wieder neue
Ideen. Dies alles können sie alleine, zu zweit, in Kleingruppen oder
natürlich alle zusammen machen.
Lückengeschichte
Du erzählst eine Geschichte in deren Verlauf die Kinder eigene Ideen
zur Fortsetzung einbringen. Diese haltet ihr auf Tapete fest.
Gegenstandsreise
In der Mitte liegen auf einem Tuch die unterschiedlichsten Gegenstände aus der Natur, der Küche, vom Schreibtisch, Spiele, Kleidung
etc. Die Gruppenkinder nennen laut die Einfälle und Begriffe die ihnen beim Anblick einfallen. Eine Person schreibt alle diese Ideen auf
ein großes Plakat.
Am Ende werden die Ideen sortiert und zusammengefasst. Danach
54
entscheidet die Gruppe, was sie in der nächsten Zeit in der Gruppenstunde machen will.
Stadt-Land-Fluss oder Kreativ-Thematisch-Verrückt
Spielt doch einfach das Stadt-Land-Fluss-Spiel mal mit den Einheiten
„Kreativ-Thematisch-Verrückt“ und schon habt ihr ein paar neue Ideen.
K
D
Kreativ
Kochen
Drucken
Thematisch
Kimi
Du
Verrückt
Kulli Olympiade
Duschparty
Punkte
30
40
Original Kiste - Stadtspiel
Wie viele Spielplätze gibt es bei euch in der Stadt?
1. Sucht euch einen Spielplatz aus. Dann überlegt euch, was an diesem Spielplatz gut ist und überlegt auch, was ihr an diesem Spielplatz verbessern würdet.
2. Entwerft oder malt euren Traumspielplatz.
3. Messt einmal die Parkflächen von 10 Autos ab und vergleicht diese Länge mit der Länge eines Spielplatzes.
4. Wo müsst ihr euch beschweren, wenn der Spielplatz voller Hundekot ist?
5. Stellt euch vor, ihr seid auf einer Wiese oder in einem Park und da
steht ein Schild: „Ball spielen verboten“. Überlegt euch einmal,
warum ihr hier nicht Ball spielen dürft. Gibt es bei euch auch solche oder ähnliche Schilder? - Wenn ja, schreibt auch einmal Verbotsschilder für Erwachsene...
6. Überlegt euch einmal, ob es mehr Grünflächen gibt, die ihr betreten könnt oder mehr Grünflächen, die ihr nicht benutzen dürft.
Schreibt die Grünflächen auf!
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- neue Zeiten für Kinder -
7. Interviewt einmal fünf Leute und fragt sie, wohin sie gehen, um
ein bisschen ins Grüne zu kommen.
8. Nennt fünf Hobbys, die euch Spaß machen würden.
9. Ihr seid Architekten und sollt euren/einen Schulhof umplanen,
dass er von euch als Spielplatz genutzt werden kann (Plan zeichnen).
10. Wenn ihr Lehrer wärt, was würdet ihr dann an der Schule verändern, dass sie Kindern mehr Spaß macht? (Nennt mindestens
zehn Ideen)
11. Stellt einem Erwachsenen ein Zeugnis für „besondere Kinderfreundlichkeit“ aus (nicht dem eigenen Gruppenleiter).
12. Überlegt euch einmal eine Aktion zum Kinderkulturfest am
nächsten Blubberwochenende.
13. Legt eine Liste von guten Kinderbüchern an, die ihr schon gelesen
habt.
14. Fragt euren Pfarrer, was er von der Kindermitbestimmung/einem
Kinderpfarrgemeinderat hält.
15. Ihr müsst einen Kindergottesdienst vorbereiten. Welche Ideen
fallen euch dazu ein? (Nennt mindestens zehn!) Wie könnte man
einen Gottesdienst kinderfreundlicher gestalten?
16. Wie heißt der/die Pfarrgemeinderatsvorsitzende in eurer Pfarrei
und welche Aufgaben hat er oder sie?
17. Warum dürfen Kinder bei der Wahl der Pfarrjugendleitung der KjG
nicht mitwählen? Fragt eure Pfarr- bzw. Gruppenleiter/innen.
18. Fragt zehn Leute, was die Abkürzung „KjG“ bedeutet.
19. Was war das Blubberwochenende oder was ist das Event³? Wann
war das letzte? Ruft doch in Mainz an unter der Nummer: 06131253637 Wann findet die nächste Aktion der KISTE in der Diözese
Mainz statt?
20. Wie viele Einwohner hat eure Stadt/euer Ort? Wie viele davon
sind Kinder?
21. In welcher Straße findet ihr es wichtig noch einen Zebrastreifen
hinzumalen?
22. Wie viele Straßen müsst ihr überqueren, um vom Pfarrheim zur
Schule zu kommen?
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23. Zeichnet auf eurem Stadt(teil)plan ein, wo es Fahrradwege gibt.
Überlegt euch, wo zusätzlich welche eingerichtet werden müssten (z.B. auf dem halben Weg zur Schule, ins Freibad)
24. Sucht Produkte, auf denen der grüne Punkt nicht zu sehen ist und
fragt nach, was der grüne Punkt ist und warum er dann nicht auf
diesem Produkt zu finden ist.
Ihr merkt beim Lesen sicher schon, dass die Kinder bei der Durchführung des Spiels auf viele Ideen kommen können. Nach dem Spiel versammelt ihr euch wieder im Plenum und schreibt alle Ideen auf.
Bunt gemischt
- Teilt die Gruppe in Kleingruppen auf, jede Gruppe bekommt einen
Stapel bunte Karten und verschieden farbige Stifte! Achtet bei der
Gruppenaufteilung auf Konflikte innerhalb der Gruppe, nicht dass es
vielleicht Außenseiter gibt!
Nun dürfen die Kleingruppen sich verschiedene Ideen überlegen!
Diese werden in der Großgruppe vorgestellt.
An Gelegenheiten anknüpfen
Methodenbeschreibung:
Ihr als Leitung solltet aufmerksam auf beiläufige Bemerkungen, Geschichten aus dem Alltag hören, hinter denen sich ungelöste Probleme verbergen könnten (Türkenwitze, keine Spielideen u.v.m.). Ihr
könnt dann die Probleme in der Gruppe ins Gespräch bringen und
zum Handeln auffordern.
Auswertungsfragen:
Ist es ein Problem, dass die Gruppe interessiert oder ist es ein Problem der Leitung?
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- neue Zeiten für Kinder -
Wunschreise
Die Gruppe erhält einen Glückwunschbrief über einen Gewinn, z.B.
den 1. Preis bei einem Kreuzworträtsel (Beispiel: 10 Personen dürfen
über ein ganzes Wochenende gemeinsam wegfahren). Die Gruppe
soll sich nun die Frage stellen, was sie machen will.
Variationen:
Preis für 10 Personen: ein besonderes Erlebnis,
Preis für 10 Personen: eine besondere Gruppenstunde,
Preis für 10 Personen: ein Traumzeltlager
Die Methode ist sehr variabel, doch nicht zu viel vorgeben!
Bilderausstellung
Ihr ladet die Kinder ein, Bilder zu malen über ihr Leben, ihre Ängste
und Sorgen, aber auch darüber, was ihnen Freude und Spaß macht.
Danach hängt ihr die Bilder auf und eine Ausstellungseröffnungsfeier veranstaltet. Nachdem die Kinder ihre Bilder vorgestellt haben,
kann in Kleingruppen ein Auswertungsgespräch stattfinden.
Brain-Writing-Pool
Methodenbeschreibung:
Die Gruppe sitzt im Kreis auf dem Fußboden. Jede/r hat ein Blatt Papier und schreibt darauf eine Idee für eine Aktion. Anschließend legt
er/sie das Blatt in die Mitte und nimmt sich ein neues Blatt.
Worauf es ankommt:
Die Ideen des „Vorschreibers“ weiterentwickeln, verändern oder einfach eine Idee, die einem spontan einfällt, umsetzen.
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In dieser Phase ist es wichtig, alle genannten Ideen festzuhalten und
für alle sichtbar zu machen (auf Plakate schreiben). Die Kinder können sonst nur sehr schwer die Einfälle in ihre Überlegungen einbeziehen.
Entscheidungsfindung
Mehrheitsentscheidung
Je nach Anzahl der Entscheidungsmöglichkeiten werden auf den Boden Felder aufgemalt. Solange Musik läuft, können die Kinder durch
alle Felder hüpfen; wenn die Musik stoppt, müssen sie sich entscheiden und in das Feld springen, für dessen Thema sie sich entschieden
haben. Bei vielen Entscheidungsmöglichkeiten wird immer das Feld
„geschlossen“, für den keine oder die wenigsten Kinder stehen.
Mehrheitsentscheidung „Klebepunkte“
Die Themen werden jeweils auf ein Plakat geschrieben und darunter
Kreise gemalt, in die die Kinder ihre Klebepunkte in Form von Smilies
aufkleben. Das Thema mit den meisten Punkten wird als erstes bearbeitet.
Mehrheitsentscheidung „4 Ecken“
Den Themen werden Ecken im Raum zugeordnet, die Kinder sollen
sich danach verteilen.
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- neue Zeiten für Kinder -
Mehrheits-/Konsensentscheidung „Waage“
Eine Waage kann aus einem Kleiderbügel für Röcke und daran gebundenen Körbchen selbst gebastelt werden. Jedes Thema wird zunächst
extra abgewogen. In der Mitte liegen gleich schwere Gegenstände
(Steine, Geldstücke, Holzklötzchen ...). Die Kinder sitzen nun im Kreis
und bringen Argumente für oder gegen das Thema vor, die Gruppe
entscheidet, wie viel Gewicht(e) dem Argument gegeben werden. Die
beiden Themen, die am stärksten gewichtet wurden, werden dann
noch mal gegeneinander gewogen.
Konsensentscheidung „Fish-pool“
Je ein Mitglied pro Kleingruppe sitzt in der Mitte und diskutiert - die
anderen hören von „außen“ zu; in den Zwischenpausen holen sich
die Sprecher/innen Instruktionen von ihrer Gruppe; die Personen in
der Mitte können wechseln; sie holen Schritt für Schritt ihre Gruppe
in eine Konsensentscheidung.
•
1. Variation
In der Mitte bleibt ein Platz für eigene Gruppenmitglieder
frei, die dann mitdiskutieren können.
•
2. Variation
Es bleiben ein oder zwei Plätze für Personen von „außen“
frei, die Anregungen oder Argumente einbringen können.
Hinweis: Klare Gesprächsleitung!
Konsensentscheidung „Schreibdiskussion“
Etwa vier Personen setzen sich um ein Plakat herum, auf dem die
möglichen Projektideen stehen und schreiben Pro- und Contra-Argu-
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mente auf - sie lassen sich gegenseitig anregen - ohne zu sprechen!
Eventuell mit ruhiger Hintergrundmusik.
Auswertungsfrage: Welche Idee favorisieren wir?
Konsensentscheidung „Wenn - Dann ! - Plakat“
Jedes Thema wird auf ein Plakat geschrieben, die Kinder schreiben
ihre Konsequenzen darunter. „Wenn dieses Thema genommen wird,
dann (... übernehme ich die Aufgabe ..., ... ändert sich ..., ... tue ich
das für das andere Thema...).“ Wichtig ist, dass die Kinder ihre Konsequenzen positiv formulieren!
Gummibärchen-Planung
Eine besonders nette und leckere Methode! Die vorgeschlagenen
Veranstaltungen werden auf einzelne Zettel aufgeschrieben. Diese
werden jeweils mit einem Teller voller Gummibärchen (so viele Gummibärchen wie anwesende Gruppenstundenmitglieder) im Raum
verteilt. Alle dürfen von den drei Teilen, auf denen ihre Lieblings-Veranstaltung liegt, jeweils ein Gummibärchen essen. Die Aktionen mit
den wenigsten übrig bleibenden Gummibärchen werden durchgeführt.
Hammelsprung
Alle stehen hintereinander in einer Reihe. Auf ein Kommando der
Gruppenleitung springen alle nach rechts oder links, wobei eine Seite
für Ja und die andere für Nein steht. Dann wird ausgezählt, wie viele
Kinder auf welcher Seite stehen. Ihr habt mehrere Vorschläge? Dann
markiert mehrere Bereiche und lasst die Kinder wie bei 1-2-oder-3
hüpfen.
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- neue Zeiten für Kinder -
Wasserstand messen
Jedes Kind enthält in einem Becher die gleiche Menge Wasser. Für jede
Anregung gibt es einen Messbecher (evtl. auch mehrere gleiche Gläser).
Die Kinder teilen das Wasser nun je nach Grad der Zustimmung zu den
Vorschlägen auf die verschiedenen Messbecher auf: bei guten Ideen kippen sie viel Wasser in den Messbecher, bei Ideen, die ihnen nicht zusagen, kein Wasser.
Tierreflexion
Ihr überlegt euch verschiedene Tiere, die teilweise für euch gute oder
schlechte Seiten haben oder vor denen ihr euch fürchtet. Jeder sucht
sich jetzt Tiere aus, die er in Verbindung mit einem Abschnitt des Tages
bringen kann. Wenn alle sich entschieden haben, erzählt jede/r, warum
er/sie sich dieses Tier ausgesucht hat und berichtet über seine Erfahrungen.
Handpuppen
Nehmt euch mehrere Handpuppen, denen ihr verschiedene Rollen gebt.
Jedes Kind kann sich nun eine Puppe nehmen und durch sie erzählen,
was ihm gefallen hat, was schlecht lief, wo es sich gelangweilt hat, was
es sich vom Gruppenleiter/in gewünscht hätte… Für jede Bewertung
gibt es eine andere Puppe.
Wollknäuel
Wer kennt dieses Spiel nicht? Ein Wollknäuel wird in einem Kreis von
Person zu Person geworfen. Wer den Wollknäuel in der Hand hat, kann
erzählen, wie ihm die Aktion, Tag usw. gefallen hat. Wenn er/sie fertig
ist, wirft er/sie ihn zum Nächsten weiter, bis alle an der Reihe waren
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Ideenplakate
Die Kinder stellen ihre Ideen kurz vor, die für alle sichtbar auf Plakate
aufgeschrieben sind. Nun entscheidet ihr euch für eine Aktion oder,
falls ihr mehrere machen wollt, legt ihr die Reihenfolge der Aktionen
fest.
1,2 oder 3
Die Ideen werden nach der Vorstellung aufgeschrieben, und nacheinander in einem 1,2 oder 3 Spiel ausgewertet, bis nur noch eine Idee
übrig ist.
Spielerische Darstellung der Ideen
Jede Gruppe wählt die Idee aus, die ihr am besten gefällt und stellt sie
den anderen mit Hilfe eines Liedes, Theaterstücks, Gedichts etc. vor.
Anschließend folgt die Entscheidung. Auch hier sollte wieder jedes
Kind die Möglichkeit haben, seine Meinung zu sagen.
Sonne, Wolken, …
Du entwirfst ein großes Plakat, auf dem du verschiedene Wetterarten
malst. Jede/r kann jetzt in die Sonne seine guten Dinge, in die Regenwolke seine schlechteren Dinge oder in die Gewitterwolke die ganz
schlechten Sachen eintragen.
Drei Äpfel
Jede/r erhält drei Äpfel (farbige Papierkreise), auf die je eine Idee geschrieben werden soll, die dem Gruppenmitglied am meisten Spaß
macht, zu deren Ausführung mit dem Gesamtlager es am meisten Lust
63
- neue Zeiten für Kinder -
hat (großes Plakat). Diese Äpfel werden an einen Baum geheftet, der
zur thematischen Orientierung verschieden beschriftete Zweige haben kann (Natur erforschen, Sport, Spiele, still sein, Orte erkunden,
bauen, basteln, Shows und Gags...).
Unsere Sache
Damit deutlich wird, „wer sein Herz an welche Sache hängt“, gibt
es für jede/n ein rotes Papierherz, das an den Lieblingsapfel geklebt
werden darf. Jedes Gruppenmitglied soll beim Herz ankleben eine
flammend leidenschaftliche Rede zu seiner bevorzugten Idee halten
und deutlich machen, warum es diese Idee super findet.
Danach sollte die Gruppe behutsam zu einer vorläufigen Wertung in
Form einer „Hitliste“ kommen, wo deutlich wird, was sie am liebsten,
zweitliebsten und drittliebsten mag. Dabei soll die Gruppenleitung
auf folgende Punkte hinweisen:
64
•
Idee anderer nicht abwerten („find‘ ich Scheiße“)
•
sein Herz nicht total an eine Sache hängen, offen für andere Ideen bleiben, keine Lust zu einer Sache haben, heißt nicht, die Person, die den Vorschlag gemacht hat, blöd zu finden.
•
Gesamtkonferenz mit Empfang, Besichtigung der Ideenbäume
der anderen Gruppen und kurzer Besprechung
•
Gruppenkonferenz mit Berücksichtigung der anderen Gruppenplanungen, auflockernde Übung zum Thema „Meine Gefühle bei
der Entscheidung des Gruppenunternehmens“ und endgültiger
Entscheidung für ein oder mehrere Unternehmen, je nachdem,
wie viel die Gruppe leisten kann.
Umsetzungshilfen
Dreimonats-Programm
Damit ihr nicht in jeder Gruppenstunde neu entscheiden müsst, ist
es sinnvoll, mehrere Gruppenstunden vorauszuplanen. Dies ermöglicht euch auch Kompromisse anzubieten, wie: heute spielen, das
nächste Mal basteln. Bei der Planung solltet ihr darauf achten, dass
die Zeiträume für eure Gruppenmitglieder überschaubar bleiben. Die
ersten Male, bei denen ihr im Voraus plant, ist es vielleicht sinnvoller,
erst mal einen Monat in den Blick zu nehmen.
Kinder-/Wandzeitung
Auf DIN A3-Plakate wird für jede Gruppenstunde die Überschrift
geschrieben, z.B. Völkerballspiel, Marionetten basteln, Waldsäuberungsaktion. Diese Themen sollen natürlich vorher von den Kindern
bestimmt werden. Die Plakate werden dann als Wandzeitung aufgehängt oder, wenn ihr keinen eigenen Gruppenraum habt, als Zeitung
mit Nadel und Faden zusammengebunden. Zu jedem Thema wird
auch dazu geschrieben, in welcher Gruppenstunde es durchgeführt
wird, wer es vorbereitet hat usw… Nach der jeweiligen Gruppenstunde schreiben dann ein bis zwei Kinder einen Bericht und kleben ihn,
eventuell mit Bildern, in die Zeitung ein.
Bilderwand
Jedes Kind malt ein Bild über seine Gruppenstundenwünsche. Die
Bilder werden dann nach dem Ablauf der Gruppenstunden sortiert.
Vorher kann vereinbart werden, dass jeder Wunsch, wenn möglich,
erfüllt wird.
65
- neue Zeiten für Kinder -
Gruppenstundenbaum
Aus Papier werden Blätter ausgeschnitten. Jedes Kind kann dann seine Wünsche auf die Blätter schreiben und an einen Ast hängen. Nach
jeder Gruppenstunde könnt ihr nun schauen, was beim nächsten Mal
gemacht werden soll. Wichtig ist, dass immer genügend Blätter beim
Ast liegen, damit die Kinder in jeder Gruppenstunde Wünsche und
Ideen aufschreiben können.
Rollenspiel
Immer zwei Kinder „spielen“ Gruppenleiter/in und stellen ihre Idee
zur Gruppenstunde vor. Dabei müssen sie ihre Ideen vorstellen, verteidigen und einen Kompromiss mit den Gruppenmitgliedern suchen.
Ist der gefunden, kommen die nächsten an die Reihe.
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Reflexionsmethoden
Pressekonferenz
Im Stil einer Pressekonferenz äußern sich die Kinder zur Aktion. Dabei werden zwei Gruppen eingeteilt, eine Reportergruppe und eine,
die befragt wird. Beide Gruppen sollen sich zunächst überlegen, was
gefragt werden soll (Reporter) und was sie zur Aktion sagen wollen
(Befragte). Nach der ersten Pressekonferenz findet ein Wechsel statt.
Im anschließenden Auswertungsgespräch stellen nun alle ihre Aufzeichnungen als Reporter vor.
Zwischenreflexion Blitzlicht
Alle erhalten einen Zettel in Form eines Blitzes. Die Aufgabe ist nun
ein Stichwort darauf zu schreiben, welches ein Gefühl benennt. Danach wird reihum vorgelesen, ohne gleich etwas dazu zu sagen. Eventuell ist noch eine Aussprache möglich, die Gefühlsstichworte können aber auch so stehen bleiben.
Lob- und Lästerhut
Bringt zwei Hüte in die Gruppenstunde mit, die die Mitglieder aufsetzen können. Wer den Lobhut auf hat, darf nur Positives sagen, beim
Lästerhut darf Kritik geübt werden. Wichtig ist, daß nur die sprechen
dürfen, die einen Hut aufhaben. Fragen dabei könnten sein:
•
•
•
•
•
Was habe ich erlebt?
Was war für mich wichtig?
Was freute mich?
Was ärgerte mich?
Wie habe ich mich in der Gruppe gefühlt?
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- neue Zeiten für Kinder -
Körperreflexion
Vor der Gruppenstunde müsst ihr einige Thesen vorbereiten, die ihr
bei der Reflexion vorlesen könnt. Die Kinder heben nun ihre Arme,
je nach Grad der Zustimmung, z.B. : Heute konnte ich in der Gruppenstunde meine Meinung sagen; Arme ganz hoch, ganz unten oder
dazwischen…
Tagesschau
Über alles, was bei der Aktion, lief wird eine Tagesschaumeldung gemacht. Der bzw. die Sprecher/in bewertet dabei die Meldung. Zum
Beispiel: „Bis wir uns für eine Aktion entschieden hatten, dauerte es
ganz schön lange. Das hat uns total genervt“. Die „Zuschauer“ können durch Abstimmungen oder Befragung ihre Meinung zur Bewertung abgeben.
Sonne, Wolken …
Jedes Kind erhält Sonne, Wolke etc. - Karten. Diese dürfen alle beschriften und sagen, was sie erfreut hat und wo sie eher im Regen
standen. Dafür kannst du eine Landkarte entwerfen mit all den Aktionen bzw. all den Dingen, die ihr gemacht habt. Lass ein paar Landschaften frei, vielleicht fällt deinen Gruppenkindern ja noch etwas
ein, woran du gar nicht gedacht hast.
Smilies
Alle Gruppenstundenaktivitäten der letzten Zeit werden auf einem
Plakat gesammelt. Mit Smilies dürfen die Kinder deutlich machen,
was ihnen gefallen hat und was nicht. Was soll beibehalten werden,
was soll verändert werden?
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Schmutzige Wäsche
Nachdem jeder ein Schiffchen gebastelt hat, werden Heck und Bug
sowie das Segel abgerissen oder abgeschnitten. Faltet man nun das
Schiff auseinander erhält man ein Hemd. Auf das saubere Hemd
werden die positiven Erlebnisse geschrieben, auf das schmutzige
die negativen. Hängen alle Hemden mit Wäscheklammer an einer
Leine, werden gemeinsam Verbesserungsideen für die schmutzigen
Hemden gesammelt und auf deren Rückseite notiert. Diese wird jetzt
nach vorne sichtbar aufgehängt.
Stimmungsbarometer
Diese Reflexion kannst du in jeder Gruppenstunde anwenden. Male
auf ein Plakat ein Barometer (unterteilt von gut bis schlecht).
Jedes Kind erhält eine Holzwäscheklammer, auf die es seinen Namen
schreibt. Am Ende der Gruppenstunde klemmt jeder seine Klammer
auf den Wert seiner Tagesform.
Schwarzes Brett mit Briefen
An einer für jeden gut zugänglichen Stelle wird ein „schwarzes Brett“
aufgestellt. Jede Gruppe schreibt abends gemeinsam einen Brief
an die anderen Teilnehmer/innen. Darin sollte stehen, was sie den
Tag über erlebt und empfunden haben. Die Briefe werden dann ans
schwarze Brett gehängt.
Meckerkasten
Im Haus oder Zelt wird ein Briefkasten aufgestellt, in den die Kinder
Briefe mit Ideen, Anregungen und vor allem Kritik einwerfen kön-
69
- neue Zeiten für Kinder -
nen.
Stofftier (für die Kleinen)
Du nimmst ein Stofftier und erzählst eine kurze Geschichte. In dieser
Geschichte berichtest du, wie das Tier heißt, wer es ist, wie es auf die
Idee kam die Gruppenstunde zu besuchen und was es von den Kindern
wissen will. Die Kinder erzählen dann ihrerseits über ihre Gruppe. Das
Tier könnte fragen: Was habt ihr in letzter Zeit in der Gruppenstunde
gemacht? Was hat euch am meisten Spaß gemacht? Was war nicht so
toll? Was würdet ihr gerne anders machen?
Freizeittagebuch
In Form einer Wandzeitung wird ein Freizeittagebuch angelegt, in dem
täglich eine Seite (Plakat aufhängen) „aufgeklappt“ wird. Jeweils eine
Gruppe beschreibt was am Tag gelaufen ist, wie es ihr gefallen hat und
war sie sich für die nächsten Tage wünscht.
Die anderen Gruppen können ihre Kommentare auf Zettel schreiben
und sie auf das Plakat des Tages kleben. Im Laufe der Freizeit entwickelt
sich so ein Tagebuch, das jedem zugänglich ist.
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