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Aygills: Bummeln und Einkaufen wie bei Tiffany - Archiv

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HAMBURG
Dienstag, 29. Februar 2000
Hamburger Abendblatt
17
„Check Inn“: Schoss der Vater auf Geldeintreiber der PKK ?
Wie geht es nach dem Blutbad vor
dem „Chek Inn“ mit der Wandsbeker Diskothek weiter? Nach
den Schüssen, bei denen wie berichtet zwei Männer ums Leben
kamen und drei weitere verletzt
wurden, ist eine Diskussion um
die mögliche Schließung der Disco entbrannt. Denn immer wieder war es im „Check Inn“ zu Gewalt gekommen
Die CDU-Politiker Karl-Heinz
Warnholz und Gerhard Fuchs haben sich für eine Schließung ausgesprochen − wenn die Untersuchung der jüngsten Vorfälle ergeben sollte, dass das „Check Inn“
ein „Kristallisationspunkt der
Kriminalität“ sei.
Dazu
Wolfgang
Schultz,
Rechtsdezernent des Bezirksamts Wandsbek: „Wir warten
noch auf den Bericht des Landeskriminalamtes. Sollten die ge-
häuften Straftaten der letzten
Jahre in Beziehung zum Betrieb
des Lokals stehen, können wir es
schließen.“ Die rechtliche Handhabe liefere das Gaststättengesetz.
Die tödlichen Schüsse hatte der
Vater des Betreibers, Kenan C.
(55), abgegeben. Doch was waren
die Hintergründe? Mitglieder der
Familie C. haben offenbar Angst,
etwas zu sagen. „Die haben viel
Macht“, munkelt eine Frau, die in
den Clan eingeheiratet hat. Der
Besitzer des „Check Inn“, Murat
C., war gestern nicht zu erreichen. Er könnte das Motiv erhellen − sein Vater schweigt immer
noch beharrlich.
Möglich, dass es um einen
Streit über die Besitzverhältnisse
der lukrativen Disco ging. Oder
um eine gravierende Ehrverletzung, die unter Türken eine gro-
Aygill’s: Bummeln und
Einkaufen wie bei Tiffany
ße Bedeutung hat. Aber die Kripo
ermittelt auch in Richtung einer
Schutzgelderpressung.
Waren
die Männer, auf die Kenan C.
nach einem Streit vor der Disco
schoss, Geldeintreiber für die
verbotene Arbeiterpartei PKK?
Wollte der Vater vielleicht seinen
Sohn vor Erpressern schützen?.
Noch ermittelt die Kripo in diesem mysteriösen Fall in alle Richtungen.
tor / ph / kj
HAMBURG
GESCHÄFTLICH
Klaus-Christian Schulze-Schlichtegroll
Kurz notiert
Designer Sean St. Lewis
(unten l.), Geschäftsführerin
Karahan (r.) und Models.
Donnerstag, 2. März:
Eröffnung des Windsor Stores
am Neuen Wall 20 mit Werken
der Grand Dame der modernen Kunst, Louise Bourgeois.
Textilien, Accessoires,
Stilvolles zum Wohnen
− 40 Kollektionen in
raffiniertem Ambiente
bietet das Geschäft an
der Mönckebergstraße.
D
ie Mönckebergstraße hat
von morgen an ein neues
Textilgeschäft:
Aygill’s.
Wieder so ein cooler Klamottenladen, wie es sie weltweit in kaum
noch erkennbaren Differenzierungen in allen Metropolen gibt?
Irrtum: Aygill’s ist eine löbliche
Ausnahme.
Geradezu eine Seelenmassage
für Einkaufsbummler. Ist es zunächst doch nicht einmal die Ware, sondern die Architektur des
1800-Quadratmeter-Ladens mit
seinem atriumähnlichen, acht
Meter hohen Vorraum, der den
ersten Eindruck bestimmt. Eine
gewaltige Ringlampe überspannt
das Entree, das bereits den ersten
Blick in das Obergeschoss erlaubt.
Das Spiel von Licht, Farben,
runden Formen und harmonierenden Materialien zieht sich
durch das gesamte Geschäft. In
sich geschlossene und dennoch
offene Räume beherbergen die
sechs unterschiedlichen Bekleidungsthemen, Accessoires und
Stilvolles zum Wohnen. Die beiden Verkaufsebenen werden
durch zwei Treppenaufgänge
verbunden, in deren Mitte die
Hauptkasse ihren Platz gefunden
hat. Das komplette Mobiliar wurde eigens für Aygill’s entwickelt
und gebaut.
„Wir wollen unseren Kunden
das 1000-Mark-Einkaufserlebnis
geben, das aber nur 298 Mark
kostet“, sagt Geschäftsführerin
Ayda Karahan. Das vorwiegend
aus Frauen bestehende Team
hinter der Marke will Frauen ansprechen. Männer nur dann,
wenn sie für ihre bessere Hälfte
ein Geschenk, ein Mitbringsel, eine Überraschung suchen.
Etwa 40 unterschiedliche Kollektionen, Storys genannt, sollen
die Weiblichkeit ständig neugierig halten und zum Kauf verführen. Die Themen zur Eröffnung
lauten beispielsweise „Urban
Cowboy“, „Belle de Jour“, „Odyssee“, „Move“ oder „Molecule“.
Designer Sean St. Lewis: „Aygill’s
holt seine Inspiration aus Kunst,
Literatur, Musik und von der
Straße“.
So wurde das Modethema
„Belle de Jour“ aus edlen Materialien wie Kaschmir, Pashmina,
Wildleder und Chiffon kreiert und
soll an die Filmikonen der 60erJahre mit Catherine Deneuve und
Audrey Hepburn erinnern.
Das Geschäft an der Mönckebergstraße ist erst der Anfang.
Die P&C-Tochter Aygill’s hat große Pläne. Der hier betriebene
Aufwand soll sich nach weiteren
Expansionen amortisieren − sofern das Konzept einschlägt.
Sonnabend, 4 März:
22 Uhr: Start des „Wäscherei
Clubs“ (East Side Lobby, Große Freiheit 6) des trendigen
Möbelhauses Die Wäscherei.
Alle zwei Monate finden jeweils sonnabends Partys statt,
bei denen auch neue Kollektionen vorgestellt werden.
Eintritt 12 Mark.
Montag, 6. März:
Mitarbeiter des Polizeikommissariats 36 beraten und informieren im City-Center
Steilshoop zu Themen um Sicherheit und Ordnung. Neben
täglichen Aktionen können
Funkstreifenwagen und Polizeimotorrad besichtigt werden, ein Rauschgift- und ein
Sprengstoffhund zeigen ihre
Arbeit und an einem Alcomaten können Besucher ihren
Promillegehalt testen (bis 11.
März).
Spezialschuhe
für Maßeinlagen
Die meisten Menschen haben
Probleme mit ihren Füßen und
ignorieren es dennoch standhaft. Die Lösung: Gesundheitsschuhe und Spezialanfertigungen. Aber die sind leider
meistens nicht modisch und
werden deshalb meist erst im
absoluten Ernstfall getragen.
Das Schuhhaus Werner am
Steindamm 10, Europas größter Spezialist für Marken-Spezialschuhe, hat sich der Thematik angenommen und eröffnet heute um 9 Uhr einen
„Trendshop“.
Die hier verkauften Spezialschuhe für Maßeinlagen dienen der Fußgesundheit und
sind nicht nur funktionell, sondern auch modisch. Hersteller
aus Deutschland und Italien
haben speziell für Werner unter
den
Markennamen
„Trendline“ und „Primavera“
elegante Komfortschuhe produziert, in denen problemlos
Maßeinlagen getragen werden können. Darunter Modelle
für besonders schmale und für
breitere Füße.
Unter der riesigen Perlmuttlampe im Tiffany-Stil liegt die zentrale Verkaufsfläche, von der aus die übrigen Räume abzweigen.
Neue Mannschaft, neuer Name: Aus „Chez Adriano“ wurde „Lanai“
Zweiter Versuch: „Chez Adriano“
heißt jetzt „Lanai“. Nachdem sich
Gerhard Jäcker im Januar vom
Pianisten Adriano Constantinescu und mit einer Ausnahme von
der kompletten Mannschaft der
neuen Bar am Neuen Wall 31
nach gut einer Woche getrennt
hatte, wird morgen mit neuer Be-
setzung unter neuem Namen wieder eröffnet. Über die Gründe der
Auseinandersetzung will Jäcker
nicht sprechen: „Für mich ist
wichtig, dass wir morgen um
11.30 Uhr neu beginnen können.
Allerdings werden wir zunächst
nur das Restaurant betreiben.
Über Mittag gibt es eine leichte,
schnelle Küche für Büroangestellte zu akzeptablen Preisen.
Speisen kann man nicht nur drinnen, sondern auch auf dem überdachten Balkon mit Blick auf den
Rathausmarkt und die Alsterschleuse.“ Vom Balkon des Restaurants, dessen Nachtbar erst
einen Monat später eröffnen soll,
wurde auch der Name „Lanai“
abgeleitet. Lanai ist nicht nur die
sechstgrößte bewohnte Insel von
Hawaii, sondern heißt in der Landessprache der Südseeinsel auch
Balkon, Veranda oder Terrasse.
In den Sommermonaten soll auch
der Alsterwanderweg mit rund
90 Plätzen belebt werden.
LESERBRIEFE
An das Hamburger Abendblatt, Brieffach 2110, 20350 Hamburg − E-Mail: briefe@abendblatt.de
Erstarrtes System
„Computerboom: 30 000 Experten aus
dem Ausland“, „Warum neue Gastarbeiter?“ und „Schulen sind die Bremser“,
Hamburger Abendblatt, 24., 25. und 26. /
27. Februar
Die Ursache der Fachkräftemisere liegt in einem erstarrten, realitätsfremden und gleichgültigen
Bildungssystem, der falschen
Einstellung vieler Professoren
und falsch gesetzten Rahmenbedingungen (unpassende Prüfungsordnungen) durch Politiker.
Es wird durch unsinnige Barrieren, wie weltfremde Prüfungsordnungen, begrenzte Wiederholungsmöglichkeiten nicht bestandener Klausuren sowie Bürokratismus unsinnig erschwert, ein
technisches Studium erfolgreich
zu absolvieren. Es bleibt als Student nur: Schikanen ertragen,
sinnlose Prüfungen auch wiederholt absolvieren (und finanzieren), lange Jahre studieren und
dann mit 40 Jahren Taxi fahren
oder kellnern!
Klaus H. Schädel, Ahrensburg
Industrie gefragt
Jetzt reichts! Wann hören Sie und
die Industrie endlich auf, auf die
armen Schulen und Lehrer einzuschlagen? Was sollen Schulen,
deren Schulzeit verkürzt werden
soll, noch alles leisten? Rechnen,
Schreiben, Lesen, soziale Kompetenz, Lebensvorbereitung, Erziehung von Kindern, vorbereitende
LL
Berufsausbildung . . . Die Industrie muss Eigenverantwortung
für den Mangel übernehmen.
Menschen aus- und weiterbilden
und nicht ständig wiederholend
jammern: „Die können nichts, die
lernen das Falsche“ oder „die
sind zu alt“. Schulen werden bei
uns durch die Industrie großzügig mit Computerschrott unterstützt. Also liebe Unternehmer,
jammert nicht, sondern unternehmt endlich aktiv etwas gegen
die von euch genannten Mängel.
Dann gehts auch aufwärts.
Uwe Köster-Kettel (45), Dipl.Ing., per E-Mail
Offenbarungseid
Bremser sind die mangelnde
Fachkompetenz der politisch
Verantwortlichen und der Durchführer in Schulbürokratien. Solange geglaubt wird, dass das einfache Hinstellen von Computern
das Problem löst, wird sich der
Rückstand, den die Schulen jetzt
schon haben, in den nächsten
Jahren vervielfachen. Wenn nicht
wenigstens sofort, unbürokratisch und weitblickend „Kommunikationslehrer“ in den Schulen
etabliert werden, die nur die Aufgabe der Anleitung von Kollegen,
Fortbildung und Pflege haben,
bleibt Hamburg das Schlusslicht
der Entwicklung. Es ist ein gesellschaftlicher
Offenbarungseid,
dass wir fremde „Intelligenz“ einkaufen müssen.
Jochen Wortelker, Informatiklehrer, per E-Mail
Mit 40 zu alt
Eine tolle Sache, 30 000 ausländische Programmierer ins Land
zu rufen, bei über vier Millionen
Arbeitslosen. Doch sie sind ja alle
zu alt, zu blöde und vielleicht zu
teuer. Eigene Bildungsanstrengungen zählen nicht mehr, wozu
auch Umschulungsinitiativen und
Fortbildung, die jetzigen Arbeitslosen sollen wahrscheinlich bleiben, wo sie sind − ausgesperrt von
der Internet-Euphorie. Das passt
in das Bild dieses Kanzlers:
Schnell mal hier ’ne Chefsache,
schnell mal eine medienwirksam
dort. An die Arbeitslosen wird
höchstens mit Phrasen gedacht,
und mit 40 ist man sowieso zu alt
für die neuen Medien.
Andreas Vennewald, per E-Mail
Politiker als Bremser
Man mag es einfach nicht glauben. Jetzt sollen die Schulen die
Bremser auf dem Weg zu besseren
Informationstechnologien
sein. Seit mehr als einem Jahrzehnt bestürmen Eltern, Schüler,
Lehrer, Gewerkschaften und Bildungswissenschaftler die Landesregierungen, endlich mit veränderter Einstellungspolitik da-
für zu sorgen, dass junge Lehrer
in die Schulen kommen − junge
Lehrer, die durch eine überaus
effiziente (und teure!) Ausbildung
hoch qualifiziert, vor allem aber
neuen Techniken und Inhalten
gegenüber aufgeschlossen sind.
Gerhard Schröder hat bis heute
nicht begriffen, dass die wichtigste Ressource eines Landes im
Wettbewerb um Standortvorteile
die Bildung ist. Wer die vernachlässigt, sollte heute öffentlich eingestehen, dass er als Politiker
versagt hat. Die Schulen sind
nicht die Bremser, sondern unfähige Politiker!
Gudo Mattiat, Rosengarten
Qualifizieren
Nun wird wieder das Anwerben
von Gastarbeitern erwogen. Der
Unterschied zu den 60er-Jahren:
Damals herrschte allgemeiner
Arbeitskräftemangel. Heute haben wir alles andere als Vollbeschäftigung. Wenn trotzdem
Fachkräfte fehlen, müssen Nachfrager auf dem Arbeitsmarkt entsprechend qualifiziert werden,
bevor man sich erneut Ausländer
hereinholt. Es ist ja nicht damit
getan, den Arbeitsmarkt zu bedienen. Man muss auch bedenken, welche Änderungslawine
man damit bei den Sozialstrukturen auslöst. Schließlich haben die
schlechten Erfahrungen, die wir
Diese Zuschriften geben lediglich die Meinung der Einsender wieder. Kürzungen und orthografische Angleichung vorbehalten.
<>
Nr. 50
Seite 17
2
da mitmachen mussten, zu einer
weit verbreiteten Ausländerfeindlichkeit geführt.
Jochen Ebert, 20253 Hamburg
Taube Ohren
Selbstverständlich sind die unflexiblen, technikfeindlichen Lehrer
wieder schuld am Dilemma. „Alle
haben geschlafen“, meint der
Bundeskanzler. Wir an unserer
Schule jedenfalls nicht! Wir sind
aber, wie viele andere Schulen
auch, überall auf Schläfer gestoßen. Unsere Angebote der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft
stießen auf taube Ohren, unsere
gewaltigen
Anstrengungen,
Sponsoren zu finden, blieben erfolglos, auf unsere fast flehentlichen Bitten: „Unterstützt uns mit
guter Ausstattung, wir wollen unsere SchülerInnen fit machen für
die
Informationsgesellschaft!“
wurde nicht reagiert. Die Handelskammer vermisst alleine in
Hamburg 6000 Fachkräfte in der
IT-Branche. Wie wäre es, hier
einmal Firmen zu gewinnen, die
in großem Maß mit den innovationsbereiten Schulen zusammenarbeiten? Nicht die ausgemusterten 486er-PC helfen uns,
sondern ernsthafte, umfassende
Unterstützung seitens der Firmen und die Entwicklung eines
konstruktiven Kooperationsmodells.
Uwe Stühmer, OStR, Netzadministrator Gymnasium WichernSchule, per E-Mail
Schwarz
E-Blau
E-Rot
E-gelb
L
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