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KLASSIFIZIERUNG
Grundlagen
So genau wie möglich
Der GEBEKlassifizierungshelfer
■
Teil 1
Elisabeth Hoffmann, Frankfurt
B. Gattungseintragungen für genau definierte Gruppen (nach Verwendungszweck)
von Stoffen oder Gegenständen, z.B.:
● UN 1263 FARBE
● UN 2570 CADMIUMVERBINDUNG
● UN 3104 ORGANISCHES PEROXID,
TYP C, FEST
In vielen Firmen ist die Klassifizierung größerer Gefahrgut-Mengen
gut geregelt. Schwierigkeiten haben eher die gelegentlichen Versender kleiner Mengen. Doch stets muss sorgfältig eingestuft werden.
Gefahrgut – ja oder nein: Um eine solche
„einfache“ Frage zu beantworten, muss man
die Einstufung des Gefahrgutes kennen, die
UN-Nummer, die Gefahrgutklasse und gegebenenfalls die Verpackungsgruppe.
Angaben über die Klassifizierung nach den
Gefahrgutvorschriften findet man zum Beispiel im Sicherheitsdatenblatt, Abschnitt 14.
Neue Produkte müssen erst klassifiziert werden, um feststellen zu können, wie man sie
transportieren kann. Ohne Informationen
über Zusammensetzung und Eigenschaften
des Produktes ist eine verantwortungsbewusste Klassifizierung nicht möglich.
Rechtliche Grundlagen
Gefährliche Güter können mit verschiedenen
Verkehrsträgern befördert werden. Die
Bedingungen hierzu sind in den einzelnen
Regelwerken (siehe Abbildung) aufgeführt.
Diese internationalen Übereinkommen werden mit den Verordnungen GGVSE für
Straßen-, Schienentransport und GGVSee für
Seetransport ins deutsche Recht überführt.
Die Transportvorschriften sind seit 2000
harmonisiert. Sie basieren auf den Empfehlungen der Vereinten Nationen – UN Recommendation on the Transport of Dangerous
Goods, Model Regulations. Diese Modellvorschriften werden in zwei Bänden in zweijährigen Abständen veröffentlicht. Das Buch hat
ein orangefarbiges Deckblatt, deshalb wird
es auch Orange Book genannt. Die Vorgaben
zur Klassifizierung sind in den verschiedenen
Regelwerken seit der Harmonisierung fast
identisch.
Klassifizierung - rechtliche Grundlagen
aus: CD-ROM Trainerfolien, Storck Verlag
Gefährliche Güter müssen richtig eingestuft,
„klassifiziert“ werden, wenn man sie befördern will. Mitarbeiter, die mit größeren Mengen Gefahrgut zu tun haben, wissen das, sie
werden auch immer wieder geschult. Doch
was ist mit denen, die nur mal 300 Milliliter
versenden? Müssen sie die Gefahrgutvorschriften beachten?
Die Empfehlungen der Vereinten Nationen (Orange
Book) stehen Modell für die Verkehrsträger-Regelungen ADR, RID, IATA-DGR, IMDG-Code, ADNR. Die
Klassifizierungsvorschriften stimmen fast vollständig
überein.
Die Klassen: Die gefährlichen Güter sind
nach ihren Eigenschaften in neun Klassen
eingestuft. So gehören explosive Stoffe in die
Klasse 1 und entzündbare Flüssigkeiten in die
Klasse 3. Einige Klassen sind weiter unterteilt,
zum Beispiel die Klasse 4 in Klasse 4.1 mit
entzündbaren festen Stoffen, Klasse 4.2 mit
selbstentzündlichen Stoffen und Klasse 4.3
mit Stoffen, die in Berührung mit Wasser entzündbare Gase bilden. Da einige Stoffgruppen aufgrund ihrer Eigenschaften in verschiedene Klassen passen würden, wird die Entscheidung darüber, in welche Klasse sie letztlich aufgenommen werden, von den Vereinten
Nationen getroffen. So wurden die selbstzersetzlichen Stoffe in die Klasse 4.1 aufgenommen. Solche Entscheidungen werden dann in
alle Regelwerke eingearbeitet. Mit diesem Vorgehen ist gewährleistet, dass die gefährlichen
Güter bei den unterschiedlichen Verkehrsträgern gleichermaßen klassifiziert werden.
Die UN-Nummern: Die gefährlichen Güter
sind in den einzelnen Klassen Eintragungen
mit UN-Nummern zugeordnet. Es gibt vier
verschiedene Arten von Eintragungen.
A. Einzeleintragungen für
genau definierte Stoffe oder
Gegenstände, z.B.:
● UN 1017 CHLOR
● UN 1203 BENZIN
● UN 1906 ABFALLSCHWEFELSÄURE
C. Spezifische n.a.g.-Eintragungen
(nicht anderweitig genannt in der Vorschrift),
die eine Gruppe von Stoffen oder Gegenständen von bestimmter chemischer oder
technischer Beschaffenheit umfassen, z.B.:
● UN 1987 ALKOHOLE, N.A.G.
● UN 2902 PESTIZID, FLÜSSIG, GIFTIG,
N.A.G.
● UN 3259 AMINE, FEST, ÄTZEND, N.A.G.
D. Allgemeine n.a.g.-Eintragungen, die
eine Gruppe von Stoffen oder Gegenständen
mit einer oder mehreren gefährlichen Eigenschaften umfassen, z.B.:
● UN 1759 ÄTZENDER FESTER STOFF,
N.A.G.
● UN 1993 ENTZÜNDBARER FLÜSSIGER
STOFF, N.A.G.
● UN 3077 UMWELTGEFÄHRDENDER
STOFF, FEST, N.A.G..
Die unter B, C und D aufgeführten Eintragungen werden Sammeleintragungen genannt.
!
Die Klassifizierung erfolgt in der Reihenfolge von A bis D. Sie muss so
spezifisch wie möglich sein.
Die Abfälle werden aufgrund ihrer
gefährlichen Eigenschaften meist
einer allgemeinen n.a.g.-Eintragung
zugeordnet.
Die Verpackungsgruppen: Aufgrund ihres
Gefahrengrades (Ausnahmen sind die Klassen 1; 2; 5.2; 6.2 und 7 sowie selbstzersetzliche Stoffe der Klasse 4.1) sind die Gefahrgüter folgenden Verpackungsgruppen zugeordnet:
● Verpackungsgruppe I: Stoffe mit hoher
Gefahr
● Verpackungsgruppe II: Stoffe mit mittlerer
Gefahr
● Verpackungsgruppe III: Stoffe mit geringer Gefahr
Mehr Informationen?
www.der-gefahrgut-beauftragte.de
Der Gefahrgut-BEAUFTRAGTE 17. Jahrgang, Heft 2, Februar 2006
5
KLASSIFIZIERUNG
Physikalischer Zustand
von Stoffen
Fester Stoff
Betroffene Klassen:
alle, außer Klasse 2 und 3
●
●
Schmelzpunkt oder Schmelzbeginn
über 20 °C bei einem Druck von
101,3 kPa oder
nach dem Prüfverfahren ASTM D
4359-90 nicht flüssig oder nach den
Kriterien des in Abschnitt 2.3.4
ADR/RID beschriebenen Prüfverfahrens für die Bestimmung des
Fließverhaltens (Penetrometerverfahren) dickflüssig.
Flüssiger Stoff
Betroffene Klassen:
alle, außer Klasse 2
●
●
●
●
Dampfdruck bei 50 °C höchstens
300 kPa (3 bar) und bei 20 °C und
einem Druck von 101,3 kPa nicht
vollständig gasförmig und
Schmelzpunkt oder Schmelzbeginn
20 °C oder darunter bei einem Druck
von 101,3 kPa oder
nach dem Prüfverfahren ASTM D
4359-90 flüssig oder
nach dem Penetrometerverfahren
nicht dickflüssig (Abschnitt 2.3.4.
ADR/RID).
Gasförmiger Stoff
Betroffene Klassen:
Klasse 2 und 7
●
●
Dampfdruck mehr als 300 kPa (3
bar) bei 50 °C oder
vollständig gasförmig bei 20 °C und
dem Standarddruck von 101,3 kPa.
Die ersten Schritte zur
Grundsätze der Klassifizierung
Die Vorschriften über die Klassifizierung
befinden sich in Teil 2 der Straßen-, Schienen-, Binnenschiffs- (ADR/RID/ADNR) sowie
Seetransportvorschriften (IMDG-Code) und in
Abschnitt 3 der Lufttransportvorschriften.
Im Folgenden werden Beispiele mit Hilfe der
Straßen- und Schienentransportvorschriften
besprochen. Auf eventuelle Abweichungen
bei den anderen Verkehrsträger wird hingewiesen.
Kriterien der Klassen: Die gefährlichen
Güter werden den Klassen zugeordnet. Die
Zuordnung zur jeweiligen Klasse und einer
Verpackungsgruppe erfolgt nach den
Begriffsbestimmungen und Kriterien der
Klasse. Sie findet man im ersten Unterabschnitt jeder Klasse in 2.2.x.1 ADR/RID,
wobei x für die entsprechende Nummer der
Klasse steht.
Mehrwert
für unsere Abonnenten!
In diesem Monat finden Sie in unserem Downloadbereich Folien für
eine Übung zur Klassifizierung
nach ADR, die zur Schulung beauftragter Personen eingesetzt werden
können. Den Downloadbereich finden Sie auf unserer Website www.
der-gefahrgut-beauftragte.de.
Lösungen für Gefahrgutbeauftragte.
in 2.2.x.2 ADR/RID zu finden. Wenn die
Beförderung des Gefahrgutes nicht verboten
ist, wird in dieser Klasse so spezifisch wie
möglich eine UN-Nummer gewählt. Dabei
müssen alle gefährlichen Eigenschaften des
Gefahrgutes berücksichtigt werden. Die
möglichen UN-Nummern der SammeleintraMehrere Gefahr-Eigenschaften: Hat ein
gungen einer Klasse stehen im dritten UnterGefahrgut mehrere gefährliche Eigenschafabschnitt 2.2.x.3 ADR/RID.
ten, muss jede einzeln geprüft werden. Die
Zur Probe für die richtige Klassifizierung prüft
Entscheidung, in welche Klasse und Verman anhand der Tabelle A in Kapitel 3.2, welpackungsgruppe der Stoff einzustufen ist,
che Gefahrzettel nach der Tabelle auf das
wird anhand der Tabelle der überwiegenden
Versandstück angebracht sein müssen. Bei
Gefahr in Unterabschnitt 2.1.3.10 ADR/RID
richtiger Klassifizierung weisen die Gefahrzetermittelt. Diese Tabelle ist in den
tel auf alle vom Gefahrgut ausgeVorschriften der verschiedenen
henden Gefahren hin.
Tabelle der
Verkehrsträger zwar ähnlich,
überwiegenden
aber nicht identisch. Es wäre
Ergebnis der KlassifizieGefahr für den rung: UN-Nummer mit Benenwünschenswert, wenn im Zuge
jeweiligen Ver- nung, Nummer der Gefahrzettel,
der weiteren Harmonisierung
kehrsträger
der Vorschriften diese UnterVerpackungsgruppe. Die erste
schiede behoben würden.
Gefahrzettelnummer gibt die
heranziehen
Klasse an, die anderen NumBeförderungsverbote beachten: Hat
mern, die im Beförderungspapier in Klamman die Klasse und die Verpackungsgruppe
mern erscheinen müssen, weisen auf die
ermittelt, wird in dieser Klasse geprüft, ob die
Nebengefahren hin. Im Beförderungspapier
Beförderung eventuell verboten ist. Die zur
steht z.B. „UN 2359 DIALLYLAMIN, 3
Beförderung nicht zugelassenen Stoffe sind
(6.1+8), II“. Das heißt, Diallylamin ist in der
im zweiten Unterabschnitt jeder Klasse, also
Klasse 3 (entzündbare flüssige Stoffe) und
hat zusätzlich giftige und ätzende Eigenschaften. Außerdem ist Diallylamin der Verpackungsgruppe II zugeordnet, das bedeutet
Klassifizierung
nach den Kriterien der Klasse 3 einen Siedepunkt über 35°C und einen Flammpunkt
unter 23°C. Die gefährlichen Güter können
fest, flüssig oder gasförmig sein. Die Tabelle
zeigt diese Begriffe und die in Frage kommenden Klassen für den entsprechenden
physikalischen Zustand.
❍
!
Elisabeth Hoffmann ist
Diplomchemikerin. Sie ist
wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der BG Chemie,
zuständig für Gefahrguttransport.
Im zweiten Teil unserer
Serie erläutert sie, wie namentlich genannte
Gefahrgüter und nicht namentlich genannte
Stoffe und Zubereitungen eingestuft werden.
6
Der Gefahrgut-BEAUFTRAGTE 17. Jahrgang, Heft 2, Februar 2006
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