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Alain de Botton Wie man richtig an Sex denkt - Random House

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Alain de Botton
Wie man richtig an Sex denkt
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Alain de Botton
Wie man richtig
an Sex denkt
Kleine Philosophie
der Lebenskunst
Herausgegeben von
Alain de Botton und der SCHOOL OF LIFE
Aus dem Englischen von
Silvia Morawetz
KAILASH
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Die britische Originalausgabe erschien 2012 unter
dem Titel »How to Think More about Sex« bei Macmillan,
einem Imprint von Pan Macmillan, London.
Verlagsgruppe Random House FSC-DEU-0100
Das für dieses Buch verwendete FSC-zertifizierte Papier
EOS liefert Salzer Papier, St. Pölten, Austria.
1. Auflage
Deutsche Erstausgabe
© 2012 der deutschsprachigen Ausgabe
Kailash Verlag
in der Verlagsgruppe Random House GmbH
© 2012 The School of Life
Lektorat: Jan Valk
Umschlaggestaltung: WEISS WERKSTATT MÜNCHEN
unter Verwendung verschiedener Motive von © Shutterstock
Satz: EDV-Fotosatz Huber/Verlagsservice G. Pfeifer, Germering
Druck und Bindung: CPI – Moravia, Pohoˇrelice
Printed in Czech Republic
ISBN 978-3-424-63064-0
www.kailash-verlag.de
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Inhalt
I
Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
7
II Die Freuden der Sexualität . . . . . . . . . . . . . .
1 Erotik und Einsamkeit. . . . . . . . . . . . . . . .
2 Kann Sex-Appeal objektiv fundiert sein? .
3 Natalie oder Scarlett? . . . . . . . . . . . . . . . . .
21
23
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III Die Probleme der Sexualität . . . . . . . . . . . . . 89
1 Liebe und Sex . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
2 Zurückweisung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
3 Mangelnde Lust . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
4 Pornographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148
5 Ehebruch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174
IV Schluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203
Hausaufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212
Bildnachweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 218
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I Einleitung
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1.
Es gibt wohl kaum einen Menschen, der nicht irgendwann im Leben einmal das Gefühl gehabt hätte, dass
mit seiner Sexualität etwas nicht stimmt. Meist quält
es uns insgeheim – nachdem eine Beziehung gescheitert ist vielleicht, oder wenn wir frustriert neben
unserem Partner im Bett liegen und keinen Schlaf
finden. Die Sexualität ist der Bereich, in dem die
meisten von uns tief im Innern schmerzlich spüren,
dass sie doch ziemlich unnormal sind. Obwohl die
Sexualität zum Kern unserer Privatsphäre gehört, ist
sie dennoch einer Reihe von Vorstellungen unterworfen, die mit starker sozialer Verbindlichkeit festlegen,
was normale Menschen darüber zu denken und wie
sie damit umzugehen haben.
In Wirklichkeit jedoch entspricht kaum jemand
auch nur im Entferntesten einer sexuellen Norm.
Wir schlagen uns fast alle mit Schuldgefühlen und
Neurosen herum, mit Phobien und störenden Begierden, mit Gleichgültigkeit und Ekel. Niemand
geht sein Sexualleben so an, wie wir es sollten: als
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vergnügliches Unternehmen, das man einfach fröhlich, unverkrampft und lässig betreibt wie alle anderen eben – sagen wir uns gequält. Denn wir weichen
alle ab – allerdings nur, wenn wir die stark verzerrten
Idealvorstellungen von Normalität als Maßstab nehmen.
Angesichts dieses weit verbreiteten Unbehagens
ist es bedauerlich, dass nur selten an die Öffentlichkeit gelangt, wie es um unser Sexualleben wirklich
steht. Das meiste von dem, was unsere sexuelle Identität ausmacht, können wir mit niemandem besprechen, der eine gute Meinung von uns haben soll.
Männer und Frauen teilen einem Menschen, den sie
lieben, instinktiv nur einen Bruchteil ihrer Wünsche
mit, weil sie – oftmals begründet – befürchten, bei ihrem Partner Abscheu auszulösen. Vermutlich können
wir sehr viel leichter über den Tod reden als über diese »gewissen Dinge«.
In einem philosophischen Buch über Sexualität
kann es daher nicht vordringlich darum gehen, nach
Rezepten zu suchen, wie wir intensiver oder häufiger
Sex erleben können, sondern vielmehr Anregungen
zu geben, wie wir durch eine gemeinsame Sprache
das quälende Gefühl des Ungenügens abbauen kön10
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nen, das daraus entspringt, dass wir uns entweder danach sehnen, mehr Sex zu haben, oder Sex angestrengt ausweichen.
2.
Das Unbehagen, das wir bei der Sexualität empfinden, wird meist noch dadurch verstärkt, dass wir bekanntermaßen im Zeitalter der Freiheit leben – und
die Sexualität folglich mittlerweile eine unkomplizierte Sache sein sollte, die uns keinerlei Probleme bereitet.
Die Befreiung von unseren Fesseln ging – wenn
man der klassischen Erzählung folgt – etwa so vonstatten: Jahrtausende lang bestimmten überall auf der
Welt religiöse Heuchelei und strenge soziale Kontrolle
unser Leben, eine teuflische Kombination, die zur Folge hatte, dass die Menschen in Bezug auf ihre Sexualität tief verwirrt waren und sich völlig grundlos mit
Schuldgefühlen herumschlugen. Sie glaubten, ihre
Hände würden abfallen, wenn sie masturbierten. Sie
waren überzeugt, in Kesseln voll heißem Öl schmoren
zu müssen, weil sie auf die nackten Fesseln einer Frau
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geschielt hatten. Sie wussten nicht, was es mit der
Erektion oder der Klitoris auf sich hat. Es war lächerlich.
Irgendwann zwischen dem Ersten Weltkrieg und
dem Sputnik-Schock wendeten die Dinge sich zum
Besseren. Der Bikini setzte sich durch; man gab offen
zu, dass man masturbierte; das Wort Cunnilingus
konnte öffentlich ausgesprochen werden; der Konsum von Pornofilmen stieg mächtig an, und alle
gingen nun ganz ungezwungen an ein Thema heran, das – mittlerweile kaum noch zu verstehen –
den größten Teil der Menschheitsgeschichte die Ursache überflüssiger neurotischer Frustrationen gewesen war. Sexuelle Beziehungen unbeschwert und
lustvoll eingehen zu können wurde in der Moderne
eine so geläufige Erwartung, wie es Beklemmung und
Schuldgefühle in früheren Epochen gewesen waren.
Sex galt nun als nützlicher, erfrischender und körperlich belebender Zeitvertreib, ein bisschen wie Tennis – etwas, was jeder so oft wie möglich betreiben
sollte, um den Stress des modernen Lebens abzubauen.
Sosehr diese Geschichte von Aufklärung und Fortschritt uns Ungläubigen auch schmeicheln mag, die
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wir große Stücke auf die Kraft unserer Vernunft und
unserer Gefühle halten, eine Tatsache lässt sie bequemerweise außer Acht: leicht wird sexuelle Befreiung
niemals sein, das dürfen wir nicht erwarten. Es ist
schließlich kein Zufall, dass die Sexualität uns Jahrtausende lang so zu schaffen gemacht hat. Repressive
religiöse Vorschriften und soziale Tabus entstanden
aufgrund bestimmter Aspekte unserer Natur, die sich
nicht einfach fortwünschen lassen. Die Sexualität beunruhigt uns, weil sie eine von Grund auf zerstörerische, überwältigende und verrückte Kraft ist, die den
meisten unserer sonstigen Bestrebungen zuwiderläuft und sich nicht reibungslos in das Leben einer
zivilisierten Gesellschaft integrieren lässt.
Trotz aller Bemühungen, der Sexualität ihre seltsamen Eigenheiten auszutreiben, wird sie niemals so
unproblematisch und nett sein, wie wir es gern hätten. Sie ist nicht prinzipiell demokratisch und gutartig; Grausamkeit, Grenzüberschreitungen und das
Verlangen nach Unterwerfung und Demütigung sind
ihr wesenhaft eingeschrieben. Sie ist nicht die hübsche Krönung der Liebe, wie wir es gern hätten. Allen
Zähmungsversuchen zum Trotz gelingt es der Sexualität immer wieder, unser Leben ins Chaos zu stür13
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zen. Sie bringt uns dazu, Beziehungen zu zerstören,
gefährdet unser Leistungsvermögen und nötigt uns,
bis tief in die Nacht in Nachtklubs herumzusitzen
und mit Menschen zu plaudern, die wir zwar nicht
mögen, aber unbedingt da anfassen wollen, wo das
bauchfreie Oberteil endet. Die Sexualität steht nach
wie vor in einem grotesken und vielleicht unlösbaren
Widerspruch zu unseren wichtigsten Bindungen und
Werten. Die meiste Zeit bleibt uns – was kaum überrascht – nichts anderes übrig, als sie zu unterdrücken.
Wir sollten akzeptieren, dass die Sexualität von Natur
aus ziemlich seltsam ist, statt uns Vorwürfe zu machen, wenn wir ihren verwirrenden Impulsen nicht
einfach nachgeben.
Das soll nicht heißen, dass wir nicht dazulernen
können. Wir sollten uns nur klarmachen, dass wir die
Schwierigkeiten, mit denen die Sexualität uns konfrontiert, niemals vollends überwinden werden. Das
Vernünftigste wäre, dieser anarchischen und unnachgiebigen Kraft Respekt zu zollen und uns mit ihr zu
arrangieren.
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3.
Ob Kamasutra oder Joy of Sex, allen Sexratgebern ist
eines gemeinsam: Sie behandeln die Probleme der
Sexualität auf der körperlichen Ebene. Der Sex wird
besser – versichern sie uns auf unterschiedliche Weise –, wenn wir die Lotusposition meistern, wenn wir
lernen, wie man Eiswürfel kreativ einsetzt, oder bewährte Techniken zur Erzielung gleichzeitiger Orgasmen anwenden.
Wenn wir auf solche Ratgeber gelegentlich sogar
mit Unwillen reagieren, dann womöglich deshalb,
weil sie – ihrer munteren Rhetorik und ihren hilfreichen Diagrammen zum Trotz – unerträglich demütigend sind. Sie verlangen allen Ernstes von uns zu
glauben, unsere sexuellen Probleme rührten vor allem
daher, dass wir es noch nicht mit Anilingus probiert
oder die Karezza-Methode nicht richtig verstanden haben. Das aber sind bloß Abenteuer an dem vom Luxus
gekennzeichneten Ende des Spektrums menschlicher
Sexualität. Verglichen damit sind die Schwierigkeiten,
vor die wir normalerweise gestellt sind, ein Hohn.
Für die meisten von uns geht es nicht um die noch
lustvollere Ausgestaltung des Sexualakts mit einem
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Geliebten, der von sich aus Stunden mit uns auf einem Diwan liegen und bei Jasminduft und Kolibrigezwitscher neue Stellungen ausprobieren möchte.
Uns macht vielmehr zu schaffen, dass der Sex mit
unserem langjährigen Partner so schwierig geworden
ist: wegen der vielen Verstimmungen, zu denen es
über Fragen der Kindererziehung und der Finanzen
zwischen uns kommt, oder wegen unserer Sucht
nach Internetpornos. Uns beschäftigt, warum wir eigentlich nur mit Menschen Sex haben wollen, die wir
nicht lieben, oder ob wir mit der Affäre in der Firma
unserem Ehepartner das Herz gebrochen und sein
Vertrauen endgültig verloren haben.
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Techniken gehören nur selten zu den dringlichen Problemen, die uns
beim Sex zu schaffen machen. Kamasutra, Indien, ausgehendes achtzehntes Jahrhundert.
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4.
Wenn man angesichts dieser und vieler anderer
Schwierigkeiten die Frage stellt, wie oft es eigentlich
beim Sex richtig gut für uns läuft, muss man entgegen dem Zeitgeist zugeben, dass man die Male an einer Hand abzählen kann – mehr ist naturgemäß nicht
drin. Großartiger Sex dürfte, wie Glück überhaupt,
eine kostbare und seltene Ausnahme sein.
Solange wir die Sexualität als beglückend erleben,
nehmen wir kaum wahr, dass wir zu den Privilegierten gehören. Erst wenn wir älter werden und öfters
mit Wehmut an bestimmte erotische Episoden zurückdenken, begreifen wir, dass die Natur gegeizt hat,
als sie uns mit ihren Gaben beschenkte. Befriedigender Sex ist ein außergewöhnliches und seltenes Ereignis, dessen Eintreten von drei Faktoren abhängt: Biologie, Psychologie und dem richtigen Zeitpunkt.
Für den größten Teil unseres Lebens bleibt die Sexualität eng verbunden mit Sehnsüchten und mit
Peinlichkeit. Im Gegensatz zu den Versprechungen
der Ratgeber gibt es für die meisten Probleme, vor die
die Sexualität uns stellt, im Grunde keine Lösung. Ein
Buch, das nützliche Selbsthilfe zu diesem Thema an18
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bieten will, sollte sich daher auf die Verarbeitung unseres Kummers konzentrieren und nicht auf seine
Beseitigung: Hospiz, nicht Hospital – wenn man so
will. Auch wenn wir nicht erwarten können, dass Bücher unsere Probleme zum Verschwinden bringen,
finden sie Worte für eine Traurigkeit und einen Kummer, die uns verbinden. Nach wie vor kommt Büchern
die Aufgabe zu, uns zu trösten und uns in Erinnerung
zu rufen, dass wir mit den demütigenden Schwierigkeiten, die der Sexualtrieb uns unausweichlich bereitet, nicht allein sind.
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II Die Freuden
der Sexualität
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UNVERKÄUFLICHE LESEPROBE
Alain de Botton
Wie man richtig an Sex denkt
Kleine Philosophie der Lebenskunst
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Paperback, Flexobroschur, 224 Seiten, 11,5 x 16,0 cm
10 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-424-63064-0
Kailash
Erscheinungstermin: Oktober 2012
Kleine Bücher – GROSSE GEDANKEN
Großartiger Sex erscheint uns manchmal flüchtiger als das Glück. Alain de Botton zeigt
erfrischend offen, wie die verrückte Kraft der Sexualität unser Leben von einem Moment auf den
anderen ins Chaos stürzen kann – und wie sie gleichzeitig das Beste in uns erblühen lässt. Mit
Witz und Leichtigkeit lehrt uns der Philosoph, gelassener über Sex zu denken: über den, den wir
haben – und den, von dem wir nur träumen.
Die etwas anderen Ratgeber der ›Kleinen Philosophie der Lebenskunst‹ – herausgegeben von
Alain de Botton, Philosoph und Bestsellerautor
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Seele and Geist
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