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feuchte richtig messen, nur wie? - Naturstein

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AU S - U N D W E I T E R B I L D U N G
BAUSTOFF-ESTRICH-FEUCHTE-SEMINAR IN STUTTGART:
Feuchte richtig messen, nur wie?
DNS-Denzel-Geschäftsführer Walter Denzel weist seit Jahren auf
die Gefahren unzureichender Restfeuchtemessungen hin. In einem
Seminar hat er am 8. Juni alle verfügbaren Fakten rund um sein
Anliegen öffentlich gemacht. Naturstein war unter den rund
30 Teilnehmern.
asser ist lebenswichtig, aber gefährlich, wenn es um Bodenbeläge geht. Mit diesem Grundsatz
begann Walter Denzel sein Seminar in der Bildungsakademie der Handwerkskammer Stuttgart. Garantiert auf
Dauer schadensfrei bleiben nur die Beläge, die sachkundig auf Estrichen verlegt
wurden, die zum Zeitpunkt der Verlegung
hinreichend trocken waren, erklärte er.
Kleine Feuchteschäden würden mehr oder
weniger gut reguliert. Große könnten
auch große Betriebe in den Ruin treiben.
»Sie bestimmen, wann verlegt wird«, sagte Denzel und: »Verlegen Sie erst, wenn
der Untergrund hinreichend trocken ist.«
Nur, wann ist das? Hier gehen die Meinungen der Fachleute auseinander und
das mehr denn je, weil es viele neue
Estrich-Sorten mit unterschiedlichem
Trocknungsverhalten gibt und die Angaben der Hersteller zu wünschen übrig lassen. Schon für normale Zementestriche
wurden die Belegreife-Empfehlungen von
3,5 CM-% auf 3, dann 2,2 und schließlich
auf 2 CM-% gesenkt, so Denzel. Aber
manchen modernen Zementestrich dürfe
man auch bei 1,4 CM-% noch nicht belegen, weil er auch dann noch »Wasser gefährlich verdampfen lassen kann«. Schadensverursacher sei nämlich der Wasserdampfdruck, nicht das Wasser. Am Bau
mit Carbid (CM-Messung) »Wasserdampf
messen zu wollen, den man zuvor mittels
Hammer und Meißel freigelassen hat«, ist
laut Walter Denzel wenig sinnvoll. Was
die Bestimmung der Belegereife von vergüteten Zementestrichen betrifft, tappe
selbst die Kunststoffindustrie im Dunkeln. Solche Estriche würden nach Empfehlungen wie »CM-Messergebis minus
1,0, 1,5 oder 2,0%« belegereif gerechnet,
laut Denzel eine höchst problematische
Methode. Die elektronische Messtechnik
sei nicht nur zerstörungsfrei, sondern
zehnmal genauer und 20-mal schneller
Wird von den
Verfechtern
der traditionellen CMMessmethode
als »Feuchterebell« bezeichnet:
Walter Denzel, GF der
Firma DNS
Denzel und
Veranstalter
des Seminars
Fotos: Bärbel
Holländer
58 Naturstein 08 | 12
DIE REFERENTEN:
Dipl.-Ing. (BA) Norbert
Graf aus der Fernmeldetechnik erläuterte
das kapazitive Messprinzip.
Rudolf Lange, Sachverständiger für Estrich
und Bodenbeläge, zeigte, was passiert, wenn
man zu früh verlegt.
Gutachter und Lehrbeauftragter Siegfried
Heuer gab Tipps für die
Prüfung von Heizestrichen.
Über die Möglichkeit
der Exhalation von
Radon aus Estrichen
sprach Dr.-Ing. Wolfgang Horn.
RA Martin Kuschel ging
auf die Vorschriften für
die Feuchtemessung
ein: »CM-Messung ist
nicht Pflicht.«
als die CM-Messung. Das niedrigste
Messergebnis zeige den wichtigen Ausgleichsfeuchtewert an, weshalb die anderen Messpunkte – auch der CM-Messpunkt – unwichtig seien. Das der elektronischen Feuchtemessung zugrunde liegende kapazitive Messprinzip erläuterte
Dipl.-Ing. (BA) Norbert Graf. Wasser weise
im Vergleich zu z. B. Luft eine sehr hohe
Dielektrizitätskonstante (DK 80; Luft =
DK 1) auf. Daher lasse sich die in einem
auch nur geringfügig feuchten Material
enthaltene Wassermenge durch Kalibrierung des Messfeld-Eingangswerts für eine
bestimmte Masse des vorliegenden Baustoffs zuordnen und in Gewichts-% anzeigen. Das kapazitive Messprinzip sei
die genaueste Möglichkeit, Feuchtigkeit
in Materialien zu bestimmen.
Die Grenzwerte fehlen
CM-Messung keine Pflicht
Florian Aumiller, Bauleiter beim Siedlungsbau Schwaben, begeisterte mit einem Bericht über sein Qualitätssicherungskonzept. Die Estrichhersteller sollten eigentlich einen belegereifen Untergrund herstellen, den die Bodenleger nur
prüfen müssen, stellte er fest. »Um richtig
prüfen zu können, wären aber Angaben
zum verbauten Estrich erforderlich.« Diese Angaben seien in der Regel nicht erhältlich. »Ich lasse den Handwerker nicht
allein mit diesem Problem«, so Aumiller.
Anhand von Probewürfeln stellt er selbst
die jeweilige Ausgleichsfeuchte des verbauten Estrichs fest. »Ich erkläre dem
Auftraggeber klipp und klar, dass der Boden erst dann verlegt wird, wenn der
Untergrund nachweislich trocken genug
gemessen wurde. Der Einzugstermin
hängt also vom Trocknungsverlauf ab –
kluge Auftraggeber helfen durch Stoßlüften nach.« Aumiller setzt auch einen
selbst entwickelten Belüfter ein. Bauleiter
wie Aumiller seien höchst selten, warf
ein Teilnehmer ein. »Ich kriege null Information, egal von welchem Estrichleger«,
beschwerte er sich. »Warum soll ich messen, was der abgeliefert hat. Das ist doch
ungerecht.« Denzel erwiderte, die Estrichleger hätten ihrerseits ein Informationsdefizit: »Keiner der derzeit sieben Estrichhersteller gibt an, wo der jeweilige Estrich
hintrocknen soll, aber was bringt die Messung, wenn es keinen verlässlichen Grenzwert gibt?« Der Oberbodenleger sei tatsächlich »der Mann mit der A-Karte«. Hier
seien die Verbände gefordert, die Hersteller im Interesse ihrer Mitglieder unter
Druck zu setzen.
Auf die rechtlichen Vorschriften für die
Feuchtemessung ging Rechtsanwalt Martin Kuschel ein. Der Bodenleger habe die
Pflicht, durch Prüfung und Beurteilung
des Messwerts / der Messwerte festzustellen, ob der bereitgestellte Untergrund gefahrlos belegt werden kann. Wenn dies
nicht der Fall sei, müsse er schriftlich Bedenken anmelden. Gemäß BGB und VOB
nicht vorgeschrieben sei, mit welcher Methode der Estrich auf Belegereife zu prüfen ist (Ausnahme: vertragliche Vereinbarung; wer für ein konkretes Bauvorhaben ein Prüfverfahren und einen einzuhaltenden Grenzwert vorschreibt,
haftet für diese Empfehlung). Die Messung sollte reproduzierbar, fehlertolerant
und baustellentauglich sein. Zur CM-Messung gebe es »klare Hinweise darauf, dass
die Messwerte mit Vorsicht zu genießen
sind, weil sie nur für normale Zementestriche gelten«. Damit sei auch strittig, ob
die CM-Messung den anerkannten Regeln
der Technik entspricht, also theoretisch
richtig, praktisch erprobt und von der
Mehrheit der Fachleute anerkannt ist.
Sie sei bedingt theoretisch richtig, prak-
KURZINFO
ZUKUNFTSMUSIK
So könnte es laufen beim Einbau eines Natursteinbelags: Bauherr oder Planer: »Der Estrich
möchte auf 1,2% Restfeuchte austrocknen.«
Der Bodenleger schaltet sein Feuchte-Messgerät
ein, stellt die Estrich-Sorte ein, drückt den
Feuchte-Sensor an den Estrich, liest 1,8 % als
Messergebnis und weiß damit, dass noch 0,6%
an Restfeuchte gefährlich werden können. Dazu
der Bauherr oder Planer: »Gut, wir warten noch
zwei, drei Wochen mit dem Verlegen.« Die erforderlichen Grenzwerte sind bisher nur an DenzelFeuchte-Messgeräten kalibriert.
Florian Aumiller, Bauleiter beim Siedlungsbau
Schwaben, stellte sein Qualitätssicherungskonzept und einen selbst entwickelten Belüfter vor.
Prüfen Sie richtig!
»Feuchte messen ist nicht schwer, auf
›trocken‹ warten um so mehr« – unter
diesem Motto schilderte Rudolf Lange,
Sachverständiger für Estrich und Bodenbeläge, anhand eines Schadensfalls (Parkett), warum es sich lohnt, genau zu
messen und im Zweifelsfall gegen die
Verlegung Bedenken anzumelden. Tipps
für die Prüfung von Heizestrichen gab
der Gutachter und Lehrbeauftragte Siegfried Heuer. Unter welchen Umständen
Feuchte im Estrich die Exhalation des na-
Statement von Georg Förstl, GF der Firma Förstl & Partner Natursteine:
»Wir arbeiten im hochwertigen Privatbereich. Das Seminar
finde ich sehr wichtig. Die Vorträge sind super. Man muss
immer mal raus und sich fortbilden – sonst kommt man
auf Dauer nicht voran. Ich messe bislang sowohl elektronisch
mit einem Denzel-Messgerät als auch mit CM.«
tisch erprobt, aber nicht schadensfrei und
nur bedingt als baustellentauglich anerkannt. Die elektronische Messung sei
theoretisch richtig und praktisch erprobt,
aber noch nicht offiziell »mehrheitlich anerkannt«. Umso wichtiger sei es, im Zweifelsfall gemäß § 4 Abs. 3 VOB/B Bedenken
anzuzeigen, und zwar schriftlich und mit
deutlichem Hinweis auf mögliche Folgen
(»Der Richter muss verstehen, was Sie
schreiben!«, siehe www.RA.Kuschel.eu).
Ansprechpartner sei stets der Auftraggeber; dem Architekten oder Bauleiter sollte
man die Bedenken in Kopie zur Kenntnis
geben. Zu empfehlen sei die Zustellung
durch den Gerichtsvollzieher oder die persönliche Übergabe mit schriftlicher Empfänger-Bestätigung.
türlichen Umweltgifts Radon begünstigen
kann, sprach Dr.-Ing. Wolfgang Horn.
Fazit: Nehmen Sie die Prüfung der Belegreife ernst. Wählen Sie die genaueste
Prüfmethode. Fordern Sie Grenzwerte
ein. Und melden Sie Bedenken schriftlich
beim Auftraggeber an.
Bärbel Holländer
DNS Denzel Natursteinschutz GmbH
Am Wasserturm 5
73104 Börtlingen
Tel.: 07161/959336
Fax: 07161/959337
info@dns-denzel.de
www.dns-denzel.de
Naturstein 08 | 12 59
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