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Heiraten wie die Fürsten - Landtag Mecklenburg Vorpommern

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Heiraten wie die Fürsten
Immer mehr Liebende geben sich im Schloss das Ja-Wort
Paul Friedrich und seine Cousine Marie
von Windisch-Graetz taten es vor mehr
als 100 Jahren nach dem Umbau des
Schlosses als erste. Die Mecklenburger
tun es heute wieder: Sie heiraten in dem
Prachtbau des Historismus.
Was dem Spross des legendären Großherzogs Friedrich Franz II. im Jahr 1881 Recht
war, ist den Nachkommen seiner Untertanen
heute billig. Auch wenn die standesamtliche
Trauung in der einstigen Residenz nur für einen Aufpreis zu haben ist. Doch den Obolus
scheinen die Mecklenburger und ihre Erwählten gern zu leisten. Die Nachfrage ist
nach Auskunft der Landtagsverwaltung
groß, seit sich im Mai 2002 das erste Paar in
der Orangerie das Ja-Wort gegeben hat.
Rund zwanzig Paare „trauen“ sich jährlich.
Von Mai/Juni bis September bietet das Standesamt der Landeshauptstadt – meist für
samstags – Termine an. Und die sind erfahrungsgemäß rasch vergeben. „In den anderen Monaten brauchen wir die Orangerie für
ihren ursprünglichen Zweck, um empfindliche Pflanzen während der kalten Jahreszeit
unterzustellen“, erklärt Klaus Fleischer von
der Landtagsverwaltung die zeitliche Begrenzung.
Für das kirchliche Zeremoniell ist die evangelische Schlosskirche bis heute gefragt. Doch
die Stadtväter wollten auch der immer häufiger geäußerten Bitte der Paare nach einer
standesamtlichen Trauung im romantischen
Ambiente des Schlosses nachkommen. Das
schien leichter gesagt als getan. Die
„Schlossherren“ von heute haben viele Vorschläge beraten und wieder verworfen. Der
Museumsbereich im Schloss kam nicht in
Frage. „Dann hätte das Museum für die Zeit
der Trauungen schließen müssen“, erklärt
Klaus Fleischer. Die Räume, die der Landtag
nutzt, wurden schon aus Platzgründen ausgeschlossen. Der damalige Landtagspräsident Hinrich Kuessner brachte im März 2001
in einem Brief an den Oberbürgermeister der
Stadt die Orangerie ins Spiel. Das gläserne
Gewächshaus wurde damals gerade aufwändig saniert und im Juli 2001 mit einem
stilvollen Café für das Publikum geöffnet. Der
Vorschlag stieß sofort auf Gegenliebe. Wohl
nicht zuletzt wegen des
traumhaften Ausblicks auf
den See, den die Frischvermählten nach dem Ja-Wort
genießen können.
Heiraten im Schloss zu DDRZeiten war das nur in seltenen Ausnahmefällen möglich. „Dreimal gab es in den
achtziger Jahren standesamtliche Trauungen im Blumenzimmer“, hat Berna Bartel,
die Leiterin des Schlossmuseums, herausgefunden. Zur
825-Jahr-Feier Schwerins im
Jahr 1985 hatten Handwerksbetriebe die Restaurierung des historischen Kleinods unterstützt. „Die erste
standesamtliche Trauung im
Blumenzimmer war ein Dankeschön an den Denkmalpflegebetrieb, der die Spezialarbeiten ausführte, und an
die PGH Friseure, die zu den
Sponsoren zählte.“ Einer der
Handwerker nämlich ehelich- Cornelia und Hendrik Möhring sind seit dem 4. Juni ein Ehepaar. Ihre Trauung
te unter lebhafter Anteilnah- fand zwar nicht im Schloss statt, aber wie viele andere Jungvermählte haben
sie ihre Hochzeitsfotos in der Traumkulisse des Burggartens gemacht.
me beider Belegschaften eine
Friseurin.
Zu herzoglichen Zeiten hätten die Damen
tet. Seine älteste Tochter Marie zog es 1874
und Herren aus hohem Hause nach Herzensgar nach St. Petersburg, um dem Großfürlust im Schloss heiraten können. Doch das
sten Wladimir das Ja-Wort zu geben. Ihr Brustand nicht oben auf der Beliebtheitsskala.
der, Erbgroßherzog Friedrich Franz III., nahm
Und wenn, dann heiratete Mann Frau freilich
ebenfalls an der Newa Großfürstin Anastasia
nicht ohne Gottes Segen. „In der nach dem
zur Frau. Und der letzte regierende GroßherUmbau 1855 wieder eingeweihten Schlosszog, Friedrich Franz IV., gab genau vor 100
kirche fanden aber nur wenige Hochzeiten
Jahren seiner Alexandra im oberösterreichimecklenburgischer Fürsten statt. Die Mitglieschen Gmunden das Eheversprechen. Seine
der des großherzoglichen Hauses heirateten
Schwester Alexandrine hatte übrigens 1898
häufiger außerhalb der Schweriner Residen Kronprinzen Christian X. von Dänemark
denz“, sagt Berna Bartel. Im Mai 1881 machgeheiratet. In Cannes im Süden Frankreichs
te eben Paul Friedrich den Anfang. Fünf Jahzwar. Aber einen Hinweis darauf gibt es auch
re später folgte seine Cousine Charlotte. Und
im Schloss zu Schwerin. „In der Porzellawiederum zehn Jahre später wurde seine
nausstellung in den ehemaligen KinderzimSchwester Elisabeth in der Schlosskirche dem
mern erinnern zwei prächtige Vasen an das
Großherzog von Oldenburg angetraut. Ihr
Ereignis – ein Hochzeitsgeschenk der däniVater, Großherzog Friedrich Franz II., der beschen Stadt Randers“, sagt Berna Bartel.
deutendste Bauherr am Schloss, hatte seine
drei Gemahlinnen – nacheinander – in Ludwigslust, Darmstadt und Rudolstadt geheira17
5/2004 LandtagsNachrichten Mecklenburg-Vorpommern
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Seele and Geist
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