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Mark Twain in Heidelberg Wie verrückt war Ludwig II. wirklich?

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Seite 8
Juli 2004
Neue Rundschau
Hommage an „der Vaterlandsstädte Ländlich schönste“: „Das Höchstmögliche an Schönheit“
Mark Twain in Heidelberg
„Das Heidelberger Klima ist der
Produktion nicht günstig, und
Heidelberg ist deshalb mehr eine
Pflanzstätte von Werken des Geistes als von Werken des Fleißes“.
Dieser Ausspruch Prof. Gustav
Radbruchs mag Mark Twain in
Heidelberg dazu inspiriert haben,
fleißig die Stadt zu erkunden.
Um, was er dabei gesehen und
erlebt hat, dann aber doch recht
geistreich zu Papier zu bringen:
„Nach Belieben konnte man zur
Abwechslung zum Schloß schlendern und sich in seinen Verliesen
vergraben, in seinen zerstörten
Türmen umherklettern oder die
Sehenswürdigkeiten betrachten,
die es enthielt - zum Beispiel das
große Heidelberger Faß.“
Und darüber läßt sich Mark
Twain genüßlich aus, bezweifelt,
daß „dies Faß von der Größe
Foto: got
einer Bauernhütte“ trotz einer Ist das nicht ein schöner Anlaß, einen Blick auf unsere schöne Stadt zu werfen?
Überlieferung, es fasse achtzehn- Leere meinte er natürlich. „Ein ren Verkehrsverein dazu veranlaßt Heidelberg und den Deutschlandhunderttausend Flaschen jemals tiefgründiger und gelehrter Eng- haben, den „Mark-Twain-Preis“ tourismus allgemein verdient geeinen Tropfen Weines am Holz länder“, läßt uns Mark Twain im an für durch sorgfältige Recher- macht haben. Wünschen wir den
gespürt habe. Hingegen, führt er weiteren Verlauf seiner das Faß che sich auszeichnende Reise- Preisträgern, sie hätten in der Tat
weiter aus, sei die bloße Frage betreffenden Überlegungen wis- journalisten zu verleihen, die sich dem Heidelberger so aufs Maul
des Fassungsvermögens eine völ- sen, „ein Spezialist, der das große zudem durch sorgfältige und aus- geschaut, wie das Mark Twain
lig bedeutungslose Sache, auch Faß fünfzehn Jahre lang hindurch führliche Berichterstattung um 1878 tat, als er Heidelberg für
eine Tagesstippvisite besuchen
ein leeres Faß von der Größe zu seinem einzigen Studienobjekt
Werner Pieper Hrsg.:
wollte und daraus einen ganzen
einer Kathedrale könne sein gemacht hatte, erzählte mir, er
„Ein Amerikaner
Sommer werden ließ.
Gemüt nur wenig bewegen. Da habe sich schließlich davon überin Heidelberg“
Nicht nur nämlich ließ sich
sind wir Heidelberger zwar gern zeugt, daß die Alten es gebaut
Mark Twain verbrachte mehMark Twain von der Landschaft
anderer Meinung, lassen unsere hätten, um deutsche Sahne darin
rere Jahre in Europa, vor
verzaubern, er schaute auch den
überraschten Gäste an des Perkeo herzustellen“.
allem in Heidelberg fühlte
Studenten in den Kopf: „Es wäre
Fuchsschwanz fummeln und ge- Es gebe die deutsche Durcher sich sehr wohl. In diesem
ein Irrtum, anzunehmen, daß
ben nur jenen gegenüber zu, daß schnittskuh täglich – werde sie
Buch sind erstmals fast alle
der leichtlebige, vergnügungsdies Faß ein immer leeres war, nicht länger als achtzehn oder
seine Texte über seinen
süchtige Student einen leeren
die das bei Mark Twain bereits neunzehn Stunden vor den Pflug
Deutschlandaufenthalt verKopf umhertrüge. Er hat neun
oder einen Heuwagen gespannt
gelesen haben.
sammelt: die berühmte FloßJahre auf dem Gymnasium unAber mit dieser Twainschen – bis zu zweieinhalb Teelöffel
fahrt auf dem Neckar ebenso
ter einem System verbracht, das
Aussage gehen wir dann doch Milch. Er nehme nun an, es sei
wie seine brillante Abhandihm keinerlei Freiheit gewährte,
d´accord: „Ich begreife nicht bei den Alten Brauch gewelung über „Die schreckliche
sondern ihn unerbittlich zwang,
den Sinn, ein ungeheures Faß zu sen, das Produkt mehrmaligen
deutsche Sprache“, seine Bewie ein Sklave zu arbeiten. Infolbauen, um darin Leere aufzubau- Melkens in einer Teetasse zu
obachtungen bei schlagenden
gedessen hat er das Gymnasium
en, wenn man draußen täglich sammeln, in das große Faß zu
Verbindungen gleich wie die
mit einer Bildung verlassen, die
kostenlos eine bessere Qualität schütten, es mit Wasser aufzuerlebten Höllenqualen in der
so
umfangreich und vollständig
bekommen kann“ – und fragen füllen und dann von Zeit zu Zeit
Mannheimer Oper.
ist,
daß die Universität höchstens
uns, wo Twain wohl Wein „fer die Sahne abzuschöpfen, wie es
Mit Dokumenten, Kommennoch einige ihrer Spezialgebiete
umme“ bekommen haben könnte, die Bedürfnisse des Deutschen
taren und Illustrationen ververvollkommnen kann.
es ihm nämlich gleich nachzu- Reiches erforderten.
sehen. ISBN 3-925817-02-6,
Es heißt, wenn ein Schüler das
tun. Und merken dann, ihm auf Diese detaillierten Beobachtun11.00 €.
Gymnasium verläßt, besitzt
den Leim gegangen zu sein. Die gen des Mark Twain könnten uns-
er nicht nur eine umfassende
Bildung, sondern er weiß, was
er weiß - er ist nicht von Unwissenheit umnebelt, es ist so in ihn
hineingebrannt, daß es haftet“.
Was, würde Mark Twain heute
feststellen können, daß Gymnasiasten nicht mehr wie Sklaven gehalten werden, über den
– gesetzt den Fall er kennte ihn
– Wissensstand heutiger auf das
Gymnasium wechselnder junger
Leute wohl sagen?
Mal ganz anders als die Herren
Scheffel und wie sie alle heißen
mögen, entbietet dieser Amerikaner Heidelberg seine Zuneigung:
„Ich habe noch niemals eine
Aussicht genossen, die einen so
stillen und beglückenden Zauber
besessen hätte wie diese. Unten
im Grund unterhalb der schwarzen Masse des Schlosses, lag die
Stadt am Fluß hingestreckt, und
ihr verwickeltes Straßennetz
war mit blinzelnden Lichtern
geschmückt; auf den Brücken sah
man Lichterreihen; diese warfen
Lichtspeere auf das Wasser in
den schwarzen Schatten der Brükkenbogen hinab; und drüben am
Rande dieses ganzen Märchenbildes blinkte und glühte eine
dichte Menge von Gaslichtern,
die sich über mehrere Morgen zu
erstrecken scheinen. Es war, als
wären alle Diamanten der Welt
dort ausgebreitet worden.
Man glaubt, Heidelberg – mit seiner Umgebung – bei Tage sei das
Hochstmögliche an Schönheit;
aber wenn man Heidelberg bei
Nacht sieht, eine herabgestürzte
Milchstraße, an deren Rand jenes
glitzernde Sternbild der Eisenbahn geheftet ist, braucht man
Zeit, um sich das Urteil noch
einmal zu überlegen.“
Mark Twain läßt uns in seinen
Aufzeichnungen über Heidelberg
Vertrautes aus einer anderen, oft
faszinierenden Sehweise erleben,
für eine Weile schlendern wir
nach der Lektüre anders durch
unsere Stadt.
got
Es ist angerichtet in:
Erleben Sie, was Küche kann …
Den Keller nicht zu vergessen …
Und das Ambiente …
Und die Aussicht …
Und überhaupt!
Kurfürsten-Anlage 60
Tel.: HD - 75 70 30
Muß ein brisantes Kapitel bayerischer Geschichte neu geschrieben werden?
Professor Heinz Häfner publiziert bei der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Wie verrückt war Ludwig II. wirklich?
ver öf fent l ichten
Quellen,
Landtagsstenogrammen und
Archiven Material
zusammen. „Durch
die freundliche
Erlaubnis des
Herzogs Franz
von
Bayern,
mein Quellenstudium
auf
das ‚Geheime
Hausa rch ivʼ
der
Familie
a u sz u d e h n e n ,
konnte ich auch
bislang unveröffentlichte
Dokumente
einsehen. Nun
erscheinen viele
Vorkommnisse in einem
neuen Licht“,
so Häfner.
Ludwig II., von
1864 bis 1886
König
von
Bayern und der
Pfalz, wurde
am
8. Juni
1886 in einem
psychiatrischen
Gutachten für
unheilbar geisteskrank und dauerhaft regierungsunfähig erklärt.
In einer Staatsaktion sollte er
in der Nacht vom 9. auf den 10.
Juni entmündigt, festgesetzt und
in geschlossene Unterbringung
mit psychiatrischer Aufsicht gebracht werden. Nachdem diese
Aktion scheiterte, weil der König
die Kommission verhaften und
festsetzen ließ, wurde ein zweiter,
nunmehr erfolgreicher Versuch
in der Nacht vom 11. auf 12. Juni
unter Leitung des Psychiaters
Professor Bernhard von Gudden
unternommen. Einen Tag später
suchte der Monarch im Starnberger See den Freitod, wobei
er zuvor seinen Psychiater, der
ihn daran hindern wollte sich zu
ertränken, ebenfalls mit in den
Tod nahm.
Die
Diagno- Quellen, daß bei Ludwig II. keine
se, die zur Zeichen von Geistesschwäche
Zw a n g s i n t e r - und einer paranoiden Psychose
nierung
und vorlagen.
s c h l i e ß l i c h Häfner gelangt aus moderner Perzur Eskalation spektive zu einer völlig anderen
führte, lautete Beurteilung der problembelastedamals unheil- ten Biographie und einer anderen
bare „Paranoia“ psychiatrischen Diagnose, welche
und
Geistes- auch die herausragenden Fähigs c h w ä c h e . keiten und Leistungen des Königs
„Diese Schluß- mitberücksichtigt. Um seinen infolgerung
ist neren Konflikten zu entkommen,
heute
nicht entwickelte der junge Bayer zumehr zu halten. nehmendes Suchtverhalten, wenn
Ohne Beobach- auch ein sehr ungewöhnliches! Er
tung und Un- wurde „bausüchtig“. Er zeigt in
tersuchung des evidenter Weise alle Merkmale
Königs durch einer „nicht substanzgebundenen
die Gutachter Sucht“, wie sie auch für Glückdienten allein spieler typisch sind. Sein Bezug
die Berichte der zu Geld ging am Ende verloren,
Regierung und all sein Tun war schließlich nur
die vorher ein- noch darauf ausgerichtet, neue
geforderten teil- Mittel zu beschaffen. Überdies
weise grotesken plagten ihn seit seiner Jugend
Aussagen der Ängste vor Menschen. Er litt
Höflinge
als unter einer Sozialphobie, die sich
Beu r t ei lu ngs- mit den Jahren unter dem Einfluß
grundlage. Die der Schuld- und Schamgefühle
Leistungen und wegen seiner homoerotischen
Fähigkeiten des Neigungen deutlich verschlechKönigs wurden terte. Dieses Leiden führte
nicht
berück- zunehmend zum Rückzug aus
sichtigt.
Das Gesellschaft und Politik.
Ergebnis des „Diese Erkenntnis ist gleichermaGutachtens hatte Professor von ßen neu und unerwartet, läßt sich
Gudden schon vor der Beauftra- aber an vielen Details gut belegen.
gung sowohl dem Vorsitzenden, Tatsächlich erstaunt mich das rege
wie dem Finanzminister, als auch öffentliche Interesse, das diesem
seinen Assistenten mitgeteilt. Thema entgegengebracht wird“, so
Nach dem Tode des Königs äu- Häfner. Er wird seine Arbeit über
ßerte einer der drei überlebenden Ludwig II. nun in der SchriftenGutachter Zweifel an der Diagno- reihe der Heidelberger Akademie
se, ein anderer an der Geistes- der Wissenschaften, der Landesschwäche des Königs“, so Häfner. akademie Baden-Württembergs,
Häfner belegt aus zweifelsfreien ausführlich publizieren. HADW
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Ludwig II. ist bis heute ein Mythos. So bizarr die Lebensverhältnisse des Bayernkönigs waren, so
ungewöhnlich gestalteten sich
die Umstände seines Todes. Seine zügellose Bauwut führte zu
einer wachsenden Verschuldung
der sogenannten Zivilliste, aus
der Ludwig und der Hof ihren
Unterhalt bestritten. Die Zahl
seiner Gläubiger, vor allem von
Handwerkern, die auf ihren
Rechnungen
sitzen
blieben,
wuchs ständig. Doch heute sind
seine neoromantisch inspirierten
Schlösser Weltkulturerbe, ein
Magnet für Heerscharen an Touristen _ und bescheren dem Freistaat mit schöner Regelmäßigkeit
Einnahmen in Millionenhöhe.
Galten seine homoerotischen Liebesverhältnisse, seine nächtlichen Schlittenfahrten und seine
Trinkgelage mit Reitersoldaten
in künstlichen Felsgrotten der
Epoche als anstößig, so wird sein
Andenken heute in manch bayerischem Wohnhaus mit einem
Bildnis in Öl verewigt.
Doch wie verrückt war Ludwig
II. nun? War der König wirklich
wahnsinnig? War er ein krankhafter Egomane, litt er an Schizophrenie, gar an den Spätfolgen
einer Syphilis? Oder war er nur
ein unverstandener Unzeitgemäßer? Professor Heinz Häfner
von der Heidelberger Akademie
der Wissenschaften hat den „Fall
Ludwig“ nun noch einmal aus
psychiatrischer und historischer
Sicht neu aufgerollt _ und dies
mit überraschenden Ergebnissen.
Zunächst trug Häfner, Gründer
und langjähriger Direktor des
Zentralinstituts für Seelische
Gesundheit in Mannheim, aus
Neu: BeoCenter 2
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