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Jugendliche an der Nahtstelle zwischen obligatorischer - Interpret

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April 2010
Rosita Fibbi
Valeria Mellone
Jugendliche an der Nahtstelle
zwischen obligatorischer Schule
und Sekundarstufe II: Wie
können Eltern partizipieren?
Studie im Auftrag der Schweizerischen Konferenz der kantonalen
Erziehungsdirektoren
Auftraggeber: EDK
Vertragsnummer
© 2010 SFM
Foto auf dem Titelblatt: © xxx
ISBN:
SFM - Forum suisse pour l'étude des migrations et de la population
Rue St-Honoré 2 • CH-2000 Neuchâtel
Tél.: +41 32 718 39 20 • Fax: +41 32 718 39 21 • secretariat.sfm@unine.ch • www.migration-population.ch
L'institut SFM est associé à la Maison d'analyse des processus sociaux (MAPS) • www.unine.ch/maps
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1
3
EINLEITUNG
5
1.1 Auftrag
6
1.2 Methode
8
1.3 Dank
9
1.4 Struktur des Dokuments
9
2
HINTERGRUND: EINE VIELZAHL VON IMPULSEN
11
2.1 Der Übertritt: eine detaillierte Diagnose
11
2.2 Das Projekt «Nahtstelle-Transition»
13
2.3 Der Bericht der tripartiten Agglomerationskonferenz
15
2.4 Case Management «Berufsbildung»
16
2.5 Empfehlung 2008 des Europarats
17
2.6 Zusammenarbeit mit den Eltern
18
GUTE PRAXIS
21
3
25
GUTE PRAXIS: INFORMATION
3.1 DVD «Elterninfo Oberstufe/Berufswahl», Stadt Bern
25
3.2 «Elternorientierung im BIZ», Kanton Zürich
27
3.3 «BAM - Elternführungen für fremdsprachige Eltern», Kanton Bern
29
3.4 Seminar «Eltern begleiten die Berufswahl kompetent», Kanton Zürich
31
4
34
GUTE PRAXIS: STÄRKUNG DER ROLLE DER ELTERN
4.1 «Integras – Angebot», Kanton Zürich
34
4.2 «Elterntreff Berufswahl», Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft
37
4.3 «Interkulturelle Vermittlung im Berufswahlprozess», Kanton Solothurn
41
4.4 «Genitori, figli e operatori nella nuova realtà multiculturale», Kanton Tessin
44
4.5 MigrAction, Kanton Waadt
48
3
5
GUTE PRAXIS: ZUSAMMENARBEIT MIT DEN MIGRANTENVEREINIGUNGEN
5.1 «Merkblatt für muslimische Eltern», Kanton Bern
52
5.2 «Berufswahlveranstaltung auf Türkisch und Portugiesisch», Kanton Zug
55
6
GUTE PRAXIS: POSITIVE MASSNAHME FÜR EINEN ÜBERTRITT INS
GYMNASIUM
58
6.1 ChagaLL, Stadt Zürich
59
7
61
FAZIT UND MÖGLICHE HANDLUNGSANSÄTZE
7.1 Fazit aus den positiven Beispielen, die im Rahmen der Umfrage erfasst wurden
61
7.2 Im Hinblick auf die Kommunikation zusammenarbeiten, im Hinblick auf die
Zusammenarbeit kommunizieren
64
7.3 Mögliche Handlungsansätze: Eltern mit Migrationshintergrund und die
Zusammenarbeit mit der Schule
67
7.3.1
7.3.2
Situierung der Massnahmen, die auf Eltern mit Migrationshintergrund ausgerichtet sind,
im Rahmen der Integrationspolitik
68
Zu berücksichtigende Themen und Aspekte
73
8. ANHÄNGE
77
Anhang 1: Brief der EDK vom 26. August 2009 an die kantonalen Berufsbildungsämter
79
Anhang 2: Zusammenstellung über die Ergebnisse der Kantonsumfrage
bei den Berufsbildungsämter
81
Anhang 3: Zusammenstellung über weitere Tätigkeiten zur Förderung
der Zusammenarbeit mit den Migrantenfamilien
89
Anhang 4: Recommendation of the Council of Europe on strengthening the integration
of children of migrants and of immigrant background
91
9. LITERATURVERZEICHNIS
4
52
95
1 Einleitung
Der Übertritt von der obligatorischen Schule in eine nachobligatorische
Ausbildung, d. h. in eine Berufsausbildung oder in allgemeinbildende
Bildungsgänge der Sekundarstufe II, ist eine Nahtstelle auf dem
Qualifikationsweg im Hinblick auf den Eintritt ins Erwerbsleben.
In der Schweiz besteht keine gesetzliche Verpflichtung, die Ausbildung über
die Sekundarstufe I hinaus fortzusetzen. Doch die Weiterführung der
Ausbildung über diese Mindestschwelle hinaus ist mittlerweile in der Praxis
eine weitverbreitete soziale Norm (BFS 2004). Angesichts der in der
heutigen Zeit weitgehend wissensbasierten Wirtschaft sind sich die
Jugendlichen durchaus bewusst, welche Bedeutung eine nachobligatorische
Ausbildung für ihr Leben als Erwachsene hat. Ausserdem setzen sich die
Eltern für ihre Kinder immer höhere Ziele. Was die makrosoziale Ebene
anbelangt, sind sich die für die Schulpolitik und den Arbeitsmarkt
verantwortlichen Entscheidungsträger darüber im Klaren, dass eine fehlende
nachobligatorische Ausbildung langfristig gesehen mit beträchtlichen
sozialen Kosten verbunden ist. Vor diesem Hintergrund verstärken sie ihre
Anstrengungen, um für den Übertritt von der obligatorischen Schule in eine
nachobligatorische Ausbildung die bestmöglichen Bedingungen zu
gewährleisten.
Seit etwa 20 Jahren entspricht dieser Übertritt immer weniger einem linearen
Prozess, sondern ist mit Verzögerungen und Umwegen verbunden, wodurch
diese Nahtstelle komplexer und weniger transparent wird (Meyer 2006).
Überdies besteht bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund ein besonders
hohes Risiko, dass sie diese entscheidende Nahtstelle, insbesondere den
Übertritt in eine Berufsausbildung, nicht erfolgreich bewältigen. Denn das
duale Berufsbildungssystem, das in der Schweiz auf der Ebene der
nachobligatorischen Ausbildungen vorherrschend ist, hängt von der Situation
auf dem Arbeitsmarkt ab. Beim Zugang zum Lehrstellenmarkt bestehen noch
mehr Hindernisse als bei einem Übertritt im Rahmen der Schule: Die
Jugendlichen müssen eine Bewerbung einreichen, Praktika absolvieren, einen
Wissenstest bestehen und last but not least zusammen mit ihren Eltern
bestimmte soziale Kompetenzen unter Beweis stellen (Schmid und Storni
2004).
Ein erfolgreicher Übertritt von der obligatorischen Schule in die
Sekundarstufe II hängt somit unter anderem auch davon ab, ob die Eltern in
der Lage sind, den Prozess der Berufswahl ihrer Kinder unterstützend zu
begleiten.
In
diesem
Zusammenhang
sind
Jugendliche
mit
Migrationshintergrund mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert, da ihre
Eltern im Durchschnitt einen tieferen Bildungsstand aufweisen als Schweizer
5
Eltern. Zudem finden sich Eltern mit Migrationshintergrund im
schweizerischen Bildungssystem nicht immer gut zurecht und verfügen nur
in seltenen Fällen über die sozialen Netzwerke, die für die Anleitung ihrer
Kinder in dieser Phase erforderlich wären.
Wie ihre Nachbarländer muss auch die Schweiz die Nahtstelle zwischen der
obligatorischen Schule und der nachobligatorischen Ausbildung verbessern,
indem sie vor allem für jene Bevölkerungsgruppen, die in dieser Hinsicht
besonders benachteiligt sind, möglichst praktikable Übergangsmöglichkeiten
schafft. Damit diese Herausforderung bewältigt werden kann, hat die EDK
das Projekt «Nahtstelle-Transition» realisiert. In seinem Zwischenbericht hält
der Projektleiter fest, dass der Einbezug der Eltern einer der entscheidenden
Faktoren ist, um den Übertritt von der obligatorischen Schule in die
Sekundarstufe II zu optimieren (Galliker 2008); dies gilt insbesondere bei
Eltern mit Migrationshintergrund.
1.1
Auftrag
Im Jahr 2004 lancierte die Plenarversammlung der Schweizerischen
Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren das Projekt «NahtstelleTransition», mit dem der in vielen Fällen als schwierig empfundene Übertritt
von der obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II erleichtert werden
soll. Im Jahr 2006 verabschiedete die EDK eine Erklärung, in die auch der
Bund und die Organisationen der Arbeitswelt einbezogen sind. Diese
definiert konvergent und einvernehmlich die Handlungsansätze für die
Optimierung der Nahtstelle zwischen der obligatorischen Schule und der
Sekundarstufe II1. Diese Handlungsansätze sind insbesondere auf die
folgenden Zielsetzungen ausgerichtet:
a. Erhöhung des Anteils der Absolventinnen und Absolventen der
Sekundarstufe II, indem der Prozentsatz der Personen unter 25 Jahren mit
einem Abschluss der Sekundarstufe II bis im Jahr 2015 auf 95 % gesteigert
wird;
b. Gewährleistung einer besseren Nahtstelle zwischen der obligatorischen
Schule und der Sekundarstufe II, indem Massnahmen getroffen werden, die
sowohl auf die obligatorische Schule und die Berufsberatung während der
gesamten Übertrittsphase als auch auf die Brückenangebote zur
Sekundarstufe II und die Sekundarstufe II ausgerichtet sind (berufliche
Grundbildung, allgemeinbildende Schulen);
1
Eine umfassende Zusammenstellung der Leitlinien ist auf der Website des Projekts
ersichtlich: /www.nahtstelle-transition.ch/files/tra6B09.pdf. 26.03.2010
6
c. Erstellung einer Gesamtbilanz der individuellen Situation aller
Schülerinnen und Schüler, spätestens im achten Schuljahr; in diesen Prozess
werden auch die Eltern einbezogen.
Um insbesondere diesen letzten Aspekt des Projekts «Nahtstelle-Transition»2
zu konkretisieren, wurde das Schweizerische Forum für Migrations- und
Bevölkerungsstudien (SFM) der Universität Neuenburg beauftragt, eine
Studie zu den Modellen für den Einbezug von Eltern mit
Migrationshintergrund in die Übergangsphase zwischen der obligatorischen
Schule und den Ausbildungen auf der Sekundarstufe II zu realisieren. Dabei
geht es somit um den Zeitraum zwischen dem siebten und dem zwölften
Schuljahr.
Im Rahmen der Studie sollen in der Schweiz durchgeführte Projekte erfasst
werden, mit denen es gelingt, Jugendliche und Eltern mit
Migrationshintergrund wirksam zu unterstützen. Dabei geht es um die
folgenden Aufgaben: Untersuchung der Modalitäten und der Instrumente für
den Einbezug von Eltern mit Migrationshintergrund in die Phase der
Vorbereitung und des Übertritts in eine nachobligatorische Ausbildung sowie
Festhalten der Interventionsmodelle und ihres Handlungsansatzes in Bezug
auf die verschiedenen Aspekte der Beziehungen zwischen der Wahl der
Ausbildung und den familiären Voraussetzungen. Anschliessend sollen
Vorschläge in Bezug auf unterstützende Massnahmen für Familien mit
Migrationshintergrund unterbreitet werden. Im Bericht werden die
repräsentativsten Ausbildungs- und Unterstützungsprojekte beschrieben, die
im Bereich des Übertritts von der obligatorischen Schule in eine
nachobligatorische Ausbildung für Familien mit Migrationshintergrund
realisiert werden.
Dieser Bericht wurde im Rahmen der Weiterführung der Beziehungen
zwischen der EDK und dem SFM erarbeitet, die im Jahr 2008 mit dem
Bericht über den Einbezug der Eltern in die Betreuung von Kindern mit
Migrationshintergrund im Früh- und Vorschulbereich konkretisiert worden
waren (Moret und Fibbi 2008). Die vorliegende Studie wurde von Rosita
Fibbi realisiert. Valeria Mellone hat das Dokument mitverfasst und die
Befragungen durchgeführt.
2
Was den Zusammenhang zwischen der vorliegenden Studie und dem Projekt
«Nahtstelle-Transition» anbelangt, siehe § 2.2.
7
1.2
Methode
Ausgehend von einer Übersicht über die Literatur zum Thema Übertritt von
der obligatorischen Schule in die nachobligatorischen Ausbildungen in den
Schweizer Kantonen konnten die gegenwärtigen Gegebenheiten dieses
Themenkreises umrissen werden.
Dank der Umfrage, die der Verantwortliche des Projekts «NahtstelleTransition» bei allen kantonalen Berufsbildungsämtern durchgeführt hatte,
konnten die Aktivitäten erfasst werden, die gegenwärtig im Bereich des
Einbezugs von Eltern mit Migrationshintergrund in den Übertritt von der
obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II bestehen. Die Erfassung der
Informationen wurde durch die Unterstützung des Informations- und
Dokumentationszentrums IDES, das dem Generalsekretariat der EDK
angegliedert ist, und der Begleitgruppe des Projekts «Nahtstelle-Transition»
beträchtlich erleichtert. Damit konnte eine sehr umfassende Abdeckung des
Bereichs gewährleistet werden. Das an die kantonalen Berufsberatungsstellen
und Berufsbildungsämter gesandte Schreiben ist in Anhang 1 enthalten. In
Anhang 2 ist eine Liste mit den Projekten aufgeführt, die von diesen
kantonalen Stellen in ihren Antworten gemeldet wurden.
Anschliessend wurde in Absprache mit dem Auftraggeber eine Auswahl der
signifikantesten Versuche getroffen. Die im Bericht erläuterten Versuche
entsprechen weniger einer umfassenden Bestandesaufnahme aller
Aktivitäten, sondern vielmehr einer sorgfältig getroffenen Auswahl. Diese
vermittelt einen möglichst breit gefassten Überblick über die Palette der
Massnahmen, die gegenwärtig in der Schweiz in diesem Bereich realisiert
werden. Diese Massnahmen sind auch Ausdruck der hohen Dynamik der
Institutionen, die für ein stark dezentralisiertes Land wie die Schweiz typisch
ist.
Anschliessend wurden sowohl durch eine Analyse der bestehenden
Dokumente als auch durch den direkten Kontakt mit den Verantwortlichen
detaillierte Informationen zu den einzelnen Versuchen zusammengetragen.
Die erfassten Projekte werden im Folgenden detailliert beschrieben: Zunächst
werden die Voraussetzungen für deren Realisierung analysiert. Anschliessend
werden die beteiligten Akteure, der Umfang der eingesetzten Mittel und die
ausgelösten Reaktionen erläutert, und in jenen Fällen, in denen dies mit Hilfe
einer Evaluation möglich ist, wird eine Bilanz der verschiedenen getroffenen
Massnahmen gezogen.
8
1.3
Dank
Als Erstes danken wir den Projektleitern für ihre zuvorkommende Mitarbeit.
Sie waren bereit, uns ihre Unterlagen und ihre Zeit für die Befragungen zur
Verfügung zu stellen, und sie liessen uns an ihrer Erfahrung und ihrem
Fachwissen teilhaben. Dank ihrer Mitarbeit konnte die Studie realisiert
werden.
Unser Dank gilt auch der EDK und dem Sekretariat des Projekts,
insbesondere Josette Fallet vom EDK-Generalsekretariat, welche die
Durchführung der Umfrage bei den kantonalen Berufsbildungsämtern und die
Folgearbeiten gewährleisteten und uns in der Vorbereitungsphase
unterstützten. Dankbar sind wir im Weiteren den kantonalen
Berufsbildungsverantwortlichen, die an der Umfrage teilgenommen haben.
Schliesslich geht unser Dank auch an Karin Hess vom Informations- und
Dokumentationszentrum IDES, Fachreferentin für Berufsbildung, die uns bei
der Literaturrecherche effizient unterstützt hat.
1.4
Struktur des Dokuments
Zunächst wird im Bericht das Umfeld erläutert, in dem sich die Frage der
Mitwirkung der Eltern, insbesondere der Eltern mit Migrationshintergrund,
im Zusammenhang mit der Begleitung der Jugendlichen beim Übertritt in die
Sekundarstufe II zu einer Frage von hoher Priorität entwickelt hat. Das
Kapitel 2 enthält eine kurze Übersicht über die Ausgangslage dieses
Übertritts. Erläutert werden die Stellung dieses Themenbereichs im Projekt
«Nahtstelle-Transition» und die vor kurzem realisierte Institutionalisierung
des Case Management «Berufsbildung», mit der insbesondere der Übertritt
von
der
obligatorischen
Schule
in
die
nachobligatorischen
Ausbildungsangebote erleichtert werden soll. Anschliessend werden die in
der Schweiz getroffenen Massnahmen mit den entsprechenden Debatten auf
internationaler Ebene verglichen, die insbesondere im Rahmen des
Europarats geführt werden. In der kürzlich verabschiedeten Empfehlung
CM/Rec (2008)4 des Europarats geht es genau um die Mitwirkung von Eltern
mit Migrationshintergrund und um die Phase des Übertritts von der
obligatorischen Schule in die nachobligatorischen Ausbildungen. Diese
Empfehlung ist im Anhang enthalten; um das Erkennen der massgebenden
Stellen zur Nahtstelle und zu den Eltern mit Migrationshintergrund zu
erleichtern, sind diese hervorgehoben.
Die in der Schweiz durchgeführten Versuche für den Einbezug von Eltern
mit Migrationshintergrund werden in Kapitel 3 im Zusammenhang mit drei
Interventionsachsen dargelegt, die in der Empfehlung erkennbar sind. Dabei
9
handelt es sich um die folgenden Massnahmen: 1) Informationen an die
Eltern von Schülerinnen und Schülern zum Übertritt von der obligatorischen
Schule in eine nachobligatorische Ausbildung, 2) Initiativen zur Stärkung der
Rolle der Eltern in dieser Phase und 3) Mitarbeit von
Migrantenorganisationen an den Massnahmen zur Unterstützung von Eltern
mit Migrationshintergrund im Verlauf dieser Phase. Schliesslich wird in
einem Unterkapitel ein besonders innovativer Versuch zum Übertritt von
Jugendlichen mit Migrationshintergrund in allgemeinbildende Schulen
beschrieben.
Alle der in diesem Kapitel aufgeführten positiven Beispiele werden nach dem
gleichen Schema präsentiert. In einem Kasten sind die entscheidenden
Elemente des beschriebenen Versuchs zusammengefasst. Anschliessend folgt
eine Beschreibung der Aktivitäten, der Gründe für die Realisierung des
Projekts und der Institutionen oder Organisationen, die gegenwärtig mit der
Durchführung der Massnahmen beauftragt sind. Schliesslich werden die
verzeichneten Evaluationselemente präsentiert und die Besonderheiten der
beschriebenen Initiative aufgezeigt.
Kapitel 4 enthält eine Bilanz der erfassten Versuche. Ausserdem werden
einige Auswirkungen erläutert, und es wird versucht, Handlungsansätze im
Hinblick auf künftige Massnahmen zu entwickeln.
10
2 Hintergrund: eine Vielzahl von Impulsen
Mehrere Initiativen, die in letzter Zeit in der Schweiz und in Europa
realisiert wurden, sind Ausdruck davon, dass der Mitwirkung von Eltern mit
Migrationshintergrund am Übertritt von der obligatorischen Schule in die
Ausbildungen der Sekundarstufe II zunehmend Bedeutung beigemessen
wird. Dabei handelt es sich in erster Linie um das Projekt «NahtstelleTransition»
der
EDK,
um
die
Einführung
des
Case
Management «Berufsbildung», um den Bericht «Weiterentwicklung der
schweizerischen
Integrationspolitik»,
der
von
der
tripartiten
Agglomerationskonferenz (TAK) verfasst wurde, und schliesslich um die
Empfehlung des Europarats zur Förderung der Integration von Kindern mit
Migrationshintergrund. Diese Initiativen wurden von sehr unterschiedlichen
Akteuren und in sehr verschiedenen Kreisen entwickelt. Selbstverständlich
stehen der Bildungsbereich im Allgemeinen und die Berufsbildung im
Besonderen an vorderster Front: Die kantonalen Behörden sowie die
Wirtschafts- und Arbeitsmarktorganisationen haben erkannt, dass
Massnahmen getroffen werden müssen, die in diese Richtung gehen.
Aufgenommen werden ihre Anstrengungen jedoch auch von den lokalen
Verantwortlichen für Integrationspolitik, denen der Zusammenhalt innerhalb
des lokalen sozialen Netzes ein grosses Anliegen ist, sowie von
internationalen Institutionen, die bislang eine Integrationspolitik unter
Berücksichtigung der Bedürfnisse der Migrantinnen und Migranten
gefördert haben.
Diese Elemente im Zusammenhang mit dem Umfeld werden kurz
beschrieben, um die zahlreichen Impulse aufzuzeigen, die schliesslich zur
Realisierung der verschiedenen Projekte geführt haben.
2.1
Der Übertritt: eine detaillierte Diagnose
Ein unmittelbarer Übergang von der Sekundarstufe I zu den zertifizierenden
Ausbildungen der Sekundarstufe II (Erwerb eines auf dem Arbeitsmarkt
anerkannten Diploms oder Fähigkeitszeugnisses, welches das erreichte
Qualifikationsniveau bestätigt) ist somit ein Indikator für einen reibungslosen
Übertritt. Doch von 1990 bis 2007 nahm die Quote der nahtlosen Übertritte
um über zehn Prozentpunkte ab: Gemäss den Daten der Statistik der
Schüler/innen und Studierenden des BFS ging diese Quote auf 75% zurück.
«Der Rückgang erfolgte primär bei den Übertritten in die berufliche
Grundbildung und parallel zur konjunkturellen Schwäche zu Beginn der
1990er Jahre. Der Prozentsatz der Schüler/innen, die direkt von der
11
obligatorischen Schule in eine allgemeinbildende Ausbildung übergetreten
sind, ist leicht gewachsen. Gleichzeitig ist auch der Anteil derjenigen, die
direkt eine Übergangsausbildung (10. Schuljahr, andere allgemeinbildende
Schule, Vorlehre) begonnen haben, von knapp 9% auf fast 15% angestiegen.
Insgesamt hat sich die Quote der sofortigen Übergänge in die Sekundarstufe
II um gut 4 Prozentpunkte gesenkt.»3
Im Rahmen der TREE-Studie (Transitionen von der Erstausbildung ins
Erwerbsleben)4 wurde kürzlich eine detaillierte Diagnose dieses Übertritts
vorgenommen. Dies erfolgte auf der Basis der Longitudinalstudie, mit der
seit 2001 die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler verfolgt wird, die an
der PISA-Studie 2000 teilgenommen haben. Aus der Studie geht hervor, dass
es sich bei 10% dieses Jahrgangs um Jugendliche handelt, die vier Jahre nach
dem Schulaustritt keine Ausbildung besuchen und in diesem Zeitraum keinen
Abschluss erworben haben. Bei den erst kürzlich zugewanderten
Jugendlichen – d. h. bei Jugendlichen aus den Balkanländern, aus der Türkei
und aus Portugal – beträgt das Abbruchrisiko (drop-out) 21% (Meyer 2006).
Durch die Inanspruchnahme einer der angebotenen standardisierten
Zwischenlösungen wird das Risiko, dass keine nachobligatorische
Qualifikation erlangt wird, beträchtlich verringert.
Als Reaktion auf die Bedürfnisse, die im Rahmen der PISA-Studien
festgestellt worden waren, verabschiedete die EDK im Jahr 2003 einen
Aktionsplan. Abgesehen von weiteren Massnahmen wurde mit diesem Plan
vorgesehen, den Übertritt in die Arbeitswelt zu erleichtern und die
Zusammenarbeit mit den Eltern insbesondere im Kommunikationsbereich
auszubauen (EDK 2003)5. Diese Zielsetzung wurde im kürzlich festgelegten
Arbeitsprogramm bekräftigt: «Die Nahtstelle von der obligatorischen Schule
zur Sekundarstufe II sowie die Berufsbildung sind so zu verbessern, dass ab
dem Jahr 2015 95% der jungen Menschen einen Abschluss auf der
Sekundarstufe II erreichen» (EDK 2009).
Aus der Analyse im kürzlich erschienenen Bildungsbericht 2010 geht hervor,
dass dieses ambitiöse Ziel mittlerweile bei den in der Schweiz geborenen
Schülerinnen und Schülern, die ihre gesamte Schulzeit in unserem Land
3
www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/15/04/ind4.indicator.51324.408.html?open
=9#9, 26.03.2010
4
http://tree.unibas.ch/ 26.03.2010
5
www.edudoc.ch/static/web/arbeiten/pisa2000_aktplan_d.pdf, 26.03.2010
Tätigkeitsprogramm 2008–2014, aktualisierte Version 2009, von der Plenarversammlung
verabschiedet am 18. Juni 2009: http://www.edudoc.ch/static/web/edk/tgpro_d.pdf ,
26.03.2010
12
absolviert haben, unabhängig von deren Staatsangehörigkeit bereits erreicht
ist (Wolter 2010). Demzufolge müssen die künftigen Anstrengungen auf die
Schülerinnen und Schüler ausgerichtet werden, die im Ausland geboren sind
und einen Teil ihrer Schulpflicht im Ausland erfüllt haben. Dabei handelt es
sich in den meisten Fällen um Jugendliche, die im Rahmen der letzten
Migrationsbewegungen in unser Land gekommen sind. Das Ziel besteht
darin, dass es auch diesen Schülerinnen und Schülern gelingt, eine
nachobligatorische Ausbildung abzuschliessen. 14% der Schülerinnen und
Schüler wurden nicht in der Schweiz geboren, und 7% haben nicht ihre
gesamte Schulzeit in der Schweiz absolviert (TAK 2009a).
2.2
Das Projekt «Nahtstelle-Transition»
Das im Jahr 2006 lancierte Projekt «Nahtstelle-Transition»6 der EDK wurde
angesichts der Bedenken realisiert, welche die Institutionen hinsichtlich der
Zukunft von Jugendlichen haben, die nach Abschluss der obligatorischen
Schule über keine Berufsausbildung verfügen. Mit diesem Projekt wird das
Ziel verfolgt, in Zusammenarbeit mit den Organisationen der Arbeitswelt
und dem Bund Rahmenbedingungen und Massnahmen zu erarbeiten und
umzusetzen, mit denen der Übertritt von der obligatorischen Schule in eine
nachobligatorische Ausbildung erleichtert wird. Somit ist dieses Projekt auf
die erste Schwelle des Übertritts von der Schule ins Erwerbsleben, d. h. auf
den Übergang von der obligatorischen Schule zur Sekundarstufe II,
fokussiert.
Gegenwärtig erlangen rund 10% der jungen Menschen keinen
nachobligatorischen Abschluss. Vor diesem Hintergrund geht es darum,
diesen Prozentsatz um die Hälfte zu reduzieren, so dass noch 5% der jungen
Menschen unter 25 Jahren über keinen Abschluss der Sekundarstufe II
verfügen.
Risikogruppen,
wie
beispielsweise
Jugendliche
mit
Migrationshintergrund, müssen ganz gezielt unterstützt werden. In diesem
Zusammenhang wird die Elternpartizipation als wichtiger Faktor für einen
erfolgreichen Übertritt betrachtet.
In seinem im Jahr 2008 verfassten Zwischenbericht mit dem Titel
«Optimierung Nahtstelle obligatorische Schulzeit – Sekundarstufe II»
bekräftigte der Projektleiter die Notwendigkeit, die Unterstützung der
Jugendlichen und die Elternpartizipation miteinander zu verbinden, damit
die Herausforderung, die Abbruchquote (drop-out) zu reduzieren,
6
www.nahtstelle-transition.ch, 26.03.2010
13
erfolgreich bewältigt werden kann (Galliker 2008). Die allgemeine
Zielsetzung wird im Rahmen von vier Teilprojekten konkretisiert: Das erste
bezieht sich auf die Ausbildung der Lehrkräfte, die sich mit der
Vorbereitung der Berufswahl zu befassen haben. Beim zweiten Teilprojekt
geht es um die Dauer der Schulzeit vor der Berufsausbildung. Im Rahmen
des dritten Teilprojekts werden die Faktoren analysiert, die für eine
erfolgreiche Berufsausbildung von Jugendlichen massgebend sind, welche
einer Risikogruppe angehören. Das vierte Teilprojekt schliesslich ist speziell
darauf ausgerichtet, die Mitwirkung der Eltern beim Übertritt in eine
Ausbildung der Sekundarstufe II zu fördern7.
Im Rahmen einer früheren Studie, die im Jahr 2006 durchgeführt wurde
(Eggenberger 2006), hatte man als prioritären Handlungskomplex den
Bereich Migration ermittelt, da Eltern mit Migrationshintergrund,
insbesondere wenn sie während der letzten Migrationsbewegungen in die
Schweiz gekommen sind, die bestehenden Informations- und
Mitwirkungsangebote nur beschränkt nutzen. Die befragten Experten
empfahlen insbesondere, gut ausgebildete interkulturelle Vermittler
einzusetzen, damit die Eltern mit Migrationshintergrund erreicht werden
können. Sie wiesen auf den Nutzen eines differenzierten Ansatzes in Bezug
auf Eltern mit Migrationshintergrund hin, da auf diese Weise sowohl den
sprachlichen Unterschieden als auch dem sozialen Profil der Eltern
Rechnung getragen werden kann. Im Zusammenhang mit der Studie wurde
auch vorgeschlagen, wirkungsvolle und bewährte Interventionsmodelle zu
eruieren und die damit gemachten Erfahrungen auf breiter Ebene
weiterzugeben, damit das Know-how, das mit der Konzeption und
Umsetzung dieser Modelle verbunden ist, von allen Akteuren im Bereich der
Nahtstelle in angemessener Weise genutzt werden kann.
Da mittlerweile einige Jahre vergangen sind, kann mit der vorliegenden
Studie eine Bestandesaufnahme in Bezug auf die Initiativen vorgenommen
werden, mit denen gewährleistet werden sollte, dass die Mitwirkung der
Eltern bei der Unterstützung ihrer Kinder beim Übertritt von der
obligatorischen Schule in eine nachobligatorische Ausbildung ausgebaut
wird.
7
www.nahtstelle-transition.ch/de/Teilprojekte, 26.03.2010
14
2.3
Der Bericht der tripartiten
Agglomerationskonferenz
Zehn Jahre, nachdem die Integrationspolitik für Migrantinnen und Migranten
auf Bundesebene eingeleitet worden war, hatten die Vertreter der Exekutive
auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene im Rahmen einer breit
angelegten partizipativen Debatte die Möglichkeit, die wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Akteure sowie die Migrationsbevölkerung in die
Erarbeitung der künftigen Integrationspolitik einzubeziehen. Die Ergebnisse
dieser umfangreichen Anstrengungen sind im Bericht der tripartiten
Agglomerationskonferenz (TAK 2009b) festgehalten. Im Zusammenhang mit
der Integrationspolitik soll den folgenden Grundsätzen Rechnung getragen
werden: Chancengleichheit, Gleichheit bei den Möglichkeiten zur Nutzung
des vorhandenen Potenzials, Berücksichtigung der Verschiedenheit sowie
Betonung der Eigenverantwortung. Die Integrationspolitik fällt in die
Zuständigkeit der ordentlichen Strukturen und ist im Wesentlichen auf
Bildung, Arbeit und soziale Integration ausgerichtet.
Der Schlussbericht (TAK 2009a) enthält eine umfangreiche Dokumentation,
die von der Projektleitung des TAK-Prozesses erarbeitet wurde. Ein
substanzieller Teil dieser Dokumentation bezieht sich auf die Bildung und
insbesondere auf die nachobligatorische Ausbildung. In der Schweiz
entscheiden sich am Ende der obligatorischen Schule 30% der Schülerinnen
und Schüler für einen allgemeinbildenden Bildungsgang und 70% für eine
Berufsausbildung. Von den letzteren absolvieren 90% eine Berufslehre in
einem Betrieb (duale Ausbildung) (Wolter 2010).
Die Berufsbildung ist eine gemeinsame Aufgabe des Bundes (Bundesamt für
Berufsbildung und Technologie, BBT), der Kantone (Schweizerische
Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren, EDK) und der
Organisationen der Arbeitswelt (OdA). Die letzteren definieren den Inhalt der
Ausbildungen und die beruflichen Qualifikationen und legen die Zahl der
Lehrstellen fest. Im Jahr 2006 verabschiedeten alle Partner der Berufsbildung
Richtlinien, mit denen ein verhältnismässig langer Zeitraum vorgesehen wird,
um die Schülerinnen und Schüler ab dem achten und insbesondere ab dem
neunten Schuljahr rechtzeitig auf den Übertritt in die Sekundarstufe II
vorzubereiten8.
Aus den Ergebnissen des Bildungsberichts 2010 geht hervor, dass junge
Ausländerinnen und Ausländer, die nicht in der Schweiz geboren sind, im
Zusammenhang mit dem Übertritt in eine nachobligatorische Ausbildung die
8
www.nahtstelle-transition.ch/de/leitlinien, 26.03.2010
15
grössten Schwierigkeiten haben. Am grössten ist das diesbezügliche Risiko
bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund in jenen Fällen, in denen sie
nicht ihre ganze Schulzeit in der Schweiz absolviert haben und
Sprachprobleme aufweisen. Bei der Unterstützung der Jugendlichen in der
entscheidenden Phase des Übertritts in die Sekundarstufe II spielen die Eltern
grundsätzlich eine wesentliche Rolle. Doch die Eltern von Jugendlichen, die
nicht in der Schweiz geboren sind, haben die grössten Schwierigkeiten, eine
wirksame Unterstützung zu gewährleisten. Wenn sie erst vor kurzem
immigriert sind, können sie die Bedeutung einer nachobligatorischen
Ausbildung in der Schweiz teilweise nicht richtig ermessen. In vielen Fällen
kennen sie das äusserst komplexe schweizerische Berufsbildungssystem
nicht, und zum Teil verfügen sie im neuen Umfeld nicht über ausreichende
soziale Ressourcen, um ihre Kinder bei der Suche auf dem Lehrstellenmarkt
unterstützen zu können (TAK 2009a).
Doch auch die Berufsbildungsinstitutionen müssen dafür sorgen, dass der
Übertritt in eine nachobligatorische Ausbildung für Jugendliche mit
Migrationshintergrund einfacher wird. Dazu müssen sie ihre
Informationspolitik vielseitiger ausgestalten, und sie sollten ihre
Vorgehensweise hinterfragen, falls die Beurteilung von Schülerinnen und
Schülern oder deren Auswahl für Lehrstellen durch diskriminierende
Praktiken – unabhängig davon, ob diese unbeabsichtigt sind oder nicht –
beeinträchtigt werden sollten (TAK 2009a).
2.4
Case Management «Berufsbildung»
Im Rahmen der Mobilisierung für die Optimierung des Übertritts in die
Sekundarstufe II unterstützt der Bund (BBT) die Kantone bei der
Realisierung eines Verfahrens zur Begleitung von Jugendlichen, die in der
Phase des Übertritts von der obligatorischen Schule in eine
nachobligatorische Ausbildung nachhaltige Entscheide im Zusammenhang
mit ihrer Berufswahl treffen müssen.
Dem Case Management «Berufsbildung»9 kommt in diesem Zusammenhang
besondere Bedeutung zu. Das Case Management (individuelle Bearbeitung
In Art. 7 und 12 des Bundesgesetzes über die Berufsbildung (BBG) vom 13. Dezember
2002 ist die Förderung von Massnahmen zu Gunsten benachteiligter Gruppen vorgesehen.
Den Kantonen wird die Aufgabe zugewiesen, Massnahmen zu ergreifen, die Personen mit
individuellen Bildungsdefiziten am Ende der obligatorischen Schulzeit auf die berufliche
Grundbildung vorbereiten. Gemäss diesen Artikeln legt das Bundesamt für Berufsbildung
9
16
von einzelnen Fällen) ist ein strukturiertes Verfahren, «um adäquate
Massnahmen für Jugendliche sicher zu stellen, deren Einstieg in die
Berufswelt stark gefährdet ist. Es koordiniert die beteiligten Akteurinnen und
Akteure sowohl über institutionelle und professionelle Grenzen als auch über
die Dauer der Berufswahl und der Grundbildung hinweg»10.
Das Case Management geht über die blosse Individualbetreuung hinaus, die
in erster Linie auf den einzelnen Jugendlichen ausgerichtet ist. Es wird
versucht, alle Ressourcen zu mobilisieren, um zu verhindern, dass die
Jugendlichen aus dem Bildungssystem aussteigen, und um dafür zu sorgen,
dass sie das Ziel eines nachobligatorischen Abschlusses erreichen. In diesem
Rahmen können die Kantone, die für die Umsetzung des Instrumentariums
zuständig sind, die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Eltern bei der
Unterstützung der Jugendlichen während des Übertritts aktiv mitarbeiten.
2.5
Empfehlung 2008 des Europarats
Die Notwendigkeit, die Eltern in die Aktivitäten zur Erleichterung des
Übertritts in eine nachobligatorische Ausbildung einzubeziehen, kommt auch
in der Empfehlung des Europarats zur Förderung der Integration von Kindern
mit Migrationshintergrund im Rahmen der Schule zum Ausdruck. Diese
Empfehlung an die Mitgliedstaaten wurde 2008 vom Ministerkomitee
verabschiedet. Sie bezieht sich nicht nur auf das frühe Kindesalter, sondern
auch auf den Übertritt von der obligatorischen Schule in eine
nachobligatorische Ausbildung. Der Text enthält – insbesondere in den
Abschnitten E, F und G – Vorschläge und Empfehlungen im Hinblick darauf,
dass der Einbezug von Personen mit Migrationshintergrund – sowohl der
Jugendlichen als auch ihrer Eltern – im Bereich des Übertritts verbessert
wird. In diesem Zusammenhang schlägt der Europarat einen rechtlichen
Rahmen vor, der darauf ausgerichtet ist, die Massnahmen der Mitgliedstaaten
zur bildungsbezogenen Unterstützung von Kindern und Personen mit
Migrationshintergrund zu fördern.
Dies ist nicht das erste Mal, dass sich der Europarat zur Frage der
Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der Schule äussert. Der
und Technologie (BBT) den Rahmen für die Förderung des Case Management
«Berufsbildung» durch die Kantone fest.
10
http://www.google.ch/#hl=fr&source=hp&q=offt+case+management+formation+profess
ionnelle&btnG=Recherche+Google&meta=lr%3D&aq=f&oq=offt+case+management+for
mation+professionnelle&fp=74bee36f949107d1, 26.03.2010
17
Referenztext ist das Europäische Übereinkommen über die Rechtsstellung
der Wanderarbeitnehmer von 1977, das im Mai 1983 in Kraft getreten ist. Es
räumt den Kindern von Wanderarbeitnehmern das Recht ein, unter den
gleichen Bedingungen Zugang zum Bildungssystem zu haben wie die Kinder
von einheimischen Arbeitnehmern. Zwischen 1983 und 1989 wurden weitere
Texte verabschiedet11. Die Kinder von Immigranten aus Drittstaaten werden
nun ebenfalls als Adressaten der Schulpolitik berücksichtigt, unabhängig
davon, ob sie im Aufnahmestaat geboren sind oder erst zu einem späteren
Zeitpunkt immigriert sind, und unabhängig davon, ob sie über einen
geregelten Aufenthaltsstatus verfügen oder nicht. In der Empfehlung aus dem
Jahr 2000 ist festgehalten, dass diese Kinder in Bezug auf die Bildung über
die gleichen Rechte verfügen müssen wie die Kinder von Staatsangehörigen.
Der neue Text, der im Jahr 200812 verabschiedet wurde – an der Erarbeitung
dieses Textes waren Vertreter der Schweiz aktiv beteiligt – fügt sich nicht nur
in die früheren Arbeiten zu diesem Bereich ein, insbesondere in Bezug auf
die
Notwendigkeit,
das
Bildungssystem
an
die
besonderen
Ausbildungsbedürfnisse von Kindern mit Migrationshintergrund anzupassen,
sondern enthält auch innovative Aspekte: Er ist insbesondere auf den
Übertritt von der obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II fokussiert
und berücksichtigt die Rolle der Eltern während dieser Phase. Die neuen
Aspekte der behandelten Fragen und deren Grundlage verleihen diesem Text
den Status eines idealen Referenztextes (Benchmarking) für die Beurteilung
der Qualität der Massnahmen und Versuche, die darauf ausgerichtet sind,
Eltern mit Migrationshintergrund in die Betreuung von Kindern mit
Migrationshintergrund im Früh- und Vorschulbereich einzubeziehen und als
Richtschnur für die entsprechenden Anstrengungen zum Ausbau und zur
Verbesserung zu dienen, die vor diesem Hintergrund unternommen werden.
2.6
Zusammenarbeit mit den Eltern
In den 1960er-Jahren wurde in den Vereinigten Staaten im Zusammenhang
mit dem Ziel, die Schule zu demokratisieren, das Konzept des «parents’
11
Resolution der Ständigen Konferenz der europäischen Erziehungsminister vom 10.-12.
Mai 1983. Empfehlung R (84) 9 des Ministerkomitees an die Mitgliedstaaten zu den
Migrantinnen und Migranten der zweiten Generation, Empfehlung R (84) 18 des
Ministerkomitees an die Mitgliedstaaten zur interkulturellen Komponente in der
Lehrerbildung, Empfehlung R 1093 (1989) des Ministerkomitees an die Mitgliedstaaten
über die Bildung der Kinder von Migrantinnen und Migranten.
12
Im Anhang sind längere Auszüge aus dieser Empfehlung enthalten.
18
involvement» (Elternpartizipation, Zusammenarbeit mit den Eltern)
entwickelt. Anfänglich standen bei diesem Konzept die Rollen und Aufgaben
der Eltern im Mittelpunkt. Bei den entsprechenden Überlegungen ging es in
erster Linie um die Frage der familiären Merkmale und um deren
Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen der Familie und der Schule.
Erst in den 1980er-Jahren wurde der Schwerpunkt auf die Frage gelegt, wie
die Schulstrukturen und die Einstellung der Lehrkräfte die Beziehungen
zwischen der Familie und der Schule beeinflussen. Als Folge davon bezogen
sich die Überlegungen nun auf die Arbeit, welche die Schulen zu leisten
haben, um Programme zu organisieren, die auf den Einbezug der Familien
oder sogar der gesamten lokalen Gemeinschaft ausgerichtet sind (Eccles und
Harold 1996; Epstein und Sanders 2006).
Epstein (1987) erarbeitete in diesem Zusammenhang die Theorie der
Überschneidung der Einflusssphären (theory of overlapping spheres of
influence). Diese unterstreicht die Bedeutung der Schule, der Familie und der
lokalen Gemeinschaft für das Lernen und die Entwicklung der Kinder. Man
kann die eine oder andere dieser drei Einflusssphären den anderen annähern
oder von diesen entfernen. Wenn ein häufiger und qualitativ hochstehender
Austausch zwischen diesen drei Einflusssphären gewährleistet wird, erhalten
die Schülerinnen und Schüler übereinstimmende und gemeinsame
Botschaften. Die Konvergenz dieser drei Einflusssphären bewirkt eine
gegenseitige Stärkung im Bemühen, in Bezug auf die Bildung zum Erfolg zu
gelangen. Gleichzeitig wird dadurch die Entwicklung des Kindes gefördert.
Dieses Modell räumt den Eltern hinsichtlich der schulischen Laufbahn ihrer
Kinder eine wesentliche Funktion ein, nicht nur auf individueller Ebene,
sondern auch in kollektiver Hinsicht als Mitglieder einer Gemeinschaft. Die
Projekte, die in diesem Zusammenhang realisiert werden, sind
ausserordentlich interessant, denn die Wechselwirkungen zwischen den
Familien, der Schule und der lokalen Gemeinschaft schaffen für Eltern mit
Migrationshintergrund ganz neue Möglichkeiten, um das Sozialkapital zu
erwerben und zu akkumulieren, das ihnen noch fehlt. Dieser anfängliche
Mangel an Sozialkapital ist in erster Linie auf die Entwurzelung
zurückzuführen, die mit einer Migration unweigerlich verbunden ist. Das
Sozialkapital wird durch das Eingehen von sozialen Beziehungen gebildet
und erzeugt seinerseits Verpflichtungen, Erwartungen und Vertrauen, durch
die Sozialgüter kollektiv ausgetauscht und kontrolliert werden (Coleman
1988).
Wie bereits erwähnt wurde, trug die Konvergenz der verschiedenen Faktoren
in der Schweiz während der letzten zehn Jahre dazu bei, dem Themenbereich
Beziehungen zwischen der Familie und der Schule neuen Aufschwung zu
verleihen. Die in der letzten Zeit verabschiedeten Massnahmen sind durchaus
sinnvoll, wenn dabei auch die Entwicklungen von grösserer Tragweite
19
berücksichtigt werden. Nachfolgend sind einige aufgeführt, die für unsere
Ausführungen von besonderer Bedeutung sind: die Überlegungen, die im
Rahmen von internationalen Vergleichen zur Effizienz der Bildungssysteme
angestellt werden; die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes
langfristig mit einem hohen Bildungsniveau der Erwerbstätigen zu
gewährleisten, und last but not least die Einführung einer Integrationspolitik
auf Bundesebene in Bezug auf die Migrationsbevölkerung, in deren Rahmen
die Frage der Demokratisierung der Schule aktualisiert wird.
Innerhalb der Untersuchungen zu den Formen der Zusammenarbeit zwischen
der Schule und der Familie, die in der Schweiz im Allgemeinen praktiziert
werden, konnte der postulierte Zusammenhang zwischen dem Kontakt
Eltern-Lehrpersonen einerseits und den Leistungen der Schülerinnen und
Schüler andererseits nicht festgestellt werden. Doch diese Kontakte
gewährleisten eine bessere Akzeptanz der Schule, was zu einer positiven
Einstellung der Eltern gegenüber der Schule führt und Schwierigkeiten im
Unterricht vermindert (Neuenschwander et al. 2005). Im Weiteren haben
diese Untersuchungen gezeigt, dass das Bedürfnis nach einer
Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen bei Eltern mit Migrationshintergrund
stärker ausgeprägt ist als bei Schweizer Eltern. Zugewanderte Eltern haben
den dringenden Wunsch, sich zu engagieren (Neuenschwander et al. 2008)13.
Im Rahmen dieser Übersicht wurden die Faktoren aufgezeigt, die für die
Realisierung von Initiativen zur Förderung einer stärkeren Elternpartizipation
beim entscheidenden Übertritt von der obligatorischen Schule in eine
nachobligatorische Ausbildung von Bedeutung sein können. Im Folgenden
werden die eigentlichen Versuche beschrieben.
13
http://www.ekff.admin.ch/c_data/COFF_Publi_f_08.pdf, 08.04.2010
20
Gute Praxis
Im Rahmen der Umfrage, welche die Verantwortlichen des Projekts
«Nahtstelle-Transition» bei den kantonalen Berufsbildungsämtern
durchführten, wurde eine Liste (Anhang 2) mit den verschiedenen Initiativen
erstellt, die darauf ausgerichtet sind, den Übertritt von Jugendlichen mit
Migrationshintergrund in eine nachobligatorische Ausbildung mit der
Mitwirkung der Eltern zu erleichtern. Diese Liste enthält alle Antworten, die
im Zuge der Umfrage eingegangen sind, unabhängig davon, ob es sich um
Informationen im Zusammenhang mit dem Übertritt von der obligatorischen
Schule in eine nachobligatorische Ausbildung handelt oder ob sich die
Antworten auf andere Bereiche der Zusammenarbeit mit Eltern mit
Migrationshintergrund beziehen. Dieser gesamte Bereich hat im Verlauf der
letzten zehn Jahre zugenommen.
In Anhang 2 kommt indessen nur ein Teil der Realität zum Ausdruck – die
Realität, wie sie von den Berufsbildungsämtern wahrgenommen wird. In
Wirklichkeit werden viele weitere Initiativen für Migrantinnen und
Migranten im Allgemeinen und Eltern mit Migrationshintergrund im
Besonderen realisiert. Aus diesem Grund haben wir in Anhang 3 alle übrigen
Projekte zusammengestellt, von denen wir im Verlauf dieser Studie Kenntnis
erhalten haben: Sie zeugen von zahlreichen Initiativen, die in den letzten
Jahren mit dem Ziel lanciert wurden, die Zusammenarbeit mit immigrierten
Eltern zu fördern. Dies erfolgte hauptsächlich, aber nicht ausschliesslich im
Bildungsbereich.
Wir möchten auf Instrumentarien aufmerksam machen, die unserer
Auffassung nach für die gegenwärtige Zunahme von lokalen Initiativen
typisch sind. Diese Entwicklung resultiert aus der Förderung von
Kompetenzzentren im Bereich der Integrationspolitik: Dabei handelt es sich
um das Kompetenzzentrum für Integration im Kanton Schwyz und um
Aktivitäten, die vom Kompetenzzentrum im Kanton St. Gallen entwickelt
wurden.
Das Kompetenzzentrum für Integration im Kanton Schwyz, «KomIn», ist
formell ein Verein, in dem ein Team von Experten, Sozialarbeitern sowie
Migrations- und Integrationsspezialisten tätig ist, die mehrere Sprachen
sprechen. Die Finanzierung der Aktivitäten beruht auf den Leistungen, die im
Auftrag des Bundes, des Kantons und der Gemeinden erbracht werden, sowie
auf Beiträgen von Arbeitgebern und Spenden von Kirchen und
Privatpersonen. Der Verein fördert das Verständnis zwischen Einheimischen
21
und Immigranten und leistet auf diese Weise einen Beitrag zum sozialen
Frieden.
Auf der Internetseite des «KomIn» ist die breite Palette der realisierten
Aktivitäten aufgeführt (www.kom-in.ch). Im Auftrag von verschiedenen
Gemeinden organisiert und veranstaltet das Zentrum Ausbildungskurse für
«massgebende Personen», d. h. für interkulturelle Vermittler, die ihrerseits
im Rahmen von Schulen, Gesundheitsdiensten und sozialen Aktivitäten tätig
sind. Ausserdem führt es Integrationskurse für Ausländerinnen und
Ausländer durch, die vor kurzem in die Schweiz immigriert sind. Damit
sollen diese Menschen in der Lage sein, sich im schweizerischen Alltag und
in der Arbeitswelt zurechtzufinden. Organisiert werden auch Deutschkurse
für ausländische Frauen. Im Weiteren hat das «KomIn» einen
Schreibwettbewerb veranstaltet, in dem Preise gewonnen werden konnten:
Schülerinnen und Schüler – sowohl Schweizerinnen und Schweizer als auch
Ausländerinnen und Ausländer – wurden eingeladen, ihre Überlegungen zum
Thema «Ein Ausländer sein» zu Papier zu bringen. Schliesslich ist eine
weitere Initiative des «KomIn» zu erwähnen, die sich auf die Arbeitswelt
bezog: Das Kompetenzzentrum hat Kontakt mit verschiedenen Unternehmen
aufgenommen und mit den Unternehmensleitern und ihren ausländischen
Angestellten über Fragen im Zusammenhang mit der Migration und
Integration diskutiert.
Das Kompetenzzentrum des Kantons St. Gallen stützt seine Aktivitäten auf
eine im Jahr 2006 erarbeitete politische Plattform, welche die folgenden vier
Tätigkeitsbereiche umfasst14: die Migrationsbevölkerung (insbesondere mit
Deutschkursen); die einheimische Bevölkerung (vor allem mit Informationen
über die Migrationsbevölkerung und mit einem religionsübergreifenden
Dialog); die Institutionen der Migrationsbevölkerung (mit dem Projekt
«Stimme der Migrantenvereine»); die Institutionen der einheimischen
Bevölkerung (mit der «Mütter- und Väterberatung» und dem Programm
«Lehrlingsauswahl Staatsverwaltung»). Das Kompetenzzentrum verfügt über
eine Art Schaufenster für seine Aktivitäten, die sogenannte
«Integrationsplattform» (www.enzian.ch), die eine Übersicht über die breite
Palette von Angeboten bietet. Auf diese können die Benutzer problemlos
zugreifen.
Zwei der zahlreichen Projekte, die im Kanton St. Gallen realisiert werden,
zeichnen sich durch ihren innovativen Charakter und einen gewissen
Zusammenhang mit dem Bereich aus, um den es im vorliegenden Bericht
14
http://www.enzian.ch/media/projekte/handlungsplattform_di_kf_%20jan_2006.pdf,
08.04.2010
22
geht: den Übertritt von der obligatorischen Schule in die Berufsbildung und
den Einbezug von Eltern mit Migrationshintergrund. Beim Programm
«Lehrlingsauswahl Staatsverwaltung» geht es um eine angemessene
Selektion der Bewerberinnen und Bewerber für eine Berufslehre in der
kantonalen Verwaltung. Um die Rekrutierungsphase zu optimieren und eine
unbeabsichtigte diskriminierende Behandlung zu vermeiden, erarbeitete das
Departement des Innern des Kantons St. Gallen im Jahr 2008 einen Leitfaden
für die Lehrlingsauswahl. In diesem sind einheitliche und genaue Kriterien
für die Prüfung der Unterlagen der Bewerberinnen und Bewerber festgelegt15.
Das Projekt «Stimme der Migrantenvereine» («www.stimme-sg.ch») ist
darauf ausgerichtet, einen Dialog zwischen der lokalen Verwaltung und den
Migrantenvereinigungen zu gewährleisten, die in einer kantonalen
Dachvereinigung zusammengefasst sind. Auf dieser Grundlage soll den
Problemen, Ideen und Vorschläge der Migrantinnen und Migranten besser
Rechnung getragen werden. Zu diesem Zweck wurde im Zeitraum 2006-2007
eine Reihe von Treffen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in einem
Dokument festgehalten, das den Lokalbehörden übergeben wurde. Diese
Initiative fand in den Printmedien ein grosses Echo. Am grössten war dieses
Echo an Orten, an denen bereits zuvor Kontakte zwischen der Verwaltung
und den Immigrantinnen und Immigranten geknüpft worden waren. Die
Beziehungen zwischen den Eltern und der Schule gehörten zu den Fragen,
über die von den teilnehmenden Menschen mit Migrationshintergrund am
meisten diskutiert wurde.
Aus diesem kurzen Überblick über die von den Kompetenzzentren
realisierten Initiativen geht hervor, dass in Bezug auf die Integration von
Kindern mit Migrationshintergrund eine gewisse Übereinstimmung der
Probleme und Initiativen besteht. Diese Integration kann unter anderem über
eine nachobligatorische Ausbildung erreicht werden.
Im vorliegenden Dokument liegt der Fokus jedoch auf rund einem Dutzend
Versuchen mit verschiedenen Ansätzen zur Zusammenarbeit mit Eltern mit
Migrationshintergrund. Das massgebende Kriterium für die Auswahl der
Initiativen bestand im Bestreben, ein möglichst breites Spektrum der Ansätze
abzudecken, die derzeit in der Schweiz in Bezug auf das zentrale Thema
dieses Berichts – d. h. die Phase des Übertritts von der obligatorischen Schule
in die Sekundarstufe II – angewandt werden. Die beschriebenen Versuche
sind nur ein unvollständiges Abbild der Fülle von realisierten Initiativen. Die
meisten davon werden auf lokaler Ebene entwickelt und durchgeführt. Dazu
werden die vor Ort verfügbaren Ressourcen eingesetzt, sowohl in Bezug auf
15
Internes Dokument des Departementes des Innern des Kantons St. Gallen. 08.04.2010.
23
die Bildungsfachleute als auch hinsichtlich der Integrationsexperten oder der
Freiwilligen.
Die Übersicht über die Versuche ist in Unterkapiteln strukturiert, die sich in
Bezug auf drei Kriterien unterscheiden: verfolgte Zielsetzung, Zielgruppen
der Initiative und zur Verfügung gestellte Ressourcen. Die Übersicht setzt
sich aus insgesamt vier Unterkapiteln zusammen. Diese sind weitgehend
Ausdruck der Themen, die in der Empfehlung des Europarats behandelt
werden. Im Abschnitt F dieser Empfehlung geht es um die Aktivitäten für
Eltern mit Migrationshintergrund16 und im Abschnitt G um den Übertritt von
der obligatorischen Schule in den Arbeitsmarkt17.
Im ersten Kapitel sind die Versuche zusammengefasst, die in erster Linie auf
die Information ausgerichtet sind. Im zweiten Kapitel geht es um die
Versuche, in deren Rahmen die Rolle der Eltern bei der Unterstützung der
Jugendlichen thematisiert wird. Das dritte Kapitel ist den Projekten
gewidmet, in denen auf die ausserschulischen und kollektiven Ressourcen der
Migrantinnen und Migranten zurückgegriffen wird. Schliesslich wollten wir
ein in der Schweiz recht einzigartiges Projekt präsentieren, dessen
Besonderheit darin besteht, dass der Zugang von Jugendlichen mit
Migrationshintergrund zu den gymnasialen Ausbildungen erleichtert wird,
wobei sich dieses Projekt nur teilweise an die Eltern richtet.
Es war nicht immer einfach, die Projekte einer der verschiedenen Kategorien
zuzuordnen, da diese gewisse Überschneidungen aufweisen: Im Zweifelsfall
haben wir den verschiedenen Zwecken Prioritäten zugewiesen und die
Versuche auf dieser Grundlage eingeordnet.
16
Im Abschnitt F der Empfehlung geht es ausschliesslich um die Unterstützung von
Eltern mit Migrationshintergrund; in den Punkten vi und vii liegt der Schwerpunkt auf der
Kommunikation und auf dem Informationsaustausch zwischen der Schule und den Eltern;
die Behörden werden aufgefordert, zielgerichtet Informationen zu den schulischen
Möglichkeiten zu liefern, damit Eltern mit Migrationshintergrund erreicht werden.
Im Punkt iii von Abschnitt F werden die Behörden aufgefordert, einen Beratungs- und
Berufsberatungsdienst anzubieten, um die Kompetenzen der Eltern bei der Betreuung und
Bildung der Kinder auszubauen.
17
Abschnitt G der Empfehlung bezieht sich auf den Übertritt von der obligatorischen
Schule in den Arbeitsmarkt. Der Schwerpunkt liegt auf dem Zugang zu den Beratungsund Unterstützungsleistungen, mit denen die Jugendlichen sowohl über die schulischen
Möglichkeiten als auch über die Berufslehren informiert werden.
24
3 Gute Praxis: Information
Die obligatorische Schulzeit bietet sich den Jugendlichen und ihren Familien
als vorgezeichneter Weg dar, der unter der Leitung der Lehrpersonen und
generell der Schule durchlaufen wird. Am Ende dieses Wegs steht die weite
Ausbildungs- und Arbeitswelt mit ihrer Vielzahl von möglichen Laufbahnen,
in der sich die Jugendlichen zurechtfinden müssen.
In diesem Zusammenhang erhalten Informationen eine entscheidende
Bedeutung, vor allem für Familien mit Migrationshintergrund, die
möglicherweise noch nicht mit den formellen Strukturen und dem
informellen Räderwerk vertraut sind, die den Übertritt in den für sie neuen
Bereich der nachobligatorischen Bildung ermöglichen. Der Verbesserung der
Information liegt die Idee zugrunde, Eltern mit Migrationshintergrund zu
motivieren, die Berufsberatungsstellen zu nutzen, um ihr Kind auf dem Weg
der beruflichen Eingliederung zu unterstützen. Hier werden vier verschiedene
Möglichkeiten vorgestellt, wie Eltern mit Migrationshintergrund der Zugang
zur Information erleichtert werden kann.
3.1
DVD «Elterninfo Oberstufe/Berufswahl»,
Stadt Bern
Wo?
Stadt Bern
Weshalb?
Herabsetzung der Schwelle für den Zugang zu den
Informationen
Wie?
Mündliche Information ohne persönlichen Kontakt / DVD
Wer?
Schulamt der Stadt Bern
Besonderheiten: In zehn Sprachen übersetzt
Die Informationen richten sich an die Eltern als potenzielle
Ansprechpartner.
Die DVD «Elterninfo» enthält Informationen zum schweizerischen
Bildungssystem, die sich allgemein an Eltern und insbesondere an Eltern mit
Migrationshintergrund richten. Zielgruppe sind die Eltern der Schülerinnen
und Schüler des siebten bis neunten Schuljahrs zusammen mit den
Jugendlichen selbst.
25
Das Projekt soll die Chancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
optimieren, eine nachobligatorische Ausbildung zu finden. Dieses Angebot
ermöglicht Eltern in erster Linie, das Bildungssystem kennenzulernen und die
disparaten Kenntnisse auszugleichen, über die sie diesbezüglich verfügen.
Durch diese Information sollen sie sich bewusst werden, wie wichtig eine
nachobligatorische Ausbildung für die Jugendlichen ist. Ein weiteres Ziel
dieser DVD besteht darin, die Diskussion (über die nachobligatorische
Ausbildung der Jugendlichen) in der Familie zu fördern und die Eltern
anschliessend zu motivieren, mit der Schule Kontakt aufzunehmen, um sich
Antworten auf ihre Fragen zu beschaffen.
Die Informations-DVD zeigt den Eltern die Themen auf, die mit den
Jugendlichen im achten und neunten Schuljahr behandelt werden: 1) die
eigenen Fähigkeiten entdecken, 2) Einblick in die Ausbildungswelt erhalten,
3) die Ausbildungen vergleichen, 4) die Ausbildungen genauer unter die
Lupe nehmen, 5) Kontakt aufnehmen, 6) Bewerbungen erstellen, 7) eine
Einführung in den Beruf planen. Ein Verantwortlicher für die
Lehrlingsausbildung eines Betriebs gibt den Eltern durch seine Aussagen
direkte Hinweise auf die Selektion der Jugendlichen und zeigt ihnen
erfolgreiche Beispiele auf. Dieses Informationsmittel richtet sich an ein
breites Spektrum von Eltern, die verschiedenen Sprachgruppen angehören.
Die DVD wurde auf Albanisch, Englisch, Französisch, Italienisch,
Portugiesisch, Serbisch, Spanisch, Tamilisch und Türkisch übersetzt.
Die Initiative für diesen Informationsträger ging vom Schulamt der Stadt
Bern aus. Die DVD wird in der Stadt Bern wohnhaften Eltern zu Beginn des
siebten Schuljahrs der Kinder kostenlos abgegeben. In den
Nachbargemeinden wohnhafte Familien können sie käuflich erwerben.
Stärken des Projekts
An diesem Projekt sind mehrere positive Aspekte hervorzuheben: Zunächst
lassen sich die Eltern, vor allem die eher bildungsfernen, durch die
mündlichen und visuellen Informationen besser erreichen als durch
schriftliche Informationen. Die Verfügbarkeit der DVD in der
Herkunftssprache erleichtert das Verständnis der Informationen, die im Film
abgegeben werden.
Dieses vor kurzem eingeführte Instrument für die Kommunikation zwischen
Eltern und Schule steht sinnbildlich für einen neuen Ansatz, der die Eltern als
Ansprechpartner der Schule betrachtet. Die Abgabe der DVD ab dem siebten
Schuljahr belegt, dass die Eltern möglichst früh, ab Beginn der Sekundarstufe
I, für den Übertritt von der Schule in den nachobligatorischen Bereich
sensibilisiert werden sollen.
26
Nähere Informationen:
http://www.bern.ch/stadtverwaltung/bss/schule/dvdbestellung, 26.03.2010
3.2
«Elternorientierung im BIZ»,
Kanton Zürich
Wo?
Kanton Zürich
Weshalb?
Abgabe von grundlegenden Informationen an Eltern mit
Migrationshintergrund
Wie?
Besuch des Berufsinformationszentrums
Wer?
Bildungsdirektion,
Amt für Jugend und Berufsberatung
Laufbahnzentrum der Stadt Zürich
Besonderheiten: Möglichkeit für eine Begegnung zwischen Fachleuten
(Berufsberater, Psychologinnen), Eltern und Jugendlichen
mit Migrationshintergrund
Die «Elternorientierung im BIZ» (Berufsinformationszentrum) ist ein
Informationsangebot, das von den einzelnen Informationszentren der Berufsund Studienberatung des Kantons Zürich bereitgestellt wird. Sie richtet sich
allgemein an Eltern, einschliesslich von Eltern mit Migrationshintergrund.
Als Ergänzung zu weiteren Informationsmassnahmen, die die Schulbehörden
beschlossen haben, werden die Eltern einmal jährlich zum Besuch der
Infothek eingeladen. Sie können allein oder in Begleitung ihrer Kinder an
dieser Orientierung teilnehmen.
Die Berufsinformationszentren können kostenlos besucht werden. Den
Besucherinnen und Besuchern stehen dort Informationsblätter zu den
Berufen, Schulen, Universitäten usw. zur Verfügung, sie können
Berufsbroschüren lesen, DVDs zu Berufen anschauen und sich über
verschiedene Berufsfelder dokumentieren. Einige der in den Zentren
verfügbaren Dokumente können ausgeliehen oder gekauft werden.
Um den Übertritt von der Schule in die Arbeitswelt zu optimieren, nehmen
die Berufsinformationszentren Kontakt mit den Lehrpersonen der einzelnen
Städte auf, um ab dem achten Schuljahr eine ein- bis zweistündige
unentgeltliche Orientierung für die Jugendlichen und die Eltern zu
27
organisieren. Diese Besuche ermöglichen den Jugendlichen, sich mit den
Berufen vertraut zu machen und ihre Kenntnisse zum Zeitpunkt zu vertiefen,
in dem sie sich mit der Wahl einer Berufsausbildung auseinandersetzen. Das
Ziel besteht somit darin, dass die Jugendlichen bei ihrer Suche nach einer
geeigneten Ausbildung selbständiger werden.
Durch den Besuch der Orientierung erfahren die Familien, dass ihnen
Informationsfachleute oder Berufsberaterinnen und Berufsberater für die
Beantwortung von Fragen oder für kurze Gespräche zur Verfügung stehen.
Eine Berufsberaterin oder ein Berufsberater erläutert die Schulphasen, die der
Wahl einer Ausbildung vorangehen, bietet einen kurzen Überblick über das
schweizerische Bildungssystem, vergleicht es mit den Systemen in den
europäischen Nachbarländern und informiert über die gemeinsamen
Anstrengungen, die Berufsberatungsstellen und Schulen unternehmen, um
den Übertritt in eine nachobligatorische Ausbildung zu optimieren.
Die Elternorientierungen werden von den Berufsinformationszentren
organisiert. Die Stadt Zürich organisiert und finanziert dieses Projekt in
Zusammenarbeit mit der kantonalen Bildungsdirektion und dem Amt für
Jugend
und
Berufsberatung.
Die
jährliche
Orientierung
im
Berufsinformationszentrum ist kostenlos.
Stärken des Projekts
Dieses Projekt ist deshalb von Interesse, weil es den Eltern Kompetenzen
vermittelt, die ihnen ermöglichen, sich mit den in der Schweiz angebotenen
Berufen und Ausbildungen vertraut zu machen. Der Vorteil dieser
kollektiven Orientierungen liegt im direkten Zugang zu den praktischen
Informationen über die Tests und das Selektionsverfahren für Jugendliche,
die eine Lehrstelle suchen. Ausserdem fördert dieses Vorgehen den Dialog in
der Familie über die Wahl einer Ausbildung für die Jugendlichen, da ein
Besuch der Eltern mit Migrationshintergrund im Berufsinformationszentrum
Gelegenheit für Diskussionen bietet.
Nähere Informationen:
http://www.ajb.zh.ch/zs, 26.03.2010
http://www.stadtzurich.ch/sd/de/index/laufbahnzentrum/jugendliche/berufsbe
ratung_coaching/beratung_eltern.html, 25.03.2010
28
3.3
«BAM - Elternführungen für
fremdsprachige Eltern», Kanton Bern
Wo?
Kanton Bern
Weshalb?
Einbezug der Eltern mit Migrationshintergrund in ein
Informationsangebot
Wie?
Führungen für fremdsprachige Eltern durch Freiwillige
aus den Migrationsgemeinschaften
Wer?
Erziehungsdirektion,
Zentralstelle für Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung
Besonderheiten: Gezieltes Angebot zur Förderung der Teilnahme von
Eltern mit Migrationshintergrund an einer Führung,
verbunden mit Informationen in ihrer Sprache
Nutzung der Ressourcen der Migrationsgemeinschaft
Das Projekt «Elternführungen für fremdsprachige Eltern» sieht Führungen
durch die Berner Ausbildungsmesse (BAM) vor, die sich insbesondere an
Eltern mit Migrationshintergrund richten. Für ein besseres Verständnis dieses
Projekts muss etwas ausgeholt werden: Es baut auf einem bereits etablierten
Informationsangebot auf, um eine Zielgruppe anzusprechen, die bisher nur
am Rand erreicht worden war.
Die BAM, die jährlich in Bern stattfindet, richtet sich an Schülerinnen und
Schüler, die vor dem Abschluss ihrer obligatorischen Schulzeit stehen. An
dieser Ausbildungsmesse sind jeweils rund 70 Berufsverbände und
Ausbildungsbetriebe vertreten. Es werden über 130 Ausbildungsangebote,
die nach Abschlusstyp zusammengefasst sind, d. h. eidgenössisches
Berufsattest (EBA), eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ), und Schulen
vorgestellt (vor allem Lehrwerkstätten und Weiterbildungsinstitutionen)
(www.bam.ch). Die Jugendlichen besuchen die Ausstellung mit ihrer Klasse
oder Familie; sie können sich so direkt über die Berufe und die
Ausbildungsplätze informieren, die von den Betrieben angeboten werden.
Da die Zentralstelle für Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung des Kantons
Bern festgestellt hatte, dass der Stand des Berufsberatungs- und
Informationszentrums an der BAM kaum von Jugendlichen und Familien mit
Migrationshintergrund aufgesucht wird, lancierte sie das Projekt
«Elternführungen für fremdsprachigen Eltern». Mit diesem Projekt soll das
bestehende
Angebot
erweitert
werden,
um
Familien
mit
Migrationshintergrund in geeigneter Weise zu erreichen, indem ihnen vor
allem eine sprachliche Unterstützung geboten wird.
29
Ziel des Projekts ist es, die Eltern in die Berufswahl ihres Kindes
einzubeziehen und dafür zu sorgen, dass sie die Jugendlichen bei ihrer
Planung für das Erwachsenenleben kompetent begleiten können. Um dieses
Ziel zu erreichen, führen Freiwillige die Eltern mit Migrationshintergrund
durch die Ausstellung, geben ihnen Erklärungen ab und beantworten ihre
Fragen. Durch interkulturelles Übersetzen fördern sie den Austausch
zwischen den Berufs- und Ausbildungsfachleuten einerseits und den
Jugendlichen und ihren Familien andererseits. Aufgrund ihrer Natur fördern
diese Informationen die Diskussion über die Berufswahl in den Familien.
Meist handelt es sich bei diesen Freiwilligen um Personen, die der
Herkunftsgemeinschaft nahestehen: Imame stellen sich freiwillig für das
interkulturelle Übersetzen und Vermitteln in arabischer Sprache zur
Verfügung, Lehrpersonen für Eritreisch besuchen die Messe mit ihren
Schülerinnen und Schülern. Auch Freiwillige der vietnamesischen und der
somalischen Gemeinschaft übernehmen Führungen. Der Schwerpunkt liegt
auf den erst kürzlich zugewanderten sowie auf den kleinen Gemeinschaften,
die Schwierigkeiten haben können, sich zu informieren. Während die meisten
interkulturellen Übersetzerinnen und Übersetzer ohne Entschädigung
mitarbeiten, werden einige bezahlt. Das Projekt verfügt über ein
Gesamtbudget von etwa 1000-1500 Franken für Übersetzungshonorare.
Dieses
Pilotprojekt
lief
2002-2003
mit
Unterstützung
der
Erziehungsdirektion des Kantons Bern und in Zusammenarbeit mit den
Organisatoren der BAM an. Es wurde 2003 evaluiert und wird weiterhin
regelmässig durchgeführt.
Stärken des Projekts
Einer der Hauptvorteile des Projekts liegt darin, dass die Eltern direkt in die
Wahl einer nachobligatorischen Ausbildung einbezogen werden. Die Eltern
schätzen es vor allem, dass sie Zugang zu den Informationen und Einblick in
das schweizerische Bildungssystem erhalten; dies bietet ihnen die
Möglichkeit, das Thema in der Familie zu besprechen. Mit diesem Angebot
werden die Eltern bei der Ausübung ihrer Elternrolle wirksam unterstützt.
Zudem ist die informelle Art der Mitwirkung der Freiwilligen als
interkulturelle Übersetzerinnen und Übersetzer zwar ‘handgestrickt’, bietet
jedoch den grossen Vorteil, dass sich damit die zuletzt zugewanderten
Gruppen erreichen lassen, die am wenigsten gut in die Kreisläufe der
organisierten Migration eingegliedert sind. Die Anwesenheit von
Übersetzerinnen und Übersetzern erleichtert das Verständnis der an den
Ständen abgegebenen Informationen und bietet den Eltern auch die
30
Möglichkeit, in ihrer Herkunftssprache Antworten auf die Fragen zu erhalten,
die sie während der Führung stellen können.
Das Projekt erfordert erhebliche Organisationskompetenzen. Da es sich
jedoch auf einen kurzen Zeitraum des Jahres konzentriert, setzt es seitens der
Verwaltung keine grössere Personalinvestition voraus. Aufgrund der breiten
Inanspruchnahme von Freiwilligen hält sich zudem das Budget im Rahmen.
Nähere Informationen:
http://www.erz.be.ch/erz/de/index/berufsberatung/berufswahl/veranstalt
ungen/bam-fuehrungen_fuerfremdsprachigeeltern.html,19.03.2010
http://www.erz.be.ch, 19.03.2010
3.4
Seminar «Eltern begleiten die Berufswahl
kompetent», Kanton Zürich
Wo?
Kanton Zürich
Weshalb?
Abgabe von wichtigen Informationen zum Arbeitsmarkt
und zu den verschiedenen Ansätzen im Bereich der
Berufsbildung
Wie?
Informationsveranstaltungen, Führungen durch die
Infothek
Wer?
Amt für Jugend und Berufsberatung
Besonderheiten: Vorstellung von Auswahl- und Bewerbungsverfahren
Das Seminar für Eltern mit der Bezeichnung «Eltern begleiten die
Berufswahl
kompetent»
besteht
aus
einem
Angebot
der
Berufsinformationszentren, das sich an Eltern im Allgemeinen und an Eltern
mit Migrationshintergrund im Besonderen richtet. Dieses Seminar wird in
jedem Berufsinformationszentrum drei Mal jährlich durchgeführt. Es soll
Antworten auf die Ungewissheiten von Eltern liefern, die mit der Wahl einer
Berufsausbildung für ihr Kind und mit der Suche nach einer Lehrstelle
konfrontiert sind.
In den dreistündigen Veranstaltungen werden allgemeine Informationen zur
Phase des Übertritts von der obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II
abgegeben. Zunächst wird das schweizerische Bildungssystem in Bezug auf
31
die Schulstrukturen beschrieben, die den Eltern bekannt sind. Anschliessend
werden die verschiedenen Etappen der Lehrstellensuche im Detail erläutert.
Im Weiteren wird die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt dargelegt, die
einen Einfluss auf das Angebot an Ausbildungsplätzen hat. Schliesslich
werden psychosoziale Fragen behandelt, d. h. es kommen die Interessen, die
Kompetenzen und das Selbstvertrauen von Jugendlichen zur Sprache.
Vorgestellt
werden
die
verschiedenen
nachobligatorischen
Ausbildungsgänge, wobei der Berufslehre besondere Bedeutung eingeräumt
wird. Die Eltern erhalten beispielsweise grundlegende Informationen zu den
verschiedenen Eignungstests und Selektionsverfahren (Multicheck,
Basischeck). Sie werden veranlasst, über das Interesse für einen bestimmten
Beruf und die Fähigkeiten ihrer Kinder zu sprechen. Zur Sprache kommen
auch verschiedene Berufszweige und Zwischenlösungen (Vorbereitungsjahr
auf die Berufsbildung, Brückenangebote). Schliesslich geht es um die
Bewerbung und um die Frage, wie diese bestmöglich zusammengestellt wird.
Ausbildungsverantwortliche und Ausbildungsleiter von Unternehmen
erläutern ihren Standpunkt, beschreiben bekannte Situationen und berichten
von erfolgreich verlaufenen Bewerbungen, um die Jugendlichen im Hinblick
auf ihre künftigen Anstrengungen zu ermutigen.
Den Eltern wird ein gemeinsamer Besuch der Infothek angeboten. Mit ihnen
werden Themen wie das Teenageralter, die neuen Berufe, die Etappen einer
guten Wahl der Ausbildung, die Lehrstellensuche und die Kompetenzen
behandelt, die für den Zugang zu bestimmten Stellen erforderlich sind. Im
Rahmen der Diskussionen geht es auch um die Aufgabenteilung für die
Optimierung des Übertritts von der obligatorischen Schule in eine
nachobligatorische Ausbildung: die Rolle der Eltern, der Jugendlichen, der
Schule und der Berufsberatungsstelle. Es gehört zu den obersten Zielen der
Organisatoren, dass sich Eltern mit Migrationshintergrund aktiv und
nachhaltig an diesen Informationsabenden beteiligen.
Bislang liegt keine offizielle Evaluation des Projekts vor, doch die
Verantwortlichen haben festgestellt, dass die Teilnahme der Eltern stetig
zunimmt.
Für
Eltern
mit
Migrationshintergrund
sind
diese
Informationsveranstaltungen
nach
wie
vor
eine
beliebte
Diskussionsplattform.
Für die Teilnahme an diesem Seminar, das vom Amt für Jugend und
Berufsberatung des Kantons Zürich und vom Sozialdepartement der Stadt
Zürich unterstützt wird, ist eine entsprechende Anmeldung erforderlich. Von
den Eltern wird ein Beitrag für die Teilnahme verlangt. Dieser beträgt 180
Franken pro Paar und 90 Franken pro Einzelperson.
32
Stärken des Projekts
Die an die Eltern und Jugendlichen abgegebenen Informationen – von den
praktischen Modalitäten von Eignungstests über die Selektion der
Jugendlichen bis hin zur Lehrstellensuche – sind von grosser Bedeutung, um
den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich Gedanken zu ihrem
Berufsleben zu machen und gegebenenfalls in der Familie über Berufe zu
sprechen, die sie an den Führungen in der Infothek kennengelernt haben.
Diese Informationen sind eine sinnvolle Ergänzung der zahlreichen
Vorschläge der Berufsberater zu den Ansätzen, mit denen die Jugendlichen
bei der Wahl ihrer Ausbildung unterstützt werden sollen: Einzelgespräche,
Absolvierung von psychotechnischen Tests (Eignung und/oder Interessen),
Besuch des Dokumentationszentrums des Berufsinformationszentrums,
Praktika, Informationsveranstaltungen in Schulklassen oder Vorstellung von
Berufen.
Weitere Informationen
http://www.stadt-zuerich.ch/content/dam/stzh/sd/Deutsch/LBZML/Merkblaetter%20und%20Formulare/Jugendliche/LBZ_Eltern%20begleit
en%20die%20Berufswahl%20kompetent_20090902_stf.pdf, 26.03.2010
33
4 Gute Praxis: Stärkung der Rolle der Eltern
Auf der Basis der Erfahrung und von Untersuchungen ist bekannt, dass der
Einbezug der Eltern in die Schulbildung ihrer Kinder beim Eintritt der
Jugendlichen in die Sekundarschule stark abnimmt. Dafür gibt es zahlreiche
Gründe: Teilweise gehen die Eltern davon aus, dass sie ihr Engagement
reduzieren müssen, damit sich ihr Kind selbstständig entwickeln kann. In
gewissen Fällen sind die Eltern auch der Auffassung, dass ihre Interventionen
bei Jugendlichen ab einem bestimmten Alter weniger wirksam sind. Die
Jugendlichen wiederum fordern unter Umständen mehr Unabhängigkeit
(Eccles und Harold 1996).
Bei Eltern mit Migrationshintergrund sind diese Phänomene unter
Umständen in verstärktem Ausmass zu verzeichnen. Dies ist auf die
folgenden Gründe zurückzuführen: Bestehen von anderen Elternmodellen;
Zweifel in Bezug auf die Möglichkeit, diese Modelle übertragen zu können;
Gefühl, die Situation nicht im Griff zu haben und damit nicht in der Lage zu
sein, die zugedachte Rolle wirksam wahrnehmen zu können. Mit anderen
Worten könnten Eltern mit Migrationshintergrund von einem Angebot
profitieren, das ihnen hilft, diese Frage zu thematisieren und Lösungen zu
finden. Im Folgenden werden fünf verschiedene Möglichkeiten beschrieben,
wie sich das Ziel, die Eltern bei der Wahrnehmung ihrer elterlichen Rolle zu
unterstützen, in der Praxis umsetzen lässt.
4.1
«Integras-Angebot», Kanton Zürich
Wo?
Kanton Zürich
Weshalb?
Abgabe von praktischen Informationen und Förderung
der Kenntnis der Rolle der Eltern
Wie?
Zweifacher Informationskanal und Erfahrungsberichte
in der Herkunftssprache
Wer?
Amt für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich
Berufsberatung und Laufbahnzentrum des Kantons Zürich
Kulturelle Vereine
Besonderheiten: Teilweise Informationen durch Eltern mit Migrationshintergrund
Persönliche Kontakte
Externe Evaluation / Nachhaltiges Angebot
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Das Projekt Integras gehört zum Informationsangebot in Bezug auf das
schweizerische Bildungssystem, das sich in erster Linie an Eltern mit
Migrationshintergrund
richtet.
Eltern,
Jugendliche,
weitere
Familienmitglieder und andere interessierte Personen werden an
Informationsveranstaltungen willkommen geheissen.
Die Besonderheit dieses Projekts besteht in der Inanspruchnahme einer
ganzen Palette von Mitteln, mit denen Eltern mit Migrationshintergrund – die
Zielgruppe der Informationskampagne – erreicht werden sollen, und in den
persönlichen Einladungen. Die Eltern und Jugendlichen werden mit den
folgenden Mitteln zur Teilnahme an den Informationsveranstaltungen
eingeladen: Flyer, Rundschreiben mit den Veranstaltungsdaten, adressiertes
Schreiben an die Eltern mit einer Einladung, Informationen von
Berufsberatern
oder
Lehrpersonen
und
anderen
Akteuren
(Integrationsspezialisten, Multiplikatoren) in der Phase des Übertritts von der
obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II sowie Telefonanrufe von
interkulturellen Vermittlern an die Eltern.
Da das Ziel darin besteht, die Ausbildungschancen für Jugendliche mit
Migrationshintergrund zu optimieren, ist diese Initiative auf Eltern von
Schülerinnen und Schülern des siebten bis neunten Schuljahres sowie auf die
entsprechenden
Jugendlichen
selbst
ausgerichtet.
Dank
diesen
Informationsmassnahmen haben die Eltern die Möglichkeit, sich mit dem
schweizerischen Bildungssystem vertraut zu machen. Ausserdem geht es
darum, das Bewusstsein für die Rolle der Eltern während der Phase des
Übertritts von der obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II zu fördern.
An den Informationsveranstaltungen werden die folgenden Themen
behandelt: das schweizerische Berufsbildungssystem / Möglichkeiten für die
Wahl einer Ausbildung / Erstellung eines Plans im Hinblick auf die Wahl
einer Ausbildung / Infothek / Gesamtangebot der Berufsberatungsstelle /
Rolle der Eltern / Ausbildungsgänge und Abschlüsse / Unternehmenspraktika
/ Situation auf dem schweizerischen Lehrstellenmarkt / Massnahmen, die zu
treffen sind, wenn Jugendliche keine Lehrstelle finden / Möglichkeiten des
interkulturellen Übersetzens während der Berufsberatung.
Erfahrungsberichte von Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind eine
weitere Besonderheit dieses Projekts: Jugendliche mit Migrationshintergrund
aller Ethnien, denen der Start in die Berufswelt gelungen ist, werden
eingeladen, in der Sprache ihres Herkunftslandes von ihren Erfahrungen, die
sie bei der Wahl ihrer Ausbildung gemacht haben, und von ihrem
persönlichen Ausbildungsweg zu berichten. Damit auch den Unterschieden
zwischen Mann und Frau bei der Wahl der Ausbildung und beim Einstieg ins
Berufsleben Rechnung getragen wird, werden je ein Mann und eine Frau
35
eingeladen, ihren Ausbildungsweg und den Beruf zu erläutern, den sie
ausüben. Die Informationsveranstaltungen werden für portugiesisch, türkisch,
serbisch und albanisch Sprechende durchgeführt.
Das Projekt kam auf Initiative des Amts für Jugend und Berufsberatung
zustande, das mit den Berufsinformationszentren (BIZ) und mit
Vertreterinnen und Vertretern von verschiedenen Immigrantengruppen
zusammenarbeitet. Die regionalen Berufsberatungsstellen setzen das Projekt
vor Ort um, indem sie sich um die Veranstaltung der Informationsabende in
den Städten kümmern. Die Pilotphase des Projekts dauerte von 2000 bis
2006.
Nachdem eine externe Organisation im Jahr 2006 eine Evaluation
durchgeführt hatte, entstand aus dem Pilotprojekt ein nachhaltiges Angebot.
So führen die regionalen Berufsinformationszentren (BIZ) nun jedes Jahr die
Integras-Informationsveranstaltungen für festgelegte Sprachgruppen durch.
Auf der Grundlage von Gesprächen, welche die Mediatorinnen und
Mediatoren mit den Eltern (insgesamt 113 Personen) geführt hatten, wurde
intern eine qualitative Evaluation vorgenommen. Die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer schätzen insbesondere die Übersetzungen, die Gespräche in der
Muttersprache, die Tatsache, dass sich die Berufsberatungsstelle bemüht, ein
Unterstützungsangebot für Personen mit Migrationshintergrund zu
realisieren, die Idee der Partnerschaft Eltern-Schule-Berufsberatungsstelle,
die Führung durch die Infothek und die Möglichkeit, Fragen zu stellen, auf
die sie unverzüglich eine Antwort erhalten.
Stärken des Projekts
Da zahlreiche Mittel eingesetzt werden, um Eltern mit Migrationshintergrund
zu erreichen, können diese davon überzeugt werden, dass sie für die Schule
im Allgemeinen und für den Übertritt von der obligatorischen Schule in die
Sekundarstufe II im Besonderen wertvolle Partner sind. Die Anwesenheit von
interkulturellen Übersetzerinnen und Übersetzern erleichtert die reibungslose
Weitergabe der Informationen und bietet den Eltern die Möglichkeit, in der
Sprache ihres Herkunftslandes klare Antworten auf ihre Fragen zu erhalten.
Die direkt bei den Eltern durchgeführte Evaluation steht im Zusammenhang
mit der Fortführung der erfolgreichen interaktiven Konzeption für die
Elternpartizipation. Die lange Versuchsphase mit der anschliessenden
Evaluation ist ein überzeugendes Beispiel für ein gut durchdachtes Vorgehen,
das diesem Ansatz einen nachhaltigen Charakter verleiht. Von den
verzeichneten Versuchen ist dies der einzige, der im Hinblick auf eine
langfristige Weiterführung konzipiert wurde.
36
Weitere Informationen:
http://www.lotse.zh.ch/documents/region_ost/pressespiegel/Integras.pdf,
19.03.2010
http:// www.berufsberatung.zh.ch, 19.03.2010
4.2
«Elterntreff Berufswahl»,
Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft
Wo?
Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft
Weshalb?
Empowerment der Eltern im Hinblick auf die
Unterstützung ihres Kindes in der Übertrittsphase
Wie?
Mündliche/visuelle Informationen, kollektiver Erwerb
von Know-how und Kompetenzen innerhalb der
Elterngruppe
Wer?
Ämter für Berufsbildung- und Berufsberatung Basel-Stadt
und Basel-Landschaft in Zusammenarbeit mit dem Amt
für Volksschulen BL, dem Erziehungsdepartement Ressort
Schulen BS, dem Sicherheitsdepartement Abteilung
Integration BS sowie der Abteilung Jugend, Familie und
Prävention des Justizdepartementes BS
Besonderheiten: Aktivierung der individuellen und kollektiven Ressourcen
der Eltern, die an den Treffen teilnehmen
Erweiterung auf den Übertritt in die Berufsbildung des
Modells FemmesTISCHE
Der Zweck des Projekts «Elterntreff Berufswahl» besteht darin, insbesondere
Eltern mit Migrationshintergrund zu unterstützen, deren Kinder sich in der
Phase des Übertritts von der obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II
befinden. Dieses Projekt orientiert sich weitgehend an einem
Interventionsmodell, das sich im Gesundheitsbereich bewährt hat, dem
Projekt «FemmesTISCHE». Gemäss diesem Modell treffen sich Personen,
die eines oder mehrere Kinder aufziehen, um über Erziehungsfragen und über
die Rollen aller Beteiligten in der Familie und in der Gesellschaft zu
diskutieren. Im Rahmen des Projekts «FemmesTISCHE» erfolgt ein
Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmerinnen,
37
wodurch alle Beteiligten ihre Kompetenzen ausbauen können. Der informelle
Kontakt, der mit diesem Modell gewährleistet wird, ermöglicht den Aufbau
von Beziehungen und eine Verbesserung des sozialen Netzes der Personen,
die an diesen Treffen teilnehmen.
Damit die Mütter (Grossmütter usw.) ausländischer Herkunft erreicht werden
können, stehen Flyer in 13 verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Die
Moderatorinnen der einzelnen Gruppen stammen aus der gleichen
Gemeinschaft wie die Teilnehmerinnen, so dass sich alle in ihrer
Muttersprache äussern können. Dank dieser Vorgehensweise können auch
Frauen erreicht werden, welche die lokale Sprache nicht oder nur
unzureichend beherrschen. Ausserdem wird ihnen dadurch der Kontakt zu
Frauen aus ihrem Heimatland ermöglicht, die ein unterschiedliches
Integrationsniveau aufweisen. Sie können sich über das schweizerische
Bildungssystem und das Gesundheitssystem informieren und Informationen
über Sprachkurse usw. austauschen. Bei den Moderatorinnen handelt es sich
um Frauen, die mit beiden Umfeldern vertraut sind und auf diese Weise eine
wichtige Rolle als Bindeglied und eine Vorbildfunktion haben. Sie führen die
Teilnehmerinnen mit einem kurzen Video ins Thema ein und leiten
anschliessend
die
Diskussionen.
(Weitere
Informationen
unter
http://www.femmestische.ch)
Das Projekt «Elterntreff» übernimmt dieses Konzept und passt es auf die
Situation des Übertritts von der obligatorischen Schule in die
Sekundarstufe II an. Vor diesem Hintergrund werden die Eltern als
«Ausbildungsexperten» und als ausschlaggebende Personen für die
Unterstützung ihrer Kinder bei der Wahl einer Ausbildung betrachtet. Die
Initianten des Projekts betonen, wie wichtig eine aktive Unterstützung der
Eltern in jenem Zeitpunkt ist, in dem sich deren Kinder für eine
nachobligatorische Ausbildung entscheiden. Dieses spezielle Angebot bietet
ausserdem die Möglichkeit, durch eine auf die Ressourcen und die
Motivation ausgerichtete Arbeitsgruppe mehr Eltern zu erreichen. Es handelt
sich um einen Ansatz, in den die Eltern und die Schule partizipativ
eingebunden werden.
Die Auswahl der Zielgruppen beruht auf einer Analyse der Schulstatistiken.
Demzufolge wird der «Elterntreff» gegenwärtig für albanisch, bosnisch,
kroatisch, serbisch, türkisch, tamilisch, spanisch, portugiesisch und
französisch Sprechende durchgeführt. Die Moderatorinnen, die speziell für
dieses Projekt ausgebildet werden, werden für ihre Leistungen entschädigt.
Damit sie ihr Wissen und ihre Kompetenzen ausbauen können, werden für sie
Weiterbildungen (oder bei Bedarf ein Coaching) durchgeführt, in deren
Rahmen sie sich regelmässig treffen, um ihre Erfahrungen auszutauschen. In
einer zweiten Phase werden die Eltern aufgefordert, Vorschläge zu
38
unterbreiten, und bei Bedarf werden Treffen veranstaltet, an denen
aufgeworfene Fragen behandelt werden.
Das Projekt wird gestaffelt in drei Phasen für Eltern mit Schülerinnen und
Schülern ab dem siebten und achten Schuljahr realisiert. Die erste Phase läuft
während der ersten Hälfte des siebten Schuljahres. Die Eltern werden
eingeladen, sich zusammen mit einer Moderatorin in kleinen Gruppen zu
treffen. Bei diesem ersten Treffen wird als Ausgangsinput ein Film von 22
Minuten Dauer vorgeführt. Anschliessend diskutieren die Eltern über die
gezeigten Szenen, die einem Abbild ihrer eigenen Situation entsprechen. Auf
diese Weise werden die Eltern in Bezug auf die Situationen, die sie mit ihren
Kindern erleben, zu «Experten». Sie erhalten Informationsmaterial in Form
einer Agenda, in der Ratschläge und Informationen zur Berufsbildung
aufgeführt sind.
Die zweite Phase wird während der zweiten Hälfte des siebten Schuljahres
durchgeführt. Die Eltern werden für ihre Rolle beim Übertritt von der
obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II sensibilisiert. Durch eine
emotionale Auseinandersetzung mit ihren Fragen und ihren persönlichen
Erfahrungen lernen sie ihre eigenen Ressourcen kennen. Ein wesentlicher
Punkt sind auch die Verbindungen zwischen den Eltern. Die dritte Phase wird
während der ersten Hälfte des achten Schuljahres umgesetzt. Die Eltern
erhalten konkrete Informationen zum schweizerischen Bildungssystem und
zu den angebotenen Ausbildungsgängen. Sie werden von einer Moderatorin
zu einer Führung in einer Berufsberatungsstelle begleitet.
Der Elterntreff im Zusammenhang mit der Berufswahl der Kinder wurde im
Kanton Basel-Stadt im Jahr 2007 und in einigen Gemeinden des Kantons
Basel-Landschaft im Jahr 2008 lanciert. Die «Elterntreff»-Abende finden in
den Quartieren, in den Räumlichkeiten eines Vereins oder in einem
«Familienzentrum» (FAZ) in den Gemeinden Allschwil, Liestal,
Münchenstein, Pratteln und Waldenburg sowie im «Eltern-Kind
Zentrum Makly» in der Stadt Basel statt. Die Projektdauer ist auf drei Jahre
beschränkt.
Unterstützt wird das Projekt vom Amt für Berufsbildung und Berufsberatung,
vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT), vom Amt für
Wirtschaft und Arbeit des Kantons Basel-Stadt und von der ChristophMerian-Stiftung. Der am Beginn der ersten Phase gezeigte Film steht in acht
Sprachen zur Verfügung. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf
520'000 Franken. 50% dieses Betrags werden für die personellen Ressourcen
und 30% für die Verwaltungskosten eingesetzt.
Auf der Grundlage eines Fragebogens, der an die Eltern abgegeben wurde,
konnte eine erste interne Evaluation des Projekts vorgenommen werden. Was
die Informationsabende und die Berücksichtigung ihres Standpunktes
39
anbelangt, äusserten sich die Eltern positiv. Eine externe Evaluation ist für
Mai 2010 geplant. Diese wird von einer unabhängigen Organisation in Basel
durchgeführt.
Stärken des Projekts
Das
Projekt
ist
nicht
nur
auf
die
Durchführung
von
Informationsveranstaltungen für Eltern und Jugendliche ausgerichtet. Es soll
auch einen Informations- und Erfahrungsaustausch für die Nutzung der
bestehenden Ressourcen und den Aufbau von Beziehungen zwischen den
Eltern ermöglichen und diese kollektiv unterstützen. Die Bedeutung der Rolle
der Eltern wird in jeder Phase der Schulzeit zwischen dem siebten und
neunten Schuljahr betont, und die Idee einer stärkeren Zusammenarbeit
zwischen der Schule und den Eltern wird durch regelmässige Kontakte
gefördert. Die Interaktivität, das zentrale Element des Modells
FemmesTISCHE, ist auch der grösste Pluspunkt dieses Projekts. Das Wissen,
wie die Phase des Übertritts von der obligatorischen Schule in die
Sekundarstufe II angegangen werden muss, wird in einer Atmosphäre des
Vertrauens schrittweise und in der Gruppe erworben.
Die Berücksichtigung der psychosozialen Dimension ist ebenfalls ein
besonderes Merkmal dieses Projekts. Die Frage des Übertritts von der
obligatorischen Schule in eine nachobligatorische Ausbildung wird
umfassend und unter Berücksichtigung der Erfahrungen der Eltern behandelt.
Die praktischen Informationen werden erst zu einem späteren Zeitpunkt
abgegeben. Auf diese Weise sind die Eltern entsprechend vorbereitet und
können die erhaltenen Informationen besser verarbeiten.
Da dieses Projekt über die letzten drei Jahre der obligatorischen Schulzeit
angelegt ist, ermöglicht es eine schrittweise Unterstützung von Eltern und
Jugendlichen. Diese haben auf diese Weise genügend Zeit, um ihre
Überlegungen zu entwickeln und ihren Entscheid reifen zu lassen.
Weitere Informationen
http://www.elterntreffberufswahl.ch, 19.03.2010
http://www.bbe-bs.ch/jugendliche_eltern/tipps-fur-eltern/elterntreffberufswahl, 19.03.2010
40
4.3
«Interkulturelle Vermittlung im
Berufswahlprozess», Kanton Solothurn
Wo?
Kanton Solothurn
Weshalb?
Zielgerichtete Interventionen bei Jugendlichen mit
Migrationshintergrund, die Schwierigkeiten beim Einstieg
in die Berufswelt haben, und bei ihren Eltern
Wie?
Mobilisierung von interkulturellen Vermittlerinnen und
Vermittlern zusammen mit den für das Case Management
zuständigen Diensten
Wer?
Amt für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen, Amt
für Volksschule und Kindergarten, Amt für Wirtschaft
und Arbeit, Amt für soziale Sicherheit
Besonderheiten: Erweiterung des Case Management zu Gunsten von Eltern
mit Migrationshintergrund
Förderung des Bewusstseins für die Rolle der Eltern bei
Familien mit Migrationshintergrund
Das Projekt «Interkulturelle Vermittlung im Berufswahlprozess» (IkV) ist ein
Unterstützungsangebot, das sich in erster Linie an Eltern mit
Migrationshintergrund richtet. Für diese sollen die Voraussetzungen dafür
geschaffen werden, dass sie den Übertritt ihrer Kinder von der
obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II besser begleiten können –
insbesondere in jenen Fällen, in denen die Jugendlichen während dieser
Phase mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Da die Phase der Konzeption
und Vorbereitung des Projekts nun abgeschlossen ist, wird es ab Herbst 2010
in die Praxis umgesetzt.
Dieses Projekt ist Teil einer ganzen Reihe von Massnahmen, die eingeführt
wurden, um die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in
die Arbeitswelt zu fördern. Ab 2004 hat der Kanton Solothurn ein Programm
für die Unterstützung von Jugendlichen entwickelt, die drei Monate vor
Abschluss der obligatorischen Schule Schwierigkeiten mit der Eingliederung
in die Berufswelt haben. Trotz der offensichtlichen Resultate dieses
Programms sind 9% der Jugendlichen am Ende der obligatorischen Schule
arbeitslos: Bei zwei Dritteln davon handelt es sich um Jugendliche mit
Migrationshintergrund. Ausserdem haben die Verantwortlichen des Amtes
für
Berufsbildung
festgestellt,
dass
die
entsprechenden
Informationsveranstaltungen der Schulen von den Eltern mit
Migrationshintergrund nicht besucht werden.
41
Um diese Herausforderung zu bewältigen, haben die Verantwortlichen das
Projekt «IkV» entwickelt. Dieses ist darauf ausgerichtet, intensive und
zielgerichtete Kontakte mit immigrierten Eltern von Schülerinnen und
Schülern aufzubauen, deren Einstieg in die Berufswelt gefährdet ist. Die
Fälle, die innerhalb des Projekts «IkV» zu behandeln sind, werden im
Rahmen der Standardverfahren des Case Management «Berufsbildung»
erfasst.
Die für die Orientierungsklassen zuständigen Lehrpersonen und die mit der
Berufsbildung beauftragten Institutionen werden beim Aufbau von Kontakten
mit Eltern mit Migrationshintergrund von gut integrierten Personen
unterstützt, die eine Ausbildung zum interkulturellen Mediator absolviert
haben. Abgesehen von der Übersetzung von der einen Sprache in eine andere
gewährleisten diese Mediatorinnen und Mediatoren auch die
Berücksichtigung der kulturellen Aspekte der Kommunikation.
Die interkulturellen Vermittlerinnen und Vermittler werden hauptsächlich bei
Institutionen
und
Vereinigungen
wie
Medios
(interkultureller
Übersetzungsdienst), HEKS/EPER (Hilfswerk der evangelischen Kirchen
Schweiz / Entraide protestante suisse) und Caritas Aargau rekrutiert, damit
eine breite Palette der Sprachen von Immigrantinnen und Immigranten
abgedeckt ist. Die Ausbildung, die Unterstützung und die Überwachung der
interkulturellen Mediatorinnen und Mediatoren werden in Zusammenarbeit
mit diesen Organisationen gewährleistet. Sie haben die folgenden Aufgaben:
Übersetzungen, Abgabe von Informationen über das Schul- und
Bildungssystem, interkulturelle Vermittlung bei Kommunikationsproblemen
und Beratung bei Konflikten. Im Hinblick auf die Durchführung dieses
Projekts
wurden
Massnahmen
zur
Sensibilisierung
von
Migrantenvereinigungen und Konsulaten sowie zur Mobilisierung von
integrierten Personen und verschiedenen Organisationen durchgeführt. Eine
interne Evaluation dieses Projekts ist bereits geplant. Mit einer externen
Evaluation bei Halbzeit des Projekts wurde die Fachhochschule
Nordwestschweiz (FHNW) beauftragt.
Im Rahmen des Case Management «Berufsbildung» wird eine Partnerschaft
zwischen der obligatorischen Schule, dem Amt für Berufsbildung, den für die
Integration zuständigen Behörden und den Sozialdiensten des Arbeitsamtes
gebildet,
damit
das
Projekt
«Interkulturelle
Vermittlung
im
Berufswahlprozess»
(IkV)
realisiert
werden
kann.
Dieses
departementsübergreifende Projekt wird von den Behörden, vom
Regierungsrat,
vom
Erziehungsdepartement,
vom
Volkswirtschaftsdepartement und vom Departement des Innern in
erheblichem Masse unterstützt. Seine Finanzierung wird durch das
Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) gewährleistet. Das
42
Pilotprojekt ist über einen Zeitraum von drei Jahren – von 2010 bis 2012 –
angelegt.
Stärken des Projekts
Obwohl dieses Projekt noch nicht direkt in die Praxis umgesetzt wurde,
gehört es zu unserer Auswahl von Versuchen, da es in Bezug auf die
Konzeption der Intervention und die Fokussierung auf Jugendliche mit
Migrationshintergrund und ihre Familien einen innovativen Charakter
aufweist. Aufmerksamkeit verdient insbesondere sein umfassender Ansatz
hinsichtlich der Frage des Übertritts von der obligatorischen Schule in eine
nachobligatorische Ausbildung von Jugendlichen, die Schwierigkeiten mit
der Eingliederung in die Berufswelt haben. Denn das Projekt ist nicht auf
Massnahmen zu Gunsten der betroffenen Jugendlichen beschränkt, sondern
es zieht auch die Eltern stark in den Prozess zur Entwicklung des
Bewusstseins für die jeweilige Situation ein. Mit anderen Worten wird der
Ansatz des Case Management so erweitert, dass auch die Eltern in den
Prozess für die individuelle Betreuung integriert werden.
Gemäss der Analyse der Personen, die das Projekt entwickelt haben,
beschränken sich die Schwierigkeiten der Jugendlichen nicht auf
ungenügende Kenntnisse der lokalen Sprache, sondern hängen auch mit der
Art und Weise zusammen, wie gewisse Eltern mit Migrationshintergrund die
Frage des Übertritts von der obligatorischen Schule in eine
nachobligatorische Ausbildung begreifen. Eine Begleitung, in die auch
interkulturelle Vermittlerinnen und Vermittler einbezogen werden, ist genau
auf die Bewältigung dieser Herausforderung ausgerichtet und könnte sich in
Bezug auf die Schaffung einer besseren Chancengleichheit als entscheidender
Faktor erweisen.
Weitere Informationen:
http://www.so.ch/departemente/bildung-und-kultur/berufsbildung-mittelund-hochschulen/case-management-berufsbildung.html, 19.03.2010
43
4.4
«Genitori, figli e operatori nella nuova
realtà multiculturale», Kanton Tessin
Wo?
Kanton Tessin
Weshalb?
Angebot einer Betreuung für Familien von Jugendlichen,
die im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz
gekommen sind
Wie?
Psychosoziale Betreuung bei Treffen Eltern-Kinder
Wer?
Erziehungs- und Kulturdepartement,
Abteilung für Berufsbildung,
Departement für Institutionen
Departement für Soziales
Dipartimento cantonale dell’istruzione e della cultura –
Divisione della formazione professionale,
Dipartimento delle istituzioni
Dipartimento delle opere sociali
Besonderheiten: Fokus auf Jugendlichen, die im Rahmen des Familiennachzugs vor kurzem in die Schweiz gekommen sind
Besondere Berücksichtigung der familieninternen
Dynamik in einem Instrumentarium für die berufliche
Eingliederung
Einsatz von illustrierten pädagogischen Hilfsmitteln
Das Projekt «Genitori, figli e operatori nella nuova realtà multiculturale»
richtet sich in erster Linie an Jugendliche, die im Rahmen des
Familiennachzugs in die Schweiz gekommen sind, und an ihre Familien. Das
Wiedersehen von Familienangehörigen in einem neuen Umfeld nach einer
langen Trennung kann zu Beziehungsproblemen zwischen den Jugendlichen
und Eltern sowie zu Wertekonflikten führen. Diese Beobachtung wird von
Lehrkräften und Personen, die Jugendliche betreuen, immer wieder gemacht.
Ausserdem wird der Zugang solcher Jugendlichen zu einer
nachobligatorischen Ausbildung durch zahlreiche Schwierigkeiten
beeinträchtigt.
Um diese Herausforderung zu bewältigen, haben das kantonale Erziehungsund Kulturdepartement und die Abteilung für Berufsbildung für diese
Jugendlichen ein Projekt für eine Integrationsvorlehre entwickelt. Bei der
44
Erarbeitung des Projekts wurden die Empfehlungen des BBT aus dem Jahr
2000
berücksichtigt,
die
sich
auf
die
Schaffung
eines
Übergangsausbildungsangebots für die folgenden Personen bezogen: junge
Ausländerinnen und Ausländer im Alter von 15 bis 20 Jahren, Asylsuchende,
Flüchtlinge und Jugendliche, die im Rahmen des Familiennachzugs vor
kurzem in die Schweiz gekommen sind.
Mit dem Projekt werden zwei Ziele verfolgt: Zum einen sollen die
Ausbildung, die Integration und die Berufsberatung für diese Jugendlichen
mit Migrationshintergrund optimiert werden, indem alle Partner, die mit der
Schule zusammenhängen, einbezogen werden. Zum anderen sollen Eltern mit
Migrationshintergrund bei der Begleitung ihrer Kinder in der Phase der Wahl
einer nachobligatorischen Ausbildung mit Informationen, Ausbildung und
Motivierung unterstützt werden. Bei diesem Angebot stehen die folgenden
drei Themen im Zentrum: Selbstkenntnis, Kenntnis der Arbeitswelt und
Kenntnis der sozialen Strukturen. Der Schwerpunkt liegt auf der
Beziehungsebene, um die Familien bei der Anpassung an die neuen
Lebensbedingungen in der Familie zu unterstützen.
Im Rahmen des Projekts sind zwei Unterstützungsmodule vorgesehen. Das
erste besteht in einer individuellen Unterstützung von Jugendlichen mit
Migrationshintergrund durch Unterricht in den Fächern Italienisch,
Informatik und Mathematik sowie in anderen Schulfächern, durch praktische
Arbeiten, die alle zwei Wochen durchgeführt werden, und durch VollzeitUnternehmenspraktika während eines gewissen Zeitraums. Wenn
Jugendliche während dieser Zeit eine Stelle finden, können sie den
Italienisch- und den Mathematikunterricht weiterhin besuchen. In diesen
Fällen arbeiten sie an drei Tagen pro Woche im Unternehmen und werden als
«Hörerinnen und Hörer» zugelassen, damit sie die Lehrveranstaltungen an
der Berufsfachschule besuchen können. Bei einer anderen Möglichkeit für
die Umsetzung dieses Moduls ist ein Nachhilfeunterricht vorgesehen. Die
ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Vorlehreklassen oder der Schule,
die noch Unterstützung benötigen, können einen Nachhilfeunterricht in
Italienisch, Französisch oder Deutsch besuchen.
Beim zweiten Modul werden die Eltern oder das persönliche Umfeld von
Jugendlichen mit Migrationshintergrund eingebunden, indem sie auf die
Phase der Wahl einer nachobligatorischen Ausbildung und auf die
Berufswahl vorbereitet werden. Es ist ein Treffen mit dem Jugendlichen,
seinen Eltern, den Verantwortlichen des Betreuungszentrums und einer
Lehrperson vorgesehen, an dem die Eltern über den Ablauf des Programms
informiert werden. Während dieser Unterredung gehen die Verantwortlichen
beispielsweise auf die Vorstellungen des Jugendlichen zu seinem neuen
Leben in der Schweiz und auf die Informationen ein, die den Eltern bezüglich
der bestehenden Ausbildungsgänge bekannt sind. Bei allen diesen Treffen
45
wird ein Protokoll erstellt, damit die Entwicklung des Jugendlichen
nachvollzogen werden kann.
Seit 2002 wird dieses Programm jährlich von 50 bis 60 Jugendlichen
absolviert. Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern handelt es sich um
Jugendliche, die nicht italienisch sprechen und über eine Bewilligung vom
Typ B, C, F, L oder N verfügen. Der Besuch des Unterrichts ist kostenlos.
Die Jugendlichen müssen lediglich 250 Franken für das Unterrichtsmaterial
und für ausserschulische Aktivitäten bezahlen. Unter Umständen erhalten die
Familien dafür eine finanzielle Unterstützung. Der Unterricht beginnt im
September und wird in der Regel während eines Jahres besucht. Die
Jugendlichen werden von September bis Februar in den Städten Lugano und
Bellinzona fortlaufend in das Programm aufgenommen.
Das Departement für Institutionen und das Departement für Soziales haben
bei der Entwicklung und Realisierung dieses Projekts zusammengearbeitet.
Ausserdem sind verschiedene Vereinigungen daran beteiligt: RADIX
(Schulen im Gesundheitsbereich) für die Suchtprävention, MAY DAY
(Familienplanung) für die Information der Migrantinnen und Migranten über
die Unterstützungs- und Beratungsleistungen, AIDS Tessin (AidsPrävention) mit themenbezogenen Massnahmen bei Jugendlichen. Für die
Finanzierung des Projekts stellt der Kanton über einen Zeitraum von drei
Jahren rund 100'000 Franken zur Verfügung; der Beitrag des Bundes beträgt
500 Franken pro Teilnehmer.
Das Projekt läuft nach wie vor; es war bislang nicht Gegenstand einer
formellen Evaluation, doch es funktioniert zur Zufriedenheit aller beteiligten
Akteure. Die Lehrpersonen und Organisatoren registrieren in den
allermeisten Fällen positive Reaktionen auf die mit den Jugendlichen
durchgeführten Massnahmen. Die letzteren besuchen den Unterricht mit
Begeisterung.
Stärken des Projekts
Das besondere Merkmal des Projekts besteht in seiner Fokussierung auf
Jugendliche, die im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz
gekommen sind, und in der Aufmerksamkeit, die der familieninternen
Dynamik geschenkt wird. Durch punktuelle Treffen mit den Lehrpersonen
und den Verantwortlichen des Programms können die Eltern in ihrer Rolle
bestärkt werden, so dass sie anschliessend in der Lage sind, die individuelle
Wahl der Ausbildung ihrer Kinder und deren Einstieg ins Berufsleben zu
begleiten. Zwischen den Eltern und der Schule entwickelt sich ein
nachhaltiger Dialog, der schliesslich die Zukunftsplanung von Jugendlichen
mit Migrationshintergrund ermöglicht.
46
Ein weiteres Merkmal des Projekts besteht darin, dass sich bestimmte
Vereinigungen zusammen mit den Ausbildungsinstitutionen an den
Massnahmen beteiligen. Sie ermöglichen die Behandlung verschiedener
Fragen, so dass der Dialog innerhalb der Familie wieder aufgenommen
werden kann, der in gewissen Fällen durch die Spannungen nach einer langen
Trennung und durch die schwierige Situation im Teenageralter beeinträchtigt
wird.
Weitere Informationen:
http://www.cptti.ch/cpt/index.php?option=com_content&view=section&layout=blog&i
d=39&Itemid=1162, 19.03.2010
47
4.5
MigrAction, Kanton Waadt
Wo?
Stadt Lausanne
Weshalb?
Reaktion auf die Nachfrage von Eltern nach einer
professionellen Betreuung von jugendlichen Erstmigrantinnen und -migranten
Wie?
Psychosoziale Unterstützung
Wer?
Verein Appartenances, Espace Mozaïk
Besonderheiten: Gemeinsame Analyse des Interventionsbedarfs in
diesem Bereich
Flexible Gestaltung der Beziehungen zwischen
Jugendlichen und ihren Eltern
Auf Vertrauen beruhende Beziehungen zwischen den
Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf einer individuellen
und gemeinschaftlichen Grundlage
Das Pilotprojekt MigrAction ist das Ergebnis von Arbeiten, die der Verein
Appartenances (http://www.appartenances.ch) im Rahmen des Programms
«Valorisation des contributions des migrants à la société» (Nutzung der
Beiträge von Migrantinnen und Migranten an die Gesellschaft) zusammen
mit Migrationsgemeinschaften durchführte. Im Jahr 2007 waren im Rahmen
eines Informations- und Erfahrungsaustausches mit Personen der
Gemeinschaften der Tamilen, der Kurden und von Westafrikanern die
Kompetenzen und positiven Beiträge der Migrantinnen und Migranten in der
Region Lausanne sowie die offenen Fragen aufgezeigt worden. Was die
letzteren anbelangt, steht die berufliche Zukunft von jugendlichen
Erstmigrantinnen und -migranten, die Schwierigkeiten beim Einstieg ins
Berufsleben haben, im Zentrum der Bedenken von Eltern und weiteren
Personen im Umfeld der Jugendlichen. Aus der «gemeinschaftlichen
Analyse» der Eltern resultierte ein ganz bestimmter Bedarf: ein spezielles
Angebot für die Unterstützung bei der sozioprofessionellen Eingliederung
von Jugendlichen aus diesen Gemeinschaften.
Mit dem Projekt MigrAction sind die folgenden hauptsächlichen Ziele
verbunden: Aktivierung und Nutzung der Kompetenzen und Ressourcen von
Jugendlichen mit Migrationshintergrund, Förderung einer proaktiven Haltung
gegenüber dem Lebensentwurf für Jugendliche mit Migrationshintergrund
ohne Ausbildung und regelmässige Arbeit, Unterstützung der Familien von
48
Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei der Suche nach Lösungen
angesichts der schwierigen sozioprofessionellen Integration ihrer Kinder.
Damit sind die folgenden spezifische Ziele verbunden: Die Jugendlichen
sollen veranlasst werden, sich positiv mit Personen zu identifizieren, die ihre
sozioprofessionelle Integration nach einer schwierigen Entwicklung
erfolgreich bewältigt haben. Das soziale Netz der Jugendlichen soll auf der
Grundlage einer solidarischen Haltung mobilisiert werden. Sie sollen ihr
Verantwortungsbewusstsein in Situationen entwickeln, die ihnen
Eigeninitiative und Engagement abverlangen. Ihre Kompetenzen sollen in
den beruflichen Kontext gestellt werden, und der Austausch zwischen
Familien von Jugendlichen über die Probleme, die sie mit ihren Kindern im
Zusammenhang mit der beruflichen Integration haben, soll gefördert werden.
Ursprünglich bestand das Projekt in der Veranstaltung von regelmässigen
Treffen, den sogenannten «soirées familles» (Familienabende), von Eltern
und jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren aus den oben
erwähnten Migrationsgemeinschaften, die Schwierigkeiten mit dem Einstieg
ins Berufsleben hatten. Das Ziel bestand in der Entwicklung von
Elternnetzwerken und in der Mobilisierung von Ressourcen für konkrete
Situationen. Trotz der starken Nutzung der Mozaïk-Begegnungsplattform
mussten die Initianten des Projekts zur Kenntnis nehmen, dass es unmöglich
ist, alle Eltern von Jugendlichen zu erreichen, die Schwierigkeiten mit der
sozioprofessionellen Eingliederung haben: Diese sind vielfach ausserhalb der
sozialen Netzwerke isoliert, obwohl die letzteren vom Verein gut ausgebaut
wurden. Ohne das Ziel eines längerfristig gemeinsamen Ansatzes aus den
Augen zu verlieren, führten die Initianten des Projekts individuelle
Unterstützungsveranstaltungen für Familien mit Jugendlichen durch, die
Schwierigkeiten mit dem Einstieg in die Arbeitswelt bekundeten. Dabei
konnten sie die Mitwirkung von interkulturellen Übersetzerinnen und
Übersetzern in Anspruch nehmen, die eine Ausbildung beim Verein
Appartenances absolviert hatten. Doch in gewissen Fällen sprachen sich die
nun volljährigen Jugendlichen gegen die Teilnahme ihrer Eltern aus. Dies
war insbesondere bei Spannungen innerhalb der Familie der Fall.
Der Status der Jugendlichen, die am Programm MigrAction teilnehmen, ist
unterschiedlich. Es handelt sich um Asylsuchende, die aufgrund ihres Status
keine Lehrstelle finden, um Jugendliche, deren Abschluss in der Schweiz
nicht anerkannt ist, oder um Jugendliche ohne Ausbildung, die ein
Wiedereingliederungseinkommen beziehen. Gewisse Jugendliche haben
keinen Schulabschluss, andere haben eine Eingliederungsklasse besucht oder
ihren Schulabschluss im Herkunftsland erworben, der in der Schweiz nicht
anerkannt ist. Jugendliche, welche die gesamte obligatorische Schule im
Ausland besucht haben, werden teilweise an die Berufsberatungsstelle der
Stadt Lausanne verwiesen, die eine Evaluation ihrer schulischen Laufbahn
49
vornimmt. Das Begleitpersonenteam des Vereins Appartenances bietet auch
eine im Programm integrierte sprachliche Unterstützung an, mit der die
Jugendlichen ihre Französischkenntnisse vervollkommnen können.
Seit 2008 haben knapp 50 Jugendliche dieses Programm absolviert, das 14
Wochen dauert. Im Rahmen von flexibel veranstalteten Treffen, d. h. drei
Mal wöchentlich oder an Halbtagen, haben die Jugendlichen die Möglichkeit,
ihre Kenntnisse in den Fächern Französisch, Informatik und Korrespondenz
zu verbessern und Unterstützung in anderen Schulfächern in Anspruch zu
nehmen. Im Weiteren liegt der Schwerpunkt auch auf der psychosozialen
Unterstützung im Rahmen von Gruppen- oder Einzeltreffen mit den
Projektleitern. Dabei wird am Selbstwertgefühl gearbeitet. Punktuell werden
für spezielle Workshops Betreuungsfachleute engagiert. Einmal wöchentlich
werden Französisch-Workshops veranstaltet, in denen es beispielsweise um
die Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch geht und die allen
Jugendlichen offen stehen. Um den Jugendlichen und ihren Familien positive
Beispiele vorzugeben, werden regelmässig Veranstaltungen durchgeführt, an
denen Migrantinnen und Migranten von ihrem persönlichen Werdegang
berichten. Diese Gruppentreffen fördern den Aufbau von beruflichen Netzen
in einem Geist der Solidarität und ermöglichen die Erarbeitung von
konkreten Projekten.
Das Projekt MigrAction bietet einen Ansatz, mit dem die bereits realisierten
Integrationsmassnahmen ergänzt werden, wobei auf die besonderen
Bedürfnisse von Jugendlichen mit Migrationshintergrund eingegangen wird.
Mit dem Instrumentarium des Projekts MigrAction wird auch ein anderes
Programm für die berufliche Eingliederung ergänzt, das im Kanton Waadt
bereits besteht: das Pilotprojekt FORJAD (Programm für die Eingliederung
von jungen Erwachsenen im Rahmen der Berufsbildung), das im Jahr 2006
vom Regierungsrat für junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren
lanciert wurde. Das Instrumentarium des Projekts MigrAction wurde für die
gleiche Ebene entwickelt, doch es ist zielgerichteter, da es speziell
Jugendlichen
mit
Migrationshintergrund,
die
ein
Wiedereingliederungseinkommen beziehen, den Zugang zu einer
Berufsausbildung ermöglichen will.
Dieses Projekt wird aus verschiedenen Quellen finanziert: Die Stadt
Lausanne und die angrenzenden Gemeinden Renens und Bussigny leisten
ihren Beitrag mit der Unterstützung des Vereins Appartenances. Das
Etablissement vaudois d’accueil des migrants (EVAM, Waadtländer
Institution für die Betreuung von Migrantinnen und Migranten), die für
eintreffende Asylsuchende zuständig ist, leistet fallweise finanzielle
Unterstützung. Beteiligt sind teilweise auch der Service de la protection de la
jeunesse (SPJ, Jugendamt) und das Office du tuteur général
(Amtsvormundschaft).
50
In einer noch informellen Evaluation äusserten die Eltern die Auffassung,
dass die Vermittlerrolle des Vereins dazu beiträgt, den innerfamiliären Dialog
wieder in Gang zu bringen und die Probleme bei der sozioprofessionellen
Eingliederung durch direkte Interventionen und eine konkrete Unterstützung
zu lösen, so dass für die Schwierigkeiten von jungen Erwachsenen kollektive
Lösungen gefunden werden können. Für 2010 ist ein interner Bericht über
das Projekt geplant.
Stärken des Projekts
Dieses Projekt weist die Besonderheit auf, dass es auf einer gemeinsamen
Analyse der Bedürfnisse beruht und demzufolge bei den Gemeinschaften, die
erst vor kurzem in die Schweiz immigriert sind und nur über ein beschränktes
Netz von Kontakten und Ressourcen verfügen, eine grosse Legitimität
geniesst.
Die Unterstützung von jungen Erstmigranten erfolgt gleichzeitig auf zwei
Ebenen: zum einen die individuelle Betreuung und zum anderen der Ansatz
auf familiärer und gemeinschaftlicher Ebene, die über die blosse Information
über die in der Schweiz bestehenden Berufe und Ausbildungen hinausgehen.
Die Besonderheit dieses Betreuungsangebots besteht darin, dass der
Schwerpunkt auf die Mobilisierung der Ressourcen der Jugendlichen mit
Migrationshintergrund und ihrer Familien sowie auf die Präsentation von
positiven Beispielen gelegt wird, bei denen die Berufswahl erfolgreich
abgeschlossen wurde (role models).
Weitere Informationen:
http://www.appartenances.ch/Appartenances_MigrAction.pdf,
19.03.2010
51
5 Gute Praxis: Zusammenarbeit mit den
Migrantenvereinigungen
Sowohl die Weitergabe von Informationen als auch die Unterstützung für die
Rolle der Eltern erfolgen in vielen Fällen über individuelle Netze. Doch
Migrantinnen und Migranten sind als Folge ihrer Migration mit einer
Neuorganisation ihres persönlichen Netzwerks und mit der Notwendigkeit
konfrontiert, in Bezug auf die Zuverlässigkeit der erhaltenen Informationen
mit einer grösseren Ungewissheit zurechtzukommen. In diesem
Zusammenhang spielen die Migrantenvereinigungen eine ausschlaggebende
Rolle, denn sie sind in der Lage, den verschiedenen Informations- und
Unterstützungsquellen Glaubwürdigkeit zu verleihen. Die Zusammenarbeit
mit diesen Vereinigungen entspricht direkt der Empfehlung des Europarats18;
was den kollektiven Einbezug von Migrantenvereinigungen anbelangt,
werden im Folgenden zwei recht unterschiedliche Versuche erläutert.
5.1
«Merkblatt für muslimische Eltern»,
Kanton Bern
Wo?
Kanton Bern
Weshalb?
Religiöse Überzeugungen und Berufsbildung miteinander
in Einklang bringen
Wie?
Schriftliche Informationen – partizipativer Ansatz
Wer?
Erziehungsdirektion des Kantons Bern
Besonderheiten: Einbezug von Migrantenvereinigungen in die Konzeption
des Hilfsmittels
Die Adressaten des Angebots werden nicht ausgehend von
ihrer ethnolinguistischen Herkunft, sondern auf der Basis
ihrer Religion festgelegt.
18
Abschnitt E der Empfehlung bezieht sich auf die Zivilgesellschaft und insbesondere auf
die Migrantenvereinigungen, damit sich diese mobilisieren, um unter anderem im
Hinblick auf einen besseren Übertritt von der obligatorischen Schule in den Arbeitsmarkt
zusammenzuarbeiten.
52
Wie aus der Bezeichnung hervorgeht, besteht dieses Projekt darin, dass ein
Merkblatt für die Eltern von muslimischen Jugendlichen erarbeitet und
abgegeben wird. Dieses Merkblatt ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit
zwischen der Zentralstelle für Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung
(ZBSL), Islamspezialisten und Vertretern von muslimischen Gemeinschaften.
Die ZBSL hatte festgestellt, dass muslimische Jugendliche häufig über
keine Ausbildung verfügen. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, die
religiöse Überzeugung und Praxis der Eltern zu berücksichtigen. Gemäss
der persönlichen Erfahrung der Initiantin bestehen bei muslimischen
Eltern teilweise Ängste, wenn es um die Eingliederung ihrer Kinder,
insbesondere ihrer Töchter, ins Berufsleben geht. Muslimische Eltern
befürchten, dass ihre Kinder durch die Ausbildung veranlasst werden
könnten, sich nicht mehr an die religiösen Vorschriften zu halten.
Deshalb erarbeitete die ZBSL ein Merkblatt für muslimische Eltern, in dem
die folgenden Themen zur Sprache kommen: die Bedeutung einer
Berufsausbildung und von beruflichen Qualifikationen für die
Erwerbstätigkeit in der Schweiz, der Beitrag von Frauen zum
Haushaltseinkommen, die Vereinbarung von islamischen Vorschriften mit
den Umständen einer Berufslehre, das Tragen eines Kopftuchs von jungen
Frauen während der Ausbildung sowie die Ausbildungsmöglichkeiten im
Gesundheitsbereich für Mädchen. Im Merkblatt wird muslimischen
Migrantenfamilien mit Nachdruck empfohlen, dafür zu sorgen, dass
insbesondere auch junge Frauen eine Berufsausbildung absolvieren.
Um zu gewährleisten, dass religiöse Fragen bei der Erarbeitung des
Merkblatts richtig behandelt werden, hatte die ZBSL für die Verfassung
dieser Informationsbroschüre eine Islamwissenschaftlerin beigezogen, die
über einen Abschluss in Islamwissenschaften, Religion und Philosophie
verfügt. Und um überdies sicherzustellen, dass das Merkblatt von
muslimischen Eltern gut aufgenommen wird, hatte die ZBSL die
«Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich» (VIOZ) bei der
Erarbeitung des Merkblatts miteinbezogen. Diese Vereinigung ist seit 1995
die Dachorganisation aller islamischen Organisationen im Kanton und in der
Stadt Zürich. Die VIOZ engagiert sich für den religionsübergreifenden
Dialog und pflegt Kontakte mit der Schule, mit den lokalen Behörden und
mit den Kirchen.
Das im Jahr 2005 erarbeitete Merkblatt wurde im letzten Jahr 4700 Mal
heruntergeladen. Es wird auch über andere Kanäle verteilt, insbesondere bei
von der Berufsberatung veranstalteten Treffen von Eltern mit
Migrationshintergrund und über Lehrpersonen in der obligatorischen Schule,
die es an Schülerinnen und Schüler abgeben, deren religiösen Hintergrund sie
53
kennen. Ausserdem wird das Merkblatt den Eltern und Jugendlichen auch in
der Infothek aller regionalen Berufsberatungsstellen zur Verfügung gestellt.
Im Weiteren können Eltern, Jugendliche und interkulturelle Vermittlerinnen
und Vermittler das Merkblatt auf der Internetseite der ZBSL in mehreren
Sprachen herunterladen (albanisch, arabisch, bosnisch, englisch, türkisch
sowie deutsch, französisch und italienisch).
Nach einer Analyse des Merkblatts durch eine Arbeitsgruppe der ZBSL wird
in diesem Dokument voraussichtlich auch das Thema Ramadan zur Sprache
kommen. Bislang wurde zwar nicht evaluiert, wie dieses Informationsmittel
von den muslimischen Eltern aufgenommen wird, doch die Initianten sind
der Auffassung, dass die Fortsetzung des Projekts gerechtfertigt ist, weil es
einem tatsächlichen Bedürfnis nach Informationen und dem Einbezug der
Eltern entspricht. Innerhalb eines Zeitraums von gut einem Jahr (Dezember
2008 bis Januar 2010) wurde das Merkblatt über 1700 Mal heruntergeladen,
sowohl auf Deutsch (45%) als auch in den Sprachen der Herkunftsländer.
Diese Initiative könnte auch auf die tamilische Gemeinschaft ausgeweitet
werden, für die schon bald ein analoges Merkblatt erarbeitet werden könnte.
Gegenwärtig wird geprüft, ob das Merkblatt auf dem nationalen Portal für
Berufswahl,
Studium
und
Laufbahnfragen
(www.orientation.ch)
aufgeschaltet werden soll.
Stärken des Projekts
Eine Besonderheit dieses Projekts besteht darin, dass die Adressaten nach
religiösen Kriterien festgelegt wurden. Durch den Einbezug von Vertretern
dieser religiösen Minderheit wird dieser Initiative in der Öffentlichkeit
Legitimität verliehen. Durch diesen Einbezug kommt nicht nur der
integrative Zweck dieses Ansatzes zum Ausdruck, sondern er unterstreicht
auch die Konvergenz aller Interessen, die im Zusammenhang mit der
Verfolgung dieses Zwecks bestehen.
Das besondere Element dieser Initiative hängt damit zusammen, dass bei der
Erarbeitung der Informationen Vertreter der Adressaten mitgewirkt haben,
nachdem sie als Ansprechpartner der entsprechenden Minderheit eruiert
worden waren. Somit werden die Informationen von den Adressaten nicht als
Anweisung von offiziellen Instanzen, sondern in Bezug auf einen
erfolgreichen Übertritt von Jugendlichen von der obligatorischen Schule in
die Sekundarstufe II als gemeinsames Projekt und als Ergebnis von
übereinstimmenden Auffassungen der kantonalen Zentralstelle für Berufs-,
Studien- und Laufbahnberatung einerseits und den Experten und
Migrantenvereinigungen andererseits wahrgenommen.
54
Weitere Informationen:
http://www.erz.be.ch/erz/de/index/berufsberatung/migration_und_integr
ation.html, 19.03.2010
http://www.erz.be.ch/erz/de/index.html, 19.03.2010
5.2
«Berufswahlveranstaltung auf Türkisch
und Portugiesisch», Kanton Zug
Wo?
Kanton Zug
Weshalb?
Förderung des Bewusstseins in den entsprechenden
Migrationsgemeinschaften für die Bedeutung der
Berufsausbildung von Jugendlichen
Wie?
Mündliche Informationen
Wer?
Fachstelle Migration
Besonderheiten: Mobilisierung von Lehrpersonen, die Sprachunterricht
und Unterricht über die Kultur des Herkunftslandes
erteilen
Outreach-Ansatz – Informationsveranstaltungen
ausserhalb der Schule an Orten, die den Migrantinnen
und Migranten vertraut sind
Anerkennung der Aktivitäten von Migrantenvereinigungen
Das Projekt «Berufswahlveranstaltung auf Türkisch und Portugiesisch» ist
ein Informationsprogramm für Eltern und Jugendliche dieser beiden
Migrationsgemeinschaften. Der Berufswahlprozess von Jugendlichen ist für
Eltern mit Migrationshintergrund mit zusätzlichen Herausforderungen
verbunden. Deshalb werden jedes Jahr Informationsveranstaltungen zum
Thema Übertritt von der obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II
angeboten, insbesondere in der Muttersprache der türkischen und der
portugiesischen Migrationsgemeinschaft.
An
diesen
Veranstaltungen
werden
die
Eltern
über
die
Ausbildungsmöglichkeiten für ihre Kinder informiert, die sich zwischen dem
fünften und achten Schuljahr befinden. Die strukturierten Erläuterungen zum
55
Übertritt von der obligatorischen Schule in eine nachobligatorische
Ausbildung dienen der Unterstützung von Eltern mit Migrationshintergrund,
die Sprachprobleme haben und hinsichtlich der möglichen Ausbildungsgänge
in der Schweiz nur über unzureichende Kenntnisse verfügen. Um ein
optimales Verständnis der Informationen zu gewährleisten, wird auf die
direkte Kommunikation in der Sprache des Herkunftslandes gesetzt.
Die Informationsveranstaltungen werden in den Räumlichkeiten von
Migrantenvereinigungen durchgeführt (beispielsweise im Restaurant des
Türkischen Vereins Zug). Vertreterinnen und Vertreter der für die Schule und
die Ausbildung zuständigen Behörden erläutern das schweizerische
Schulsystem. Die Anlässe werden mit Musik aus dem Herkunftsland der
Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgelockert. An der anschliessenden
Gesprächsrunde nehmen unter anderem Lehrmeisterinnen und Lehrmeister
teil, die der entsprechenden Migrationsgemeinschaft angehören. Sie berichten
von ihren Erfahrungen mit den Lernenden und legen dar, wie die Eltern ihre
Kinder während der Berufswahl unterstützen können. Lernende mit
Migrationshintergrund erzählen, wie sie den Berufswahlprozess erlebt und
ihre Lehrstelle gefunden haben. Lehrpersonen zeigen auf, welche
Möglichkeiten die Schule für die Unterstützung von Jugendlichen bei der
Wahl der Ausbildung bietet, und sie beraten die Eltern bezüglich der
Begleitung der Jugendlichen bei der Berufswahl.
Die Anwesenden können Fragen stellen und erhalten Antworten aus erster
Hand. Dies wird dadurch erleichtert, dass die Fragen in einem vertrauten
Umfeld gestellt werden können, in dem die Eltern mehr Vertrauen haben. Im
Rahmen der ‘Marktplatz’-Formel beteiligen sich Berufsverbände, der
Gewerbeverband des Kantons Zug und die kantonalen Institutionen, die für
die Bildung zuständig sind (Amt für Berufsbildung, Amt für Berufsberatung,
Bildungsnetz Zug, Beruf Zug, IBA). Dies gibt Gelegenheit, informelle und
persönliche Kontakte zu knüpfen, die von den Teilnehmerinnen und
Teilnehmern besonders geschätzt werden.
Nach den ersten beiden Anlässen wurde eine Evaluation vorgenommen.
Daraus ging hervor, dass die beiden Informationsveranstaltungen als Erfolg
gewertet werden können, da sie eine gut geeignete Plattform für die Abgabe
von Informationen und das Eingehen auf vorhandene Emotionen sind: Die
‘Marktplatz’-Formel erweist sich als ideale Gelegenheit, um die
Befürchtungen der Migrantinnen und Migranten und der Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter der zuständigen Behörden bei ihren gegenseitigen Kontakten
abzubauen.
Dieses Projekt, das zum ersten Mal im Herbst 2009 in die Praxis umgesetzt
wurde, ist das Ergebnis einer Initiative der Fachstelle Migration. Unterstützt
wird das Projekt vom kantonalen Gewerbeverband, vom kantonalen Amt für
56
Berufsberatung, vom kantonalen Amt für Berufsbildung und von der
kantonalen Kommission für die Gleichstellung von Frau und Mann.
Stärken des Projekts
Kennzeichnend für dieses Projekt ist die bedeutende Rolle der Lehrpersonen,
die in der Sprache des Herkunftslandes unterrichten und dieses
Informationsprogramm leiten. Diese Plattform für den Austausch von
Informationen und Erfahrungen, die sich an Eltern türkischer und
portugiesischer Muttersprache richtet, hat den Vorteil, dass die entspannte
Atmosphäre die Kommunikation zwischen den beteiligten Partnern
begünstigt. Diese möchten alle für die Jugendlichen einen reibungslosen
Übertritt von der obligatorischen Schule in eine nachobligatorische
Ausbildung gewährleisten.
Ausserdem werden die Beziehungen zwischen den Einheimischen und den
Migrantinnen und Migranten durch die Anstrengungen für das gezielte
Ansprechen der entsprechenden Migrationsgemeinschaften vertieft. Dies
verstärkt bei den Eltern mit Migrationshintergrund das Gefühl der
Anerkennung und fördert auf diese Weise ihren Einbezug in den
Berufswahlprozess ihrer Kinder.
Ein besonderes Merkmal dieser Initiative ist die Mitwirkung von externen
Akteuren im schulischen Umfeld. So werden im Rahmen dieses Projekts für
die Behandlung der Frage des Übertritts von der obligatorischen Schule in
die Sekundarstufe II Ressourcen einbezogen, die teilweise nicht zum
schweizerischen Bildungssystem gehören.
Weitere Informationen:
http://www.zug.ch/behoerden/volkswirtschaftsdirektion/direktionssekret
ariat/Aktuell/infoanlass-fuer-eltern-ueber-die-berufswahl-, 19.03.2010
http://www.fsm-zug.ch, 19.03.2010
57
6 Gute Praxis: positive Massnahme für einen
Übertritt ins Gymnasium
Praktisch alle der in diesem Bericht präsentierten Initiativen hängen mit der
Berufsbildung zusammen. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass
sich Kinder mit Migrationshintergrund in den meisten Fällen für einen
solchen Ausbildungsweg entscheiden, und es hängt auch mit der Art der
Schwierigkeiten zusammen, mit denen diese Jugendlichen konfrontiert sind.
Wir haben jedoch auch eine Initiative verzeichnet, die auf die Erleichterung
des Zugangs zu einer Allgemeinbildung ausgerichtet ist. Ihre Besonderheit
hängt nicht nur mit ihrem Zweck, sondern auch mit ihrer Organisation
zusammen: Die Initiative wird von einer Privatschule realisiert.
In anderen Einwanderungsländern, wie beispielsweise in Deutschland oder in
den Vereinigten Staaten, wird dieser Ausbildungsweg von privaten
Stiftungen gefördert, wobei dies insbesondere durch Stipendien erfolgt. Diese
Massnahmen sind darauf ausgerichtet, einen Beitrag zum Aufbau einer Elite
mit Migrationshintergrund zu leisten. In der Schweiz dagegen ist dieser
Versuch unseres Wissens absolut einzigartig. Wir haben sie daher als
mögliche Form für die konkrete Umsetzung der Empfehlung des Europarats
in unsere Übersicht über die Initiativen eingefügt19.
19
Der Abschnitt G der Empfehlung bezieht sich auf den Übertritt von der obligatorischen
Schule in den Arbeitsmarkt. Der Schwerpunkt liegt auf dem Zugang zu den Beratungsund Betreuungsleistungen, die darauf ausgerichtet sind, den Jugendlichen den Übertritt in
eine weiterführende Schule oder in eine Berufslehre zu erleichtern.
58
6.1
ChagaLL, Stadt Zürich
Wo?
Stadt Zürich
Weshalb?
Nutzung der schulischen Leistungen von Jugendlichen
in der nachobligatorischen Ausbildung
Wie?
Intensive schulische Unterstützung von Kindern mit
Migrationshintergrund, um ihnen den Eintritt ins
Gymnasium zu erleichtern
Wer?
Gymnasium Unterstrass, mit der finanziellen
Unterstützung von verschiedenen Stiftungen
Besonderheiten: Intervention im Rahmen einer Allgemeinbildung der
Sekundarstufe II
Positive Unterstützungsmassnahme, um jeglicher Form
von institutioneller Diskriminierung entgegenzutreten
Das in der Schweiz einzigartige Projekt ChagALL richtet sich an Jugendliche
mit Migrationshintergrund und deren Eltern. Es wird im privaten Gymnasium
«Unterstrass» in der Stadt Zürich realisiert.
Lehrkräfte, die dem «Verein für das Evangelische Lehrerseminar Zürich»
nahestehen, haben dieses Projekt mit dem Ziel erarbeitet, Jugendlichen mit
Migrationshintergrund, die über das entsprechende Potenzial verfügen, die
Möglichkeit zu geben, ihre Schulbildung über die obligatorische Schule
hinaus fortzusetzen. Auf diese Weise möchte das Gymnasium eine
erfolgreiche
gymnasiale
Ausbildung
von
Jugendlichen
mit
Migrationshintergrund fördern, die über die erforderliche Begabung, aber
nicht über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen. Schülerinnen und
Schüler der achten und neunten Klasse können ihre Unterlagen zusammen
mit einem Empfehlungsschreiben einer Lehrperson einreichen.
Im Rahmen des Programms ChagALL wird den Jugendlichen konkrete Hilfe
in Form von individuellen Unterstützungsmassnahmen angeboten, damit sie
die Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium erfolgreich bestehen. Kürzlich
wurde dieses Angebot auf die Ausbildungen erweitert, die zu einer
Berufsmaturität oder Fachmaturität führen. Der angebotene intensive
Unterricht ist kostenlos und dauert rund acht Monate. Die Schülerinnen und
Schüler werden individuell in Schulfächern wie Deutsch, Mathematik und
Französisch gefördert. Die im Rahmen dieses Projekts betreuten
59
Jugendlichen sind Gegenstand einer Studie, die ein Zürcher Neurologe zum
Thema Selbstwertgefühl durchführt. Während des Schuljahres 2009/2010
werden innerhalb des ChagALL-Programms zwölf Jugendliche aus elf
Nationen unterstützt. Das Projekt wird im Schuljahr 2010/2011
weitergeführt.
Die Eltern der betreuten Kinder werden im Projekt ChagALL als
Ausbildungspartner betrachtet. So sucht die Schule den direkten Kontakt mit
den Eltern, um sie mit dem schweizerischen Bildungssystem und
insbesondere mit langen Bildungsgängen vertraut zu machen.
Das Gymnasium Unterstrass, das von Stiftungen und Gönnern finanziell
unterstützt wird, arbeitet mit den Sekundarschulen des Kantons Zürich
zusammen. Das Projekt wird auch von einem Patronatskomitee unterstützt.
Die Kosten dieser Initiative, die grösstenteils durch Spenden gedeckt sind,
belaufen sich auf 80'000 Franken pro Jahr.
Stärken des Projekts
Dieses Unterstützungsprojekt ist in der Schweiz in mehrfacher Hinsicht
einzigartig: Es ist auf die anspruchsvollste Ausbildungsstufe der
Sekundarstufe II ausgerichtet. In finanzieller Hinsicht werden bedeutende
Mittel eingesetzt. Das Projekt wird in einem privaten Rahmen realisiert, und
es beruht auf einem beträchtlichen Engagement von Lehrpersonen. Diese Art
von Interventionen wird von zahlreichen privaten Stiftungen unterstützt. Dies
ist beispielsweise in Deutschland der Fall (z. B. beim Programm Start
http://www.start-stiftung.de), doch in der Schweiz ist diese Konstellation sehr
aussergewöhnlich.
Das Projekt beruht auf dem Bestreben, für Chancengleichheit zu sorgen.
Indem das Programm ChagALL Jugendlichen die Möglichkeit eröffnet, eine
gymnasiale Ausbildung zu absolvieren oder eine Berufsmaturität zu erlangen,
ist es ein lokales Beispiel, wie Jugendliche mit Migrationshintergrund in
unserer Gesellschaft gefördert werden können.
Weitere Informationen:
http://www.unterstrass.edu/ChagALL.488.0.html, 19.03.2010
60
7 Fazit und mögliche Handlungsansätze
7.1
Fazit aus den positiven Beispielen, die im
Rahmen der Umfrage erfasst wurden
Die Versuche, die heute in der Schweiz unternommen werden, um
Jugendlichen mit Migrationshintergrund, vor allem jenen mit
Schwierigkeiten, den Übertritt in eine nachobligatorische Ausbildung zu
erleichtern, wurden oben im Rahmen einer Übersicht dargestellt. Gestützt
darauf lässt sich ein Profil der Initiativen zeichnen, mit denen versucht wird,
Eltern mit Migrationshintergrund in die Erreichung dieses Ziels
einzubeziehen.
Neuere Erfahrungen
Diese Versuche reichen nicht sehr weit zurück. Einige Initiativen, die in
erster Linie auf die Information ausgerichtet sind, entstanden ab dem Jahr
2000. Jene, mit denen die Mitwirkung der Eltern bei der Schul- und
Berufswahl gefördert werden soll, wurden hingegen erst im Verlauf der
letzten fünf Jahre lanciert.
Neu werden Eltern mit Migrationshintergrund als Adressaten der
Informationen über die Nahtstelle zwischen obligatorischer Schule und
Sekundarstufe II betrachtet. Folglich wird versucht, ausgehend von
bewährten Informationsangeboten eine Reihe von Aktivitäten auf Eltern mit
Migrationshintergrund abzustimmen oder für sie zu entwickeln. Ein Beispiel
dafür sind spezifische Besuche der Berufsberatungsstellen für
fremdsprachige Familien, für die ein Besuch in der Herkunftssprache
ermöglicht wird. Wir betrachten diese neuen Entwicklungen als Folge des
gezielten Vorgehens, das die Behörden veranlasst hat, ein hochgestecktes
Ziel anzustreben: Bis 2015 soll der Anteil der Jugendlichen mit einem
nachobligatorischen Abschluss auf 95% erhöht werden.
Eine Errungenschaft: die Information in der Herkunftssprache
Um Eltern mit Migrationshintergrund zu erreichen, ist es heute üblich
geworden, Informationen – in verschiedener Form – in der Herkunftssprache
abzugeben. Allerdings wird diese Anforderung nach Information in der
Herkunftssprache sehr unterschiedlich umgesetzt; das Spektrum reicht vom
Beizug von Freiwilligen über Lehrpersonen für heimatliche Sprache und
Kultur bis zu professionellen Sprachmittlerinnen und Sprachmittlern.
61
Der Beizug von interkulturellen Übersetzerinnen und Übersetzern
Der Beizug von Fachleuten für interkulturelles Übersetzen scheint sich zu
einer gängigen Praxis zu entwickeln. Der Begriff des interkulturellen
Übersetzens lässt sich am besten anhand der Arbeiten der Schweizerischen
Interessengemeinschaft für interkulturelles Übersetzen und Vermitteln
INTERPRET erfassen. Diese hat erheblich dazu beigetragen, dass sich diese
Fachpersonen im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich etablieren und
dass sich anerkannte Bildungsgänge entwickeln konnten20. Demnach
unterscheidet sich die Arbeit des «Sprachmittelns» (Dolmetschen,
Übersetzen, interkulturelles Übersetzen) von der Vermittlung (Mediation im
Konfliktfall, Kulturmediation und soziokulturelle Vermittlung); die erste Art
von Tätigkeit wird als interkulturelles Übersetzen, der zweite als
interkulturelle Vermittlung bezeichnet.
«Interkulturelle ÜbersetzerInnen sind Fachpersonen für mündliches
Übersetzen in Trialogsituationen. (...) Sie dolmetschen unter
Berücksichtigung des sozialen und kulturellen Hintergrunds der
Gesprächsteilnehmer/innen. (...) Sie kennen die möglichen Missverständnisse
und Konflikte, die in diesem Kontext entstehen können, und können
angemessen darauf reagieren.» «Interkulturelle VermittlerInnen informieren
(...) MigrantInnen und Fachpersonen öffentlicher Dienstleistungen über
kulturelle Besonderheiten, die unterschiedlichen Regeln des Polit- und
Sozialsystems
oder
über
unterschiedliche
gesellschaftliche
21
Umgangsformen» . Ihre Tätigkeit ist auf die Konfliktprävention
ausgerichtet.
Dabei wird davon ausgegangen, dass sich sprachliche Aktivität
(Übersetzung) und Vermittlung (Unterstützung, Beratung usw.) nicht
vollständig voneinander trennen lassen. Das interkulturelle Übersetzen fällt
in den Bereich der Sprach- und Kommunikationstheorie; es umfasst neben
dem Übersetzen auch die Bereitstellung von grundlegenden Informationen.
Demgegenüber bezieht sich die interkulturelle Vermittlung eher auf die
Kulturtheorie und legt den Schwerpunkt auf die kontextbezogenen Aspekte
der Kommunikation (Dahinden und Chimienti 2002).
Grosse Bedeutung der mündlichen Kommunikation
In diesem Zusammenhang ist auf die grosse Bedeutung hinzuweisen, die
neben visuellen Informationsträgern und schriftlichen Dokumenten der
mündlichen Weitergabe der Informationen zukommt. Studien zeigen, dass
20
21
http://www.inter-pret.ch/contenus/shtml/accueil-dt.shtml, 26.03.2010
http://inter-pret.ch/contenus/pdf/Berufspolitik/Begriffe_2005-11-dt.pdf, 26.3.2010
62
sich dieses Instrument besonders gut eignet, um bildungsferne Zielgruppen
zu erreichen (Moret und Dahinden 2009). Die persönliche Dimension, die mit
der mündlichen Kommunikation einhergeht, ist entscheidend, um das Gefühl
von Empathie und Vertrauen zu schaffen, das die Voraussetzung für eine
gelungene Kommunikation bildet. Schriftliche Dokumente sind
wirkungsvoller,
wenn
sie
zur
Unterstützung
der
direkten
zwischenmenschlichen Kommunikation dienen (Brunner 2007).
Präventive und korrektive Massnahmen
Die meisten dieser Massnahmen sind präventiver Art. Sie sind darauf
ausgerichtet, die Frage der Schul- und Berufswahl so anzugehen, dass eine
Desorientierung und Entmutigung, Verzögerungen und Wechsel der
Ausbildungsrichtung verhindert werden. Neben Projekten, die einen
punktuellen Kontakt oder eine einfache Informationsveranstaltung vorsehen,
beziehen sich verschiedene neue Versuche auf einen längeren Zeitraum
zwischen dem siebten und dem neunten Schuljahr der Jugendlichen. Sie
lassen diesen und ihren Eltern somit Zeit, die Informationen zu verarbeiten,
persönlichere Überlegungen anzustellen und eine angemessene Lösung zu
finden.
Nur ein einziges der in diesem Bericht beschriebenen Projekte weist –
zumindest teilweise – eine korrektive Ausrichtung aus, da es als Möglichkeit
entwickelt wurde, wenn andere präventive Massnahmen nicht zum
angestrebten Ergebnis geführt haben.
Individuelle und kollektive Ausrichtung
Die auf Problemsituationen ausgerichteten Massnahmen werden individuell
abgestimmt, indem sie auf die eine oder andere Weise den Ansatz des Case
Management berücksichtigen. Die meisten der erfassten Versuche richten
sich hingegen auf kollektiver Basis an Migrantinnen und Migranten als Eltern
von Schülerinnen und Schülern. Einige Projekte sind auf Eltern mit
Migrationshintergrund ausgerichtet, die Mitglieder einer organisierten
Gemeinschaft wie einer religiösen Gemeinschaft oder eines Vereins sind.
Deutschschweiz an der Spitze
Mehrere der Beispiele, von denen wir Kenntnis erhalten haben, stammen aus
grossen Schweizer Städten, was auf die Konzentration der Migration in den
Ballungszentren zurückzuführen ist. Vor allem die grossen Deutschschweizer
Städte scheinen in diesem Bereich eine Spitzenstellung einzunehmen. Dies
gilt besonders für die Standardisierung des Informationsangebots und für die
Bedeutung, die dem interkulturellen Übersetzen und Vermitteln dort
beigemessen wird. Doch es fehlt auch nicht an Versuchen, die darauf
ausgerichtet sind, die Handlungsfähigkeit der Migrantinnen und Migranten
63
zu steigern (Empowerment). Allerdings scheint dieses Phänomen noch am
Anfang zu stehen, sodass nicht von einer gesicherten Realität ausgegangen
werden kann.
Als Erklärung für die beobachteten regionalen Unterschiede lassen sich zwei
Faktoren anführen: Die Volkszählung 2000 hat ergeben, dass die lokale
Sprache in Familien mit Migrationshintergrund in der Deutschschweiz
weniger stark vertreten ist als in der Westschweiz oder in der italienischen
Schweiz (Lüdi und Werlen 2005). Dies könnte eine grössere Sensibilität
gegenüber der Sprachfrage in den Deutschschweizer Städten zur Folge
haben. Zudem sind die Gruppen von kürzlich Zugewanderten, bei denen ein
höheres Risiko von Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Nahtstelle
besteht, ungleich über das Land verteilt. Dies könnte die Behörden zu einem
proaktiveren Vorgehen veranlasst haben.
7.2
Im Hinblick auf die Kommunikation
zusammenarbeiten, im Hinblick auf die
Zusammenarbeit kommunizieren
Das Ziel dieses Berichts bestand vor allem darin, eine Bestandesaufnahme
vorzunehmen und ein möglichst breites Spektrum von Massnahmen
aufzuzeigen. Es ging nicht darum, Bilanz zu ziehen, da es dazu noch zu früh
ist. Abschliessend können wir hingegen die Perspektive erweitern und
aufzeigen, welche anderen Arbeiten und Wissensfelder einen Beitrag zu den
Überlegungen der Personen, der Behörden oder der kollektiven Akteure
leisten könnten, die ihre Tätigkeit in diesem Bereich gerne weiterführen
möchten.
Zwei neuere Forschungsarbeiten bieten Erkenntnisse, die in die
Überlegungen einfliessen können, wie sich die Mittel besser auf die
angestrebten Ziele abstimmen lassen: Die eine bezieht sich auf die
Informationen für Eltern, deren Kinder eine nachobligatorische Ausbildung
anstreben, und die andere erforscht die Informationskanäle, die von Personen
mit Migrationshintergrund genutzt werden.
Eine im Tessin durchgeführte Studie zur Wahl der Ausbildung am Ende der
obligatorischen Schulzeit interessierte sich unter anderem dafür, wie sich
Familien im Hinblick auf diese Wahl informieren22, und untersuchte vor
22
http://www.sicticino.ch/mobile/3p.asp?IDP=794, 26.03.2010
64
allem die Familiendynamik im Zusammenhang mit der Berufswahl (Guidotti
2009). Fast alle (97%) der in dieser Untersuchung befragten Jugendlichen
erklären, dass die Eltern bei der Wahl der Ausbildung ihre bevorzugten
Ansprechpartner waren; den Eltern kommt bei der Wahl, die die
Jugendlichen schliesslich treffen, das grösste Gewicht zu. Gemäss der
Autorin sind sich die Eltern jedoch ihrer wichtigen Rolle in diesem Prozess
nicht vollumfänglich bewusst. Diese Studie bestätigt somit zum einen die
Bedeutung der Eltern bei der Berufswahl und zeigt zum anderen auf, dass
sich die Eltern selbst über diese Rolle nur teilweise im Klaren sind.
Ein zweiter Aspekt dieser Studie, der hier hervorzuheben ist, ist die langsame
Akkumulation von Informationen und Erfahrungen, die den Schweizer Eltern
ermöglichen, ihre Kinder beim Übertritt in eine nachobligatorische
Ausbildung wirkungsvoll zu begleiten. Denn in dieser Studie erklären die
Eltern, sie würden konsequent die vor Langem erworbenen Kenntnisse zu
den Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten, Auskünfte von Bekannten und
nichtinstitutionelle Informationen zur Nahtstelle nutzen. Bei der Begleitung
in Bezug auf die Nahtstelle kommt dem Sozialkapital somit sehr grosse
Bedeutung zu.
Bei der Entwicklung von Projekten, die sich an die Eltern richten, ist es sehr
hilfreich, die Informationskanäle der (Schweizer und zugewanderten) Eltern
besser zu kennen. Zu diesem Zweck kann eine Forschungsarbeit
herangezogen werden, die darauf ausgerichtet war, die Kommunikationsnetze
zu erfassen, die von Migrantinnen und Migranten – vor allem türkischen und
albanischsprachigen – in verschiedenen Zusammenhängen genutzt werden,
unter anderem für die Stellen- und Wohnungssuche (Moret und Dahinden
2009), und sie mit denen der Schweizerinnen und Schweizer zu vergleichen.
Der Anteil der Personen, die sich für die Stellensuche – eine mit der
Lehrstellensuche vergleichbare Situation – an die Mitglieder ihrer Familie
und an Freunde wenden, ist in den drei Gruppen sehr ähnlich. Allerdings
haben die Autorinnen festgestellt, dass Türkinnen und Türken sowie
Schweizerinnen
und
Schweizer
eine
breitere
Auswahl
von
Informationsquellen heranzuziehen scheinen, da sie das Internet oder die
Lokalmedien noch regelmässiger nutzen als ihr persönliches Umfeld.
Die allen Schülerinnen und Schülern abgegebenen Broschüren sind die wichtigste
Informationsquelle;
danach
folgen
Schnupperlehren,
Websites
und
Informationsveranstaltungen sowie, bei Weitem am wenigsten gebräuchlich,
Betriebsbesichtigungen und Zeitungsinserate. Die Autorin weist jedoch auf die
Abweichung zwischen den Mittelwerten der Nutzung dieser Instrumente und der
«allgemeinen» Verbreitung dieser Instrumente bei den Jugendlichen hin.
65
Kosovarinnen und Kosovaren hingegen neigen dazu, nur Kanäle im Rahmen
der Familie in Anspruch zu nehmen, und verringern damit ihre Chancen, an
Informationen zu gelangen. Die Studie zeigt ausserdem, dass sich Frauen
vorzugsweise an Personen wenden, mit denen sie in direktem Kontakt stehen,
um die gewünschten Informationen zu erhalten, während sich Männer eher
unpersönlicheren Quellen zuwenden. Aus dieser Beobachtung lässt sich
schliessen, dass es möglich und sinnvoll ist, die Massnahmen auf die
Merkmale der Gemeinschaften und Zielgruppen abzustimmen, die erreicht
werden sollen.
Während die am besten ausgebildeten Personen über schriftliche
Informationen erreicht werden können, gilt dies bei bildungsferneren
Personen nicht gleichermassen. Die Resultate der Umfrage zeigen auch
deutlich, dass Medien in der Herkunftssprache der Migrantinnen und
Migranten von bildungsfernen Personen besonders geschätzt werden. Die
Schweizer Medien und das Internet hingegen werden häufiger von den am
besten ausgebildeten Migrantinnen und Migranten genutzt. Diese Studie
weist somit darauf hin, dass die Wege für den Zugang zur
Migrationsbevölkerung erweitert und diversifiziert werden sollten.
Die Tessiner Studie belegt die Bedeutung der Elternarbeit. Die Studie über
die Migrantennetzwerke ihrerseits bietet Hinweise darauf, mit welchen
Modalitäten sich jene Zielgruppen am besten erreichen lassen, die vorrangig
angesprochen werden sollten, die jedoch zugleich am schwierigsten zu
erreichen sind.
Eltern mit Migrationshintergrund fehlt im Gegensatz zu einheimischen Eltern
das Sozialkapital und ein leistungsfähiges Netzwerk, das bei der Begleitung
ihrer Kinder hinzugezogen werden kann. Daher müssen Möglichkeiten
entwickelt werden, damit sich Eltern mit Migrationshintergrund das Knowhow und die Netzwerke aufbauen können, die sie benötigen. Als besonders
vielversprechend erscheinen deshalb jene Initiativen, die es ermöglichen,
allmählich
eine
dauerhafte
Vertrauensbeziehung
zwischen
Migrationsbevölkerung, schulischen Organisationen und Behörden
aufzubauen. Wird in der Informationsphase mit der Migrationsbevölkerung,
ihren Lehrpersonen für heimatliche Sprache und Kultur, ihren Vereinen und
ihren Vertreterinnen und Vertretern zusammengearbeitet, wird damit die
Gruppe und ihre Vernetzung anerkannt. Mit diesem Vorgehen werden
Stereotype beseitigt und Vertrauen geschaffen. Die gemeinsame Erarbeitung
der Botschaft bietet Gewähr für eine fruchtbare Zusammenarbeit im Hinblick
auf die Erreichung eines gemeinsamen Ziels: die Begleitung der
Jugendlichen beim Übertritt von der obligatorischen Schule in die
Sekundarstufe II und damit ins Erwachsenenleben. Grundsätzlich geht es
darum, im Hinblick auf die Kommunikation zusammenzuarbeiten und im
Hinblick auf die Zusammenarbeit zu kommunizieren.
66
7.3
Mögliche Handlungsansätze: Eltern mit
Migrationshintergrund und die
Zusammenarbeit mit der Schule
In diesem letzten Teil wird versucht, mögliche Handlungsansätze für eine
verstärkte Zusammenarbeit der Eltern mit Migrationshintergrund mit der
Schule an der Nahtstelle zwischen obligatorischer Schule und Sekundarstufe
II aufzuzeigen. Dazu stützen wir uns auf die Resultate der Umfrage, die bei
den kantonalen Berufsbildungsämtern durchgeführt wurde, sowie auf die in
Kapitel 2 dargelegten Dokumente, die den Initiativen in diesem Bereich
einen wichtigen Impuls vermittelt haben. Zu erwähnen sind insbesondere der
Bericht «Weiterentwicklung der schweizerischen Integrationspolitik» der
tripartiten Agglomerationskonferenz sowie die Empfehlung des Europarates.
Die Zusammenarbeit der Schule mit den Eltern ist für den
Ausbildungserfolg der Jugendlichen entscheidend. Dies ist eines der
Leitmotive der Empfehlung 2008 des Europarates in Bezug auf Eltern mit
Migrationshintergrund und den Übertritt ihrer Kinder von der
obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II. In den Versuchen, die im
Rahmen dieser Studie erfasst wurden, gelangt dieser Grundsatz bereits zur
Anwendung. Diese erfreuliche Übereinstimmung der vom Europarat
formulierten Wünsche und der Massnahmen, die in den letzten Jahren in der
Schweiz in Bezug auf Eltern mit Migrationshintergrund getroffen wurden,
geht jedoch mit der Notwendigkeit einher, das Angebot von
Mitwirkungsmöglichkeiten für Eltern auszubauen und die Bedingungen der
Nahtstelle entsprechend zu gestalten.
Es ist zu unterscheiden zwischen jenen Formen der Zusammenarbeit, die
sich an alle Eltern und Eltern mit Migrationshintergrund richten und bei
denen präventiv Informationen abgegeben werden, und gezielteren
Kooperationsformen, die sich an jene Eltern richten, deren Jugendliche
Schwierigkeiten haben. Im letzteren Fall erscheint der in der Schweiz
gewählte Ansatz des Case Management Berufsbildung vielversprechend.
Dieser erst kürzlich eingeführte Ansatz wird zweifellos einer systematischen
Evaluation unterzogen, mit der sich seine Wirkung beurteilen lässt.
Die hier aufgezeigten Handlungsansätze beziehen sich grösstenteils auf alle
Eltern, vor allem auf jene mit Migrationshintergrund. Sie gehen von der
Annahme aus – die durch die Literatur breit abgestützt wird –, dass die
Eltern auch bei Heranwachsenden wichtige Bezugspersonen bleiben. Eltern
können ihre Kinder in Fragen der Berufs- oder Ausbildungswahl sowie im
emotionalen Bereich erheblich unterstützen, obwohl der elterliche Einfluss
oder auch das elterliche Engagement tendenziell abnimmt, je mehr sich die
Jugendlichen der Mündigkeit nähern (Eccles und Harold 1996).
67
Die aufgeführten Handlungsansätze beziehen sich auf zwei Bereiche: Der
eine betrifft die möglichen Synergien bei der Organisation der
Informationen, die Mobilisierung der Ressourcen, die Art und Weise, wie
Eltern mit Migrationshintergrund erreicht werden können. Auf dieser Ebene
sollte vermehrt die Übereinstimmung genutzt werden, die zwischen den
Anstrengungen zur Förderung des Schulerfolgs durch die Schule und jenen
Anstrengungen besteht, die unternommen werden, um die Integration der
Migrantinnen und Migranten zu fördern. Der zweite Bereich betrifft Aspekte
der Nahtstelle und Massnahmen, deren Entwicklung wünschenswert
erscheint, um die Anliegen der Eltern mit Migrationshintergrund zu
berücksichtigen.
7.3.1
Situierung der Massnahmen, die auf Eltern mit
Migrationshintergrund ausgerichtet sind, im
Rahmen der Integrationspolitik
In der Schweiz nimmt die Schule seit mehreren Jahrzehnten Kinder von
Migrantinnen und Migranten auf. Damit wurde sie zu einer Schlüsselakteurin
der Integrationspolitik, bevor diese auf Bundesebene überhaupt zum Thema
wurde: Sie hat somit Pionierarbeit geleistet. Unterdessen sind im Bereich der
Integration eine bedeutende Zahl von Akteuren und Ressourcen im Einsatz:
In den letzten zehn Jahren hat die Integrationspolitik eine Phase der
Entwicklung, gesetzlichen Verankerung und institutionellen Einbettung
durchlaufen. Diese kürzlichen Entwicklungen im Bereich der
Integrationspolitik sollten in die Konzeption der Massnahmen einfliessen, mit
denen der Einbezug der Eltern mit Migrationshintergrund in den Prozess des
Übertritts der Jugendlichen von der Schule in eine nachobligatorische
Ausbildung angestrebt wird.
Mit dem neuen Ausländergesetz und dem revidierten Asylgesetz wurde eine
Rechtsgrundlage für die Integrationsförderung geschaffen. Gestützt darauf
haben die für die Integrationspolitik zuständigen Behörden die sektoralen
Ansätze für Gruppen, die dem Ausländerrecht unterstehen (Ausländerinnen
und Ausländer, Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene), zugunsten einer
Integrationsförderung aufgegeben, die auf alle von der Migration betroffenen
Personen ausgerichtet ist. Nach der neuen Aufgabenteilung zwischen Bund
und Kantonen nimmt der Bund im Bereich der Integrationspolitik die
strategische Leitung wahr, während sich die Kantone auf die operative Ebene
konzentrieren und über grosse Organisationsfreiheit verfügen (SODK 2007).
Jeder Kanton hat das Organisationsmodell gewählt, das ihm am besten
68
zusagte. Viele Kantone haben zudem die Gelegenheit genutzt, um die
Integrationsstellen zu stärken und professioneller zu gestalten, ob in Form
eines Kompetenzzentrums oder einer Verwaltungsstelle. Sie sollen langfristig
die gegenseitige Kenntnis, die Kommunikation und den Austausch zwischen
der zugewanderten und der einheimischen Bevölkerung, zwischen
Migrantenorganisationen und öffentlicher Verwaltung sicherstellen und
damit allmählich Vertrauensbeziehungen zwischen allen diesen
Gesprächspartnern aufbauen.
Die Stellen der obligatorischen Schule und der Berufsbildung, die eine
vermehrte
Zusammenarbeit
mit
den
Eltern
und
den
Migrationsgemeinschaften anstreben, können nutzbringende Kooperationen
mit diesen Strukturen eingehen. Die Zusammenarbeit könnte sich auf
verschiedenen Ebenen als vorteilhaft erweisen:
Koordination in der Praxis
In jenem Teil dieses Textes, in dem die Initiativen vorgestellt werden, lässt
sich eine gewisse Nähe zwischen den Massnahmen, die vom Schul- und
Berufsbildungsbereich lanciert werden, und den im spezifischen Bereich der
Bildung zweifellos weniger häufigen Massnahmen feststellen, die vom
Integrationsbereich ausgehen. Es ist anzunehmen, dass sich Synergien
zwischen diesen Kreisen nutzen lassen, die sich für die Erreichung recht
ähnlicher Ziele in Bereichen einsetzen, die sich teilweise unterscheiden.
Diese Koordination ist umso wichtiger, als die Massnahmen für einen
vermehrten Einbezug der Familien mit Migrationshintergrund in den
Übertritt in die Sekundarstufe II nur lokale Aktionen sein können, die für
Kohorten von Schülerinnen und Schülern und deren Eltern auf dem gesamten
Gebiet systematisch angeboten werden müssen. Die Realisierung dieser lokal
abgestimmten Aktionen wird umso einfacher sein, je umfangreichere und
besser für die Aufgabe geeignete Ressourcen sich mobilisieren lassen.
Instrumente wie die Plattformen für den Erfahrungsaustausch (vgl.
www.enzian.ch oder www.kom-in.ch) können sich als wertvoll erweisen, da
sie die Kreativität der lokalen Akteure fördern, die für die Konzeption und
Umsetzung der Angebote für die Elternmitwirkung zuständig sind.
69
Pluralität der Migrationsbevölkerung
Die Koordinationsstellen der lokalen Integrationspolitik zeichnen sich durch
beständige Präsenz und eingehende Kenntnis der Migrationsgemeinschaften
aus, die sich auf dem Kantonsgebiet niedergelassen haben. Daher sind sie in
der Lage, die Pluralität innerhalb der Migrationsgemeinschaften zu
berücksichtigen, die zuweilen in regionaler, ideologischer, sprachlicher oder
religiöser Hinsicht intern tief gespalten sind.
Die Fachleute können dazu beitragen, jene Situationen zu erfassen, in denen
sich diese Spaltungen im Hinblick auf das Anstreben des konkreten
gemeinsamen Ziels überwinden lassen, und sie von jenen Situationen zu
unterscheiden, in denen sie im Kontakt mit den Migrantinnen und Migranten
berücksichtigt werden müssen. Die sprachliche Vielfalt ist nur einer der
Aspekte dieser Pluralität, dem neben dem Sozialprofil der Migrantinnen und
Migranten, der Eltern Rechnung getragen werden muss.
In dieser Hinsicht stellen die Migrantenvereine zweifellos einen idealen
Kanal dar, um langfristig das erforderliche Vertrauenskapital zwischen
Schule und Migrationsbevölkerung aufzubauen. Doch nicht alle Personen mit
Migrationshintergrund sind in Vereinen organisiert. Beispielsweise sind im
Vereinswesen Männer oft übervertreten. Über diesen Kanal lassen sich somit
möglicherweise die Mütter nicht optimal erreichen, die jedoch vom Einbezug
der Eltern in die Begleitung des Übertritts in eine nachobligatorische
Ausbildung genauso betroffen sind wie die Väter. Deshalb bilden die lokalen
Stellen für interkulturelles Übersetzen und Vermitteln einen ergänzenden
Kanal, mit dem sich eine breitere Gruppe ansprechen lässt: Die Präsenz von
Frauen unter den Organisatoren von Informationsveranstaltungen kann für
Mütter einen Anreiz zur Teilnahme darstellen.
Die Pluralität kann auch andere Formen annehmen. Manchmal möchten sich
Personen mit Migrationshintergrund von ihrem Status distanzieren. Die
Leiterinnen und Leiter von Bildungsstellen, die sich in der Elternarbeit
engagieren, konnten beispielsweise beobachten, dass ein Teil der
Migrantinnen und Migranten, selbst der erst kürzlich zugewanderten, die
Informationsveranstaltungen lieber in der lokalen Sprache besucht und sich
über das Internet informiert, d. h. wie jedes andere Mitglied der
Mehrheitsbevölkerung auf die Informations- und Partizipationsangebote
zugreift. Diese Verhaltensweisen gehen mit einer grösseren Vertrautheit mit
der lokalen Sprache und in der Regel mit einem mittleren oder hohen
Bildungsstand einher. In diesem Zusammenhang sollte somit beachtet
werden, dass Überlegungen zur Sprachgemeinschaft oder zur ethnischen
70
Zugehörigkeit nicht ausreichen, um die Welt von Eltern mit
Migrationshintergrund zu erfassen. Mit anderen Worten, Informationen in der
Herkunftssprache sind zwar für viele Eltern mit Migrationshintergrund
notwendig, aber auch die Informationen in der lokalen Sprache richten sich
an sie.
Vertrauen: ein Kapital, das gemeinsam aufgebaut werden muss
Der
Bildungsbereich
könnte
die
Kenntnisse
zu
den
Migrationsgemeinschaften, über die Integrationsfachleute verfügen, nicht nur
für ein differenziertes Vorgehen, sondern auch für den Aufbau von
Vertrauensbeziehungen nutzen. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass
Personen in einer Migrationssituation eher Personen, die ihnen am nächsten
stehen, sowie Personen mit der gleichen ethnischen oder nationalen Herkunft
vertrauen und sich erst danach an die Institutionen wenden (Brunner 2007;
Moret et al. 2008).
Migrantinnen und Migranten stammen oft aus Ländern, in denen staatlichen
Stellen mit Misstrauen begegnet wird. Diese Haltung wird meist auch dann
beibehalten, wenn sie in einem Umfeld leben, das von Vertrauen in die
staatlichen Strukturen geprägt ist, denn Gewohnheiten verändern sich nur
langsam. Mit der Migration erleben die Personen eine erhebliche
Veränderung ihres Bezugssystems, da sich die in sie gesetzten Erwartungen
nicht aus ihren Erfahrungen ergeben. In diesem von Unsicherheit geprägten
Kontext erweist sich die vorrangige Nutzung der «starken Bindungen»
(Granovetter 1973) an die Familie und an die Herkunftsgruppe als
zweckmässige Strategie, um sich zu informieren und Entscheidungen zu
fällen. Brunner (2007) weist zudem darauf hin, dass der Migrationskontext
Misstrauen eher fördert, da Zugewanderte nicht im gleichen Ausmass wie
Einheimische über günstige Voraussetzungen für den Aufbau von Vertrauen
verfügen, d. h. über ein bekanntes Umfeld, Transparenz der sozialen Systeme
und einen leichten Zugang zu Sanktionsmöglichkeiten bei einer
Vertrauensverletzung.
Arbeiten die Schule und die Bildungsämter im Rahmen der allgemeinen
Informationsarbeit mit den Migrantenvereinen und den kantonalen/lokalen
Kompetenzzentren mit ihrer genauen Kenntnis der Migrationsbevölkerung
zusammen, schaffen sie die Grundlage, auf der die Vertrauensbeziehung
zwischen den Eltern mit Migrationshintergrund und den für die Bildung
zuständigen Personen wachsen kann, zunächst auf zwischenmenschlicher und
längerfristig auf institutioneller Ebene.
In einigen der erfassten Projekte findet diese Art von Zusammenarbeit
zwischen Bildungsämtern und Integrationsstellen bereits heute statt, indem
71
insbesondere interkulturelle Vermittlerinnen und Vermittler beigezogen
werden. Diese Zusammenarbeit sollte ausgebaut werden, indem auch die
Kompetenzzentren in die Planung und Durchführung der Informations- und
Austauschveranstaltungen einbezogen werden.
Diese Zentren sind Orte, an denen sich die Migrantinnen und Migranten
neben den Einheimischen vertreten sehen und in einer offiziellen Struktur
über
das
gemeinsame
Ziel,
eine
bessere
Integration
der
Migrationsbevölkerung, zusammenfinden. Somit stellen diese Zentren eine
erste Form der transkulturellen Öffnung der Institutionen der
Einwanderungsgesellschaft dar. Diese Öffnung ist auch für die Strukturen des
Bildungsbereichs wichtig, da damit die Grundlagen für ein höheres Vertrauen
der Migrantinnen und Migranten in das schweizerische Bildungssystem und
folglich für eine bessere Zusammenarbeit geschaffen werden.
Ausbau der Fähigkeiten der Eltern, sich an der Bildung ihrer Kinder zu
beteiligen
In seiner Empfehlung regt der Europarat an, die Mitwirkung von Eltern mit
Migrationshintergrund auszubauen, indem eine Beratungs- und
Orientierungsmöglichkeit in Form von Gruppen- oder Einzelsprechstunden
und nach Möglichkeit eine Schulung entwickelt werden, die darauf
ausgerichtet ist, die Fähigkeit der Eltern zur Mitwirkung an der Bildung,
Entwicklung und Integration ihrer Kinder auszubauen (Abschnitt F, iii).
Diese Empfehlung betrifft natürlich nicht nur die Nahtstelle, sondern die
Begleitung während der gesamten Schulzeit. Hier wird auf Programme für
das family skills training Bezug genommen, die meist auf Familien mit
Kleinkindern ausgerichtet sind. Für unsere Zwecke ist festzuhalten, dass die
Zusammenarbeit mit den Eltern eine langwierige Aufgabe ist, die am besten
ab dem ersten Kontakt der Kinder mit der Schule angegangen wird und deren
Früchte sich unter anderem dann ernten lassen, wenn der Übertritt in eine
nachobligatorische Ausbildung gelingt.
In Bezug auf die Jugendlichen, die vor dem Abschluss der obligatorischen
Schule stehen, erscheint es hilfreich, die Rollen und Aufgaben der
verschiedenen Akteure der Nahtstelle zu klären, damit die Eltern die
Erwartungen kennen, die ihnen gegenüber im System bestehen, und auch in
den Beratungsaktivitäten Instrumente finden können, um diesen Erwartungen
zu entsprechen. Im Zentrum des Berufsbildungsentscheids stehen jedoch
immer noch die Jugendlichen, und ihr Wille, die Eltern einzubeziehen oder
sich ihrem Einfluss zu entziehen, muss respektiert werden. In diesem
72
Zusammenhang kann ein Coach oder eine Mentorin an die Stelle der Eltern
treten oder die Begleitung durch die Familie sinnvoll ergänzen.
7.3.2
Zu berücksichtigende Themen und Aspekte
Einige Aspekte der Nahtstelle könnten noch vermehrt entwickelt werden, um
den Anliegen der Eltern mit Migrationshintergrund Rechnung zu tragen und
das Angebot zu verbessern, das auf den Einbezug der Eltern ausgerichtet ist.
Eine nicht diskriminierende Lehrlingsselektion
Seit einigen Jahren interessiert sich die Forschung in der Schweiz für die
Ungleichheiten, die sich aus einer ungerechtfertigten unterschiedlichen
Behandlung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in der
Schule und in der Ausbildung allgemein ergeben (Haeberlin et al. 2004;
Häfeli und Schellenberg 2009; Imdorf 2007). Heute besteht eine
verschwommene Wahrnehmung dieses Problems, für das Jugendliche mit
Migrationshintergrund und ihre Eltern zu Recht stark sensibilisiert sind. Dies
zeigt die Tatsache, dass in den Hearings der tripartiten
Agglomerationskonferenz Empfehlungen zu diesem Thema abgegeben
wurden (2009a). Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Hearings
äusserten den Wunsch nach einem Monitoring der Rekrutierungen, damit das
Phänomen der Diskriminierung korrekt dokumentiert und in seinen Umrissen
festgehalten werden kann, sowie nach einer gezielten Aktion zur
Sensibilisierung der Arbeitgeber.
Dieses Thema, das schwierig anzugehen ist, kommt in den erfassten
Projekten
indirekt
zum
Ausdruck.
Es
sollte
an
den
Informationsveranstaltungen
angesprochen
werden.
Denn
durch
diesbezügliche Offenheit lässt sich ein Klima des Vertrauens zwischen den
für die Bildung zuständigen Behörden (Schule, Berufsbildungsamt) und
Eltern mit Migrationshintergrund schaffen. Dies gilt vor allem dann, wenn
zusammen mit dem Thema auch die Initiativen angesprochen werden, die
zumindest die unbeabsichtigten diskriminierenden Verhaltensweisen
beseitigen sollen. Diesbezüglich lassen sich einige wenige Beispiele nennen:
Zu erwähnen ist vor allem die Lehrlingswahl der Staatsverwaltung des
Kantons St. Gallen23, mit der ein objektives Selektionsverfahren angestrebt
wird, um allen Bewerberinnen und Bewerben gleiche Chancen zu bieten. Ein
weiteres Beispiel sind die Checklisten für die Lehrlingsselektion in den
Unternehmen wie das Projekt «Zukunft statt Herkunft. Für eine faire
23
Internes Dokument des Departementes des Innern des Kantons St. Gallen. 03.03.2010
73
Lehrlingsselektion», das vom Kaufmännischen Verband Schweiz (KV
Schweiz) und der Gewerkschaft Travail.Suisse24 gefördert wird. Es richtet
sich an Lehrbetriebe, die ihre Lehrlingsselektion effizient und fair
durchführen möchten, und stellt ihnen Instrumente für ein vorurteilsfreies
Verfahren zur Verfügung. Anstrengungen in diese Richtung sind zu
begrüssen.
Wenn die Ausbildungsbetriebe an den Informationsveranstaltungen
teilnehmen und sich dort engagieren, kann Eltern mit Migrationshintergrund
und ihren Kinder aufgezeigt werden, dass Möglichkeiten bestehen, um der
Ungleichbehandlung
von
Kindern
mit
Migrationshintergrund
entgegenzutreten. Diese Mitwirkung setzt voraus, dass die Betriebe und
Personalverantwortlichen zuvor für die Frage der fairen Selektion
sensibilisiert wurden, und zeugt von ihrem Streben nach angemessenen
Lösungen. Der Einbezug von Vertreterinnen und Vertretern der
Zivilgesellschaft stellt somit eine Botschaft der Öffnung dar, die die
Migrantinnen und Migrantinnen in ihren Anstrengungen zur Anpassung an
ihr neues Lebensumfeld und vor allem in der Überzeugung bestärkt, dass
ihnen Chancen geboten werden, diese Anpassung zu erreichen.
Ein entsprechendes Vorgehen steht auch im Einklang mit der Empfehlung
der TAK, die darauf hinweist, dass die Chancen bei der Lehrstellensuche
verbessert werden sollten.
Gezielte Unterstützung für Eltern, deren Kinder nicht in der Schweiz
eingeschult wurden
Gemäss dem Bildungsbericht 2010 (Wolter 2010) besteht bei
Migrantenkindern, die im Verlauf ihrer Schulzeit in die Schweiz kommen,
das höchste Risiko, dass sie keine nachobligatorische Ausbildung besuchen.
In diesen Fällen liegt die Migration oft noch nicht lange zurück, im
Lebensumfeld erfolgten zahlreiche Veränderungen, das Erlernen der Sprache
steht noch in den Anfängen, und von der Familie und den Eltern werden
grosse Anpassungs- und Orientierungsleistungen verlangt.
In diesem Umfeld sind die Eltern auch am empfänglichsten für Informationen
und wissen eine Begleitung zu schätzen, die ihnen hilft, die zahlreichen
Herausforderungen anzunehmen, die sich nicht nur mit der kürzlich erfolgten
Migration – ihrer eigenen oder der ihrer Kinder –, sondern auch mit dem
24
http://www.zukunftstattherkunft.ch/lieber_lehrmeister_de.html, 08.04.2010
74
Heranwachsen ihrer Kinder und deren Eintritt in Schule und Berufsleben
verbunden sind.
Es könnte sinnvoll sein, den Schwerpunkt auf dieses Profil der Migrantinnen
und Migranten und ihrer Familien zu legen. Dies liesse sich zumindest
teilweise in den Angeboten umsetzen, die von den mit der Integration
beauftragten Stellen25 erarbeitet werden, die Begrüssungsveranstaltungen für
neue Einwohnerinnen und Einwohner organisieren.
In seiner Empfehlung fordert der Europarat auch dazu auf, ein besonderes
Angebot für kürzlich zugewanderte Jugendliche und ihre Eltern zu fördern
(Abschnitt F, vii). Dies entspricht der Empfehlung der TAK, die ein
spezifisches Bildungsangebot für Jugendliche in Betracht zieht, die im
Verlauf ihrer Schulzeit in die Schweiz einreisen («ein Integrationsjahr»)
(TAK 2009: 18).
Zugang zum Gymnasium
Die Statistiken zum Ausländeranteil im Gymnasium zeigen, dass im Ausland
geborene Eingebürgerte diesen Schultyp ebenso häufig besuchen wie
Schweizerinnen und Schweizer. In der Schweiz geborene Eingebürgerte
absolvieren gar häufiger eine gymnasiale Ausbildung als Schweizerinnen und
Schweizer. Somit sind es die nicht eingebürgerten Jugendlichen, die in dieser
langen Ausbildung untervertreten sind (Wolter 2010).
In diesem Sinne sind Initiativen wie jene eines Zürcher Gymnasium zu
begrüssen, da sie eine klare symbolische Bedeutung haben und die
Bereitschaft der Gesellschaft des Aufnahmelandes aufzeigen, Kinder von
Migrantinnen und Migranten in die anforderungsreichsten Bildungstypen
aufzunehmen. In diesem Zusammenhang kommen die Kinder von
Migrantinnen und Migranten mit Jugendlichen in Kontakt, die nicht nur in
Bezug auf ihre Nationalität, sondern auch ihren sozialen Hintergrund eine
andere Herkunft aufweisen: Mit derartigen Begegnungsmöglichkeiten in
einem besonderen Rahmen lassen sich Vorurteile wirksam bekämpfen und
das gegenseitige Kennenlernen fördern.
Nicht alle aufmerksamen Beobachter des Bildungsbereichs erachten derartige
Initiativen als vorrangiges Feld, in dem der Staat aktiv werden sollte (Dubet
2010). Diese Initiativen stellen jedoch ein Feld dar, in dem private Akteure
die öffentlichen Massnahmen, die in erster Linie auf benachteiligte
Jugendliche ausgerichtet sind, sinnvoll ergänzen können.
25
Dabei kann es sich um Kompetenzzentren auf kantonaler oder regionaler Ebene
handeln. Doch nicht alle diese Stellen haben die Form von Kompetenzzentren. Teilweise
handelt es sich um Verwaltungsstellen oder um einfache Koordinationsorgane.
75
Evaluation
Die erfassten Projekte sind neueren Datums, was belegt, dass sich die
Förderung der Zusammenarbeit mit Eltern mit Migrationshintergrund zu
einer Priorität entwickelt hat. Zu diesen Versuchen sollte unbedingt ein
Evaluationssystem vorgesehen werden, was noch nicht systematisch der Fall
ist.
Wo eine Evaluation durchgeführt wird, liefert sie wertvolle Hinweise auf die
Faktoren, die für den Erfolg oder das Scheitern entscheidend sind. Diese
Erkenntnisse können bei weiteren Versuchen genutzt werden. Die
Informationen zu den Evaluationsmodalitäten sollten deshalb die Vermittlung
der verschiedenen Versuche und Interventionsmodelle begleiten, damit ein
reflexiver Ansatz verbreitet wird, der die Voraussetzung für ein fundiertes
Vorgehen darstellt.
76
8 Anhänge
Anhang 1: Brief der EDK vom 26. August 2009 an die kantonalen Berufsbildungsämter
Anhang 2: Zusammenstellung über die Ergebnisse der Kantonsumfrage bei
den Berufsbildungsämter
Anhang 3: Zusammenstellung über weitere Tätigkeiten zur Förderung der
Zusammenarbeit mit Migrantenfamilien
Anhang 4: Recommendation of the Council of Europe on strengthening the
integration of children of migrants and of immigrant background
9 Literaturverzeichnis
77
Vorsteher und Vorstehrinnen
der Berufsbildungsämter
________________________
26. August 2009
312.0/11/2009
Projekte und Massnahmen im Bereich Elternbildung und Migration
Sehr geehrte Damen und Herren
Das von der EDK geführte Projekt Optimierung der Nahtstelle zwischen der obligatorischen Schule
und der Sekundarstufe II (www.nahtstelle-transition.ch) befasst sich unter anderem mit dem Thema
Elternbildung / Elterninformation. Dabei richtet sich der Fokus vor allem auf Migranten. Im einem Teilprojekt soll aufgezeigt werden, welche Massnahmen in den bestehenden Bildungs- und Unterstützungseinrichtungen von verschiedenen Institutionen (Kantone, Gemeinden, Migrantenorganisationen)
entwickelt wurden und sich auch bewährt haben. Dazu entsteht im Verlauf der nächsten Monate ein
Bericht, in dem erfolgreiche Beispiele von Projekten und ihre Transfermöglichkeiten aufgezeigt werden. Weiter soll dazu im Juni 2010 eine Tagung stattfinden, an der interessante Projekte vorgestellt
und Massnahmen zur Verbesserung der Situation diskutiert werden. Für diesen Bericht und die geplante Tagung benötigen wir Unterlagen und ihre konkreten Hinweise. Wir bitten Sie deshalb um die
Beantwortung folgender Fragen:
1.
Gibt es in ihrem Kanton Weisungen, Richtlinien oder Empfehlungen zur Elternarbeit allgemein
und spezifisch zur Elternarbeit bei der ausländischen, fremdsprachigen Bevölkerung?
2.
Ist spezielles Schulungs- und Informationsmaterial vorhanden?
3.
Werden in ihrem Kanton auf Kantons- oder Gemeindeebene Projekte und/oder etablierte Verfahren umgesetzt, mit denen die Zusammenarbeit mit den Eltern und insbesondere mit ausländischen/fremdsprachigen Eltern gefördert (bzw. sichergestellt) wird? Diese Projekte sollten u.a. folgende Merkmale aufweisen:
a. Sie enthalten innovative Elemente (z.B. bei Zielsetzung, Vorgehen, Methoden, Trägerschaft,
Finanzierung etc.).
b. Die Initiativen sind in der Praxis umgesetzt und haben sich bewährt (nicht Ideen, sondern wirkungsvolle Projekte, Massnahmen und Verfahren).
c. Die zuständigen Träger / Behörden ziehen eine positive Bilanz (Zielsetzung und Zielerreichung). Die Schlussfolgerungen sind in einem Bericht, allenfalls in einer Evaluation, zusammengefasst.
4.
Die Projekte/Verfahren sollen dokumentiert werden. Gerne möchten wir folgende Elemente zusammentragen:
a. Titel / Kurzbeschrieb
b. Zuständige Person / Ansprechpartner (Name, Adresse, E-Mail, Telefon)
c. Dokumentation: Konzept, Informations- und Schulungsmaterial etc.
d. Bericht/ Evaluation, falls vorhanden
Wir bitten um Angaben zu mindestens lit. a und b. Weitere Unterlagen zu lit. c und d könnten wir
allenfalls direkt bei den entsprechenden Projektträgern einholen.
Bei der Beantwortung der Fragen bitten wir Sie auch, folgende Stellen innerhalb ihres Kantons einzubeziehen:
- Volksschulamt
- Berufsberatung
- Integrationsbeauftragte
Wir sind Ihnen dankbar, wenn Sie uns ihre Rückmeldung bis zum 30. September 2009 zukommen
lassen können.
Freundliche Grüsse
Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren
Robert Galliker, Projektleiter Nahtstelle
Leiter Koordinationsbereich Sekundarstufe II & Berufsbildung
AI
Eltern mit MigrationsInformationsmaterial / hintergrund: allgemeine
Sources d'information Tätigkeiten / Parents
Migrants: action générale
Allgemeine
Grundlagen
http://www.ag.ch/ike/de/
pub/index.php;
Informationsveranstaltungen für "Erfolgreich unterwegs in die
http://www.ag.ch/geleite Eltern und Jugendliche mit
Lehre"
teschule/de/pub/extern Migrationshintergrund
Vitamin L
e schulevaluation.php
Allgemeine
Grundlagen
http://www.ai.ch/dl.php/
de/0cqlmElternarbeit mit
zya4wp/Broschre_fr_Elt
fremdsprachigen Eltern
ern_fremdsprachiger_S
chulkinder.pdf
Elternarbeit mit
fremdsprachigen Eltern
"Stark durch Erziehung"
AR
BE
Lehrplan des
Kantons Bern,
Allg. Hinweise
und BestimDVD ;
mungen 9.
www.erz.be.ch/site/inde
Kinder und
x/fachportal-bildung/fbJugendliche mit
kibb/interkulturMigrationsdokumentehintergrund (Amt
merkblaetter.htm
für Kindergarten,
Volksschule und
Beratung,
AKVB)
BE
Beschreibung / Description
Kontaktperson /
Personne de contact
Massnahmen für mehr Ausbildungsplätze.
Veranstaltungen auf Türkisch und Albanisch Marion Weik
gemacht; Veranstaltungen in Portugiesisch marion.weik@bdag.ch
geplant. Herbst
2009
Marina Lazzarini
marina.lazzarini@ed.ai.ch
071 788 93 69
Dolmetscherliste zur Verfügung
Verein für Fremdsprachige
Eltern und Bildung : Elterninfo Elterninfo über das bernische
zu Übergängen: Kindergarten, Schulsystem auf DVD von der
Schuleintritt, Übertritt und
Stadt Bern
Berufswahl
www.schule.ar.ch
Handbuch: Regelungen betreffend Schulung Walter.Klauser@ar.ch
fremdsprachigen Kinder
DVD Nr. 3 befasst sich mit dem Thema
Oberstufe/Berufswahl, in neun Sprachen
verfasst
031 321 64 60 oder
schulamt@bern.ch
Elternbildungsprojekte zur
Frühforderung /
Deutschspracherwerb von
Eltern und Kindern, Primano,
Mukideutsch, Schrittweise
BE
BE
Eltern mit Migrationshintergrund: Projete zur
Nahtstelle / Parents Migrants:
Projet Transition
Zeitraum /
Calendrier
Kanton /
Canton
AG
Kantonale
Weisungen /
Dispositions
cantonales
Richtlinien zur
Elternarbeit im
Rahmenkonzept
Berufswahlvorbereitung
Sekundarstufe I
Elternabende und
Informationsveranstaltung;
Unterricht in Heimatlicher
Sprache und Kultur, HSK
Der „Verein für fremdsprachige Eltern und
Monika Lichsteiner
Bildung“ organisiert Elternabende für
monika.lichtsteiner@erz.be.ch
fremdsprachige Eltern, deren Kinder die 7.,
8. oder 9. Klasse (Real-, Sekundar- und
www.inter-pret.ch
Kleinklassen) besuchen.
Merkblatt für muslimische Eltern
seit
Lichsteiner
Gezielte Information für Muslimische Eltern Monika
monika.lichtsteiner@erz.be.ch 2005
Führungen für fremdsprachige
Eltern an der Berner
Ausbildungsmesse
BE
Bernische Dachorganisation für
Heimatsprachkurse (HSK)
fördert die Mitgliedschulen in
ihrer Elternarbeit.
BE
BL
Allgemeine
Grundlagen
BL
Allgemeine
Grundlagen
BL
Allgemeine
Grundlagen
BLBS
Integrationsgesetz 2007
http://www.hskbern.ch/elternbildung/
http://www.interunido.ch/cms/front_content.p
hp
Eltern-/Schüler/innen-Anlässe in Zunehmende Elternbeteiligung auch von
den BIZ Liestal und Bottmingen den ausländischen Eltern
Berufsschau Pratteln ;
www.berufsschau.ch
SDBB: Brochüre "Was
nach der Schule" in 15
Sprachen
"Was nach der Schule" im BIZ
Elterntreff Berufswahl
Film
seit
2002
monika.lichtsteiner@erz.be.ch
Monika Lichsteiner
Berufsschau 2009: Führungen für
fremdsprachige Eltern. Diese Führungen
wurden von Mal zu Mal optimiert. Die
Elternführungen werden von geschulten
Kulturmediatoren/innen in acht Sprachen
durchgeführt und von ihnen über die
Kulturvereine propagiert.
Diese Broschüre ist im BIZ verfügbar. Auch
im Rahmen der Baselbieter Berufsschau in
Pratteln von Ende Oktober 2009 wurde
diese Broschüre im Rahmen der
Elternführungen für fremdsprachige Eltern
abgegeben.
Neue niederschwelligere Bildungsangebote,
welche auf die speziellen Bedürfnisse der
Eltern mit Migrationshintergrund
zugeschnitten sind und welche die
eigenaktiven, partizipativen Kräfte der
Betroffenen zu stärken vermögen
Monika Schweizer,
Berufsberaterin BIZ
Liestal, 061 927 28 10,
monika.schweizer@bl.ch
Elterncafé (enfants 0-5 ans)
keine
Weisungen zur
Elternarbeit
ElKi-Kurse / MuKi Kurse
(Gemeinden Düdingen und
Wünnewil)
seit
2005
http://www.berufsschau.ch
Steffi Wirth von Blarer
steffi.wirth@bl.ch
seit
2007
Trudi Zurschmiede
trudi.zurschmiede@bs.ch ab
Steffi Wirth von Blarer
2009
steffi.wirth@bl.ch
Steffi Wirth von Blarer
steffi.wirth@bl.ch
info@elterntreffberufswahl.ch
Andreas Ladner
andreas.ladner@bs.ch
Benedikt Arnold
(Case Management)
benedikt.arnold@bs.ch
Kampagne Stark durch
Erziehung
BS
FRde
BAM Messe-Rundgängen in 9
verschiedenen Sprachen
Rita Jungo Kittel
Monatlich. Familienbegleitung als
079 798 31 71
Intensivangebot über einige Wochen, durch
Education Familiale eingeboten.
Susi Pettinato (Düdingen)
079 626 80 19
Erziehungsfragen ins Programm
Francisca Januth
aufgenommen
(Wünnewil)
031 741 53 88
seit
2007
Reto Furter (Service de la
formation professionnelle)
FurterR@fr.ch
FR-fr
dispositions
générales
brochure du Centre de
services Formation
professionnelle l
orientation
professionnelle,
universitaire et de
carrière (CSFO)
FR-fr
GE
dispositions
générales
concernant les
nouveaux
arrivants
GL
GR
JU
brochure éditée par le
GREM - Groupement
L'organisation Education
de rencontre écoleFamiliale met sur pied des
parents migrants - pour
Cafés parents-enfants.
les enfants en âge
préscolaire
keine
Weisungen zur
Elternarbeit
La brochure a été rééditée en 2008 en cinq
langues. Elle peut être téléchargée sur le
site de la bibliothèque interculturelle de
Fribourg <www.livrechange.ch>, rubrique
«réseau migrants».
Cristina Tattarletti
(déléguée à l'intégration)
026 321 48 70
contact@educationfamiliale.ch
Claire Steiner (GREM)
gremfri@bluewin.ch
Giovanna Garghentini
Python
Faire un apprentissage en
Suisse, cours à l'intention des
jeunes migrants et de leurs
parents (cours organisé deux
fois)
Ecole de parents
www.ge.ch/integration/d
Cours de langue d'origine pour
oc/publications/bienven
les élèves des classes
ue-a-ge.pdf;
d'accueil des degrés
www.ge.ch/integration/d
secondaire I et II Services
oc/publications/courslinguistiques pour nonfrancais.pdf;
francophones. Lien:
http://www.geneve.ch/e
http://www.icvolunteers.org/ind
galite/doc/formation/toiex.php?what=projectslong&id=
quelle-orientation.pdf
359&language=fr
Stark durch Erziehung (von
Roten Kreuz) Elterntische
Schnittstellenprojekt für
Lernenden mit
Migrationshintergrund
Carole Laupener Menninger
(Orientation professionnelle)
026 305 41 17
Tristan Balmer Mascotto
tristan.balmer@etat.ge.ch
Sylvain Rudaz
sylvain.rudaz@etat.ge.ch
Eltern und Mütterberatung
Der Uebertritt in die
Oberstufe der
Volksschule im Kanton etablierte Verfahren zur
Graubünden /
Sprachenfrage
Uebertritte innerhalb
der Oberstufe
Brochure "Que faire
Service de traduction Caritas
après l'école" éditée en
Jura
15 langues (CSFO)
Carole Laupener Menninger
(Orientation professionnelle)
026 305 41 17
Lourdes Girolimetto
noch
lourdes.girolimetto@gl.ch unklar
Giosch Gartmann (Amt für
Volksschule und Sport)
giosch.gartmann@avs.gr.ch
Rita Wiesendanger (Amt
für Berufsbildung)
rita.wiesendanger@afb.gr.ch
Classe d'accueil et transition pour
adolescents allophones
nouveaux venus dans le Jura
http://www.beruf.lu.ch/b
eratung/bslb.htm;
http://www.brueckenan
geboteluzern.ch/08_Fuer_Fre
msprachige.htm
LU
LU
Einmal pro Jahr wird ein
Informationsabend für
fremdsprachige Eltern vom
Zentrum für Brückenangebote
veranstaltet.
Berufswahlfahrplan
SDBB: Brochüre "Was
nach der Schule" in 15
(Dienststelle
Sprachen
Berufs- und
Weiterbildung)
Miteinbezug der Eltern in Berufsintegrationscoaching BIC für
Jugendliche mit
Migrationshintergrund und/oder
schulisch Schwache.
LU
2006-2008: Mentoringprogramm für
Migrantenjugendliche,
Elterninformationsarbeit zum
FABIA
Incluso Mentoring
Berufsbildungssystem an den Schulen,
Fachstelle für die Beratung und Elterninformationsarbeit
Verena Wicki
Motivation von zukünftigen
Integration von Ausländerinnen http://www.fabialuzern.ch/index.p
v.wicki@fabialuzern.ch
Lehrverantwortliche für die Einstellung von
und Ausländern
hp?sid=74
Migrantenjugendliche. Seit 2008, ist das
Programm beim Berufsintegrationscoaching
(BIC) angeschlossen.
LU
FABIA
Fachstelle für die Beratung und
Von der Schule zum Beruf
Integration von Ausländerinnen
und Ausländern
Informationsveranstaltungen für
Organisationen und Vereine von
Migrantinnen und Migranten sowie weitere
Interessierte
Stark durch Erziehung Sprachförderung im
Frühbereich - Elternbildung
Der Kanton Luzern hat ein Familienleitbild
erstellt
LU
Elternbildung als
Kantonsaufgabe
http://www.disg.l
u.ch/familie_fam
ilienleitbild_07.p
df (Dienststelle
Soziales und
Gesellschaft)
http://www.kabMunterwegs- mentoring für
emmen.ch/munterwegsPrimarschulkinder
konkret
LU
NE
dispositions
générales
concernant les
nouveaux
arrivants
http://www.ne.ch/ana
Réseau d'interprètes
socioculturels à disposition
Plates-formes d’échange
organisées par les écoles
(niveau communal) pour les
parents d’élèves migrants
Informationsveranstaltungen zum
Thema "So helfe ich meinem
Kind beim Lernen"
Bruno Rütsche
b.ruetsche@fabialuzern.ch
Kantonale Dienststelle
2007
Soziales und Gesellschaft
KAB - Emmen
(Katholische Arbeiter
Bewegung)
brochure "Après l'école
obligatoire" :
http://www.ne.ch/neat/si
te/jsp/rubrique/rubrique.
jsp?StyleType=marron
&CatId=6191
NE
NW
Allgemeine
Grundlagen,
Volksschulgeset
z- NG 312.1
NW
Integrationsförderungsprogramm
OW
Allgemeine
Grundlagen,
Bildungsgesetz
Elternforen, zur Förderung der
Mitwirkung aller Eltern
Einstiegsfilm
Uebersetzte Flyers;
www.sichereelternstarkekinder.ch
Offene Tür - multikultureller
Frauentreff- Alpnach
Elternarbeit im Rahmen der
Berufsfindung unter spezieller
Berücksichtigung von
bildungsfernen Personen oder
Migranten/innen.
OW
SG
seit
2008
KindergartenVorbereitungskurs für
fremdsprachige Kinder und
Eltern in Sarnen
OW
SG
Judith Studer
judith.studer@
bildungsplanung-z.ch
Barbara Etienne
041 666 63 62
"Geschprächsrunden:
Elterntische für fremdsprachige
Eltern". Thema: Lernen : ein
Kinderspiel
Weisungen und
Empfehlungen
im Volksschulgesetz. Ein
Schwerpunkt:
Elternmitwirkun
Bzgl. Migranten:
Weisungen und
Empfehlungen
zur Beschulung
von Kindern mit
Migrationshintergrund
Vernetzungsworkshops
Flyer
St Galler Forum : "Acht Sachen
die Erziehung stark machen".
Vätertag
Elternbildungskalender Projekte für alle Eltern
Gerhard Britschgi
(Berufs- und
Weiterbildungsberatung)
gerhard.britschgi@ow.ch
Förderung Elternmitwirkung
www.schule.sg.ch
markus.schwager@sg.ch
Leiter Elternbildung,
Bildungsdepartment SG
markus.schwager@sg.ch
Bildungsdepartment SG
geplant
für
2010
SH
Allgemeine
Grundlagen,
Schulgesetz,
Schuldekret.
Schaffauser
Leitfaden für
eine kohärente
Integrationspolitik
Schulung und Einfürung der
Uebersetzer in die SchulBerufsbildungslandschaft
Schweiz
SO
SO
Allgemeine
Grundlagen
SZ
Allgemeine
Grundlagen,
Volksschulgeset
z - SRSZ
611.210
Elternbildung und Migration
Einsatz von gut integrierten
Migrantinnen und Migranten als
"Schlüsselpersonen"
TG
Primarschule Gemeinde
Sulgen, Schulgemeinde
Kreuzlingen Deutschkurs für
fremdsprachige Mütter mit
gleichzeitiger Betreuung der
Kinder im Vorschulalter.
Primarschule Romanshorn
"Kinderzimmer". Deutschkurse
in Frauenfeld, Romanshorn,
Kreuzlingen, Weinfelden.
TI
dispositions
générales
Rolf Dietrich
rolf.dietrich@ktsh.ch
Berufswahlplattform
Prävention von Jugendarbeitslosigkeit als
eine Verbundaufgabe von Schule,
Berufsberatung,
Renato Delfini
Lehrstellenmarketing, Eltern und Wirtschaft.
renato.delfini@dbk.so.ch
Jene Schüler/innen, die im März noch keine
Anschlusslösung haben, werden von einer
Coachingperson betreut
seit
2004
IkV_ interkulturelle Vermittlung im
Berufswahlprozess (Case
management «formation
professionnelle »)
Führung und Unterstützung im
Berufswahlprozess
Familiäre Begleitung der Jugendlichen die
am Ende der Volksschule arbeitslos sind.
seit
2010
Formation, information et
motivation Parents-Enfants
Renato Delfini
renato.delfini@dbk.so.ch
Hamit Zeqiri
integration-sz@kom-in.ch seit
Cornelia Müller
2009/
cornelia.muller@kom-in.ch 2010
www.kom-in.ch
Elternabende: "Stark durch
Erziehung"
SZ
Allgemeine
Grundlagen,
Volksschulgesetz
Zusammenarbeit mit den Eltern
Nahtstelle Schule-Berufsbildung
www.kom-in.ch
"Genitori, figli e operatori nella
nuova realtà multiculturale.
Appoggio genitori dei giovani
stranieri appena giunti in
Svizzera"
Elterneinbezug in Kindergarten mit hohem
Anteil fremdschprachiger Eltern
Sibylle Janett
071 642 29 63
Begegnungstätte für fremdschprachige
Mütter
Eduard Bächi
071 463 23 63
Soutien aux parents dans
l'accompagnement des enfants dans la
phase d'orientation scolaire et
professionnelle.
Objectif: amplifier et diversifier les
possibilités de choix de formation pour les
jeunes d'origine étrangère
Sergio Bello
sergio.bello@ti.ch
decspretirocinio.integrazione
@ti.ch
depuis
1992
UR
Allgemeine
Grundlagen
VD
dispositions
générales,
conformément
aux objectifs de
la CIIP 2003; Loi
sur l'intégration
des étrangers et
la prévention du
racisme 2007
Verein Schule&Elternhaus
schémas explicatifs sur
différents systèmes
scolaires en regard
avec celui du canton de
VD
http:www.vd.ch/fr/them
es/formation/scolaritobligatoire/schemasexplicatifs
Zusammenarbeit zwischen dem Amt für
Deutsch- und Integrations-Kurse Volksschulen und dem Amt für
Amt für Berufsbildung
für Eltern mit
Berufsbildung. Mentoringsystem für
berufsbildung@ur.ch
Migrationshintergrund
Migranten während dem Berufswahlprozess
Ihrer Kinder
Conventions pour services
d'interprétariat avec les
établissements scolaires.
Information parents-école à
travers les associations de
parents
geplant
für
2010
Philippe Martinet
Service de l'enseignement
spécialisé et de l'appui à
la formation (SESAF)
philippe.martinet@vd.ch
VS
Buch : Erwin Egloff,
Elternratgeber
Berufswahl,
Informationen und
Arbeitshilfen zur
Berufswahl, Schulwahl
und Laufbahn von
Jugendlichen.
Lehrmittelverlag des
Kantons Aargau 2007
ZG
Esther Dunn
dunn@fsm-zug.ch
Martin Strickler (Kanton
ZG)
041 728 37 09
"In Zug zu Hause" : geplantes
Projekt
ZG
ZG
ZH
Berufsinformationveranstaltungen
Informationsveranstaltung für die Eltern in
des BIZ für Eltern mit
türkischer und portugiesischer Sprache
Migrationshintergrund (Projekt)
Spezifische
Weisungen zur
Arbeit mit Eltern
mit Migrationshintergrund,
Verordnung zum
EG BBG (VEG
BBG) vom 8.
Juli 2009
Spezielle Schulungsund
Informationmaterialen
für Elterseminare
"Berufswahl":
Berufswahlveranstaltung auf
türkisch und portugiesich
Informationsveranstaltung im Vereinslokal
des «Türkischen Vereins Zug» mit
türkischen Lehrmeisterinnen und
Lehrmeistern und türkischsprachigen
Lernenden
Elternseminar "Berufswahl
kompetent begleiten"
Eltern werden in der Berufswahlbegleitung
ihrer Kinder unterstutzt. Sie werden über die Stephanie Ganz
zeitlichen Abläufe, die heutige Berufswelt,
stephanie.ganz@ajb.zh.ch
Eignungstests und die Selektion informiert.
M. Yüksel Tellici
tellici@fsm-zug.ch
www.fsm.zug.ch
geplant
für
Ende
2009
ZH
Spezielle Schulungsund
Informationmaterialen
für Integras
Veranstaltungen
ZH
Spezielle Schulungsund
Informationmaterialen
für Elternorientierung
im BIZ
ZH
ZH
D-CH
Sonderschau
Film
Integras-Angebot
Informationsveranstaltungen für Eltern,
Jugendliche und Interessierte aus
bestimmten Sprachgruppen, von
Kulturvermittlern übersetzt. Jugendliche
erzählen in ihrer Muttersprache von Ihren
Erfahrungen mit der Berufswahl und der
Lehrstellensuche
Elternorientierung im BIZ
Die Eltern lernen die zuständige
Berufsberaterin/berater kennen, sowie das
BIZ, die Infothek und die entsprechenden
Beratungs- und Informationsangebote.
Stephanie Ganz
stephanie.ganz@ajb.zh.ch
Stephanie Ganz
stephanie.ganz@ajb.zh.ch
Private Initiative: sie richtet sich an schulisch
starke Migranten, die unterstützt werden,
http://www.unterstrass.edu
ChagALL
den Sprung ans Gymnasium zu
/ChagALL.488.0.html
wagen/schaffen
Eva Schumacher
Züspa- 16+: Fremsprachige Eltern sind an
e.schumacher@16plus.ch 16+:
Züspa - Sonderschau "Berufe an Messe Samstagen
und
1998 der Arbeit"
eingeladen.VermittlerInnen begleiten die
fremdsprachige_eltern@ 2004
Eltern durch die Ausstellung
yahoo.de
Brücken bauen, die Welten der
Kinder verbinden, Film
Der Film „Brücken bauen – Die Welten der
Kinder miteinander verbinden“ wird in den
gleichen Bereichen eingesetzt, wie die
Vorgängerfilme: Spielgruppen,
Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen, in
Elternräten und Elternbildungsprojekten
sowie in der Suchtprävention
Der
Film
www.schulverlag.ch
wurde
ISBN 978-3-292-00559-5
im April
boppart@schulbegleitung.ch
2009
s.scuh@bluewin.ch
fertiggestellt.
Kanton /
Canton
Eltern mit Migrationshintergrund:
allgemeine Tätigkeiten / Parents
migrants: action générale
Beschreibung / Description
BE
Frauentreff - Thun
Frauen aus verschiedenen Kulturkreisen treffen sich regelmässig (www.frouebrogg.ch)
Rotes Kreuz "Mitten unter uns"
Fremdsprachige Kinder und Jugendliche, die neu in der Schweiz leben, verbringen
regelmässig mehrere Stunden pro Woche bei einer in der Schweiz verwurzelten Gastfamilie
oder Person. Der Austausch dauert 6 oder – verlängert – 12 Monate
BL
www.integration.bl.ch
Der Internetauftritt (www.integration.bl.ch) wird laufend ausgebaut. Zudem wird im Rahmen
des Projekts contaktNet.ch vom Migroskulturprozent die Möglichkeit eines integrations/migrationsspezifischen Internet-Eintrittsportals geprüft.
BL
www.auslaenderdienstbl.ch
Aufschalten der wichtigsten heimatsprachlichen Flyer und Broschüren auf
www.integration.bl.ch und www.auslaenderdienstbl.ch/
Fremdsprachigen Medien
Im Rahmen von Leistungsvereinbarungen mit in der Schweiz produzierten fremd-sprachigen
Medien werden gezielt Informationen zum Leben in der Schweiz in Türkisch (Zeitschrift
Merhaba), Albanisch (Albaradio; Gratiszeitschrift Albsuisse), Spanisch/ Portugiesisch
(Zeitschrift Terra Migrante) aufbereitet sowie mit dem mehrsprachigen Radio X, welches
Programme in Bosnisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Kroatisch, Kurdisch,
Portugiesisch, Serbisch, Spanisch, Tamilisch und Türkisch sendet.
Das Sendegebiet umfasst die Stadt Basel und neuerdings (2009) auch die umliegenden
Regionen (Basel-Landschaft). Die Inhalte werden in Absprache mit der Fachstelle Integration
bestimmt, welche auch Einsitz im Beirat einnimmt.
BS / BL
www.integration-bsbl.ch
Integrationsdatenbank Kantone BS & BL: www.integration-bsbl.ch - Die
Integrationsdatenbank BSBL wurde gemeinsam konzipiert, überarbeitet und unterhalten.
Liefert sehr viele Links für die ganze Schweiz und andere Kantone.
BS / BL
Kantonale Integrationskonferenz (KIK)
Die Kantonale Integrationskonferenz (KIK) wurde 2009 neu geschaffen und befasst sich
unter anderem mit der Aufbereitung von Informationen für Migranten.
BE
BS / BL
BS / BL
Runde Tische
BL: Es werden koordinierte Lösungen für spezifische Probleme angestrebt. Der kantonale
Runde Tisch Integration trifft sich 2-4 mal pro Jahr für einen Austausch zu
integrationsspezifischen Themen.
BS
"Kulturvermittlung Birsfelden " im
Kindergarten und Primarschule
Im Bereich der Zusammenarbeit Eltern - Schule werden aufgrund festgestelltem Unwissen
der Eltern ganz gezielt Informationsveranstaltungen mit Interkulturellen Vermittlern
durchgeführt, Paradebeispiel dafür ist das Projekt "Kulturvermittlung Birsfelden"
(www.schulen-birsfelden.ch/ps/projekte/kulturvermittlung-an-den-birsfelder-schulen/).
FR-D
ElKi-Kurse / MuKi Kurse (Gemeinden
Düdingen und Wünnewil)
Erziehungsfragen wurden ins Programm aufgenommen
FR-F
Education Familiale café parents-enfants
LU
Kriens (www.kriensintegriert.ch)
Freiwillige Begleitpersonen unterstützen Migrantinnen und Migranten bei der
Alltagsbewältigung (begleitungen@kriensintegriert.ch)
LU
Caritas Luzern
Freiwilligenarbeit bei der Caritas (Begleitung von Migrantenfamilien im Alltag, kann sich zu
einer jahrelangen Zusammenarbeit/Freundschaft/gegenseitigen Hilfe entwickeln)
UR
‚mytopjob’
Berufswahl: das Projekt möchte eine Berufswahl unabhängiger von traditionellen
Geschlechterrollen fördern (http://www.ur.ch/de/bkd/afb/kampagne-mytopjob-m1779/)
ZG
Migros Kulturprozent Projekt
(www.contakt-net.ch)
Projektidee: eine Plattform, worauf Informationen zum Leben in der Schweiz von Migranten
in ihrer Muttersprache publiziert werden. Im Kanton Zug wurde das Projekt auf dem Link
<www.zuginfo.ch> umgesetzt (ebenfalls umgesetzt in St. Gallen). conTAKT-net.ch stellt
interessierten Gemeinden ein Set von Förderungsleistungen zum Aufbau einer Infowebsite
für Migranten zur Verfügung.
ZH
www.integration.winterthur.ch
ZH
Interkultureller Infotreff Dübendorf
Das Projekt wurde evaluiert. Kontakt: maramsauer@bluewin.ch
Link: http://www.idocintegration.zh.ch/internet/ji/integr/idoc/de/iDoc_Suche/iDoc_DB.searchformactiondetails.html
?datasetid=8753&elem0023=&Themen=Elternbildung&Zielgruppen=&Sprachen=&Methoden
=&FinanzielleProjektuntersttzung=&elem0022=&
Anhang 4:
Recommendation CM/Rec(2008)4 of the Committee
of Ministers to member states on strengthening the
integration of children of migrants and of immigrant
1
background
(Adopted by the Committee of Ministers on 20 February 2008 at the 1018th meeting of the Ministers’ Deputies)
The Committee of Ministers, under the terms of Article 15.b of the Statute of the Council of Europe,
Considering that the aim of the Council of Europe is to achieve greater unity between its members and that this
aim may be pursued, in particular, through common action and the adoption of common policies in the fields of
migration and youth;
Recalling the 1950 Convention for the Protection of Human Rights and Fundamental Freedoms (ETS No. 5) and
its Protocols;
Recalling the 1996 revised European Social Charter (ETS No. 163) ;
Recalling the United Nations Convention on the Rights of the Child;
Recalling the Common European Framework of Reference for Languages (CEFR): Learning, Teaching,
Assessment and the European Language Portfolio (ELP) and their importance in developing language
competence and intercultural dialogue;
Considering that the integration of migrants and persons of immigrant background is a pillar of social cohesion
of European societies;
Considering that integration is an interactive process based upon mutual willingness to adapt by both migrants
and the receiving society;
Considering the importance of providing equal and effective access to educational opportunities, regardless of
gender, origin, social background and area of residence;
Considering that there is an urgent need in many member states to strengthen the integration of children of
migrants and of immigrant background into school and society;
Considering, in particular, that access to preschool establishments is important for facilitating the socialisation
and language acquisition of children of migrants and of immigrant background;
Considering, in particular, that many newly-arrived migrant children have limited proficiency in the language of
instruction and a different educational experience that can impede their progress at school, and that also some
children of immigrant background enter school without possessing sufficient command of the language of
instruction;
Considering, in particular, that in many member states more children of immigrant background than other
children leave school prematurely without a diploma or other recognised school-leaving certificate;
Considering, in particular, that many young people of immigrant background have difficulties in the successful
transition from school to the labour market;
Considering that the intercultural competence of school teachers and other professionals working with children
in the educational system as well as their ability to manage diversity in the classroom are of paramount
importance for the successful integration of children of immigrant background at schools;
Considering that the cultural, religious and linguistic diversity of society should be respected and promoted at
schools in order to promote social cohesion;
1
Fett: In den verschiedenen Kapitel dieses Berichtes erwähnte und kommentierte Empfehlungen.
Considering that migrant parents and parents of immigrant background should be encouraged and supported in
their parental role and in their efforts to facilitate the integration of their children and that, in particular, they
should be involved in the schooling process of their children;
Considering that adequate information about the educational system for migrant parents and parents of
immigrant background is vital in empowering them to support the educational process and school performance
of their children;
Considering that the active participation of civil society and migrants’ associations in the integration of migrant
children should be actively promoted;
Considering that, more generally, migrants and persons of immigrant origin should participate in drafting,
adopting and implementing decisions and policies that concern their well-being and integration;
Recalling the importance of the principles of human rights, education for democratic citizenship, and
intercultural competence for teachers and other professionals responsible for the welfare of children, including
health and social workers,
Recommends the governments of member states, in accordance with the guidelines hereafter, introduce into their
policy and practice measures to improve the integration of newly-arrived children of migrants into the
educational system, provide children of migrants with adequate language skills at a preschool level, prepare
children of migrants and of immigrant background approaching school-leaving age for a successful transition
from school to the labour market, and overcome the difficulties faced by these children living in segregated areas
and disadvantaged areas.
Concerning the communication of this recommendation and its follow-up,
Member states are encouraged to translate the present recommendation into their official language(s) so as to
ensure that relevant actors fully understand its implications. Member states should, in any event, draw its
principles to the attention of the public and private bodies concerned in their respective countries, via the
appropriate national channels;
Member states should define indicators making it possible to measure compliance with the principles of the
present recommendation and application of its provisions.
Appendix to Recommendation CM/Rec(2008)4 on strengthening the integration of children of migrants and of
immigrant background
A.
Language learning (...)
B.
Staff recruitment and development (...)
C.
Human rights, democratic citizenship and diversity (...)
D.
Integration into school life (...)
E.
Civil society, migrants and their associations
9.
Civil society and, in particular, migrants’ associations should be actively encouraged to support the
integration of migrant children into both school life and the wider society. To do this, member states
should put in place such measures as they consider appropriate including those set out below. Where
necessary, these measures should benefit from appropriate public funding.
i.
Regular forms of consultation and participation (for example, councils and round tables) should be put in
place with a view to developing and maintaining co-operation between schools, relevant authorities (social
and health authorities) and civil society, including migrants and their associations.
ii.
Migrants and their associations should be encouraged to organise the following initiatives in cooperation with local authorities and schools:
– language courses for children of preschool age;
– participation of migrant children as mentors in mentoring schemes for newly-arrived children of
migrants;
– preparation of children approaching school-leaving age for the labour market;
– information campaigns and cultural events involving all children (migrants and non-migrants alike) and
aimed at promoting awareness of cultural, religious and linguistic diversity.
10. School buildings should be made available to migrants and their associations outside school hours
(evenings and weekends) for the purpose of organising collective social, sport and cultural activities with
the participation of migrant children.
F.
Support for parents of migrant children
11. In order to facilitate the integration of children of migrants into both school life and the wider society,
member states should put in place measures to support and strengthen the parental role of migrant parents
and parents of immigrant background. They should adopt such measures as are most suited to the particular
circumstances prevailing in their countries and the situation of the immigrant population, including the
measures set out below. The general policy of member states should be to promote the financial
independence of migrant parents through appropriate social, employment, education and training measures.
i.
Preschool institutions, in co-operation with migrants and their associations, should organise regular joint
activities for parents and children with a view to encouraging language learning by children of preschool
age through play and creative pursuits.
ii.
Co-operation between parents and schools should be developed, including joint activities at school
involving parents and children (both migrants and non-migrants) and that focus on developing language
skills and cultural exchanges (for example, day trips, cultural events and sports activities).
iii.
Schools should offer migrant parents advice and guidance in the form of one-to-one or group
consultations and, if possible, training with a view to enhancing the parents’ capacity to assist in their
children’s education, development and integration. In giving guidance and counselling to migrant
parents, their views on parenting and educational policies should be taken into account. Local
authorities should consider organising groups of parents (both migrants and non-migrants) to
discuss parenting, educational policies and other issues relevant to the upbringing and welfare of
their children.
iv.
Migrant parents should be given the opportunity to learn the language of instruction of their children.
v.
Migrant parents should be encouraged to participate actively in school events and activities together with
their children.
vi.
Migrant parents should be actively included in the permanent and regular mechanisms of
communication and information exchange between schools, parents and local communities (for
example councils, regular consultations).
vii. Educational authorities and schools should provide information for migrant parents, particularly for
newly-arrived migrants, about the national school system, including its organisation, opportunities
for preschool education, conditions for enrolment, the curricula, examinations and the rights and
obligations of parents and their children. Several means of making this information available and
targeting it to migrant parents should be considered, for example, parents’ meetings, brochures,
leaflets and videos/DVDs. Migrants and their associations should be encouraged to disseminate this
information. The information should be provided in a manner that can be easily understood by the
parents.
viii. Relevant national, local and/or regional authorities should provide information to newly-arrived migrant
parents regarding the opportunities available to them to participate in working and community life as well
as on the possibilities of becoming financially independent.
G.
Facilitating transition from school to the labour market
12. In order to ensure a smooth transition from school to the labour market, develop the child’s full
potential and avoid unemployment, member states should put in place measures for the benefit of
children of migrants and of immigrant background who are approaching school-leaving age and
young people seeking employment or having recently found employment. These measures should be
adapted to the conditions prevailing in member states and include those set out below.
i.
Young migrants should be entitled to information, advisory, guidance and counselling services that
are provided by education and employment authorities to support them in developing career
management skills necessary to enter and successfully perform in the labour market.
ii.
Advisory, guidance and counselling services should include information on apprenticeships and
mentoring schemes. These services may include a permanent staff member appointed as a career
advisor with special responsibility for particularly disadvantaged children, including migrant
children, and career development centres for young people that involve both the relevant education
and employment authorities.
iii.
Education authorities and schools should consider offering, in appropriate cases, flexible study
arrangements (for example, evening classes, part-time school attendance, combined study and work
schemes).
iv.
Public authorities should encourage employers, particularly in areas and/or sectors where recruitment
through informal networks is prevalent, to organise workplace induction schemes with a view to giving
them an opportunity to meet future school leavers and assess their knowledge, skills and aptitude.
v.
Mentoring schemes, particularly for newly-arrived migrant children in their final years of school, should be
encouraged and supported through, for example, financial incentives, making available specialised staff and
recruiting retired and/or senior employees to act as mentors.
vi.
Public authorities and NGOs should work directly with private industry and public employers to raise
awareness of the possible discriminatory consequences of their recruitment procedures in relation to young
school leavers of immigrant origin and of the need to take appropriate action. In this respect, particular
attention should be given to ensuring their effective access to apprenticeships and other workplace training
schemes.
H.
Children living in segregated areas and disadvantaged areas (...)
9
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