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Infoblatt vom 05.11.2014 - Rbb

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rbb PRAXIS sucht Ihre Krankengeschichte!
Sie haben gesundheitliche Beschwerden? Sie sind schon bei verschiedenen Ärzten gewesen und
haben immer noch keine klare Diagnose? Sie wären bereit, sich einer Live-Diagnose im Studio zu
unterziehen? Sie wohnen in Berlin oder Brandenburg? Wir können Ihnen vielleicht helfen.
Dann bitten wir Sie, uns kurz Ihre Krankengeschichte zu schildern und Kopien Ihrer Arztbefunde
zu schicken. Wenn möglich, legen Sie bitte ein Foto von sich bei.
Wir arbeiten mit einer Reihe von Ärzten zusammen, die zur Live-Diagnose zu uns ins Studio
kommen. Vielleicht finden wir Ärzte, die Ihnen helfen könnten.
Schreiben Sie uns eine E-Mail und schicken Sie Arztbefunde als Anhang an:
praxis@rbb-online.de
oder schicken Sie uns alles per Post an:
Redaktion rbb PRAXIS
Masurenallee 8-14, 14057 Berlin
rbb Praxis – Das Gesundheitsmagazin
am 05.11.2014, 20.15 – 21.00 Uhr
Die Themen:
Lebensgefährliche Bauchschmerzen: Niereninfarkt
Mythen rund um den Schlaf
Blitzschnell wieder fit: Augenringe
Lichttherapie gegen Winter-Blues?
Hautkrebs anerkannt als Berufskrankheit
Abenteuer Diagnose History: Die Helden von Bern
Lebensgefährliche Bauchschmerzen: Niereninfarkt
Pro Tag durchfließt unser Blut etwa 300 Mal die Nieren. Diese filtern und reinigen es.
Versagen die hochkomplexen Filter-Organe, und werden wir nicht behandelt, können wir
innerhalb weniger Tage versterben. Das Fatale: Nicht immer merken wir gleich, dass mit
unseren Nieren etwas nicht stimmt. Schmerzen im Bauchraum etwa werden zunächst
gar nicht den Nieren zugeordnet. So vergeht kostbare Zeit im Kampf um die Rettung der
Nieren.
Etwa vier Prozent der Bevölkerung erleiden im Verlaufe ihres Lebens einen
Niereninfarkt. In den meisten Fällen verläuft er stumm, also unbemerkt und wird nicht
diagnostiziert. Anzeichen, die mit einem Niereninfarkt einhergehen, können stark
variieren und sind oft nicht eindeutig. Bauchschmerzen beispielsweise passen genau wie
Herzrasen, Fieber, Übelkeit und Erbrechen auch zu einem Herzinfarkt oder einem
durchbrechenden Magen- oder Darmgeschwür. Eine eingeschränkte Urinausscheidung
oder Blut im Urin wiederum weisen auf ein Problem der harnableitenden Wege hin.
Allerdings kommt der Arzt mit den üblichen Standarduntersuchungen hier oft nicht
weiter: Die Sonographie der Niere beispielsweise zeigt im Akutfall noch gar keine
Veränderung des Gewebes. Stattdessen müsste er spezielle diagnostische Verfahren,
wie die Kontrastmittel-Sonographie und die CT-Angiographie durchführen, um den
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Infarkt nachzuweisen. Die kommen allerdings routinemäßig nicht zum Einsatz, sondern
nur, wenn zumindest ein Anfangsverdacht vorliegt.
In neun von 10 Fällen verstopft ein Blutgerinnsel oder ein arteriosklerotischer Embolus
wichtige Gefäße einer oder beider Nieren. Auslöser können Vorhofflimmern oder
Herzklappendefekte sein, durch die vermehrt Blutgerinnsel entstehen. Dieses gelangt
über die Baucharterie zur Niere. Ähnlich wie bei einem Hirninfarkt verstopft es dort das
Gefäß und verhindert so die Durchblutung. Nur der vollständige Verschluss eines
Gefäßes führt zu einem vollständigen Untergang des Nierengewebes, das sich danach
narbig umwandelt und nicht mehr funktionstüchtig ist.
Der Behandlungserfolg bei einem ausgedehnten Niereninfarkt ist dann sehr gut, wenn
man ihn früh diagnostiziert – also in den ersten Stunden nach dem Infarkt. Die Ärzte
stellen die Gefäßversorgung wieder her, indem sie den Blutpfropf durch eine
medikamentöse Lyse-Therapie auflösen oder operativ entfernen. Kleinere
Niereninfarkte werden in der Regel ohne Operation behandelt: Die Ärzte geben dann
Schmerzmittel und Blutverdünner und regulieren den Blutdruck. Je nach Ursache
müssen die Patienten dauerhaft Blutverdünner einnehmen.
Dauert es jedoch Stunden oder Tage, bis die Diagnose steht, geht das Nierengewebe
unwiederbringlich verloren. Ein ausgedehnter, beidseitiger Infarkt kann zum akuten
Nierenversagen mit Urämie führen, also zu einer Vergiftung des Blutes mit
harnpflichtigen Substanzen. Unbehandelt führt die Urämie zum Koma und schließlich
zum Tod. Das passiert glücklicherweise nur selten. Schwere Niereninfarkte können die
Niere jedoch so stark schädigen, dass die Patienten genau wie der Patient im Film auf
die Dialyse angewiesen sind, weil die Nieren es nicht schaffen, das Blut ausreichend zu
reinigen. Je nachdem, wie stabil die Situation des Patienten ist, lässt sich eine
Nierentransplantation über Jahre hinausziehen.
Im Studio:
Dr. med. Thomas Dietz
Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie
Genthiner Str. 30i, 10785 Berlin
E-Mail: ambulanz@nierenzentrum-in-berlin.de
Tel.: 030 – 261 98 25
www.nierenzentrum-in-berlin.de/
Im Beitrag:
Prof. Dr. med. Martin Möckel
Ärztlicher Leiter der Rettungsstellen CVK und CCM der Charité Berlin
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Innere Medizin mit Gastroenterologie und Nephrologie
Notfallmedizin/ Rettungsstellen
Luisenstr. 65, 10117 Berlin
Tel.: 030 - 450 553 472
http://notfallmedizin.charite.de/
Weiterführende Adressen
Deutsche Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) e.V.
Postfach 44 03 51, 12003 Berlin
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E-Mail: kontakt@dgina.de
Tel.: 030 - 61 62 36 46
www.dgina.de
Deutsche Gesellschaft für Nephrologie
Geschäftsstelle
Herr Uwe Stelbrink
Seumestr. 8, 10245 Berlin
Tel.: 030 - 5213.7269
Email: gs@dgfn.eu
www.dgfn.deu
Mythen rund um den Schlaf
Um kaum ein Thema ranken sich so viele Mythen wie um unseren Schlaf. Kein Wunder:
Immerhin verbringen wir etwa ein Drittel unseres Lebens schlafend. Doch welche davon
stimmen und welche nicht? Die rbb Praxis hat bei den Schlafexperten der Charité
nachgefragt.
Unser erster Mythos: „Alkohol ist gut für den Schlaf“. Doch ist das Glas Rotwein
tatsächlich so ein gutes Schlafmittel? In der Regel raten Schlafmediziner von Alkohol ab;
immerhin hat er ein Sucht- und Gewöhnungspotenzial. Tatsächlich ist es jedoch so, dass
Alkohol in geringen Mengen schlaffördernd ist. Ab dem dritten Glas wird der Alkohol
dann eher zum Schlafstörer. Er hilft dann zwar immer noch beim Einschlafen, aber die
zweite Nachthälfte ist unruhiger. Es kommt also auf die Menge an; der Mythos stimmt
daher nur bedingt.
Mythos Nummer zwei: „In kühlen Räumen schlafen ist gesünder“. Kühl – aber nicht kalt,
denn frierende Füße und Hände oder ein kaltes Gesicht halten viele Menschen vom
Einschlafen ab. Zu warm sollte es aber auch nicht sein, sonst trocknen die Schleimhäute
aus. Ideal sind 17 bis 22 Grad. Dieser Mythos ist also korrekt.
Der dritte Mythos: „Schäfchen zählen hilft beim Einschlafen“. Die Eintönigkeit dabei soll
helfen, leichter einzuschlafen, so die Theorie. In Wahrheit fanden US-amerikanische
Forscher heraus, dass es wirksamere Methoden gibt. Wer sich eine entspannende Szene
vorstellte, am Strand beispielsweise, schlief schneller, als diejenigen, die Schäfchen
zählten. Ein möglicher Grund: Für das Zählen muss man aufmerksam sein, damit man in
der Zahlreihe bleibt. Allein das kann schon kontraproduktiv sein und Schlaf oder das
Einschlafen stören. Schlafmediziner empfehlen eher passive Entspannungstechniken wie
Yoga oder autogenes Training zum Einschlafen. Aber das können auch Musik- oder CDHören oder Fernsehgeräusche im Hintergrund sein. Der Mythos ist also ein Irrtum.
Nächster Mythos: „Acht Stunden Schlaf sind bei Erwachsenen notwendig“. Experten
widersprechen dieser Schlafregel, denn ein „normales“ Schlafmaß gibt es nicht.
Großteils bestimmen Erbanlagen den Schlafbedarf. Erwachsene schlafen
durchschnittlich sieben bis acht Stunden. 7,5 Stunden gelten Studien als optimale
Schlafdauer. Manche Menschen fühlen sich schon nach fünf Stunden Schlaf gut erholt,
andere brauchen mehr als zehn Stunden, um tagsüber frisch zu sein. Diesem Mythos
stimmen Schlafmediziner also nicht zu.
Und was ist mit dieser Behauptung: „Schlaf kann man nachholen“? Was, wenn eine
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Nacht mal besonders lang war, der Schlaf dementsprechend kurz? Experten sagen, dass
man tatsächlich vor- und nachschlafen kann. Die meisten von uns kommen unter der
Woche ohnehin nicht zu unserer Wohlfühlschlafmenge von sieben bis acht Stunden und
holen den Schlaf dann am Wochenende nach. Dieser Mythos stimmt also.
Nächster Mythos: „Schlafmangel macht krank.“ Kurzfristig nehmen nach zu wenig Schlaf
Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit ab. Langfristig steigt das Risiko für
Übergewicht, Herzerkrankungen und Diabetes. Der Mythos stimmt.
Unser letzter Mythos: „Schlaf macht schön“. Und in der Tat braucht die Haut, die eine
ganz wesentliche Rolle für unsere äußere Schönheit spielt, ausreichend Schlaf. Denn die
Stoffwechselprozesse in der Haut, die für die Entgiftung oder Detoxikation zuständig
sind, spielen sich im Wesentlichen in der Nacht ab – wenn sonstige Körperfunktionen auf
Sparflamme laufen. Dieser Mythos stimmt also wieder: Schlaf macht tatsächlich schön.
Tipps für erholsame Nächte
Übermüdet, schlaflos, matt – viele Menschen finden in der kalten Jahreszeit keinen
ruhigen Schlaf. Grund dafür sind die mangelnde Bewegung und der Lichtentzug. Er
erschwert es unserem Körper, den Tag- und Nachtrhythmus zu koordinieren. Die kürzer
und dunkler werdenden Tage führen dazu, dass der Körper zunehmend mehr Melatonin
ausschüttet. Normalerweise unterdrückt das Tageslicht die Produktion des
Schlafhormons. Dämmert es jedoch den ganzen Tag, überwiegt dessen Wirkung: Wir
werden gar nicht mehr richtig wach und fühlen uns müde und zerschlagen. Nachts
schlafen wir zwar länger, aber durch schlecht gelüftete Räume und trockene
Heizungsluft auch unruhiger.
Damit die Nächte länger und erholsamer werden, kann jeder selbst nachhelfen:
 Stehen Sie immer zur gleichen Zeit auf, und gehen Sie zur gleichen Zeit ins Bett.
 Verzichten Sie auf Mittagschlaf und Nachtschichten vor dem Computer.
 Vermeiden Sie aufregende Filme, laute Musik, heftigen Streit oder anstrengenden
Sport am Abend.
 Essen Sie abends leicht verdauliche Speisen, trinken Sie keine stimulierenden
Getränke wie Cola, Kaffee oder Energy-Drinks oder zu viel Alkohol. Verzichten Sie
auf Zigaretten.
 Lüften Sie das Schlafzimmer vor dem Schlafengehen. Achten Sie auf eine
Raumtemperatur von 18 Grad Celsius und eine ausreichende Feuchtigkeit. Dunkeln
Sie das Zimmer ab.
 Gönnen Sie sich eine hochwertige Matratze, welche die Feuchtigkeit reguliert und in
ihrer Härte auf das Körpergewicht abgestimmt ist.
 Wälzen Sie sich nicht unnötig im Bett hin und her. Falls Sie nicht schlafen können,
lesen Sie lieber oder erledigen Sie kleine Arbeiten im Haushalt.
Experte im Beitrag
Prof. Dr. med. Ingo Fietze
Interdisziplinäres Schlafmedizinisches Zentrum Charité
Charitéplatz 1, 10117 Berlin
Tel.: 030 - 450 513 120
http://schlafmedizin.charite.de/schlaf.labor@charite.de
Weiterführende Adressen
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V. (DGSM)
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DGSM-Geschäftsstelle
Birgit Tonn-Wilde
c/o HEPHATA-Klinik
Schimmelpfengstraße 6, 34613 Schwalmstadt-Treysa
Tel.: 06691 - 2733
E-Mail: DGSM-Geschaeftsstelle@t-online.de
http://www.charite.de/dgsm/dgsm/index.php?language=german
Buchtipps
Mein Buch vom guten Schlaf; Jürgen Zulley
Goldmann Verlag, 2010
ISBN-13: 978-344217-156-9; Preis: 9,95 Euro
Unsere Innere Uhr; Jürgen Zulley, Barbara Knab
Mabuse-Verlag, 2. Auflage 2014
ISBN: 978-394052-932-9
Preis: 16,90 Euro
Weiterführende Informationen im Netz
www.schlafmedizin.de
Schlafforschung, Schlafstörungen, SAD, Lichttherapie, innere Uhr
www.schlafkampagne.de
Seriöse und umfassende Informationen zu allen Aspekten des gesunden Schlafes
http://www.charite.de/dgsm/dgsm/schlaflabore_liste.php
DGSM - Liste der akkreditierten Schlaflabore
Blitzschnell wieder fit: Augenringe
Wer kennt das nicht: Die Nacht war kurz, man ist müde und der morgendliche Blick in
den Spiegel lässt einen deprimiert zurück – denn Augenringe lassen einen schlaff und
krank aussehen. Will man aber nach einer kurzen Nacht fit aussehen, müssen die
Augenringe schnell verschwinden.
Die Haut unter den Augen ist sehr dünn und nur durch wenig Unterhautfettgewebe
gepolstert. Dadurch können erweiterte Blutgefäße leicht durchschimmern. Morgens ist
dieser Effekt meist am ausgeprägtesten und bildet sich im Laufe des Tages wieder
zurück. Wer nur gelegentlich Augenringe oder leichte Schwellungen hat, dem kann
oftmals schon eine kleine Massage weiterhelfen: Dafür von der Nase leicht in Richtung
der Schläfen streichen. So wird der Lymphabfluss angeregt und angestaute Flüssigkeit
verteilt. Ein weiterer Tipp ist die Kühlung. Das geht ganz einfach mit Teebeuteln aus
schwarzem oder grünem Tee. Die Teebeutel sollten vorher schon im Kühlschrank oder
Eisfach gelegen haben. Die Gerbstoffe des Tees ziehen die Gefäße zusammen. Nach
einigen Minuten kann man die Teebeutel gegen gekühlte Gurkenscheiben austauschen.
Ihre Feuchtigkeit wirkt sehr erfrischend.
Wer dafür keine Zeit hat, dem bietet der Löffeltrick schnelle Hilfe: Dafür gekühlte Löffel
etwa fünf Minuten lang mit der gewölbten Seite nach außen auf die Augen auflegen. Das
kühle Metall kann helfen, die Schwellungen abklingen zu lassen. Danach das Gesicht gut
mit einer feuchtigkeitsspendenden Lotion eincremen. Und was natürlich immer zu
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empfehlen ist: Bewegung, möglichst an der frischen Luft. Das regt den Kreislauf an,
macht munter und sorgt für frischeres Aussehen. Bestehen Augenringe über einen
längeren Zeitraum - obwohl ausreichend geschlafen und getrunken wird - sollten Sie
einen Arzt zur Abklärung aufsuchen. Denn die unschönen Schatten können auch
Begleitsymptom einer Allergie oder Krankheit sein.
Lichttherapie gegen Winter-Blues
Wenn im November die Tage kürzer werden und die Farben aus der Natur verschwinden,
leiden mehr Menschen unter depressiven Verstimmungen. Doch wann wird die
Melancholie zur behandlungsbedürftigen Winterdepression? Können Lampen mit
10.000 Lux dagegen helfen? Viele Betroffene sitzen ratlos mit ihren starken Leuchten
zuhause. Was diese Therapie wirklich erreichen kann, zeigt die Praxis vor Ort in der
Berliner Fliedner Klinik.
Die Winterdepression oder saisonal-affektive Störung (SAD) tritt regelmäßig in den
Herbst- und Wintermonaten auf. Damit unterscheidet sie sich von der herkömmlichen
Depression, die saisonunabhängig ist. SAD-Betroffene verspüren zudem Heißhunger auf
Süßes und andere kohlenhydratreiche Lebensmittel und nehmen so an Gewicht zu.
Außerdem haben sie ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Depressive im klassischen Sinn
klagen dagegen eher über Appetitverlust und Gewichtsabnahme und leiden unter
hartnäckigen Schlafstörungen.
Symptome einer SAD, die dagegen mit einer herkömmlichen Depression vergleichbar
sind, sind mangelnde Energie und verminderter Antrieb sowie eine niedergedrückte
Stimmung, Schuldgefühle und Freudlosigkeit. Die SAD gilt als Unterform der depressiven
Erkrankung und betrifft ungefähr ein Prozent der Bevölkerung.
Experten gehen davon aus, dass mangelndes Licht – also verkürzte Sonneneinstrahlung
und verminderte Lichtintensität – während der Herbst- und Wintermonate und damit
eine erhöhte Konzentration des Schlafhormons Melatonin bei gleichzeitig niedrigem
Serotoninspiegel einen wesentlichen Einfluss auf die Entstehung dieser periodischen
affektiven Störung hat.
Die gute Nachricht: Die depressiven Wintergefühle sind gut behandelbar – und zwar mit
Licht. Die Lichttherapie ist eine anerkannte Anwendung und hat bei 50 Prozent der
Patienten eine positive Wirkung. Offenbar aktiviert der Lichteinfall auf die Netzhaut
Rezeptoren, die dafür sorgen, dass das Gehirn vermehrt Glückshormone und wichtige
Botenstoffe wie Serotonin ausschüttet. Die Produktion von Melatonin, das bei
depressiven Stimmungen eine Rolle spielt, wird beendet und abgebaut. Gleichzeitig
stimuliert Licht die Regulation innerer Rhythmen.
Die Wirkung des Lichts ist in Studien nachgewiesen. Für die Therapie sitzen die
Patienten täglich eine halbe bis zwei Stunden vor einem speziellen Bildschirm. Die Dauer
der Lichttherapie hängt von der Lichtstärke ab und variiert zwischen 30 Minuten bei
10.000 Lux und 2 Stunden bei 2.500 Lux. Lux ist die Messeinheit für Lichtstärke.
10.000 Lux entsprechen etwa dem Lichteinfall an einem hellen Frühlingstag.
Zum Vergleich: Das Tageslicht in normalen Räumen hat gerade einmal 300 bis 500 Lux,
in hellen Büros sind es 500 bis 1.000 Lux. Experten empfehlen für den heimischen
Gebrauch Geräte, die etwa 10.000 Lux hell sind. Davor sollte man sich am besten
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vormittags eine halbe Stunde setzen und dabei viel Flüssigkeit zu sich nehmen, denn der
Lichtreiz regt das ganze Stoffwechselsystem an. Während der Therapie kann man lesen,
sich ausruhen und entspannen.
Bevor die Diagnose „Winterdepression“ gestellt und eine Lichttherapie begonnen wird,
sollte der Arzt andere Ursachen für die depressive Verstimmung ausschließen, wie eine
Unterfunktion der Schilddrüse, eine Zuckerkrankheit oder eine Virusinfektion. Auch
Patienten mit Augenkrankheiten oder Patienten, die Medikamente einnehmen, die wie
Johanniskraut eine Lichtempfindlichkeit hervorrufen, sollten sich zunächst beraten
lassen.
Interessierte und Betroffene, die sich der Lichttherapie als natürliche
Behandlungsmethode unterziehen möchten, zahlen die Leistung in der Regel selbst.
Einige Krankenkassen erstatten die Kosten dafür. Interessierte sollten sich bei ihrer
Kasse erkundigen.
Experten vor Ort:
PD Dr. Mazda Adli
Fliedner Klinik Berlin-Mitte
Ambulanz und Tagesklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
(Privatversicherte und Selbstzahler)
Dr. med. Brigitte Schulz-Ratei
Leitende Oberärztin
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
Ambulanz
Markgrafenstraße 34 (Am Gendarmenmarkt)
10117 Berlin-Mitte
Tagesklinik
Charlottenstraße 65 (Am Gendarmenmarkt)
10117 Berlin-Mitte
Tel.: 030 - 20 45 97-0
E-Mail: info@fliednerklinikberlin.de
www.fliednerklinikberlin.de
Buchtipp
Licht-Therapie
Dr. Norman E. Rosenthal und Prof. Siegfried Kasper
Kneipp Verlag, November 2010; ISBN-13: 978-370-880500-9; Preis: 17,95 Euro
Weiterführende Informationen im Netz
www.kompetenznetz-depression.de
vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Initiative, um
Diagnose, Therapie und weitere Erforschung der Krankheit Depression zu intensivieren.
http://www.depression-therapie-forschung.de/lichttherapie.html
seriöse Informationen zur Lichttherapie
Kostenlos zu ladendes PDF der Stiftung Warentest, erschienen in Heft 11/2011:
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Lichttherapie: Mehr Licht für trübe Tage
https://www.test.de/Lichttherapie-Mehr-Licht-fuer-truebe-Tage-4294305-0/
Kostenlos zu ladendes PDF der Stiftung Warentest, erschienen in Heft 11/2003:
Test Lichttherapiegeräte: Sehnsucht nach Licht
https://www.test.de/Lichttherapiegeraete-Sehnsucht-nach-Licht-1133551-0/
Hautkrebs als anerkannte Berufskrankheit
Vom 3. bis 7. November findet bundesweit "Haut&Job 2014" statt, eine Woche im
Zeichen der Aufklärung und Vorsorge berufsbedingter Hauterkrankungen.
Angesprochen werden insbesondere Beschäftigte in Kleinbetrieben. Vorsorge und
Früherkennung sind dabei die beiden wichtigsten Ziele der Aktionswoche. Anlass ist die
Anerkennung von Hautkrebs als Berufskrankheit zum 1. Januar 2015.
Bauern, Bauarbeiter, Dachdecker, Schiffer, Skilehrer oder auch Briefträger – wer viel
draußen arbeitet, hat durch die UV-Strahlung ein höheres Risiko für Hautkrebs. Deshalb
soll eine bestimmte Art des hellen Hautkrebs ab 1. Januar 2015 als Berufskrankheit
anerkannt werden – mit geregelten Ansprüchen auf Leistungen der gesetzlichen
Unfallversicherung. Dazu zählen neben Behandlung und Reha auch Renten und
Entschädigungen. Die DGUV rechnet mit Mehrkosten von 20,5 Millionen Euro pro Jahr
dafür. Die könnten durch entsprechende Präventionsmaßnahmen geringer ausfallen.
Doch nicht nur Hautkrebs ist ein berufsbedingtes Hautproblem, auch Kontakt-Ekzeme
und -Allergien gehören dazu. Sie werden durch Feuchtarbeit, Handreinigung und das
Tragen von Handschuhen verursacht. Einige Berufsgruppen sind besonders häufig von
berufsbedingten Hautkrankheiten betroffen. Dazu zählen Bäcker (Mehl), Friseure
(Shampoos, Haarsprays, Haarfarben, nickelhaltige Instrumente), Kosmetikerinnen
(diverse Inhaltsstoffe von Kosmetika und Make-up), Maurer, Maler, Fliesenleger
(Zement, Klebstoffe wie Epoxid-Kunstharz, Farben), Maschinenpersonal
(Kühlschmierstoffe), Reinigungspersonal (diverse Reinigungs- und Pflegeprodukte) und
Klinikpersonal (Latexhandschuhe).
Seit vielen Jahren stehen Hauterkrankungen an der Spitze aller Berufserkrankungen,
zuletzt wurden erstmals mehr als 25.000 berufsbedingte Hauterkrankungen bei der
Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) gemeldet. Mit etwa 30 Prozent
machen sie den Hauptanteil aller gemeldeten Berufskrankheiten aus. Allerdings gehen
Experten von einer hohen Dunkelziffer aus; bis zu 90.000 Fälle werden vermutet. Die
meisten beruflich bedingten Hauterkrankungen betreffen die Hände, die ein Prozent der
Körperoberfläche ausmachen. Wird eine solche Hauterkrankung nicht behandelt, kommt
es Studien zufolge 8 bis 14 Monate nach Auftreten der Symptome zur Berufsaufgabe.
Prävention und Früherkennung sind deshalb wichtige Themen. Denn je eher Belastungen
am Arbeitsplatz erkannt werden, desto rascher können sie behoben werden.
Zu den wichtigen vorbeugenden Maßnahmen zählen:
 Berufseingangsuntersuchungen
 Verpflichtung zur arbeitsmedizinischen Untersuchung bei Beschäftigten, die vier
Stunden oder mehr Feuchtarbeit täglich verrichten.
 Angebot einer arbeitsmedizinischen Untersuchung bei Beschäftigten, die zwei
Stunden oder mehr Feuchtarbeit täglich verrichten.
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


Bereitstellung hautschonender Arbeitsplätze gemäß der Technischen Regeln für
Gefahrstoffe (TRGS).
Beim (oft unerlässlichen) Tragen von Handschuhen darauf zu achten, zwischen
Feucht- und Trockenarbeit zu wechseln.
Verhinderung von arbeitsbedingten Hautkrebserkrankungen durch die Sonne
o technisch-organisatorische Maßnahmen wie Arbeitszeitverlagerung
o konsequentes Tragen von geeigneter Kleidung
o Auftragen von Sonnenschutzmitteln auf die Haut
Für die Aktionswoche wurde ein Informationsflyer zur Hautgesundheit im Beruf
entwickelt, den man sich herunterladen kann (siehe Service). Außerdem bietet die
Aktionswoche einen Selbsttest an für Menschen, die Hauprobleme haben und einen
Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit vermuten (siehe Service). Bei auffälligen
Hautveränderungen wird grundsätzlich empfohlen, einen Arzt aufzusuchen.
Experte im Beitrag
Prof. Dr. med. Swen Malte John
Universität Osnabrück
Leiter Fachgebiet Dermatologie, Umweltmedizin u. Gesundheitstheorie
Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention u. Rehabilitation
Sedanstraße 115, 49069 Osnabrück
Tel.: 0541 – 969-0
E-Mail sjohn@uos.de
Weiterführende Adressen
Berufsverband der Dt. Dermatologen
Pressestelle und Redaktion
Ralf Blumenthal
Wilhelmstr. 46, 53879 Euskirchen
Tel.: 02251 - 77 6 25 25
www.bvdd.de
E-Mail: r.blumenthal@bvdd.de
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV)
Glinkastr. 40, 10117 Berlin
Tel.: 030 – 288 763 800 (Zentrale)
E-Mail: info@dguv.de
www.dguv.de
Weiterführende Infos im Netz
Infos zu „Haut & Job“:
Hier gibt es in den Flyer zur Hautgesundheit im Beruf
http://www.hautgesund-im-beruf.de/uptoderm/doclink/2107/Hautjob_Flyer_2014.pdf
Selbsttest: Sind meine Hautprobleme berufsbedingt?
http://www.hautgesund-imberuf.de/uptoderm/doclink/2107/1806_WocheHaut&Job_Selbstauskunft_final.pdf
Website der Aktionswoche:
http://www.hautgesund-im-beruf.de/jsp_public/cms2/index.jsp?neid=1
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Infos der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zum Thema „Hautkrebs durch
arbeitsbedingte UV-Strahlung“:
http://www.dguv.de/de/Versicherung/Berufskrankheiten/Hauterkrankungen/Hautkrebsdurch-UV-Strahlung/index.jsp
Abenteuer Diagnose History: Die Helden von Bern und ihr mysteriöses Leiden
Der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 machte die deutsche
Nationalmannschaft unsterblich – in sportlicher Hinsicht. Doch nach und nach
erkrankten viele Spieler schwer, die Elf musste fast geschlossen zur Kur fahren. Viele
der gefeierten Helden starben früh, sechs Spieler wurden nicht einmal 70 Jahre alt.
Doch Ärzte und Trainer sprachen nicht darüber, so nahm die Öffentlichkeit keine Notiz
von der schweren Erkrankung ihrer Stars. Drei Monate nach dem Finale fühlte sich der
lebenslustige Torjäger Helmut Rahn matt und kraftlos. Als seine Frau Gerti seine gelbe
Gesichtsfarbe sah, ahnte sie bereits, dass er an Gelbsucht litt. Dann erkrankte ein Spieler
nach dem anderen. Der Traum des Trainers, in der Berner Aufstellung weiter zu siegen,
zerplatzte.
Hepatitis – aber welche?
Im Oktober 1954 blieb die Gelbsucht der meisten Spieler dem Deutschen Fußball-Bund
(DFB) nicht verborgen. Die Funktionäre konsultierten Mediziner wie den Direktor des
Hygienischen Instituts Hamburg, der darauf hinwies, dass die Gelbsucht durch HepatitisViren übertragen wird. 1954 waren nur die beiden Formen Hepatitis A und B bekannt:
Hepatitis A wird über Nahrungsmittel aufgenommen, Hepatitis B über das Blutserum
beziehungsweise infizierte Spritzen. Max Morlock erwischte es besonders heftig:
Während andere nur über Übelkeit und Grippesymptome klagten, musste er sechs
Wochen im Krankenhaus behandelt werden. Der DFB ließ verlauten, es handele sich wohl
um eine Hepatitis A. Die Spieler hätten eng zusammengewohnt, dann sei irgendwie über
eine „Mundinfektion“ die Gelbsucht entstanden. Die über Nahrungsmittel
aufgenommenen Hepatitis A-Viren gelangen über die Blutbahn in die Leber, dringen in
die Leberzellen ein. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis sechs Wochen entzündet
sich die Leber und schwillt an. Damit ist eigentlich klar: Die Diagnose Hepatitis A konnte
nicht stimmen, es muss sich vielmehr um eine über Spritzen übertragene Hepatitis
handeln.
Spritzenbesteck in der Mannschaftskabine
Bis November 1954 mussten sich schon 13 Spieler ärztlich untersuchen lassen, acht
von ihnen erholten sich gemeinsam in einer Kurklinik – zusammen mit Trainer Sepp
Herberger. In einer neuen Stellungnahme gab der DFB zu, dass ein Teil der Spieler
Vitamin-C-Injektionen erhalten habe. Es sei aber dennoch unwahrscheinlich, dass es sich
um eine Spritzen-Gelbsucht handeln könnte. Von da an wurde gemauert: Als der ARDReporter Jürgen Bertram 20 Jahre später wissen wollte, wie es den ehemaligen
Spielern geht, stieß er auf eine Mauer des Schweigens. Kein Spieler gab ihm ein
Interview – und die Taktik ging auf, der Skandal blieb aus. Erst weitere 30 Jahre später
erzählte der ehemalige Berner Platzwart einem Zeitungsreporter, er habe damals beim
Aufräumen in der Mannschaftskabine Spritzenbesteck gefunden.
Traubenzucker für den Kampfgeist
Von nun an steht ein Doping-Verdacht im Raum: Vielleicht hatte ausgerechnet ein
Spieler den Trainer auf die Idee gebracht, denn vor der WM war Helmut Rahn bei einem
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Freundschaftsspiel in Brasilien gewesen und hatte seinem Trainer berichtet, dass in
Südamerika Dopingspritzen üblich seien. Herberger befürchtete einen Leistungsnachteil
gegenüber den Südamerikanern und suchte die Unterstützung des Mannschaftsarztes
Prof. Dr. Franz Loogen. Der lehnte das Spritzen zunächst ab, worauf der Bundestrainer
einen anderen Mannschaftsarzt verpflichtete. Als der wieder absagte, meldete sich
Herberger erneut bei Loogen und überzeugte ihn von seinem Plan. Der gab später auch
öffentlich zu, Traubenzucker gespritzt zu haben, um die Kräfte und den Kampfgeist der
Spieler zu stärken.
Schweigen zur Todesursache
Da es noch keine Einwegspritzen und Kanülen gab, hatte er einige der damals üblichen
Glasspritzen mitgenommen, die nach jeder Injektion mit heißem Wasser gereinigt
wurden. Doch gegen Hepatitis-Viren reicht diese Methode nicht aus. Der
Krankheitsverlauf der betroffenen Spieler spricht zudem dafür, dass sie nicht an der
damals bereits bekannten Hepatitis B, sondern an der ebenfalls durch Blutserum
übertragenen und viel gefährlicheren Hepatitis C litten. Dieser Erreger war zu der Zeit in
Südamerika bereits verbreitet, könnte von Helmut Rahn aus Brasilien mitgebracht
worden sein. Helmut Rahn, Jupp Posipal, Max Morlock, Werner Liebrich, Karl Mai,
Ersatzkeeper Bernd Kubsch, Fritz Walter und Ottmar Walter erkrankten an Gelbsucht.
Ein Jahr später kehrte die Hepatitis bei Ottmar Walter zurück – ein Indiz für eine
chronische Erkrankung. Sieben Jahre später starb WM-Ersatzmann Richard Herrmann
im Alter von erst 39 Jahren an einer Leberzirrhose, obwohl er nie Alkohol trank. Die
Todesursache wurde offiziell verschwiegen.
Wirklich nur Traubenzucker
Hepatitis C-Viren sind sehr klein und aggressiv, dringen in die Leberzellen ein und
bringen sie dazu, weitere Viren zu produzieren. Das alarmiert die körpereigene Abwehr,
die die Leber angreift und noch mehr schädigt. Die Spätfolge: Leberzirrhose oder
Leberkrebs. Ein direkter Laborbeweis lässt sich heute nicht mehr führen, doch viele
Indizien sprechen dafür, dass die Helden von 1954 mit Hepatitis C infiziert waren.
Sowohl bei Werner Liebrich als auch bei Karl Mai wurde die Erkrankung viele Jahre
später diagnostiziert. Und es gab auch Spieler, die nicht an Gelbsucht erkrankten: Sie
hatten aus verschiedensten Gründen die Spritze verweigert. Ob diese tatsächlich nur
Traubenzucker enthielt, bezweifeln Experten – denn den hätten die Spieler viel leichter
trinken können. Vermengt mit Traubenzucker wurde damals aber oft das verbotene
Dopingmittel Pervitin gespritzt, ein Amphetamin.
Im Beitrag:
Priv.-Doz. Dr. Christian Hoffmann
Facharzt für Hämatologie und Onkologie
Infektiologisches Centrum Hamburg – Stadtmitte
Glockengießerwall 1, 20095 Hamburg
Tel. : 040 - 28 00 42 00
www.ich-hamburg.de/pd-dr-christian-hoffmann
Hepatitis C – neue Wirkstoffe verbessern die Therapie
In Deutschland ist etwa eine halbe Million Menschen an Hepatitis C erkrankt und damit in
etwa so viele Menschen, wie in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden leben. Eine
chronische, über Jahre andauernde Hepatitis kann zu einer Leberinsuffizienz führen, bei
der die Leber ihre Entgiftungsfunktion nicht mehr erfüllt, und im weiteren Verlauf zu
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einer Schrumpfleber (Leberzirrhose) oder Leberkrebs. Jährlich sterben weltweit etwa
350.000 Menschen an den Folgen einer Hepatitis C.
Bisher wurden die betroffenen Patienten mit einer Kombination aus Ribavirin-Tabletten
und Interferon-Spritzen behandelt. Während Ribavirin die Vermehrung der Viren
verhindert, animiert Interferon das menschliche Immunsystem zum Kampf gegen die
Viren. Die Heilungsrate dieser Kombinationstherapie hängt vom jeweiligen Genotyp des
Virus ab und liegt zwischen 75 und 80 Prozent. Allerdings hat insbesondere die
Interferontherapie erhebliche Nebenwirkungen wie Depressionen, grippeähnliche
Symptome mit Fieber, Kältegefühl bis Schüttelfrost, Kopf-, Glieder- und
Muskelschmerzen sowie Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen.
Das Ziel sind deshalb neue Therapien, welche die Heilungschancen weiter verbessern,
die Behandlung verträglicher machen und die Therapiedauer verkürzen. Alle drei Ziele
konnten in den letzten Monaten für viele Patienten erreicht werden: mit weiteren
Medikamenten, die großenteils in Tablettenform eingenommen werden können. Sie
nutzen teils bekannte, teils neue Wirkprinzipien. Seit Anfang 2014 ist beispielweise die
Substanz Sofosbuvir zugelassen. In Studien erzielte dieser erste Polymerase-Hemmer
(synonym NS5B-Inhibitor) im kombinierten Einsatz mit weiteren Medikamenten
Heilungsraten von mehr als 90 Prozent. Nach Aussage der Experten steigt mit einer
größeren Zahl von Wirkstoffen auch die Chance, selbst schwierige Hepatitis-Infektionen
erfolgreich behandeln zu können. Mit weiteren Substanzen, die sich derzeit in der
Entwicklung befinden, wird sich die Heilungsrate möglicherweise auf bis zu 99 Prozent
steigern lassen.
Weiterführende Infos im Netz
Info zu Hepatitis C und den neuen Wirkstoffen vom Verband der forschenden
Arzneimittelhersteller:
http://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/hepatitis-c-heilungneue-medikamente-verbessern-chancen.html
Infos zu den neuen Wirkstoffen im Deutschen Ärzteblatt (eher fachlich):
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59543/Hepatitis-C-Neue-Medikamente-heilenauch-schwierige-Erkrankungen
Infos zu den neuen Wirkstoffen von der Deutschen Leberhilfe:
http://www.leberhilfe.org/allgemeines-ausgabe/items/ausblick-in-die-zukunft-derhepatitis-c-therapien.html
Deutsche Leberhilfe e.V.
Krieler Str. 100
50935 Köln
Tel.: 0221 28 29 980
E-Mail: info@leberhilfe.org
www.leberhilfe.org
Berliner Leberring e.V.
Beratungsstelle für Hepatitis-Betroffene
c/o Charité Campus Benjamin Franklin
Post: Hindenburgdamm 30
12
12203 Berlin-Steglitz
Eingang: Klingsorstr. 107
Haus III, 1. OG rechts
Tel.: 030 – 83 22 67 75
E-Mail: kontakt@berliner-leberring.de
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05.11.2014
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Seele and Geist
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