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botschaften aus saudi-arabien Wie gefährlich ist diese kunst? - Zenith

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jäger und gejagte
was kann afghanistans armee?
Januar / februar 2013
Waffen, Fussball & Milliarden
Katar und die Franzosen
persische DÜnenrodler
Abenteuer in der wüste
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ISSN 2193-0333
WIRTSCHAFT · Bilanz
Mit der Geliebten
durchgebrannt
Der US-amerikanische Mineralölkonzern
ExxonMobil kappt seine verbliebenen Bande mit Bagdad und kündigte an, seine milliardenschwere Beteiligung am irakischen
Ölfest »West Qurna« nahe Basra verkaufen
zu wollen. In Zukunft will sich das Unternehmen allein auf seine Konzessionen in
der autonomen nordirakischen Provinz
Kurdistan konzentrieren.
Zwischen beiden Landesteilen waren
in den vergangenen Monaten zahlreiche
Konflikte um die Verteilung der Ölressourcen ausgebrochen, die trotz wiederholter
Verhandlungen nicht beigelegt werden
konnten. Kurdistans Ölminister Ashti Hawrami drückte gegenüber der Financial
Times sein Bedauern darüber aus, dass Firmen gegenwärtig nicht im gesamten Land
gleichzeitig Geschäfte machen könnten.
Tatsächlich scheint in seiner Administration aber die Schadenfreude zu überwiegen. Noch im April sagte Kurdistans Präsident Massoud Barzani der Nachrichtenagentur AP, eine Exxon-Präsenz sei so viel
wert wie »zehn US-Divisionen«.
21 Milliarden $ neue Schulden
Rettungsschirm
für
Jordanien
?
Mit Inflation und steigenden Treibstoffpreisen bei gleichzeitig sinkenden Steuereinnahmen haben viele der arabischen
Staaten zu kämpfen. So dreht sich auch bei
den aktuellen Beratungen für den jordanischen Staatshaushalt 2013 alles um die
Frage, wo man den Rotstift ansetzt: Die
Ankündigung, Benzinsubventionen im
Wert von 1,1 Milliarden US-Dollar zu streichen, haben Ende November bereits zu wütenden Protesten in der Hauptstadt geführt. Ein im August vom Internationalen
Währungsfonds bereitgestellter Zwei-Milliarden-Dollar-Kredit reicht kaum aus, um
die Löcher im Etat zu stopfen, die entstanden, nachdem Ägypten seine preiswerten
Gasausfuhren wegen der gespannten Sicherheitslage auf dem Sinai drosseln muss-
te. In diesem Jahr musste das Königreich
bereits fast 21 Milliarden Dollar neue
Schulden aufnehmen.
Die Kommentarspalten der arabischen
Zeitungen fordern nun ein Eingreifen der
Golfstaaten, auch um die Versorgung der
tausenden syrischen Flüchtlinge in Jordanien zu verbessern. Bislang erhielt Amman jedoch nur Hilfsangebote aus dem
Iran: Der iranische Botschafter in Jordanien, Mustafa Zadeh, bot eine kostenlose Versorgung mit Öl über die nächsten 30 Jahre
an, berichtet die Tageszeitung Al-Hayat. Im
Gegenzug sei man an »Vertragsabschlüssen
mit Blick auf den Pilgertourismus interessiert«. Ein Sprecher der jordanischen Regierung reagierte reserviert und nannte
das Angebot »ungewöhnlich«.
Piraten machen weiter Urlaub
Die EU-Antipirateriemission »Atalanta«
vor der Küste Somalias bleibt auf Erfolgskurs. In den Vorjahren hatte mit Ende der
Regenzeit im November auch die Aktivität
der Kaperer wieder zugenommen – dies ist
bislang ausgeblieben. 2011 hatte insbesondere die Zahl der privaten Sicherheitsteams
auf Frachtschiffen zugenommen, was laut
EU-Marinestabschef Peter Olive entscheidenden Einfluss auf das Gelingen des Einsatzes hat. Viele der beteiligten Nationen
sind inzwischen auch dazu übergegangen,
Soldaten an Reedereien zu vermieten. Da
nie mehr als sieben Schiffe gleichzeitig im
Einsatz sind, kann nur so das riesige Seegebiet abgedeckt werden. Verzeichnete die
EU im vergangenen Jahr 176 Angriffe, waren es bis Anfang Dezember lediglich 34.
Foto: Royal Navy / Crown Copyright
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Bilanz · WIRTSCHAFT
Erbauliche Aussichten
UAE
Katar
GröSSte Wachstumschancen auf der arabischen Halbinsel nach Sektoren
38,8%
72,3%
Energie
Quellen der Statistiken: Pinsent Masons
Zugänglichster Markt der MENA-Region
Die Baubranche der arabischen Halbinsel hat ein durchschnittliches Jahr hinter sich.
Während die Auswirkungen der Finanzkrise 2009 langsam überwunden sind, verängstigten Proteste und politische Instabilität viele Investoren. Das kommende Jahr soll besser werden. Eine Branchenumfrage der britischen Wirtschaftskanzlei Pinsent Masons
ergab aber auch Ungewöhnliches: So glaubten 90 Prozent der Befragten, dass Katar nicht
über die nötige Infrastruktur verfügt, um seine ehrgeizigen Bauprojekte erfolgreich
durchzuziehen – auch die Attraktivität des Standorts Abu Dhabi schätzten 83 Prozent
negativ ein, wohingegen Dubai an Beliebtheit wieder zulegt. Der größte Verlierer sei in
diesem Jahr aber eindeutig Bahrain.
Transport
51,1%
Müllbeseitigung
21,3%
Wohnungen
19,1%
Öffentliche Gebäude
21,3%
Wasser & Abwasser
34%
iTunes im NAhen Osten
Die Heiden
missionieren
Seit dem 4. Dezember gibt es Apples digitale Vertriebsplattform iTunes nun auch offiziell in weiten Teilen des Nahen Ostens. Bislang konnten Nutzer etwa in Israel, Ägypten oder Saudi-Arabien das Programm zwar
installieren, nicht jedoch auf das Musikangebot zugreifen - was auch daran liegt, dass
Apple für jeden Markt ein eigenes Preismodell entwickelt und Vertriebsrechte einholen muss. Viele Softwarehersteller zögern
noch immer, in die MENA-Region zu inves-
tieren, da illegal erstellte Kopien vorherrschen und nur ein entsprechend geringer
Markt für teure Originalprodukte besteht.
Im Umkehrschluss bleibt den meisten Kunden aufgrund fehlender Vertriebsnetze
auch nur der Griff zum illegalen Download,
zumal die Rechtslage in vielen Staaten unklar ist. Somit möchte Apple mit seiner iTunes-Expansion auch Mentalitäten ändern.
Gelingt es den Kaliforniern, öffnet sich ihnen ein völlig unerschlossener Markt.
55
95,7%
Oman
46,8%
Saudi-Arabien
10,6%
Ägypten
8,5%
Kuwait
6,4%
Irak
2,1%
Grösste Wachstumschancen / Länder
Saudi-Arabien
47%
Katar
22%
VAE
15%
Irak
6%
Andere
10%
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WIRTSCHAFT · k atar · planen & bauen
Langsam
wächst
die
Wüstenrose
Eine »Wüstenrose« ist keine Blume, sondern eine Formation aus kristallisiertem Sand – und ihr soll Katars neues Nationalmuseum
eines Tages ähneln, visuell und metaphorisch. Das historische Altgebäude wird die Neuanlage praktisch verstecken.
planen & bauen · k atar · WIRTSCHAFT
Frankreichs Stararchitekt Jean
Nouvel durfte für Katar ein neues
Nationalmuseum entwerfen.
Wann die Kunst- und Kulturstätte
ihre Pforten öffnet? Irgendwann
zwischen 2014 und 2016
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58
WIRTSCHAFT · k atar · planen & bauen
Die 300.000 Kataris sollen auf 10.000 Quadratmetern
Ausstellungsfläche in zwölf Galerien über ihre
Heimatgeschichte lernen. Die Mitarbeiter des Museums
dürfen sich außerdem auf ein Forschungszentrum
freuen.
»Eine Ansammlung von Scheiben, einige vertikal, andere fast horizontal,
­verschränken sich miteinander und schaffen den Raum«, erklärt der Architekt.
planen & bauen · k atar · WIRTSCHAFT
Anderthalb Jahre hat der Plan geruht. Erst
im September 2011 ergatterte die
südkoreanische Hyundai Engineering &
Construction den Auftrag, die Vision des
Franzosen für 434 Millionen US-Dollar
binnen 33 Monaten aus dem Sand wachsen zu
lassen. Noch spricht Katars Museumsbehörde
offiziell von einer Eröffnung im Dezember
2014. Der britische Economist scheint bessere
Informationen zu haben: Erst 2016 soll es so
weit sein. Möglicher Grund der Verzögerung:
In Fachkreisen heißt es, die Trage­konstruktion müsse neu berechnet werden.
»Das Museum wird eine Botschaft von
Modernität, Verwandlung und Schönheit
transportieren, die entstehen, wenn die
Wüste auf das Meer trifft«.
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WIRTSCHAFT · Palästina · Energiewirtschaft
Die Grünstaatenlösung
Khaled al-Sabawi will Palästinas Unabhängigkeit
forcieren. Für solche hohen Ambitionen muss
man die Urkräfte der Natur zu Hilfe nehmen:
Erdwärme zum Beispiel
von Samira Sammer
Khaled al-Sabawi, 29, Gründer von MENA
Geothermal Energy, ist nicht der einzige Palästinenser, der sich über seine Stromrechnung ärgert. Denn von allen Bewohnern der
Nahost-Region zahlen seine Landsleute die
höchsten Energiepreise. Sabawi geht aktiv
dagegen vor – und will im gleichen Atemzug noch den Kohlenstoffdioxidausstoß in
seiner Heimat reduzieren und sein Land
ein Stück weit unabhängiger von Israel machen: Palästinas Energieversorgung hängt
zu 97 Prozent an fossilen Rohstoffen, die
aus Israel importiert werden. »Wir haben
gar keine Wahl, als uns nach alternativen
Formen der Energiegewinnung umzusehen«, sagt Sabawi. Seine Firma MENA Geothermal Energy – 2007 gegründet – ist auf
die Installation von Heiz- und Kühlungsanlagen in Wohnräumen, Büros und größeren Gebäudekomplexen spezialisiert.
Das Prinzip der Geothermie: Bei der
oberflächennahen geothermischen Energiegewinnung zirkuliert Wasser oder ein
anderer Wärmetauscher in einem geschlossenen Rohrsystem, das ein bis zwei
Meter unter der Erdoberfläche verlegt ist.
Durch Thermostate kann die Temperatur
reguliert werden. Da das Erdreich im Winter wärmer und im Sommer kühler ist als
die Außenluft, kann eine optimale Nutzbarkeit erreicht werden.
»In Ramallah liegt die Bodentemperatur konstant bei 17 Grad Celsius während
des gesamten Jahres«, sagt Sabawi. Weltweit nutzen mehr als 72 Länder geothermische Energiegewinnung. Aber die Installation solcher Anlagen ist kostspielig. Sabawi
hat einen Weg gefunden, die Effizienz der
Anlagen zu steigern: Kalksteinpulver – ein
Abfallprodukt der örtlichen Bauindustrie
in den Palästinensergebieten – wird zu besonders feinem Mörtel verarbeitet, der die
»Überhöhte
Gehälter der
NGOs behindern
Start-ups
in Palästina«
Bohrlöcher der Anlagen abdichtet. Dies, so
Sabawi, senke die Kosten um rund 15 Prozent. Das Unternehmen hat sich das Verfahren inzwischen patentieren lassen.
In einer Krisenregion mit einfachen
Mitteln eine nachhaltige Energiegewinnung aufzubauen – dafür erntet er inzwischen auch internationale Anerkennung.
Die US-Online-Zeitung Global Post nennt
Sabawi einen der innovativsten Energieunternehmer weltweit.
Für die Installationen am Sitz der Union
Construction and Investment (UCI) in Ramallah und an der Amerikanischen Universität in Madaba (AUM) in Jordanien
wurde MENA Geothermal Energy bereits
zweimal mit dem »Energy Globe Award«
für Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Nach Sabawis Angaben kann Madaba damit den
Elektrizitätsverbrauch für Heizung und
Klimatisierung um rund 200.000 Kilowattstunden jährlich verringern.
Offenbar steht dahinter also nicht nur
ein lobenswertes Ansinnen, sondern auch
ein Business Case: »Arabia 500+Turkey«,
ein Forum, das die 500 am schnellsten
wachsenden Unternehmen der Nahost-Region prämiert, hat MENA Geothermal
Energy auf seine Shortlist genommen.
Sabawi behindern vor allem zwei Faktoren: palästinensische Bürokratie und israelische Besatzung. »Nicht nur beim Import und Export von Waren, sondern auch
bei meinen Reisen muss ich immer wieder
bangen«, sagt Sabawi, dem schon dreimal
die Einreise ins Westjordanland verweigert
wurde.
Es scheint aber, als habe Israel, das seinerseits ja weltweit für Technologie und Innovation steht, großes Interesse an der Erfindung: »Wir können wohl noch vieles von
Ihnen lernen«, heißt es in der E-Mail eines
israelischen Beamten des Ministeriums für
Infrastruktur, die Sabawi stolz vorzeigt.
In Europa haben manche Energieinvestoren in den vergangenen Monaten ihr
»Waterloo« erlebt – der studierte Informatiker Sabawi aber verbindet mit diesem Begriff sehr positive Erinnerungen: Die Universität Waterloo im kanadischen Staat Ontario ist seine Alma Mater. Als Sohn palästinensischer Flüchtlinge wurde er 1983 in
Kuwait geboren und kam mit drei Jahren
nach Kanada.
Ein Hindernis für Startup-Unternehmer sieht Sabawi in dem, was er »die goldenen Handschellen der Entwicklungshilfe«
nennt. »Durch die hohen Summen ausländischer Gelder, die in die palästinensische
Wirtschaft gepumpt werden, können
NGOs überhöhte Gehälter zahlen.« Als
kleines Unternehmen sei es schwer, da
mitzuhalten, sagt Sabawi. Aber er wolle
vor allem eines: Optimist bleiben. »Wir
brauchen keine one state oder two state,
sondern eine green state solution! Wenn wir
Israelis und Palästinenser uns da zusammentun, können wir es wirklich zu etwas
bringen.«
•
Foto: TEDx Ramallah, Hala Salhi
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WIRTSCHAFT · K atar · Immobilien
Hochdruck
im
Treibhaus
Katar pflegt ein Image als regionaler Vorreiter beim Thema
Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Verwirklicht hat es noch nicht
allzu viel von seinen hehren Plänen. Nun will sich die Bauindustrie
an die Spitze der Bewegung setzen
Von Christoph Dreyer
Immobilien · K atar · WIRTSCHAFT
• Für ein Land, das in diesem Spätherbst die jährliche
UN-Klimakonferenz beherbergte und damit die Aufmerksamkeit der weltweiten Umweltschutz-­Community
auf sich zog, hatte Katar ein objektives Problem. Ungeachtet aller Klimaschutzrhetorik – einschließlich des
kühnen Versprechens, ausgerechnet in der Golfregion in
zehn Jahren die erste CO2-neutrale Fußball-­W M abzuhalten – gibt das reiche Emirat bei den harten Klimafakten bislang kein gutes Bild ab: In der weltweiten Rangliste für den größten »ökologischen Fußabdruck«, die die
Umweltorganisation WWF alle zwei Jahre veröffentlicht,
ist das Land 2012 wieder auf den ersten Platz vorgerückt.
Dabei mangelt es Katar keineswegs an originellen
Ideen. Der Prototyp eines mit Solarenergie gekühlten
Fußballstadions ist so ein Fall, die prominent im Sheraton-Park an der Corniche von Doha platzierten Leihfahrräder ein anderer. Beide machen sich stets gut in Powerpoint-Präsentationen über eine grüne Zukunft; doch in
der staubigen Realität Dohas setzen sie weitgehend unbeachtet und vor allem ungenutzt eine trübe Patina von
Wüstensand an.
Was sich vor Ort ganz praktisch beim Thema Nachhaltigkeit bewegt, spielt meist weit unterhalb der Ebene
prestigeträchtiger Großprojekte – und könnte längerfristig doch zu einem grundlegenden Wandel beitragen. Ein
Beispiel dafür ist das wachsende Interesse der Baubranche am Thema Umwelt- und Klimaschutz. Den institutionellen Rahmen dafür bildet der »Rat für Grünes Bauen«
(Qatar Green Building Council, QGBC). Der 2009 gegründete Zusammenschluss leistet im Wesentlichen
unspektakuläre Grundlagenarbeit. In Fachvorträgen
informiert er über Möglichkeiten zum Wassersparen,
den Umgang mit kompostierbarem Abfall oder das Pro
und Contra wiederverwertbarer Baustoffe. Das Ziel:
nachhaltige Ideen ins Gespräch zu bringen, zu informieren, Interessierte zu vernetzen und ihnen mit Fachwissen beratend zur Seite zu stehen.
Die meisten Baufirmen in Katar
sind halb­staatlich. Man kann
sie also zwingen, nachhaltig zu bauen
Doch die Ambitionen der Industrievertreter reichen weiter. Um überhaupt ein Bewusstsein für Umwelt- und
Nachhaltigkeitsthemen in der Öffentlichkeit zu schaffen,
gehen sie bewusst an die Basis. Bei regelmäßigen Schulbesuchen ermutigen sie die Kinder etwa, zu Hause und in
der Schule den Wasser- und Stromverbrauch zu messen.
»Wir wenden uns an die Kinder, um durch sie auch die
Gewohnheiten der Erwachsenen zu ändern«, sagt Mohamed Jaber, der den Bildungsausschuss des QGBC leitet.
Und das ist dringend nötig. »Im Vergleich zu Europa
hat Katar in Umweltfragen noch viel nachzuholen«,
räumt Alex Amato ein, bis vor wenigen Monaten Partner
bei der Bau-Consultingfirma Davis Langdon Qatar und
jetzt hauptamtlicher Nachhaltigkeitschef des QGBC.
»Aber sie sind dabei. Und sie holen nicht nur auf, sondern
haben in Teilen die Chance, weltweit führend zu werden.«
Gerade den unvorteilhaft hohen Kohlendioxid-Ausstoß Katars führt Amato als gutes Beispiel dafür an, wie
sich mit relativ geringem Aufwand das Bewusstsein für
Klimafragen in der Wirtschaft schärfen ließe. Einerseits,
so argumentiert der passionierte Experte für Ökobilanzen, benachteiligten die gängigen CO2-Rankings Katar,
weil sie nicht nur den Konsum, sondern auch die Produktion eines Landes berücksichtigten – eine fatale Bewertungsmethode für einen Staat, der einen Großteil seines
Einkommens aus dem Erdgasexport erzielt. Deshalb
wirbt Amato dafür, auf eine Berechnungsmethode umzustellen, die den Emissionsanteil der Exporte herausrechnet (dafür allerdings auch den der Importe einbezieht), wodurch Katar auf einen Schlag seinen Spitzenplatz unter den CO2-Emittenten verlieren würde.
Durch diesen statistischen Kniff, so Amato, würde
nämlich der Blick darauf gelenkt, an welchen Stellen sich
Katar tatsächlich einen überproportionalen Ausstoß an
Treibhausgasen leistet. »Wie groß ist zum Beispiel der
CO2-Fußbdruck der ganzen Nahrungsmittel, die nach Katar eingeflogen werden? Wie groß ist der CO2-Fußabdruck
all der Baustoffe für Katars schnell expandierendes Infrastrukturprogramm?«, fragt er. »Werden das die wahren
Problemfelder sein, wenn das CO2 der Öl- und Gasproduktion für den Export aus der nationalen Bilanz herausfällt? Im Moment wissen wir es einfach nicht.« Erst mit
diesem Wissen, betont Amato, ließen sich aber realistische Ziele zur Emissionsreduzierung festlegen – auch um
vermeidbare Energiekosten zu sparen und damit letztlich
im ureigenen wirtschaftlichen Interesse des Landes.
Speziell in der Bauindustrie, so nun das Argument
des QGBC-Funktionärs, könnten selbst kleine Unterschiede in den Klimaeigenschaften der verwendeten Materialien große Wirkung auf den Ausstoß an Treibhausgasen entfalten – wegen der langen Lebensdauer von
Bauprojekten, aber auch weil speziell am Golf oft in großen Dimensionen gebaut wird. Als gutes Anwendungsbeispiel führt er die zunehmende Durchsetzung des katarischen Zertifizierungssystem QSAS an, das eine differenzierte Bewertung von Bauprojekten nach ihrer
Klima- und Umweltverträglichkeit erlaubt.
Bis jetzt ist die Anwendung des Systems zwar freiwillig – mit der Ausnahme von Wasser- und Energieverbrauch bestimmter Regierungsgebäude und Bauten über
einer bestimmten Größe. Bis zum Jahr 2015, zeigt sich
Amato überzeugt, sei aber damit zu rechnen, dass die
QSAS-Zertifizierung schrittweise verbindlich vorgeschrieben werde. Darüber hinaus versucht Katar zunehmend, die mittlerweile in GSAS (Global Sustainability Assessment System) umbenannte Zertifizierung auch über
die eigenen Grenzen hinaus als Standard zu etablieren.
»Nehmen Sie nur einmal die klare und unzweideutige Botschaft, die das an Hersteller von Baustoffen und
-produkten sendet: dass die Nachhaltigkeitseigenschaften ihrer Materialien und Produkte als CO2-Äquivalent
gemessen werden und dass dies bei den Spezifikationen
für jedes Projekt berücksichtigt wird«, sagt Amato. Als
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WIRTSCHAFT · K atar · Immobilien
Voraussetzung werde dazu erst einmal nur ein
Benchmarking-System benötigt, das jedem in der Branche die Klimaeigenschaften verschiedener Produkte aufzeige. »Das wird ausreichen, um die Hersteller zur Verbesserung ihrer Produkte zu bewegen.«
Für denkbar hält er längerfristig sogar die Einführung eines Emissionsrechtehandels, bei dem Unternehmen mit einem bestimmten CO2-Budget haushalten
müssten – was für die Golfregion einer kleinen Revolution gleichkäme. »Es gibt die Chance, in einigen Dingen
Vorreiter zu werden«, sagt Amato mit Blick auf die Rolle
Katars bei solchen Neuerungen. Als wenig erfolgversprechend schätzt er dagegen negative Anreize wie Strafzahlungen bei Überschreitung bestimmter Grenzwerte ein:
»Man muss akzeptieren, dass dies eine ganz andere Gesellschaft als in Europa oder Kanada ist. Man macht das
mit anderen Mitteln.« Positive wirtschaftliche Anreize
seien dagegen unentbehrlich, um den zur Durchsetzung
von Nachhaltigkeitsstandards nötigen Kulturwandel zu
erreichen. »Man muss die Unternehmen dazu bringen,
ein Geschäft daraus zu machen.«
Lee Allen ist einer derjenigen, die diesen Schritt bereits vollzogen haben. Ausgebildet ist er als Landschaftsarchitekt, aber seine Abteilung bei der Architektur- und
Bauberatungsfirma Atkins beschäftigt sich zunehmend
mit Nachhaltigkeitsfragen. »Das ist dabei, unser Kerngeschäft zu werden«, sagt Allen. Beim Green Building
Council steht er dem Interessenverband für »grüne Infrastruktur« vor – worunter erst einmal alles zu verstehen ist, was außerhalb von Gebäuden liegt und geeignet
ist, deren negative Umwelteffekte auszugleichen: Parkplätze, Straßen, Parks, Plätze, Naturraum. Den Grundgedanken erläutert Allen so: »Was das Gebäude wegnimmt,
gibt die Landschaft – die grüne Infrastruktur – zurück.«
Eine fatale Bewertungsmethode für
einen Staat, der sein Einkommen aus
dem Gasexport erzielt
Als einfaches Beispiel dafür, wie der bewusste Einsatz
von grüner Infrastruktur zu nachhaltigen Lösungen
führen kann, nennt er den Umgang mit Regenwasser.
Traditionell wird es durch Gullys ins Abwassersystem
und letztlich hinaus ins Meer geleitet – oft unbehandelt
und womöglich sogar unter Einsatz kostbarer Energie
für große Pumpanlagen.
»Wenn man nun die Straßen als grüne Infrastruktur
und nicht als schwere Infrastruktur behandelt, kann
man das Regenwasser in der Straßenmitte oder auf einem Parkplatz managen, indem man es ihm ermöglicht
zu versickern. Man kann es sogar einer Art Bio-Aufbereitung oder -Filterung unterziehen und natürliche Systeme nutzen, die die Qualität des Wassers verbessern, bevor es zurück ins Grundwasser läuft.« Das bringt gleich
mehrfachen Nutzen: Weil das Regenwasser einer nützlichen Verwendung zugeführt wird, muss weniger Meerwasser aufbereitet werden. Entsprechend weniger Ener-
gie wird verbraucht, es entstehen keine Klimagase, und
im Idealfall profitieren von dem Wasser sogar Lebensräume für Pflanzen und Tiere.
Die Schlüsselerkenntnis für solche Lösungen besteht darin, dass eine Infrastruktur mehr als nur eine
Verwendung haben kann: Ein Straßenbelag kann durchlässig sein und das Wasser in den Boden sickern lassen.
Eine Gebäudehaut kann mit Solarzellen belegt sein und
damit zugleich die Sonnen- und Hitzeeinstrahlung im
Innern reduzieren. Durch Versickerung gefiltertes
Brauchwasser kann Solarzellen vom Wüstensand reinigen und kühlen.
Längst werden solche Erkenntnisse auch in der Praxis angewandt. Atkins etwa arbeite in öffentlichem Auftrag daran, die Seitenstreifen der Straßen in Katar für
alternative Fortbewegungsarten zu nutzen, berichtet
Allen. Ein wichtiger Schritt dabei sei es, für Schatten zu
sorgen, um trotz des heißen Klimas Bewegung im Freien
etwa für Fußgänger erträglich zu machen.
Ein anderes Beispiel ist der gezielte Ausbau der Radwege in Doha. Schon jetzt gibt es laut Allen 50 Kilometer
davon, auch wenn es derzeit noch an Verbindungen zwischen den Teilstücken mangele. Für alle neuen Straßenprojekte seien begleitende Radwege überdies zwingend
vorgeschrieben. Große Hoffnungen setzt der Planer in
diesem Zusammenhang auf Fahrräder mit elektrischem
Hilfsmotor: Sie ermöglichen das Radeln auch bei heißen
Temperaturen und sorgen zudem durch den Fahrtwind
für Kühlung. Zur grünen Infrastruktur gehöre außerdem,
den Übergang zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln
zu ermöglichen – etwa durch Fahrradparkplätze und Radverleihe an den Bahnhöfen der künftigen Metro in Doha.
Dass es in Katar an Bewusstsein für die Klimaproblematik mangele, lässt Allen jedenfalls nicht gelten: Obwohl es bislang keine gesetzliche Vorschrift zum nachhaltigen Bauen gebe, sei es an vielen Stellen längst Praxis.
Auch in den Baubeschreibungen seien immer öfter Elemente nachhaltiger Gestaltung vorgesehen. Zudem spiele
eine Eigenheit des katarischen Markts dem politisch gewünschten Wandel in die Hände: »Die meisten Baufirmen hier sind halbstaatlich – was bedeutet, dass man sie
automatisch dazu bringen kann, nachhaltig zu bauen.«
Selbst der Finanzdistrikt West Bay mit seinen planlos wuchernden Hochhäusern, der bislang eher notorisch
für eine unnachhaltige Bauweise stand, hält Allen nicht
für einen hoffnungslosen Fall, was den intelligenten Einsatz grüner Infrastruktur angeht. »Ich weiß, dass es geschehen wird und schon in Arbeit ist«, sagt er. Entscheidend sei, was zwischen den Gebäuden geschehe: welche
Verkehrsinfrastruktur es dort gebe, wie der öffentliche
Raum genutzt werde, wie viel davon für Autospuren zur
Verfügung stehe.
»Weil Katar die Fußball-WM hat, musste es sich festlegen. Das Land ist in der einzigartigen Lage, nicht von
Etatschwankungen beeinflusst zu werden, und es hat einen Plan«, sagt Allen. Und wagt eine kühne Prognose: »Ich
halte es für möglich, dass Doha innerhalb der kommenden
zehn Jahre eine der nachhaltigsten Städte sein wird.« •
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WIRTSCHAFT · Myanmar · Energieinfr astruktur
Die besten Freunde des Tigers
Myanmar setzt auf seine Rohstoffreserven, um
seine politische Öffnung zu unterstützen. Aber
nur für die Nachbarn wie China oder Thailand
lohnt es sich wirklich, die relativ hohen
Er­schließungskosten auf sich zu nehmen
Von Frederik Richter
• Nach Dekaden der Militärherrschaft erlebt Myanmar seit 2010
eine erstaunliche politische Öffnung. Aung San Duu Kyi, die Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin, die jahrelang
mit Hausarrest belegt worden war, durfte ins Parlament gewählt
werden und besucht heute die Hauptstädte der Welt. Indes stellt
sich die Frage, wie – und wie bald – das frühere Burma aus seinen
natürlichem Reichtum endlich Vorteile ziehen kann: Seine Rohstoffreserven wurden seit der Machtübernahme der Generäle
1962 wegen Missmanagements vernachlässigt, und seit den späten
1980er kamen noch die Wirtschaftssanktionen des Westen gegen
das Regime hinzu.
»Es sind nur bescheidene Vorkommen von
Erdöl und Erdgas und es wird recht teuer sein,
sie zu erschließen«
Myanmar besitzt Vorkommen von rund 3 Milliarden Barrel Erdöl
und 22 Billionen Kubikfuß Erdgas. Selbst wenn das im weltweiten
Vergleich nicht viel ist, diese Gasreserven sind von Bedeutung in
einer Region, deren Energiebedarf stetig wächst. »Es sind nur bescheidene Rohstoffreserven und es wird recht teuer sein, sie zu
erschließen. Im Norden etwa liegt eines der letzten natürlichen
Urwaldgebiete Asiens«, erklärt Alan Troner, Präsident von Asia
Pacific Energy Consulting. »Aber offshore lagert eine recht ordentliche Menge Gas.«
Es würde sich vermutlich nicht lohnen, diese Reserven als
Flüssiggas zu exportieren, meint Troner. Das lässt nur Pipelines
für die Ausfuhr übrig, aber das schwierige Verhältnis Myanmars
zu Indien und Bangladesch lässt nur China und Thailand als Käufer in Frage kommen.
Tatsächlich bauen Myanmar und China bereits an einer Pipeline, die ab 2013 Rohöl und ab 2014 Erdgas transportieren soll. Sie
ist Teil von Pekings Strategie, chinesische Energieimporte über
den Seeweg zu reduzieren, die eine feindliche gesinnte Marine
einfach abschneiden könnten.
Troner glaubt, dass es die Befürchtung war, gänzlich von der
Volksrepublik politisch und ökonomisch dominiert zu werden,
die die burmesischen Generäle bewegt hat, ihr Land wieder für
die Außenwelt zu öffnen. Myanmar ist ebenfalls hinter den Entwicklungsstand seiner Nachbarn zurückgefallen und eine der
ärmsten Nationen der Welt geworden: Einer von vier Einwohnern
lebt unter der Armutsgrenze. »Ihnen ist klar geworden, dass sie,
wenn sie ihre Gasreserven wirklich erschließen wollen, auch
noch mit anderen außer China teilen müssen«, erklärt Troner.
Trotz der westlichen Sanktionen waren ausländische Öl- und
Gasunternehmen schon lange vor der politischen Öffnung in
Myanmar tätig. Zur Zeit bestehen schon zehn Verträge über zehn
Festlandsfelder mit 13 Firmen, berichtet die Asian Development
Bank (ADB), wie auch bereits 25 Verträge mit 24 Unternehmen,
um 26 weitere Felder zu explorieren.
Besonders aktiv war die PTT, staatlicher Energiekonzern
Thailands, ein Land, das über kaum eigene Ressourcen außer seinen schwindenden Reserven im Golf von Thailand verfügt. Dessen
Tochter PTTEP hat neulich den Ölgiganten Shell überboten, der
2,2 Milliarden US-Dollar für die britische Cove Energy bezahlen
wollte, um Zugang zu Energiereserven in Mosambik zu erlangen.
Thailand bedarf immer größerer Energieimporte, um den eigenen Verbrauch zu decken, der in den nächsten Jahrzehnten
noch wachsen wird. Es führt Wasserkraft aus Laos ein, das den
Fluss Mekong zur Energiegewinnung nutzt. Umweltverbände haben beide Staaten für ein Staudammprojekt von 3,5 Milliarden
Dollar heftig kritisiert. Thailand nutzt bislang Erdgas für 70 Prozent seiner Energieerzeugung – und importiert das meiste davon
aus Myanmar.
»Wenn sie ihre Gasreserven wirklich
erschließen wollen, müssen sie auch mit
anderen außer China teilen«
Thailand besitzt in Sachen Wirtschaftsbeziehungen zu Myanmar
bereits einen ordentlichen Vorsprung, denn PTT hat bereits 1994
einen Vertrag unterschrieben, um das Offshore-Gasfeld »Yadana«
zu erschließen. Die kommerzielle Ausbeutung begann 2000. PTTEP ist insgesamt bei drei großen burmesischen Gasvorkommen
involviert: Die Felder »Yadana« und »Yetugan« sind über eine
grenzüberschreitende Pipeline mit einem thailändischen Kraftwerk verbunden, das die Metropoe Bangkok versorgt. Das »Zawtika«-Feld wird ab 2013 täglich 300 Millionen Kubikfuß Erdgas
produzieren, wovon 80 Prozent nach Thailand fließen sollen. PTTEP war der einzige Investor für dieses Vorkommen, bis der französische Energieriese Total im September 2012 angekündigt hat,
an einem der drei »Zawtika«-Blöcke einen Produktionsanteil von
40 Prozent zu erwerben. Für Myanmar selbst wird es indes immer dringender, sich zwischen den Erträgen aus seinen Gasex-
22
Energieinfr astruktur · Myanmar · WIRTSCHAFT
Billionen Kubikfuss Erdgas sollen
laut schätzungen innerhalb Myanmars
land- und seegrenzen liegen
Projekte der PTTEP IN MYANMAR UND THAILAND
GASfelder
GASPIPELINE
ölfelder
ÖLPIPELINE
INDIEN
MYANMAR
Pansai
Kulkai
Hspaw
Mandalay
Kunming
Nanning
Lasho
VIETNAM
Pyin Oo Lwin
Kyaukse
Kyaukadaung
An
Shwe Gas
Magwe
LAOS
Kyauk Phyu
GOLF VON
BENGALEN
Rangun
THAILAND
KAMBODSCHA
ANDAMANENSEE
porten und der Notwendigkeit, eine eigene Energieversorgung
aufzubauen, zu entscheiden: Schon früher haben steigende Preise
für Benzin und Diesel mehrfach für öffentliche Proteste gesorgt;
nur ein Viertel der Bevölkerung hat Anschluss ans Stromnetz und
immer noch leiden viele Landstriche unter regelmäßigen Stromausfällen, einschließlich der größten Stadt des Landes, der ehemaligen Hauptstadt Rangun. Das Netz muss in den ländlichen
Gegenden ausgebaut und die bestehenden Leitungen müssen erneuert werden, um die Übertragungsverluste zu reduzieren.
Wasserkraft aus seinen Seen und Flüssen sorgt noch für drei
Viertel von Myanmars Energieerzeugung. Die Regierung plant,
zwei neue 500-Megawatt-Gaskraftwerke zu bauen, und zieht
auch kurzfristige Maßnahmen in Betracht: Dieselgeneratoren
sollen in der Trockensaison da eingesetzt werden, wo die Wasserstände so weit fallen, dass sie zur Stromproduktion nicht mehr
ausreichen.
Myanmar muss sich zwischen Erträgen aus
Gasexporten und der Notwendigkeit, eine eigene
Energieversorgung aufzubauen, entscheiden
CHINA
Wanding
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Weil die neue Regierung Myanmars auf die Beschwerden der
Wähler mehr Rücksicht nehmen muss, erwarten Beobachter eine
Schwerpunktverlagerung weg vom Energieexport zur Energieerzeugung für heimische Zwecke. »Die neue Führung möchte die
Ressourcen entwickelt sehen, um Myanmars eigenes Energiedefizit zu beheben, bevor sie exportiert werden«, sagt Anthony Jude,
Südostasien- und Energieexperte der ADB. »An bestehende Exportverträge wird sie sich halten, aber sicherstellen, dass neu erschlossene Gasfelder zuerst der eigenen Versorgung mit Strom
und Flüssiggas zugutekommen und nur Überschüsse ausgeführt
werden.«
Als »Solidaritätsgeste« versprach die PTT denn auch jegliches überschüssiges Gas nach Myanmar zurückzuleiten, als sie
im Juni 2012 einen neuen Erkundungsvertrag unterschrieb. Jude
findet, dass das Land seine Hydroenergieproduktion immer noch
steigern könne, auch wenn Energiebedarf und Umweltschutz ausbalanciert werden müssten. Die vielen Gewässer Myanmars beheimateten eine sehr reiche Fauna und Flora. »In Flussbecken
müssen die Auswirkungen von Wasserkraftprojekten sorgfältig
geprüft werden, damit Gemeinschaften im Einzugsgebiet nicht
für die Energieerzeugung geopfert werden, damit die Wasserqualität erhalten bleibt und damit Auswirkungen auf Fischbestände
und Biodiversität insgesamt begrenzt bleiben.«
Währenddessen haben die USA, als Reaktion auf die Öffnung
des Landes, ihre Sanktionen gegen Myanmar gelockert; die Europäische Union hat im April angekündigt, ihre Zwangsmaßnahmen vorläufig zu suspendieren, wenn der Demokratisierungsprozess anhält. Aber Kritik an der schlechten Menschenrechtslage
und der Beteiligung des Militärs an der Wirtschaft bleibt bestehen: Im Juli erklärte Human Rights Watch, dass ausländische
Investitionen in Myanmars Ölsektor die Stellung derer im Land
untergrabe, die für eine größere Verantwortlichkeit der Regierung eintreten. Doch die energiehungrigen Nachbarn Myanmars,
die schon lange vor der Öffnung in das burmesische Gasgeschäft
eingestiegen waren, wird solche Kritik im Moment wohl kaum
scheren.
•
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WIRTSCHAFT · Deutschland/Libyen · gesundheit
Das libysche Debakel
Der Disput zwischen deutschen Kliniken und Libyen geht in
die nächste Runde: Mehr als 1.000 Kriegsverletzte wurden in
der Bundesrepublik behandelt, viele Krankenhäuser blieben
auf den Kosten sitzen
von nils metzger
• Es hätte ein Gewinn für alle Beteiligten werden sollen. Der libysche Staat, dessen Gesundheitswesen nach
dem Bürgerkrieg am Boden lag, wollte seine umfangreichen Finanzmittel nutzen, um tausende Kriegsversehrte im Ausland behandeln zu lassen. Die deutsche
Politik sah darin eine Chance, sowohl die angeschlagenen Beziehungen zum post-revolutionären Libyen aufzubessern, wie auch die heimische Wirtschaft zu unterstützen. Allein der Medizindienstleister almeda
wurde vom »Temporary Financing Mechanism«
(TFM), dem Vorläufer des libyschen Finanzministeriums, mit der Verteilung von 600 Patienten beauftragt.
Etwa die gleiche Zahl an Verletzten wurde darüber hinaus noch von der libyschen Botschaft und diversen
privaten Agenturen in die Bundesrepublik vermittelt.
Die Hoffnung auf reibungslose Geschäfte hatte
sich in der Branche aber schnell zerschlagen und viele Kliniken würden sich nach den gemachten Erfahrungen kein zweites Mal auf eine solche Kooperation
einlassen. Im April 2012 zog sich die Munich Re-Tochter almeda ernüchtert aus dem Libyen-Geschäft zurück – monatelang war man an der Komplexität der
Materie verzweifelt: Libyer beklagten die schlechte
Behandlungsqualität in Deutschland, die Kosten
schossen in den Himmel. Zur gleichen Zeit stellte auch
die libysche Botschaft die Zahlung aller Behandlungskosten ein – obwohl noch immer hunderte Patienten
in deutschen Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen gepflegt wurden. Das von der Kf W mit einem
100-Millionen-Euro-Kredit geförderte und vom Auswärtigen Amt mit einer »unbürokratischen Visavergabe« unterstützte Vorhaben geriet so vollends zum
Fiasko. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums warten dutzende Kliniken nun seit Monaten
auf insgesamt mehr als 32 Millionen Euro aus unbezahlten Rechnungen. An den Rand der Zahlungsunfähigkeit geriet das Gesundheitszentrum Wittgenstein
im nordrhein-­west­fälischen Bad Laasphe. Nach der Insolvenz des früheren Betreibers HGC Kliniken 2011 versuchte man mit libyschen Patienten im Januar 2012 einen betrieblichen Neustart. Rund 50 Personen teilte ihnen die libysche Botschaft zu, darunter nicht nur
Kriegsverletzte, sondern insbesondere Menschen mit
chronischen Erkrankungen. Um fast 600.000 Euro ringe man derzeit mit der Botschaft, betont die für Libyen
zuständige Mitarbeiterin Angela Crusius. »Wir haben
uns monatelang an sie gewandt, doch die Botschaft
scheint ziemlich überfordert mit der Situation.« Einen
geringen sechsstelligen Betrag habe man Ende November bewilligt bekommen, doch könnten diese Verzögerungen das Krankenhaus »wieder nahe an die Insolvenz bringen«. Mitarbeiter mussten teils Monate auf
ihr Gehalt warten.
Kritisch ist auch die Lage der renommierten Neurologischen Rehabilitationsklinik Aachen. Deren Geschäftsführerin Magdah Zakzuk wartet seit Monaten
auf drei Millionen Euro aus Libyen. 113 Patienten aus
der Botschaftskooperation habe man aufgenommen
und war bis April sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit. Einen Grund für die Aussetzung der Zahlungen habe man nie erhalten. Im Oktober beauftragte
die Klinik den FDP-Politiker und Anwalt Wolfgang
Kubicki, rechtliche Schritte gegen die Botschaft zu
prüfen. Er kritisiert insbesondere das von der libyschen Regierung für die Prüfung der Behandlungskosten herangezogene Wirtschaftsprüfungsunternehmen PricewaterhouseCoopers: »Sie fordern Kliniken dazu auf, auf weite Teile der ihnen zustehenden
Summe vorab zu verzichten, damit ihr Fall schneller
bearbeitet wird.« Doch selbst dann könnten sie keine
glaubhafte Zahlungsgarantie abgeben.
Ein Manager eines großen deutschen Gesundheitskonzerns sieht in diesem Vorgehen eine wohlüberlegte Strategie: Man spekuliere darauf, dass sich viele
gesundheit · Deutschland/Libyen · WIRTSCHAFT
Kliniken die offenen Rechnungen nicht viel länger leis- gungen vorhanden waren. Und jetzt lässt man uns mit
ten könnten. »Viele Häuser werden letztendlich lieber den Problemen allein«, kritisiert Jens Juszczak, Exauf einen Teilbetrag verzichten, als den Kampf mit der perte für Auslandspatienten an der Hochschule BonnBotschaft über Monate fortzuführen.« Seine Klinik ha- Rhein-Sieg. Als die Bundeswehr im Oktober 2011 die
be lange Zeit einen eigenen Mitarbeiter bei der Bot- ersten Kriegsverletzten nach Deutschland ausflog,
schaft postiert, um zuständige Sachbearbeiter abzu- warben Politik und Deutsche Krankenhausgesellpassen, nachdem Kontaktversuche wochenlang ins schaft für die Kooperation und köderten viele Kliniken mit dem Versprechen, ohne unternehmerisches
Leere liefen.
Ein Botschaftsmitarbeiter bestätigte, dass man Risiko Gutes tun zu können. Dennoch sieht Rolf Dieviele Rechnungen noch prüfe, da überhöhte Forderun- ter Müller die Politik nicht in der Schuld: »Viele Klinigen gestellt wurden. Die Regierungsbildung in Libyen ken haben am Auswärtigen Amt und Gesundheitsmihabe viele Prozesse verzögert. »Am 1. November erhiel- nisterium vorbei Verträge unterzeichnet, für die wir
ten wir eine Überweisung von 21 Millionen Euro. Da nicht verantwortlich sind. Sie haben sich dabei auf Verdie Schulden hoch sind, bieten wir den Kliniken zu- mittler und angebliche Botschaftsangehörige verlasnächst eine Ratenzahlung von 25 Prozent an. Bis Ende sen und ohne Vorauskasse behandelt. Jetzt auf die PoJanuar 2013 werden alle Schulden beglichen.« Die be- litik zu zeigen, ist zu einfach.«
troffenen Kliniken verneinen jedoch zu hohe AbrechOhne Rückendeckung durch die Ministerien übernung. »Betrachtet man die Anforderungen, die die Pfle- legen die Kliniken nun Druck im Alleingang aufzubauge traumatisierter Kriegsopfer
en: »Vor einigen Jahren
birgt, so haben wir kaum koshatten wir bereits ähnlitendeckend abgerechnet«, so
che Probleme mit der
die Aachener Klinikchefin Zak- Mit der Behandlung libyscher
saudi-­a rabischen Botzuk. In einer internen E-Mail Kriegsverletzter wollten deutsche
schaft. Damals entschieden sich zahlreiche Klinides Krankenhauses warnt sie,
Krankenhäuser den Sprung ins
ken, Kranke von dort kadie ausbleibenden Zahlungen
könnten zur Insolvenz des ­internationale Gesundheits­business tegorisch abzuweisen.
NRK führen: »Alle Möglichkei- schaffen. Jetzt ringen die Kliniken
Innerhalb von Wochen
ten an weiteren Bankkrediten
kam Bewegung in die
mit libyschen Stellen um aus­­stehende Verhandlungen«, berichwurden ausgereizt.«
tet Juszczak, der einem
Um den Kliniken bei der Millionenbeträge – die Politik
inoffiziellen Arbeitskreis
Durchsetzungen ihrer Fordeschaut tatenlos zu
rungen zu helfen, hat Bundesvon 35 Kliniken und Gegesundheitsminister Daniel
sundheitsunternehmen
angehört. Angesichts der
Bahr persönlich im Frühjahr
2012 die Einsetzung eines Mediators verfügt. Zahlrei- aktuellen Situation sei das ein legitimes Vorgehen.
che Kliniken sandten in der Folge ihre RechnungsunUm Streitigkeiten bei der Bezahlung ausländischer
terlagen nach Berlin in der Hoffnung, diplomatischer Patienten in Zukunft vorzubeugen, wünschen sich vieDruck könne die Libyer zur Zahlung bewegen. Diese le Kliniken zudem eine Reform des BehandlungsErwartung dämpft der Kommissionsvorsitzende Rolf fall-Klassifikationssystems. Nach deutscher RechtslaDieter Müller deutlich: »Wir haben den Libyern signa­ ge müssen auch ausländische Patienten zu den Stanlisiert, dass wir nur schwer neue Patienten behandeln dardsätzen behandelt werden, in die sich Kosten für
können, so lange Altfälle noch unbearbeitet sind. Dip- Dolmetscher, oder islamkonforme Speisen aber nur
lomatischen Druck aufzubauen, sehe ich aber nicht als schwer einbeziehen lassen. So machen die Krankenmeine Aufgabe an.« Stattdessen werde er seine Er- häuser ihre Rechnungen angreifbar: Patienten wie auskenntnisse in Form eines Berichtes Minister Bahr vor- ländische Botschaften wittern oft Betrug, wenn in den
legen. Die politische Instabilität in Libyen habe viele Abrechnungen versteckte Sonderposten auftauchen,
Prozesse verzögert und man brauche schlicht mehr oder Kliniken von Anfang an ein Mehrfaches des
Zeit, so Müller. Währenddessen vergibt die deutsche DRG-Satzes berechnen – und damit gegen geltendes
Botschaft in Tripolis weiter Behandlungsvisa an liby- Recht verstoßen. »Mit dieser Grauzone mussten wir
sche Patienten.
bislang leben«, so Wittgenstein-Mitarbeiterin Angela
In der Branche stößt dieses Vertrösten auf großes Crusius. »Kliniken können unmöglich ausländische
Unverständnis: »Im Gesundheits- und Außenministe- Patienten mitfinanzieren. Das Gesundheitsministeririum wollte man libysche Patienten nach Deutschland um bremst die Kliniken mit seiner Politik aus«, ergänzt
holen, ohne dass die organisatorischen Rahmenbedin- Jusczcak.
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WIRTSCHAFT · k atar/Fr ankreich · In vestitionen
Die Maitresse
des Emirs
Photo: Benh Lieu Song / CC-SA 3.0
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In vestitionen · k atar/Fr ankreich · WIRTSCHAFT
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Milliarden-Deals und eine Männerfreundschaft:
Katar und Frankreich liebten sich leidenschaftlich.
Doch dann kam ein Sozialist, der die Reichen besteuern
will und nicht einmal Scheich Hamads Handynummer hat.
Ob das gut ist fürs Geschäft?
von Charlie Hamilton
• Wer in Paris aus der Metro-Station »Charles de Gaulle – Étoile«
steigt, um auf den Champs-Élysées zu flanieren, dem fällt eine imposante Villa ins Auge. Noch immer sieht man Gruppen von Touristen, die über deren exotische weiß-braun-gezackte Fahne rätseln – aber das sind Fragen, die sich die Pariser schon lange nicht
mehr stellen. Katars Botschaft an der Seine hat nicht nur die beste
Postanschrift – spätestens seit der katarische Sender Al-Jazeera
Sport sogar die französischen Übertragungsrechte für die Champions League gekauft und einen eigenen Pay-TV-Kanal in Frank-
reich betreibt, wissen die Franzosen, was sich hinter dem Namen
eines winzig kleinen Emirats verbirgt. »Schließt man neue
Freundschaften, empfiehlt es sich, die erste Runde zu spendieren«,
witzelt ein französischer Diplomat im Gespräch mit zenith.
Er spielt damit auf die Nachricht an, dass Katar beabsichtige,
50 Millionen Euro für heruntergekommene Viertel der Pariser
Banlieue zu spendieren. Als der Deal vor Monaten die Runde
machte, löste er bissige Reaktionen an allen Enden des politischen
Spektrums aus. Marine Le Pen, Kampfgeschütz der französischen
Foto: © Présidence de la République – Christelle Alix
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WIRTSCHAFT · k atar/Fr ankreich · In vestitionen
In vestitionen · k atar/Fr ankreich · WIRTSCHAFT
Politik schafft
ungewöhnliche Allianzen
Widerstrebend begrüßt der
stoische französische
Präsident François Hollande
den energetischen Emir des
Staats Katar, Scheich Hamad
Bin Khalifa Al Thani.
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WIRTSCHAFT · k atar/Fr ankreich · In vestitionen
milliarden US-DOLLAR schwer sollen
die Mittel der staatlichen Investitions­
behörde sein
Rechten, witterte Verschwörung: Der Plan sei ein »trojanisches
Pferd des Islam«; schließlich investiere Katar ausschließlich dort,
wo mehrheitlich Muslime lebten. »Wir lassen fremde Länder ihre
Investitionsentscheidungen auf Grundlage der Religion treffen«,
schimpfte Le Pen. Diese Worte trafen die französische Gesellschaft an einer empfindlichen Stelle: Viele Franzosen sehen verarmte Vorstädte und arbeitslose Migranten nicht nur als Fanal
des Scheiterns der Integrationsgesellschaft, sondern auch als Bedrohung für den französischen »way of life«.
Auch linke Kommentatoren waren empört: Frankreich solle
sich nicht auf Geschäfte mit einer Monarchie einlassen, die sich
am Ende nur das Wohlwollen einer Veto-Macht im Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen kaufen wolle – um dort möglicherweise
selbst einmal zu sitzen.
Immerhin: Die Kataris sind wieder zurück an der Seine. Für
einige Monate wussten die Polit- und Investitionsstrategen des
Emirs in Doha nämlich nicht mehr, woran sie waren. Würde der
erste sozialistische Präsident seit fast 20 Jahren die katarisch-französische Affäre so leidenschaftlich fortsetzen wie sein
Vorgänger Sarkozy? Immerhin hatte das Emirat sich diese Liebe
etwas kosten lassen: In den zurückliegenden fünf Jahren investierte Katars Herrscherhaus in französische Immobilien, Sportvereine und Industriefirmen. Verwandte des Emirs ließen sich
historische Stadtpaläste in Paris umbauen und erhielten Steuerprivilegien. Und nun hatten die Franzosen einen Mann gewählt,
dem nichts besseres einfällt, als die Reichen zu besteuern?
Über die letzten zwölf Monate lief Katars
Investitionsmaschinerie auf Hochtouren
in Frankreich
Nicolas Sarkozy, vor seiner Läuterung ein Bling-Bling-Präsident
an der Seite eines Ex-Models, schien ein weitaus besserer Partner
für Katars energischen, aber jovialen Herrscher Scheich Hamad
bin Khalifa Al Thani und seine telegene Gattin Mozah. Beide
suchten nach einer Führungsrolle in der Weltdiplomatie – zwei
Macher eben. Und sehr zum Ärger höherer Chargen im Pariser
Quai d'Orsay hatte der Emir eine Standleitung zum Präsidenten,
denn in den Golfstaaten zählen persönliche Beziehungen eben
noch mehr als auf dem alten Kontinent.
François Hollande dagegen: ein selbsternannter Normalo, ein
Technokrat, der zunächst einmal die Bewirtungskosten des Élysees herabsetzte. Paris und Doha standen sich, so berichten Dip-
lomaten, auf einmal skeptisch gegenüber. »Hollande und Hamad
sind keine natürlichen Verbündeten, und die Kataris fürchteten,
dass Frankreich von Sarkozys Strategie nun Abstand nehmen
würde«, sagt Vincent Forest, ehemaliger Mitarbeiter des französischen Außenministeriums und heute Westeuropa-Spezialist der
Economic Intelligence Unit (EIU).
Auch in der Routine-Kommunikation musste man offenbar
bei null anfangen, sagt Karim Bitar, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale und Strategische Beziehungen
in Paris (IRIS): »Selbst die französischen Staatsbeamten hatten
keine Telefonnummern ihrer Kollegen in Katar«, erklärt Bitar.
Da die französische Wirtschaft derzeit angeschlagen ist und
ein Interesse daran hat, den solventen Partner – trotz aller sozialistischen Parolen der neuen Regierung– nicht vor den Kopf zu
stoßen, könnte man vermuten, dass die Franzosen auf die Kataris
zugehen würden. Aber die erste Charme-Offensive ging allem Anschein nach von Doha aus: Premierminister Hamad bin Jassim
bin Jaber bin Muhammad Al Thani – kurz: »HBJ« – reiste nur wenige Wochen nach Hollandes Amtsantritt an die Seine, um das
Terrain auszukundschaften. Es lief nicht schlecht: Im August
kam dann Scheich Hamad, und als HBJ im September wieder in
Paris auftauchte, schien es beinahe wie früher.
»Die Kataris setzen auf soft diplomacy«, findet Marc Pellas,
Spezialist für die Golfstaaten bei der Monatszeitung Le Monde Diplomatique. Die massiven Investitionen der Qatar Investment Authority in Frankreich seien auch im Sinne einer diplomatischen
Aufwertungskampagne zu bewerten.
Gewiss: Ginge es nur um die Rendite, hätte Katar womöglich
anderswo investiert. Insgesamt hat die staatliche Investitionsgesellschaft dafür weit über 100 Milliarden US-Dollar zur Verfügung.
Katar hält Anteile beim US-Juwelier Tiffany's, bei Volkswagen, Harrods, Shell, Barclays and Credit Suisse und 11 Prozent am
globalen Minenunternehmen Xstrata. Aber ein erheblicher Teil
katarischen Investitionskapitals floss nach Frankreich – mit Beteiligungen am Bauunternehmen Vinci, an den Dienstleistern Suez Environment and Veolia, diversen Luxushotels wie Hotel du
Louvre, Royal Monceau Hotel Lambert und Concorde Lafayette
in Paris. Darüber hinaus gehören den Kataris das Martinez und
das Carlton in Cannes, das Palais de la Méditeranée in Nizza und
Anteile an der Société des Bains de Mer, die mehrere Luxushotels
in Monaco betreibt.
Katars Herrschaftsfamilie gilt als frankophil, zumindest seit
den 1980er Jahren: Damals verbrachte Scheich Hamads Vater,
Emir Khalifa bin Hamad Al Thani, seine Sommerfrische an der
französischen Riviera und ließ sich dort prächtige Anwesen errichten – offenbar ohne zu merken, dass sich in Doha eine Verschwörung zusammenbraut, an deren Spitze kein anderer stand
als der Sohn des Herrschers: 1995 wurde Khalifa von seinem Sohn
Hamad entmachtet. Vergeblich bat Khalifa seinen »alten Freund«
Jacques Chirac um Hilfe: Chirac, ein Mann mit politischem Instinkt, schickte keine Fallschirmjäger, sondern arrangierte sich
stattdessen mit dem neuen Herrscher.
In der Ära Sarkozy, vor allem aber innerhalb der letzten zwölf
Monate, lief Katars Investitionsmaschine in Frankreich immer
höhere Drehzahlen: Kataris kauften den Fußballclub Paris
Saint-Germain, die Lederwarenfirma Le Tanneur und beteiligten
sich mit immerhin zwei Prozent am Unterhaltungskonzern Vivendi. Zudem hält Katar 13 Prozent der mächtigen Mediengruppe
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In vestitionen · k atar/Fr ankreich · WIRTSCHAFT
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prozent ihrer militärischen Ausrüstung
bestellen die Kataris derzeit in Frankreich
Bildquelle:: http://carolinefourest.wordpress.com/2012/04/02/le-qatar-et-son-drole-de-predicateur/ (22. November 2012)
Der frühere Präsident Nicolas Sarkozy,
berühmt für seine »Bling bling«-Präsident­
schaft, verstand sich auf Anhieb mit Katars
Herrscher
Lagardère, die ihrerseits am deutsch-französischen Luftfahrtunternehmen EADS beteiligt ist.
Drei Prozent des französischen Petroleumriesen Total – derzeit kapitalisiert mit 98,96 Milliarden Euro – sind ebenso in katarischer Hand wie ein Prozent des Luxusgutherstellers LVMH
Moët Hennessy – Louis Vuitton (LVMH). Ob es sich bei Letzterem
um ein strategisches Investment oder eine Liebhaberei handelt,
liegt wohl im Auge des Betrachters.
»Frankreich steckt in erheblichen finanziellen
Schwierigkeiten. Es lohnt sich, reiche Freunde
zu haben«
Aber just, als die Scheichs einer Rückversicherung zur Steuerpolitik bedurften, war die Direktverbindung nach Frankreich plötzlich gekappt. Eine der größten Sorgen wäre wohl die mit Sarkozy
auf fünf Jahre ausgehandelte Befreiung von der französischen
Vermögenssteuer gewesen, die Wirtschaftsgüter ab 1,3 Millionen
Euro betrifft. »Sollte er die katarischen Investoren nun zwingen,
mehr Steuern zu bezahlen, würde er vielleicht für ein paar Jahre
100 Millionen Euro extra einnehmen, aber die Kataris könnten
ihr Vermögen aus Frankreich abziehen und damit weit größere
Probleme hinterlassen«, erklärt EIU-Spezialist Forest. Das müsse
auch der Sozialistischen Partei einleuchten.
Hollandes anfängliche Zurückhaltung gegenüber den Kataris
erwuchs nicht nur aus der Unsicherheit, sondern auch aus politischem Kalkül. Immerhin sei es nicht nur gut für das Image eines
sozialistischen Präsidenten, einen reichen Golf-Emir zum Freund
zu haben, sagt Denis Bauchard vom französischen Institut für Internationale Beziehungen (IFRI): »Es könnte der Eindruck enstehen, er verrate seine Grundüberzeugungen.« Denn Katars Ruf sei
nicht unumstritten. »Das Emirat wird eben auch als Sponsor von
Islamisten und Dschihadisten in der arabischen Welt gesehen«,
erläutert Bauchard, und viele Franzosen misstrauten der politischen Agenda des Emirats. »Die Wählerschaft der französischen
Sozialisten war widerwillig«, meint auch Katar-Experte Karim
Bitar, »sie erlebt Katar als ein islamistisches Land und einen politischen Verbündeten der USA« – beides wecke altbekannte Ressentiments der Linken. Zudem habe Hollandes Partei die Steuervorteile und Immobiliendeals der Kataris mit Sarkozy scharf kritisiert – zumindest, als sie sich noch in der Opposition befand.
Nun steht die Regierung Hollande auch vor dem Problem, die
rüstungstechnische Zusammenarbeit mit Katar ihrer Wählerschaft zu erklären: Derzeit erwerben die Kataris, die nicht von
US-amerikanischen Waffen abhängig sein wollen, rund 80 Prozent ihrer militärischen Ausrüstung in Frankreich. Für die französische Rüstungsindustrie sind diese Geschäfte beinahe überlebenswichtig.
»Katar will diplomatisch in der ersten Liga spielen. Wenn du
nur an Konferenzen teilnimmst, aber aus einer militärischen Perspektive nichts zu bieten hast, funktioniert das nicht«, sagt der
ehemalige Militärattaché der französischen Botschaft in Doha,
Philippe Meyer, im Gespräch mit zenith. Allerdings buhlten auch
andere um die Militärbudgets der Scheichs. »Da ist immer die
Angst, dass uns Großbritannien mit seiner Waffenindustrie am
Golf den Schneid abkauft«, fügt Meyer hinzu.
Für Karim Bitar vom IRIS steht fest, dass die Regierung Hollande ihr Verhältnis zu Katar auch langfristig der Bürokratie
überlassen werde: »Er sagt Ja oder Nein und reicht dann das Telefon weiter, um Staatsbeamte die Einzelheiten verhandeln zu lassen.« Mit Hollande werde die klassische Diplomatie sich wieder
durchsetzen: »Bewege dich vorsichtig und analysiere alles.« Mit
Katar angemessen umzugehen sei nun zwar eine schwere, aber
keine unlösbare Aufgabe für Paris.
Nach dem Wahlerfolg ernannte Hollande den sozialistischen
Ex-Premier Laurent Fabius zum Außenminister; der Diplomat
Jean Paul Ortiz wurde sein Top-Berater. Ortiz' Spezialgebiete
sind allerdings Asien und besonders China. Manchen Beobachtern der französischen Außenpolitik gilt das als Indiz dafür, dass
sich der Fokus deshalb ein Stück weit weg vom Golf und mehr auf
Ostasien richten könnte.
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WIRTSCHAFT · Golfsta aten/Ägypten · Islamische Finanzen
Schatz der Gläubigen
Islamische Finanzinstitutionen wollen modernes Anlagemanagement für jahrhunderte­alte religiöse Stiftungen, die Awqaf,
einführen. Der Plan: bisher kaum genutztes Kapital anzapfen –
in einer Zeit, in der die Forderungen nach Transparenz und
öffentlicher Überwachung immer lauter werden
Von Frederik Richter
1
Islamische Finanzen · Golfsta aten/Ägypten · WIRTSCHAFT
• Auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen wendet sich die
angeschlagene Finanzindustrie der Golfstaaten einer uralten islamischen Institution zu: den awqaf. Muslime spenden schon seit
Jahrhunderten solchen wohltätigen Stiftungen Geld und Land,
auf dem dann Moscheen oder Krankenhäuser entstanden sind. In
alten Zeiten haben sie Brunnen gebohrt, um Nachbarn und Reisenden eine lebensrettende Erfrischung schenken zu können.
Awqaf (der Plural des arabischen Wortes waqf ) sind islamische,
fromme Stiftungen, die solches wohltätige Kapital sammeln. Ihr
Verwendungszweck darf nicht verändert werden, ganz ähnlich
wie bei Stiftungen im westlichen Teil der Welt. Auch können sie
als Familien-Treuhandfonds fungieren.
Aber anders als beispielsweise die Gründungsschenkung der
Harvard University oder die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung,
die ihr Kapital in der Absicht investieren, ein jährliches Einkommen für Projekte zu generieren, haben Awqaf in der Golfregion
die meisten ihrer Einlagen in Immobilien gesteckt: eine ausgefeilte Anlagenwirtschaft ist meistens nicht vorhanden. In Ägypten,
dessen autoritäre Regierung nach dem Putsch von 1952 wohltätige Aktivitäten unter ihre Kontrolle gebracht hat, sind Vermögen
im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar wegen des jahrzehntelangen Missmanagements durch Bürokraten verfallen.
Einige islamische Bankiers wenden sich nun den Awqaf zu, um in
diesem Sektor endlich einen professionellen Umgang mit den
Einlagen einzuführen. John Sandwick, Gründer und Manager der
Safa Investment aus Genf, hat ein Scharia-gemäßes Investitionsuniversum von ungefähr 50 bis 55 Milliarden Dollar Umfang
identifiziert und analysiert. Das ruht still in allen möglichen Anlagearten: Die Manager lagern im Normalfall einen großen Teil
ihrer Investitionen in festverzinslichen Anlagen und Bargeld sowie nur einen kleinen Anteil in Alternativen wie Immobilien – eine Aufteilung, die von vielen Investoren vom Golf bestenfalls einmal umgekehrt wurde, wenn sie das meiste ihres Geldes in den
Immobilien- und den örtlichen Aktienmarkt steckten.
Sandwick plant, die neuesten Werkzeuge des konventionellen
Anlagemanagements zu nutzen, wie etwa das »gain to pain ratio«-Prinzip, um islamische Anlagen zu managen. »Software zur
Portfolio-Optimierung hilft uns, Anlagen zuzuweisen. Niemand
zuvor hat diese Analysetiefe auf islamische Anlagen angewandt«,
sagt Sandwick, der sich mit dem saudischen Dienstleister Wafa
Investments zusammengetan hat, und fügt hinzu: »Das ist eigentlich ganz normal für Versicherungen, Stiftungen oder Pensionsfonds – aber niemand hat das schon einmal im islamischen Raum
getan.«
Schätzungen über die genaue Marktgröße sind schwer zu finden. USAID, die amerikanische Entwicklungshilfeagentur, geht
davon aus, dass Muslime weltweit zwischen 250 Milliarden und 1
Billion Dollar jährlich spenden. Andere Schätzungen beziffern
den Wert der Awqaf allein in Saudi-Arabien auf 1 Billion Saudi-Rial, umgerechnet 266 Milliarden Dollar. Sich um diesen riesigen
Markt zu kümmern, betrachten einige als Hoffnung für die strau-
»Software zur Portfolio-Optimierung
hilft uns, Anlagen zuzuweisen. Niemand
zuvor hat diese Analysetiefe auf
islamische Anlagen angewandt«
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billion saudi-rial (rund 266 Mrd. US-Dollar)
auf diesen Wert werden die Awqaf in Saudi-­
Arabien geschätzt
chelnde islamische Finanzindustrie, die sich nach der globalen
Finanzkrise noch nicht wieder aufgerappelt hat.
Die Investitionshäuser am Golf wurden von dem regionalen
Immobiliencrash 2009 schwer getroffen, nachdem sie zwischen
2002 und 2008 von Vorauszahlungen für Immobiliengeschäfte
gelebt, doch keine kleineren, aber nachhaltigeren Einkommensströme entwickelt hatten. Heute sind viele aus dem Geschäft ausgestiegen, und ihr Kapital hat sich in Luft aufgelöst, während eine
Handvoll Investoren in Saudi-Arabien ihre Lizenzen einfach den
Regulierungsbehörden zurückgegeben haben.
Daneben sind die Bankengroßmärkte am Golf beherrscht von
den islamischen Abteilungen der globalen konventionellen Geldhäuser, deren größere Kapitalbasen ihren Kunden auf dem Kredit- und Anleihemarkt geringere Leihzinsen bescheren. Lokale
Häuser können hier kaum mithalten.
Dabei spielt die jüngste Modernisierung und Institutionalisierung von Awqaf in Saudi-Arabien der Industrie in die Hände.
In der Dekade seit den Anschlägen des 11. September 2001, die die
Terrorismusfinanzierung ins Scheinwerferlicht gezogen haben,
hat Riad alle Awqaf gezwungen, sich registrieren zu lassen, um
die Geldflüsse von islamischen wohltätigen Einrichtungen besser
überwachen zu können.
»Vor dem 11. September war immer mal wieder ein Fremder
gekommen und hatte sich an meinen Kunden, einen reichen
Scheich, gewandt«, erinnert sich Sandwick. »Ein paar Minuten
später würde der Fremde ein paar Tausend Rial aus der Tasche
ziehen und seinem Gegenüber in die Hand drücken. Ich fragte
dann, wer denn das gewesen wäre. ›Nur jemand, der Geld für palästinensische Kinder sammelt oder für Moscheen in Indonesien‹, würde mir der Scheich dann sagen. Wenn diese Leute mal
etwas geben, dann geben sie richtig.«
Heute gehören zu den saudischen Awqaf einige der größten
philanthropischen Stiftungen der Welt, wie etwa die »König-Faisal-Stiftung«, die Schenkung der »King Abdullah University for
Science and Technology« oder der »Safa Trust«, der von der Familie von Sulaiman bin Abdul Aziz Al-Rajhi gestützt wird, dem
Gründer von Al-Rajhi, der größten islamischen Bank am Golf.
Es gibt aber auch noch eine Unzahl kleinerer Awqaf in Saudi-Arabien, deren Investitionsverhalten die Raffinesse abgeht.
»Das Fehlen eines einheitlichen Berichtswesens und das Scheitern vieler Awqaf-Organisationen daran, Finanzberichte aufzustellen, schränkt ihre Rechenschaftsfähigkeit gegenüber Gründern, Begünstigten und anderen Teilhabern ein«, befand 2011
Mohamad Hisham Dafterdar, ein Berater des Investmenthauses
Bahraini Islamic, in einer Stellungnahme für die bessere Regulierung des Sektors.
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WIRTSCHAFT · Golfsta aten/Ägypten · Islamische Finanzen
»Niemand hat eine Ahnung, welche
Besitzstände das Awqaf-Ministerium hat
– und dahinter steckt Absicht«
prozent mageres jährliches Zinseinkommen erwirtschaften angeblich Ägyptens islamische Schenkungen
John Sandwick meint, dass neben einer diversifizierten Anlagenverteilung jenseits von Immobilien islamisches Assetmanagement auch höhere Einkünfte erzielen würde als eine konventionelle Anlagenverwaltung, die herkömmliche Banken wie Julius
Bär oder Credit Suisse anbieten. Westliche Finanzinstitute seien
häufig die einzigen, an die sich wohlhabende Muslime wenden
können, die nicht mehr in Immobilien und den regionalen Aktienmarkt anlegen möchten. Aber sie böten meist Derivat-basierte
Produkte an, die grundsätzlich mit islamischem Recht unvereinbar sind, das Zinsen und Spekulation verbietet. »Nach der Lehmann-Pleite brauchten konventionelle Banken 26 Monate, um
sich zu erholen, und schrieben tiefrote Zahlen. Safa Investment
benötigte nur 9 Monate bei halb so großen Verlusten. Wenn die
Märkte zusammenbrechen, fallen islamische Märkte nicht so
tief«, sagt Safa-Chef Sankwick.
Vorhandene Daten zeigen aber tatsächlich keinen vollständigen Kreislauf von »boom and bust«, sie spiegeln nur die globale
Finanzkrise und den folgenden Wirtschaftsabschwung wider, der
bislang noch nicht überwunden wurde. In diesem Zeitraum haben Bankpapiere und hochverschuldete Unternehmen, in die islamische Geldgeber nicht investieren, besonders stark gelitten,
was für eine natürliche Verzerrung der Daten zugunsten islamischer Investitionen sorgt. Im nächsten Aufschwung allerdings
könnten ebendiese Investitionen größere Profite erzielen als andere – wenn auch strenggläubige islamische Investoren auf einen
Teil der Gewinne wieder verzichten werden.
Ein weiterer großer Markt der Awfaq-Industrie ist Ägypten.
Dort wird die Revolution des letzten Jahres höchstwahrscheinlich
der behördlichen Kontrolle der Stiftungsanlagen ein Ende bereiten. Staatliche Versuche, alle Awqaf unter Kontrolle zu bringen,
gehen bis in die Zeit von Muhammad Ali zurück, der das Land in
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beherrschte. Die Generäle,
die 1952 die Macht übernahmen, verstärkten noch den Klammergriff des Staates um die islamischen Stiftungen Ägyptens.
Deren Anlagen wurden jahrzehntelang dank Misswirtschaft
und Korruption – Markenzeichen der Militärherrschaft – extrem
vernachlässigt, bis Hosni Mubarak durch den Aufstand des letzten Jahres gestürzt wurde. Assets, die vom Ägyptischen Ministerium für die Awqaf verwaltet werden, schätzt man auf Hunderttausende Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche bis hin zu
Grund und Boden, auf dem Hotels in Kairos Stadtzentrum stehen. Beobachter sagen, das Ministerium besitze vermutlich immer noch beste Immobilienstücke am Bosporus und auf den griechischen Inseln, zurückgehend auf osmanische Zeiten, als Teile
Griechenlands von ägyptischen Beamten verwaltet wurden. Aber
kaum etwas weiß man genau.
Eine Stiftungsurkunde (Waqfiyya)
von Haseki Hürrem Sultan über
die Einrichtung der Haseki-HürremSultan-Moschee, einer dazugehörigen Rechtsschule (Madrasa) sowie
einer Suppenküche in Jerusalem.
Foto: Museum of Turkish and
Islamic Arts
»Eine Taktik des Ministeriums war es, sich in Anonymität zu hüllen. Näher betrachtet, hatten wir 50 Jahre lang keine Information
darüber, womit das Ministerium sich beschäftigt. Niemand hat
eine Ahnung, welche Besitzstände die Behörde hat – und dahinter
steckt Absicht«, erklärt Mahmoud Sabit, ein ägyptischer Landeigentümer, dessen Familienschenkung unter der Vernachlässigung der vom Militär kontrollierten Bürokratie wiederholt gelitten hat.
Anfang dieses Jahres brachen Diebe in das Mausoleum der
Familie ein und stahlen eine wertvolle Koranausgabe. Nach ähnlichen Vorfällen bei anderen religiösen Stätten unter Verwaltung
einer waqf stritt sich der Awqaf-Minister routinehaft mit der An-
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Das Awqaf-Ministerium soll beste Immobilienstücke am Bosporus und auf den griechischen
Inseln besitzen, zurückgehend auf osmanische
Zeiten
tiquitätenbehörde darüber, wer dafür verantwortlich zu machen
wäre, nicht für die Bewachung der Stätten gesorgt zu haben.
Eine Schenkung von Sabits Familie aus dem Jahr 1954 umfasste eine Moschee, eine Schule und zugehöriges, am Nilufer liegendes Land. Alles wurde vom Staat übernommen, als die Generäle nach dem Putsch Gamal Abdel Nassers ihre Herrschaft auch
über die Wirtschaft Ägyptens ausbauten. »Sie rissen die Schule
ab und bauten dann ein sechsstöckiges Wohnhaus für Apparatschiks, die im Awqaf-Ministerium arbeiteten, angeblich um das
Einkommen der Moscheeschenkung zu erhöhen«, sagt Mahmoud
Sabit. »Aber natürlich haben sie niemals auch nur etwas für Unterhalt und Wartung gezahlt.«
Die Tage scheinen nun gezählt, wo Regierungsbürokraten die
frommen Anlagen ohne nennenswerte Überwachung verwalten
können. Die Muslimbruderschaft, deren Kandidat Mohamed
Morsi die Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr gewonnen hat
und die selbst schon seit Jahrzehnten Graswurzel-Wohltätigkeitsorganisationen leitet, hat großes Interesse bekundet, das
Awqaf-Ministerium zu übernehmen. Das Verwalten der Einrichtungen für das Gemeinwohl zählt als Schlüsselressort, um der
Partei Legitimität zu sichern, während sie versucht, den politischen und wirtschaftlichen Einfluss der Armee zu beschränken.
Sabit denkt aber, dass die Bürokraten des vorigen Regimes
den Kampf nicht einfach aufgeben, auch wenn die Spitzenbeamten ausgetauscht werden. »Das Ministerium ist ein kaum zu unterschätzender Gegner. 50 Jahre lang haben die sich korrumpieren lassen, und jetzt stecken ihre Taschen voller Geld. Das wird
irgendwann eine schwere Auseinandersetzung zur Folge haben«,
sagt er voraus.
Auf welchen Gesamtwert sich die ägyptischen Awqaf belaufen, ist unklar. Sprecher der Muslimbruderschaft zitierten jüngst
einen Bericht des Awqaf-Ministeriums selbst, als von Schenkungen von 82 Milliarden Dollar die Rede war, die angeblich nur 0,2
Prozent jährliche Zinsen erwirtschaften.
Heute möchte die Bruderschaft ganz eindeutig die islamische
Finanzindustrie in Ägypten fördern. Zu lange wurde sie vom vorigen Regime kleingehalten, um die Islamisten einzuhegen. Es
bleibt aber abzuwarten, in welchem Maß die Muslimbrüder ein
Interesse daran haben, einen Sektor voll transparent zu machen,
den sie auch für ihre eigenen Patronagenetzwerke nutzen könnten – ganz wie das abgelöste Regime.
Es gibt dennoch Spielraum, Kapital aufzubauen, das über
Jahrzehnte vernachlässigt worden war. Safa-Investment-Gründer Sandwick findet: »Ich halte den islamischen Finanzmarkt in
Ägypten für einen schlafenden Riesen. In ihm steckt riesiges Potenzial für ein anständiges Anlagenmanagement.«
•
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WIRTSCHAFT · Sekretär
bericht an den vorstand
Vorsicht Freibeuter!
Der Sekretär
Ihre Termine
Qatar Projects 2013
17. bis 20. Februar 2013, Doha, Katar
Kennen Sie Minecraft? Die großartige Computer-Klötzchenbausimulation aus dem Jahr 2009 kann
man allen katarischen Städteplanern und Projektfinanziers nur ans Herz legen. Im Digitalen können sie
ihren Geltungswahn deutlich günstiger ausleben und
beim Umfang so mancher Baufantasie wäre ihnen
ewiger e-fame in der Spielergemeinde sicher. Also,
liebe Messeveranstalter, organisiert die nächste Baumesse doch einfach mal auf einem Minecraft-Server!
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Corporate Fraud Controls & Investigation
25. bis 26. Februar 2013, Kairo, Ägypten
Jahrzehntelang hieß es, wer im Nahen Osten Geschäfte machen will, braucht Geduld, die Bereitschaft, auch mal übers Ohr gehauen zu werden, und
Unmengen an Bestechungsgeldern. Zumindest in
Ägypten fordern seit der Revolution 2011 immer
mehr Unternehmer wie auch Konsumenten transparente Regeln und Gesetze, die sie vor korrupten Beamten schützen und saubere Geschäftspraktiken
festschreiben.
www.marcusevans-conferences-middleeastern.com
The Big 5 Saudi 2013
9. bis 12. März 2013, Dschidda, Saudi-Arabien
Worum handelt es sich bei diesem Event: a) Standup-Comedy über Muhammad und die vier rechtgeleiteten Kalifen, b) Konzertabende der neusten Rotana-HipHop-Formation, c) Reality-TV über fünf
Freundinnen, die in ihren Luxusappartements gegen
Langeweile und ihre Pfunde ankämpfen, d) buntes
Freilufttheater über die glorreiche Geschichte der
Al-Saud-Herrschaft über Arabien, e) mal wieder eine milliardenschwere Baumesse?
www.thebig5saudi.com
LOGEC 2013
26. bis 27. Februar 2013, Beirut, Libanon
Erfolgreiche Probebohrungen vor der israelische
Küste haben auch im Nachbarland Libanon für
schlaflose Nächte gesorgt. Kann der viel gescholtene Energieminister Gebran Bassil zur Abwechslung
einmal Positives verkünden? Schlummert die Lösung
aller Energieprobleme im blauen Meer des Zedernstaates? Auf dieser jährlichen Strom- und Energiekonferenz erfahren Sie von den neuesten Funden und
erleben die täglichen Stromausfälle am eigenen Leib.
www.lboilgas.com
ISS World MEA 2013
4. bis 6. März 2013, Dubai, VAE
Über Rüstungsexporte in den Nahen Osten wird derzeit ja viel gestritten. Gänzlich unbemerkt davon exportieren zahlreiche deutsche Firmen elektronische
Überwachungssoftware in die Region. Alle Bestrebungen der EU, solche Exporte wie Rüstungsgüter
zu handhaben, sind bislang gescheitert. Keine andere Region der Welt investiert derzeit in solchem Ausmaß in die digitale Überwachung ihrer Bürger.
Gleichzeitig verdeutlichen zurückliegende Hackerangriffe auf die IT-Infrastruktur von Ölkonzernen
oder Ministerien, wie groß der Rüstungsbedarf ist.
www.issworldtraining.com/ISS_MEA
DIHAD 2013
25. bis 27. März 2013, Dubai, VAE
Im Gegensatz zu Europa, wo die finanzstarken Stiftungen der arabischen Herrscherhäuser und Familienunternehmer meist mit Fußball und Raubtierkapitalismus verbunden werden, stehen sie in der Region selbst oft für humanitäre Hilfe. Milliardensummen
stecken die Golfstaaten in die Bildungs- und Infrastruktursysteme ihrer Nachbarstaaten. Exportieren
sie damit auch politische Ideen und betreiben so Außenpolitik? Was macht nichtwestliche Entwicklungshilfe aus und welche Strategien verfolgt sie? Eine
Fachkonferenz sucht Antworten.
www.dihad.org
Schreiben Sie uns: termine@zenithonline.de
Vor zwei Jahrhunderten galt Sidi Bou Said,
ein pittoresker Vorort von Tunis, als gefürchtetes Piratennest. Piraten findet man
heute aber eher in der tunesischen Politik.
Die »Partie pirate tunisien« mit dem
schwarzen Segel im Drapeau erhielt im
März 2011 den Eintrag ins Vereinsregister.
Tunesische Piraten ärgern sich heute nicht
nur über die Internet-Legasthenie der derzeitigen Nahda-Regierung: »Unser Premierminister Jebali weiß gerade mal, wie
man ein Telefon bedient«, spottet ein Pirat.
Seine Freibeuter-Kollegen sorgen sich nicht
nur um Internet-Zensur, sondern auch darum, dass Tunesien keine Online-Zahlungssysteme für Kreditkarten hat. Und
das, obwohl das Land verhältnismäßig gut
angebunden ist. Die Gründe: Der tunesische Dinar ist nicht frei konvertierbar und
die Behörden zeigen sich wenig kreativ: Tunesier können sich nicht einmal online Flüge buchen, sondern müssen ins nächste Reisebüro marschieren.
Eine weitere Sorge der tunesischen Piraten
ist das Urheberschutzrecht: Das Regime
Ben Ali erließ 2009 ein Gesetz, das insbesondere raubkopierte Software ebenso
schützt wie die Arbeit von Schriftstellern
und Künstlern. Die Piraten machen Lobbyisten dafür verantwortlich, dass der Urheberschutz bald sogar in Verfassung verankert werden könnte. Aus europäischer
Sicht vorbildlich, aber, so finden die Piraten, gefährlich für die fragile Wirtschaft:
Tausende Kleinunternehmen arbeiteten
mit raubkopierter Software, deren Lizenzen sie sich niemals leisten könnten. »Anders als in Europa hätten die Konzerne hier
genug billige Arbeitskräfte, um von Haus zu
Haus zu gehen und Abmahnungen und Klagen zu verteilen«, erklärt ein Aktivist. Deshalb sei vorerst Laissez-faire angesagt:
»Kein Wunder, dass die einzigen wirtschaftlich erfolgreichen Schwellenländer
wie Brasilien, China oder die Türkei zen­
trale Konventionen zum Urheberschutz
nicht unterschrieben haben«.
dge
THEMA · LANDISTAN · WIRTSCHAFT
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MOMENTAUFNAHME · zenith 06/2012
Minya, Ägypten
Schuften unter der Polarsonne? Was nach ewigem Eis aussieht, ist in Wahrheit Kalkstein. In
der mittelägyptischen Provinz Minya, etwa 250
Kilometer südlich von Kairo, existieren zahlreiche Kalksteinbrüche. Den Stein abzubauen, mit
Spitzhacken und Kreissägen zu bearbeiten und
zu verladen, ist anstrengend und gefährlich. Die
Arbeiter verfügen über keinen Schutz, Unfälle
sind ebenso häufig wie folgenlos – viele der
mehreren Hundert Minen, in denen sich rund
15.000 Menschen verdingen, sind illegal. Dennoch kommen zahlreiche Arbeitssuchende hierher: Der Lohn ist mit 50 bis 100 Ägyptischen
Pfund (sechs bis zwölf Euro) pro Tag besser als
bei vielen anderen Jobs. Auch viele Kinder sieht
man, manche nicht einmal zehn Jahre alt.
Foto: Mohamed Ali Eddin
zenith 06/2012 · MOMENTAUFNAHME
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KuLtur · K alender
Ausblick
Ruhe vor dem Sturm
Die Houthis im Jemen
Dschihad der Freiheit
Was wollte Max von Oppenheim?
unsere Terminvorschläge
VORTRÄGE/KONGRESSE/SEMINARE
Ägypten – Was kommt nach der Revolution?
Das Kernland der arabischen Welt im Umbruch
18. bis 22.02.2013, Kochel am See
In Ägypten brach im Jahr 2011 ein revolutionäres
Feuer aus, das sich wie ein Flächenbrand in der arabischen Welt ausweitete. Doch das Land am Nil befindet sich nach wie vor in einem ungelösten Konflikt
zwischen alten Strukturen und Demokratisierungsbemühungen, dessen Ausgang für den Weg der islamischen Welt entscheidend sein wird.
Georg-von-Vollmar-Akademie e. V.
www.vollmar-akademie.de
STUDIENREISEN
Schlüssel oder Hindernis zum Frieden?
Jerusalem in neun Tagen
08. bis 16.04.2013, Israel
Jerusalem ist nicht nur Zentrum der großen mono­
theistischen Religionen, sondern wird ebenso geprägt durch eine bunte multiethnische und multikulturelle Bevölkerung. Zugleich ist der Status Jerusalems in politischer und religiöser Hinsicht eines der
Kernprobleme im israelisch-palästinensischen Konflikt. Pläne zu einer Aufteilung der Stadt in eine israelische und eine palästinensische Sphäre im Falle einer Friedenslösung wurden bereits mehrfach publik.
Begegnungen, Gespräche und Exkursionen bieten
Gelegenheit, die unterschiedlichen politischen, religiösen und gesellschaftlichen Facetten der Stadt und
ihrer Umgebung wie auch den Alltag der Menschen
kennenzulernen.
Zielgruppe: Multiplikatoren und Journalisten, die das
Land bereits besucht haben und ihre Kenntnisse vertiefen möchten.
Bundeszentrale für politische Bildung
www.bpb.de
AUSSTELLUNGEN
Grüne Häuser, tropische Gärten
Innovative Landschaftsplanung und Architektur in
Malaysia und Indonesien
18.01. bis 10.03.2013, Berlin
Die Ausstellung »Grüne Häuser, tropische Gärten«
richtet den Blick nach Südostasien, auf die sogenannten Pantherstaaten Malaysia und Indonesien.
Dort entstanden in den letzten Jahren hochentwickelte Projekte, die jenseits von Investoren-Architektur die Fragen nachhaltiger Architektur und Grünflächenplanung auf innovative Weise gelöst haben.
Jeder der drei vorgestellten Architekten, Landschaftsplaner und Aktivisten hat seine individuelle
Antwort auf die Erfordernisse nach zukunftsfähigem
Bauen zwischen tropischem Regenwald und Metropolregion gefunden.
ifa-Galerie Stuttgart und Berlin
www.ifa.de
Rollenspiel und Bildgesang
Geschichte und Geschichten bengalischer Bildrollen
bis 03.03.2013, Zürich
Die Bildrollenmalerei und der dazugehörende mündliche Vortrag existieren in Indien seit mehr als 2.000
Jahren. Von Indien aus verbreitete sie sich entlang
der Seidenstraße nach Ostasien und weiter südlich
über Land- und Seerouten bis nach Südostasien. Bis
heute sind diese Traditionen im bengalisch geprägten Osten Indiens lebendig. Die Ausstellung
zeigt die Arbeits- und Überlebensstrategien der
Künstler. Bildrollen, Legenden, Rezitationstexte und
Fotos erzählen von der Bildrollenkunst und den in
den Rollen dargestellten Geschichten.
Völkerkundemuseum der Universität Zürich
www.musethno.uzh.ch
Jahrmarkt der Frömmigkeiten
Werbung für Ultraorthodoxe
Impressum
Deutscher Levante Verlag GmbH
Chausseestraße 11, 10115 Berlin
Telefon: +49 30 3983 5188 0
Fax: +49 30 3983 5188 5
info@levante-verlag.de
Herausgeber: Moritz Behrendt, Yasemin Ergin,
­Daniel Gerlach, Christian Meier, Veit Raßhofer,
Jörg Schäffer, Reiner Sprenger
Verantwortlich für dieses Heft: Daniel Gerlach
(V.i.S.d.P., Wirtschaft), Christian Meier (Redak­
tionsleitung, Politik, Kultur)
Redaktion: Hannes Alpen, Florian Bigge, Marian
Brehmer, Robert Chatterjee, Bettina David,
Christoph Dreyer, Wiebke Eden-Fleig, Sören Faika,
Laura Ginzel, Sven Hirschler, Elisabeth Knoblauch,
Alasdair McMaster, Nils Metzger, Marcus Mohr,
Dominik Peters, Sara Winter Sayilir, Christoph
Sydow; Jerusalem: Christoph Dinkelaker, Lea
Frehse; Kairo: Philipp Spalek
Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg
Ein vergessenes Kapitel der Geschichte
bis 07.04.2013, Frankfurt
Der Zweite Weltkrieg verwüstete nicht nur Europa –
auch weite Teile der Dritten Welt von Nordafrika über
den Nahen Osten und Indien bis nach Südostasien
und Ozeanien dienten als Schlachtfelder. Millionen
von (Kolonial-)Soldaten unter anderem aus Afrika
und dem Nahen Osten kämpften auch in Europa an
vorderster Front, um die Welt vom Naziterror zu befreien. Die Ausstellung erinnert daran mit Fotos, Objekten, Texten, Video- und Hörstationen sowie einem
umfangreichen Begleitprogramm.
Historisches Museum Frankfurt
www.historisches-museum.frankfurt.de
Autoren: Jan Aengenvoort, Timour Chafik, Robert
Espey, Charlie Hamilton, Fabian Köhler, Stefan
Maneval, Frederik Richter, Samira Sammer, Lena
Späth, Jochen Stahnke, Dirk van den Berg,
Andreas Wutz; Kolumnisten: Achmed A. W.
Khammas, Dr. Wim Raven
Les Mille et Une Nuits
bis 28.04.2013, Paris
Die Geschichten von Tausendundeiner Nacht sind ein
Meisterwerk der Weltliteratur und ein einzigartiges
Bindeglied zwischen Ost und West. Sie sind Quelle
unzähliger Phantasien, Illusionen und Klischees, die
sich der Westen seit der französischen Erstübersetzung vom Orient machte, und gehören längst zu
einem universalen Imaginären, aus dem Kunstschaffende bis heute schöpfen. Die Ausstellung folgt den
Geschichten von ihren indo-persischen Ursprüngen
bis hin zu neuen Schauplätzen, so zum Beispiel in der
Werbung und im Internet.
L'Institut du Monde Arabe
www.imarabe.org
Anzeigenkontakt: anzeigen@zenithonline.de
Periodizität: zweimonatlich
Redaktion: Bettina David
Schreiben Sie uns: termine@zenithonline.de
Fotografen: Daniel Pilar, Philipp Spalek
Illustrationen: Amatir
Bildchef: Marcel Mettelsiefen
Artdirektion: KA
Grafik: Lesprenger
Druck: GCC GmbH & Co. KG, Calbe
Dankeschön: Annegret Heinz, Sarah, Imogen
Copyright: Deutscher Levante Verlag GmbH
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mit Genehmigung. Namentlich gekennzeichnete
Artikel geben die Meinung der Autoren
wieder, nicht aber unbedingt die der Redaktion.
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Erhältlich unter www.zenithonline.de
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ISSN 2193-0333
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Januar / februar 2013
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06 / 2012 SAUDI-ARABIEN GEFÄHRLICHE KUNST IM KÖNIGREICH
botschaften aus
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diese kunst?
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