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01/2013 Wie gerecht ist Österreich? - Bank Austria

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REport
Wie gerecht
ist Österreich?
Bank Austria
Economics &
Market Analysis
Austria
01/2013
REport
Inhalt
3Editorial
sterreich
Ö
4 Sie wächst … sie wächst nicht … sie wächst!
6 Bank Austria Konjunkturindikator: Konjunkturstabilisierung in Sicht – Mit berechtigter Hoffnung ins Jahr 2013
7 Gegessen wird auch in der Krise – Österreichs Lebensmittelindustrie zwischen Nachfragesättigung und Innovationserfolgen
International
9 Internationale Konjunktur und Finanzmärkte: Beruhigung in Europa und Angst vor der US-Fiskalklippe stehen derzeit im Fokus
10 CEE: Abarbeiten des Kollateralschadens
Fokus
12 Wie gerecht ist Österreich?
14 Im Goldenen Westen: „Bist zwar als Land ein Zwerg, klein, aber oho …“
Daten und Fakten
16 Österreich / International
18Osteuropa
Die Autoren dieser Ausgabe:
Mag. Stefan Bruckbauer
Mag. Kurt Fesselhofer
Gillian Edgeworth
Mag. Walter Pudschedl
Mag. Günter Wolf
Leiter der Abteilung Economics & Market Analysis Austria der Bank Austria, Chefökonom Österreich
Mitarbeiter der Abteilung Economics & Market Analysis Austria der Bank Austria
Chief EEMEA Economist
Mitarbeiter der Abteilung Economics & Market Analysis Austria der Bank Austria
Mitarbeiter der Abteilung Economics & Market Analysis Austria der Bank Austria
Impressum:
Herausgeber und Medieninhaber: UniCredit Bank Austria AG, Schottengasse 6 – 8, 1010 Wien
http://www.bankaustria.at
E-Mail: econresearch.austria@unicreditgroup.at
Redaktion: Economics & Market Analysis Austria, Mag. Kurt Fesselhofer + 43 (0) 50505 DW 41953, Petra Jellen + 43 (0) 50505 DW 41952
Produktion: Corporate Culture
Redaktionsschluss: 21. Dezember 2012
Abdruck – auch auszugsweise – nur mit Quellenangabe
Druck: Gutenberg Druck GmbH, Wr. Neustadt
Produktion: www.horvath.co.at
Coverfoto: www.shutterstock.com
Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier
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Über die neuesten volkswirtschaftlichen Publikationen informieren Sie die Bank Austria EconomicNews.
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Trotz sorgfältiger Recherche und der Verwendung verlässlicher Quellen kann keine Verantwortung für die Vollständigkeit,
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Aufsichtsrat: Dr. Erich Hampel, Vorsitzender des Aufsichts­rats
der UniCredit Bank Austria AG; Dr. Paolo Fiorentino,
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Karl Guha, MSc, Dipl.Ing. Jean Pierre Mustier, Dr. Roberto
Nicastro, Dr. Vittorio Ogliengo, Franz Rauch, Karl Samstag,
Dr. Wolfgang Sprißler, Dr. Ernst Theimer. Vom Betriebsrat
entsendet: Wolfgang Heinzl, Vorsitzender des Zentral­
betriebs­rates, Mag. Adolf Lehner, 1. stv. Vorsitzender des
Zentralbetriebsrates; Emmerich Perl, 2. stv. Vorsitzender des
Zentralbetriebsrates; Dr. Barbara Wiedernig, 3. stv. Vorsitzende
des Zentralbetriebsrates; Mitglieder: Josef Reichl,
Robert Traunwieser.
Vorstand: Willibald Cernko, Vorsitzender des Vorstands;
Gianni Franco Papa, stv. Vorsitzender des Vorstands (CEEBanking); Mitglieder: Dr. Jürgen Kullnigg (CRO Risk Management),
Francesco Giordano, MSc (CFO Finance), Dr. Rainer Hauser (Family
& SME Banking), Mag. Dieter Hengl (Corporate & Investment
Banking), Mag. Doris Tomanek (Human Resources Austria & CEE),
Robert Zadrazil (Private Banking).
Grundlegende Richtung des periodischen Mediums:
Zur Information des Kunden.
Beteiligungsverhältnisse am Medieninhaber gemäß
§ 25 Mediengesetz: Die UniCredit S.p.A. hält einen Anteil von
99,995% der Aktien am Medieninhaber (unter folgendem
Link https://www.unicreditgroup.eu/en/governance/
shareholder-structure.html sind die wesentlichen, an der
UniCredit S.p.A. bekannten Beteiligungsverhältnisse
ersichtlich.)
Der Betriebsratsfonds des Betriebsrats der Angestellten der
UniCredit Bank Austria AG, Region Wien, sowie die
Privatstiftung zur Verwaltung von Anteilsrechten (Stifter:
Anteilsverwaltung-Zentralsparkasse; Begünstigter: WWTF –
Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds)
sind mit einem Anteil von zusammen 0,005% am
Medieninhaber beteiligt.
Die Bank Austria, ein Mitglied der UniCredit, ist die Nummer eins in Österreich und Zentral- und Osteuropa.
Innerhalb der UniCredit ist sie für Zentral- und Osteuropa verantwortlich.
In der Region betreibt die Bankengruppe das größte internationale Bankennetzwerk mit knapp 3.700 Filialen.
2 I Report 01/2013
REport
Editorial
2013 – Einmal nicht das Jahr des Euro!
Stefan Bruckbauer | stefan.bruckbauer@unicreditgroup.at
An dieser Stelle wurde schon sehr oft über den Euro, die Eurokrise
geschrieben. Auch wenn wahrscheinlich nicht alles richtig war und
wir auch manchmal zu optimistisch waren, am Ende haben wir
einige wichtige Dinge richtig gesehen. Wir waren unter den ersten,
die dem Thema mehr Raum gegeben haben als andere, auch zu
Zeiten, als viele es noch ablehnten, überhaupt von einer Eurokrise
zu sprechen. Wir haben auch immer davor gewarnt, Griechenland
Pleite gehen zu lassen. Leider geschah dies dann im März 2012
doch. Die Folgen waren, dass die Eurozone im Sommer 2012 fast
zerbrochen wäre und wir heute in der Eurozone in einer Rezession
stecken. Zwar haben wir immer darauf hingewiesen, dass eine
Haushaltssanierung mittelfristig notwendig ist, und dass jene
Länder, die wettbewerbsmäßig schwach sind, starke Anstrengungen
unternehmen müssen, um dauerhaft aus der Krise zu kommen.
Gleichzeitig betonten wir jedoch auch, dass Wachstum einen
wichtigen Beitrag leisten kann und muss, und dass am Ende nur die
EZB genug Vertrauen geben kann, die Unsicherheit zu reduzieren.
Auch haben wir immer darauf hingewiesen, dass der Bankenmarkt
wieder „europäisch“ werden müsse.
Auf europäischer Ebene wurde mit dem Fiskalpakt, dem starken
Bekenntnis, Griechenland nicht auch noch ungeordnet in Konkurs
gehen zu lassen, den ersten Beschlüssen zur Bankenunion und vor
allem mit der Ankündigung des OMT Programms der EZB vieles
davon auf Schiene gebracht. Auf nationaler Ebene haben viele
Länder enorme Anstrengungen unternommen. Haushaltsdefizite
wurden in Ländern wie Griechenland, Irland, Spanien, Italien in
kurzer Zeit deutlich reduziert. Es ist also Zeit, optimistisch in das
neue Jahre zu sehen. Sicherlich wird es noch einige Diskussion bei
der Umsetzung vor allem der Bankenunion geben, zumindest bis zu
den Wahlen in Deutschland im Herbst. Auch wird ein mögliches
Hilfsansuchen Spaniens beim ESM wieder einige Diskussionen
verursachen. Auch könnten die Wahlen in Italien Unruhe bringen,
wenn auch nur kurzfristig. Aber die Politik ist sich heute deutlich
sicherer, wohin sie will – etwa auch dank ESM – und vor allem hat
man als Sicherheitsnetz nun die EZB. Klarerweise bleibt der Umbau
der Eurozone zu einem wirtschaftspolitisch integrierten Wirtschaftsraum eine große Herausforderung für die nächsten Jahre, die Risiken
für dramatische Ereignisse sind jedoch deutlich gesunken. 2013
könnte ein Jahr werden, wo wirtschaftspolitisch nicht mehr der
Euroraum das Weltgeschehen bestimmt.
gesunken sind. Dies wird im Euroraum die Bereitschaft zu Investitionen im Verlauf von 2013 erhöhen. Auch die Staatshaushalte vieler
Länder können ihr Sanierungstempo etwas reduzieren, es ist ja
bereits sehr viel erreicht –, dies wird positiv für das Wachstum sein.
Dieser Optimismus darf natürlich nicht darüber hinwegtäuschen,
dass erst ab dem Sommer damit zu rechnen ist, dass der Euroraum
wieder positive Wachstumsraten schreibt.
Allerdings wird es 2013 neben der nur langsamen Erholung zu
Jahresbeginn auch einige andere Herausforderungen geben. Obwohl
die Weltwirtschaft sich gegen Jahresende 2012 deutlich erholte,
bleiben hier einige offene Fragen, allen voran die USA. Die USA
haben, anders als der Euroraum, noch nicht begonnen, ihre
öffentlichen Haushalte zu sanieren. Mittelfristig ist dies notwendig,
kurzfristig gehen wir allerdings davon aus, dass der Sturz über die
sogenannte Fiskalklippe vermieden wird. Auch scheint die starke
Entwicklung von Ländern wie China, Indien oder Brasilien heute
labiler zu sein als noch vor einiger Zeit angenommen. Beides wird
2013 mehr beobachtet werden müssen als die Entwicklung im
Euroraum.
Weiterhin werden die Zinsen niedrig bleiben, allerdings wahrscheinlich nicht so extrem niedrig wie derzeit für einige Schuldner, etwa
dem deutschen Bund. Bei nachlassender Angst werden Investoren
wieder etwas stärker auf die Rendite sehen und das Anlagespektrum
wird wieder breiter. Am Ende müssen die meisten professionellen
Investoren zumindest eine Minimalrendite erwirtschaften. Hohe
reale Renditen werden jedoch weiterhin nur schwer erzielbar sein.
Ein wesentliches Risiko für 2013 und auch danach stellt die Gefahr
des Protektionismus gepaart mit Regulierung dar. Beginnend mit
dem Finanzmarkt, wo sich viele Staaten moralisch verpflichtet
fühlen, eine enorme Menge an neuen Bestimmungen zu erlassen,
greift dieser Trend zunehmend auf andere Bereiche über. Fließend
sind die Grenzen zwischen sinnvoller Regulierung, populistischem
Aktivismus und protektionistischen Bestrebungen. Zuwenig breiter
Widerstand regt sich hier auch noch, denn zu logisch erscheint den
meisten all dies. Das erinnert leider auch fatal an die 30er Jahre.
Zusammenfassend gehen wir aber trotzdem davon aus, dass 2013
ein wirtschaftlich gutes Jahr wird – man wird ja bescheiden.
Was muss man 2013 beachten
Wir gehen davon aus, dass der Optimismus des zweiten Halbjahres
an den Finanzmärkten, die deutlich schneller die Veränderungen
seit dem Sommer nutzen konnten als die sogenannte Realwirtschaft, sich auch noch 2013 fortsetzen wird. Aber auch die
Realwirtschaft erkennt zunehmend, dass die Risiken für drama­
tische Ereignisse (etwa einem Zerfall der Eurozone) deutlich
Report 01/2013 I 3
REport
Österreich
Sie wächst … sie wächst nicht
… sie wächst!
Kurt Fesselhofer | kurt.fesselhofer@unicreditgroup.at
Der Tiefpunkt der jüngsten österreichischen Konjunkturentwicklung sollte im vierten Quartal erreicht worden sein. Im Gegensatz
zum Euroraum wird es Österreich gelingen, trotz der Schwächephase ein Wirtschaftswachstum, und zwar von mindestens 0,5%
(real) im Jahresdurchschnitt 2012 zu erreichen. Die internationalen Rahmenbedingungen (soweit sie Europa betreffen) werden
sich 2013 jedoch nur zaghaft verbessern. Mit voraussichtlich
+0,9% sollte aber das österreichische Wachstum auch weiterhin
über jenem des Euroraumes liegen.
Haben wir heuer eine (technische) Rezessionsphase oder doch
nicht? Diese Frage stellte sich im Spätherbst, nachdem die ersten
Schätzungen für das BIP vorhanden waren. Und diese ersten Zahlen
führten zu dem Schluss, dass uns im heurigen Jahr eine sogenannte
technische Rezession ins Haus steht (also in mindestens zwei
Quartalen hintereinander ein Minus). Während das erste Quartal
2012 mit einem Wachstum von 0,3% (real, gegenüber dem
Vorquartal) noch ein relativ starkes Wachstum auswies, war es für
das zweite Quartal bereits nur mehr ein Plus von 0,1%. Für das
dritte Quartal ergaben die ersten Berechnungen, anders als von uns
bis dahin erwartet, hingegen ein Minus von 0,1%. Unseren
Berechnungen zufolge erwarten wir auch für das vierte Quartal
2012 aufgrund der schwachen ausländischen und inländischen
Nachfrage ein leichtes Minus von 0,1%, womit laut Definition eine
„technische“ Rezession gegeben wäre.
Nunmehr dürften unsere früheren Annahmen doch gestimmt
haben. Die offiziellen Zahlen für das dritte Quartal 2012 ergeben
jetzt ein Plus von 0,1%. Zwar bleiben wir auch weiterhin bei unserer
Annahme für die restlichen Monate des Jahres, aber dank des
positiven Vorquartals geht unsere Prognose des Konjunkturverlaufs
nunmehr im Jahresdurchschnitt 2012 von einem gut abgesicherten
BIP-Wachstum von mindestens 0,5% aus.
Die Aussichten für 2013 haben sich gegenüber früheren Einschätzungen nicht wesentlich verändert. Das wirtschaftliche Umfeld in
Europa bleibt weiterhin mau, die Verbesserungen werden schleppend verlaufen. Angesichts dieser Voraussetzungen wird auch die
österreichische Exportwirtschaft nur langsam zulegen können.
Da auch die Inlandsnachfrage nur wenig Dynamik aufweisen wird,
erwarten wir für den Jahresdurchschnitt 2013 einen BIP-Zuwachs
von 0,9%.
2013 besser, aber noch keine Aufbruchsstimmung
Nachdem der halbe Euroraum (neben den „bekannten“ Ländern
Griechenland, Portugal, Italien und Spanien auch Slowenien, Zypern
und voraussichtlich die Niederlande und Belgien) ein schrumpfen4 I Report 01/2013
des BIP im Jahresdurchschnitt 2012 ausweisen wird, erwarten wir
für den gesamten Euroraum ein Minus von 0,4% (real). Das
Wirtschaftswachstum Deutschlands (+1,0%), der „zarte“ Zuwachs
Frankreichs (+0,1%) sowie die positive Entwicklung der übrigen
kleinen Euroländer konnten den BIP-Rückgang nur mildern, aber
nicht verhindern.
Euphorie kommt bei der Betrachtung der nächstjährigen Entwicklung in Europa noch nicht wirklich auf. Von den vorgenannten
Ländern werden voraussichtlich nur die Niederlande und Belgien
aus der Negativzone entweichen können. Die restlichen sechs
Länder werden hingegen auch 2013 eine Rezession hinnehmen
müssen, davon Griechenland nun schon zum sechsten Mal in Folge
und Portugal zum dritten Mal hintereinander (zuzüglich ein viertes
Mal im Jahr 2009). Stark drückend auf das Ergebnis des Euroraums
wird auch das Minus von Italien (–0,7%) und Spanien (–1,4%)
sein. Allerdings erwarten wir bereits ab dem Sommer in Italien
wieder positive Wachstumszahlen. Deutschland wird voraussichtlich ein Wirtschaftswachstum von 1,1% (real) und Frankreich von
0,5% erzielen können. Im Durchschnitt wird das Euroraum-BIP
leicht um 0,1% zulegen.
Deutlich besser läuft die Wirtschaft in den USA. Geschäftsklima­
indizes zeigen nach oben und die Investitionen entwickeln sich
positiv. Für den Jahresdurchschnitt 2012 wird ein Wirtschaftswachstum von 2,2% (real) erwartet und auch 2013 sollte mit
2,1% ein ähnlich hohes Niveau erreicht werden.
Schwache Entwicklung
In den ersten neun Monaten 2012 sind die Warenexporte nominell
nur um 1,6% gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres
angestiegen. Verglichen mit dem Anstieg des Gesamtjahres 2011
(+11,3%) ein sehr schwaches Ergebnis.
Da Österreich mit dem Euroraum intensive Handelsbeziehungen
pflegt (immerhin gehen mehr als 52% der österreichischen Waren
in diese Wirtschaftszone), ist die heimische Exportwirtschaft
naturgemäß stark vom rezessionsbedingten Nachfragerückgang
betroffen. Der Rückgang des nominellen Handelsvolumens in
Höhe von 0,4% überrascht daher nur wenig. Aber auch die Exporte
in die übrigen EU-Länder gingen mit –1,7% sehr stark zurück.
Die unter der Bezeichnung MOEL zusammengefassten Länder in
Mittel- und Osteuropa (die „neuen“ EU-Länder sowie Albanien und
die Nachfolgeländer Jugoslawiens) zeigten mit einem Nachfragerückgang von 0,1% ebenfalls Schwäche. Dass für Gesamteuropa
doch noch ein leicht über dem Vergleichswert des Vorjahres
liegendes Ergebnis erzielt wurde, ist hauptsächlich den starken
REport
Exportzuwächsen in die Schweiz (+6,2%; Marktanteil nunmehr
5,04%) und nach Russland (+7,9%; Marktanteil: 2,50%) zu
verdanken.
Woher kommen die meisten importierten Waren? Wertmäßig
37,36% aus Deutschland, 6,18% aus Italien, 5,18% aus der
Schweiz, 5,04% aus China und 3,65% aus der Tschechischen
Republik. Zusammen mit den Waren aus den USA, Russland,
Frankreich, Ungarn, den Niederlanden und der Slowakei bezieht
Österreich von diesen 11 Ländern drei Viertel seiner gesamten
Importe.
Weiter schwach
Der Einzelhandel entwickelt sich weiterhin nur sehr zurückhaltend.
Belastet wird der Konsum durch die Verschlechterung am Arbeitsmarkt wohl auch noch in den nächsten Monaten. Für den Jahresdurchschnitt 2012 erwarten wir für den privaten Konsum ein
moderates Wachstum von 0,5%. Die aktuellen Lohnabschlüsse
lassen einen Anstieg der realen Kaufkraft für 2013 erwarten, was
dem Konsum entsprechende Impulse vermitteln könnte. Allerdings
steht zu befürchten, dass eine weiter steigende Arbeitslosigkeit sich
dämpfend auswirken könnte. Wir müssen daher davon ausgehen,
dass der private Konsum 2013 nur leicht zulegen kann (+0,6%).
Unter Einbeziehung der Dienstleistungen wird das Wachstum der
Exporte i.w.S. mit +1,9% (real) relativ schwach ausfallen. Die etwas
besseren konjunkturellen Aussichten lassen für 2013 einen Zuwachs
von 3,3% erwarten. Auch die Importe i.w.S. werden 2012 mit 1,7%
(real) nur mäßig zunehmen. Für 2013 rechnen wir mit +3,5%.
Wolken am Arbeitsmarkt
Starke Zurückhaltung
Für den Jahresdurchschnitt 2012 errechnet sich ein Stand von fast
3,37 Mio. unselbständig Beschäftigte (ohne Karenzgeldbezieherinnen,
Präsenzdiener und in Schulung befindliche Personen), immerhin eine
Zunahme von 1,3% gegenüber dem Vorjahr. Trotz der erwarteten
leichten Konjunkturverbesserung erwarten wir aber für 2013 einen
schwächeren Zuwachs von 0,7%.
Der hohe Zuwachs des Vorjahres im Bereich der Ausrüstungsinvestitionen hat 2012 keine Fortsetzung gefunden. Die schwache
Konjunktur dämpfte die Bereitschaft zur Tätigung von Investitionen,
wobei sich das Hauptaugenmerk nach wie vor auf Ersatzinvestitionen konzentrieren dürfte. Die bisher vorliegenden Daten lassen
annehmen, dass die Investitionstätigkeit im Jahresdurchschnitt
2012 mit +0,2% (real) nur leicht zulegen wird. Im Zuge der
verhaltenen Konjunkturerholung werden auch 2013 die Ausrüstungsinvestitionen nur eine geringe Dynamik aufweisen (+1,4%),
allerdings stärker als 2012.
Schwung lässt nach
Die Bauwirtschaft gab 2011 ein kräftiges Lebenszeichen von sich
(+4,4%, real) und auch bis in den Sommer 2012 zeigte sich ein
starke Bautätigkeit. Vor allem der Hochbau (Wohnbau und
Sanierungsaktivitäten), aber auch der Tiefbau (Tunnelbau) war
davon betroffen. Die Dynamik zeigte aber eine nachlassende
Tendenz. Für den Jahresdurchschnitt 2012 rechnen wir mit einem
Zuwachs von mindestens 0,9% (real). Für 2013 erwarten wir ein
Wachstum von 0,8%.
Zwar steigen nach wie vor von Monat zu Monat die Beschäftigten­
zahlen, aber mit abnehmender Tendenz. Und der Trend bei den
Arbeitslosenzahlen weist nach oben. Gleichzeitig sinkt auch die Zahl
der angebotenen offenen Stellen.
Die schwache Konjunktur lässt sich nunmehr auch in den Arbeitslosenzahlen erkennen. Im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahreswerten waren
2012 die Monatswerte jeweils zwischen 6 und 7% höher als im Vorjahr
(im Juli sogar um 8,6%). Für 2012 rechnen wir mit einer Arbeitslosenquote von 7,0% (4,4% nach Eurostat) und 7,3% für 2013 (4,5%).
Höhepunkt erreicht?
Die Inflation erreichte im Oktober und November 2012 jeweils 2,8%
und erreichte damit nach den niedrigeren Werten zur Jahresmitte hin
wieder das Niveau vom Jänner. Hauptpreistreiber waren auch
weiterhin die Hauptgruppe „Wohnen, Wasser, Energie“ sowie die
Nahrungsmittel (wenn auch mit nachlassender Stärke). Für den
Durchschnitt 2012 sehen wir die Inflation bei 2,5%. Für 2013
erwarten wir eine Zunahme der Verbraucherpreise um 2,2%.
Konjunkturprognose Österreich
Bank Austria Prognose
Dezember 2012
Wachstum real, in %
2009
2010
2011
2012
Bruttoinlandsprodukt (BIP)
– 3,8
2,1
2,7
0,5
0,9 – 1,5 x
1,1
1,7
0,7
0,5
0,6 –
0,8 x
Privater Konsum
2013
2014
Bruttoanlageinvestitionen
– 7,8
0,8
7,3
0,5
1,1 –
2,8 x
Ausrüstungsinvestitionen
– 10,6
6,0
12,1
0,2
1,4 – 4,2 x
– 7,1
– 2,7
4,4
0,9
0,8 – 1,3 x
Bauinvestitionen
Exporte im weiteren Sinn
– 15,6
8,7
7,2
1,9
3,3 – 4,5 x
Importe im weiteren Sinn
– 13,3
8,8
7,2
1,7
3,5 = 3,5 x
Leistungsbilanzsaldo (in % des BIP)
2,7
3,4
0,6
1,5
1,6 – 1,9 x
Verbraucherpreisanstieg
0,5
1,9
3,3
2,5
2,2 +
1,9 x
Arbeitslosenquote (gemäß EU-Norm, in %)
4,8
4,4
4,2
4,4
4,5 +
4,4 x
Arbeitslosenquote (gemäß AMS, in %)
7,2
6,9
6,7
7,0
7,3 +
7,1 x
Quelle: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria / + Der Wert wurde gegenüber der letzten Prognose erhöht. / – Der Wert wurde gegenüber der letzten Prognose gesenkt. /
= Gegenüber der letzten Prognose keine Veränderung. / x In der letzten Prognose gab es keinen vergleichbaren Wert.
Report 01/2013 I 5
REport
Österreich
Bank Austria Konjunkturindikator
Konjunkturstabilisierung in Sicht –
Mit berechtigter Hoffnung ins Jahr 2013
Walter Pudschedl | walter.pudschedl@unicreditgroup.at

Bank Austria Konjunkturindikator im November mit leichtem
Anstieg auf minus 0,8 Punkte.

Stimmung in der europäischen Industrie am Weg der Besserung,
Verbraucher mit stabilen Erwartungen.

2013 bringt mit 0,9% etwas mehr Wachstum als 2012 (0,5%).

Schwacher Jahresbeginn 2013, aber Beschleunigung im
Jahresverlauf. Positiver Ausblick für 2014 mit Wirtschaftswachstum um 1,5%.
Seit wenigen Wochen zeichnet sich die Stabilisierung der Geschäftsentwicklung in der Industrie ab, nun beginnt diese auch auf die
Gesamtwirtschaft durchzuschlagen. Der Konjunkturindikator der
Bank Austria hat sich nach dem leichten Anstieg im Vormonat im
November abermals verbessert. Mit minus 0,8 Punkten liegt der
Indikator zwar weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, die jüngste Entwicklung untermauert jedoch unsere Ansicht,
dass der Tiefpunkt des aktuellen Konjunkturzyklus bereits über­
wunden ist. Durch die jüngsten Daten hat sich zudem die Aussicht
auf eine Aufhellung der Konjunktur in den kommenden Monaten
spürbar verbessert.
Unsere vorsichtig optimistische Einschätzung stützt sich auch auf
den sich nunmehr abzeichnenden Beginn der Verbesserung der
Stimmung in der Wirtschaft. Die Stimmung unter den in- und
ausländischen Wirtschaftsakteuren ist zwar weiterhin gedämpft,
die Signale vermehren sich jedoch, dass sie sich langsam zu drehen
beginnt und mit einer positiveren Grundstimmung ins Jahr 2013
gewechselt wird.
Zarte Belebung 2013
Für das Schlussquartal 2012 ist noch eine leicht rückläufige Wirtschaftsentwicklung zu erwarten. Da die Nachfrage aus dem Ausland
bedingt durch die Rezession in wichtigen Handelspartnerländern
Österreichs sich nur sehr verhalten entwickelt, schwächelt die
Industrie, obwohl hier die Signale für eine Trendwende bereits
erkennbar sind. Auch die heimische Nachfrage zeigt mittlerweile
Anzeichen einer Stabilisierung gestützt auf eine unter diesen Rahmenbedingungen immer noch solide Konsumentwicklung. Seit dem
Sommer befindet sich die österreichische Wirtschaft in einer Stagnationsphase, dennoch ist für das Gesamtjahr ein leichter BIP-Anstieg zu
erwarten. Wir gehen für 2012 von einem Plus um zumindest ½ % aus.
Im kommenden Jahr wird es die Konjunktur zwar voraussichtlich
langsam angehen, aber die Aussicht auf eine fortschreitende
Erholung wird durch die jüngste Entwicklung des Bank Austria
Konjunkturindikators gestützt. Wir gehen für 2013 mit 0,9% von
einem höheren Wirtschaftswachstum als im laufenden Jahr aus.
Dieses wird auf einer stärkeren Exportnachfrage basieren, die dann
2014 von einer an Schwung gewinnenden Inlandsnachfrage ergänzt
wird. Wir erwarten 2014 einen Anstieg des BIP um 1,5%.
Bank Austria Konjunkturindikator Österreich
Der Bank Austria Konjunkturindikator versucht eine Schätzung des Konjunkturklimas ein halbes Jahr vor Veröffentlichung der BIP-Zahlen zu geben. Ziel ist es,
sehr schnell einen Anhaltspunkt über die aktuelle Konjunktursituation zu
erhalten, die über die Befragung der Industrie hinausgeht.
Die Komponenten des Bank Austria Konjunkturindikators sind:
Das Vertrauen der österreichischen Industrie (Gewichtung 10%).
Das Vertrauen der Industrie im Euroland gewichtet nach dem österreichischen Außenhandel (Gewichtung 30%).
Das Vertrauen der österreichischen Verbraucher (Gewichtung 50%).
Das Wachstum der Konsumkredite (Gewichtung 10%).
Die ersten drei Indikatoren basieren auf dem EU Business and Consumer Survey.
Die einzelnen Indikatoren werden dabei gewichtet und standardisiert und
ergeben dann einen Schätzwert für den Trend des aktuellen Wirtschaftswachstums. Der Durchrechnungszeitraum für die Standardisierung (er bestimmt in
hohem Maß das Niveau des Indikators, nicht die Entwicklung im Zeitverlauf)
wird dabei immer wieder aktualisiert. Seit Jänner 2008 erfolgt die Standardisierung auf Basis des gleitenden Durchschnitts der vergangenen zehn Jahre.
6 I Report 01/2013
5
4
3
2
1
0
–1
–2
–3
–4
BIP (real; Veränderung zum Vorjahr in %)
Bank Austria Konjunkturindikator
–5
–6
2008
2009
2010
2011
2012
Quelle: Statistik Austria, Wifo, Bank Austria Economics & Market Analysis Austria, eigene Berechnungen
5
4
3
2
1
0
-1
-2
-3
-4
-5
-6
REport
Österreich
Gegessen wird auch in der Krise
Österreichs Lebensmittelindustrie zwischen
Nachfragesättigung und Innovationserfolgen
Günter Wolf | guenter.wolf@unicreditgroup.at
Die Lebensmittelerzeugung, ein Schwergewicht der österreichischen Industrie, entwickelt sich zuverlässig, aber zunehmend
langsamer. Kurzfristig bremsen die Nachfrage die schwache
Konjunktur und stagnierende Einkommen. Langfristig dämpfen
Demografie und Ernährungsgewohnheiten das Marktwachstum.
Stagnation 2012 folgt leichte Erholung 2013
Die Lebensmittelnachfrage ist in Wohlstandsgesellschaften wenig
einkommens- und preisabhängig, auch weil der Kauf von Lebensmittel im Gegensatz zu anderen Konsumgütern zeitlich kaum
verschoben werden kann. Entsprechend gering ist die Konjunkturabhängigkeit der Nahrungsmittelproduktion, womit die Branche
in konjunkturschwachen Jahren zu den stabilisierenden Wirtschaftsbereichen zählt. Das heißt aber auch, dass die Branche vom
Aufschwung, von steigenden Einkommen und höherem Konsumwachstum nur unterdurchschnittlich profitiert, der Anteil der
Ausgaben für Lebensmittel am Gesamtkonsum rückläufig ist.
Österreichs Haushalte verwendeten vor dreißig Jahren noch 26%
ihres Budgets für Lebensmittel, Getränke und Restaurantbesuche
und sonstiges Außer-Haus-Essen, 2011 nur mehr 20%.
Kurzfristig und in geringem Umfang wird der Nahrungsmittel­
verbrauch aber an Änderungen der Einkommen oder der Arbeitsmarktbedingungen angepasst. Beispielsweise wird als das
wichtigste Motiv für häufiges Außer-Haus-Essen eine „gute
finanzielle Situation“ genannt (von 26% der Befragten laut
Rollama-Motivanalyse 2011). Nicht zuletzt beeinflusst der
Konjunkturverlauf die Tourismusnachfrage und damit den
Lebensmittelverbrauch in einem Land.
Die relativ moderaten Rückschläge in den Krisenjahren 2008 und
2009 konnten die Nahrungsmittelhersteller 2011 wieder vollständig aufholen. Die Produktionsleistung ist um 2%, der Branchenumsatz infolge hoher Preissteigerungen um fast 11% gestiegen, auf
insgesamt 14,7 Mrd. €. Vermutlich hat sich aber die Ertragslage
der Lebensmittelerzeugung trotz des hohen Umsatzwachstums
verschlechtert, da die Preissteigerungen von hohen Kostensteigerungen begleitet wurden und die Branchenproduktivität nur
minimal zulegte. Die Entwicklung ist Ausdruck des hohen Preisund Ertragdrucks in der Branche. Hintergrund ist der enge
Preissetzungsspielraum vor allem gegenüber dem hoch konzentrierten Lebensmitteleinzelhandel, wie unter anderem der Vergleich
der Erzeugerpreise mit den Verbraucherpreisen für Lebensmittel
dokumentiert: In den letzten zehn Jahren konnte die Lebensmittelindustrie ihr Preisniveau um 21% anheben, während die Lebensmittelpreise im Einzelhandel um 30% gestiegen sind.
2012 sind die Lebensmittelpreise auf allen Ebenen weiter
gestiegen, damit auch der Umsatz der Lebensmittelindustrie trotz
stagnierender Produktionsleistung in den ersten drei Quartalen.
Lebensmittelerzeugung
wachstumsschwach, aber krisenfest
Nahrungsmittelpreise
120
130120
115
Verbraucherpreise gesamt
125115 Verbraucherpr. Lebensmittel
Erzeugerpr. Lebensmittel
110
120110
105
115105
100
110100
Verbraucher, Großhandel, Erzeuger; Index 2001 =100
Produktionsleistung 2005 =100; saisonbereinigt, geglättet
95
90
13
12
95
100
90
95
85
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
1.
12
7.
11
Quelle: Statistik Austria; Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
1.
11
7.
10
1.
10
7.
09
1.
09
7.
08
1.
08
7.
07
1.
07
7.
06
1.
06
7.
05
1.
7.
04
1.
7.
1.
04
85
05
Lebensmittelerzeugung
Industrie gesamt
105
11
12
1– 11
Quelle: Statistik Austria; Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Report 01/2013 I 7
REport
Die Branchenproduktion hat bis Jahresende nicht weiter an
Schwung gewonnen, wie die Beurteilung der Auftragslage
vermuten lässt. Hingegen dürfte der Branchenumsatz im
Jahresdurchschnitt 2012 noch um 3% nominell gestiegen sein
auf mehr als 15 Mrd. €. Wichtigste Stütze der Branchenkonjunktur war 2012 einmal mehr der Exportabsatz, der in den ersten
drei Quartalen um 4% zulegte und bis Jahresende weiter an
Schwung gewonnen hat, wie zumindest die optimistischen
Einschätzungen der Unternehmen in den letzten Monaten
erwarten ließen.
Ab 2013 kann wieder mit einer Beschleunigung der Produktionsleistung gerechnet werden, wofür der gestiegene Optimismus der
Unternehmen gegen Jahresende spricht. Zudem werden im Zuge
der leichten Konjunkturerholung 2013 die Haushaltseinkommen
und die Tourismuseinnahmen, zwei wesentliche Determinanten
der Lebensmittelnachfrage, an Schwung gewinnen.
Reststrukturierungserfolge klingen ab
Die Lebensmittelindustrie zählt noch immer zu den Schwergewichten der heimischen Industrie mit einem Anteil von 7% an
der Industriewertschöpfung. Mit der Übernahme des EU-Handelsregimes hat ein massiver Konsolidierungsprozess begonnen,
dem in der Lebensmittelindustrie noch in den letzten zehn
Jahren 13% der Unternehmen und 11% der Arbeitsplätze zum
Opfer fielen. Mit der Restrukturierung verbesserte sich die
Produktivität und die Konkurrenzfähigkeit der Branche: Von 1996
bis 2011 ist die Produktionsleistung um insgesamt 43%
gestiegen, die Beschäftigung um geringe 3%. Im EU-27-Durchschnitt erreichte das Produktionswachstum im selben Zeitraum
nur 22% und die Zahl der Beschäftigten ist um 6% gesunken.
Damit konnten zwar die Ertragseinbußen infolge der massiven
Preisrückgänge nach dem EU-Beitritt großteils wieder wettgemacht werden, dennoch gingen Marktanteile verloren, v. a. in den
agrarnahen Bereichen wie der Fleisch- und Milchverarbeitung.
In den letzten fünf Jahren ist auch der Wachstumsvorsprung zum
EU-Durchschnitt wieder verloren gegangen.
Die Lebensmittelindustrie kann im Branchendurchschnitt ihre
Wettbewerbsfähigkeit nicht unbeschränkt verbessern. Auch
wenn die Branche in Österreich eine relativ wertschöpfungs­
intensive Produktpalette erzeugt, gemessen an der durchschnittlichen Wertschöpfung von 50.000 Euro pro Beschäftigten
im Vergleich zu 41.000 Euro im EU-27-Schnitt, entscheiden
über die Konkurrenzfähigkeit letztendlich die Lohnstückkosten
(das lohnbereinigte Produktivitätsniveau, das aufgrund der
hohen Arbeitskosten in Österreich noch um etwa 7 % über dem
europäischen Durchschnitt liegt).
Wie die Entwicklung des Lebensmittelaußenhandels zeigt,
arbeitet der exportorientierte Teil der Lebensmittelindustrie im
Durchschnitt erfolgreicher als die gesamte Branche. Die Exporte
tragen seit Jahren die Branchenentwicklung: Während der
Umsatz von 2002 bis 2011 um insgesamt 42 Prozent beziehungsweise 5 Mrd. € gestiegen ist, legten die Nahrungsmittel­
exporte um 107% beziehungsweise um 3,3 Mrd. € zu. Die
Exportquote der Branche hat sich in den letzten zwanzig Jahren
auf 31% verdoppelt.
8 I Report 01/2013
Demografie und Ernährungsgewohnheiten dämpfen das Marktwachstum im In- und Ausland
Langfristig hängt die Nahrungsmittelnachfrage vor allem von der Zahl
der Konsumenten/innen ab, die in Österreich wie im Großteil Europas
zunehmend schwächer wächst. Das Bevölkerungswachstum in
Österreich schrumpft von durchschnittlich 0,5% in den letzten zehn
Jahren auf 0,3% in den nächsten zwanzig Jahren. Den Anstieg der
Lebensmittelnachfrage bremsen zudem der wachsende Anteil alter
Menschen und die zunehmende Sättigung der Konsumenten/innen.
Im globalen Vergleich liegen Westeuropa und die USA mit einem
Pro-Kopf-Verbrauch von über 300 kg verpackter Lebensmittel im Jahr
längst an der Spitze. In Osteuropa sind es rund 200 kg, im globalen
Durchschnitt knapp über 100 kg.
Österreichs Lebensmittelerzeuger
Unternehmen1
Beschäftigte
Umsatz2, in Mrd. €
Lebensmittel
2011
2002–11
3.600
–13%
62.300
–11%
14,7
42%
z.Vgl. Industrie
2002–11
–8%
–1%
55%
1) 2010 / 2) Umsatzänderung 2002–2011: Veränderung der Produktionswerte lt. VGR
Quelle: Statistik Austria; Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Allerdings verändert sich die Nahrungsmittelnachfrage und sorgt in
Nischenbereichen für ein stärkeres Marktwachstum. Beispielsweise
werden mit dem wachsenden Wohlstand der Bevölkerung und dem
zunehmenden Gesundheitsbewusstsein nicht nur bestimmte
Nahrungsmittel durch andere substituiert, beispielsweise dunkles
durch helles Fleisch, sondern es wächst auch die Nachfrage nach
höherwertigen und/oder teuren Lebensmitteln. Ebenso hat der
steigende Anteil kleinerer Haushalte und Singlehaushalte den Bedarf
an Fertiggerichten gefördert. Der Markt für Convenience-Nahrung,
in Summe 1,1 Mrd. € bzw. 13% des österreichischen Lebensmittelmarktes 2011, wächst seit Jahren rascher als der gesamte Lebens­
mittelmarkt (2006–2011 Ø 8,7% p.a. bzw. Ø 8,4% p.a. nominell;
Q.: Nielsen). In Summe kann die Lebensmittelindustrie mit keinen
­stärkeren Nachfrageimpulsen rechnen. Nennenswerte Zuwächse
bleiben im Wesentlichen auf Lebensmittel mit einer überdurchschnittlich hohen Qualität und/oder Produktinnovationen mit hoher
Wertschöpfungsintensität beschränkt.
Die fehlende Nachfragedynamik im Inland wird die heimische Branche
im Export nur zum Teil kompensieren können, da die Lebensmittelausgaben in den wichtigsten Absatzmärkten, auch in den benachbarten
osteuropäischen Ländern, bereits auf einem ähnlich hohen Niveau von
9% bis 14% der Konsumausgaben angelangt sind. Die gesamte
Region Osteuropa zählt im globalen Vergleich allerdings noch zu den
Wachstumsmärkten für verarbeitete Lebensmittel, neben dem
mittlere Osten, Lateinamerika und Asien. Die Nachfrage nach
verpackten Lebensmitteln wird weltweit in den nächsten Jahren an
Schwung gewinnen. Prognostiziert wird ein Marktwachstum von 24%
von 2011 bis 2015, nach 20% von 2007 bis 2011, wobei die
Lebensmittelmärkte in den USA und in Westeuropa um jeweils 11%,
in Osteuropa immerhin um 30% zulegen sollten (Q.: Euromonitor
International 2012). Teile der österreichischen Lebensmittelindustrie
werden davon profitieren und einzelne Unternehmen, nicht nur aus
der Getränkeindustrie, auch in außereuropäischen Märkten reüssieren.
REport
International
Internationale Konjunktur und Finanzmärkte
Beruhigung in Europa und Angst vor der
US-Fiskalklippe stehen derzeit im Fokus
Walter Pudschedl | walter.pudschedl@unicreditgroup.at
Die vergangenen Monate wurden in Europa genutzt, um Schritt für
Schritt aus der Eurokrise zu setzen. Das stärkte die europäischen
Aktienmärkte und stützte den Euro. Nach der Präsidentschaftswahl
liegt in den USA der Fokus mittlerweile auf der Anfang 2013 drohenden Fiskalklippe. Konkret bedeutet dies auslaufende Steuerbegünstigungen und automatisch eintretende Sparmaßnahmen zur
Budgetkonsolidierung mit negativen Folgen für die Konjunktur.
Nachdem von republikanischer Seite bereits Kompromissbereitschaft signalisiert wurde, halten sich die Auswirkungen auf Kapitalund Devisenmarkt bislang in Grenzen. Die Fortsetzung der lockeren
Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantiks hält kurz- und lang­
fristige Zinsen auf tiefem Niveau.
Die globale Konjunktur zeigte sich in den vergangenen Monaten in
schwacher Verfassung und in Europa verschärfte sich im Herbst
sogar die Rezession in einigen Ländern an der Peripherie. Doch die
jüngsten Daten sind vielversprechend und deuten darauf hin, dass
sich die Weltwirtschaft im kommenden Jahr sukzessive erholen
wird. Die moderate Belebung wird von den USA, die nach unserer
Einschätzung die Fiskalklippe letztlich umschiffen und wieder ein
Wachstum von mehr als 2% erreichen wird, sowie Emerging Asia
und vor allem China, für das wir einen BIP-Anstieg von mehr als
8% erwarten, getragen werden. Auch Europa sehen wir 2013 im
Konjunkturaufwind. Diese günstigeren Aussichten haben die
Aktienmärkte gestärkt. Der Dow Jones hat sich nach der US-Präsidentenwahl wieder erholt und notierte Ende Dezember um fast
10% über dem Jahresbeginn. Die europäischen Börsen sind im Jahr
Zinsen (in %)
2012 noch stärker gestiegen, der DAX sogar um 25% und der ATX
lag um mehr als 20% über dem Ausgangswert. Die Börsen werden
auch weiterhin von der Hoffnung auf eine anhaltend lockere
Geld­politik und niedrige Zinsen angetrieben werden.
Das aktuelle Leitzinsniveau von 0,75% der EZB wird angesichts sehr
moderater Wachstumsaussichten mit leicht rückläufiger Inflationsentwicklung das ganze Jahr 2013 über halten und die Nullzins­
politik der FED findet voraussichtlich noch länger seine Fortsetzung.
In der vergangenen Sitzung hat die FED mit der Entscheidung über
zusätzliche Ankäufe längerfristiger Wertpapiere als Ersatz für die
Operation Twist ihren expansiven geldpolitischen Status prolongiert.
Wir gehen davon aus, dass vor Mitte 2015 keine Zinsänderung
erfolgt. Angesichts des Niedrigzinsumfeldes werfen Anleihen großer,
als sicher geltender Industriestaaten nach Abzug der Inflation oft
eine negative Rendite ab. Mit wieder steigendem Risikoappetit sind
in der Eurozone die Zinsspreads zwischen Kern- und Peripherieländern gesunken. Zudem werden Anleihen der Schwellenländer sowie
Unternehmensanleihen höher im Kurs stehen.
Die abnehmende Verunsicherung über die Eurokrise sorgte für leicht
positive Tendenzen für den Euro, der zu Jahresende 2012 mit über
1,30 leicht stärker zum US-Dollar notiert als zu Jahresbeginn.
Die moderate Aufwärtsentwicklung des Euros sollte sich in den
kommenden Monaten fortsetzen. Wir sehen den Wechselkurs des
Euros sich bis Ende 2013 in Richtung 1,35 zum US-Dollar bzw. 1,24
zum Schweizer Franken bewegen.
Wechselkurs zum Euro
4,0
1,6
3,5
3,0
2,5
1,5
3,5
1,4
3,0
1,3
2,0
1,2
1,5
1,0
0,5
0,0
2010
1,1
10-j. Staatsanleihen Österreich
10-j. US-Treasuries
10-j. Staatsanleihen Deutschland
3-Monats-Euribor
2011
2012
Quelle: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria, Thomson Reuters
4,0
160
USD per Euro
CHF per Euro
150
JPY per Euro (rechte Skala)
2,5
2,0
1,5
1,0
1,0
0,5
0,9
2010
0,0
2011
1
1
140
1
130
1
120
1
110
1
100
1
90
0
2012
Quelle: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria, Thomson Reuters
Report 01/2013 I 9
REport
International
CEE: Abarbeiten des Kollateralschadens
Gillian Edgeworth | gillian.edgeworth@unicreditgroup.eu

Im Jahresverlauf 2013 dürften in der gesamten Region eine
stärkere Außennachfrage, niedrigere Zinssätze, geringere Inflation,
die die Kaufkraft der Verbraucher deutlich erhöht, Aufwärtsrisiken
durch Kredite und die mögliche Ausdehnung der Lagerbestände
eine schrittweise Erholung des BIP-Wachstums unterstützen.

Vor dem Hintergrund der verlangsamten Wirtschaftsaktivitäten
in diesem Jahr war der Zufluss von ausländischem Kapital das
vorherrschende Thema in der CEE-Region und den Schwellenländern. In Zukunft wird die Steuerung dieser Zuflüsse entscheidend
sein. Darüber hinaus könnte eine Normalisierung der Renditen in
den G7-Staaten, selbst bei einer graduellen Korrektur, zu erhöhten
externen Finanzierungskosten für die CEE führen, was einige
Länder der Region gegenüber anderen Schwellenländern auf der
Welt benachteiligen würde.

Diese Ereignisse stellten sich in einer Zeit ein, in der die Politik
in den einzelnen Ländern der Region unterschiedliche Wege
einschlug. Die Anstrengungen in den baltischen Staaten, in
Bulgarien, Tschechien, Polen und Rumänien, die Tragfähigkeit der
öffentlichen Schulden zu sichern, sind beeindruckend. Russland
und die Türkei reduzierten zwar nicht ausreichend ihre makro­
ökonomischen Schwachstellen, die niedrigere Verschuldung sorgt
aber für ein Polster. Kroatien, Ungarn, Serbien, Slowenien und die
Ukraine bilden die Schlusslichter.

Die Krise der Jahre 2008/2009 und die Entwicklungen in der
Region führten zu einem geringeren Wachstum. 2012 folgte ein
weiterer, wenngleich kleinerer Abschwung, der allerdings
größtenteils auf Faktoren beruht, die sich der Kontrolle der Region
entziehen. Mit Blick auf die Zukunft befinden sich die meisten
Länder der Region in einer starken Position, um von einer Erholung
im Euroraum und darüber hinaus zu profitieren, obgleich das nicht
als selbstverständlich angesehen werden kann. Die Innenpolitik
wird in der Entwicklung der einzelnen Volkswirtschaften eine
immer wichtigere Rolle spielen.
2013 dürfte die Industrie einen größeren Beitrag
zum Wachstum leisten
Nach einem schwachen Jahr 2012 dürfte sich 2013 die Wirtschaftsaktivität in der Region allmählich erholen. Wie bereits im
letzten Quartalsbericht gehen wir für 2012 von einem BIP-Wachstum von 2,5% aus. Dies ist aber nach wie vor das geringste
Wachstum seit drei Jahren. Für 2013 rechnen wir nunmehr mit
einem BIP-Anstieg von 2,9% (zuvor 3,1%) und für 2014 mit 3,4%.
Für diese Erholung spricht eine Reihe von Faktoren:
1. Während sich China erholt und die Verunsicherungen in den
USA bezüglich der Fiskalklippe abnehmen, was beides Deutschland helfen wird, wo Unternehmen außerhalb des Finanzsektors
über erhebliche Barbestände verfügen, dürfte eine stärkere
Auslandsnachfrage die Industrie und die Exporte in der Region
unterstützen. Der chinesische Einkaufsmanagerindex (PMI) für
10 I Report 01/2013
das verarbeitenden Gewerbe kletterte im November erstmals
seit Juni 2011 wieder über die Marke von 50. In den USA dürfte
das Problem der Fiskalklippe bis Jahresende entschieden
angegangen und die Unsicherheiten auf der Schwelle zum neuen
Jahr beseitigt werden. Dies sollte sich auf die Industrie und die
CEE-Ausfuhren positiv auswirken, insbesondere auf die der EWU
am nächsten stehenden, nachdem 2012 ein ausgesprochen
schwaches Jahr war.
2. Im Gegensatz zum Jahresauftakt 2012 beginnt 2013 mit weit
weniger Spannungen an den Finanzmärkten und einer lockereren
Geldpolitik in den meisten Ländern der Region. Dies dürfte im
Laufe der Zeit zu mehr Wachstum führen. Letztes Jahr um diese
Zeit verteidigten Polen und die Türkei ihre Währungen gegen eine
weitere Abwertung; 2011 oder im Jahresverlauf 2012 erhöhten
diese beiden Länder wie auch Ungarn, Russland und Serbien ihre
Leitzinsen. Dagegen verzeichneten im 2. Halbjahr 2012 selbst
einige der schwächsten Länder der CEE-Region (mit Ausnahme
von der Ukraine) eine stabile Währung, während die Zinssätze
bereits gefallen sind und in einigen Fällen noch weiter sinken
werden. Mit Ausnahme von Serbien erwarten wir im nächsten Jahr
in keinem der Länder eine straffere Zinspolitik. Die Geldmarktsätze
in vielen Ländern der Region erreichten erneut historische
Tiefstände.
3. Die überraschend niedrigen Inflationsraten in der Region in den
letzten zwei bis drei Monaten deuten auf einen Abwärtstrend in
vielen inflationsbekämpfenden Volkswirtschaften hin (z.B.
Tschechien, Polen, Türkei), der in den kommenden Quartalen
anhalten dürfte. Davor lag die Inflation in einer Reihe von Ländern
über einen längeren Zeitraum über den Zielvorgaben, was mit
Volatilität der Währungen, hohen Energie- und bisweilen auch
hohen Nahrungsmittelpreisen verbunden war. Jedoch blieben die
Währungen in der Region ebenso wie die Ölpreise in den letzten
Quartalen stabil. Die Preise für Nahrungsmittel dürften steigen,
aber in verkraftbarem Maße. Dies dürfte über einen längeren
Zeitraum nicht nur zu niedrigeren Zinsen führen, sondern sollte
auch die reale Kaufkraft der Verbraucher erhöhen.
4. Das Kreditrisiko für die Binnennachfrage in der Region wird für
das gesamte Jahr 2013 nach oben korrigiert. Ausnahmen hiervon
bilden Russland und in weit geringerem Maße auch die Türkei.
2012 wurde die Binnennachfrage in vielen Ländern der CEE-Region
durch die Kredittrends – das langsamere Wachstum bei den
Einlagen und die rückläufige Finanzierung aus dem Ausland – belastet. Allerdings gehen wir nicht davon aus, dass sich in Ländern,
deren Banken sich vorrangig in ausländischer Hand befinden, der
Deleveraging-Prozess beschleunigen wird, obgleich sich die Trends
in der Region deutlich unterscheiden (Ungarn beispielsweise leidet
REport
diesbezüglich weit mehr als Polen). Der Bankensektor hat sich
unterdessen angepasst und finanziert das Kreditwachstum über
einen (relativ geringen) Anstieg der Einlagen. Russland könnte
2013 wegen des bereits hohen Kreditwachstums eine Ausnahme
bilden. Da zudem der Bankensektor unseres Erachtens auf eine
höhere Auslandsfinanzierung setzen wird, dürfte bereits die
Beibehaltung des aktuellen Kreditwachstums eine Herausforderung bleiben.
5. In Slowenien, Tschechien, Rumänien, Polen, der Türkei und
Ungarn wurden in den vergangenen vier Quartalen die Lagerbestände abgebaut, wenn auch in geringerem Maße als 2008/2009,
was Chancen auf eine Erholung bietet.
Bessere Daten werden erst gegen Ende des
1. Quartals und im 2. Quartal 2013 erwartet
Die Krise im Euroraum sowie der allgemeine globale Abschwung
wirkten sich gravierend aus und für die Überwindung dieser
schwierigen Phase bedarf es Zeit. Mit positiveren Daten ist unseres
Erachtens erst ab dem Ende des 1. Quartals und im 2. Quartal
2013 zu rechnen. Dies entspricht unserer Prognose für Deutschland und der EWU, wo der Tiefpunkt des Zyklus dieses Quartal
erreicht werden dürfte, gefolgt von einem positiven Wachstum in
den beiden ersten Quartalen 2013 von 0,5% bzw. 0,2%.
Auf dem Weg der Erholung sind die Industrie und die Außennachfrage entscheidend. Zum Jahresende 2011 schwächelte in der
Region in erster Linie die Industrie, was teilweise darauf beruhte,
dass sich nach 2008 die Binnennachfrage in einigen Volkswirtschaften nie wirklich erholte (Ungarn, Tschechien, Kroatien) oder
nur ein moderates Nachfragewachstum zu verzeichnen war
(Türkei, Polen). 2012 erwies sich für die Industrie jedoch als ein
ausgesprochen schwaches Jahr. Zum Zeitpunkt der Erstellung
dieses Berichts lagen uns Daten zum Monat Oktober vor, die
ebenfalls nur geringe Anzeichen einer Besserung enthielten.
Als die Impulse durch die Industrie wegfielen, musste unweigerlich
auch die Binnennachfrage weiter nachgeben.
Die Binnennachfrage wird sich erst dann erholen, wenn die
Außennachfrage überzeugend ausfällt. Die nominalen Lohnzuwachsraten liegen derzeit weit unter dem durchschnittlichen
Niveau vor der Krise und werden oftmals durch die Inflation
aufgezehrt. In mehreren Staaten hat sich die Arbeitslosigkeit
weiter erhöht. Von einigen wenigen Ländern abgesehen ist das
Investitionswachstum stagnierend oder rückläufig. Russland,
Rumänien (im 1. Halbjahr 2012) und Lettland bilden diesbezüglich
eine Ausnahme.
Unterschiedliche Schwachstellen
in den einzelnen Ländern
Vor dem Hintergrund der schrittweisen Erholung des Wachstums
und möglicherweise leicht höherer externer Finanzierungskosten
rechnen wir mit einer größeren Differenzierung bei Staatsanleihen
in den kommenden Quartalen. Während die Portfoliozuflüsse
insgesamt einem „Moral Hazard“-Risiko unterliegen, entwickeln
sich einige Volkswirtschaften weiterhin erfreulich. Rumänien ist
das einzige Land in der Region, das beharrlich ein Programm mit
dem IWF fortsetzt, während seine Haushaltspolitik gelobt wird.
Auch wenn Polen und Tschechien fiskalische Ziele womöglich
erst später im Jahr 2013 erreichen, haben die Regierungen in den
vergangenen drei Jahren eine Reihe von Maßnahmen zur Kon­
solidierung der Staatsverschuldung eingeleitet, aus denen die
Bankensektoren gestärkt hervorgingen. Die öffentliche Finanzlage
in Bulgarien, Lettland und Litauen – den Ländern mit Anbindung
an eine Ankerwährung – hat sich ebenfalls verbessert. Kasachstan
wiederum verfügt im Haushalt über ein großes Polster zum Schutz
vor fallenden Rohstoffpreisen, ist das Thema der Unterdeckung im
Bankensektor aber viel zu zögerlich angegangen.
Russland und die Türkei haben sich zwischen den Spitzenreitern
und den Nachzüglern eingereiht. Im Hinblick auf die Kapitalflüsse
sind beide Länder anfälliger geworden, wenngleich eine geringe
Staats- und Außenverschuldung für ein Polster sorgen. In der
Türkei ist der Bankensektor zunehmend von ausländischen
Kapitalflüssen abhängig, was die Netto-Auslandsvermögens­
position nach –1,4% gemessen am BIP Ende 2009 auf –10,8%
drückte. Dabei stammen die Mittel zum Teil aus Portfoliokapital.
Die Koordinierung der makroökonomischen Politik durch Regierung, Zentralbank und Finanzaufsicht ist jedoch unzureichend.
In Russland gab es eine strukturelle Verschiebung bei den
Abflüssen von inländischem Kapital, die teilweise höhere Ölpreise,
aber auch eine größere politische Unsicherheit und ein schwaches
Investitionsklima widerspiegelt. Bei 5,8 Prozentpunkten gemessen
am BIP in den ersten drei Quartalen dieses Jahres stellt diese Art
von Kapitalabflüssen ein strukturelles Wachstumshemmnis dar.
Gleichwohl sind es die Ukraine, Ungarn, Slowenien, Serbien und
Kroatien, die die Schlusslichter bilden werden. Positiv ist, dass bei
fehlenden notwendigen Maßnahmen in Slowenien und Kroatien in
den nächsten sechs Monaten externe Anker eingeführt werden.
Wenn in Slowenien der Plan für eine Bad Bank nicht vorankommt,
dürfte ein Troika-Programm aufgelegt werden. In Kroatien schnitt
die Regierung in Sachen Ausgaben und Reformen im öffentlichen
Sektor schlecht ab, das Land wird aber nach seinem nächstjährigen Beitritt in die EU voraussichtlich unter Druck geraten.
Es ist kein Zufall, dass die übrigen drei Länder dieser Fünfergruppe
nach Ausbruch der Krise 2008 gezwungen waren, sich einem
IWF-Programm zu unterwerfen – wenngleich sie ihre Kooperation
mittlerweile eingestellt haben. In den letzten 12 Monaten half
der Zugang zu ausländischem Kapital über einheimische oder
ausländische Märkte sowie über Russland, einen suboptimalen
„Policy Mix“ für längere Zeit aufrechtzuerhalten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt muss das Defizit in der Ukraine aufgrund des
ausbleibenden BIP-Wachstums, fallender Stahlpreise, abnehmender Devisenreserven und eines großen Bruttobedarfs an externer
Finanzierung sehr dringend angegangen werden. In Ungarn ist der
Druck zurzeit weit geringer, wenngleich die Politik 2012 dem
Bankensektor schadete, erforderliche Größenanpassungen im
öffentlichen Sektor unterließ und das Investitionsumfeld negativ
beeinträchtigte. Serbien setzte ebenfalls keine notwendigen
Zentralbank- und fiskalische Maßnahmen durch, um sich ein
weiteres Hilfsprogramm zu sichern. Ungarn und die Ukraine
müssen demnächst an den IWF und die EU größere Rückzahlungen vornehmen, und ihnen drohen wie keinem anderen Land
höhere Refinanzierungskosten auf den Auslandsmärkten.
Report 01/2013 I 11
REport
Fokus
Wie gerecht ist Österreich?
Stefan Bruckbauer | stefan.bruckbauer@unicreditgroup.at
Das Steuer- und Transfersystem leistet weiterhin einen wesentlich
Beitrag zur Umverteilung, heute mehr als noch Mitte der 90er
Jahre, kann aber trotzdem die ungleichere Markteinkommensverteilung nicht ausgleichen. Allerdings ist ein wesentlicher Grund für
die heute ungleichere Einkommensverteilung simpel die Tatsache,
dass es heute mehr „atypische“ Jobs gibt. Die oberen Einkommen
tragen heute mehr zur Umverteilung bei, die obersten fünf und vor
allem das oberste ein Prozent jedoch weniger.
Die Frage, wie gerecht Österreich ist, lässt sich natürlich nicht wirk­lich beantworten, da niemand definieren kann, was gerecht ist.
Trotzdem gibt es zunehmend Diskussionen in der Öffentlichkeit über
Gerechtigkeit oder vielmehr Ungerechtigkeit. Meist geht es dabei um
die Vermögens- oder Einkommensverteilung, also eigentlich eher
um Gleichheit und Ungleichheit.
Auch wenn dieses Thema nie erschöpfend beantwortet werden kann,
gibt es doch einige Fakten, die in der Diskussion eine Rolle spielen
sollten.* Das erste ist, man sollte immer trennen zwischen Einkommensverteilung und Vermögensverteilung. Die Vermögensverteilung
ist traditionell extrem ungleich. Tatsächlich sollte sich jedoch die
Diskussion um die Einkommensverteilung drehen, sie bestimmt
vielmehr das Wohlergehen der Menschen als das Vermögen.
Österreichs Steuersystem macht Österreich
deutlich gleicher
Oft wird unterschätzt, welchen starken Umverteilungseffekt das
Steuer- und Transfersystem hat. So liegen die Markteinkommen des
obersten Fünftels in Österreich ca. achtmal so hoch wie jene des
untersten Fünftels. Nach Steuern und Transfers des Staates nur mehr
viermal. Der Gini Koeffizient sinkt von 0,376 auf 0,261. Damit kann
Österreich zu jenen Ländern gezählt werden, die eine sehr „gleiche“
Einkommensverteilung haben. Lediglich einige Länder in Zentral- und
Osteuropa (natürlich auf niedrigerem Niveau) und die traditionell
sehr egalitären skandinavischen Länder liegen hier vor Österreich.
Betrachtet man nur Länder, deren Einkommensniveau zumindest
drei Viertel des österreichischen erreicht, so hat nur Dänemark mit
rund 6% weniger Menschen, die nicht einmal die Hälfte des
Medianeinkommens haben. Dann folgt bereits Österreich mit 7%
(siehe Grafik 1). In der Schweiz oder Deutschland sind es 9%.
Natürlich leistet hier das Pensionssystem, aber auch die Arbeits­
losenunterstützung einen wesentlichen Beitrag, die hohe Beschäftigungs- und niedrige Arbeitslosenquote ebenfalls.
Was hat sich in den letzten Jahren verändert?
In der Diskussion um die Einkommensverteilung wird immer wieder
darauf hingewiesen, dass die Verteilung immer ungleicher wird. Die
Daten bestätigen dies zu einem gewissen Teil, zeigen jedoch auch,
dass dies meist überschätzt wird. Betrachtet man zudem deutlich
längere Zeiträume, für die allerdings nur teilweise Daten vorliegen,
so scheinen die 70er Jahre weltweit wohl die egalitärste Einkommensverteilung gebracht zu haben, die Jahrzehnte davor und
danach weisen wieder höhere Gini Koeffizienten auf. Offensichtlich
waren diese Jahre, geprägt von hohen Wachstumsraten und höherer
Inflation, von niedrigen Arbeitslosenquoten und teilweise geschütz-
*) Siehe dazu auch Bruckbauer S., Pudschedl W.: „ÖsterREICH oder ÖsterARM?“, Bank Austria Analysen, August 2012 oder Bruckbauer S.: „Gerechtigkeit im Steuersystem aus ökonomischer Sicht“, Vortrag bei den 5. Oktobergesprächen
Uni Wien. Beides finden Sie auf: http://economicresearch.bankaustria.at
Grafik 1
Wie viele haben weniger als 50 % des
Medianeinkommens? (Ende 2000er, Anteil der
Grafik 2
Realeinkommen wächst nicht für alle
(Veränderung in % zum Vorjahr, 1997 bis 2010)
Haushalte mit weniger als 50 % des Medianeinkommens)
20
25
20
15
15
10
10
10%
15
5
0
5
3%
– 14%
10
– 1%
0%
–5
– 10
0
22 %
20
DK OE NL LX FR NO FN SW CH DE BE IR NZ UK CA ES AU KO JP US
Quelle: OECD, Nur Länder, die 75 % des österreichischen Realeinkommens erreichen.
Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
12 I Report 01/2013
– 15
5
unterste 25%
0
Median
oberste 25%
Mittelwert Beschäftigung
Gesamt
DKOENLLX FRNOFNSWCHDEBE IR NZUKCAESAUKOJP US
Quelle: Statistik Austria Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
REport
ten Märkten günstig für gleiche Einkommensverteilung. Für
Österreich gibt es Daten seit Mitte der 80er Jahre und auch diese
deuten auf eine heute etwas ungleichere Verteilung hin, der Gini
Koeffizient stieg von 0,236 auf 0,261. In der Diskussion wird meist
monokausal die Globalisierung für eine ungleichere Einkommensverteilung verantwortlich gemacht, die anderen Faktoren inklusive
demografischer Aspekte werden oft ausgeklammert. Klarerweise
spielt die Globalisierung eine Rolle, parallel zur Entwicklung einer
ungleicheren Einkommensverteilung in den Industrieländern
stellen wir eine egalitärere Einkommensverteilung in der Welt fest.
Seit Ende der 80er Jahre wird die Welt insgesamt etwas gleicher,
nach zwei Jahrhunderten des umgekehrten Trends.
vor. Eine Indikation bietet jedoch die integrierte Einkommensstatistik. Sie zeigt, dass das unterste Einkommens-Fünftel
heute mit 2,1% um 0,6 Prozentpunkte weniger vom gesamten
Bruttoeinkommen in Österreich erhält als noch Mitte der 90er
Jahre, das oberste Fünftel dafür mit 47,1% um 2,7 Prozentpunkte mehr (natürlich unterschätzt diese Statistik das
unterste Fünftel, da nicht auf Vollerwerbseinkommen hoch­
gerechnet wird). Auch bei den Nettoeinkommen sank der
Anteil des untersten Fünftels von 3,4% auf 2,7% und der
Anteil des obersten Fünftels stieg, von 42,1% auf 43,6%, mit
1,5 Prozentpunkte allerdings weniger stark als bei den
Bruttoeinkommen (siehe Grafik 3).
Trotz der eindeutigen Tendenz zu einer ungleicheren Einkommensverteilung seit Mitte der 80er Jahre wird das Ausmaß sehr oft
überschätzt. So wird die Diskrepanz zwischen dem Anstieg des
gesamten Realeinkommens in Österreich von knapp 22% seit 1997
und dem Rückgang des Medianeinkommens von 1% in derselben
Zeit nur auf die ungleichere Einkommensverteilung zurückgeführt
(Grafik 2). Dabei lässt sich die Hälfte der Diskrepanz alleine auf den
Anstieg der Beschäftigten von 10% zurückführen. Der Rückgang der
Realeinkommen des untersten Viertels um rund 14% erklärt sich
nicht nur aus einer ungleicheren Verteilung, sondern auch aus der
Tatsache, dass der Anteil atypischer Jobs (z.B. Teilzeit) steigt.
So ist seit 2004 die Beschäftigung um 8% gestiegen, „normale“
Jobs jedoch nur um 3%, atypische Jobs um 22%. Dies schmälert
zwar die Qualität des österreichischen Jobwunders der letzten Jahre
und ist sicherlich nicht wünschenswert. Gleichzeitig bedeutet es
jedoch, dass die Daten kein Beleg dafür sind, dass die Jobs des
untersten Viertels von früher heute weiter vom Median entfernt
sind, da das heutige unterste Viertel andere Jobs umfasst, die es
damals noch gar nicht gab.
Betrachtet man nun einfach, um wie viel Prozent (nicht
Prozentpunkte) der Anteil der verschiedenen Einkommensgruppen sich durch das Steuer- und Transfersystem heute und Mitte
der 90er Jahre verändert, bekommt man eine Indikation, ob
heute mehr umverteilt wird als damals. Grafik 4 zeigt, dass das
unterste Fünftel heute seinen relativen Anteil am Einkommen
in Österreich um 29% (von 2,1% auf 2,7%) erhöhen kann,
Mitte der 90er Jahre jedoch nur um 17% (von 2,9% auf 3,4%).
Ähnliches gilt für das zweite Fünftel. Dies bedeutet, der Staat
verteilt heute mehr um, kann damit aber die ungleichere
Markteinkommensverteilung nicht völlig korrigieren. Spiegelbildlich verliert heute das oberste Fünftel mit 7% mehr von
seinem Anteil als damals mit 5%. Allerdings bekommt damit
das oberste Fünftel heute noch immer mit 43,6% mehr als
damals mit 42,1%.
Hat des Steuer- und Transfersystem
gegengesteuert?
Es stellt sich die Frage, ob die verfügbaren Einkommen mehr
„ungleich“ geworden sind als die Markteinkommen oder ob das
Steuer- und Transfersystem etwas abgefangen hat. Sehr gute
Daten zur Beantwortung dieser Frage liegen allerdings leider nicht
Grafik 3
Was bleibt?
(Anteile am Nettoinkommen in Prozent)
50
42,1
Wer gibt wie viel vom Kuchen ab?
1995
2008
43,6
40
30
20
0
30
24,2 24,4
23,3
20,7
18,2 18,4
20
12,1
10
10
–10
10,9
–20
4,0
3,4 2,7
Unt. 20%
20%–
40%
40% –
60%
60 %–
80%
80%–
100%
Grafik 4
(Veränderung der Anteile am Einkommen von Brutto auf
Netto in Prozent, d.h. um wieviel Prozent sinkt/steigt
der Anteil der einzelnen Gruppen)
40
0
Interessant erscheint jedoch, dass im Gegensatz zu den
obersten 20% die obersten 5% und vor allem das oberste ein
Prozent heute weniger zur Umverteilung beiträgt als noch Mitte
der 90er Jahre. So stieg der Anteil am Markteinkommen der
obersten ein Prozent von 5,9% auf 6,8%, Mitte der 90er Jahre
wurde dies auf 4,0% korrigiert (also immerhin um 32%), heute
korrigiert das Steuer- und Transfersystem die 6,8% nur auf
6,0% (also um 12%). Also obwohl die oberen Einkommen
heute mehr zur Umverteilung beitragen, tun die obersten
Einkommen dies nicht.
6,0
davon
davon
oberste 5% oberstes 1%
Quelle: Sozialbericht 2010, Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
–30
–40
1995
2008
50 29
17
40
11
16
3
8
30
0
0
–5
20
–7
–12
–10
10
Unt. 20%
–12
–32
20 %–
40 %–
60% –
80 %–
davon
davon
0
40%
60%
80 %
5% oberstes 1%
Unt. 20%
20% b 40%
40% b 60%
60% b 100%
80% boberste
dav.
100%
obere
dav.5%
obere 1%
Quelle: Sozialbericht 2010, Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Report 01/2013 I 13
REport
Fokus
Im Goldenen Westen
„Bist zwar als Land ein Zwerg, klein, aber oho …“*
Walter Pudschedl | walter.pudschedl@unicreditgroup.at
Das kleine Ländle zeigt, dass es in der Wirtschaft nicht allein auf
die Größe ankommt. Mit Tempo, dem richtigen Gespür und einer
konsequenten Umsetzung neuer Ideen bewegt sich der kleine Fisch
Vorarlberg sehr erfolgreich im großen globalen Teich.
Mehr als vier Jahre nach der Erstausgabe hat die Bank Austria das
westlichste Bundesland Österreichs einer erneuten Wirtschafts­
analyse unterzogen. Diese vier Jahre waren nicht nur für die globale
Wirtschaft, sondern natürlich auch für die Vorarlberger Ökonomie ein
sehr herausfordernder Zeitraum. Auch der Westen Österreichs bekam
die Auswirkungen der globalen Rahmenbedingungen zu spüren – die
weltweit durch die stärkste Konjunkturkrise seit dem Zweiten
Weltkrieg gekennzeichnet waren, gefolgt von einer zweijährigen
Erholungsphase mit zunehmender Überschattung durch die
europäische Staatsschuldenkrise.
Wie schon vor vier Jahren haben wir den Standort Vorarlberg im
Rahmen unseres Bundesländer-Ranking einer genauen Analyse
unterzogen. In der Gegenüberstellung mit den anderen Bundesländern
zeichnen wir ein aktuelles Bild der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Region – und das Ergebnis ist hervorragend für das Ländle.
In allen Teilkategorien, die neben der Standortqualität und den
strukturellen Begebenheiten auch die Zielgrößen Wohlstand und
Arbeit umfassen, liegt Vorarlberg erstmals über dem ÖsterreichDurchschnitt und hat gegenüber fast allen anderen Bundesländern
an Boden gewonnen. Im Vergleich zur letzten Analyse vor mehr als
vier Jahren hat die Region eine Verbesserung um zwei Ränge erreicht
und ist damit in unserem Ranking zur Nummer eins in Österreich
aufgestiegen. Dies zeigt auch, dass es Vorarlberg am besten von
allen Bundesländern gelungen ist, gestützt auf eine breit und
vielfältig ausgerichtete Wirtschaft, die schwierigen wirtschaftlichen
Gewässer der vergangenen Jahre zu durchschiffen.
Durch die hohe Konzentration auf exportorientierte Industriebranchen
musste zwar im Ländle eine überdurchschnittliche Verringerung der
Wirtschaftsleistung hingenommen werden, aber es gelang Vorarlberg
sehr rasch wieder im Schlepptau der folgenden Erholung der Weltwirtschaft auf einen soliden Wachstumspfad zurückkehren zu können. Die
in der folgenden Aufschwungsperiode dank eines starken und gut
aufgestellten Produktionssektors vorteilhafte strukturelle Ausrichtung
wurde in ein kräftiges Wirtschaftswachstum umgesetzt, das seitdem
zumindest leicht über dem Österreich-Wert lag. Der Anstieg des BIP
betrug zwischen 2000 und 2011 trotz des Rückgangs während der
Krise durchschnittlich 2,2%, gegenüber 1,8% im Bundesdurchschnitt.
Die Wirtschaftsleistung wird mit geschätzten 14,5 Mrd. Euro, was etwa
4,7% des österreichischen Gesamtwerts entspricht, in absoluten
Zahlen und auch in realen Werten zum Jahresende 2012 bereits wieder
deutlich über dem Vorkrisenniveau liegen. Mit mehr als 38.800 Euro
pro Kopf ist das Wohlstandsniveau Vorarlbergs das dritthöchste
Österreichs hinter Wien und Salzburg. Vorarlberg gehört damit zu den
reichsten europäischen Regionen. Mit 130% des Durchschnitts der
EU-27 zählt das Ländle zu den Top-40 unter rund 300 Regionen.
*) Die komplette Analyse über den Standort Vorarlberg sowie einen Überblick über die aktuelle Förderlandschaft sind in der neuen Publikation der Bank Austria „Standort Vorarlberg: Im Goldenen Westen“ enthalten. Die BundesländerBroschüre kann als Druckexemplar kostenlos unter Tel.: 05 05 05 DW 56148 (Tonband) oder per E-Mail unter pub@unicreditgroup.at bestellt werden bzw. ist auf der Homepage der Bank Austria frei verfügbar.
Wirtschaftswachstum im Vergleich
Jährliche reale Veränderung des
Bruttoregionalprodukts (in %)
Arbeitsmarkt im Vergleich
Erwerbsquote
75
3
2
70
1
3
2
Vorarlberg
Österreich
8
7
1
0
65
–1
60
–2
6
0
-1
5
-2
–3
Vorarlberg
Österreich
–4
–5
Arbeitslosenquote
55
50
2008
2009
2010
2011
2012*
2013*
2000 – 2011
Quelle: Statistik Austria, WIFO, Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
14 I Report 01/2013
4
-3
-4
2000
-5 2009 2010 2011 2012* 2000 2009 2010 2011
2008J 2009J 2010J 2011J 2012* 2013*
*) Prognose
Quelle: Statistik Austria, Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
2012*
3
2000-2011
REport
Gute Zensuren erhält das westlichste Bundesland Österreichs auch
auf dem Gebiet des Arbeitsmarktes. Der Bundesländervergleich
zeigt, dass der Vorarlberger Arbeitsmarkt die Wirtschaftkrise sehr
gut überstanden hat. Zwar stieg die Arbeitslosigkeit stärker an als
im Österreich-Durchschnitt, aber die Beschäftigung brach deutlich
geringer ein. Und seit Beginn der Erholung hat sich der Arbeitsmarkt in Vorarlberg deutlich besser als im restlichen Bundesgebiet
entwickelt.
Seit dem Tiefpunkt Mitte 2009 stieg die Beschäftigung bereits
wieder um fast 5,5%, immerhin die zweitstärkste Zunahme aller
österreichischen Bundesländer. Damit reichte der Anstieg aus, um
sogar mehr als die in der Krise verlorenen Jobs wieder zu schaffen
und im Jahresdurchschnitt 2012 ein neues Allzeithoch von fast
150.000 Beschäftigte auszuweisen. Positiv kommt hinzu, dass
diese Entwicklung der vergangenen Jahre auch von einem
überdurchschnittlich starken Rückgang der Arbeitslosigkeit
begleitet war.
Allerdings zeigt sich seit der zweiten Jahreshälfte 2011, verursacht
durch die globale Konjunkturabkühlung, eine Verlangsamung der
Beschäftigungsdynamik bzw. bei der Arbeitslosigkeit sogar eine
Trendumkehr. Dies macht deutlich, dass arbeitsplatzfördernde
Maßnahmen, wie z.B. Impulse für strukturelle Modifikationen
gesetzt und neue Entwicklungsmöglichkeiten in bislang ungenutzten Wachstumsbranchen, vor allem im Dienstleistungssektor,
wahrgenommen werden müssen.
Vorbildlich agiert das Ländle ebenso auf dem Gebiet der Finanzen.
Die Wirtschaftskrise wirkte sich zwar auch auf die Haushaltslage
aus, sodass 2009 und 2010 auf Grund von Einnahmenausfällen
und notwendigen Ausgabensteigerungen, wie z.B. im sozialen
Bereich, Budgetdefizite eingefahren wurden. Im Jahr 2011 gelang es
aber, die Einnahmen-Ausgaben-Schere dank konjunkturbedingter
Mehreinnahmen zu schließen und einen geringfügigen Überschuss
von 0,2% des regionalen BIP zu erreichen. Im Jahr 2012 stabilisierte sich nach einem weitgehend ausgeglichenen Haushalt der
Verschuldungsstand bei rund 115 Mrd. Euro (oder 1% des regionalen BIP) und mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 300 Euro zählt
Vorarlberg, hinter Oberösterreich, zu den Bundesländern mit den
geringsten Schulden.
Betrachtet man die Bevölkerungsentwicklung als Indikator für
langfristige Wachstumschancen, dann stehen auch hier die Zeichen
recht gut. Innerhalb der nächsten 25 Jahre wird die Bevölkerung
voraussichtlich um über 9% zunehmen, also etwas stärker als in
Gesamtösterreich, und auch die Anzahl der Erwerbspersonen wird
in diesem Zeitraum um etwa 1,5% steigen. Das bedeutet nicht nur,
dass Vorarlberg in den nächsten Jahren – hauptsächlich durch
Zuzug – mehr Einwohner haben, sondern auch dank des steigenden
Reservoirs an Arbeitskräften erhöhte langfristige Entwicklungs­
möglichkeiten besitzen wird. Den voraussichtlichen Quantitäts­
vorteil gilt es allerdings durch Anstrengungen im Qualitätsbereich
zu flankieren, um die Attraktivität des Standorts über die Landesgrenzen hinaus zu erhalten.
S(trengths) W(eaknesses) O(pportunities) T(hreats)-Analyse
Stärken
Günstige, europäische Zentrallage im Vier-Länder-Eck (Deutschland,
Schweiz, Liechtenstein, Österreich)
Dynamisches Verdichtungsgebiet Rheintal-Walgau mit polyzentrischer
Struktur sowie guter überregionaler Vernetzung und ausgebauten
Kooperationen
Vielseitige, leistungsfähige Wirtschaftsstruktur mit gesundem Branchenmix
Wettbewerbsvorteile durch Exportkompetenz und hoher Technologieorientierung
Hohe Innovationsleistungen und Umsetzungsorientierung der Unternehmen
Hochwertiges und dichtes Bildungsangebot im Bodenseeraum
Chancen
Stärkung der überregionalen Kooperationen im Bodenseegebiet (Forschung,
Bildung etc.)
Weiterentwickung des Dienstleistungsangebots in unternehmensnahen und
wissensbasierten Bereichen
Attraktivierung des touristischen Leistungsangebots und Stärkung des
Ganzjahrestourismus
Wirtschaftliche Leitbetriebe (Weltmarktführer) unterstützen Entwicklung des
Standorts und Internationalisierung von KMU
Stromautarkie (Wasserkraft) und große Ressourcen an erneuerbaren
Energieträgern (Holz)
Schwächen
Exponierte Lage aus Sicht Restösterreichs und große Entfernung zu den
Wachstumsmärkten Europas
Interregionale Disparitäten bedingt durch die alpine Lage und zurückhaltende
Perspektiven für periphere Gebiete (Arlberggebiet, Montafon, Bregenzerwald,
Walsertal)
Strukturbereinigung in der ehemals dominierenden Textilindustrie noch nicht
abgeschlossen
Relativ kostenintensiver Produktionsstandort
Unterentwickelte regionale F&E-Strukturen (Infrastruktur, Kapazitäten,
Mittelausstattung) im Verhältnis zu Ballungsräumen
Struktureller Mismatch am Arbeitsmarkt, Mangel an hochqualifizierten
technischen Arbeitskräften
Risiken
Verschärfung der interregionalen Disparitäten und Bevölkerungsabwanderung aus den peripheren Gebieten
Kostenbedingte Abwanderung von Betrieben
„Brain drain“, Auspendeln und Abwanderung von (hoch) qualifizierten
Arbeitskräften
Hoher Anteil an KMU mit schwacher Eigenkapitalausstattung kann
Technologisierungsschub nicht mittragen
Beschränkte Verfügbarkeit von Betriebsflächen (alpine Kleinräumigkeit)
Steigende Umweltbelastung und Häufung von klimawandelbedingten
Schäden (Hochwasser, Mur- und Lawinenabgängen)
Report 01/2013 I 15
REport
daten und fakten
Österreich
BIP/ Entstehung
BIP/Verwendung
real
BIP
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
Bergbau und Herstellung von Waren
Energie-, Wasserversorgung, Abfallentsorgung
Bauwesen
Handel
Verkehr
Beherbergung und Gastronomie
Information und Kommunikation
Finanz- u. Versicherungswesen
Grundstücks- und Wohnungswesen
Öffentliche Verwaltung
2008
1,4
5,9
1,1
–3,1
–1,1
–2,1
0,9
3,7
0,2
4,9
3,0
2,4
Konjunkturindikatoren
2010
2,1
–4,3
7,0
–3,3
–2,5
1,4
–0,7
1,4
–0,9
5,4
2,6
0,2
2011
2,7
15,3
8,2
8,2
3,5
1,3
1,0
1,3
–0,9
1,4
2,6
–0,7
real
BIP
Privater Konsum
Öffentlicher Konsum
Bruttoanlageinvestitionen
Ausrüstungen
Bauten
Exporte i.w.S
Waren
Reiseverkehr
Importe i.w.S.
Waren
Reiseverkehr
Sachgütererzeugung
Vdg. z. Vj. in %
Bauproduktion*
Vdg. z. Vj. in %
Einzelhandelsumsatz nom,
Vdg. z. Vj. in %
Übernachtungen
Vdg.z Vj in %
in 1.000
4,3
7,7
6,3
1,0
–12,7
6,9
6,5
4,5
14,5
6,9
12,4
–7,5
–4,6
2,7
2,5
2,3
2,9
3,5
1,2
4,1
2,5
1,8
0,1
1,8
4,3
–1,9
0,5
0,9
–0,2
–1,4
0,0
–0,6
1,1
0,8
0,5
2,2
0,3
–0,2
19,9
4,4
0,3
10,9
0,0
5,4
11,5
4,7
4,4
4,5
5,8
–2,6
1,3
5,8
0,3
2,9
–0,8
2,5
1,9
12,2
–6,4
16,4
17,0
–4,5
1,9
1,9
3,8
1,7
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
Jän.
Feb.
März
April
Mai
Juni
Juli
Aug.
Sept.
Okt.
Nov.
2009
–3,8
–6,5
–12,7
5,1
– 9,6
–0,3
– 9,3
–1,5
–3,9
2,3
–1,1
0,6
2012
2012
2012
2012
2012
2012
2012
2012
2012
2012
2012
2011
2,7
0,7
0,1
7,3
12,1
4,4
7,2
7,9
0,1
7,2
8,1
–5,0
Unselbst.Beschäftigte
Prognose
2013
2014
0,9
1,5
0,6
0,8
0,8
0,5
1,1
2,8
1,4
4,2
0,8
1,3
3,3
4,5
3,4
4,6
2,8
4,1
3,5
4,3
3,5
4,3
3,5
3,8
2012
0,5
0,5
1,6
0,5
0,2
0,9
1,9
1,7
2,5
1,7
1,4
2,8
Vdg.z.Vj. in %
Arbeitslosenquote
nat. Def., in %
VPI
Vdg. in %
3.230,3
3.280,9
3.344,0
3.388,6
3.339,1
3.360,2
3.421,7
1,0
1,6
1,9
1,3
–1,5
0,6
1,8
7,3
6,8
6,2
5,9
7,2
6,9
6,7
2,3
1,5
2,2
3,2
0,5
1,9
3,3
3.383,9
3.391,9
3.433,7
3.430,8
3.465,8
3.489,3
3.562,1
3.541,6
3.507,1
3.485,8
3.466,4
1,8
1,5
1,6
1,5
1,4
1,1
1,7
1,2
0,7
1,0
0,9
8,6
8,4
7,1
6,8
6,3
5,9
6,0
6,2
6,1
6,7
7,2
2,8
2,6
2,4
2,3
2,1
2,2
2,1
2,2
2,7
2,8
2,8
Ende Juni
2013
1,75
1,95
2,10
0,75
Ende Dez.
2012
Wechselkurs
Ende März
2013
Ende Juni
2013
1,31
0,81
1,21
1,31
0,81
1,21
1,32
0,81
1,22
*) Wert der technischen Gesamtproduktion von Hoch- und Tiefbau
Zinsen und Währungen
Euroland
USA
UK
Schweiz
Ende Dez.
2012
0,18
0,31
0,52
0,09
3M-Geld
Ende März
2013
0,35
0,35
0,65
0,10
Ende Juni
2013
0,45
0,35
0,65
0,10
Ende Dez.
2012
1,35
1,73
1,87
0,54
10J
Ende März
2013
1,60
1,85
2,00
0,60
n.v. = nicht verfügbar / Quelle: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria, Statistik Austria, Thomson Financial, UniCredit Research
16 I Report 01/2013
REport
daten und fakten
International
BIP (real, Vdg. in %)
2009
–3,8
–5,1
–4,2
–3,1
–4,4
–1,9
Österreich
Deutschland
Euroland
USA
GB
Schweiz
2010
2,1
3,6
1,8
2,4
0,9
2,7
2011
2,7
3,1
1,5
1,8
0,9
1,9
2012
0,5
1,0
–0,4
2,2
–0,1
1,0
Prognose
2013
2014
0,9
1,5
1,1
1,5
0,1
1,2
2,1
2,6
0,9
1,4
1,2
1,7
VPI (in %)*
2009
0,4
0,4
0,3
–0,3
2,1
–0,5
2010
1,7
1,1
1,6
1,6
3,3
0,7
2011
3,6
2,3
2,7
3,1
4,5
0,2
Prognose
2013
2014
2,2
1,9
1,8
1,9
2,0
1,8
2,3
2,5
2,7
2,3
0,3
0,8
2012
2,5
2,0
2,5
2,2
2,9
–0,6
*) für Euroländer HVPI
Budgetsaldo (in % des BIP)
2009
–4,1
–3,3
–6,3
–10,2
–11,3
–
Österreich
Deutschland
Euroland
USA
GB
Schweiz
2010
–4,5
–3,3
–6,0
– 9,0
–10,2
–
2011
–2,5
–1,0
–4,1
–8,7
–8,2
–
2012
–3,2
0,1
–3,4
–8,5
–6,6
–
3-Monatsgeld
Prognose
2013
2014
–2,3
–1,7
0,0
0,1
–2,8
–2,6
–7,5
–6,0
–6,9
–6,1
–
–
Leistungsbilanz (in % des BIP)
2009
2,7
–
–0,3
–2,7
–1,7
7,9
UK
Euro
USA
Schweiz
Japan
6
5
4
6
7
5
6
1
1
0
0
11/ 09
5 /10
11/ 10
5/ 11
11/11
5/ 12
11/ 12
ATX/ Euro Stoxx
5.000
Prognose
2013
2014
1,6
1,8
–
–
1,5
1,6
–3,1
–3,1
–2,4
–2,0
11,0
–
5 /08
Österreich
Deutschland
USA
Schweiz
Japan
4
3
2
2
5/ 09
2012
1,5
–
1,1
–3,1
–3,4
13,0
5
4
3
3
11 /08
2011
0,6
–
0,3
–3,1
–1,9
14,3
Sekundärmarktrendite
7
5 /08
2010
3,4
–
–0,5
–3,2
–3,2
14,6
2
1
11 /08
0
5/ 09
11 /09
5 /10
11 /10
5/ 11
11/ 11
5 /12
11/ 12
Dow Jones /Nikkei 225
5.000
14.000
5000
Euro Stoxx 50
Dow Jones Industrial
Nikkei 225 (rechte Skala)
21.0005000
4.500
ATX
Euro Stoxx 50 (rechte Skala) 4.625
4.000
4.250
4000
12.000
17.0004250
3.500
3.875
3.000
3.500
2.500
3.125
2.000
2.750
3500
11.000
3000
10.000
2500
9.000
2000
3875
15.000
3500
13.000
3125
11.000
2750
1.500
2.375
8.000
1500
9.000 2375
1.000
2.000
7.000
7.000 2000
1000
5 /08 11/ 08 5 /09 11/ 09 5 /10 11 /10 5 /11 11/ 11 5 /12 11 / 12
5/ 08 11/08 5 /09 11/ 09 5/10 11/ 10 5/ 11 11/11 5/12 11/ 12
4500
13.000
19.0004625
Quelle: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria, Consensus Forecast, Nationale Statistiken, Thomson Financial, UniCredit Research
Report 01/2013 I 17
ATX
REport
daten und fakten
Osteuropa
BIP (real, Vdg. in %)
Bulgarien
VPI (Jahresdurchschnitt in %)
2009
2010
2011
2012
Prognose
2013
2014
2009
2010
2011
2012
Prognose
2013
2014
–5,5
0,4
1,7
0,6
1,7
2,8
2,8
2,4
4,2
3,0
2,6
2,9
Estland
–13,9
3,1
7,6
2,8
3,5
3,7
–0,1
3,0
5,0
3,7
3,0
2,7
Lettland
–17,8
–0,3
5,5
5,0
3,2
3,4
–1,3
2,5
4,4
2,3
2,5
2,6
Litauen
–14,7
1,2
5,9
3,3
3,2
3,3
4,5
1,1
4,1
3,0
2,8
2,7
1,6
3,9
4,3
2,1
1,7
2,3
3,5
2,6
4,3
3,7
2,2
2,4
Rumänien
–6,6
–1,7
2,5
0,2
1,3
1,8
5,6
6,1
5,8
3,4
4,5
3,5
Slowakische Republik
–4,9
4,4
3,2
2,3
1,6
2,9
1,6
1,0
3,9
3,7
3,0
3,1
Slowenien
–7,8
1,2
0,6
–2,2
–1,3
0,9
0,9
2,1
2,1
2,8
2,3
1,7
Tschechische Republik
–4,5
2,6
1,7
–1,1
0,7
2,2
1,0
1,5
1,9
3,4
2,7
2,2
Ungarn
–6,8
1,3
1,6
–1,3
0,2
0,7
4,2
4,9
3,9
5,8
5,5
4,1
EU-10
–3,6
2,3
3,2
0,9
1,3
2,2
3,1
2,9
4,0
3,7
3,1
2,8
Kroatien
–6,9
–1,4
0,0
–1,8
0,5
1,5
2,4
1,1
2,3
3,4
3,2
2,5
Türkei
–4,8
9,2
8,5
2,7
3,4
3,9
6,3
8,6
6,5
9,0
6,7
6,2
Bosnien-Herzegowina
–2,9
0,7
1,3
–0,9
0,8
1,5
–0,4
2,2
3,7
2,1
2,8
2,4
1,2
7,3
7,5
5,0
5,0
6,6
7,3
7,1
8,3
5,2
7,2
6,9
Russland
–7,8
4,3
4,3
3,6
3,6
3,8
11,7
6,9
8,6
5,1
6,0
5,1
Serbien
–3,5
1,0
1,6
–2,1
1,4
2,0
8,6
6,8
11,2
7,6
11,3
5,5
Ukraine
–14,8
4,1
5,2
0,4
1,0
2,9
15,9
9,4
8,0
0,8
7,4
9,3
Polen
Kasachstan
Arbeitslosenquote (in %)
Bulgarien
2009
2010
2011
2012
Budgetsaldo (in % des BIP)
Prognose
2013
2014
2009
2010
2011
2012
Prognose
2013
2014
8,5
11,3
11,8
12,7
12,5
11,7
–0,8
–3,9
–2,1
–0,9
–1,3
Estland
13,8
16,8
11,6
9,5
7,9
6,8
–1,7
–0,8
0,3
0,0
0,5
0,0
Lettland
16,1
14,3
12,7
11,3
10,9
10,7
–6,4
–7,8
–4,0
–2,6
–2,5
–2,5
Litauen
–0,9
9,5
14,5
11,7
10,0
9,0
7,8
–7,9
–7,5
–4,2
–3,1
–2,5
–2,5
11,0
12,1
12,4
12,8
13,5
13,2
–7,4
–7,9
–5,0
–3,5
–3,8
–3,0
6,9
7,3
7,4
7,3
7,2
7,0
– 9,0
–6,8
–5,2
–3,0
–3,0
–3,0
12,1
14,4
13,5
14,0
14,5
14,1
–8,0
–7,7
–4,8
–4,6
–2,9
–2,5
Slowenien
5,9
7,3
8,2
8,5
9,1
9,5
–6,0
–5,8
–6,4
–4,1
–6,5
–3,7
Tschechische Republik
8,1
9,0
8,6
8,6
9,3
9,0
–5,8
–4,8
–3,3
–4,7
–3,4
–3,0
Ungarn
9,8
11,1
11,0
11,2
10,8
9,9
–3,9
–4,2
4,3
–2,7
–2,8
–3,4
EU-10
9,7
11,0
10,8
10,9
11,2
10,9
–6,6
–6,5
–3,6
–3,4
–3,3
–2,9
Kroatien
9,1
11,8
13,5
15,2
15,5
14,5
–3,9
–4,9
–4,9
–4,0
–4,0
–3,8
Türkei
14,0
11,9
9,8
9,2
9,7
9,7
–5,6
–2,7
–0,3
–2,1
–3,0
–2,5
Bosnien-Herzegowina
41,5
42,9
43,3
44,1
43,9
43,6
–4,4
–2,5
–1,3
–2,5
–2,2
–1,3
Kasachstan
6,6
5,8
5,4
5,3
5,2
5,1
–4,3
3,0
6,1
5,5
5,5
6,1
Russland
8,3
7,5
6,6
5,8
5,7
5,7
–12,4
–6,6
0,8
0,0
–1,0
–0,5
Serbien
16,6
19,2
23,0
26,4
26,5
25,7
–4,5
–4,7
–5,0
–6,7
–4,5
–3,5
Ukraine
9,0
8,4
8,2
8,0
8,3
8,3
–6,3
–5,7
–2,7
–5,7
–4,8
–4,2
Polen
Rumänien
Slowakische Republik
Quellen: Nationale Statistiken, UniCredit Research
18 I Report 01/2013
REport
daten und fakten
Osteuropa
Leistungsbilanz (in % des BIP)
Bulgarien
2009
2010
2011
2012
Auslandsverschuldung (in % des BIP)
Prognose
2013
2014
2009
2010
2011
2012
Prognose
2013
2014
–8,9
–1,0
0,4
–1,4
–2,5
–3,5
108,3
102,8
91,9
88,6
83,7
81,2
Estland
4,5
3,6
3,0
0,8
–0,6
–1,4
125,5
114,2
105,0
105,8
107,5
–
Lettland
8,6
3,6
–0,6
–0,9
–1,0
–1,2
156,3
165,3
157,1
150,7
149,2
–
Litauen
4,3
1,6
–1,7
–2,9
–2,0
–1,9
87,2
87,8
82,1
79,1
77,5
77,5
Polen
–3,9
–5,1
–4,9
–3,2
–2,6
–3,0
59,4
66,0
72,8
68,1
68,1
70,6
Rumänien
–4,2
–4,4
–4,4
–3,7
–3,5
–3,0
68,5
74,5
72,1
73,9
72,2
72,4
Slowakische Republik
–2,6
–3,7
–2,1
0,5
0,8
0,5
72,2
75,4
76,6
77,4
78,0
78,2
Slowenien
–0,7
–0,6
0,0
1,1
1,7
1,5
113,3
114,4
111,2
116,9
119,6
121,1
Tschechische Republik
–2,4
–3,9
–2,9
–1,1
–0,5
0,0
43,8
46,8
49,2
50,6
52,0
53,2
Ungarn
–0,2
1,2
0,9
0,9
1,6
1,5
144,9
142,3
139,7
129,9
118,9
113,2
EU-10
–2,6
–3,2
–3,0
–1,9
–1,5
–1,6
76,1
79,7
80,9
78,5
77,2
72,9
Kroatien
–5,1
–1,1
–1,0
–0,9
–1,6
–2,0
101,0
103,6
101,8
103,5
103,8
103,5
Türkei
–2,2
–6,4
– 9,9
–6,6
–6,5
–5,9
42,2
39,6
42,6
41,8
42,1
42,9
Bosnien-Herzegowina
–6,2
–5,7
– 9,6
– 9,6
– 9,7
– 9,1
53,6
52,8
51,6
52,2
52,6
52,4
Kasachstan
–3,2
2,9
7,6
5,0
3,3
3,9
97,7
77,9
69,2
66,9
65,6
62,6
Russland
4,1
5,1
6,0
4,5
1,6
0,5
34,7
34,7
31,9
31,1
29,9
29,9
Serbien
–7,2
–7,4
–8,9
–12,2
–10,1
–11,6
77,7
85,0
77,5
87,2
83,3
84,4
Ukraine
–1,5
–2,2
–5,8
–7,7
–5,9
–5,6
89,5
86,0
80,6
78,2
82,3
67,0
Leitzinssatz p. a. (Periodenende in %)
2009
2010
2011
2012
Prognose
2013
2014
2010
Bulgarien
–
–
–
–
–
–
2,0
2,0
2,0
2,0
2,0
2,0
Estland
–
–
EZB
EZB
EZB
EZB
15,6
15,6
EUR
EUR
EUR
EUR
Lettland
4,0
3,5
3,8
3,8
3,5
4,0
0,7
0,7
0,7
0,7
0,7
0,7
–
–
–
–
–
–
3,5
3,5
3,5
3,5
3,5
3,5
Polen
3,5
3,5
4,5
4,3
3,8
3,8
4,3
4,0
4,1
4,2
4,2
4,1
Rumänien
8,0
6,3
6,0
5,3
5,3
5,0
4,2
4,2
4,2
4,5
4,6
4,7
Slowakische Republik
EZB
EZB
EZB
EZB
EZB
EZB
EUR
EUR
EUR
EUR
EUR
EUR
Slowenien
EZB
EZB
EZB
EZB
EZB
EZB
EUR
EUR
EUR
EUR
EUR
EUR
Tschechische Republik
1,0
0,8
0,8
0,1
0,1
1,0
26,4
25,3
24,6
25,2
25,5
24,9
Ungarn
6,3
5,8
7,0
5,8
5,0
6,0
280,6
275,3
279,3
288,8
282,4
293,8
–
–
–
–
–
–
–
–
–
–
–
–
Kroatien
6,0
6,0
6,0
–
–
3,0
7,3
7,3
7,4
7,6
7,5
7,5
Türkei
6,5
6,5
5,8
5,8
5,8
6,5
2,2
2,0
2,3
2,3
2,3
2,3
Bosnien-Herzegowina
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
2,0
2,0
2,0
2,0
2,0
2,0
Kasachstan
7,0
7,0
7,5
5,5
5,5
6,5
205,6
195,7
204,1
191,6
199,5
208,2
Russland
6,0
5,0
5,3
5,8
5,3
5,0
44,5
40,4
40,9
39,9
40,5
43,0
Serbien
9,5
11,5
9,8
11,0
10,0
9,5
93,9
103,0
102,0
113,0
116,6
120,5
Ukraine
10,3
7,8
7,8
7,5
7,5
7,0
11,3
10,5
11,1
10,5
11,4
12,6
EU-10
2012
Prognose
2013
2014
2009
Litauen
2011
Wechselkurs zum Euro (Jahresdurchschnitt)
Quellen: Nationale Statistiken, UniCredit Research
Report 01/2013 I 19
Das Leben ist voller
Höhen und Tiefen.
Wir sind
für Sie da.
Finanzgeschäfte sind kompliziert
genug. Deshalb sprechen wir eine
einfache und verständliche Sprache.
Denn wir wissen: Nur wenn wir uns
verstehen, können wir auch die
richtige Lösung für Sie finden.
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Seele and Geist
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