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In Gärtringen ist nichts mehr wie es vorher war - FC Gärtringen

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Fußball
Torjäger Janik
Michel:
Fassungslosigkeit
über den 25Punkte-Abzug
wie bei allen
anderen Spielern,
Trainern und
Funktionären des
FC Gärtringen
Foto:
Eibner/Archiv
In Gärtringen ist nichts mehr wie
es vorher war
Schockstarre: Am Tag eins nach dem Urteil durch den
Württembergischen Fußballverband, wonach Landesligist FC
Gärtringen 25 Punkte abgezogen werden, konnte man Trainer,
Spielern und Funktionären die Enttäuschung abseits des
Vorbereitungsspiels gegen den TSV Höfingen im Gesicht ablesen.
Von Harald Rommel
GÄRTRINGEN. Als einen "echten Hammer" bezeichnete der nach
seinem Kreuzbandriss für sein Comeback schuftende FCG-Spieler Hanjo
Kemmler das Strafmaß. "Ich habe noch nie gehört, dass einem Verein so
viele Punkte annulliert worden sind." Genau jene 25 Zähler sammelten die
Schwarz-Weißen zwischen dem 3. Oktober und 1. Dezember 2013 in
neun Spielen. Laut Urteil des WFV lag für Torjäger Janik Michel für
diesen Zeitraum aber keine gültige Spielberechtigung vor. Das
Sportgericht wirft dem FCG vor, den Amateurvertrag nicht angezeigt und
den Nachweis der Meldung zur Sozialversicherung nicht innerhalb von
drei Monaten ab Vertragsbeginn erbracht zu haben. Das Sportgericht ging
deshalb davon aus, dass die Spielberechtigung seit dem 1. Oktober 2013
ruhte.
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27.02.2014
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Nicht nur einmal war FCG-Vorstandsmitglied Ralf Laur in dieser Zeit auf
der Geschäftsstelle des WFV, um sich in dieser Angelegenheit beraten zu
lassen, hätte nach all den Gesprächen nie und nimmer mit einer Strafe in
Form von Punktabzug und schon gar nicht in diesem Ausmaß gerechnet.
"Wir werden alle Rechtsmittel ausschöpfen und bis 7. März in Berufung
gehen", hat er sich die Dienste eines renommierten Juristen auf diesem
Gebiet gesichert, nachdem noch am Montag fast permanent sein Handy
klingelte. "Da haben Zeitungen angerufen, die ich vorher gar nicht
kannte", gab er immer bereitwillig Auskunft zum Urteil, das in erster
Instanz noch nicht rechtskräftig ist. "Da sind so viele Fragen, die sich
stellen, so viele Sachen, an denen wir ansetzen können und werden",
haben er und seine Vorstandskollegen die mehrseitige Urteilsbegründung
nicht nur einmal durchgelesen. "Es gab auch von anderen Vereinen
Stimmen, die sagten, dass wir es uns nicht gefallen lassen sollen", bekam
er Rückenwind von Klubs aus der Landesliga. "Da sind welche darunter,
die keine Punkte am grünen Tisch und damit nicht auf diese Art und
Weise die Aufstiegs- und Abstiegsfrage entschieden haben wollen." Gibt
es doch neben dem FC Gärtringen auch andere Verlierer aus diesem
vernichtenden Urteil. So rutscht das Trio SpVgg Mössingen, SC
Tuttlingen und FV 08 Rottweil jeweils einen Rang nach hinten, was den
Überlebenskampf nicht einfacher macht. Erdrutschartig würde es
hingegen für den FC Gärtringen nach unten gehen.
"Als Sportler fehlen einem da die Worte", schüttelt auch Panagiotis
Adamakis, Trainer der zweiten Mannschaft, angesichts der möglichen
Auswirkungen immer wieder den Kopf. "Da legt die Mannschaft eine
solch tolle Vorrunde hin, erarbeitet sich den ersten Platz und kann den
verdienten Lohn nicht ernten", versteht Adamakis die AmateurfußballWelt nicht mehr. Genauso ergeht es auch den direkt Betroffenen. Weder
Landesliga-Trainer Jörg Wieland noch Spielleiter Klaus Löffler wollten
dazu etwas sagen, so groß war die Betroffenheit. "Die ganze Vorbereitung
über gibt es nur dieses eine Thema", war deshalb auch für Ralf Laur die
einzig richtige Konsequenz, nach dem Vorbereitungsspiel am
Dienstagabend den Spielern bis Samstag die geplanten Einheiten zu
streichen. "Damit die Spieler den Kopf wieder etwas frei bekommen."
"Wenn auf einmal sieben Punkte Vorsprung futsch sind, erholt sich nicht
einmal der FC Bayern davon", gibt Hanjo Kemmler Einblick in seine und
die Gefühlslage der Mannschaft, die sich am Freitag zusammensetzen
wird. "Am meisten weh tut es mir für Janik Michel", stärkt er dem 21Jährigen, der dazu noch vom Verband, obwohl das Urteil noch nicht
rechtskräftig ist, für vier Wochen gesperrt ist, den Rücken. "Die
Mannschaft gibt ihm überhaupt keine Schuld." Und dem WFV? "Wo der
Fehler liegt, wird sich in der zweiten Instanz zeigen", so Kemmler, "die
Funktionäre beim Verband machen halt ihren Job."
Statt der möglichen Meisterschaft droht der Abstieg in die Bezirksliga
Genau das wollen auch die Spieler machen. "Das Verfahren kann sich
vier, sechs Wochen oder sogar noch länger hinziehen", ist es für Hanjo
Kemmler mit das Wichtigste, "dass wir das aus dem Kopf rauskriegen und
die alles andere als einfache Situation gemeinsam meistern". Er verspricht
jedenfalls, nicht den Kopf in den Sand zu stecken: "Wir als Mannschaft
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können nichts anderes machen als weiterzuspielen und abzuwarten, was
herauskommt."
Natürlich hat er sich auch mit der drohenden, neuen Tabellensituation
beschäftigt. Anstatt der möglichen dritten Landesliga-Meisterschaft nach
2006 und 2009 droht möglicherweise der Weg in die Bezirksliga. "Wir
wären plötzlich nur noch auf dem 13. Platz, hätten sieben Punkte
Rückstand aufs rettende Ufer." Was das bedeutet, ist klar: ""Wir müssen
die Punkte sammeln, egal ob es um den Aufstieg oder gegen den Abstieg
geht." Dieser Schwebezustand wird noch einige Zeit lästiger Wegbegleiter
der Gärtringer Fußballer und ihrer Anhänger sein, die sich am
Dienstagabend auch nicht auf die schönste Nebensache der Welt
konzentrieren konnten. Beim 9:0 über Höfingen waren das Geschehen auf
dem Kunstrasen und das Ergebnis Nebensache. Vielmehr wurden
unzählige Fragen diskutiert. Wieso hat der Verband den betroffenen
Spieler nicht sofort gesperrt und ihn stattdessen weiterspielen lassen? Im
Zeitalter des elektronischen Spielberichts hätte ein Mausklick genügt, und
er wäre mit einem "Schloss" als Zeichen als nicht spielberechtigt versehen
werden. Oder weshalb gab es keine mündliche Verhandlung mit allen
Beteiligten? Wieso dieses überharte Strafmaß? Wer hat den Ball
letztendlich ins Rollen gebracht? Und weshalb hat das Urteil so lange auf
sich warten lassen?
Stutzig machte die Gärtringer vor allem die Tatsache, dass bei einem
anderen Verein schon im Dezember in der Kabine über einen möglichen
Punktabzug der Gärtringer gesprochen und auch berichtet wurde, obwohl
zu diesem Zeitpunkt zum Verfahren noch nicht einmal der betroffene
Verein selbst angehört wurde. "Da stellt sich schon die Frage, wie mit
solchen brisanten Informationen beim WFV umgegangen wird", so Laur.
Diskutiert wurde auch darüber, weshalb die mündlichen Absprachen
zwischen Verband und Verein keine Gültigkeit mehr besitzen, wonach
beim WFV von einer Geldstrafe die Rede war, mehr aber nicht.
"Normalerweise müsste noch etwas möglich sein", hofft deshalb der
Mann am Mikro in Gärtringen, Hans Thullner, dass in zweiter Instanz das
letzte Wort noch nicht gesprochen ist.
Immerhin geht es auch um die Planungen für die kommende Runde. Wo
spielt der FC Gärtringen künftig um Punkte? Zwischen Verbands- und
Bezirksliga ist alles möglich. Eine Entscheidung hat Vorstandsmitglied
Ralf Laur für sich schon getroffen: "Wenn wir wieder rechtlichen Rat
brauchen, werden wir den nicht beim Verband einholen."
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